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11.02.2020 Die politischen Probleme in Thüringen

Thüringen aktuell – wer hat da versagt? Kann die „Linke“ mit Bodo Ramelow die freiheitliche Demokratie retten?

Die Missetäter sind jedenfalls nicht nur die CDU und die FDP. Besonders hinterlistig hat sich die AFD in die Diskussion eingebracht und schlägt sich nun auf die Schenkel ob ihrer angeblichen Schlauheit.
Aber damit beweist sie nur, dass ihr die freiheitlich-demokratische Ordnung keinen Deut wert ist, ihnen geht es um völkische und nationalistische Werte.
Nun zerfleischen sich die selbsternannten Volksparteien. Leider wird dies vom deutschen Blätterwald hämisch begleitet nach dem Motto ‚Bad News are good News‘. Dabei scheint es so, als ob die ‚Linke‘ als Retter der Demokratie hochgelobt wird, Bodo Ramelow wird als Landesvater und echter Demokrat dargestellt, was CDU und FDP nicht gelungen ist.

Da möchte ich leichte Zweifel anmelden. Schon Anfang der 2000er Jahre hat er in einer Diskussion im MDR, an der ich teilgenommen habe, verlauten lassen, dass er mit der linken Ideologie die Bundesrepublik sanieren möchte. Ich erinnerte ihn seinerzeit an die Untaten der Mutterpartei der Linken, die SED. Nicht erst heute, sondern damals widersprach er mir, indem leugnete, dass die DDR ein Unrechtsstaat gewesen sei. ‚Nachtigall, ich hör dir trapsen‘. Jetzt geriert er sich als Edelmann und tut so, als würde er sich alleine von der AFD absetzen, während CDU und FDP sie klammheimlich tolerierten. Wenn bei einer erneuten Wahl wieder die AFD-Stimmen mitentscheidend wären, würde er ehrenhaft auf das Amt verzichten.
Ramelow hin, Ramelow her, er kann nicht verbergen, dass, wenn nicht er, dann seine Parteigenossen noch sehr stark vom Gedankengut der DDR-SED geprägt sind.

Muss jetzt unsere freiheitliche Demokratie resignieren und der Planwirtschaft á la Kommunismus wieder Tür und Tor öffnen? Ähnliches erwähnte ich hier bereits im Zusammenhang mit der angeblichen Rettung unseres Klimas durch populistische grün-rötliche Ideologien, bei denen die Gefahr besteht, dass wir irgendwann einmal in einer Öko-Diktatur landen könnten.

Die Möglichkeit der Selbstorganisation im Rahmen der Marktwirtschaft gerät immer mehr ins Hintertreffen. Verbote und Gängeleien des Einzelnen gewinnen die Oberhand. Die Väter unserer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft, auf die unsere Grundgesetz aufbaut, würden sich im Grabe herumdrehen.
Im gleichen Dilemma sollte die Politik sich einmal am Beispiel Österreichs oder Italiens orientieren. Auch dort entstanden parlamentarische Patt-Situationen, die den ‚Gordischen Knoten‘ dadurch gelöst haben, indem das Parlament sich auf einen neutralen, Partei unabhängigen aber fachkundigen Kandidaten geeinigt haben, den sie für eine Übergangszeit bis zu Neuwahlen zum Ministerpräsident kürten. Damit brauchte keine der Parteien ihr Gesicht zu verlieren, die CDU und FDP ihre Abneigung gegen die Linke bewahren und die SPD über ihren Schatten springen, denn auch sie kann gewisse Skrupel – zumindest im Bund – gegenüber einer Annäherung gegenüber den Linken nicht verbergen. Das ist ein heikles Kapitel. Ich glaube, die wenigen Wähler noch würden es dieser wichtigen Volkspartei übel nehmen, wenn sie sich plötzlich mit der Ideologie der Linken verbündeten.

Wenn Sie wissen wollen, wie problematisch es mit unserer Wirtschaft aussieht, dann lesen Sie doch dieses Interview mit einem der kompetenten Mittelständler, dem ich übrigens voll zustimme.

Ihr Jean Pütz

PS Um Missverständnissen vorzubeugen: Als glaubwürdiger Wissenschaftsjournalist mit all meinen Fachwissen bin ich garantiert parteilos, aber engagierter Anhänger unserer nach dem 2. Weltkrieg geprägten Demokratie

Folge 64: Mit Vernunft in die Zukunft

Kritik eines erfolgreichen Unternehmers an der deutschen Wirtschafts- und Umweltpolitik ! Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Zunächst mein persönlicher Kommentar

‚Fokus online‘ hat mit Klaus Fischer, dem Sohn des Erfinders des Fischer-Dübels, Artur Fischer, Gründer der Firma Fischertechnik ein Interview geführt.
Der hat aber nicht nur den Fischer-Dübel und seine vielen Varianten entwickelt, der den Handwerkern das Leben erleichtert, sondern auch Fischertechnik, die Millionen von jungen Menschen den Zugang zur praktischen konstruktiven Technik ermöglicht hat.

Auch ich habe sehr von dieser Erfindung profitiert, denn als ich 1972 meine große Sendereihe ‚Einführung in die Digitaltechnik‘ entwickelte, ermöglichte mir dieser Baukasten für jedermann verständlich, die Theorie mit vielen praktischen Beispielen zu untermalen.

Diese Sendereihe wurde Anfang 1974 zunächst im WDR-Fernsehen ausgestrahlt und eröffnete schließlich mit Hunderten von Wiederholungen in den anderen 3. Programmen auf breiter Ebene das Verständnis für das zukünftige Digital-Zeitalter.

Mit Artur Fischer habe ich so manches Interview geführt. Er hat Anteil an dem großen Erfolg dieser Sendereihe und ich möchte mich hier ausdrücklich noch einmal bei ihm bedanken.

Jetzt erfahre ich durch das Fokus-Online-Interview, dass sein Sohn, Klaus Fischer, aus der Firma einen Weltkonzern geschmiedet hat.

Seine politischen Einstellungen und sein Verständnis für wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten und praktischen Anwendungen, waren die Vorraussetzungen für diesen Erfolg. Immerhin ist die Firma Fischer einer der kreativsten Mittelstandsfirmen Deutschlands im Besitz von tausenden Patenten, die weltweit Geltung haben. In seinem folgenden Interview übt er scharfe Kritik an dem derzeitigen Mainstream, insbesondere was Umwelt- und Klimapolitik anbelangt. Ähnlich wie ich befürchtet er, dass das auf Dauer die Deutschen stark ins Hintertreffen bringen wird und die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit so schädigen, dass die Export-Industrie, insbesondere die vom Mittelstand geprägte, im nächsten Jahrzehnt vor dem Kollaps steht.

Hier das Interview mit dem FOCUS-Autor Donar Jujacinski im Firmensitz im Schwarzwald:

(Focus) – Herr Fischer ist gut gelaunt. Bis die Digitalisierung zur Sprache kommt. „Darüber“, sagt der Inhaber der Fischer-Werke, „ärgere ich mich ständig. Wenn ich von unserem Firmensitz im Waldachtal im Nordschwarzwald mit dem Auto nach Stuttgart fahre, bricht die Leitung mindestens sechsmal zusammen. Unglaublich!“
Klaus Fischer, der 1980 das Familienunternehmen von seinem Vater Artur Fischer übernahm und es zu einem Global Player machte, ärgert das deshalb, weil er ein Macher ist. Einer, der von Stillstand und leeren Versprechungen nichts hält. Besonders dann, wenn sie aus der Politik kommen. Dass er seinem Unmut gern laut und deutlich Luft macht, kann sich der 69-Jährige leisten. Die Unternehmensgruppe hat mehr als 1500 Patente angemeldet, steigerte 2018 den Umsatz um 52 Millionen Euro auf 864 Millionen. 2019 kamen noch ein paar Millionen dazu.

Autor: Herr Fischer, Ärger schadet der Gesundheit.

Ich bin gesund, mir fehlt nichts. Keine Sorge. Aber die Digitalisierung in Deutschland ist wirklich eine Katastrophe! Wir haben 3G und wollen 5G haben, obwohl es noch nicht mal überall 4G gibt. Mit dem Bau der Stromtrassen vom Norden in den Süden ist es genauso. Deutschland verliert den Anschluss. Der Staat tut viel zu wenig. Auf dem Weg in unseren Nachbarort konnte ich früher noch problemlos telefonieren. Das ist vorbei.

Autor: Sie sind viel im Ausland unterwegs. Schämen Sie sich manchmal wegen der deutschen Digitalisierungspolitik?

Es ist schon unangenehm. Ich war gerade in Südafrika. Da kann man überall telefonieren. Selbst im Busch. Kein Witz. Und nicht nur das ist problematisch. Wir verlieren auch den Anschluss in der Bildung, weil Aus- und Weiterbildung nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Weil es an gut ausgebildetem Personal fehlt, werden die Kinder oft schon im Kindergarten nicht entsprechend ihren Begabungen gefördert. In den Schulen ist es ähnlich. Das ist eine Sünde, weil Kinder zwischen ihrem dritten und zwölften Lebensjahr die höchste Auffassungsgabe haben. Deutschland wird mehr und mehr abgehängt.

Autor: Das glauben Sie tatsächlich?

Ja. Ich habe unserer Gemeinde 30.000 Euro gegeben, um für die Schule Computer zu kaufen, die sie teilweise aber nicht nutzen können, weil sie keinen WLAN-Anschluss haben. Bei unserem jährlich stattfindenden Fischer-Abiturientenforum, in dem es um die Digitalisierung ging, beklagten sich Schüler und Lehrer darüber, dass sie nicht unterstützt werden. Dabei ist Bildung das, was für die Zukunft entscheidend ist.

Autor: Was läuft noch falsch?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In der Nähe von Freudenstadt gibt es den 10.000 Hektar großen Nationalpark Schwarzwald, in dem gerade ein Besucherzentrum gebaut wird, das jetzt 50 anstatt 25,5 Millionen Euro kostet. Damit landete das Zentrum sogar im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Aber in den Schulen können die Schüler teilweise nicht die Toiletten benutzen, weil diese in einem miserablen Zustand sind. Und das in einem Staat, der ein so wahnsinnig hohes Steueraufkommen hat. Das ist nicht nachvollziehbar.

Autor: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte kürzlich, dass sie mit der Bilanz ihrer Politik sehr zufrieden ist.

Das würde ich an ihrer Stelle auch sagen. Was mir bis vor Kurzem gar nicht klar war: Keine zehn Prozent unserer Politiker haben einen wirtschaftlichen Hintergrund, und einige haben nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung. Wie Juso-Chef Kevin Kühnert. Er hat zwei Studiengänge abgebrochen, stellt sich aber hin und sagt, dass wir die Reichensteuer brauchen und er die Gesellschaft verändern will. Das ist in China anders. Dort haben viele Politiker zuvor in der Wirtschaft – vor allem im Ausland – Erfahrungen gesammelt.

Autor: Ihr Unternehmen hat dort Produktionsstandorte.

Ja. Beim Besuch der Elite-Universität Tongji in Shanghai sagte mir ein Professor, dass sie so viel Geld vom Staat bekommen, dass sie gar nicht wissen, wohin damit. Wenn Sie sich im Gegenzug die deutschen Universitäten anschauen – die haben seit 10, 20 Jahren einen Renovierungsstau, der in die Milliarden geht. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass es mehr Politiker gibt, die die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen.

Autor: Sprechen wir über die Kernenergie. War der Ausstieg nach Fukushima richtig?

Der Ausstieg war der größte Fehler von Frau Merkel. Die Kernenergie ist die sauberste Energie der Welt, und die deutschen Kernkraftwerke waren und sind die sichersten der Welt. Dafür bauen jetzt Frankreich und sogar Schweden neue Kraftwerke. Ein anderes Beispiel: Auch in der Gentechnologie sind wir nicht mehr führend, und die Absolventen gehen nach ihrem Studium ins Ausland, weil sie dort – besonders in der Forschung – bessere Chancen haben.

Autor: Macht Ihnen das Sorge?

Natürlich. Wie viel investiert Deutschland denn in die Forschung? Zu wenig gegenüber Ländern wie den USA oder China. Wenn wir in den nächsten Jahren nicht mehr in sie investieren, wird Deutschland bald der große Verlierer sein.

Autor: Welche Werte vermissen Sie bei Politikern noch?

Glaubwürdigkeit, Begeisterung, Zuverlässigkeit und dass sie die Menschen bei Zukunftsthemen mitnehmen, um ihnen damit Sicherheit für die Zukunft zu geben. Das Problem ist, dass immer auf die nächste Wahl geschaut wird. Die Politiker sollten sich aber besser darauf besinnen, Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen und sich vor allem wieder mit den starken Nationen vergleichen und die richtigen Schritte einleiten. Dann könnte Deutschland eines Tages wieder eine ganz, ganz starke Nation sein.

Autor: Viele Menschen fürchten Risiken, weil Sie Angst um ihren Wohlstand, ihren Besitz haben.

Wenn sich in Bezug auf ein mutigeres Vorgehen hinsichtlich Bildung, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz oder dem Klima- und Umweltschutz nicht bald etwas ändert, werden wir große Probleme bekommen. Dazu brauchen wir politische Visionäre, die anpacken und sich auf diese wichtigen Themen konzentrieren, anstatt sie zu zerreden. Dieses Zerreden ist übrigens genau das, was ich den Politikern in erster Linie vorwerfe. Dadurch werden wir nicht auf die Zukunft vorbereitet. Hinzu kommt: Der Sozialstaat Deutschland lebt von der Wirtschaft und kann langfristig nur finanziert werden, wenn wir wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben.

Autor: Haben Sie eine Idee, wer diesen Wettbewerb nach der Merkel-Ära verbessern kann? Friedrich Merz vielleicht?

Na ja. Herrn Söder sollte man auch nicht abschreiben. Er ist clever und ein gescheiter Kopf. Meiner Meinung nach ist er jemand, der die Kraft hätte, Deutschland wieder voranzubringen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob am Ende nicht doch Markus Söder zur Verfügung steht.

Autor: Dann halten Sie Friedrich Merz für weniger gescheit?

Herr Merz ist ein außergewöhnlich kluger Mann. Aber ich glaube nicht, dass er es schafft. Er war zu lange weg von der Politik. Aber natürlich ist er jemand, der die Industrie gut kennt und wäre deshalb eine gute Alternative zu Markus Söder.

Autor: Trauen Sie die Aufgabe NRW-Chef Armin Laschet zu?

Das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er der richtige Mann für diese Position ist. Wir müssen jetzt schauen, dass die CDU wieder richtig positioniert wird. Dass sie so weit nach links abgerutscht ist, ist mit ein Grund, dass die AfD so weit kam. Jetzt brauchen wir jemanden, der die CDU wieder mehr nach rechts rückt. Dies ist nicht das Ziel von Herrn Laschet. Im Gegenteil. Das können nur Söder oder Merz.

Autor: Viele Ihrer Unternehmerkollegen sprechen von Rezession.

Die haben wir schon. Da wird nur deshalb nicht viel darüber geschrieben, weil der Umwelt- und Klimaschutz im Augenblick das entscheidende Thema ist. Wobei das ja nichts Neues ist. Das war ja vor zwei Jahren nicht anders als heute. Nur jetzt hat man das Gefühl, die Welt würde in den nächsten Jahren untergehen. Tut sie aber nicht.

Autor: Der Klimahype hängt stark mit Greta Thunberg zusammen.

Sie ist eine junge Persönlichkeit mit viel Mut. Wenngleich ich nicht alles gut finde, was Greta Thunberg veranstaltet. Wir müssen aufpassen, dass die Klimadiskussion nicht dazu führt, dass Deutschland am Ende als Verlierer dasteht. Es ist wichtig, Klimapolitik gemeinsam weltweit zu betreiben und nicht national.

Autor: Die Fischer-Werke sind auch Zulieferer der Autoindustrie, stellen Luftausströmer oder Ablagefächer her. Unter den Abnehmern ist auch der Autobauer Tesla, der im brandenburgischen Grünheide ein neues Werk bauen will. Freut Sie das?

Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man für Tesla alle Register zieht, um sie nach Berlin zu bekommen, und die deutsche Automobilindustrie so gut wie gar nicht unterstützt. Im Gegenteil: Ihr bereitet man immer mehr Probleme. Richtig ist, dass Fehler passiert sind. Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen, nicht mehr nach hinten, sondern nach vorne zu schauen und sich mit den Herausforderungen der Zukunft zu beschäftigen.

Autor: Warum wird um Elon Musk so ein Aufheben gemacht?

Das kann ich nicht beurteilen. Es wäre aber gut, wenn sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier für die deutsche Automobilindustrie auch so einsetzen würde.

Autor: Bekommt die Wirtschaft in Baden-Württemberg ausreichend Unterstützung?

Es wird von der Landesregierung in Baden-Württemberg immer von der Unterstützung des ländlichen Raumes gesprochen. Ein Beispiel: Wir haben in Freudenstadt einen Campus, einen Vorlesungsstandort, der zur Universität Stuttgart gehört. Für diesen Campus wurde mir von der Landesregierung für den Zeitraum von fünf Jahren eine Unterstützung von drei Millionen Euro versprochen, also jedes Jahr 600.000 Euro. Am Ende haben wir aber nur eine Million Euro bekommen, über die der Campus nicht einmal vollständig verfügen kann.

Autor: Haben Sie sich beschwert?

Ja. Das Beispiel zeigt, inwieweit die Investitionen am Standort Deutschland noch sinnvoll sind. Inzwischen gibt es Länder, die die Wirtschaft mit offenen Armen empfangen – sowohl in Europa als auch in Fernost. Nach Serbien, Bulgarien oder Rumänien gehen sehr viele deutsche Firmen, vor allem Automobilzulieferer, für die dort sehr viel getan wird. Natürlich wird auch in Deutschland subventioniert. Aber zu einseitig. Wir sollten nicht nur auf E-Mobilität setzen, sondern auch auf andere Antriebe wie Wasserstoff oder neue Brennstoffe. Anstatt das Geld in die Forschung für neue Technologien wie beispielsweise den Wasserstoff zu geben, unterstützt man Elektroautos, für die noch nicht genügend Strom produziert werden kann und es bis heute auch noch keinen konkreten Plan für die Entsorgung des Elektroschrotts gibt.

Autor: Sie sind Oldtimer-Sammler. Besitzen Sie auch ein E-Mobil?

Ich persönlich nicht. Ich weigere mich zurzeit auch, ein E-Auto zu kaufen, weil es erst ab 220.000 Kilometern CO2-neutral ist. Außerdem halte ich es für einen Riesenfehler, den Verbrennungsmotor abzuschreiben. Da ist noch sehr viel Potenzial vorhanden. Dass die CO2-Werte und der Feinstaub reduziert werden müssen, steht außer Diskussion. Die Frage ist nur, ob es richtig ist, nur die Symptome zu bekämpfen und nicht an die Ursachen zu gehen. Es wäre doch sinnvoller zu schauen, was die drei größten Ursachen in Bezug auf den Klimawandel sind und die Themen weltweit gemeinsam zu bearbeiten.

11.02.2020 Kritik eines erfolgreichen Unternehmers an der deutschen Wirtschafts- und Umweltpolitik

Zunächst mein persönlicher Kommentar

‚Fokus online‘ hat mit Klaus Fischer, dem Sohn des Erfinders des Fischer-Dübels, Artur Fischer, Gründer der Firma Fischertechnik ein Interview geführt.
Der hat aber nicht nur den Fischer-Dübel und seine vielen Varianten entwickelt, der den Handwerkern das Leben erleichtert, sondern auch Fischertechnik, die Millionen von jungen Menschen den Zugang zur praktischen konstruktiven Technik ermöglicht hat.

Auch ich habe sehr von dieser Erfindung profitiert, denn als ich 1972 meine große Sendereihe ‚Einführung in die Digitaltechnik‘ entwickelte, ermöglichte mir dieser Baukasten für jedermann verständlich, die Theorie mit vielen praktischen Beispielen zu untermalen.

Diese Sendereihe wurde Anfang 1974 zunächst im WDR-Fernsehen ausgestrahlt und eröffnete schließlich mit Hunderten von Wiederholungen in den anderen 3. Programmen auf breiter Ebene das Verständnis für das zukünftige Digital-Zeitalter.

Mit Artur Fischer habe ich so manches Interview geführt. Er hat Anteil an dem großen Erfolg dieser Sendereihe und ich möchte mich hier ausdrücklich noch einmal bei ihm bedanken.

Jetzt erfahre ich durch das Fokus-Online-Interview, dass sein Sohn, Klaus Fischer, aus der Firma einen Weltkonzern geschmiedet hat.

Seine politischen Einstellungen und sein Verständnis für wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten und praktischen Anwendungen, waren die Vorraussetzungen für diesen Erfolg. Immerhin ist die Firma Fischer einer der kreativsten Mittelstandsfirmen Deutschlands im Besitz von tausenden Patenten, die weltweit Geltung haben. In seinem folgenden Interview übt er scharfe Kritik an dem derzeitigen Mainstream, insbesondere was Umwelt- und Klimapolitik anbelangt. Ähnlich wie ich befürchtet er, dass das auf Dauer die Deutschen stark ins Hintertreffen bringen wird und die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit so schädigen, dass die Export-Industrie, insbesondere die vom Mittelstand geprägte, im nächsten Jahrzehnt vor dem Kollaps steht.

Hier das Interview mit dem FOCUS-Autor Donar Jujacinski im Firmensitz im Schwarzwald:

(Focus) – Herr Fischer ist gut gelaunt. Bis die Digitalisierung zur Sprache kommt. „Darüber“, sagt der Inhaber der Fischer-Werke, „ärgere ich mich ständig. Wenn ich von unserem Firmensitz im Waldachtal im Nordschwarzwald mit dem Auto nach Stuttgart fahre, bricht die Leitung mindestens sechsmal zusammen. Unglaublich!“
Klaus Fischer, der 1980 das Familienunternehmen von seinem Vater Artur Fischer übernahm und es zu einem Global Player machte, ärgert das deshalb, weil er ein Macher ist. Einer, der von Stillstand und leeren Versprechungen nichts hält. Besonders dann, wenn sie aus der Politik kommen. Dass er seinem Unmut gern laut und deutlich Luft macht, kann sich der 69-Jährige leisten. Die Unternehmensgruppe hat mehr als 1500 Patente angemeldet, steigerte 2018 den Umsatz um 52 Millionen Euro auf 864 Millionen. 2019 kamen noch ein paar Millionen dazu.

Autor: Herr Fischer, Ärger schadet der Gesundheit.

Ich bin gesund, mir fehlt nichts. Keine Sorge. Aber die Digitalisierung in Deutschland ist wirklich eine Katastrophe! Wir haben 3G und wollen 5G haben, obwohl es noch nicht mal überall 4G gibt. Mit dem Bau der Stromtrassen vom Norden in den Süden ist es genauso. Deutschland verliert den Anschluss. Der Staat tut viel zu wenig. Auf dem Weg in unseren Nachbarort konnte ich früher noch problemlos telefonieren. Das ist vorbei.

Autor: Sie sind viel im Ausland unterwegs. Schämen Sie sich manchmal wegen der deutschen Digitalisierungspolitik?

Es ist schon unangenehm. Ich war gerade in Südafrika. Da kann man überall telefonieren. Selbst im Busch. Kein Witz. Und nicht nur das ist problematisch. Wir verlieren auch den Anschluss in der Bildung, weil Aus- und Weiterbildung nicht mehr auf dem aktuellen Stand sind. Weil es an gut ausgebildetem Personal fehlt, werden die Kinder oft schon im Kindergarten nicht entsprechend ihren Begabungen gefördert. In den Schulen ist es ähnlich. Das ist eine Sünde, weil Kinder zwischen ihrem dritten und zwölften Lebensjahr die höchste Auffassungsgabe haben. Deutschland wird mehr und mehr abgehängt.

Autor: Das glauben Sie tatsächlich?

Ja. Ich habe unserer Gemeinde 30.000 Euro gegeben, um für die Schule Computer zu kaufen, die sie teilweise aber nicht nutzen können, weil sie keinen WLAN-Anschluss haben. Bei unserem jährlich stattfindenden Fischer-Abiturientenforum, in dem es um die Digitalisierung ging, beklagten sich Schüler und Lehrer darüber, dass sie nicht unterstützt werden. Dabei ist Bildung das, was für die Zukunft entscheidend ist.

Autor: Was läuft noch falsch?

Ich gebe Ihnen ein Beispiel: In der Nähe von Freudenstadt gibt es den 10.000 Hektar großen Nationalpark Schwarzwald, in dem gerade ein Besucherzentrum gebaut wird, das jetzt 50 anstatt 25,5 Millionen Euro kostet. Damit landete das Zentrum sogar im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler. Aber in den Schulen können die Schüler teilweise nicht die Toiletten benutzen, weil diese in einem miserablen Zustand sind. Und das in einem Staat, der ein so wahnsinnig hohes Steueraufkommen hat. Das ist nicht nachvollziehbar.

Autor: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek sagte kürzlich, dass sie mit der Bilanz ihrer Politik sehr zufrieden ist.

Das würde ich an ihrer Stelle auch sagen. Was mir bis vor Kurzem gar nicht klar war: Keine zehn Prozent unserer Politiker haben einen wirtschaftlichen Hintergrund, und einige haben nicht einmal eine abgeschlossene Berufsausbildung. Wie Juso-Chef Kevin Kühnert. Er hat zwei Studiengänge abgebrochen, stellt sich aber hin und sagt, dass wir die Reichensteuer brauchen und er die Gesellschaft verändern will. Das ist in China anders. Dort haben viele Politiker zuvor in der Wirtschaft – vor allem im Ausland – Erfahrungen gesammelt.

Autor: Ihr Unternehmen hat dort Produktionsstandorte.

Ja. Beim Besuch der Elite-Universität Tongji in Shanghai sagte mir ein Professor, dass sie so viel Geld vom Staat bekommen, dass sie gar nicht wissen, wohin damit. Wenn Sie sich im Gegenzug die deutschen Universitäten anschauen – die haben seit 10, 20 Jahren einen Renovierungsstau, der in die Milliarden geht. Deshalb ist es zwingend notwendig, dass es mehr Politiker gibt, die die wirtschaftlichen Zusammenhänge verstehen.

Autor: Sprechen wir über die Kernenergie. War der Ausstieg nach Fukushima richtig?

Der Ausstieg war der größte Fehler von Frau Merkel. Die Kernenergie ist die sauberste Energie der Welt, und die deutschen Kernkraftwerke waren und sind die sichersten der Welt. Dafür bauen jetzt Frankreich und sogar Schweden neue Kraftwerke. Ein anderes Beispiel: Auch in der Gentechnologie sind wir nicht mehr führend, und die Absolventen gehen nach ihrem Studium ins Ausland, weil sie dort – besonders in der Forschung – bessere Chancen haben.

Autor: Macht Ihnen das Sorge?

Natürlich. Wie viel investiert Deutschland denn in die Forschung? Zu wenig gegenüber Ländern wie den USA oder China. Wenn wir in den nächsten Jahren nicht mehr in sie investieren, wird Deutschland bald der große Verlierer sein.

Autor: Welche Werte vermissen Sie bei Politikern noch?

Glaubwürdigkeit, Begeisterung, Zuverlässigkeit und dass sie die Menschen bei Zukunftsthemen mitnehmen, um ihnen damit Sicherheit für die Zukunft zu geben. Das Problem ist, dass immer auf die nächste Wahl geschaut wird. Die Politiker sollten sich aber besser darauf besinnen, Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen und sich vor allem wieder mit den starken Nationen vergleichen und die richtigen Schritte einleiten. Dann könnte Deutschland eines Tages wieder eine ganz, ganz starke Nation sein.

Autor: Viele Menschen fürchten Risiken, weil Sie Angst um ihren Wohlstand, ihren Besitz haben.

Wenn sich in Bezug auf ein mutigeres Vorgehen hinsichtlich Bildung, Digitalisierung, künstlicher Intelligenz oder dem Klima- und Umweltschutz nicht bald etwas ändert, werden wir große Probleme bekommen. Dazu brauchen wir politische Visionäre, die anpacken und sich auf diese wichtigen Themen konzentrieren, anstatt sie zu zerreden. Dieses Zerreden ist übrigens genau das, was ich den Politikern in erster Linie vorwerfe. Dadurch werden wir nicht auf die Zukunft vorbereitet. Hinzu kommt: Der Sozialstaat Deutschland lebt von der Wirtschaft und kann langfristig nur finanziert werden, wenn wir wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben.

Autor: Haben Sie eine Idee, wer diesen Wettbewerb nach der Merkel-Ära verbessern kann? Friedrich Merz vielleicht?

Na ja. Herrn Söder sollte man auch nicht abschreiben. Er ist clever und ein gescheiter Kopf. Meiner Meinung nach ist er jemand, der die Kraft hätte, Deutschland wieder voranzubringen. Deshalb bin ich mir nicht sicher, ob am Ende nicht doch Markus Söder zur Verfügung steht.

Autor: Dann halten Sie Friedrich Merz für weniger gescheit?

Herr Merz ist ein außergewöhnlich kluger Mann. Aber ich glaube nicht, dass er es schafft. Er war zu lange weg von der Politik. Aber natürlich ist er jemand, der die Industrie gut kennt und wäre deshalb eine gute Alternative zu Markus Söder.

Autor: Trauen Sie die Aufgabe NRW-Chef Armin Laschet zu?

Das kann aus meiner Sicht nicht funktionieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er der richtige Mann für diese Position ist. Wir müssen jetzt schauen, dass die CDU wieder richtig positioniert wird. Dass sie so weit nach links abgerutscht ist, ist mit ein Grund, dass die AfD so weit kam. Jetzt brauchen wir jemanden, der die CDU wieder mehr nach rechts rückt. Dies ist nicht das Ziel von Herrn Laschet. Im Gegenteil. Das können nur Söder oder Merz.

Autor: Viele Ihrer Unternehmerkollegen sprechen von Rezession.

Die haben wir schon. Da wird nur deshalb nicht viel darüber geschrieben, weil der Umwelt- und Klimaschutz im Augenblick das entscheidende Thema ist. Wobei das ja nichts Neues ist. Das war ja vor zwei Jahren nicht anders als heute. Nur jetzt hat man das Gefühl, die Welt würde in den nächsten Jahren untergehen. Tut sie aber nicht.

Autor: Der Klimahype hängt stark mit Greta Thunberg zusammen.

Sie ist eine junge Persönlichkeit mit viel Mut. Wenngleich ich nicht alles gut finde, was Greta Thunberg veranstaltet. Wir müssen aufpassen, dass die Klimadiskussion nicht dazu führt, dass Deutschland am Ende als Verlierer dasteht. Es ist wichtig, Klimapolitik gemeinsam weltweit zu betreiben und nicht national.

Autor: Die Fischer-Werke sind auch Zulieferer der Autoindustrie, stellen Luftausströmer oder Ablagefächer her. Unter den Abnehmern ist auch der Autobauer Tesla, der im brandenburgischen Grünheide ein neues Werk bauen will. Freut Sie das?

Was ich nicht verstehen kann, ist, dass man für Tesla alle Register zieht, um sie nach Berlin zu bekommen, und die deutsche Automobilindustrie so gut wie gar nicht unterstützt. Im Gegenteil: Ihr bereitet man immer mehr Probleme. Richtig ist, dass Fehler passiert sind. Jetzt aber ist der Zeitpunkt gekommen, nicht mehr nach hinten, sondern nach vorne zu schauen und sich mit den Herausforderungen der Zukunft zu beschäftigen.

Autor: Warum wird um Elon Musk so ein Aufheben gemacht?

Das kann ich nicht beurteilen. Es wäre aber gut, wenn sich Wirtschaftsminister Peter Altmaier für die deutsche Automobilindustrie auch so einsetzen würde.

Autor: Bekommt die Wirtschaft in Baden-Württemberg ausreichend Unterstützung?

Es wird von der Landesregierung in Baden-Württemberg immer von der Unterstützung des ländlichen Raumes gesprochen. Ein Beispiel: Wir haben in Freudenstadt einen Campus, einen Vorlesungsstandort, der zur Universität Stuttgart gehört. Für diesen Campus wurde mir von der Landesregierung für den Zeitraum von fünf Jahren eine Unterstützung von drei Millionen Euro versprochen, also jedes Jahr 600.000 Euro. Am Ende haben wir aber nur eine Million Euro bekommen, über die der Campus nicht einmal vollständig verfügen kann.

Autor: Haben Sie sich beschwert?

Ja. Das Beispiel zeigt, inwieweit die Investitionen am Standort Deutschland noch sinnvoll sind. Inzwischen gibt es Länder, die die Wirtschaft mit offenen Armen empfangen – sowohl in Europa als auch in Fernost. Nach Serbien, Bulgarien oder Rumänien gehen sehr viele deutsche Firmen, vor allem Automobilzulieferer, für die dort sehr viel getan wird. Natürlich wird auch in Deutschland subventioniert. Aber zu einseitig. Wir sollten nicht nur auf E-Mobilität setzen, sondern auch auf andere Antriebe wie Wasserstoff oder neue Brennstoffe. Anstatt das Geld in die Forschung für neue Technologien wie beispielsweise den Wasserstoff zu geben, unterstützt man Elektroautos, für die noch nicht genügend Strom produziert werden kann und es bis heute auch noch keinen konkreten Plan für die Entsorgung des Elektroschrotts gibt.

Autor: Sie sind Oldtimer-Sammler. Besitzen Sie auch ein E-Mobil?

Ich persönlich nicht. Ich weigere mich zurzeit auch, ein E-Auto zu kaufen, weil es erst ab 220.000 Kilometern CO2-neutral ist. Außerdem halte ich es für einen Riesenfehler, den Verbrennungsmotor abzuschreiben. Da ist noch sehr viel Potenzial vorhanden. Dass die CO2-Werte und der Feinstaub reduziert werden müssen, steht außer Diskussion. Die Frage ist nur, ob es richtig ist, nur die Symptome zu bekämpfen und nicht an die Ursachen zu gehen. Es wäre doch sinnvoller zu schauen, was die drei größten Ursachen in Bezug auf den Klimawandel sind und die Themen weltweit gemeinsam zu bearbeiten.

07.02.2020 Erderwärmung, falsche Maßnahmen

Mit nur 2% Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß können wir das Klima allein nicht retten. Die ganze Welt muss überzeugt werden, dass es 5 vor 12 ist und der „Point Never Come Back“ bevorsteht. Auf den vielen Weltklimakonferenzen werden zwar Grenzwerte festgelegt, aber die wenigsten Staaten ziehen daraus die notwendigen Konsequenzen – nur wir in Deutschland sind die Musterschüler.

Verantwortlich für dieses Missverhältnis sind nicht nur die Klimaleugner wie Donald Trump und Konsorten, sondern auch viele Maßnahmen im Mainstream, die bei uns garantiert ins Leere führen, weil sie die falschen Schwerpunkte setzen. Populistisch wird immer der Verkehrssektor für die Malaise verantwortlich gemacht. Da möchte ich ganz speziell unsere privaten Autos erwähnen, die bestimmte Kreise in der Politik den Bürgern streitig machen wollen. Das sollen die großen Umweltsünder sein ?

Als Erlösung wird das reine Elektroauto gepriesen. Ja, die Grünen Ideologen gehen sogar so weit und fordern das Verbot des Verbrennungsmotors. Die Menschen, die nicht in den städtischen Ballungszentren leben, sind die Gelackmeierten. Wo sollen die Städter ihre auf der Straße geparkten Autos laden? So kommt es, dass die angepriesenen reinen Elektroautos letztlich nur den Reichen vorbehalten bleiben.

Dabei geht es auch viel besser mit einer anderen Elektromobilität, sprich HyperHybrid, die einer Reduktion des heutigen Spritverbrauchs auf maximal 2-3 Liter pro 100 Kilometer sogar umweltfreundlich mit regenerativem Treibstoff ermöglicht. Aber dies scheint ausgeschlossen, weil der kleine notwendige Verbrennungsmotor den Ökoradikalen nicht ins Gebet passt. Sie propagieren stattdessen die Rute. Goethe hat in seinem Erlkönig das Motiv der Neunmalklugen vorgedichtet: „Bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt.“ ( sprich Verbote). Dabei geht es auch ohne, sofern man sich auf die Vernunft einlässt.
Wieso hat sich ausgerechnet unser privater Autoverkehr als Belzebub herausgestellt, obwohl er nur mit 6-8% Anteil am deutschen CO2-Aufkommen beteiligt?

Alles schön und gut, das Elektroauto scheint in unseren Städten die Luft zu verbessern, aber der Dreck wird verlagert in die Dritte Welt. Dort erzeugt die Gewinnung der Batterie-Rohstoffe katastrophale soziale und wirtschaftliche Verwerfungen der indigenen Bevölkerung.
Auch die vorzeitige Abschaltung von unseren Braunkohlekraftwerken wäre nicht nötig, wenn man den Hebel an der richtigen Stelle ansetzen würde.

Wie kam es zu diesem Missverständnis? Der Normalbürger versteht unter Energie vor allen Dingen die Bewegungsenergie. Emotional ist ihm bewusst, dass, wenn er zu Fuß eine Strecke von A nach B zurück legen muss, ein persönlicher Energie-Einsatz notwendig ist – besonders wenn es den Berg hoch geht. Benutzt er jedoch ein motorgetriebenes Fahrzeug, so legt er diese Strecke mühelos zurück. Allerdings weiß er, dass er dafür Treibstoff mit CO2-Ausstoss benötigt. Das heißt, diese Form der Energie ist für ihn mit einem emotionalen Erlebnis verbunden. Diese Gefühle machen es den grün-rötlichen Ideologen leicht, gerade den Individualverkehr zu brandmarken.

Aber das die Wärmeenergie wesentlich aufwendiger als diese kinetische Energie ist, wird ihm vorenthalten. In der Schule lernt er das viel zu kompliziert, verbunden z. B. mit dem Begriff der Entropie, den kaum jemand begreift. So wird auf Emotionen gesetzt und ihm wird eingeredet, wenn er seinen Diesel oder Benziner abschafft und durch ein Elektroauto eintauscht, er wäre der Umweltschützer erster Klasse – der Rattenfänger von Hameln lässt grüßen.
Noch einmal zur Erinnerung: 6 – 8 % am deutschen CO2-Ausstoss geht auf unsere private Mobilitäts-Kappe. Demgegenüber steht der gesamte Gebäudesektor mit 40-50% für die Versorgung mit Wärme, Kälte, Lüftung und Entlüftung, elektrische Energie für die Beleuchtung und Datenverarbeitung und Kommunikation, usw.
Und jetzt kommt die Logik und Vernunft, die offenbar den Klimaschützern verloren gegangen ist: Wenn die vielen Milliarden Euro Subventionen und Förderungen vom Staat anstelle in den Autosektor in diesen energieaufwendigen Gebäude-Bereich geflossen, bzw. vorrausschauende Wärmeschutzverordnungen ergangen wären – wie ich übrigens schon 1992 in einer ARD-Sendung gefordert habe – dann hätten wir heute keine Not, die anvisierten CO2-Ziele einzuhalten. Als Argument wurde mir damals entgegnet, dass ein besserer Wärme- und Kälteschutz der Gebäude viel zu hohe Kosten verursachen und die Mieten zu stark anheben würde.

Eine Tatsache, die auch heute wieder ganz aktuell ist. Klar kostet das Geld, aber staatliche Beihilfen könnten das viel preiswerter als im Verkehrssektor konterkarieren. Übrigens, mir persönlich ist es auch ohne Subventionen gelungen, mit Hilfe der mittlerweile sehr preiswerten Fotovoltaik und Solarthermie zwei Altbauten in Energie-Plus-Häuser umzuwandeln, und die Wärme-Versorgung eines Sechs-Familienhauses in der Innenstadt wird anstelle einer Gastherme mit einem intelligenten Klein-Heizkraft-Werk (KKW) extrem CO2-sparend erreicht. Ein Gas-Motor treibt einen Generator, der erzeugt 5,5 kW elektrische Energie, die Abwärme heizt das ganze Haus seit 25 Jahren zuverlässig. Das hat sich bezahlt gemacht. Auch ohne Förderung spare ich viel Geld. Ebenso könnte eine Gas-Wärmepumpe helfen, sehr sparsam mit dem CO2-Ausstoß umzugehen. Sie holt etwas dreimal mehr Energie aus dem Erdgas, als die Natur hineingesteckt hat. Das zum Thema Verbot des Verbrennungsmotors.

Alles dies beweist, dass die heutige Energiepolitik auf dem Holzweg ist. Wenn nicht bald eine Änderung eintritt und der wirtschaftlichen und ökologischen Vernunft keine Chance eingeräumt wird, landen wir in der Plan-Wirtschaft, gespickt mit Verboten.
Die Väter unserer genialen, sozialen und ökologischen Marktwirtschaft würden sich im Grabe herumdrehen.

Folge 63: Mit Vernunft in die Zukunft – oder ?

Hier noch ein Link, der die Problematik der Umweltpolitik belegt:

Windkraft und die Schwierigkeiten, sie zu installieren

Ihr Jean Pütz

 

 

Cyber-Quallen als Hüter der Meere

(pte) – Forscher des California Institute of Technology (Caltech) und der Stanford University haben eine bionische Prothese für Quallen entwickelt. Damit vercyberte Nesseltiere schwimmen bis zu drei Mal schneller, ohne dass das ihren Metabolismus belastet. Langfristiges Ziel ist es, die Cyber-Quallen auch zu steuern und mit Sensoren zu bestücken, damit sie Wissenschaftlern Informationen über die unerforschten Weiten des Meeres liefern.

Flotter Pulsieren
Quallen pulsieren, um sich nach dem Rückstoßprinzip fortzubewegen. Typischerweise bringen sie es dabei auf etwa zwei Zentimeter pro Sekunde. Die neue, etwa zwei Zentimeter große Prothese wird mittels hölzernem Stachel am Tier angebracht. Sie dient dazu, mittels elektrischer Impulse das Pulsieren der Quallen zu steuern – ähnlich einem Herzschrittmacher. „Wir konnten zeigen, dass sie sich deutlich schneller bewegen können als üblich, ohne dass ihr Stoffwechsel übergebührlich belastet wird“, sagt Stanford-Doktorandin Nicole Xu.

Auf vier bis sechs Zentimeter pro Sekunde Schwimmgeschwindigkeit bringt es eine Cyber-Qualle. „Das zeigt, dass Quallen ungenutztes Potenzial für schnelleres, effizienteres Schwimmen haben. Sie haben normalerweise nur keinen Grund, das zu tun“, erläutert Xu. Schädlich scheint der Geschwindigkeits-Boost nicht zu sein. Quallen sind dafür bekannt, dass sie bei Stress einen Schleim absondern. Eben das blieb bei den Versuchen aus. Auch Spätfolgen gibt es offenbar nicht. Wurde die Prothese entfernt, sind die Tiere wieder mit normaler Geschwindigkeit geschwommen.

Neue Meeresforscher
Quallen sind für die Wissenschaft interessant, da sie praktisch überall im Meer vorkommen. Daher haben Forscher sie schon als Vorbild für Roboter genommen, die die Ozeane erforschen sollen. „Wir konnten bislang nicht die Eleganz des biologischen Systems einfangen“, meint John Dabiri, Caltech-Professor für Luftfahrt und Maschinentechnik. Das ist mit ein Grund, warum das Team es nun mit Cyber-Quallen versuchen will, um die Tiefen der Weltmeere zu ergründen. „Nur fünf bis zehnt Prozent der Ozeane sind erforscht, also wollen wir ausnutzen, dass Quallen ohnehin überall vorkommen“, erklärt Dabiri.

Mit Sensoren bestückte Tiere könnten also ein globales Netzwerk bilden, um günstig Temperatur, Salzgehalt und andere Eigenschaften der Meere zu überwachen. Das Team will nun also daran arbeiten, die Bewegung der Quallen auch aufgrund der Signale mitgeführter Sensoren zu steuern. Außerdem hofft Daibiri, dass es noch kompaktere Elektronik ermöglicht, diese komplett ins Gewebe der Tiere einzubetten und diese somit wirklich dauerhaft zu Quallen-Cyborgs zu machen.

Antikörper bekämpft AIDs

(pte) – Virologen der Uniklinik Köln haben zusammen mit Kollegen des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung einen neuen, hochwirksamen Antikörper namens 1-18 gegen HIV entdeckt. Er unterdrückt die Virusvermehrung anhaltend. Dadurch hat der Antikörper großes Potenzial, erfolgreich zur Prävention und Behandlung der HIV-Infektion eingesetzt zu werden, so die Forscher.

Große Wirkung nachgewiesen
Zurzeit stellen antiretrovirale Medikamente die Grundlage der Behandlung der HIV-Infektion dar. Sie hemmen effektiv die Vermehrung des HI-Virus, erfordern jedoch eine lebenslange und tägliche Einnahme, die mit Nebenwirkungen einhergehen kann. Aufgrund der hohen Wandelbarkeit von HIV ist zudem eine Kombination mehrerer Wirkstoffe nötig, um die Entwicklung von Medikamenten-Resistenzen und ein Therapieversagen zu verhindern.

Der neue Antikörper hat bei geringen Konzentrationen große Wirkung gezeigt und war gegen 97 Prozent der getesteten HIV-Varianten aktiv. „1-18 zählt somit zu den besten bislang beschriebenen Antikörpern, die HIV neutralisieren können“, so Philipp Schommers, Assistenzarzt an der Uniklinik Köln und einer der Erstautoren der Studie. Zusammen mit dem California Institute of Technology konnten die Kölner den Angriffsmechanismus des Antikörpers 1-18 detailliert darstellen. So bindet und inaktiviert dieser eine besonders relevante Oberflächenstruktur von HIV, auf die das Virus für die Infektion und Vermehrung angewiesen ist.

Forschen am Mausmodell lohnt
Die therapeutische Wirkung des neuen Antikörpers haben die Kölner Virologen unter Verwendung eines Mausmodells untersucht, das eine dem Menschen vergleichbare HIV-Infektion ermöglicht. Andere breit-neutralisierende Antikörper zeigten dabei nur kurzfristige Effekte auf die Viruslast im Blut, da eine rasche Resistenzentwicklung auftrat. Im Gegensatz hierzu führte die Behandlung mit 1-18 zur Reduktion der Virusmenge im Blut, die für die gesamte Therapiedauer anhielt. „Diese Ergebnisse verdeutlichen, dass die Entwicklung von Resistenzen gegen den neuen Antikörper 1-18 im Vergleich zu anderen Antikörpern deutlich erschwert ist“, sagt Henning Grüll, Assistenzarzt am Institut für Virologie und Erstautor.

Mit Fledermaus-Technik gegen Pipeline-Lecks

(pte) – Ein Team unter Leitung der Lancaster University hat einen neuartigen Scanner entwickelt, um korrodierendes Metall in Öl- und Gas-Pipelines zu orten. Die Lösung funktioniert im Prinzip wie die Ultraschall-Echoortung von Fledermäusen. Sie nutzt jedoch hochenergetische Neutronen- und Gammastrahlen, die auch Erdreich oder Betonummantelungen durchdringen können, um so verborgene Korrosion an Leitungen zu finden – was helfen kann, Lecks zu verhindern.

Rückstreuung à la Fledermaus
Korrosion – vulgo Rost – an Pipelines kann zu Lecks und damit hohen Umwelt – und Reparaturkosten führen. Gängige Methoden, um nach solchen Schäden zu suchen, wie Ultraschall, funktionieren aber nicht oder unbefriedigend, wenn eine Pipeline unterirdisch läuft oder zur Isolation mit Beton oder Kunststoff ummantelt ist. Eben in solchen Fällen soll das neue System, an dem auch das National Physical Laboratory http://npl.co.uk und die Firma Hybrid Instruments http://hybridinstruments.com mitgearbeitet haben, Korrosion doch rechtzeitig erkennen können.

„Das System funktioniert etwa wie das Zirpen von Fledermäusen. Das ist einen Überlagerung unterschiedlicher Ultraschall-Wellenlängen, die zu den Ohren der Fledermäuse zurückgeworfen werden“, sagt Mauro Licata, Doktorand in Lancaster. Allerdings kommen bei dem neuen System hochenergetische, schnelle Neutronen und Gammastrahlen zum Einsatz, da sich diese gut ergänzen. Denn die Neutronen reagieren vor allem mit Materialien geringer Dichte und können dichte Substanzen gut durchdringen. Gammastrahlung dagegen reagiert besonders mit Metallen, kommen aber nicht so gut durch dichte Materialien.

Viel schneller Schäden finden
Das System nutzt also einen kombinierten Neutronen- und Gammastrahl. Die Signale der Rückstreuung erfasst ein neuartiger Kombi-Detektor, ein sogenannter „Mixed Field Analyzer“. In Laborversuchen ist es damit gelungen, Schwankungen in der Dicke von Karbonstahl nachzuweisen – auch, wenn eine isolierende Beton- oder Kunststoffschicht vorhanden war. In der Praxis deuten solche Änderungen in der Materialdicke bei einer Pipeline auf Korrosionsschäden hin.

„Neutronen- und Gammastrahlen-Rückstreuung von einer Stahloberfläche in Echtzeit zu isolieren, analog dazu, wie Fledermausgehirne gestreuten Ultraschall isolieren und Verwirrung durch ihr eigenes Zirpen verhindern, könnte uns helfen, Fehler in Pipelines schneller und effektiver zu finden“, betont Malcolm Joyce, Professor für Nukleartechnik in Lancaster und Technischer Leiter bei Hybrid Instruments. Den Forschern zufolge bedarf es allerdings noch besserer Neutronen-Detektoren, um das System schneller zu machen. Langfristig könnte es auch zur Prüfung anderer Strukturen, wie beispielsweise Brücken, geeignet sein.

Mensch erinnert sich lieber an Erfolge

(pte) – Menschen überschätzen oft ihre eigenen Leistungen und Fähigkeiten, selbst wenn sie durch objektive Informationen eines Besseren belehrt werden. Ein Grund dafür ist, dass positives Feedback länger in Erinnerung bleibt als negative Rückmeldungen, wie Florian Zimmermann, Forschungsdirektor am briq-Institut für Verhalten und Ungleichheit, in einer empirischen Studie nachgewiesen hat. Details wurden in „American Economic Review“ publiziert.

IQ-Tests mit 700 Probanden
Für sein Verhaltensexperiment ließ Zimmermann über 700 Probanden einen IQ-Test absolvieren. Anschließend sollten die Teilnehmer angeben, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass ihr Ergebnis in der oberen Hälfte einer Gruppe von zehn Testpersonen angesiedelt ist. Dann wurde ihnen mitgeteilt, wie sie im Vergleich zu zwei anderen, zufällig ausgewählten Gruppenmitgliedern abgeschnitten hatten, woraufhin sie ihre Einschätzung revidieren konnten. Einige Teilnehmer wurden direkt danach erneut befragt, andere erst nach einem Monat.

Die Auswertung zeigt, dass die Teilnehmer ihre Selbsteinschätzung unmittelbar nach dem Hinweis auf ihr relatives Abschneiden nach oben oder unten korrigieren. Nach einem Monat zeigt sich für positives Feedback der gleiche Effekt, während die Anpassungsreaktion auf negatives Feedback deutlich schwächer ausgeprägt ist. „Hinweise auf Selbstüberschätzung scheinen nach einer gewissen Zeit systematisch ausgeblendet zu werden“, so Zimmermann. Offenbar sorgt das selektive Gedächtnis für eine optimistische Verzerrung der Erinnerung.

Wurden die Teilnehmer nach einem Monat gefragt, welche Angaben sie zu ihrem relativen Abschneiden erhalten hatten, gaben diejenigen, die negatives Feedback erhalten hatten, öfter eine falsche Antwort. Oder sie gaben an, sich nicht an die Einordnung ihrer Leistung erinnern zu können, selbst wenn die Erinnerung an andere Details des Experiments noch vorhanden war.

Negatives wird unterdrückt
Zwei weitere Befunde sprechen dafür, dass die negative Erinnerung nicht etwa ganz aus dem Gedächtnis „gelöscht“, sondern nur unterdrückt wird: Wurde die erneute Abfrage vorab angekündigt, konnten sich die Teilnehmer nach einem Monat auch an negatives Feedback noch detailliert erinnern. Zudem ließ sich die negative Erinnerung durch die Aussicht auf einen höheren Geldbetrag für die richtige Antwort „reaktivieren“, verdeutlicht Zimmermann.

„Informationen, die unser Ego ankratzen, sind immer unangenehm“, sagt der Wissenschaftler. Allerdings sei im Normalfall nicht zu befürchten, dass durch das Verdrängen eigener Misserfolge eine endlose Spirale der Selbstüberschätzung entstehe. „Je überzeugter wir von uns selbst sind, desto größer ist die Chance, negatives Feedback zu erhalten. Man müsste das schon völlig ignorieren, um nicht irgendwann auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt zu werden“, unterstreicht briq-Forscher Zimmermann abschließend.

Hydrogel schützt Flugzeuge vor Vereisung

(pte) – Ein neues Hydrogel, das die Bildung von Eis an Tragflächen oder anderen sicherheitsrelevanten Teilen verhindert, haben Forscher der University of California gemeinsam mit Kollegen der Chinesischen Akademie der Wissenschaften  entwickelt. Das Hydrogel ist ein Kunststoff, der Wasser enthält, aber in Wasser nicht löslich ist. Es ist das erste Material, das die Bildung von Eis bei tiefen Temperaturen verhindert.

Kettenreaktion durch Eiskristall
„Die Vereisung beginnt, wenn sich ein kleiner Eiskristall bildet. Der Kristall wächst und bedeckt schließlich die gesamte Fläche“, so Forschungsleiter Ximin He. Manche Anti-Vereisungs-Lösungen verhindern die Bildung des Startkristalls, andere das Wachsen des Kristalls. Wieder andere funktionieren nur auf bestimmten Werkstoffen. Die neue Hydrogel-Lösung verhindert die Eisbildung in jeglichem Stadium, bestätigt He.

Das Hydrogel enthält Polydimethylsiloxan, ein Polymer auf Siliziumbasis, das unter anderem von der medizintechnischen und Pharmaindustrie verwendet wird. Wird das Präparat auf eine Fläche gesprüht, bildet es eine dünne transparente Hülle. Das funktioniert bei Kunststoffen, Metallen, Glas und Keramik. Diese verhindert bis zu einer Temperatur von minus 31 Grad Celsius die Entstehung von Eis. Der Schutz dauert nach Laborversuchen 65 Minuten. Das reicht beispielsweise für den Schutz von Flugzeugen. Der bisherige Rekord lag bei minus 28 Grad und 20 Minuten.

Wie Protein in arktischen Fischen
In den 1960er-Jahren fanden Forscher heraus, dass in der Antarktis lebende Fische ein Protein produzieren, das als Antifrostmittel im Blutkreislauf wirkt. Später wurden in Pflanzen, Mikroorganismen und Insekten ähnliche Proteine entdeckt. Das neue Hydrogel orientiert sich an den inneren Strukturen dieser Proteine. Die meisten Tests fanden im Labor statt, ein Feldversuch bei eisigen Temperaturen in Peking. Selbst wenn sich Eis auf der Schutzhülle bildete, saß es so locker, dass es sich leicht abwischen ließ. Bei Flugzeugen würde dafür der Fahrtwind beim Start und im Steigflug sorgen.

Lavendel ist die Arzneipflanze 2020 in Österreich – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Hier verweise ich auf mein Hobbythekbuch ‚Gesundheit mit Kräutern und Essenzen‘, in dem ich für alle Kräuter eine Monographie erstellt habe über Wirkungen und Nebenwirkungen. Leider ist es nur noch antiquarisch zu bekommen.

Außerdem auf das Buch von Kurt Schnaubelt: ‚Praxis der Neuen Aromatherapie‘, ebenfalls nur noch antiquarisch erhältlich.

Jean Pütz

(pts) – Die Herbal Medicinal Products Platform Austria (HMPPA) – bestehend aus ExpertInnen der pharmazeutischen Institute der Universitäten Graz, Innsbruck und Wien – hat es sich zur Aufgabe gemacht, nach strengen Auswahlkriterien jährlich die Arzneipflanze des Jahres in Österreich zu küren. Die Wahl für 2020 fiel auf Lavendel. Wissenschaftliche Studien belegen u.a. die Wirksamkeit bei Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen sowie bei Infekten der Atemwege.

HMPPA: Interdisziplinäres Kompetenzzentrum für Arzneipflanzen
Die HMPPA ist ein einzigartiges Netzwerk, das seit seiner Gründung im Jahre 2006 mit höchster Kompetenz daran arbeitet, Naturstoffe und pflanzliche Arzneistoffe zu entwickeln. „Ziel ist es letztendlich, diese Erkenntnisse gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft zum Wohle der Patienten nach modernsten wissenschaftlichen Standards umzusetzen“, berichtet Univ.-Prof. Dr. Hermann Stuppner, Präsident der HMPPA, Institut für Pharmazie/ Pharmakognosie, Universität Innsbruck.

Tätigkeitsfelder der HMPPA sind die Grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung sowie deren Umsetzung in der pharmazeutischen Industrie sowie die Aus- und Weiterbildung im Bereich pflanzlicher Arzneimittel. Zudem bestehen Kooperationen mit weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen, Registrierungsbehörden, Organisationen und Partnern aus der Wirtschaft in Österreich und dem europäischen Umfeld.

Lavendel – Porträt der Arzneipflanze 2020
„Lavendel zählt zu den seit jeher wohl bekanntesten Aroma-, Duft und Zierpflanzen und besitzt eine jahrhundertealte Tradition als Arzneidroge und Duftstoff“, erklärt em. o. Univ.-Prof. Dr. Chlodwig Franz, Vizepräsident der HMPPA, Abt. Funktionelle Pflanzenstoffe, Vetmeduni Wien. Die Gattung Lavandula umfasst etwa 40 Arten und gehört in die Pflanzenfamilie der Lippenblütler (Lamiaceae oder Labiatae). Größere praktische Bedeutung besitzen heutzutage Echter Lavendel (L. angustifolia Mill.), Speiklavendel (L. latifolia Medik.) sowie Hybridlavendel oder Lavandin (L. x hybrida Rev.ex Briq).

Die Lavendelarten sind meist kleine, 0,4 bis 1,5 Meter hohe, ausdauernde Sträucher mit kreuz-gegenständigen, lanzettlichen, ganzrandigen oder gezähnten Blättern an vierkantigen Stängeln. Endständig wirtelig in Scheinähren sind hell- bis dunkelvioletten, selten weißen Blüten angeordnet.

Vorwiegend in den Öl-Drüsenköpfchen der Blütenblätter befindet sich das ätherische Lavendelöl in Konzentrationen von 0,5 bis 3,0 Prozent der Blütendroge. Dieses besteht bei Echtem Lavendel und Hybridlavendel aus den Hauptkomponenten Linalylacetat und Linalool. Speiklavendel-Öl enthält als Hauptkomponenten 1,8-Cineol und Campher. Andere Komponenten mit geringeren Anteilen sind u.a. Terpinen-4-ol, alpha-Terpineol, Limonen sowie Lavandulol.

Inhaltsstoffe und Wirkungen
„Die Wirksamkeit der Inhaltsstoffe von Lavendelöl ist durch zahlreiche Studien belegt“, erläutert Univ.-Prof. Dr.Dr.h.c. Brigitte Kopp, Vizepräsidentin der HMPPA, Department für Pharmakognosie, Universität Wien. Reines ätherisches Öl aus Echtem Lavendel zeigt in-vitro eine breite antimikrobielle Wirkung gegen eine Vielzahl an Keimen. In Tierstudien wurden krampflösende, beruhigende, schmerzstillende und entzündungshemmende Effekte nachgewiesen. Lavendelöl kann die Blut-Hirn-Schranke passieren und im zentralen Nervensystem funktionelle Veränderungen hervorrufen, die der angstlösenden klinischen Wirkung entsprechen.

Speiköl wirkt expektorierend, sekretolytisch, antibakteriell, krampflösend und entzündungshemmend. Unterstützt wird die expektorierende Wirkung durch antimikrobielle Effekte gegen diverse Bakterien und Pilze. Durch Speiköl kommt es zu einer Besserung der mukoziliären Clearance bei akuten und chronischen Erkrankungen der Atemwege.

Positive Effekte gegen Angststörungen & Co.
Angststörungen stellen in Westeuropa mit Abstand die am weitesten verbreiteten psychiatrischen Erkrankungen dar. „In der Europäischen Union erkranken innerhalb eines Jahres etwa 14 Prozent daran, gefolgt von Schlaflosigkeit und Depressionen mit jeweils rund sieben Prozent“, so em. o. Univ.-Prof. Dr.h.c.mult. Dr.med. Siegfried Kasper, Emeritierter Vorstand der UKPP der Medizinischen Universität Wien, Zentrum für Hirnforschung. Unter Berücksichtigung sogenannter subsyndromaler Angststörungen, die einige, aber nicht alle Kriterien einer generalisierten Angststörung (GAS) erfüllen, übersteigt die Prävalenzrate pathologischer Angstsymptome vermutlich 20 Prozent.

Als medikamentöse Therapie von Angststörungen stehen Benzodiapezine, Antidepressiva (v.a. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRIs), Buspiron, Proranolol, Hydrozine und Pregabalin zur Auswahl. Sie können jedoch – je nach Substanz – mehr oder weniger gravierende Nebenwirkungen verursachen. Dies ist ein Mitgrund dafür, warum Angststörungen nach wie vor häufig nicht adäquat behandelt werden.

„Ein gut verträgliches, anxiolytisch wirksames Arzneimittel könnte hier Vorbehalte zerstreuen und so die Bedingungen für eine bessere Behandlungsakzeptanz und Compliance schaffen“, meint der Prof. Kasper im Hinblick auf die positiven Studiendaten für das orale Lavendelölpräparat Silexan. Dieses erwies sich bei Patienten mit subsyndromalen Angststörungen oder syndromaler GAS gegenüber Placebo überlegen und ebenso wirksam wie das Benzodiazepin Lorazepam in der Anfangsdosis oder der SSRI Paroxetin. Die Ergebnisse weisen auch auf eine günstige Beeinflussung von Begleitsymptomen wie Unruhezuständen, Depressionen, Schlafstörungen und somatischen Beschwerden hin. Weiters wurden positive Effekte auf Allgemeinbefinden und Lebensqualität beobachtet. Bei Tagesdosen von 80 und 160 Milligramm traten unter Silexan – abgesehen von leichten gastrointestinalen Symptomen wie Aufstoßen – keine spezifischen unerwünschten Wirkungen auf. „Es ergaben sich auch keine Hinweise auf Arzneimittelinteraktionen oder Absetzeffekte, sowie kein Suchtpotential und keine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit“, betont Prof. Kasper.

Wirksam und verträglich bei Atemwegsinfekten
„Positive Effekte zeigt ein in Österreich aus Speik-Lavendel hergestelltes Präparat auch bei Atemwegsinfekten, insbesondere bei viral bedingter Sinusitis oder Bronchitis“, berichtet Dr. Daniel Dejaco, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universität Innsbruck. In einer Studie aus dem Jahr 2017 wurde für Tavipec® bei akuter Bronchitis („unterer Atemwegsinfekt“) eine signifikante Verbesserung der Symptome verglichen mit Placebo beobachtet (Kähler. Spicae aetheroleum in uncomplicated acute bronchitis: a double-blind, randomised clinical trial. Wien Med Wochenschr. 2017).

Eine 2019 publizierte klinische Studie bei 288 Erwachsenen mit typischen Schnupfensymptomen (Sinusitis) legt nahe, dass Tavipec® im Vergleich zu Placebo zu einer signifikanten besseren Symptomreduktion und einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führt, sicher in der Anwendung und gut verträglich ist (Dejaco. Tavipec in acute rhinosinusitis: a multi-centre, doubleblind, randomized, placebo-controlled, clinical trial. Rhinology. 2019). „Basierend auf diesen Daten kann Tavipec® als ergänzende Therapie zu Nasenduschen, Grippemitteln und abschwellenden Nasentropfen bei akuter Sinusitis erwogen werden“, resümiert Dr. Dejaco.