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Weg mit dem Verbrennungsmotor – Gedanken von Jean Pütz

Gedanken zum Thema: Abschaffung des Verbrennungsmotors, koste es was es wolle, selbst dann wenn er mit regenerativen Treibstoff betrieben wird. Das hat soeben das Europäische Parlament beschlossen, Ende 2035 soll dieses Gesetz in Kraft treten.

Was wäre, wenn? Abschaffung des Verbrennungsmotors.

Ein Gedankenexperiment für jedermann:
Die moderne Menschheit verfügte nicht über die heutigen Möglichkeiten, mit Maschinen körperliche Arbeit zu verrichten.
Dazu mein persönlicher Kommentar:

Wir bewundern die Restbestände unserer Vorfahren. Sie sind uns sogar so wichtig, dass sogar die UNESCO viele zu Weltkulturdenkmälern erhoben.

Beispiel:  Ägypten vor mehr als 3.000 Jahren. Ich möchte nicht nur die Pyramiden erwähnen, sondern auch die riesigen Tempel, die die Pharaonen errichten ließen, um irgendwelche Götter gültig zu stimmen. Es gibt wenige Menschen, die sich Gedanken darüber machen, unter welchen enormen menschlichen Anstrengungen und Leiden diese entstanden sind.. Zunächst gab es damals keine technische Hilfen, alles musste per Hand geschafft werden. Die Pharaonen haben den Auftrag erteilt, aber eine ganze Hierarchie von Handwerkern und Architekten haben die Ideen geliefert und umgesetzt. Tatsächlich realisiert haben das Millionen von Sklaven, die meistens die Fertigstellung um wenige Jahre überlebten. Von Arbeitsschutz keine Spur.
Es ist kaum 300 Jahre her, dass auch unsere unmittelbaren Vorfahren sich körperlich schinden mussten, um das zu errichten worauf heute unser Wohlstand aufbaut. Damals gabs auch noch Sklaven, die z. B. unter unmenschlichen Umständen in den Bauch von Segelschiffen gepfercht, aus Afrika in die neue Welt Amerika verfrachtet wurden, wobei allein schon dabei viele nicht überlebten.
Selbst die Religionen haben diese Zustände akzeptiert, wenn nicht sogar gefördert, indem sie Missionare versandten, um angeblich europäisches Heil zu stiften.

Die USA und ganz Mittel- und Südamerika verdankt das Entstehen der heutigen Staaten diesen rechtslosen Menschen.

Wer glaubt, dass es heute nur aufgrund der Menschenrechte etwas moralischer geworden ist, der irrt. Es ist vor allen Dingen eine Erfindung, die entscheidend mitgeholfen hat, die Sklaverei abzuschaffen und diesen Menschen wieder ihre Würde zurück zugeben.

Liebe Leser, sie mögen das sarkastisch nennen, aber erst als die Mutter aller Maschinen erfunden wurde, hatten diejenigen eine Chance, die sich in diese verhängnisvolle Lage der Sklaven versetzten und ihr Mitleid in moralische Forderungen umsetzen
Das ist der Grund, weshalb ich dem Erfinder der Dampfmaschine, James Watt, nicht nur posthum den Nobelpreis für Physik verleihen möchte, sondern auch den Friedensnobelpreis. Plötzlich wurde Maschinenarbeit viel viel billiger als Sklavenarbeit. Sie lohnte sich einfach nicht mehr unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten.
Die Dampfmaschine war der erste Verbrennungsmotor, der bestenfalls zwei bis drei Prozent der eingesetzten Energie in Arbeit umsetzen konnte. Trotzdem nahm man die furchtbaren Abgase  billigend in Kauf, auch wenn sie mit der Eisenbahn mitten in die Städte verfrachtet wurden.

Menschlicher Erfindergeist hat das natürlich erheblich verbessert und aus den Maschinen wurden Alltagsgegenstände in Form von Motoren, die entweder von einem flüssigen Treibstoff versorgt wurden, oder von der später entdeckten Möglichkeit des Antriebs durch den elektrischen Strom. Das ermöglichte übrigens in den Fabriken, die Treibriemen abzuschaffen. Mechanische Energie wurde überall verfügbar, selbst dort, wo im Alltag Arbeitshilfen sinnvoll wurden – oder auch nicht. Und so sind unsere Kinder groß geworden. Dass auch dies Nebenwirkungen und Risiken mit sich brachte, beschreibt der kluge und lyrische Beitrag im Folgenden – sozusagen zum Nachdenken und der Gegenwart ins Gästebuch.
Ihr jean Pütz

Carlos Alexander Gebauer, deutscher Jurist, Publizist und Schriftsteller…

„Eine Generation, die nicht mehr weiß, was körperliche Arbeit ist, bekämpft den Motor und setzt auf Muskelkraft. Es ist die Generation Zentralheizung, die glaubt, Wärme komme einfach aus der Wand. Die Generation, die nie Kohle aus dem Keller in den fünften Stock geschleppt hat, um es warm zu haben. Ohne Aufzug.

Diese Generation, die nicht einmal mehr den Satz auf den Mülltonnen kennt „Keine heiße Asche einfüllen“. Eine Generation, die jeden erdenklichen Luxus – von der Waschmaschine über den Wäschetrockner bis zur Spülmaschine und von der elektrischen Zahnbürste über den Akkurasierer bis zum Kaffeevollautomaten – für naturgegeben hält. Es ist diese Generation, die nun ganze Städte zu Fußgängerzonen umbauen will, damit die alternde Bevölkerung ihre Wasserkästen möglichst nicht nach Hause transportieren kann, sondern Flasche für Flasche einkaufen muß; so wie sie auch jede einzelne Flasche aus dem Müll fischt, um das Pfand in Rente zu wechseln.

Die wohlstandsverwahrlosten Luxuskinder, denen der Schweiß bislang allenfalls im Fitnessstudio floss. All diese Entschleuniger und Natureinklangsfetischisten, die Life-Life-Balancierer und Lattemacchiato-Jonglierer werden lernen: Motorsägen und Elektrobohrer, Fahrstühle und Lkws, sie alle wurden nicht erfunden, um das Biotop des dreifach gefächerten Wildlurchs oder das Habitat der fluoreszierenden Zwerglaus zu stören, sondern um den endlosen Schmerz, die ächzende Pein und das zerrende Keuchen bei der Bewältigung alltäglichen Tuns zu reduzieren, um das Leben lebenswerter und die Welt freundlicher zu gestalten.

Ich wage vorauszusehen:
Erst wenn Ihr Euer letztes Bettgestell, Eure letzte Schrankwand, Euren letzten Bierkasten und Euren letzten Gartengrill im Nieselregen eines Herbstnebeltages auf dem Lastenfahrrad den Berg hochgezerrt habt, werdet Ihr begreifen, warum Opa froh war, ein Auto zu besitzen. Und wenn Ihr dann in einer anschließenden Zwischenphase wieder zwischen Bergen von Pferdeäpfeln über die Straßen gehüpft seid, dann kommt der Tag, an dem Ihr Euer Lastenfahrrad in einem glücktriefenden Moment zum Sperrmüll stellt. Sei’s drum: Jede Generation hat das Recht, aus ihrer eigenen Dummheit zu lernen. Schmerzen sind der beste Lehrer.“

Jean Pütz: Mein Fazit:
ich möchte mit einem ironischen Spruch aus den 50er 60er Jahren beginnen: wir brauchen keine Kraftwerke, unser Strom kommt aus der Steckdose. Genau vor dieser Alternative stehen wir heute, wer glaubt, dass die gesamte Primärenergie, das heißt auch die extrem aufwendige Wärme mit Hilfe des elektrischen Netzes bewerkstelligen zu können, selbst unter Nutzung der elektrischen Wärmepumpe, der ist ein Träumer. Das elektrische Netz wird durch immer mehr Inanspruchnahme völlig überfordert, und ein Prinzip der Elektrizität Energie bedeutet, wenn mehr angefordert wird als die Energieproduzenten liefern können, dann gibt es ein GAU: das heißt alle Räder stehen still

Die Sache mit dem Wasserstoff und seine Probleme

Auszug aus einem Brief an die neugegründete KIT-Forschungsfabrik Universität Karlsruhe.

Wenn wir das Klima in den Griff bekommen wollen, industrielle Anlagen bzw. nach Möglichkeit zu wenden, halte ich für großindustrielle Anlagen die Produktion von grünem Wasserstoff für dringend notwendig.

Nicht nur in Deutschland, sondern in weltweiter Produktion dort, wo Sonne und Wind regelmäßiger und intensiver zur Verfügung stehen. Aber Wasserstoff ist nur ein Zwischenprodukt und viel zu gefährlich im Alltag.

Deswegen muss dringendst die Forschung für nicht nur eine ebenso große Produktionsanlage für regeneratives Methanol folgen.

Gewiss, ein Recycling von CO2 wird dabei unbedingt erforderlich, doch trotzdem frage ich mich, warum die Politik, bisher nicht behindert durch die Wissenschaft, immer noch Wasserstoff als Retter des Energiehungers der Welt propagiert.

Ich selbst bin wie schon öfters gepostet, Dipl. Ingenieur der Elektrotechnik und Schmalspurphysiker und im Parallelstudium empirischer Soziologe. Ich kann also die Beziehungen zwischen Technologie und menschlichem Verhalten beurteilen. Daran scheitert z. B. die Versorgung mit regenerativer Energie ausschließlich aus Deutschland, dem Nichtvorhandensein von ausreichenden Speichern von elektrischer Energie und Methanol.

Viele Bürgerinitiativen lassen schön grüßen. Würde man dieses Problem lösen können und gleichzeitig eine Entwicklungspolitik in Augenhöhe mit den Ländern der 3. Welt ermöglichen.

Überall dort, wo die angesprochenen klimatischen Voraussetzungen gegeben sind, könnten dezentral in der nördlichen und südliche Hemisphäre Produktionsstätten für Methanol entstehen und vor allen Dingen die heutige Monopolisierung der Energieträger beenden. Eine globale und ökologische Marktwirtschaft würde dadurch möglich.

Da ich diese Idee schon öfters propagiert habe, doch niemand begrüßenswerte, neu gegründete Forschungsfabrik als Antwort bekam, bitte ich diese des KIT inständig, mir sachkundige Hilfe zu leisten.

Sind das Utopien oder ….? Warum bin ich ein einsamer Rufer in der Wüste? Warum sind nicht schon Tausende Wissenschaftler auf diese Idee gekommen ? Und Wenn doch, sollten wir schleunigst eine Forschungsgruppe gründen. In meiner Logik ist die einfachste Möglichkeit, ohne milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur, das Klima in den Griff zu bekommen.

Alle Einrichtungen für Transport und weltweite Verteilung dieses regenerativen Methanols sind weitgehend vorhanden, ausgehend von den bisherigen fossilen Energieträgern.

Nach dem Gesetz von Murphy ist die Behandlung reinen Wasserstoffs vom Sicherheitsstandpunkt her zu verantworten. Nicht nur Methanol kann sämtliche fossile Energieträger ersetzen und umgekehrt bei Bedarf wieder in Wasserstoffgas zurück geführt werden.

Ihr Jean Pütz

Ohne Handwerker kein Fortschritt – Briefwechsel mit einem Freund

Einer meiner besten Freunde hat mit mir gemeinsam die staatliche Handwerkerschule in Luxemburg besucht. Er wurde einer der erfolgreichsten Unternehmer in Sanitär- und Umwelttechnik, ich hatte die Chance, mich vom kleinen Elektromechaniker zum erfolgreichen kritischen Wissenschaftsjournalisten zu entwickeln. Beide verdanken wir dies nicht einem Gymnasium, sondern einer Schule, die die Kunst des Handwerks vermittelte, in dem sie Praxis und Theorie in unnachahmlicher Methode lehrte. Wir können mit Fug und Recht behaupten: von da an gings bergauf. Deshalb beobachten wir heute mit großem Misstrauen die sozial-kulturelle niedrige Bewertung des Handwerks. Bezeichnend ist auch, dass die Schule sich umbenennen musste. Sie bezieht sich heute nicht mehr nur auf Handwerker, sondern musste die Kunst mit einbeziehen, ‚Ecole des Arts et Metiers‘ in Luxemburg. Bezeichnend ist, dass sie umgewandelt wurde in ‚Lycée des Arts et Metiers‘. Offenbar reichte in der sozialen Bewertung das Handwerk nicht mehr und musste zum Gymnasium für Kunst hochstilisiert werden.

Die Vernachlässigung des Handwerks, wo man sich gelegentlich die Hände dreckig machen muss, wird unserer gesamten Volkswirtschaft in Zukunft große Probleme bereiten. Schöngeister, Juristen und Philosophen in der Politik erkennen leider diese Gefahr nicht. Irgendetwas muss sich ändern. Mein Freund Pierre hat in einem Brief an mich den Nagel auf den Kopf getroffen, deshalb möchte ich diesen Ihnen nicht vorenthalten.

Dieser Brief hat mich leider fünf Jahre später erreicht.  Seinerzeit habe ich in Luxemburg vor 300 unabhängigen deutschen, französischen und Luxemburger Familien-Unternehmern einen Vortrag gehalten. Daraufhin hat mir mein Freund diesen persönlichen Brief geschrieben, der allerdings allgemeine Gültigkeit besitzt und dessen Inhalt  heute umso aktueller geworden ist. Schon damals litt ich unter der altersbedingten Makuladegeneration AMD, deshalb seine Anrede.

Jean Pütz

Hallo Jean.

Ich schreibe auf deutsch, damit Pina und Frau Bora vielleicht behilflich sein können.
Wir haben uns am Freitagabend leider nicht mehr gesehen, weil ich um 16,30 h aus der Versammlung gehen musste. Ich war aber froh, Dich dort gesehen zu haben. Ich kann Dir nur sagen, Du hast so gut geredet, das war super. Auch Pina hat ohne Scheu ihre Meinung vertreten. Ich beneide Dich, weil ich mich nicht so treffend ausdrücken kann. Das ist nun mal Deine Stärke und daran bist Du ja auch groß geworden.
Was mir bei weitem am besten gefallen hat, ist Deine Einstellung zum Stellenwert des Handwerks. An mehreren Beteiligungen an Rundgesprächen in Luxemburg und in der Schweiz und in Deutschland wurde mir bestätigt, das größte Problem fast aller Berufe ist der Fachkräftemangel. Warum liegt das Handwerk heute im Stellenwert an aller letzter Stelle. In Luxemburg wird man nur mehr Handwerker, wenn man in allen anderen Schulen versagt hat.
Warum liegt der Lohn eines Handwerkers heute in Luxemburg bei max. 20,- € und der Lohn eines Rechtsanwalts bei 500 – 700,- € pro Stunde?
Ich ersetze lieber das Wort Handwerk durch Artisan. Artisan kommt von Art (Kunst). Früher gab es das Sprichwort: < Das Handwerk hat einen goldenen Boden >. Leider ist das lange vorbei. Die bekanntesten und größten und tüchtigsten Menschen waren aber Handwerker.
Christus war Zimmermann.
Leonardo Da Vincy war Handwerker, Ingénieur, Maler und Künstler. Er ist für mich seit 550 Jahren der größte Handwerker. 1477 gründete et in Florenz seine eigene Werkstadt und 1489 in Mailand wieder eine Werkstadt und bildete Schüler aus. Er beschäftigte Gesellen, das waren Handwerker. Ich habe an der Loire seine Wohnung besucht, wo er seine letzten 3 Lebensjahre verbrachte. Weil er durch einen Schlaganfall auf der rechten Seite gelähmt war, malte er zum Schluss mit der linken Hand. Deshalb schrieb er auch vieles in Spiegelschrift.
Lange Rede kurzer Sinn: Es ist mein Anliegen etwas beizutragen dass das Handwerk wieder einen höheren Stellenwert erlangt. Ich bin bereit 1/3 unseres Vermögens einer Stiftung zu widmen. Staatsschulen zu unterstützen ist für mich sinnlos. Ich träume von einer
<ECOLES D’ARTISANS> Fachleute sollen eine Schule mit hohem Stellenwert aufbauen, wo Artisans ausgebildet werden.
Du hast gesagt das Wissen verdoppelt sich alle 10 Jahre. Das stimmt, aber der normale Mensch kommt nicht mit. Einstein hat schon gesagt: der Mensch ist dem Fortschritt der Technik nicht gewachsen. Deshalb entstehen heute die grossen Probleme. Atomkraftwerke,
Zusammenfall der Familie, Respektlosigkeit.
Durch die fortschreitende Technik gibt es heute keine Distanzen und keine Grenzen mehr, also gibt es auch keine Fronten mehr. Herr Santer (früherer Europapräsident) sagte mir letzte Woche, wir haben augenblicklich in 43 Ländern Krieg. Ich bin der Meinung wir haben nicht 43 Kriege, sondern wir haben einen Krieg und zwar in der ganzen Welt, weil wir Distanzen heute mit Lichtgeschwindigkeit überwinden können. Deshalb haben wir Frieden oder Krieg in der ganzen Welt.
Dies können wir nur meistern wenn der Unterschied zwischen Arm und Reich kleiner wird. Dies ist nur möglich wenn die Menschen einen Beruf erlernen, welcher benötigt wird. In den letzten 100 Jahren sind 99 % aller Berufe verschwunden. Dafür werden aber andere Berufe benötigt und müssen erlernt werden. Dafür müssen Menschen ab Kindesalter erzogen und ausgebildet werden.
Ich versuche in der mir noch verbleibenden Zeit interessierte Leute zu vereinen, welche derselben Meinung sind. Mein Ziel ist es eine Privatschule mit Niveau aufzubauen wo Artisans hervorgehen, welche nach ihrem Abschluss durch das Renommé der Schule mit Sicherheit ein Verdienst für sich und für die Gesellschaft schaffen. Weil das Niveau der bestehenden Berufsschulen so tief in Luxemburg gesunken ist, versucht die Fédération des Artisans (wo auch unser Michel im Comité ist) eine eigene Schule für das Handwerk zu schaffen.
Die BDL wird uns in allen technischen Fragen unterstützen. Wir können jedes Jahr bis zu 20 % vom Gewinn unserer Firmen steuerfrei an diese Stiftung abtreten. Wenn eine Privatschule einen hervorragenden Ruf erschaffen hat, übernimmt der Luxemburger Staat 80% der Baukosten und bis zu 90% der Personalkosten.

Ich hab Dir dies jetzt nur schnell geschrieben. Bei Gelegenheit möchte ich mich mit Dir weiter über dieses Thema unterhalten. Wir sind ja einer Meinung.
Wenn wir noch das Glück haben einige Jahre zu überleben und tätig sein zu dürfen, dann sollen wir dies doch ausnutzen uns nützlich zu machen. Ich merke immer mehr, es macht mir am meisten Freude wenn ich anderen helfen konnte und dadurch ihre Freude miterleben kann.

Pierre

Robert Habeck, der moderne  Don Quijote in seinem Kampf mit und gegen die Windmühlen

Robert Habeck, der moderne  Don Quijote in seinem Kampf mit und gegen die Windmühlen

Liebe Freunde,

ich bin bekannt als engagierter Klimaschützer. Das heißt, ich akzeptiere die gesetzten Ziele, bin aber großer Kritiker der Maßnahmen, die bisher ergriffen worden sind. Die Politik spricht derzeit nur von Zielen und kneift, wenn es darum geht, den Weg dahin zu beschreiben. Teilweise verliert sie sich in Wolkenkuckucksheimen. Ein Beispiel dafür ist, dass für Fachleute keine akzeptablen Pläne vorhanden sind, den Deutschen Energiebedarf auf regenerative Quellen umzustellen. Ganz konkret und aktuell: Wie soll der steigende Bedarf an elektrischer Energie befriedigt werden, wenn  die wenigen noch existierenden Atomkraftwerke vom Netz gehen – parallel zur berechtigten Aufgabe vieler Kohlekraftwerke. Das erinnert mich an die 1960er Jahre, als die spöttische Volksberuhigung grassierte: ‘Wir benötigen keine Kraftwerke, bei uns kommt der Strom aus der Steckdose‘.

Das Problem möchte ich hier nicht vertiefen, dazu habe ich aber meinen 85.000 Followern bei Facebook einen Beitrag geliefert, der auf eine außergewöhnliche Akzeptanz gestoßen ist, mit einer Reichweite von über 500.000, mehr als was heute mit Fernsehen und Rundfunk erzielt werden kann. Hinzu kommen 490 schriftliche Kommentare der Bürger, die der Hoffnung Vorschub geben, dass die Schwarmintelligenz der Deutschen nicht ganz am Boden liegt.

Zunächst mein geschriebener Vortext. Wenn Ihr danach noch Lust habt, findet Ihr den Link zu meinem Video. Darin enthalten sind auch die Tausenden von Reaktionen der Follower.

Euer Jean Pütz

Robert Habeck, und sein vergeblicher Kampf gegen die Windmühlen, frei nach Don Quijote, der Held, der von ganz Spanien verehrt wird. Sein berühmter Dichter Cervantes löst das Problem mit Humor, der geht Harbeck und den Grünen aber völlig ab, die meinen es bierernst.

Die deutsche Politik hat sich in einer Fiktion verrannt, leider auch die neue Ampel-Koalition unter  Olaf Scholz. Aus populistischen Gründen wurden die unrealistischen Wunschvorstellungen der Grünen kritiklos übernommen. Tragisch ist, dass der Politik diese Wolkenkuckucksheime durch die Naturgesetze langfristig einen Strich durch die Rechnung gemacht werden.

Wie konnte es soweit kommen? Es scheint, dass die Schwarmintelligenz der Deutschen in Sachen ‘technologisches Wissen‘ nicht ausreicht, um auf demokratischem Weg den Regierenden einen Riegel vorzuschieben. Die Ziele der Klimarettung sind lobenswert, doch sobald es um die Realisierung geht, schweigt des Sängers Höflichkeit. Der Teufel steckt im Detail, die Nebenwirkungen und Risiken bestimmter Klimagesetze und Vorhaben wurden nicht erkannt oder bewusst verschwiegen.

Verhängnisvoll ist dabei, dass sich die Regierung mit Beratern umgibt, die ihrer Aufgabe nicht gerecht werden: ‚wes‘ Brot‘ ich ess‘, des Lied ich sing‘, denn viele dieser Fachleute stammen aus Universitäten und Forschungseinrichtungen, die in ihren Drittmitteln von Subventionen, Zuwendungen und Forschungsaufträgen der politischen Instanzen abhängig sind. So hat sich klammheimlich auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Wissenschaft political correctness breit gemacht. Hinzu kommt, dass auch die Abgeordneten des Bundes und der Länder nicht mehr das Volk repräsentativ vertreten können, Techniker und Ingenieure spielen nur eine untergeordnete Rolle, dafür sind aber Schöngeister, Bürokratiespezialisten und Juristen in der Mehrzahl vertreten, die der Rhetorik mächtig sind, das heißt gut reden und argumentieren können, auf Fachkenntnis kommt es weniger an.

Dann gibt es noch ein fast unüberwindliches Problem: Naturwissenschaftler müssen, um Beweise zu liefern, rechnen und in Statistiken kramen können, damit wird es kompliziert und umfangreich.

Und welcher Abgeordnete hat schon die Zeit und macht sich die Mühe, sich fundamental damit zu beschäftigen? Meistens wachsen diese Expertisen zu einem unüberschaubaren Buch an. Noch schwieriger ist es, dies dem Bürger plausibel zu machen. So haben Populisten leichtes Spiel, auf Vorurteile und Nichtwissen zurück zu greifen und Ziele zu setzen, die nur plausibel erscheinen, aber nicht erreichbar sind. Beispiel: Mit regenerativem Strom könne man angeblich den deutschen Energiebedarf decken, die am meisten CO2-erzeugende Wärme-Energie wird dabei völlig vergessen, so etwas nennt man Primär-Energiebedarf – oder, wenn ein Auto keinen Auspuff hat, sei es umweltfreundlich – oder, aus Deutschland heraus könne das Klima der Welt gerettet werden. Das alles führt zu katastrophalen Fehleinschätzungen, die Deutschland in Zukunft aus dem Kreis der erfolgreichen Industrienationen hinauskatapultieren.
Zum Resignieren ist allerdings auch kein Anlass, wenn wir die regenerative Energie nicht nur in Deutschland suchen, sondern über den eigenen Tellerrand hinweg dezentral die Länder einbeziehen, die mehr von der Sonnen-Energie profitieren oder darunter leiden wie wir, rund um den 52. Breitengrad. In diesen Tropen und Subtropen liegen vorwiegend die Entwicklungsländer. Sie eignen sich besonders zur Gewinnung von regenerativen Energien.

Dazu habe ich, Jean Pütz, ein umfangreiches Konzept entwickelt, welches den Ruf ‚Klimarettung‘ verdient. Stichwort: Wasserstoff und daraus produziertes Methanol, das sämtliche Energieträger ersetzen kann auf Basis von vorhandener Infrastruktur für Transport und Verteilung dieses flüssigen Methyl-Alkohols. Die Billiarden-schweren Investitionskosten fallen weg. Aber welche politische Instanz macht sich schon die Mühe, einem kleinen Querkopf wie mir, auch nur Aufmerksamkeit zu schenken – trotzdem entwickelt sich immer mehr vernunftbetonter Widerstand unter Ingenieuren und Chemikern – ein Hoffnungszeichen.

Folge 244 Der Vernunft eine Chance

Facebook-Kommentar – NATO an der Grenze zu Russland ?

Ekkehardt Gudewill schrieb mir auf meinen Facebook-Kommentar zu Russland bzgl. Versicherung an Gorbatschow, dass die NATO nicht an die Grenzen Russlands reichen soll

Jean Pütz

„Sehr geehrter Herr Pütz! Sie haben in vielen Dingen Recht! Z.bsp. mit Russland. Das hat damals H. Genscher vor den Ostgrenzen u. Mauerfall gesagt:,,Die Nato soll nicht mit schweren Gerät an die russischen Grenzen nachrücken! Was haben sie gemacht, haben Raketenstationen aufgebaut! Darum hat H.Putin das mit der Krim gemacht, das konnte er nicht anders weil er damit rechnen musste das die in die Nato gehen u. ihn auch noch mehr die Raketenstationen vor die Nase setzen. Es war von H. Putin reiner Selbstschutz. Zumal damals Russland einen nicht Angriffspackt von Deutschland hatte u.sind doch Einmarschiert! H. Putin hat eine Jahreskonferrenz gehalten u. hat das klar gestellt mit dem Gas dabei kam heraus das Putin bzw. Gazprom für die Einheit 300$ bekommt aber unsere Finanzwirtschaft mit den Finanzminister alt u. neu das die das nach Polen umleiten es pro Einheit für 2000€ verkaufen, auch an uns die Verbraucher! Schlimm ist es die schieben die Verteuerungen H. Putin auch noch in die Schuhe!!!“

Ein Vorschlag zur Güte von Jean Pütz

Brief an die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die diese Thematik zu einem Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen gemacht

Verehrter Dr. Lammert, lieber Dr. Blind, lieber Dr. von Diest, lieber Herr Thielen, lieber Herr Algermissen,

mein Name ist Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist der zweiten Stunde, Überzeugungstäter in Sachen Wissenschaftskommunikation. Ich möchte Ihnen allen ein großes Kompliment aussprechen. In letzter Zeit haben Sie eine Themenauswahl in Ihren Vorträgen und Seminaren bedient, die einzigartig ist und extrem wichtig für unsere Demokratie in postfaktischen Zeiten. Da begegnen wir uns einhellig. Auch ich arbeite jeden Tag täglich mit meiner Sekretärin an der Aktualisierung meiner sehr gut besuchten wissenschaftlichen Homepage

www.jean-puetz.net

Nicht nur deshalb bin ich auch mit 85 Jahren auf der Höhe der Wissenschaftskommunikation.

Ein Thema allerdings vermisse ich, insbesondere was die Zukunft unserer Landwirtschaft anbelangt, das heißt, Alternativen zur biologischen und konservativen Landwirtschaft. Dazu bitte ich Sie, dieses ggf.  in Ihre digitale Gesprächsrunde mit aufzunehmen.

Für beide Sparten sehe ich große Probleme, was ihre Konkurrenzfähigkeit in Europa und der Welt anbelangt. Ganz klar, es wäre schön, wenn sich die biologische Methode durchsetzen würde. Die Probleme kennen Sie, deshalb hier mein Vorschlag, der beide versöhnen würde:

In der Viehzucht gibt es Tierärzte, die allerdings dringend darauf achten müssen, dass die Verabreichung von Medikamenten nur bei vorhandenen Krankheiten und nicht prophylaktisch erfolgen soll. Da hinkt auch der Gesetzgeber hinterher.

Warum schafft man nicht parallel zu den Tierärzte ähnliche Möglichkeiten für den Ackerbau? Ich schlage vor, dass der Gebrauch von Pestiziden und sonstigen chemischen Mittel nur dann den Landwirten erlaubt werden, wenn Pflanzenkrankheiten dieses erfordern. Deshalb empfehle ich – analog zu den Tierärzten – Pflanzendoktoren diese Aufgabe zu übertragen und auch hier prophylaktische Maßnahmen zu verbieten. Das könnten zertifizierte Biologen, die in der Pflanzenzucht heimisch sind, übernehmen. Alle extrem wirksamen Pestizide und Unkrautvernichter dürften nur wohl dosiert nach Ausstellung von Rezepten durch diese Fachleute vergeben werden.

Ganz klar, mir sind die Probleme bewusst, denn es müsste ein neuer Berufsstand geschaffen werden, aber ich bin sicher, dass viele fachkundige Biologen dazu bereit wären.

Lieber Herr Algermissen, besteht die Möglichkeit, dieses Thema in der Runde zur Sprache zu bringen?

Vielen Dank im Voraus.

Ich finde, zu den Aufgaben eines Wissenschaftsjournalisten gehört nicht nur die Vermittlung und Kritik, sondern auch Vorschläge zu machen, die die Situation verbessern.

Mit freundlichen Grüßen

Jean Pütz

Interview mit Jean Pütz – Auszug aus dem Buch ‚Unser Corona-Jahr‘

Interview mit Jean Pütz – Auszug aus dem Buch ‚Unser Corona-Jahr‘, Swiontek-Verlag Mainz

Der Vernunft eine Chance geben

Fernsehjournalist Jean Pütz: Allgemeinverständliche Wissenschaft ist Gegengift gegen Populismus

Jean Pütz, geboren 1936 in Köln, ist ein bekannter, mehrfach ausgezeichneter Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator. Als Redakteur beim Westdeutschen Rundfunk gründete und leitete er über 30 Jahre die Redaktion Naturwissenschaft und Technik und moderierte mehrere Sendereihen wie „Die Welt des Schalls“ und die „Wissenschaftsshow“. Populär wurde er vor allem durch seine Sendung „Hobbythek“, aber auch durch Umweltmagazine wie „Dschungel“ und „Globus“. Auf Facebook, wo er eine Art Corona-Tagebuch veröffentlicht, hat Pütz derzeit 84 000 Follower.  

Herr Pütz, haben Sie als erfahrener Wissenschaftsjournalist die Corona-Pandemie vorausgesehen?

Wir haben alle im Winter 2020 noch unbeschwert Karneval gefeiert, bevor es plötzlich mit dem Virus losging. Auch ich habe gedacht: Was im fernen China passiert, ist ein lokales Ereignis und kann nicht so schlimm sein. Als es dann aber zu dem Infektionsausbruch im Kreis Heinsberg kam, war mir als studierter Soziologe mit Statistik-Kenntnissen rasch klar, wie rasant das Virus sich ausbreiten würde. Ich habe mir deshalb schon früh Gedanken gemacht, was man gegen die Ausbreitung unternehmen könnte.

Zu welchem Ergebnis sind Sie dabei gekommen?

Mir war von Vornherein bewusst, dass vieles daran hängt, ob wir Mund-Nasen-Schutze haben. Die asiatischen Länder kommen glimpflicher durch die Pandemie, weil es bei ihnen Tradition ist, Mundschutz zu tragen. Bei uns hat man das Tragen von Masken dagegen lange lächerlich gemacht, und die Politik hat die breite Bevölkerung im vergangenen Frühjahr sogar anfangs davor gewarnt, sie zu kaufen, weil für das medizinische Personal nicht genug vorhanden war. Das war ein fundamentaler Fehler. Hätte die Bevölkerung eher Mundschutz getragen, dann hätte das Virus sich am Anfang nicht so stark ausgebreitet. Daher habe ich schon am 10. März eine Bastelanleitung zum Selbstnähen einer Patent-Nasen-Mund-Schutz-Maske mit Innentasche zur Aufnahme diverser Filter vorgestellt, mit der ich selbst bisher ungeschoren durch die Pandemie gekommen bin. Was ich anderen empfehle, nutze ich selbst auch.

Haben Sie als Angehöriger der Hochrisikogruppe Angst, sich anzustecken?

Ja, ich habe Angst vor einer Infektion, weil ich mir schon früh darüber im Klaren war, dass selbst dann, wenn sich nur schwache Krankheits-Symptome gezeigt haben, die Nachwirkungen nicht zu unterschätzen sind. Mit dem oft vermittelten Irrtum, dass eine Corona eine reine Lungenkrankheit sei, habe ich selbst in Facebook-Posts schon früh aufgeräumt. Das Schlimmste ist, dass die Viren die auch Blutgefäße befallen und dadurch Herz, Niere und Bauchspeicheldrüse, ja sogar das Gehirn in Mitleidenschaft gezogen werden und es dabei zu neurologischen Ausfällen kommen kann.

Sie haben sich also mit dem Thema Corona stark auseinandergesetzt?

Ich habe mir schon frühzeitig alle Informationen dazu herangeholt, die ich bekommen konnte, und mich sehr stark mit dem Thema beschäftigt. Es macht inzwischen 50 Prozent meiner Recherche-Arbeit aus.

Wie beurteilen Sie die zentrale Rolle, die die Wissenschaft in der Corona-Krise spielt?

Mein großes Anliegen ist es seit Jahrzehnten, die Ergebnisse der Wissenschaft verständlich zu machen. Das eine Problem ist, dass sich heutzutage jeder als Wissenschaftler bezeichnen kann, weil das kein geschützter Begriff ist. Das andere Problem besteht darin, dass die Schwarmintelligenz der Deutschen bei den Naturwissenschaften minimal ist. Wenn Menschen aber etwas nicht verstehen, dann bekommen sie Ängste. Die Folge ist, dass die Wissenschaft dann sehr schnell für etwas verantwortlich gemacht wird, wofür sie nicht verantwortlich ist. Die Parole lautet häufig, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Was kann man dem entgegenhalten?

Man muss der Vernunft eine Chance geben, und Wissenschaft ist nichts anderes als kristallisierte Vernunft und Logik – sollte sie zumindest sein. Im Vordergrund muss die Empirie, die Erfahrung stehen. Wissenschaft setzt auf stets wiederholbare Ergebnisse. Zu Recht haben derzeit die Virologen, Epidemiologen und Infektiologen das Sagen und werden von den Medien vorrangig befragt. Manche sind aber leider nicht in der Lage, die Akzeptanz der Bürger zu erlangen, weil sie in ihrer eigenen Sprache, ihrem Fachchinesisch sprechen und deshalb schwer zu verstehen sind. Dafür gibt es Wissenschaftsjournalisten, die die schwierigen Zusammenhänge verständlich machen können und müssen. Immerhin schaffen es aber einige Wissenschaftler, wie etwa der bekannte Virologe Christian Drosten, ihre Informationen allgemeinverständlich weiterzugeben, Kompliment, dafür müssen sie nämlich vom Elfenbeinturm heruntersteigen, was nicht einfach ist. Entscheidend ist, dass die Wissenschaft nicht den Bezug zur Allgemeinheit verliert und über den Tellerrand hinausschaut.

Es gibt aber auch unterschiedliche Standpunkte bei den Wissenschaftlern, und manche korrigieren im Laufe der Zeit ihre Positionen. Wird das von der breiten Öffentlichkeit verstanden?

Nein, die Leute können das nicht nachvollziehen und wissen oft nicht, wie Wissenschaft funktioniert. Sie haben auch keinen Überblick über die Sachlage. Ich bin zudem sicher, dass die Wissenschaftler manches anders gemacht hätten, wenn sie frühzeitig mehr über Covid-19 gewusst hätten. Definitive Forschungsergebnisse aber hatten wir im Frühjahr 2020 nicht und haben wir bis heute nicht.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Politik und Wissenschaft in der Pandemie?

Das Verhältnis ist an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft sehr schwierig. Das Problem ist: Ein Politiker, der sich auf Vernunft und Sachkenntnis stützt, hat wenig Chancen. Wenn er Relevanz haben und dem Volk aufs Maul schauen will, darf er das also nicht tun. Der Populismus feiert leider immer mehr Triumphe.

Im Frühjahr 2020 verzeichnete die Regierung aber unglaubliche Zustimmungswerte, als sie ihre harten Maßnahmen auf das Votum der Wissenschaft stützte…

Das hatte damit zu tun, dass es zu dieser Zeit große Ängste in der Bevölkerung gab. Wenn es wirklich gefährlich wird, dann suchen die Menschen einen Anker, an dem sie sich festhalten können, und nehmen die Maßnahmen der Regierung als unabänderlich und alternativlos hin. Wenn man das Virus wirklich bekämpfen will, dann müssen die Ergebnisse der Wissenschaft möglichst in Politik umgesetzt werden. Es kommt vor allem darauf an, Kontakte weitgehend zu verringern, nur so lässt sich die Übertragung von Mensch zu Mensch kontrollieren.

Wie konnte es aber dann passieren, dass bei manchen die Stimmung plötzlich kippte und sich auf Demonstrationen von Corona-Leugnern, Querdenkern und Verschwörungstheoretikern entlud?

Das sind die Neunmalklugen, die sich über die Naturgesetze stellen, und teilweise soweit gehen, dass sie im Zweifelsfall die Nacherkrankungen und sogar den Tod vieler Menschen in Kauf nehmen würden. Das Problem ist auch, dass das Virus stark selektiert und hauptsächlich die Alten und Jüngere mit Vorerkrankungen erwischt. Viele dieser Leugner kennen niemanden, der an Covid-19 erkrankt war und einen schweren Verlauf hatte. So ist das mit dem Begreifen von seelenloser Statistik. Die Bürger glauben daher den Fehlinformationen in den sozialen Medien eher als selbst seriöser Presse. So entstand der verunglimpfende Begriff „Lügenpresse“, wieder einmal ganz nach der Vorstellung, dass nicht sein darf, was nicht sein kann, was ganz tief in der menschlichen Psyche verankert ist. Außerdem ist es bei allen Pandemien der Vergangenheit, Stichwort: Pest, Cholera, Pocken, so gewesen, dass immer nach einem Schuldigen gesucht wurde, der oft überhaupt nichts damit zu tun hatte. Sogar das Wasser wurde verantwortlich gemacht, was zu der Manie zu Zeiten der französischen Könige führte, dass sogar auf das Waschen verzichtet wurde. Aber auch Juden, andersgläubige, angebliche Hexen und deklarierte Sünder wurden bildlich gesprochen dem Scheiterhaufen übergeben. So wird auch heute diffamiert auf Teufel kommt heraus.

Was ist überhaupt die Ursache für die Proteste der „Querdenker“, Corona-Leugner und Verschwörungstheoretiker gegen die Maßnahmen des Staates? Angst vor Kontrollverlust?

Das hat mit Kontrollverlust und Angst zu tun, die aber emotional weggedrückt werden. Viele betrügen sich so selbst. Für die Corona-Leugner ist gleichsam eins plus eins nicht mehr gleich zwei. Sie sind keinem rationalen Argument mehr zugänglich, und es hat keinen Zweck, mit ihnen zu diskutieren. Durch die Wirklichkeit und die Entwicklung der Pandemie – die bewiesene Übersterblichkeit in manchen Regionen lässt sich gar nicht mehr leugnen – sind sie längst überrollt und widerlegt worden, aber das ignorieren sie. Sie suchen einen Feind und einen Grund, jemanden zu diffamieren, und finden ihn. Die tiefere Ursache liegt darin, dass wir in der Wissenschaft und Technik einen Turmbau zu Babel errichtet haben. Die Menschen nutzen die gedankenlos die auf Wissenschaft beruhende Technik, etwa beim Smartphone, ganz selbstverständlich, durchschauen aber nicht mehr, was dahinter steht, weil es zu kompliziert geworden ist. Wir, die Eingeweihten, haben dabei versagt, den vielzitierten „kleinen Mann“ zu informieren. Wie viele inzwischen bereit sind, auf den Populismus herzu einfallen, ist erschreckend, ich gehe von bis zu einem Drittel der Deutschen aus. Wenn es uns nicht gelingt, diese Unwissenheit und Ignoranz gegenüber der Wissenschaft abzubauen, sind wir gescheitert und müssen die schlimmen demokratisch wirksamen Folgen tragen, denn nur mit Vernunft lässt sich der Zusammenbruch des Turmbaus zu Babel verhindern.

Können Sie guten Gewissens empfehlen, sich impfen zu lassen?

Ja, das empfehle ich mit voller Überzeugung. Wir müssen die Menschen nur darüber aufklären, wann und wie das Impfen funktioniert, und das geschieht in den Medien ganz gut. Der mit völlig neuen und extrem kreativen Methoden der Gentechnik entwickelte Impfstoff von Biontech/Pfizer und ähnlichen, ist relativ nebenwirkungsarm. Trotzdem reagiert jeder Organismus auf seine Art und Weise. Dazu gehört auch eine manchmal heftige Unpässlichkeit, aber das gehört zum Immunisierungsprozess. Wenn man eine Risiko-Betrachtung macht, dann ist das aber bei Weitem das kleinste Übel. Wenn man durch die Impfung Millionen von Menschen vor der Krankheit bewahren kann und Hunderttausende vor dem Tod, dann ist Impfen die beste Medizin, die je entwickelt wurde. Das Problem ist nur, dass der Beweis, wegen einer Impfung nicht krank geworden zu sein, sehr schwer zu führen ist.

Bei Medikamenten ist das anders. Vielleicht ist auch versäumt worden, solche Medikamente gegen das Corona-Virus genauso intensiv zu entwickeln und zu subventionieren, wie das bei der Gewinnung des Impfserums der Fall war.

Läuft das Impfen bisher zu langsam?

Ich bin nicht glücklich darüber, wie das Impfen bisher abläuft. Es wäre Aufgabe der Kommunen und Landkreise gewesen, die Leute über das Impfen zu informieren. Jetzt sind viele verunsichert und wissen nicht, ob sie sich impfen lassen sollen, die Hotlines sind überlastet, die Impfzentren stehen leer. Das hätte besser laufen müssen.

Wie wird die Welt nach der Corona-Pandemie aussehen? Genauso wie vorher, oder wird man Lehren aus der Krise ziehen, etwa im Hinblick auf den Klimawandel?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und will meist das Leben fortführen, das er kennt. Im Hinblick auf den Klimawandel begreifen selbst die Grünen nicht, dass der Energieverbrauch, der mit Gebäuden verbunden ist, dringend reduziert werden müsste und auch um 95% Prozent reduziert werden kann. Der CO2-Ausstoß über unsere privaten Autos macht dabei nur 6-8% aus. Man hat den Hebel an der falschen Stelle angesetzt. So wie im Moment mit den vorgeschlagenen Methoden des Mainstreams lässt sich der Anstieg der Welttemperatur nicht lösen. Das eine tun, das andere nicht lassen, ist die Devise, die ich persönlich für mich gelöst habe. Mein Vorschlag des HyperHyrid-Autos, welches eine viel bessere Ökobilanz besitzt als das reine Elektroauto, ist als Prototyp realisiert und benötigt beim Bau und Betrieb nur noch maximal 10% der natürlichen Ressourcen. Ich persönlich lebe aus Überzeugung weitgehend CO2-neutral, indem ich den Hebel bei meinem eigenen Haus angesetzt habe. Es gibt durch die Photovoltaik mehr Energie, als ich während des ganzen Jahres zum Heizen und zum Betrieb benötige. Dabei habe ich mich an orientiert an Vorschlägen, die ich vor 30 Jahren in einer der berühmten ARD-Sendereihe ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ mit dem Titel ‚Der Sonne eine Chance‘ als Autor und Moderator gemacht habe.

Ich weiß zwar die Verdienste der Grünen für unsere Umwelt zu schätzen, aber sie sollten im Auge haben, dass sie mit ihrem populistischen Klimarettungsprojekt unsere Wirtschaft, insbesondere die Industrie, mit der wir unser Geld im europa- und weltweiten Konzert verdienen, in arge Bedrängnis gerät, trotz aller gegenteiligen Bekundungen. Nicht, dass inzwischen schon 50% der ehemaligen Produktionen nach Asien ausgewandert sind, auch bei uns entwickelte kreative Ideen wurden China kostenlos überlassen. Auch in Zukunft stehen Millionen von Arbeitsplätzen mit dem Abwandern der Automobilindustrie auf dem Spiel, weil jetzt auch noch der Verbrennungsmotor abgeschafft werden soll und Deutschland sich da als Vorreiter gebärdet. Wegen einer Schimäre – genannt Elektroauto – welches nur auf die Bedürfnisse Chinas mit ihren verdreckten Städten konzipiert ist. Damit dieses Elektroauto bei uns überhaupt gekauft wird, muss es vom Staat mit 9.000 Euro pro Exemplar subventioniert werden. Zum Klimaschutz trägt es nicht bei und auch den Flottenverbrauch, vorgeschrieben von der EU, verringert es nur unwesentlich. Dabei gibt es preiswertere Alternativen, wenn man nicht bestimmte Technologien von vornherein verunglimpft. In dieser Hinsicht denke ich an Heinrich Heine: ‚Denk ich an Deutschland in der Nacht …‘ und das nicht wegen Corona, welches fälschlicherweise von den Parteien demnächst als Grund allen Übels und als historischer Prügelknabe herhalten muss.

Jean Pütz beim WDR – ein Zeitzeichen

Die TV-Karriere des Jean Pütz beginnt in einer Skatrunde. Anfang der 70er Jahre drischt der in Köln geborene Mathe- und Physiklehrer regelmäßig mit den WDR-Moderatoren Carmen Thomas und Klaus-Jürgen Haller Karten. Als der Sender den Aufbau einer naturwissenschaftlichen Redaktion plant, ist es Haller, der dem journalistisch interessierten Skatfreund bei den Verantwortlichen die Türen öffnet. Pütz überzeugt mit einem seltenen und fürs Fernsehen wertvollen Talent: Der 34-jährige Mathe-Pauker mit Diplomen als Nachrichteningenieur und Volkswirtschaftler weiß nicht nur, wovon er redet, er kann die kompliziertesten Dinge auch ebenso flockig wie verständlich erklären. Pütz erhält die Festanstellung als Redakteur und baut die neue Redaktion maßgeblich mit auf. Von seinen eigenen Interessen inspiriert, schneidert sich der Technik-Besessene ein völlig neuartiges Format auf den Leib, eine Sendung für Bastler, Tüftler und Wissbegierige: die „Hobbythek“. Am 22. Dezember 1974 läuft die erste Ausgabe zur besten Sendezeit im WDR Fernsehen.

Erklär-Sendungen heißen 1974 noch Telekolleg oder Schulfernsehen und sind vor allem eins: staubtrocken. Jean Pütz zeigt in seiner „Hobbythek“, dass es auch anders geht. Seiner Zeit weit voraus, erfindet er eine abwechslungsreiche Show, die Wissen schafft: quirlig, informativ und stets für ein breites Publikum verständlich. Dabei kommt Pütz in seinem rheinischen Sing-Sang gern „vom Hölzchen aufs Stöckchen“, vom Einfachen zum Komplizierten, vom Alltagsproblem zum Hochwissenschaftlichen. In den ersten Jahren steht der freundliche Schnauzbart noch gemeinsam mit Wolfgang Back vor der Kamera, der dann ab 1981 den hoch geschätzten „Computerclub“ präsentiert. Thematisch kennt Pütz keine Grenzen. Bei ihm lernen die Zuschauer ebenso Brot zu backen wie Pilze zu züchten oder Waschmittel und Kosmetika gesundheitsbewusst selbst herzustellen. Do-it-yourself heißt seine Devise: „Mein Prinzip ist, ich probiere alles aus und wenn ich das überlebe, mach ich daraus ne Sendung.“

Mit Gesundheitsthemen wie „Iss dich gesund bei Rheuma, Gicht und Knochenschwund“ oder „Gut gekaut ist halb verdaut“ gewinnt Pütz als WDR-Medizinmann vom Dienst ein Millionenpublikum. Nichts ist ihm zu anrüchig. So dringt er auch in der viel diskutierten Reihe „Rund um den Po“ tief in die Materie ein und macht zum Erstaunen der medizinischen Fachwelt die Bedeutung der Darmbakterien publik.Alles, was Pütz nach dem Motto „ich hab da mal was vorbereitet“ zusammen mixt, schraubt oder lötet, kann im Faltblatt „Hobbytipp“ nachgelesen werden, das die Zuschauer bei populären Themen bis zu 150.000 Mal anfordern. Zudem veröffentlicht der „Rheinische Düsentrieb“ (die tageszeitung) im Laufe der Jahre rund 80 Fachbücher, die insgesamt eine Auflage von über sechs Millionen Exemplaren erreichen. 2001 wird Jean Pütz als WDR-Redakteur pensioniert und macht hinter den Kulissen den Weg frei für seinen Zieh-Sohn Ranga Yogeshwar. Im März 2004 dann verabschiedet er sich auch als Moderator und schließt nach 345 Ausgaben seine „Hobbythek“. Kurz darauf startet der Unruheständler eine neue Medienkarriere: Im Kino-Hit „Findet Nemo“ leiht er dem sympathischen Fischlehrer Herr Rochen seine Stimme.

Stand: 22.12.09

Wie glaubwürdig ist Wissenschaft? Am Beispiel eines unsachlichen Angriffs auf den Impfbefürworter Ranga Yogeshwar

Lieber Ranga,

ich vermute, diesen Beitrag kennst Du. Die Vorwürfe, die an Dich gehen, könnte ich mir genauso anziehen. Auch ich muss mich mit notorischen Gegnern auseinandersetzen, aber wenn man sich das alles im Detail betrachtet, ist das eine Gemengelage, die sehr schwer auf zu bröseln ist. Eine Antwort darauf kann bestenfalls eine Doktorarbeit oder sogar eine Habilitations-Schrift bewältigen. Manches kann man nicht einfach so wegwischen, insbesondere weil Johannes Kreis ja auch der Methode der Wissenschaft näher kommt, indem er seine Fußnoten (links) mit angeblicher Relevanz setzt. Ich vermute, dass Du ihm deswegen auch noch nicht geantwortet hast. Du bist nun einmal jetzt der Prügelknabe – und nicht nur Du, sondern auch viele seriöse Wissenschaftsjournalisten. Dem müsste sich die Wissenschaftspressekonferenz entgegenwirken. Aber wer tut sich diese Arbeit an?

Trotzdem, Kreis als notorischer Impfgegner hat einige kritische Entwicklungen beschrieben, die die Relevanz und Glaubwürdigkeit der Wissenschaft unserer Gesellschaft infrage stellt. Auch ich bin der Meinung, dass durch ideologische Festlegung nach dem Motto: das nicht sein darf, was nicht sein kann, die Politik in der Bredoille ist. Um ihren angeblichen Lösungsweisheiten Nachdruck zu verleihen, wird gesponsert und gefördert auf Teufel komm raus. Das gilt insbesondere für die Klimarettung. Covid-19 müsste dem schon allein durch die Ebbe der Staatskassen Einhalt gebieten. Aber es wird so getan, als wenn der Topf unendlich groß wäre. Das ist eine Form des Populismus, der jeglichen finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen widerspricht. Irgendwann wird es in einer Inflation sondergleichen enden.

Das gilt ausdrücklich nicht, was die Förderung der Wissenschaft zur Bewältigung der Corona-Pandemie anbetrifft. Die Gelder waren tatsächlich gut angelegt, denn die Methode des Impfens ist wohl die größte Errungenschaft, die die auf den Menschen bezogenen Wissenschaft historisch bewirkt hat. Wir haben uns seinerzeit gemeinsam durch die Erkenntnisse von AIDS und der Methode des Immunsystems fundamental auseinander setzten müssen, und waren damit die ersten, die dieser Seuche wissenschaftsjournalistisch auf den Grund gegangen sind. Daraus schöpfen Du und ich heute noch unsere Kompetenz.

Ganz klar, unser Immunsystem ist immer noch die beste Apotheke der Welt. Sie zu stimulieren – egal wie – ist die beste Förderung der Gesundheit für jedermann. Übrigens, meine damalige Hypothese (vor 40 Jahren), dass dabei auch das Darmmikrobiom im Rahmen der Immunabwehr eine entscheidende Rolle spielt, wird erst heute durch mannigfaltige Forschungen bestätigt. Sogar die Alterungsprozesse des Gehirns können dadurch beeinflusst werden. Diese wissenschaftliche Nachricht habe ich erst kürzlich auf meiner täglich aktualisierten Homepage www.jean-puetz.net  veröffentlicht. Genauso lässt sich unser Immunsystem durch Impfen stimulieren. Ich vergesse nie, dass der große Immunologe, Prof. Gerd Uhlenbrock, ein persönlicher Freund und heute noch hochrespektiert an der medizinischen Fakultät der Universität zu Köln mir einbläute: ‚Egal welche Impfung, ist stets eine Stimulierung des gesamten Immunsystems‘. Natürlich war er sich der Nebenwirkungen und Risiken bewusst, wie Du selbst ja leider auch in Erfahrung bringen musstest. Doch es kommt auf das große Ganze an, darin spielt sich die Krugs der aktuellen Diskussionen an. Jenseits aller wissenschaftlichen Pro und Contra: Der Mensch kann sehr schlecht mit Wahrscheinlichkeiten umgehen. Wenn die Erfolgsstory einer Impfung eindeutig nachweisen kann, dass das Risiko z. B. an einer Seuche zu erkranken, 1 Million zu 1 empirisch nachgewiesen ist, aber die Wahrscheinlichkeit, an der Seuche zu erkranken, 1000 zu 1 ist wie bei Covid-19, dann ist das für den Impfgegner keine Argument. Er kapriziert sich auf die Risiken und beißt sich an möglicherweise 10 bis 100 Ausfällen fest, z. B. Herzmuskelerkrankungen oder Thrombose, die bei Ungeimpften viel häufiger auftritt. So geschieht es psychologisch, dass wir mit so vielen Impfgegner und Impfverweigerern rechnen müssen.

Ein Mensch wie Kreis fühlt sich deswegen auch veranlasst, eine ungeheure Zeit und Arbeit in diese Beweisführung zu investieren. Alle diese vergessen, dass das Leben grundsätzlich ein Risiko darstellt und es darum geht, durch Verstand, Vernunft und entsprechendes Verhalten das Risiko zu minimieren. Ich erlebe das in eigener Erfahrung, meine sonst so intelligente Pina gehört zu dieser Gruppe. Noch die besten Argumente überzeugen sie nicht. Selbst die vielen Nachteile, die auf Ungeimpfte zurecht zukommen, veranlassen sie nicht zum Umdenken.

Du siehst, Johannes Kreis, der offenbar zu unserer Gemeinschaft der vernunftbegabten Bürger gehört, ist dieser Emotion erlegen. Trotzdem sollten in den Universitäten einmal Professoren das Problem aufgreifen, z. B. durch Vergabe von Doktorarbeiten oder Habilitationen.

Wir haben in letzter Zeit wenig Kontakt, weshalb sich unsere Emotionen voneinander entfernt haben. Ich meinte immer, Demokratie sei nur langfristig tragbar, wenn auch dem bildungsarmen Bürger zumindest ein geringes Verständnis von der Notwendigkeit von Wissenschaft und Technik vermittelt wird. Die Hobbythek war für mich nur am Rande ein ‚trojanisches Steckenpferd‘, das zu erreichen. Trotzdem werde ich heute noch als der Bastelonkel der Nation angesehen, obwohl ich die Redaktion Naturwissenschaft und Technik gegründet habe, mit dem Schwerpunkt, plausible und vorausschauende Wissenschaft und Technik zu vermitteln, manchmal – was die Themen anbelangt – um 10 bis 20 Jahre voraus, sh. ‚Digitaltechnik‘ (1973), ‚Ersatz von Hardware durch Software‘ (1978), vorausschauend die Klimakrise antizipierend und ihre mögliche Lösung 2 Folgen ‚Bilder aus der Wissenschaft (1990) und vieles andere mehr.

Du hast zu recht andere Schwerpunkte gesetzt. Dir ging es zwar auch um das Verständnis größerer Bürgerkreise, aber sprachst eher den Bildungsbürger an. Du weißt, nach der 99. Wissenschaftsshow empfahl ich Dir einen anderen Titel. Ich meinte ‚Quark‘ stellvertretend für Vollnahrungsmittel, Quark erzählen und die ‚Quarks‘ als das, was den Atomkern im Innern zusammen hält. Ihr nanntet es später ‚Quarks & Co‘, ok, aber der intellektuell Anspruch liegt bei diesem Titel viel höher. Natürlich bin ich stolz, dass Du einen solch großen Erfolg hast, das war selbstverständlich mediengerechter. Trotzdem wundere ich mich darüber, dass ‚Quarks‘ heutzutage komplett auf Political Correctness umgeschwenkt ist. Mein Hinweis in einem Brief an Fernsehdirektor Schönborn endete mit ein paar Links mit Themen, in denen er mir beweisen wollte, dass meine These nicht stimmt. Aber Briefe, die ich an die Reaktion geschickt habe, in denen ich den Bewies führte, wurde mir nie beantwortet. Wohlgemerkt, diese Redaktion habe ich gegründet, was hältst Du davon, ist das Stil? Ich weiß, Du bist nicht mehr verantwortlich, Du hast Dich aus den Zwängen einer schöngeistigen Tendenz befreit. Du bist ein gefragter Diskussionspartner in einer Medienlandschaft, die nicht mehr meine eigene ist. Ich begnüge mich heute bei Facebook mit einer Reichweite von 200.000, ohne persönliche Ambitionen, aber allein das Diskussionsforum der schriftlichen Kommentare der Bürger und die intensive Anteilnahme ist es Wert, einmal darauf zu schauen.

Ich bin gewöhnt zu beweisen, was ich sage, vermute aber, dass Du kein Facebook-Freund bist, deswegen hier der Link meines vorletzten Beitrags über meine Homepage, in dem ich biblisch magere Jahre voraussage.

https://jean-puetz.net/katastrophen-seuchen-klimawandel-buergerkriege-stehen-deutschland-und-europa-vor-biblisch-mageren-jahren

Meine Daten kannst Du natürlich über den direkten Facebook-Zugang prüfen. Hier der Link dazu

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=361128518713256&id=100044483317412

Herzliche Grüße
Dein Jean

Hier geht’s zum unglaubwürdigen Statement eines Querdenkers

 

 

 

Frank Wedekinds ‚Frühlingserwachen‘ heute

Brief an eine Freundin, deren Tochter mit Studenten in Freiburg im Studententheater Frank Wedekinds ‚Frühlingserwachen‘ realisiert hat. Interessant ist, dass es eine ‚Luxemburger Zeitung‘ war, die die Initiative für würdig befand, darüber zu berichten.

Liebe Sabine,

das Stück habe ich selbst nicht verfolgen können, denn ich bin ja in Apulien, aber das hat mir die Zeit geschenkt, den interessanten Artikel zu lesen. Wie kommt es dazu, dass eine mir unbekannte Luxemburger Zeitung ihre Recherchen bis Freiburg ausbreitet. Allerdings weiß ich, dass Freiburg auch viele Luxemburger Studenten beherbergt. Vielleicht liegt es daran.

 

Jetzt zum Inhalt:

1. Die Auswahl des Stücks – wobei Deine Tochter eine wesentliche Rolle gespielt hat – war schon sehr einfallsreich. Ich möchte nicht auf die tiefenpsychologische Problematik der Gesellschaft eingehen, weil die in ihrer Prüderie sogar die Zeit übertrifft, in der wir uns in unserem Alter mit der Bourgeoisie auseinandersetzen mussten. In der konkreten Unterdrückung von durchaus auch heute noch stattfindender Gewalt, steckt auch ein gesellschaftlicher Zündstoff , der auch uns Journalisten unsicher machen muss.

Die Fragen im Interview waren sehr klug gestellt, auch die Antworten Deiner Tochter interessant, wenn auch sehr vorsichtig, dass allein dies schon wieder die Verhältnisse unserer Zeit unsere Zeit widerspiegelt. Aber verständlich.

Das lässt mich in unsere Jugend zurückblicken. Im September werde ich 85 Jahre alt. Oft benutze ich das Bonmot vom Vorteil der ‚frühen Geburt‘ im ausgehenden verbrecherischen 3. Reich, welches als 100jährig angelegt war. Dass das heute schon wieder eine Rolle spielt, hätte ich als Rebell der 68er nie gedacht. Aber mittlerweile ist mir dieses Glück extrem bewusst, konnte ich doch auch in meinem journalistischen Alltag so reden, wie der Schnabel mir gewachsen war, so schreiben, ohne von oben Weisungen berücksichtigen zu müssen. Das war richtig die ‚Gnade der frühen Geburt. Wenn ich mir vorstelle, wie selbst heute im ‚Gender-, Feminismus- und Rassismus-Wahnsinn‘ jedes einzelne Wort auf die Waagschale gelegt wird und unabsehbare Konsequenzen haben kann, hätte ich früher gedacht, mir würden Ketten angelegt. Das alles in einer Zeit, in der viel wichtigere andere Probleme zu lösen sind. Ich habe den Eindruck, als befinden wir uns im vornehmen Salon der Titanic und streiten über die Gestaltung des abendlichen Dinner, und ob getanzt werden kann oder nicht. Der Salon befand sich bei der Titanic übrigens dort, wo die Übersicht nach draußen fehlte. Es war üblich zu schwelgen, zu kulturen und sich so satt zu essen, dass – wie heute – dem Übergewicht nicht mehr ausgewichen werden konnte, aber keiner bemerkte das. Die Schiffscrew hatte das Sagen, Widerspruch wurde verachtet.

Trotzdem großes Kompliment an die Initiative Deiner Tochter – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wenn Ihr einmal im Rheinland seid, lade ich Euch gerne zu mir ein. Ein Gästezimmer steht bereit, und die Pützerosa – eine Art Modell der Arche, gebaut auf Nachhaltigkeit, ist eine Reise wert.

Mit herzlichem Gruß auch an Deine Tochter

Dein Jean

(woxx) – Der Freiburger Interessenverband studentisches Theater (Fist*) fordert das Publikum in „Frühlings Erwachen – Eine Adaption Ihrer Wahl“ zum Handeln auf: Im digitalen Theatersaal entscheiden die Zuschauer*innen, welche Wendungen Frank Wedekinds Klassiker „Frühlings Erwachen“ nimmt. Maya Rollberg aus dem Regieteam spricht mit der woxx über die Textauswahl und unerwartete Reaktionen.

woxx: „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ von Frank Wedekind ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts. Warum dieses und kein anderes Stück für das interaktive Theaterprojekt des Fist*, Maya Rollberg?

Maya Rollberg: „Frühlings Erwachen“ beschreibt verschiedene Tragödien von Jugendlichen, die sich vor allem durch die gesellschaftliche Repression, die sie erfahren, entwickeln. Das Stück prangert die strukturelle Bevormundung und die damit einhergehende gesellschaftliche Tabuisierung vorrangig sexueller Themen an, welche dennoch häufig wie sprießende Pflanzen ihren Weg durch den Asphalt des augenscheinlich Gutbürgerlichen finden. Besonders die Jugend, die im Drama im Begriff ist sich, ihren Körper und ihr Umfeld unter den sehr repressiven gesellschaftlichen Umständen zu erkunden, verleiht ihren Krisen auf unterschiedliche und teilweise erschreckende Weise Ausdruck.

Habt ihr das Stück an die Gegenwart angepasst?

Der Text ist bis auf unseren Prolog nicht an die heutige Zeit angepasst. Die Stückwelt bleibt bis auf die Brüche mit den Interaktionen von der heutigen Zeit unberührt.

Die Jugend von heute hat aber vermutlich mit anderen Repressionen zu kämpfen als die des 19. Jahrhunderts.

Die Problematik ist nach wie vor so relevant wie noch vor 130 Jahren. Dies wurde auch in der Bearbeitung des Stücks deutlich, in dem viele Teammitglieder feststellen mussten, dass sie selbst Erfahrungen mit den Themen haben, die individuell verarbeitet werden müssen. Das hat uns oft vor Herausforderungen, aber auch vor viele Chancen gestellt.

Stichwort Herausforderungen: Auf der Website zu eurem Stück steht, dass die Premiere aufgrund unvorhersehbarer Reaktionen vom 23. auf den 29. Juli verschoben werden musste. Was ist vorgefallen?

Die Themen und Problematiken sind so heftig, dass es auch nach langer Bearbeitung zu unerwarteten Reaktionen kommen kann. Insbesondere wenn etwas mal anders läuft als geplant. Wir möchten das Ensemble schützen und dies nicht weiter erläutern, uns ist nur allen deutlich geworden, wie wichtig eine angebrachte Bearbeitung der Themen ist.

Was macht ihr, damit das gelingt?

Wir wollen in unserer Gruppe im Anschluss an die Produkion eine psychotherapeutische Begleitung durch Supervision durchführen. Wir haben die explizite Darstellung der Gewalt nun reduziert und damit den Schutz des Ensembles sichergestellt.

Wie viel Gewalt in dem Stück vorkommt, liegt am Ende wahrscheinlich auch an den Entscheidungen, die die Zuschauer*innen treffen. Gibt es eine Variante, die dem Originaltext treu bleibt?

Ein Handlungspfad kann gewählt werden, der tatsächlich genau das Originalstück nachstellt.

Und wie viele weitere Handlungsstränge sind möglich?

Dies möchten wir vorab nicht mitteilen. Es soll ja spannend bleiben (lacht).

Frühlings Erwachen – Eine Adaption 
Ihrer Wahl. Online auf der Website 
uni.theater/wedekindadaption 
vom 31. Juli bis zum 1. August, um 20 Uhr. Link zum Ticketkauf auf derselben Website.