Liebe Freunde,
der Herrgott, die Luxemburger Muttergottes und mein optimistischer Geist haben entschieden, dass ich immerhin 90 Jahre alt werden konnte.
Und das Leben macht mir auch heute noch so viel Spaß, dass ich hoffe, noch ein bisschen älter zu werden.
Ich habe mir auf dem berühmten Melatenfriedhof in Köln bereits ein Grab reservieren lassen – eine Gruft, in die außer uns noch 18 Zeitgenossen hineinpassen. Meine Familie und gute Freunde sind herzlich willkommen. Allerdings erst dann, wenn sie in die ewigen Jagdgründe gewandert sind. Die strikte Einhaltung der Menschenrechte war schließlich stets mein oberstes Gebot.
Das Schicksal hat es gut mit mir gemeint – allerdings erst nach meinem zehnten Geburtstag. Vorher musste ich mit meinen Eltern die Nazizeit und die schrecklichen Erlebnisse des Zweiten Weltkriegs ertragen. Ich weiß, was es bedeutet, bombardiert und beschossen zu werden und über Leichen zu klettern sowie miterleben zu müssen wie Vater und Mutter durch die Auswirkungen des Krieges praktisch alles verloren haben, was sie sich aufgebaut hatten.
Danach ging es bergauf, wobei mein Glaube an Gott immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat.
Später holte mich der WDR aus meiner Tätigkeit als Oberstudienrat an einer Berufsschule. Ich sollte dort die Redaktion Naturwissenschaft und Technik aufbauen. Das war das Glück meines beruflichen Lebens, denn so konnte ich mein didaktisches Wissen und meine Überzeugungen weitergeben.
Beruflich hatte ich zunächst ein Handwerk gelernt: Elektromechaniker – ein Beruf, der heute ungefähr unter den Begriff Mechatroniker fallen würde. Tatsächlich hat das Handwerk goldenen Boden, eine Weisheit, die mir meine Mutter immer wieder einflößte.
Das Ingenieurstudium und das Studium der Wirtschaftspädagogik haben mich an der Universität zu Köln geprägt. Als der WDR auf mich aufmerksam wurde, war ich bereits gefestigt.
Ich habe dem öffentlich-rechtlichen WDR viel zu verdanken. Man begriff dort sehr bald, dass ich ein wertebezogener Journalist war, und machte mir nie Vorschriften, die gegen meine innere Überzeugung gingen. Ich konnte meine Themen weitgehend selbst bestimmen.
Und diese Themen waren häufig ihrer Zeit voraus: Etwa der Übergang von der Elektronenröhre zum Transistor mit einer großen Sendereihe ( 1971) Das Begleitbuch „Einführung in die Elektronik“ wurde zum Bestseller. Auch die 13-teilige Sendereihe „Einführung in die Digitaltechnik“ (1974) übrigens begleitet von Wochenendseminaren, beschäftigte sich früh mit dem beginnenden digitalen Zeitalter.
Themen wie „Intelligenz in Miniatur “ (1977) oder „Fernsehen aus dem Weltraum“ (1980) wiesen auf technologische Entwicklungen hin, die zum Teil erst Jahre später unseren Alltag prägen sollten.
Mit 65 schickte mich die WDR-Bürokratie in den angeblichen Ruhestand. Ganz wollte man allerdings doch nicht auf mich verzichten. Immerhin konnte ich noch weitere drei Jahre als freier Wissenschaftsjournalist meine Überzeugungen kundtun.
Nach einem opulenten Abschiedsfest mit rund 600 Gästen engagierte mich anschließend das ZDF noch einmal für zwei Jahre. Auch dort konnte ich meine Gedanken und meine Hinweise an die Politik verbreiten.
Die Politik war für mich sowieso immer etwas ganz Besonderes. Mir war früh klar – und die Ergebnisse der PISA-Studien haben die Diskussion später noch verstärkt –, dass naturwissenschaftliche Bildung für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland von entscheidender Bedeutung ist.
Technologie wurde in der Vergangenheit zu einem entscheidenden Wohlstandsfaktor. Deutschland brachte bedeutende Erfinder und Ingenieure hervor, darunter Nikolaus August Otto mit der Entwicklung des Viertaktmotors, Rudolf Diesel und Werner von Siemens mit seinen Entwicklungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik. Sie und viele andere trugen dazu bei, dass deutsche Wissenschaft und Technik Weltruf erlangten.
Heute sehe ich diese Entwicklung mit Sorge. Besonders die deutsche Energie- und Industriepolitik habe ich über viele Jahre kritisch begleitet. Ich habe dabei jedoch nie nur kritisiert, sondern gleichzeitig Vorschläge gemacht, wie Entwicklungen meiner Ansicht nach anders gestaltet werden könnten.
Schon vor rund 20 Jahren habe ich vor einer ausschließlich auf batterieelektrische Mobilität ausgerichteten Strategie gewarnt. Meine Kritik am Elektroauto war dabei bewusst zugespitzt. Gleichzeitig habe ich auf mögliche Folgen für die deutsche Automobilindustrie hingewiesen inklusive der Arbeitsplätze.
Elektrofahrzeuge haben insbesondere in stark von Luftverschmutzung betroffenen Städten Vorteile, weil sie lokal keine Abgase ausstoßen. Für mich greift es jedoch zu kurz, daraus automatisch eine insgesamt umweltfreundliche Energiebilanz abzuleiten. Entscheidend ist die gesamte Kette – von der Energieerzeugung über die Speicherung bis zur Nutzung.
Da ich nicht nur kritisieren, sondern Alternativen vorschlagen möchte, habe ich meine Überlegungen in meinem Buch „Wohlstand und Wirtschaftswachstum ohne Reue“ veröffentlicht.
Nun, zu meinem 90. Geburtstag, soll ein weiteres Buch erscheinen. Der derzeitige Arbeitstitel lautet:
„Wie wir fossile Energie global durch regenerative ersetzen können“
Darin beschäftige ich mich unter anderem mit der Rolle von Wasserstoff. Ich halte den Aufbau einer umfassenden Wasserstoff-Infrastruktur für außerordentlich aufwendig und plädiere deshalb für eine stärkere Nutzung von Methanol.
Meine Vorstellung ist, Methanol mithilfe regenerativer Energien insbesondere in sonnenreichen Regionen zu produzieren. Die dafür erforderlichen Photovoltaikanlagen könnten von Industrieländern bereitgestellt werden – auch als Beitrag gegenüber Ländern, die unter den Folgen der Kolonialzeit extrem gelitten haben.
Damit könnte Methanol aus meiner Sicht eine wichtige Rolle bei einer globalen regenerativen Energieversorgung spielen. Die bisherigen Maßnahmen reichen jedenfalls nach meiner Überzeugung nicht aus, um den weltweiten Anstieg der CO₂-Konzentration in der Atmosphäre zu stoppen.
Ein besonderes Kapitel verdient natürlich die Hobbythek.
Ich entwickelte sie 1974 als eine Art trojanisches Steckenpferd, um Wissenschaft für jedermann verständlich und interessant zu machen. Rund 30 Jahre lang lief sie in den dritten Programmen der ARD und beschäftigte mich sogar noch über meinen eigentlichen Ruhestand hinaus.
Bis heute werde ich von vielen Menschen auf diese Sendereihe angesprochen. Man identifiziert mich mit ihr, und mein Spruch
„Ich habe da mal was vorbereitet.“
ist gewissermaßen in die Fernsehgeschichte eingegangen.
Dabei verstand ich mich nie in erster Linie als Entertainer, sondern immer als engagierter Wissenschaftsjournalist.
Die Hobbythek entstand, weil ich schon damals der Meinung war, dass naturwissenschaftliches Wissen in unserer Gesellschaft zu kurz kommt. Sie sollte deshalb Wissenschaft in den Alltag holen. Die vielen Experimente und praktischen Lösungen sollten auch Menschen erreichen, die sich in der Schule mit Physik oder Chemie eher schwergetan hatten.
Genau darin lag für mich das Prinzip des „trojanischen Steckenpferdes“: Wissenschaft kam unterhaltsam sein – aber im Inneren der Hbbythek steckte jede Menge Grundlagen Wissen.
Wie wichtig naturwissenschaftliche Bildung ist, zeigen für mich auch die heutigen Diskussionen um die Ergebnisse der PISA-Studien.
Ein großer Teil unseres wirtschaftlichen Erfolges in Deutschland beruht auf Erkenntnissen der Naturwissenschaften und ihrer technischen Umsetzung. Deutschland war darin über lange Zeit führend, und auch unser Wohlstand ist zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen.
Diese Lücke wollte ich mit der Hobbythek zumindest ein kleines Stück schließen.
Ich habe mich übrigens schon immer über die frühere Bezeichnung meiner WDR-Haupt -Abteilung gewundert, die sich „Kultur und Wissenschaft“ nannte. Wer das logisch analysiert, könnte schließlich zu dem Schluss kommen, Wissenschaft gehöre offenbar nicht zur Kultur.
Früher nannte man Deutschland das Land der Dichter, Denker und Erfinder. Ich hoffe sehr, dass wir nicht irgendwann nur noch von den Dichtern sprechen.
Und auch mit 90 ist für mich noch lange nicht Schluss.
Gemeinsam mit meinem Mitarbeiter Horst Minge haben wir die „Pützmunter-Show“ entwickelt. Demnächst feiern wir damit bereits das 250. Jubiläum. Sie ist besonders bei Jugendlichen und Kindern beliebt, aber auch viele Erwachsene kommen – und meist ist das Haus voll.
Mit zahlreichen Experimenten erklären wir physikalische und chemische Gesetze und ihre Grundlagen auf verständliche und unterhaltsame Weise. Mein Mitarbeiter Horst bereitet diese Experimente sorgfältig vor, sodass ich mich dann auf der Bühne austoben darf.
Am Ende gibt es nicht selten stehende Ovationen.
Und ich gebe zu:
So etwas tut selbst einem alten weißen Mann mit 90 Jahren noch ausgesprochen gut.
Solange meine Neugier, mein Optimismus und mein Interesse an Wissenschaft und Technik erhalten bleiben, werde ich also weitermachen.
Denn 90 Jahre alt zu werden bedeutet schließlich nicht, dass man mit dem Denken aufhören muss.
Mein nächstes Buch mit dem Titel „Wie wir von fossilen Energien unabhängig werden“ erscheint zu meinem 90.Geburtstag 21.09.2026. Dies ist der Beweis.
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Solarzellen ‚mal anders
KIT – Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) forscht intensiv an neuartigen Solarzellenkonzepten, wobei der Fokus insbesondere auf ferroelektrischen (nicht „ferrociden“) Perowskit-Solarzellen liegt.
Die wichtigsten Details und Forschungserfolge des KIT im Überblick:Forschungsschwerpunkt: Ferroelektrische SolarzellenDas Konzept: In dem von der Carl-Zeiss-Stiftung geförderten Projekt KeraSolar untersucht das KIT den Einsatz ferroelektrischer Materialien (insbesondere perowskitischer Kristallstrukturen).
Vorteil: Die spezielle ferroelektrische Polarisation dieser Strukturen hilft dabei, positive und negative Ladungsträger in der Solarzelle räumlich zu trennen. Dadurch wird die unerwünschte Rekombination der Ladungsträger verringert, was trotz einer hohen Anzahl an Materialdefekten zu hohen Wirkungsgraden führt.
Erfolge: Für den bahnbrechenden Nachweis von ferroelektrischen Mikrostrukturen in Perowskit-Solarzellen, die deren hohe Effizienz erklären, wurde ein Forschungsteam des KIT mit dem renommierten Erwin-Schrödinger-Preis ausgezeichnet.Weitere Meilensteine in der Photovoltaik-Forschung:Perowskit-Silizium-Tandemzellen: Das KIT erforscht schnelle Vakuumverfahren, um Perowskit-Schichten großflächig und gleichmäßig auf texturierten Silizium-Oberflächen abzuscheiden. Damit konnten in der Praxis Wirkungsgrade von über 24 % demonstriert werden.
Künstliche Intelligenz: Um die Fehlerquote in der Massenproduktion zu minimieren und Materialeigenschaften präzise vorherzusagen, nutzt das KIT Methoden des maschinellen Lernens und Deep Learning.
CO₂-Emissionen als industrieller Rohstoff
(KIT) – Schädliches CO2 direkt aus der Atmosphäre entnehmen und in einen Feststoff umsetzen – diese Idee war der Ausgangspunkt des Forschungsprojekts NECOC (steht für: No Emissions through converting CarbOn dioxide to Carbon), das 2020 gestartet ist. Das benötigte Verfahren haben Forschende des KIT entwickelt und in einer Versuchsanlage bereits erfolgreich demonstriert. „Wir produzieren ein hochreines Kohlenstoffpulver, das als Rohstoff genutzt oder sicher gelagert werden kann“, sagt Dr. Benjamin Dietrich vom Institut für Thermische Verfahrenstechnik (TVT) des KIT. Er leitete die Arbeiten in Kooperation mit dem Karlsruher Flüssigmetalllabor (KALLA) am Institut für Thermische Energietechnik und Sicherheit (ITES) des KIT.
Nun bringen die Forschenden diese Technologie auf den Weg in die industrielle Anwendung. „Dafür entwickeln wir das NECOC-Verfahren so weiter, dass CO₂ aus industriellen Abgasen genutzt werden kann“, erklärt Dietrich. „Damit entsteht ein neuer, starker Hebel, um Kohlenstoffkreisläufe direkt in Industrieanlagen zu schließen.“ Im Fokus stehen Anlagen mit technisch nicht vermeidbaren, hohen Emissionen, die zugleich zentrale Ausgangspunkte essenzieller industrieller Wertschöpfungsketten im Land bilden. Exemplarisch dafür steht die Gusseisenindustrie mit Standorten etwa in Singen in Baden-Württemberg, wo Achs- und Bremskomponenten für die Automobilbranche entstehen.
NECOC-Verfahren auf dem Weg in die Praxis
Bei der Gusseisenherstellung entstehen CO₂-Emissionen durch den im Ofen eingesetzten Koks. Dieser dient nicht nur als Brennstoff, sondern ist auch für die metallurgischen Prozesse unverzichtbar. In Kombination mit dem NECOC-Verfahren werden die Abgase aus dem Ofen aufgefangen, das darin enthaltene CO₂ konzentriert und anschließend in eine NECOC-Anlage eingespeist. Dort wird das CO2 zunächst mit Wasserstoff zu Methan umgesetzt, das anschließend durch flüssiges Zinn geleitet wird. In der Hitze der Metallschmelze kommt es zur Pyrolysereaktion: Das Methan zerfällt in Wasserstoff, der im Verfahren weiterverwendet wird, und in festen Kohlenstoff – ein Wertprodukt, das den bislang fossil hergestellten Koks im Ofen ersetzt.
Wie alle CCU-Verfahren (steht für: Carbon Capture and Utilization), also Verfahren zur Abscheidung und Nutzung von CO₂, benötigt auch das NECOC-Verfahren Energie. Gleichzeitig ist es dabei aber besonders flexibel bei den Energiequellen. Dank der am KIT entwickelten Methanpyrolysetechnik lassen sich neben Wärme, Elektrizität und Wasserstoff auch weitere Quellen nutzen. Für den Standort Singen ist eine emissionsfreie Nutzung von Biogas oder Erdgas vorgesehen. „Dafür müssen wir Wasserstofftechnik, Gasaufbereitung, Hochtemperaturreaktion im Flüssigmetall und Stoffkreislaufführung neu zusammendenken“, betonen Professor Thomas Wetzel, Leiter des TVT und des KALLA, und Professor Daniel Banuti, Leiter des ITES. „Das gelingt, indem wir vielfältige Kompetenzen am KIT in besonderer Weise verbinden.“
Kohlenstoffkreisläufe schließen
Auch jenseits der Gusseisenherstellung eröffnet das Verfahren neue Perspektiven – so ist bereits ein weiteres Transferprojekt in der Müllverbrennung in Planung, bei der ebenfalls unvermeidbare CO₂-Emissionen entstehen. Der im NECOC-Verfahren produzierte Kohlenstoff lässt sich vielseitig als Rohstoff einsetzen. Neben der Nutzung in der Gusseisenindustrie zeigen erste Forschungsarbeiten auch bei der Anwendung als Elektrodenmaterial in Batterien vielversprechende Ergebnisse. Der Einsatz in langlebigen Baustoffen zur Verbesserung ihrer Eigenschaften ist ebenfalls eine Option. „Wir schließen Kohlenstoffkreisläufe“, sagt Dietrich. „Was heute noch als klimaschädliche Emission entweicht, wird Schritt für Schritt Teil einer zirkulären Industrie.“
Übergabe des Förderbescheids in Stuttgart
Bei einer Auftaktveranstaltung hat die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, heute (Dienstag, 31.03.2026) im Wirtschaftsministerium den Förderbescheid übergeben.
„Das Projekt am KIT schafft die Grundlage für eine klimaneutrale Produktion in Bereichen, in denen aktuell prozessbedingt große Mengen an Kohlenstoffdioxid emittiert werden. Es sichert damit Wertschöpfung in unserem Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg. Darüber hinaus legt es ein starkes Fundament, damit Verfahren und Anlagen zur Abscheidung und Nutzung von Kohlenstoffdioxid, die auf Ingenieurskunst aus Baden-Württemberg beruhen, selbst ein Aushängeschild unseres Industrielands werden“, sagt Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus.
„Mit NECOC zeigen wir, dass Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung kein Widerspruch sind“, sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident Transfer und Internationales des KIT. „Die Technologie eröffnet die Chance, Prozesse mit unvermeidbaren CO2-Emissionen klimafreundlich zu gestalten und zugleich industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze langfristig in Deutschland zu sichern.“
Über das NECOC-Transferprojekt
Das KIT koordiniert das Projekt NECOC-BW. Die FONDIUM Singen GmbH ist Forschungspartner. Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg fördert die Arbeiten am KIT mit rund 1,4 Millionen Euro über drei Jahre. (mhe)
Proteinkomplex schützt zentrale RNA-Qualitätskontrolle vor Störungen
(Universität zu Köln) – Ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor Dr. Niels Gehring vom Institut für Genetik hat gezeigt, dass das gezielte Zusammenspiel dreier Proteine eine zentrale Rolle im Nonsense mediated mRNA Decay (NMD) spielt. NMD ist ein Mechanismus in den Zellen, der fehlerhafte RNA zerstört. Gemeinsam sorgen die Proteine SMG1, SMG8 und SMG9 dafür, dass dieser Mechanismus aktiviert wird und zuverlässig funktioniert. Mutationen in den Genen SMG8 und SMG9 werden mit genetischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Innerhalb des Komplexes war jedoch lange unklar, welche Rolle die von ihnen codierten Proteine in menschlichen Zellen spielen. Dies konnten Gehring und sein Team nun genauer aufzeigen. Die Studie mit dem Titel „SMG1:SMG8:SMG9-complex integrity supports efficient execution of nonsense-mediated mRNA decay“ wurde in der Fachzeitschrift Nucleic Acids Researchveröffentlicht.
Nonsense mediated mRNA Decay (NMD) gehört zu den wichtigsten Kontrollsystemen der Zelle. Er sorgt dafür, dass fehlerhafte Boten-RNAs, also Abschriften genetischer Baupläne, erkannt und abgebaut werden, bevor daraus funktionslose oder potenziell schädliche Proteine entstehen können. Eine zentrale Rolle in diesem Prozess spielt das Enzym SMG1, das den NMD aktiviert und so den Abbau fehlerhafter mRNAs auslöst. In menschlichen Zellen arbeitet SMG1 jedoch nicht allein. Zusammen mit den Proteinen SMG8 und SMG9 bildet es einen stabilen Proteinkomplex.
Um die Funktion von SMG8 und SMG9 im zellulären Kontext zu untersuchen, erzeugten die Forschenden gezielt Zelllinien, in denen die beiden Proteine ausgeschaltet wurden. „So konnten wir analysieren, welche Rolle SMG8 und SMG9 in lebenden Zellen tatsächlich spielen“, erklärt Gehring. „Im Reagenzglas lassen sich einzelne Effekte isoliert betrachten, aber erst in der Zelle zeigt sich, wie stabil oder empfindlich ein komplexes Kontrollsystem wirklich ist.“
Überraschenderweise funktionierte der NMD-Mechanismus auch ohne SMG8 oder SMG9 weiterhin, wenn auch etwas weniger effizient. Fehlerhafte mRNAs wurden also nach wie vor erkannt und abgebaut. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass SMG8 und SMG9 keine unverzichtbaren Hauptakteure des NMD sind“, sagt Dr. Volker Böhm, einer der Autoren der Studie. „Sie tragen vielmehr dazu bei, dass der Mechanismus stabiler und zuverlässiger funktioniert.“
Ihre eigentliche Bedeutung zeigte sich jedoch, als die Forschenden das System zusätzlich belasteten. Wurde die Aktivität von SMG1 mit einem spezifischen Hemmstoff reduziert, reagierten Zellen ohne SMG8 oder SMG9 deutlich empfindlicher als normale Zellen. Schon geringe Störungen reichten aus, um den NMD-Mechanismus stark zu beeinträchtigen. „Solange der Komplex vollständig ist, bleibt der NMD-Prozess auch unter veränderten Bedingungen stabil. Fehlt eine Komponenten SMG8 oder SMG9, wird das System aber deutlich anfälliger“, sagt Dr. Sabrina Kueckelmann, Erstautorin der Studie. Dies ist vergleichbar mit einem fahrenden Auto. Ein SMG1-Auto fährt auch ohne SMG8 und SMG9 gut. Bei erschwerten Bedingungen funktionieren SMG8 und SMG9 aber ähnlich wie ABS oder Traktionskontrolle als Assistenzsysteme, so dass die Fahrt auch bei Nässe oder Glatteis sicher und zuverlässig ist.
Die Studie liefert neue Einblicke in die Organisation des SMG1:SMG8:SMG9-Komplexes und zeigt, wie zusätzliche Proteine zur Stabilität eines zentralen Kontrollsystems der Zelle beitragen. Die Arbeiten wurden im Rahmen des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Sonderforschungsbereichs SFB 1678 „Systemische Konsequenzen von Fidelitätsänderungen der mRNA- und Proteinbiosynthese“ durchgeführt.
Neues Teleskop öffnet Fenster zum Universum
(Universität zu Köln) – Gut drei Jahrzehnte nach der ursprünglichen Idee von Wissenschaftler*innen der Universität zu Köln und der Cornell University (USA) erhebt sich das Fred Young Submillimeter Telescope (FYST) nun über der Atacama-Wüste, nahe dem Gipfel des Cerro Chajnantor im chilenischen Parque Astronómico Atacama. Das Teleskop wird dazu beitragen, einige der wichtigsten Fragen der Astronomie zu beantworten, zum Beispiel wie das Universum funktioniert, woraus dunkle Energie und dunkle Materie bestehen, wie sich Galaxien bilden und entwickeln und was in den mysteriösen ersten Momenten nach dem Urknall geschah.
Am 9. April fand auf dem Cerro Chajnantor im Atacama Large Millimeter Array (ALMA) die feierliche Einweihung statt, an der mehr als hundert Personen teilnahmen. Zu den Gästen zählten internationale Würdenträger*innen, Projektunterstützende sowie Forschende aus den USA, Deutschland, Kanada und Chile – ein deutliches Zeichen für die weltweite Tragweite dieses Erfolgs.
FYST ist ein Projekt des internationalen CCAT Observatory Konsortiums, an dem die Universität zu Köln, die Universität Bonn und das Max-Planck-Institut für Astrophysik in Garching, die Cornell University in den USA sowie ein kanadisches Universitätskonsortium unter der Leitung der University of Waterloo beteiligt sind. Astronom*innen an neun chilenischen Universitäten sind ebenfalls beteiligt.
„Dass Forschende der Universität zu Köln an der Entstehung eines so hochkarätigen neuen Radioteleskops mitgewirkt haben zeigt, dass sich unsere Forschung in diesem Bereich auf Spitzenniveau bewegt. In der Astrophysik, und ganz besonders für unseren neuen Exzellenzcluster DYNAVERSE, wird das neue Teleskop wertvolle Daten und Erkenntnisse liefern. Ich gratuliere allen beteiligten Kolleginnen und Kollegen dazu, dass ihr Einsatz diesen Erfolg möglich gemacht hat“, sagt Professor Dr. Joybrato Mukherjee, Rektor der Universität zu Köln.
Für Professor Michael I. Kotlikoff, Präsident der Cornell University, markiert die Einweihung den Höhepunkt einer jahrzehntelangen Zusammenarbeit über Kontinente hinweg. „Dank der Entschlossenheit, strategischen Weitsicht und visionären Kraft unserer geschätzten Kooperationspartner konnte ein einzigartiges wissenschaftsgeleitetes Vorhaben realisiert werden“, sagt Kotlikoff. „Der Geist der Zusammenarbeit und Kooperation, der diesen Meilenstein möglich gemacht hat, wird durch neue Partnerschaften und Entdeckungen fortgeführt.“
Das Teleskop verfügt über ein innovatives optisches Design, das es den Astronom*innen ermöglicht, bei jeder Belichtung ein großes Sichtfeld zu beobachten und so den Himmel schnell und effizient zu kartieren. FYST arbeitet im Submillimeterwellenlängenbereich des Lichts und wird Filmaufnahmen des Sternenhimmels – eine Art „himmlische Kinematographie“ – in einem bislang unerforschten Bereich des elektromagnetischen Spektrums ermöglichen.
„FYST bildet den Höhepunkt des jahrzehntelangen Engagements der Universität zu Köln in der Submillimeterwellen-Astrophysik in Chile. Gemeinsam mit unseren Partner*innen an der Cornell University freuen wir uns, diesen Meilenstein in der Technologieentwicklung zu präsentieren, der unseren Blick auf den Himmel in diesem wichtigen, aber wenig erforschten Wellenlängenbereich revolutionieren wird – von einem Standort aus, dessen Beobachtungsbedingungen nur vom Vakuum des Weltraums übertroffen werden“, sagt CCAT-Vorstandsmitglied Dominik Riechers, Professor für Astrophysik an der Universität zu Köln.
In einer Höhe von 5.640 Metern über dem Meeresspiegel – höher als das Basislager des Mount Everest – liegt FYST oberhalb der meisten atmosphärischen Schichten, die Submillimeterwellen daran hindern, den Erdboden zu erreichen. Die extrem trockene Luft der Atacama-Wüste sorgt dabei für ideale Bedingungen, da Wasserdampf die Signale kaum beeinträchtigt.
„FYST wird ein weltweit einzigartiges Observatorium schaffen, das neue Maßstäbe in der Submillimeter-Astronomie setzen wird“, sagt CCAT-Vorstandsmitglied Frank Bertoldi, Professor für Radioastronomie an der Universität Bonn. „Wir sind stolz auf die Beteiligung der Universität Bonn an diesem Projekt und blicken mit Spannung auf die Ergebnisse der Himmelskartierungen, die neue Einblicke in die Entstehung von Sternen und Galaxien, die Entwicklung kosmischer Strukturen und den Ursprung des Universums ermöglichen werden.“
Der Bau eines großen Teleskops in dieser Höhe war eine besondere Herausforderung. Der Atmosphärendruck auf dem Gipfel des Cerro Chanjantor ist weniger als halb so hoch wie auf Meereshöhe, weshalb die am Bau Beteiligten und alle Besucher*innen einer strengen körperliche Untersuchung unterzogen wurden und auf dem Gipfel zusätzlichen Sauerstoff nutzten.
FYST ist nach dem Cornell-Absolventen Fred Young benannt. Neben seiner finanziellen Unterstützung beteiligte sich Young auch aktiv am Planungsprozess.
Das von der Universität zu Köln entwickelte CCAT Heterodyne Array Instrument (CHAI) ist ein hochauflösendes Spektrometer, mit dem der Kreislauf der interstellaren Materie in der Milchstraße und in nahen Galaxien untersucht werden kann. Dank seiner großen Anzahl von Pixeln, hohen Empfindlichkeit und Spektrallinienauswahl kann CHAI erstmals die Ströme des interstellaren Gases erfassen, um zu untersuchen, wie sich die Sternentstehung in unterschiedlichen galaktischen Umgebungen verändert.
Die Prime-Cam-Kamera des Teleskops wurde von Michael Niemack, Professor für Physik und Astronomie (A&S) an der Cornell University, entwickelt. Sie kann bis zu sieben austauschbare Module aufnehmen und verleiht FYST damit eine unvergleichliche Flexibilität als Plattform für neue Technologien. Dadurch bietet das Instrument beispiellose spektroskopische und breitbandige Messmöglichkeiten, um grundlegende Fragen der Astrophysik und Kosmologie zu beantworten.
„Ein Forschungsgerät dieser Größe ist etwas ganz Besonderes für uns. Die Universität zu Köln leistet seit vielen Jahren aus Landesmitteln einen Beitrag zu den Kosten von CCAT, und wird dies auch in der nun anstehenden Betriebsphase weiter tun“, sagt Karsten Gerlof, Kanzler der Universität zu Köln, bei der Eröffnungszeremonie in Chile.
Die Konstruktion des Teleskops wurde von deutscher Seite auch von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Max-Planck-Institut für Astrophysik finanziell unterstützt.
Das Duisburger Unternehmen CPI Vertex Antennentechnik GmbH schließlich entwarf und fertigte die Teleskopstruktur, einschließlich der Antriebs- und Steuerungssysteme. Das Unternehmen investierte mehr als 250.000 Arbeitsstunden in Konstruktion, Werkstofftechnik, Simulation, Fertigung, Qualifizierung und Projektkoordination und trug damit zu den technologischen Rekordergebnissen bei, die das System weltweit einzigartig machen.
Aufgrund der Herausforderungen, die die Arbeit in dieser extremen Höhe mit sich bringt, bauten die Ingenieure das Teleskop zunächst in Deutschland zusammen. Das Bauwerk wurde anschließend in große Teile zerlegt und per Lastkahn sowie Frachtschiff nach Chile gebracht. Dort transportierten Lastwagen die bis zu sechzig Tonnen schweren Komponenten den Berg hinauf – ein logistisches Meisterwerk.
Datensicherheit der Zukunft gefährdet durch Quantencomputer – aber es gibt Lösungen
Porsche: Abstieg mit Signalwirkung
(Pioneer Briefing) Am 22. September verliert die Porsche AG ihren Platz im deutschen Leitindex Dax und rutscht in den Nebenwertindex MDax ab. Der einstige Börsenliebling ist zum Sorgenkind geworden.
Schon jetzt strebt Porsche-Chef Oliver Blume eine baldige Rückkehr in den Leitindex an:
Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte er, Porsche gehöre dank Marktkapitalisierung und Strahlkraft weiter zu den großen börsennotierten Unternehmen Deutschlands.
Die Zahlen:
- Im ersten Halbjahr 2025 erzielte Porsche einen Umsatz von 18,2 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
- Der operative Gewinn sank im gleichen Zeitraum um 67 Prozent auf rund eine Milliarde Euro, die Marge liegt nur noch bei 5,5 Prozent statt 15,7 Prozent im Vorjahr.
- Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell rund 40 Milliarden Euro, liegt damit etwa 60 Prozent unter dem Höchststand nach dem Börsengang 2022.
Die Gründe: Absatzschwäche bei E-Autos, ein schwacher China-Markt und US-Zölle belasten massiv. Hinzu kommen hohe Investitionen in neue Modelle, die kurzfristig auf die Rendite drücken. Auch die Abhängigkeit von China – über ein Drittel der Auslieferungen – macht Porsche anfällig. ETFs, die den Dax abbilden, müssen die Aktie nun verkaufen – zusätzlicher Druck.
Fazit: Der Dax-Rauswurf ist mehr als Symbolik – Porsche steht für die tiefe Margenkrise deutscher Premiumhersteller. Für Anleger bleibt die Aktie eine spekulative Wette auf ein Comeback von Luxus und E-Mobilität.
Roboter bewegt Objekte mit gesamtem Körper
(pte) – Forscher des Toyota Research Institute haben den von Boston Dynamics zur Verfügung gestellten Roboter „Punyo“ darauf trainiert, große Objekte mit seinem gesamten Körper zu handhaben, ähnlich wie ein Mensch. Für diesen ist es ein Leichtes, etwas Schweres auf die Schulter oder eine große Kiste auf den Rücken zu hieven, vorausgesetzt er hat die Kraft dazu. Er nutzt nicht nur seine Hände, sondern auch andere Körperteile wie Oberarme, Hüfte und Oberschenkel als Stützen und Hebel.
Krug auf der Schulter
Punyo kann einen großen Wasserkrug auf seine Schulter befördern oder eine große Kiste anheben und festhalten. Um seine Bewegungen zu steuern, stützt sich der Roboter auf Rückmeldungen seiner weichen, druckempfindlichen Haut und seiner Gelenksensoren.
Schlüssel zum Erfolg sind die Weichheit seines Körpers und die Flexibilität seiner Gelenke. „Das Hinzufügen jeglicher Art von Anpassungsfähigkeit ist vorteilhaft und führt zur Steigerung der Erfolgsquote um durchschnittlich 206 Prozent“, so die Entwickler. Sie stellten Punyo kürzlich in der Fachzeitschrift „Science Robotics“ vor.
Viel Übung erforderlich
Darüber hinaus sind nur minimale Lernprozesse nötig, um Punyo seine ungewöhnlichen Fähigkeiten beizubringen. Die Forscher haben das sogenannte „example-guided reinforcement learning“ eingesetzt. In einer virtuellen Umgebung hat das Team ihm mit nur einer Demonstration gezeigt, was zu tun ist. Der Roboter übte dann selbstständig, bis er herausgefunden hatte, wie es funktioniert.
„Eine einzige ferngesteuerte Demonstration, die in einer Simulation aufgezeichnet wurde, reicht aus, um Strategien für stilisierte, kontaktreiche Bewegungen zu trainieren“, fügt das Team hinzu. Diese Technologie sei ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung von Robotern, die den Alltag vieler Menschen erleichtern.
Sie können beispielsweise bei Umzügen große, unhandliche Gegenstände wie Möbel in die Wohnung schaffen oder schwere Pakete im Lager sicher und zuverlässig transportieren. Auch im Pflegebereich seien sie hilfreich, um Menschen aus dem Bett zu heben und um sie zu waschen. Und die Roboter müssten nicht akribisch programmiert werden, da sie menschenähnliche Fähigkeiten anhand einer einzigen Demonstration erlernen, heißt es abschließend.
Astroteilchenphysik: Neutrinos sind leichter als 0,45 Elektronenvolt
2025/04/12: Soest Fachhochschule Südwestfalen Experimente & Podiumsdiskussion
„Pützmunter-Experimente-Show“ mit Jean Pütz
12.04.2025 | 13.15 Uhr | Audimax
Die Plätze sind begrenzt! Hier besteht die Möglichkeit sich Tickets zu reservieren. Kartenreservierungen sind bis zum 11.04.2025 möglich. Reservierte Tickets bitte am Tag der Veranstaltung bis 45 Minuten vor Veranstaltungsbeginn am Infostand in Gebäude 11 abholen.
Den Abschluss der Open Days bildet eine Podiumsdiskussion zum Thema „Umweltschutz und Wachstum müssen sich nicht ausschließen“. Prominente Experten und Wissenschaftler erörtern innovative Wege, um Umweltschutz und wirtschaftliches Wachstum in Einklang zu bringen. Mit dabei sind Jean Pütz (Wissenschaftsjournalist), Prof. Dr. Thomas Papenkort (Fachgebiet Energieversorgung), Jörg Malzon-Jessen (Unternehmenssprecher Infineon) und Prof. Dr. mult. Alexander Prange (Rektor Fachhochschule Südwestfalen). Moderiert wird die Diskussion von Dirk Hildebrand (Lopodio; früher: Radio Hellweg). Diese Gelegenheit sollte nicht verpasst werden!
