Alle Beiträge von Minge

Welche Langzeitwirkung hat der Coronavirus auf unseren Körper? – Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Schon lange vermutet: Covid-19 greift nicht nur die Lunge an, sondern auch andere Organe und das Gefäßsystem, wo es z. B. häufig Thrombosen auslöst. Aber was bisher vernachlässigt wurde, sind die Langzeitschäden bei überstandener Krankheit, auch wenn sie nur schwache ausgelöst hat. Es zeigt, wie heimtückisch Covid-19 agiert und straft allen Verharmlosern Lügen, die sich vor allen Dingen in den neuen Medien tummeln. Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die angeblichen Sachverständigen, die meinen, dass Covid-19 in die Kategorie bestenfalls einer Grippe einzuordnen ist, üble Fakenews verbreiten. Dahinter stecken oft schwer durchschaubare Verschwörungstheorien. Umso verbrecherischer handelt z. B. der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der sogar das Maskentragen verbietet, aber auch alle Politiker, die Corona verharmlosen und daraus sogar noch parteipolitische Vorteile erwarten. An erster Stelle möchte ich den USA-Präsidenten Donald Trump nenne, der trotz Millionen von Infizierten und einer Unzahl von Toten stur sämtliche Erkenntnisse der Wissenschaft leugnet.
Hier nun ein sehr gut recherchierter Beitrag des Südwestfunks, der die Risiken und Nebenwirkungen deutlich macht, aber auch Fragen beantwortet, die sich jedermann im Zusammenhang mit Covid-19 schon einmal gestellt hat.
Ihr Jean Pütz

(SWR3) – Was macht Covid-19 eigentlich mit unserem Körper? Diese Frage kann noch keiner so wirklich beantworten. Denn: Es gelten zwar immer mehr Corona-Patienten in Deutschland als genesen – nicht alle sind aber auch wieder vollständig gesund geworden. Manche Patienten berichten, dass sie ihren Geschmackssinn verloren haben, andere sprechen von Kurzatmigkeit oder Erschöpfung über Wochen und zum Teil Monate.

Solche Langzeitfolgen soll jetzt das COVIDOM-Projekt erforschen. Mit dabei unter anderem die Charité Berlin und die Unis Würzburg, Leipzig und Frankfurt.

SWR3 hat mit Professor Dr. Stefan Schreiber gesprochen. Er ist von der Uni in Kiel und leitet das Projekt:

Welche Langzeitfolgen von Covid-19 sind jetzt schon bekannt?
Ich bin ja auch als Arzt in der Kieler Klinik für innere Medizin beschäftigt und sehe dort Patienten, die mit Langzeitproblemen zu mir kommen. Auch junge Menschen, die gar nicht schwer krank gewesen sind, die aber ihre Leistungsfähigkeit über Wochen und Monate verloren haben. Oder es gibt Menschen, die nach der Infektion über einen Ausfall von bestimmten Funktionen des zentralen Nervensystems klagen. Das sind Erscheinungen, die nicht verwunderlich sind. Denn wir wissen heute, dass der Virus nicht nur die Lunge entzündet, sondern das über die Entzündungen der Gefäße auch andere Organschäden entstehen.

Das Coronvirus ist eine Lungenkrankheit – ist das überholt?
Ja, das ist komplett überholt. Bereits in der Akut-Phase haben wir gesehen, dass die Gefäßentzündung – die massiv ist und die Deckzellen der kleinen Blutgefäße zerstört – auch außerhalb der Lunge zu ganz erheblichen Organschäden führt.

Patienten, die in Schleswig-Holstein positiv auf Corona getestet wurden, wollen Sie mindestens zwei Jahre immer wieder untersuchen. Wie wollen Sie das machen?
Wir setzen dazu eine ganze Batterie von Testverfahren ein. Das beinhaltet nicht nur, dass die Betroffenen von uns kontaktiert und befragt werden, sondern es erfolgt auch eine Einladung eines Universitätsklinikums in Schleswig-Holstein nach Kiel, in der dann eine genaue Vermessung des Körpers stattfindet. Mit der ersten Einladung sind das dann die Organe des Brustkorbs – also Herz, Lunge und Gefäße. Und mit der zweiten Einladung ist das dann eine Ganzkörperuntersuchung. Und so bekommt jeder Betroffene ein Gesundheitsprodukt, das man eigentlich gar nicht bezahlen kann, das also mit höchstem Einsatz der Medizin erfolgt und das sicher auch noch „Beifang“ haben wird, was auch andere Krankheiten angeht. Und wir erhalten Daten, wie denn die Infektion die Gesundheit der Menschen verstellt und was das Gesundheitssystem erwarten muss.

Bei welchen Patienten können Langzeitschäden auftreten?
Ich glaube da gibt es noch keine klaren Prädiktoren – also Vorhersagen – wer einen Langzeitschaden hat oder wer nicht. Das ist der Grund, warum es dieses Projekt geben muss, denn am Ende müssen wir das sowohl für die Betroffenen herausfinden, als auch für das Gesundheitssystem die relevanten Daten erstellen. Denn das wird uns in den nächsten Jahren belasten.

Ich glaube vor allen Dingen auch, dass uns diese Covid-19-Erkrankung die Chance gibt, die Beziehung zwischen einer schweren Virusinfektion und den scheinbar zufällig im Alter auftretenden üblichen Erkrankungen zu erkennen, wie zum Beispiel Herzinsuffizienz oder Morbus-Parkinson. Ich könnte mir vorstellen, dass die eine oder andere Krankheit durchaus auch auf Virusinfekte, vielleicht mit ganz andere Viren, zurückzuführen ist. Dafür haben wir uns bloß in der Vergangenheit nie interessiert.

Kann man schon sagen, wie häufig solche längerfristigen Schäden auftreten?
Dazu gibt es noch keine Aussage. Die werden natürlich auch überlagert, dadurch dass Menschen in der Phase der Covid-10-Infektion und -Isolation maximal psychisch betroffen sind und es sicher neben den Schäden der Organsysteme auch Schäden geben wird, die in der Psychosomatik und der Psyche des Menschen liegen.

Verlässliche Quelle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien: Das Netzwerk Correctiv informiert – Mit einer Vorbemerkung von Jean Pütz

Eine verlässliche Quelle für wissenschaftlich-glaubhafte Nachrichten, insbesondere aber auch gegen Fakenews und Verschwörungstheorien ist das Netzwerk Correctiv.
Correctiv recherchiert langfristig zu Missständen in der Gesellschaft, fördert Medienkompetenz und führt Bildungsprogramme durch. Correctiv hat  auch einen sogenannten Correctiv-Faktenscheck geschaffen, besonders um gegen Demokratie-gefährdende Informationen in den neuen Medien in Corona-Zeiten anzugehen, die von böswilligen  Ideologen und Verschwörungstheoretikern – aus welchen Gründen auch immer – verbreitet werden.
Daneben bemüht sich aber auch das Netzwerk Recherche, in dem sich seröse Journalisten zusammengeschlossen haben, um Mißstände aufzuzeigen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. So wurden von ihnen die ‚Panama-Papiere‘ aufgedeckt, die die Machenschaften von Steuerhinterziehern offenbarten – und vieles andere mehr, z. B. in internationaler Recherche die Cum-Ex-Verbrechen.

Übrigens: Ich bin dort ebenso wie bei der Wissenschaftskonferenz: Mitglied, die u. a. mit Wissenschaftsorganisation das Science-Media-Center gegründet hat, welches nach streng wissenschaftlichen Kriterien – nicht nur über Corona – die gesamte Presse mit objektiven Nachrichten informiert.

Ihr Jean Pütz

(Correctiv) – Falschinformationen und Viren haben einiges gemeinsam: Sie können sich exponentiell ausbreiten, und sie machen nicht vor Grenzen halt. Mitte März hat CORRECTIV.Faktencheck sich deshalb mit vier weiteren Organisationen in Europa zusammengeschlossen, um die Verbreitung von falschen Behauptungen über Covid-19 besser zu verstehen.

Die Kooperation mit Maldita.es in Spanien, Pagella Politica/Facta in Italien, Full Fact in Großbritannien und Agence France-Presse (AFP) in Frankreich zeigt, dass in der Flut der Falschinformationen Muster zu erkennen sind. Identische Gerüchte und falsche Behauptungen tauchten in allen fünf Ländern auf. Unsere Analyse haben wir als interaktives Web-Projekt in fünf Sprachen veröffentlicht: covidinfodemiceurope.com

Zudem haben wir uns diese Woche intensiv mit dem PCR-Test beschäftigt. Immer wieder wird behauptet, er sei unzuverlässig und reagiere auf andere Coronaviren. Aktuell wird sogar spekuliert, ob die Ausbrüche in Schlachthöfen darauf zurückzuführen sind, dass der Test auf Viren von Rindern oder Schweinen reagierte. Unsere Recherchen zeigen: Da ist nichts dran.

PCR-Tests für SARS-CoV-2 reagieren nicht positiv auf andere Coronaviren von Nutztieren
Stecken hinter der großen Anzahl an Corona-Infizierten in Schlachthöfen falsche Testergebnisse? Unter anderem in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, dass dafür eine Kreuzreaktionen auf andere Coronaviren verantwortlich sei, zum Beispiel von Rindern. Das ist falsch.

Unter anderem in einem Video  des Youtubers Samuel Eckert vom 21. Juni wird angedeutet, dass die PCR-Tests für SARS-CoV-2 auf andere Arten von Coronaviren, die bei Tieren wie Schweinen oder Rindern vorkommen, anspringen würden. Anlass der Debatte war der Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb Tönnies.

Das Video wurde fast 40.000 Mal angeklickt. Eckert bezieht sich darin unter anderem auf den Arzt Wolfgang Wodarg, der bereits vor Wochen mit der Behauptung aufgefallen war, die PCR-Tests seien angeblich nicht zuverlässig. Auf seiner Webseite stellte Wodarg am 18. Juni die Suggestivfrage: „Kann es sein, dass die vielen SARS-CoV-2-PCR-Positiven auf Schlachthöfen eine Folge von Kreuzreaktionen auf die in der Veterinärmedizin üblichen Corona-Impfungen sind?“ Schließlich würden ja Schlacht- und Haustiere gegen verschiedene Coronaviren geimpft.

Spekulationen über Zuverlässigkeit des PCR-Tests
Ganz ähnlich heißt es auch in einem Facebook-Beitrag (23. Juni): „Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt?“ Und in einem Artikel der österreichischen Seite Mein Bezirk vom 23. Juni über die Schlachthof-Ausbrüche wird über „mögliche Fehldiagnosen von Rinder-Coronaviren“ spekuliert. All diese Behauptungen zielen darauf ab, dass in den Schlachthöfen angeblich kein SARS-CoV-2 ausgebrochen ist und alles auf einem Irrtum beruht.

CORRECTIV ist der Frage nachgegangen, ob der PCR-Test, der für SARS-CoV-2 verwendet wird, auf andere Coronaviren von Nutztieren positiv reagieren könnte. Sie lässt sich nach übereinstimmender Aussage von Experten mit Nein beantworten. Coronaviren von Rindern, Schweinen oder Hühnern befallen keine Menschen. Sie sind genetisch sehr verschieden von SARS-CoV-2 – deshalb kann der PCR-Test, der aktuell an Menschen verwendet wird, auf sie nicht positiv reagieren.

Nutztiere werden gegen andere Coronaviren geimpft
Es stimmt, dass es viele Coronaviren gibt, die bei verschiedenen Tierarten vorkommen. Einige bekannte Coronaviren lösen auch Erkältungen beim Menschen aus. Die Viren sind genetisch verschieden, obwohl sie zur selben Familie gehören.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte die Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), Elke Reinking, per E-Mail mit, in Deutschland gebe es zugelassene Impfstoffe für Rinder und Geflügel – gegen das Bovine Coronavirus und das Virus der Infektiösen Bronchitis der Hühner. Zudem sei ein Impfstoff gegen das Feline Coronavirus zugelassen, das Katzen befällt. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

„Die bei Nutztieren vorkommenden Coronaviren sind genetisch weit entfernt von den beim Menschen zu schweren Erkrankungen führenden Coronaviren“, erklärt Reinking. Daher sei eine Übertragung auf Menschen sehr unwahrscheinlich. Schweine und Hühner seien zudem nicht empfänglich für SARS-CoV-2, das hätten mehreren Arbeitsgruppen weltweit, darunter auch am Friedrich-Loeffler-Institut, gezeigt. „Die Empfänglichkeit von Rindern gegenüber SARS-CoV-2 wird derzeit geprüft.“

Behörden: PCR-Tests zeigen keine Kreuzreaktionen mit Coronaviren von Nutz- und Haustieren
Beim PCR-Test auf SARS-CoV-2 werden mit Abstrichen Proben direkt aus den Atemwegen eines Menschen entnommen. Dass der PCR-Test auf andere Coronaviren von Nutztieren oder die Impfstoffe reagieren könnte, verneint FLI-Sprecherin Reinking. „Die vorhandenen PCR-Tests erkennen SARS-CoV-2 sehr zuverlässig und spezifisch. Sie zeigen keine Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren der Nutz- und Haustiere.“

Gleiches teilte uns Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, auf unsere Anfrage per E-Mail mit: „Bei PCR-Tests bei Menschen werden Erbgut-Regionen nachgewiesen, die nur bei SARS-CoV-2-Viren vorkommen, nicht bei anderen Coronaviren des Menschen oder bei Tieren. Daher kann es nicht zu falsch-positiven Befunden infolge der Impfung von Tieren gegen Coronaviren kommen.“

Virologe: Nachweis von Impfstoff-Viren nicht möglich
Wir wollten es genau wissen und fragten auch beim Institut für Virologie der Universität Mainz nach. Der Molekularbiologe Niels Lemmermann antwortete uns, dass die von der WHO empfohlenen sogenannten Primer (die bei einem PCR-Test genutzt werden, um SARS-CoV-2 nachzuweisen) spezifisch an das Genom dieses Virus binden. Bei einzelnen nah verwandten Fledermausviren könne es tatsächlich Kreuzreaktionen geben, da diese sich genetisch nur zu wenigen Prozent unterscheiden würden. „Dies ist aber anders bei den bekannten pathogenen tierischen Coronaviren und den entsprechenden Impfviren von Kuh, Schwein Katze, Hund und Geflügel. Diese haben deutlich größere Unterschiede in den Nukleotidsequenzen [der genauen Abfolge der Bestandteile des Virus-Erbguts, Anm. d. Red.], so dass die WHO Primer/Sonden nicht an diese binden und daher die entsprechenden Viren auch nicht nachweisen können.“

Darüber hinaus wäre es für einen positiven Nachweis von tierischen Coronaviren beim Menschen nötig, dass sie damit im Nasen- oder Rachenraum infiziert sind, erklärt Lemmermann weiter. Das sei sehr unwahrscheinlich, da diese Viren keine passenden Rezeptoren für Menschen hätten. Geimpfte Tiere seien zudem nicht infektiös – und kranke Tiere wären in der Regel nicht auf Schlachthöfen anzutreffen, da sie nicht transportfähig seien. Auch ein Nachweis von Viren aus Impfstoffen durch den PCR-Test sei nicht möglich, da die Impfungen abgeschwächte Viren oder Proteine beinhalten. In ersterem Fall sei das Genom der Viren schon wenige Tage nach der Impfung nicht mehr im Tier nachweisbar. Und Proteine könnten durch einen PCR-Test rein technisch nicht nachgewiesen werden.

Zitat von Christian Drosten falsch interpretiert
Youtuber Samuel Eckert behauptet in seinem Video (ab Minute 3:50), Christian Drosten, der Leiter des Instituts für Virologie der Berliner Charité habe „zugegeben“, dass der PCR-Test Kreuzreaktionen zeige. Er spielt dazu ein Zitat vor, in dem Drosten sagt: „Und rein theoretisch würde dieser Test auch gegen eine ganze Reihe von Fledermaus-Coronaviren reagieren, aber die gibt es auch nicht beim Menschen. […] Es gibt zum Beispiel ein Coronavirus beim Menschen, ein Erkältungs-Coronavirus, da würde der Test auf jeden Fall auch kreuzreagieren, gegen ein Coronavirus des Rindes, das beim Rind Durchfall macht, diese Viren sind sehr ähnlich. Und noch ein anderes, das würde kreuzreagieren gegen ein Coronavirus des Kamels. […]“

Dieses Zitat ist jedoch kein Beleg für die These, denn Drosten spricht in Bezug auf das Rinder-Coronavirus eindeutig von einem anderen Test für ein anderes Erkältungs-Coronavirus beim Menschen (NDR-Podcast Folge 16, Transkript Seite 3). Es ist also nicht der PCR-Test auf SARS-CoV-2 gemeint.

Eckert lässt zudem Drostens vorherige Erklärungen weg, in denen der Virologe betonte: „Dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“ Nur auf das alte SARS-Coronavirus und Fledermaus-Coronaviren würde der Test theoretisch reagieren, doch diese kämen nicht oder nicht mehr beim Menschen vor.

Familie der Coronaviren hat verschiedene Gruppen
Der Test kann nur auf Viren kreuzreagieren, die sehr nah mit SARS-CoV-2 verwandt sind. Elke Reinking vom Friedrich-Löffler-Institut erklärt, die Coronavirus-Familie werde aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften in Gruppen von Alpha bis Delta eingeteilt. SARS-CoV-2 gehöre zur Betagruppe, das bei Schweinen vorkommende PEDV (Epidemische Virusdiarrhoe der Schweine) zur Alphagruppe, und Coronaviren bei Vögeln seien der Gamma- und Deltagruppe zuzuordnen.

Insgesamt gibt es sieben bekannte Coronaviren, mit denen sich Menschen infizieren können, darunter das erste SARS-Virus (SARS-CoV oder SARS1), das MERS-Virus und das aktuelle SARS-CoV-2. Sie sind alle Beta-Coronaviren. Bei SARS wird vermutet, dass die Viren sich von Fledermäusen auf Menschen übertragen haben. Die vier anderen Erkältungs-Coronaviren beim Menschen (229E, NL63, OC43 und HKU1) gehören entweder zur Alpha- oder Beta-Gruppe.

Eine genetische Einordnung von SARS-CoV-2 in die Familie der Coronaviren auf der Seite Ecohealth Alliancevon Januar 2020 zeigt, dass das neue Coronavirus sich nah bei den Fledermaus-Coronaviren befindet, und sehr nah an dem ersten SARS-Virus. Bovine Coronaviren von Rindern dagegen befinden sich in einem ganz anderen Cluster.

Laut der Cluster-Analyse sind Rinder-Coronaviren recht eng verwandt mit einem der anderen Erkältungs-Coronavirus, das Menschen infiziert: HCoV-OC43 (ebenfalls ein Beta-Coronavirus). Einem Artikel im Journal Virus Taxonomy von 2012 zufolge wird vermutet, dass dieses Virus erstmals von Rindern auf Menschen übertragen wurde. Es ist also wahrscheinlich, dass Christian Drosten im Podcast dieses Erkältungs-Virus OC43 meinte, als er von einer Kreuzreaktion mit einem Rinder-Coronavirus sprach.

Auch von den anderen menschlichen Erkältungs-Coronaviren kann der PCR-Test SARS-CoV-2 übrigens sehr zuverlässig unterscheiden. Das zeigt zum Beispiel ein Ringversuch der Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien (Instand) und eine Studie im Journal of Clinical Virology von Juli 2020

Weitere irreführende Aussage im Video zu Rechtsmediziner Klaus Püschel
Um seine Argumentation, die Ausbrüche von SARS-CoV-2 in Schlachthöfen seien kein Grund, sich Sorgen zu machen, insgesamt zu stützen, zitiert Youtuber Samuel Eckert auch noch den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel: Dieser habe gesagt, dass von den Patienten, die er obduziert habe, „noch keiner an Corona gestorben“ sei.

Das hat Püschel so allerdings nicht gesagt, und die Aussage selbst ist auch falsch. Klaus Püschel ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und sagte vor Wochen gegenüber Medien, dass die Patienten aus Hamburg, die er obduziert habe, alle schwere Vorerkrankungen gehabt hätten. Auf der Webseite der Stadt ist aktuell nachzulesen, dass bei 231 Todesfällen Covid-19 „als todesursächlich festgestellt“ worden sei (Stand 30. Juni. Das RKI meldet im Lagebericht für den 30. Juni für Hamburg 259 Todesfälle, somit war die Infektion mit dem Coronavirus bei rund 89 Prozent bisher nachweislich die Todesursache.

Fazit
Die Spekulationen von Samuel Eckert in seinem Youtube-Video führen also in die Irre, ebenso wie die von Wolfgang Wodarg. Kreuzreaktionen der PCR-Tests mit anderen tierischen Coronaviren sind laut Experten ausgeschlossen. Oder, anders gesagt: Es ist nicht „wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt“, wie es in dem Facebook-Beitrag behauptet wird. Der PCR-Test kann das Virus SARS-CoV-2 von anderen Coronaviren unterscheiden.

03.07.20 Hoffnung zur schnelleren Überwindung der Corona-Pandemie

Das ist eine höchst interessante wissenschaftliche Erkenntnis, sie beruht auf einer taufrischen Forschung.

Interessanterweise habe ich hier bei Facebook bereits am 10. März 2020 nicht nur auf die große Bedeutung der Antikörper, sondern auch auf die sogenannten T-Zellen hingewiesen. Ich habe mich immer gewundert, dass dies von den Wissenschaftlern, insbesondere des Robert-Koch-Instituts nur wenig Beachtung gefunden hat.

Man kann sich natürlich fragen, warum bei vielen Menschen dieser heimtückische Virus Covid-19 nur schwache Reaktionen auslöst und bei anderen sogar tödlich wirkt.

Meine Antwort: Das liegt am Immunsystem, der besten Apotheke, die jeder Mensch in sich trägt. Dieses Immunsystem ist nicht bei jedem gleich stark entwickelt, weil neben dem Alter manchmal der Lebensstil mitspielt, aber auch schlechte Ernährung, Vorerkrankungen und, das ist weniger bekannt, Übergewicht. Deswegen hat die Krankheit auch viele junge Menschen hinweggerafft.
Zum Immunsystem gehört eine ganze Armada von weißen Blutkörperchen, die von einer Superzelle, der sogenannten T4-Helferzelle, gesteuert werden. Von dieser Superzelle werden alle Immunrektionen gesteuert, die unseren Körper gesund halten oder – in seltenen Fällen bei Überreaktionen (Autoimmunität) – auch krank machen, was auch verhängnisvoller Weise bei schwerem Verlauf der Erkrankung eine Rolle spielt.

Zu diesen weißen Blutkörperchen gehören z. B. die Antikörper, die ganz spezifisch sind, je nachdem welche Infektion stattfindet. In der Regel signalisieren sie das Eindringen von Krankheitskeimen oder sogenannten Antigenen. Den Antikörpern verdanken wir übrigens die Möglichkeit, im Test exakt festzustellen, ob z. B. der Organismus von Coronaviren befallen ist oder nicht. Der Irrtum bestand bisher darin, dass man glaubte, nur mit Antikörpern eine spätere Infektion mit Corona-Viren nachweisen zu können.

Jetzt hat das renommierte schwedische Karolinska-Institut festgestellt, dass nicht nur diese Antikörper an der Immunreaktion beteiligt sind, sondern auch die angesprochenen T-Zellen. Die Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass eine Immunisierung gegen Covid-19 überhaupt dauerhaft möglich ist. Nur so ist Impfen sinnvoll und bringt den Ansatz, den vermaledeiten Corona-Virus zu überlisten.

Außerdem scheint es so zu sein, dass auch dann über die T4-Helferzellen eine Immunisierung möglich ist, wenn eine Infektion nur leichte Symptome zeigt und keine Erkrankung ausgelöst wurde. Allerdings lässt sich dies nicht durch Antikörper nachweisen, sondern dazu muss eine neue Testmethode entwickelt werden. Die Forscher sind also gefordert.

Hier nun der Originaltext des Karolinska-Instituts:

Folge 124 Der Vernunft eine Chance

 

COVID-19: Immunität häufiger als vermutet

(pte) – Neue Untersuchungen des Karolinska-Institut http://ki.se in Kooperation mit dem Karolinska-Universitätskrankenhaus http://karolinska.se haben gezeigt, dass viele Menschen mit leichten oder ohne COVID-19-Symptome über eine T-Zell-vermittelte Immunität gegen das neue Coronavirus verfügen. Dies gilt auch für diejenigen, die nicht positiv auf Antikörper getestet worden sind. Aus diesen Ergebnissen schließen die Forscher, dass die allgemeine Immunität gegen COVID-19 womöglich höher ist, als es bisherige Antikörper-Tests vermuten lassen.

T-Zellen als Virenpolizei
„T-Zellen sind als eine Art von weißen Blutzellen darauf spezialisiert, viral infizierte Zellen zu erkennen und ein wesentlicher Bestandteil unseres Immunsystems“, erklärt Marcus Buggert, einer der Hauptautoren und Assistenz-Professor am Zentrum für Infektionsmedizin des Karolinska-Instituts. Ihm zufolge erlauben eingehende Analysen den Forschern, die T-Zell-Reaktion während und nach einer COVID-19-Infektion exakt abzubilden. „Unsere Resultate zeigen, dass etwa doppelt so viele Menschen eine T-Zell-Immunität entwickelt haben wie Personen, in denen wir Antikörper gefunden haben.“

T-Zell-Immunität auch in der Familie
Für die Studie führten die Forscher immunologische Analysen bei über 200 Probanden durch, von denen viele keine oder nur leichte COVID-19-Symptome aufwiesen. Eine weiterer spannender Befund: Es war nicht nur COVID-19-Infizierten eine T-Zell-Imnunität nachzuweisen, sondern auch vielen ihrer asymptomatischen Familienmitgliedern.

Der Artikel zur Untersuchung ist unter dem Titel „Robust T cell immunity in convalescent individuals with asymptomatic or mild COVID-19“ auf BioRxiv, einem Preprint-Server für die Biowissenschaften, verfügbar: https://biorxiv.org/content/10.1101/2020.06.29.174888v1

Kluge Gedanken zum Corona-Sommer 2020

(Westermann) – Das Corona-Virus wirkt wie ein Beschleuniger, der eigentlich längst bekannte Schwachstellen offenlegt. Die Kaufhaus-Schließungswelle setzt den stationären Handel und die Innenstädte unter Stress. Das Verbot von Großveranstaltungen, die Auflagen für Clubs, Großveranstaltungen, Gastronomie und viele Kulturinstitutionen bremsen Unterhaltung und Kulturgenuss aus.

In den Krisen, die wir kennen, flüchteten sich die Menschen in die Kultur, kamen auf andere und auf neue Gedanken. Auslandsreisen sind schwierig geworden und so verbringen Millionen von Menschen, die auf Mikroreisen kaum vorbereitet sind, den Sommer in ihrer Heimatregion. Tagesbesucher überrennen die geschrumpften Kapazitäten. Und nicht nur das ‚Wegebier‘ erobert den öffentlichen Raum. Vor allem den Jungen ist langweilig in einer dümpelnden Krisensituation voller Ungereimtheiten. Konflikte entzünden sich aus geringsten Anlässen. Trauer und Wut brechen sich Bahn und lassen Situationen eskalieren. Die Ordnungskräfte müssen den Rücken hinhalten. Ob man die Konflikte nun groß redet oder klein, sie stehen auf der Tagesordnung und lassen sich kaum verdrängen.

Wer den viel beschworenen Zusammenhalt fördern will, muss Verantwortung übernehmen. Es braucht neue Begegnungsformen und Veranstaltungsformate, die den Bedürfnissen der unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden und die aufgestaute Energie ins Positive wenden. In einer solchen Situation können sich öffentliche Verwaltungen nicht auf die Rolle von ebenfalls betroffenen Dienstleistern zurückziehen sondern sie stehen in der Pflicht, im Sinne des Gemeinwohls zu agieren. Corona ist mehr als eine Zumutung, es ist der Ernstfall, in dem sich zeigen muss, was unser Gemeinwesen wert ist. Da steht viel Vertrauen auf dem Spiel.

Zugleich sind in Deutschland Hunderttausende von Kreativen und Künstlern ohne Beschäftigung. Sie allein als Fälle der Fürsorge zu behandeln, zeugt von mangelndem Respekt und lässt die wichtigsten Kapazitäten zur Krisenbewältigung ungenutzt: Kreativität, Improvisation und Innovation. Sie könnten im Auftrag der Kommunalverwaltungen Projekte entwickeln, die der Krise ihren zerstörerischen Charakter nehmen.

In meinem Aufruf ‚Öffnet die Museen‘ hatte ich vorgeschlagen, dass die Museen Aufträge zu ihrer Digitalisierung vergeben oder sich als Orte neu erfinden, an denen Künstler tätig werden. Für öffentliche Plätze hat westermann kommunikation den ‚Corona Times Square‘ konzipiert, der den Nöten und Ängsten, der Trauer und der Wut ein Forum gibt, das zum Gespräch und nicht nur zu moralischen Vorwürfen und sinnlosen Konfrontationen ermuntert. Wir brauchen eine andere Zuhör- und Gesprächskultur.

In der letzten Woche wurden von der Veranstaltungsbranche rund 9000 Gebäude in rotes Alarmlicht getaucht. Diese bundesweite Aktion zeigt die Potenz, die im Augenblick brachliegt, obwohl sie dringend nötig wäre, um die Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft in konstruktive Bahnen zu lenken. Die Stuttgarter Krawallnacht zeigt deutlich, dass bei uns Einiges im Argen liegt auch jenseits von Corona. Jugendkrawalle waren auch in der Vergangenheit immer Reaktionen auf eine Stadtpolitik, der es nicht gelingt, Vielfalt, Freiräume, Nischen und Nutzungsmischungen zu verteidigen. Die unsichtbare Hand des Marktes führt systematisch dazu, dass sich nicht unbedingt das Richtige sondern nur ökonomisch Erfolgreiches durchsetzt bis es in seiner Gleichartigkeit und Konformität die Nachfrage selbst zusammenbrechen lässt. Der reine Markt scheitert auf Dauer an seinem eigenen Erfolg. An einem solchen Punkt stehen vielleicht viele Innenstädte jetzt, die zu lange auf dem ‚Einkaufen‘ als einzig wünschenswerter Verhaltensform festgehalten haben. Auch hier ist die Stunde der Kultur, gekommen sich einzumischen und Vielfalt wiederherzustellen. Es ist letztlich auch gut für das Wiederankurbeln des Geschäftes und für die Antwort auf die Frage aller Fragen, wovon wir leben wollen.

Immobilieninvestitionen könnten im wohl verstandenen eigenen Interesse überdacht werden, um zukunftsfähiger zu werden. Auch dazu haben wir einen Vorschlag gemacht, das renovierungsbedürftige Gutenberg-Museum in Mainz, an einen benachbarten Karstadt-Standort zu verlegen. Das sind nur Beispiele, um Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen und nicht zum Opfer zu werden.

Die Kulturinstitutionen mit den größten Budgets mussten sich in der Konkurrenz untereinander immer stärker spezialisieren und Höchstleistungen vollbringen, um den immensen Aufwand zu legitimieren in Quoten, in Aufmerksamkeit in der Presse oder bei Sponsoren. Das hat zu einem Institutionen-Egoismus geführt, der die Symbiose mit der umgebenden Gesellschaft zu wenig im Blick hat. Das Coronavirus verändert jetzt die Erfolgskriterien. Es rückt viel stärker den Kulturgenuss der Einzelnen ins Zentrum, die Notwendigkeit neue, taugliche Orte zu erschließen und neue Verbindungen zu anderen städtischen Playern zu suchen. Aus diesen Kooperationen können neue Impulse entstehen, die zu einem anderen Selbstverständnis von Leistungsfähigkeit und Erfolg führen.

Das Coronavirus ist eben kein verflixter Albtraum, aus dem wir aufwachen und dann ist alles wie vorher. Es sind gewaltige Veränderungen im Gange, die zu neuen Konzentrationen führen, Marktmächte fundamental verändern und neue Monopole bilden können. Diese Veränderungen treffen zuerst die Ärmeren, sie werden aber auch nicht Halt machen vor denen, die sich heute noch auf der sicheren Seite wähnen.

Der amerikanische Anthropologe Jared Diamond hat dazu geforscht, warum in der Geschichte der Menschheit manche Gesellschaften überlebten und andere untergingen. Die verallgemeinerbare Hauptursache des Niedergangs war die mangelnde Lernfähigkeit der Menschen. Ob das für unsere überalterte und ermüdete Gesellschaft eine gute oder schlechte Nachricht ist, überlasse ich Ihnen…

Helmut Maternus Bien

29.06.20 Deutschland als Bedenken-Republik

Nirgendwo in der Welt werden so viele gute Ideen, ob sie aus der Welt der Technik stammen, aus der Kultur, aus der Politik und vielen anderen Bereichen so schnell verworfen oder kaputt diskutiert wie in Deutschland. Der Grund sind Ideologien, die der Wirtschaft schaden, wegen angeblichem Klimaschutz. Bessere Alternativen werden verworfen. Obwohl es Alternativen gibt die Ziele zu erreichen, ohne extreme Nebenwirkungen und Risiken.

Als Beispiel unter vielen möchte ich die Magnetschwebebahn ansprechen, die unter dem Namen Transrapid in Deutschland entwickelt wurde. Auf der Teststrecke im Emsland offenbarten sich schon seinerseits die ökologischen Vorteile. Milliarden von Steuergeldern wurden investiert, ebenso viele Gelder, die die Industrie aufbrachte. Später wurde sie wegen Umwelt und wirtschaftlicher Bedenken an die Chinesen verschenkt. Die chinesische Autokratie nutzt jetzt diese komplexe Technologie, um eine perfekte Verkehrsinfrastruktur in ihrem weiten Land aufzubauen. Immerhin ist es ihnen schon gelungen die Züge auf eine Spitzengeschwindigkeit von über 600 km/h zu bringen und schaffen damit Alternativen zum kerosinfressendem Flugzeug.
Auch für Afrika ist diese Technologie ideal, denn die Wildtiere der Savanne würden kaum beeinträchtigt, weil die Bahntrassen ja auf Stelzen stehen.

Hier ein Bericht den mir ein wissenschaftliches Institut zukommen lies

Diese Meldung hat mich veranlasst einmal grundsätzlich meinen Standpunkt in Beziehung zur technischen Entwicklung aber auch der politischen Probleme in meinem Beitrag aufzugreifen. Wer wissen will, warum ich selbst bei der Facebook-Plattform mir so viel Mühe mache, dem empfehle ich diese frei spontan gesprochene Moderation.

Folge 123: der Vernunft eine Chance

China realisiert Magnet-Schwebebahn-Netz in Süd-Ost-Asien

Ein Magnetschnellbahn-Testfahrzeug für den Höchstgeschwindigkeitsverkehr, das für eine Betriebsgeschwindigkeit von bis zu 600 km/h ausgelegt ist, hat am 21. Juni 2020 erfolgreich seinen ersten Testlauf auf einer Versuchsstrecke der Tongji-Universität in Shanghai absolviert. China betrachtet dies als einen wichtigen Durchbruch bei seinem Entwicklungsprogramm für Magnetschnellbahnsysteme. Dieses neue Bahnsystem kann als direkte Weiterentwicklung der deutschen Magnetbahntechnologie Transrapid angesehen werden, der leider eine Erstanwendung in Deutschland aus politischen und industriellen Gründen versagt blieb.

In China soll nach dem Flughafenzubringer in Pudong bis zum Jahr 2025 eine neue 500 Kilometer lange Magnetschnellbahnstrecke in den kommerziellen Betrieb gehen. Die Höchstgeschwindigkeitsstrecke Shanghai-Hangzhou ist Bestandteil des Mehrjahresplanes für 10 Supertransportprojekte . Dieses Projekt einer Magnetschnellbahn dürfte also bald Wirklichkeit werden. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2025 werden die Bürger von Hangzhou das Zentrum von Shanghai in 20 Minuten erreichen können. Es ist geplant, die Magnetschnellbahnstrecke über Hangzhou nach Ningbo zu verlängern.

Der Anblick eines einzelnen, autonom fahrenden Mittelwagens ist sicherlich ein ungewöhnlicher Anblick für Eisenbahningenieure, zeigt aber den entscheidenden technologischen Unterschied des Rad/Schiene-Systems zur Magnetschwebebahn mit Langstatorantrieb auf: der Antrieb liegt im Fahrweg.

Die Entwicklung einer Magnetschnellbahn mit einer Betriebsgeschwindigkeit von 600 km/h ist ein Schlüsselprojekt in Chinas „Advanced Rail Transit“-Programm, das vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie im Jahr 2016 initiiert wurde. Das Projektteam, in dem eines der weltweit größten Bahnindustrieunternehmen, die CRRC Qingdao Sifang Co., Ltd. für den technischen Teil verantwortlich ist, hat Experten aus mehr als 30 Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten integriert. Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten und der deutschen Bahnindustrie unterstützt diese Entwicklung. Im Jahr 2019 wurde die Magnetschnellbahn als eine Schlüsseltechnologie für die langfristige Zukunft Chinas in das Programm „Outline for the Construction of a Powerful Country“ aufgenommen.

Worum ging es bei dem Test?
Der Versuch am 21. Juni 2020 ist der erste dynamische Fahrbetrieb eines Prototypfahrzeugs auf der Magnetschwebebahn-Teststrecke in Shanghai und markiert einen großen Schritt vorwärts gegenüber den bisherigen statischen Versuchen. Der Testlauf lieferte eine große Zahl an wichtigen Daten und bewies die prinzipielle Einsatzfähigkeit der neuen Fahrzeugentwickung. Der Test ist eine Grundlage für die weitere Entwicklung und Optimierung des nächsten Testfahrzeugs für das Magnetschnellbahnprojekt im Höchstgeschwindigkeitsbereich.
Den chinesischen Ingenieuren des Forschungs- und Entwicklungsteams des CRRC Qingdao Sifang zufolge zeigte die Magnetschnellbahnsektion während des Tests eine stabile Schwebeleistung und einen einwandfreien Betriebszustand. Der nächste Schritt ist die Industrialisierung der weiterentwickelten Magnetschnellbahntechnologie.

Chinesisches Einsatzfeld:
Die chinesischen Verkehrsforscher erwarten, dass eine 600 km/h schnelle Höchstgeschwindigkeits-Magnetschnellbahn die Geschwindigkeitslücke zwischen Flugzeug und Bahn schließt und dazu beiträgt, ein effizienteres und flexibleres Verkehrssystem aufzubauen. Magnetschnellbahnen können kurze Fahrzeiten mit höchster Sicherheit, Zuverlässigkeit, hoher Fahrgastkapazität, großer Pünktlichkeit und niedrigen Wartungskosten kombinieren.

Zu viele Feinde der offenen Gesellschaft – Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Den Anfangsworten von Gabor Steingart in seiner ‚Morning Briefing vom 23.06.2020 möchte ich mich intensiv anschließen. Leider versucht auch die sonst lesenswerte linksorientierte `TAZ` sich mit Äußerungen wie z. B. die Polizei in den Bereich von Müllabfall zu katapultieren auf dem Gebiet der Verunglimpfung. Sie ist leider damit nicht allein, gleiches geschieht in der extremen Rechten und noch viel schlimmer in der noch freien Gesellschaft der USA mit ihrem Präsidenten Donald Trump, der sich permanent auf dem Niveau der halbstarken Jugend rund um die 16jährigen bewegt.

Ihr Jean Pütz

(Morning Briefing) – Die Meinungsfreiheit ist ein so hohes Gut, dass man sie nicht allein ihren Verteidigern überlassen darf. Wer bewusst das Unsagbare sagt, wer in böser Absicht die sprachliche Entgleisung pflegt, wer – um mit Peter Sloterdijk zu sprechen – „die Einspritzung mentaler Infektionen“ als Geschäftsmodell betreibt, um an den Börsen der Aufmerksamkeitsökonomie eine Kursrally auszulösen, der missbraucht alle Gutgläubigen als menschliches Schutzschild.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Grundgesetz – und das nicht zufällig an erster Stelle. Die „taz“-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah, die Polizisten auf Abfallhalden entsorgen möchte.

Der Satiriker Jan Böhmermann, der den türkischen Präsidenten des Kindesmissbrauchs bezichtigte …

… und AfD-Veteran Alexander Gauland, der die industrielle Vernichtung der europäischen Juden als „Vogelschiss“ der Geschichte bezeichnete, haben jeder auf seine Art den Zentralwert unserer Verfassung – die Würde des Anderen – mit Füßen getreten.

Sie spielen mit kühl kalkulierter Vorsätzlichkeit die Freiheit der Meinung gegen die Würde des Menschen aus, wissend, dass in der Wüste der Würdelosigkeit die Freiheit nicht gedeihen kann. Sie verlassen sich darauf, dass ihre Gegner sie verteidigen, und sei es nur deshalb, um ihnen nicht ähnlich zu werden.

Der gute Demokrat hört zu, aber hasst nicht. So haben wir es gelernt. Seine Waffe sei das Wort, nicht der Polizeiknüppel. „Ungehindert, robust und offen“ soll der öffentliche Diskurs geführt werden, wie es in einem richtungsweisenden Urteil des U.S. Supreme Court von 1964 heißt, das sich mit der „New York Times“ befasste.

Die Meinungsfreiheit wird auch von deutschen Verfassungsrechtlern als „unbequemes“ Grundrecht klassifiziert, das selbst Meinungen schützt, die wir zutiefst ablehnen.

Es war Ralf Dahrendorf, der auf der „Tendenzwende“-Konferenz im November 1974 sagte, „dass ein richtiger Gedanke, bis zum Extremen getrieben, gerade diejenigen Möglichkeiten zerstört, die er eigentlich eröffnen sollte.“ Genau das ist der Meinungsfreiheit im Westen passiert.

Ins Extreme getrieben, bringt sie Unverständliches und Unwürdiges, oder wie im Fall von Yaghoobifarah, Böhmermann und Gauland geschehen, auch Unbeseeltes hervor. Die Meinungsfreiheit wurde hier als Freibrief für das Abscheuliche und wie im Fall der drei vorher genannten auch als Freibrief für das objektiv Falsche missbraucht. Zuweilen wird die offene Gesellschaft nicht durch ihre Feinde, sondern durch ihre Freunde bedroht. Oder anders ausgedrückt: Wer die Meinungsfreiheit auch im Falle ihres Missbrauchs verteidigt, hat sie im Grunde verraten.

 

Zu viele Feinde der offenen Gesellschaft – Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Den Anfangsworten von Gabor Steingart in seiner ‚Morning Briefing vom 23.06.2020 möchte ich mich intensiv anschließen. Leider versucht auch die sonst lesenswerte linksorientierte `TAZ` sich mit Äußerungen wie z. B. die Polizei in den Bereich von Müllabfall zu katapultieren auf dem Gebiet der Verunglimpfung. Sie ist leider damit nicht allein, gleiches geschieht in der extremen Rechten und noch viel schlimmer in der noch freien Gesellschaft der USA mit ihrem Präsidenten Donald Trump, der sich permanent auf dem Niveau der halbstarken Jugend rund um die 16jährigen bewegt.

Ihr Jean Pütz

Energiewende 2030: Weg zur Klimaneutralität in Europa – Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Meine Bemerkung:
Ich begrüße sehr diese Vorschläge, aber sie sind leider so allgemein gehalten, dass der Teufel im Detail sitzt. Ich bin überzeugt, dass Europ irgendwann klimaneutral werden kann, das geht aber nicht – wie in Deutschland postuliert – mit dem kompletten Abschaffen des Verbrennungsmotors, der im übrigen auch sehr gut mit regenerativ gewonnenen Kraftstoff betrieben werden kann. Wobei ein reines Elektroauto ökologisch total kontraproduktiv ist. Der Aufwand für extreme Batteriekapazität ist unter diesem Paradigma nicht zu vertreten. Trotzdem kann die Elektromobilität in den Mittelpunkt gestellt werden mit der sogenannten HyperHybrid-Methode, unter Einsatz eines sparsamen Verbrennungsmotors und rein elektromotorischem Antrieb, mit einer nur auf 1/6 reduzierten Batteriekapazität (maximal 20 kWh). ein so konzipiertes Auto benötigt kein mechanisches Getriebe und ist wesentlich leichter als ein Elektroauto mit der schweren Batterie. Die Bremsenergie kann trotzdem weitgehend regeneriet werden. Verbräuche mit maximal 2 Liter auf 100 km sind möglich, die Investition in Millarden Euro zum Umbau der Automobilindustrie werden überflüssig. Die nötige Wärme und Kühlung entnimmt der Verbrennungsmotor über die Abwärme.

Gleiches gilt für den radikalen Abbau von Braunkohlekraftwerke. Es existieren bereits moderne Kraftwärme mit einem Wirkungsgrad von über 45%. Diese müssen zunächst die uneffizienten alten Kraftwerke ersetzen. Das entstehende Kohlendioxid kann aus den Abgasen rückgewonnen werdne und als Wertstoff und Recycling-Material für die Gewinnung von CO2-neutralem Treibstoff mit Hilfe der Sonnenenergie und Wasserstoff. Die problematische Speicherung von Wasserstoff kann so umwelt-neutral gewährleistet werden.

Eine Versorgung des europäischen Netzwerkes ausschließlich durch Solarstrom und Windenergie ist wegen der schwierigen Speicherung der Elektrizität nur mit Hilfe von Kraftwerken oder in Ländern mit hoher Gebirgstopologie möglich. Auch der Wasserstoff bietet da nur begrenzte Möglichkeiten wegen des hohen Energieverlustes bei seiner Gewinnung und der Umsetzung in elektrischen Strom. Braunkohle- oder Kernkraftwerke könnten die Phasen über Nacht und mangelnde regenerative Einspeisung durch Klimaeinflüsse ergänzen. Hier müssen nocht einige ideologische Grenzen überwunden werden, sonst bleibt die CO2-Neutralität Europas ein Traum.

Trotzdem Kompliment für konkreten Vorschläge der Akademien im Folgenden

Ihr Jean Pütz

(Leopoldina) – Mit dem European Green Deal hat die Europäische Union sich das Ziel gesetzt, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften. Ein wichtiger Baustein ist eine Energiewende, die weg von der Nutzung fossiler Energieträger und hin zur Gewinnung und Nutzung erneuerbarer Energien führt. Hierfür empfehlen die Wissenschaftsakademien „No-regret“-Maßnahmen, die Einführung eines sektorenübergreifenden CO₂-Preises inklusive Mindestpreis sowie einen umfassenden Infrastrukturumbau. Mit ihrer heute erschienenen Ad-hoc-Stellungnahme „Energiewende 2030: Europas Weg zur Klimaneutralität“ legen die Akademien eine Handreichung für den deutschen EU-Ratsvorsitz ab 1. Juli vor.

Die Autorinnen und Autoren betrachten die Herausforderungen der Klimaschutzpolitik vor dem Hintergrund der aktuell durch die Coronavirus-Pandemie verursachten Krise. Um deren Folgen zu bewältigen, müssen Finanzmittel mobilisiert werden. Für den Klimaschutz wird es entscheidend sein, dass diese Mittel im Einklang mit dem Erreichen der Klimaschutzziele investiert werden. Die Arbeitsgruppe identifiziert hierfür politische, technologische und regulatorische Maßnahmen, die im Verbund eine Energiewende ermöglichen, ohne Wirtschaft und Gesellschaft zu überfordern.

Die EU-Klimaschutzziele lassen sich nur durch eine gemeinsame klima- und energiepolitische Strategie erreichen, die die unterschiedlichen Voraussetzungen der Mitgliedsstaaten berücksichtigt. Technologieoffenheit sei grundsätzlich wünschenswert, solle aber nicht dazu führen, dass notwendige Investitionen aus einer abwartenden Haltung heraus verzögert werden. Einige Technologien betrachten die Forscherinnen und Forscher als unverzichtbar, um die Klimaziele 2030 und 2050 zu erreichen. Zu solchen „No-regret“-Maßnahmen zählen sie den Ausbau von Windkraft und Photovoltaik, Netzausbau sowie den Ausbau von Elektromobilität und Wärmepumpentechnologie. Wasserstoff werde als erster Grundstoff in der Kette von elektrischer Energie zu stofflichen Energieträgern eine wesentliche Rolle einnehmen. Daher seien Investitionen in diesen Energieträger und entsprechende Pilotanlagen notwendig.

Regulatorische Maßnahmen in Form von Anreizsystemen trügen dazu bei, die Transformation möglichst kosteneffizient zu gestalten. Wenn Europa zeige, dass eine umfassende Transformation des Energiesystems gelingen kann, ohne die Volkswirtschaft zu überfordern, könne das auch für Drittländer ein wichtiger Impuls für eine klimafreundliche Politik und den Umbau zu neuen Energiesystemen sein, heißt es in der Stellungnahme. Die Autorinnen und Autoren sehen einen sektorenübergreifenden, EU-weit einheitlichen CO₂-Preis als Leitinstrument für den Klimaschutz – auch und gerade in Zeiten von Corona. Im Zuge der durch die Corona-Krise ausgelösten Rezession sei zu befürchten, dass die Unsicherheiten über die langfristige Preisentwicklung anstiegen. Ein wirksamer CO₂-Mindestpreis sei daher mehr denn je notwendig, um Planungssicherheit zu schaffen und dauerhafte Anreize für nachhaltige Klimaschutzinvestitionen zu setzen. Es sei wichtig, perspektivisch in allen Sektoren die Treibhausgase zu bepreisen – am besten durch eine Ausweitung des europäischen Emissionshandels.

Zudem sei eine enge Koordination notwendig, damit ein einheitliches europäisches Energiesystem entstehen kann. Wichtig sei dabei die richtige Balance zwischen den erforderlichen Weichenstellungen für die Infrastrukturentwicklung und offenen, marktwirtschaftlichen Ansätzen. Zudem sollte bedacht werden, dass auch in Zukunft Energie nach Europa importiert werden wird. Die dafür notwendigen Technologien müssten in den Markt gebracht und die globalen Lieferketten entwickelt werden. Die Politik müsse deshalb den Aufbau von Lieferketten für grüne Energieträger unterstützen.

Die Ad-hoc-Stellungnahme ist ein gemeinsamer Beitrag der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina, acatech ‒ Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften. Die Akademien unterstützen Politik und Gesellschaft unabhängig und wissenschaftsbasiert bei der Beantwortung von Zukunftsfragen zu aktuellen Themen. Ihre Mitglieder und weitere Experten sind hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland. Im Energiebereich leisten die Wissenschaftsakademien seit 2013 im Akademienprojekt „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS) wissenschaftsbasierte Politikberatung.