Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Deutschland kommt besser durch die Corona-Krise als andere europäische Länder – Warum und weshalb?

(Spiegel) – Die Coronakrise trifft die Wirtschaft weltweit hart. Doch verglichen mit Ländern wie Frankreich, Italien, Großbritannien oder Spanien kommt Deutschland bislang glimpflich durch die Rezession. Das hat Gründe.

 

Nachwirkungen Nebenwirkungen einer Covid-19 Infektion

(LR) – covid-19 ist doch dann gefährlich wenn nur eine Infektion ohne Krankheit Symptome entstanden ist Punkt die Nachwirkungen sind schlimmer als die eigentliche Krankheit.

Das Coronavirus hatte im Laufe der vergangenen Wochen mehrere unangenehme Überraschungen parat. Dazu gehörte zunächst, dass sich Sars-Cov-2 als viel ansteckender erwies als der eigentlich eng verwandte Vorgänger Sars-Cov-1 in den Jahren 2002/2003. Auch die Annahme, dass es nur Risikogruppen wie Älteren oder chronisch Kranken ernsthaft etwas anhaben kann, erwies sich als falsch. Und die künstliche Beatmung, für schwere Fälle eine bevorzugte Behandlung, um die schweren Lungenschäden auszugleichen, da es noch keine Medikamente gegen die Covid-19 getaufte Erkrankung gibt, erweist sich viel zu oft als wenig hilfreich.

Zustand der Patienten verschlechtert sich, nachdem sie am Beatmungsgerät angeschlossen sind

Viele Mediziner beobachten, dass sich der Zustand von Covid-19-Patienten verschlechtert, sobald diese an ein Beratungsgerät angeschlossen wurden. In Italien starb der größte Teil der beatmeten Patienten. Krankenhäuser in den USA versuchen deshalb, die Beatmung so lange wie möglich hinauszuzögern. In Deutschland sterben 30 Prozent der Covid-19-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt wurden. Wer die Behandlung mit künstlicher Beatmung überlebt hat, kann davon Schäden davontragen. So betont SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, selbst Arzt, dass nach längerer Beatmung „das spätere Demenzrisiko erhöht ist oder oft Nieren und andere Organe geschädigt werden“.

Die Berichte über Schäden an Lunge, Hirn und Herz häufen sich

Zwar wird gern betont, dass vier von fünf Corona-Erkrankungen mild verlaufen, etwa mit Fieber und trockenem Husten. Aber immer häufiger wird auch von dauerhaften Schäden an Lunge, Hirn oder Herz berichtet. Scheinbar harmlose Krankheitsverläufe führen plötzlich zu schweren Beeinträchtigungen, auch bei Nicht-Risko-Patienten.

Aktuell berichtet etwa das Universitätsklinik Innsbruck, dass es bei sechs Tauchern, die allesamt nicht stationär behandelt werden mussten, sondern zu Hause Covid-19 auskurierten, nicht nur mit dem Tauchen vorbei ist, sondern sie wohl lebenslang in Behandlung bleiben werden. Die Schäden an der Lunge seien irreversibel, sagt Oberarzt Frank Hartig. Das sei „schockierend“, weil man die Gründe dafür nicht verstehe. Ein junger Mensch, um die 40 Jahre alt, der sich wegen Corona eine Woche krank gefühlt habe, sei einen Monat später zur Kontrolle erschienen. Und der Röntgen-Befund zeige: Der vermeintlich gesunde Patient müsste angesichts der Lungenschädigung „eigentlich beatmet werden“.

Vereinzelt wurden auch neurologische Schäden durch Corona beobachtet

Das Robert-Koch-Institut (RKI) als oberste Behörde für Infektionskrankheiten betont zwar, es lägen bisher „nur wenige belastbare Informationen zu Langzeitfolgen von Covid-19 vor“, verweist dann aber selbst auf neue Studien, die neurologische Langzeitfolgen nahelegen. So werde von krankhaften Gehirnveränderungen und Hirnhautentzündungen berichtet. Auch Schäden am zentralen Nervensystem, die Lungenversagen begünstigten, wurden demnach beschrieben. Zudem könne man laut RKI auch Rückschlüsse aus der ersten Sars-Verbreitung ziehen. Hier wurden später verschiedene körperliche und psychische Langzeitfolgen entdeckt. So wurde von anhaltender Einschränkung der Lungenfunktion und geminderter physischer Leistungsfähigkeit, aber auch von Angststörungen, Panikattacken, Depressionen berichtet.

Lungenfibrose: Lunge wird steifer – das begünstigt Atemnot

Was bei beiden Sars-Varianten definitiv bereits gleichermaßen beobachtet wurde, ist das Auftreten von Lungenfibrose. Mit dem Begriff werden chronische Entzündungen des Lungengewebes beschrieben, die normalerweise etwa durch Rauchen oder Asbest begünstigt werden. Dabei vernarbt das Bindegewebe zwischen den Lungenbläschen. Auch wird die Lunge steifer, kann sich nicht mehr wie gewohnt ausdehnen. Das begünstigt Atemnot und ist unheilbar – im schlimmsten Fall sogar tödlich.

In Japan wiesen Ärzte Corona-Viren im Nervenwasser nach

Auch neurologische Erkrankungsanzeichen häufen sich. Eine Studie aus dem Corona-Ausbruchsort Wuhan macht bei etwa jedem Dritten Covid-19-Patienten Symptome wie Schwindel, Kopfschmerzen, Geschmacks- und Riechstörungen aus. Auch aus Italien werden Kopfschmerzen, Übelkeit und Bewusstseinsstörungen berichtet.
In Japan fanden Ärzte das Coronavirus im Nervenwasser des Gehirns eines 24-Jährigen, der nach Müdigkeit, Kopfschmerz, Übelkeit und Fieber plötzlich mit epileptischen Anfällen ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Der Nasen-Rachen-Abstrich auf Sars-Cov-2 hingegen war negativ. Für die Deutsche Gesellschaft für Neurologie „verdichten sich damit die Hinweise, dass Covid-19 nicht nur ein pneumologisches Krankheitsbild ist“ – also Hirnhautentzündung statt Lungenentzündung. Es zeige sich, so DGN-Generalsekretär Professor Peter Berlit, „dass das Nervensystem bei Covid-19-Erkrankungen befallen sein kann, und zwar auch bei sehr jungen Patienten“.

Herzmuskel und Blutgefäße können durch das Corona-Virus geschädigt werden

Gefahr kann Corona auch für das Herz bedeuten. Von den Patienten mit schweren Verläufen haben ein Fünftel Herzmuskelschädigungen. Es scheint möglich, dass das Virus das Herz direkt angreift und zu bleibenden Schäden führt. Auch die Blutgefäße könnten betroffen sein, was Herzinfarkte und Schlaganfälle hervorrufen könnte. Für Joachim Thiery, Dekan der Medizinischen Fakultät der Kieler Universität, wo man jetzt in einer Datenbank Erkenntnisse zu erkrankten Norddeutschen sammeln will, ist Covid-19 „eine Systemerkrankung“, über die Ursachen und die Bekämpfung dieser Folgeschäden „wissen wir praktisch noch nichts“.

Offen ist auch, ob genesene Corona-Patienten anschließend immun sind

An Wissen fehlt es zudem in Sachen Immunität. So betonen RKI-Chef Lothar Wieler und Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, unisono, dass es noch völlig unklar ist, ob man nach durchgestandener Covid-19-Erkrankung auf Dauer immun ist. Oder man sich erneut anstecken kann und sich deshalb impfen lassen muss – vielleicht jährlich wie bei der Grippe. Wenn es denn einmal einen Impfstoff geben sollte.
Obwohl mittlerweile also mehr als die Hälfte der in Deutschland Infizierten als geheilt gilt, heißt das nicht, dass all die mit dem Schrecken davongekommen sind. Es drohen diversen Betroffenen Langzeitfolgen oder erneute Ansteckung – und damit Schrecken ohne Ende. Zumindest so lange es keine Therapie und keinen Impfstoff gibt.
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Neuer Wirkstoff für Medikamente gegen Corona ?

(pts) – Im Kampf gegen die weltweite Corona-Pandemie entwickelt das Berliner Forschungs- und Entwicklungsunternehmen ImmunoLogik ein Breitband-Virostatikum, das Patienten mit einer COVID-19-Erkrankung zu einer schnellen Genesung verhelfen soll. Die als IML-206 bezeichnete Substanz blockiert zelluläre Strukturen, die sehr wahrscheinlich für die Vermehrung des Virus unerlässlich sind. Die Erwartung der Wissenschaftler ist, dass die Ausbreitung des Virus im Körper zuverlässig gestoppt werden kann.

„Wir glauben, dass unser neuartiger Wirkstoffkandidat wesentlich effektiver wirkt und dazu besser verträglich ist als die bislang getesteten umgewidmeten Medikamente“, so Dr. Christian Setz, Geschäftsführer der Berliner ImmunoLogik GmbH. Da das Corona-Virus, wie alle Viren, mutiert, besteht bei vielen anderen, momentan getesteten Ansätzen, welche direkt Bausteine des Virus angreifen, die Gefahr, dass sich Medikamenten-Resistenzen bilden und die Therapie nach kurzer Zeit unwirksam wird. Diese Gefahr ist bei IML-206 sehr gering, da die Substanz nicht das Virus selbst, sondern genetisch stabile Bausteine der Wirtszellen, die weitaus weniger mutationsanfällig sind, beeinflusst.

Weiterhin ist diese Substanz sehr wahrscheinlich geeignet, um auch bei zukünftigen Ausbrü-chen von Coronaviren als zuverlässiges Breitband-Virostatikum zum Einsatz zu kommen, da die blockierten Bausteine der Zelle für eine ganze Bandbreite von Coronaviren unerlässlich sind. Anders als bei den zurzeit im Test befindlichen umgewidmeten Medikamenten, sind beim Einsatz von IML-206 zudem weniger Nebenwirkungen zu erwarten.

Hilfreiche Erkenntnisse aus der HIV-Forschung
Die Forscher von ImmunoLogik haben bereits sehr viel Know-how zu dieser Wirkstoffklasse aus ihrer jahrelangen Forschungsarbeit zur Bekämpfung des HI-Virus sammeln können. Hier ist das Ziel, mit einem Wirkstoff derselben Substanzklasse wie IML-206 den Ausbruch von AIDS bei austherapierten Patienten zu verhindern. Wie auch bei einer SARS-CoV-2-Infektion, gibt es bei HIV-Patienten das Risiko einer Resistenzbildung und von Unverträglichkeiten aufgrund von Nebenwirkungen der bislang eingesetzten Medikamente. Beide Entwicklungsprojekte laufen derzeit parallel und werden sich in den Studienergebnissen ergänzen. Erste Tests für IML-206 an menschlichen Probanden sollen 2022 beginnen.

Allein in den letzten zwei Jahrzehnten traten zwei aus dem Tierreich stammende Coronaviren – SARS und MERS – auf und verursachten teils lebensbedrohliche Erkrankungen. „Nach dem Ende des Ausbruchs von SARS endete damals unglücklicherweise auch die intensive Forschung an einem Wirkstoff gegen neu auftretende Coronaviren, sonst wären wir heute wahrscheinlich bereits besser gewappnet. Dieser Fehler sollte bei der aktuellen SARS-CoV-2-Pandemie nicht wieder passieren“, sagt Dr. Christian Setz. „Solche Coronavirus-Pandemien werden aller Voraussicht nach auch in Zukunft immer wieder auftreten. Daher ist die Entwicklung eines wirksamen Breitband-Virostatikums unerlässlich“, so Setz weiter.

Über ImmunoLogik
Die ImmunoLogik GmbH mit Sitz in Berlin wurde 2012 gegründet mit dem Ziel, antivirale Wirk-stoffe zu entwickeln. Der Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Entwicklung eines Wirkstoffes für die Behandlung von austherapierten HIV-Patienten, um den Ausbruch von AIDS zu verhindern. Im Februar 2020 wurde diese Forschungsarbeit in Zusammenarbeit mit einem Forscherteam der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg um den Fokus der Behandlung von COVID-19-Patienten erweitert. Zur Finanzierung der weiteren Forschungsarbeiten startet ImmunoLogik eine Kampagne auf der Crowdinvesting-Plattform Aescuvest und ist damit Teil der Allianz #CrowdBeatsCorona. Strategischer Investor ist die Athenion Gruppe, die der ImmunoLogik im Verbund Zugriff auf interdisziplinäre Expertenteams aus Wirkstoffentwicklung, Projekt- und Qualitätsmanagement, Spezialisten im Bereich Business Development und Patentrecht ermöglicht.

Der schwedische Umgang mit der Corona-Krise

(ntv) – Der schwedische Umgang mit der Corona-Krise kann nicht verhindern, dass die Konjunktur einbricht. Allerdings fällt der Rückschlag weniger heftig aus als etwa in Deutschland.

Trotz der vergleichsweise lockeren Corona-Maßnahmen in Schweden ist die Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes im zweiten Quartal so stark eingebrochen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des EU-Landes schrumpfte im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 8,6 Prozent, wie die schwedische Statistikbehörde in einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Der Rückgang liegt unter den 10,1 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft nach einer ersten Schätzung schrumpfte. Andere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien hatten noch größere Einbrüche zu verkraften.

Als Hauptgründe für den starken Rückgang führten die schwedischen Statistiker den sinkenden Export und ebenso geringeren Konsum der Privathaushalte im Corona-Quartal an. Es handele sich um den größten Konjunktureinbruch in einem einzelnen Quartal seit mindestens 40 Jahren – seit 1980 lassen sich die entsprechenden Statistiken in Schweden vergleichen. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal betrug der Rückgang 8,2 Prozent. Im ersten Quartal 2020 hatte der BIP-Rückgang zum Vorquartal bei lediglich 0,3 Prozent gelegen.

Schweden war in der Corona-Krise einen Sonderweg gegangen und hatte das öffentliche Leben nicht so stark beschränkt wie etwa Deutschland oder der Rest Skandinaviens. Geschäfte blieben ebenso offen wie Restaurants, Bars und Schulen. Dennoch wurden auch in Schweden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus eingeführt, etwa ein Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern sowie ein Besuchsverbot für Pflegeheime.

Die Schweden haben trotz insgesamt sinkender Todes- und Infektionszahlen noch vergleichsweise hohe Corona-Werte zu verkraften. Nach Angaben der Johns Hopkins University starben in den USA 47,5 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Brasilien 45. In Großbritannien liegt dieser Wert bei 70, in Italien bei 58 und in Schweden bei 56 – in Deutschland bei 11. Die Webseite der Hopkins University wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

 

Objektive Stellungnahme der renomierten Deutschen Leopoldina-Akademie zum Thema Corona

(Leopoldina) – Die Coronavirus-Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens haben dazu geführt, dass viele Kitas und Schulen ihrem Bildungsauftrag zeitweilig gar nicht oder nur sehr eingeschränkt nachkommen konnten. Eine verlässliche technische und organisatorische Infrastruktur, die eine vollständige Schließung von Bildungseinrichtungen auffangen könnte, ist in Deutschland noch nicht vorhanden. Kinder und Jugendliche, deren Familien und pädagogische Fachkräfte sind deswegen in besonderem Maße von der aktuellen Krise betroffen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeigt in ihrer heute veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie: Für ein krisenresistentes Bildungssystem“ Maßnahmen auf, die geeignet sind, das bestehende Bildungssystem unter Krisenbedingungen widerstandsfähiger und flexibler zu machen. Die Stellungnahme richtet sich an die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure des Bildungswesens, also Ministerien, Landesinstitute, Bildungsträger sowie Kitas und Schulen.

Vorrangiges Ziel sei es, den Zugang zu Bildungseinrichtungen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, so die Stellungnahme. Solange es jedoch weder einen Impfstoff noch breit zur Verfügung stehende Therapien gibt, müsse in den Bildungseinrichtungen das Infektionsrisiko reduziert werden. Abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen seien in den kommenden Monaten erneut partielle Schließungen möglich. Deswegen empfehlen die Expertinnen und Experten auch Investitionen in ein zukunftsfähiges digitales System von Fernunterricht als Ergänzung der Präsenzlehre.

Die Autorinnen und Autoren der Ad-hoc-Stellungnahme aus den Fachgebieten Erziehungswissenschaften, Bildungsforschung, Fachdidaktik, Psychologie, Ökonomie, Soziologie, Theologie, Virologie und Medizin benennen Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern:

  1. Aufrechterhaltung des Zugangs zu Bildungseinrichtungen: Empfohlen werden Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, systematische Tests auf das Coronavirus und die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Risikogruppen unter den Kindern und dem pädagogischen Personal sowie unter den Angehörigen beider Gruppen. Um die vollständige Schließung einzelner Bildungseinrichtungen zu vermeiden, sollten überall, wo dies sinnvoll ist, feste Kontaktgruppen (zum Beispiel Klassen) eingerichtet werden, die zueinander möglichst wenige Berührungspunkte haben. Ziel ist es, den persönlichen Kontakt der Kinder und Jugendlichen einer Kontaktgruppe untereinander und zu den Pädagoginnen und Pädagogen so lange wie möglich zu gewährleisten.
  2. Entwicklung von Konzepten zur Verzahnung von Präsenz- und Distanzlernen: Lernen und Bildung zu ermöglichen, ist die zentrale Kompetenz pädagogischer Fachkräfte, auch in Zeiten des Distanzlernens. Eltern können hier lediglich unterstützen. Bund und Länder sollten nach Möglichkeit eine länderübergreifende Lösung für digitale und datenschutzrechtlich geprüfte Lernplattformen erarbeiten. Zudem empfiehlt die Stellungnahme länderübergreifende Rahmenregelungen, zum Beispiel für Prüfungen in Phasen des Distanzlernens. Die pädagogischen Fachkräfte sollen über die Plattformen qualitätsgesicherte Materialien und Inhalte teilen und mit den Kindern, Jugendlichen und deren Eltern in Phasen des Distanzlernens in Interaktion treten können.
  3. Bereitstellung einer geeigneten, sicheren und datenschutzkonformen digitalen
    Infrastruktur: Erste finanzielle Voraussetzungen wurden durch den „DigitalPakt Schule“ geschaffen. Die technische Ausstattung, Unterstützung, Wartung, Instandsetzung und Entwicklung von Bildungsmedien sollten durch einen länderübergreifenden Beirat unterstützt werden, in dem Fachleute aus der Bildungsadministration, der Bildungspraxis, der Bildungsforschung und dem Informations- und Wissensmanagement vertreten sind.
  4. Unterstützung pädagogischer Fach- und Lehrkräfte beim professionellen Einsatz digitaler Medien: Notwendig sind Unterstützung im Hinblick auf die digitale Infrastruktur und technische Ausstattung, die Bereitstellung geeigneter digitaler Lehrmittel und Materialien sowie Fortbildungsangebote.
  5. Stärkung der Kooperation und Kommunikation mit Eltern und Familien: Die Expertinnen und Experten empfehlen unter anderem regelmäßige (Video-)Sprechstunden, Coachingangebote für Eltern sowie Materialien für altersgemäße Förderangebote.
  6. Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lern- und Leistungsrückständen: Als Schwerpunkt wird die Förderung von mathematischen und sprachlichen Vorläufer- bzw. Basiskompetenzen empfohlen, die für das weitere Lernen grundlegend sind.
  7. Stärkung der Wissens- und Informationsbasis: Forschung und Evaluation tragen dazu bei, Auswirkungen der Kita- und Schulschließungen und die Wirksamkeit der neu eingeführten Lehr- und Lernmethoden wissenschaftlich zu bewerten und aktuell dem Bedarf anzupassen.

Für die empfohlenen Schritte werden zusätzliche Ressourcen benötigt, so die Expertinnen und Experten. In den umfangreichen Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen der Coronavirus-Pandemie waren bislang vergleichsweise geringe Investitionen in Bildung und die zukünftigen Chancen der jetzt betroffenen Generation enthalten.

Mit dieser Stellungnahme legt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die fünfte Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie in Deutschland vor. Sie beruht auf dem Forschungsstand der beteiligten Wissenschaftsdisziplinen. Entscheidungen im Bereich Erziehung und Bildung zu treffen und dabei die Perspektiven der Stakeholder zu berücksichtigen, ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik und der zuständigen Institutionen.

Die ersten vier veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahmen haben sich mit akuten gesundheitspolitischen Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie, mit den psychologischen, sozialen, rechtlichen, pädagogischen und wirtschaftlichen Maßnahmen, die zu einer schrittweisen Rückkehr in die gesellschaftliche Normalität beitragen können sowie mit Maßnahmen für ein resilientes und anpassungsfähiges Gesundheitssystem beschäftigt.

Coronakrise: Deutsche erwarten zweiten Lockdown – und schwere Schäden für Wirtschaft

(Spiegel) – Im öffentlichen Leben ist längst eingekehrt, was dem Begriff „Normalität“ relativ nahe kommt. Sicher, ohne Maske geht fast niemand aus dem Haus, und durchtanzte Klubnächte oder Rockfestivals bleiben vorerst ferne Sehnsüchte. Aber ansonsten sind die Einkaufsstraßen gut gefüllt, die Strände sowieso, Menschen sitzen in Restaurants. Besuche beim Friseur und im Fitnessstudio gehören wieder zur Routine. In den ersten Bundesländern beginnt das neue Schuljahr mit Unterricht für alle in fast vollem Umfang. Das Leben in Deutschland Anfang August 2020 fühlt sich sehr viel freier an als noch im April.

Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland glaubt allerdings nicht, dass es so bleiben wird. Sie rechnet mit einem erneuten Lockdown – und mit erheblichem Schaden für die deutsche Wirtschaft, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL unter rund 5000 Menschen in Deutschland zeigt.

Mehr als vier von fünf Befragten – 82 Prozent – erwarten noch für dieses Jahr eine erneute Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen. Mit 32 Prozent geht etwa ein Drittel sogar „auf jeden Fall“ davon aus, weitere 50 Prozent rechnen „eher“ damit. Nur etwas mehr als jede zehnte befragte Person geht nicht von neuerlichen Beschränkungen aus.

Es liegt nahe, dass die jüngsten Nachrichten zu diesem sehr eindeutigen Meinungsbild beigetragen haben. Seit einigen Wochen liegt die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich über dem Niveau des Juni, das Robert Koch-Institut sprach in diesem Zusammenhang von „großer Sorge“. Meldungen über Ausbrüche in Urlaubsgebieten dürften die Furcht davor gemehrt haben, dass Reiserückkehrer die Ausbreitung des Coronavirus wieder anfachen könnten. Hinzu kommen die bevorstehenden Schulöffnungen, die nachlassende Umsicht vieler Menschen im Alltag – und die Bilder von Tausenden dicht gedrängten Protestierenden bei den Anti-Corona-Demos.

Weniger naheliegend ist allerdings: Wer mit einem neuen Lockdown rechnet, erwartet häufig sogar noch strengere Maßnahmen als im Frühjahr. Das gab eine relative Mehrheit von 42 Prozent derer an, die allgemein mit neuen Beschränkungen rechnen. 27 Prozent aus dieser Gruppe glauben, dass der zweite Lockdown so sein wird wie der erste – also mit geschlossenen Geschäften, Restaurants und recht strikten Kontaktbeschränkungen. Weitere 30 Prozent rechnen hingegen mit lockereren Beschränkungen als im Frühjahr.

Dass so viele Deutsche einen so harten zweiten Lockdown erwarten, ist angesichts der Einschätzung von Fachleuten überraschend. So verweisen etwa der Virologe Christian Drosten und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf die Erfahrungen, die bislang gesammelt wurden und die es ermöglichen, künftig gezieltere und damit weniger drastische, flächendeckende Maßnahmen zu ergreifen.

Für die erwartete Härte des zweiten Lockdowns spielt das Alter eine wichtige Rolle. Bei den Befragten unter 40 Jahren überwiegen deutlich diejenigen, die mit lockereren Maßnahmen rechnen, bei den über 40-Jährigen rechnet eine Mehrheit mit strengeren Beschränkungen. Dabei gilt durchgehend: Je älter die Befragten, desto höher ist der Anteil derer, die einen strengeren zweiten Lockdown erwarten.

Gefahr eines zweiten Corona – Lockdowns

(Handelsblatt) – Mit der Ferienzeit geraten Corona-Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Doch damit kehrt Deutschland nicht zur Normalität zurück.

Deutschland hatte sich in der ersten Welle der Corona-Pandemie den Ruf einer vorbildlich pflichtbewussten Bürgerschaft erarbeitet. Neue Hygieneregeln wurden von den meisten Menschen ebenso akzeptiert wie die strengen Abstandsvorschriften und die Einführung der Maskenpflicht.

Mit der Ferienzeit geraten diese Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Nach den Bildern von überfüllten Stränden an Ost- und Nordsee und ausgelassen feiernden Menschen auf Mallorca war es nur eine Frage der Zeit, bis die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder in kritische Regionen vordringt. Zuletzt hat die neue Sorglosigkeit für rund 800 Neuinfektionen am Tag gesorgt.

Die Zahl ist noch weit entfernt von den Höchstständen während des Lockdown, aber der Trend ist beunruhigend. Seit ein paar Wochen gehen die Werte kontinuierlich nach oben. Nach Ansicht des Robert Koch-Instituts ist diese Entwicklung „sehr beunruhigend“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht sogar davon, dass „die zweite Welle schon da ist“. Die Einschätzung wirkt übertrieben, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland nicht zur Normalität zurückkehrt, sondern leichtsinnig den nächsten Lockdown provoziert.

Umso erstaunlicher ist die zögerliche Haltung der Politik. Der Beschluss von Bund und Ländern, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten unentgeltlich testen lassen können, ist richtig, er reicht aber womöglich nicht. Man muss sicher nicht so weit gehen wie die britische Regierung, die ab sofort alle Spanien-Urlauber nach ihrer Rückkehr zwei Wochen in Zwangsquarantäne stellt.

Einführung der Testpflicht
Aber die Einführung einer Testpflicht für manche Urlaubsrückkehrer scheint ein sinnvolles und legitimes Instrument zu sein. Erstens wird die maximale Testkapazität von rund 1,2 Millionen Tests am Tag nicht einmal zur Hälfte genutzt.

Es ist folglich rein technisch kein Problem, mehr Menschen zu testen. Zweitens lassen sich Infektionsketten durch eine höhere Zahl an Tests besser nachverfolgen. Aktuell gibt es in Deutschland viele kleinere Ausbrüche, bei denen die Infektionsketten wenig bis gar nicht klar sind.

Die Einführung einer Testpflicht für Urlaubsrückkehrer ist ein schwerer Eingriff in die Freiheit des Einzelnen. Das Mittel wirkt aber verhältnismäßig, wenn dadurch eine zweite Welle mit Corona-Infektionen verhindert werden kann.

Die Wirtschaft leidet schon jetzt schwer genug an den Folgen der Corona-Pandemie, einen erneuten Lockdown werden noch mehr Unternehmen nicht überleben. Die Politik sollte deshalb alles unternehmen, um einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern. Jeder Tag der Untätigkeit verschärft die Krise.

 

 

Corona-Kommunkation: Verständlichkeit lässt sehr zu wünschen übrig

(Uni Hohenheim) – Uni Hohenheim und Partner in Österreich ermitteln deutliche Defizite bei Pressemitteilungen und Homepages mit Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQs).

Lange Sätze, Schachtelsätze, Wortungetüme und nicht erklärte Fachbegriffe erschweren den Bürgerinnen und Bürgern die Aufnahme von Informationen zur Corona-Pandemie. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart und des österreichischen Beratungsunternehmens clavis. Sie haben insgesamt 512 Pressemitteilungen der Bundesregierungen sowie 3.541 FAQ-Antworten der deutschen Bundesregierung und der Landesregierungen für die Monate März und April 2020 analysiert.

„In Krisenzeiten suchen Menschen Informationen und Orientierung. Regierungen sollten beides liefern. Und zwar in einer auch für Laien verständlichen Form. Informationen zur Corona-Pandemie und zu den staatlichen Schutzmaßnahmen sollten besonders verständlich sein. Sie sind es aber nicht“, meint der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Mit Hilfe einer Analyse-Software fahnden die Wissenschaftler unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen und zusammengesetzten Wörtern. Anhand solcher Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ (HIX). Er reicht von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Die deutsche Bundesregierung kommuniziert relativ unverständlich über Corona
Die Pressemitteilungen der deutschen Bundesministerien sind im Schnitt relativ unverständlich (HIX= 7,1). Etwas verständlicher sind die FAQ-Antworten der Ministerien (HIX= 8,8). In beiden Fällen werde es den Lesern schwer gemacht, die Informationen aufzunehmen. „Die Verständlichkeit sollte deutlich größer sein. Anzustreben wäre ein Wert von 14“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider.

Bei den Pressemitteilungen schneidet das Finanzministerium am besten ab (HIX= 10,0). Die letzten Plätze belegen das Verkehrsministerium und das Justizministerium (HIX jeweils unter 5,0).

Bei den FAQ-Antworten schneidet das Auswärtige Amt am besten ab (HIX= 15,6), auf Platz 2 folgt das Gesundheitsministerium (HIX= 12,3). Die beiden letzten Plätze belegen das Arbeitsministerium (HIX= 5,8) und das Wirtschaftsministerium (HIX= 6,0).

Etwas verständlicher sind die FAQ-Antworten der Landesregierungen in Deutschland (HIX= 9,2). Allerdings reicht die Bandbreite von 6,9 (Sachsen-Anhalt) bis 10,8 (Berlin).


Die deutsche Bundesregierung kommuniziert etwas unverständlicher als die österreichische Bundesregierung
Die Pressemitteilungen der österreichischen Bundesministerien sind im Schnitt verständlicher (HIX= 8,4) als die Pressemitteilungen der deutschen Bundesministerien (HIX= 7,1).

Am besten schneiden in Österreich das Gesundheitsministerium (HIX= 9,8) und das Justizministerium (HIX= 9,5) ab. Den letzten Platz belegt das Ministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (HIX= 4,9).

Für Österreich gilt das Gleiche wie für Deutschland: Die Verständlichkeit sollte deutlich größer sein. „Die Bundesregierung hat vieles richtig gemacht in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Ulrich Müller, Geschäftsführer der clavis Kommunikationsberatung. Dennoch könne man immer besser werden und aus der Erfahrung lernen.

„Eines der wichtigsten Ziele der Krisenkommunikation ist es, im unsicheren Umfeld Orientierung für alle Beteiligten zu schaffen. Verständliche Kommunikation, Offenheit und Transparenz ersparen oft Kritik danach“, so Müller.

Wenn Menschen das Warum und Wozu verstehen, dann würden sie auch einschränkende Maßnahmen mittragen. Wenn sie hingegen Parteipolitik in der Kommunikation spüren, führe das zu einer Abwehrhaltung.

„In Österreich haben wir gesehen, wie schnell die Regierung von steigenden Zustimmungswerten profitiert hat – aber auch, wie rasch sie wieder an Zustimmung verloren hat.“, sagt Müller.

Thematisch sind in Österreich die Pressemitteilungen zum Themenbereich „Kita, Schule und Uni“ (HIX= 6,7) am unverständlichsten. In Deutschland gilt dies für die Pressemitteilungen im Bereich „Soziales und Alltag“ (HIX= 6,7).

Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln
Die häufigsten Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln sind bei allen untersuchten Text-Arten gleich: Fremdwörter und Fachwörter (die nicht erklärt werden), zusammengesetzte Wörter, lange „Monster- und Bandwurmsätze“.

„Schachtelsätze mit 40 bis 50 Wörtern sind keine Seltenheit“, sagt Kerstin Keller von der Universität Hohenheim. „Dabei gilt: Ein Gedanke, ein Satz“. Oft fänden sich aber vier oder fünf Gedanken in einem Satz, was die Aufnahme der Informationen erschwere. Allerdings: „Die FAQ-Antworten weisen im Vergleich zu den Pressemitteilungen in der Regel kürzere Sätze sowie weniger Schachtelsätze auf“, stellt Kerstin Keller fest.

Neben den langen Sätzen stellen zahlreiche Fremd- und Fachwörter vor allem für Leser ohne Vorwissen eine große Verständlichkeitshürde dar: „Corona Matching Fazilität“, „Retail Hack“, „E-Card-Foto-Registrierungs-Stellen“, „Helpline“, „Recovery effort“, „Distance learning“, „Repatriierungen“, „respiratorische Erreger“, „asymptomatische Infektion“.

Einen ähnlichen Effekt haben Wortzusammensetzungen. Einfache Begriffe würden so zu „Wortungetümen“: „Allgemeinverbindlicherklärungen“, „COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz“, „Bundesfreiwilligendienstleistende“, „Heeresunteroffiziersakademie“, „Gebärdensprachdolmetscherinnen“, „Wohnungseigentümergemeinschafts-Verwalter“, „Betriebstättenbegründungsfristen“.


Der „Fluch des Wissens“
„Unverständlichkeit hat viele Gründe“, sagt Prof. Dr. Brettschneider. „Zeitdruck, Gewöhnung an abstraktes Verwaltungsdeutsch, vor allem aber das eigene Fachwissen von Experten.“

Diesen sei meist gar nicht bewusst, dass die Mehrheit der Bürger ihren Fachjargon nicht verstehe. „Wir nennen das den ‚Fluch des Wissens’“, so der Kommunikationswissenschaftler. Es gebe aber auch Texte, in denen Fachbegriffe beim ersten Auftreten erläutert werden.

HINTERGRUND: Hohenheimer Verständlichkeits-Analysen
Das Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Kommunikationstheorie, an der Universität Hohenheim untersucht seit 15 Jahren die formale Verständlichkeit zahlreicher Texte: Wahlprogramme, Medienberichterstattung, Kunden-Kommunikation von Unternehmen, Verwaltungs- und Regierungskommunikation, Vorstandsreden von DAX-Unternehmen.

Möglich werden diese Analysen durch die Verständlichkeits-Software „TextLab“. Die Software wurde von der H&H CommunicationLab GmbH in Ulm und von der Universität Hohenheim entwickelt. Sie berechnet verschiedene Lesbarkeitsformeln sowie Text­faktoren, die für die Verständlichkeit relevant sind (z. B. Satzlängen, Wortlängen, Schachtelsätze). Daraus ergibt sich der „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“. Er bildet die Verständlichkeit von Texten auf einer Skala von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich) ab. Zum Vergleich: Doktorarbeiten in Politikwissenschaft haben eine durchschnittliche Verständlichkeit von 4,3 Punkten. Hörfunk-Nachrichten kommen im Schnitt auf 16,4 Punkte, Politik-Beiträge überregionaler Zeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt oder der Süddeutschen Zeitung auf Werte zwischen 11 und 14.

Immunprotein LY6E hemmt SARS-CoV-2

(pte) – Das vom menschlichen Immunsystem hergestellte Protein LY6E kann Coronaviren stark hemmen, darunter auch Sars-Cov-2, den Erreger von COVID-19. Zu diesem Schluss kommen Forscher der Universität Bochum  in einem internationalen Projekt. Mit diesem Wissen lassen sich künftig neue Behandlungsoptionen erarbeiten. Details wurden in „Nature Microbiology“ publiziert.

Keine Fusion möglich
Tests mit verschiedenen Zellkulturen haben gezeigt, dass LY6E die Fähigkeit des Virus beeinträchtigt, mit den Wirtszellen zu fusionieren. „Wenn das Virus nicht mit diesen Zellen fusionieren kann, kann es keine Infektion auslösen“, erklärt Letztautor Volker Thiel von der ebenfalls am Projekt beteiligten Universität Bern http://unibe.ch .

Der Nachweis im Tiermodell gelang den Wissenschaftlern am Mausmodell und der Proteinvariante LY6E, die für den Schutz von Immunzellen vor Infektionen entscheidend ist. In Abwesenheit von LY6E werden Immunzellen wie dendritische Zellen und B-Zellen anfälliger für Infektionen und ihre Anzahl nimmt drastisch ab. Mäuse, denen LY6E in Immunzellen fehlt, sind sehr anfällig für ein normalerweise nicht tödliches Maus-Coronavirus und sterben daran.

Experimente mit Mäusen
Zwar betonen die Forscher, dass sich das im Experiment verwendete Maus-Coronavirus deutlich von dem Erreger des aktuellen COVID-19-Ausbruchs unterscheidet – so löst es zum Beispiel keine Atemwegserkrankung, sondern Hepatitis aus. Dennoch ist es weithin als Modell für das Verständnis der grundlegenden Konzepte der Coronavirus-Replikation und der Immunreaktionen in einem lebenden Tier anerkannt.

„Unsere Studie bringt neue Erkenntnisse darüber, wie wichtig diese antiviralen Gene für die Kontrolle der Virusinfektion und für eine angemessene Immunantwort gegen das Virus sind“, so die Autoren. „Da LY6E ein natürlich vorkommendes Protein des Menschen ist, hoffen wir, dass dieses Wissen bei der Entwicklung von Therapien helfen kann.“

Wohin führt die Staatsverschuldung? Treibt Corona in die Inflation? Mit einer Einführung von Jean Pütz

Die heutige Zeit ist geprägt durch Spezialisirung. Jeder Wissenschaftler oder auch Ökonom muss tief schürfen, um seine Spitzenforschung zu betreiben. Die große Gefahr ist, dass er dabei den Überblick verliert. In der Volkswirtschaft wäre das verhängnisvoll. Diese hängt von vielen Voraussetzungen ab. Natürlich sollten soziale Aspekte an vorderster Stelle stehen und im Sinne der Marktwirtschaft auch die ökologischen .

Darüber hinaus kommt es auch auch die kreative Entwicklung von Hartware und Software an. Das heißt, die technologischen Aspekte gehen in diese Gleichung mit vielen Unbekannten ein. Jetzt hat Corona-Pandemie besondere Bedingungen geschaffen, die in der Regel absolutes Neuland bedeuten.

Trotzdem muss dem neugierigen Bürger die Möglichkeit gegeben werden, zumindest Einblicke zu bekommen. Die Notwendigkeit habe ich früher einmal so beschrieben: Unsere Wirtschaft ist ein großer Ozean und der Einzelne bzw. ganze Gemeinschaften befinden sich auf einem kleinen Boot mitten in den Wellen. Da tut es gut, wenn zumindest die  Richtung erkannt wird. Dabei könnte bei der Navigation ein Kompass helfen oder das Wissen um den Verlauf der Gestirne. Mit dem Sextanten kann man dann auch wie in alter Zeit die Richtung ermitteln. Schön wäre es, wenn das Boot dann auch noch ein kleines Segel besitzt oder später einen Motor, mit dem die grobe Richtung bestimmt werden kann. Als Gemeinschaft muss man sich dann einigen, wohin es gehen soll. Dabei kann die Vernunft eine tragende Rolle spielen. Sollte dies nicht möglich sein, ist es notwendig, dass Einzelne aussteigen und auf einem individuellen Boot als Querdenker ihrer persönlichen Vernunft gehorchend versuchen, das Ziel zu erreichen. Doch das klappt nicht immer, was besonders für die Finanzen gilt. Da sitzen wir alle in einem Boot.

Nun habe ich hier einen interessanten Artikel gefunden, den mir eine Luxemburger Bank hat zukommen lassen. Ich kann nur jedem, der der Vernunft mächtig ist,  empfehlen, ihn intensiv zu studieren, denn er ist fachlich und didaktisch einfach Spitze.

Ihr Jean Pütz

(bdl) – Die Covid-19-Krise verschärft die Überschuldung der Industrieländer. Guy Wagner, Managing Director von BLI – Banque de Luxembourg Investments, sieht nur einen Ausweg: die Rückkehr zu mehr Haushaltsdisziplin.

Die außerordentliche Krise, die wir derzeit erleben, hat die Staaten zu einer Reihe von Maßnahmen gezwungen, die bereits jetzt einen Umfang von mehreren Milliarden Euro haben. Können Staaten noch mehr tun?

Man kann sich natürlich zunächst einmal die Frage stellen, wie Staaten ihre Ausgaben finanzieren. Im Allgemeinen haben sie dazu zwei Möglichkeiten: entweder durch höhere (Steuer-)Einnahmen oder aber durch Schulden. Und anders als Privatpersonen haben Staaten vielfältige Möglichkeiten, Schulden aufzunehmen – allen voran durch die Emission von Anleihen, die anschließend von Pensionsfonds oder Versicherungen gekauft werden.

Ist die aktuelle Niedrigzinsphase denn nicht ein guter Zeitpunkt für solche Anleihen?
Technisch gesehen, ja. Der Gedanke aber, dass in Niedrigzinsphasen gewissermaßen alles möglich ist, ist gefährlich. Die Finanzierungskosten sind tatsächlich sehr niedrig oder sogar negativ, und viele fragen sich, warum Staaten dies nicht nutzen, um noch viel mehr auszugeben.

Darauf gibt es zwei Antworten: Zum einen werden die Zinsen wahrscheinlich nicht für immer so niedrig bleiben. Wenn sich Staaten jetzt verschulden und die Zinsen später wieder steigen, wird der Schuldendienst einen immer größeren Teil der Steuereinnahmen aufzehren – und das ist nicht ungefährlich.

Zudem ist das private Sparvermögen nicht unbegrenzt. Je mehr sich ein Staat verschuldet, desto weniger Geld steht ihm zur Verfügung, um den privaten Sektor zu finanzieren.

Heißt das, dass Staaten keinen großen Gestaltungsspielraum haben?
Zu normaleren Zeiten wäre dieser Spielraum quasi unbegrenzt. Doch dann sind da ja noch die Zentralbanken, die man ebenfalls in die Gleichung einbeziehen muss. Wenn die Zentralbanken (wie von manchen gefordert) die von den Staaten ausgegebenen Anleihen direkt kaufen, hätten diese es theoretisch gar nicht mehr nötig, privates Sparvermögen anzuziehen. Dieser Gedanke ist gefährlich, und dieses Vorgehen hatte in der Vergangenheit verheerende Auswirkungen, so z. B. im Deutschland der 1920er Jahre oder später in Lateinamerika oder Afrika.

Nicht ohne Grund war die Unabhängigkeit der Zentralbanken immer ein hohes Gut, nicht ohne Grund war es ihnen verboten, öffentliche Anleihen direkt zu kaufen.

Eine andere Aufgabe, die die Zentralbanken seit einem Jahr übernehmen, ist die Stützung einer expansiven Geldpolitik, die auf den extrem niedrigen Zinsen basiert. Dies hat jedoch keine Probleme gelöst, sondern vielmehr mit zu der Situation geführt, in der wir uns heute befinden.

Das große Problem des weltweiten Finanzsystems ist die immer weiter zunehmende Überschuldung. Wie könnte man aus dieser Situation herauskommen?
Eine Patentlösung gibt es leider nicht. Manche vertreten eine Idee, die auf dem Papier ihren Charme haben mag: Die Zentralbanken könnten ja manche dieser öffentlichen Schuldtitel übernehmen und dann auf die Forderungen verzichten. Dies mag wie ein Zaubertrick aussehen: Weil die Zentralbanken ebenfalls zum öffentlichen Sektor gehören, wäre ein solcher Schuldenerlass für den privaten Sektor neutral, da die Verluste ja von den Zentralbanken getragen würden. Die einzige Konsequenz wäre, dass ihr Eigenkapital stark negativ würde – und manche meinen, das sei gar nicht so schlimm.

Auf dem Papier sieht alles ganz einfach aus…
Und dennoch wäre so etwas in der Realität alles andere als leicht umzusetzen. Zudem könnte dies auch nur ein einziges Mal gemacht werden; anschließend müssten wirksame Leitplanken aufgestellt werden, um zu verhindern, dass sich die Staaten erneut verschulden. Bislang hat so etwas noch nie funktioniert.

Und man könnte sogar noch weiter gehen: Man könnte sich ja vorstellen, dass die Zentralbanken noch mehr öffentliche Anleihen von den Märkten aufkaufen, um in noch größerem Stil Verschuldung zu streichen. Doch all das würde das Problem der Überschuldung im privaten Sektor in keiner Weise lösen.

Der angenehmste Weg, um aus der Schuldenfalle herauszukommen, wäre weiteres Wachstum. Doch weil die Überschuldung das Wachstum bremst, stecken wir hier in einem Teufelskreis.

Bedeutet das, dass die bislang sakrosankten Konvergenz- und Stabilitätskriterien des Maastricht-Vertrags hinfällig geworden sind?
Der große Unterschied zu der letzten schweren Wirtschaftskrise ist, dass die meisten Staaten, vor allem in Europa, seinerzeit zwar auf Haushaltsdisziplin pochten, gleichzeitig aber eine extrem expansive Geldpolitik verfolgten. Heute wird diese Haushaltsdisziplin von manchen bereits als etwas Negatives betrachtet. Stattdessen ist man der Meinung, in einem Niedrig- bzw. Nullzinsumfeld könnten geldpolitische Maßnahmen kaum mehr etwas ausrichten und vielmehr müsse die Haushalts- und Fiskalpolitik übernehmen, um staatliche Ausgaben zu ermöglichen.

Die Abkehr von der Haushaltsdisziplin ist sicherlich eine der großen Lehren, die aus dieser Situation gezogen wurden. Dies ist mittelfristig höchst gefährlich. Guy Wagner, Managing Director von BLI – Banque de Luxembourg Investments

Hinzu kommen die weiterhin bestehenden Inflationsrisiken: Zumindest auf mittlere Sicht sind sie nach wie vor vorhanden, auch wenn die aktuelle Krise kurzfristig eher deflationsfördernd wirkt.
Auf längere Sicht jedoch sprechen verschiedene Faktoren für ein erhöhtes Inflationsrisiko: Zum einen erleben wir zurzeit einen Anti-Globalisierungstrend, der eine Rückkehr zu lokalen Produktions- und Versorgungsketten mit sich bringt. Globalisierung hat stark deflationsfördernde Auswirkungen; Globalisierungsfeindlichkeit hingegen fördert die Inflation.

Zum anderen werden die quasi unbegrenzten öffentlichen Ausgaben, die durch die viel zitierte Geldpresse finanziert werden, die Inflation mittelfristig ebenfalls anheizen.

Was wären die wichtigsten Maßnahmen, die unmittelbar umzusetzen wären?
Schwer zu sagen… Ausgangspunkt des Problems ist offensichtlich die Überschuldung: Derzeit versammeln die sieben G7-Staaten eine öffentliche Verschuldung auf sich, die 140 % ihrer Wirtschaftsleistung entspricht – ein historischer Höchststand. Dabei sind noch nicht einmal die Ausgaben berücksichtigt, die durch die Demographie und die Pensionssysteme bedingt sind.

Die Lösung, öffentliche Schulden zu streichen, kann nur funktionieren, wenn sie perfekt umgesetzt wird. Dazu bräuchte es Garantien, dass sich eine solche Überschuldung nie mehr wiederholt. Die Staaten müssten sich anschließend ausdrücklich dazu verpflichten, die vorgegebene Haushaltsdisziplin einzuhalten. Angesichts dessen, was man in der Vergangenheit erlebt hat, fällt Optimismus an dieser Stelle schwer.