Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Wegen Merkel: Deutschland ist unter seinem Potential geblieben

(Morning Briefing) – Wie haben die Politiker, Berater und Virologen im Rahmen dieser Pandemie gedacht und gehandelt? Was lief gut und was lief schief? Diese Bestandsaufnahme haben Georg Mascolo und Katja Gloger unternommen. Mascolo war einst Chefredakteur des „Spiegels“ und ist heute Leiter des Rechercheverbunds von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“. Gloger war politische Korrespondentin für den „STERN“ in Washington und Moskau. Sie ist Bestsellerautorin und auch das: Putin-Biografin.

Gemeinsam haben sie nun ein Buch geschrieben: „Ausbruch: Innenansichten einer Pandemie – Die Corona-Protokolle“. Es ist die bisher detailreichste und politisch präziseste Schilderung dessen, was hinter den Kulissen von Corona-Kabinett, Partei-Vorstand und TV-Talkshow passierte. Die Geschichte der Pandemie als Geschichte von Pannen, Fehleinschätzungen und schwerem Missmanagment. Über ihre Rechercheergebnisse sprechen Katja Gloger und Georg Mascolo im Morning Briefing Podcast Katja Gloger beginnt mit dem Positiven:

„Innerhalb von zehn Monaten haben es Wissenschaftler zustande gebracht, einen Impfstoff zu entwickeln, der uns helfen wird, aus dieser Pandemie herauszukommen. Für mich grenzt es immer noch an ein Wunder. “

Die Staatlichkeit allerdings hat nicht in gleicher Weise segensreich gewirkt. Mascolo erinnert daran, dass der Verweis auf das Versagen der EU nicht viel mehr als eine Ausrede ist:

Man darf nicht vergessen, wer in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres die EU-Ratspräsidentschaft innehatte – das war Deutschland. Man darf nicht vergessen, dass der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn auch unter den Gesundheitsministern der EU den Vorsitz gehabt hat. “

Deshalb trage Deutschland laut Katja Gloger eine Mitschuld am verpatzten Start der Impfkampagne:

Es hätte politische Kraft und politische Führung gebraucht zu sagen, wenn in der Pandemie Geschwindigkeit die wichtigste Währung ist, dann ist es eine zentrale politische Aufgabe, und zwar im Zweifel für das Land, das die EU-Präsidentschaft innehat, und die höchsten wirtschaftlichen Ressourcen besitzt, dafür zu sorgen, dass dieser Prozess innerhalb der EU erheblich an Geschwindigkeit aufnimmt. “

Die Corona-Pandemie wirke wie ein Brennglas für gesellschaftliche Missstände. Georg Mascolo sagt:

Vieles von dem, was wir jetzt erleben, was in diesem Land nicht funktioniert, hat auch etwas mit der Frage zu tun: Wer hat dieses Land eigentlich die letzten 16 Jahre regiert. “

Das Fazit der beiden über Angela Merkel fällt niederschmetternd aus:

Sie ist gut in der Analyse und schlecht im Abliefern. Deutschland ist unter seinem Potenzial geblieben. “

Versäumnisse des Staates: Kein fälschungssicherer Impfnachweis – Statement der Stadt Köln

Sehr geehrter Herr Pütz,

vielen Dank für ihre Nachricht.

Derzeit können wir Ihnen leider noch keine fälschungssichere Bescheinigung ausstellen, da wir noch nicht über solche Nachweise verfügen.

Ich bitte Sie noch um ein wenig Geduld und informiere sie gerne, wenn es uns möglich ist ihrem Wunsch nachzukommen.

Mit freundlichen Grüßen

Im Auftrag

Eva Blancbois

Stadt Köln – Die Oberbürgermeisterin

 

Sehr geehrte Damen oder Herren,

am 09.02.2021 habe ich unter medialer Begleitung von RTL die erste Covid-19-Impfung mit dem mRNA-Serum bekommen. Wenn ich mich richtig erinnere, war es der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes, der mir die Ehre erwies, mich zu impfen.

Am 02.03.2021 erhielt ich dann die zweite Impfung und bin jetzt völlig von den Gefahren durch Covid-19 befreit, genauso wenig kann ich das Virus weitergeben. Endlich jetzt auch die Politik dahintergekommen, deshalb wäre es sehr nett, wenn ich von Ihnen eine fälschungssichere Bescheinigung erhalten könnte, am besten wie in Frankreich mit einem QR-Code.

Meine Adresse:

Jean Pütz
50825 Köln

Ich bitte Sie, mir diese baldmöglichst zuzusenden, denn ich möchte endlich wieder über die in unserem Grundgesetz verankerten diesbezüglichen Bürgerrechte verfügen.

In der Anlage erhalten Sie meine mir damals ausgehändigte Impfbescheinigung.

Mit freundlichen Grüßen

Jean Pütz

Irrtum von exponentiellem Wachstum von Corona

Lieber Ulrich,

ich habe mir erlaubt, Deinen klugen Artikel auf meiner Homepage zu veröffentlichen. Ehrlich gesagt, ich bewundere Deine Bemühungen, aber das ist Sisyphus-Arbeit. Mittlerweile geistern in unserer Sprachwelt herum, die häufig nicht den Anspruch der Wissenschaft überhaupt nicht mehr verfolgen, das ist eine Art Zeitgeist, nur noch Emotionalisieren wollen. Das liegt daran, dass Verständnis für naturwissenschaftliche Phänomene in der Kohorte Deutschland immer mehr abgenommen hat. Immer dann, wenn Unverständnis die Massen bewegt, tritt die Emotion in den Vordergrund. Das ist auch der Grund, weshalb Verschwörungstheorien auf fruchtbaren Boden fallen und letztlich unsere Demokratie gefährden.

Ich stinke nach Möglichkeit bei Facebook dagegen an, aber selbst in meiner Familie ist es schwer, meine Frau davon zu überzeugen. Ich erlebe in der Kleingruppe das, was sich in der Gesellschaft immer mehr ausbreitet. Als empirischer Soziologe erkenne ich die großen Probleme, die aus diesem Verhalten für die Akzeptanz von Wissenschaft und Technik aber auch für die Vernunft in der Politik erwachsen. Leider ist es so, dass ein steter Tropfen gar nicht mehr den Stein höhlt, die physikalische Erkenntnis wird einfach wegewischt. Selbst bei Ergebnissen der reinen Mathematik erwartet das Wählervolk eine zweite oder dritte Meinung zu akzeptieren – zweimal vier ist noch lange nicht acht – selbst daran wird gerüttelt.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt, ich gebe jedenfalls nicht auf, und Du ja auch nicht, doch wir können mit unseren Bemühungen keine Lorbeeren ernten.

Kopf hoch

Herzlichst

Dein Jean

Der Irrtum von exponentiellem Wachstum von Corona

Stellungnahme des kompetenten Mathematikers Prof. Dr. Ulrich Trottenberg

Exponentiell    UT, 4.05.21

Das hätte vor zwei Jahren keiner erwartet: Ein mathematischer Begriff hat beste Chance das Modewort des Jahres 2020 zu werden. Und auch wenn exponentiell nicht offiziell zum Modebegriff des Jahres gekürt wird: Durch seinen ständigen Gebrauch in allen Medien, bei „Experten“ und Politikern, aber auch bei Menschen, die ihre mathematische Inkompetenz gern zur Schau stellen und damit kokettieren, wird es zu einem zentralen Begriff der Corona-Pandemie.

Nur schade, dass es meist falsch gebraucht und missverstanden wird. Exponentiell ist mathematisch wohldefiniert (s. zB [ISAfA-Blog]), wird aber mittlerweile umgangssprachlich für alles Mögliche benutzt und nur selten für exponentielles Wachstum im engeren Sinne, für exponentielle Abnahme eigentlich nie. Praktisch immer dann, wenn Inzidenzzahlen steigen, ist von exponentiellem Wachstum (der Fallzahlen) die Rede. Und damit ist gemeint, die Zahlen wachsen schnell, schneller als man mit linearem Wachstum (s. [ISAFA-Blog]) beschreiben könnte.

Dabei kann lineares Wachstum viel dramatischer sein als exponentielles. Denn man betrachtet die Inzidenzen ja oft nicht über große Zeiträume, und für kleine Zeiträume ist exponentielles Wachstum nur kritisch, wenn die Exponenten groß sind.

Durch den inflationären Gebrauch des Begriffs exponentiell, auch durch mathematisch hochgebildete Menschen wie die Kanzlerin, werden die tatsächlichen Verhältnisse oft dramatisiert, auf jeden Fall relativiert. „Echtes“ exponentielles Wachstum, mit zB einem Exponent 2 (Verdoppelung) innerhalb einer Woche, ist in der Tat dramatisch und höchst bedrohlich. Aber ein Exponent größer als, aber in der Nähe von 0 (das entspricht einer Reproduktionszahl größer als, aber in der Nähe von 1) sollte nicht dramatisiert werden, er bedeutet nur: Es wird nicht besser. Aber sobald die Reproduktionszahl stabil in der Größenordnung von zB 0,7 liegt, das entspricht einem Exponenten deutlich kleiner als 0, darf man sich freuen: Es wird exponentiell besser!

 

Ausgangssperre, Ursache und veröffentlichte Wirkung – der Manipulation Tür und Tor geöffnet

Professor Dr. Gerd Bosbach ist ein in Deutschland führender Wissenschaftler in der Interpretation von statistischem Material. Das möchte ich Ihnen nicht vorenthalten

Jean Pütz

Guten Tag,
da kurz nach Beginn der Ausgangssperre die Inzidenzzahlen erfreulich sanken, stellt sich die Frage nach dem Zusammenhang. Oder anders ausgedrückt, ist das Sinken der Zahlen ein Beleg für den richtigen Weg, also als Erfolg zu feiern? Es wäre doch eine schöne nachträgliche Begründung für die unbeliebte Maßnahme und ein gutes Wahlkampfargument für die beschließenden Parteien.

Zur Zeit geschieht das höchst vorsichtig(*). Zu offensichtlich ist, dass ein Sinken der Fallzahlen drei Tage nach Beginn der Ausgangssperre eine andere Ursache haben muss. Denn eine verhinderte Ansteckung der ersten Verbotsnacht wäre wegen der Zeit von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung (im Mittelwert fünf Tage) und der Zeit bis zum PCR-Test-Ergebnis mit Meldung an das örtliche Gesundheitsamt und weiter bis zum Eingang in die veröffentlichte Bundesstatistik (sicherlich noch zwei Tage) in den meisten Fällen erst etwa eine Woche später statistisch bemerkbar.

Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Geschehen werden Formulierungen wie „nach Verhängung der umstrittenen Ausgangssperre haben uns die sinkenden Inzidenzwerte Recht gegeben“ sicherlich häufen. Der Leser/Hörer wird die nur formulierte zeitliche Aufeinanderfolge schon als Ursache interpretieren und den Machern danken.

Wer noch ein Argument braucht: In Köln sanken die Inzidenzwerte einen Tag vor den bundesweiten. Die schärfere Ausgangssperre begann aber 7 Tage vorher. Warum sollte die Kölner Ausgangssperre 6 Tage länger brauchen um zu wirken?

Wichtig wäre statt eines falschen Eigenlobs jetzt zu gucken, welche Ursachen denn wirklich zum Absinken geführt haben. Auch wenn statistisch aufwändiger, das Ergebnis wäre für die zukünftigen Maßnahmen eine gute Entscheidungsgrundlage.

Methodisch haben wir die  Problematik in „Lügen mit Zahlen“, Kapitel 3, „Auf der Suche nach dem Warum – Ursache und Wirkung“ beschrieben.
Die Inzidenzzahlen der letzten Wochen finden Sie für den Bund und Köln in der beiliegenden Tabelle. Erklärungen reiche ich gerne nach.

Freundliche Grüße
Gerd Bosbach
Köln, 4. Mai 2021

(*) So hat Karl Lauterbach nach Rundfunkberichten erklärt, dass die Bürger sich schon Tage vor Beginn an die Ausgangssperre gehalten hätten, also die Sperre schon der Grund für die sinkenden Fallzahlen sei. Klar solche Bürger wird es geben, aber die meisten werden die letzten erlaubten, offenen Abende noch genutzt haben. Wissend, dass das Ende der Ausgangssperre ungewiss ist. Der im November verhängte vierwöchige Lockdown gilt verschärft ja noch heute. Aber vielleicht hat Lauterbach nur einen humoristischen Testballon gestartet.

 

Geimpfte können Corona-Virus nicht mehr übertragen – Code für die Freiheit

(Süddeutsche Zeitung) – Ein QR-Code auf dem Handy oder dem Papierausdruck soll die große, grenzüberschreitende Reisefreiheit zurückbringen – und das schon in zwei Monaten. Die EU-Kommission will die Mitgliedstaaten mit einer Verordnung verpflichten, nationale Systeme für digitale Corona-Nachweise aufzubauen. Diese sogenannten grünen Zertifikate sollen Impfungen, negative Tests oder ausgeheilte Infektionen belegen. Die Regierungen müssen die Systeme so gestalten, dass die Zertifikate im EU-Ausland funktionieren. Dann könnten deutsche Urlauber etwa am Flughafen auf Kreta den Code präsentieren, und der griechische Grenzbeamte würde nach dem Scannen sofort angezeigt bekommen, ob das Zertifikat echt ist.

An diesem Mittwoch will das Europaparlament über Änderungswünsche beim Verordnungsvorschlag der Kommission abstimmen und eine gemeinsame Position festlegen. Danach beginnen Verhandlungen zwischen Parlament und Ministerrat, dem Entscheidungsgremium der Mitgliedstaaten. Finden beide Seiten zu einem Kompromiss, wird der Verordnungsentwurf Gesetz. Das soll bis Juni geschehen, pünktlich zum Start der Urlaubssaison. Bis dahin sollen auch die technischen Vorbereitungen abgeschlossen sein.

Änderungsanträge konnten die Fraktionen bis Montag einbringen. Und hier scheuten die Abgeordneten nicht den Konflikt mit den EU-Regierungen. So fordern die Parlamentarier, dass Mitgliedstaaten Bürgern Corona-Tests kostenlos zur Verfügung stellen oder zumindest die Preise deckeln. „Die Preise gehen gerade durch die Decke“, klagt die niederländische Abgeordnete Sophia in ‚t Veld, die das Thema für die liberale Fraktion betreut. Die digitalen Nachweise selbst werden kostenlos sein, Gleiches gilt für Impfungen. Doch wer beim Impfen noch nicht dran ist, kann das praktische Zertifikat nur mit einem negativen Test erhalten – und diese kosten oft Geld, viel Geld.

Die Kommission verklagt Astra Zeneca

Die Abgeordneten sehen schwierige Diskussionen mit dem Ministerrat voraus, auch über eine weitere Frage. Der Verordnungsentwurf der Kommission überlässt es den einzelnen Staaten zu regeln, welche Vorteile sie Inhabern der digitalen Nachweise gewähren. Das könnte zu einem Flickenteppich führen. In dem einen EU-Land müssen Zertifikate-Inhaber dann bei der Einreise vielleicht trotzdem einen Schnelltest machen, in dem anderen nicht. Die Europaabgeordneten wollen durchsetzen, dass die Länder Reisenden mit Zertifikat keine besonderen Pflichten auferlegen dürfen – also keine, die nicht auch Einheimische erfüllen müssen. „Ansonsten würden die Staaten die Ziele dieser Verordnung untergraben“, sagt die Niederländerin Tineke Strik, die für Europas Grüne über das Gesetz verhandelt.

Ähnlich brisant wie Impfpässe sind die Lieferausfälle bei Impfstoffen, unter welchen die EU leidet. Am Montag teilte die Kommission mit, eine Klage gegen den Hersteller Astra Zeneca eingereicht zu haben. Das Verfahren vor einem Brüsseler Gericht stoße die Kommission auch im Namen der 27 Mitgliedstaaten an, sagte ein Sprecher. Der Konzern liefert von Dezember bis Juni anstatt der versprochenen 300 nur 100 Millionen Dosen Vakzin. Eine Option auf weitere 100 Millionen Dosen ließ die Kommission wegen des Ärgers verfallen.

 

Bedeutung der sekundären Pflanzenstoffe in Gemüse, Früchten, Getreiden und Nüssen, aber auch in Honig und sonstigen Nahrungsmittel völlig unterschätzt – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Leider beginnt die Wissenschaft erst in letzter Zeit, diese sekundären Pflanzenstoffe ins Visier zu nehmen. Die Industrie hat daran wenig Interesse gezeigt, außer in der Werbung, die völlig überzeichnet wird. Gott sei Dank gibt es Industrie-unabhängige Forschungsinstitute.

Ich schlage vor, sich vor allen Dingen eine Substanz einmal vorzunehmen, die meinen Alltag im Alter entscheidend verbessert hat: Hagebuttenpulver, gewonnen aus den Früchten der wilden Rose. von meinem Orthopädie-Professor wurde mir mit 75 Jahren die Prognose eröffnet, dass ich demnächst dringend künstliche Hüft- und Knie-Gelenke bekommen müsste. Auch ein Knie-Operation am Meniskus brachte keine Linderung. Da ich das ablehnte, stellte ich mich darauf ein, Schmerzmittel – insbesondere Ibuprofen – mein Leben lang einnehmen zu müssen.

1. Ich warne dringend davor, Ibuprofen in größeren Mengen einzunehmen, denn nach einigen Monaten bekam ich große Probleme mit meinen Nieren. Mein Internist bescheinigte mir, dass diese kurz vor dem Versagen ständen. Er hatte mit das Schmerzmittel nicht verschrieben, welches ja auch u. a. Entzündungshemmend wirkt. Als ich ihm das beichtete, war der Übeltäter identifiziert. Ich hatte das Glück, dass sich die Nierenschäden wieder völlig zurück bildeten.

Später erfuhr ich, dass auch viele Sportler Ibuprofen  prophylaktisch einnehmen, weil sie glauben, dass dies die Schmerzgrenze erheblich reduziert und dadurch größere Leistungen möglich sind. Mittlerweile sind einige Gerichte mit dem Problem konfrontiert, die Ärzte für die Rezeptverteilung dingfest zu machen. Das ist allerdings sehr schwierig.

2. Ein Freund meinte, ich solle doch einmal das Hagebuttenpulver versuchen, dass hätte ihm geholfen. Als ungläubiger Thomas belächelte ich seinen Rat, fand ich doch nirgends in der Wissenschaft Belege dafür, dass dieses bei Gelenkproblemen helfen würde. Doch notgedrungen versuchte ich es doch. Morgens früh, einen gehäuften Teelöffel fachmännisch produziertes Hagebuttenpulver, eingerührt in meinen täglichen Früchtejoghurt, revolutionierte mein Leben. Nach zwei Monaten war ich schmerzfrei, und das nach fünf Jahren, weil der Körper sich offenbar  nicht daran gewöhnt und die Wirkung nachlässt. In alter Hobbythekmanier suchte ich nach einem verlässlichen Produzenten, denn es kommt nicht nur auf die Qualität der Hagebutten an, sondern ebenso auf die Produktionsmethode. Die Früchte der wilden Rose müssen geöffnet werden, die Kerne von den Juckhärchen entfernt und anschließend Schalen mit Fruchtfleisch und Kernen zu feinem Pulver vermalen werden, ohne Erhitzung.

Ich lernte einen Argentinier kennen, der aus Deutschland heraus seinen Landsleuten in der ärmsten Gegend Argentiniens, in Patagonien, mit einem Entwicklungsprojekt helfen wollte. Wo sollten diese wilden Heckenrosen natürlicher wachsen als in der unbelasteten Pampa? Dort wurde eine Fabrik errichtet, die diese Hagebuttenfrüchte optimal verarbeitet. Inkl. der Pflücker entstanden Arbeitsplätze für über 400 Menschen.

Wie in den früheren Hobbythek-Sendungen, in denen ich solche Projekt öfters startete, wurden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Die Produkte sind für jedermann preislich erschwinglich und helfen garantiert allen Beteiligten im Sinne des fairen Handels. Die Online-Firma, zu der ich unmittelbaren Zugang habe: ‚Jean Pütz Produkte‘, an der ich garantiert nicht beteiligt bin, sozusagen als Nachfolgerin der ehemaligen Hobbythek-Zutaten, erklärte sich bereit, dieses Projekt zu unterstützen und bietet dieses Hagebuttenpulver aus Patagonien extrem preiswert an: 500g für knapp unter 12,00 Euro. Damit kann ein normaler Verbraucher drei Monate auskommen.

Übrigens, ich nehme die doppelte Menge, weil der Südwestfunk in einer Sendung Hagebuttenpulver als Super-Food bezeichnet hat, weil es neben den sekundären Pflanzenstoffen einen Vitamin-Cocktail beinhaltet, der offenbar insgesamt das Immunsystem stärkt. Dabei schließe ich den Placeboeffekt aus, denn über die Firma gelang es mir, eine persönliche Forschung zu betreiben. In hunderten von Briefen und vielen Proben, die ich an meine persönlichen Freunde,  gebracht habe, wurde mir mit großer Begeisterung die Wirkung bestätigt. Ein Brief eines Kölner Freundes geht mir nicht aus dem Gedächtnis. Er schrieb mir, dass er enorm von Corona profitiert hätte. Er hatte schon einen Operations-Termin zum künstlichen Ersatz seiner Hüfte. Doch wegen Überbelegung der Intensiv-Station des Krankenhauses wurde dieser Termin auf den Sankt-Nimmerleinstag verlegt. So wie ich, griff er zum Hagebuttenpulver, welches ich ihm gegeben hatte. Jetzt ist er schmerzfrei.

Damit wir uns recht verstehen: Das ist zwar keine Forschung mit wissenschaftlichen Anspruch. Doch bei so vielen Rückmeldungen halte ich es umso dringlicher, dass sich die Forschung dem annimmt. Offenbar ist die heilende Wirkung besonders intensiv bei Arthrose in größeren Gelenken wie Knie, Hüfte, Schulter – leider nicht bei Schmerzen an der Wirbelsäule.

Bitte verstehen Sie diese Meldung nicht als eine Art Hintertür, aber es ist genau das, was mich früher in der Hobbythek als Ratgeber angetrieben hat. Von den vielen Rohstoffen, die ich zur Realisierung der Rezepte empfohlen habe, verdiente ich nie einen Pfennig bzw. Cent. Das wurde sogar gerichtlich bestätigt.

Ihr Jean Pütz

Hier nun ein objektiver Beitrag der Bundeszentrale für Ernährung über die Bedeutung der sekundären Pflanzenstoffe

(BZfE) – Endlich ist der Frühling da. Wenn die Temperaturen allmählich steigen, es länger hell bleibt und überall grünt und sprießt, wächst meist auch die Lust auf frisches saisonales Gemüse und Obst. Passend dazu lockt das erste regionale Frühlingsgemüse auf dem Wochenmarkt, im Supermarkt und bald auch aus dem eigenen Garten. Das Gute daran: Wer jetzt auf Bärlauch, Radieschen, Spinat, Spargel oder Rhabarber setzt, sorgt für Abwechslung und vielfältigen Genuss und tut gleichzeitig seinem Körper Gutes. Denn Gemüse und Obst der Saison liefern neben Vitaminen, Mineralstoffen und Ballaststoffen weitere wertvolle Inhaltstoffe – die sekundären Pflanzenstoffe. Sie stehen für den typischen Duft von Kräutern wie Rosmarin und das herrliche Aroma von Früchten wie Erdbeeren und sind als natürliche Farbstoffe nicht zu übersehen.

Carotinoide beispielsweise färben Lebensmittel orange bis leuchtend rot und Anthocyane kräftig blau-violett. Ihre Wirkung blieb lange Zeit unentdeckt. Mittlerweile haben Wissenschaftler allerdings erkannt, dass sie in vielerlei Hinsicht für unsere Gesundheit wichtig sind.

Es gibt zahlreiche Hinweise, dass sekundäre Pflanzenstoffe unter anderem das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen verringern, den Cholesterinspiegel und Blutdruck senken und das Immunsystem stärken können. Sie helfen vermutlich, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken, Entzündungen zu hemmen und uns vor Bakterien zu schützen.

Rund 10.000 dieser Gesundheitshelfer kommen in unserer Nahrung vor; allerdings sind längst noch nicht alle identifiziert. Enthalten sind sie in Gemüse und Obst sowie in Hülsenfrüchten, Getreide und Nüssen. Wer jetzt bei den kulinarischen Frühlingsboten zugreift und auch sonst gerne farbenfrohe Mahlzeiten genießt, kann gleichzeitig das gesundheitsfördernde Potenzial der sekundären Pflanzenstoffe für sich nutzen.

Welche Gruppen an sekundären Pflanzenstoffen es gibt, in welchen Lebensmitteln sie vorkommen und welche gesundheitlichen Wirkungen ihnen zugeschrieben werden, erfahren Sie in einem neuen Beitrag vom Bundeszentrum für Ernährung.

Hämorrhoiden – ein Volksleiden. Muss das sein? – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Die anschließende Pressemitteilung widmet sich endlich der Forschung auf breiter Ebene dieser quälenden Erscheinung am After. Ich weiß nicht, ob diese wissenschaftlichen Ergebnisse Ihnen, liebe Leser, ganz persönlich helfen. bisher war man ja auf wohlmeinende Ratschläge angewiesen, die durchaus Sinn hatten. Allerdings darf das Hämorrhoiden selbst bei leichten Schmerzen nicht unterschätzt werden. Ich empfehle Ihnen unbedingt ärztlichen Rat.

Da ich selbst ab meinem 30. Lebensjahr darunter gelitten habe, habe ich natürlich sehr viel recherchiert und letztlich sogar in meinem sehr erfolgreichen Hobbythekbuch ‚Darm und Po‘ (200.000 Aufl.) ein ganzes Kapitel gewidmet. Leider ist es vergriffen, aber in bekannten Antiquariatsquellen erhältlich und heute noch lesenswert. Wie ich aus Ihren Zuschriften weiß, hat es auch viele Menschen aufgeklärt, sich möglichst regelmäßig einer ärztlichen Darmuntersuchung (Koloskopie) zu unterwerfen. Auf den ersten Blick ist das unangenehm, aber vielen hat es das Leben gerettet, denn der häufig vorkommende Darmkrebs ist, wenn er früh genug erkannt wird, nicht nur durch operativen Eingriff heilbar und keinesfalls heutzutage Todesurteil. Auch die Co-Autorin des Buches und ich, wir haben von dieser Einsicht profitiert.

Gestatten Sie mir aber einen Tipp zum Thema Hämorrhoiden über das hinaus, was in der unten stehenden wissenschaftlichen Meldung beschrieben wird: Ich selbst bin das Leiden vor etwa 20 Jahren durch Eigeninitiative losgeworden, weil ich unter sehr hartem Stuhl litt. Das ist kein Beinbruch, aber wenn der Kot heraus soll, oft nur unter kräftigen Nachhelfen, entstehen kleinere Risse in der Haut des Afters. Insbesondere, wenn es nicht täglich klappt, wird der Darminhalt durch die Darmwände so entwässert, dass er diese feste Konsistenz annimmt. In dem Buch habe ich auch ausführlich beschrieben, dass der Kot beim gesunden Menschen mindestens zu 50% aus abgestorbenen Darmbakterien besteht. Diese sogenannte Darmflora ist für unsere Gesundheit extrem wichtig, was Immunologen erst vor etwa 10 Jahren wissenschaftlich herausgestellt haben.

Der Darm ist auch die Ausgangsquelle unseres Immunsystems. Man kann sogar freimütig behaupten, ist der Darm gesund, ist der Mensch gesund. Doch eins ist dringend zu berücksichtigen: Diese Darmbakterien, auch wenn sie extrem nützlich sind, z. B. sogenannte Coli-Bakterien, dürfen auf keinen Fall in den Blutkreislauf gelangen, da erzeugen sie Blutvergiftungen. Daher ist es so gefährlich, wenn der Blinddarm sich entzündet und einen Durchbruch verursacht und die Darmbakterien in den Bauchraum geraten.

Die Mediziner behaupten sogar, dass der gesamte Verdauungstrakt vom Mund bis zum Austritt eigentlich gar nicht zum Körper gehört. Umso wichtiger ist die Gesundheit der Darmwände, die als Filter die nötigen Nahrungsbestandteile passieren lassen. Im Magen wird die Nahrung zur Verdauung vorbereitet und die Enzyme der Verdauungsflüssigkeiten aus der Bauchspeicheldrüse zerlegen unseren Lebenstreibstoff so, dass seine kalorienhaltigen Bestandteile ebenso wie Vitamine und sekundären Pflanzenstoffe uns das Leben ermöglichen.

Wenn dieser bakterienstrotzende Kot am After durch feine Risse in den Blutkreislauf gerät, erzeugt er dort Wunden. So war das jedenfalls bei mir der Fall, so dass sich regelrechte Ausstülpungen gebildet haben, die entfernt werden mussten. Verhindert habe ich dass dann durch extreme Hygiene nach jedem Stuhlgang. Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen die folgende Prozedur nicht vorenthalten kann. Oft bleiben Kot-Reste am Ausgang hängen, die diese schmerzhaften Entzündungen verursachen. Sie müssen peinlichst durch Waschen entfernt werden. Dazu hilft mir eine milde Flüssigseife, die nicht brennt,  und natürlich viel Wasser. Bitte nicht nur äußerlich, sondern durchaus den Finger, der nicht umsonst Stinkefinger heißt – verwenden. Überall dort, wo ich konnte, habe ich mir ein Bidet angeschafft. In Frankreich ist das üblich, aber leider gibt es viele Hotels, die darauf aus Kostengründen verzichtet haben. Dann muss man es halt etwas umständlich am Waschtisch besorgen.

Ich habe in meinem Leben von diesen Maßnahmen so profitiert, dass ich das Ihnen nicht vorenthalten wollte. Meine Frau meint, ich hätte ein stark entwickeltes Helfersyndrom, sorry, hier stehe ich und kann nicht anders. Jetzt kann ich Ihnen nur noch in Zukunft gesunden Po wünschen.

Ihr Jean Pütz

(Uni Kiel) – DNA-Analysen von fast einer Million Menschen erlauben internationalem Forschungsteam unter Beteiligung des Exzellenzclusters PMI Einblicke in Krankheitsmechanismen der bisher kaum erforschten Volkskrankheit

Hämorrhoiden sind blutgefüllte Polster am Ende des Verdauungstraktes, die dazu dienen den After zu verschließen und den Stuhlgang zu kontrollieren. Umgangssprachlich bezeichnet man mit Hämorrhoiden oft auch die krankhafte Vergrößerung und Ausstülpung dieser Polster. Bei dieser formal als Hämorrhoidalleiden bezeichneten Erkrankung schwellen die Hämorrhoiden an, was zu Juckreiz, Brennen und Blutungen führen kann und den Alltag teilweise massiv einschränkt. Häufig bleibt es bei einer milden Ausprägung, die mit konservativen Maßnahmen behandelt werden kann. Fortgeschrittene, symptomatische Stadien hingegen sind mit erheblichen Einschränkungen verbunden und erfordern dann eine chirurgische Behandlung. Die Erkrankung wurde bereits in der Antike beschrieben und betrifft heute Schätzungen zu Folge einen großen Teil der Bevölkerung, auch wenn hierzu genaue Angaben fehlen. Trotzdem ist das Hämorrhoidalleiden wenig erforscht – möglicherweise auch, da es ein Tabuthema ist, über das nur ungerne gesprochen wird. Sowohl die genauen molekularen Mechanismen als auch die Gründe, warum nur manche Menschen ein ausgeprägtes Hämorrhoidalleiden entwickeln, sind bisher ungeklärt. Zu möglichen Risikofaktoren zählen vermehrtes Sitzen, Übergewicht, ballaststoffarme Ernährung, übermäßig lange Toilettengänge oder zu starkes Pressen sowie das Heben von schweren Gegenständen. Allerdings gibt es bisher dazu keine eindeutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) konnte nun anhand von genetischen Analysen wichtige Erkenntnisse über dieses Volksleiden liefern. Ihre Ergebnisse haben sie heute in der renommierten Fachzeitschrift Gut veröffentlicht.

Die Forschenden haben dazu Erbinformationen von 218.920 Patientinnen und Patienten mit Hämorrhoidalleiden und 725.213 Vergleichspersonen untersucht. Sie griffen dabei auf eingelagerte Proben aus verschiedenen großen populationsbasierten Kohorten zurück, also für die Gesamtbevölkerung repräsentative Sammlungen von Bioproben. Durch die Analysen konnten sie 102 Regionen im menschlichen Genom identifizieren, die Gene enthalten, die zu einem erhöhten Risiko für Hämorrhoidalleiden beitragen – also sogenannte Risikogene. Bis dahin war noch kein einziges Risikogen bekannt.

Hinweise zu Krankheitsmechanismen

Zusätzlich haben die Forschenden Zellen aus Hämorrhoiden-Gewebeproben analysiert, die bei Operationen entnommen worden waren. Dabei haben sie die Proteinprodukte, für die die neu entdeckten Risikogene kodieren, direkt im menschlichen Hämorrhoidalgewebe nachgewiesen und damit gezeigt, in welchen Bereichen die Risikogene aktiv sind. Dadurch konnten sie erstmals Hinweise darauf finden, welche Funktionen bei der Erkrankung möglicherweise gestört sind und zu den Symptomen führen. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Hämorrhoidalleiden zumindest teilweise aus einer Fehlfunktion der glatten Muskulatur, der Blutgefäße und des Bindegewebes in diesem Bereich resultiert. Damit haben wir erste Hinweise auf mögliche Krankheitsmechanismen dieser bisher so unzureichend charakterisierten Volkskrankheit. Langfristig könnte das bei der Entwicklung zusätzlicher nicht-invasiver Therapieoptionen helfen“, sagt einer der federführenden Autoren, Professor Andre Franke, Mitglied im Exzellenzcluster PMI und Direktor des Instituts für Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Bisher werden Hämorrhoidalleiden schwereren Grades überwiegend chirurgisch, also durch Entfernen des überschüssigen Gewebes entfernt. Ein besseres Krankheitsverständnis könnte zukünftig auch zur Entwicklung von Therapien beitragen, die direkt an möglichen Ursachen ansetzen.

Hohes Erkrankungsrisiko frühzeitig erkennen

Aus den identifizierten Risikogenen haben die Forschenden sogenannte polygene Risikoscores (PRS) berechnet. Diese Werte geben für Kombinationen mehrerer Risikogene jeweils das Risiko für ein Hämorrhoidalleiden an. Um diese rechnerisch gewonnenen Risikoscores zu testen und ihre Korrektheit zu bestätigen, haben sie diese an genetischen Daten von Patientinnen und Patienten überprüft, die nicht in der ursprünglichen Analyse eingeschlossen waren. Die Erkrankten, die alle schwerere Ausprägungen des Hämorrhoidalleidens hatten, waren klinisch ausführlich charakterisiert, so dass die Risikoscores mit den realen klinischen Daten abgeglichen werden konnten. Es zeigte sich, dass höhere Werte tatsächlich mit einem erhöhten Risiko korrelieren: Bei den analysierten 180.435 zusätzlichen Personen wiesen diejenigen, die besonders jung erkrankten oder häufiger operiert werden mussten, besonders hohe Werte an Risikoscores auf. „Zukünftig könnten diese Angaben uns dabei helfen, Menschen mit erhöhtem Risiko für schwere Ausprägungen frühzeitig zu identifizieren und genauer zu begleiten. Auch könnten die so identifizierten Personen möglicherweise besonders von einer präventiven Lebensweise profitieren“, sagt einer der Co-Autoren, Professor Volker Kahlke, niedergelassener Proktologe in Kiel, von dessen Patientinnen und Patienten ein großer Anteil der zur Validierung genutzten Proben stammen.

Hämorrhoiden offenbar spezifisch für den Menschen

Nicht nur das Hämorrhoidalleiden war bisher wenig erforscht. Auch über die Hämorrhoiden selbst ist bisher nur wenig bekannt. Die Co-Autoren Professor Thilo Wedel und Professor Francois Cossais, Direktoren des Anatomischen Institutes der CAU, haben daher zusätzlich zum Hämorrhoidalleiden beim Menschen vergleichende Untersuchungen an verschiedenen Tierarten durchgeführt, um zu klären, ob bei diesen solche analen Blutgefäßschwellkörper ebenfalls vorhanden sind. Wedel beschäftigt sich schon seit langem mit dem anatomischen Aufbau des Enddarms und des darin eingelagerten Hämorrhoidalplexus. Nun hatte er die Gelegenheit, erstmals Gewebeproben eines Gorillas und eines Pavians zu analysieren. „Während der Mensch über sehr gut entwickelte Hämorrhoidalpolster verfügt, sind diese beim Gorilla und Pavian zunehmend geringer ausgeprägt und bei der Maus gar nicht mehr zu finden, wie wir zeigen konnten. Wahrscheinlich ist dies dem aufrechten Gang des Menschen geschuldet, bei dem ein sicherer Analkanalverschluss besonders wichtig ist,“ fassen Wedel und Cossais zusammen.

Wie kam es zum schnellen Erfolg beim ersten mRNA-Impfstoff von BioNTech/Pfister? – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Den folgenden Ausschnitt aus einem Wiener Symposium über die verblüffend schnelle Entwicklung in Weltrekord des ersten wirksamen mRNA-Impfstoffes möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, auch wenn der Mitarbeiter von Pfizer ein wenig stark den Beitrag von Pfizer zu  sehr herausstellt. Entscheidend war da die Firma BioNTech, die bereits vorher die mRNA-Technologie zur Entwicklung von Arzneimitteln, z. B. auch zur Bekämpfung von Krebs in der Forschungs-Pipeline hatte. Das Forscherehepaar Özlem Türeci und Uğur Şahin hatten die geniale  Idee, diese Methode auch zur Entwicklung von Impfstoffen zu nutzen. Pfizer stellte das weitere Now How zur Verfügung. Vergessen darf aber auch nicht, dass Gelder aus der deutschen Steuerkasse eine wesentliche Rolle gespielt haben.

Jean Pütz

Forschungsschritte für Impfstoff parallel statt nacheinander

„Als das Corona-Virus Ende 2019 auf den Menschen übersprang und sich als COVID-19 binnen kürzester Zeit weltweit verbreitete, hat Pfizer die lange Vorerfahrung bei der raschen Entwicklung eines Impfstoffs sehr geholfen“, sagt Rumler. Binnen kürzester Zeit hat Pfizer entschlossen, mit dem deutschen Unternehmen BioNTech eine Partnerschaft einzugehen.

„Aufgrund unserer Erfahrung konnten für die Impfstofferforschung notwendige Schritte parallel statt nacheinander gegangen werden. Dafür waren große Investitionen notwendig“, erklärt Rumler. „Tausende Menschen, Mediziner und Wissenschaftler haben zusammen Großartiges geleistet, sodass der BioNTech/Pfizer-Impfstoff bereits Ende 2020 als erster Impfstoff in Europa zugelassen und am 27. Dezember die erste Person in Österreich gegen COVID-19 geimpft wurde“, so Rumler.

Rumler: Welthandel für effiziente Impfstoffproduktion wichtig

Für die Zulassungsstudie gab es weltweit rund 45.000 Freiwillige in über 150 Standorten für klinische Studien. „Diversität und Altersverteilung spielten eine große Rolle. Schließlich war es unser Ziel, künftig allen – auch Schwangeren und Kindern – einen wirksamen und verträglichen Impfstoff anbieten zu können“, so Rumler.

Erst von wenigen Tagen wurde für den Impfstoff in den USA ein Antrag auf Zulassung auch für 12- bis 15-jährige gestellt. Der Zulassungsantrag für die EU wird bald folgen. Staatlichen Alleingängen bei der Impfstoffproduktion steht Rumler kritisch gegenüber. „Unser Impfstoff besteht aus 280 Inhaltsstoffen aus 86 Produktionen in 19 Ländern. Der funktionierende Welthandel und spezialisierte Produktionsstätten sind ausschlaggebend für die immense Produktionsgeschwindigkeit des Impfstoffs“, erklärt Rumler. War zunächst seitens Pfizer die Produktion von 1,3 Milliarden Dosen geplant, wurde der Zielwert mittlerweile auf 2,5 Milliarden ausgeweitet.

Auch das noch, lebende Zellen aus dem 3D-Drucker

(prd) – Dank der Kombination eines 2-Photonen 3D-Druckers mit einem innovativen, Hydrogel-basierten Bio-Material ist es jetzt erstmals möglich, 3D-Strukturen, die lebende Zellen enthalten, direkt zu drucken – und zwar sowohl im meso- als auch nanoskaligen Bereich. Der von der UpNano GmbH (Wien) entwickelte NanoOne Bio ist ein Drucker, der auf der erfolgreichen NanoOne-Linie von Laser-powered 2Photonen 3D-Druckern basiert, die Strukturen über 12 Größenordnungen drucken können. Das neue Hydrogel wurde gemeinsam mit Xpect INX (Ghent, Belgien) entwickelt – einem Spin-Off Projekt, das sich auf die Entwicklung von biokompatiblen Materialien für die 3D-Druck-Industrie spezialisiert hat. Es ist das einzige kommerziell erhältliche Druckmaterial, das die Einbettung lebender Zellen direkt von der Kulturplatte in hochpräzise 3D-gedruckte Strukturen für biologische Anwendungen erlaubt.

Zweidimensionale Zellkulturen waren für viele Jahrzehnte der Standard in der pharmazeutischen, präklinischen sowie der biomedizinischen Forschung im Allgemeinen.
Es mehrten sich allerdings die Hinweise, dass diese Modelle die zelluläre Interaktion in lebenden Systemen auf dem 3D-Level nur schwach abbilden. Dies ist eine der Ursachen dafür, dass die Entwicklung von Medikamenten, die auf 2D-Systemen basiert, zu irreführenden Ergebnissen führt, was sich in Millionen an Kosten für ergebnislose F&E niederschlägt. Bisher scheiterte der Nachbau komplexer und hochpräziser 3D-Strukturen mitsamt eingebetteter lebender Zellen an der mangelnden Verfügbarkeit von geeigneten Materialien und Drucksystemen. Dies hat sich nun geändert: dank der gemeinsamen Entwicklung des neuen Hydrogel-basierten Bio-Materials durch Xpect INX und UpNano in Kombination mit dem neuen Druckermodell NanoOne Bio.

MASCHINEN & MATERIALIEN
“Das Kombinieren der Kompetenzen von UpNano in der Entwicklung von 3D-Druck-Geräten und von Xpect INX in der Formulierung von innovativen Materialien für den 3D-Druck führten rasch zum Erfolg”, kommentiert Peter Gruber, Head of Technology und Co-Gründer der UpNano. “Wir haben X Hydrobio INX© U200, ein hoch biokompatibles Hydrogel, gemeinsam entwickelt und konnten gleichzeitig eine 2Photonen 3D-Druck-Maschine, die den weitesten Bereich an druckbaren Dimensionen auf dem Markt besitzt, anbieten.” X Hydrobio INX© U200 ist ein wasserlösliches Hydrogel, das den Transfer von Zellkulturen aus 2D-Kulturplatten in komplexe 3D-Strukturen ermöglicht. “Das Gelatine-basierte X Hydrobio INX© U200 wurde speziell für die Einkapselung von verschiedenen Zelltypen entwickelt und erlaubt daher die Erzeugung von komplexen 3D-Mikrogeweben”, sagt Jasper Van Hoorick, Projektleitung bei Xpect INX. “Das Hydrogel ahmt die natürliche zelluläre Umgebung nach und ist biologisch abbaubar, wodurch es den Zellen ermöglicht, das Material graduell durch neu geformtes Gewebe zu ersetzen.” Das Gel löst die Probleme, die bei Standard-Nährmedien, wo die Zellen auf 2D-Art inkubiert werden, auftreten. Nachfolgend kann das Hydrogel, das die lebenden Zellen enthält, direkt in den NanoOne Bio – einen von UpNano entwickelten hoch präzisen 2Photonen 3D-Drucker – eingebracht werden. Umfangreiche Untersuchungen zeigten, dass der 780 nm Rotlicht-Laser des NanoOne Bio die lebenden Zellen nicht schädigt, auch nicht bei der außergewöhnlich hohen Laserstärke, die alle NanoOne-Drucker verwenden. Tatsächlich ermöglicht die Verwendung einer so hohen Laserstärke, die in UpNanos 2-Photon 3D-Drucksystemen einzigartig ist, den Einsatz von Optiken, die die schnelle Produktion von cm-großen Strukturen mit außergewöhnlich hoher Präzision bis hin in den Nanobereich erlauben.

BOOST FÜR BIOMEDIZIN
Die Kombination des X Hydrobio INX© U200 mit dem NanoOne Bio eröffnet vollkommen neue Möglichkeiten in der biomedizinischen Forschung & Entwicklung, sowohl für den industriellen als auch für den akademischen Bereich. Prof. James J. Yoo vom Wake Forest Institute for Regenerative Medicine (USA) hat dieses enorme Potenzial erkannt und sich entschieden, UpNano für zukünftige Entwicklungen zu beraten. Der renommierte Experte für Gewebe-Engineering und Biofabrikation tritt mit April 2021 in den Beirat des Unternehmens ein und wird die kontinuierliche Weiterentwicklung von neuen Anwendungen für die biomedizinische F&E begleiten.

Die Produktion von “Labs-on-Chip” wird nun nicht nur mit einer beispiellosen Präzision, sondern auch direkt mit lebenden Zellen möglich – was dadurch einerseits Zeit spart und andererseits die Aussagekraft der Ergebnisse verbessert. Oberflächenstrukturen, die natürlichen Geweben ähneln (biomimetische Strukturen), können nun in der Weise geschaffen werden, dass sie eine nahezu natürliche Interaktion zwischen den lebenden Zellen und ihrer Wachstumsumgebung ermöglichen. “Zellen, die auf einer 2D-Kulturplatte in einem Standard-Nährmedium wachsen, sind weit entfernt von ihrer natürlichen physischen Umgebung und unterliegen einem Mangel an Interaktion mit den umgebenden Zellen, der bei lebenden Zellen unter natürlichen Bedingungen in alle Richtungen hin stattfindet”, erklärt Denise Mandt, Head of Marketing und Business Development sowie Co-Gründerin von UpNano. Aus der biomedizinischen F&E ist bekannt, dass ein fehlender 3D-Zell-zu-Zell-Kontakt einen negativen Einfluss auf die Interpretation von Ergebnissen aus Zellmodellen für humane Anwendungen hat.

Der NanoOne Bio wird in Kombination mit dem neu entwickelten X Hydrobio INX© U200-Kit diesen Ansatz signifikant verändern. Pharmazeutische Unternehmen und Forschungseinrichtungen werden in der Lage sein, Zellmodelle zu entwickeln, die den natürlichen Wachstumsbedingungen im menschlichen Körper ähneln. Tatsächlich erlaubt der NanoOne Bio die Erzeugung von Oberflächenstrukturen mit höchster Präzision und/oder die Entwicklung von komplexen 3D-Gerüsten im cm-Bereich, die eingebettete Zellen enthalten. Dank des speziellen optischen Aufbaus, optimierten Scan-Algorithmen und der unternehmenseigenen adaptiven Auflösungstechnologie, bietet das NanoOne-System auch signifikant schnellere Produktionszeiten als andere Systeme – all dies Vorteile, die von Kunden im industriellen und im akademischen Sektor erkannt wurden. Die Erweiterung des Produktangebotes auch für Kunden aus dem biomedizinischen Forschungsbereich ist bereits mit großem Interesse aufgenommen worden.

Über UpNano (Stand April 2021)
Im September 2018 als Spin-Out der TU Wien gegründet, ist die UpNano ein in Wien ansässiges Hightech-Unternehmen mit Fokus auf Entwicklung, Herstellung und Kommerzialisierung von hochauflösenden 3D Druck-Systemen, die auf 2 Photonen-Polymerisation basieren. Mit ihrem ersten kommerziellen Produkt, dem NanoOne-Drucksystem, können Mikrobauteile mit Strukturdetails ≥170 nm Auflösung gedruckt werden. Aufgrund des sehr schnellen Druckprozesses ist auch die Herstellung von Teilen bis zur Größe von mehreren Zentimetern realisierbar.

Über Xpect INX
Xpect INX ist ein Spin-Off-Projekt der Universität Ghent und konzentriert sich auf die Entwicklung von Biomaterialien für 3D-Bioprinting Applikationen. Auf der Basis jahrelanger Erfahrung in der Entwicklung von Bio-Tinte offeriert und entwickelt Xpect INX eine Reihe von sofort einsetzbaren (Bio)Tinten für verschiedene 3D-Druck_Technologien an, inklusive 2PP, DLP und deposition-basierten 3D-Druck.

Ähnliche Phagengemeinschaften im Darm von Menschen und Primaten

(Uni Kiel) – Internationales Forschungsteam unter Kieler Beteiligung ergründet ökologische und evolutionäre Ursprünge von Phagengemeinschaften als Teil des menschlichen Mikrobioms

Wir leben in einer von Mikroorganismen beherrschten Welt. Sie existierten bereits lange auf der Erde, bevor die ersten vielzelligen Lebewesen entstanden. Als Teil eines Metaorganismus, also der Gemeinschaft eines komplexen Lebewesens mit besiedelnden Mikroorganismen, sind sie auch heute zentraler Bestandteil des Lebens auf unserem Planeten und für die Gesundheit von Mensch, Tier und Pflanze von großer Bedeutung. Zu dieser mikrobiellen Besiedlung eines Lebewesens, dem sogenannten Mikrobiom, zählen auch verschiedene Viren. Bei den Viren, die mit dem Menschen assoziiert sind, handelt es sich meist um Phagen, die im Darm vorkommen. Phagen sind spezielle Viren, die Bakterien infizieren. Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) hat nun die Ursprünge der Phagengemeinschaften im menschlichen Darm untersucht. Dazu haben die Kieler Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Forschenden unter anderem vom Berliner Robert-Koch-Institut (RKI), den Max-Planck-Instituten für Evolutionsbiologie und Evolutionäre Anthropologie und der Duke University in North Carolina und weiteren Partnerinstitutionen die Phagen nicht-menschlicher Primaten analysiert, also der nächsten lebenden Verwandten des Menschen. In einem vergleichenden Ansatz untersuchten sie die Darmphagen von 23 wild lebenden Primatenarten, die in sehr unterschiedlichen Ökosystemen auf der ganzen Welt vorkommen. Diese verglichen sie mit den Phagengemeinschaften von Menschen, die in Europa und Afrika leben. Es zeigte sich, dass in wilden Primaten nah verwandte Arten der meisten mit dem Menschen assoziierten Phagen zu finden sind. An der Kieler Universität trugen Forschende im Rahmen des Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ in der Genomsequenzierung und Auswertung der generierten Daten zu dieser Arbeit bei. Die neuen Ergebnisse veröffentlichte das internationale Forschungsteam kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS).

Spiegelbild der evolutionären Entwicklung der Primaten
Die Forschenden untersuchten zunächst die evolutionären Beziehungen der Primaten-Phagen untereinander. Sie fanden heraus, dass die Verwandtschaftsbeziehungen einiger Gruppen von Phagen untereinander auch die evolutionäre Geschichte der Primaten widerspiegeln, die sie beherbergen. Dieser Zusammenhang wurde zuvor auch bei den Bakterien des Darmmikrobioms beobachtet. Dieses Muster, das wissenschaftlich auch als Ko-Divergenz bezeichnet wird, deutet darauf hin, dass einige Phagen über Millionen von Jahren eine Assoziation mit bestimmten Primatenstämmen aufrechterhielten. Dies ist auch überraschend, weil diese Primaten in einigen Fällen das gleiche Ökosystem mit anderen Primaten mit abweichenden Phagengemeinschaften teilten und diese in einigen Fällen diese sogar regelmäßig fraßen. Dr. Sébastien Calvignac-Spencer vom RKI erklärt: „Wir haben manchen Fällen Muster der Ko-Divergenz zwischen Primaten und den Viren, die sie infizieren, beobachtet. Dies zeigt, dass einige Viren eine enge Beziehung zu ihren Wirten über evolutionäre Zeitskalen beibehalten. Aber Phagen infizieren Bakterien, keine Primatenzellen. Daher waren wir sehr überrascht, dass auch einige Phagen ähnliche evolutionäre Muster zeigen“.

„Das Projekt ist Teil einer größeren Forschungszusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe von Fabian Leendertz am Robert-Koch-Institut, für das wir in Kiel Sequenzierdaten produziert haben, die wir nun auf verschiedenste Weise gemeinsam untersuchen“, sagt Dr. Malte Rühlemann vom CAU-Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB). „Ziel unseres Projekts im SFB1182 ist es, die Mechanismen zu verstehen, die bestimmen, warum das menschliche Mikrobiom so aussieht, wie wir es beobachten. Die evolutionäre Betrachtung der Phagengemeinschaften in Menschen und nicht-menschlichen Primaten stellt dabei einen wichtigen Baustein dar und ist in dieser Form bisher einzigartig“, so Rühlemann weiter.

Phagen gehen langfristige Assoziationen mit Wirten ein
Angesichts der Tatsache, dass einige Phagen langfristige Assoziationen mit bestimmten Primatenarten bilden, wollten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nachvollziehen, wie solche langfristigen Assoziationen aufrechterhalten werden. Sie fanden zum Beispiel heraus, dass benachbarte soziale Gruppen von Pavianen einzigartige Phagen-Gemeinschaften beherbergen. In diesen Gruppen weisen insbesondere solche Tiere sehr ähnliche Phagen-Gemeinschaften auf, die sozial eng verbunden sind und sich zum Beispiel gegenseitig bei der Körperpflege unterstützen – unabhängig von ihrem genetischen Verwandtschaftsgrad. Erstautor Dr. Jan Gogarten vom RKI merkt an: „Unsere Studie unterstreicht die Bedeutung von Langzeitbeobachtungsstudien an wilden Primaten, wie beispielsweise im Amboseli Baboon Research Project in Kenia. Auf diesem Weg lassen sich Fragen beantworten, die sich beim Menschen kaum untersuchen lassen. So werden zum Beispiel einige dieser Paviangruppen seit Jahrzehnten beobachtet. Daher sind dort die Verwandtschaftsverhältnisse und sozialen Gefüge in den Tiergruppen sehr gut bekannt. Zudem sammeln die Forschenden häufig Kotproben, was eine langfristige Beobachtung der Mikrobiomzusammensetzung ermöglicht. Eine solche detaillierte Auflösung von Daten gibt es für menschliche Populationen nicht.“ Die Ergebnisse deuten aber darauf hin, dass auch soziale Interaktionen beim Menschen einen Einfluss auf die Übertragung von Phagen haben könnten – was in künftigen Forschungsarbeiten zu klären ist.

In einem nächsten Schritt untersuchten die Forschenden, wie flexibel oder dauerhaft die Verbindungen von Primaten und ihren Phagengemeinschaften sind. Wildlebende Primaten haben ihre Phagenzusammensetzung im Prinzip über Millionen von Jahren beibehalten. Das Forschungsteam analysierte Phagen, die in Primaten in Zoos leben. Sie fanden heraus, dass Primaten in Gefangenschaft die Phagen verlieren, die sie normalerweise in freier Wildbahn beherbergen. Insgesamt bietet die Studie neue Einblicke in die evolutionären und ökologischen Ursprünge der mit dem Menschen assoziierten Phagen und eröffnet interessante Perspektiven für weitere Forschungsarbeiten.

Co-Autor Professor John Baines, der die Sektion für Evolutionäre Medizin an der CAU leitet, fügt hinzu: „Angesichts der drastischen Veränderungen in unseren eigenen mikrobiellen Gemeinschaften, die während des Prozesses der Menschwerdung stattgefunden haben, und der aktuellen Plage von Zivilisationskrankheiten, die mit dem Mikrobiom in Verbindung stehen, kann die Bedeutung dieser unschätzbaren Informationen über die mikrobiellen Gemeinschaften unserer nächsten lebenden Verwandten nicht hoch genug eingeschätzt werden.“