Archiv der Kategorie: Computer, TV, Medien

90 Jahre TELI und wer Jean Pütz den Psychiater ersetzt …

(TELI) – Die Jubiläumsveranstaltung am 6. November 2019 ist eine gute Gelegenheit, um darüber zu spekulieren, wie die TELI auch in Zukunft mithelfen kann, die öffentlichen Debatten noch intensiver zu bereichern, die nach Wegen aus perfekten Problemen suchen. Perfekte Probleme sind solche, die schlimmer werden, wenn man sie zu lösen versucht.

Die enorme Technikaffinität der Gesellschaft wird überschattet, vielleicht sogar untergraben von Geschäftsmodellen und politischen Praktiken, die den Nutzen von Technik vielfach fragwürdig, ja sogar gefährlich erscheinen lassen. Es sind diese wirtschaftlichen Verwertungszwänge, die den Nährboden für Mythen, Verschwörungstheorien und sogar Lügen bilden.

Genau da sieht die TELI ihre Aufgabe, den Menschen zu helfen, über selbst gezogene Horizonte weit hinauszudenken und die Möglichkeiten von Technik, aber auch die Grenzen ihrer Verwertung aufzuzeigen.

Einst wurde die TELI als Gesprächsraum für Technikjournalisten und Pressesprecher von damals besonders innovativen Unternehmen gegründet. Doch seitdem hat sich die TELI zu einer populären Dialogplattform entwickelt, deren Mitglieder auch eigenständig wissenschaftliche und technische Fakten in Medien und der Öffentlichkeit verbreiten. Sie verliert dabei nie die kritische Würdigung neuer Entwicklungen aus den Augen. Das ist eine Rolle, die sie sich bereits vor Jahrzehnten zugedacht hat, lange vor theoretischen Überlegungen zu Technikfolgenabschätzungen (https://www.teli.de/die-teli/ziele/).

Konsequenterweise sind die Mitglieder der TELI inzwischen keineswegs nur Journalisten, Pressesprecher und Kommunikatoren, sondern auch aktive Forscher und kritische, interessierte Laien. Geschuldet ist diese Öffnung natürlich auch den dramatischen Wandlungen in der Medienwelt und in der Forschungslandschaft.

Die vier Protagonisten auf dem Podium der TELI-Jubiläumsveranstaltung am 6. November 2019 sind in den gesellschaftlichen Debatten über Wissenschaft, Forschung und Technik halb so lange aktiv, wie die TELI jetzt alt ist. Sie erfuhren, wie es dazu kam, dass die Welt mit Klimawandel, Umweltverschmutzung, steigender Armut und unbehandelten Krankheiten aus dem Ruder lief – obwohl das Wissen seit vielen Jahrzehnten allgemein bekannt und weit verbreitet ist. Aus dieser Erfahrung heraus können sie vielleicht aber auch Wege aufzeichnen, komplexe Probleme zu lösen, wobei es für komplexe Probleme eben auch keine einfachen Lösungen gibt.

Kommen Sie also zum Empfang aus Anlass des 90-jährigen Bestehens der TELI am 6. November 2019, lassen Sie sich inspirieren und lernen Sie anregende Menschen kennen – und feiern Sie mit

Jean Pütz, das prominenteste TELI Mitglied, blickt uns im aktuellen Stern aus seinem Gartenstrandkorb entgegen. Genau so, wie wir ihn 30 Jahre lang in der WDR-Hobbythek kennengelernt haben, mit Einstein-Zottelkopf und markantem Schnauzer.

Der heute 82-Jährige, mit dessen Kult-Sendung  („Ich hab da mal was vorbereitet“) viele von uns wissenschaftlich-technisch sozialisiert worden sind, ist wie eh und je umtriebig wie kein Anderer.

Im Stern (#30/2019) steht er zu seinem lebenslangen Credo, authentisch zu bleiben – und in seinem Kölschen Sing-Sang seine laute Stimme gegen Öko-Missstände zu erheben. Den Diesel hält er für den effizientesten Verbrennungsmotor seit Erfindung der Dampfmaschine und viel nachhaltiger als Elektroantriebe mit der ressourcen-fressenden Akku-Technik. Die Grünen zeiht er des Wunschdenkens und einer katastrophalen Politik.

Der meinungsfreudige Mann ist einer der großen wissenschaftlich-technologischen Influencer in diesem Lande. Sein Facebook Konto, dem er täglich drei Stunden Arbeit mit neuen Debattenbeiträgen widmet, hat 40.000 Follower. „Facebook erspart mir den Psychiater“, sagt er im Stern-Interview. Wenn er die Widersprüche der Politik in sich hineinfräße, hätte er ein Problem. „Nee nee, dat muss raus!“

Seine tragende Rolle sieht er als Hofnarr. Immerhin habe er „die närrische Reifeprüfung bestanden“. „Hofnarren waren hochintelligent und befugt, dem Souverän die Leviten zu lesen. Das mache ich.“

„Dran bleiben!“, lieber Jean Pütz, rufen Ihnen die TELIaner zu. Wir brauchen mehr von Ihrem Kaliber!

Wolfgang Goede

Ein Bericht über Quantencomputer – Mit kritischem Leserbrief von Mathematiker Prof. Dr. Ulrich Trottenberg

Anders als im Leitartikel „Digitales Wettrüsten von Andrian Kreyevom vom 25.10.2019″ unterstellt, gibt es allein in Deutschland sicher Tausende von Wissenschaftlern, die über die quantenphysikalischen Prinzipien des Quantencomputing gut informiert sind, u. a.  alle Physiker, Mathematiker und Informatiker, die sich mit dem Gebiet der Quantenmechanik systematisch beschäftigt haben oder beschäftigen. Und es trifft gerade nicht zu, dass sich die beiden für Quantencomputer fundamentalen Quantenphänomene, die Superposition und die Verschränkung, der menschlichen Logik entziehen, wie der Autor es formuliert. Diese Phänomene mögen sich der Anschauung und der Intuition (der meisten Menschen) entziehen; sie lassen sich aber mathematisch, und genau das heißt ja mit menschlicher Logik präzise erfassen. Es ist schade, dass ein so prominent platzierter Artikel in der SZ die quantenphysikalischen Zusammenhänge eher verdunkelt als erhellt.
Prof. Dr. Ulrich Trottenberg
Fraunhofer-Institut für Algorithmen und
Wissenschaftliches Rechnen (SCAI)
Institutsleiter (emeritus)
Schloss Birlinghoven
D-53754 Sankt Augustin

Ein Superdatenspeicher für Europa ?

(BMWi) – Wenn Sie sich für dieses Thema ausführlich interessieren wollen, empfehle ich Ihnen folgenden Artikel. Es ist sozusagen eine Darstellung der Probleme, die entstehen, wenn Europa sich nicht unabhängig macht von amerikanischen oder chinesischen Cloud-Anbietern und wie die Probleme gelöst werden können.
Ihr Jean Pütz

Wir, Vertreter der deutschen Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft, streben eine leistungs- und wettbewerbsfähige, sichere und vertrauenswürdige Dateninfrastruktur für Europa an. Dazu haben wir unter dem vorläufigen Projektnamen GAIA-X die Grundlagen für den Aufbau einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur auf Basis europäischer Werte erarbeitet. Das Projekt dient dem Ziel,

1. die technische und wirtschaftliche Konzeption einer solchen Infrastruktur zu konkretisieren,
2. auf dieser Basis ein gemeinsames Ökosystem von Anwendern und Anbietern aus Organisationen der öffentlichen
Verwaltung, des Gesundheitswesens, Unternehmen und wissenschaftlichen Einrichtungen zu schaffen
3.sowie unterstützende Rahmenbedingungen und Strukturen zu etablieren.
Wir verstehen das „Projekt GAIA-X“ als Wiege eines offenen digitalen Ökosystems, in dem Daten sicher und vertrauensvoll verfügbar gemacht, zusammengeführt und geteilt werden können. Unser Ziel ist es, gemeinsam mit weiteren europäischen Ländern für Europa, seine Staaten, seine Unternehmen und seine Bürgerinnen und Bürger die nächste Generation einer vernetzten Dateninfrastruktur zu schaffen, die den höchsten Ansprüchen an digitale Souveränität genügt und Innovationen fördert.
Ausgehend von den europäischen Werten orientieren wir uns an diesen Leitprinzipien:
1. Europäischer Datenschutz
2. Offenheit und Transparenz
3. Authentizität und Vertrauen
4. Souveränität und Selbstbestimmtheit
5. Freier Marktzugang und europäische Wertschöpfung
6. Modularität und Interoperabilität
7. Nutzerfreundlichkeit

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik sind entschlossen, gemeinsam die Voraussetzungen für eine zukunftsorientierte und innovative Datenökonomie in Deutschland und Europa zu schaffen. Wirtschaft und Gesellschaft erwarten zu
Recht, dass die digitale Infrastruktur ein hohes Maß an Sicherheit und Verfügbarkeit aufweist.

Unter Dateninfrastruktur verstehen wir eine vernetzte technische Infrastruktur aus Komponenten und Diensten, die den Zugang zu Daten sowie deren Speicherung, Austausch und Nutzung gemäß vordefinierten Regeln ermöglicht. Unter einem
digitalen Ökosystem verstehen wir das Netzwerk aus Entwicklern, Anbietern und
Anwendern digitaler Produkte und Services in Verbindung mit Transparenz, breitem Zugang und vitalem Austausch. Es stellt somit eine entscheidende Grundlage für europäisches Wachstum, digitale Innovationen und neue Geschäftsmodelle dar.
Wir setzen auf bewährte Stärken Europas. Dazu zählen unter anderem die Vielfalt der Angebote sowie starke mittelständische und dezentrale Strukturen. Auf diese Weise verknüpfen wir die zahlreichen über Europa verteilten Investitionen in digitale Technologien und lassen sie stärkere Wirkung entfalten.

Das „Projekt GAIA-X“ sieht die Vernetzung dezentraler Infrastrukturdienste, insb. Cloud- und Edge-Instanzen, zu einem homogenen, nutzerfreundlichen System vor. Die daraus entstehende vernetzte Form der Dateninfrastruktur stärkt sowohl die digitale Souveränität der Nachfrager von Cloud-Dienstleistungen als auch die Skalierungsfähigkeit und Wettbewerbsposition europäischer Cloud-Anbieter.
Das Lösungskonzept von GAIA-X beruht auf zentralen technischen Anforderungen an eine Architektur einer vernetzten, offenen Dateninfrastruktur:
1. Datensouveränität im Sinne einer vollständigen Kontrolle über gespeicherte und verarbeitete Daten sowie die unabhängige Entscheidung darüber, wer darauf zugreifen darf.
2. Einsatz nachvollziehbar sicherer, offener Technologien, u.a. durch Einsatz von Open Source Grundsätzen, in einem offenen Ökosystem.
3. Dezentrale bzw. verteilte Datenverarbeitung über Multi-Edge, Multi-Cloud oder Edge-to-Cloud Verarbeitung für die Gewinnung von Verbundvorteilen.
4. Interoperabilität sowohl hinsichtlich technischer und semantischer Standards als auch im Sinne einer Interkonektivität auf Netzwerk-, Daten- und Dienstebene zwischen Edge- oder Cloudinstanzen.
5. Unabhängige und automatisierbare Zertifizierung und Kontrahierung eines Teilnehmers am GAIA-X-Ökosystem bzgl. der Einhaltung des GAIA-X-Regelwerkes hinsichtlich IT-Sicherheit, Datensouveränität, Service Levels und Rahmenverträgen.
6. Bereitstellung zentraler Dienste, die das Ökosystem für einen sicheren und anwendungsfreundlichen Betrieb benötigt (z.B. Authentifizierung).
7.Selbstbeschreibende GAIA-X-Knoten zur Förderung der Transparenz, aber auch zur Schaffung neuer Geschäfts- und Anwendungsmodelle teilnehmerübergreifend (z.B. Daten- oder Dienstvermittlung).Die Offenheit für nationale und europäische Initiativen mit ähnlicher Zielrichtung gibt dem Projekt ein entscheidendes Momentum für eine gemeinsame europäische Lösung. Aufbauend auf existierenden Lösungen und deren
Weiterentwicklung wollen wir aus Europa heraus wettbewerbsfähige Angebote für die Welt entwickeln.

Die Mitwirkung steht auch Marktteilnehmern außerhalb Europas offen, die unsere Ziele der Datensouveränität und Datenverfügbarkeit teilen.
Die vernetzte Dateninfrastruktur ist auf die Bedürfnisse sowohl der Anbieter als auch der Anwender zugeschnitten:
Sie stärkt die Transparenz und Sichtbarkeit auf Anbieterseite, treibt Innovationen im Bereich der Datenökonomie voran, umfasst ein klares Bekenntnis zur Interoperabilität der Angebote und verknüpft Unternehmen jeder Größe vom Industriekonzern über Mittelständler bis hin zu Start-ups.
Zur Umsetzung der vernetzten Dateninfrastruktur erachten wir eine zentrale, europäisch getragene Organisation für notwendig. Sie soll aus wirtschaftlicher, organisatorischer und technischer Sicht die Basis für eine vernetzte Dateninfrastruktur sein. Ihre Aufgabe wird sein, eine Referenzarchitektur zu entwickeln, Standards zu definieren sowie Kriterien für Zertifizierungen und Gütesiegel vorzugeben. Sie soll ein neutraler Mittler und Kern des europäischen Ökosystems sein.

Wir ermöglichen mit diesem Konzept einer vernetzten Dateninfrastruktur, dass sich Europa mit einem vitalen Ökosystem in der Datenökonomie entfalten kann. Wir streben ein Ökosystem an, das Wirtschaft, Wissenschaft, Staat und Gesellschaft gleichermaßen Souveränität und Nutzen bietet.

Welchen Einfluss haben Influencer auf Jugendliche?

(BZfE) – Ob WhatsApp, Instagram, Tiktok oder Youtube – viele Teenager
verbringen täglich oft mehrere Stunden in sozialen Netzwerken. Dort
informieren sie sich auch über Ernährung und Bewegung. Wissenschaftler
der Universität Witten haben untersucht, wie sogenannte Influencer junge
Menschen in ihrem Verhalten beeinflussen.

Influencer sind Personen, die in sozialen Plattformen stark vertreten sind
und besonders für Jugendliche und junge Erwachsene eine Vorbildfunktion
haben. Auf Instagram präsentieren sie ihr Leben in einer Art virtuellem
Tagebuch aus Bildern und Videos. Teenager abonnieren diese Profile und
kommunizieren mit ihren Idolen über Kommentare und Nachrichten, als wären
sie im wirklichen Leben befreundet. Dabei ist den wenigsten „Followern“
klar, dass solche Profile oft nicht der Realität entsprechen, sondern
inszenierte Schönheit, Spaß und Fitnesskult sind.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler tausend Bilder von den 50
Fitness-Influencern im deutschsprachigen Bereich mit den meisten Followern
auf Instagram aus. Dabei wurden Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000
Kommentaren analysiert. Das Fazit: Influencer vermitteln ihren jungen Fans,
dass man über Ernährung und Bewegung den eigenen Körper
„perfektionieren“ kann. Der Körper wird auf den Bildern in Szene
gesetzt – etwa beim täglichen Workout im Fitnessstudio. Mehr als die
Hälfte der Fotos zeigte einen muskulösen nackten Bauch, wie es offenbar
dem aktuellen Schönheitsideal entspricht. „Nur wer schön ist, kann auch
gesund und glücklich sein. Und nur wer einen gestählten Körper besitzt,
ist schön“, fasst Autorin Katharina Pilgrim die Botschaft vieler
Influencer zusammen.

Influencer verdienen auch mit dem Verkauf der Produkte, die sie in ihren
Bildern und Videos empfehlen. Auf knapp jedem zweiten Bild waren
Nahrungsergänzungsmittel zu sehen, ist im Fachblatt BMC Public Health zu
lesen. Insgesamt wurde auf zwei von drei Fotos ein Hersteller, ein Produkt,
eine Marke oder ein Unternehmen eingebunden. Nur die Hälfte war als
Werbung gekennzeichnet. Die Jugendlichen gewinnen den Eindruck, dass es mit
diesen Produkten einfacher ist, ihre Ziele zu erreichen, fassen die
Wissenschaftler zusammen.

Die Jugend ist eine sensible Zeit. Jeder fünfte Teenager ist unzufrieden
mit Figur und Körpergewicht oder leidet an Heißhungeranfällen.
Essstörungen von Magersucht bis Übergewicht können die Folge sein. Durch
den intensiven Konsum von Social-Media-Inhalten werden Jugendliche
maßgeblich in Haltung und Meinung zu gesundheitsrelevanten
Verhaltensweisen geprägt, schließen die Wissenschaftler aus ihren
Resultaten. Leicht kann das Selbstwertgefühl leiden, wenn das in der
Online-Welt vermittelte Idealbild unerreichbar scheint. Daher sei es nach
Ansicht der Autoren wichtig, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu
schützen und zu begleiten.

Heike Kreutz

App erlaubt Totalüberwachung ! Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Der Roman 1984 von George Orwell  beschrieb die Möglichkeit der perfekten Überwachung des Individuums in der Zukunft. Ich war Redaktionsleiter für Naturwissenschaft und Technik in diesem Jahr 1984 im WDR-Fernsehen.
Aus der damaligen Sicht schien uns das als Utopie ohne realen Bezug. Das sich anbahnende Internet war nur für Wissenschaftler und Geheimdienste zugänglich. Bekanntermaßen änderte sich das rasant. Anfangs gewannen wir dem sehr viel Positives ab, ermöglichte es doch – wie niemals zuvor – an jeden Bürger ganz individuell alle möglichen  Nachrichten zukommen zu lassen.   Wir glaubten, das würde der Demokratie enorm nützen.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine psychologische Tatsache hatten wir übersehen, die sogenannte ‚selektive Wahrnehmung‘. Der Bürger – sprich das Individuum – wählt aus der enormen Fülle von Informationen nur das heraus, was in sein beschränktes Gehirn hinein passt. Dadurch können sich Fakenews, also falsche und bewusst manipulierte Nachrichten, verbreiten wie niemals zuvor.  Wer hätte gedacht, dass das in eine Art postfaktisches Zeitalter mündet. Es ist nicht nur die Ära Trump, die das brutal ausnutzt, sondern mittlerweile bringt es die gesamte demokratische Welt in die Bredouille. Es ist der Nährboden für die Populisten, leider nutzen das auch schon viele Volksparteien, um ihre Anhänger hinter sich zu scharen oder neue Anhänger zu gewinnen. Datenschutzgesetze können dem leider nicht Einhalt gebieten.

Aber nicht nur das, in China wird mittlerweile die Vision von George Orwell zum Alltag, jeder überwacht jeden, bekommt Minus- oder Pluspunkte und der Einbruch in die Privatsphäre durch Apps, die scheinbar das Leben erleichtern, ist dort Realität.

Aber auch in den westlichen Demokratien nehmen die Möglichkeiten des privaten Abhörens immer mehr Raum ein, z. B. Alexa von Amazon oder Google home machen es möglich

Mit welchen Tricks z. B. die Chinesen ihre Bürger gleichschalten, darüber der folgende Artikel

Ihr Jean Pütz

(pte) – Die von der Kommunistischen Partei Chinas Anfang dieses Jahres gestartete App „Study the Great Nation“ („Lerne über die große Nation“) spioniert mehr als 100 Mio. Android-User aus. Laut einem Bericht des deutschen Cybersecurity-Unternehmens Cure53 erlaubt die Anwendung der chinesischen Regierung den kompletten Zugang zu den Smartphones der Nutzer.

Sogar Zugriff auf Handy-Lampe
Die App kann auf Fotos und Videos zugreifen und über die Front-Cam auch selbst Aktivitäten der User mitschneiden, den Standort des Nutzers ermitteln, Telefonnummern wählen und die Liste der Kontakte sowie die Internetaktivitäten sehen. „Die App hat auch Einsicht in Informationen von 960 weiteren Apps und kann sogar selbständig auf das WLAN der User und sogar die Taschenlampe des Smartphones zugreifen“, heißt es in dem Bericht. Cure53 fand all diese Überewachungsfunktionen im Code von „Study the Great Nation“ verborgen.

Die App erklärt Nutzern anhand von Artikeln und Videos die Ideologie und Aktivitäten von Staatspräsident Xi Jinping. Sie bietet auch ein Quiz über die gelernten Informationen an, bei dem die besten Spieler auf einer Liste erscheinen. Jedoch hat sich herausgestellt, dass es sich dabei nicht bloß um ein Propaganda-Tool handelt, sondern um ein Instrument der totalen Überwachung. Mit über 100 Mio. Downloads hat die App eine sehr hohe Reichweite.

Chinesische Regierung dementiert
Laut der „Washington Post“ ist Study the Great Nation auch für iOS-Systeme erhältlich. Cure53 hat von dieser Version der App allerdings noch keine Analyse gemacht. Apple zufolge kann hier aber kein „Super-User“ auf die Anwendung zugreifen. Die chinesische Regierung widerspricht dem Bericht und behauptet, es gäbe keine Überwachung über die App.

Elektrische Energie für das Internet der Dinge – Mit einer Vorbemerkung von Jean Pütz

Gestatten Sie mir eine kurze Vorbemerkung.

Offenbar steht das Internet der Dinge kurz vor der Realisierung. Es scheint auch manchem Bürger das Leben erleichtern zu wollen, aber das ist auch die Gefahr, denn die Nebenwirkungen und Risiken werden selten bedacht.

Ich bin bekanntlich kein Technologie-Verweigerer, gebe aber zu bedenken, dass über die Verknüpfung mit dem Internet immer mehr private Daten preis gegeben werden die unsere individuelle Freiheit auf längere Sicht beeinträchtigen. Die gut meinenden Datenschutzgesetze können auf einfachste Weise ausgehebelt werden, nicht nur durch kriminelle Machenschaften.

Ihr Jean Pütz

(pte) – Schwedische und chinesische Wissenschaftler haben organische Solarzellen entwickelt, die normales Umgebungslicht in Innenräumen in Elektrizität verwandeln. Die Leistung, die dabei erzeugt wird, ist zwar relativ gering. Immerhin soll sie aber ausreichen, um den Energiehunger von Millionen von Produkten zu stillen, die künftig im Internet of Things (IoT) zuhause, im Büro oder im Supermarkt betrieben werden, so die Forscher.

Nachfrage steigt kontinuierlich
„Mit der Ausbreitung des IoT werden wir bald Millionen vernetzte Produkte sowohl in öffentlichen Orten als auch bei uns zuhause haben“, erklären Feng Gao, Senior Lecturer in der Division of Biomolecular and Organic Electronics der Linköping University, und Jianhui Hou, Professor am Institut für Chemie der Chinese Academy of Sciences  . Viele davon werden mit Sensoren ausgestattet sein, die etwa die Feuchtigkeit, Temperatur oder bestimmte Partikelkonzentrationen messen. „Deshalb wird die Nachfrage nach kleinen und günstigen erneuerbaren Energiequellen rapide ansteigen“, sind die Experten überzeugt.

Genau hier will das internationale Team aus Schweden und China mit seiner Entwicklung ansetzen. „Diese Arbeit lässt Großes hoffen, wenn es um den Einsatz von organischen Solarzellen in unserem täglichen Alltagsleben und die Versorgung von IoT-Geräten geht“, stellt Gao klar. Im Moment stecke die Technologie für Indoor-Anwendungen allerdings noch eher in ihren Kinderschuhen. „Wir sind zuversichtlich, dass sich die Effizienz von organischen Solarzellen, die bei Umgebungslicht funktionieren, in den kommenden Jahren noch weiter steigern lässt“, so Hou.

Über ein Volt Stromspannung
Organische Solarzellen basieren auf der Verwendung eines sogenannten Donator-Akzeptor-Systems. Dieses lässt sich durch geschickte Kombination verschiedener Halbleiter flexibel feintunen, um Lichtstrahlen mit bestimmten Wellenlängen einzufangen. Das Team hat einen neuen Mix aus Donator- und Akzeptor-Materialien entwickelt, der sich als aktive Beschichtung von organischen Solarzellen nutzen lässt und exakt jene Lichtwellen absorbieren kann, die beispielsweise im heimischen Wohnzimmer zu finden sind.

Zu Testzwecken haben die Wissenschaftler zwei Varianten ihrer Indoor-Solarzellen im Labor hergestellt: eine mit einem Durchmesser von einem Quadratzentimeter und eine mit vier Quadratzentimetern. Die kleinere wurde Umgebungslicht mit einer Stärke von 1.000 Lux ausgesetzt und konnte 26,1 Prozent der Energie in Elektrizität umwandeln. Dabei erzielte sie eine Stromspannung von über einem Volt, die mehr als 1.000 Stunden anhielt. Die größere Solarzelle schaffte es immerhin auf eine Energieeffizienz von 23 Prozent.

Überwachung mittels KI nimmt weltweit zu – Mit einem Statement von Jean Pütz

Liebe Besucher meiner Homepage !

Wie im Artikel dargestellt, ist die KI-Überwachung nicht nur ein Problem in autoritären Staaten. Leider machen immer mehr Demokratien davon Gebrauch. Das soll allen Menschen, die individuelle Rechte als Grundbestandteil unserer freien aber engagierten Lebensart eine Warnung sein. Das Punkte-System in ‚Plus‘ und ‚Minus‘, selbst bei geringsten Verhaltensanomalitäten sollte uns alle wachrütteln.

Auch in Deutschland entwickeln sich immer mehr solche Tendenzen, die schleichend damit beginnen, Verbote in unseren Alltag zu verordnen. Sogar Abmahn-Organisationen, die sich ‚Umwelthilfe‘ nennen und als Ziel den Umweltschutz vorgeben. Sie animieren Gerichte, für jeden Verstoß im Namen des Gesetzes Sanktionen auszuüben, die in individuelle Überwachung münden. Schon heute existiert die Technologie,  jedes Auto mit Nummernschild zu fotografieren und in der Datenbank festzuhalten. In Parkhäusern wird das heute schon angewandt.  Aber auch Verbote wie die Ächtung des Verbrennungsmotors, lechzen nach Kontrolle – und vieles andere mehr.

Leider ist auch vielen Volksparteien diese unmerkliche Tendenz zur Überwachung des Einzelnen nicht bewusst. Es entstehen immer mehr Gesetze die das fördern. Keiner merkt, dass durch die Einschränkung individueller Freiheit auch ein großes Stück Kreativität verloren geht.

Das ist ein Meinungsartikel – Sie können sich ihre eigene Meinung selbst gestalten.

Ihr Jean Pütz

(pte027/19.09.2019/13:30) – Die Überwachung von Menschen mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI), etwa durch automatische Gesichtserkennung, nimmt weltweit zu. Das stellt die Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden fest. Führend sei in diesem Bereich China, doch immer mehr Staaten folgten diesem Beispiel. Derzeit nutzen 75 Länder KI zur Überwachung der Bürger, darunter längst nicht nur mehr autokratisch regierte Staaten, sondern auch jene wie die USA und Frankreich, so die Forscher.

Illegal und oft sogar gefährlich
Den Experten nach sind chinesische Unternehmen technologisch führend im Bereich der Überwachung durch KI, angeführt von Huawei und Hikvision. Dazu gesellen sich das japanische Unternehmen NEC sowie die US-Firmen IBM, Palantir und Cisco. Der Report nennt eine breite Palette von KI-Werkzeugen zur Überwachung. Er unterscheidet allerdings nicht zwischen Maßnahmen, die der öffentlichen Sicherheit dienen, und solchen, die illegal oder gar gefährlich sind, etwa das Ausspionieren von politischen Gegnern.

„Ich hoffe, dass die Menschen härtere Fragen dazu stellen, wie und wozu diese Technologie genutzt wird und welche Auswirkungen sie hat“, sagt Steven Feldstein, Mitglied der Stiftung und Professor an der Boise State University . Viele Projekte, die Feldstein anspricht, stehen in Zusammenhang mit dem Konzept der Smart City. Städte installieren Kameras, Sensoren und andere internetgebundene Geräte, um Informationen über das Geschehen in der Stadt zu sammeln. Huawei ist hier führend. Die gesammelten Daten lassen sich nutzen, um die Verkehrsführung zu optimieren und Energie zu sparen. Die Systeme würden allerdings zunehmend zur Überwachung und zur Verbesserung der Sicherheit genutzt.

Einsatz von KI beschleunigt sich
Feldstein zeigt sich erstaunt, wie viele Staaten in Europa und anderswo die Einführung von KI-Systemen beschleunigen. Dazu gehören ihm zufolge neben der Gesichtserkennung automatische Grenzkontrollen und Algorithmen, mit denen sich voraussagen lässt, wo und wann Verbrechen geschehen. „Ich dachte, China und sein geografisches Umfeld sowie die Staaten am Golf seien die wichtigsten Nutzer“, so Feldstein. Dabei nutzt inzwischen bereits auch mehr als die Hälfte aller demokratischen Staaten derartige KI-Werkzeuge.

 

Künstliche Intelligenz vs. digitalisierte Medizin

(DGE) – Der Blogbeitrag vom 20./21. August 2019 über „Künstliche Intelligenz (KI) vs. Natürliche Intelligenz“ von Klaus Ehrenberger wurde in meinem Umfeld vielfach diskutiert. Ich wurde gebeten, einige Punkte aus dem Beitrag, die nicht für alle sofort verständlich waren, näher erläutern zu lassen und darf hier zunächst die Antwort von Klaus Ehrenberger  wiedergeben, dann einem Kommentar von mir.

Antwort:

1. Energieverbrauch der Informationsverarbeitung
– Das Gehirn ist ein Energiefresser. Circa 2% der Körpermasse verbrauchen fast 20% der aufgewendeten Körperenergie.
– Im Vergleich dazu ist der Stromverbrauch für Betrieb und Kühlung aller elektronischen Rechner viel größer. Er ist sogar so riesig, dass er Einzug in die aktuelle Klima-Debatte gehalten hat.

2. Informationsverarbeitung des Gehirns
1965 publizierte Nelson Kiang (1) die überraschende Tatsache, dass identische akustische Reize in den zugehörigen Nervenfasern jeweils leicht unterschiedliche Signalfolgen auslösen. Vor 25 Jahren hat unser kleines neurophysiologisches Arbeitsteam nach eingehenden eigenen Untersuchungen versucht, die Sinnhaftigkeit dieser eigenartigen Kodierungsstrategie modellhaft darzustellen (2). (Im Supermarkt etwa ist der auf die Artikel aufgeklebte Barcode die „Kodierungsstrategie“). Immerhin wurde unser Modell bis heute nicht widerlegt. Ein paar Jahre später konnten wir darauf hinweisen, dass das Phänomen der stochastischen Resonanz (= Signalverstärkung durch “inneres Rauschen“), erstmals beschrieben bei Krebsen, auch bei Warmblütern zur Anwendung kommt: die Erregung des zentralnervösen Rauschens verstärkt schwache Signale zu überschwelligen Erregungen.

3. Digital – analoge Signal- und damit Informationsübersetzer
sind Bildschirme, Lautsprecher, I-phones, 3D Brillen, virtuelle Laserprojektionen und was es sonst noch alles gibt.

4. EDV-gesteuerte künstliche Intelligenz ist im Alltag sehr nützlich
und erledigt zahlreiche repetitive Aufgaben. Künstliche Intelligenz ist ein wertvolles Hilfsmittel für den Menschen, aber kein Ersatz für das menschliche Gehirn. Die Künstliche Intelligenz ist ein Arbeitsinstrument und keine reale Welt. Wenn jemand die digitale Welt als reale Welt ansieht, so ist das ein Irrtum, der gefährlich werden kann. Zu glauben, dass die digitale die analoge Welt unnötig machen wird, ist nicht zutreffend. Niemand braucht Angst zu haben, dass der Mensch mit seiner (natürlichen, analogen) Intelligenz in Zukunft unnötig sein wird.

5. Analoge Computer
Die zentralnervöse Informationsverarbeitung ist noch viel zu wenig verstanden, um elektronisch erfolgreich simuliert werden zu können.

Kommentar

Die „Digitalisierte Medizin“ und die „Künstliche Intelligenz“ sind seit Jahren auf unseren  Kongressen ein wichtiges Thema, so auch auf dem diesjährigen Internistenkongress  in Wiesbaden 2019. Gerd Hasenfuß, der Tagungspräsident des Deutschen Internistenkongresses 2016 schrieb in seiner Kongresseinladung (4): „Apple, Google und die sozialen Netzwerke haben den Gesundheitsmarkt entdeckt und werden weitreichenden Einfluss auf die Medizin nehmen. Wir Ärzte müssen die digitale Medizin mitgestalten, um das große Potenzial dieser Entwicklung aus fachlicher Sicht für den Patienten nutzbar zu machen und Schaden durch fehlendes medizinisches Sachwissen zu verhindern“.

Im Buch „App vom Arzt. Bessere Medizin durch digitale Medizin“ stellen Jens Spahn, Markus Müschenich und Jörg F. Debatin, die digitale Medizin aus der Sicht des Gesundheitsmarktes dar (5). Sie schlagen vor, dass ein Patient statt einen, wie sie es nennen, „offline Arzt“ in ihrer Region zu konsultieren,  sich besser einen hervorragenden Spezialisten für diese Erkrankung wenden sollten, der online ist,  etwa auch in Australien. Und „Dr. Watson“, der Großcomputer von IBM, würde auch bei Diagnose und Therapie helfen. Für die so wichtige Empathie freilich sei der Mensch besser geeignet als ein Computer. Da wird jeder Arzt zustimmen. Abschließend in ihrem Buch fragen sie aber, „ob dieser Mensch ein Arzt sein muss. Wer weiss, was Krankenschwestern,  Krankenpfleger,  Seelsorger heute bereits leisten, wird diesen sicherlich zutrauen, auch hier die Wünsche eines Patienten zu erfüllen“. Der Referent, der dieses Buch zu referieren bekam, beendete seine Rezension mit dem Satz: „Bleiben dann nur noch „Dr. Watson“, virtuelle Ärzte und für die Empathie Assistenzpersonen und Seelsorger ? Schöne Neue Welt !“ (6).

Der Großcomputer „Watson“ von IBM, der sich zum Beispiel in der Quizsendung  „Jeopardy!“  zwei menschlichen Gegnern als hoch überlegen erwiesen hatte, wird aber in letzter Zeit wegen falscher Therapievorschläge heftig kritisiert. So sei im Jahre 2018 ein onkologischer Patient unter einer von Watson vorgeschlagenen Therapie zu Tode gekommen. Bei der Behandlung von Tumorerkrankungen sei er bisher keine echte Hilfe (7). Im medizinischen online-Dienst „Stat“ sei im Juli 2018 zu lesen gewesen, dass Watson ungesunde und falsche Therapieempfehlungen für Krebspatienten gegeben habe. Nach anfänglich großen Erwartungen ist die Enttäuschung im medizinischen Bereich umso größer (8). Die KI-Software biete keinen Mehrwert gegenüber Diagnosen von Krebsspezialisten. Viele onkologischen Programme an großen Institutionen wurden inzwischen eingestellt. Auch in der Klinikverwaltung mit Digitalisierung von Patientenakten und Arztbriefen wurde die Zusammenarbeit mit Watson vom Universitätsklinikum Gießen und Marburg wieder beendet, da sich das System als auch im Betrieb sehr teuer und „deutlich weniger intelligent als erhofft“ erwiesen habe (7). Hier erinnert sich der Referent an seine Assistentenzeit in den 1960er Jahren an der II. Medizinischen Universitätsklinik Wien, als der Klinikvorstand Professor Karl Fellinger seine Klinik – vor einem halben Jahrhundert! –  „digitalisieren“ wollte, und einen Großrechner, ich meine es war ein IBM 604 anschaffte, für den ein gekühltes kleines Haus gebaut wurde. Bei den Visiten hatten die Schwestern die Therapieangaben auf Lochkarten zu übertragen. Nach Auswertung über große Datentrommeln kamen die Anweisungen für die diagnostischen Maßnahmen und die Medikationspläne ausgedruckt zurück auf die Stationen. Dieses Verfahren wurde bald, nach etwa einem halben Jahr wieder eingestellt, da es mehr Arbeit machte als das herkömmliche Verfahren  und keineswegs fehlerfrei war.

Eine gewisse Analogie einer „KI-Medizin“ mag man in den selbstfahrenden Autos sehen, obwohl hier die Probleme vergleichweise wohl einfacher sind als auf dem weiten, oft sehr komplexen Feld der Medizin, insbesondere der personalisierten, der „precision medicine“. Gerade in der Präzisionsmedizin war „Dr. Watson“ trotz Versuchen kaum weitergekommen.

Es ist aber zu hoffen, dass die Entwicklung in der Digitalisierten Medizin fortschreitet und immer bessere Ergebnisse liefert. Wir Ärzte werden uns in heute kaum vorstellbaren Maße mit ihr auseinanderzusetzen haben. Der Mensch mit seiner natürlichen, analogen  Intelligenz aber wird gewiß nicht durch die künstliche, digitale Intelligenz völlig zu ersetzen sein.

Klaus Ehrenberger, Helmut Schatz

3D-Drucker stellt nun fertige Elektronik her

(pte) – Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben eine Tinte entwickelt, die in einem Arbeitsgang Geräte mit interner Elektronik produziert. Flugzeugflügel, die aus diesem Material gedruckt werden, könnten durch Lichtemission direkt anzeigen, wenn sich feine, aber dennoch gefährliche Risse bilden.

Geräte „reden“ mit der Umwelt
Die Tinte besteht aus Fasern mit einer komplexen inneren elektronischen Struktur. Umhüllt ist sie von Kunststoff. Beim Drucken bilden die elektronischen Strukturen optoelektronische Schaltkreise. Diese können nicht nur Licht erzeugen, sondern auch ihre Umwelt erkennen, mit ihr kommunizieren oder Energie speichern.

Gabriel Loke, Doktorand bei den Professoren John Joannopoulos und Yoel Fink, beschreibt das Verfahren in einem Beitrag der Fachzeitschrift „Nature Communications“. Loke hat einen 3D-Drucker mit einer speziellen Düse ausgestattet. Der Kunststoff, den er verwendet hat, schmilzt bei einer deutlich niedrigeren Temperatur als das im Normalfall genutzte Material. Aus diesem Grund wird die interne Elektronik beim Druck nicht zerstört.

Halbleiter und Drähte im Inneren
Das Innere der Tinte enthält feinste Drähte, die als Stromleiter fungieren, Halbleiter, die unterschiedliche Funktionen erfüllen, und Isolatoren aus Kunststoff, die Kurzschlüsse verhindern. Zur Demonstration druckte Loke den Flügel eines Modellflugzeugs. Die hierfür verwendete Tinte enthält acht unterschiedliche Materialien, die auch andere Funktionen ermöglichen könnten, außer Licht zu emittieren und zu detektieren.

„Bisher gibt es keinen 3D-Drucker, der Kunststoff, Metall und Halbleiter abscheiden kann“, sagt Loke. Denn für jedes Material benötige man eine andere Technik. Das neue Verfahren sei schnell und ermögliche, wie es beim 3D-Druck üblich ist, nahezu beliebig geformte Bauteile. Der produzierte Flügel ist spektakulär, aber in der Praxis kaum umsetzbar. Die Forscher denken auch eher an die Herstellung biomedizinischer Implantate. Auf ihnen könnten nach einer Verletzung neue Körperzellen wachsen. Gleichzeitig würden sie den Regenerationsvorgang überwachen und Wachstumsfehler drahtlos melden.

Navi nach Schleiereulen-Vorbild gebaut

(pte) – Die Schleiereule orientiert sich mithilfe von Geräuschen. Möglich machen das spezielle Nervenstrukturen in ihrem Gehirn, die ermitteln, aus welcher Richtung Schall kommt. Eben diese Strukturen haben Forschern der Pennsylvania State University (Penn State) nun technisch nachgeahmt. Der Machbarkeitsnachweis soll die Tür zu neuen Navigations- und Ortungsgeräten aufstoßen, die bei Verwendung modernster 2D-Materialien sehr energieeffizient sein könten.

Orientierungshilfe Zeitversetzung
„Eulen können auf ein oder zwei Grad genau ermitteln, aus welcher Richtung ein Geräusch kommt“, sagt Saptarshi Das, Penn-State-Professor für Ingenieurswissenschaften und Mechanik. Dass die Vögel das so viel besser können als Menschen, liegt an speziellen Strukturen im Gehirn, die sich zunutze machen, dass ein Geräusch die beiden Ohren etwas zeitversetzt erreicht, wenn die Eule nicht genau in Richtung der Quelle sieht. Ein Gitter aus Nerven mit zwei unterschiedlich langen Enden ermittelt hierzu, wie groß diese Differenz ist. Sie gibt Aufschluss darüber, aus welcher Richtung das Geräusch kam.

Das und sein Team habe eben dieses Prinzip mithilfe einer Anordnung sogenannter Split-Gate-Transistoren aus Molybdänsulfid nachgeahmt. Diese Transistoren registrieren ein Signal nur, wenn es auf beiden Seiten des Gates gleich ist. Entsprechen die Eingangssignale dem leicht zeitversetzten Eintreffen eines Geräusches bei zwei Ohren, reagiert also nur jener Transistor, der praktisch der richtigen Längendifferenz von Nerven im Eulengehirn entspricht. Damit diese Verarbeitung klappt, müssen die eintreffenden Signale vorher verlangsamt werden – was ebenfalls dem Vorbild Eule ähnelt.

Besser als die natürliche Kopie
„Die Genauigkeit des biomimetischen Geräts kann die Schleiereule um Größenordnungen übertreffen“, so die Forscher in „Nature Commnications“. Dabei ist der aktuelle Chip nur ein Machbarkeitsnachweis. Mit 2D-Materilien könnte die Zahl der Transistoren und damit die Genauigkeit weiter gesteigert werden. Zudem wäre das energieeffizienter, was für potenzielle Anwendungen ebenfalls von Vorteil ist. Zudem liefert der aktuelle nur eine Richtung, aus der ein Geräusch kommt, kann aber nicht beurteilen, in welcher Höhe sich die Quelle befindet. Das zufolge spiegle sich diese in der Schallintensität wider. Das Team arbeite an diesem Aspekt des Problems, da erst dann wirklich 3D-Navigation oder Ortung möglich werden.