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Traum von der elektrischen Wärmepumpe – Mit einem Vorwort von Jean Pütz
Hier rächt sich die Methode der Grünen-Ideologen. Sie lassen sich ihr Wunschdenken gerne durch Wissenschaft bestätigen, aber noch schlimmer – sie setzen naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeit mit politischen Gesetzmäßigkeiten konterkarieren. Die elektrisch betriebene Wärmepumpe, die auf den ersten Blick energetisch effizient ist, hat den Nachteil, dass sie mit kostbarem elektrischen Strom betrieben werden muss. Auch wenn dabei doppelt so viel Energie gewonnen wird. Eine mit Erdgas oder (später) mit Methanol beheizte Wärmepumpe wäre allerdings viel preiswerter und energetisch hochwertiger. Es klappt eben nicht! Politische gegen naturwissenschaftliche Gesetze umzusetzen.
Es folgt ein Beitrag dazu von der Plattform „The Pioneer Briefing“ zu diesem Thema
Ihr Jean Pütz
Wirtschaftsminister Robert Habeck versuchte, das Image der Wärmepumpe und des Heizungsgesetzes mit Millionen an Geldern in der Öffentlichkeit aufzupäppeln.
Die Bilanz: Knapp 4,1 Millionen Euro zahlte das Wirtschaftsministerium für die „Woche der Wärmepumpe“ und deren Veranstaltungen. Das geht aus einer schriftlichen Regierungsantwort auf eine Frage des CDU-Haushälters Andreas Mattfeldt im Berichterstattergespräch hervor, die unserem Kollegen Michael Bassewitz vorliegt.
Content-Creator for Wärmepumpe: Das Ministerium kalkulierte demnach 40.000 Euro für Influencer ein, die die Woche bewerben sollten. Dazu zählten laut Regierungsantwort die Kanäle: Selbstbautdiefrau, Altbaumakeover, Traumhausprojekt.Runie, Alinasreallife, Hausbauhelden und Energiesparkommissar.
Ein Kanal sticht besonders hervor: Alina Höhn (betreibt den Kanal Alinasreallife), die vorwiegend Posts über Lifestyle und Feminismus macht und etwa zwei Wochen nach ihrer bezahlten Werbung für die „Woche der Wärmepumpe“ für die Wahl der Grünen und gegen die CDU aufruft.
Der CDU-Abgeordnete Andreas Mattfeldt kritisiert, dass Habeck mit Steuergeldern Staatswerbung betreibe, um sein „selbst verschuldetes Wärmepumpen-Desaster der Bevölkerung zu erklären“. Weiter sagt er:
Erst fährt er durch falsche Gesetzgebung und noch schlechtere Kommunikation die Wärmepumpe an die Wand, dann soll der Bürger diesen Fehlern mit teuren Werbungen eine andere Wendung geben
Neue Simulationsmethode schärft Blick ins Erdinnere
Quantencomputer auf Silziumbasis – Mit einem Prolog von Jean Pütz
Die Quantencomputer-Technologie ist die Zukunft. Das BIT wird durch das QUBIT ersetzt. Dieses Qubit ist in der Lage Unmengen von Daten zu speichern, die in der herkömmlichen Siliziumtechnologie nicht möglich sind. Auch die Geschwindigkeit der Quantencomputer ist um 10er Potenzen höher. Allerdings ist es bisher nicht möglich dies Software, die bisher mit Milliardenaufwand die auf siliziumbasierenden Computern entwickelt wurde für Quantencomputer nicht nutzbar. Das soll sich ändern und das ist Ziel eines Forschungsverbundes des HZDRs (Helmholtz-Zentrum-Dresden-Rossendorf). Dazu gibt es jetzt europäische Forschungsgelder und man kann gespannt sein, ob dies möglich ist, denn die Qubits funktionieren ja mit Lichtsignalen und wie lassen die sich auf unseren Bitscomputer übertragen.
Ihr Jean Pütz
Mainstream, der Popanz, der Gesellschaft und Politik in die Irre treibt
Zunächst meine persönliche Stellungnahme:
(Pioneer) – Die Philosophin Barbara Bleisch schreibt in „Mitte des Lebens“, dass mangelndes Selbstwertgefühl und die Sehnsucht nach Gruppenzugehörigkeit Menschen dazu bringe, sich an vorgefertigten Meinungen zu orientieren und diese gar zu übernehmen. Sie ermuntert uns, die Mehrheitsmeinung nicht als richtig oder falsch, sondern vor allem „als sozial bedingt zu verstehen“.
Der Philosoph Stanley Cavell steht ihr als Kronzeuge zur Seite. Er sagt, die Aufgabe des Erwachsenwerdens bestehe darin, eine eigene Stimme zu finden und zu erheben, um damit das „uneigentliche Leben“ (Martin Heidegger) zu beenden. Das Uneigentliche beginnt da, wo ständig „man“ zitiert wird. „Man“ macht. „Man“ denkt. Und als Krönung des Konformismus: Das sagt „man“ nicht.
Auch das Jahr 2024 kann man als große Ermunterung lesen, diesem geheimnisvollen „man“ zu widerstehen und selbst kenntlich zu werden. Es gab reichlich Anlass, der Mehrheitsmeinung von Medien und Mächtigen zu misstrauen, weshalb der Eigentümer der Los Angeles Times („Meine eigene Zeitung kommt mir vor wie eine Echokammer, nicht wie eine vertrauenswürdige Quelle“) jetzt ein KI-Tool neben den Artikeln einbauen will. Dieses soll per Knopfdruck die Quellen analysieren und den Grad der Parteilichkeit anzeigen. Ab Januar geht’s los.
Wagen wir also einen Blick zurück auf das Jahr der Irrtümer, die wir aus Höflichkeit Irrtümer nennen, obwohl viele davon vorsätzlich fabriziert wurden.
Irrtum #1: Der Taylor-Swift-Effekt
Nahezu alle Medien waren überzeugt davon, dass Taylor Swift mit ihren fast 300 Millionen Followern auf Instagram in den USA einen wahlentscheidenden Einfluss haben würde. Ihre Empfehlung zugunsten von Kamala Harris würde die Jugend aktivieren, hieß es von Spiegel bis New York Times. Dieser popkulturelle Einfluss lässt sich bis heute nicht nachweisen.
Im Gegenteil: Die Nähe zwischen der Kandidatin (einer ehemaligen Arbeiterpartei) und den Celebrities aus Hollywood – denen sie sich in einem Vogue-Cover anverwandelte – gilt heute als Ausweis ihrer Volksferne und Mitverursacher der Niederlage. Der Mainstream der Wähler dachte und fühlte anders als der Mainstream der Medien.
Irrtum #2: Es gibt ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Die Unentschlossenheit der Wähler hat es da, wo in harter Währung abgerechnet wird, nämlich am Wahltag, nicht gegeben. Mit großer Eindeutigkeit hat der Republikaner die Wahl für sich entschieden. Von 3.160 Wahlbezirken holte Trump 2.684.
Heute schulden uns Meinungsforscher wie Ipsos, YouGov und Co. und Onlinemedien wie FiveThirtyEight eine Erklärung dafür, dass sie kurz vor dem Urnengang noch einen Wahlsieg der Demokratin prophezeit haben. Die Mehrheitsmeinung (72 Prozent) in Deutschland, die laut ZDF-Politbarometer mit einem Wahlsieg von Kamala Harris gerechnet hatte, findet ihre Ursachen ebenfalls in einer Berichterstattung, die Wünsche als Wirklichkeit verkauft hat.
Irrtum #3: Biden rettet den Rechtsstaat
Ungeprüft wurde die Erzählung von Joe Biden als gütigen Herrn, der gegen einen Autokraten den Rechtsstaat verteidigt, von den Medien übernommen. Die Wahrheit zeigte sich nach der Niederlage und wenige Tage vor der Amtsübergabe an Trump.
Entgegen seines Versprechens, das Rechtsstaatsprinzip über die Familie zu stellen, hat er seinen Sohn, dem eine Gefängnisstrafe wegen Steuerhinterziehung und einem Verstoß gegen das Waffengesetz drohte, begnadigt. Damit ist Hunter Biden für immer der Strafverfolgung entzogen. Und jedermann sieht: Joe Biden ist nicht der, als der er uns beschrieben wurde. Auf die interfamiliäre Begnadigung angesprochen erwiderte Biden bei einer Pressekonferenz zynisch:
Irrtum #4: Die deutsche Wirtschaft wächst
Scholz schwärmte 2023 noch von Wachstumsraten in Höhe der Wirtschaftswunderjahre und der zuständige Minister lieferte eine angeblich wissenschaftlich abgesicherte Prognose, wonach das Wachstum im Jahr 2024 hätte 1,3 Prozent betragen müssen.
Dazu muss man wissen: 1,3 Prozent Zuwachs in einer Volkswirtschaft, deren Bruttosozialprodukt 4,2 Billionen Euro beträgt, bedeutet einen zusätzlichen Wohlstand von 54 Milliarden Euro. Dieses Geld entspricht dem regulären Bundeswehretat.
Das Gegenteil des Prognostizierten geschah. Das Land wuchs nicht, sondern schrumpfte. Deutschland ist nicht das Wirtschaftswunderland von Olaf Scholz, sondern der kranke Mann Europas.
Irrtum #5: Putin ist isoliert
Dieselben Experten, die sagten, Sanktionen würden Russland in die Knie zwingen, vertraten anschließend die Ansicht, Putin sei weltweit isoliert. Von Foreign Affairs („Putin der Paria: wie die Sanktionen und die Strafverfolgung Russlands Präsident in Gefahr bringen“) bis hin zum Stern („Der russische Staatschef ist isoliert“) gab es die Behauptung, Putin habe sich mit seinem völkerrechtswidrigen Überfall der Ukraine ins Abseits manövriert.
Das Gegenteil ist richtig: Immer mehr Staaten, darunter China, der Iran, Indien und viele afrikanische Staaten, würden gerne die Vormachtstellung der Amerikaner überwinden. Sie billigen aus Eigeninteresse Putins Gewaltanwendung und bauen ihre Beziehungen zu Russland aus. Der Block der Brics-Staaten hat sich eben erst in Russland getroffen, um seine Sehnsucht nach einem Ende der amerikanischen Hegemonie zu zelebrieren.
Irrtum #6: Es gibt einen weltweiten Rechtsruck
Dieses Narrativ dient in den USA und Deutschland vor allem der Mobilisierung regierungsfreundlicher Gefühle. Man versucht damit, die oppositionellen Bewegungen rechts der Mitte als undemokratisch zu delegitimieren. Trump wurde als Faschist, Alice Weidel von SPD-Chef Lars Klingbeil als Nazi etikettiert.
Doch einen globalen Rechtsruck gibt es nur in den Überschriften der Zeitungen, nicht im wahren Leben der Völker: Wahlerfolge von Rechtspopulisten wie Trump und Meloni in Italien stehen einer hohen Anzahl sozialdemokratischer Wahlerfolge gegenüber.
In Deutschland, Großbritannien, Dänemark, aber auch in Spanien und Brasilien regieren Sozialdemokraten, im Élysée-Palast wohnt kein Rechtspopulist, sondern der ehemalige Sozialist Macron. In Polen wie auch in Großbritannien und Brasilien wurden konservative und rechtspopulistische Bewegungen abgewählt. Die Landkarte der weltweiten Regierungen ist nicht schwarz oder rot, sondern divers.
Fazit: Die Mainstream-Medien sind die Verlierer des Jahres 2024. In 2025 lohnt es sich für jeden Einzelnen umso mehr, darauf zu achten, dass die eigene Meinung und die Fakten nicht außer Sichtweite geraten.
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Syrische Fachkräfte: So wichtig sind sie für die deutsche Wirtschaft
Während Politiker nach dem Machtwechsel in Syrien beraten, wie Syrer schnellstmöglich das Land verlassen könnten, sind Experten besorgt über die Rückwanderung von syrischen Fachkräften.
Holger Schäfer, Arbeitsmarktexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), hält es für „unbestreitbar, dass die Abwanderung der syrischen Arbeitskräfte Deutschland schaden würde“, wie er unserem Kollegen Michael Bassewitz sagt.
- Derzeit sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 222.610 Menschen mit syrischer Staatsangehörigkeit in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Hinzu kommen rund 65.000 Minijobber. Gut 155.000 sind arbeitslos.
- Die meisten Syrer sind in Deutschland in der Berufsgruppe „Verkehr, Logistik, Sicherheit“ beschäftigt – hier liegt der Anteil der Syrer laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung(IAB) bei 1,4 Prozent. Über alle Berufe hinweg beläuft sich der Anteil der Syrer auf etwa 0,6 Prozent.
- Mehr als die Hälfte aller in Deutschland arbeitenden Syrer hat eine Facharbeiterqualifikation oder einen höheren Ausbildungsstand. Allein rund 5.000 Mediziner aus dem Land arbeiten dem IAB zufolge in Deutschland. Rund 44 Prozent der syrischen Arbeitskräfte sind ungelernte oder angelernte Helfer.
- Das Durchschnittsalter der Syrer in Deutschland liegt bei rund 25 Jahren. Fast die Hälfte der Geflüchteten, die zwischen 2015 und 2017 nach Deutschland kamen, hatten einen Gymnasial- oder Hochschulabschluss.
Jedes Jahr müssten 400.000 Menschen zuwandern, um das Arbeitskräfteangebot konstant zu halten, so die Rechnung des IAB. Schäfer sagt uns:
CDU-Politiker hatten ein Startgeld von 1.000 Euro für Syrer, die freiwillig das Land verlassen und den Widerruf von Schutztiteln gefordert. Schäfer hält es für schädlich, die Auswanderung syrischer Erwerbstätiger zu fördern.
Enzo Weber, Arbeitsmarktexperte und Wirtschaftswissenschaftler am IAB, hält es allerdings für unwahrscheinlich, dass die gut integrierten Syrer in großer Zahl das Land verlassen.
Fusionsenergie ante porta – der Stellerator als Hoffnungsspender
Mikrokugeln transportieren Krebsmedikamente
(pte) Forscher des California Institute of Technology (Caltech) nutzen kugelförmige Mikroroboter mit einem Durchmesser von 30 Mikrometern zur zielgenauen Verabreichung von Chemotherapeutika. Diese sind mit nanometergroßen Partikeln aus einem magnetisierbaren Material ausgestattet, die es Ärzten ermöglichen, die Medikamententräger mit einem äußeren Magnetfeld präzise zum Zielort zu leiten. Die Kugeln bestehen aus einem raffiniert aufgebauten weichen Material und werden per 3D-Druck hergestellt.
Einfach gedruckte Kügelchen
„Kugeln sind sehr schwer zu drucken. Man muss bestimmte Tricks kennen, um zu verhindern, dass die Kugeln in sich zusammenfallen“, so Caltech-Forscherin Julia R. Greer. Die Transportmittel müssen zudem eine äußere Hülle haben, die Wasser liebt, also hydrophil ist, damit die Kügelchen keinen Klumpen bilden. Im Inneren müssen sie hydrophob sein, also wasserabweisend, um die darin eingeschlossene Luftblase zu schützen.
Zudem soll das Medikament in die Außenhülle integriert werden, und zwar so, dass der Wirkstoff am Ziel einige Tage lang kontinuierlich abgegeben wird und so den Tumor unter Dauerstress setzen. Gleichzeitig muss die Hülle so ausgelegt werden, dass sie den rauen Umweltbedingungen im Körper trotzt. All diese Anforderungen haben die Forscher mit verschiedenen Variationen eines Hydrogels erfüllt, einem hochporösen Kunststoff. „Wir haben eine Plattform entwickelt, die all diesen Anforderungen gerecht wird“, sagt Greers Kollege Wei Gao.
Luftblase als Kontrastmittel
Die Luftblase hat zwei Aufgaben: Sie dient als Kontrastmittel für Ultraschallaufnahmen, die während der Navigation durch den Körper gemacht werden, um den Weg der Kugeln zu verfolgen. Gleichzeitig versetzen die Schallwellen die Hülle in Vibration, sodass die Kugeln zusätzlich zu der Kraft, die das Magnetfeld ausübt, vorangetrieben werden.
Die Hülle besitzt den Experten nach zwei Öffnungen, die Vibrationsbewegungen aus der Kugel herausleiten, sodass diese sich in verschiedene Richtungen bewegen kann. Tests der Mikrokugeln an Mäusen mit Blasentumor haben gezeigt, dass die Krebszellen deutlich effektiver abgetötet werden als bei der üblichen Art der Medikamentengabe, die nicht sonderlich zielgerichtet ist.
Die 6 Illusionen der Deutschen – Mit einem Prolog von Jean Pütz
Ein prägnanter Artikel von Gabor Steingart. Aber in heutiger Konstellation wird die Bundesrepublik das nie erreichen. Armes Deutschland. WO bleibt die Forderung der Nachhaltigkeit? Wie ich immer formuliert habe: Unsere Kinder müssen die gleichen Chancen erhalten, wie wir sie als Nachkriegsgeneration hatten. Darunter ist auch Frieden gemeint, was auch inneren Frieden bedeutet. Den sehe ich allerdings zurzeit in großer Gefahr. Die Demokratie muss sich auf Globalisierung einstellen, aber wie soll das geschehen in Anbetracht solcher populistischen Tendenzen, wie zum Beispiel durch die AFD in Deutschland propagiert werden. Aber auch die anderen Parteien sollten sich vorsehen. Ich erinnere da an das Primat der Logik, was offenbar dem Populismus und der Ignoranz der Bevölkerung geopfert wird. Nochmal: Armes Deutschland.
JeanPütz
(Pioneer) – Der Wahl-Triumph von Trump und die Selbstsprengung der Ampel senden bei aller Unterschiedlichkeit ein gemeinsames Signal: Der Westen driftet. Die bisherige Art, Politik zu machen, funktioniert nicht mehr.
Unter lautem Getöse sortieren sich in Deutschland die politischen Lager neu. Aber mit welchem Ziel? Und wer führt und wer folgt?
Es wird, diese Prognose sei gewagt, keine Rückkehr zur alten Normalität geben. Wer glaubt, der SPD-Kanzler werde bei nächster Gelegenheit durch einen CDU-Kanzler ersetzt und damit sei die alte Bundesrepublik wiederhergestellt, ist das Opfer seiner eigenen Illusionen.
Der Luftschloss-Charakter der politischen Diskussionen in Deutschland ist kein Privileg der politischen Klasse. In mindestens gleichem Umfang stolpern die Wähler von einem Trugschluss zum nächsten, weshalb hier der Versuch unternommen werden soll, die sechs gängigsten Illusionen der Deutschen klar zu benennen.
Illusion #1: Rechtspopulismus ist die Lösung
Deutschland ist nicht Amerika, das heißt, einen Durchmarsch des Rechtspopulismus in höchste Staatsämter wird es hierzulande nicht geben. Das Zweiparteiensystem hat Trump begünstigt, so wie das Mehrparteiensystem es für die AfD nahezu unmöglich macht, die Macht zu übernehmen.
Die Blockade der Mehrheit ist schnell gebildet. Das bedeutet, dass der Druck im Kessel durch die AfD zwar steigt, aber anders als im Fall der Trump-Wahl kann dieser Druck nicht in Regierungshandeln transformiert werden.
Die Stimme für die AfD ist also ein Wettschein ohne Wert. Eine AfD-Wahl drückt Protest aus, aber eröffnet keine Machtoption. Den Wechsel, den Alice Weidel verspricht, kann sie so nicht herbeiführen. Sie ist ein Trump mit Keuschheitsgürtel.
Illusion #2: Verschuldung hilft dem Land
Der Abmarsch in den Schuldenstaat ist das Problem, nicht die Lösung. Ein Staat muss es schaffen, die Wettbewerbsbedingungen so zu gestalten, dass die Wirtschaft von alleine wachsen kann. Die Regierung kann dieses Wachstum stimulieren, aber nicht gewährleisten.
Die Wirtschaft sollte den Staat finanzieren, nicht umgekehrt. Oder wie es einst John Maynard Keynes formulierte:
Auch praktisch ist der Weg in die XXL-Verschuldung versperrt:Die Schuldenbremse, verankert im Grundgesetz, die nur mit den Stimmen der CDU aufgehoben werden kann, findet in den europäischen Schuldenregeln ihre Entsprechung. Die Erfinder dieser Regeln wussten um die teuflische Wirkung einer Schuldenorgie: Die wundersame Geldvermehrung führt zur Inflation; sie macht erst den Euro und dann die Demokratie weich.
Illusion #3: Der Sozialstaat besitzt eine Ewigkeitsgarantie
Der deutsche Sozialstaat ist nicht so stabil, wie er aussieht. In Zeiten einer Überalterung der Gesellschaft, deren Erwerbsbevölkerung schrumpft, geht ihm die stabile Einkommensbasis verloren. Diese Basis bestand bislang aus den Sozialbeiträgen, die jeder Arbeiter und Angestellte zu zahlen hatte. Bereits heute ist die Höhe der Sozialstaatsquote an einer Belastungsgrenze angelangt, die den Faktor Arbeit verteuert und damit international seiner Wettbewerbsfähigkeit beraubt.
Die Zuschüsse zur Rentenversicherung aus der Steuerkasse, derzeit rund 112 Milliarden Euro, zeigen, dass das Versicherungsprinzip nicht mehr funktioniert. Im Interesse der Generationen, die da noch kommen, sollte die Sozialstaatsillusion in der kommenden Legislatur beendet werden. Anstrengungslosen Wohlstand kann es nicht geben. Der Gürtel muss wieder enger geschnallt werden.
Illusion #4: Der Nationalstaat ist ein funktionierender Bezugsrahmen
Alle nationale Politik bezieht sich weiterhin auf den Staat und die Nation. Alle ökonomische Aktivität aber bezieht sich auf den globalen Handlungsrahmen, der durch die Verwerfungen mit Russland und die Rivalität der USA mit China enger geworden ist.
Ohne eine massive Stärkung Europas wird der deutsche Nationalstaat seine zwei wichtigsten Funktionen, das Organisieren kollektiver Sicherheit und die Erzeugung von Wohlstand, nicht erfüllen können. Durch die Bildung neuer Handelsblöcke und Militärbündnisse sowie die Abwendung der USA von Europa wird die deutsche Nation in ihrer Wirksamkeit geschrumpft. Sie muss auf die nächsthöhere Weide flüchten. Das künftige Deutschland ist europäisch – oder gar nicht.
Illusion #5: Die Politikersprache funktioniert nicht mehr
Wer als Politiker weiterhin die Fertigbauteile einer im politischen Raum entwickelten Kunstsprache verwendet, wird in hohem Tempo den Kontakt zu seinen Zielgruppen verlieren. Der Aufstieg des Rechtspopulismus und des Linkspopulismus, aber auch der Erfolg von Nonkonformisten – wie dem Tübinger Bürgermeister Boris Palmer – zeigen, dass in der politischen Kommunikation eine neue, authentische Sprache gefunden werden muss.
Wenn der Philosoph Professor Julian Nida-Rümelin vom „Peak Woke“ spricht, also dem Höhepunkt der Sprachumerziehung, und Ricarda Lang nach ihrem Rücktritt einräumt, sich in der Sprachwelt der Politik verlaufen zu haben, wird deutlich, dass der Erkenntnisprozess weit gediehen ist. Auch Trump hat mit seiner Sprache die „moralische Lizenzierung“ für eine Rückkehr zur derben Alltagssprache erteilt. Wir erinnern uns: Demokratie bedeutet Volksherrschaft und nicht Herrschaft über das Volk.
Illusion #6: Reales und nicht rhetorisches Regieren wird verlangt
Die Wähler sind müde, weitere 100-Tage-Sofortprogramme, neue Agenden und Initiativen serviert zu bekommen. Sie haben Appetit auf Aktion. Das rhetorische Regieren, wo der Kanzler folgenlos die Entbürokratisierung des Landes, das Deutschlandtempo bei den Genehmigungen, ein grünes Wirtschaftswunder oder die unverzügliche Abschiebung von illegalen Migranten ankündigt, hat sich überlebt.
Jeder Scholz-Nachfolger muss wissen, dass er eine Lieferverpflichtung besitzt. Die Bürger wollen von der Politik so behandelt werden wie von Amazon: Wer ein grünes Fahrrad bestellt, bekommt ein grünes Fahrrad und nicht ein rotes Gummiboot. Diese Erwartungshaltung des Bürgers ist nicht frech, sondern demokratisch.
Fazit: Mit der Selbstauflösung der Ampel und dem Machtantritt von Trump 2.0 endet der Gleichgewichtszustand der alten Bundesrepublik. Die alte Ordnung geht, eine neue muss gefunden werden. Die Dämonen des Wandels sind eigenwillig, vor allem, wenn sie keiner zu lesen versteht. Der alte Sponti-Spruch kommt einem in den Sinn:
Anarchie ist machbar, Herr Nachbar.