Archiv der Kategorie: Politik Gesellschaft

Kluge Gedanken zum Corona-Sommer 2020

(Westermann) – Das Corona-Virus wirkt wie ein Beschleuniger, der eigentlich längst bekannte Schwachstellen offenlegt. Die Kaufhaus-Schließungswelle setzt den stationären Handel und die Innenstädte unter Stress. Das Verbot von Großveranstaltungen, die Auflagen für Clubs, Großveranstaltungen, Gastronomie und viele Kulturinstitutionen bremsen Unterhaltung und Kulturgenuss aus.

In den Krisen, die wir kennen, flüchteten sich die Menschen in die Kultur, kamen auf andere und auf neue Gedanken. Auslandsreisen sind schwierig geworden und so verbringen Millionen von Menschen, die auf Mikroreisen kaum vorbereitet sind, den Sommer in ihrer Heimatregion. Tagesbesucher überrennen die geschrumpften Kapazitäten. Und nicht nur das ‚Wegebier‘ erobert den öffentlichen Raum. Vor allem den Jungen ist langweilig in einer dümpelnden Krisensituation voller Ungereimtheiten. Konflikte entzünden sich aus geringsten Anlässen. Trauer und Wut brechen sich Bahn und lassen Situationen eskalieren. Die Ordnungskräfte müssen den Rücken hinhalten. Ob man die Konflikte nun groß redet oder klein, sie stehen auf der Tagesordnung und lassen sich kaum verdrängen.

Wer den viel beschworenen Zusammenhalt fördern will, muss Verantwortung übernehmen. Es braucht neue Begegnungsformen und Veranstaltungsformate, die den Bedürfnissen der unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden und die aufgestaute Energie ins Positive wenden. In einer solchen Situation können sich öffentliche Verwaltungen nicht auf die Rolle von ebenfalls betroffenen Dienstleistern zurückziehen sondern sie stehen in der Pflicht, im Sinne des Gemeinwohls zu agieren. Corona ist mehr als eine Zumutung, es ist der Ernstfall, in dem sich zeigen muss, was unser Gemeinwesen wert ist. Da steht viel Vertrauen auf dem Spiel.

Zugleich sind in Deutschland Hunderttausende von Kreativen und Künstlern ohne Beschäftigung. Sie allein als Fälle der Fürsorge zu behandeln, zeugt von mangelndem Respekt und lässt die wichtigsten Kapazitäten zur Krisenbewältigung ungenutzt: Kreativität, Improvisation und Innovation. Sie könnten im Auftrag der Kommunalverwaltungen Projekte entwickeln, die der Krise ihren zerstörerischen Charakter nehmen.

In meinem Aufruf ‚Öffnet die Museen‘ hatte ich vorgeschlagen, dass die Museen Aufträge zu ihrer Digitalisierung vergeben oder sich als Orte neu erfinden, an denen Künstler tätig werden. Für öffentliche Plätze hat westermann kommunikation den ‚Corona Times Square‘ konzipiert, der den Nöten und Ängsten, der Trauer und der Wut ein Forum gibt, das zum Gespräch und nicht nur zu moralischen Vorwürfen und sinnlosen Konfrontationen ermuntert. Wir brauchen eine andere Zuhör- und Gesprächskultur.

In der letzten Woche wurden von der Veranstaltungsbranche rund 9000 Gebäude in rotes Alarmlicht getaucht. Diese bundesweite Aktion zeigt die Potenz, die im Augenblick brachliegt, obwohl sie dringend nötig wäre, um die Polarisierung und Fragmentierung der Gesellschaft in konstruktive Bahnen zu lenken. Die Stuttgarter Krawallnacht zeigt deutlich, dass bei uns Einiges im Argen liegt auch jenseits von Corona. Jugendkrawalle waren auch in der Vergangenheit immer Reaktionen auf eine Stadtpolitik, der es nicht gelingt, Vielfalt, Freiräume, Nischen und Nutzungsmischungen zu verteidigen. Die unsichtbare Hand des Marktes führt systematisch dazu, dass sich nicht unbedingt das Richtige sondern nur ökonomisch Erfolgreiches durchsetzt bis es in seiner Gleichartigkeit und Konformität die Nachfrage selbst zusammenbrechen lässt. Der reine Markt scheitert auf Dauer an seinem eigenen Erfolg. An einem solchen Punkt stehen vielleicht viele Innenstädte jetzt, die zu lange auf dem ‚Einkaufen‘ als einzig wünschenswerter Verhaltensform festgehalten haben. Auch hier ist die Stunde der Kultur, gekommen sich einzumischen und Vielfalt wiederherzustellen. Es ist letztlich auch gut für das Wiederankurbeln des Geschäftes und für die Antwort auf die Frage aller Fragen, wovon wir leben wollen.

Immobilieninvestitionen könnten im wohl verstandenen eigenen Interesse überdacht werden, um zukunftsfähiger zu werden. Auch dazu haben wir einen Vorschlag gemacht, das renovierungsbedürftige Gutenberg-Museum in Mainz, an einen benachbarten Karstadt-Standort zu verlegen. Das sind nur Beispiele, um Handlungsfähigkeit zurück zu gewinnen und nicht zum Opfer zu werden.

Die Kulturinstitutionen mit den größten Budgets mussten sich in der Konkurrenz untereinander immer stärker spezialisieren und Höchstleistungen vollbringen, um den immensen Aufwand zu legitimieren in Quoten, in Aufmerksamkeit in der Presse oder bei Sponsoren. Das hat zu einem Institutionen-Egoismus geführt, der die Symbiose mit der umgebenden Gesellschaft zu wenig im Blick hat. Das Coronavirus verändert jetzt die Erfolgskriterien. Es rückt viel stärker den Kulturgenuss der Einzelnen ins Zentrum, die Notwendigkeit neue, taugliche Orte zu erschließen und neue Verbindungen zu anderen städtischen Playern zu suchen. Aus diesen Kooperationen können neue Impulse entstehen, die zu einem anderen Selbstverständnis von Leistungsfähigkeit und Erfolg führen.

Das Coronavirus ist eben kein verflixter Albtraum, aus dem wir aufwachen und dann ist alles wie vorher. Es sind gewaltige Veränderungen im Gange, die zu neuen Konzentrationen führen, Marktmächte fundamental verändern und neue Monopole bilden können. Diese Veränderungen treffen zuerst die Ärmeren, sie werden aber auch nicht Halt machen vor denen, die sich heute noch auf der sicheren Seite wähnen.

Der amerikanische Anthropologe Jared Diamond hat dazu geforscht, warum in der Geschichte der Menschheit manche Gesellschaften überlebten und andere untergingen. Die verallgemeinerbare Hauptursache des Niedergangs war die mangelnde Lernfähigkeit der Menschen. Ob das für unsere überalterte und ermüdete Gesellschaft eine gute oder schlechte Nachricht ist, überlasse ich Ihnen…

Helmut Maternus Bien

China realisiert Magnet-Schwebebahn-Netz in Süd-Ost-Asien

Ein Magnetschnellbahn-Testfahrzeug für den Höchstgeschwindigkeitsverkehr, das für eine Betriebsgeschwindigkeit von bis zu 600 km/h ausgelegt ist, hat am 21. Juni 2020 erfolgreich seinen ersten Testlauf auf einer Versuchsstrecke der Tongji-Universität in Shanghai absolviert. China betrachtet dies als einen wichtigen Durchbruch bei seinem Entwicklungsprogramm für Magnetschnellbahnsysteme. Dieses neue Bahnsystem kann als direkte Weiterentwicklung der deutschen Magnetbahntechnologie Transrapid angesehen werden, der leider eine Erstanwendung in Deutschland aus politischen und industriellen Gründen versagt blieb.

In China soll nach dem Flughafenzubringer in Pudong bis zum Jahr 2025 eine neue 500 Kilometer lange Magnetschnellbahnstrecke in den kommerziellen Betrieb gehen. Die Höchstgeschwindigkeitsstrecke Shanghai-Hangzhou ist Bestandteil des Mehrjahresplanes für 10 Supertransportprojekte . Dieses Projekt einer Magnetschnellbahn dürfte also bald Wirklichkeit werden. Nach seiner Fertigstellung im Jahr 2025 werden die Bürger von Hangzhou das Zentrum von Shanghai in 20 Minuten erreichen können. Es ist geplant, die Magnetschnellbahnstrecke über Hangzhou nach Ningbo zu verlängern.

Der Anblick eines einzelnen, autonom fahrenden Mittelwagens ist sicherlich ein ungewöhnlicher Anblick für Eisenbahningenieure, zeigt aber den entscheidenden technologischen Unterschied des Rad/Schiene-Systems zur Magnetschwebebahn mit Langstatorantrieb auf: der Antrieb liegt im Fahrweg.

Die Entwicklung einer Magnetschnellbahn mit einer Betriebsgeschwindigkeit von 600 km/h ist ein Schlüsselprojekt in Chinas „Advanced Rail Transit“-Programm, das vom Ministerium für Wissenschaft und Technologie im Jahr 2016 initiiert wurde. Das Projektteam, in dem eines der weltweit größten Bahnindustrieunternehmen, die CRRC Qingdao Sifang Co., Ltd. für den technischen Teil verantwortlich ist, hat Experten aus mehr als 30 Unternehmen, Universitäten und Forschungsinstituten integriert. Eine wissenschaftliche Zusammenarbeit mit deutschen Universitäten und der deutschen Bahnindustrie unterstützt diese Entwicklung. Im Jahr 2019 wurde die Magnetschnellbahn als eine Schlüsseltechnologie für die langfristige Zukunft Chinas in das Programm „Outline for the Construction of a Powerful Country“ aufgenommen.

Worum ging es bei dem Test?
Der Versuch am 21. Juni 2020 ist der erste dynamische Fahrbetrieb eines Prototypfahrzeugs auf der Magnetschwebebahn-Teststrecke in Shanghai und markiert einen großen Schritt vorwärts gegenüber den bisherigen statischen Versuchen. Der Testlauf lieferte eine große Zahl an wichtigen Daten und bewies die prinzipielle Einsatzfähigkeit der neuen Fahrzeugentwickung. Der Test ist eine Grundlage für die weitere Entwicklung und Optimierung des nächsten Testfahrzeugs für das Magnetschnellbahnprojekt im Höchstgeschwindigkeitsbereich.
Den chinesischen Ingenieuren des Forschungs- und Entwicklungsteams des CRRC Qingdao Sifang zufolge zeigte die Magnetschnellbahnsektion während des Tests eine stabile Schwebeleistung und einen einwandfreien Betriebszustand. Der nächste Schritt ist die Industrialisierung der weiterentwickelten Magnetschnellbahntechnologie.

Chinesisches Einsatzfeld:
Die chinesischen Verkehrsforscher erwarten, dass eine 600 km/h schnelle Höchstgeschwindigkeits-Magnetschnellbahn die Geschwindigkeitslücke zwischen Flugzeug und Bahn schließt und dazu beiträgt, ein effizienteres und flexibleres Verkehrssystem aufzubauen. Magnetschnellbahnen können kurze Fahrzeiten mit höchster Sicherheit, Zuverlässigkeit, hoher Fahrgastkapazität, großer Pünktlichkeit und niedrigen Wartungskosten kombinieren.

Zu viele Feinde der offenen Gesellschaft – Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Den Anfangsworten von Gabor Steingart in seiner ‚Morning Briefing vom 23.06.2020 möchte ich mich intensiv anschließen. Leider versucht auch die sonst lesenswerte linksorientierte `TAZ` sich mit Äußerungen wie z. B. die Polizei in den Bereich von Müllabfall zu katapultieren auf dem Gebiet der Verunglimpfung. Sie ist leider damit nicht allein, gleiches geschieht in der extremen Rechten und noch viel schlimmer in der noch freien Gesellschaft der USA mit ihrem Präsidenten Donald Trump, der sich permanent auf dem Niveau der halbstarken Jugend rund um die 16jährigen bewegt.

Ihr Jean Pütz

(Morning Briefing) – Die Meinungsfreiheit ist ein so hohes Gut, dass man sie nicht allein ihren Verteidigern überlassen darf. Wer bewusst das Unsagbare sagt, wer in böser Absicht die sprachliche Entgleisung pflegt, wer – um mit Peter Sloterdijk zu sprechen – „die Einspritzung mentaler Infektionen“ als Geschäftsmodell betreibt, um an den Börsen der Aufmerksamkeitsökonomie eine Kursrally auszulösen, der missbraucht alle Gutgläubigen als menschliches Schutzschild.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, heißt es im Grundgesetz – und das nicht zufällig an erster Stelle. Die „taz“-Kolumnistin Hengameh Yaghoobifarah, die Polizisten auf Abfallhalden entsorgen möchte.

Der Satiriker Jan Böhmermann, der den türkischen Präsidenten des Kindesmissbrauchs bezichtigte …

… und AfD-Veteran Alexander Gauland, der die industrielle Vernichtung der europäischen Juden als „Vogelschiss“ der Geschichte bezeichnete, haben jeder auf seine Art den Zentralwert unserer Verfassung – die Würde des Anderen – mit Füßen getreten.

Sie spielen mit kühl kalkulierter Vorsätzlichkeit die Freiheit der Meinung gegen die Würde des Menschen aus, wissend, dass in der Wüste der Würdelosigkeit die Freiheit nicht gedeihen kann. Sie verlassen sich darauf, dass ihre Gegner sie verteidigen, und sei es nur deshalb, um ihnen nicht ähnlich zu werden.

Der gute Demokrat hört zu, aber hasst nicht. So haben wir es gelernt. Seine Waffe sei das Wort, nicht der Polizeiknüppel. „Ungehindert, robust und offen“ soll der öffentliche Diskurs geführt werden, wie es in einem richtungsweisenden Urteil des U.S. Supreme Court von 1964 heißt, das sich mit der „New York Times“ befasste.

Die Meinungsfreiheit wird auch von deutschen Verfassungsrechtlern als „unbequemes“ Grundrecht klassifiziert, das selbst Meinungen schützt, die wir zutiefst ablehnen.

Es war Ralf Dahrendorf, der auf der „Tendenzwende“-Konferenz im November 1974 sagte, „dass ein richtiger Gedanke, bis zum Extremen getrieben, gerade diejenigen Möglichkeiten zerstört, die er eigentlich eröffnen sollte.“ Genau das ist der Meinungsfreiheit im Westen passiert.

Ins Extreme getrieben, bringt sie Unverständliches und Unwürdiges, oder wie im Fall von Yaghoobifarah, Böhmermann und Gauland geschehen, auch Unbeseeltes hervor. Die Meinungsfreiheit wurde hier als Freibrief für das Abscheuliche und wie im Fall der drei vorher genannten auch als Freibrief für das objektiv Falsche missbraucht. Zuweilen wird die offene Gesellschaft nicht durch ihre Feinde, sondern durch ihre Freunde bedroht. Oder anders ausgedrückt: Wer die Meinungsfreiheit auch im Falle ihres Missbrauchs verteidigt, hat sie im Grunde verraten.

 

Zu viele Feinde der offenen Gesellschaft – Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Den Anfangsworten von Gabor Steingart in seiner ‚Morning Briefing vom 23.06.2020 möchte ich mich intensiv anschließen. Leider versucht auch die sonst lesenswerte linksorientierte `TAZ` sich mit Äußerungen wie z. B. die Polizei in den Bereich von Müllabfall zu katapultieren auf dem Gebiet der Verunglimpfung. Sie ist leider damit nicht allein, gleiches geschieht in der extremen Rechten und noch viel schlimmer in der noch freien Gesellschaft der USA mit ihrem Präsidenten Donald Trump, der sich permanent auf dem Niveau der halbstarken Jugend rund um die 16jährigen bewegt.

Ihr Jean Pütz

Den Corona-Leugnern ins Gästebuch: Die Verhältnisse in der Fleischindustrie bringen es an den Tag

(Morning Briefing) – Das Coronavirus hat medizinische, ökonomische und zunehmend auch politische Folgen. Denn US-Präsident Donald Trump und seine deutschen Anhänger versuchen, die Lockdown-Maßnahmen in Gänze als Fehler zu diskreditieren. Das neue Narrativ erzählt die Geschichte eines Irrtums.

Trump sagte in der Nacht zu Sonntag bei einer Kundgebung im US-Bundesstaat Oklahoma, der ersten Kundgebung dieser Art seit Ausbruch der Corona-Krise:

Wenn man in diesem Ausmaß testet, wird man mehr Menschen finden, man wird mehr Fälle finden, also habe ich meinen Leuten gesagt: ,Verlangsamt bitte die Tests.‘“

Doch die Volatilität des Infektionsgeschehens zeigt, dass die Pandemie keineswegs als beendet gelten darf. Nach dem Corona-Ausbruch beim ostwestfälischen Fleischverarbeiter Tönnies ist die Zahl der Infizierten auf 1331 gestiegen. In den vier Krankenhäusern im Landkreis Gütersloh werden derzeit 21 Covid-19-Patienten stationär behandelt. Davon liegen sechs Personen auf der Intensivstation, zwei von ihnen müssen beatmet werden.

► Da auch an zwei anderen Hotspots verstärkt Neuinfektionen aufgetreten sind, schnellt der 4-Tage-R-Faktor nach oben und steht jetzt dem Robert-Koch-Institut zufolge bei 2,88. 100 Infizierte stecken damit 288 neue Personen an. Wie in einem Schneeballsystem steigen die Fallzahlen bei solch einem Exponentialwachstum rasant.

►Die Meldekette von den örtlichen Ärzten über die Gesundheitsämter bis zur schnellen Eingreiftruppe des Robert-Koch-Instituts hat im Fall Tönnies schon mal nicht funktioniert. Nahezu 14 Tage brauchten die Gesundheitsämter in NRW, um die Eingreiftruppe aus Berlin anzufordern, die deshalb erst am Wochenende eintraf.

► Bis heute ist unklar, ob die schlechten Arbeitsbedingungen oder die katastrophalen Wohnverhältnisse, womöglich aber auch die niedrigen Temperaturen in der Fleischverarbeitung für den schnellen Ausbruch verantwortlich sind. Auch die Frage, ob das Virus aus NRW stammt oder durch osteuropäische Gastarbeiter eingeschleppt wurde, ist bei der richtigen Strategie zur Gefahrenabwehr nicht uninteressant.

Da die Fallzahlen in Deutschland insgesamt auf niedrigem Niveau liegen, muss ein erhöhter R-Faktor noch kein Drama bedeuten. Aber er besitzt das Potenzial für eine spätere Dramatisierung.

Dass Deutschland eine zweite Welle bevorsteht, ist nicht ausgemacht. Aber eben auch nicht ausgeschlossen. Heute Vormittag wird Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit seinen Beratern, darunter der Präsident des Robert-Koch-Instituts, diskutieren, was zu tun ist.

Gabor Steingart

Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit – ein Wissenschaftliches Ranking aus der Schweiz

(Wirtschaftswoche) – In Sachen Wettbewerbsfähigkeit kommt der Wirtschaftsstandort Deutschland seit Jahren nicht so wirklich vom Fleck. Das zeigt die aktuelle Rangliste der Schweizer Hochschule IMD, die insgesamt 63 entwickelte Volkswirtschaften untersucht hat. Wie schon im vergangenen Jahr liegt Deutschland im internationalen Vergleich auf Platz 17 der wettbewerbsfähigsten Länder. In den letzten sechs Jahren hat sich das Land laufend verschlechtert, 2014 belegte es noch den sechsten Platz im IMD-Wettbewerbs-Ranking.

Ganz oben steht der asiatische Stadtstaat Singapur und Dänemark, gefolgt von der Schweiz, den Niederlanden, Hongkong und Schweden. Die Weltwirtschaftsmacht USA, die im Vorjahr noch auf Rang drei stand, verliert sieben Plätze und schafft es somit gerade noch in die Top 10. Auch China musste im vergangenen Jahr einiges an Wettbewerbsfähigkeit einbüßen: Die größte Volkswirtschaft der Welt rutscht auf Platz 20 ab – gegenüber 2019 hat sich das Land um ganze sieben Ränge verschlechtert.

Für ihre Analyse messen die Ökonomen des IMD (International Institute for Management Development), die Wettbewerbsfähigkeit der Länder in vier verschiedenen Bereichen: Wirtschaftsleistung („economic performance“), Effizienz des Regierungshandelns („government efficiency“), unternehmerische Effizienz („business efficiency“) und Infrastruktur.

n die erste Kategorie fallen makroökonomische Kennzahlen wie zum Beispiel das BIP pro Kopf, Arbeitslosigkeit oder Direktinvestitionen. Die Regierungseffizienz untersucht inwieweit öffentliche Finanzen, Fiskalpolitik sowie Steuer- und Rechtssysteme wettbewerbsfördernd sind, die unternehmerische Effizienz analysiert die Produktivität, Profitabilität und Innovationskraft der Betriebe. Im Bereich der Infrastruktur beurteilt das Institut Transport, Bildungs- und Gesundheitssysteme der Länder aber auch den Zugang zu neuen Technologien.

Insgesamt messen 235 verschiedene Indikatoren sowohl „harte“ statistisch erhobene Wirtschaftsdaten als auch „weiche“ Ergebnisse aus einer eigenen Befragung von verantwortlichen Managern. Die Umfragewerte fließen zu einem Drittel in die finale Rangliste mit ein und beinhalten die Einschätzung der Führungskräfte zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, Gleichberechtigung oder Korruption.

Seit 1989 veröffentlicht das Forschungsinstitut aus Lausanne das Ranking, seit 2015 ist Christos Cabolis Chefvolkswirt am IMD. Im Gespräch mit der Wirtschaftswoche verrät der Ökonom, was hinter der festgefrorenen Platzierung Deutschlands steckt und wie die Corona-Pandemie die Wettbewerbsfähigkeits-Rangliste 2021 verändern wird

WirtschaftsWoche: Herr Cabolis, Deutschland liegt in der aktuellen IMD-Rangliste der wettbewerbsfähigsten Länder wie auch vergangenes Jahr auf Rang 17. Stagniert die deutsche Wirtschaft?
Christos Cabolis: Deutschland hat sich gegenüber dem Vorjahr in zwei der von uns untersuchten Disziplinen verbessert, aber auch in zwei verschlechtert: In der Effizienz des Regierungshandelns und im Bereich der Infrastruktur ist das Land zurückgefallen, liegt aber absolut gesehen mit den Rängen 5 und 11 immer noch relativ weit vorn. Die Effizienz der Unternehmen hat sich seit 2019 leicht verbessert. Bei der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit hat das Land ganze vier Plätze gutgemacht. Als Treiber sind hier insbesondere die Beschäftigung, der internationale Handel und die ausländischen Investitionen zu nennen, die sich im vergangenen Jahr alle zum positiven entwickelt haben. Um sich im gesamten Wettbewerbsranking zu verbessern, hätte Deutschland allerdings auch einen Aufwärtstrend in den anderen beiden Kategorien gebraucht.

Dieser bleibt aber seit Jahren aus. Seit 2016 hat sich Deutschland im Bereich der Regierungseffizienz fast laufend verschlechtert und insgesamt fünf Plätze verloren. Woran liegt das?
Die größte Schwachstelle Deutschlands ist nach wie vor die hohe Abgabenlast. Beim Steuersatz auf Unternehmensgewinne liegt das Land auf Platz 56 von 63 Ländern, beim effektiven persönlichen Einkommenssteuersatz auf Platz 55. Außerdem ist das Steuersystem zu kompliziert. Das hat sich auch in unserer Befragung der Führungskräfte gezeigt. Viele stellen das Modell, wie der Staat seine Finanzen verwaltet, infrage und wünschen sich eine grundlegende, ökonomische Reform. Insgesamt landet Deutschland in unserem Ranking bei der Steuerpolitik daher nur auf Platz 58.

Dafür gibt es hierzulande auch eines der besten Sozialsysteme der Welt…
Das stimmt. In Deutschland ist vor allem das Gesundheitssystem sehr gut bewertet. Hier liegt das Land auf Platz sechs und das spiegelt sich auch in seinem Human Development Index wider: Die Kennzahl, die unter anderem die Lebenserwartung bei der Geburt oder das Bildungsniveau erfasst, ist die vierthöchste in unserer Auswertung. Auch bei der Qualität von Forschungseinrichtungen und Universitäten belegt Deutschland Platz vier. Das alles kommt natürlich auch indirekt den Unternehmen zugute, indem sie zum Beispiel von gesunden oder qualifizierten Arbeitskräften profitieren. Daher darf man eine hohe Abgabenlast an sich nicht von vornherein als schädigend für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes bewerten. Fast alle Staaten, die in unserem Ranking im Bereich der sozialen Sicherungssysteme gut abschneiden, liegen bei der Frage, wie unternehmensfreundlich das Steuersystem ist, deutlich abgeschlagen – zumeist sogar im unteren Drittel der Rangliste. Man muss die Abgabenlast also immer auch im Verhältnis zu den vom Staat erbrachten Leistungen sehen.

Ländern wie die Schweiz scheint es aber zu gelingen, ein gutes Bildungs- und Gesundheitssystem mit wettbewerbsfördernder Steuerpolitik zu vereinbaren. In Ihrer Rangliste zählt das Land in beiden Kategorien zu den Top 5. Warum klappt das in Deutschland nicht? 
Die Schweiz glänzt seit Jahren mit einer unglaublichen Effizienz im Regierungshandeln. Das Land verfügt über die beste Bonität in unserem Ranking und bei der Verwaltung der Staatsfinanzen belegt es Platz zwei. Der Staatshaushalt wird also besonders sorgfältig geplant und Steuergelder sowie sonstige Einnahmen effizient umverteilt. Außerdem ist das Vorgehen der Regierung sehr transparent und das Risiko für politische Instabilität wird als sehr gering eingestuft. Auch bei diesen beiden Faktoren belegt das Land den zweiten Platz. Die Tatsache, dass die Schweiz eine direkte Demokratie ist, kommt dem Land in Sachen Transparenz und Effizienz sicherlich zugute und nimmt viel Unsicherheit aus dem Markt.

Wenn Marktführer abstürzen: Diese bekannten Konzerne sind grandios gescheitert

(BusinessInsider) – Marktführer werden oft für ihre Stärke und Macht bewundert und beneidet. Doch ihre Größe birgt auch Nachteile. Denn das Unternehmen muss sowohl einen bestehenden Markt und seine Kunden bedienen, als auch neue Entwicklungen in seiner Branche richtig einschätzen und darauf reagieren.

Das muss gerade auch die deutsche Autoindustrie erfahren, die vor einem enormen Wandel hin zu umweltfreundlicheren Antrieben steht, während sie ihr Geld weiterhin hauptsächlich mit Verbrennungsmotoren verdient. So konnte Tesla vom Außenseiter der Autobranche zum Anführer der Elektromobilität heranwachsen.

Nokia
Der Fall von Finnlands einstigem Vorzeigeunternehmen ist ein Lehrbeispiel dafür, wie fatal es ist, neue technologische Entwicklungen falsch einzuschätzen. Zur Jahrtausendwende und in den 2000er Jahren war Nokia Marktführer bei Mobiltelefonen. Lange galten seine Geräte als technisch überlegen. Das Nokia 3310 war legendär. Doch dann kam das iPhone und das Zeitalter der Smartphones begann. Auf die Entwicklung reagierte das Unternehmen zu spät. 2011 überholte Samsung Nokia bei den Marktanteilen.

Der Niedergang von Nokia riss auch die finnische Volkswirtschaft mit sich. Zwischenzeitlich hatte der Handy-Gigant im Alleingang für vier Prozent der Wirtschaftsleistung in dem kleinen Land gesorgt.

Blackberry
Auch ein anderer Handyhersteller verschlief den Epochenwechsel seiner Branche. Das Blackberry mit seiner charakteristischen Tastatur war in den 2000er Jahren das Statussymbol für Geschäftsleute. Als frühes Smartphone machte es das Gerät möglich, auch von unterwegs E-Mails abzurufen und Termine zu vereinbaren.

Der Siegeszug der Touchscreens und des iPhones brachte das Blackberry in Vergessenheit.

Kodak
Auch Kodak wurde von einem Technologiewechsel überrollt. Dabei hat das Geschäftsmodell lange Zeit erfolgreich funktioniert: Der Konzern verkaufte sowohl günstige Kameras als auch die dazu gehörigen Filme und Dienstleistungen. Fotos und Kinofilme waren ohne Kodak kaum vorstellbar. In den 1970er Jahren besaß der Foto-Gigant in den USA einen Marktanteil von sagenhaften 80 Prozent.

Doch dann attackierten erst die billigeren Fuji-Filme den Riesen und schließlich setzte sich immer mehr die Digitalfotografie durch — in einem Tempo, mit dem der Konzern nicht Schritt halten konnte. Dabei hatte Kodak schon 1975 eine Digitalkamera entwickelt, die Technik aber wegen der hohen Erträge mit den Filmen links liegen lassen.

Commodore
In den wilden Anfangsjahren des Personalcomputers war Commodore eine feste Größe. Insbesondere mit dem C64 gelang dem Unternehmen in den 1980er Jahren ein Verkaufshit, der bis heute nostalgisch verehrt wird. Der Preiskampf auf dem Markt und strategische Fehler brachten Commodore jedoch in Turbulenzen. Im April 1994 wurde die Insolvenz verkündet.

Lehman Brothers
Lehman Brothers war einmal ganz bescheiden gestartet. 1844 eröffnete Henry Lehman, ein Einwanderer aus Deutschland, einen kleinen Laden in Alabama, in den später auch seine Brüder einstiegen. 1929 entstand daraus eine Investmentfirma.

Heute gilt der Name als Synonym für Gier, Zockerei und die Hybris einer ganzen Branche. Die Insolvenz der Investmentbank am 15. September 2008, ausgelöst durch das Platzen einer Immobilienblase und den Handel mit undurchsichtigen Finanzprodukten, war der Urknall einer weitreichenden und langanhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise, die mehrere Staaten an den Rand des Zusammenbruchs brachte. Noch ein Jahr zuvor hatte sich Lehman Brothers für seine hohen Umsätze und Gewinne sowie das höchste Handelsvolumen an der Londoner Börse gefeiert.

Duale Ausbildung in der Corona-Krise verlässlich fortführen

(bmwi) – Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung vereinbaren Maßnahmen zur Stabilisierung der dualen Ausbildung

Die Spitzen der Partner der Allianz für Aus- und Weiterbildung haben heute Maßnahmen vereinbart, um die Auswirkungen der Corona-Krise auf die duale Ausbildung abzufedern. Die Vertreter der Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit, der Länder, der Wirtschaftsverbände BDA, BFB, DIHK und ZDH und der Gewerkschaften haben heute unter Vorsitz von Bundeswirtschaftsminister Altmaier eine Gemeinsame Erklärung der Allianz für Aus- und Weiterbildung angesichts der Corona-Krise verabschiedet. Die Partner wollen dafür sorgen, dass Auszubildende trotz der derzeit schwierigen Situation ihre Ausbildung fortsetzen und ihre Prüfung ablegen können. Zudem verfolgen sie gemeinsam das Ziel, auch in den kommenden Ausbildungsjahren genügend Ausbildungsplätze anbieten zu können.

Bundesminister Peter Altmaier: „Verlässliche Rahmenbedingungen für die duale Ausbildung sind in der jetzigen Krise elementar, wenn wir unsere Fachkräftebasis von morgen weiterhin sichern wollen. Gerade jetzt brauchen Betriebe unsere Unterstützung, damit sie weiter qualifiziert ausbilden können. Mit einer Prämie für Betriebe, die Auszubildende aus insolventen Betrieben übernehmen, setzen wir einen wichtigen Impuls, damit Jugendliche eine bereits begonnene Ausbildung auch in der Corona-Krise erfolgreich zum Abschluss bringen können“.

Bundesminister Hubertus Heil: „Die duale Ausbildung ist ein Markenkern unseres Landes und unser Ticket in eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft. Deshalb müssen wir sie gerade in schwierigen Zeiten am Laufen halten. Mir ist wichtig, dass junge Menschen auch im Jahr 2020 eine Ausbildung beginnen oder abschließen können. Um das zu ermöglichen, haben wir heute verschiedene Hilfsmaßnahmen vereinbart. Wir kämpfen nicht nur um jeden Arbeits-, sondern auch um jeden Ausbildungsplatz.“

Bundesministerin Anja Karliczek: „Die Stärken der dualen Ausbildung zeigen sich gerade auch in der Krise. Sie ist ein wesentliches Fundament unserer Wirtschaftskraft. Wenn wir diese erhalten wollen, tun wir gut daran, auch in die Leistungsfähigkeit unseres dualen Ausbildungssystems zu investieren. Die heute in der Allianz für Aus- und Weiterbildung beschlossenen Maßnahmen werden dazu beitragen, dass auch in diesen Zeiten junge Leute eine Ausbildung erhalten. Wieder einmal bewährt sich die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, insbesondere der Sozialpartner, in unserem Land. Gemeinsam stellen wir sicher, dass Auszubildende ihre Ausbildung erfolgreich beenden können, wenn Prüfungen jetzt ausfallen oder verschoben werden müssen. Mit einem Sofortprogramm im Rahmen des DigitalPakts Schule investieren wir zudem in digitale Lehrformate und Endgeräte. Das kommt auch den Berufsschulen zugute, damit das Lernen unter den Einschränkungen der Corona-Krise weitergeht.“

Integrationsstaatsministerin Annette Widmann-Mauz: „Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie treffen auch Menschen mit Einwanderungsgeschichte und Geflüchtete besonders hart. Viele sind in der Hotel- und Gastronomiebranche beschäftigt oder in Ausbildung. Wir müssen alles daransetzen, dass die erreichten Erfolge bei der Arbeitsmarktintegration nicht zurückgeworfen werden. Die Integration in Ausbildung und Arbeitsmarkt wird deshalb ein Schwerpunkt im Nationalen Aktionsplan Integration der Bundesregierung sein.“

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig: „Die Berufliche Bildung und die Berufsschulen schaffen Zukunftschancen für junge Menschen, leisten einen wichtigen Beitrag zur Bildungsgerechtigkeit und tragen maßgeblich zur Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen bei. Mit ihren Öffnungskonzepten unter Einhaltung strenger hygienischer Kriterien beweist die Berufliche Bildung unter schwierigen Bedingungen erneut ihre große Leistungs- und Anpassungsfähigkeit. Es ist wichtig, dass Auszubildende ihren eingeschlagenen Weg jetzt fortsetzen können. Die Länder werden mit den Berufsschulen das Ihre dafür tun, dass den Auszubildenden wegen der Corona-Epidemie keine Nachteile entstehen.“

Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit Detlef Scheele: „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, einen „Ausbildungsjahrgang Corona“ zu verhindern. Die Bundesagentur für Arbeit trägt mit Beratung und verlässlichen Unterstützungsleistungen ihren Teil dazu bei, dass Betriebe und Bewerber auch in unsicheren Zeiten sicher zueinanderfinden können. Dabei setzen wir in diesem Jahr noch intensiver auf digitale Angebote für Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel mit unserem Online-Selbsterkundungstool Check U. Ausbildungsbetriebe sprechen wir verstärkt persönlich an und beraten zur Begründung und Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen. Wir stehen auch mit unseren arbeitsmarktpolitischen Instrumenten für Jugendliche und Betriebe bereit – die Kapazitäten dafür sind vorhanden.“

DIHK-Präsident Eric Schweitzer: „Wir beschließen heute erste Maßnahmen, die dabei helfen sollen, bestehende Ausbildungsverträge zu erhalten und neue Ausbildungsangebote zu ermöglichen. Wir werden den Ausbildungsmarkt genau beobachten und Unternehmen gezielt nach Region, Branche und Betriebsgröße dort unterstützen, wo Ausbildung ohne Hilfe von außen nicht mehr möglich ist. Vor allem für leistungsschwächere Bewerber ist in diesem Jahr die Chance einer Einstiegsqualifizierung wichtig, um schnell in einen Betrieb zu gelangen und möglichst rasch in ein Ausbildungsverhältnis zu wechseln. Die Kammern und Verbände werden z.B. virtuelle Speed Datings ausprobieren, die Kammern ihre Lehrstellenbörsen ausbauen und sich intensiv dafür einsetzen, dass Auszubildende trotz schwieriger Rahmenbedingungen ihre Abschlussprüfungen ablegen können.“

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende: „Die Allianz spannt heute einen Schutzschirm für Ausbildung auf. Mit allen Maßnahmen, die wir heute auf den Weg bringen, senden wir ein starkes Signal: Wir kämpfen um jeden Ausbildungsplatz. Übernahmeprämie, Verbund- und Auftragsausbildung und als letztes Auffangnetz die außerbetriebliche Ausbildung werden helfen, die Zukunftschancen der jungen Generation zu sichern. Damit sagen wir den Jugendlichen: Ihr werdet gebraucht. Bewerbt Euch um einen Ausbildungsplatz, geht auf die Betriebe zu, nutzt die vielen Ausbildungsplatzbörsen und Beratungsangebote. Wir sagen aber auch den Betrieben: Bilden Sie aus, kümmern Sie sich um Auszubildende, damit der Corona-Krise nicht die Fachkräfte-Krise folgt.“

Konkret verständigten sich die Partner der Allianz u.a. darauf, dass Firmen, die Auszubildende aus Insolvenzbetrieben übernehmen, zeitlich befristet eine Übernahmeprämie erhalten können. Zudem sollen Betriebe zur Stabilisierung des Ausbildungsjahres 2020/21 die Vorteile der Verbundausbildung und der Auftragsausbildung stärker nutzen können. Außerdem wollen die Allianzpartner Jugendliche und Betriebe – auch mit mehr digitalen Formaten – im kommenden Ausbildungsjahr noch gezielter beraten und vermitteln.

Die Allianzpartner werden die mittel- und langfristigen Auswirkungen der Pandemie weiter verfolgen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zur Stabilisierung des Ausbildungsmarktes ergreifen.

Corona – Wann sind wir pleite?

(Zeit) – Die Rettungsprogramme in der Corona-Krise werden immer teurer. Doch was Deutschland sich leisten kann, hängt nicht nur von der Schuldensumme ab.

Die Unternehmen bekommen 200 Milliarden Euro, die Selbstständigen 50, die Kommunen 57 – die Corona-Krise reißt immer größere Löcher in den Staatshaushalt. Wachsen uns die Schulden über den Kopf? Geht Deutschland gar „pleite“, wie in der vergangenen Woche in der Bild-Zeitung zu lesen war? Die Antwort auf diese Fragen gibt das sogenannte Bewegungsgesetz der Staatsverschuldung, so eine Art Coca-Cola-Formel der Schuldenpolitik.

Die Grundidee ist schnell erklärt: Die meisten Ökonomen erwarten, dass die deutsche Schuldenquote – also der Schuldenstand im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung – Ende dieses Jahres bei rund 80 Prozent liegen wird und damit 20 Prozentpunkte höher als zu Beginn. Das ist hoch, aber erträglich. Wie sich diese Quote langfristig weiterentwickelt, hängt davon ab, was sich schneller vermehrt: die Schulden oder die Wirtschaftsleistung. Die Veränderung der Schulden wiederum wird bestimmt durch die Höhe des Zinses und der jährlich neu aufgenommenen Kredite. Die Veränderung der Wirtschaftsleistung durch das Wirtschaftswachstum.

Man kann sich das Gesetz an einem Zahlenbeispiel deutlich machen: Angenommen, es werden nach der kräftigen Ausweitung der Neuverschuldung in diesem Jahr vom kommenden Jahr an keine neuen Kredite mehr benötigt. Läge der Zins dann – wie derzeit in etwa – dauerhaft bei null Prozent und das Wachstum bei drei Prozent, dann ginge die Schuldenquote in den nächsten 50 Jahren auf 18 Prozent der Wirtschaftsleistung zurück. Pegelte sich der Zins hingegen bei drei Prozent ein und das Wachstum bei null Prozent, dann stiege die Schuldenquote auf 340 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Welche Größenordnungen aber sind realistisch? Und was heißt das für die staatlichen Schulden ?

Zins
Wenn Olaf Scholz im Moment beim Thema Geld großzügig sein kann, dann hat das vor allem einen Grund: Er muss für neue Kredite keine Zinsen bezahlen. Die Anleger geben ihm sogar etwas dafür, dass sie ihre Ersparnisse beim deutschen Staat parken können. Leiht sich der Bund heute einen Euro, dann muss er in zehn Jahren nach Abzug der zu erwartenden Inflation weniger als 90 Cent zurückerstatten.

Experten führen diese eigenartige Konstellation auf eine Reihe von Ursachen zurück. Die wichtigsten: Die Notenbanken fluten die Märkte mit Geld, die Unternehmen investieren weniger, eine alternde Bevölkerung spart mehr. Das zusätzliche Angebot an Kapital drückt dessen Preis – den Zins. Das hat unmittelbare Folgen für den Staatshaushalt, weil die Zinsausgaben sinken. Im vergangenen Jahr musste Scholz nur elf Milliarden Euro für die Bedienung alter Schulden aufwenden, zehn Jahre zuvor waren es noch knapp 40 Milliarden, obwohl die Gesamtsumme der Verbindlichkeiten sich kaum veränderte.

Allerdings gibt es keine Garantie dafür, dass die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben. Experten wie der Bonner Ökonom Carl Christian von Weizsäcker erwarten, dass die Krise das Zinsniveau noch einmal nach unten drücken wird, weil die Haushalte wegen der gestiegenen Unsicherheit noch mehr sparen. Wer schafft sich schon ein Auto an, wenn nicht klar ist, ob es den eigenen Arbeitsplatz morgen noch gibt. Hinzu komme, dass in Krisenzeiten finanziell solide Länder wie Deutschland besonders günstig Kapital erhielten, weil Investoren aus finanzschwachen Ländern ihr Erspartes in Sicherheit bringen wollten.

Andere Fachleute argumentieren hingegen, dass die riesigen Rettungsprogramme die Inflation steigen lassen. Darauf müssten dann die Zentralbanken mit Zinserhöhungen reagieren, um die Preise wieder unter Kontrolle zu bringen. Es gebe mit Blick auf die Zinsentwicklung ein „Umkehrrisiko“, heißt es beim Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Allerdings ist die Bundesregierung diesem Risiko nicht schutzlos ausgeliefert. So könnte der Bund längerfristige Schuldtitel ausgeben als bisher. Die maximale Laufzeit deutscher Staatsanleihen beträgt 30 Jahre, Österreich hat Anleihen mit einer Laufzeit von 100 Jahren ausgegeben. Damit ließe sich das derzeit niedrige Zinsniveau – wohl mit einem kleinen Aufschlag – für die nächsten Generationen sichern.

Wachstum
Wenn ein Virus die Wirtschaft infiziert, dann kommt konjunkturell normalerweise ein V heraus: Es geht zunächst steil abwärts, danach aber ebenso steil wieder aufwärts. So war das zum Beispiel, als vor fünfzehn Jahren in China die Lungenkrankheit Sars grassierte. Auch in den Schuldenprognosen der Bundesregierung ist unterstellt, dass das Wachstum schon kommendes Jahr wieder anzieht und dann die Werte von vor der Krise erreicht – unterstützt durch Konjunkturprogramme und Investitionspakete.

Dieses Szenario ist nicht komplett unrealistisch, schließlich ist die Krise für Deutschlands Unternehmen am Ende auch eine Chance. Sie wird Veränderungsprozesse wie die Digitalisierung oder den Ausbau von Gesundheitsdienstleistungen beschleunigen, was der Wirtschaft neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnet. Es kann aber auch ganz anders kommen, was sehr viel mit der Schwere dieser Krise zu tun hat: Wenn die Verbraucher tatsächlich wegen der krisenbedingten Verunsicherung mehr sparen, dann könnten die Unternehmen weniger Waren und Dienstleistungen absetzen. Das Wirtschaftswachstum würde zurückgehen.

Hinzu kommt: Es zeichnet sich ab, dass die Pandemie die internationale Arbeitsteilung einschränkt. Wenn Grenzen stärker kontrolliert und weltweite Lieferketten aufgesprengt werden, dann trifft das vor allem eine Exportnation wie Deutschland hart. Die Wirtschaft wird sich zwar an die neuen Gegebenheiten anpassen – aber das ist ein mühsamer Prozess, der „die Wachstumskräfte negativ beeinflussen könnte“, wie es in einer Studie des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel heißt.

Das Institut erwartet deshalb, dass dem tiefen Einbruch eine schleppende Erholung folgt. Es gibt auch schon einen Namen für diesen Konjunkturverlauf: Swoosh-Recovery, nach dem so bezeichneten Logo der Sportartikelfirma Nike. Das Logo sieht aus wie ein verzerrtes V – es geht steil runter und dann viel flacher wieder nach oben. Für die Schuldendynamik wäre solch eine Wachstumskurve schlecht, zumal die Alterung der Bevölkerung zusätzlich die Wirtschaft zu bremsen droht. Die Mehrzahl der Ökonomen geht inzwischen davon aus, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland langfristig nicht mehr so hoch liegen wird wie früher, sondern irgendwo zwischen einem und zwei Prozent pro Jahr.

Etatsaldo
Die dritte Schlüsselgröße in der Schuldenpolitik kann die Politik anders als Zinsen und Wachstum direkt steuern: den jährlichen Etatsaldo. Wenn ein Staat einen Haushaltsüberschuss erwirtschaftet, dann kann er mit dem Geld Schulden abbauen. Der Schuldenstand sinkt. Bleibt am Ende eines Jahres ein Defizit übrig, dann muss der Fehlbetrag durch zusätzliche Kredite gedeckt werden. Der Schuldenstand steigt.

In der Praxis wird für die Berechnung der Schuldenentwicklung allerdings nicht der normale Haushaltssaldo herangezogen, sondern der sogenannte Primärsaldo, also das Haushaltsergebnis ohne Zinszahlungen. Dieser Primärsaldo wird dann wichtig, wenn eine Kombination aus niedrigem Wachstum und hohen Zinsen zu einem starken Anstieg der Verschuldung führen würde. In einem solchen Fall muss die Regierung gegensteuern, indem sie Überschüsse erwirtschaftet. In der Geschichte ist das immer wieder vorgekommen. Das britische Königreich beispielsweise hat seine nach den napoleonischen Kriegen ruinierten Staatsfinanzen im 19. Jahrhundert durch hohe Überschüsse saniert, wie der in Bonn lehrende Wirtschaftshistoriker Moritz Schularick gezeigt hat. Dagegen blieben solche Sparmaßnahmen nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges weitgehend aus: Die Konsolidierung gelang, weil das Wachstum hoch war und der Zins niedrig.

Und heute? Wenn das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren im Schnitt eineinhalb Prozent beträgt und die Zinsen bei null Prozent liegen, dann müsste die Regierung einen Primärüberschuss von einem Prozent erwirtschaften, damit die Schuldenquote in zehn Jahren wieder auf den Stand von Anfang 2020 fällt. Wenn für dieses Ziel 20 Jahre angesetzt werden, dann reicht sogar ein ausgeglichener Primärhaushalt. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahrzehnt lag Deutschlands Überschuss immer bei über zwei Prozent.

Das bedeutet: Auch wenn das Staatsdefizit derzeit rasant ansteigt – falls die Wirtschaft nicht komplett abstürzt und falls die Zinsen nicht deutlich steigen, dürfte sich die Staatsverschuldung auch ohne einschneidende Sparmaßnahmen oder Steuererhöhungen wieder unter Kontrolle bringen lassen.

Wirtschaftsentwicklung in Corona-Zeiten – Stand Mitte Mai 2020

(Morning Briefing) – Mitten im Frühling hat der Schlussverkauf begonnen: Aber nicht der von T-Shirts, Turnschuhen und Bademoden, sondern der von Dax-Konzernen und familiengeführten Unternehmen des Mittelstandes. Die Nebenwirkungen der Pandemie-Bekämpfung haben die Preise für die deutschen Unternehmen radikal gesenkt.

► ThyssenKrupp ist nur noch ein Schatten seiner selbst. 4,93 Euro wurde zuletzt pro Aktie aufgerufen, das bedeutet eine Marktkapitalisierung von 3,1 Milliarden Euro. Im Januar 2018, als der Konzern seine höchste Marktkapitalisierung der vergangenen Jahre vorweisen konnte, war das Unternehmen noch das Sechsfache wert. Vergangenheit vergeht.

► Beim Düngemittelkonzern K+S sieht es nicht besser aus. Lag die Marktkapitalisierung im Juni 2015 noch bei 7,4 Milliarden Euro, sind es mit einem Wert von einer Milliarde Euro heute 85 Prozent weniger. Der Abstieg eines Superstars.

► Der Modekonzern Boss kam im August 2015 noch auf einen Marktwert von 7,7 Milliarden Euro, gestern waren es nur noch 1,7 Milliarden – ein Minus von 78 Prozent. Die Amerikaner würden von einem blowout sale sprechen: Alles muss raus.

Insgesamt haben die Dax-gelisteten 30 Unternehmen seit dem Höchststand am 19. Februar dieses Jahres 21,5 Prozent ihrer Performance verloren. Und das ist nur der Durchschnittswert, der durch erfolgreiche Unternehmen wie SAP und Linde nach oben frisiert wird. Übernahmekandidaten erkennt man daran, dass sie weit überdurchschnittlich verloren haben und heute oft weniger wert sind, als der Buchwert in der Bilanz ausweist:

► War Daimler am 21. Mai 2015 noch 96,7 Milliarden Euro wert, waren es mit Börsenschluss gestern Abend nur noch 33,1 Milliarden Euro – ein Wertverfall von rund 66 Prozent.

Überall da, wo kein starker Ankeraktionär vor feindlicher Übernahme schützt, wirken diese Schnäppchenpreise am Unternehmensmarkt wie ein Köder für ausländische Investoren. Dem aufmerksamen Chef des Kartellamtes sind die Begehrlichkeiten nicht entgangen. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung sagt Andreas Mundt:

„Es kann durchaus eine Übernahmewelle geben. Das wird kein Gang durch den Rosengarten. Denken sie an sogenannte Sanierungsfusionen, wenn Unternehmen in großer Not übernommen werden. Oder denken Sie an mögliche Übernahmen durch ausländische Großunternehmen, etwa durch chinesische Staatsunternehmen.“