Archiv der Kategorie: Erde, Klima, Umweltschutz

Wetter wird durch Urin von Schweinen und anderen Lebewesen beeinflusst

(KIT) – In zwölf bis 18 Kilometern Höhe über dem Mittleren Osten und Asien erstreckt sich die Asiatische Tropopausen-Aerosolschicht (ATAL). Diese Ansammlung von Aerosolen wurde 2011 zum ersten Mal im asiatischen Monsun nachgewiesen, ihre Zusammensetzung und Wirkung waren bisher jedoch nicht erforscht. Ein europäisches Konsortium von Wissenschaftlern konnte nun erstmals zeigen, dass diese Schicht aus kristallinem Ammoniumnitrat besteht. Wie dieses in der oberen Troposphäre entsteht haben die Klimaforscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) in der Wolkenkammer AIDA nachgewiesen. Seine Ergebnisse stellt das Konsortium in der Zeitschrift Nature Geoscience vor.

Das Forscherteam hat mit einer hoch spezialisierten Kombination aus Fernerkundungsmessungen, in-situ-Messungen, meteorologischen Modellrechnungen, dezidierten Labormessungen und detaillierten numerischen Simulationen die Verteilung und Zusammensetzung der Aerosole in der ATAL untersucht. Aerosole sind kleinste Schwebeteilchen aus vielfältigen natürlichen und vom Menschen verursachten Quellen. In der Atmosphäre dienen sie als Kondensationskerne, an die sich gasförmiger Wasserdampf anlagert und dadurch Wolkentröpfchen bildet. Das Team konnte nun erstmals ein Forschungsflugzeug in die oberen Stockwerke des asiatischen Monsuns bringen und dort Schlüsselprozesse von globaler Bedeutung erforschen. Die verschiedenen Methoden und Instrumente ergänzten sich so, dass sie die Messwerte gegenseitig bestätigen konnten. Beteiligt waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), des Forschungszentrums Jülich (FZJ), der Johannes Gutenberg-Universität und des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz, des Alfred-Wegener-Instituts, der Bergischen Universität Wuppertal sowie des Laboratoire de Météorologie Dynamique in Paris und des Istituto di Scienze dell’Atmosfera e del Clima in Rom.

„Überraschenderweise konnten wir in weiten Teilen der ATAL kristallines Ammoniumnitrat als Hauptbestandteil nachweisen“, erklärt Dr. Michael Höpfner vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Spurengase und Fernerkundung des KIT. Die unerwarteten Ergebnisse, die unter anderem das Messinstrument GLORIA des KIT und des Forschungszentrums Jülich lieferte, konnten die Klimaforscher in der „Wolkenkammer“ AIDA am KIT bestätigen: „Unsere Experimente zeigten, dass, entgegen der allgemeinen Lehrmeinung, flüssige Ammoniumnitrat-Tröpfchen bei kleinen, hauptsächlich schwefelhaltigen Verunreinigungen und minus 50 Grad zu festen Teilchen kristallisieren, die auch bei den Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsbedingungen der oberen Troposphäre bestehen bleiben“, so Dr. Robert Wagner vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Aerosolforschung des KIT. Mit Satellitenbeobachtungen konnten die Forscher tatsächlich große Mengen Ammoniumnitrat-Aerosole über Asien zurück bis ins Jahr 1997 nachweisen – ein Jahr, in dem die ATAL als noch nicht existent galt.

„Damit haben wir das langjährige Rätsel über die Zusammensetzung der ATAL gelöst“, sagt Michael Höpfner. Denn bisher galt es als unwahrscheinlich, dass dieses Aerosol in solch großen Höhen vorkommt, da Regen das Vorläufergas Ammoniak sehr schnell aus der Atmosphäre wäscht. „Jedoch konnten wir beispiellose Ammoniak-Konzentrationen während des asiatischen Monsuns feststellen: Die Werte sind bis zu 50 Mal höher als in zurückliegenden Messungen“, so Höpfner. Seinen Ursprung hat dieses Ammoniak vor allem in der Landwirtschaft, besonders bei der Viehhaltung und der Düngemittelanwendung. In Asien sind heute die höchsten Ammoniak-Emissionen festzustellen. Während des Monsuns werden die verschmutzen Luftmassen von der Landoberfläche in Höhen bis zu 18 Kilometer transportiert. Hier reagiert Ammoniak zu Ammoniumnitrat, einem Aerosol, das sowohl die Bildung als auch die Eigenschaften von Wolken beeinflusst.

„Unsere Daten beweisen zum ersten Mal, dass Ammoniumnitrat-Aerosole in der oberen Troposphäre während des asiatischen Monsuns allgegenwärtig sind“, sagt Höpfner. Diese Ergebnisse sind vor allem für die Wechselwirkungen von Wolken und Aerosolen wichtig, eine der größten Unsicherheiten in der Klimamodellierung. Zudem belegen sie, dass das am Boden emittierte Ammoniak großen Einfluss auf die Prozesse in der oberen Troposphäre – und möglicherweise das asiatische Klima – hat.

Ammoniak auf der Spur: Messinstrument GLORIA und Wolkenkammer AIDA
Die Flugzeugkampagne war Teil des Projekts StratoClim, in dem 37 wissenschaftliche Organisationen aus elf europäischen Ländern, den USA, Bangladesch, Indien und Nepal unter Leitung des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung zusammenarbeiten. Das Höhenforschungsflugzeug M55-Geophysika trug dabei 25 speziell entwickelte Messinstrumente in Flughöhen von über 20 Kilometern Höhe, etwa zweifach höher als übliche Flugzeuge erreichen können. Ein wesentliches Messinstrument an Bord der Geophysika war das Infrarotspektrometer GLORIA (Gimballed Limb Observer for Radiance Imaging of the Atmosphere), welches die Höhenverteilung unterschiedlichster Spurengase entlang des Flugpfads misst. Bei ihren Flügen hatten die Forscher insbesondere Ammoniak im Blick, da es maßgeblich an der Bildung von Aerosolpartikeln beteiligt ist. GLORIA ist das derzeit einzige Instrument, das Ammoniak in diesen Höhen messen kann.

Mit Daten des Satelliteninstruments MIPAS (Michelson Interferometer for Passive Atmospheric Sounding) des IMK-ASF am KIT, das zwischen 2002 und 2012 gleichzeitig die Höhenverteilung von mehr als 30 Spurengasen vermaß, konnten die Wissenschaftler erstmals simultan die globale Verteilung von Ammoniak und Ammoniumnitrat erfassen. Die Wissenschaftler nutzten für ihre Untersuchungen auch die Anlage AIDA (Aerosol-Interaktionen und -Dynamik in der Atmosphäre) am Campus Nord des KIT. Sie bietet weltweit einzigartige Möglichkeiten, Aerosol- und Wolkenprozesse unter atmosphärischen Bedingungen zu untersuchen. In der Anlage lassen sich alle in der unteren und mittleren Atmosphäre vorkommenden Temperatur- und Druckverhältnisse simulieren.
Sarah Werner

Wissenschaftlich gemessen: Wirbel von schwarzen Löchern im Universum

(pte) – Forschern an der NASA  ist es dank Röntgentechnologie gelungen, die Geschwindigkeit der Wirbel von fünf supermassiven schwarzen Löchern zu messen. „Die Masse in einem dieser kosmischen Wirbel bewegt sich mehr als 70 Prozent der Lichtgeschwindigkeit um sein schwarzes Loch herum“, schreiben die Forscher. Den Astronomen zufolge beschleunigt sich die Drehung von schwarzen Löchern durch die zunehmende Masse, die sie konsumieren.

Vergrößerung durch Krümmung von Raum und Zeit
Um die schwarzen Löcher untersuchen zu können, benutzten sie das Röntgenteleskop des Satelliten Chandra. Sie machten sich auch ein physikalisches Phänomen zunutze, das bereits Albert Einstein festgestellt hatte: den Gravitationslinseneffekt. Dieser bedeutet, dass es durch die Krümmung von Raum und Zeit durch eine große Masse möglich ist, weit entfernte Objekte vergrößert zu sehen.

Im Falle des NASA-Experimentes handelte es sich bei der großen Masse um eine große Galaxie. So konnten die Astronomen sechs Quasare studieren, die sich in einer Entfernung von der Erde von bis zu 10,9 Mrd. Lichtjahre befinden. Die Quasare bestehen alle aus einem schwarzen Loch, welches unaufhörlich Masse konsumiert.

Ereignishorizont dreht sich mit Lichtgeschwindigkeit
Für die Messung des Wirbels selbst verwendeten die Forscher den sogenannten Mikrolinseneffekt. Bei diesem konnten individuelle Sterne in der Galaxie zwischen Erde und Quasaren verwendet werden, um eine noch stärkere Vergrößerung zu erreichen. Die Astronomen gingen davon aus, dass schwarze Löcher, die in einem relativ kleinen Raum Röntgenstrahlen aussenden, sich schneller drehen müssen.

So konnten sie feststellen, dass sich der „Einsteinkreuz“ genannte Quasar mit der höchsten möglichen Geschwindigkeit dreht. Sie schätzen, dass sich der Ereignishorizont von dessen schwarzen Loch mit Lichtgeschwindigkeit dreht. Die anderen vier würden sich mit etwa der Hälfte dieser Geschwindigkeit drehen, eines konnte nicht gemessen werden. Der Grund für diese Geschwindigkeit ist möglicherweise die Masse, welche die schwarzen Löcher über Milliarden von Jahren angesammelt haben. Sie würden sich in einer immer gleichen Drehbewegung befinden, die durch die angehäufte Masse immer weiter beschleunigt wird.

So sollen Lebensmittel-Verpackungen sein: Umweltfreundlich und leicht zu entsorgen

(BZfE) – Viele Verbraucher versuchen, bereits beim Einkauf von
Lebensmitteln Verpackungsmüll zu vermeiden. Das zeigt die Untersuchung
„Für die Tonne“ des Marktforschungsinstituts YouGov. Mehr als 1.000
Personen ab 18 Jahren wurden interviewt. Außerdem gingen Informationen aus
der YouGov-Datenbank in die Analyse ein, für die jährlich 70.000 Deutsche
kontinuierlich befragt werden.

Was wünschen sich Konsumenten von Lebensmittelverpackungen? Das hängt vom
Produkt ab. Bei Trockenwaren wie Nudeln, Süßigkeiten sowie Obst und
Gemüse steht die Umweltfreundlichkeit an erster Stelle. Einfache
Entsorgungsmöglichkeiten sind bei Trockenwaren und Süßwaren ein weiteres
wichtiges Kriterium. Bei Früchten und Gemüse muss für 45 Prozent der
Befragten der Inhalt in der Verpackung deutlich sichtbar sein, um Frische
und Qualität beurteilen zu können. Bei leicht verderblichen
Nahrungsmitteln wie Frischwaren und Milchprodukten legen die Verbraucher
den höchsten Wert auf Hygieneaspekte wie die Vermeidung von Keimen (63 und
58 %), während die Umweltfreundlichkeit bereits auf dem zweiten Platz
folgt (53 und 54 %).

Beim Einkauf von Lebensmitteln greift inzwischen ein Großteil der Kunden
der Umwelt zuliebe zu Produkten, die weniger Müll verursachen – darunter
deutlich mehr Ältere ab 60 Jahren (81 %) als unter 30-Jährige (62 %).
Knapp die Hälfte der Deutschen hat sich bereits einmal gegen ein Produkt
entschieden, weil es in Plastik verpackt war. Mehr als jeder Zweite würde
sogar die Haupteinkaufsstätte wechseln, wenn ein anderer Supermarkt in der
Nähe eine umweltfreundliche Verpackung für seine Produkte anbieten
würde.

Allerdings sind solche Umfragen im Konjunktiv und die tatsächliche
Bereitschaft, das in der Praxis umzusetzen zumindest fraglich. Dennoch
geben sie einen gesellschaftlichen Anhaltspunkt, wo langfristig die Reise
hingeht.
Heike Kreutz

Ist die batteriebetriebene Elektromobilität auf dem Holzweg ? Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Liebe Besucher meiner Homepage,
der unten stehende interessante Artikel bestätigt meine These, dass mit Batterie betriebene Elektroautos die CO2-Bilanz weltweit leider nicht verbessern werden.

Schon seit vielen Jahren bemühe ich mich, eine Alternative zu finden, die unmittelbar einsetzbar ist und der Elektromobilität auf andere Weise Vorschub leisten könnte. Sie kostet trotzdem ebenso wie das reine Elektroauto 100%ig die geniale Erfindung des neuen elektromotorischen Antriebs aus. Ein weiterer Vorteil: Ein Getriebe wird überflüssig und die Batteriekapazität kann auf ein Drittel reduziert werden. Selbstverständlich kann die Bewegungsenergie beim Bremsen spritsparend regeneriert werden. Dazu ist nichts anderes notwendig, als ein Abgas-optimierter Lademotor – ob Diesel, Benziner oder Turbine. Eine Technologie, die in Perfektion vorhanden ist. Die Umdrehungszahl des Lademotors kann auf den besten Wirkungsgrad eingestellt werden und seine Abwärme löst auch das Problem der Heizung und des Klimaaggregats, das sonst die Reichweite reiner Elektroautos erheblich verringert.

Im Übrigen könnte der Motor demnächst mit regenerativem Treibstoff angetrieben werden. Diese sogenannte modifizierte Hybrid-Lösung ermöglicht es, extrem leichte Autos zu konstruieren, die bestenfalls ein bis drei Liter – je nach Größe – Treibstoff auf 100 Kilometern benötigen.

Eine langfristige Perspektive bildet der mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Antrieb.
Ihr Jean Pütz

(STIMME DES WESTENS) – In Deutsch­land ver­engt sich die Dis­kus­si­on über die An­trie­be der Zu­kunft auf die höchst pro­ble­ma­ti­schen Bat­te­rie­au­tos. In Chi­na, dem glo­ba­len Leit­markt für Elek­tro­mo­bi­li­tät, steu­ert man be­reits um. Das soll­ten wir auch.

Viel­leicht lie­fe in Deutsch­land ei­ni­ges an­ders, wenn im Land der In­ge­nieu­re auch mal ein In­ge­nieur Mi­nis­ter wür­de. So ei­ner wie Wan Gang. In der 80ern stu­dier­te er in Deutsch­land An­triebs­tech­nik, be­vor er zehn Jah­re lang in der Ent­wick­lungs­ab­tei­lung bei Au­di ar­bei­te­te. Dann kehr­te er nach Chi­na zu­rück und wur­de 2007 zum Mi­nis­ter für Wis­sen­schaft und Tech­no­lo­gie be­ru­fen. In der Au­to­bran­che hat Wan ei­nen Ruf wie Don­ner­hall: Er ist der Ar­chi­tekt der chi­ne­si­schen Elek­tro­au­to-Re­vo­lu­ti­on.

In nur ei­ner De­ka­de ent­wi­ckel­te sich un­ter Wans Ägi­de in Chi­na dank mas­si­ver staat­li­cher Sub­ven­tio­nen und ge­ziel­ter Ge­setz­ge­bung der welt­größ­te Markt für bat­te­rie­be­trie­be­ne Fahr­zeu­ge. Deut­sche Po­li­ti­ker wer­den nicht mü­de, auf das Bei­spiel Chi­na zu ver­wei­sen, wenn es dar­um geht, die Elek­tro­mo­bi­li­tät zu prei­sen. Und auch Her­bert Diess, Chef des welt­größ­ten Au­to­kon­zerns Volks­wa­gen, hat sich nicht zu­letzt mit Blick auf Chi­na, wo VW 40 Pro­zent sei­ner Pro­duk­ti­on ab­setzt, voll dem Bat­te­rie­an­trieb ver­schrie­ben und will Mil­li­ar­den in die­se Tech­no­lo­gie in­ves­tie­ren.

Der­weil wird in Chi­na das Ru­der schon wie­der her­um­ge­wor­fen, und aus­ge­rech­net Wan Gang gab im April am Ran­de ei­ner Au­to­mes­se in Shang­hai das Si­gnal da­für. Nicht der der Li­thi­um-Io­nen-Bat­te­rie, son­dern der mit Was­ser­stoff be­trie­be­nen Brenn­stoff­zel­le ge­hö­re die Zu­kunft, sag­te der 66-Jäh­ri­ge, der im ver­gan­ge­nen Jahr aus der Re­gie­rung aus­schied und jetzt Prä­si­dent ei­ner Wis­sen­schafts­ver­ei­ni­gung ist. Kurz dar­auf be­stä­tig­te ein Spre­cher des In­dus­trie­mi­nis­te­ri­ums die neu­en Prio­ri­tä­ten in Pe­king: Man wer­de die Markt­ein­füh­rung der Brenn­stoff­zel­le for­cie­ren, denn der Bat­te­rie­an­trieb sei auf lan­ge Sicht für län­ge­re Dis­tan­zen so­wie den Schwer­last­ver­kehr un­ge­eig­net.

Be­reits En­de März hat­te die Re­gie­rung die bis­her üp­pi­gen Sub­ven­tio­nen für Bat­te­rie­au­tos um zwei Drit­tel ge­kürzt. Im kom­men­den Jahr soll die För­de­rung dann ganz ge­stri­chen wer­den, wäh­rend sie für Brenn­stoff­zel­len­au­tos vor­erst wei­ter­läuft. Für ei­ni­ge Her­stel­ler dürf­te das ex­trem schmerz­haft wer­den. Al­lein BYD, Chi­nas Markt­füh­rer bei Bat­te­rie­fahr­zeu­gen, hat nach Schät­zun­gen in den ver­gan­ge­nen fünf Jah­ren vom Staat fast ei­ne Mil­li­ar­de Eu­ro für sein Elek­tro­pro­gramm er­hal­ten.

Nach Ein­schät­zung von Be­ob­ach­tern sind es aber nicht al­lein tech­ni­sche Grün­de, die zu ei­nem Um­den­ken der Re­gie­rung ge­führt ha­ben. Im­mer stär­ker sei den chi­ne­si­schen Be­hör­den auch be­wusst ge­wor­den, wie schlecht die Öko­bi­lanz der Bat­te­rie­au­tos in Wirk­lich­keit sei. Vor al­lem die ex­trem um­welt­schäd­li­che und res­sour­cen­ver­schlin­gen­de Ge­win­nung der nö­ti­gen Schwer­me­tal­le für die Bat­te­rie­fer­ti­gung wie auch die spä­te­re Ent­sor­gung gif­ti­ger Ab­fäl­le be­rei­te zu­neh­mend Sor­gen. Und dann gibt es da noch das Pro­blem mit den Bat­te­rie­brän­den bei E-Au­tos: Mehr als 40 sol­cher Vor­fäl­le wur­den im ver­gan­ge­nen Jahr in Chi­na re­gis­triert.

Nun ist ja auch der Um­gang mit Was­ser­stoff kei­ne ba­na­le An­ge­le­gen­heit, was die Ex­plo­si­on ei­ner Was­ser­stoff­tank­stel­le in Nor­we­gen erst un­längst wie­der in Er­in­ne­rung ge­ru­fen hat. Trotz­dem, so be­rich­te­te die „Chi­na Dai­ly News“, ha­be die Re­gie­rung in Pe­king ehr­gei­zi­ge In­fra­struk­tur­plä­ne. So wer­den zur Ver­sor­gung von ei­ner Mil­li­on Was­ser­stoff­au­tos, die bis 2030 auf Chi­nas Stra­ßen fah­ren sol­len, Dut­zen­de „Was­ser­stoff­kor­ri­do­re“ ent­ste­hen.

Ei­ne flä­chen­de­cken­de Ver­sor­gung mit dem ex­trem flüch­ti­gen Gas bleibt die größ­te Her­aus­for­de­rung, um der Was­ser­stoff-Mo­bi­li­tät zum Durch­bruch zu ver­hel­fen. Und da steht Deutsch­land mit sei­ner star­ken che­mi­schen In­dus­trie gar nicht so schlecht da. Hier­zu­lan­de exis­tiert mit der­zeit 70 öf­fent­lich zu­gäng­li­chen Stand­or­ten das welt­weit zweit­größ­te Netz an Was­ser­stoff­tank­stel­len. Nur in Ja­pan gibt es mit 96 noch mehr; in Chi­na sind es bis­her nur ein gu­tes Dut­zend. Be­zo­gen auf die Be­völ­ke­rungs­zahl hat aber Dä­ne­mark mit acht Zapf­säu­len das dich­tes­te Netz. Ge­plant ist in Deutsch­land der Aus­bau auf 400 Stand­or­te, aber bei sys­te­ma­ti­scher Auf­rüs­tung klas­si­scher Tank­stel­len lie­ße sich die­se Zahl schnell er­hö­hen. Es ist ei­ne Fra­ge des Gel­des: Die Kos­ten für den Bau ei­ner Was­ser­stoff­tank­stel­le be­gin­nen bei ei­ner Mil­li­on Eu­ro.

Die Fra­ge, wie der Was­ser­stoff am ef­fi­zi­en­tes­ten zum Kun­den trans­por­tiert wer­den kann, ist noch nicht ab­schlie­ßend ge­klärt. Am gän­gigs­ten ist bis­her die Me­tho­de, das Gas mit 700 Bar Druck zu ver­dich­ten und in Tanks zu fül­len oder es un­ter mi­nus 253 Grad Cel­si­us ab­zu­küh­len, um es zu ver­flüs­si­gen. Deut­sche For­scher ha­ben zu­dem ei­ne Me­tho­de ent­wi­ckelt, den Was­ser­stoff an ei­ne Trä­ger­sub­stanz zu bin­den, so dass ei­ne si­cher trans­por­tier­ba­re die­sel­ähn­li­che Flüs­sig­keit ent­steht. In Skan­di­na­vi­en setzt man da­ge­gen zu­neh­mend auf Was­ser­stoff­tank­stel­len, die das Gas di­rekt vor Ort per Elek­tro­ly­se her­stel­len. Be­nö­tigt wer­den da­für le­dig­lich Was­ser und Strom – idea­ler­wei­se ge­lie­fert di­rekt von ei­nem na­he ge­le­ge­nen Wind­park.

Kei­nes die­ser Ver­fah­ren kommt bis­her oh­ne grö­ße­re Ef­fi­zi­enz­ver­lus­te aus, aber so­lan­ge in Deutsch­land gro­ße Men­gen Wind- und So­lar­strom we­gen dro­hen­der Netz­über­las­tung nicht ver­wer­tet wer­den kön­nen (und die Ver­brau­cher da­für auch noch Hun­der­te Mil­lio­nen Eu­ro be­zah­len müs­sen), wä­re die Her­stel­lung von Was­ser­stoff per Elek­tro­ly­se im­mer­hin ei­ne ele­gan­te Form der Spei­che­rung der über­schüs­si­gen En­er­gie.

Wie Wan Gang glau­ben da­her auch deut­sche In­ge­nieu­re an ei­ne gro­ße Zu­kunft des Was­ser­stoffs. In ei­ner im Mai pu­bli­zier­ten Stu­die des Ver­eins Deut­scher In­ge­nieu­re und des Ver­bands der Elek­tro­tech­nik war­nen die Au­to­ren ein­dring­lich da­vor, ein­sei­tig auf die bat­te­rie­be­trie­be­ne E-Mo­bi­li­tät zu set­zen. Die gleich­be­rech­tig­te För­de­rung der Was­ser­stoff-Tech­no­lo­gie sei un­ver­zicht­bar, um Deutsch­lands en­er­gie- und um­welt­po­li­ti­sche Zie­le zu er­rei­chen. Man könn­te auch sa­gen: VW-Chef Diess ist schwer auf dem Holz­weg.
MAT­THI­AS BEER­MANN

IN­FO
Sau­ber, sehr ef­fi­zi­ent, aber auch noch sehr teu­er. Ei­ne Brenn­stoff­zel­le ist kein En­er­gie­spei­cher wie ei­ne Bat­te­rie, son­dern ein En­er­gie­wand­ler. In der Zel­le re­agiert Was­ser­stoff mit dem Sau­er­stoff aus der Luft. Da­bei ent­ste­hen Was­ser, Strom und Wär­me. Die­se Re­ak­ti­on wird auch als „kal­te Ver­bren­nung“ be­zeich­net.

An­wen­dung Brenn­stoff­zel­len eig­nen sich auch für sta­tio­nä­ren Ein­satz (z.B. zum Hei­zen von Ge­bäu­den). Au­tos mit sol­chen Zel­len sind er­heb­lich leich­ter als Bat­te­rie­fahr­zeu­ge. Sie las­sen sich eben­so schnell be­tan­ken wie kon­ven­tio­nel­le Au­tos, auch ih­re Reich­wei­te ist ver­gleich­bar. Der Ver­brauch be­trägt et­wa ein Ki­lo­gramm Was­ser­stoff auf 100 Ki­lo­me­ter.

Kos­ten Ein Ki­lo­gramm Was­ser­stoff kos­tet an der Tank­stel­le 9,50 Eu­ro. Vier bis fünf Ki­lo­gramm fasst der Tank der meis­ten Fahr­zeu­ge. Noch gibt es nur sehr we­ni­ge Was­ser­stoff-Pkw, die ent­spre­chend teu­er sind. Der To­yo­ta Mi­rai kos­tet rund 78.000 Eu­ro.

Her­stel­lung Der größ­te Teil der heu­ti­gen Was­ser­stoff­pro­duk­ti­on ent­steht als Ne­ben­pro­dukt in der che­mi­schen In­dus­trie, vor al­lem aus Erd­gas. Da­ne­ben ist die Elek­tro­ly­se von Was­ser am ge­bräuchlisten.

Zum 80. Geburtstag von Ernst Ulrich von Weizsäcker

(VDW) – Der international bekannte Vordenker für Nachhaltigkeit und Umweltthemenfeiert seinen 80. Geburtstag. Sein Ansatz „Faktor 4: Doppelter Wohlstand –
halbierter Ressourcenverbrauch“ und die damit verbundene Forderung nach
einer ökologischen Steuerreform haben in Deutschland und auf der ganzen Welt
zahlreiche Persönlichkeiten inspiriert. Als verantwortlicher Wissenschaftler
und brückenbauender Politiker hat er sich weltweit einen Namen gemacht.
Seine Ideen sind angesichts des Artensterbens und der Klimakrise sowie dem
Ringen um Lösungen hochaktuell und von höchster Bedeutung. Er setzt sich
unermüdlich, aber dennoch optimistisch für Ressourceneffizienz,
wirtschaftliches Umdenken und die Entlastung unserer Ökosysteme ein. Diese
Themen treibt auch die Vereinigung Deutscher Wissenschaftler (VDW) mit
voran.

Am Tag seines Geburtstags veranstaltet die Vereinigung Deutscher
Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit dem Wuppertal Institut für Klima,
Umwelt, Energie und der Deutschen Gesellschaft Club of Rome ein
interdisziplinäres Symposium in Berlin. Auf diesem werden Politiker,
Wissenschaftler und Teilnehmende aus allen Generationen an den genannten
Themen arbeiten und Lösungsstrategien entwickeln. Neben
Bundesumweltministerin Svenja Schulze, dem früheren Bundespräsidenten Horst
Köhler und dem Fernsehjournalisten und Mediziner Eckart von Hirschhausen
wird auch Ernst Ulrich von Weizsäcker selbst sprechen.

„Wir brauchen weniger Untergangs- sondern Übergangsszenarien. Übergänge in
eine Welt, die mehr Freude macht als die jetzige. Wir brauchen eine
ansteckende positive Vision von einer Welt, für die wir nicht verzichten
„müssen“, sondern gerne loslassen von dem, was uns eh nicht glücklich macht.
Und genau dafür steht Ernst Ulrich von Weizsäcker“, sagt Eckart von
Hirschhausen.

„Ernst Ulrich von Weizsäcker liefert immer Neues zu Lösungen – und das
druckreif“, sagt Hartmut Graßl, ehemaliger Direktor am Max-Planck-Institut
für Meteorologie und Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler,
die Themen von Ernst Ulrich von Weizsäcker in ihrer Agenda vorantreibt.

„Die Preise müssen die ökologische Wahrheit sagen“, ist eine der
Forderungen, von denen Ottmar Edenhofer, Direktor am Potsdam-Institut für
Klimaforschung (PIK) inspiriert wurde. „Auch wenn wir noch weit entfernt
davon sind, muss es uns gelingen das umzusetzen, um eine sozial verträgliche
und ökologische Marktwirtschaft aufbauen zu können, sagt er und dankt Ernst
Ulrich von Weizsäcker für seine Erdpolitik, die dringender ist denn je.

„Ernst Ulrich von Weizsäcker hat tiefe Spuren in der deutschen Umwelt- und
Klimapolitik hinterlassen“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der
Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die von Weizsäcker bereits 2008 mit
ihrem Deutschen Umweltpreis auszeichnete. Bonde lobt auch seine
herausragende Leistung als Wissenschaftler: „Er hat stets die Nähe zur
Öffentlichkeit und praktischen Umsetzung seiner Ideen gesucht.“

Bei der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler gingen viele
Geburtstagswünsche per Videobotschaft ein, von Ministern, Wissenschaftlern,
Unternehmern und Journalisten. Diese unterstreichen auf vielfältige Weise
die Bedeutung und Gestaltungsmacht von Ernst Ulrich von Weizsäcker.

Über Ernst Ulrich von Weizsäcker
Weizsäcker ist langjähriges und engagiertes Mitglied in der Vereinigung
Deutscher Wissenschaftler, die er viele Jahre als Vorstandsvorsitzender
leitete. Er war Gründungspräsident des Wuppertal Instituts für Klima,
Umwelt, Energie und gab dem Club of Rome als Ko-Präsident gemeinsam mit
Anders Wijkman und der vielbeachteten Publikation „Come on“ (Deutsch: Wir
sind dran) in den letzten Jahren eine klare Ausrichtung auf die großen
Herausforderungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Ökologie.

Neuronale Netze in der Wettervorhersage

(KIT) – Gewitter, Sonne, Kälte, Hitze – wie unbeständig das Wetter sein kann, zeigte der diesjährige Mai. Verantwortlich ist das „chaotische System“ Atmosphäre: physikalische Eigenschaften wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Bewölkung ändern sich ständig. Wetterprognosen versuchen, das Chaos vorherzusehen und zuverlässige Aussagen zu machen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Meteorologie und Mathematik des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) haben gemeinsam eine neue Methode entwickelt, die auf Basis von Künstlicher Intelligenz Fehler in der Wettervorhersage unter Berücksichtigung nicht-linearer Zusammenhänge korrigiert.

Luftmassen, die ständig in Bewegung sind, Temperaturen, die schwanken und sich ändernde Luftdruckverhältnisse machen die Atmosphäre über uns schwer berechenbar. Doch eben dies tun Meteorologen, um verlässliche Wettervorhersagen zu treffen. Als Grundlage nutzen sie dabei Messungen vom aktuellen Zustand der Atmosphäre und simulieren ausgehend davon alternative Szenarien: Sie verändern bewusst zum Beispiel die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit, und berechnen, wie sich diese Modifikation auf das Wetter auswirken könnte. Für jede Messgröße vergleichen sie bis zu 50 Szenarien. „Ähneln sich die Ergebnisse, deutet das darauf hin, dass eine Prognose mit diesen Werten relativ sicher und der Zustand der Atmosphäre in diesem Bereich stabil und gut vorhersagbar ist“, sagt Peter Knippertz vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT.

Diese Methode unterliegt jedoch systematischen Unsicherheiten, welche die Ergebnisse verzerren: „Die Computerszenarien können manche physikalischen Zusammenhänge nicht in der notwendigen Detailtiefe oder räumlichen Auflösung abbilden“, sagt Sebastian Lerch vom Institut für Stochastik des KIT, der eng mit Knippertz zusammenarbeitet. So fallen beispielsweise Vorhersagen über die Temperatur an bestimmten Orten stets zu mild, an anderen zu hoch aus, weil lokale, teils zeitlich variable Gegebenheiten den Modellen nicht mitgegeben werden können. Deshalb sei es nötig, die Ergebnisse der Simulationen mit aufwendigen statistischen Verfahren und Expertenwissen nachzubearbeiten, um bessere Prognosen und Eintrittswahrscheinlichkeiten für Wetterereignisse zu erhalten.

„Wir haben einen Ansatz entwickelt, der bessere Vorhersagen als etablierte Standardverfahren liefert“, so Lerch, der zugleich auch am Heidelberger Institut für Theoretische Studien (HITS) in der Gruppe von Tilmann Gneiting arbeitet, der am KIT einen Lehrstuhl innehat. Grundlage hierfür sind neuronale Netze, also Computerprogramme, die Informationen nach dem Vorbild des Gehirns verarbeiten. Die künstlichen Neuronen sind in Schichten angeordnet. So können die Mathematiker dem Netzwerk „antrainieren“, wie es bestimmte Daten optimal verarbeiten kann. Mit jeder Information, die in der Trainingsphase durch das Netzwerk fließt, sammelt es „Erfahrung“, kann sich kontinuierlich verbessern und so beispielsweise die Eintrittswahrscheinlichkeit von lokalen Wetterereignissen präzise bestimmen.

„Wir haben in unser Netzwerk eine Zwischenschicht eingefügt, in der die Neuronen die chaotischen, nicht-linearen Wechselwirkungen zwischen den Daten aus den Wettermessstationen und den physikalischen Zuständen der Atmosphäre in der Simulation analysieren und bewerten“, sagt Lerch. „So kann es eigenständig lernen, wie sich Veränderungen beispielsweise auf die Temperatur an einer bestimmten Messstation auswirken.“ Um ihr Netz zu trainieren, nutzen die Mathematiker Wetterdaten aus Deutschland, die 537 Wetterstationen von 2007 bis 2016 aufzeichneten. Eingangsgrößen für das neuronale Netz waren unter anderem die Bewölkung, Bodenfeuchte und Temperatur.

Die Prognosen, die das Netz getroffen hat, haben die Mathematiker mit Prognosen aus etablierten Techniken verglichen. „Unser Ansatz hat für fast alle Wetterstationen deutlich genauere Vorhersagen getroffen und ist wesentlich weniger rechenaufwendig“, fasst Lerch zusammen. Die Vorteile von neuronalen Netzen als Nachbearbeitungsverfahren lägen vor allem darin, dass sie nicht-lineare Zusammenhänge eigenständig erkennen und ihr Wissen darüber kontinuierlich anpassen können. Zudem können sie schneller große Datenmengen verarbeiten als bisherige Methoden und menschliche Experten. „Wir konnten so erstmals zeigen, dass sich neuronale Netze bestens dafür eignen, Wettervorhersagen zu verbessern und Informationen über meteorologische Prozesse zu erhalten.“

Überregionale Forschung für bessere Wettervorhersagen
Lerchs Forschung ist Teil des SFB/Transregios 165 „Waves to Weather“ (W2W), dessen Ko-Sprecher Knippertz ist. Wissenschaftler des KIT, der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München als Koordinator und der Johannes-Gutenberg-Universität (JGU) arbeiten hier überregional und interdisziplinär zusammen, um Wettervorhersagen noch genauer und zuverlässiger zu machen. Damit stellt sich W2W der aktuell größten Herausforderung in der Wettervorhersage: die Grenzen der Vorhersagbarkeit in verschiedenen Situationen zu identifizieren und jeweils die physikalisch bestmögliche Prognose zu erstellen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert den SFB seit 2015 und hat seine Förderung vor einigen Wochen für weitere vier Jahre verlängert.

Gift im Boden lässt sich einfach auswaschen

(pte) – Mit Schwermetallen verseuchte Böden lassen sich mit einer Chemikalie namens Ethylendiamintetraessigsäure (EDTA) vollkommen reinigen. Das haben Forscher der Stanford University herausgefunden. Bisher werden solche Böden, die auch in Deutschland vor allem auf früheren Industriegeländen zu finden sind, meist in Deponien gelagert.

Schneller und viel billiger
Das Team um Materialwissenschaftler Yi Cui vermischt EDTA mit Wasser. Der dann folgende Prozess ähnelt dem Aufbrühen von Kaffee, witzelt der Forscher. Die Flüssigkeit rieselt wie Wasser durchs Kaffeemehl hindurch den verseuchten Boden. Das EDTA bindet Metallionen an sich und reißt sie mit. Sie sammeln sich, wie der Kaffee in der Kanne, in einem Gefäß unterhalb des Erdreichs.

„Das ist ein neuer Ansatz, verseuchten Boden zu reinigen“, sagt Cui. Bisher funktioniert das Verfahren nur im Labor. Im nächsten Schritt wollen die Forscher eine Pilotanlage bauen, um die Technik unter realen Bedingungen zu erproben. „Dann finden wir auch heraus, wie teuer die Bodenreinigung ist“, so Cui. Wobei er jetzt schon überzeugt ist, dass es billiger ist als alle bisher getesteten Verfahren – und schneller geht.

Blei, Cadmium und Kupfer
Die Forscher haben bisher Böden gereinigt, die mit den hochgiftigen Schwermetallen Blei und Cadmium sowie mit Kupfer verseucht waren, das nur in hohen Konzentrationen gesundheitsgefährdend ist. Diesem ersten Schritt musste ein zweiter folgen, die Rückgewinnung von Wasser, EDTA und Schwermetallen. Dabei kam den Experten zugute, dass EDTA negativ geladen bleibt, auch wenn die positiv geladenen Ionen darauf fixiert waren.

In einem elektrischen Feld konnten die beiden Materialien voneinander getrennt werden. Übrig blieb EDTA in Wasser gelöst, das erneut zur Bodenreinigung verwendet werden kann. Cui will es jetzt mit anderen noch gefährlicheren Metallen versuchen, etwa mit Quecksilber, das so giftig ist, dass die experimentierenden Forscher Schutzkleidung tragen müssen.

Deutschlands Bedarf an Reserve-Kraftwerken verdoppelt sich

(WELT) – Die Zahl der Kraftwerke, die als Folge von Energiewende und Atomausstieg ausschließlich für den Notfall bereitgehalten werden müssen, steigt in den nächsten Jahren erneut auf Rekordwerte. „Es gibt nach wie vor einen Bedarf an Netzreserve, um das deutsche Stromnetz in kritischen Situationen stabil zu halten“, kommentierte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, die neueste Prognose. „Das macht die Bedeutung eines zügigen Netzausbaus deutlich.“

Laut der Bonner Behörde steigt der Bedarf an Reservekraftwerken bis zum Winter 2022/2023 auf den Rekordwert von 10.647 Megawatt. Damit muss eine Erzeugungskapazität, die umgerechnet der von zehn Atomkraftwerken entspricht, nur zum Zwecke der Stromnetzstabilisierung in Betrieb gehalten werden.

Zwar hatte es im Winter 2017/2018 einen noch höheren Reservebedarf von 11.400 Megawatt gegeben: Damals war allerdings auch noch Österreich Teil einer gemeinsamen Netzzone mit Deutschland. Durch den vom europäischen Netzbetreiberverband verfügten Hinauswurf Österreichs aus dem gemeinsamen Marktgebiet sank der Reservebedarf in Deutschland seither – ein Rückgang, der aber offenbar nur kurzfristig Bestand hat, wie sich jetzt zeigt.

Bei hoher Stromnachfrage und gleichzeitig hoher Erzeugung aus Windkraftanlagen muss das überlastete Netz in der Regel stabilisiert werden. Dann wird die Erzeugungsleistung vor dem Engpass vermindert und gleichzeitig die Erzeugungsleistung hinter dem Engpass erhöht. Das geschieht meist, indem die Stromnetzbetreiber Kraftwerke nördlich der Mainlinie drosseln und Anlagen südlich des Mains hochfahren.

In 27 Fällen hat Netzagentur Abschaltung untersagt
In der Regel greifen Netzbetreiber wie Amprion oder Tennet dabei auf Kraftwerke zu, die am normalen Strommarkt teilnehmen. In manchen Situationen reichen diese jedoch als Re-Dispatch-Kapazitäten nicht aus. Dann müssen Kraftwerke aus der eigens vorgehaltenen Netzreserve einspringen.

Diese Netzreserve besteht aus Kraftwerken, die von ihren Betreibern aus Wirtschaftlichkeitsgründen eigentlich stillgelegt werden sollten. Die Bundesnetzagentur kann die Stilllegung jedoch untersagen, wenn die Anlagen für den Betrieb des Stromnetzes unverzichtbar sind. Die Turbinen müssen dann gegen eine reine Kostenentschädigung ständig in Betriebsbereitschaft gehalten werden.

Bislang haben Energiekonzerne 110 Kraftwerksblöcke mit einer Kapazität von 22.000 Megawatt zur Stilllegung angemeldet. In 27 Fällen hat die Bundesnetzagentur die Abschaltung bereits untersagt. Aus diesem Pool wird auch die Netzreserve für den kommenden Winter gebildet, die von der Regulierungsbehörde mit 5126 Megawatt angegeben wird.

Für den Winter 2022/2023 rechnet die Bundesnetzagentur nun allerdings mit einer Verdopplung des Netzreservebedarfs auf den besagten Rekordwert von 10.647 Megawatt. Denn wenn Ende 2022 das letzte deutsche Atomkraftwerk abgeschaltet wird, vergrößert sich das Gefälle der installierten Stromerzeugungskapazitäten zwischen Nord- und Süddeutschland. Entsprechend häufiger muss mit Re-Dispatch in den Markt eingegriffen werden, um die Überlastung der Leitungen zu vermeiden.

Zudem verlangt eine neue Stromhandelsverordnung der EU, dass die Netzbetreiber mehr grenzüberschreitende Leitungen dem internationalen Stromhandel zur Verfügung stellen müssen. Auch dadurch steigt der Re-Dispatch-Bedarf.

Kurzfristig ausländische Kraftwerke anmieten
Woher die nötigen Reservekraftwerke im Winter 2022 kommen sollen, ist einstweilen noch unklar. Der Bedarf von mehr als zehn Gigawatt übersteigt bei Weitem das, was an inländischen Kraftwerken zu diesem Zeitpunkt der Netzreserve zur Verfügung stehen wird. Womöglich müssen dann erneut ausländische Kraftwerke zur Sicherung des deutschen Stromnetzes angemietet werden.

Die deutschen Stromnetzbetreiber sollen allerdings noch warten, heißt es bei der Bundesnetzagentur. Schließlich sei der tatsächliche Bedarf im Winter 2022/2023 noch mit Unsicherheiten behaftet. Auch wisse man noch nicht, ob der „Aktionsplan Stromnetze“, der aktuell von der Bundesregierung erarbeitet wird, bis dahin das Problem abmildert. „Die Bundesnetzagentur hält daher an der Praxis fest, Netzreserve im Ausland erst zu kontrahieren, wenn die Bedarfsanalyse für den unmittelbar folgenden Winter einen entsprechenden Bedarf ergibt.“

Dem Grundwasserspiegel mit vereinfachten Methoden auf der Spur

(KIT) – Wasser ist eine lebenswichtige Grundlage für Mensch und Umwelt. Eine der wichtigsten Quellen ist Grundwasser, das von Niederschlägen oder oberirdischen Gewässern erneuert wird. Bevölkerungswachstum sowie Landwirtschaft und Industrie beeinflussen stark die Menge und Qualität des Grundwassers. Um Grundwasserressourcen kostengünstiger, einfacher und flächendeckender als bisher untersuchen zu kann, haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruhers Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit australischen Kollegen eine neue Methode entwickelt, die sie nun im Fachmagazin Reviews of Geophysics vorstellen.

Mehr als 70 Prozent des Trinkwassers stammen laut Umweltbundesamt allein in Deutschland aus Grundwasser. Weltweit nimmt die Gewinnung so rasant zu, dass die Grundwasserspiegel fallen, sich die Qualität verschlechtert und ganze Städte absinken. Dementsprechend wichtig ist es, die Untergrundeigenschaften zu erforschen um die Reserven nachhaltiger zu bewirtschaften.

„Derzeitige Testmethoden wie etwa der klassische Pumpversuch erfordern, dass Wasser aus speziell angelegten Brunnen aktiv abgepumpt und gleichzeitig der Wasserstand in nahegelegenen Brunnen beobachtet wird“ sagt Dr. Gabriel Rau vom Institut für Angewandte Geowissenschaften (AGW) des KIT. Hierfür müssten zwei bis drei Personen eine entsprechenden Pumpversuch einrichten und für einen längeren Zeitraum für Messungen betreuen. Dieses Verfahren ist äußerst kostspielig, kann je nach Untergrundeigenschaften von einigen Stunden bis zu mehreren Monaten dauern und das Ergebnis ist nur für den getesteten Standort gültig. „Unterirdische Grundwasserspeicher unterscheiden sich jedoch räumlich stark voneinander und es wäre viel zu teuer und umständlich, überall Förderbrunnen zu bauen.“

Gemeinsam mit den australischen Universitäten University of New South Wales (UNSW) in Sydney und der Deakin University in Melbourne hat das KIT nun eine neue Methode entwickelt. Diese wertet Informationen über die Gezeiteneinwirkung auf den Grundwasserspiegel aus. Ähnlich wie bei Ebbe und Flut im Ozean, verändern die Gezeiten auch den Grundwasserstand: So drückt die sich ändernde Gravitation beispielsweise poröse Gesteine im Untergrund zusammen und beeinflussen dadurch den Porendruck. Zusätzlich gibt es atmosphärische Gezeiten, die den Druck im Untergrund zyklisch verändern. „Diese Veränderung können wir mit geringem technischem, personellem und finanziellem Aufwand messen, um die Beschaffenheit des Untergrunds zu quantifizieren“, sagt Rau. Hierfür müssen die Ingenieure keine speziellen Gewinnungsbrunnen anlegen, sondern können einen automatischen Wasserdruck-Datenlogger in eine gewöhnliche Grundwassermessstelle platzieren. Der Drucksensor misst dann für mindestens einen Monat regelmäßig den Grundwasserspegel. Anhand der Messungen können die Forscher die physikalischen Eigenschaften des Untergrundes wie zum Beispiel Porösität, hydraulische Leitfähigkeit und Kompressibilität berechnen und die Erkenntnisse in eine nachhaltige Nutzung der Grundwasserressourcen umsetzen. „Da die Bohrungen der Beobachtungsstellen deutlich günstiger sind als das Anlegen von ganzen Brunnen, können wir an mehr Standorten messen und somit die Anzahl der bestimmten Untergrundeigenschaften deutlich und flächendeckend erhöhen“, so Rau.

Für ihre Methode haben die Forscher internationale Studien und Fachartikel aus verschiedenen Disziplinen untersucht und zusammengefasst: „Dabei haben wir gesehen, dass die jüngsten Fortschritte in der Grundwasserforschung das Potenzial für wesentlich kostengünstigere Langzeituntersuchungen des Grundwassers aufzeigen“, sagt Timothy McMillan vom Connected Waters Initiative Research Centre der UNSW Sydney. „Mit unserer Methode kombinieren wir Ingenieurwesen, Naturwissenschaften und Mathematik und können so durch die Auswirkungen der Gezeiten auf das Grundwasser die Untergrundeigenschaften berechnen.“ Diese Erkenntnisse können auch dazu beitragen, räumliche und zeitliche Schwankungen des Klimasystems und dessen Einfluss auf die Grundwasserreserven vorherzusagen. „Hier stehen wir in Zukunft vor gewaltigen Herausforderungen. Mit unserer Methode können wir die Ressourcen unter der Oberfläche einfacher untersuchen und damit auch nachhaltiger verwalten“, sagt Rau.

14.06.2019 Sägen wir in der Umweltdiskussion den Ast ab, auf dem wir sitzen ?

Liebe Besucher meiner Homepage !

Eine Stellungnahme eines intelligenten Facebook-Freundes möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Felix Küdde ist ein ehemaliger Manager der Firma Hösch, einem bekannt Stahlwerk der deutschen Industrie, das aber im Laufe der Ruhrgebiets-Umgestaltung entsorgt wurde. Danach hat er eine Firma im Bausektor aufgebaut, die seinesgleichen sucht. Er nennt sich Gaubenmeister und es ist ihm gelungen, mit neuen Methoden sowohl kreative Dächer als auch Dachausbau handwerklich in alter Zimmermann-Manier in unnachahmlicher Weise im Münsterland mit weitem Aktionsradius bis hin nach Köln sich einen Namen zu machen.
Außerdem ist er Innungsmeister in der Zimmermannszunft, die immer noch tradionell ihre Handwerksgesellen ein bis zwei Jahre wie im Mittelalter auf Wanderschaft schickt. Gelegentlich begegnet man einem solchen mit breitem Hut, schmucker Weste und Beinkleid mit breitem Schlag. Er hat eine philosophische Antwort auf unseren Zeitgeist gegeben.
Ihr Jean Pütz

Selektive Wahrnehmung – Das Pippi Langstrumpf Prinzip
Unsere Welt bietet uns einmalige Informations- Meinungsäußerungs- und Gestaltungsmöglichkeiten. Dennoch scheint es so, dass wir immer einfacher in den Sog von vermeintlich einfachen Wahrheiten ziehen lassen und damit Rattenfängern nachlaufen. Pippi Langstrumpfs scheinbar einfache wie bestechende Lebenseinstellung ist: „Ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt“. – Da kann man schon neidisch werden. Wer möchte nicht der Held im eigenen Film sein? Auch ist es doch schön, wenn man Schwarz und Weiß, Gut und Böse einfach sortieren kann. Verschiedene Influencer im Internet und manche Politiker suggerieren uns dieses. Instrument dazu ist eine Lupe oder sogar ein Mikroskop, womit man einen isolierten Teilaspekt der Wirklichkeit zoomt und beleuchtet, bis er Schwarz oder Weiß ist.
Mit dieser vermeintlich gewonnenen einfachen Wahrheit lässt sich ordentlich Rabatz machen. Und wenn sich der Protestzug dann einmal in Bewegung gesetzt hat, ist es ein Einfaches, die öffentliche Meinung zu kapern. Dass so manches Gewächs am Wegesrand im Sinne der vermeintlich guten Sache platt getreten wird, ist folglich als Kollateralschaden anzusehen. Wenn dieses selektiv gewonnene Weltbild noch in Staatsräson gegossen wird, dann zeigt das, wie viel Geisel wir alle in dem Spiel geworden sind. Da ist die Forderung, „der Vernunft eine Chance“ zu geben, wie es in dieser Zeit zum Beispiel der Wissenschaftsjournalist Jean Pütz mit Verve fordert, wichtiger denn je. Glauben wir nicht den vermeintlich einfachen Wahrheiten. Würde Karl Marx heute leben, so würde er mit Sicherheit konstatieren, dass nicht Religion, sondern Internet Opium für das Volk ist.

Übrigens: Pippi Langstrumpf ist bei genauerem Hinsehen nicht eindimensional, sondern vielschichtig und klug: „Nicht?“, sagte Pippi. „Aber genau das tu ich. Ich lüge so, dass meine Zunge schwarz wird, hörst du das nicht? Du musst doch merken, dass das gelogen ist. Du darfst dir doch nicht alles Mögliche von den Leuten einreden lassen!“
Felix Küdde