Archiv der Kategorie: Erde, Klima, Umweltschutz

Möglicher Nutzen der Kernenergie – ein Bericht aus der NZZ vom Juli 2021

(NZZ) – «Wir müssen uns beim Kampf gegen den Klimawandel sputen», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, als sie die Unwettergebiete in ihrem Land besuchte. Und sie ist damit keineswegs allein: Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert.

In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland stellt als vermeintlicher Musterknabe bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das ist absurd.

Die Schweiz ist zwar etwas weniger rigoros, weil sie nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz nimmt, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheissen. Gerade in der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit – Magdalena Martullo-Blocher von der Ems-Chemie ist im «Blick» mit der Unterstützung der Atomkraft zwar vorgeprescht, aber unter Industriellen ist sie mit ihrer Meinung keineswegs allein.

Gewiss, die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt.

Kernkraftwerke haben zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Das ist im Hinblick auf eine 10-Millionen-Einwohner-Schweiz ein Vorteil.

Es ist keine Frage: Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen viel teurer als nötig, weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Betreiber bestehender Kernkraftwerke sollten diese deshalb so lange wie von der Sicherheit her möglich laufen lassen können. In vielen Fällen werden das sechzig Jahre sein, zuweilen auch achtzig Jahre. Deutschland hat sich dieser Möglichkeit jedoch bereits beraubt – ein kapitaler Fehler.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat nun selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Erstens wird zuverlässige Leistung heute nicht angemessen honoriert. Und zweitens macht eine spürbare CO2-Abgabe auch Kernkraft konkurrenzfähiger.

Es ist eines, wenn sich wohlstandsverwöhnte Länder wie die Schweiz und Deutschland dazu entscheiden, ganz auf die Kernenergie zu verzichten. Man sollte aber nicht auch noch Schwellenländer erziehen wollen. Es wäre jedenfalls fürs Klima viel gewonnen, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke stärker auf Kernkraft setzen würde.

Das Hauptwachstum des CO2-Ausstosses findet in den Schwellenländern statt. Doch etwa die Weltbank, die Energieprojekte in diesen Staaten mit Milliarden unterstützt, hat kürzlich gerade bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kredite für Kernkraft vergibt. Einer Fussnote in ihrem Aktionsplan entnimmt man, es mangle der Institution an entsprechender Expertise.

Der möglichst rasche Ausstieg aus der Kernenergie ist keine gute Politik, sondern scheint angesichts der gewaltigen Herausforderung des Klimawandels zunehmend rückwärtsgewandt. Es gilt vielmehr, Vor- und Nachteile der Kernkraft neu abzuwägen. Sie hat einen frischen Blick verdient.

Immer öfter gewünscht: Kernkraft zur Bewältigung des Klimawandels – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Tschernobyl und Fukushima haben dazu geführt, dass die Alternative Kernkraft in Deutschland keine Chance mehr bekommt. Doch die Energielücken werden sich spätestens dann offenbaren, wenn das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet wird. Die Kraftwerksbetreiber konnten sich mit nur 22 Milliarden Euro von jeglicher Verantwortung in Zukunft  freikaufen.  Die tatsächlichen Kosten des Rückbaus betragen aber mindestens das fünf- bis zehnfache. Eine riesige Summe, die dem Steuerzahler aufgebürdet wird.

Nun stehen diese Ruinen festgemauert in der Landschaft, vollgepackt mit reststrahlenden Brennstäben, die in Deutschland kein Endlager finden werden. So sind sie genauso gefährlich für die Verstrahlung der Umwelt bei terroristischem Angriff wie die vormals aktiven Kernkraftwerke.

Neulich wurde ein extrem teures Elektro-Kabel durch die Nordsee nach Norwegen eröffnet (eine HGÜ-Hochspannungsleitung, d. h. übertragen durch 500 000 Volt Gleichstrom). Tatsächlich ermöglicht dies eine kontinuierliche Einspeisung elektrischer Energie in das deutsche Hochspannungsnetz. Aber die Milliarden Investition in eine Länge von 400 Kilometer entspricht bestenfalls der Energiespeisung von maximal ein bis zwei bisheriger Kernkraftwerke, es stabilisiert also kaum den auf zukünftige regenerative Elektroverbund  in Deutschland.

Tatsächlich bin ich ein Gegner von in Deutschland neu gebauten Kernkraftwerken, aber das irrationale Moratorium für die vorhandenen, veranlasst durch die Physikerin Angela Merkel, wird sich noch als Katastrophe für Deutschland herausstellen, ohne dass mehr Sicherheit gewonnen wird.

Wie sehr diese Entscheidung mangelnder Logik entsprach beweist auch ein ‚Offener Brief‘ des Energiespezialisten Professor André Thess von der Universität zu Stuttgart an die damals beratende Ethik-Kommission, in der keine Fachleute berufen waren, die die langwierigen Nebenwirkungen hätten beurteilen können.

Jean Pütz

Siehe auch

(NZZ) – Der Kampf gegen den Klimawandel soll verstärkt werden. Doch ein Thema ist bisher weitgehend tabu: die CO2-freie Option Kernkraft. Zumindest den möglichst raschen Ausstieg gilt es zu überdenken.

«Wir müssen uns beim Kampf gegen den Klimawandel sputen», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, als sie die Unwettergebiete in ihrem Land besuchte. Und sie ist damit keineswegs allein: Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert

In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland stellt als vermeintlicher Musterknabe bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das ist absurd.

Die Schweiz ist zwar etwas weniger rigoros, weil sie nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz nimmt, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheissen. Gerade in der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit – Magdalena Martullo-Blocher von der Ems-Chemie ist im «Blick mit der Unterstützung der Atomkraft zwar vorgeprescht, aber unter Industriellen ist sie mit ihrer Meinung keineswegs allein.

Gewiss, die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt

Kernkraftwerke haben zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Das ist im Hinblick auf eine 10-Millionen-Einwohner-Schweiz ein Vorteil.

Es ist keine Frage: Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen viel teurer als nötig, weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Betreiber bestehender Kernkraftwerke sollten diese deshalb so lange wie von der Sicherheit her möglich laufen lassen können. In vielen Fällen werden das sechzig Jahre sein, zuweilen auch achtzig Jahre. Deutschland hat sich dieser Möglichkeit jedoch bereits beraubt – ein kapitaler Fehler.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat nun selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Erstens wird zuverlässige Leistung heute nicht angemessen honoriert. Und zweitens macht eine spürbare CO2-Abgabe auch Kernkraft konkurrenzfähiger.

Es ist eines, wenn sich wohlstandsverwöhnte Länder wie die Schweiz und Deutschland dazu entscheiden, ganz auf die Kernenergie zu verzichten. Man sollte aber nicht auch noch Schwellenländer erziehen wollen. Es wäre jedenfalls fürs Klima viel gewonnen, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke stärker auf Kernkraft setzen würde.

Das Hauptwachstum des CO2-Ausstosses findet in den Schwellenländern statt. Doch etwa die Weltbank, die Energieprojekte in diesen Staaten mit Milliarden unterstützt, hat kürzlich gerade bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kredite für Kernkraft vergibt. Einer Fussnote in ihrem Aktionsplan entnimmt man, es mangle der Institution an entsprechender Expertise.

Der möglichst rasche Ausstieg aus der Kernenergie ist keine gute Politik, sondern scheint angesichts der gewaltigen Herausforderung des Klimawandels zunehmend rückwärtsgewandt. Es gilt vielmehr, Vor- und Nachteile der Kernkraft neu abzuwägen. Sie hat einen frischen Blick verdient.

 

Miserable Öko-Bilanz der Elektroautos

(Focus) – Elektro-Gate, Runde zwei: Nach ihrer Kritik an der Berechnungsmethode von Elektroauto-Emissionen erhalten Wissenschaftler viel Zuspruch, jedoch auch viel Gegenwind. FOCUS Online fasst den Stand der Diskussion zusammen.

Der wissenschaftliche Exkurs um die Elektromobilität ist selten wissenschaftlich. Gerade in Deutschland handelt es sich um ein hochpolitisches Thema. Das bekam Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie zu spüren. Der hatte sich bemüht, einen mathematischen Beweis zu führen, dass sich die EU bei der Kalkulation der zukünftigen CO2 Emissionen schlicht um ungefähr 100% verrechnet hatte, seine Hypothese bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift eingereicht, um sie im Rahmen der “Peer Review” überprüfen zu lassen und anschließend 170 Wissenschaftler weltweit gefunden, die seine Meinung teilten. Stellvertretend für die in Gründung befindliche „IASTEC“-Gruppe, die mehr Technologieoffenheit bei der Verkehrswende fordert, schrieben dann die führenden Köpfe einen offenen Brief an die EU-Kommission .

Die Kritik kam prompt – und zielte meistens darauf ab, dass Koch als einer der bekanntesten Experten für Verbrennungsmotoren ja nur seine Pfründe sichern wolle. Abgesehen davon, dass dieser Vorwurf, wenn man denn in derlei Argumentationsmustern denkt, auf die Elektro-Branche genauso zutreffen würde, driftete die Diskussion über das Thema schnell ins übliche Lagerdenken „Pro E-Mobilität“ und „Contra E-Mobilität“ ab. Dabei zeigt sich bei einer genauen Betrachtung, wie tief das Problem eigentlich geht, auf das die Wissenschaftler die EU-Kommission hingewiesen haben.

Elektroauto: In Frankreich sauber, in Deutschland weniger

Koch und seine Kollegen wählten ausgerechnet die heilige Kuh der deutschen Verkehrswende aus, um ihre Punkte zu veranschaulichen – das Elektroauto ID3 des semi-staatlichen Volkswagenkonzerns. Der erforderliche Strom emittiere mehr als doppelt soviel CO2 wie von der EU-Kommission angenommen. Der EU-Irrtum basiere auf einem Rechenfehler, so die Wissenschaftler

Es zeigt sich schon an der Tatsache, dass Autohersteller bei der CO2-Flottenanrechnung ihre Stromer mit 0 Gramm bilanzieren dürfen. Dass das vorne und hinten nicht stimmt, zeigte jüngst die Fachzeitschrift „Auto Motor & Sport“ durch einen anschaulichen Vergleich: Während in Frankreich E-Autos dank Atomstrom tatsächlich sehr CO2-arm unterwegs sind, sieht die Bilanz in Deutschland deutlich schlechter aus, wenn man den je nach Wetterlage nur geringen Beitrag regenerativer Energien zum Strommix berücksichtigt.

„Autopapst“ Dudenhöffer will keine Technologieoffenheit

Die Wissenschaftler um Thomas Koch zogen sich unter anderem den Ärger von Deutschlands bekanntestem Autoexperten zu, dem emeritierten Professor Ferdinand Dudenhöffer. Der betreibt mittlerweile eine Kombination aus Auftragsforschungs-, Kongressveranstaltungs- und Eventagentur und veranstaltet Kongresse rund um die Elektromobilität von Braunschweig bis China. Eine von der “European Climate Foundation” mitfinanzierte Studie Dudenhöffers kam zu dem Schluss, durch E-Mobilität würden kaum Arbeitsplätze verloren gehen. Auch zu diesem Feld gibt es diverse Prognosen, die stark voneinander abweichen. So gehen andere Publikationen davon aus, dass zwischen 200.000 und 400.000 Arbeitsplätze der Transformation zur Elektromobilität zum Opfer fallen

An der IASTEC-Meinung ließ Dudenhöffer kein gutes Haar. Wenn er schon das Wort “Technologieoffenheit” höre, dann mutmaße er, dass man noch länger dem Verbrennungsmotor die Stange halte. Andere Kritiken gerieten noch schriller und unsachlicher. Unter dem Titel “Vorsicht Fake News” behauptet die „Wirtschaftswoche“, Kochs Berechnungsmethoden seien falsch und realitätsfern, die “International Association of Sustainable Drivetrain and Vehicle Technology Research” existiere nicht, ihre Gründung sei lediglich von Koch geplant und das Schreiben sei auch nur von 6 Wissenschaftlern unterschrieben.

„Elektro-Gate“? Zahlreiche Unterstützer für Kritik an der Emissionsberechnung

Nun ist die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Hypothese weder von einem Eintrag ins Vereinsregister noch von der Anzahl der Unterzeichner eines offenen Briefes abhängig. Koch hätte durchaus deutlicher machen können, dass die aktuelle Diskussion ihn zur Eile zwingt. Die EU will diverse Richtlinien beschließen und auch der Beschluss der EURO 7 Norm für Verbrennungsmotoren steht unmittelbar bevor.

Die Darstellung allerdings, dass die Kritiker der CO2-Berechnung nur aus sechs Personen bestünden, die quasi andere vor den Karren spannen, lässt sich nicht halten. FOCUS Online liegt nicht nur der offene Brief der Wissenschaftler an die EU-Kommission vor, sondern auch nach einer ersten Nachfrage über 60 Mails von zukünftigen IASTEC-Mitgliedern und Unterstützern von Koch, die die Richtigkeit der Hypothesen bestätigen. Darunter sind unter anderem Wissenschaftler, Forscher und Antriebsexperten aus Deutschland, Brasilien, Kanada, Südkorea, China, England, Frankreich, Polen, Spanien, Tschechien und Griechenland. Sie bestätigen auch, dass sie sich an der IASTEC-Gründung beteiligen wollen. “Wir fühlen uns geehrt, gemeinsam mit den 170+ Repräsentanten aus dem automobilen Antriebsfeld hinter dem Papier zu stehen”, schreibt zum Beispiel Seongsoo Kim von der koreanischen Silla Universität. Der Strommix in Südkorea sei vergleichbar mit dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz und erlaube ebenfalls keine vollständige klimaneutrale Elektromomobilität. Ohne ReFuels (das ist der Fachbegriff für biologische und synthetische Kraftstoffe) sei Klimaneutralität nicht zu erreichen.

„Ohne synthetische Kraftstoffe ist Klimaneutralität nicht zu erreichen“

Neben zahlreichen Unterstützern gibt es aber auch viel Kritik, die fachlich durchaus fundierter ist als etwa die Ferdinand Dudenhöffers. Das Science Media Center Germany (SMCG), eine gemeinnützige GmbH mit einem Jahresbudget von 1,7 Mio Euro , die sich der „Vernetzung von Wissenschaft und Presse“ verschrieben hat, hat sich die Mühe gemacht, die Koch-kritischen Statements zusammenzustellen.

Zu den Förderern des SCMG gehört neben der Klaus-Tschira-Stiftung eines verstorbenen SAP-Gründers das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie diverse Universitäten. Geschäftsführer Volker Stollorz sagt zur Auswahl der entsprechenden Wissenschaftler: “Wir sprechen zu Studien, Veröffentlichungen und auch Gesetzvorschlägen grundsätzlich Forscherinnen und Forscher an, in deren domainspezifischen Fachbereich das jeweilige Thema fällt. Diese sind fachlich besonders in der Lage, auf dem aktuellen Stand der Forschung Arbeiten und Thesen einzuschätzen, die in ihre Disziplin fallen. Die jeweiligen Positionen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu bestimmten Forschungsfragen sind weder bei der Akquise noch bei einzelnen Anfragen das entscheidende Auswahlkriterium. Es steht den angefragten Forscherinnen und Forschern frei, auf unsere Fragen zu antworten. Im Falle der Veröffentlichung von Prof. Thomas Koch im Zusammenhang mit der Frage, welche CO2-Emissionen welchen Verbrauchern zuzuordnen sind, waren das Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die seit vielen Jahren Energiesystemanalysen erstellen und auf dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Forschung argumentieren.”

 

Wasserstoff ist die Lösung – Der Energieträger hat ein gutes Image

Norbert Lossau ist Doktor der Physiker und Wissenschaftsjournalist. Er leitet bei der ‚Welt‘ die Redaktion ‚Technik und Wissenschaft‘ und hat seinerzeit in meiner Redaktion im WDR-Fernsehen seine Laufbahn begonnen und gehört zu den Wissenschaftlern, die wie ich die notwendige Klimarettung kritisch verfolgen. Er ist wie ich Realist und nicht gesponsert durch staatliche Subventionen und sonstige Zwänge. Auch er sieht Wasserstoff und seine Weiterverarbeitung zu Methanol und zu synthetischen Kraftstoffen als eigentliche Lösung einer realistischen CO2-Neutralität. Allerdings reicht die auf deutschem Territorium gewonnene regenerative Energie nicht aus und setzt ebenfalls auf internationale Kooperation z. B. mit Ländern der 3. Welt.

Jean Pütz

(Norbert Lossau) – Wie soll elektrischer Strom produziert und mit welchem Energieträger sollen Kraftfahrzeuge betrieben werden? Diese Fragen stehen noch immer im Vordergrund, wenn hierzulande über die Zukunft der Energieversorgung diskutiert wird. Auf die erste Frage gibt es im Großen und Ganzen bereits eine konsensfähige Antwort. Strom soll klimaneutral aus erneuerbaren Energien gewonnen werden, also in erster Linie aus Wind und Sonne. Kernkraft- und Kohlekraftwerke werden abgeschaltet, wobei der konkrete Zeitplan noch strittig ist.

Bei der Mobilität favorisiert der Zeitgeist derzeit elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Einige Automobilhersteller haben bereits Termine für das Ende von Verbrennungsmotoren verkündet. Die Bereiche Strom und Verkehr lassen sich aber nicht losgelöst vom Gesamtsystem des Energiekonsums betrachten. Mehr als 50 Prozent der Energie werden hierzulande zum Erzeugen von Wärme genutzt – also etwa zum Heizen von Wohnungen oder für Prozesswärme in der Industrie, sei es beim Herstellen von Stahl oder dem Trocknen von Milchpulver. Im Wärmesektor kommen vorwiegend fossile Energieträger zum Einsatz – also Kohle, Gas und Öl. Wenn man bedenkt, dass rund 70 Prozent der in Deutschland konsumierten Energie importiert wird, dann ist klar, dass eine klimaneutrale Stromerzeugung für den heute üblichen Bedarf, oder etwas mehr, nicht die zentrale Herausforderung ist. Die große Frage ist vielmehr, wie wir den Bedarf an Wärmeenergie CO2-neutral decken können. Und woher der zusätzliche Strom kommen soll, wenn alle Fahrzeuge elektrisch angetrieben werden.

Bereits eine Überschlagsrechnung verdeutlicht, dass Deutschland auch in Zukunft nicht ohne Importe von Energieträgern auskommen kann und wir die derzeitige Quote von 70 Prozent absehbar nicht auf null bringen können. Damit ist die zentrale Frage: In welcher Form wollen wir perspektivisch Energie importieren? Die Antwort kann nur lauten: als grünen Wasserstoff oder daraus hergestellten synthetischen Treibstoffen. Wasserstoff wird „grün“ genannt, wenn zur Herstellung elektrischer Strom aus erneuerbaren Quellen genutzt wird. Dann wird kein CO2 freigesetzt. Im nächsten Schritt können aus diesem Wasserstoff – zusammen mit CO2, das aus der Luft entnommen wird – auch „grüne Treibstoffe“ hergestellt werden. Mit diesen lassen sich dann Flugzeuge, Autos und andere Fahrzeuge klimaneutral antreiben.

Die Zukunft der Mobilität ist nicht unabhängig von der Frage des Basis-Energieträgers. Und wenn wir nicht alle Wohnungen elektrisch heizen wollen – und sei es mit Wärmepumpen – dann drängt sich der Gedanke auf, dass hier klimaneutrale, synthetische Treibstoffe die Lösung sein können. In diesem Fall könnte insbesondere existierende Infrastruktur weitergenutzt werden. Das gilt für Heizungsanlagen ebenso wie für Automotoren.

Haben Verbrennungsmotoren also doch eine Zukunft – zumindest für große, schwerbeladene Fahrzeuge und solche, die lange Strecken zurücklegen müssen? Die Vorstellung, dass ein größeres Passagierflugzeug allein mit Strom aus Bord-Akkus angetrieben wird, bleibt vorerst Science-Fiction.

Auch ein CO2-neutraler Betrieb von Stahlwerken und anderen Industrieanlagen ist nur mit grünem Wasserstoff vorstellbar. Wenn Deutschland ein Industrieland bleiben soll, kommt man am Thema Wasserstoff nicht vorbei. Das ist so offensichtlich, dass praktisch alle im Bundestag vertretenen Parteien der Nutzung von Wasserstoff grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Die Bundesregierung hat 2020 eine „Nationale Wasserstoffstrategie“ verkündet, die den einen zu weit und den anderen nicht weit genug geht. Doch im Grundsatz, so viel steht schon heute fest, werden sich die an den nächsten Koalitionsverhandlungen beteiligten Parteien darin einig sein, dass es eine Wasserstoffzukunft geben muss. Dann gibt es immer noch viele Details, über die man sich verständigen muss.

Der vielleicht wichtigste Streitpunkt könnte sein, ob man ausschließlich auf grünen Wasserstoff setzen will oder in einer Übergangszeit auch sogenannten blauen Wasserstoff akzeptiert. Dieser wird aus fossilen Energieträgern hergestellt, wobei CO2 entsteht. Die Nutzung von blauem Wasserstoff ist nicht klimaneutral. Doch weil grüner Wasserstoff zunächst nicht in ausreichenden Mengen und zudem nur deutlich teurer bereitgestellt werden kann, betrachten manche blauen Wasserstoff als akzeptables Übel, um den Weg in die Wasserstoffwirtschaft schnell und massiv voranzutreiben. Puristen halten blauen Wasserstoff indes für Teufelszeug; einzig und allein grüner Wasserstoff dürfe zum Einsatz kommen. Wenn man verschiedene Szenarien für Wege in eine Wasserstoffwirtschaft durchrechnet, sollte es am Ende eine Kompromisslinie geben, die ein pragmatisches, von allen tragbares Ergebnis ermöglicht.

Eine weitere Frage, auf die man sich verständigen muss, ist das Verhältnis von selbsterzeugtem und importiertem Wasserstoff. Wie viel will und kann man im eigenen Land aus Wind- und Sonnenenergie herstellen? Und wie viel wollen wir importieren? Um das beantworten zu können, muss man zumindest grob wissen, wie viel Wasserstoff in welcher Dekade benötigt werden wird.

Die Außen- und die Entwicklungspolitik sind gefragt, um mit möglichen Partnerländern Lieferungen von Wasserstoff und synthetischen Treibstoffen mittel- und langfristig zu planen. Auch die Wirtschaftspolitik ist gefordert, denn natürlich wäre es wünschenswert, wenn wir Technologien made in Germany exportieren könnten, mit der in sonnenreichen Regionen der Welt grüner Wasserstoff produziert wird. Bislang genießt Deutschland den Ruf, bei diesen Technologien Weltspitze zu sein. Nicht zuletzt spielt auch die Forschungspolitik eine wichtige Rolle bei der Entwicklung besserer, preiswerterer und langlebiger Wasserstofftechnologien. Insbesondere geht es da um Elektrolyseure, mit denen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten werden kann.

Wünschenswert wäre es, so viel Wasserstoff wie möglich im eigenen Land zu produzieren, allein schon, weil dies die Exportabhängigkeit verringert. Doch angesichts begrenzter Ressourcen und dem erwartbar hohen Bedarf an Wasserstoff ist eine Selbstversorgung illusorisch.

Zur Hochwasserkatastrophe 2021

(KIT) – Um Hochwassergefahren besser einschätzen zu können, sollen Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen. Dafür plädieren Forschende am CEDIM – Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das CEDIM hat einen ersten Bericht zur Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Was die Rolle des Klimawandels betrifft, birgt die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen ein steigendes Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse.

Die Hochwasserkatastrophe in der vergangenen Woche hat in Deutschland mehr als 170 Todesopfer gefordert (Stand: 21. Juli 2021). Immer noch werden Menschen vermisst. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lassen sich erst grob bestimmen und gehen in die zweistelligen Milliarden – davon allein mindesten zwei Milliarden Euro für Verkehrsinfrastrukturen. Inzwischen hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) den versicherten Schaden auf vier bis fünf Milliarden Euro nur in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geschätzt. Wie kam es zu den Überflutungen, die vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betrafen? Wie lassen sich Hochwassergefahren – besonders seltene, extreme Ereignisse – vorab besser abschätzen? Mit diesen Fragen hat sich die Forensic Disaster Analysis (FDA) Group des CEDIM befasst und einen ersten Bericht vorgelegt.

Wie die Forschenden erläutern, führten enorme Niederschlagsmengen dazu, dass beispielsweise der Pegel an der Ahr (Altenahr) seinen bisherigen Rekord von 2016 (3,71 Meter, Abfluss: 236 m³/s) deutlich überstieg. Überflutungsbedingt fiel die Messstation bei einem Wert von 5,05 Metern (Abfluss: 332 m³/s) allerdings aus. Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz kalkulierte aus Modellrechnungen für die Katastrophennacht einen Pegel von bis zu sieben Metern, basierend darauf schätzten die Expertinnen und Experten einen Abfluss zwischen 400 bis 700 m³/s ab.

Mehrere Faktoren führten zu den extrem hohen Niederschlagssummen

Aus meteorologischer Perspektive führten verschiedene Faktoren zu den extrem hohen Niederschlagssummen. „Innerhalb von 48 Stunden fiel in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehr Regen, als dort üblicherweise im gesamten Monat Juli niedergeht; der Hauptanteil ging sogar innerhalb von nur rund zehn Stunden nieder“, berichtet CEDIM-Sprecher Professor Michael Kunz. Außerdem verstärkte das stark gegliederte Gelände der betroffenen Regionen, besonders im Landkreis Ahrweiler, mit teils tief eingeschnittenen Flusstälern den Oberflächenabfluss. Der bereits annähernd gesättigte Boden durch teils kräftige Niederschläge in den vorangegangenen Tagen verschärfte die Situation zusätzlich.

Um die Überflutungsflächen in den am schwersten betroffenen Gebieten Kreis Ahrweiler und Rhein-Erft-Kreis abzuschätzen, kombinierte das Forschungsteam Satellitendaten mit Luftaufnahmen von (Amateur-)Drohnen und Helikoptern sowie Fotos aus sozialen Medien. Nach diesen geschätzten Überflutungsflächen befinden sich in den betroffenen Gebieten knapp über 19 000 Gebäude mit einem Wert von rund neun Milliarden Euro. In Verbindung mit empirischen Daten vergangener Hochwasserkatastrophen (Infrastrukturschäden, Elementarschäden und andere Schäden) schätzten die Forschenden einen Gesamtschaden zwischen elf und 24 Milliarden Euro (erste CEDIM-Schätzung: 21. Juli 2021). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Überflutungsflächen nur einen Teil der gesamten betroffenen Fläche ausmachen.

Mehr verfügbares Wasser in der Atmosphäre und zunehmende Beständigkeit von Großwetterlagen steigern Gefahr

Ob ein einzelnes Extremereignis oder die Abfolge mehrerer Extreme bereits auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nach Aussage der Karlsruher Katastrophenforschenden weder exakt belegen noch komplett verneinen, besonders wenn es um Ereignisse auf kurzen Zeit- und Raumskalen geht, die stark von lokalen Faktoren beeinflusst sind. Für die großräumigen Prozesse in der Atmosphäre, die zur Entstehung von Extremereignissen führen, gilt jedoch: Die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre infolge der Temperaturzunahme und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen mit einem sich tendenziell nach Norden verlagerndem Jetstream, dem Starkwindband in der oberen Troposphäre, birgt ein hohes Gefahrenpotenzial. „Da für diese drei Faktoren ein positiver Trend zu erwarten ist, wird auch das Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse in Zukunft zunehmen“, erklärt Kunz.

Bereits 1804 und 1910 bedeutende Hochwasserereignisse im Ahrtal

„Im Ahrtal gab es bereits in der Vergangenheit zwei besonders bedeutende Hochwasserereignisse, nämlich 1804 und 1910. Ein Vergleich mit historischen Aufzeichnungen lässt annehmen, dass die diesjährigen Werte allerdings niedriger einzuordnen sind als die von 1804“, sagt der stellvertretende CEDIM-Sprecher Dr. James Daniell. Für das Hochwasserereignis von 1804 wurde der Abfluss von der Universität Bonn bereits auf ca. 1 100 m³/s geschätzt. Das diesjährige Ereignis könnte hydrologisch betrachtet ein ähnliches Ausmaß wie das von 1910 mit einem Abfluss von 500 m³/s gehabt haben. „Die aktuellen Hochwasserkarten für das Ahrtal basieren derzeit auf einer Abflussstatistik mit Daten seit 1947, da seit diesem Zeitpunkt homogene Messreihen zur Verfügung stehen. Dadurch werden die beiden historischen Ereignisse bei der Gefährdungsabschätzung bisher jedoch nicht berücksichtigt“, sagt Dr. Andreas Schäfer, Erstautor des Berichts. So liegt die aktuelle Schätzung eines hundertjährlichen Hochwassers als Bemessungsgrundlage für den Hochwasserschutz für die Ahr bei 241 m³/s.

Die FDA Group des CEDIM plädiert dringend dafür, in Hochwasser-Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen, auch aus der Zeit vor der kontinuierlichen Messaufzeichnung, um Hochwassergefahren besser abschätzen zu können. „Zwar müssen wir bei den Analysen und Interpretationen der Daten grundsätzlich beachten, dass sich sowohl Infrastrukturen als auch Hochwasserschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren verändert haben. Daher lassen sich die Messwerte direkt schwerer vergleichen, und wir sollten uns weniger auf die Pegelstände fokussieren“, erklärt Daniell. „Wir können die Pegelstände von 1804 und 1910 als indirekte Anzeiger heranziehen, um Hochwasserjahre zu identifizieren. Messwerte zum Abfluss, über die zeitliche Entwicklung und über die Niederschlagsummen sind für die Interpretation jedoch wichtiger. Letztendlich sollten aber beide historische Größen – Pegel und Abfluss – beim Erstellen von Gefahrenkarten einbezogen werden.“ (or)

G20-Staaten reden grün und handeln braun

‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die deutsche Regierung bemüht sich fleißig, die Vorgaben der Weltklimakonferenz zu erfüllen und steckt in der Zwickmühle zwischen Verlust ihrer Industriekultur und Klimaschutz. Wenn es nach den ‚Grünen‘ ginge und ebenso nach Friday for Future, würden wir jetzt schon sämtlichen CO2-Ausstoß verbieten. Auch die Wunschträume, völlig ohne fossile Energieträger auszukommen, und anstelle dessen auf regenerative Energie zu setzen, die auf unserem eigenen Territorium aus Sonne, Wind und Wasserkraft gewonnen wird, scheint für diese Protagonisten kein Problem darzustellen. Der Trend der gezielt geförderten Wissenschaft, diese Meinung zu unterstützen, verlangt die allgegenwärtige political correctnes-Manie. Unabhängige Forscher, insbesondere Fachleute, die sich mit Energie und ihre Bedeutung für die Gesellschaft auskennen, kommen nicht zu Wort. Denen ist klar, dass das aus physikalischen, soziologischen und praktischen Gründen  garantiert nicht möglich ist, trotz Milliarden staattlicher Subventionen. Das gilt insbesondere, weil im Endstadium vorwiegend unser vielfältiger Energiebedarf rein elektrisch befriedigt werden soll. Die Physikkundigen schlagen die Hände über den Kopf zusammen, denn die mehr als 40%igen Energieanteile, die auf den Gebäudesektor auch für unsere privaten Häuser anfallen, können selbst bei Einsatz von elektrischen Wärmepumpen, dieses niemals erfüllen. Jedes voll ausgebaute elektrische Netz inkl. des europäischen Hochspannungsverbund, wird dies nicht leisten könne.. Elektrische Energie für Wärme- und Kälte-Versorgung zu verwenden, ist ein Frevel. Dazu ist der Strom viel zu wertvoll und zu teuer. Gleiches gilt für die Elektromobilität in Form des E-Autos inkl. der Verbannung des Verbrennungsmotors, auf den bisher die deutsche Industrie immer noch zu 80% setzt.

Trotzdem hat die Elektromobilität eine große Chance. Die Prototypen eines sogenannten HyperHybrid-Autos existieren: rein elektromotorisch angetrieben, bei einem maximalen Verbrauch für Mittelklasseautos von 2 bis 3 Litern Benzin, welches auch ohne Schwierigkeiten durch regenerativ gewonnenes Methanol ersetzt werden kann. Dann fährt dieses HyperHybrid-Elektro-Auto völlig CO2-neutral. Das sind keine Mondschlösser, sondern ist existierende Realität, als angesprochene Prototypen jederzeit einsehbar. Im übrigen kann regeneratives Methanol aus grünem Wasserstoff und recycelten CO2 gewonnen, in Entwicklungsländern produziert, sämtliche fossilen Brennstoffe ersetzen, ohne dass Abermilliarden in neue Infrastruktur investiert werden muss.

Weil das von der Politik nicht aufgegriffen wird, bleibt den G20-Ländern nichts anderes übrig als das, was im folgenden Beitrag von Gabor Steingart moniert wird, es sei denn, sie ruinieren ihre Volkswirtschaft, wie das Deutschland bevor steht.

Einen Lichtblick gibt es, die CDU und die FDP – insbesondere Armin Laschet – fordern jetzt neuerdings für die Klimarettung Technologieoffenheit gegen vorherrschende grün-ideologische Verbots-Ideologie.

Jean Pütz

(Morning Briefing) – Nicht ohne Stolz verkündet die International Energy Agency (IEA) in Paris einen Rückgang der weltweiten Subventionen für fossile Brennstoffe. Minus 40 Prozent in 2020, nach einem Rückgang von 30 Prozent in 2019. Das ungeschulte Publikum könnte meinen: Endlich! Es geht voran mit dem Klimaschutz.

Doch die guten Nachrichten sind ein Potemkinsches Dorf der Zahlen. Diese Rückgänge verdankt das Weltklima im Wesentlichen drei Faktoren:

  1. Einem scharfen Rückgang des Energiekonsums in der Pandemie
  2. Einem Preisrückgang auf den Märkten für fossile Brennstoffe
  3. Einem höchst unvollständigen Blick der Energy Agency auf das Treiben der Staaten

Betrachtet man nämlich die gesamte Breite der staatlichen Unterstützung für die fossilen Brennstoffe, also auch die Investitionen in staatliche Raffinerien und Energiekonzerne, die Subventionen für herkömmlich befeuerte Industrieanlagen, die Steuervorteile und staatlichen Kreditzusagen für große CO2-Emittenten, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild, wie ein Bloomberg-Report schonungslos offenlegt. Dieser Bericht wurde via Bloomberg Philanthropies finanziert und damit aus dem persönlichen Vermögen von Michael Bloomberg, der sich seit Längerem schon für den Klimaschutz engagiert. Das hier sind die Kernaussagen der Analyse:

  • In den fünf Jahren zwischen 2015 und 2020 addieren sich allein die Zahlungen der G20-Regierungen, wozu Deutschland, die USA, China, und Russland gehören, für die direkte und indirekte Unterstützung von Kohle, Gas und Öl auf 3,3 Billionen US-Dollar
  • Diese direkten und indirekten Subventionen weisen im Betrachtungszeitraum eine Reduktion um lediglich zehn Prozent auf, von 706 Milliarden in 2015 auf 636 Milliarden in 2019. Der Bloomberg-Report spricht von einer „dickköpfig hohen Unterstützung“ für die fossile Energieerzeugung.
  • Derweil es signifikante Rückgänge bei den Subventionen pro Einwohner in einigen der G-20-Staaten gibt, vorneweg in Saudi-Arabien, Argentinien und Italien, haben andere Regierungen ihre Subventionen pro Einwohner deutlich erhöht, darunter Russland, Mexiko, das Vereinigte Königreich, Indonesien, Kanada und Australien.

Nicht berücksichtigt in diesen Zahlen ist die politische Unterstützung für große fossile Energieprojekte wie die Gaspipeline Nord Stream 2 durch die deutsche Bundesregierung. Diese Pipeline, die Russland mit Deutschland verbindet und jährlich eine Gasmenge von 55 Milliarden Kubikmetern nach Deutschland befördern soll, ist das größte Projekt zur Einspeisung fossiler Brennstoffe in den deutschen Energiekreislauf:

  • Zum politischen Ziel im CDU/CSU-Wahlprogramm (Klimaneutralität bis 2045) will diese Aktivität wenig passen.
  • Der soeben beigelegte Widerstand der USA gegen die Pipeline bezog sich nicht auf den CO2-Ausstoß, sondern auf den Absender. Die USA wollten das russische Gas durch Fracking-Gas „made in the USA“ ersetzen.

Auch regeneratives Ammoniak kann Zukunft der Schifffahrt beflügeln

Hy2gen und Trafigura unterzeichnen Memorandum of Understanding zur Entwicklung einer Studie, die den Infrastruktur- und Produktionsbedarf für grünes Ammoniak zur Dekarbonisierung der Schifffahrtsindustrie quantifiziert

Wiesbaden, 23.07.2021 – Hy2gen und Trafigura haben heute eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei einer Studie unterzeichnet, die darauf abzielt, den Bedarf der Schifffahrtsindustrie an grünem Ammoniak im Zuge der Umstellung auf kohlenstoffarme und kohlenstofffreie Schiffskraftstoffe zu quantifizieren. Die Studie wird die notwendigen Aspekte für eine groß angelegte kommerzielle Einführung untersuchen, einschließlich der erforderlichen Mengen an grünem Ammoniak und der benötigten Transport- und Lagerkapazitäten.

Der Aufbau der Infrastruktur, um eine effiziente Lieferkette zu ermöglichen, die ausreichende Mengen des zu 100 Prozent erneuerbaren und kohlenstofffreien grünen Ammoniaks auf den Markt bringen kann, wird enorme Verpflichtungen in Bezug auf die Produktion, die Infrastruktur und den Transport erfordern, die die Studie zu quantifizieren versucht.

„Als einer der größten physischen Rohstoffhändler und Schiffscharterer der Welt ist Trafigura in einer einzigartigen Position, um diesen Übergang voranzutreiben“, sagt Cyril Dufau-Sansot, CEO der Hy2gen AG.

Trafigura hat die Schlüsselrolle und das Potenzial von Hy2gen für die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff frühzeitig erkannt und ist seit 2019 Investor bei Hy2gen.“Hy2gen ist ein Vorreiter und Pionier in der grünen Ammoniakproduktion und Konzeptentwicklung. Wir erkennen ihre Fähigkeit sehr an, schnell Projekte in Größenordnungen durchzuführen, die den Übergang der Schifffahrtsindustrie zu sauberen Kraftstoffen beschleunigen können“, sagte Julien Rolland, Head of Power and Renewables bei Trafigura.

Klimakrise mit Vernunft lösen: Zusammenfassung aller Widersprüche in der Klimapolitik – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Einer meiner 82.000 Facebook-Abonnenten, Kai Ruhsert, hat mir interessante Informationen geliefert, die belegen, dass ich mit meiner Kritik an der populistischen Grünen-Ideologie, die ich seit mehr als zwei Jahren mit zunehmenden Befürchtungen verfolge, nicht allein bin.

Leider führen die derzeit beschlossenen Maßnahmen zur Klimarettung trotz Milliarden schwerer Subventionen des Staates in eine gefährliche Sackgasse. Politiker. Mangelnde naturwissenschaftliche Kenntnisse von Politikern und Entscheidern haben dazu erheblich beigetragen, dass die Vernunft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Sie fühlen sich bestätigt durch die Zustimmung vieler Wissenschaftler und Institute, die allerdings sich wegen der staatlichen Finanzierung oft zum political correctness verpflichtet fühlen, denn alles, was in das Wunschdenken der Politiker und Lobbyisten passt wird mit Milliarden Euro gefördert. Das macht es den Kritikern immer schwerer mit ihren Mahnungen durchzukommen. Populistisch nenne ich das Verhalten der grünen Ideologen, weil sie fundamentale Naturgesetze und technologische Unmöglichkeiten aussparen. Die mangelnde naturwissenschaftliche Bildung der Bürger macht die Vorstellung hoffähig, dass die Wissenschaft und technische Intelligenz alles regeln wird. Der Rattenfänger von Hameln lässt grüßen. Dabei wird das wichtigste Prinzip der Naturwissenschaft, nämlich das von Ursache und Wirkung, völlig beiseite geschoben. Bisher beruhte die technische Kreativität auf der Suche nach dem geringsten Übel.  Eingriffe in die Natur basieren stets auch darauf, dass der Mensch die Natur stört. Dann kommt es darauf an, sie so wenig wie möglich und mit Hilfe technologischer Entwicklung nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu beeinträchtigen. Da helfen keine radikalen Verbote, sondern unter zu Hilfenahme der Logik z. B. die Artenvielfalt zu bewahren, die Klimaerwärmung zu bremsen, usw., ohne die technischen Errungenschaften, die der Mensch geschaffen hat, die für unseren Wohlstand verantwortlich sind, über die Maßen zu behindern. Was bringt das Verbot des Verbrennungsmotors, wenn er sogar helfen kann, Klimaprobleme zu lösen?

Gleiches gilt für das Wunschdenken, mit der in Deutschland gewonnenen regenerativen Energie, den enorm steigenden Bedarf an elektrischer Energie befriedigen zu können. Übrigens, die Elektrizität allein erfüllt nur einen Teil an der gesamten Energienachfrage, was völlig vergessen wird. Der Blick über die Grenzen und globales Denken bringt die Lösung. Um das zu begreifen reicht lineares Denken nicht aus. Dazu sei beispielsweise das schwergewichtige, Batterie getriebene Elektro-Auto genannt. Nur weil keine Abgase entstehen, muss das nicht klimagerecht sein. Warum sich dieses so eingefressen hat in die öffentliche Meinung, ist für das Land der Erfinder und Denker eine Schande. Wenn man in der Ökobilanz ein wenig komplexer nachdenkt, fällt jedem auf, dass das Auto das Klima nicht retten kann. Dabei gibt es Alternativen zu der Elektromobilität, die völlig verworfen werden, weil sinnlose Subventionen den Blick auf das Ganze verhindern.

Ich hoffe, dass meine Idee, die Zukunftsenergie Grüner Wasserstoff, der gebrauchsfreundlich in regeneratives Methanol verwandelt werden kann, Widerhall findet. Es hat sich noch nicht herum gesprochen, dass Methanol sämtliche fossilen Treib- und Brennstoffe ersetzen kann, das heißt sowohl Erdöl aber auch Kohle und Erdgas. Dabei wird Kohlensäure im Recycling-Verfahren zu einem Wertstoff, der die CO2-Neutralität ermöglicht.

Einen Riesenvorteil bringt Methanol zusätzlich, es ist als enorm energiehaltige Flüssigkeit ohne große Subventionen in Infrastruktur einsetzbar, und im Verbrennungsmotor erzeugt es sogar höhere Wirkungsgrade, als wenn er mit Benzin oder Diesel betrieben würde. Die Verbrennungsmotoren-Technologie ist seit 100 Jahren kontinuierlich optimiert worden. Deutschland war dabei weltweit führend. Warum dann auf Brennstoffzellen zu setzen, nur weil sich dabei nichts bewegt, bringt keinen Vorteil. Auch die Brennstoffzelle ist genauso wie der Verbrennungsmotor dem Gesetz des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik unterworfen. Die Brennstoffzelle viel teurer und hat seine Bewährungsprobe im Dauer- und Massenbetrieb noch vor sich.

Insbesondere hoffe ich, dass die Idee der Produktion von Methanol in klimageschädigten, aber von der Sonne verwöhnten  Entwicklungsländern an Ort und Stelle in großen Fabriken, gespeist durch die immer preiswertere moderne Fotovoltaik, politisch aufgegriffen wird. Sie ermöglicht in den ärmsten Ländern eine Arbeitsplatz schaffende Industrialisierung. Historisch gesehen geschah die industrielle Entwicklung in unseren Breiten auch immer dort, wo Energielagerstätten oder Wasserkraft vorhanden waren. Entwicklungshilfe auf Augenhöhe wird möglich, basierend auf dem Eigeninteresse der Industrieländer, ja sie schafft die Voraussetzung überall für CO2-neutrales, nachhaltiges wirtschaftliches  Wachstum – eine ideale Win-Win-Situation. Man darf sich fragen, warum das bisher noch nicht durchdacht worden ist. Es sollte zukünftig an erster Stelle aller Bemühungen stehen, die Klimaproblematik sozialverträglich zu lösen. Dann würde der von den Grünen immer gehegte Wunsch, aus Deutschland heraus die Welt zu retten, tatsächlich Wirklichkeit!! Um die Finanzierung mache ich mir keine Sorge. Alle bisher auf fossile Energie setzenden Staaten, vor allen Dingen die Erdölproduzenten und die Börsen aller Länder würden sich darauf stürzen, auch weil alle Infrastrukturen bereits vorhanden sind. Grünes Methanol machts möglich.

Jean Pütz

Die folgenden Links, enthalten  zwar noch nicht meine Vorschläge, aber sie belegen die Notwendigkeit des Umdenkens von grün-emotionalem Mainstreamdenken. Allerdings empfehle ich nur dann die Links zu verarbeiten, wenn Sie tief in das Thema einsteigen wollen, sonst ist das eine Strapaze.

Lieber Herr Pütz,

ganz ausgezeichnet, ich kann Ihnen da nur zustimmen:

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/02/05/die-welt-durch-verzicht-retten/

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/01/31/der-klimawandel-als-pseudobegrundung-fur-postwachstums-strategien/

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/06/10/leitfaden-zur-erkennung-ideologischer-einfluesse-auf-stellungnahmen-zur-energiewende/

Und wenn Sie sich nicht auch noch selber die Mühe machen wollen, die angeblichen Klimavorteile von E-Autos zu sezieren, dann erlaube ich mir dazu diesen Hinweis:

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/das-buch/

Ein Leser schrieb mir dazu:

„Ich habe es in einem Zug gelesen. Chapeau! Das ist mit großer Akribie und Umsicht sowie beeindruckendem Sachverstand geschrieben. Immer dann, wenn ich gedacht habe, jetzt müsste das Buch aber auf das und das eingehen, folgte prompt eine passende Passage. Alles drin, und kein Gramm Fett zu viel. Las sich bei allem Faktenreichtum durchweg spannend und vor allem zum Schluss dann auch noch recht amüsant (armer Prof. Wietschel). Hier hätten es Presse und Rundfunk verdient, auch noch kritisch gewürdigt zu werden? Aber wahrscheinlich wollten Sie nicht, dass Ihre Emotionen dann doch noch in den Galopp übergehen. Beeindruckend und der Sache dienlich, dass der Text trotz des Reichtums an belegten Absurditäten so sachlich bleibt. …
Bleibt die Frage, warum es so gekommen ist. Vor allem eingangs nehmen Sie die Politik in Schutz („schlecht beraten durch die Wissenschaft“), um dann gegen Ende darzustellen, dass viele Wissenschaftler und Berater halt nach der Pfeife der Politik tanzen, um weiterhin an Projekte und Aufträge zu kommen. Nun, eine klare Antwort habe ich auch nicht, aber irre ist es schon, ein riesiges Programm zu pushen, das das Gegenteil dessen bewirkt, was erreicht werden soll. Eigentlich ein Fall für die Soziologen und Herdenforscher. Bleibt spannend. – Keep up the good work!“

Auch der Experte Dieter Teufel, Leiter des Umwelt- und Prognose-Instituts in Heidelberg, kam zu einer wohlwollenden Bewertung: „Seine Gedankengänge sind logisch, die Herleitungen sauber, die Quellen gut belegt.“

Mit freundlichem Gruß

Kai Ruhsert

Regenerative Kraftstoffe für den Verbrennungsmotor

(KIT) – reFuels umfassen erneuerbare Kraftstoffe, die über unterschiedliche Wege hergestellt werden können. Wenn diese so gemischt und aufbereitet werden, dass sie die bestehenden Kraftstoffnormen erfüllen, können damit alle verbrennungsmotorischen Anwendungen bedient werden. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Fahrzeug- und Flottentests im Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im Vergleich zu rein fossilen Kraftstoffen ermöglichen die reFuels-Kraftstoffgemische eine mindestens 25-prozentige CO₂-Reduktion. Zusätzlich bieten sie leichte Vorteile bei den Schadstoffemissionen.

„Flüssige Kraftstoffe werden im Mobilitäts-Mix noch länger erforderlich sein, etwa im Bereich des Langstrecken-Schwerlastverkehrs, der Schiff- und Luftfahrt, aber auch in der Bestandsflotte der Pkw. Hier können synthetische Kraftstoffe eine komplementäre Lösungsmöglichkeit zur ‚Defossilisierung‘ des Verkehrs bieten“, so Dr. Uwe Wagner vom Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT. „Dafür müssen sie nachhaltig erzeugt werden können und möglichst schnell verfügbar sein“, sagt Professor Nicolaus Dahmen, im reFuels-Projekt zuständig für die Bereitstellung der Kraftstoffe. Für alle Arten heute üblicher Kraftstoffe gibt es etablierte und neue Prozesse, die den jeweiligen Kraftstoff liefern. „Die derzeit erprobten reFuels-Kraftstoffgemische ermöglichen bereits jetzt eine mindestens 25-prozentige CO₂-Reduktion im Vergleich zu rein fossilen Kraftstoffen“, so Dahmen. Im Projekt reFuels konnte dies für einige Beispiele, für die das KIT Technologien betreibt oder – wie im Fall des Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) – eine andere Quelle für die Kraftstoffe gefunden hat, gezeigt werden.

Praxistests zeigen positive Ergebnisse
„Die bisher bei uns untersuchten reFuels-Kraftstoffgemische halten bestehende Kraftstoffnormen für Benzin- und Dieselkraftstoffe ein. Bei Anwendungstests in Pkw der Bestandsflotte konnten wir bei reFuels keine nachteiligen Eigenschaften feststellen. In einzelnen Fällen zeigten sich hinsichtlich der Schadstoffemissionen sogar leichte Vorteile – sowohl bei den Diesel- als auch den Benzinfahrzeugen“, fasst Wagner die bisherigen Ergebnisse der RDE-Fahrten (Real Driving Emissions) mit kommerziell erhältlichem R33 und am KIT synthetisiertem G40 zusammen. Er und sein Team am IFKM untersuchten bei RDE-Fahrten in Karlsruhe und Umgebung, wie sich reFuels im realen Fahrbetrieb verhalten. Diese Fahrten fanden auf Streckenabschnitten in der Stadt, auf der Landstraße und der Autobahn statt, die aktuellen gesetzlichen Vorgaben zur Zertifizierung von Neufahrzeugen entsprechen. Für die Testfahrten des KIT wurden vier verschiedene Pkw mit einem mobilen Emissionsmessgerät (Portable Emission Measurement System, PEMS) ausgerüstet. Mit diesem Gerät, das auch im europäischen Forschungsprojekt MetroPEMS zum Einsatz kommt, können Stickoxid-, Partikel- und CO₂-Emissionen während der Fahrt gemessen werden. Zudem wurden Flottentests mit sechs Lkw durchgeführt. Diese haben mit dem Kraftstoff C.A.R.E Diesel® aus 100 Prozent kommerziell verfügbarem HVO über 350 000 Kilometer zurückgelegt. „Auch hier zeigten die Ergebnisse keinerlei Probleme in der Anwendung“, sagt Wagner. Für weitere Tests ist eine Ausweitung der Flotte und eine Verlängerung des Dauerlaufs bis 2024 geplant. „Auch Versuche an einem Bahnmotor mit R33 und reinem HVO zeigten dieselben Ergebnisse wie die Straßenversuche“, so der Experte.

Umweltbilanzierung zeigt potenzielle Vorteile
Im Rahmen des ganzheitlichen Projektkonzeptes wurden die regenerativen Kraftstoffe einer Umweltbilanzierung unterzogen. Dazu wurden alle wesentlichen Energie- und Stoffströme im Zusammenhang mit der Bereitstellungs- und Nutzungskette der reFuels und ihrer fossilen Pendants erfasst und ausgewertet. „Die Ergebnisse zeigen, dass die reFuels nennenswertes CO₂-Einsparpotenzial besitzen“, sagt Dr. Andreas Patyk vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT.  „Um die Treibhausgas-Reduktionspotenziale der auf Elektrolyse basierenden eFuels auszuschöpfen, muss der Strom zu 100 Prozent regenerativ erzeugt werden.“ Das für die Synthese notwendige CO₂ kann aus der Luft abgeschieden werden oder aus Abgasströmen von beispielsweise Biogas- und Kläranlagen oder auch Zementwerken stammen. „Für die Etablierung der Technologie müssen die PtX-Anlagen mit ausreichend hohen Volllaststundenzahl betrieben werden können“, so Patyk.

reFuels werden am KIT hergestellt
Am KIT wurden zunächst mittels unterschiedlicher Prozesse verschiedene Kraftstoffmischungen aus regenerativ synthetisierten Kraftstoffkomponenten (reFuels) und fossilen Kraftstoffen hergestellt. Diese Kraftstoffmischungen erfüllen bestehende Normen. Für Dieselkraftstoffe gilt die Norm EN590, für Ottokraftstoffe die EN228. Diese Kraftstoffmischungen sind drop-in-fähig, das heißt sie können in bestehenden Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. „Damit geben wir uns aber noch nicht zufrieden“, so Dahmen, „denn Ziel der Entwicklung müssen eigenständige Kraftstoffe ganz ohne fossile Anteile sein.“

Für die Herstellung von reFuels gibt es am KIT zwei Syntheseanlagen: In der bioliq®-Anlage auf dem Campus Nord des KIT wird beispielsweise Stroh verarbeitet, um synthetisches Benzin aus Biomasse der zweiten Generation, sogenannte advanced biofuels, zu produzieren. Anders als bei Biokraftstoffen der ersten Generation konkurriert die Synthese dieser fortschrittlichen Kraftstoffe aus Biomasse nicht mit dem Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln auf landwirtschaftlichen Flächen. „Wir müssen die Teller-oder-Tank-Diskussion vermeiden. Deshalb setzen wir auf Rohstoffe, die nicht in diesem Konflikt stehen“, sagt der Projektkoordinator, Dr. Olaf Toedter. Im benachbarten Energy Lab 2.0 des KIT entstehen eFuels aus der Elektrolyse von Wasser mithilfe von regenerativ gewonnenem Strom und CO₂. Ziel ist vor allem Kerosin, daneben entstehen auch Diesel- sowie Benzinfraktionen. Das bei der Verbrennung von eFuels entstehende CO₂ wird dadurch kompensiert, dass für ihre Herstellung CO₂ aus der Umgebungsluft oder aus biogenen Quellen verwendet wird.

Das Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“
Das Projekt betrachtet seit Januar 2019 Herstellung und Einsatz von erneuerbaren Kraftstoffen ganzheitlich. Solche Kraftstoffe können bestehende Verbrennungsmotoren zukünftig antreiben – in Pkw, Nutz- und Schienenfahrzeugen sowie in Flugzeugen. Sechs Institute des KIT arbeiten gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Energiewirtschaft, Mineralöl-, Automobil- und Zulieferindustrie unter dem Dach des Strategiedialogs Automobilwirtschaft des Landes Baden-Württemberg an der Bereitstellung und Einführung von reFuels. Zwei Pilot- und weitere Technikumsanlagen des KIT lieferten regenerative Kraftstoffe, die aufbereitet, charakterisiert und in Versuchsmotoren getestet wurden. So konnten Syntheseverfahren für reFuels optimiert werden, um Rohemissionen zu reduzieren. (cko)

 

Was Erdgas wirklich kostet – Roadmap für den Gasausstieg – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Sehr geehrte Damen oder Herren,

ich habe früher Herrn Sladek sehr geschätzt, denn seine Initiativen habe ich immer unterstützt. Leider ist dem diese Diskussion überhaupt nicht gerecht geworden. Ich habe sie von Anfang bis zum Ende verfolgt und selten so unqualifizierte, ideologisch gefärbte, einseitige Diskussionen erlebt wie diese. Jetzt weiß ich auch, warum der Vertreter des Ministeriums mit Abwesenheit glänzte und die Bundestags-Abgeordnete der SPD nur Allgemeinplätze verkündete, ganz im Sinne des Mainstreams der glaubt, aus Deutschland heraus könnten wir die Welt retten. Das ärgert mich um so mehr, als dass ich Klimaschützer der ersten Stunde bin. Vielleicht hätte es Ihnen geholfen, wenn Sie meine damaligen Sendungen in der ARD-Reihe ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ zwei Folgen mit dem Titel ‚Der Sonne eine Chance‘, ausgestrahlt 1990, sich einmal angeschaut hätten. Sie können sie bei YouTube runterladen.

Ich bedaure sehr, dass nicht nur Schönau, sondern vor allem die sogenannte FÖS sich mit ihrem wissenschaftlich verbrämten Rechnereien in die Sekte der Realitäts-Verweigerer verabschiedet hat.

Bitte streichen Sie mich aus Ihrem Abonnement-Kreis.

Jean Pütz

(EWS) – Die am heutigen Mittwoch veröffentlichte Studie «Was Erdgas wirklich kostet – Roadmap für den Gasausstieg im Wärmesektor» zeigt deutlich, dass die Klimakosten von Erdgas weit höher sind als bisher angenommen und in erheblichem Maße zu den Treibhausgas-Emissionen beitragen. Die vom Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau durchgeführte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass durch die Verwendung von Erdgas im Wärmesektor in Deutschland jährliche Treibhausgas (THG)-Emissionen in Höhe von 91,5 bis 107,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten anfallen – wovon 87,1 Tonnen verbrennungsbedingt aus CO2-Emissionen stammen und rund 4,4 bis 20 Millionen Tonnen aus Methanleckagen entweichen. Zum Vergleich: die gesamten CO2-Emissionen des Landes Berlin betrugen im Jahr 2019 etwa 17 Millionen Tonnen CO2.

Nach dem Schadenskostenansatz für 2021 bedeutet das: Durch die Nutzung von Erdgas im Gebäudesektor entstehen Klimakosten von rund 18 bis 21 Milliarden Euro, wobei auf die besonders klimawirksamen Methanleckagen rund 0,9 bis vier Milliarden Euro entfallen.

Klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2030 möglich

«Die Studie macht mehr als deutlich, dass wir einen baldigen Ausstieg aus dem Erdgas in der Wärmeerzeugung brauchen», sagt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau. Vor dem Hintergrund, dass die Treibhausgas-Emissionen im Gebäudesektor ­- mit 16 Prozent für die Emissionen insgesamt in Deutschland verantwortlich – zu mehr als 60 Prozent auf die Erzeugung von Wärme auf Basis von Erdgas zurückgehen, betont Sladek: «Wir können und müssen in Deutschland schnellstmöglich klimaneutral werden und daher auch im Wärmesektor auf regenerative Lösungen setzen. Dass dies möglich ist, zeigt die Studie sehr eindrucksvoll.»

Isabel Schrems, Autorin der Studie und Wissenschaftliche Referentin beim FÖS, hob bei der Vorstellung ihrer Analyse hervor, dass das Potenzial aus Solarthermie, Biomasse, Geothermie, Umweltwärme und Abwärme aus der Industrie im Jahr 2030 bei 1.403 bis 2.183 Terrawattstunden liege. Damit sei es fast doppelt so hoch wie der heutige Endenergieverbrauch im Gebäudewärmesektor. Zusammen mit der erwarteten weiteren Zunahme der Energieeffizienz sei sehr wahrscheinlich, dass in Deutschland bis Ende des Jahrzehnts genügend erneuerbare Wärme erzeugt werden kann. Ein Ausstieg aus der Nutzung aller fossilen Energieträger im Gebäudebereich, inklusive Erdgas, machbar sei.

Klimakosten von Erdgas noch nicht eingepreist

«Die Studie zeigt, dass die wahren Klimakosten durch Erdgas weit höher sind als der aktuelle Preis», betonte Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, «denn drei Viertel dieser Kosten sind bisher nicht im Preis berücksichtigt. Diese Kosten über den Brennstoffemissionshandel schnellstmöglich einzupreisen ist klimapolitisch dringend angezeigt und logische Konsequenz aus dem Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Wir brauchen auf dem Weg zum Erdgas-Ausstieg aber auch ordnungspolitische und planungsrechtliche Maßnahmen, um schnell voranzukommen. Mit kommunalen Wärmeplänen und einem Neubauverbot für Gasheizungen können dezentrale, nachhaltige Wärmenetze gefördert werden. Das wird z. B. in Dänemark bereits praktiziert.»

Verena Graichen, Stellvertretende Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, drängte bei der Podiumsdiskussion im Anschluss an die Studienvorstellung auf mehr Energieeffizienz bei der Umsetzung der Wärmewende. Ein großes und schnell ausbaubares Potenzial liege in der energetischen Gebäudesanierung. Die per Video zugeschaltete SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer betonte, dass Erdgas allenfalls noch für eine kurze Übergangszeit als Brücke zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien dienen dürfe. Vor allem müsse der Ausbau der Erneuerbaren Energien – auch im Wärmesektor – deutlich beschleunigt werden. Dies müsse, so waren sich die Podiumsteilnehmer:innen weitestgehend einig, vor allem auch über eine grundsätzliche Reform des Systems der Steuern, Abgaben, Entgelte und Umlagen auf Energie geschehen.

 

Über das FÖS
Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e.V. ist ein unabhängiger politischer Think Tank für marktwirtschaftliche Instrumente in der Umwelt- und Klimapolitik. Das FÖS erstellt ökonomische Studien und politische Expertisen. Seit 1994 setzt es sich für die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft ein.

Über die EWS Elektrizitätswerke Schönau
Seit 2009 firmiert die heutige EWS Elektrizitätswerke Schönau eG als Genossenschaft mit ca. 9.000 Mitgliedern. Die EWS-Gruppe setzt sich für die Energiewende und eine vollständige, effiziente Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien ein. Bürgerliches Engagement, Mitbestimmung und Dezentralisierung gehören dabei zu den Grundpfeilern des unternehmerischen Handelns. Aktuell werden bundesweit ca. 220.000 Kunden mit Ökostrom und Biogas versorgt.