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Reinfall mit Impfstoff Curevac gegen Corona – Ursache und Folgen

Curevac, das war lange Zeit die große Impfstoff-Hoffnung im Kampf gegen Corona. Nachdem das Management vergangene Woche die finalen und weiterhin schlechten Ergebnisse des Impfstoffs mit 48 Prozent Wirksamkeit vermeldet hatte, ging das Unternehmen erst einmal auf Tauchstation. Jetzt erfuhr Business Insider aus Branchenkreisen, dass seit Wochen ein interner Machtkampf in der Tübinger Zentrale tobt.

Dabei geht es unter anderem darum, wie die schlechten Daten interpretiert und nach außen kommuniziert werden sollen. Ziel des Managements von Curevac ist, trotz der spärlichen Wirksamkeitsdaten, den Impfstoff unbedingt durch die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) zu bringen. Es ist der letzte Strohhalm, an den sich alle klammern.

Dass der Impfstoff den Konkurrenten Biontech/Pfizer und Moderna meilenweit unterlegen ist, steht seit längerem fest. Und es ist auch seit längerer Zeit intern bekannt, dass es erhebliche Schwierigkeiten mit dem Tübinger Vakzin und der Zulassungsstudie gibt. Studienleiter Peter Kremsner von der Universität Tübingen, den Business Insider nach dem Grund für das schlechte Abschneiden des mRNA-Vakzins fragte, erklärt: „Wir konnten einfach nicht hoch genug dosieren.“ Niemand hat in Europa mehr Probanden geimpft als Kremsner. Da der mRNA-Impfstoff im Gegensatz zu dem von Biontech/Pfizer und Moderna chemisch unmodifiziert ist, führte eine höhere Dosis zu starken Immunreaktionen. Zu Beginn hatten die Ärzte laut Kremsner auch Dosierungen mit 16 und 20 Mikrogramm getestet. Die Unverträglichkeiten war dann nicht mehr tolerabel.

Ein weiteres Problem des Curevac-Vakzins besteht darin, dass er Älteren offenbar kaum zu schützen vermag. „Es wirkt praktisch überhaupt nicht bei Älteren, man kann zumindest sagen, wir haben zu wenig Fälle“, erklärt Studienleiter Kremsner. Insgesamt traten in der Phase-3-Studie 21 Fälle von Covid-19-Infektionen bei den über 60-Jährigen auf. Schlechter hätte es kaum laufen können. Auch wenn dies nicht statistisch signifikant ist, heißt es doch vorläufig, dass die Impfung gerade in derjenigen Altersgruppe seine Wirkung verfehlt, die sie besonders dringend benötigt.

Was heißt dies nun für Menschen, die zwischen 55 und 60 Jahre alt sind? Die komplette Wirkungslosigkeit setzt ja nicht schlagartig mit dem runden Geburtstag ein, bei der eine „60“ auf der Torte prangt?

Aufgrund dieser Daten fahndet das Unternehmen nun nach einer geeigneten Untergruppe, für die es eine Notzulassung oder Zulassung beantragen könnte und für die die EMA mit viel guten Willen dann grünes Licht geben würde. Zumindest hypothetisch. „Wir sind noch in der Analyse und in Gesprächen mit der Europäischen Arzneimittelagentur“, erklärt CEO Franz-Werner Haas gegenüber Businessinsider.

Bei der Präsentation der Studien-Endergebnisse vertrat Haas vergangene Woche hingegen eine komplett andere These. Die zirkulierenden Virusvarianten hätten dazu geführt, dass ihr Vakzin schlechter abgeschnitten habe. Die finale Messung ergab 48 Prozent Wirksamkeit.

Tatsächlich war im europäischen Teil der Studie praktisch nur eine einzige Variante anzutreffen: 92 Prozent der Proben bestanden aus Alpha, also der britischen Variante. Bei den unter 60-Jährigen wirkt das Curevac-Vakzin laut Präsentation gegen Alpha zu 55 Prozent. Addiert man die Gesamtpopulation mit den Älteren hinzu, müsste man noch ein paar Prozentpunkte von der Wirksamkeit abziehen und landete wieder bei etwa 48 oder 50 Prozent.

Auf die Frage, wie hoch die Wirksamkeit im europäischen Part in der Studie insgesamt war und wie hoch damit der Schutz vor der Alpha-Variante, sagte eine Sprecherin von Curevac: „Diese spezifischen Zahlen nach Kontinenten gesplittet haben wir nicht kommuniziert, lediglich jeweils immer bezogen auf die Gesamtanzahl.“

Es fällt ebenfalls auf, dass die Curevac-Untersuchung vom ursprünglichen Studienprotokoll stark abweicht. In der ursprünglichen Version mussten 160 Fälle von Covid-19 erreicht werden, damit das Data Safety Monitoring Board die finalen Datenanalyse vornehmen kann. Festgelegt wurde, dass bei 160 Fällen mit einer 50,5 Prozent Wirksamkeit der Studienerfolg eingetreten wäre. Doch anstatt den Erfolg bei 160 fällen zu vermelden, hat das Unternehmen weitere 68 Fälle abgewartet. 228 Fälle in der Präsentation. Die Gesamtwirksamkeit beträgt 48 Prozent. Damit gilt die Studie nach wissenschaftlichen Kriterien als gescheitert, da sie die Hürde, den so genannten primären Endpunkt, nicht erreicht hat. Studienleiter Kremser wollte dies nicht kommentieren.

Damit würde das Unternehmen dann nicht nach ein paar Tagen einen Zulassungsantrag einreichen, sondern bespricht vielmehr erst mit den Arzneimittelbehörden, für welche Untergruppe eine Zulassung noch möglich wäre. Das kann dauern.

Bei den 10 000 europäischen Probanden der Phase-3-Studie spielte Delta noch gar keine Rolle. Curevac identifizierte in der gesamten Studie insgesamt nur ein Prozent. Denn die Delta-Variante zirkulierte während der Studie noch nicht. Sie verbreitete sich erst rasant nach der Auswertung der Daten.

In Südamerika traten neben dem Ursprungstyp aus dem chinesischen Wuhan fünf namentlich aufgeführte Varianten auf. Hinzu kommen 13 Prozent „Sonstige“. Zählt man Delta aus dem europäischen Teil hinzu, kommt man rechnerisch insgesamt auf den Urspungstyp und sechs häufigere Varianten. Die Grafik in der Präsentation von Vorstandsvorsitzendem Haas nennt hingegen 15 Varianten. Die fehlenden neun Varianten verbergen sich unter den dreizehn Prozent „Sonstige“, spielen daher zahlenmäßig für das Gesamtgeschehen eine eher untergeordnete Rolle. Nur sechs Varianten und 13 Prozent „Sonstige“, davon ein einziges Prozent Delta, kamen in der Studie vor. Die These, welche die niedrige Wirksamkeit hauptsächlich auf das schwierige Variantenumfeld schiebt, wirkt auf der Grundlage dieser Zahlenanalyse weit hergeholt.

Noch dazu steht nun fest: Die anderen mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna wirken gut gegen die Varianten. Hier büßt die Effektivität einige Prozentpunkte ihrer 95-prozentigen beziehungsweise 94-prozentigen Wirksamkeit ein. Nur Delta scheint die Wirksamkeit der Impfstoffe möglicherweise empfindlich zu senken.

Aktuell verschleiert nun Curevac offenbar das Problem und sagt, sie hätten die erste Studie mit validen Daten zu den Varianten präsentiert. Erst die umfassende Veröffentlichung der Endergebnisse dürfte Klarheit schaffen, was das Curevac-Vakzin kann und was nicht. „Die Studiendaten werden wie für klinische Studien üblich demnächst im Rahmen einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlicht“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Wie kam es zu den Fehlern? Man habe am Anfang Zeit verloren, sagt ein Brancheninsider gegenüber Business Insider, und sei viel zu spät mit der Phase-3-Studie gestartet. Als die Studie im Dezember vergangenen Jahres dann begann, wurde der erste Impfstoff von Biontech/Pfizer in der EU bereits zugelassen. So zögerten viele potentielle Probanden, da die Leute hofften, auf irgendeinem Weg an das wirksame Biontech/Pfizer-Vakzin heranzukommen. In der Curevac-Studie bestand ja eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit, statt des Impfstoffs eine unwirksame Scheinimpfung zu erhalten. Nur schleppend konnte Curevac daher die nötigen Probanden rekrutieren.

Interessant wird sein, ob die EU der Firma das Vakzin überhaupt abnehmen wird. In der Online-Pressekonferenz vergangene Woche gab sich Vorstandschef Haas selbstbewußt und sagte, es gäbe eine Abnahmeverpflichtung der EU für den Impfstoff, wenn die EMA eine Zulassung erteilen würde. Doch das stimmt so nicht.

Mittelstands-Pleiten häufen sich wegen Mainstream-Klimarettungs-Politik

Monatelang wurde gestritten, in der letzten Juniwoche schließlich stimmte der Bundestag der Carbon-Leakage-Verordnung zum Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) zu. Am Mittwoch beschloss auch das Bundeskabinett die Regelung. „Carbon Leakage“ bezeichnet die Produktionsverlagerung ins Ausland aufgrund von CO2-Kosten. Genau diesen Effekt soll die Verordnung verhindern.

Doch sie bleibt weit hinter den Erwartungen der Unternehmen zurück. Die Hoffnungen Tausender Firmen des industriellen Mittelstands, die Regierungskoalition aus Union und SPD würde den Entwurf des Bundesumweltministeriums noch an entscheidenden Stellen nachbessern, haben sich nicht erfüllt.

Ihn beschleiche Resignation, „weil man schon heute klar vorausberechnen kann, dass man trotz aller Anstrengungen und trotz jahrhundertelanger erfolgreicher Arbeit wegen der politischen Rahmenbedingungen am Standort Deutschland kaum noch bestehen kann“, sagte Volker Schulte, technischer Leiter und Prokurist der Olsberg GmbH im Sauerland, dem Handelsblatt. „So eine kopflose und desaströse Politik haben die energieintensiven deutschen Mittelständler nicht verdient“, sagte Schulte.

In dem 1577 gegründeten Unternehmen sind zwei Eisengießereien betroffen, eine davon am Hauptsitz des Unternehmens in Olsberg, die andere in Königshütte in Sachsen-Anhalt. In Olsberg arbeiten 150 Menschen in der Gießerei, in Sachsen-Anhalt 50.

1500 Unternehmen mit Kompensationsansprüchen
Mit dem CO2-Preis sollen Investitionen in klimafreundliche Technologien gefördert werden. Das gilt für den privaten Bereich wie für Unternehmen. Die Gastherme im Heizungskeller soll durch eine elektrische Wärmepumpe ersetzt werden, der Verbrenner-Pkw durch ein E-Auto. Unternehmen sollen erdgas- oder kohlebefeuerte Anlagen durch strom- oder wasserstoffbasierte Verfahren ersetzen. Unternehmen, die im internationalen Wettbewerb mit Ländern stehen, in denen es vergleichbare Belastungen nicht gibt, sollen eine Kompensation erhalten.

Nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt), die beim Umweltbundesamt (UBA) angesiedelt ist, sind etwa 1500 Unternehmen berechtigt, die Kompensation in Anspruch zu nehmen. Das voraussichtliche Kompensationsvolumen beziffert die DEHSt für 2021 auf 274 Millionen Euro, für 2022 auf 329 Millionen Euro.

Doch die Kompensation ist knapp bemessen. „Wir bekommen eine Kompensation in Höhe von 26 Prozent der Kosten, die der CO2-Preis bei uns auslöst. 50 bis 80 Prozent dieser Kompensation müssen wir in Klimaschutzmaßnahmen investieren“, kritisierte Schulte. „Wir bleiben auf 74 Prozent der Kosten sitzen. Das frisst die Umsatzrendite annähernd auf“, sagte er. „Unsere Wettbewerber in Europa kennen die Kostenlast, die das BEHG verursacht, nicht. Sie stehen im Ringen um Aufträge künftig deutlich besser da als wir.“

Die Olsberg-Gießereien sind kein Einzelfall. Dem Handelsblatt liegen Berechnungen für einzelne Unternehmen vor, denen zufolge die CO2-Kosten die Umsatzrendite sogar übersteigen. Das gilt bereits ab einem CO2-Preis von 25 Euro. Mit dem geplanten Anstieg des CO2-Preises wachsen die wirtschaftlichen Probleme deutlich.

Eine praktikable Alternative steht nicht zur Verfügung
Gibt es für die Olsberg-Gießereien einen Ausweg? Die Gießereien des Unternehmens werden mit Öfen betrieben, die mit Kokskohle befeuert werden. Könnte das Unternehmen nicht einfach auf das deutlich weniger CO2-intensive Erdgas umsteigen?

Schulte ist skeptisch: „Es ist für uns nicht leicht, Alternativen zu Koks zu finden. Wir brauchen Temperaturen von 1540 Grad Celsius, den Kohlenstoff zum Aufkohlen des Eisens und die reduzierende Atmosphäre im Ofen für den Einsatz auch geringerwertiger Schrotte“, sagte der promovierte Ingenieur. Das lasse sich mit einem erdgasbetriebenen Ofen nicht erreichen. „Das funktioniert nicht einmal auf der Ebene technischer Versuche.“

Wäre Strom eine Alternative? Grundsätzlich kommt ein Induktionsofen in Betracht, der mit Strom betrieben wird. „Wir würden dann an Recyclingfähigkeit einbüßen, mehr Strom verbrauchen als die gesamte Stadt Olsberg und beim aktuellen Strommix in Deutschland kaum weniger CO2 ausstoßen als aktuell“, sagte Schulte.

Tausende Unternehmen bekommen gar keine Kompensation
Außerdem gehe bei strombasierten Hochtemperaturprozessen der Effizienzvorteil von Strom verloren. „Es wäre also sinnvoll, den Strom zunächst für die Elektromobilität oder für den Betrieb von Wärmepumpen im Gebäudesektor einzusetzen. Sollte es dann in einigen Jahren tatsächlich gelungen sein, Strom aus erneuerbaren Quellen im Übermaß zur Verfügung zu haben, könnte er auch für Hochtemperaturprozesse in der Industrie eingesetzt werden“, sagt Schulte. Aber bis dahin dürfte es seiner Meinung nach noch ein weiter Weg sein.

Neben Fälle mit einer aus Sicht der Unternehmen unzureichenden Kompensation treten Tausende Fälle von Firmen, die gar keinen Ausgleich erhalten, obwohl sie erhebliche CO2-Kosten haben und im internationalen Wettbewerb stehen. Das liegt beispielsweise daran, dass die Unternehmen die für die Kompensation erforderliche Handelsintensität nicht belegen können, weil diese schlicht nicht statistisch erfasst wird. Die Handelsintensität sagt aus, in welchem Umfang ein Unternehmen Handel mit Drittstaaten außerhalb der EU betreibt.

Zur Beantwortung der Frage, ob und inwieweit ein Unternehmen im internationalen Wettbewerb steht, ist die Handelsintensität aus Sicht vieler Firmen daher völlig ungeeignet. Ihr Argument: Ein Autozulieferer, der seine Gussteile zu hundert Prozent an ein Autowerk in Deutschland liefert, steht im internationalen Wettbewerb – er muss sich gegen Konkurrenz aus Frankreich, Ungarn oder Asien durchsetzen.

Zu den Unternehmen, die komplett leer ausgehen, gehören Feuerverzinker, Teile der Keramikindustrie und der Textilindustrie. In den betroffenen Branchen wächst die Verzweiflung.

„Die Carbon-Leakage-Verordnung zum BEHG stellt für viele Unternehmen der Keramikindustrie ein Desaster dar“, sagte Christoph René Holler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Keramische Industrie, dem Handelsblatt. „Die Geschirrindustrie bekommt eine Kompensation in Höhe von 49 Prozent, muss also noch 51 Prozent der Kosten, die das BEHG verursacht, selbst tragen, ähnlich sieht es für die Sanitärkeramik aus“, klagt Holler.

Das belaste die Wettbewerbsfähigkeit enorm. „Für technische Keramik gibt es gar keine Kompensation. Das gleicht einem massiven Anschlag auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen“, sagte er.

An Warnungen hat es nicht gefehlt
Aus Sicht der Unternehmen ist die Lage besonders ärgerlich, weil es an Warnungen in den vergangenen Monaten nicht gemangelt hat. Die Union macht die SPD für das Ergebnis verantwortlich: „Die Union wollte wesentlich weitreichendere Entlastungen gerade von kleinen und mittelständischen Unternehmen. In den Verhandlungen mit der SPD haben wir daher intensiv auf eine weitere Erhöhung der Kompensationsgrade und niedrigere Zugangsschwellen zum Carbon-Leakage-Schutz gedrungen“, sagte Unionsfraktionsvize Stephan Stracke (CSU) dem Handelsblatt.

Dies sei jedoch aufgrund des starken Widerstands des Koalitionspartners und des Bundesumweltministeriums nicht erreichbar gewesen. „Die Verweigerungshaltung der SPD zeigt, wie weit sich die SPD bereits von den berechtigten Schutzinteressen der Arbeitnehmer entfernt hat“, ergänzte er.

Die Sozialdemokraten weisen den Vorwurf zurück. Für die SPD sei klar, dass die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Unternehmen sichergestellt sein müsse, sagte Bernd Westphal, energiepolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, dem Handelsblatt. „Die Verordnung enthält zudem eine Evaluierungsklausel, die eine Überprüfung bis Ende 2021 vorsieht“, sagte Westphal. Damit sei sichergestellt, dass auf mögliche Überforderungen – im Dialog mit den betroffenen Akteuren – zu gegebener Zeit reagiert werden könne.

Das Bundesumweltministerium hat wenig Verständnis für die Kritik. Die Verordnung schaffe „ein solides Fundament für einen wirkungsvollen Schutz vor Verlagerungen deutscher Unternehmen ins Ausland“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Wenn beim Vollzug der Verordnung erkennbar wird, dass die Regelungen nicht ausreichen, um einen angemessenen Schutz zu gewährleisten, ist eine Anpassung der Regelungen möglich.“

Ist Besserung in Sicht, falls die Grünen an der nächsten Bundesregierung beteiligt sind? Dieter Janecek, Sprecher für Industriepolitik der Grünen-Bundestagsfraktion, weckt Hoffnung: „Leider wird die Carbon-Leakage-Verordnung dem Anspruch eines nachhaltig-innovativen und klimaneutralen Umbaus der industriellen Prozesse nicht gerecht.“ Die Verordnung sei handwerklich schlecht gemacht und führe zu Nachteilen im internationalen Wettbewerb.

 

Wissen und Gerechtigkeit

Als Mitglied bei Wikimedia möchte ich Ihnen die folgende Pressemitteilung nicht vorenthalten. Das Problem ist, dass viele, bei denen es besonders um die Gerechtigkeit geht, etwas umfangreichere Informationen verabscheuen. Alles mündet letztlich in der Frage, wie es gelingt, etwa die Hälfte der Bevölkerung an vernunftbetonten Informationen zu beteiligen. Damit steigt und fällt auch die freie Demokratie, in der Populismus und auf Überschriften reduzierte Inhalte keine Chance haben. Dies daraus resultierende Unwissen bestärkt die Verschwörungstheoretiker und Untergangspropheten.

Hier ein lesenswerter Newsletter von Wikimedia, der Muttergesellschaft von Wikipedia.

Jean Pütz

(Wikimedia) – Für die Schule war das letzte Jahr eine echte Herausforderung. In Wechsel- oder Distanzmodellen hieß es Unterricht neu denken. Dabei helfen hochwertige Bildungsinhalte wie die von ARD, ZDF und Deutschlandradio. Voraussetzung ist aber, dass diese Inhalte auch flexibel an die Bedürfnisse der Nutzenden – in dem Fall Schüler*innen – angepasst werden können. Remix ist der Standard in der unterrichtlichen Praxis.

Der „Runde Tisch Freie Lizenzen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk“ macht dies seit 2018 möglich. Jedes Jahr lädt Wikimedia Deutschland Vertreter*innen der Rundfunkanstalten, Bildungsakteure und Ehrenamtliche dazu ein, gemeinsam über den freien Zugang zu Inhalten zu diskutieren. Beim Runden Tisch am 25. Juni wurde Bilanz gezogen. Denn Vieles hat sich in den letzten Jahren bewegt:

„Seit über einem Jahr stellen wir im ZDF ausgewählte Clips von Terra X unter CC-Lizenz zur Verfügung. Unsere Bilanz fällt sehr positiv aus. Allein über die Wikipedia konnten wir schon über 15 Millionen Abrufe sammeln. Auch die Rückmeldungen von den Schulen sind positiv.“

Sophie Burkhardt, ZDF, HR Neue Medien, Leitung funk

Eine Befürchtung in den ersten Runden war, dass die bereitgestellten Inhalte in sinnentstellenden Kontexten auftauchen. Geklärt haben wir daraufhin, was auch die freien Lizenzen CC BY oder CC BY-SA eben nicht erlauben: Sinnentstellendes, Verbreitung ohne die Kenntlichmachung der Bearbeitung, Verletzung der Urheberpersönlichkeit Weder das ZDF noch wir konnten bisher Fälle von Missbrauch ausmachen. Im Gegenteil: Die Inhalte werden mit korrektem Quellennachweis auf Schulserver, auf Videoplattformen und Sammlungen gespiegelt. Zudem nutzen Wikipedia-Aktive die Inhalte, binden sie in Artikel ein und übersetzen sie ins Englische, Niederländische, Spanische, Katalanische und sogar Lateinische!

„Herdenimmunität“ gegen Desinformation
Falschinformationen, das wissen wir, verbreiten sich schnell. Die Teilnehmenden des Runden Tisches sind sich einig, dass es gerade jetzt wichtig ist, verlässliche Informationen bereitzustellen – nur so lässt sich der Tendenz zur gezielten Desinformation wirksam begegnen. Gesicherte Informationen aus guten Quellen müssen möglichst schnell, einfach und leicht verbreitet und genutzt werden können (vgl. dazu diesen Blogbeitrag).

„Verlässliche und gut recherchierte Informationen bewirken – wenn sie sichtbar und überall zugänglich sind – eine „Herdenimmunität“ gegen Fake News und Verschwörungstheorien, nicht nur in der Pandemie. Deshalb wünschen wir Länder uns eine stärkere Zusammenarbeit von ARD, ZDF und Deutschlandradio gerade auch mit Kultur- und Bildungseinrichtungen, wie sie im Rahmen des Runden Tisches nun schon seit 2018 mit Leben gefüllt wird.“

Coronameldung über Abwasser

(DWA) – Wasser als zentraler Baustein der lebenswerten Zukunftsstadt und Coronamonitoring über den Abwasserpfad – mit zwei hochaktuellen Themen beteiligt sich die DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall an der vom Bundespräsidenten und der DBU Deutschen Bundesstiftung Umwelt ausgerichteten „Woche der Umwelt“. Unter dem Motto „So geht Zukunft!“ findet die Woche der Umwelt dieses Jahr am 10. und 11. Juni digital statt. „Wir bedauern, dass es dieses Jahr nicht möglich ist, den Bürgern die Themen der Wasserwirtschaft im direktem Kontakt im Park des Schloss Bellevue näher zu bringen. Gleichzeitig freuen wir uns aber, durch das digitale Format bundesweit Menschen für die wasserbewusste Zukunftsstadt begeistern und über die vielfältigen Möglichkeiten des Coronamonitorings über den Abwasserpfad informieren zu können“, betont Johannes Lohaus, Sprecher der DWA-Bundesgeschäftsführung. „Zudem sind wir sehr stolz, zum vierten Mal in Folge von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt als Aussteller für die Woche der Umwelt ausgewählt worden zu sein.“

Fachforum Corona auf der Spur
Genmaterial von Coronaviren – nicht das Virus selbst, das Coronavirus kann als behülltes Virus im Abwasser nicht überleben – ist im Abwasser nachweisbar. Dies bietet der Pandemiebekämpfung vielfältige Möglichkeiten. Über den Abwasserpfad können Änderungen im Infektionsgeschehen bereits fünf bis zehn Tage vor den offiziell ermitteln Fallzahlen erkannt werden. Auch asymptomatisch Infizierte werden über den Abwasserpfad erfasst, Mutationen des Virus können frühzeitig nachgewiesen werden. Zudem ist auch eine Rückverfolgung über das Kanalnetz zu Corona-Hot-Spots möglich. Aufgrund dieser Möglichkeiten hat die EU-Kommission bereits im Frühjahr allen Mitgliedsstaaten den Aufbau eines entsprechenden Monitoringsystems dringend empfohlen. In Deutschland laufen aktuell zahlreiche Pilotprojekte, um das System in der Praxis zu etablieren. Die DWA vernetzt die Forschung und Praxis im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt CoroMoni.
Diese umfassenden Möglichkeiten und konkrete Praxiserfahrungen stehen im Mittelpunkt des Fachforums „Corona auf der Spur“, das die DWA am 10. Juni von 14.00 bis 15.00 Uhr auf der Woche der Umwelt anbietet. Das Fachforum beginnt mit einem kurzen Filmbeitrag, der den gesamten Prozess des Abwassermonitorings darstellt und erläutert. Anschließend belegen zwei Vorträge, wie ein solches Überwachungssystem in der Pandemiebekämpfung eingesetzt werden kann. Prof. Jörg Drewes zeigt anhand des von ihm koordinierten Projektes „Berchtesgadener Land“, wie ein abwasserbasiertes Überwachungs- und Frühwarnsystem in ein pro-aktives Krisenmanagement münden kann – eine Blaupause für andere Kommunen in Deutschland! Welche Möglichkeiten das Coronamonitoring über den Abwasserpfad für das Aufspüren und den Nachweis von Virusmutationen bietet, analysiert Prof. Susanne Lackner, TU Darmstadt. Abschließend stehen die Experten für Fragen im Chat zur Verfügung.

Wasserbewusste Zukunftsstadt

Schöner Wohnen, mehr Grün in der Stadt, bestmöglich geschützt vor Starkregen – und gleichzeitig eine sichere Wasserversorgung der Grünanlagen sowie ein wesentlicher Beitrag zur Milderung des Hitzestresses an heißen Sommertagen. Die wasserbewusste Zukunftsstadt bietet viele Vorteile. Die DWA nutzt das Ausstellerforum der Woche der Umwelt, um die Bürger über die zahlreichen Vorteile einer wasserbewussten Zukunftsstadt zu informieren. Im Fokus stehen konkrete und einfach realisierbare Maßnahmen für Bürger und Kommunen. Grün auf dem Balkon, auf dem Dach, auf der Garage und vor dem Haus schafft nicht nur Lebensräume für Insekten und Kleinstlebewesen, sondern auf diesen Grünflächen versickert der Regen und die Verdunstung der Pflanzen bringt Kühlung. Die Fassadenbegrünung ist nicht nur etwas fürs Auge, sondern der Feinstaub wird durch die Vegetation merklich reduziert. Die DWA stellt Kommunen und Bürgern umfassendes Informationsmaterial zur wasserbewussten Zukunftsstadt zur Verfügung.

 

Auf dem Weg zur unendlich verfügbaren Energie? – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

1971 habe ich der Fusions-Energie im Rahmen meiner Sendereihe ‚Energie, die treibende Kraft‘ eine der 13 Folgen gewidmet. Sollte es möglich sein, die Energie-Prozesse in der Sonne, das heißt, die Fusion von Wasserstoff und Helium auf die Erde zu holen, ist der Verfügbarkeit der Energie keine Grenzen mehr gesetzt. Damals, Anfang der 70er Jahre erklärten die Wissenschaftler mir, man bräuchte noch etwa 40 Jahre, um diesen Traum zu verwirklichen. Um eine Fusion in Gang zu setzen, benötigt man mindestens Temperaturen von 150 bis 200 Millionen Grad Celsius. Dem können keine Materialien Stand halten. Aber, ähnlich wie in der Sonne, gibt es das Plasma, das heißt, Gase, in denen sich Elektronen unabhängig von ihrem Kern bewegen. Ein Plasma ist deswegen durch magnetische oder elektrische Felder beeinflussbar. Die Forschungen laufen darauf hinaus es so zu beeinflussen, dass es wie in einem Behälter, sogar unter höchstem Druck, eingefangen wird. Das war wissenschaftlich so schwierig, dass die Vorhersage mehr Wunschdenken als Realität entsprach, denn die Geometriefelder so zu gestalten, das dies möglich wird, zieht so komplizierte Rechenvorgänge nach sich, dass erst heute extreme Super-Computer dazu in der Lage sind, das zu simulieren. Dies scheint nun gelungen zu sein, z. B. in dem man 100 Millionen Grad heißes Plasma gezielt bündeln kann. Darüber berichtet die folgende Mitteilung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik in Greifswald und Garching. Um dies real umzusetzen, gibt es dort riesige Apparaturen, bei einem dieser Versuche, die einen Weltrekord von über 50 Millionen Grad Celsius heißes Plasma realisierte, war ich als Beobachter dabei.

Die weitere Forschung in ganz Europa macht Hoffnung, dass der Fusionsreaktor realisierbar ist. Die größten Super-Computer der Welt sind dabei involviert, aber mindestens 30 Jahre müssen wir uns noch gedulden, so lange sind wir verpflichtet, die Sonnenenergie noch durch Fotovoltaik, Solarthermie, Wind oder Wasserkraft in herkömmlicher Weise einzufangen.

Jean Pütz

Eine aktuelle Veröffentlichung aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) zur theoretischen Vorhersage einer neuartigen Transportbarriere im Plasma und ihrer anschließenden experimentellen Bestätigung (Physical Review Letters) zeigt beispielhaft, wie dramatisch die Leistungsfähigkeit von Plasma-Simulationen und -Modellierungen in den letzten Jahren gewachsen ist. Ein europaweites Projekt zu Plasmatheorie und Simulation soll diese Entwicklung verstärken. Ziel sind virtuelle Plasma-Modelle als digitale Zwillinge wirklicher Plasmen.

Eine neuartige Transportbarriere in Fusionsplasmen, die den magnetischen Einschluss des Plasmas verbessert, hatte ein Theoretiker-Team des IPP mit Hilfe modernster Simulationen vorhergesagt. Hervorgerufen durch schnelle Plasma-Teilchen, sollte die Barriere Turbulenzen im Plasma lokal stark unterdrücken können. Ein nach entsprechenden Vorgaben geplantes Experiment in der Garchinger Fusionsanlage ASDEX Upgrade konnte diese theoretische Prognose anschließend bestätigen: Schnelle Teilchen, die durch die zielgenau eingesetzte Heizung des Plasmas mit Radiowellen erzeugt wurden, ließen im Zentrum des Plasmas einen Bereich mit den erwarteten verbesserten Einschlusseigenschaften entstehen. Die Arbeit wurde jetzt von der Fachzeitschrift Physical Review Letters zur Veröffentlichung angenommen (A. Di Siena et al.,

„Dieser große Erfolg der Theorie“, sagt Professor Frank Jenko, Leiter des Bereichs Tokamaktheorie im IPP in Garching, „ist nur eines von zahlreichen Beispielen dafür, wie dramatisch sich Plasma-Simulationen und -Modellierungen in den letzten Jahren verbessert haben.“ Auch die zur Verfügung stehende Computerleistung hat stark zugenommen, so dass raffinierte Modelle die komplexe Plasmaphysik inzwischen rechnerisch gut beschreiben können. Möglich werden damit quantitative Vorhersagen – ein „Riesenfortschritt“ im Vergleich zu den vergangenen zwanzig Jahren: „Statt wie früher bloße Interpretation von Messdaten“, so Frank Jenko, „liefern Theorie und Simulation inzwischen auf vielen Themenfeldern Modelle mit verlässlicher Vorhersagekraft“. Außerdem kann die Theorie bislang getrennt untersuchte Erscheinungen – wie die Physik schneller Teilchen und die Turbulenz – jetzt im Supercomputer zusammenbringen und so immer komplexere Zusammenhänge aufklären.

Im europäischen Fusionsprogramm, das durch das EUROfusion-Konsortium koordiniert wird, will man die neuen Möglichkeiten nutzen, um den Betrieb des internationalen ITER-Experiments und den Entwurf des nachfolgend geplanten Demonstrationskraftwerks DEMO optimal vorzubereiten. Mit strategisch ausgewählten Projekten gibt dazu die E-TASC-Initiative (EUROfusion – Theory and Advanced Simulation Coordination) diesem Teil der Forschung eine neue Struktur. Ein europaweit abgestimmtes Arbeitsprogramm zu offenen Schlüsselfragen in Theorie, Simulation, Verifizierung und Validierung soll – unterstützt durch neu zu entwickelnde Standard-Software – die Entwicklung der Vorhersagekraft in Plasmaphysik, Materialwissenschaft und Ingenieurwesen vorantreiben.

Von den in diesem Rahmen für den Arbeitsplan von 2021 bis 2025 ausgewählten vierzehn Forschungsprojekten, die EUROfusion an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ganz Europa vergeben hat, gingen fünf an das IPP nach Garching und Greifswald. Auch eines der fünf Expertenteams für Hochleistungsrechnen und Codeoptimierung wird hier angesiedelt. „Das ehrgeizige Ziel, das wir mit E-TASC verfolgen, sind virtuelle Plasma-Modelle als digitale Zwillinge wirklicher Plasmen“, erklärt Frank Jenko, einer der beiden Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Beirats von E-TASC. Zu diesem „Plasma im Computer“ sollen schrittweise Modelle weiterer DEMO-Teilsysteme hinzukommen, um nach und nach eine möglichst umfassende digitale Entwurfs- und Simulationsfähigkeit für das Kraftwerk aufzubauen.

Antwort an einen Kollegen, der sich um den Fortbestand unserer Deutschen Demokratie sorgt – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Sehr geehrter Kollege,

zu Ihrer intelligenten Analyse möchte ich Ihnen gratulieren. Als ehemaliger Oberstudienrat für Mathematik und Physik an Berufsfachschulen musste ich auch Pädagogik studieren, im Gegensatz zum Kurrikulum für gymnasiale Studienräte. Davon habe ich später enorm profitiert, auch weil ich freiwillig ein Parallel-Studium der empirischen Soziologie absolviert habe. Es war nicht geplant, wurde aber zum Fundament meiner wissenschaftsjournalistischen Berufung durch den WDR als Quereinsteiger.

Im Geheimen müssen Sie mir zustimmen, dass das, was Sie und ich unter Demokratie verstehen, sich leider auf dem absteigenden Ast befindet. Ihre Beschreibung wirkt auch als Resignation, denn die Selbstorganisations-Mechanismen, die meine Generation nach dem 2. Weltkrieg geprägt haben, wurden bestimmt durch Mangel, Kreativität zum Überleben und dem Bewusstsein, dass es bergauf ginge. Aber unsere Gesellschaft ist sich der Ursache des Wohlstands nicht mehr bewusst, alles wird als Selbstverständlich hingenommen. So erzeugen selbst die kreativsten Ideen, die uns das Leben erleichtern, nur ein müdes Lächeln. Warum auch nur einen Gedanken darauf verlieren, wenn der ausufernde Sozialstaat einen jederzeit auffängt, die Neugier, die Jugendliche so getrieben hat, hat das Zeitliche gesegnet. Zur Information reichen die Bildzeitungs-Überschriften nach dem Prinzip: Bad News is good News – mehr als drei Zeilen zu lesen, macht sich kaum jemand die Mühe. So verlieren die Zusammenhänge immer mehr  ihre Überzeugungskraft.

Nun gibt es im privaten als auch im sozialen Leben allein schon deshalb Probleme, die die uns umgebende Natur erzeugt. Das Wissen über Naturgesetze könnte das Verständnis verbessern. Aber warum? Wie im Mittelalter herrscht immer noch das tief in uns verankerte Prinzip, dass nicht sein darf, was nicht sein kann, kein Wunder, das Verschwörungstheorien bei einem Drittel der Bevölkerung fruchtbaren Boden finden. Hinzu kommt, dass in der Schwarmintelligenz der Deutschen und Europäer das komplexe Wissen abhanden gekommen ist. Lineares Denken herrscht vor, Verzweigungen passen nicht mehr in das Oberflächliche unserer Zeit.

Gestatten Sie mir zwei Beispiele:

1. Berechtigterweise ist CO2 als eine der Ursachen für die Klimaproblematik identifiziert. Lineares Denken heißt, dass das dann zum Teufel deklariert wird. Vermutete Teufel hat man früher auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dass es aber auch ein Wertstoff sein könnte, wenn man nicht populistisch linear, sondern verzweigt denkt, wird vehement abgestritten.  In die grün-ideologische Vermeidung von CO2 werden dann Milliarden von staatlichen Investitionen gesteckt. Das korrumpiert sogar die Wissenschaft und wird dann zum Dogma erhoben. Jemand, der dann auf Nebenwirkungen und Risiken aufmerksam macht, wird politisch und sozial an den Pranger gestellt. Hinzukommt, dass das dem Volk so eingebläut wurde, weil es ja so einfach verständlich ist, dass sich die Populisten sich dem bemächtigt haben. ein Politiker, die das ablehnen und die Vernunft in den Vordergrund stellen, was die Demokratie ja fordert, haben keine Chance mehr. So passiert es, dass die Demokratie nicht mehr in der Lage ist, Probleme zu lösen. Die müssten ja zumindest auf ein Minimum eines rationalen Fundamentes aufbauen. Was können sie gegen die Behauptungen machen, dass das Elektro-Auto die Welt retten kann, denn hinten kommt ja kein CO2-strotzendes Abgas heraus …..

2. Oder, noch einmal nach dem Prinzip, dass nicht sein darf, was nicht sein kann: Die Natur der Verteilung der elektrischen Energie beruht auf dem Angebotsprinzip. Wird auch nur im geringsten die Nachfrage übertroffen, also mehr verbraucht als angeboten, bricht das Netz zusammen. Ein GAU von nicht nur Stunden, sondern Tagen kann die Folge sein. Kann das unsere Volkswirtschaft überstehen? Aber CO2-Vermeidung  erfordert ja, und da besteht offenbar demokratischer Konsens, weg mit den Kraftwerken. Die Atomkraftwerke sind ja schon in Form von strahlenden Denkmälern in der Landschaft verschwunden.

Doch da gibt es ja noch die Sonne und den Wind und das angeblich reichlich, also müssen diese die Lücken ausfüllen. Ist ja auch plausibel, jeder, der die Nase in die Sonne oder den Wind hält, stimmt dem emotional zu. Nun ist nur noch jemand erforderlich, der dem Volk weiß macht, diese Energie würde selbst in unseren mittleren Breiten ausreichen, unsere gesamte Wirtschaft mit der notwendigen Energie zu versorgen. Das ist leider der Grünen-Ideologie gelungen, verbunden mit dem Vorbild-Prinzip: Am deutschen Wesen muss die Welt genesen. Es wird unisolo behauptet, unser Beispiel würde die ganze Welt so schlüssig überzeugen, dass sie uns alles nachmachen – bei nur 2% Anteil weltweit. In den berühmten Weltklima-Konferenzen und der EU sind wir so in Sachen Klimarettung die Stars geworden. Viele von uns propagierte Grenzwerte wurden dort angenommen und beschlossen. Nach meinem Wissen aber hat sich nur Deutschland dazu verpflichtet. Wer weiß, ob das für viele andere Länder nur reine Lippenbekenntnisse sind, Stichwort China, Brasilien, Indien – neuerdings die Hauptverursacher. Wenn es hart auf hart kommt, werden sie darauf pfeifen. Doch Deutschland hat die weiße Weste. So wurde zum Beispiel vieles schon vom Bundestag in Gesetzesform gebracht, Nebenwirkungen und Risiken spielten keine Rolle. So wird ab 2030 das Erdgas, welches heute vorwiegend das Wohlbefinden in unseren Wohnungen und Gebäuden mit Wärme und Kälte und die dafür notwendige Energie sichert, abgeschafft. Das soll durch elektrische Energie geleistet werden, was physikalisch gesehen natürlich der größte Schwachsinn ist. Dem Volk wird auch vorenthalten, dass schon allein das gepriesene Elektroauto so viel Strom benötig, dass für die Gebäude gar nichts mehr übrig bleiben kann. Wie gesagt, dass selbst bei kleinster Überlastung der Total-Ausfall nicht zu verhindern ist, aber das ist offenbar den Ideologen kein Problem.

Unsere Demokratie scheitert an diesen Hunderten von Widersprüchen, die im Wunschdenken der Politiker verschwinden. Zum Schluss möchte ich noch zwei dieser besonders schwerwiegenden Widersprüche herausstellen:

a) Das Volk stöhnt bereits, wenn der Bezinpreis um 10 Cent steigt, und zwar nur, weil die Länder, die das Erdöl aus der Erde fördern, einmal eben auf Reduzierung der Produktion geschaltet haben. Milliarden von Barrel bestimmen heute und in der näheren Zukunft die Weltpolitik. Glaubt wirklich jemand, dass das von heute auf morgen verhindert werden kann?

b) Welchen politischen Wirbel hat die sogenannte Nordtrasse der Erdölpipeline durch die Ostsee ausgelöst. Wenn ich mich richtig erinnere, kostet sie mindestens 10 Milliarden und soll bei Greifswald Deutschland beglücken. (Darauf freut man sich schon. In Greifswald gibt es übrigens auch ein Forschungs-Institut, welches mit großem Erfolg nach der Möglichkeit sucht, aus der Fusion von Wasserstoff zu Helium grenzenlose Energie zu gewinnen. Vor 40 Jahren hat man mir gesagt, das sei so um 2020 der Fall, heute rechnet man immer noch mit weiteren 40 Jahren.) Mit dieser Pipeline – und einigen weiteren z. B. die politisch gewünschte durch die Ukraine – werden Milliarden Kubikmeter Erdgas fließen, die  ja irgendwo sinnvoll verbraucht werden müssen und CO2 erzeugen, wenngleich auch viel geringer als von Kohle. Hoffentlich entstehen nicht zu viele Leckagen, denn Methan beeinfluss  über 50 mal stärker das Klima als CO2.

c) Um die Amerika zu besänftigen, insbesondere unter der Trump-Ära, hat sich Deutschland zusätzlich zum russischen Erdgas verpflichtet, große Terminals an unserer Nordsee-Küste zu errichten, wo die großen Flüssiggas-Tanker anlegen, die das in Texas aus der Erde gepresste Fracking-Gas anliefern können. Von dort aus wird es dann vorwiegend als Methan-Gas in das tausende von Kilometer verzweigte deutsche Erdgasnetz eingespeist.

Eigenartig, denn ab 2030 soll das Erdgas ja ausgedient haben. Wolkenkuckucksheime über Wolkenkuckucksheime. Die katastrophale Nebenwirkung: Deutschland macht seine eigene Zukunft kaputt, ohne dass eine Chance besteht, auch nur minimal zur Senkung der Atmosphären-Temperatur aus Deutschland heraus beizutragen.

Ob das unsere Demokratie übersteht, ist die Frage. Nicht nur die AFD bietet Anlass zur Sorge, sondern auch die populistischen Parolen der aus der SED hervorgegangenen aber angeblich geläuterten Linken, die aber trotzdem sich immer noch der Kollektivierung verschworen haben.

Jean Pütz

(Demokratie Plus) – Irgendwie ist es noch mal glimpflich ausgegangen. Das ist zumindest die überwiegende Meinung in Medien und den meisten Parteien.

Wir sprechen von der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dort wurde ein selbst innerhalb der AfD besonders rechtslastiger Landesverband mit über 20% der Stimmen „nur“ zweitstärkste Partei und (fast) alle zeigen sich erleichtert.

So sieht unsere demokratische Wirklichkeit im Jahr 2021 aus. Zumindest an der Oberfläche.

Denn schauen wir ein wenig genauer hin, sind die Ergebnisse noch weitaus dramatischer: Nahezu in jedem Jahrgang unterhalb von 45 Jahren war die AfD stärkste Partei oder lag mit der CDU gleichauf.

Was treibt junge Menschen in Teilen Deutschlands heute dazu, mehrheitlich eine Partei zu wählen, deren zentrales Führungspersonal mit völkisch-nationalistischen und rassistischen Positionen auffällt und eng mit Alt- und Neonazis verbandelt ist?

Die Erklärungsmuster, die dazu kursieren, sind wenig überzeugend.

Wenn der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz, davon spricht, viele Ostdeutsche seien eben „diktatursozialisiert“ und nicht in der Demokratie angekommen, so könnte dies möglicherweise das Wahlverhalten der Älteren in Sachsen-Anhalt erklären, faktisch haben jedoch genau jene den völligen Erfolg der AfD verhindert.

Dass nun ausgerechnet deren Kinder, weit überwiegend Jahre nach dem Ende der DDR geboren, von jener „sozialisiert“ worden sein sollen, scheitert schon an den Gesetzen der Logik.

Eine andere Erklärung bekam ich jüngst von einer ostdeutschen Politik-Professorin angeboten. Wir hatten eine kleine Debatte darüber, wie rechtes, „queres“, demokratieverachtendes Denken entsteht – und was die Demokratie unternehmen kann und muss, um wieder an Attraktivität zu gewinnen.

Ihre Diagnose: Es läge vor allem am „demokratischen Analphabetismus“.

Es fehle schlicht an der Kenntnis unserer elementaren demokratischen Institutionen und Prozesse. Ihre logische Schlussfolgerung: Auch die Angebote neuer Beteiligungsformate – bis hin zu den gerade beliebten Bürgerräten – bräuchte zunächst einmal eine Bildungsphase für die Teilnehmenden, um vernünftige Debatten und Ergebnisse erwarten zu lassen.

Das klingt zunächst einmal sehr attraktiv. Auch weil es uns einen vermeintlich klaren Weg aufzeigt, wie wir unsere Demokratie stärken können: Mit mehr Wissen.

Doch leider ist dieser Weg einer Sackgasse. Wer glaubt, Demokratie sei eine Frage der Bildung hat weder Demokratie noch Bildung wirklich verstanden. Dieser Ansatz hat keine Aussicht auf Erfolg. Denn:

Demokratie ist keine Frage des Wissens.

In den USA hat es eine lange Tradition, die Reihenfolge der bislang 46 Präsidenten auswendig zu lernen, abzufragen und die Unterrichtsräume mit ihnen zu dekorieren. Nummer 45 wurde dennoch ein gewisser Donald Trump. Und es ist durchaus möglich, dass er auch wieder die Nummer 47 sein wird.

Wenn unsere Schülerinnen und Schüler also in Zukunft die Liste unserer ehemaligen Bundeskanzler*innen aufsagen, die Rolle des Bundespräsidenten erklären und souverän die D’Hondtsche Höchstzahl genauso erläutern, wie das Kumulieren und Panaschieren, wird das die Wahlergebnisse kaum verändern. Denn:

Demokratie ist keine Frage des Wissens.

Sondern der Haltung.

Demokratische Haltung ist in der Tat keine Frage des Wissens. Sie ist aber auch keine genetische Disposition. Sie kann nicht gelehrt und durch Klausuren gefestigt werden. Sie ist keine Frage des Lehrens, sehr wohl aber eine des Lernens.

Demokraten werden wir aus Erfahrungen. Weil wir als akzeptierte Mitglieder einer Gemeinschaft Respekt und Selbstwirksamkeit erfahren. Weil wir lernen, im respektvollen Konflikt mit anderen unsere Interessen zu artikulieren und Lösungen anzustreben. Das müssen wir erleben, reflektieren und so die Sicherheit gewinnen, dass dies der Weg ist, indem wir in einer freien Gesellschaft Gemeinwohl generieren.

Es ist also durchaus eine Frage unseres Bildungssystems. Wenn wir in Ländern wie Sachsen-Anhalt nachhaltig über Jahre hinweg zu großen Teilen Wähler*innen mit Präferenzen für demokratieverachtende Positionen produzieren, dann müssen wir dieses Bildungssystem kritisch hinterfragen.

Mehr Politik-Wissen in den Lehrplan zu schreiben, wird da aber nicht genügen.

Beteiligungspraktiker*innen wissen, dass Belehrungen zum Anfang von Beteiligungsprozessen die Debatten ganz schnell ins Kippen bringen können. Auch Lehrer*innen wissen, dass Betragensnoten keine besseren Menschen produzieren. Warum sollten dann Demokratienoten bessere Demokrat*innen produzieren?

Es geht nicht darum, Demokratie zu lehren und zu prüfen. Es geht darum, Demokratie zu erleben. Dazu gehören Diskurse, Debatten, aber eben auch demokratisch getroffene Entscheidungen über viele Alltagsfragen im schulischen Kontext. Es geht um demokratische Wirksamkeit der Schüler*innen in ihrem schulischen Alltag. Doch das sind wir nicht gewöhnt.

Bereits der Gedanke daran irritiert uns.

Stattdessen praktizieren wir noch heute ein Schulkonzept, das in all seinen Grundlagen noch aus dem Kaiserreich stammt. Wir können wir da ernsthaft glauben, dass wir so Demokrat*innen produzieren?

Wenn wir langfristig eine starke Demokratie wollen, dann müssen wir demokratische Haltung von den jungen Menschen nicht einfordern, sondern sie ihnen ermöglichen. Dann müssen wir Selbstwirksamkeit ermöglichen und Autorität hinterfragen lassen. Dann müssen wir über Lehrpläne sprechen, über die Lehrer*innenausbildung, vor allem aber: Über das Konzept Schule.

Über ein neues, ein demokratisches Konzept von Schule.

Wie das aussehen kann, darüber sprechen wir in einigen der folgenden Ausgaben von demokratie.plus. Ihre Gedanken dazu interessieren mich – wie immer – sehr.

Herzlichst, Jörg Sommer 

Methanol-Produktion mit CO2-Recycling

(Fraunhofer) – TotalEnergies hat gemeinsam mit dem Elektrolyseur-Hersteller Sunfire, dem Fraunhofer-Zentrum für Chemisch-Biotechnologische Prozesse CBP und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS das e-CO2Met-Projekt im Hydrogen Lab Leuna gestartet. Dort kann Methanol aus kohlenstoffarm produziertem Wasserstoff und abgetrenntem Kohlendioxid hergestellt werden, was ein wichtiger Ansatz zur Reduzierung klimaschädlicher Treibhausgasemissionen ist. Mit dem Anspruch, klimaneutrales Methanol vor Ort zu produzieren, werden in diesem Demonstrationsprojekt die verschiedenen dafür notwendigen Bausteine, wie z. B. die Nutzung erneuerbarer Energien, integriert.

TotalEnergies produziert derzeit in der TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland in Leuna rund 700.000 Tonnen Methanol pro Jahr auf Basis fossiler Rohstoffe und ist damit der größte Methanolproduzent in Europa. Das Projekt e-CO2Met ist daher ein wichtiger Schritt in Richtung Klimaneutralität. Es zielt darauf ab, das Zusammenspiel von drei innovativen Prozessen zu testen – die Nutzung von CO2 aus der Raffinerie, die Verwendung von grünem Wasserstoff, der durch Hochtemperatur-Elektrolyse erzeugt wird, und die anschließende Methanolsynthese auf der Skalierungsplattform Hy2Chem.

„Das F&E-Programm von TotalEnergies zur CO2-Abscheidung und -Speicherung entwickelt Ansätze für die wirtschaftlich sinnvolle Wiederverwendung von CO2, die im Einklang mit den Klimaambitionen des Unternehmens stehen. e-CO2Met ist das erste Pilotprojekt von TotalEnergies zur Umwandlung von CO2 mit erneuerbarer elektrischer Energie in Methanol. Während dieses Methanol selbst bereits als E-Fuel betrachtet werden kann, kann es vor allem als Ausgangsstoff für eine weitere Veredelung zu Produkten wie nachhaltigen Flugzeugtreibstoffen genutzt werden“, erklärt Marie-Noelle Semeria, Technologievorständin bei TotalEnergies.

„Mit der innovativen Herstellung von synthetischem Methanol können Erdöl und Erdgas in der chemischen Industrie ersetzt und die benötigten Rohstoffe klimaneutral produziert werden. Damit leisten wir einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Grundstoffchemie“, sagt Thomas Behrends, Geschäftsführer TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland.

Hocheffiziente Elektrolyse zur Wasserstofferzeugung aus erneuerbaren Energien
Ein Kernstück von e-CO2Met ist der 1-MW-Hochtemperatur-Elektrolyseur des Dresdner Elektrolyseurherstellers Sunfire. Der Wirkungsgrad der Anlage zur Erzeugung von grünem Wasserstoff aus erneuerbarem Strom und Wasserdampf ist mit über 80 Prozent weitaus höher als der von konventionellen Elektrolyseuren. Dadurch benötigt die Anlage deutlich weniger Strom, um ein Kilogramm Wasserstoff zu erzeugen.

„Unsere innovative Elektrolyse-Technologie ist der Schlüssel zur Dekarbonisierung aller Industriesektoren, die heute noch von fossilen Brennstoffen abhängig sind. Besonders in der Raffinerie- und Chemieindustrie braucht es saubere und nachhaltige Lösungen, um die ambitionierten Klimaziele der EU zu erreichen. Wir freuen uns auf eine starke Partnerschaft im e-CO2Met Projekt“, sagt Sunfire-Geschäftsführer Nils Aldag.

Grünes Methanol aus regenerativem Wasserstoff und Abgas-CO2

Im nächsten Schritt werden der durch Elektrolyse gewonnene grüne Wasserstoff und hochkonzentriertes CO2 aus den Produktionsprozessen der Raffinerie zu grünem Methanol umgesetzt. Hierzu planen das Fraunhofer CBP und TotalEnergies eine Pilotanlage, die im neuen Fraunhofer Hydrogen Lab im Chemiepark Leuna aufgebaut wird. Die Pilotanlage ist das erste Projekt der vom Land Sachsen-Anhalt über EFRE-Mittel geförderten Skalierungsplattform Hy2Chem. „Mit der Hy2Chem-Plattform können wir die Nutzung des regenerativ erzeugten Wasserstoffs zur Herstellung von Basischemikalien und Kraftstoffen in nachhaltigen Syntheseprozessen erstmals im großen Maßstab erproben – auch unter den Bedingungen eines fluktuierend anfallenden Wasserstoffstroms“, erläutert Gruppenleiterin Dr. Ulrike Junghans, die das Projekt am CBP koordiniert.

Eine Grundvoraussetzung für die industrielle Umsetzung derartiger Prozesse ist die Weiterentwicklung von Elektrolyseuren und Syntheseverfahren. Hierfür bietet das Fraunhofer IMWS mit dem Hydrogen Lab Leuna eine einzigartige Testinfrastruktur im industriellen Maßstab sowie umfangreiche wissenschaftliche Begleitung. Das Hydrogen Lab simuliert unterschiedliche Lastprofile der Einspeisung von erneuerbaren Energien, bildet die Fluktuation im Tageslauf und zu unterschiedlichen Jahreszeiten ab und liefert damit wichtige Erkenntnisse zur Auslegung und zur Kostenschätzung der Systeme.

„Mit dem Hydrogen Lab Leuna betreiben wir die deutschlandweit ersten System-Teststände, die vollständig in ein Infrastrukturnetz der Chemieindustrie integriert sind und somit Projekte im Bereich der Power-to-X-Prozesse ermöglichen. Wir können technologieoffen industrielle Elektrolyseure im Realbetrieb testen, gemeinsam mit der Industrie weiterentwickeln und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen zur Wasserstoff-Einspeisung in das Pipelinesystem unseres Kooperationspartners Linde sammeln – und das bis zunächst fünf Megawatt“, sagt Dr. Moritz Kühnel, der die Forschungsaktivitäten zur Elektrolyse am Fraunhofer IMWS koordiniert.

Der Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft ist ein wichtiger Baustein auf dem Weg zum Erreichen der Klimaneutralität in Deutschland und Europa. Vor allem in Verbindung mit der Nutzung des Wasserstoffs als Chemierohstoff bieten sich zudem erhebliche Potenziale für die Gestaltung des Strukturwandels. Gerade am Industrie- und Chemiestandort Leuna kann auf Basis langjähriger Erfahrung, vorhandener Infrastruktur und des Zusammenspiels zwischen innovativen Unternehmen und Forschungsinstituten eine Drehscheibe für grünen Wasserstoff und seine Folgeprodukte entstehen.

Methanol als Chance – Brief an den Präsidenten des Bundesumweltamtes, Prof. Messner

Sehr geehrter Professor Dirk Messner,

zunächst möchte ich Ihnen ein großes Kompliment aussprechen. Das beeindruckende Interview, welches Sie gestern dem Deutschlandfunk gewährt haben, hat Ihre Interessen und Ambitionen sehr gut wiedergegeben. Ich vermute, dass ich Ihnen als Gründer und langjähriger Leiter der Redaktion Wissenschaft und Technik im WDR-Fernsehen bekannt bin, Stichwort Hobbythek (trojanisches Steckenpferd), Wissenschaftsshow, Bilder aus der Wissenschaft und schon an der Wurzel des digitalen Zeitalters in den 70er Jahren: Sendereihen (je 13 Folgen) ‚Einführung in die Elektronik‘ und ‚Digitaltechnik, eine Einführung‘. Aber auch in den 90er Jahren habe ich ein Umweltmagazin, Thema: ‚Dschungel – Leben und leben lassen‘, entwickelt und moderiert. Nachdem ich mir Ihren Lebenslauf angeschaut habe, stellte ich fest, dass wir eine gewisse intellektuelle Verwandtschaft besitzen. Viele Ihrer Intentionen haben mich seit über 50 Jahren als Wissenschaftsjournalist ebenfalls getrieben – manchmal auch gegen die Volksmeinung – Mainstream genannt  – mit eigenem und früh erkannten Klimarettungs-Konzept.

Die Parteien behaupten stets, die Maßnahmen müssten sozialverträglich sein. Doch in meiner Abschätzung sind die teils mit Milliarden Subventionen geförderten und Gesetzes-Charakter erhaltenen Lösungsansätze summa summarum in der ausschließlich deutschen Version nicht zielführend, und beruhen teilweise auf einem Wunschdenken, das angebliche Ergebnisse der Wissenschaft und Technik vorwegnimmt. Vom deutschen Territorium aus ist in dieser strikten Begrenzung – auch schon aus physikalischen und soziologischen  Gründen – eine Reduktion der Welttemperatur nicht erreichbar, es sei denn, wir erweitern dies nicht nur auf Europa, sondern beziehen insbesondere die ärmeren Entwicklungs- und Schwellen-Länder in einer Win-Win-Konzeption mit ein.

Schon seit meiner Pensionierung im WDR, verknüpfe ich auch nicht nur von mir entwickelte Lösungsansätze mit Forderungen an die Politik und Gesellschaft und mische mich engagiert in die Diskussion ein. Um nicht ausschweifend zu werden, begrenze ich mich in meiner Mail an Sie auf eine Idee, die ich auf Grund von Forschungen des Leibniz-Instituts verfolgt habe. Den Instituten in Rostock und Strahlsund ist es gelungen, der von mir so deklarierte Zukunftsenergie ‚grüner Wasserstoff‘ in viel besser händelbares Methanol unter ebenfalls solarem Einfluss völlig regenerativ zu verwandeln. Als Physiker und Ingenieur erscheint mir Methanol in jeglicher Hinsicht fast alle fossilen Brennstoffe ersetzen zu können, und zwar ohne Milliarden Investitionen in die Anwendung. Selbst der Verbrennungsmotor würde wieder die in der Technik so wichtige Funktion behalten, und zwar unter erheblicher Verbesserung des thermodynamischen Wirkungsgrades. Das Hoffen auf die Entwicklung von leistungsfähigen Brennstoffzellen wird die Entwicklung nicht hemmen können, denn der  mit regenerativem Methanol betriebene alte Otto-Motor zeitigt auf Grund der Möglichkeit wesentlich höherer Explosions-Temperaturen im Zylinder bessere Wirkungsgrade, ist viel preiswerter und sofort verfügbar als Kombination mit einem intelligenten Generator und Elektro-Motoren als alleiniger mechanischer Antrieb. Ein sogenanntes Hyper-Hybrid-System, nicht zu verwechseln mit dem Überflüssigen Plug-in-Hybrid. Mit nur einem Siebtel der Batterie-Kapazität eines E-Autos, macht er sogar die individuell notwendige E-Mobilität der Zukunft für jedermann kostengünstig erschwinglich.  Eine kleine Technologie-Schmiede in Österreich hat zwei reale Prototypen entwickelt, die in Sachen Ökologie jedes Batterie-schwere E-Auto in den Schatten stellen, alles mit vorhandenen, sozial-verträglichen Ressourcen.

Sie werden es kaum glauben, auch die Wärme- und Kälte-Erzeugung in den Gebäuden und Privat-Häusern kann regeneratives Methanol  – teils mit vorhandenen technischen Geräten – erfüllen. Der Schwachsinn, wertvollen elektrischen Strom demnächst dafür zu verhunzen – selbst mit elektrischen Wärmepumpen – wäre damit obsolet. In der Beurteilung dieser Situationen kommt mir meine ehemalige Eigenschaft als Dipl. Ing der Elektrotechnik und Oberstudienrat für Mathematik und Physik zugute.

Bleibt natürlich die Frage, woher soll das Methanol kommen. Natürlich reicht die Kraft der Sonne in Deutschland oder Europa nicht aus, um aus Wasserstoff und dem Wertstoff CO2 im Recycling Methanol zu produzieren. Das ist für mich als engagierter ehemaliger Entwicklungshelfer die große Chance für die Länder, die viel mehr verwöhnt durch die Sonne werden als wir. Hinzu kommt, dass die Fotovoltaik demnächst auf eine extrem preiswerte Perowskit-Solarzelle zurückgreifen kann. Die anfangs technischen Probleme hat die Wissenschaft gelöst. Sie sind nicht nur kostengünstig in der Herstellung, die Perowskit-Methode fußt auch auf grenzenlos zur Verfügung stehenden Materialien.

Bleibt noch das Problem, dass die Notwendigkeit besteht, auf grenzenlose Boden-Flächen zurückgreifen zu können. Da viele Entwicklungsländer gerade jetzt im Zusammenhang mit der Klimakrise an Wüsten grenzen, stehen diese dort in großem Ausmaß zur Verfügung. Natürlich müssen dann auch an Ort und Stelle die Fabriken errichtet werden, die unmittelbar das Methanol in zwei Stufen produzieren: zunächst den grüne Wasserstoff und anschließend das regenerative Methanol, welches leicht überall hin transporteiert werden kann. Dieses Methanol würde auch sämtliche Erdöl-Raffinerien in Zukunft überflüssig machen.

Lieber Professor Dr. Messner,

ich bin kein Spinner, sondern halte eine Optimierung der bisherigen Maßnahmen für dringend notwendig. Besteht die Möglichkeit, einen Arbeitskreis zu schaffen, der dies unter die Lupe nimmt und nicht von vornherein die Möglichkeit dieser Idee infrage stellt. Die hunderte von Milliarden Subventionen, die in die bisherigen Maßnahmen geflossen sind, werden leider auch ein Hemmschuh sein. Wer gibt schon gerne zu, dass er sich finanziell, politische und soziologisch in einer Sackgasse verrannt hat? Nach dem Interview mit Ihnen, welches ich mit großem Interesse verfolgt habe, bin ich sicher, dass Sie dies nicht ad acta legen. Gerne bin ich bereit, überall hin zu kommen, wohin Sie es wünschen, allerdings verfüge ich über eine technische Ausrüstung, so dass ich jederzeit erreichbar bin.

Übrigens aus Überzeugung leben alle meine unmittelbaren Familien-Angehörigen CO2-neutral. Das Mehrfamilienhaus in dem mein Sohn Jörn, Professor für Biochemie an der Universität zu in Straßburg, lebt, verfügt mitten in der Stadt über eine elektrische Wärmepumpe, allerdings mit französischem Atomstrom gespeist. in meinem Mehrfamilienhaus in Köln habe ich eine 5,5KW-Kleinheiz-Kraftwerk installiert. Auf dem Land – einem 4 ha-Areal, leben wir in zwei Einfamilien-Energie-Plus-Häusern, die ich selbst konstruiert und umgebaut habe, das eine mit einer Gas-Wärme-Pumpe und großen Dachflächen, bestückt mit Fotovoltaik und Solarthermie, das andere, in dem ich persönlich wohne, mit einer Pelletheizung und natürlich auch Fotovoltaik und Solarthermie. Die Lüftung in beiden Häusern arbeitet mit Wärme-Rückführung. Außerdem verfügen beide Häuser über eine 10-Kubikmeter fassende Zisterne mit eigener Brauchwasser-Leitung. Selbstverständlich achte ich auch auf Biodiversität mit kleinem Öko-Wald, Streuobst-Wiese und einem großen Areal bienenfreundlicher Blumen für meine fünf Bienenstöcke.

Kurzum, ich bin auf den Klimawandel gerüstet, aber möchte, dass meine Kinder und Kindeskinder die gleichen Chancen haben wie meine Generation, die als Jugendliche noch den zweiten Weltkrieg erleben musste. Sie können verstehen, dass ich  auch großen Wert auf sozialen Frieden liberale Demokratie für die Zukunft lege, die mir meine Karriere vom Handwerker ausgehend ermöglicht hat.

In der Anlage finden Sie meine virtuelle Visitenkarte mit allen meinen Daten. Darin enthalten ist auch der Link meiner seit über 15 Jahren installierten wissenschaftlichen Homepage, www.jean-puetz.net , die von mir täglich aktualisiert wird. Unter einer Art ‚hippokratischem Eid‘ mit strikter Trennung von Nachricht und Kommentar und Quellenseriosität.

Hochachtungsvoll

Ihr Jean Pütz

 

Meeresverschmutzung durch Kunststoffe und insbesondere Mikroplastik

(AWI) – Übersichtsartikel zeigt Folgen von Verwitterungs- und Abbauprozessen auf und warnt vor potentiell irreversibler Verschmutzung

Die gegenwärtigen Raten der globalen Plastikemissionen könnten Effekte auslösen, die wir nicht mehr rückgängig machen können, berichten Forschende aus Deutschland, Schweden und Norwegen in einer neuen Studie, die am 2. Juli im renommierten Wissenschaftsmagazin Science erscheint. Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren ist die Plastikverschmutzung eine globale Bedrohung und Maßnahmen zur drastischen Reduzierung der Plastikemissionen in die Umwelt seien „die rationale politische Antwort“.

Plastik ist überall auf dem Planeten zu finden: von Wüsten und Berggipfeln bis zu tiefen Ozeanen und arktischem Schnee. Im Jahr 2016 reichten die Schätzungen der weltweiten Emissionen von Plastik in Seen, Flüsse und Ozeane von 9 bis 23 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei eine ähnliche Menge jährlich an Land emittiert wird. Es wird erwartet, dass sich diese Schätzungen bis zum Jahr 2025 fast verdoppeln werden, wenn die Weltbevölkerung weitermacht, wie bisher („Business-as-usual“-Szenario). Das berichtet Mine Tekman vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) gemeinsam mit drei weiteren Fachleuten in ihrem Übersichtsartikel im Wissenschaftsmagazin Science, das dem Thema Plastik in der aktuellen Ausgabe ein ganzes Kapitel widmet.

„Plastik ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, und es sickert überall in die Umwelt, selbst in Ländern mit einer guten Infrastruktur für die Abfallbehandlung“, sagt Matthew MacLeod, Professor an der Universität Stockholm. Er führt aus, dass die Emissionen tendenziell steigen, obwohl das Bewusstsein für Plastikverschmutzung in Wissenschaft und Öffentlichkeit in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.

Für Mine Tekman, Doktorandin am Alfred-Wegener-Institut, ist diese Diskrepanz nicht überraschend, denn die Plastikverschmutzung ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein „politisches und wirtschaftliches“. Sie glaubt, dass die derzeit angebotenen Lösungen wie Recycling und Reinigungstechnologien (Clean-up) nicht ausreichen und dass wir das Problem an der Wurzel packen müssen.

„Die Welt fördert technologische Lösungen für das Recycling und um Plastik aus der Umwelt zu entfernen. Als Verbraucher und Verbraucherinnen glauben wir, dass alles auf magische Weise recycelt werden kann, wenn wir unseren Plastikmüll richtig trennen. Technologisch gesehen hat das Recycling von Plastik viele Einschränkungen, und Länder, die über eine gute Infrastruktur verfügen, exportieren ihren Plastikmüll in Länder mit schlechteren Einrichtungen. Zudem gibt es ein grundsätzliches Problem mit biologisch nicht abbaubaren Materialien, die sich auch als Feinstäube und Fasern aus vielen Prozessen in der Umwelt verteilen. Daher sind drastische Maßnahmen erforderlich, wie neue abbaubare Materialien zu entwickeln, Wege um den Wert von recyceltem Kunststoff zu erhöhen, und das Verbot des Exports von Kunststoffabfällen, es sei denn, er erfolgt in ein Land mit besserem Recycling“, sagt Mine Tekman, die das AWI-Online-Portal litterbase.org mit entwickelt hat, das die wissenschaftliche Literatur zu Müll im Meer und dessen Auswirkungen laufend aktualisiert zusammenfasst.

Eine schwer umkehrbare Verschmutzung von abgelegenen Bereichen der Umwelt

Kunststoff reichert sich in der Umwelt an, wenn die emittierten Mengen diejenigen übersteigen, die durch Reinigungsinitiativen und natürliche Umweltprozesse entfernt werden. Letzteres geht durch einen mehrstufigen Prozess vonstatten, der als Verwitterung bekannt ist. „Die Verwitterung von Plastik geschieht aufgrund vieler verschiedener Prozesse, und wir sind bereits weit gekommen, um sie zu verstehen. Aber die Verwitterung verändert ständig die Eigenschaften der Kunststoffverschmutzung, was neue Fragen aufwirft“, sagt Hans Peter Arp, Forscher am Norwegischen Geotechnischen Institut (NGI) und Professor an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU). „Der Abbau ist sehr langsam und kann die Akkumulation nicht stoppen, so dass die Belastung durch verwitterten Kunststoff nur zunehmen wird“, sagt Hans Peter Arp. Plastik ist daher ein „schlecht reversibler Schadstoff“, sowohl wegen seiner kontinuierlichen Emissionen als auch wegen seiner Umweltpersistenz.

Abgelegene Gegenden sind besonders bedroht, wie Annika Jahnke, Wissenschaftlerin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Professorin an der RWTH Aachen, erklärt: „In abgelegenen Umgebungen kann Plastikmüll nicht durch Aufräumarbeiten entfernt werden, und die Verwitterung großer Plastikteile führt unweigerlich zur Entstehung einer großen Anzahl von Mikro- und Nanoplastikpartikeln sowie zur Auswaschung von Chemikalien, die dem Plastik absichtlich zugesetzt wurden, und anderen Chemikalien, die das Polymerrückgrat des Plastiks abbauen. Kunststoff in der Umwelt ist also ein sich ständig bewegendes Ziel von zunehmender Komplexität und Mobilität. Wo es sich anreichert und welche Auswirkungen es verursachen kann, ist schwierig oder vielleicht sogar unmöglich vorherzusagen.“

Ein potenzieller Auslöser für irreversible Umweltschäden

Zusätzlich zu den Umweltschäden, die Plastikverschmutzung allein durch das Verheddern von Tieren und toxische Wirkungen verursachen kann, könnte sie auch in Verbindung mit anderen Umweltstressoren in abgelegenen Gebieten weitreichende oder sogar globale Auswirkungen auslösen. Die neue Studie führt eine Reihe von hypothetischen Beispielen für mögliche Auswirkungen auf, darunter die Verschärfung des Klimawandels aufgrund der Störung der globalen Kohlenstoffpumpe und der Verlust der Artenvielfalt im Meer. Dort wirkt die Plastikverschmutzung als zusätzlicher Stressor zur Überfischung und zum fortschreitenden Lebensraumverlust aufgrund von Veränderungen der Wassertemperaturen, der Nährstoffversorgung und der chemischen Belastung.

Alles zusammengenommen sieht das Forschungsteam die Bedrohung, dass Plastik, das heute emittiert wird, in der Zukunft Auswirkungen von globalem Ausmaß auslösen kann, die kaum reversibel sind, als „zwingende Motivation“ für maßgeschneiderte Maßnahmen zur starken Reduzierung der Emissionen.

„Im Moment belasten wir die Umwelt mit immer größeren Mengen an schwierig umkehrbarer Plastikverschmutzung. Bis jetzt sehen wir keine weit verbreiteten Beweise für schlimme Folgen, aber wenn die Verwitterung von Plastik einen wirklich schlimmen Effekt auslöst, werden wir wahrscheinlich nicht in der Lage sein, ihn rückgängig zu machen“, warnt Matthew MacLeod. „Die Kosten, die entstehen, wenn man die Anhäufung von langlebiger Plastikverschmutzung in der Umwelt ignoriert, könnten enorm sein. Das Vernünftigste, was wir tun können, ist, so schnell wie möglich zu handeln, um den Eintrag von Plastik in die Umwelt zu reduzieren.“

Darm beeinflusst unser Gehirn, unsere Stimmung und Depressionen – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

Es stimmt tatsächlich, dass die Darmflora und das gesamte Mikrobiom einen Einfluss auf Darmsystem hat. Nach dem ich vor 40 Jahren – deutlich vorwissenschaftlich deklariert – in der Hobbythek verbreitet habe, hat sich diese Aussage wissenschaftlich immer mehr verdichtet und ist heute Stand der Wissenschaft. So etwas wird auch medizinisch als Gold-Standard bezeichnet. Mit Fug und Recht kann man behaupten: Ist der Darm gesund, ist auch sein Träger, der Mensch, gesund. Immerhin ist das Immunsystem die absolut beste Apotheke der Welt. Das Immunsystem wird auch durch Impfen generell gestärkt, egal um welches Impfserum es sich handelt. Diese Erkenntnis hat mir seinerzeit schon mein Freund, Prof. Dr. Gerd Uhlenbrock, emeritierter Immunologe an der Universität zu Köln, eingetrichtert, schon vor besagten 40 Jahren. Er hat Recht behalten und ist mit seinem Wissen über 90 Jahre alt. Daran ist bestimmt aber auch sein Humor beteiligt, denn er hat seine Weisheit in denkwürdigen Aphorismen nieder geschrieben. Vielleicht verhilft dies einigen generellen Impfgegnern zu Umdenken, denn mit modernen Impfstoffen ist das Risiko mittlerweile millionenfach geringer als von irgendeiner gefährlichen Viren-Erkrankung erwischt zu werden.

In der beigefügten Pressemitteilung distanziere ich mich allerdings von der darin enthaltenen Werbung. Ob das dort propagierte präbiotische Nahrungsergänzungsmittel JO2-Phyto wirksam ist, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber ich persönlich ziehe meinen selbst hergestellten probiotischen Joghurt mit den in der Hobbythek vorgestellten gefriergetrockneten probiotischen Joghurt-Bakterien vor. Täglich 250 ml Joghurt mit Früchten der oder tiefgefroren, sind die Quelle meiner Gesundheit geworden. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber mit 85 Jahren bin ich nicht einen Zentimeter kleiner geworden. Vielleicht liegt es auch an dem im Joghurt enthaltenem Calcium.

Jean Pütz

(pts) – Über den sogenannten Vagusnerv ist das menschliche Gehirn auf direktem Weg mit dem Darm verbunden. Die Kommunikation zwischen den beiden Organen ist aber komplexer und findet zusätzlich auf indirekten Wegen statt, nämlich mithilfe von Metaboliten. Das sind Stoffwechselprodukte der Darmbakterien, die das Verdauungsorgan verlassen, die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und somit Einfluss auf unsere Stimmung nehmen. Die Darm-Hirn-Achse ist vielen Menschen zunächst einmal gar nicht bewusst. Dabei kennt eigentlich jeder das Gefühl, wenn psychischer Stress sprichwörtlich „auf den Magen schlägt“ oder man Ärger „runterschluckt“. Werden die Darmbewohner falsch ernährt, können auch unser Gehirn und unsere Psyche Schaden nehmen, bis hin zu Depressionen. Das Forschungsteam rund um PhytoEffekt Gründer Dr.-Ing. Henning Rosenfeld, hat das präbiotische Nahrungsergänzungsmittel JO2-Phyto entwickelt, das unseren Darm und die Darmflora rezeptfrei und auf pflanzlicher Basis unterstützt. Die guten Bakterien wachsen und gesundheitsfördernde Metabolite entstehen. Allen voran die kurzkettigen Fettsäuren (engl. SCFA – short chain fatty acids).

Unser Darm braucht Hilfe, um unserem Hirn zu helfen
Während eine gesunde Darmflora emotional ausgleichend auf den Menschen wirkt, können Störungen des Mikrobioms im Darm zu Gereiztheit und aggressiver Stimmung führen. „Probiotische Lactobacillen senken sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen den Stresslevel deutlich. Immerhin werden vom Mikrobiom psychoaktive Substanzen produziert, wie zum Beispiel Neurotransmitter oder Hormone, die dann das Gefühlsleben beeinflussen“, so Dr. Ing. Henning Rosenfeld, dessen Forschungsteam das „ideale Futter“ für das Mikrobiom auf pflanzlicher Basis mit den Flavanonen Naringin, Naringenin und Apigenin entwickelt hat. Aufgrund der weitreichenden Einflüsse des Mikrobioms ist es sinnvoll, wenn man sich der Darmflora annimmt und sie wieder ins Gleichgewicht bringt.

Gestörte Darm-Hirn-Achse mit dem Phyto-Effekt wieder geraderücken
Serotonin wird allgemeinhin als Glückshormon bezeichnet. Für den gesamten körpereigenen Serotonin-Haushalt spielt der Darm die entscheidende Rolle. 95 Prozent des Serotonins im Körper werden vom Darm und vom Darmmikrobiom hergestellt. Hier ist das Serotonin unter anderem für die Regulation des Glukose- und Fettstoffwechsels, die Verhinderung von Darmentzündungen und die Steigerung der Darmmotilität verantwortlich. Kürzlich wurde auch gezeigt, dass es sogar schützend gegen das Eindringen pathogener Mikroorganismen wirkt, die Krankheiten verursachen.

Nur fünf Prozent des Serotonins findet man im Gehirn, wo es seine stimmungsaufhellende Wirkung entfaltet. Der direkte Weg ins Gehirn ist dem Serotonin aufgrund der Blut-Hirn-Schranke leider versperrt, sodass es dort selbst produziert werden muss. Das erfolgt über die Aminosäure Tryptophan, die direkter Vorläufer des Serotonins ist. Die Serotonin-Menge im Gehirn lässt sich über den Tryptophanspiegel beeinflussen – und dieser wiederum über die Ernährung – bzw. den Darm. Dass tryptophanhaltige Nahrungsmittel stimmungsfördernd wirken, kann man zum Beispiel beim Verzehr von Schokolade erfahren.

Kapsel zur Regulation des Serotonin-Systems
Da der Darm das Hauptreservoir für Serotonin darstellt und über die Tryptophanaufnahme entscheidet, spielt er zusammen mit seinen Mikrobiom-Wechselwirkungen eine fundamentale Rolle in der Regulation des Serotonin-Systems. Neueste Studien haben gezeigt, dass die Mikroben die serotoninproduzierenden Darmzellen entscheidend durch Metabolite zur Produktion anregen. Es sind die kurzkettigen Fettsäuren (SCFA), die maßgeblich an der Regulation des Serontonin-Systems mitwirken. Und die SCFA-Produzenten kann man durch die richtigen Pflanzenstoffe fördern.