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Regenerative synthetische Kraftstoffe, die CO2-neutrale Verbrennungsmotoren oder Turbinen ermöglichen

(KIT) – Der Einsatz synthetischer Kraftstoffe könnte zukünftig Treibhausgasemissionen von Flugreisen und Schwertransporten minimieren. Mit einer Power-to-Liquid Anlage von INERATEC, die das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gemeinsam mit dem Spin-off am Energy Lab 2.0 betreibt, rückt das in greifbare Nähe. Die modulare Anlage ist in einem Container untergebracht und soll nun von der Ausgründung in Serie gefertigt werden.

„Das ist der letzte Ausbauschritt auf dem Weg zu einem industriellen Einsatz“, sagt Professor Roland Dittmeyer vom Institut für Mikroverfahrenstechnik des KIT. „Anlagen dieser Bauweise werden weltweit dazu beitragen, den Transportsektor und die chemische Industrie mit E-Fuels sowie E-Chemicals nachhaltiger zu gestalten.“ Die Anlage steht auf dem Gelände des Energy Lab 2.0 am Campus Nord des KIT. Sie produziert aus Kohlendioxid (CO2) und erneuerbarem Wasserstoff (H2) ein synthetisches Kraftstoffgemisch, auch SynCrude genannt, das zu synthetischem Kerosin, Diesel und Benzin weiterverarbeitet werden kann. „Dafür sind zwei Reaktorstufen notwendig, die wir zum ersten Mal gekoppelt, mit einem verbesserten Design und in einem für die Technologieentwicklung relevantem Maßstab betreiben“, sagt Dittmeyer. „Wir können bis zu 200 Liter Kraftstoff pro Tag erzeugen.“

Innovative Technologie von INERATEC

Die langkettigen Kohlenwasserstoffe des SynCrudes werden in einer der Reaktorstufen mittels Fischer-Tropsch-Synthese (FT-Synthese) aus Synthesegas hergestellt, das hauptsächlich aus Kohlenstoffmonoxid (CO) und H2 besteht. Es wird in dem anderen der FT-Synthese vorgeschalteten Reaktor durch die rückwärtige Wassergas-Shift-Reaktion (RWGS) erzeugt. Der RWGS-Reaktor ist aus mikrostrukturierten Platten aufgebaut, die einen flexiblen Betrieb der Anlage ermöglichen und für mehr Leistungsfähigkeit sorgen. Das neue Design dieser Platten wurde nun im gekoppelten Betrieb erfolgreich demonstriert. „Mit dem optimierten RWGS-Reaktor lassen sich die Reaktionen jetzt noch präziser steuern, und so konnten wir den Prozess signifikant verbessern“, sagt Dr. Tim Böltken, einer der Geschäftsführer von INERATEC. Jede Stunde könne bis zu drei Kilogramm Wasserstoff aus Elektrolyseuren verarbeitet werden. „Das entspricht einer Anschlussleistung von 125 Kilowatt, und das setzt weltweit Maßstäbe“, so Böltken.

Im nächsten Schritt erfolgt die Serienproduktion

Die Demonstration der RWGS Reaktor-Technologie von INERATEC auf dieser Skalierungsstufe stellt den letzten wichtigen Schritt in einem universitären Forschungsumfeld dar. Über weitere Skalierung, Standardisierung und Vervielfältigung will das Unternehmen die Power-to-X-Technologie danach schnell und kostengünstig mit einer Serienproduktion bereitstellen können. Über das Projekt IMPOWER2X wird das Spin-off des KIT von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro gefördert.

Bereits 2019 wurde in der ersten Förderphase des Kopernikus-Projekts P2X die weltweit erste vollintegrierte Anlage zur Produktion von „Sprit aus Luft und grünem Strom“ am KIT in Betrieb genommen. Die Anlage produzierte täglich ungefähr zehn Liter synthetische Kraftstoffe und kombinierte die CO2-Abscheidung aus der Luft, eine Hochtemperaturelektrolyse zur Synthesegaserzeugung, die FT-Synthese sowie die Produktaufbereitung zum fertigen Kraftstoff. Aktuell, in der zweiten Förderphase von P2X, wird diese Prozesskette in der Skalierung von 250 Kilowatt im Energy Lab 2.0 aufgebaut und soll dann ab 2022 etwa 200 bis 300 Liter Kraftstoff pro Tag direkt aus dem CO2 der Luft erzeugen. (mhe)

 

Zur Hochwasserkatastrophe 2021

(KIT) – Um Hochwassergefahren besser einschätzen zu können, sollen Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen. Dafür plädieren Forschende am CEDIM – Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Das CEDIM hat einen ersten Bericht zur Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vorgelegt. Was die Rolle des Klimawandels betrifft, birgt die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen ein steigendes Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse.

Die Hochwasserkatastrophe in der vergangenen Woche hat in Deutschland mehr als 170 Todesopfer gefordert (Stand: 21. Juli 2021). Immer noch werden Menschen vermisst. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur lassen sich erst grob bestimmen und gehen in die zweistelligen Milliarden – davon allein mindesten zwei Milliarden Euro für Verkehrsinfrastrukturen. Inzwischen hat der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. (GDV) den versicherten Schaden auf vier bis fünf Milliarden Euro nur in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen geschätzt. Wie kam es zu den Überflutungen, die vor allem Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen betrafen? Wie lassen sich Hochwassergefahren – besonders seltene, extreme Ereignisse – vorab besser abschätzen? Mit diesen Fragen hat sich die Forensic Disaster Analysis (FDA) Group des CEDIM befasst und einen ersten Bericht vorgelegt.

Wie die Forschenden erläutern, führten enorme Niederschlagsmengen dazu, dass beispielsweise der Pegel an der Ahr (Altenahr) seinen bisherigen Rekord von 2016 (3,71 Meter, Abfluss: 236 m³/s) deutlich überstieg. Überflutungsbedingt fiel die Messstation bei einem Wert von 5,05 Metern (Abfluss: 332 m³/s) allerdings aus. Das Landesamt für Umwelt Rheinland-Pfalz kalkulierte aus Modellrechnungen für die Katastrophennacht einen Pegel von bis zu sieben Metern, basierend darauf schätzten die Expertinnen und Experten einen Abfluss zwischen 400 bis 700 m³/s ab.

Mehrere Faktoren führten zu den extrem hohen Niederschlagssummen

Aus meteorologischer Perspektive führten verschiedene Faktoren zu den extrem hohen Niederschlagssummen. „Innerhalb von 48 Stunden fiel in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehr Regen, als dort üblicherweise im gesamten Monat Juli niedergeht; der Hauptanteil ging sogar innerhalb von nur rund zehn Stunden nieder“, berichtet CEDIM-Sprecher Professor Michael Kunz. Außerdem verstärkte das stark gegliederte Gelände der betroffenen Regionen, besonders im Landkreis Ahrweiler, mit teils tief eingeschnittenen Flusstälern den Oberflächenabfluss. Der bereits annähernd gesättigte Boden durch teils kräftige Niederschläge in den vorangegangenen Tagen verschärfte die Situation zusätzlich.

Um die Überflutungsflächen in den am schwersten betroffenen Gebieten Kreis Ahrweiler und Rhein-Erft-Kreis abzuschätzen, kombinierte das Forschungsteam Satellitendaten mit Luftaufnahmen von (Amateur-)Drohnen und Helikoptern sowie Fotos aus sozialen Medien. Nach diesen geschätzten Überflutungsflächen befinden sich in den betroffenen Gebieten knapp über 19 000 Gebäude mit einem Wert von rund neun Milliarden Euro. In Verbindung mit empirischen Daten vergangener Hochwasserkatastrophen (Infrastrukturschäden, Elementarschäden und andere Schäden) schätzten die Forschenden einen Gesamtschaden zwischen elf und 24 Milliarden Euro (erste CEDIM-Schätzung: 21. Juli 2021). Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Überflutungsflächen nur einen Teil der gesamten betroffenen Fläche ausmachen.

Mehr verfügbares Wasser in der Atmosphäre und zunehmende Beständigkeit von Großwetterlagen steigern Gefahr

Ob ein einzelnes Extremereignis oder die Abfolge mehrerer Extreme bereits auf den Klimawandel zurückzuführen sind, lässt sich nach Aussage der Karlsruher Katastrophenforschenden weder exakt belegen noch komplett verneinen, besonders wenn es um Ereignisse auf kurzen Zeit- und Raumskalen geht, die stark von lokalen Faktoren beeinflusst sind. Für die großräumigen Prozesse in der Atmosphäre, die zur Entstehung von Extremereignissen führen, gilt jedoch: Die Kombination aus mehr verfügbarem Wasser in der Atmosphäre infolge der Temperaturzunahme und einer zunehmenden Beständigkeit von Großwetterlagen mit einem sich tendenziell nach Norden verlagerndem Jetstream, dem Starkwindband in der oberen Troposphäre, birgt ein hohes Gefahrenpotenzial. „Da für diese drei Faktoren ein positiver Trend zu erwarten ist, wird auch das Potenzial für extreme Niederschlagsereignisse in Zukunft zunehmen“, erklärt Kunz.

Bereits 1804 und 1910 bedeutende Hochwasserereignisse im Ahrtal

„Im Ahrtal gab es bereits in der Vergangenheit zwei besonders bedeutende Hochwasserereignisse, nämlich 1804 und 1910. Ein Vergleich mit historischen Aufzeichnungen lässt annehmen, dass die diesjährigen Werte allerdings niedriger einzuordnen sind als die von 1804“, sagt der stellvertretende CEDIM-Sprecher Dr. James Daniell. Für das Hochwasserereignis von 1804 wurde der Abfluss von der Universität Bonn bereits auf ca. 1 100 m³/s geschätzt. Das diesjährige Ereignis könnte hydrologisch betrachtet ein ähnliches Ausmaß wie das von 1910 mit einem Abfluss von 500 m³/s gehabt haben. „Die aktuellen Hochwasserkarten für das Ahrtal basieren derzeit auf einer Abflussstatistik mit Daten seit 1947, da seit diesem Zeitpunkt homogene Messreihen zur Verfügung stehen. Dadurch werden die beiden historischen Ereignisse bei der Gefährdungsabschätzung bisher jedoch nicht berücksichtigt“, sagt Dr. Andreas Schäfer, Erstautor des Berichts. So liegt die aktuelle Schätzung eines hundertjährlichen Hochwassers als Bemessungsgrundlage für den Hochwasserschutz für die Ahr bei 241 m³/s.

Die FDA Group des CEDIM plädiert dringend dafür, in Hochwasser-Gefahrenkarten historische Daten einbeziehen, auch aus der Zeit vor der kontinuierlichen Messaufzeichnung, um Hochwassergefahren besser abschätzen zu können. „Zwar müssen wir bei den Analysen und Interpretationen der Daten grundsätzlich beachten, dass sich sowohl Infrastrukturen als auch Hochwasserschutzmaßnahmen in den vergangenen Jahren verändert haben. Daher lassen sich die Messwerte direkt schwerer vergleichen, und wir sollten uns weniger auf die Pegelstände fokussieren“, erklärt Daniell. „Wir können die Pegelstände von 1804 und 1910 als indirekte Anzeiger heranziehen, um Hochwasserjahre zu identifizieren. Messwerte zum Abfluss, über die zeitliche Entwicklung und über die Niederschlagsummen sind für die Interpretation jedoch wichtiger. Letztendlich sollten aber beide historische Größen – Pegel und Abfluss – beim Erstellen von Gefahrenkarten einbezogen werden.“ (or)

Bemühungen eines Bürgers, der sich um unsere Demokratie bemüht mit meine Stellungnahme

Lieber Herr Sommer,

viel schlimmer ist, dass Politiker, die ihrer Vernunft gehorchen und in der Lage sind, richtige logische Schlüsse zu ziehen, in Populismuszeiten keine Chance mehr haben, gewählt zu werden. Das gilt auch für die Bereitschaft, längere Abhandlungen zu lesen, selbst dann, wenn sie volkswirtschaftlich sinnvoll und wohlstanderhaltend sind. Auch Moderationen über 2 bis 3 Minuten nimmt die Schwarmintelligenz der Deutschen nicht mehr wahr – außer einer Bürger-Elite, die mit Vernunft betonten Ideen kaum Chancen bekommen. Selbst die Wissenschaft wird durch das Füllhorn der staatlichen Unterstützungen korrumpiert, und zum political correctness gedrängt. Das geht leider quer durch alle Parteien.

Früher habe ich geglaubt, Demokratie wäre in der Lage, Probleme zu lösen. Leider aber ist die ausgeartet in die Verfolgung von emotionalen, einseitigen Lösungen, wobei nur die Vielfalt zum Ziel führen würde. Als Beispiel nenne ich das Elektro-Auto. In Deutschland ist es überflüssig wie ein Kropf, aber dem unbedarften Bürger wird klargemacht, hinten kommt kein Abgas raus, also rettet es das Klima. Einzelne Personen bestimmen dann die Scene, wie Elon Musk, der für Kalifornien notwendige Elektro-Autos entwickelt hat, die Städte würden sonst im Smog ersticken. Das gilt besonders für die chinesischen Städte. Nachweislich ist das E-Auto ökologisch nicht zielführend, wird aber auch von der Presse zum Goldstandard erhoben. Nebenwirkungen und Risiken werden PR-Tricks völlig unterdrückt. Die florierende deutsche Automobil-Industrie ist darauf reingefallen, weil die EU ja den auf Eingaben deutscher Politiker nicht das einzelne Auto im Verbrauch reduzieren will, sondern auf den sogenannten Flottenverbrauch setzt. Fälschlicher Weise wird ein E-Auto als CO2-neutral gezählt und reduziert den durchschnittlichen Flottenverbrauch, damit die großen SUVs weiter verkauft werden können, die kurzfristig maximal fünf Jahre den Profit garantieren. Das wird von allen Parteien gut geheißen – außer der AFD, deren Aufkommen von allen Demokraten mit Recht als Katastrophe empfunden wird.

Ich schreibe Ihnen nur, weil ich Ihr gutgemeintes und wertvolles Engagement etwas eingrenzen möchte. Unserer Demokratie geht es nicht gut. Die dahinter stehende Selbstorganisation eines Volkes durch freie Demokratie wird immer mehr eingeengt. Corona ist nur ein Beispiel, aber auch der Tatsache geschuldet, dass der Bildungsstand unseres Volkes in Sachen Naturwissenschaften einen Tiefpunkt erreicht. Verschwörungstheoretiker aller Arten überdecken jegliche Art von Vernunft. Vielleicht können Sie das einmal in Ihren Kommentaren und Bemühungen einfließen lassen.

Ansonsten Hochachtung

(Wegen Makuladegeneration kann ich nicht mehr lesen und schreiben, aber diktieren. Bitte nehmen Sie mir gelegentliche Verständnis-Irritationen nicht übel)

Jean Pütz

(Demokratie Plus) – Am 26. September 2021 ist es wieder so weit. Ich freue mich jetzt schon darauf. Sie gehört zu den Ritualen von Wahlen ebenso wie Umfragen, Hochrechnungen und Straßeninterviews.

Die „Elefantenrunde“.

Niemand weiß genau, wer wann diesen Begriff prägte. Es gibt sie seit über einem halben Jahrhundert, mit im Grunde immer gleichem Konzept: Am frühen Wahlabend versammelt sich die Runde der Vorsitzenden aller im Bundestag vertretenen Parteien in einem Fernsehstudio und interpretiert die Wahlergebnisse.

Das ist schon allein deshalb immer wunderschön anzuhören, weil fast jedes Mal fast alle Parteien die Wahl im Grunde gewonnen haben – glaubt man deren Protagonist*innen. Es gab schon Abende, an denen ein (noch) amtierender Bundeskanzler als Einziger im Raum nicht realisieren wollte, dass seine Zeit abgelaufen war.

Köstlich klingen auch die in Variationen immer wieder dargebrachten Erklärungen, warum denn die reine Prozentzahl so enttäuschend ausfiel, wo doch im Grunde die übergroße Mehrheit der Wählerinnen und Wähler die Position der jeweiligen Partei teilen würde.

Meist seien die angeblich gerade an diesem Tag zu Hause geblieben. Wahlweise wegen zu guten oder zu schlechten Wetters, wegen der falschen Annahme, die Wahl sei ohnehin schon gewonnen oder verloren oder aus anderen, oft überraschend kreativen Gründen.

Eine krachende Wahlniederlage wird zumeist damit begründet, dass man seine – zweifellos klugen und mehrheitsfähigen Positionen – nicht genügend „vermitteln“ konnte.

Faktisch nie hört man den Satz: „Wir haben die Wahl verloren, weil die große Mehrheit der Wähler*innen unsere Ziele nicht teilt.“

Das ist tatsächlich nicht der politischen Rhetorik geschuldet, sondern einer Variante des Phänomens der verzerrten Wahrnehmung.

In der vergangenen Woche sprachen wir über die egocentric bias – kurz gesagt, die Überschätzung der eigenen Bedeutung für Prozesse und Ergebnisse. Wir haben gesehen, dass ein kluger Umgang mit diesem Phänomen zum Beispiel in Beteiligungsprozessen durchaus eine positive Wirkung haben kann.

Heute wollen wir uns eine andere Ausprägung dieser Verzerrung genauer anschauen.

Wir Menschen neigen nicht nur dazu, unsere eigene Rolle (im Positiven wie im Negativen) überzubewerten. Das gilt auch für unsere Sicht auf die Wirklichkeit. Wir glauben in der Regel nicht nur, dass wir Recht haben, wir glauben auch, dass weit mehr Menschen unsere Meinung teilen, als dies der Fall ist.

Verantwortlich dafür sind mehrere Effekte, die zwei wichtigsten sind das Phänomen der Verfügbarkeitsheuristik und die so genannte Bestätigungsverzerrung: die confirmation bias.

Letztere besagt im Grunde, dass wir aus einer Fülle von Informationen tendenziell intensiver jene wahrnehmen, die unsere Meinung bestätigen. Wir bevorzugen also, was uns bestätigt, indem

  • passende Informationen besser in Erinnerung bleiben,
  • passende Informationen höher gewertet werden als gegensätzliche,
  • Informationsquellen für unpassende Informationen gemieden werden.

Das allein verzerrt bereits unsere Wahrnehmung. Dazu kommt, wie wir diese – bereits vorselektierten – Informationen interpretieren.

Hier kommt die Verfügbarkeitsheuristik ins Spiel: Wir bewerten die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen je nach ihrer Verfügbarkeit.

Wenn ein Ereignis besonders spektakulär ist, wenn wir davon besonders viel in den Medien lesen, dann halten wir es für besonders häufig.

Und das gilt eben auch für Meinungen. Wir nehmen tendenziell eher zur Kenntnis, was uns bestätigt. Und wir neigen zusätzlich dazu, diese Bestätigungen auch noch für besonders repräsentativ zu halten.

Genau das ist das Geschäftsmodell der Sozialen Medien. Die dortigen Algorithmen checken für uns genau nach diesen Kriterien. Inhalte, die mit unseren Vorlieben korrespondieren, bekommen wir besonders häufig angezeigt, andere werden ausgeblendet. So wirken sie quasi als Katalysator und fügen dieser Verzerrung eine weitere Ebene hinzu:

Wir bekommen ein vorgefiltertes Abbild der Welt präsentiert, selektieren selbst noch einmal und das, was am Ende übrig bleibt, wird dann auch noch verallgemeinert.

Geht es um ganz unbequeme Wahrheiten, so steht am Ende dieser Verzerrungskette dann auch schon mal eine glatte Leugnung der Wirklichkeit. Der Klimawandel ist dann nur ein Fake, Corona eine Erfindung von Bill Gates und Flüchtlinge sind nur hier, um unsere Töchter zu vergewaltigen.

So extrem scheitert die Wirklichkeit nur an wenigen Menschen, aber wir alle sind von den Verzerrungen nicht gefeit. Wir alle unterliegen ihnen – in unterschiedlicher Intensität.

So entsteht am Ende des Tages gesellschaftliche Spaltung, durch Selbstbestätigungsblasen, deren Mitglieder nicht mehr in der Lage sind, mit Anderen wertschätzend zu diskutieren – die es ihnen ja auch nicht leicht machen, weil ihre Blase ihnen eine ganz andere Wirklichkeit vorspiegelt und möglicherweise beide davon überzeugt sind, die Meinung der „schweigenden Mehrheit“ zu teilen.

Schlimm? Sicher. Unlösbar? Keinesfalls. In der kommenden Woche schauen wir uns gemeinsam an, wie wir diese Verzerrungen in Diskursen – und in Beteiligungsprozessen – nicht nur berücksichtigen, sondern tatsächlich austricksen können.

Herzlichst, Jörg Sommer 

G20-Staaten reden grün und handeln braun

‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Die deutsche Regierung bemüht sich fleißig, die Vorgaben der Weltklimakonferenz zu erfüllen und steckt in der Zwickmühle zwischen Verlust ihrer Industriekultur und Klimaschutz. Wenn es nach den ‚Grünen‘ ginge und ebenso nach Friday for Future, würden wir jetzt schon sämtlichen CO2-Ausstoß verbieten. Auch die Wunschträume, völlig ohne fossile Energieträger auszukommen, und anstelle dessen auf regenerative Energie zu setzen, die auf unserem eigenen Territorium aus Sonne, Wind und Wasserkraft gewonnen wird, scheint für diese Protagonisten kein Problem darzustellen. Der Trend der gezielt geförderten Wissenschaft, diese Meinung zu unterstützen, verlangt die allgegenwärtige political correctnes-Manie. Unabhängige Forscher, insbesondere Fachleute, die sich mit Energie und ihre Bedeutung für die Gesellschaft auskennen, kommen nicht zu Wort. Denen ist klar, dass das aus physikalischen, soziologischen und praktischen Gründen  garantiert nicht möglich ist, trotz Milliarden staattlicher Subventionen. Das gilt insbesondere, weil im Endstadium vorwiegend unser vielfältiger Energiebedarf rein elektrisch befriedigt werden soll. Die Physikkundigen schlagen die Hände über den Kopf zusammen, denn die mehr als 40%igen Energieanteile, die auf den Gebäudesektor auch für unsere privaten Häuser anfallen, können selbst bei Einsatz von elektrischen Wärmepumpen, dieses niemals erfüllen. Jedes voll ausgebaute elektrische Netz inkl. des europäischen Hochspannungsverbund, wird dies nicht leisten könne.. Elektrische Energie für Wärme- und Kälte-Versorgung zu verwenden, ist ein Frevel. Dazu ist der Strom viel zu wertvoll und zu teuer. Gleiches gilt für die Elektromobilität in Form des E-Autos inkl. der Verbannung des Verbrennungsmotors, auf den bisher die deutsche Industrie immer noch zu 80% setzt.

Trotzdem hat die Elektromobilität eine große Chance. Die Prototypen eines sogenannten HyperHybrid-Autos existieren: rein elektromotorisch angetrieben, bei einem maximalen Verbrauch für Mittelklasseautos von 2 bis 3 Litern Benzin, welches auch ohne Schwierigkeiten durch regenerativ gewonnenes Methanol ersetzt werden kann. Dann fährt dieses HyperHybrid-Elektro-Auto völlig CO2-neutral. Das sind keine Mondschlösser, sondern ist existierende Realität, als angesprochene Prototypen jederzeit einsehbar. Im übrigen kann regeneratives Methanol aus grünem Wasserstoff und recycelten CO2 gewonnen, in Entwicklungsländern produziert, sämtliche fossilen Brennstoffe ersetzen, ohne dass Abermilliarden in neue Infrastruktur investiert werden muss.

Weil das von der Politik nicht aufgegriffen wird, bleibt den G20-Ländern nichts anderes übrig als das, was im folgenden Beitrag von Gabor Steingart moniert wird, es sei denn, sie ruinieren ihre Volkswirtschaft, wie das Deutschland bevor steht.

Einen Lichtblick gibt es, die CDU und die FDP – insbesondere Armin Laschet – fordern jetzt neuerdings für die Klimarettung Technologieoffenheit gegen vorherrschende grün-ideologische Verbots-Ideologie.

Jean Pütz

(Morning Briefing) – Nicht ohne Stolz verkündet die International Energy Agency (IEA) in Paris einen Rückgang der weltweiten Subventionen für fossile Brennstoffe. Minus 40 Prozent in 2020, nach einem Rückgang von 30 Prozent in 2019. Das ungeschulte Publikum könnte meinen: Endlich! Es geht voran mit dem Klimaschutz.

Doch die guten Nachrichten sind ein Potemkinsches Dorf der Zahlen. Diese Rückgänge verdankt das Weltklima im Wesentlichen drei Faktoren:

  1. Einem scharfen Rückgang des Energiekonsums in der Pandemie
  2. Einem Preisrückgang auf den Märkten für fossile Brennstoffe
  3. Einem höchst unvollständigen Blick der Energy Agency auf das Treiben der Staaten

Betrachtet man nämlich die gesamte Breite der staatlichen Unterstützung für die fossilen Brennstoffe, also auch die Investitionen in staatliche Raffinerien und Energiekonzerne, die Subventionen für herkömmlich befeuerte Industrieanlagen, die Steuervorteile und staatlichen Kreditzusagen für große CO2-Emittenten, ergibt sich ein gänzlich anderes Bild, wie ein Bloomberg-Report schonungslos offenlegt. Dieser Bericht wurde via Bloomberg Philanthropies finanziert und damit aus dem persönlichen Vermögen von Michael Bloomberg, der sich seit Längerem schon für den Klimaschutz engagiert. Das hier sind die Kernaussagen der Analyse:

  • In den fünf Jahren zwischen 2015 und 2020 addieren sich allein die Zahlungen der G20-Regierungen, wozu Deutschland, die USA, China, und Russland gehören, für die direkte und indirekte Unterstützung von Kohle, Gas und Öl auf 3,3 Billionen US-Dollar
  • Diese direkten und indirekten Subventionen weisen im Betrachtungszeitraum eine Reduktion um lediglich zehn Prozent auf, von 706 Milliarden in 2015 auf 636 Milliarden in 2019. Der Bloomberg-Report spricht von einer „dickköpfig hohen Unterstützung“ für die fossile Energieerzeugung.
  • Derweil es signifikante Rückgänge bei den Subventionen pro Einwohner in einigen der G-20-Staaten gibt, vorneweg in Saudi-Arabien, Argentinien und Italien, haben andere Regierungen ihre Subventionen pro Einwohner deutlich erhöht, darunter Russland, Mexiko, das Vereinigte Königreich, Indonesien, Kanada und Australien.

Nicht berücksichtigt in diesen Zahlen ist die politische Unterstützung für große fossile Energieprojekte wie die Gaspipeline Nord Stream 2 durch die deutsche Bundesregierung. Diese Pipeline, die Russland mit Deutschland verbindet und jährlich eine Gasmenge von 55 Milliarden Kubikmetern nach Deutschland befördern soll, ist das größte Projekt zur Einspeisung fossiler Brennstoffe in den deutschen Energiekreislauf:

  • Zum politischen Ziel im CDU/CSU-Wahlprogramm (Klimaneutralität bis 2045) will diese Aktivität wenig passen.
  • Der soeben beigelegte Widerstand der USA gegen die Pipeline bezog sich nicht auf den CO2-Ausstoß, sondern auf den Absender. Die USA wollten das russische Gas durch Fracking-Gas „made in the USA“ ersetzen.

Auch regeneratives Ammoniak kann Zukunft der Schifffahrt beflügeln

Hy2gen und Trafigura unterzeichnen Memorandum of Understanding zur Entwicklung einer Studie, die den Infrastruktur- und Produktionsbedarf für grünes Ammoniak zur Dekarbonisierung der Schifffahrtsindustrie quantifiziert

Wiesbaden, 23.07.2021 – Hy2gen und Trafigura haben heute eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit bei einer Studie unterzeichnet, die darauf abzielt, den Bedarf der Schifffahrtsindustrie an grünem Ammoniak im Zuge der Umstellung auf kohlenstoffarme und kohlenstofffreie Schiffskraftstoffe zu quantifizieren. Die Studie wird die notwendigen Aspekte für eine groß angelegte kommerzielle Einführung untersuchen, einschließlich der erforderlichen Mengen an grünem Ammoniak und der benötigten Transport- und Lagerkapazitäten.

Der Aufbau der Infrastruktur, um eine effiziente Lieferkette zu ermöglichen, die ausreichende Mengen des zu 100 Prozent erneuerbaren und kohlenstofffreien grünen Ammoniaks auf den Markt bringen kann, wird enorme Verpflichtungen in Bezug auf die Produktion, die Infrastruktur und den Transport erfordern, die die Studie zu quantifizieren versucht.

„Als einer der größten physischen Rohstoffhändler und Schiffscharterer der Welt ist Trafigura in einer einzigartigen Position, um diesen Übergang voranzutreiben“, sagt Cyril Dufau-Sansot, CEO der Hy2gen AG.

Trafigura hat die Schlüsselrolle und das Potenzial von Hy2gen für die industrielle Produktion von grünem Wasserstoff frühzeitig erkannt und ist seit 2019 Investor bei Hy2gen.“Hy2gen ist ein Vorreiter und Pionier in der grünen Ammoniakproduktion und Konzeptentwicklung. Wir erkennen ihre Fähigkeit sehr an, schnell Projekte in Größenordnungen durchzuführen, die den Übergang der Schifffahrtsindustrie zu sauberen Kraftstoffen beschleunigen können“, sagte Julien Rolland, Head of Power and Renewables bei Trafigura.

Mit „Laib“ und Seele: Sauerteig zum Brotbacken

Aus der Reihe „1001 Alltagstipps“  erschienen im:

Liebe Leserinnen und Leser !

Selbstgebackenes Brot erzeugt bei vielen eine wohlige Stimmung und lässt Erinnerungen an Heimat und Kindheit aufleben. Kein Wunder also, dass die Liebe zum Brotbacken gerade in unsicheren Corona-Zeiten voll im Trend ist.

Seit dem Altertum wird Brot im Wesentlichen aus gemahlenem Getreide, Wasser und einem Triebmittel hergestellt. Während für Weizenteige „zum Gehen“ meist Hefe eingesetzt wird, benötigen Roggenbrote sog. Sauerteig. Dieser enthält neben Hefepilzen auch Milchsäurebakterien die letztlich Kohlendioxidbläschen und Säuren produzieren. Dadurch werden Roggenbrote überhaupt erst backfähig, aromatisch und haltbarer.

Sauerteig ist sowohl flüssig als auch getrocknet im Supermarkt erhältlich. Bereits in den 1970er Jahren habe ich jedoch gemeinsam mit der damaligen Bundesforschungsanstalt für Getreideverarbeitung Detmold ein narrensicheres 3-Stufen-Verfahren entwickelt, das bis heute tausendfach kopiert wurde.

Hier das Originalrezept:
Zunächst werden 100 g Roggenvollkornmehl mit 100 ml warmem Wasser (40°C) in einer sauberen Schüssel verknetet und für 48 Stunden abgedeckt bei Zimmertemperatur stehen gelassen. Anschließend werden weitere 100 g Roggenvollkornmehl und 100 ml Wasser (40°C) hinzufügt und verknetet. Nach 24 Stunden werden noch einmal 200 g Roggenvollkornmehl und 200 ml Wasser (40°C) eingerührt. Nach weiteren 24 Stunden ist der Sauerteig fertig und sollte angenehm säuerlich riechen.

Mein Tipp: Damit es beim nächsten Brotbacken schneller geht, kann der Sauerteig vermehrt werden.
Dazu werden vom frischen Sauerteig 50 g abgenommen und mit so viel Rogenvollkornmehl verknetet, bis eine krümelige Streuselmasse entsteht. Dieser „Krümelsauer“ hält in einem dichten Gefäß im Kühlschrank ca. einen Monat.

Einen Tag vor dem Brotbacken werden in einer Schüssel 75 g Krümelsauer mit 350 g Roggenvollkornmehl und 375 ml Wasser (40°C) verknetet. Abdecken und 24 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen lassen. Fertig ist der „Turbo-Sauerteig“.

Brotbackrezepte auf der Basis von Sauerteig finden sich zu Hauf im Internet und in unzähligen Büchern.

Bitte bleiben Sie gesund !

Ihr Jean Pütz

Waschnüsse – ein Waschmittel vom Baum

Aus der Reihe „1001 Alltagstipps“  erschienen im:

Liebe Leserinnen und Leser !

Seit Jahrhunderten waschen die Menschen in Indien Kleidung und Haare mit einem pflanzlichen Reinigungsmittel – den sog. Waschnüssen. Die haselnussgroßen Früchte wachsen an bis zu 15 Meter hohen Seifenbaumgewächsen (lat. Sapindus mukorossi) und werden im Herbst geerntet, entkernt und schließlich getrocknet.

In der Schale der Waschnuss befindet sich eine seifenähnliche waschaktive Substanz – das Saponin – das den Baum vor Pilzbefall und Bakterien schützt. Saponine befinden sich auch in geringerer Dosis in vielen anderen Pflanzen (Spinat, Hülsenfrüchte) und werden sogar zur Schaumbildung in Zahnpasten eingesetzt.

Um es vorweg zu nehmen: Die Waschkraft von Waschnüssen ist weitaus geringer als bei herkömmlichen Waschmitteln. Besonders bei der Fleckentfernung zeigen sie Schwächen.

Für leicht verschmutzte Wäsche, speziell Wolle und Seide, sind Waschnüsse allerdings gut geeignet.

Besonders Allergiker, Kleinkinder und Menschen mit empfindlicher Haut schätzen Waschnüsse jedoch als natürliche Alternative zu chemischen Waschmitteln.

Und so wird’s gemacht:

Je nach Verschmutzung 4-8 Waschnussschalen in den mitgelieferten Baumwollbeutel füllen, zuschnüren und zu der Wäsche in die Maschine geben. Waschen wie üblich bei 30–90°C. Nicht wundern: Die Schaumbildung ist sehr gering.

Waschnüsse guter Qualität (z.B. www.govinda-natur.de) können ein zweites Mal verwendet werden bevor Sie im Bioabfall entsorgt werden.

Tipps:

  • Werden die Waschnüsse mit einem Nussknacker mehrfach zerteilt, wird mehr Saponin freigesetzt.
  • Hartnäckige Flecke mit Gallseife o.ä. vorbehandeln.
  • Bei hartem Wasser schützt ein Wasserenthärter die Heizstäbe und verstärkt die Waschkraft des Saponin
  • Für den Frischeduft kann der Beutel mit ätherischem Öl (Zitrone, Lavendel) beträufelt werden.
  • Ein Bleichmittel hilft den Grauschleier bei Weißwäsche zu vermeiden. Ich empfehle das von mir entdeckte „Proweiß Super“, das bereits bei 30°C wirkt. Nähere Informationen finden Sie in der „SANITÄTSHAUS Aktuell, Februar 2019“

Bitte bleiben Sie gesund !
Ihr Jean Pütz

Klimakrise mit Vernunft lösen: Zusammenfassung aller Widersprüche in der Klimapolitik – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Einer meiner 82.000 Facebook-Abonnenten, Kai Ruhsert, hat mir interessante Informationen geliefert, die belegen, dass ich mit meiner Kritik an der populistischen Grünen-Ideologie, die ich seit mehr als zwei Jahren mit zunehmenden Befürchtungen verfolge, nicht allein bin.

Leider führen die derzeit beschlossenen Maßnahmen zur Klimarettung trotz Milliarden schwerer Subventionen des Staates in eine gefährliche Sackgasse. Politiker. Mangelnde naturwissenschaftliche Kenntnisse von Politikern und Entscheidern haben dazu erheblich beigetragen, dass die Vernunft nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Sie fühlen sich bestätigt durch die Zustimmung vieler Wissenschaftler und Institute, die allerdings sich wegen der staatlichen Finanzierung oft zum political correctness verpflichtet fühlen, denn alles, was in das Wunschdenken der Politiker und Lobbyisten passt wird mit Milliarden Euro gefördert. Das macht es den Kritikern immer schwerer mit ihren Mahnungen durchzukommen. Populistisch nenne ich das Verhalten der grünen Ideologen, weil sie fundamentale Naturgesetze und technologische Unmöglichkeiten aussparen. Die mangelnde naturwissenschaftliche Bildung der Bürger macht die Vorstellung hoffähig, dass die Wissenschaft und technische Intelligenz alles regeln wird. Der Rattenfänger von Hameln lässt grüßen. Dabei wird das wichtigste Prinzip der Naturwissenschaft, nämlich das von Ursache und Wirkung, völlig beiseite geschoben. Bisher beruhte die technische Kreativität auf der Suche nach dem geringsten Übel.  Eingriffe in die Natur basieren stets auch darauf, dass der Mensch die Natur stört. Dann kommt es darauf an, sie so wenig wie möglich und mit Hilfe technologischer Entwicklung nach dem Prinzip der Nachhaltigkeit zu beeinträchtigen. Da helfen keine radikalen Verbote, sondern unter zu Hilfenahme der Logik z. B. die Artenvielfalt zu bewahren, die Klimaerwärmung zu bremsen, usw., ohne die technischen Errungenschaften, die der Mensch geschaffen hat, die für unseren Wohlstand verantwortlich sind, über die Maßen zu behindern. Was bringt das Verbot des Verbrennungsmotors, wenn er sogar helfen kann, Klimaprobleme zu lösen?

Gleiches gilt für das Wunschdenken, mit der in Deutschland gewonnenen regenerativen Energie, den enorm steigenden Bedarf an elektrischer Energie befriedigen zu können. Übrigens, die Elektrizität allein erfüllt nur einen Teil an der gesamten Energienachfrage, was völlig vergessen wird. Der Blick über die Grenzen und globales Denken bringt die Lösung. Um das zu begreifen reicht lineares Denken nicht aus. Dazu sei beispielsweise das schwergewichtige, Batterie getriebene Elektro-Auto genannt. Nur weil keine Abgase entstehen, muss das nicht klimagerecht sein. Warum sich dieses so eingefressen hat in die öffentliche Meinung, ist für das Land der Erfinder und Denker eine Schande. Wenn man in der Ökobilanz ein wenig komplexer nachdenkt, fällt jedem auf, dass das Auto das Klima nicht retten kann. Dabei gibt es Alternativen zu der Elektromobilität, die völlig verworfen werden, weil sinnlose Subventionen den Blick auf das Ganze verhindern.

Ich hoffe, dass meine Idee, die Zukunftsenergie Grüner Wasserstoff, der gebrauchsfreundlich in regeneratives Methanol verwandelt werden kann, Widerhall findet. Es hat sich noch nicht herum gesprochen, dass Methanol sämtliche fossilen Treib- und Brennstoffe ersetzen kann, das heißt sowohl Erdöl aber auch Kohle und Erdgas. Dabei wird Kohlensäure im Recycling-Verfahren zu einem Wertstoff, der die CO2-Neutralität ermöglicht.

Einen Riesenvorteil bringt Methanol zusätzlich, es ist als enorm energiehaltige Flüssigkeit ohne große Subventionen in Infrastruktur einsetzbar, und im Verbrennungsmotor erzeugt es sogar höhere Wirkungsgrade, als wenn er mit Benzin oder Diesel betrieben würde. Die Verbrennungsmotoren-Technologie ist seit 100 Jahren kontinuierlich optimiert worden. Deutschland war dabei weltweit führend. Warum dann auf Brennstoffzellen zu setzen, nur weil sich dabei nichts bewegt, bringt keinen Vorteil. Auch die Brennstoffzelle ist genauso wie der Verbrennungsmotor dem Gesetz des 2. Hauptsatzes der Thermodynamik unterworfen. Die Brennstoffzelle viel teurer und hat seine Bewährungsprobe im Dauer- und Massenbetrieb noch vor sich.

Insbesondere hoffe ich, dass die Idee der Produktion von Methanol in klimageschädigten, aber von der Sonne verwöhnten  Entwicklungsländern an Ort und Stelle in großen Fabriken, gespeist durch die immer preiswertere moderne Fotovoltaik, politisch aufgegriffen wird. Sie ermöglicht in den ärmsten Ländern eine Arbeitsplatz schaffende Industrialisierung. Historisch gesehen geschah die industrielle Entwicklung in unseren Breiten auch immer dort, wo Energielagerstätten oder Wasserkraft vorhanden waren. Entwicklungshilfe auf Augenhöhe wird möglich, basierend auf dem Eigeninteresse der Industrieländer, ja sie schafft die Voraussetzung überall für CO2-neutrales, nachhaltiges wirtschaftliches  Wachstum – eine ideale Win-Win-Situation. Man darf sich fragen, warum das bisher noch nicht durchdacht worden ist. Es sollte zukünftig an erster Stelle aller Bemühungen stehen, die Klimaproblematik sozialverträglich zu lösen. Dann würde der von den Grünen immer gehegte Wunsch, aus Deutschland heraus die Welt zu retten, tatsächlich Wirklichkeit!! Um die Finanzierung mache ich mir keine Sorge. Alle bisher auf fossile Energie setzenden Staaten, vor allen Dingen die Erdölproduzenten und die Börsen aller Länder würden sich darauf stürzen, auch weil alle Infrastrukturen bereits vorhanden sind. Grünes Methanol machts möglich.

Jean Pütz

Die folgenden Links, enthalten  zwar noch nicht meine Vorschläge, aber sie belegen die Notwendigkeit des Umdenkens von grün-emotionalem Mainstreamdenken. Allerdings empfehle ich nur dann die Links zu verarbeiten, wenn Sie tief in das Thema einsteigen wollen, sonst ist das eine Strapaze.

Lieber Herr Pütz,

ganz ausgezeichnet, ich kann Ihnen da nur zustimmen:

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/02/05/die-welt-durch-verzicht-retten/

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/01/31/der-klimawandel-als-pseudobegrundung-fur-postwachstums-strategien/

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/2021/06/10/leitfaden-zur-erkennung-ideologischer-einfluesse-auf-stellungnahmen-zur-energiewende/

Und wenn Sie sich nicht auch noch selber die Mühe machen wollen, die angeblichen Klimavorteile von E-Autos zu sezieren, dann erlaube ich mir dazu diesen Hinweis:

https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/das-buch/

Ein Leser schrieb mir dazu:

„Ich habe es in einem Zug gelesen. Chapeau! Das ist mit großer Akribie und Umsicht sowie beeindruckendem Sachverstand geschrieben. Immer dann, wenn ich gedacht habe, jetzt müsste das Buch aber auf das und das eingehen, folgte prompt eine passende Passage. Alles drin, und kein Gramm Fett zu viel. Las sich bei allem Faktenreichtum durchweg spannend und vor allem zum Schluss dann auch noch recht amüsant (armer Prof. Wietschel). Hier hätten es Presse und Rundfunk verdient, auch noch kritisch gewürdigt zu werden? Aber wahrscheinlich wollten Sie nicht, dass Ihre Emotionen dann doch noch in den Galopp übergehen. Beeindruckend und der Sache dienlich, dass der Text trotz des Reichtums an belegten Absurditäten so sachlich bleibt. …
Bleibt die Frage, warum es so gekommen ist. Vor allem eingangs nehmen Sie die Politik in Schutz („schlecht beraten durch die Wissenschaft“), um dann gegen Ende darzustellen, dass viele Wissenschaftler und Berater halt nach der Pfeife der Politik tanzen, um weiterhin an Projekte und Aufträge zu kommen. Nun, eine klare Antwort habe ich auch nicht, aber irre ist es schon, ein riesiges Programm zu pushen, das das Gegenteil dessen bewirkt, was erreicht werden soll. Eigentlich ein Fall für die Soziologen und Herdenforscher. Bleibt spannend. – Keep up the good work!“

Auch der Experte Dieter Teufel, Leiter des Umwelt- und Prognose-Instituts in Heidelberg, kam zu einer wohlwollenden Bewertung: „Seine Gedankengänge sind logisch, die Herleitungen sauber, die Quellen gut belegt.“

Mit freundlichem Gruß

Kai Ruhsert

Regenerative Kraftstoffe für den Verbrennungsmotor

(KIT) – reFuels umfassen erneuerbare Kraftstoffe, die über unterschiedliche Wege hergestellt werden können. Wenn diese so gemischt und aufbereitet werden, dass sie die bestehenden Kraftstoffnormen erfüllen, können damit alle verbrennungsmotorischen Anwendungen bedient werden. Zu diesem Ergebnis kommen aktuelle Fahrzeug- und Flottentests im Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“ am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Im Vergleich zu rein fossilen Kraftstoffen ermöglichen die reFuels-Kraftstoffgemische eine mindestens 25-prozentige CO₂-Reduktion. Zusätzlich bieten sie leichte Vorteile bei den Schadstoffemissionen.

„Flüssige Kraftstoffe werden im Mobilitäts-Mix noch länger erforderlich sein, etwa im Bereich des Langstrecken-Schwerlastverkehrs, der Schiff- und Luftfahrt, aber auch in der Bestandsflotte der Pkw. Hier können synthetische Kraftstoffe eine komplementäre Lösungsmöglichkeit zur ‚Defossilisierung‘ des Verkehrs bieten“, so Dr. Uwe Wagner vom Institut für Kolbenmaschinen (IFKM) des KIT. „Dafür müssen sie nachhaltig erzeugt werden können und möglichst schnell verfügbar sein“, sagt Professor Nicolaus Dahmen, im reFuels-Projekt zuständig für die Bereitstellung der Kraftstoffe. Für alle Arten heute üblicher Kraftstoffe gibt es etablierte und neue Prozesse, die den jeweiligen Kraftstoff liefern. „Die derzeit erprobten reFuels-Kraftstoffgemische ermöglichen bereits jetzt eine mindestens 25-prozentige CO₂-Reduktion im Vergleich zu rein fossilen Kraftstoffen“, so Dahmen. Im Projekt reFuels konnte dies für einige Beispiele, für die das KIT Technologien betreibt oder – wie im Fall des Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) – eine andere Quelle für die Kraftstoffe gefunden hat, gezeigt werden.

Praxistests zeigen positive Ergebnisse
„Die bisher bei uns untersuchten reFuels-Kraftstoffgemische halten bestehende Kraftstoffnormen für Benzin- und Dieselkraftstoffe ein. Bei Anwendungstests in Pkw der Bestandsflotte konnten wir bei reFuels keine nachteiligen Eigenschaften feststellen. In einzelnen Fällen zeigten sich hinsichtlich der Schadstoffemissionen sogar leichte Vorteile – sowohl bei den Diesel- als auch den Benzinfahrzeugen“, fasst Wagner die bisherigen Ergebnisse der RDE-Fahrten (Real Driving Emissions) mit kommerziell erhältlichem R33 und am KIT synthetisiertem G40 zusammen. Er und sein Team am IFKM untersuchten bei RDE-Fahrten in Karlsruhe und Umgebung, wie sich reFuels im realen Fahrbetrieb verhalten. Diese Fahrten fanden auf Streckenabschnitten in der Stadt, auf der Landstraße und der Autobahn statt, die aktuellen gesetzlichen Vorgaben zur Zertifizierung von Neufahrzeugen entsprechen. Für die Testfahrten des KIT wurden vier verschiedene Pkw mit einem mobilen Emissionsmessgerät (Portable Emission Measurement System, PEMS) ausgerüstet. Mit diesem Gerät, das auch im europäischen Forschungsprojekt MetroPEMS zum Einsatz kommt, können Stickoxid-, Partikel- und CO₂-Emissionen während der Fahrt gemessen werden. Zudem wurden Flottentests mit sechs Lkw durchgeführt. Diese haben mit dem Kraftstoff C.A.R.E Diesel® aus 100 Prozent kommerziell verfügbarem HVO über 350 000 Kilometer zurückgelegt. „Auch hier zeigten die Ergebnisse keinerlei Probleme in der Anwendung“, sagt Wagner. Für weitere Tests ist eine Ausweitung der Flotte und eine Verlängerung des Dauerlaufs bis 2024 geplant. „Auch Versuche an einem Bahnmotor mit R33 und reinem HVO zeigten dieselben Ergebnisse wie die Straßenversuche“, so der Experte.

Umweltbilanzierung zeigt potenzielle Vorteile
Im Rahmen des ganzheitlichen Projektkonzeptes wurden die regenerativen Kraftstoffe einer Umweltbilanzierung unterzogen. Dazu wurden alle wesentlichen Energie- und Stoffströme im Zusammenhang mit der Bereitstellungs- und Nutzungskette der reFuels und ihrer fossilen Pendants erfasst und ausgewertet. „Die Ergebnisse zeigen, dass die reFuels nennenswertes CO₂-Einsparpotenzial besitzen“, sagt Dr. Andreas Patyk vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) des KIT.  „Um die Treibhausgas-Reduktionspotenziale der auf Elektrolyse basierenden eFuels auszuschöpfen, muss der Strom zu 100 Prozent regenerativ erzeugt werden.“ Das für die Synthese notwendige CO₂ kann aus der Luft abgeschieden werden oder aus Abgasströmen von beispielsweise Biogas- und Kläranlagen oder auch Zementwerken stammen. „Für die Etablierung der Technologie müssen die PtX-Anlagen mit ausreichend hohen Volllaststundenzahl betrieben werden können“, so Patyk.

reFuels werden am KIT hergestellt
Am KIT wurden zunächst mittels unterschiedlicher Prozesse verschiedene Kraftstoffmischungen aus regenerativ synthetisierten Kraftstoffkomponenten (reFuels) und fossilen Kraftstoffen hergestellt. Diese Kraftstoffmischungen erfüllen bestehende Normen. Für Dieselkraftstoffe gilt die Norm EN590, für Ottokraftstoffe die EN228. Diese Kraftstoffmischungen sind drop-in-fähig, das heißt sie können in bestehenden Verbrennungsmotoren eingesetzt werden. „Damit geben wir uns aber noch nicht zufrieden“, so Dahmen, „denn Ziel der Entwicklung müssen eigenständige Kraftstoffe ganz ohne fossile Anteile sein.“

Für die Herstellung von reFuels gibt es am KIT zwei Syntheseanlagen: In der bioliq®-Anlage auf dem Campus Nord des KIT wird beispielsweise Stroh verarbeitet, um synthetisches Benzin aus Biomasse der zweiten Generation, sogenannte advanced biofuels, zu produzieren. Anders als bei Biokraftstoffen der ersten Generation konkurriert die Synthese dieser fortschrittlichen Kraftstoffe aus Biomasse nicht mit dem Anbau von Nahrungs- und Futtermitteln auf landwirtschaftlichen Flächen. „Wir müssen die Teller-oder-Tank-Diskussion vermeiden. Deshalb setzen wir auf Rohstoffe, die nicht in diesem Konflikt stehen“, sagt der Projektkoordinator, Dr. Olaf Toedter. Im benachbarten Energy Lab 2.0 des KIT entstehen eFuels aus der Elektrolyse von Wasser mithilfe von regenerativ gewonnenem Strom und CO₂. Ziel ist vor allem Kerosin, daneben entstehen auch Diesel- sowie Benzinfraktionen. Das bei der Verbrennung von eFuels entstehende CO₂ wird dadurch kompensiert, dass für ihre Herstellung CO₂ aus der Umgebungsluft oder aus biogenen Quellen verwendet wird.

Das Projekt „reFuels – Kraftstoffe neu denken“
Das Projekt betrachtet seit Januar 2019 Herstellung und Einsatz von erneuerbaren Kraftstoffen ganzheitlich. Solche Kraftstoffe können bestehende Verbrennungsmotoren zukünftig antreiben – in Pkw, Nutz- und Schienenfahrzeugen sowie in Flugzeugen. Sechs Institute des KIT arbeiten gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Energiewirtschaft, Mineralöl-, Automobil- und Zulieferindustrie unter dem Dach des Strategiedialogs Automobilwirtschaft des Landes Baden-Württemberg an der Bereitstellung und Einführung von reFuels. Zwei Pilot- und weitere Technikumsanlagen des KIT lieferten regenerative Kraftstoffe, die aufbereitet, charakterisiert und in Versuchsmotoren getestet wurden. So konnten Syntheseverfahren für reFuels optimiert werden, um Rohemissionen zu reduzieren. (cko)

 

Was Erdgas wirklich kostet – Roadmap für den Gasausstieg – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Sehr geehrte Damen oder Herren,

ich habe früher Herrn Sladek sehr geschätzt, denn seine Initiativen habe ich immer unterstützt. Leider ist dem diese Diskussion überhaupt nicht gerecht geworden. Ich habe sie von Anfang bis zum Ende verfolgt und selten so unqualifizierte, ideologisch gefärbte, einseitige Diskussionen erlebt wie diese. Jetzt weiß ich auch, warum der Vertreter des Ministeriums mit Abwesenheit glänzte und die Bundestags-Abgeordnete der SPD nur Allgemeinplätze verkündete, ganz im Sinne des Mainstreams der glaubt, aus Deutschland heraus könnten wir die Welt retten. Das ärgert mich um so mehr, als dass ich Klimaschützer der ersten Stunde bin. Vielleicht hätte es Ihnen geholfen, wenn Sie meine damaligen Sendungen in der ARD-Reihe ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ zwei Folgen mit dem Titel ‚Der Sonne eine Chance‘, ausgestrahlt 1990, sich einmal angeschaut hätten. Sie können sie bei YouTube runterladen.

Ich bedaure sehr, dass nicht nur Schönau, sondern vor allem die sogenannte FÖS sich mit ihrem wissenschaftlich verbrämten Rechnereien in die Sekte der Realitäts-Verweigerer verabschiedet hat.

Bitte streichen Sie mich aus Ihrem Abonnement-Kreis.

Jean Pütz

(EWS) – Die am heutigen Mittwoch veröffentlichte Studie «Was Erdgas wirklich kostet – Roadmap für den Gasausstieg im Wärmesektor» zeigt deutlich, dass die Klimakosten von Erdgas weit höher sind als bisher angenommen und in erheblichem Maße zu den Treibhausgas-Emissionen beitragen. Die vom Forum Ökologisch Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag der EWS Elektrizitätswerke Schönau durchgeführte Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass durch die Verwendung von Erdgas im Wärmesektor in Deutschland jährliche Treibhausgas (THG)-Emissionen in Höhe von 91,5 bis 107,2 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten anfallen – wovon 87,1 Tonnen verbrennungsbedingt aus CO2-Emissionen stammen und rund 4,4 bis 20 Millionen Tonnen aus Methanleckagen entweichen. Zum Vergleich: die gesamten CO2-Emissionen des Landes Berlin betrugen im Jahr 2019 etwa 17 Millionen Tonnen CO2.

Nach dem Schadenskostenansatz für 2021 bedeutet das: Durch die Nutzung von Erdgas im Gebäudesektor entstehen Klimakosten von rund 18 bis 21 Milliarden Euro, wobei auf die besonders klimawirksamen Methanleckagen rund 0,9 bis vier Milliarden Euro entfallen.

Klimaneutrale Wärmeversorgung bis 2030 möglich

«Die Studie macht mehr als deutlich, dass wir einen baldigen Ausstieg aus dem Erdgas in der Wärmeerzeugung brauchen», sagt Sebastian Sladek, Vorstand der EWS Elektrizitätswerke Schönau. Vor dem Hintergrund, dass die Treibhausgas-Emissionen im Gebäudesektor ­- mit 16 Prozent für die Emissionen insgesamt in Deutschland verantwortlich – zu mehr als 60 Prozent auf die Erzeugung von Wärme auf Basis von Erdgas zurückgehen, betont Sladek: «Wir können und müssen in Deutschland schnellstmöglich klimaneutral werden und daher auch im Wärmesektor auf regenerative Lösungen setzen. Dass dies möglich ist, zeigt die Studie sehr eindrucksvoll.»

Isabel Schrems, Autorin der Studie und Wissenschaftliche Referentin beim FÖS, hob bei der Vorstellung ihrer Analyse hervor, dass das Potenzial aus Solarthermie, Biomasse, Geothermie, Umweltwärme und Abwärme aus der Industrie im Jahr 2030 bei 1.403 bis 2.183 Terrawattstunden liege. Damit sei es fast doppelt so hoch wie der heutige Endenergieverbrauch im Gebäudewärmesektor. Zusammen mit der erwarteten weiteren Zunahme der Energieeffizienz sei sehr wahrscheinlich, dass in Deutschland bis Ende des Jahrzehnts genügend erneuerbare Wärme erzeugt werden kann. Ein Ausstieg aus der Nutzung aller fossilen Energieträger im Gebäudebereich, inklusive Erdgas, machbar sei.

Klimakosten von Erdgas noch nicht eingepreist

«Die Studie zeigt, dass die wahren Klimakosten durch Erdgas weit höher sind als der aktuelle Preis», betonte Carolin Schenuit, geschäftsführende Vorständin des FÖS, «denn drei Viertel dieser Kosten sind bisher nicht im Preis berücksichtigt. Diese Kosten über den Brennstoffemissionshandel schnellstmöglich einzupreisen ist klimapolitisch dringend angezeigt und logische Konsequenz aus dem Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Wir brauchen auf dem Weg zum Erdgas-Ausstieg aber auch ordnungspolitische und planungsrechtliche Maßnahmen, um schnell voranzukommen. Mit kommunalen Wärmeplänen und einem Neubauverbot für Gasheizungen können dezentrale, nachhaltige Wärmenetze gefördert werden. Das wird z. B. in Dänemark bereits praktiziert.»

Verena Graichen, Stellvertretende Vorsitzende des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, drängte bei der Podiumsdiskussion im Anschluss an die Studienvorstellung auf mehr Energieeffizienz bei der Umsetzung der Wärmewende. Ein großes und schnell ausbaubares Potenzial liege in der energetischen Gebäudesanierung. Die per Video zugeschaltete SPD-Bundestagsabgeordnete Nina Scheer betonte, dass Erdgas allenfalls noch für eine kurze Übergangszeit als Brücke zum Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien dienen dürfe. Vor allem müsse der Ausbau der Erneuerbaren Energien – auch im Wärmesektor – deutlich beschleunigt werden. Dies müsse, so waren sich die Podiumsteilnehmer:innen weitestgehend einig, vor allem auch über eine grundsätzliche Reform des Systems der Steuern, Abgaben, Entgelte und Umlagen auf Energie geschehen.

 

Über das FÖS
Das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) e.V. ist ein unabhängiger politischer Think Tank für marktwirtschaftliche Instrumente in der Umwelt- und Klimapolitik. Das FÖS erstellt ökonomische Studien und politische Expertisen. Seit 1994 setzt es sich für die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft ein.

Über die EWS Elektrizitätswerke Schönau
Seit 2009 firmiert die heutige EWS Elektrizitätswerke Schönau eG als Genossenschaft mit ca. 9.000 Mitgliedern. Die EWS-Gruppe setzt sich für die Energiewende und eine vollständige, effiziente Energieversorgung auf Basis Erneuerbarer Energien ein. Bürgerliches Engagement, Mitbestimmung und Dezentralisierung gehören dabei zu den Grundpfeilern des unternehmerischen Handelns. Aktuell werden bundesweit ca. 220.000 Kunden mit Ökostrom und Biogas versorgt.