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Fairer Handel für Entwicklungsländer immer wichtiger

Die Idee von Fairtrade startete in Köln. Es war vor allen Dingen Dieter Overath, der langjährige Vorsitzende, der mich als verantwortlicher Redakteur im Fernsehen des WDR für Naturwissenschaft und Technik und Verbraucherfragen auf die extreme Armut vieler Kolonialwaren-Produzenten aus den Entwicklungsländern aufmerksam machte. Irgend etwas im Handel mit diesen Ländern musste schief laufen. Es waren vor allen Dingen Börsen-notierte Lebensmittel-Großkonzerne, die den Bauern ihren verdienten Lohn vorenthielten. Mit dem beliebten Kaffee begann die Initiative. Kaffee, dieses ursprüngliche Luxusprodukt, welches ich in Nachkriegszeiten noch als Muckefuck kennen gelernt habe, also Kaffee-Ersatz aus geröstetem Getreide. Aber unser Luxus ging und geht immer noch auf Kosten der Menschen in der 3. Welt.

Diese Tatsache musste jeden kritischen Journalisten aufrütteln. Also machte ich mich auf den Weg nach Costa Rica und lernte zunächst viel über den Kaffee, woher er kam, welche Sorten es gibt, welche Kunst darin besteht, ihn zu rösten. Die roten kirschenroten Früchte der Kaffee-Pflanze, meist auf steilen Berghängen angebaut, mussten mit viel Mühe gepflückt werden. Dann wurden sie einem Fermentations-Prozess (Gährung) unterworfen. Das Fruchtfleisch war aber nicht das Ziel wie z. B. bei unseren Kirschen, sondern die Kerne. Diese ließen sich dann vom Fruchtfleisch entfernen, wurden getrocknet und bildeten dann den Rohkaffee. Aber die armen Kaffeebauern hatten keine Möglichkeit, diesen Prozess selbst in die Hand zu nehmen.

Ich erinnere mich noch gut an die mit roten Kaffee-Kirschen voll gepackten Kaffeesäcke am Straßenrand. Um ihre Familien zu ernähren brauchten die Bauern dringend Geld. Das nutzen die Konzerne aus und boten ihnen einen Minimalpreis für den Sack. Fairtrade wollte dieser erzwungenen Verkaufsmethode entgegenwirken. Die Organisation sorgte dafür, dass es möglich wurde, dass die Bauern sich zu Cooperativen zusammen schlossen, diese Aufbereitung zu Kaffeebohnen selbst übernahmen. Fairtrade garantierte einen fairen Preis, offenbar war das langfristig von Erfolg gekrönt.

Später kamen dann viele andere Produkte hinzu, alles, was früher unter Kolonialwaren lief. Allein schon dieser Begriff beweist, dass sie durch Ausbeutung der Kolonien – teils mit Sklavenarbeit – in Europa das Warenangebot vermehrten, aber meist für die hiesigen Reichen.

Auch die Elfenbeinküste habe ich diesbezüglich besucht und fand die gleichen Armutsstrukturen vor wie in Costa Rica. Die Bauern der Elfenbeinküste allerdings bauen vorwiegend Kakao, Bananen und Zitrusfrüchte an, insbesondere die Bergamotte-Frucht, eine Art grüne Mini-Orange. Diese sind in der europäischen Parfum-Fabrikation sehr begehrt. Im Kölnischwasser ist ein hoher Anteil aus dem aus den Bergamotte-Fruchten enthaltenen Ölen enthalten und bestimmen den Duft. Während der faire Handel mit Kakao und Bananen große Erfolge gebracht haben, ist die Bergamotte noch nicht in dieses Sortiment mit einbezogen. Darüber ließe sich nachdenken.

Nachfolgend eine Pressemitteilung des TransFair e. V.

Ihr Jean Pütz

Köln/Bonn 29. Juli 2021: Fairtrade-Kakaobäuerinnen und -bauern im westafrikanischen Côte d’Ivoire haben ihr Einkommen in den letzten Jahren um 85 Prozent gesteigert. Der Anteil derer, die in extremer Armut leben, sank deutlich. Das zeigen Ergebnisse einer aktuellen Studie. Durchschnittlich lag das jährliche Haushaltseinkommen einer Kakaobauernfamilie 2020/2021 demnach bei 4.937 USD und damit 85 Prozent höher als im Untersuchungszeitraum der Vergleichsstudie von 2016/2017.

Diversifizierung und höhere Kakao-Einnahmen

Das Einkommenswachstum ist einerseits auf höhere Einnahmen aus dem Kakaoverkauf zurückzuführen, andererseits darauf, dass Einkünfte diversifiziert wurden. Daddurch sind Geld und Sachleistungen aus anderen Bereichen als dem Kakaoanbau in die Haushaltskassen geflossen.
Ein beträchtlicher Anteil der untersuchten ivorischen Kakaobäuerinnen und -bauern hat so die Grenze der extremen Armut überwunden: 61 Prozent der in der Studie untersuchten Bauernhaushalte leben oberhalb der extremen Armutsgrenze. Im Vergleichszeitraum 2016/17 waren es 42 Prozent.

Preisdruck, Produktion, Produktnachfrage: „Es gibt noch viel mehr zu tun“

„Dass die Haushaltseinkommen gestiegen sind, ist eine gute Nachricht für die Fairtrade-Haushalte in diesen schwierigen Zeiten. Dennoch gibt es immer noch viel zu viele Kakaobäuerinnen und -bauern, die kein existenzsicherndes Einkommen erzielen“, erklärt Jon Walker, Kakao-Experte bei Fairtrade. „Angesichts des anhaltenden Preisdrucks, der hohen Produktion und der gedämpften weltweiten Nachfrage sollten Markenhersteller und Einzelhändler deshalb aktiv werden: Durch langfristige Verträge, stabile Preise und programmatische Unterstützung, die Effizienz und Diversifizierung der Farmen voranbringt, können wir weitere Fortschritte für existenzsichernde Einkommen erzielen. Es gibt noch viel mehr zu tun“.

Höherer Mindestpreis für Kakao zeigt Wirkung

Die Studie „Cocoa Farmer Income“ wurde von Fairtrade beauftragt und durch das niederländische Impact Institute durchgeführt. Für die Studie wurden 384 Bäuerinnen und Bauern aus 16 Fairtrade-zertifizierten Kakao-Kooperativen befragt, um Verbesserungen und Veränderungen zu messen, die seit 2016/17 stattgefunden haben – unter anderem bei der Haushaltsgröße, dem Kakaoertrag und der Diversifizierung im Anbau.
Die damalige Studie führte dazu, dass der Fairtrade-Mindestpreis und die Prämie um 20 Prozent angehoben wurden (gültig seit Oktober 2019). Fairtrade ist das einzige Zertifizierungssystem mit einem festgelegten Mindestpreis, der als Sicherheitsnetz dient, wenn die Marktpreise fallen.

Höhere Fairtrade-Verkäufe würden die Einkommen weiter steigern

In einer zweiten Forschungsfrage zeigt die Studie anhand der Befragung von 482 Farmen in 20 Kooperativen außerdem, dass weitere Einkommenssteigerungen möglich wären, würde Fairtrade stärker nachgefragt. So könnten die durchschnittlichen Haushaltseinkommen um weitere neun Prozent steigen, wenn die Kleinbäuerinnen und -bauern ihre gesamte Kakaomengen unter Fairtrade-Bedingungen verkauften könnten. Noch deutlicher sähe die Einkommenssteigerung aus, würde für den Kakao der freiwillige Referenzpreis für existenzsichernde Einkommen gezahlt, der Fairtrade-Living-Income-Reference-Preis – der höher liegt als der Mindestpreis. Der „Best Case“: Nahezu alle Haushalte würden die Armutsgrenze hinter sich lassen, würden sie eine Produktionsmenge von 800 kg pro Hektar erreichen und dafür den Referenzpreis erhalten, so die Modellrechnung der Forschenden.

Existenzsichernde Einkommen – für eine sichere Zukunft für Mensch und Umwelt

Fairtrade setzt sich seit langem für ein existenzsicherndes Einkommen für Kleinbäuerinnen und -bauern sowie Beschäftigte in Ländern des globalen Südens ein. Definiert wird dieses „Living Income“ als ein Einkommen, das allen Haushaltsmitgliedern einen angemessenen Lebensstandard ermöglicht, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung, sauberem Wasser, angemessenem Wohnraum, Bildung, Gesundheitsfürsorge und anderer grundlegender Bedürfnisse. Für Fairtrade ist ein existenzsicherndes Einkommen von entscheidender Bedeutung, um die nachhaltigen Entwicklungsziele zu erreichen.

Engagiert: Partner beteiligen sich an Living Income Projekten

Verschiedene Partner arbeiten bereits mit Fairtrade in Living-Income Projekten zusammen – darunter unter anderem Tony’s Chocolonely, Rewe mit der Very Fair-Schokolade, Lidl mit Way2Go und Aldi mit Choco Changer

Katastrophen, Seuchen, Klimawandel, Bürgerkriege: stehen Deutschland und Europa vor biblisch mageren Jahren ?

Jedenfalls die fetten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem als selbstverständlich empfundenen Wohlstand sind vorbei, aber auch die Gedankenlosigkeit mit der Nebenwirkungen und Risiken dieses steten Wachstums unterdrückt wurden.
Gibt es überhaupt eine Möglichkeit den Niedergang zu verhindern? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Die menschliche Kreativität hat schon so manche historische Krise überwinden helfen. Es gab immer einzelne Individuen oder Kollektive, die aus der Masse herausragten, Lösungen fanden und halfen, langfristig aus der Misere heraus zu führen. Heute, in der Demokratie, obliegt die Durchsetzung dieser Ideen u. a. auch der Politik und der Wissenschaft. Aber bedeutet das nicht strukturell eine Überforderung?
In Zeiten des Populismus wird das immer schwieriger. Die Volksmeinung ist mittlerweile so zu manipulieren, dass naive und nicht zielführende Maßnahmen und Gesetze im Land der Wunschträume zerfleddern. Trotzdem werden Abermilliarden Euro an staatlichen Subventionen in Technologien gepumpt, die manchen technisch und naturwissenschaftlich Fachkundigen die Haare sträuben lassen.
Zum Beispiel, allen Ernstes gilt ein schwergewichtiges Elektroauto als klimarettend, weil dem gläubigen Bürger klargemacht wird, dass hinten nichts aus dem Auto rauskommt. Die mangelnde Praktikabilität dieses extrem teuren Vehikels wird dem Käufer durch 9.000,00 Euro erst schmackhaft gemacht, aber das sind nur die Reichen mit Eigenheim, die sich ein Zweit- oder Drittauto leisten können und gleichzeitig ihren SUV weiterfahren. Dieser Irrsinn wird dann auch als zukunftsweisend verkauft, obwohl es die in der Welt führende deutsche Automobil-Industrie ruinieren wird. Alternativen, z. B. das preiswerte HyperHybrid mit der gleichen Elektromobilität, werden von vornherein verworfen, obwohl Prototypen belegen, dass deren Ökobilanz dreifach besser ist.
Gleiches gilt für den Irrglauben, dass die in Deutschland gewonnene regenerative elektrische Energie aus Sonne und Wind demnächst den enormen Energie-Bedarf einer modernen Gesellschaft befriedigen könnte. Sogar das verhältnismäßig wenig CO2-produzierende Erdgas, welches vor allen Dingen in unseren Gebäuden für Wärme und Kühlung sorgt, soll bis 2030 abgeschafft werden. Eine Revolution der Energieverwendung wird von Grün-Ideologen, auf die auch die Regierung hereingefallen ist, gefordert, gegen jegliche Vernunft von Technikern und Wissenschaftlern, die nicht durch staatliche Projekte gefördert sind.
Das alles in einer Zeit, in der durch die Corona-Pandemie in allen Ländern dieses Globus die Kassen leer sind. Die nach allen Regeln der Finanzwissenschaft entstehende Inflation wird stillschweigend in Kauf genommen, weil die Folgen sowieso erst in zukünftigen Legislaturperioden zutage treten. Bundesbank und Europäische Zentral-Bank werden durch extrem niedrige Zinsen dafür sorgen, dass diese Gesetzmäßigkeit der darauf folgenden schleichenden Entwertung des Geldes nicht zu früh zum Vorschein kommt. Dabei wird völlig das Elend in der 3. Welt vergessen, jedes Land kocht sein eigenes nationalistisches Süppchen.
Dass Klimarettung und Entwicklungshilfe sich nicht ausschließen, sondern im Gegenteil sich ergänzen in einer Win-Win-Situation, dafür haben deutsche Forschungsinstitute die technischen Voraussetzungen geschaffen. Kein Zweifel, grüner Wasserstoff, produziert mit Fotovoltaik auf der Basis von modernen, siliziumfreien Perowskit-Paneelen, die extrem preiswert produziert werden können, ermöglichen die Massenherstellung von Solar-Strom, der fast nichts mehr kostet. Wenn diese Brachland bedeckenden Stromsammler in sonnendurchfluteten Entwicklungsländern auf tausenden von Quadratkilometern errichtet werden, dann können diese die Energieprobleme der Welt lösen.
Aber damit nicht genug. Der eigentlich unpraktikable Wasserstoff kann in dort ansässigen riesigen Fabriken in regeneratives Methanol verwandelt werden. Interessanter Weise spielt dann recyceltes Kohlendioxid als Wert- und wichtiger Rohstoff eine Rolle.
Dieses garantiert regenerative Methanol kann alle bisher verwendeten fossilen Energien wie Braunkohle, Steinkohle, Erdöl und später sogar Erdgas ersetzen. Alle Raffinerien und Erdölförderquellen werden überflüssig. Dieser das Klima nicht mehr belastende Rohstoff, kann als Basis-Energie einfach in der ganzen Welt in herkömmlichen Tanklaster und Tankschiffen oder in vorhandenen Erdölpipelines verteilt werden, ohne dass Milliarden Dollar in die Infrastruktur gesteckt werden muss. Alles das ist ja bereits vorhanden.
Sogar als regenerativer Treibstoff kann es anstelle von Benzin, Diesel oder Kerosin für Verbrennungsmotoren und Turbinen ohne chemische Raffinierung direkt verwendet werden. Das billionenfach bewährte Konstruktionsprinzip bleibt erhalten und erfordert keine Revolution. Hinzu kommt, dass Methanol durch seine hohe Klopffestigkeit Wirkungsgrade erzeugt, die selbst sogar den Dieselmotor ebenso wie die gepriesene noch in der Entwicklung sich befindende Brennstoffzelle in den Schatten stellt. Dadurch erhält die 100-jährige Entwicklung der Verbrennungsmotoren in Deutschland eine Rehabilitation.
Methanol kann in herkömmlichen Tankstellen wie gehabt ohne Änderung der Zapfsäulen verteilt werden. Auch die zukünftig modernen Klimaanlagen für unsere Gebäude lassen sich ohne wesentliche Änderungen in die Infrastruktur mit Methanol versorgen. Selbst weiterhin notwendige Kraftwerke zur Elektrizitätserzeugung lassen sich in Zukunft damit CO2-neutral betreiben.
Übrigens, bisher weiß noch niemand, wie die Versorgung mit elektrischem Strom für Deutschland sichergestellt werden kann. Es fehlen ganz einfach die Stromspeicher für Milliarden von Terawatt-Stunden, wenn Sonne und Wind längere Zeit streiken. Aber selbst für die Nachtversorgung reichen herkömmliche Pumpspeicherwerke nicht aus, es sei denn im internationalen Verbund wird auf Kernstrom aus Frankreich oder Kohlestrom, produziert in osteuropäischen Kraftwerken, zurückgegriffen.
Die Moral von der Geschicht‘: Es ist dringend notwendig, das naive grün-ökologische Wunschdenken zu überwinden. Nur so lässt sich klimaneutrales, volkswirtschaftliches Wachstum erzeugen, Arbeitsplätze erhalten und unseren zukünftigen Wohlstand sichern, ohne dass bürgerkriegs-ähnliche Zustände entstehen und gleichzeitig die Armut in der 3. Welt bekämpft – Auge in Auge mit den Industriestaaten. Überall dort, wo Energie zur Verfügung war, entstanden in der Geschichte Industrien, die die Beschäftigung der Bevölkerung schufen
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Folge 207 Der Vernunft eine Chance

Immer öfter gewünscht: Kernkraft zur Bewältigung des Klimawandels – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Tschernobyl und Fukushima haben dazu geführt, dass die Alternative Kernkraft in Deutschland keine Chance mehr bekommt. Doch die Energielücken werden sich spätestens dann offenbaren, wenn das letzte Kernkraftwerk in Deutschland abgeschaltet wird. Die Kraftwerksbetreiber konnten sich mit nur 22 Milliarden Euro von jeglicher Verantwortung in Zukunft  freikaufen.  Die tatsächlichen Kosten des Rückbaus betragen aber mindestens das fünf- bis zehnfache. Eine riesige Summe, die dem Steuerzahler aufgebürdet wird.

Nun stehen diese Ruinen festgemauert in der Landschaft, vollgepackt mit reststrahlenden Brennstäben, die in Deutschland kein Endlager finden werden. So sind sie genauso gefährlich für die Verstrahlung der Umwelt bei terroristischem Angriff wie die vormals aktiven Kernkraftwerke.

Neulich wurde ein extrem teures Elektro-Kabel durch die Nordsee nach Norwegen eröffnet (eine HGÜ-Hochspannungsleitung, d. h. übertragen durch 500 000 Volt Gleichstrom). Tatsächlich ermöglicht dies eine kontinuierliche Einspeisung elektrischer Energie in das deutsche Hochspannungsnetz. Aber die Milliarden Investition in eine Länge von 400 Kilometer entspricht bestenfalls der Energiespeisung von maximal ein bis zwei bisheriger Kernkraftwerke, es stabilisiert also kaum den auf zukünftige regenerative Elektroverbund  in Deutschland.

Tatsächlich bin ich ein Gegner von in Deutschland neu gebauten Kernkraftwerken, aber das irrationale Moratorium für die vorhandenen, veranlasst durch die Physikerin Angela Merkel, wird sich noch als Katastrophe für Deutschland herausstellen, ohne dass mehr Sicherheit gewonnen wird.

Wie sehr diese Entscheidung mangelnder Logik entsprach beweist auch ein ‚Offener Brief‘ des Energiespezialisten Professor André Thess von der Universität zu Stuttgart an die damals beratende Ethik-Kommission, in der keine Fachleute berufen waren, die die langwierigen Nebenwirkungen hätten beurteilen können.

Jean Pütz

Siehe auch

(NZZ) – Der Kampf gegen den Klimawandel soll verstärkt werden. Doch ein Thema ist bisher weitgehend tabu: die CO2-freie Option Kernkraft. Zumindest den möglichst raschen Ausstieg gilt es zu überdenken.

«Wir müssen uns beim Kampf gegen den Klimawandel sputen», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, als sie die Unwettergebiete in ihrem Land besuchte. Und sie ist damit keineswegs allein: Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert

In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland stellt als vermeintlicher Musterknabe bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das ist absurd.

Die Schweiz ist zwar etwas weniger rigoros, weil sie nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz nimmt, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheissen. Gerade in der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit – Magdalena Martullo-Blocher von der Ems-Chemie ist im «Blick mit der Unterstützung der Atomkraft zwar vorgeprescht, aber unter Industriellen ist sie mit ihrer Meinung keineswegs allein.

Gewiss, die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt

Kernkraftwerke haben zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Das ist im Hinblick auf eine 10-Millionen-Einwohner-Schweiz ein Vorteil.

Es ist keine Frage: Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen viel teurer als nötig, weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Betreiber bestehender Kernkraftwerke sollten diese deshalb so lange wie von der Sicherheit her möglich laufen lassen können. In vielen Fällen werden das sechzig Jahre sein, zuweilen auch achtzig Jahre. Deutschland hat sich dieser Möglichkeit jedoch bereits beraubt – ein kapitaler Fehler.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat nun selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Erstens wird zuverlässige Leistung heute nicht angemessen honoriert. Und zweitens macht eine spürbare CO2-Abgabe auch Kernkraft konkurrenzfähiger.

Es ist eines, wenn sich wohlstandsverwöhnte Länder wie die Schweiz und Deutschland dazu entscheiden, ganz auf die Kernenergie zu verzichten. Man sollte aber nicht auch noch Schwellenländer erziehen wollen. Es wäre jedenfalls fürs Klima viel gewonnen, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke stärker auf Kernkraft setzen würde.

Das Hauptwachstum des CO2-Ausstosses findet in den Schwellenländern statt. Doch etwa die Weltbank, die Energieprojekte in diesen Staaten mit Milliarden unterstützt, hat kürzlich gerade bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kredite für Kernkraft vergibt. Einer Fussnote in ihrem Aktionsplan entnimmt man, es mangle der Institution an entsprechender Expertise.

Der möglichst rasche Ausstieg aus der Kernenergie ist keine gute Politik, sondern scheint angesichts der gewaltigen Herausforderung des Klimawandels zunehmend rückwärtsgewandt. Es gilt vielmehr, Vor- und Nachteile der Kernkraft neu abzuwägen. Sie hat einen frischen Blick verdient.

 

Resignation oder Aufbruch nach der Flutkatastrophe: 1. Gebot, die Klimarettung auf neue realistische Beine stellen

Die Flutkatastrophe hat bewiesen, die Klimarettung geht nicht gegen die Natur, sondern nur mit ihr. Deutschland kann die Klimarettung nicht allein bewerkstelligen. Ob wir wollen oder nicht, wir müssen uns auf extreme Wetterphänomene einstellen, sonst holt sich die Natur alles zurück, was ihr durch unsere kurzsichtigen Maßnahmen der letzten 100 Jahre genommen wurde.
Mein herzlichstes Beileid an alle die Familien, die Angehörige beklagen müssen – mein Trost geht aber auch an diejenigen, die Ihre häusliche Umgebung verloren haben, bzw. ihre ganze Existenz. Ich spreche aus eigener Erfahrung, denn in den 50er Jahren erfasste dieses Schicksal auch meine Familie. Wir besaßen im Luxemburger Mosel-Städtchen Remich, unweit des bekannten Schengen, einen kleinen Krämer-Laden, der uns ein bescheidenes Einkommen bescherte. Es war ein winziges Farben- und Tapeten-Geschäft, von meinem viel zu früh verstorbenen Großvater gegründet. Regelmäßig mussten wir uns dem Hochwasser stellen. Doch 1947 erfasste uns eine Katastrophe, die ebenfalls nicht voraus zu sehen war. Wie immer begnügten wie uns nach der Hochwasser-Warnung über Radio Luxemburg und Aushängen an den Informationstafeln damit, die Waren hoch zu stellen – die Regale waren entsprechend vorgeplant und die Möbel auf Stelzen. Aber das Wasser stieg und stieg und stieg, es erfasste sogar den 1. Stock einen Meter hoch. Alles war kaputt, und das zwei Jahre nach dem 2. Weltkrieg, in dem wir schon einmal alles verloren hatten. Leider gab es damals noch keine Versicherungen oder staatliche Unterstützungen. Eigentlich wäre unsere Existenz futsch gewesen, doch wir rappelten uns gemeinsam wieder hoch – Kinderarbeit war damals selbstverständlich.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich das Thema Umwelt- und Klimaschutz in meiner journalistischen Karriere an erste Stelle setzte. Schon vor dem ‚Club of Rome‘ forderte ich 1970 den später zu recht in Mode gekommenen Begriff ‚Nachhaltigkeit‘, und zwar in meiner mit vielen Lorbeeren versehenen 1. Sendereihe mit 13 Feature-Folgen ‚Energie die treibende Kraft‘.
Deshalb auch im hohen Alter immer noch mein vernunftbetontes, kritisches Engagement bei Maßnahmen für Umwelt und letztlich auch für Klimaschutz. Der ‚einfältigen‘ politisch bedingten Grünen-Ideologie möchte ich mit ‚Vielfalt‘ begegnen. Einfalt beherrscht leider in Form von Populismus den Mainstream, führt meines Erachtens aber in eine Sackgasse. Z. B., wenn am Auspuff nichts raus kommt, heißt das nicht, dass dadurch zwar die Umwelt aber nicht das Klima geschützt wird. Die Verlagerung der Frevel ins unterentwickelte Ausland wird nicht erwähnt.
Ein weiteres Beispiel der Einfalt: Die CO2-bedingte Technik einfach verschwinden zu lassen, ist auch nicht die Lösung, wenn das Prinzip der Optimierung und des kleineren Übels besser ist und realistischere Ergebnisse zeitigt. Am deutschen Wesen kann die Welt nicht genesen. Notwendig ist, weit über die Grenzen hinaus zu denken, und das Problem im internationalen Maßstab zu lösen. Das weiß zwar jeder, aber es wird mit Milliarden von staatlichen Subventionen dagegen gehandelt.
Auch die EU ist dieser Ideologie auf den Leim gegangen, z. B. indem sie die CO2-Grenzwerte nicht für das einzelne Auto festgelegt hat, sondern für den Flottenverbrauch aller von einer Firma produzierten Fahrzeug-Typen. Wem ist das eingefallen, dass das Elektro-Auto mit 0-Abgabe berechnet wird und es den vorwiegend deutschen Automobilfirmen ermöglicht, ihre kraftstrotzenden SUVs weiterhin zu produzieren und viel Geld damit zu verdienen? Dass die zukunftsträchtige Elektromobilität auch anders gefördert werden kann, wurde ‚einfältig‘ noch nicht einmal geprüft.
Schauen und hören Sie sich dazu meinen 10-minütigen frei moderierten Beitrag an.
Ganz besonders empfehle ich Ihnen aber auch noch, einmal meinen Vortext zum Beitrag von vor drei Wochen zu lesen. Der ist deshalb so umfangreich geworden, weil ich diesen revolutionären Vorschlag bis ins letzte belegen musste. Bitte zögern Sie nicht, ihn bis zum Ende durch zu arbeiten. Ich bin sicher, dass er – ohne überheblich zu sein – Geschichte machen wird.
Folge 206 Der Vernunft eine Chance

 

Miserable Öko-Bilanz der Elektroautos

(Focus) – Elektro-Gate, Runde zwei: Nach ihrer Kritik an der Berechnungsmethode von Elektroauto-Emissionen erhalten Wissenschaftler viel Zuspruch, jedoch auch viel Gegenwind. FOCUS Online fasst den Stand der Diskussion zusammen.

Der wissenschaftliche Exkurs um die Elektromobilität ist selten wissenschaftlich. Gerade in Deutschland handelt es sich um ein hochpolitisches Thema. Das bekam Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie zu spüren. Der hatte sich bemüht, einen mathematischen Beweis zu führen, dass sich die EU bei der Kalkulation der zukünftigen CO2 Emissionen schlicht um ungefähr 100% verrechnet hatte, seine Hypothese bei einer wissenschaftlichen Zeitschrift eingereicht, um sie im Rahmen der “Peer Review” überprüfen zu lassen und anschließend 170 Wissenschaftler weltweit gefunden, die seine Meinung teilten. Stellvertretend für die in Gründung befindliche „IASTEC“-Gruppe, die mehr Technologieoffenheit bei der Verkehrswende fordert, schrieben dann die führenden Köpfe einen offenen Brief an die EU-Kommission .

Die Kritik kam prompt – und zielte meistens darauf ab, dass Koch als einer der bekanntesten Experten für Verbrennungsmotoren ja nur seine Pfründe sichern wolle. Abgesehen davon, dass dieser Vorwurf, wenn man denn in derlei Argumentationsmustern denkt, auf die Elektro-Branche genauso zutreffen würde, driftete die Diskussion über das Thema schnell ins übliche Lagerdenken „Pro E-Mobilität“ und „Contra E-Mobilität“ ab. Dabei zeigt sich bei einer genauen Betrachtung, wie tief das Problem eigentlich geht, auf das die Wissenschaftler die EU-Kommission hingewiesen haben.

Elektroauto: In Frankreich sauber, in Deutschland weniger

Koch und seine Kollegen wählten ausgerechnet die heilige Kuh der deutschen Verkehrswende aus, um ihre Punkte zu veranschaulichen – das Elektroauto ID3 des semi-staatlichen Volkswagenkonzerns. Der erforderliche Strom emittiere mehr als doppelt soviel CO2 wie von der EU-Kommission angenommen. Der EU-Irrtum basiere auf einem Rechenfehler, so die Wissenschaftler

Es zeigt sich schon an der Tatsache, dass Autohersteller bei der CO2-Flottenanrechnung ihre Stromer mit 0 Gramm bilanzieren dürfen. Dass das vorne und hinten nicht stimmt, zeigte jüngst die Fachzeitschrift „Auto Motor & Sport“ durch einen anschaulichen Vergleich: Während in Frankreich E-Autos dank Atomstrom tatsächlich sehr CO2-arm unterwegs sind, sieht die Bilanz in Deutschland deutlich schlechter aus, wenn man den je nach Wetterlage nur geringen Beitrag regenerativer Energien zum Strommix berücksichtigt.

„Autopapst“ Dudenhöffer will keine Technologieoffenheit

Die Wissenschaftler um Thomas Koch zogen sich unter anderem den Ärger von Deutschlands bekanntestem Autoexperten zu, dem emeritierten Professor Ferdinand Dudenhöffer. Der betreibt mittlerweile eine Kombination aus Auftragsforschungs-, Kongressveranstaltungs- und Eventagentur und veranstaltet Kongresse rund um die Elektromobilität von Braunschweig bis China. Eine von der “European Climate Foundation” mitfinanzierte Studie Dudenhöffers kam zu dem Schluss, durch E-Mobilität würden kaum Arbeitsplätze verloren gehen. Auch zu diesem Feld gibt es diverse Prognosen, die stark voneinander abweichen. So gehen andere Publikationen davon aus, dass zwischen 200.000 und 400.000 Arbeitsplätze der Transformation zur Elektromobilität zum Opfer fallen

An der IASTEC-Meinung ließ Dudenhöffer kein gutes Haar. Wenn er schon das Wort “Technologieoffenheit” höre, dann mutmaße er, dass man noch länger dem Verbrennungsmotor die Stange halte. Andere Kritiken gerieten noch schriller und unsachlicher. Unter dem Titel “Vorsicht Fake News” behauptet die „Wirtschaftswoche“, Kochs Berechnungsmethoden seien falsch und realitätsfern, die “International Association of Sustainable Drivetrain and Vehicle Technology Research” existiere nicht, ihre Gründung sei lediglich von Koch geplant und das Schreiben sei auch nur von 6 Wissenschaftlern unterschrieben.

„Elektro-Gate“? Zahlreiche Unterstützer für Kritik an der Emissionsberechnung

Nun ist die Richtigkeit einer wissenschaftlichen Hypothese weder von einem Eintrag ins Vereinsregister noch von der Anzahl der Unterzeichner eines offenen Briefes abhängig. Koch hätte durchaus deutlicher machen können, dass die aktuelle Diskussion ihn zur Eile zwingt. Die EU will diverse Richtlinien beschließen und auch der Beschluss der EURO 7 Norm für Verbrennungsmotoren steht unmittelbar bevor.

Die Darstellung allerdings, dass die Kritiker der CO2-Berechnung nur aus sechs Personen bestünden, die quasi andere vor den Karren spannen, lässt sich nicht halten. FOCUS Online liegt nicht nur der offene Brief der Wissenschaftler an die EU-Kommission vor, sondern auch nach einer ersten Nachfrage über 60 Mails von zukünftigen IASTEC-Mitgliedern und Unterstützern von Koch, die die Richtigkeit der Hypothesen bestätigen. Darunter sind unter anderem Wissenschaftler, Forscher und Antriebsexperten aus Deutschland, Brasilien, Kanada, Südkorea, China, England, Frankreich, Polen, Spanien, Tschechien und Griechenland. Sie bestätigen auch, dass sie sich an der IASTEC-Gründung beteiligen wollen. “Wir fühlen uns geehrt, gemeinsam mit den 170+ Repräsentanten aus dem automobilen Antriebsfeld hinter dem Papier zu stehen”, schreibt zum Beispiel Seongsoo Kim von der koreanischen Silla Universität. Der Strommix in Südkorea sei vergleichbar mit dem in Deutschland, Österreich und der Schweiz und erlaube ebenfalls keine vollständige klimaneutrale Elektromomobilität. Ohne ReFuels (das ist der Fachbegriff für biologische und synthetische Kraftstoffe) sei Klimaneutralität nicht zu erreichen.

„Ohne synthetische Kraftstoffe ist Klimaneutralität nicht zu erreichen“

Neben zahlreichen Unterstützern gibt es aber auch viel Kritik, die fachlich durchaus fundierter ist als etwa die Ferdinand Dudenhöffers. Das Science Media Center Germany (SMCG), eine gemeinnützige GmbH mit einem Jahresbudget von 1,7 Mio Euro , die sich der „Vernetzung von Wissenschaft und Presse“ verschrieben hat, hat sich die Mühe gemacht, die Koch-kritischen Statements zusammenzustellen.

Zu den Förderern des SCMG gehört neben der Klaus-Tschira-Stiftung eines verstorbenen SAP-Gründers das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt oder die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina sowie diverse Universitäten. Geschäftsführer Volker Stollorz sagt zur Auswahl der entsprechenden Wissenschaftler: “Wir sprechen zu Studien, Veröffentlichungen und auch Gesetzvorschlägen grundsätzlich Forscherinnen und Forscher an, in deren domainspezifischen Fachbereich das jeweilige Thema fällt. Diese sind fachlich besonders in der Lage, auf dem aktuellen Stand der Forschung Arbeiten und Thesen einzuschätzen, die in ihre Disziplin fallen. Die jeweiligen Positionen der Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu bestimmten Forschungsfragen sind weder bei der Akquise noch bei einzelnen Anfragen das entscheidende Auswahlkriterium. Es steht den angefragten Forscherinnen und Forschern frei, auf unsere Fragen zu antworten. Im Falle der Veröffentlichung von Prof. Thomas Koch im Zusammenhang mit der Frage, welche CO2-Emissionen welchen Verbrauchern zuzuordnen sind, waren das Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, die seit vielen Jahren Energiesystemanalysen erstellen und auf dem derzeitigen Stand der wissenschaftlichen Forschung argumentieren.”

 

Wasserstoff ist die Lösung – Der Energieträger hat ein gutes Image

Norbert Lossau ist Doktor der Physiker und Wissenschaftsjournalist. Er leitet bei der ‚Welt‘ die Redaktion ‚Technik und Wissenschaft‘ und hat seinerzeit in meiner Redaktion im WDR-Fernsehen seine Laufbahn begonnen und gehört zu den Wissenschaftlern, die wie ich die notwendige Klimarettung kritisch verfolgen. Er ist wie ich Realist und nicht gesponsert durch staatliche Subventionen und sonstige Zwänge. Auch er sieht Wasserstoff und seine Weiterverarbeitung zu Methanol und zu synthetischen Kraftstoffen als eigentliche Lösung einer realistischen CO2-Neutralität. Allerdings reicht die auf deutschem Territorium gewonnene regenerative Energie nicht aus und setzt ebenfalls auf internationale Kooperation z. B. mit Ländern der 3. Welt.

Jean Pütz

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Italien im Aufwind

Nicht nur der Gewinn der Europameisterschaft signalisiert, aus der lahmen Ente Italien unter Ministerpräsident Draghi, dem früheren Chef der Europäischen Zentralbank, wird Italien wieder zu einem geachteten Industriestaat in Europa. Was wenige vermuten, Italien hat im Umsatz die zweitgrößte Industrie in der EU. Es ist nicht nur FIAT, sondern auch die Maschinenbau-Industrie, die dem Aufschwung Flügel verleiht. Seit über 30 Jahren bin ich Ehrenmitglied der Deutsch-Italienischen Wirtschaftsvereinigung e. V. Deshalb habe ich die vorherige Entwicklung manchmal mit Bangen verfolgt, aber ab sofort mit Zuversicht.

Einen Wehrmutstropfen muss ich doch in die Diskussion bringen. Der Süden Italiens, der Mezzogiorno profitiert leider überhaupt nicht von diesem Umschwung. Meine Frau ist Italienerin aus Apulien. Dort herrscht eine Jugendarbeitslosigkeit von bis zu 60%. Die ehemals florierende Schuhindustrie ist in Billiglohn-Länder abgewandert. So entwickelt sich dieser Landstrich immer mehr zu einer reinen Agrar-Wirtschaft. Vielleicht ein Beispiel für zukünftige Entwicklung in Deutschland, wenn sich die Grün-Ideologen durchsetzen.

Abhilfe würde meines Erachtens ein duales Ausbildungssystem wie es in Deutschland durch die Verknüpfung von praktischer Lehre und Berufsschule entstanden ist, leisten, aber obwohl ich mich persönlich darum bemüht habe, scheint die schulische Infrastruktur dafür nicht geeignet zu sein. Hinzu kommt der permanente Aderlass von intelligenten Jugendlichen, die nach Abitur und Studium in Norditalien und der Schweiz ihr Glück suchen, und dort die Wirtschaft auf Vordermann bringen. Aber vielleicht entsteht in Zukunft ein wenig Hoffnung durch europäische Kooperation.

Jean Pütz

Italien im Aufwind

 

Echtheit von Honig prüfen

Als Jungimker, der seit vier Jahren mittlerweile fünf Bienenstöcke unterhält, bin ich an diesem Thema sehr interessiert. Es ist ja verblüffend, das Honig auf so viele Arten verfälscht werden kann. Für mich gilt zur Zeit das Sprichwort: Die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln. Ich gestehe, dass ich mir das komplette Wissen der Imker zwar nach und nach angeeignet habe, aber bin immer noch angewiesen auf meinen Freund Gerd, den ich den Bienen-König nenne. Mit einem Stock habe ich angefangen, daraus sind mittlerweile fünf geworden, weil es mit gelungen ist, die Bienenschwärme jeweils einzufangen. So ist es verblüffend, dass ich im vorigen Jahr einen garantiert naturreinen Honig mit nur 14% Wassergehalt schleudern konnte. Erlaubt sind Wassergehaltswerte bis 20%, die bei vielen Honigen aus dem Supermarkt nicht immer eingehalten werden. In diesem Jahr ist mir wieder ein Coup gelungen, pro Bienenstock habe ich jetzt in der Frühjahrsernte 16 kg gewinnen können, was wegen der ungünstigen Witterung eine Sensation darstellt und mich an die Spitze der Imker katapultiert. Was meine Bienchen sonst noch an ökologischen Wohltaten verrichten, bleibt dabei unerwähnt.

Übrigens, auch mitten in der Städten kann man sich als Imker erfolgreich betätigen. Zwei meiner Freunde sind da mittlerweile Spezialisten.

Ihr Jean Pütz

(BZfE) – Honig gehört zu den Lebensmitteln, die am häufigsten gefälscht werden. Mit den derzeit gängigen Analysemethoden kann unechter Honig in vielen Fällen nicht sicher entlarvt werden. Daher hat der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund (DBIB) gemeinsam mit dem Forschungskreis der Ernährungsindustrie (FEI) ein Forschungsprojekt zum Nachweis der Authentizität von Honig gestartet. Ziel ist ein routinetaugliches Analyseverfahren, das die nur in reinem Honig vorkommenden Enzyme und Eiweiße nachweist.

Es gibt viele Wege, Honig zu fälschen. Häufig wird er mit preisgünstigem Zuckersirup gestreckt. Es gibt im Ausland aber auch „Honigfabriken“, die unreifen Honig in industriellem Maßstab konzentrieren und verarbeiten. Pollen können entfernt oder hinzugefügt werden. So entsteht der Eindruck eines natürlichen Honigs. Solche Praktiken sind nach der EU-Honigverordnung nicht erlaubt. Insbesondere extrem günstige Honige stehen in der Kritik, weil von einer geringen Qualität und Fälschungen ausgegangen werden muss.

„Bei der Reifung werden dem Honig von den Bienen besondere, bienentypische Enzyme zugesetzt. In diesem neuen Forschungsprojekt werden Profile dieser natürlichen Enzyme erfasst“, erklärt DBIB-Präsidentin Annette Seehaus-Arnold. Für die Analysen stellen die Imker Blütenhonige von verschiedenen Bienenrassen zur Verfügung. Auf Basis der großen Probenauswahl wird mit Hilfe der Massenspektrometrie eine umfangreiche Referenzliste der nur in reinem Honig vorkommenden Enzyme erstellt. Anhand dieser Liste können honigverarbeitende Betriebe in Zukunft unechten Honig leichter nachweisen. Das neue Analyseverfahren wird Fälschungen von Honig und deren Import zu Niedrigpreisen erschweren, meint der DBIB. Denn die in naturbelassenem Honig vorkommenden Enzyme und ihre speziellen Marker sind im Industrielabor sehr schwierig nachzubauen.

Mobiles Internet in Deutschland extrem teuer – ein Ländervergleich

Diese Rechnung kann ich persönlich bestätigen. Mein Sohn, Professor für Biochemie in Straßburg für deutsch-französische Studien zahlt  29,00 € pro Monat inkl. MwSt für den Internet-Zugang. Darin enthalten sind: 60 Gigabyte Datenvolumen pro Monat und weitere Faszinitäten, d. h. kostenloses Telefonieren in der gesamten EU. Ich persönlich zahle bei der Telekom durchschnittlich 55,00 € + MwSt. Dabei verfüge ich nur über ein Datenvolumen von 5 Gigabyte pro Monat. Das halte ich für einen Skandal, der mit dafür verantwortlich ist, dass Deutschland in Sachen Digitalisierung ein Entwicklungsland ist. Daran beteiligt ist auch der Staat bzw. die Bundesregierung, die Milliarden Euro eingenommen hat, als sie die Frequenzen versteigerte. Für 5G-Geschwindigkeiten, dem Mobilstandart der fünften Generation, mussten die mobilen Provider noch einmal Milliarden Euro zahlen.  Diese Kosten werden natürlich auf den Verbraucher übertragen. Da stimmt doch etwas nicht mit der Weitsicht. Hinzu kommt, dass ich für meinen Festnetz-Anschluss gebeutelt werde. Die Datenrate war über das normale Telefonkabel so gering, dass ich einen sogenannten Hybrid-Anschluss benötige. Doch der bricht von Zeit zu Zeit zusammen. Da man den Fehler zunächst bei sich selbst vermutet, geht da ganz viel Zeit drauf. Zusätzlich zahle ich dafür noch einmal durchschnittlich 40,00 €.

Leider bin ich da nicht der Einzige und deshalb sind die hohen Kosten ein Grund für die Rückständigkeit Deutschlands in Sachen Digitalisierung – was übrigens die Bundesregierung regelmäßig bedauert. Gespannt bin ich, was aus dem Versprechen wird, dass im nächsten Jahr überall ein schneller Internet-Zugang garantiert wird. Asche auf das Haupt der verantwortlichen Politiker.

Jean Pütz

Hier der Vergleich nur für Europa

(pte) – Mobiles Internet in Deutschland bleibt im Ländervergleich überdurchschnittlich teuer. Zu diesem Fazit kommt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) in seiner aktuellen Auswertung der Preisstrukturen . Zwar sinken die Preise in Deutschland wie auch in Europa, doch schneidet das Ausland oft verbraucherfreundlicher ab. Deutschland bleibt kontinuierlich auf Platz eins oder zwei der teuersten Länder für mobiles Internet.

Polen 83 Cent, Deutschland 3,35 Euro

Der VZBV-Auswertung nach haben deutsche Verbraucher 2019 im Schnitt etwa drei Mal so viel für mobiles Internet gezahlt wie Endkunden in den besonders günstigen europäischen Ländern. Dies zeigt sich anhand der durchschnittlichen Kosten für ein Gigabyte mobiles Datenvolumen bei reinen Datentarifen, die in den europäischen Ländern stark variieren. Zum Beispiel zahlten 2019 Verbraucher in Polen 0,83 Euro für ein Gigabyte mobiles Datenvolumen, während in Deutschland der Preis dafür bei 3,35 Euro lag.

Dabei ist mobiles Datenvolumen die Grundlage für eine app-basierte digitale Infrastruktur. Entsprechend der voranschreitenden Digitalisierung wird auch immer mehr mobiles Datenvolumen benötigt. Verbrauchten die Menschen 2019 deutschlandweit noch 2,76 Mrd. Gigabyte, so stieg die Nutzung 2020 bereits auf 3,97 Mrd. Gigabyte, so der „Jahresbericht 2020 – Märkte im digitalen Wandel“ der Bundesnetzagentur

Textilfasern extrem zugfestig, produziert durch genmanipulierte Bakterien

Was heutzutage durch die Technologie alles möglich ist. Noch so viele Proteste der Gen-Gegner können die Entwicklung nicht verhindern. Ich hoffe, die Wissenschaft ist ihrer Verantwortung bewusst, und bezieht die Nebenwirkungen und Risiken in ihr Kalkül mit ein.

Goethe schrieb in seiner Ballade ‚Der Zauberlehrling‘: ‚Die Geister die ich rief, die werde ich nicht mehr los‘. Diese Erkenntnis steht heute über vielen Technologien, doch leider auch unberücksichtigt bei vielen Gesetzesvorhaben. Jedes einzelne Gesetz in demokratischen Staaten sollte stets unter der Berücksichtigung von Nebenwirkungen und Risiken gefasst werden. Doch leider fällt das oft dem grassierenden Populismus zum Opfer.

Jean Pütz

Hier nun ein Forschungsergebnis menschlicher Kreativität, welches durchaus verblüffend ist

(pte) – Ingenieure der Washington University haben sogenannte Amyloid-Seiden-Hybridproteine entwickelt, die fester und widerstandsfähiger sind als natürliche Spinnenseiden. Die Proteine werden allerdings nicht im Labor hergestellt, sondern von Bakterien, deren Gene der Forscher Fuzhong Zhang verändert hat.

Kristallanordnung optimiert

Zhang arbeitet seit Jahren daran, Spinnenseide für technische Anwendungen im Labor biotechnisch herzustellen. 2018 konnte er einen ersten Erfolg melden. Er hatte Bakterien so manipuliert, dass sie Spinnenseide produzierten, deren Leistung in allen wichtigen mechanischen Eigenschaften mit ihren natürlichen Gegenstücken vergleichbar war.

„Dann fragte ich mich, ob wir nicht ein noch besseres Material produzieren können“, so Zhang. Gemeinsam mit seinem Doktoranden Jingyao Li machte er sich daran, die Aminosäuresequenz von natürlicher Spinnenseide zu verändern. Die Forscher erkannten, dass die Festigkeit der Spinnenseide nicht zuletzt auf eingebauten Nanokristallen beruht. Im Laufe der Evolution hätten sich die Zahl und die Anordnung dieser Kristalle immer weiter verbessert. Es sei kaum möglich, ausreichende Mengen an Nanokristallen dieser Art in künstlich hergestellter Spinnenseide zu platzieren.

Umbau des Seidenproteins

Um dieses Problem zu lösen, haben die Experten das Seidenprotein umgebaut, indem sie die Reihenfolge seiner Bausteine veränderten und sogenannte Amyloidsequenzen einbauten, die eine starke Tendenz zur Bildung der gewünschten Nanokristalle aufweisen. Es entstand ein Seidenprotein mit zahlreichen aneinandergereihten Bausteinen. Je länger diese Kette ist, desto stärker und zäher ist die Faser.

Eine Kette mit 128 Gliedern kam auf einen Wert im Gigapascal-Bereich. Zum Vergleich: Die Zugfestigkeit von Metallen liegt im Megapascal-Bereich. Trotz ihrer überragenden Eigenschaften ist diese künstliche Spinnenseide einfacher aufgebaut als natürliche, sodass sie von genmanipulierten Bakterien leichter herzustellen ist. Zhang glaubt, dass er bei der Entwicklung von Hochleistungsfasern noch lange nicht am Ende ist. „Wir können die Biologie so weiterentwickeln, dass wir die Natur übertreffen“, meint der Forscher.