Alle Beiträge von Minge

Leider ein visionärer Abschiedsbrief von Gerd Müller, unserem Bundesentwicklungsminister

Ein Marshallplan mit Afrika. Afrika birgt große Potenziale, die weit über Ressourcenreichtum, kulturelle Vielfalt, Unternehmergeist und Innovationskraft hinausgehen. 2035 wird Afrika das größte Arbeitskräftepotenzial weltweit haben.
Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und müssen begreifen, dass Afrika nicht der Kontinent billiger Ressourcen ist, sondern die Menschen dort Infrastruktur und Zukunft benötigen.

BUNDESENTWICKLUNGSMINISTER DR. GERD MÜLLER

Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 auf 20 Prozent der Weltbevölkerung verdoppeln. Hier wachsen die globalen Märkte, die Beschäftigten und Kunden der Zukunft heran – und damit auch die Herausforderung, das Potenzial zu nutzen und Arbeit und Perspektiven für die Jugend zu schaffen.
Die afrikanischen Staaten haben sich für die notwendige sozialökonomische Transformation eine hoch ambitionierte Agenda gesetzt, die danach strebt, dass Afrika bis 2063 „ein wohlhabender Kontinent mit den Mitteln und Ressourcen sein soll, seine eigene Entwicklung voranzutreiben, mit nachhaltiger und langfristiger Verantwortung für seine Ressourcen“. (Ziel 1 der Agenda 2063  der Afrikanischen Union)
Um Afrika bei der Umsetzung dieser Entwicklungsagenda zu unterstützen, bedarf es einer neuen Form der Zusammenarbeit, einer politischen Partnerschaft auf Augenhöhe als Unterstützungsangebot für seine eigene Agenda. Afrika braucht afrikanische Lösungen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat daher seine Zusammenarbeit mit Afrika neu ausgerichtet.
Die vom BMZ initiierten Eckpunkte für einen Marshallplan mit Afrika wurden Anfang 2017 im Rahmen eines Online-Dialogs mit Wirtschaft, Wissenschaft, Kirchen, Gesellschaft und Politik zur Diskussion gestellt und bilden seither den konzeptionellen Schirm und strategischen Rahmen für die Afrikapolitik des BM

Beispiel für ein Diskussionsforum bei Facebook. Thema Katastrophen, Seuchen, Bürgerkriege…

Ein höchst interessanter Austausch zwischen einem ‚Grünen‘-Anhänger und mir. Es ist ein Zeichen dafür, wie heute diskutiert werden kann und wie die schweigende Mehrheit sowas mit Emojis begleitet. Hier zunächst der Beitrag von dem Facebook Freund
Klaus-Rüdiger Brouwer, bewertet mit 106 weitgehend wütenden bzw. negativen Emojis:

Ich wundere mich sehr darüber, daß sie, Herr Pütz, mit derart aggressiver und unsachgemäß pauschalisierender Polemik gegen B90/Grüne im Wahlkampf Stimmung zu machen versuchen, bzw. mit ihrem Beitrag bewußt gerade jetzt eine gute Partei schlecht reden wollen. Es wäre ansonsten ein hörenswerter und informativer Beitrag, den man hätte teilen können, wäre er nicht von perfide deutelndem Bashing und primitivem Verschwörungs-Vokabular durchzogen, welches sie ja eindeutig auf B90/Grüne bezogen wissen wollen, das ist deutlich erkennbar. Obwohl ich ihre wissenschaftliche Arbeit u. Gesellschaftl. Engagement immer sehr geschätzt habe, mag ich solch tendenziell gestrickten Beiträgen sicher zukünftig nicht mehr folgen. Mit ihren Schuldzuweisungen und pauschalisierenden Behauptungen unterstützen sie aus meiner Sicht, ob bewußt, oder nicht, gängige, rechtsindoktrinative Mythen und lügnerische, verschwörungsideologische Gerüchteleien. Dafür fehlt mir jegliches Verständnis.

Hier meine Entgegnung:
Kritische Situation vor allem auf der in dieser Gegend Kommentar erhielt 170 weitgehend positive Emotion Bewertung.

Klaus Rüdiger Brouwer,
wenn Sie mit Ihrer Grünen-Ideologie zufrieden sind, und parteiisch ihre Gefühle in den Vordergrund stellen, haben sie recht. Im übrigen habe ich die ‚Grünen‘ als Partei nicht rundweg abgewertet. Lesen Sie doch bitte noch einmal meinen Beitrag etwas genauer durch. Es stimmt, dass die Politiker und ihre Anhänger oft sehr naiv, sozusagen einfältig die Probleme lösen wollen, so nach dem Motto: CO2 muss weg, der Verbrennungsmotor muss weg, wir werden nur noch in den nächsten zehn Jahren regenerative Energie nutzen können, trotzdem wird unsere Wirtschaft nicht geschädigt.
Das sind doch alles Mondschlösser, die haben doch mit Realität nichts zu tun. Ich kreide an, dass die ‚Grünen‘-Ideologen und viele ihrer Anhänger in die Sekte der Realitätsverweigerer über gelaufen sind. Fachleute können nur noch den Kopf schütteln, was da für ein Wunschdenken Raum gegriffen hat. Es geht eben nicht mehr, das moderne Gesellschaften nur mit Gefühlen gelenkt werden können, von Politikern, die es eigentlich besser wissen müssen. Aber wenn da nur Schöngeister und solche, die stolz darauf sind, von Naturwissenschaft und Technik keine Ahnung zu haben und die Welt nach ihrem Wunschdenken gestalten wollen nach dem Motto, was nicht sein darf, was nicht sein kann, dann kommt nichts Gutes dabei raus. Das beruht auf Einfalt, wir brauchen aber die Vielfalt.
Gut, sie werden das alles widerlegen wollen, aber es ist nun mal ganz eindeutig, dass schon verfasste Gesetze und Beschlüsse mit viel Subventionen in die falsche Richtung gehen, und die notwendigen Ziele nicht erreichen können. Um dies zu beurteilen, werden umfassende naturwissenschaftliche, technische und soziologische Erkenntnisse benötigt. Aber unfähige, gesponserte Berater meinen, sich dem Political Correctness anschließen zu müssen. Widerspruch ist daher selten. Sie verschweigen dabei insbesondere die Tatsache, dass es Alternativen gibt, die viel größere Aussicht auf Erfolg haben, die offen sind für weitere Fortschritte in der Technologie. Alle Verbote sind dabei kontraproduktiv. Nach diesem Verfahren handeln schlimmer weise nicht nur die ‚Grünen‘. Es ist eben einfacher, einem Bürger zu erklären, z. B. wenn aus dem Auspuff nichts raus kommt, muss das klimafreundlich sein, Nebenwirkung und Risiken der Batterie als Energiespeicher zu verschweigen. Damit macht man das Verbrennungsmotor-Verbot plausibel. Nachdenken nicht erlaub..
Der Beispiele gibt es viele: was halten Sie vom Abschaffen des Erdgases, das soll ja 2030 realisiert werden. Dabei ist Erdgas die zugegebenermaßen fossile Energie, die am geringsten CO2 produziert, und stets eine Alternative bleibt, weil das CO2-Gas auf einfachstem Wege herausgefiltert werden kann, und als Wertstoff verwendbar ist. Unsere elektrische Energieversorgung wird wenigstens auf diese Kraftwerke nicht verzichten können, ebenso die Versorgung unserer Gebäude mit Heiz- und Kühlenergie. Der elektrische Strom kann das nie leisten.
Hinzu kommt: Glauben diese angeblichen Kenner der Scene, dass wir wirklich ohne zusätzliche Kraftstoffe auskommen, wer hat das den ‚Grünen‘ in den Kopf gesetzt, insbesondere weil sie fordern, dass der regenerative Ersatz vorwiegend in Deutschland aus Sonne und Wind gewonnen werden kann. Ich glaube dass das Unwissen über die Eigenschaften des elektrischen Stroms noch Kuriositäten hervorzaubern wird und unser Volk darunter noch sehr zu leiden hat, sollte diese Irrmeinung politische Bestand haben.
Genau das möchte ich vom deutschen Volk abwenden, so wie alle Abgeordneten das öffentlich geschworen haben.
Vielleicht haben Sie, lieber Herr Klaus-Rüdiger Brouwer, das gar nicht gemerkt, dass ich ja über die Grenzen Deutschlands hinaus gedacht, und ein entscheidendes Problem mit lösen will, dass der Armut in der Dritten Welt. Das lässt sich wunderbar in einer Win-Win-Situation mit unseren dringend notwendigen Klimarettungs-Bemühungen vereinbaren.
Aber lesen Sie einfach noch mal durch, vielleicht liegt Kritik daran, dass sie es nur oberflächlich betrachtet haben. Versuchen Sie doch auch einmal, die anderen Kommentare zu lesen, noch nie habe ich eine solche Resonanz bei Facebook erfahren, trotzdem möchte ich mich auch mit Ihnen auseinander setzen

Ihr Jean Pütz

Große Probleme bei Decarbonisierung – Mit einer Einleitung von jean Pütz

Wenn die Decarbonisierung in der gesamten Welt nicht gelingt, sind alle Bemühungen von Staaten, die dabei als Vorreiter infrage kommen, umsonst. Dabei möchte ich die Probleme mit China ausgespart sehen, das sich ja in den Konferenzen  immer noch als Entwicklungsland gebärdet, aber mittlerweile zur stärksten Wirtschaftsmacht heranreift. Trotzdem pocht die Regierung auf Sonderbehandlung in der Decarbonisierung und verschafft sich dadurch enorme Konkurrenz-Vorteile.

Man kann das Problem der Klimarettung drehen wie man will, es steigt und fällt mit der Zurverfügungstellung regenerativer Energie. Dabei hat nicht nur den Wasserstoff als zukünftiger Energieträger die größten Chancen, fordert aber wegen seiner physikalischen Eigenschaften große Investitionen in die Infrastruktur. Woher soll dieses Kapital bei klammen Entwicklungsländern kommen? Anders ist es, wenn der Wasserstoff an Ort und Stelle unmittelbar in den Hoffnungsträger regeneratives Methanol verwandelt wird. Die Technologie dafür ist vorhanden und erbringt trotz relativ geringen Investitionsbedarf in die Infrastruktur unmittelbar Erträge. Kurzum, die Methanol-Produktion verbessert die Chancen der Entwicklungsländer auf Augenhöhe mit den Industrieländern.

Das Problem der Expertisen der Klimainstitute besteht darin, dass sie Defizite aufweisen, aber keine Vorschläge zur Behebung der Probleme machen. So bitte ich Sie, lieber Leser, die folgende Pressemitteilung des ‚Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung‘

Jean Pütz

(pte) – Länder, die zielstrebig auf erneuerbare Energieträger umstellen, verbessern ihre Chancen auf wirtschaftliche Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Zu dem Schluss kommen Forscher des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) http://iass-potsdam.de. Neue Spannungen könnten jedoch zwischen Vorreitern und Nachzüglern bei der Dekarbonisierung entstehen.

Investitionen in neue Technik

Den Experten nach ist schon jetzt der Zugang zu den technologischen und finanziellen Mitteln, die für den Übergang erforderlich sind, durch Ungleichheiten gekennzeichnet. So entfallen laut der Internationalen Organisation für Erneuerbare Energien 95 Prozent der installierten Kapazität auf nur 16 Prozent aller Länder, nämlich die hochentwickelten Länder. Steigenden Energiebedarf haben jedoch vor allem die Schwellen- und Entwicklungsländer, die noch stark auf fossile Brennstoffe setzen. Ihnen fehlt häufig der Zugang zu privaten Investitionen in erneuerbare Energien sowie zur Technologieentwicklung.

„Diese Kluft droht sich zu vertiefen: Länder, die frühzeitig in Forschung, Entwicklung und Produktion im Bereich Erneuerbare Energien investieren, profitieren wirtschaftlich, auch in Bezug auf Arbeitsplätze. Nachzügler bei der Dekarbonisierung sind in den kommenden zehn Jahren deutlich höheren Transformationsrisiken ausgesetzt. Ihre industrielle Wettbewerbsfähigkeit sinkt und das Risiko für ökonomische Instabilität steigt“, so IASS-Expertin Laima Eicke. Nachteile drohten vor allem Ländern, deren Wirtschaft stark von fossilen Brennstoffen abhängig ist. Denn viele der befragten Fachleute sehen fossile Brennstoffe und Infrastruktur mittlerweile als Vermögenswerte ohne langfriste Rentabilitätsaussichten.

Konflikte bei Handelsabkommen

„Die ungleichen Transitionsmuster können bestehende Spannungen in internationalen Klimaverhandlungen verschärfen und neue Konflikte bei Handelsabkommen entstehen lassen“, verdeutlicht Eickes Kollege Andreas Goldthau. Die Politik dürfe die politischen und wirtschaftlichen Folgen der Dekarbonisierung nicht ignorieren. „Sie sollte Rahmenbedingungen schaffen, die es allen Ländern ermöglichen, die Dekarbonisierung voranzutreiben. Dafür muss sie die internationale Klimafinanzierung und den Technologietransfer stärken“, unterstreicht Eicke abschließend. Um dafür geeignete Ansatzpunkte zu finden, müsste weitere Ursachenforschung betrieben werden.

Filter aus Graphenoxid-Membran sparen viel Energie ein

(pte) – Energie-Einsparung verspricht ein neues Filterverfahren des US-Start-ups Via Separations http://viaseparations.com . Shreya Dave, Jeffrey Grossman und Brent Keller setzen auf Graphenoxid, dem sie Poren verpasst haben, die nur jene Partikel zurückhalten, die aus der jeweiligen Flüssigkeit entfernt werden sollen. Es ist, anders als Membranen aus Kunststoff, unempfindlich gegen hohe Temperaturen, Säuren und Basen, die beide aggressiv sind.

90 Prozent weniger Energie

Mit den Graphenoxid-Membranen entschärfen die Entwickler unter anderem ein Problem der Zellstoffhersteller. Bei deren Prozess bleibt Schwarzlauge als Abfall übrig. Das ist ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Lignin, dem Bindemittel, das die Holzfasern zusammenhält. Die Trockenmasse liegt bei 15 Prozent der Gesamtmasse. Die Feststoffe müssen, um umweltverträglich verbrannt oder stofflich genutzt werden zu können, durch Verdampfen abgetrennt werden. Dazu sind große Mengen an Energie nötig.

„Unsere Membran kann die Menge an Energie, die in industriellen Trennungen verbraucht wird, um 90 Prozent reduzieren“, so Dave. Das ist ein gewaltiger Fortschritt, denn laut Schätzungen des Oak Ridge National Laboratory http://ornl.gov macht der Energieverbrauch für derartige Trennprozesse allein in den USA 22 Prozent des Gesamtverbrauchs aus. „Bis 2050 wollen wir die CO2-Emissionen um jährlich 500.000 Tonnen senken“, unterstreicht Dave.

Durchbruch mit Graphenoxid

Grossman hat ursprünglich nanoporöse Membranen zur Wasserentsalzung entwickelt. „Wir dachten, wir könnten die Kosten für die Entsalzung senken und den Zugang zu sauberem Wasser verbessern“, sagt Dave, die als Doktorandin in Grossmans Labor an dem Projekt gearbeitet hat. Als das Team, zu dem sich noch Keller gesellte, bei Graphenoxid ankam, kam der Durchbruch, wenn auch nicht bei der Entsalzung von Wasser, sondern bei der Trennung von Feststoffen im Allgemeinen und Flüssigkeiten. Via Separations will seine Membranen in vielen Branchen einsetzen, darunter bei Zellstoffherstellern, in der Lebensmittelindustrie, bei Getränkeherstellern, Pharmaunternehmen, Ölraffinerien und Halbleiterproduzenten.

Frank Wedekinds ‚Frühlingserwachen‘ heute

Brief an eine Freundin, deren Tochter mit Studenten in Freiburg im Studententheater Frank Wedekinds ‚Frühlingserwachen‘ realisiert hat. Interessant ist, dass es eine ‚Luxemburger Zeitung‘ war, die die Initiative für würdig befand, darüber zu berichten.

Liebe Sabine,

das Stück habe ich selbst nicht verfolgen können, denn ich bin ja in Apulien, aber das hat mir die Zeit geschenkt, den interessanten Artikel zu lesen. Wie kommt es dazu, dass eine mir unbekannte Luxemburger Zeitung ihre Recherchen bis Freiburg ausbreitet. Allerdings weiß ich, dass Freiburg auch viele Luxemburger Studenten beherbergt. Vielleicht liegt es daran.

 

Jetzt zum Inhalt:

1. Die Auswahl des Stücks – wobei Deine Tochter eine wesentliche Rolle gespielt hat – war schon sehr einfallsreich. Ich möchte nicht auf die tiefenpsychologische Problematik der Gesellschaft eingehen, weil die in ihrer Prüderie sogar die Zeit übertrifft, in der wir uns in unserem Alter mit der Bourgeoisie auseinandersetzen mussten. In der konkreten Unterdrückung von durchaus auch heute noch stattfindender Gewalt, steckt auch ein gesellschaftlicher Zündstoff , der auch uns Journalisten unsicher machen muss.

Die Fragen im Interview waren sehr klug gestellt, auch die Antworten Deiner Tochter interessant, wenn auch sehr vorsichtig, dass allein dies schon wieder die Verhältnisse unserer Zeit unsere Zeit widerspiegelt. Aber verständlich.

Das lässt mich in unsere Jugend zurückblicken. Im September werde ich 85 Jahre alt. Oft benutze ich das Bonmot vom Vorteil der ‚frühen Geburt‘ im ausgehenden verbrecherischen 3. Reich, welches als 100jährig angelegt war. Dass das heute schon wieder eine Rolle spielt, hätte ich als Rebell der 68er nie gedacht. Aber mittlerweile ist mir dieses Glück extrem bewusst, konnte ich doch auch in meinem journalistischen Alltag so reden, wie der Schnabel mir gewachsen war, so schreiben, ohne von oben Weisungen berücksichtigen zu müssen. Das war richtig die ‚Gnade der frühen Geburt. Wenn ich mir vorstelle, wie selbst heute im ‚Gender-, Feminismus- und Rassismus-Wahnsinn‘ jedes einzelne Wort auf die Waagschale gelegt wird und unabsehbare Konsequenzen haben kann, hätte ich früher gedacht, mir würden Ketten angelegt. Das alles in einer Zeit, in der viel wichtigere andere Probleme zu lösen sind. Ich habe den Eindruck, als befinden wir uns im vornehmen Salon der Titanic und streiten über die Gestaltung des abendlichen Dinner, und ob getanzt werden kann oder nicht. Der Salon befand sich bei der Titanic übrigens dort, wo die Übersicht nach draußen fehlte. Es war üblich zu schwelgen, zu kulturen und sich so satt zu essen, dass – wie heute – dem Übergewicht nicht mehr ausgewichen werden konnte, aber keiner bemerkte das. Die Schiffscrew hatte das Sagen, Widerspruch wurde verachtet.

Trotzdem großes Kompliment an die Initiative Deiner Tochter – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Wenn Ihr einmal im Rheinland seid, lade ich Euch gerne zu mir ein. Ein Gästezimmer steht bereit, und die Pützerosa – eine Art Modell der Arche, gebaut auf Nachhaltigkeit, ist eine Reise wert.

Mit herzlichem Gruß auch an Deine Tochter

Dein Jean

(woxx) – Der Freiburger Interessenverband studentisches Theater (Fist*) fordert das Publikum in „Frühlings Erwachen – Eine Adaption Ihrer Wahl“ zum Handeln auf: Im digitalen Theatersaal entscheiden die Zuschauer*innen, welche Wendungen Frank Wedekinds Klassiker „Frühlings Erwachen“ nimmt. Maya Rollberg aus dem Regieteam spricht mit der woxx über die Textauswahl und unerwartete Reaktionen.

woxx: „Frühlings Erwachen – Eine Kindertragödie“ von Frank Wedekind ist ein Klassiker der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts. Warum dieses und kein anderes Stück für das interaktive Theaterprojekt des Fist*, Maya Rollberg?

Maya Rollberg: „Frühlings Erwachen“ beschreibt verschiedene Tragödien von Jugendlichen, die sich vor allem durch die gesellschaftliche Repression, die sie erfahren, entwickeln. Das Stück prangert die strukturelle Bevormundung und die damit einhergehende gesellschaftliche Tabuisierung vorrangig sexueller Themen an, welche dennoch häufig wie sprießende Pflanzen ihren Weg durch den Asphalt des augenscheinlich Gutbürgerlichen finden. Besonders die Jugend, die im Drama im Begriff ist sich, ihren Körper und ihr Umfeld unter den sehr repressiven gesellschaftlichen Umständen zu erkunden, verleiht ihren Krisen auf unterschiedliche und teilweise erschreckende Weise Ausdruck.

Habt ihr das Stück an die Gegenwart angepasst?

Der Text ist bis auf unseren Prolog nicht an die heutige Zeit angepasst. Die Stückwelt bleibt bis auf die Brüche mit den Interaktionen von der heutigen Zeit unberührt.

Die Jugend von heute hat aber vermutlich mit anderen Repressionen zu kämpfen als die des 19. Jahrhunderts.

Die Problematik ist nach wie vor so relevant wie noch vor 130 Jahren. Dies wurde auch in der Bearbeitung des Stücks deutlich, in dem viele Teammitglieder feststellen mussten, dass sie selbst Erfahrungen mit den Themen haben, die individuell verarbeitet werden müssen. Das hat uns oft vor Herausforderungen, aber auch vor viele Chancen gestellt.

Stichwort Herausforderungen: Auf der Website zu eurem Stück steht, dass die Premiere aufgrund unvorhersehbarer Reaktionen vom 23. auf den 29. Juli verschoben werden musste. Was ist vorgefallen?

Die Themen und Problematiken sind so heftig, dass es auch nach langer Bearbeitung zu unerwarteten Reaktionen kommen kann. Insbesondere wenn etwas mal anders läuft als geplant. Wir möchten das Ensemble schützen und dies nicht weiter erläutern, uns ist nur allen deutlich geworden, wie wichtig eine angebrachte Bearbeitung der Themen ist.

Was macht ihr, damit das gelingt?

Wir wollen in unserer Gruppe im Anschluss an die Produkion eine psychotherapeutische Begleitung durch Supervision durchführen. Wir haben die explizite Darstellung der Gewalt nun reduziert und damit den Schutz des Ensembles sichergestellt.

Wie viel Gewalt in dem Stück vorkommt, liegt am Ende wahrscheinlich auch an den Entscheidungen, die die Zuschauer*innen treffen. Gibt es eine Variante, die dem Originaltext treu bleibt?

Ein Handlungspfad kann gewählt werden, der tatsächlich genau das Originalstück nachstellt.

Und wie viele weitere Handlungsstränge sind möglich?

Dies möchten wir vorab nicht mitteilen. Es soll ja spannend bleiben (lacht).

Frühlings Erwachen – Eine Adaption 
Ihrer Wahl. Online auf der Website 
uni.theater/wedekindadaption 
vom 31. Juli bis zum 1. August, um 20 Uhr. Link zum Ticketkauf auf derselben Website.

Political Correctness in den Medien – Eine Anleitung zur Realitäts-Verweigerung

(Morning Briefing) – Entschließt sich ein braver Bürger eine Zeitung zu kaufen, sollte er nicht länger den halben Mehrwertsteuersatz zahlen (wie für Produkte der Informationsindustrie vorgesehen), sondern eine saftige Vergnügungssteuer entrichten. Denn allzu oft begegnet ihm im Inneren der Zeitung nicht das wahre Leben, sondern eine märchenhafte Wunderwelt.

Diese Wunderwelt gleicht einem ökologischen Musterhaus mit geräumigen Zimmern. Hier leben in wachsender Zahl Veganer und Vegetarier. Die Firma Beyond Meat feiert am Küchentisch ihren Triumph. Das Elektroauto vor der Tür wird nicht beschrieben, es wird zelebriert. Wer sich mit Verbrennungsmotor fortbewegt, hat hier Zutrittsverbot, er gilt den Bewohnern der Wunderwelt als Umweltsau. Für das Flugzeug ist hier schon gedanklich kein Platz. Über der Haustür steht schließlich geschrieben: keine Chance dem Klimakiller.

Diese Welt, und deshalb schreibe ich Ihnen heute Morgen, ist eine Wirklichkeitsillusion. Das wahre Leben echter Menschen, und darum sollte es in Wahlkampfzeiten gehen, sieht anders aus. Das spricht nicht gegen Veganismus, Elektromobilität und den Verzicht auf die Kurzstrecken-Flugreise. Aber wenn gute Politik mit dem Betrachten von Wirklichkeit beginnt, wie der einstige SPD-Chef Franz Müntefering sagte, dann sollten wir in diesen Zeiten nicht romantisch, sondern tapfer sein:

1. Der Fleischkonsum steigt und steigt. Laut den Angaben der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen (FAO) hat sich der weltweite Fleischkonsum seit den sechziger Jahren nahezu verfünffacht. Es handelt sich nicht nur um eine Aufholjagd der Entwicklungsländer, sondern auch die Industriestaaten legen weiter zu: Dort wird sich der jährliche Pro-Kopf-Verzehr, so die Prognose der FAO, von jetzt knapp 85 Kilogramm auf 88 Kilogramm pro Kopf im Jahr 2030 steigern.

Die Wangen der Fleischbarone leuchten rötlich vor Glück: Ihre Gleichung, mehr Wohlstand bedeutet höheren Fleischkonsum, geht weiterhin auf. Beyond Meat machte 2020 weltweit knapp 400 Millionen US-Dollar Umsatz – dafür braucht die US-Fleischindustrie knapp 16 Stunden.

2. Die Elektromobilität ist eine klimapolitische Notwendigkeit. Aber eine Tatsache ist sie deshalb noch lange nicht. Die globalen Automobilkonzerne melden zum Ende des zweiten Quartals in Europa und den USA Milliardengewinne, aber nahezu ausschließlich aus dem Verkauf von Diesel- und Benzinfahrzeugen.

Nur zwei Prozent der verkauften Fahrzeuge in den USA sind elektrisch. Tesla ist ein Börsenstar, der außerhalb der Yuppie-Communities auf den Straßen kaum zu finden ist. Die Umstellung der gesamten Produktion auf E-Autos, wie vom VW-Vorstand beschlossen, bleibt angesichts der realen Kundennachfrage eine riskante (man kann auch sagen: eine mutige) Wette.

3. Der Furor vieler Umweltschützer gegen die Flugindustrie (Luisa Neubauer: „Mir ist bewusst, dass das klimatechnisch total desaströs ist.“) wird von der Kundschaft nicht geteilt. Oder er wird politisch-rhetorisch geteilt, aber praktisch ignoriert. Jedenfalls gehen alle verfügbaren Prognosen von einem steilen Anstieg der Passagierzahlen und Frachtvolumina aus. Das Flugzeug – das in seiner Energieeffizienz ständig verbessert wird – gilt Milliarden Menschen als Inkarnation eines Freiheitsversprechens. Kein Wunder: Die Aktienkurse von Airbus und Boeing gehen wieder steil nach oben.

Fazit: Die Welt von morgen wird eine andere sein. Aber ihr Anderssein wird durch hysterische Überreiztheit und das Schlagen der Hasstrommel – um hier Begriffe des Schriftstellers Stefan Zweig zu verwenden – nicht befördert, sondern behindert. Der Fortschritt wird erst dann ein realer und nicht nur ein behaupteter sein, wenn Menschen ihn leben (und nicht nur lesen) wollen.

CO2 als Wertstoff effektiver gewonnen durch Abscheidung aus Luft der Atmosphäre

(pte) – Forscher der Universitäten Tsukuba http://www.tsukuba.ac.jp/en und Osaka http://www.osaka-u.ac.jp/en haben die Effektivität von porösen Zinn-Katalysatoren zur Abtrennung von CO2 aus der Atmosphäre und folglich Umwandlung in Treibstoffe oder Rohstoffe für die chemische Industrie um das 24-Fache verbessert.

Umwandlung in Formiat

Katalysatoren dieser Art werden genutzt, um CO2 in Formiat umzuwandeln, ein Salz der Ameisensäure. Es setzt Wasserstoff frei, der eine Brennstoffzelle versorgen kann, die Strom erzeugt. Doch die Ausbeute ist zu gering, und es entstehen unerwünschte Nebenprodukte. Die japanischen Forscher haben den Zinn-Katalysator mit dem Kunststoff Polyethylenglycol (PEG) beschichtet.

„Wir wollten ein katalytisches System entwickeln, das CO2 aus der Luft einfängt und in Formiat umwandelt“, sagt Forschungsgruppenleiter Yoshikazu Ito. „Es ist jedoch schwierig, nur das gewünschte Produkt mit hoher Ausbeute zu erhalten. Daher mussten wir das Katalysator-Design verfeinern.“ Dies gelang. Mit dem neuen Katalysator liegt die Formiat-Ausbeute laut den Experten bei 99 Prozent.

Optimale Dicke wichtig

Zuerst hatten es die Forscher mit einer Polyethylenimin-Beschichtung versucht, einem anderen Kunststoff. Das brachte eine Verbesserung, weil er sehr effektiv im Einfang von CO2-Molekülen war. Doch er hielt sie zu lange fest, sodass die Umsetzung in Formiat mit Verzögerung geschah.

Entscheidend für den Erfolg war die Optimierung der PEG-Dicke. Zu dünn aufgetragen, lockte der Kunststoff zu wenige CO2-Moleküle an, die aber leicht zum katalysierenden Zinn vordringen konnten. War die Kunststoffschicht zu dick, fing sie zwar viele CO2-Moleküle ein, doch sie hatten Mühe, zum Zinn vorzudringen. Mit einer optimalen Dosierung des PEG erreichten die Forscher die richtige Balance.

Halbwissen schützt nicht vor Verschwörungstheorien, aber auch zu viel Vertrauen in die Wissenschaft wirkt ähnlich

(pte) – Die Menschen sollen der Wissenschaft vertrauen: Das ist eine gängige Forderung im Bezug auf Maßnahmen gegen die COVID-19-Pandemie. Doch das alleine ist zu wenig und sogar riskant, warnt eine kürzlich im „Journal of Experimental Social Psychology“ https://bit.ly/3i2ELgi erschienene Studie. „Wir schließen, dass Vertrauen in die Wissenschaft Menschen anfällig für Pseudowissenschaft macht“, so die Forscher. Wirklich wichtig ist demnach die Fähigkeit zur kritischen Bewertung von Behauptungen.

Vertrauen zu oft blind

„Die Menschen sind dafür anfällig, sich vom Drumherum der Wissenschaft täuschen zu lassen“, erklärt Studien-Mitautorin Dolores Albarracín, Professorin an der University of Pennsylvania https://upenn.edu . Als Beispiel verweist sie auf Behauptungen, COVID-19-Impfungen enthielten Schad- oder andere gefährliche Inhaltsstoffe. „Das ist Täuschung, gibt aber vor, Wissenschaft zu sein.“ Menschen, die gelernt haben, einfach der Wissenschaft vertrauen, tun das oft auch in solchen Fällen blind – und sitzen daher dem Unfug auf. Das belegten Online-Experimente für die aktuelle Studie.

Albarracín und Kollegen an der University of Illinois at Urbana-Champaign https://illinois.edu haben Probanden dazu frei erfundene Geschichten über ein angebliches Virus aus dem Biowaffenlabor oder die Gefahren genetisch modifizierter Organismen vorgesetzt. Diese bedienten sich entweder wissenschaftlicher Sprache mit Kommentaren angeblicher Forscher oder aber den Aussagen sogenannter Aktivisten. Personen ohne Vertrauen in die Wissenschaft haben beide Texte etwa gleich leicht geglaubt. Jene, die an sich der Wissenschaft vertrauen, waren dagegen deutlich anfälliger für den Unsinn in wissenschaftlichem Gewand und gaben diesen auch eher weiter.

Kritisches Denken ist Trumpf

In einem weiteren Experiment drillten die Forscher Probanden vorab entweder auf Vertrauen in die Wissenschaft oder auf eine kritische Denkweise. Auf kritisches Denken eingestellte Teilnehmer glaubten die erfundenen Geschichten dabei merklich seltener. „Eine kritische Denkweise macht weniger leichtgläubig, unabhängig von der Art der Information“, meint daher Albarracín. Im Kampf gegen Falschinformation und Verschwörungstheorien ist es aus Sicht der Forscher also besonders wichtig, dass sich Menschen wirklich kritisch mit Information auseinandersetzen. Das bringt bei geschickt gesponnen Lügengeschichten mehr als blindes Vertrauen in die Wissenschaft.

Möglicher Nutzen der Kernenergie – ein Bericht aus der NZZ vom Juli 2021

(NZZ) – «Wir müssen uns beim Kampf gegen den Klimawandel sputen», sagte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, als sie die Unwettergebiete in ihrem Land besuchte. Und sie ist damit keineswegs allein: Allenthalben wird nach den jüngsten Überschwemmungen eine Beschleunigung der Klimapolitik gefordert.

In dieser Diskussion ist bis jetzt aber ein Thema in weiten Kreisen tabu: der Ausstieg diverser Industriestaaten aus der Kernkraft nach dem Reaktorunfall von Fukushima. Deutschland stellt als vermeintlicher Musterknabe bereits nächstes Jahr seine letzten Kernreaktoren ab – während Kohlekraftwerke weiterlaufen. Das ist absurd.

Die Schweiz ist zwar etwas weniger rigoros, weil sie nicht gleich alle Kernkraftwerke vom Netz nimmt, aber auch das Schweizer Stimmvolk hat 2017 den schrittweisen Ausstieg gutgeheissen. Gerade in der Wirtschaft macht man sich deshalb Sorgen um die längerfristige Versorgungssicherheit – Magdalena Martullo-Blocher von der Ems-Chemie ist im «Blick» mit der Unterstützung der Atomkraft zwar vorgeprescht, aber unter Industriellen ist sie mit ihrer Meinung keineswegs allein.

Gewiss, die Erinnerungen an Fukushima und hier in Europa besonders an Tschernobyl sind haften geblieben. Dennoch gehört die Kernkraft zusammen mit den Erneuerbaren Wind, Sonne und Wasserkraft nicht nur zu den saubersten Energiequellen, sie ist auch vergleichsweise sicher – jedenfalls wenn man die verursachten Todesfälle in Beziehung zur produzierten Strommenge setzt.

Kernkraftwerke haben zudem den Vorteil, dass sie im Gegensatz zu den riesigen Wind- oder Solarfarmen kaum die Landschaft verschandeln, da sie auf wenig Fläche Platz haben. Das ist im Hinblick auf eine 10-Millionen-Einwohner-Schweiz ein Vorteil.

Es ist keine Frage: Soll die Dekarbonisierung auch im Verkehr und im Wärmesektor gelingen, braucht es künftig nicht weniger, sondern mehr Strom, und dieser sollte möglichst nicht mehr aus fossilen Energieträgern stammen. Wenn man nun vor allem auf Wind und Sonne setzt, wird Elektrizität für Konsumenten und Unternehmen viel teurer als nötig, weil deren Stromerzeugung stark schwankend ist.

Betreiber bestehender Kernkraftwerke sollten diese deshalb so lange wie von der Sicherheit her möglich laufen lassen können. In vielen Fällen werden das sechzig Jahre sein, zuweilen auch achtzig Jahre. Deutschland hat sich dieser Möglichkeit jedoch bereits beraubt – ein kapitaler Fehler.

In Industrieländern kann es zwar nicht darum gehen, dass der Staat nun selbst in die Kernkraft investiert. Das müssen, wenn schon, private Investoren übernehmen. Geld sollte die öffentliche Hand aber weiterhin in die Forschung stecken. Und Regierungen können die Rahmenbedingungen ändern, so dass Kernkraftwerke überhaupt eine Chance haben – dort, wo sie noch zugelassen sind. Erstens wird zuverlässige Leistung heute nicht angemessen honoriert. Und zweitens macht eine spürbare CO2-Abgabe auch Kernkraft konkurrenzfähiger.

Es ist eines, wenn sich wohlstandsverwöhnte Länder wie die Schweiz und Deutschland dazu entscheiden, ganz auf die Kernenergie zu verzichten. Man sollte aber nicht auch noch Schwellenländer erziehen wollen. Es wäre jedenfalls fürs Klima viel gewonnen, wenn China statt der vielen geplanten Kohlekraftwerke stärker auf Kernkraft setzen würde.

Das Hauptwachstum des CO2-Ausstosses findet in den Schwellenländern statt. Doch etwa die Weltbank, die Energieprojekte in diesen Staaten mit Milliarden unterstützt, hat kürzlich gerade bekräftigt, dass sie weiterhin keine Kredite für Kernkraft vergibt. Einer Fussnote in ihrem Aktionsplan entnimmt man, es mangle der Institution an entsprechender Expertise.

Der möglichst rasche Ausstieg aus der Kernenergie ist keine gute Politik, sondern scheint angesichts der gewaltigen Herausforderung des Klimawandels zunehmend rückwärtsgewandt. Es gilt vielmehr, Vor- und Nachteile der Kernkraft neu abzuwägen. Sie hat einen frischen Blick verdient.

Zur angeblich Vierten Corona-Welle: 7 interessante Fragen, 7 kluge Antworten

(Morning Briefing) – Erneut sind Fragen von hoher Relevanz aufgeworfen: Wohin driftet Deutschland? Was ist Panik und wo beginnt die seriöse Besorgnis? Sind erneut harte Maßnahmen zu erwarten – und sei es nach der Bundestagswahl?

Hier sind die sieben wichtigsten Fragen und der Versuch einer politisch neutralen und sachlich fairen Beantwortung:

1. Gibt es tatsächlich eine vierte Welle der Infektionen, wie der Chef des Robert-Koch-Instituts behauptet?

Antwort: Die 7-Tage-Inzidenz steigt in Deutschland seit drei Wochen und liegt aktuell bei 15. Auch der 7-Tage-R-Wert liegt seit Anfang Juli kontinuierlich über 1. Das ist noch keine Flutwelle, aber das Meer ist spürbar in Bewegung geraten. Kein Grund zur Panik. Aber Grund genug, aufmerksam zu sein.

2. Was genau ist der Unterschied zwischen dem Infektionsgeschehen dieser Tage und der Situation im Winter und im Frühjahr?

Antwort: Anders als im Winter 20/21 und im Frühjahr dieses Jahres ist nun die Hälfte der Bevölkerung (50,2 Prozent) vollständig geimpft. Das macht sie weitestgehend immun gegen eine schwere Covid-Erkrankung. Zahlen aus Großbritannien legen zum Beispiel nahe, dass steigende Inzidenzwerte nicht mehr mit einer steigenden Belegung von Krankenhausbetten einhergehen. Das bedeutet: Die Situation ist ernst. Aber sie ist nicht dramatisch.

3. Droht erneut eine Situation, in der wir auch nur in die Nähe der Belastungsgrenze für unsere Intensivmedizin kommen?

Antwort: Die Zahl der Hospitalisierungen steigt seit ca. zwei Wochen. Aber von einer Überlastung der Intensivmedizin kann keine Rede sein. Vieles hängt vom weiteren Tempo der Impfkampagne ab. Der Anteil der sogenannten Impfdurchbrüche in Deutschland ist sehr gering. Das RKI meldete in seinem letzten Report, dass seit Anfang Februar 716 bereits geimpfte und trotzdem infizierte Covid-Patienten ins Krankenhaus gebracht werden mussten.

Das Robert-Koch-Institut hat als Ziel eine Impfquote von 85 Prozent für 12-59-Jährige und von 90 Prozent für über 60-Jährige errechnet. Die würde ausreichen, dass die Belastungsgrenze gar nicht erst getestet wird.

4. Welche Rolle spielt die Delta-Variante von COVID-19?

Antwort: Eine wichtige, im Herbst wahrscheinlich eine dominante Rolle. Die meisten der neuen Covid-Erkrankungen in vielen Ländern gehen bereits auf die Delta-Mutation, die zuerst in Indien entdeckt wurde, zurück. Sie ist wesentlich ansteckender als die Alpha-Mutation, die im Frühling die vorherrschende Variante war.

Der maximale Impfschutz gegen die Delta-Variante ist erst nach der Zweitimpfung erreicht und variiert bei den Impfstoffen zwischen 95 und 66 Prozent.

6. Der Impfstoff ist jetzt ausreichend vorhanden, aber das Impftempo verlangsamt sich. Was ist der wichtigste Grund dafür?

Antwort: Die Gründe für das abnehmende Impftempo sind unterschiedlichster Natur. Viele Menschen sind von der Ungefährlichkeit einer Impfung nicht überzeugt. Das Vertrauen in die staatlichen Informationen hat sich im Verlauf der Pandemie deutlich reduziert, sagt Prof. Cornelia Betsch von der „COSMO“-Studie. Diese Studie taxiert den harten Kern der Impfgegner nur auf circa zehn Prozent der Bevölkerung. Diese Menschen werden zum Erreichen der Herdenimmunität nicht gebraucht.

7. Werden die politischen Parteien diese Situation hinnehmen oder werden sie – wie im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes möglich – mit einer allgemeinen Impfpflicht reagieren?

Antwort: Berlin schaut nach Paris: In Frankreich bebt die politische Landschaft, seitdem die Regierung per Gesetz das Impfen für das Gesundheitspersonal verbindlich vorgeschrieben hat. Einen Bundestagswahlkampf im Zeichen heftiger Corona-Polarisierung würden sich die Parteien gerne ersparen.

Einzige Ausnahme ist die AfD: Sie könnte nach dem Rückgang ihrer demoskopischen Werte (minus 2,6 Prozent gegenüber der Bundestagswahl 2017, sagt Forsa) ein zündendes Wahlkampfthema gut gebrauchen.

Fazit: Das pandemische und das politische Geschehen sind auf das Engste miteinander verbunden. Wenn über die Coronapolitik die ohnehin nur mühsam hergestellte Geschlossenheit der Union erodiert und die Differenzen zwischen den Rivalen Söder und Laschet erneut sichtbar werden, könnten die Regierungsparteien CDU und CSU am Wahlabend da landen, wo sie nie landen wollten: auf der Intensivstation.