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Meeresverschmutzung durch Kunststoffe und insbesondere Mikroplastik

(AWI) – Übersichtsartikel zeigt Folgen von Verwitterungs- und Abbauprozessen auf und warnt vor potentiell irreversibler Verschmutzung

Die gegenwärtigen Raten der globalen Plastikemissionen könnten Effekte auslösen, die wir nicht mehr rückgängig machen können, berichten Forschende aus Deutschland, Schweden und Norwegen in einer neuen Studie, die am 2. Juli im renommierten Wissenschaftsmagazin Science erscheint. Nach Ansicht der Autorinnen und Autoren ist die Plastikverschmutzung eine globale Bedrohung und Maßnahmen zur drastischen Reduzierung der Plastikemissionen in die Umwelt seien „die rationale politische Antwort“.

Plastik ist überall auf dem Planeten zu finden: von Wüsten und Berggipfeln bis zu tiefen Ozeanen und arktischem Schnee. Im Jahr 2016 reichten die Schätzungen der weltweiten Emissionen von Plastik in Seen, Flüsse und Ozeane von 9 bis 23 Millionen Tonnen pro Jahr, wobei eine ähnliche Menge jährlich an Land emittiert wird. Es wird erwartet, dass sich diese Schätzungen bis zum Jahr 2025 fast verdoppeln werden, wenn die Weltbevölkerung weitermacht, wie bisher („Business-as-usual“-Szenario). Das berichtet Mine Tekman vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) gemeinsam mit drei weiteren Fachleuten in ihrem Übersichtsartikel im Wissenschaftsmagazin Science, das dem Thema Plastik in der aktuellen Ausgabe ein ganzes Kapitel widmet.

„Plastik ist tief in unserer Gesellschaft verwurzelt, und es sickert überall in die Umwelt, selbst in Ländern mit einer guten Infrastruktur für die Abfallbehandlung“, sagt Matthew MacLeod, Professor an der Universität Stockholm. Er führt aus, dass die Emissionen tendenziell steigen, obwohl das Bewusstsein für Plastikverschmutzung in Wissenschaft und Öffentlichkeit in den letzten Jahren deutlich zugenommen hat.

Für Mine Tekman, Doktorandin am Alfred-Wegener-Institut, ist diese Diskrepanz nicht überraschend, denn die Plastikverschmutzung ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern auch ein „politisches und wirtschaftliches“. Sie glaubt, dass die derzeit angebotenen Lösungen wie Recycling und Reinigungstechnologien (Clean-up) nicht ausreichen und dass wir das Problem an der Wurzel packen müssen.

„Die Welt fördert technologische Lösungen für das Recycling und um Plastik aus der Umwelt zu entfernen. Als Verbraucher und Verbraucherinnen glauben wir, dass alles auf magische Weise recycelt werden kann, wenn wir unseren Plastikmüll richtig trennen. Technologisch gesehen hat das Recycling von Plastik viele Einschränkungen, und Länder, die über eine gute Infrastruktur verfügen, exportieren ihren Plastikmüll in Länder mit schlechteren Einrichtungen. Zudem gibt es ein grundsätzliches Problem mit biologisch nicht abbaubaren Materialien, die sich auch als Feinstäube und Fasern aus vielen Prozessen in der Umwelt verteilen. Daher sind drastische Maßnahmen erforderlich, wie neue abbaubare Materialien zu entwickeln, Wege um den Wert von recyceltem Kunststoff zu erhöhen, und das Verbot des Exports von Kunststoffabfällen, es sei denn, er erfolgt in ein Land mit besserem Recycling“, sagt Mine Tekman, die das AWI-Online-Portal litterbase.org mit entwickelt hat, das die wissenschaftliche Literatur zu Müll im Meer und dessen Auswirkungen laufend aktualisiert zusammenfasst.

Eine schwer umkehrbare Verschmutzung von abgelegenen Bereichen der Umwelt

Kunststoff reichert sich in der Umwelt an, wenn die emittierten Mengen diejenigen übersteigen, die durch Reinigungsinitiativen und natürliche Umweltprozesse entfernt werden. Letzteres geht durch einen mehrstufigen Prozess vonstatten, der als Verwitterung bekannt ist. „Die Verwitterung von Plastik geschieht aufgrund vieler verschiedener Prozesse, und wir sind bereits weit gekommen, um sie zu verstehen. Aber die Verwitterung verändert ständig die Eigenschaften der Kunststoffverschmutzung, was neue Fragen aufwirft“, sagt Hans Peter Arp, Forscher am Norwegischen Geotechnischen Institut (NGI) und Professor an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU). „Der Abbau ist sehr langsam und kann die Akkumulation nicht stoppen, so dass die Belastung durch verwitterten Kunststoff nur zunehmen wird“, sagt Hans Peter Arp. Plastik ist daher ein „schlecht reversibler Schadstoff“, sowohl wegen seiner kontinuierlichen Emissionen als auch wegen seiner Umweltpersistenz.

Abgelegene Gegenden sind besonders bedroht, wie Annika Jahnke, Wissenschaftlerin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und Professorin an der RWTH Aachen, erklärt: „In abgelegenen Umgebungen kann Plastikmüll nicht durch Aufräumarbeiten entfernt werden, und die Verwitterung großer Plastikteile führt unweigerlich zur Entstehung einer großen Anzahl von Mikro- und Nanoplastikpartikeln sowie zur Auswaschung von Chemikalien, die dem Plastik absichtlich zugesetzt wurden, und anderen Chemikalien, die das Polymerrückgrat des Plastiks abbauen. Kunststoff in der Umwelt ist also ein sich ständig bewegendes Ziel von zunehmender Komplexität und Mobilität. Wo es sich anreichert und welche Auswirkungen es verursachen kann, ist schwierig oder vielleicht sogar unmöglich vorherzusagen.“

Ein potenzieller Auslöser für irreversible Umweltschäden

Zusätzlich zu den Umweltschäden, die Plastikverschmutzung allein durch das Verheddern von Tieren und toxische Wirkungen verursachen kann, könnte sie auch in Verbindung mit anderen Umweltstressoren in abgelegenen Gebieten weitreichende oder sogar globale Auswirkungen auslösen. Die neue Studie führt eine Reihe von hypothetischen Beispielen für mögliche Auswirkungen auf, darunter die Verschärfung des Klimawandels aufgrund der Störung der globalen Kohlenstoffpumpe und der Verlust der Artenvielfalt im Meer. Dort wirkt die Plastikverschmutzung als zusätzlicher Stressor zur Überfischung und zum fortschreitenden Lebensraumverlust aufgrund von Veränderungen der Wassertemperaturen, der Nährstoffversorgung und der chemischen Belastung.

Alles zusammengenommen sieht das Forschungsteam die Bedrohung, dass Plastik, das heute emittiert wird, in der Zukunft Auswirkungen von globalem Ausmaß auslösen kann, die kaum reversibel sind, als „zwingende Motivation“ für maßgeschneiderte Maßnahmen zur starken Reduzierung der Emissionen.

„Im Moment belasten wir die Umwelt mit immer größeren Mengen an schwierig umkehrbarer Plastikverschmutzung. Bis jetzt sehen wir keine weit verbreiteten Beweise für schlimme Folgen, aber wenn die Verwitterung von Plastik einen wirklich schlimmen Effekt auslöst, werden wir wahrscheinlich nicht in der Lage sein, ihn rückgängig zu machen“, warnt Matthew MacLeod. „Die Kosten, die entstehen, wenn man die Anhäufung von langlebiger Plastikverschmutzung in der Umwelt ignoriert, könnten enorm sein. Das Vernünftigste, was wir tun können, ist, so schnell wie möglich zu handeln, um den Eintrag von Plastik in die Umwelt zu reduzieren.“

Darm beeinflusst unser Gehirn, unsere Stimmung und Depressionen – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

Es stimmt tatsächlich, dass die Darmflora und das gesamte Mikrobiom einen Einfluss auf Darmsystem hat. Nach dem ich vor 40 Jahren – deutlich vorwissenschaftlich deklariert – in der Hobbythek verbreitet habe, hat sich diese Aussage wissenschaftlich immer mehr verdichtet und ist heute Stand der Wissenschaft. So etwas wird auch medizinisch als Gold-Standard bezeichnet. Mit Fug und Recht kann man behaupten: Ist der Darm gesund, ist auch sein Träger, der Mensch, gesund. Immerhin ist das Immunsystem die absolut beste Apotheke der Welt. Das Immunsystem wird auch durch Impfen generell gestärkt, egal um welches Impfserum es sich handelt. Diese Erkenntnis hat mir seinerzeit schon mein Freund, Prof. Dr. Gerd Uhlenbrock, emeritierter Immunologe an der Universität zu Köln, eingetrichtert, schon vor besagten 40 Jahren. Er hat Recht behalten und ist mit seinem Wissen über 90 Jahre alt. Daran ist bestimmt aber auch sein Humor beteiligt, denn er hat seine Weisheit in denkwürdigen Aphorismen nieder geschrieben. Vielleicht verhilft dies einigen generellen Impfgegnern zu Umdenken, denn mit modernen Impfstoffen ist das Risiko mittlerweile millionenfach geringer als von irgendeiner gefährlichen Viren-Erkrankung erwischt zu werden.

In der beigefügten Pressemitteilung distanziere ich mich allerdings von der darin enthaltenen Werbung. Ob das dort propagierte präbiotische Nahrungsergänzungsmittel JO2-Phyto wirksam ist, ist wissenschaftlich nicht bewiesen, aber ich persönlich ziehe meinen selbst hergestellten probiotischen Joghurt mit den in der Hobbythek vorgestellten gefriergetrockneten probiotischen Joghurt-Bakterien vor. Täglich 250 ml Joghurt mit Früchten der oder tiefgefroren, sind die Quelle meiner Gesundheit geworden. Ich weiß nicht, ob es daran liegt, aber mit 85 Jahren bin ich nicht einen Zentimeter kleiner geworden. Vielleicht liegt es auch an dem im Joghurt enthaltenem Calcium.

Jean Pütz

(pts) – Über den sogenannten Vagusnerv ist das menschliche Gehirn auf direktem Weg mit dem Darm verbunden. Die Kommunikation zwischen den beiden Organen ist aber komplexer und findet zusätzlich auf indirekten Wegen statt, nämlich mithilfe von Metaboliten. Das sind Stoffwechselprodukte der Darmbakterien, die das Verdauungsorgan verlassen, die Blut-Hirn-Schranke überwinden können und somit Einfluss auf unsere Stimmung nehmen. Die Darm-Hirn-Achse ist vielen Menschen zunächst einmal gar nicht bewusst. Dabei kennt eigentlich jeder das Gefühl, wenn psychischer Stress sprichwörtlich „auf den Magen schlägt“ oder man Ärger „runterschluckt“. Werden die Darmbewohner falsch ernährt, können auch unser Gehirn und unsere Psyche Schaden nehmen, bis hin zu Depressionen. Das Forschungsteam rund um PhytoEffekt Gründer Dr.-Ing. Henning Rosenfeld, hat das präbiotische Nahrungsergänzungsmittel JO2-Phyto entwickelt, das unseren Darm und die Darmflora rezeptfrei und auf pflanzlicher Basis unterstützt. Die guten Bakterien wachsen und gesundheitsfördernde Metabolite entstehen. Allen voran die kurzkettigen Fettsäuren (engl. SCFA – short chain fatty acids).

Unser Darm braucht Hilfe, um unserem Hirn zu helfen
Während eine gesunde Darmflora emotional ausgleichend auf den Menschen wirkt, können Störungen des Mikrobioms im Darm zu Gereiztheit und aggressiver Stimmung führen. „Probiotische Lactobacillen senken sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen den Stresslevel deutlich. Immerhin werden vom Mikrobiom psychoaktive Substanzen produziert, wie zum Beispiel Neurotransmitter oder Hormone, die dann das Gefühlsleben beeinflussen“, so Dr. Ing. Henning Rosenfeld, dessen Forschungsteam das „ideale Futter“ für das Mikrobiom auf pflanzlicher Basis mit den Flavanonen Naringin, Naringenin und Apigenin entwickelt hat. Aufgrund der weitreichenden Einflüsse des Mikrobioms ist es sinnvoll, wenn man sich der Darmflora annimmt und sie wieder ins Gleichgewicht bringt.

Gestörte Darm-Hirn-Achse mit dem Phyto-Effekt wieder geraderücken
Serotonin wird allgemeinhin als Glückshormon bezeichnet. Für den gesamten körpereigenen Serotonin-Haushalt spielt der Darm die entscheidende Rolle. 95 Prozent des Serotonins im Körper werden vom Darm und vom Darmmikrobiom hergestellt. Hier ist das Serotonin unter anderem für die Regulation des Glukose- und Fettstoffwechsels, die Verhinderung von Darmentzündungen und die Steigerung der Darmmotilität verantwortlich. Kürzlich wurde auch gezeigt, dass es sogar schützend gegen das Eindringen pathogener Mikroorganismen wirkt, die Krankheiten verursachen.

Nur fünf Prozent des Serotonins findet man im Gehirn, wo es seine stimmungsaufhellende Wirkung entfaltet. Der direkte Weg ins Gehirn ist dem Serotonin aufgrund der Blut-Hirn-Schranke leider versperrt, sodass es dort selbst produziert werden muss. Das erfolgt über die Aminosäure Tryptophan, die direkter Vorläufer des Serotonins ist. Die Serotonin-Menge im Gehirn lässt sich über den Tryptophanspiegel beeinflussen – und dieser wiederum über die Ernährung – bzw. den Darm. Dass tryptophanhaltige Nahrungsmittel stimmungsfördernd wirken, kann man zum Beispiel beim Verzehr von Schokolade erfahren.

Kapsel zur Regulation des Serotonin-Systems
Da der Darm das Hauptreservoir für Serotonin darstellt und über die Tryptophanaufnahme entscheidet, spielt er zusammen mit seinen Mikrobiom-Wechselwirkungen eine fundamentale Rolle in der Regulation des Serotonin-Systems. Neueste Studien haben gezeigt, dass die Mikroben die serotoninproduzierenden Darmzellen entscheidend durch Metabolite zur Produktion anregen. Es sind die kurzkettigen Fettsäuren (SCFA), die maßgeblich an der Regulation des Serontonin-Systems mitwirken. Und die SCFA-Produzenten kann man durch die richtigen Pflanzenstoffe fördern.

Wasserstoff im Fokus der Politik

BMBF stellt für neue Kooperation zwischen Deutschland und Australien bis zu 50 Millionen Euro bereit

(BMBF) – Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier sowie der australische Energieminister Angus Taylor haben kürzlich eine bilaterale Absichterklärung zum „Deutsch-Australischen Wasserstoff Akkord“ unterzeichnet. Die gemeinsame Erklärung wurde von Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem australischen Premierminister Scott Morrison auf dem G7-Gipfel in Cornwall als Element einer vertieften Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern hervorgehoben. Eine zentrale Initiative der Wasserstoffpartnerschaft ist der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geplante Innovations- und Technologie Inkubator „HyGATE“, der sowohl als Plattform Akteure aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenführt als auch innovative Forschungs- und Demonstrationsvorhaben zu grünen Wasserstofftechnologien ermöglicht.

Hierzu erklärt Bundesforschungsministerin Karliczek:

„Die deutsch-australische Kooperation zu Innovationen für Grünen Wasserstoff bietet unserem Land große Chancen. Mit ihr können wir einen Import von Grünem Wasserstoff in relevanten Mengen ermöglichen – ein zentraler Faktor, um unsere verstärkten Klimaziele zu erreichen. Wir können so unsere Energieversorgung auf eine breitere Basis stellen und Australien kann künftig Grünen Wasserstoff exportieren, als Alternative zu den bisherigen Kohleexporten. Die Kooperation bietet gleichzeitig deutschen Unternehmen die Möglichkeit für Technologieexporte.

Um diese Potenziale zu heben, plant das BMBF zusammen mit den australischen Partnern den Inkubator ‚HyGATE‘ aufzusetzen. Mit HyGATE bringen wir Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft aus beiden Ländern zusammen, um grüne Wasserstofftechnologien entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Erzeugung, über die Speicherung und den Transport bis hin zur Nutzung – zu entwickeln, zu demonstrieren und unter Realbedingungen zu erproben. So schaffen wir mit Forschung die Grundlage für eine deutsch-australische Lieferkette für Grünen Wasserstoff. Und so tragen wir einen weiteren wesentlichen Teil dazu bei, eine Grüne Wasserstoffwirtschaft wahr werden zu lassen – national und global.

Für die Kooperation wollen wir über einen Zeitraum von drei Jahren bis zu 50 Millionen Euro bereitstellen. Hierbei sind wir uns mit unseren australischen Partnern einig, dass wir HyGATE schnellstmöglich umsetzen wollen.“

Der Innovationsbeauftragte „Grüner Wasserstoff“ Dr. Stefan Kaufmann stellt fest:

„Australien ist auf einem guten Weg, weltweit einer der bedeutendsten Produzenten von Grünem Wasserstoff zu werden. Die entscheidende Grundlage hierfür ist die rasche und breite Etablierung innovativer und effizienter grüner Wasserstofftechnologien. Deutschland hat diese Technologien und arbeitet daran, diese noch weiter zu verbessern. Die verstärkte Kooperation bietet daher deutschen und australischen Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft großes Potenzial.

HyGATE bietet somit eine exzellente Chance für die Wissenschaft, direkt vor Ort anwendungsnah zu forschen. Und für die beteiligten Unternehmen eröffnet sich die Möglichkeit, maßgeschneiderte und effiziente grüne Wasserstofftechnologien ‚Made in Germany‘ zu entwickeln und deren Exzellenz direkt im Zusammenspiel mit dem Anwender unter Beweis zu stellen.“

Auch die australische Regierung wird bis zu 50 Millionen australische Dollar für diese weltweit führende Partnerschaft mit Deutschland zur Verfügung zu stellen, um ihre zukünftigen Wasserstoffindustrien voranzutreiben.

Minister Angus Taylor erklärt:

„Die Partnerschaft baut auf unseren jeweiligen Stärken auf, wobei Australien danach strebt Weltmarktführer bei sauberen Wasserstoff-Exporten zu werden, während Deutschland das Know-How in der Wasserstofftechnologie besitzt. Bis 2050 könnte eine zukünftige australische Wasserstoffindustrie 8.000 Arbeitsplätze und jährlich 11 Milliarden Dollar zum Bruttoinlandsprodukt generieren.

Das Erreichen einer Kostenangleichung neuer Energietechnologien wie Wasserstoff an die vorhandener Technologien, wird eine erhebliche Reduzierung der globalen Emissionen ermöglichen und gleichzeitig bestehende Industrien stärken sowie neue schaffen. In Australiens Roadmap für Technologie-Investitionen haben wir uns zum Ziel gesetzt, Wasserstoff für weniger als 2 australische Dollar pro Kilogramm – „H2 unter 2″ zu produzieren, dem Preis bei dem Wasserstoff im Vergleich zu höher emittierenden Alternativen wettbewerbsfähig wird.

Unsere Partnerschaft mit Deutschland wird einen wesentlichen Beitrag zu diesem Ziel leisten.“

KI-Hörhilfe liefert besseres Sprachverstehen – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Dass im Alter das Hörvermögen abnimmt, beruht nicht nur auf physikalischen Ursachen. Dass z. B. die Cochlea altert und daher höhere Sequenzen nicht mehr wahrgenommen werden. Hören ist viel mehr, weil es im Gehirn oft vernachlässigte komplizierte Prozesse auslöst. So ist z. B. das Hören auch mit dem Auge verbunden. Beim gesunden Menschen werden die Signale, die vom Gesichtsfeld herkommen, selektiv verstärkt. Wenn aber ein Sprachengewirr, verbunden mit Echo- und Nebengeräuschen anfallen, wird das Gehirn umso stärker gefordert, um z. B. Sprache verstehen zu können. Das nimmt im Alter einfach ab. Leider wird das sehr selten im Fernsehen, Hörfunk oder Film von den Regisseuren berücksichtigt. Selbst im modernen Hörgerät, dass ganz individuell per Computer  auf den jeweiligen Besitzer des Ohr einstellbar ist, und die höheren Frequenzen anhebt, verbessert nicht das Verständnis. Dem soll Künstliche Intelligenz Abhilfe leisten, vor allen Dingen Nebengeräusche so unterdrücken, dass das Alters-Handicap reduziert wird.

Dazu die folgende Pressemitteilung

Jean Pütz

(pte) – Forscher des Hörforschungslabors der Universität Bern und des Inselspitals haben in einer Machbarkeitsstudie gezeigt, wie der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) bei der Entwicklung von Hörimplantaten hilft und den „Cocktail-Party-Effekt“ ermöglicht. Damit soll der hörbeeinträchtigte Träger aus vielen Schallquellen gezielt Sprache herausfiltern können – normalerweise eine natürliche Fähigkeit des Gehirns. Konkret geht es bei dem neuen Ansatz um virtuelle Zusatzmikrofone, deren Signale mittels KI errechnet werden.

78.000 Audiodateien genutzt
Je mehr Mikrofone ein Audioprozessor zur Verfügung hat und je breiter diese verteilt sind, desto besser kann eine Hörhilfe den Schall aus einer bestimmten Richtung fokussieren, wie die Forscher festgestellt haben. Für den Studienaufbau haben die Ingenieure den „Bern Cocktail-Party-Datensatz“, eine Sammlung einer Vielzahl von Geräusch-Szenarien mit mehreren Schallquellen aus Multi-Mikrofon-Aufnahmen von Hörgerät- oder Cochlea-Implantat-Trägern genutzt.

Anhand von 65 Stunden Audioaufnahmen (über 78.000 Audiodateien) wurde das neuronale Netzwerk zur Verfeinerung eines oft eingesetzten Richtwirkungs-Algorithmus (Beamforming) trainiert. Für ein verbessertes Sprachverstehen errechnete der Deep-Learning-Ansatz zusätzliche virtuelle Mikrofon-Signale aus dem Audiodaten-Gemisch. 20 Probanden testeten das KI-verstärkte Hören in einem subjektiven Hörtest, begleitet von objektiven Messungen. Insbesondere in Cocktail-Party-Settings verbesserten die virtuell abgetasteten Mikrofonsignale die Sprachqualität signifikant, heißt es.

Neue Hörprothesen-Generation
Den Wissenschaftlern zufolge profitieren Hörgeräte- und Cochlea-Implantat-Nutzer besonders in lauten Umgebungen von dem vorgestellten Ansatz. „Künstliche Intelligenz stellt einen wichtigen Beitrag für die nächste Generation von Hörprothesen dar, da sie großes Potenzial für eine Verbesserung des Sprachverstehens, insbesondere in schwierigen Hörsituationen hat“, so Marco Caversaccio, Chefarzt und HNO-Klinikdirektor. Die neuartigen Ansätze kommen im Rahmen von Translationsstudien direkt den Patienten zugute, schließt der Mediziner.

Corona-Kakophonie

Ulrich Trottenberg

Hat Deutschland in der Corona-Pandemie alles richtig, nicht alles, aber im Großen und Ganzen alles richtig, vieles falsch oder sogar fast alles falsch gemacht? Darüber gehen die Meinungen auseinander und für ein abgewogenes Urteil ist es sicher noch zu früh. Die überwiegende Mehrheit der Öffentlichkeit würde sich heute vermutlich auf eine mittlere Bewertung (im Großen und Ganzen richtig, aber Fehler im Einzelnen) einigen können.

Es sind die Politiker:innen, die Expert:innen und die Medien, die für die Bewältigung und den Umgang mit der Pandemie eine wesentliche, vielleicht entscheidende Rolle gespielt haben. Und wie die Rollen zu bewerten sind, auch da gibt es in der Öffentlichkeit sehr unterschiedliche Einschätzungen, die reichen von: Die Politik war beratungsresistent und alle Fehler sind gemacht worden, weil die Politik sich nicht nach den Expert:innen gerichtet hat – bis: Die Politik hat versucht, sich nach den Expert:innen zu richten, aber deren öffentlicher Streit hat kaum Klarheit, sondern ein überwiegend diffuses Bild ergeben. Und was die Medien angeht, gehen die Meinungen von „sie haben ihr bestes“ getan bis zu: Sie haben durch ihre Inkompetenz oder durch Berichterstattung nach dem Motto „Bad news is good news“ die Verunsicherung der Öffentlichkeit noch verstärkt.

Aus wissenschaftlicher Sicht ist vieles nicht gut gelaufen. Natürlich gibt es nicht „die Wissenschaft“, die sich über die Bewertung von Maßnahmen, von Entwicklungen und von Prognosen einig ist. Wissenschaft lebt vom Diskurs, auch bei sorgfältigster, den wissenschaftlichen Standards genügender Arbeit gibt es immer unterschiedliche Bewertungen und Einschätzungen, bisweilen auch Streit in der Wissenschaft, der dann nach festgelegten Regeln ausgetragen werden muss. Hätte sich aber in einer so schwierigen, angstbesetzten Zeit wie der Pandemie „die“ Wissenschaft nicht um eine einigermaßen einheitliche Bewertung der Situation bemühen und sich abstimmen müssen, bevor sie sich in der Öffentlichkeit äußert?

Das ist leider kaum geschehen. Jedenfalls haben wir in den Talkshows – und die sind neben den offiziellen Verlautbarungen eine sehr wichtige Informationsquelle für die Öffentlichkeit – zwar zunächst immer die gleichen „Expert:innen“ erlebt, deren Position und Auftreten man bei regelmäßigem Talkshow-Konsum schon voraussagen konnte, sind aber mit durchaus unterschiedlichen Einschätzungen konfrontiert worden: Da waren die warnenden, kritischen Stimmen und die weniger pessimistischen, die konkreten und die allgemeinen, die sachlichen und die selbstdarstellerischen. Es ist keine Frage, dass in manchen Talkshows durchaus hochkompetente Fachleute zu Wort gekommen sind. Viele der kompetentesten deutschen Fachleute, z.B aus der Statistik und aus dem Bereich der mathematischen Modellierung, sind gar nicht erst eingeladen worden – oder hatten auf den Talkshow-Zirkus keine Lust.

Corona-Modellrechnungen und ihre Grenzen

Ulrich Trottenberg

In den Medien ist seit Beginn der Corona-Pandemie fast täglich von „Modellen“ die Rede, mit denen die Ausbreitung und die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Corona-Virus beschrieben und möglichst auch prognostiziert werden sollen. Solche Modelle haben bei den politischen Entscheidungen über Corona-bezogene Maßnahmen eine wesentliche Rolle gespielt. Seit einigen Wochen werden die Modelle – auch in der seriösen Presse – z.T. heftig kritisiert, weil ihre Prognosen in vielen Fällen nicht eingetroffen sind.

Unter den uns bekannten Modellen sind einige mathematisch anspruchsvoll, sorgfältig konzipiert und vorsichtig in den Prognosen. Neben diesen ausgereiften Modellen werden in den Medien aber auch simple, bisweilen grob vereinfachende und irreführende Modelle kommuniziert. Wir gehen im Folgenden auf die Möglichkeiten und auf die Grenzen mathematischer Modellierung detaillierter ein.

Für die politischen Maßnahmen zur Corona-Eindämmung spielen seit Beginn der Pandemie die Empfehlungen insbesondere der virologischen und epidemiologischen Experten eine wesentliche Rolle. Dabei werden zur Beschreibung und zur Prognose der Ausbreitung der Pandemie oft auch mathematische Modelle benutzt. Die Ergebnisse solcher Modelle werden von (mehr oder weniger kompetenten) Experten gern auch in den bekannten TV-Talkshows präsentiert. Die mit den Modellen errechneten Prognosen haben sich nun aber in vielen Fällen als nicht realistisch erwiesen. Was ist da los? Warum werden die Öffentlichkeit, die Politik und gerade auch die Experten von den tatsächlichen Entwicklungen immer wieder überrascht? Warum gelingt es nicht, zum Beispiel die Inzidenzen einigermaßen präzise vorauszusagen und damit auch die Maßnahmen vorausschauend zu planen? Nun gibt es einerseits mathematisch ausgereifte, höchst anspruchsvolle, andererseits aber auch weniger durchdachte Modelle bis hin zu grob vereinfachenden „Modellen“ und Simulationen. Dass die (bei den Moderatoren der Talkshows besonders beliebten) vereinfachenden Modelle die realen Verhältnisse nicht adäquat beschreiben, ist ja vielleicht nicht weiter verwunderlich. Aber auch die anspruchsvollen, mathematisch durchdachten Modelle kommen oft an Grenzen. Warum sind realistische Prognosen offensichtlich so schwierig?

Mathematische Modelle, das sind Formelsysteme, die mit intelligenten Algorithmen auf schnellen Rechnern ausgewertet werden. Die gesamte Physik wird von mathematischen Theorien und Modellen beherrscht, und das gilt ähnlich auch für alle anderen Natur- und Ingenieurwissenschaften zunehmend werden auch wirtschaftliche und gesellschaftliche, medizinische und psychologische Prozesse mathematisch beschrieben und optimiert.

Warum ist die Mathematik in den naturwissenschaftlich- technischen Bereichen so überaus erfolgreich, bei Corona aber so wenig überzeugend? Die öffentlich diskutierten mathematischen Corona-Modelle und Simulationen können Entwicklungen beschreiben und erklären, aber bei den Prognosen versagen sie in vielen Fällen. Um das verständlich zu machen, gehen wir auf drei repräsentative Beispiele mathematischer Modellierung etwas genauer ein.

  1. Nehmen wir die klassische Physik (und die darauf beruhende Technik). Die meisten Vorgänge der klassischen Physik lassen sich mit mathematischen Gleichungen, in der Regel mit Differentialgleichungen, vollständig erfassen. Ein schönes Beispiel sind die Zustände und Vorgänge der Elektrizität und des Magnetismus. Sie lassen sich mit wenigen mathematischen Gleichungen(in diesem Fall „partiellen“ Differentialgleichungen) sehr hoher Abstraktion beschreiben. Diese „Maxwell-Gleichungen“ bilden das zugehörige mathematische Modell. Die Auswertung dieser Gleichungen mit Hilfe geeigneter Algorithmen erlaubt die Beschreibung, Prognose und Optimierung der elektrischen und magnetischen Phänomene und Prozesse mit hoher Präzision. Die Maxwell-Gleichungen bilden damit auch die theoretische Grundlage der gesamten Elektrotechnik. Hier leistet die Mathematik das Maximum dessen, was man von ihr erwarten kann. Ähnliches gilt für alle Kernbereiche der klassischen und der modernen Physik und für alle ihre technischen Anwendungen. Der Siegeszug der Technik in den letzten 250 Jahren und die industrielle Revolution sind ganz wesentlich ein Siegeszug der mathematischen Modellbildung.
  2. Die Prognosemöglichkeiten kommen aber an Grenzen, wenn es sich bei den Phänomenen, die mit den mathematischen Modellen beschrieben werden, um chaotische Phänomene handelt. Als chaotisch wird ein (physikalisches) System oder Phänomen insbesondere dann bezeichnet, wenn es auf kleine (minimale) Änderungen der Bedingungen in der Ausgangssituation (in den Eingabedaten) mit großen (drastischen) Veränderungen im Verhalten, insbesondere im längerfristigen Verhalten, reagiert. Dafür gibt es eine Fülle von Beispielen, neben sehr einfachen physikalischen Systemen wie dem Doppelpendel auch hochkomplexe Systeme. Das fundamentale Beispiel eines chaotischen Systems, mit dem wir täglich zu tun haben, ist das Wetter. Auch wenn die ausgeklügelten mathematischen Wettermodelle, die feinkörnige weltweite Wetterdatenmessung und -erfassung, die höchst effizienten Algorithmen und die atemberaubende Rechengeschwindigkeit der Supercomputer heute eine erstaunlich genaue Wetterprognose für die jeweils nächsten Tage ermöglichen – deutlich über 10 Tage hinaus ist eine sichere Wettervorhersage (außer bei ungewöhnlich stabilen Wetterlagen) praktisch nicht möglich.

Dabei entziehen sich das Wetter und viele andere chaotischen Systeme und Phänomene wie das genannte Doppelpendel, Crashphänomene, turbulente Strömungen, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw. nicht grundsätzlich einer mathematischen Modellierung. Denn es handelt sich bei solchen Erscheinungen nicht um vollständig zufällige, sondern durchaus um deterministische Ereignisse, bei denen aber eine sichere und längerfristige Vorhersage – insbesondere wegen der hochsensiblen Abhängigkeit von den Ausgangsdaten – nicht möglich ist.

Auch ohne die Corona-Phänomene vollständig verstanden zu haben, kann man nach Einschätzung des Autors heute davon ausgehen, dass chaotische Elemente bei der Übertragung der Viren, der Wirkung auf den menschlichen Körper und der globalen Ausbreitung der Pandemie durchaus eine Rolle spielen.

  1. Die Vorhersagemöglichkeiten sind noch weiter eingeschränkt, wenn man es mit individuellem menschlichem Verhalten und mit menschlichen Entscheidungen in kritischen Situationen zu tun hat, wie bei der Corona-Pandemie.   Da sind dann oft nur statistische Erfassungen, Beschreibungen und Aussagen möglich. Aber auch solche Phänomene kann man mit mathematischen Modellen zu beschreiben versuchen. Uns sind in den Medien, insbesondere in den TV-Talkshows (Illner, Maischberger, Will; Lanz usw.) die Ergebnisse solcher Modelle immer wieder präsentiert worden, von meist den gleichen, mittlerweile bundesweit bekannten Modellierern. Detailliertere Informationen über den mathematischen Charakter der Modelle hat man in den Medien dabei nicht erhalten – das verhindern schon die (meist ganz und gar nicht Mathematik-affinen) Moderatorinnen und Moderatoren. Eine Bewertung der Modelle ist allerdings auch bei genauer Kenntnis der Modell-Mathematik nicht einfach; letztlich werden die Modelle erst durch die Realität bestätigt (oder widerlegt).

Der Autor hat sich nur mit einem Modellierungsansatz („On COVID-19 Modelling“ von Robert Schaback) genauer auseinandergesetzt. Das Modell beschreibt die COVID-19-Epidemie mit einem (gemäß Robert Schaback vergleichsweise einfachen) System gewöhnlicher Differentialgleichungen. Aus Sicht des Autors ist das Modell sehr sinnvoll und überzeugend, es orientiert sich eng an den jeweils aktuellen, verfügbaren Daten. Demgegenüber erfasst z.B. das ebenfalls überzeugende Modell des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM (Anita Schöbel et al.) auch die zeitlichen Verzögerungen bei der Corona-Übertragung. Die ernst zu nehmenden Modelliererinnen und Modellierer betonen, dass die Qualität der modellbasierten Vorhersagen sensibel von den jeweils verfügbaren Daten abhängt; deren Verfügbarkeit wird allerdings als häufig sehr unzureichend bezeichnet.

Differentialgleichungen modellieren das epidemische Geschehen eher makroskopisch, also gewissermaßen durch globale Betrachtung der Pandemieausbreitung, ähnlich einer Strömung oder einer Flut. Vom den einzelnen Individuen wird dabei abstrahiert. Daneben werden aber auch fundamental andere Modellierungsansätze verfolgt. Bei sogenannten „agentenbasierten“ Ansätzen wird z.B. versucht, das Verhalten und die Entscheidungen der einzelnen Individuen und die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf das Gesamtsystem mathematisch zu erfassen. Ob diese Ansätze erfolgversprechender sind als die makroskopischen Ansätze, kann der Autor nicht fundiert beurteilen; er ist eher skeptisch.

Von Modellierern und Kommentatoren wird gelegentlich argumentiert, dass die politisch veranlassten Lockdown-Maßnahmen und Einschränkungen effektiver gewesen wären, wenn die Politik die Modellprognosen ernster genommen hätte. Das mag im Einzelfall zutreffen. Aber selbst bei intimer Kenntnis der zugrundeliegenden Mathematik ist eine objektive Bewertung der unterschiedlichen Modellansätze und Modellprognosen nicht einfach. Die Experten und Modellierer haben sich in vielen Fällen auch nicht einheitlich geäußert. Besonders deutlich sind die unterschiedlichen Positionen und fragwürdigen Empfehlungen der Experten bei den Impfstrategien geworden – mit der Folge einer fatalen Verunsicherung der Öffentlichkeit.

Schließlich: Dass mathematische Modellierungsmöglichkeiten in Extremsituationen und Katastrophen an prinzipielle Grenzen kommen, dafür ist der überaus tragische Verlauf der Loveparade in Duisburg im Jahre 2010 ein erschütterndes Beispiel.

Einfluss des Menschen auf das Ökosystem, eine KIT-Information bei You Tube-Kanal

(KIT) – Welche Spuren hinterlässt der Mensch auf seinem Planeten? Im Sommersemester 2021 befasst sich das Colloquium Fundamentale „Anthropozän. Die ökologische Frage und der Mensch, der sie stellt“ mit literarischen, künstlerischen und kulturellen Aspekten der ökologischen Debatte. Mit dem Vortrag „Natur – Mensch – Technik. Die Herausforderungen des Anthropozäns“ eröffnet die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Professorin Eva Horn die Vortragsreihe des ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) am Donnerstag, 6. Mai 2021 um 18:30 Uhr auf dem ZAK-YouTube-Kanal: http://www.youtube.de/ZAKVideoclips.

Die Erde ist fast 4,5 Milliarden Jahre alt. Im Vergleich dazu ist die Anwesenheit der Menschheit nur ein kurzer Wimpernschlag. Dennoch hat der Mensch spätestens seit der Industriellen Revolution so radikal in seine Umwelt eingegriffen, dass viele von einem neuen Erdzeitalter sprechen: dem Anthropozän. Dabei wird über die genaue Definition des Begriffs „Anthropozän“ noch diskutiert. Wie ist der geologische Wandel, den der Mensch auslöst, zu bewerten? Welche Konsequenzen hat der menschliche Einfluss für das globale Ökosystem und wie verändert sich dadurch unser Selbstverständnis?

Hier möchte das Colloquium Fundamentale ansetzen: Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen sprechen kontrovers über den Menschen als geologischem Faktor. Im Eröffnungsvortrag am Donnerstag, 6. Mai 2021, gibt Eva Horn, Professorin für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Germanistik an der Universität Wien einen Überblick über die Anthropozän-Debatte, neue Begrifflichkeiten und zukünftige Herausforderungen für die Menschen.

Das Colloquium Fundamentale findet an den unten genannten Terminen in der Regel um 18:00 Uhr statt. Aufgrund der Pandemiemaßnahmen werden die Vorträge online live gesendet über den YouTube-Kanal des ZAK gesendet:. Eine moderierte Diskussion mit dem Publikum über Chat und E-Mail schließt sich jeweils an. (am)

Programm:

Donnerstag, 6. Mai 2021, 18.30 Uhr: Natur – Mensch – Technik. Die Herausforderungen des Anthropozäns

Prof. Eva Horn, Professorin für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Germanistik, Universität Wien

Donnerstag, 20. Mai 2021, 18:00 Uhr: Politische Ikonografie der Landschaft im Anthropozän

Prof. Peter Krieger, Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler, Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM)

Donnerstag, 10. Juni 2021, 18:00 Uhr: Wie lässt sich vom Menschen als geologischem Faktor erzählen? Auf dem Weg zu einer Poetik des Anthropozän

Prof. Gabriele Dürbeck, Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaften, Universität Vechta

Donnerstag, 17. Juni 2021, 18:00 Uhr: Die Provokation des Anthropozäns

Prof. Helmuth Trischler, Professor für Neuere Geschichte und Technikgeschichte, LMU München / Leitung des Bereichs Forschung am Deutschen Museum & Direktor des Rachel-Carson-Center for Environment and Society

(Im Rahmen des Wissenschaftsfestivals EFFEKTE Karlsruhe)

Donnerstag, 1. Juli 2021, 18:00 Uhr: Das Anthropozän-Konzept – Von der Umwelt zur Unswelt

Prof. Reinhold Leinfelder, Professor für Paläontologie und Geobiologie, Freie Universität Berlin

Mein Brief an einen ehemaligen Sachverständigen der Bundesregierung

Brief eines glücklicherweise machtlosen Wissenschaftsjournalisten, der sich der Vernunft verpflichtet fühlt, an einen Wissenschaftler, der ehemals im Beratergremium der Bundesregierung fungierte, aber ebenso den mangelnden Einfluss der Logik beklagt, auf dessen Einladung in sein Institut an der Universität zu Stuttgart. Er hatte einen offenen Brief an die Wissenschafts-Gremien geschrieben

Lieber Professor,

vielen Dank für Ihre prompte Antwort, dank auch für die Übermittlung Ihres Kommentars in der NZZ. Ich bin natürlich im Konzert der Wissenschaftler eine Quantité négligeable, das heißt, ich bin kein Wissenschaftler, sondern versuche die Wissenschaft so zu übersetzen, dass auch normale Menschen daran teilhaben können. Grundsätzlich sind wir Brüder im Geiste. Ich frage mich natürlich, warum unsere logischen Ansätze mit sehr viel Energie gespickt, so wenig Resonanz finden. Im Parallel-Studium habe ich 8 Jahre lang in der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln vor allem empirische Soziologie studiert, weil ich als kriegsgeschädigter Jüngling, groß geworden in Luxemburg, wissen wollte, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass ein zivilisiertes Volk, welches die Deutschen durchaus auch im Kaiserreich waren, einen solch verbrecherischen und psychopatischen nur Lautsprecher wie Hitler  eine Chance gegeben haben. Aus dieser Erkenntnis resultiert auch mein soziales und politisches Engagement – selbst im hohen Alter. Die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe, auch wenn das an Sisyphus grenzt, bestimmen mein Handeln. Von Anfang an, als der WDR mir die Chance gab – ich war Studienrat für Mathematik und Physik an einer Berufsfachschule – habe ich mich eingesetzt für die Vermittlung von Verständnis für wissenschaftlich-technische fundamentale Tatbestände für jedermann – wohl unterscheidend zwischen populär und populistisch.

Ich sah voraus, dass die Expansion der Fülle der wissenschaftlichen Ergebnisse für Folgen haben müsste, wenn sich das Volk ausklingt. So wurde ich zu einer Art Prophet, der mit ‚Einführung in die Elektronik‘ (1972) den Übergang von der Röhre zum Transistor für Leute wie ich – ich war ja einmal Elektromechaniker, verständlich machte. Gegen den Spott meiner Kollegen aus der Kultur produzierte ich sogar bei den Nachbarkollegen in der Erwachsenen-Fortbildung die Sendung ‚Digitaltechnik, eine Einführung‘, weil mir natürlich als Ingenieur die Konsequenzen der Digitalisierung schon sehr früh bewusst waren. Eher gezwungenermaßen habe ich mich als Moderator selbst mit eingebracht, weil keiner dazu bereit war oder sich gebärdeten wie eine Art Opernsänger. Alles andere habe ich sozusagen 20 Jahre voraus prophezeit, der Übergang von der Hardware zur Software usw. Alles eigentlich für meine Kollegen, die Handwerker, nicht für die Akademiker.  Dass mir die Umwelt besonders am Herzen lag sieht man daran, dass ich meine erste Sendereihe unter dem physikalisch nicht ganz korrekten Titel ‚Energie, die treibende Kraft‘, 13 Folgen, 1969 als Autor geschrieben habe – drei Jahre vor der Veröffentlichung des ‚Club of Rome‘. Es waren Feature-Beiträge, unmoderiert mit vielen Schlüssel-Experimenten, damals noch mit handgemachten Video-Tricks, ohne Computer. Sie wurde Ende 1970 ausgestrahlt. Der zentrale Begriff war Nachhaltigkeit, dass unsere Kinder und Kindeskinder die gleichen Chancen behalten wie unsere Generation.

Übrigens, diese Serie wurde in allen dritten Programmen wiederholt und hatte den positiven Effekt: meine Kollegen in der Abteilung Wissenschaft und Kultur waren überrascht ob des Erfolgs, inklusive Chefs hatte ich daraufhin 30 Jahre lang  freie Bahn, meine Themen selbst bestimmen zu können. Ich bedaure alle Kollegen, die heute gewissen politischen und Erfolgs-Zwängen unterworfen sind. Nur selten kann man den Journalismus noch als frei bezeichnen. Der WDR hat z. B. einen extrem grünen Anstrich bekommen, so werde ich als Gründer der Redaktionsgruppe völlig negiert. Ich vermute, dass Ihnen, lieber Professor, ähnlich geht, obwohl Sie einmal als Medienberater der Bundespolitik unentbehrlich waren. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht kann ich Sie ein wenig beraten nach dem Prinzip ‚wie sage ich es meinem Kinde?‘, damit die Bürger ‚vor lauter Bäumen noch den Wald erkennen‘ können.

Ihren Artikel in der NZZ fand ich hervorragend, aber er war mit so vielen Informationen bespickt, dass ein nicht geschulter Mensch die Essenz daraus erkennen konnte. Ich glaube, die Entfremdung der Bürger, was die Populisten á la Trump bis zum letzten ausnutzen, liegt auch daran, dass wir Akademiker – insbesondere die Wissenschaftler – vielleicht sogar notwendigerweise, zu Art Parallelgesellschaft mutieren.

Gerne komme ich nach Stuttgart, freue mich auf die Begegnung und hoffe darauf, vielleicht eine Strategie zu entwickeln, wie wir die schlimmsten Folgen der politischen Traum-Tänzerei begrenzen können, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich bin beidseitig geimpft und die Inzidenz ist so niedrig, dass wir eine Begegnung schon im Juni wagen können. Mein Sohn Joern, Professor für Biologie an der Universität in Straßburg, sagte mir, dass die Franzosen schon lange wieder Präsenz üben. Die Online-Methode kommt mir langsam zu Hals heraus.

Viele Grüße   Jean Pütz

Aserbaidschan – wann bereit für Europa ?

In Baku spielen heute Dänemark gegen Tschechien im Rahmen der UEFA Europameisterschaft.. Deshalb erinnere ich noch einmal an Aserbaidschan mit seiner Hauptstadt Baku und die teilweise durch Korruption und finanzieller Unterstützung Bundestagsabgeordneter erreichten Bemühungen dass Aserbaidschan zu Europa gezählt werden soll um ihm ein positives Image zu geben. Aber es passt nicht in die Vorstellungen von europäischen Menschenrechten. Das ist auch bei der Türkei problematisch. Deswegen möchte ich noch mal meinen Beitrag zum Krieg um Berg-Karabach wiederholen. Es sind Aserbaidschan und die Türkei die diesen Krieg angezettelt haben und Russland kochte dabei sein Süppchen. Es leben die Menschenrechte, es lebe der Frieden und der Rechtsstaat. Die UEFA verstößt im übrigen gingen alle drei fundamentalen Werte Europa’s.
Zum Nachdenken:

Rückbesinnung auf soziale Marktwirtschaft ? Ein Manager wird geehrt, der dies fordert –

Die soziale – und ich füge hinzu – die soziologische Marktwirtschaft ist zu verdanken, das Deutschland aus der totalen Zerstörung nach dem 2. Weltkrieg wie ein Phönix aus der Asche hervorgegangen ist. Das damals sogenannte ‚Wirtschaftswunder‘ beruhte auf Ideen, die bereits einige kluge Denker im 2. Weltkrieg gefasst hatten. Sie wollten ein Mittelding zwischen dem amerikanischen Kapitalismus, der durch größere Kreativität ermöglichende Freiheit der Wirtschaft als Gegenspieler zur Planwirtschaft des Kommunismus und Sozialismus schafft. Es war vor allen Dingen der in Frankfurt entstandene Ordo-Kreis unter Leitung von Walter Eucken, der den Begriff ‚soziale Marktwirtschaft ‚ prägte.

Umgesetzt in konkrete Politik hat ein Berater des damaligen Wirtschaftsministers Ludwig Erhard, mit Namen Professor Dr. Alfred Müller-Armack. Heute noch ziehe ich den Hut vor ihm, denn ich konnte an der Universität zu Köln seine von Logik durchsetzten Vorlesungen miterleben. Sein Erfolgsrezept: Er bezog nicht nur die Prozesse der Wirtschaft in sein Denken mit ein, sondern auch wichtige soziologische Gesetzmäßigkeiten, die das Verhalten von Menschen in der Gesellschaft beschreibt. Im Mittelpunkt stand die Preisbindung durch den Markt, in dem sich Angebot und Nachfrage begegnen. Das artet leicht in extreme Preisschwankungen aus, wie das heute noch an der Börse zu beobachten ist. Dieses sollte die soziale Marktwirtschaft zügeln, und zwar im Sinne, dass die Wirtschaft einen gewissen Freiheits-Spielraum behält, aber Auswüchse verhindert, z. B. durch Preisabsprachen, Korruption, direkte Eingriffe durch den Staat, usw. Die Überwachungsfunktion wurde einem möglichst unabhängigen Kartellamt übertragen, welches die Regeln auch durch notwendige Sanktionen und Strafen streng kontrolliert.

Schon am Anfang hat Müller-Armack auch die Nachhaltigkeit der Ökologie mit einbezogen. Wie ich selbst belegen kann, denn durch seine Vorlesungen hat er mich als Student der Volkswirtschaft und Soziologie an der Universität zu Köln von dem genialen Mechanismus der begrenzten Marktwirtschaft überzeugt. Ich bin stets Überzeugungstäter geblieben. Leider ist mit der Zeit der ökologische Aspekt in den Hintergrund getreten und die soziale Marktwirtschaft hat Kratzer bekommen. Es ist sehr schwer, Menschen von der Kraft der Selbstorganisation einer Gesellschaft zu überzeugen. Auf den ersten Blick scheint der direkte Eingriff plausibler, weil dem Einzelnen oft der Überblick verwehrt ist. Stichwort: Man muss da etwas tun, man glaubt, dass die staatliche Intelligenz größer ist als das freie Spiel der Markt-Kräfte.

Darunter leidet auch die derzeitig notwendige Bewältigung der Klimakrise. Die Grünen-Ideologie z. B. verkündet, dass Technologie-Verbote, direkte Gängelung der Bürger und populistische Plausibilität , das heißt, eine versteckte Planwirtschaft, unbedingt notwendig wären. Damit hebeln sie die geniale soziale und ökologische Marktwirtschaft aus, vielleicht ist ihnen das gar nicht bewusst. Nebenwirkungen und Risiken und die Wahl des kleineren Übels, welches bei wirtschaftlichem Handeln immer anfällt, wird ausgeklinkt, tradierte Verhaltensweisen der Menschen finden keine Berücksichtigung, obwohl die beabsichtigten Maßnahmen und die nach Mainstream entstandenen Gesetze in eine Sackgasse führen. Die Methode der unideologischen Optimierung, unter Einbezug der technischen Fortschritte, wird unterdrückt, was diametral der sozialen Marktwirtschaft entgegen steht.

Es war immer schon gefährlich, Wunschträumen nachzulaufen. In der Vergangenheit führten sie z. B. zum Faschismus, Kommunismus, orthodoxen Sozialismus und zu Kriegen, weil sich eine bestimmte Gruppe Vorteile davon versprach. Dass eine solche Zwangswirtschaft bar jeder Vernunft den inneren Frieden einer Gesellschaft zerstören kann, ist diesen ‚Tätern‘ schnuppe oder wird verdrängt.

Ihr Jean Pütz

(Morning Briefing) – Ludwig Erhard war der letzte Politiker in Deutschland, dessen Wirken ein wissenschaftliches Fundament besaß. Aus den Arbeiten der beiden Ökonomen Alfred Müller-Armack und Walter Eucken entwickelte er die Idee einer Sozialen Marktwirtschaft, in der sich die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage unter staatlicher Aufsicht und Regelsetzung entfalten konnten. Der Staat war der Schiedsrichter, nicht der Mittelstürmer. Der Staat sorgte fürs Reglement, nicht für die Tore. Die mussten der Einzelne und seine Mannschaft, die man Firma nennt, schon selbst schießen.

Dieses Grundverständnis hat gelitten. Ludwig Erhard wird auch von CDU und CSU sonntags gefeiert und ab Montag wieder vergessen. Deshalb suchte der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung, Roland Koch, einen würdigen Preisträger für seinen Ludwig-Erhard-Preis und hat ihn in Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle gefunden. Koch begründete die Entscheidung wie folgt:

Wir brauchen erfolgreiche Wirtschaftsführer wie Reitzle, die über die politischen Bedingungen ihres Erfolges offen reden. Wir sehen oft eine lautlose Aushöhlung der Gestaltungsfreiheit der Unternehmer, Reitzle nimmt kein Blatt vor den Mund, dem zu widersprechen.

Grund genug für den Morning Briefing Podcast, das Gespräch mit Wolfgang Reitzle zu suchen. Der blickt auf Top-Management-Positionen bei BMW, Ford und Linde zurück. Er zählt zu den wenigen Unternehmensführern, die sich mit deutlichen Stellungnahmen auch auf das Spielfeld der Politik wagen.

Für Reitzle hat sich der Staat beim Pandemie-Management nicht gerade mit Ruhm bekleckert:

Der Staat hat alles an sich gezogen und sich dann in seiner eigenen komplexen Bürokratie verheddert.

Er fordert, die Staatlichkeit in Deutschland neu zu denken:

Der Staat muss sich zurückziehen. Dann kommt auch Wachstum.

Das Denkschema vieler Politiker betrachtet er als Hemmnis für weiteres Wachstum:

Wenn wir den Gerechtigkeitsbegriff als Gleichheit definieren, dann ist im Umkehrschluss Ungleichheit immer ungerecht. Diese Art zu denken bedeutet Gift für das Freisetzen dynamischer Märkte.

Fazit: Wolfgang Reitzle sagt, was er denkt. Und er tut, was er sagt. Er ist das, was die Amerikaner einen „good corporate citizen” nennen.