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Corona-Modellrechnungen und ihre Grenzen

Ulrich Trottenberg

In den Medien ist seit Beginn der Corona-Pandemie fast täglich von „Modellen“ die Rede, mit denen die Ausbreitung und die Ausbreitungsgeschwindigkeit des Corona-Virus beschrieben und möglichst auch prognostiziert werden sollen. Solche Modelle haben bei den politischen Entscheidungen über Corona-bezogene Maßnahmen eine wesentliche Rolle gespielt. Seit einigen Wochen werden die Modelle – auch in der seriösen Presse – z.T. heftig kritisiert, weil ihre Prognosen in vielen Fällen nicht eingetroffen sind.

Unter den uns bekannten Modellen sind einige mathematisch anspruchsvoll, sorgfältig konzipiert und vorsichtig in den Prognosen. Neben diesen ausgereiften Modellen werden in den Medien aber auch simple, bisweilen grob vereinfachende und irreführende Modelle kommuniziert. Wir gehen im Folgenden auf die Möglichkeiten und auf die Grenzen mathematischer Modellierung detaillierter ein.

Für die politischen Maßnahmen zur Corona-Eindämmung spielen seit Beginn der Pandemie die Empfehlungen insbesondere der virologischen und epidemiologischen Experten eine wesentliche Rolle. Dabei werden zur Beschreibung und zur Prognose der Ausbreitung der Pandemie oft auch mathematische Modelle benutzt. Die Ergebnisse solcher Modelle werden von (mehr oder weniger kompetenten) Experten gern auch in den bekannten TV-Talkshows präsentiert. Die mit den Modellen errechneten Prognosen haben sich nun aber in vielen Fällen als nicht realistisch erwiesen. Was ist da los? Warum werden die Öffentlichkeit, die Politik und gerade auch die Experten von den tatsächlichen Entwicklungen immer wieder überrascht? Warum gelingt es nicht, zum Beispiel die Inzidenzen einigermaßen präzise vorauszusagen und damit auch die Maßnahmen vorausschauend zu planen? Nun gibt es einerseits mathematisch ausgereifte, höchst anspruchsvolle, andererseits aber auch weniger durchdachte Modelle bis hin zu grob vereinfachenden „Modellen“ und Simulationen. Dass die (bei den Moderatoren der Talkshows besonders beliebten) vereinfachenden Modelle die realen Verhältnisse nicht adäquat beschreiben, ist ja vielleicht nicht weiter verwunderlich. Aber auch die anspruchsvollen, mathematisch durchdachten Modelle kommen oft an Grenzen. Warum sind realistische Prognosen offensichtlich so schwierig?

Mathematische Modelle, das sind Formelsysteme, die mit intelligenten Algorithmen auf schnellen Rechnern ausgewertet werden. Die gesamte Physik wird von mathematischen Theorien und Modellen beherrscht, und das gilt ähnlich auch für alle anderen Natur- und Ingenieurwissenschaften zunehmend werden auch wirtschaftliche und gesellschaftliche, medizinische und psychologische Prozesse mathematisch beschrieben und optimiert.

Warum ist die Mathematik in den naturwissenschaftlich- technischen Bereichen so überaus erfolgreich, bei Corona aber so wenig überzeugend? Die öffentlich diskutierten mathematischen Corona-Modelle und Simulationen können Entwicklungen beschreiben und erklären, aber bei den Prognosen versagen sie in vielen Fällen. Um das verständlich zu machen, gehen wir auf drei repräsentative Beispiele mathematischer Modellierung etwas genauer ein.

  1. Nehmen wir die klassische Physik (und die darauf beruhende Technik). Die meisten Vorgänge der klassischen Physik lassen sich mit mathematischen Gleichungen, in der Regel mit Differentialgleichungen, vollständig erfassen. Ein schönes Beispiel sind die Zustände und Vorgänge der Elektrizität und des Magnetismus. Sie lassen sich mit wenigen mathematischen Gleichungen(in diesem Fall „partiellen“ Differentialgleichungen) sehr hoher Abstraktion beschreiben. Diese „Maxwell-Gleichungen“ bilden das zugehörige mathematische Modell. Die Auswertung dieser Gleichungen mit Hilfe geeigneter Algorithmen erlaubt die Beschreibung, Prognose und Optimierung der elektrischen und magnetischen Phänomene und Prozesse mit hoher Präzision. Die Maxwell-Gleichungen bilden damit auch die theoretische Grundlage der gesamten Elektrotechnik. Hier leistet die Mathematik das Maximum dessen, was man von ihr erwarten kann. Ähnliches gilt für alle Kernbereiche der klassischen und der modernen Physik und für alle ihre technischen Anwendungen. Der Siegeszug der Technik in den letzten 250 Jahren und die industrielle Revolution sind ganz wesentlich ein Siegeszug der mathematischen Modellbildung.
  2. Die Prognosemöglichkeiten kommen aber an Grenzen, wenn es sich bei den Phänomenen, die mit den mathematischen Modellen beschrieben werden, um chaotische Phänomene handelt. Als chaotisch wird ein (physikalisches) System oder Phänomen insbesondere dann bezeichnet, wenn es auf kleine (minimale) Änderungen der Bedingungen in der Ausgangssituation (in den Eingabedaten) mit großen (drastischen) Veränderungen im Verhalten, insbesondere im längerfristigen Verhalten, reagiert. Dafür gibt es eine Fülle von Beispielen, neben sehr einfachen physikalischen Systemen wie dem Doppelpendel auch hochkomplexe Systeme. Das fundamentale Beispiel eines chaotischen Systems, mit dem wir täglich zu tun haben, ist das Wetter. Auch wenn die ausgeklügelten mathematischen Wettermodelle, die feinkörnige weltweite Wetterdatenmessung und -erfassung, die höchst effizienten Algorithmen und die atemberaubende Rechengeschwindigkeit der Supercomputer heute eine erstaunlich genaue Wetterprognose für die jeweils nächsten Tage ermöglichen – deutlich über 10 Tage hinaus ist eine sichere Wettervorhersage (außer bei ungewöhnlich stabilen Wetterlagen) praktisch nicht möglich.

Dabei entziehen sich das Wetter und viele andere chaotischen Systeme und Phänomene wie das genannte Doppelpendel, Crashphänomene, turbulente Strömungen, Erdbeben, Vulkanausbrüche usw. nicht grundsätzlich einer mathematischen Modellierung. Denn es handelt sich bei solchen Erscheinungen nicht um vollständig zufällige, sondern durchaus um deterministische Ereignisse, bei denen aber eine sichere und längerfristige Vorhersage – insbesondere wegen der hochsensiblen Abhängigkeit von den Ausgangsdaten – nicht möglich ist.

Auch ohne die Corona-Phänomene vollständig verstanden zu haben, kann man nach Einschätzung des Autors heute davon ausgehen, dass chaotische Elemente bei der Übertragung der Viren, der Wirkung auf den menschlichen Körper und der globalen Ausbreitung der Pandemie durchaus eine Rolle spielen.

  1. Die Vorhersagemöglichkeiten sind noch weiter eingeschränkt, wenn man es mit individuellem menschlichem Verhalten und mit menschlichen Entscheidungen in kritischen Situationen zu tun hat, wie bei der Corona-Pandemie.   Da sind dann oft nur statistische Erfassungen, Beschreibungen und Aussagen möglich. Aber auch solche Phänomene kann man mit mathematischen Modellen zu beschreiben versuchen. Uns sind in den Medien, insbesondere in den TV-Talkshows (Illner, Maischberger, Will; Lanz usw.) die Ergebnisse solcher Modelle immer wieder präsentiert worden, von meist den gleichen, mittlerweile bundesweit bekannten Modellierern. Detailliertere Informationen über den mathematischen Charakter der Modelle hat man in den Medien dabei nicht erhalten – das verhindern schon die (meist ganz und gar nicht Mathematik-affinen) Moderatorinnen und Moderatoren. Eine Bewertung der Modelle ist allerdings auch bei genauer Kenntnis der Modell-Mathematik nicht einfach; letztlich werden die Modelle erst durch die Realität bestätigt (oder widerlegt).

Der Autor hat sich nur mit einem Modellierungsansatz („On COVID-19 Modelling“ von Robert Schaback) genauer auseinandergesetzt. Das Modell beschreibt die COVID-19-Epidemie mit einem (gemäß Robert Schaback vergleichsweise einfachen) System gewöhnlicher Differentialgleichungen. Aus Sicht des Autors ist das Modell sehr sinnvoll und überzeugend, es orientiert sich eng an den jeweils aktuellen, verfügbaren Daten. Demgegenüber erfasst z.B. das ebenfalls überzeugende Modell des Fraunhofer-Instituts für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM (Anita Schöbel et al.) auch die zeitlichen Verzögerungen bei der Corona-Übertragung. Die ernst zu nehmenden Modelliererinnen und Modellierer betonen, dass die Qualität der modellbasierten Vorhersagen sensibel von den jeweils verfügbaren Daten abhängt; deren Verfügbarkeit wird allerdings als häufig sehr unzureichend bezeichnet.

Differentialgleichungen modellieren das epidemische Geschehen eher makroskopisch, also gewissermaßen durch globale Betrachtung der Pandemieausbreitung, ähnlich einer Strömung oder einer Flut. Vom den einzelnen Individuen wird dabei abstrahiert. Daneben werden aber auch fundamental andere Modellierungsansätze verfolgt. Bei sogenannten „agentenbasierten“ Ansätzen wird z.B. versucht, das Verhalten und die Entscheidungen der einzelnen Individuen und die Auswirkungen dieser Entscheidungen auf das Gesamtsystem mathematisch zu erfassen. Ob diese Ansätze erfolgversprechender sind als die makroskopischen Ansätze, kann der Autor nicht fundiert beurteilen; er ist eher skeptisch.

Von Modellierern und Kommentatoren wird gelegentlich argumentiert, dass die politisch veranlassten Lockdown-Maßnahmen und Einschränkungen effektiver gewesen wären, wenn die Politik die Modellprognosen ernster genommen hätte. Das mag im Einzelfall zutreffen. Aber selbst bei intimer Kenntnis der zugrundeliegenden Mathematik ist eine objektive Bewertung der unterschiedlichen Modellansätze und Modellprognosen nicht einfach. Die Experten und Modellierer haben sich in vielen Fällen auch nicht einheitlich geäußert. Besonders deutlich sind die unterschiedlichen Positionen und fragwürdigen Empfehlungen der Experten bei den Impfstrategien geworden – mit der Folge einer fatalen Verunsicherung der Öffentlichkeit.

Schließlich: Dass mathematische Modellierungsmöglichkeiten in Extremsituationen und Katastrophen an prinzipielle Grenzen kommen, dafür ist der überaus tragische Verlauf der Loveparade in Duisburg im Jahre 2010 ein erschütterndes Beispiel.

Einfluss des Menschen auf das Ökosystem, eine KIT-Information bei You Tube-Kanal

(KIT) – Welche Spuren hinterlässt der Mensch auf seinem Planeten? Im Sommersemester 2021 befasst sich das Colloquium Fundamentale „Anthropozän. Die ökologische Frage und der Mensch, der sie stellt“ mit literarischen, künstlerischen und kulturellen Aspekten der ökologischen Debatte. Mit dem Vortrag „Natur – Mensch – Technik. Die Herausforderungen des Anthropozäns“ eröffnet die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Professorin Eva Horn die Vortragsreihe des ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) am Donnerstag, 6. Mai 2021 um 18:30 Uhr auf dem ZAK-YouTube-Kanal: http://www.youtube.de/ZAKVideoclips.

Die Erde ist fast 4,5 Milliarden Jahre alt. Im Vergleich dazu ist die Anwesenheit der Menschheit nur ein kurzer Wimpernschlag. Dennoch hat der Mensch spätestens seit der Industriellen Revolution so radikal in seine Umwelt eingegriffen, dass viele von einem neuen Erdzeitalter sprechen: dem Anthropozän. Dabei wird über die genaue Definition des Begriffs „Anthropozän“ noch diskutiert. Wie ist der geologische Wandel, den der Mensch auslöst, zu bewerten? Welche Konsequenzen hat der menschliche Einfluss für das globale Ökosystem und wie verändert sich dadurch unser Selbstverständnis?

Hier möchte das Colloquium Fundamentale ansetzen: Expertinnen und Experten unterschiedlicher Disziplinen sprechen kontrovers über den Menschen als geologischem Faktor. Im Eröffnungsvortrag am Donnerstag, 6. Mai 2021, gibt Eva Horn, Professorin für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Germanistik an der Universität Wien einen Überblick über die Anthropozän-Debatte, neue Begrifflichkeiten und zukünftige Herausforderungen für die Menschen.

Das Colloquium Fundamentale findet an den unten genannten Terminen in der Regel um 18:00 Uhr statt. Aufgrund der Pandemiemaßnahmen werden die Vorträge online live gesendet über den YouTube-Kanal des ZAK gesendet:. Eine moderierte Diskussion mit dem Publikum über Chat und E-Mail schließt sich jeweils an. (am)

Programm:

Donnerstag, 6. Mai 2021, 18.30 Uhr: Natur – Mensch – Technik. Die Herausforderungen des Anthropozäns

Prof. Eva Horn, Professorin für Neuere deutsche Literatur- und Kulturwissenschaft am Institut für Germanistik, Universität Wien

Donnerstag, 20. Mai 2021, 18:00 Uhr: Politische Ikonografie der Landschaft im Anthropozän

Prof. Peter Krieger, Kunsthistoriker und Bildwissenschaftler, Universidad Nacional Autónoma de México (UNAM)

Donnerstag, 10. Juni 2021, 18:00 Uhr: Wie lässt sich vom Menschen als geologischem Faktor erzählen? Auf dem Weg zu einer Poetik des Anthropozän

Prof. Gabriele Dürbeck, Professorin für Literatur- und Kulturwissenschaften, Universität Vechta

Donnerstag, 17. Juni 2021, 18:00 Uhr: Die Provokation des Anthropozäns

Prof. Helmuth Trischler, Professor für Neuere Geschichte und Technikgeschichte, LMU München / Leitung des Bereichs Forschung am Deutschen Museum & Direktor des Rachel-Carson-Center for Environment and Society

(Im Rahmen des Wissenschaftsfestivals EFFEKTE Karlsruhe)

Donnerstag, 1. Juli 2021, 18:00 Uhr: Das Anthropozän-Konzept – Von der Umwelt zur Unswelt

Prof. Reinhold Leinfelder, Professor für Paläontologie und Geobiologie, Freie Universität Berlin

Mein Brief an einen ehemaligen Sachverständigen der Bundesregierung

Brief eines glücklicherweise machtlosen Wissenschaftsjournalisten, der sich der Vernunft verpflichtet fühlt, an einen Wissenschaftler, der ehemals im Beratergremium der Bundesregierung fungierte, aber ebenso den mangelnden Einfluss der Logik beklagt, auf dessen Einladung in sein Institut an der Universität zu Stuttgart. Er hatte einen offenen Brief an die Wissenschafts-Gremien geschrieben

Lieber Professor,

vielen Dank für Ihre prompte Antwort, dank auch für die Übermittlung Ihres Kommentars in der NZZ. Ich bin natürlich im Konzert der Wissenschaftler eine Quantité négligeable, das heißt, ich bin kein Wissenschaftler, sondern versuche die Wissenschaft so zu übersetzen, dass auch normale Menschen daran teilhaben können. Grundsätzlich sind wir Brüder im Geiste. Ich frage mich natürlich, warum unsere logischen Ansätze mit sehr viel Energie gespickt, so wenig Resonanz finden. Im Parallel-Studium habe ich 8 Jahre lang in der Volkswirtschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln vor allem empirische Soziologie studiert, weil ich als kriegsgeschädigter Jüngling, groß geworden in Luxemburg, wissen wollte, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass ein zivilisiertes Volk, welches die Deutschen durchaus auch im Kaiserreich waren, einen solch verbrecherischen und psychopatischen nur Lautsprecher wie Hitler  eine Chance gegeben haben. Aus dieser Erkenntnis resultiert auch mein soziales und politisches Engagement – selbst im hohen Alter. Die Schlüsse, die ich daraus gezogen habe, auch wenn das an Sisyphus grenzt, bestimmen mein Handeln. Von Anfang an, als der WDR mir die Chance gab – ich war Studienrat für Mathematik und Physik an einer Berufsfachschule – habe ich mich eingesetzt für die Vermittlung von Verständnis für wissenschaftlich-technische fundamentale Tatbestände für jedermann – wohl unterscheidend zwischen populär und populistisch.

Ich sah voraus, dass die Expansion der Fülle der wissenschaftlichen Ergebnisse für Folgen haben müsste, wenn sich das Volk ausklingt. So wurde ich zu einer Art Prophet, der mit ‚Einführung in die Elektronik‘ (1972) den Übergang von der Röhre zum Transistor für Leute wie ich – ich war ja einmal Elektromechaniker, verständlich machte. Gegen den Spott meiner Kollegen aus der Kultur produzierte ich sogar bei den Nachbarkollegen in der Erwachsenen-Fortbildung die Sendung ‚Digitaltechnik, eine Einführung‘, weil mir natürlich als Ingenieur die Konsequenzen der Digitalisierung schon sehr früh bewusst waren. Eher gezwungenermaßen habe ich mich als Moderator selbst mit eingebracht, weil keiner dazu bereit war oder sich gebärdeten wie eine Art Opernsänger. Alles andere habe ich sozusagen 20 Jahre voraus prophezeit, der Übergang von der Hardware zur Software usw. Alles eigentlich für meine Kollegen, die Handwerker, nicht für die Akademiker.  Dass mir die Umwelt besonders am Herzen lag sieht man daran, dass ich meine erste Sendereihe unter dem physikalisch nicht ganz korrekten Titel ‚Energie, die treibende Kraft‘, 13 Folgen, 1969 als Autor geschrieben habe – drei Jahre vor der Veröffentlichung des ‚Club of Rome‘. Es waren Feature-Beiträge, unmoderiert mit vielen Schlüssel-Experimenten, damals noch mit handgemachten Video-Tricks, ohne Computer. Sie wurde Ende 1970 ausgestrahlt. Der zentrale Begriff war Nachhaltigkeit, dass unsere Kinder und Kindeskinder die gleichen Chancen behalten wie unsere Generation.

Übrigens, diese Serie wurde in allen dritten Programmen wiederholt und hatte den positiven Effekt: meine Kollegen in der Abteilung Wissenschaft und Kultur waren überrascht ob des Erfolgs, inklusive Chefs hatte ich daraufhin 30 Jahre lang  freie Bahn, meine Themen selbst bestimmen zu können. Ich bedaure alle Kollegen, die heute gewissen politischen und Erfolgs-Zwängen unterworfen sind. Nur selten kann man den Journalismus noch als frei bezeichnen. Der WDR hat z. B. einen extrem grünen Anstrich bekommen, so werde ich als Gründer der Redaktionsgruppe völlig negiert. Ich vermute, dass Ihnen, lieber Professor, ähnlich geht, obwohl Sie einmal als Medienberater der Bundespolitik unentbehrlich waren. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt und vielleicht kann ich Sie ein wenig beraten nach dem Prinzip ‚wie sage ich es meinem Kinde?‘, damit die Bürger ‚vor lauter Bäumen noch den Wald erkennen‘ können.

Ihren Artikel in der NZZ fand ich hervorragend, aber er war mit so vielen Informationen bespickt, dass ein nicht geschulter Mensch die Essenz daraus erkennen konnte. Ich glaube, die Entfremdung der Bürger, was die Populisten á la Trump bis zum letzten ausnutzen, liegt auch daran, dass wir Akademiker – insbesondere die Wissenschaftler – vielleicht sogar notwendigerweise, zu Art Parallelgesellschaft mutieren.

Gerne komme ich nach Stuttgart, freue mich auf die Begegnung und hoffe darauf, vielleicht eine Strategie zu entwickeln, wie wir die schlimmsten Folgen der politischen Traum-Tänzerei begrenzen können, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ich bin beidseitig geimpft und die Inzidenz ist so niedrig, dass wir eine Begegnung schon im Juni wagen können. Mein Sohn Joern, Professor für Biologie an der Universität in Straßburg, sagte mir, dass die Franzosen schon lange wieder Präsenz üben. Die Online-Methode kommt mir langsam zu Hals heraus.

Viele Grüße   Jean Pütz

Aserbaidschan – wann bereit für Europa ?

In Baku spielen heute Dänemark gegen Tschechien im Rahmen der UEFA Europameisterschaft.. Deshalb erinnere ich noch einmal an Aserbaidschan mit seiner Hauptstadt Baku und die teilweise durch Korruption und finanzieller Unterstützung Bundestagsabgeordneter erreichten Bemühungen dass Aserbaidschan zu Europa gezählt werden soll um ihm ein positives Image zu geben. Aber es passt nicht in die Vorstellungen von europäischen Menschenrechten. Das ist auch bei der Türkei problematisch. Deswegen möchte ich noch mal meinen Beitrag zum Krieg um Berg-Karabach wiederholen. Es sind Aserbaidschan und die Türkei die diesen Krieg angezettelt haben und Russland kochte dabei sein Süppchen. Es leben die Menschenrechte, es lebe der Frieden und der Rechtsstaat. Die UEFA verstößt im übrigen gingen alle drei fundamentalen Werte Europa’s.
Zum Nachdenken:

Rückbesinnung auf soziale Marktwirtschaft ? Ein Manager wird geehrt, der dies fordert –

Die soziale – und ich füge hinzu – die soziologische Marktwirtschaft ist zu verdanken, das Deutschland aus der totalen Zerstörung nach dem 2. Weltkrieg wie ein Phönix aus der Asche hervorgegangen ist. Das damals sogenannte ‚Wirtschaftswunder‘ beruhte auf Ideen, die bereits einige kluge Denker im 2. Weltkrieg gefasst hatten. Sie wollten ein Mittelding zwischen dem amerikanischen Kapitalismus, der durch größere Kreativität ermöglichende Freiheit der Wirtschaft als Gegenspieler zur Planwirtschaft des Kommunismus und Sozialismus schafft. Es war vor allen Dingen der in Frankfurt entstandene Ordo-Kreis unter Leitung von Walter Eucken, der den Begriff ‚soziale Marktwirtschaft ‚ prägte.

Umgesetzt in konkrete Politik hat ein Berater des damaligen Wirtschaftsministers Ludwig Erhard, mit Namen Professor Dr. Alfred Müller-Armack. Heute noch ziehe ich den Hut vor ihm, denn ich konnte an der Universität zu Köln seine von Logik durchsetzten Vorlesungen miterleben. Sein Erfolgsrezept: Er bezog nicht nur die Prozesse der Wirtschaft in sein Denken mit ein, sondern auch wichtige soziologische Gesetzmäßigkeiten, die das Verhalten von Menschen in der Gesellschaft beschreibt. Im Mittelpunkt stand die Preisbindung durch den Markt, in dem sich Angebot und Nachfrage begegnen. Das artet leicht in extreme Preisschwankungen aus, wie das heute noch an der Börse zu beobachten ist. Dieses sollte die soziale Marktwirtschaft zügeln, und zwar im Sinne, dass die Wirtschaft einen gewissen Freiheits-Spielraum behält, aber Auswüchse verhindert, z. B. durch Preisabsprachen, Korruption, direkte Eingriffe durch den Staat, usw. Die Überwachungsfunktion wurde einem möglichst unabhängigen Kartellamt übertragen, welches die Regeln auch durch notwendige Sanktionen und Strafen streng kontrolliert.

Schon am Anfang hat Müller-Armack auch die Nachhaltigkeit der Ökologie mit einbezogen. Wie ich selbst belegen kann, denn durch seine Vorlesungen hat er mich als Student der Volkswirtschaft und Soziologie an der Universität zu Köln von dem genialen Mechanismus der begrenzten Marktwirtschaft überzeugt. Ich bin stets Überzeugungstäter geblieben. Leider ist mit der Zeit der ökologische Aspekt in den Hintergrund getreten und die soziale Marktwirtschaft hat Kratzer bekommen. Es ist sehr schwer, Menschen von der Kraft der Selbstorganisation einer Gesellschaft zu überzeugen. Auf den ersten Blick scheint der direkte Eingriff plausibler, weil dem Einzelnen oft der Überblick verwehrt ist. Stichwort: Man muss da etwas tun, man glaubt, dass die staatliche Intelligenz größer ist als das freie Spiel der Markt-Kräfte.

Darunter leidet auch die derzeitig notwendige Bewältigung der Klimakrise. Die Grünen-Ideologie z. B. verkündet, dass Technologie-Verbote, direkte Gängelung der Bürger und populistische Plausibilität , das heißt, eine versteckte Planwirtschaft, unbedingt notwendig wären. Damit hebeln sie die geniale soziale und ökologische Marktwirtschaft aus, vielleicht ist ihnen das gar nicht bewusst. Nebenwirkungen und Risiken und die Wahl des kleineren Übels, welches bei wirtschaftlichem Handeln immer anfällt, wird ausgeklinkt, tradierte Verhaltensweisen der Menschen finden keine Berücksichtigung, obwohl die beabsichtigten Maßnahmen und die nach Mainstream entstandenen Gesetze in eine Sackgasse führen. Die Methode der unideologischen Optimierung, unter Einbezug der technischen Fortschritte, wird unterdrückt, was diametral der sozialen Marktwirtschaft entgegen steht.

Es war immer schon gefährlich, Wunschträumen nachzulaufen. In der Vergangenheit führten sie z. B. zum Faschismus, Kommunismus, orthodoxen Sozialismus und zu Kriegen, weil sich eine bestimmte Gruppe Vorteile davon versprach. Dass eine solche Zwangswirtschaft bar jeder Vernunft den inneren Frieden einer Gesellschaft zerstören kann, ist diesen ‚Tätern‘ schnuppe oder wird verdrängt.

Ihr Jean Pütz

(Morning Briefing) – Ludwig Erhard war der letzte Politiker in Deutschland, dessen Wirken ein wissenschaftliches Fundament besaß. Aus den Arbeiten der beiden Ökonomen Alfred Müller-Armack und Walter Eucken entwickelte er die Idee einer Sozialen Marktwirtschaft, in der sich die Marktkräfte von Angebot und Nachfrage unter staatlicher Aufsicht und Regelsetzung entfalten konnten. Der Staat war der Schiedsrichter, nicht der Mittelstürmer. Der Staat sorgte fürs Reglement, nicht für die Tore. Die mussten der Einzelne und seine Mannschaft, die man Firma nennt, schon selbst schießen.

Dieses Grundverständnis hat gelitten. Ludwig Erhard wird auch von CDU und CSU sonntags gefeiert und ab Montag wieder vergessen. Deshalb suchte der Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung, Roland Koch, einen würdigen Preisträger für seinen Ludwig-Erhard-Preis und hat ihn in Linde-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle gefunden. Koch begründete die Entscheidung wie folgt:

Wir brauchen erfolgreiche Wirtschaftsführer wie Reitzle, die über die politischen Bedingungen ihres Erfolges offen reden. Wir sehen oft eine lautlose Aushöhlung der Gestaltungsfreiheit der Unternehmer, Reitzle nimmt kein Blatt vor den Mund, dem zu widersprechen.

Grund genug für den Morning Briefing Podcast, das Gespräch mit Wolfgang Reitzle zu suchen. Der blickt auf Top-Management-Positionen bei BMW, Ford und Linde zurück. Er zählt zu den wenigen Unternehmensführern, die sich mit deutlichen Stellungnahmen auch auf das Spielfeld der Politik wagen.

Für Reitzle hat sich der Staat beim Pandemie-Management nicht gerade mit Ruhm bekleckert:

Der Staat hat alles an sich gezogen und sich dann in seiner eigenen komplexen Bürokratie verheddert.

Er fordert, die Staatlichkeit in Deutschland neu zu denken:

Der Staat muss sich zurückziehen. Dann kommt auch Wachstum.

Das Denkschema vieler Politiker betrachtet er als Hemmnis für weiteres Wachstum:

Wenn wir den Gerechtigkeitsbegriff als Gleichheit definieren, dann ist im Umkehrschluss Ungleichheit immer ungerecht. Diese Art zu denken bedeutet Gift für das Freisetzen dynamischer Märkte.

Fazit: Wolfgang Reitzle sagt, was er denkt. Und er tut, was er sagt. Er ist das, was die Amerikaner einen „good corporate citizen” nennen.

 

Methanol hilft Entwicklungsländer zu einer sozialverträglichen Industrialisierung und rettet das Klima – Ein Briefwechsel mit Bundesministerin Anja Karliczek

Wer hat eigentlich die Forderung aufgestellt, dass Deutschlands regenerative Energieversorgung der Zukunft ausschließlich vom eigenen Territorium aus erfolgen soll?

Diese Ansicht verhindert den Klimawandel. Aber wenn daran die übermäßig mit Sonnen-Energie überfluteten Entwicklungsländer an der Produktion der Zukunfts-Energie regeneratives Methanol mit großen Fotovoltaik-Felden  zur Wasserstoff-Produktion und anschließender Umsetzung in Methanol in grünes Methanol, welches sämtliche fossilen Energie-Träger ersetzen kann, beteiligt werden, hat die Klima-Rettung eine Chance.

Fazit: Eine Win-Win-Situation von Ländern im Zustand technischer Entwicklung und den Industrie-Länder, die durch übermäßigen CO2-Ausstoß die Klimakatastrophe eingeläutet haben. Es ist notwendig, der Vernunft eine Chance zu geben und nicht  einfach auf plausible Lösungen zu pochen. Die vorhandenen Technologien, um Häuser mit Energie zu versorgen, ebenso wie die Industrie und den Verkehr, können in nur leicht modifizierter Form ohne Milliarden Investitionen in angeblich revolutionäre Infrastruktur beibehalten werden.

Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Lesen Sie dazu meine Mail an die Bundesministerin Frau Anja Karliczek, der diese Idee präzisierte, ihre Antwort und anschließend meine durchaus hoffnungsgetragene Reaktion darauf.

Jean Pütz

Liebe Frau Karliczek,
bitte entschuldigen Sie, dass ich Sie direkt anspreche und diese Mail auch Ihnen persönlich zugeleitet wird.

Nachdem ich erfahren habe, dass das Leibniz-Institut in Strahlsund bzw. Rostock die notwendige Technologie entwickelt hat, um aus solarem Wasserstoff regeneratives Methanol zu gewinnen, habe ich das zu einem Gesamt-Konzept entwickelt, die Entwicklungspolitik und unsere ureigenen Interessen, den Klimawandel zu begleiten, mit sinnvollen Maßnahmen zu verknüpfen. Bitte lesen Sie dazu unbedingt meinen an das Leibniz-Institut geschriebenen Beitrag. Sogar der Präsident, Prof. Kleiner hat mir darauf sehr positiv geantwortet. Bitte legen Sie es nicht ad acta als Beispiel eines Spinners, sondern betrachten Sie es als dringende Notwendigkeit, eine Sackgasse zu verhindern.

Ich hoffe, Sie werden auch nach den Wahlen weiterhin Ihren Posten behalten, ansonsten wäre es ein tolles Abschiedsgeschenk an die deutsche Gesellschaft. Es würde viele weitere Subventionen ersparen. Ich habe sämtliche meiner  Erkenntnisse in Sachen ehem. Dipl. Ing für Elektrotechnik, Physiker und Soziologe zusammengefasst, das ausufernde Spezialistentum wird immer mehr Probleme bereiten, in Ihrer vierjährigen Tätigkeit haben Sie bestimmt darunter gelitten. Vor lauter Bäumen verliert sich den Wald aus dem Blick.

Herzliche Grüße
Ihr Jean Pütz
Wissenschaftsjournalist

Klimarettung mit regenerativem Methanol – ein globales Konzept! Von Jean Pütz

Eine Mail an die Leibniz-Gemeinschaft zu einem Seminar zum Thema: ‚Wo steht heute die
Energiewende?‘
Auf diese Mail hat sogar schon der Präsident der Leibniz-Gemeinschaft, Professor Kleiner,
geantwortet. Der Brief richtete sich zunächst an den Pressesprecher der Leibniz-Gemeinschaft, enthält aber das Gesamt-Konzept zur globalen Lösung zur CO2-neutralen Lösung der Klimaerwärmung – weitab vom Wunschdenken und beruhend auf einer genialen Entwicklung (Erfindung) des Leibniz-Instituts Stralsund.

Lieber Herr Herbort-von Loeper,
ich habe eine inständige Bitte: Auch wenn es in sämtlichen Mainstreamdiskussionen nicht
berücksichtigt wird und leider viele Institute, selbst Helmholtz, wegen der üppigen staatlichen Förderung auf political correctness geschaltet haben. Ich will mich auf das Wesentliche beschränken.
Es ist reines Wunschdenken, dass die Energieversorgung in Zukunft in Deutschland ausschließlich aus regenerativen Quellen durch einheimische Solarthermie, Fotovoltaik, Wind-Energie und Wasserkraft bedient werden könnte. Selbst für die elektrische Energie trifft das wegen des Widerstands gegen neue Hochspannungstrassen, Windparks und Anlegen neuer Pumpspeicherwerke nicht zu. Die Fotovoltaik kann zwar noch erweitert werden, aber Deutschland hat das Pech, sich in einem Klimabereich zu befinden, in dem die Sonne nur temporär, also nicht besonders intensiv aktiv ist.

Natürlich müssen alle Anstrengungen erfolgen, um das Maximum zu erreichen. Deswegen schlage ich ein weltumspannendes Ausgleichs-System vor. Zentrale Rolle spielt dabei der solare Wasserstoff. Hierzulande wird er nur diskutiert, um überschüssige Energie von Sonne und Wind, die temporär den Bedarf übersteigt, zu speichern. Aber auch da ist der Wunsch der Vater des Gedankens.
Uniformierten Bürgern wird weißgemacht, Die Energie des Wasserstoffs könnte man eins zu eins in Strom umwandeln, das wird auch noch geglaubt, weil das Wissen um den 2. Hauptsatz der Thermodynamik sehr wenig verbreitet ist. Für die meisten Schüler ist zum Beispiel Entropie ein Unwort, welches sie nicht begreifen.
Also ganz klar, um Wasserstoff in Strom zu verwandeln, entstehen große Verlust und auch die Brennstoffzelle ist diesen Gesetzen unterworfen und nicht besser als ein Verbrennungsmotor, insbesondere angetrieben durch Methanol. Doch das wird in der Mainstream-Diskussion unterdrückt.
Ganz klar, solarer Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft, aber schwer händelbar und nur unter Verflüssigung bei -252°C oder unter sehr hohem Druck speicherbar. Aber Physik und Chemie bieten eine Alternative. Wasserstoff kann unter Mitwirkung der Sonnenenergie und Kohlenstoff in Form von CO2 in Alkohole verwandelt werden. Bekanntlich ist Alkohol flüssig, besonders interessant ist das Methanol. Wenn Sie mich fragen, das ist der Energieträger, der alle fossilen Treibstoffe ersetzen kann.
Übrigens: Wegen seiner hohen Klopffestigkeit kann er bei wesentlich höheren Explosions-Temperaturen z. B. in Otto-Motoren in Bewegungs-Energie und über einen Generator in elektrischen Strom umgesetzt werden. Das bedeutet nach dem 2. Hauptsatz der Energie, dass mit ihm extrem hohe Wirkungsgrade erreicht werden, jedenfalls selbst in Otto-Motoren wesentlich mehr als der Diesel, das heißt über 50%. In Hochtemperatur-Brennstoffzellen ist dieser Wirkungsgrad schon spitze.

Bleibt noch das Problem, dass CO2 bei der Produktion von regenerativem Methanol beteiligt werden muss. Theoretisch könnte das sogar aus der Atmosphäre gewonnen werden – eine Art CO2-Senke.
Praktisch lässt es sich aber auch aus unvermeidbaren Verbrennungsprozessen problemlos abscheiden, unter geringem Druck verflüssigen und in einer Art Kreislauf recyclen.
So, und nun meine Idee, die mir als engagierter Entwicklungs-Stratege gekommen ist: Oft ist es so, dass die Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika, über viel mehr Sonnenergie verfügen, als die Industrieländer, die sich bekanntlich in den mittleren Breiten angesiedelt haben. Wie wäre es, wenn in diesen Ländern große, sozial-verträgliche Industriezweige etabliert würden, die dieses Methanol in großer Menge produzieren könnten. Auch die Industrie in unseren Breiten ist historisch dort entstanden, wo zunächst Wasserkraft genutzt werden konnte. Aber richtig ging es erst dort los, wo fossile Energieträger abgebaut werden konnten. Das gilt zumindest für Europa. Nun weiß ich als Soziologe, dass das einen langen Prozess nach sich zieht. Aber uns Europäern würde das schon
heute nutzen, denn das Manko, welches bei uns Mitteleuropäern besteht, ausreichend regenerative Energien zur Verfügung zu haben, könnte durch globalen Methanol-Handel ergänzt werden. Ich bin um so mehr von dieser Möglichkeit überzeugt, als die bisher Erdöl produzierenden Länder mit fliegen Fahnen ebenfalls diese Chance wahrnehmen würden. Die haben genügend Kapital, um bei der Finanzierung entscheidende Impulse zu setzen – eine Win-Win-Strategie im wahren Sinne des Wortes, denn Methanol kann ohne Änderung der Infrastruktur überall dort eingesetzt werden, wo heutzutage Milliarden an Investitionen notwendig würden, um die treibende Kraft der fossilen Treib-und Brennstoffe zu ersetzen. Das gilt sowohl für den Wärmemarkt, auf den z. B. unsere Gebäude zum Heizen und Kühlen angewiesen sind, als auch dem Verkehr, für den eine Industrie-mordende Revolution nicht nötig wird.
Übrigens, in Mecklenburg-Vorpommern gibt es kluge Ingenieure, die helfen werden, das alles von der Theorie in die Praxis zu führen. Es lohnt sich deshalb, den Inhalt des anliegende PDFs zu würdigen.

Lieber Herr Herbort-von Loeper,
bitte tun sie das nicht ab als die Idee eines Spinners. In meinem Vorleben war ich einmal Dipl. Ing. der Elektrotechnik, Oberstudienrat in Physik und Mathematik mit nebenbei abgeschlossenem Studium der Soziologie.
Ich weiß, die Themen solcher Veranstaltungen werden früh abgestimmt, aber vielleicht können Sie diese Idee noch dazwischen zu schieben. Wenn nicht, wäre ich Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir meine Denkfehler mitteilen würden.
Mit freundlichen Grüßen
Jean Pütz


Hier geht’s zum Antwortbrief von Bundesministerin Anja Karliczek


Liebe Frau Anja Karliczek,

über Ihren prompten Antwortbrief habe ich mich sehr gefreut, insbesondere, weil er so umfangreich war und viele meiner Wünsche und Hoffnungen abdeckt. Ich möchte nicht an Ihrer Stelle sein mit der Vielfalt Ihrer Aufgaben, denn die Forschung ist mittlerweile so umfangreich geworden, dass es sehr schwer fällt, Entscheidungen zu finden, die unsere Zukunft betreffen. Vielleicht sollte die Politik einmal überlegen, ob diese Aufgaben überhaupt von einem einzelnen Menschen verantwortungsvoll bewältigt werden kann. Seit ich vor über 50 Jahren verantwortlicher Wissenschaftsredakteur geworden bin, hat sich der Umfang der gesamten wissenschaftlich-technischen Erkenntnisse und Methoden um mindestens das Hundertfache vermehrt. Die Folge ist, dass selbst die Auswahl des Beratergremiums eine diffizile Sache geworden ist, auch, weil Sie so viele Spezial-Interessen von diversen staatlichen und Industrie-nahen  Forschungsinstituten, NGOs und Lobbyisten berücksichtigen müssen. Jeder Fachmann, vom Ministerium hinzu gezogen, versucht seine individuellen Erkenntnisse in Ihr Entscheidungsfeld einzubringen. Oft vertreten sie aber nur das Interesse ihres Spezial-Gebietes, so dass es außerordentlich schwer fällt, es jeweils in den richtigen Rahmen einzuordnen und den Überblick zu wahren. Der eigene Tellerrand ist die Grenze und dann kommt noch hinzu, dass die Schwarmintelligenz, von der Soziologie der Kleingruppen getrieben, das Pendel oft willkürlich  in die eine oder andere Richtung treibt. Dann gibt es ja auch noch das Prinzip des political correctnis, die diejenigen dazu verpflichtet, die oft einen so oder so gearteten Volkswillen – genannt Mainstream – zu entsprechen. Alle zerren sie an Ihren Rock, ehrlich gesagt, ich beneide Sie nicht.

Da besteht z. B., was die Klimawende anbelangt, die Forderung, die Energiewende zunächst ausschließlich aus Deutschland heraus als Vorbild zu initiieren. Dann pfuschen Ideologen noch in Ihr Metier, die nach dem Motto verfahren, was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Vielleicht wissen Sie, dass ich mir selbst seit meinem Einstieg in den Wissenschaftsjournalismus nicht nur die Aufgabe gesetzt habe, über wegweisende wissenschaftliche und technische Errungenschaft die Bürger zu informieren, unabhängig von ihrem Bildungsstand, sondern auch versuche – ähnlich wie Sie – Vorschläge zu machen, die eine Optimierung notwendiger >Maßnahmen zum Ziel haben – nach dem Motto des kleineren Übels. Das ist übrigens der Grund, weshalb ich nie radikaler Ideologe wurde, alles lässt sich verbessern. Wenn aber das Wunschdenken Verbesserungsvorschläge überdeckt, versuche ich selbst heute noch als ‚Rentner‘ auf diese Widersprüche aufmerksam zu machen.

Es ist wohl selten, dass ein Journalist eine solche Vorgeschichte hat wie ich. Als ehemaliger Handwerker in einem Eisenhüttenwerk, Dipl. Ing., Pädagoge bis hin zum Oberstudienrat für Mathematik und Physik und studierter Soziologe, kann ich auf Erfahrungen zurückgreifen, die Mondschlösser von der Realität unterscheiden. Als Fachmann auf dem Gebiet der Elektrotechnik kann ich Ihnen versichern, dass die Mär von der aus Deutschland heraus mit Ressourcen von Sonne, Wind und Wasserkraft aufbauenden  rein regenerativen Versorgung des Stromnetzes ins Leere greift. Insbesondere, weil der Abruf von elektrischer Energie durch immer mehr anfallenden Anforderungen, wie z. B. Elektromobilität und Wärmeversorgung von Gebäuden sich in nächster Zeit potenzieren wird. Das verkraftet nicht einmal der europäische Hochspannungs-Verbund, es sei denn, es wird wegen der Netzstabilität auf Atomstrom aus Frankreich oder Braunkohle-Strom aus Ost-Europa zugegriffen. Aber das ist ja nicht im Sinne der Erfinder.

Das Verbot von Verbrennungsmotoren ist so schwachsinnig, dass ich es nicht fassen kann, dass das deutsche Volk der Techniker, Erfinder und Denker das für notwendig erachtet und Gesetzes-Charakter bekommt.

Bisher hat mir noch kein Wissenschaftler erklären können, wie die tausende von Tera-Watt-Stunden gespeichert werden können, die nötig sind, um Flauten von Sonne, Wind und Wasserkraft zu überwinden. Der wohlfeile Rückgriff auf grünen Wasserstoff wird manchmal vorgehalten, aber die Energie des schwer zu händelnden Wasserstoffgases muss ja auch erst in elektrischen Strom umgewandelt werden. Das geschieht am wirtschaftlichsten mit Verbrennungsmaschinen, verbunden mit einem intelligenten Generator. Klar, auch Brennstoffzellen können dies ohne sichtbare Bewegung vollbringen, aber die sind auch dem 2. Hauptsatz der Thermodynamik, das ist der mit der Entropie, unterworfen. Verbrennungsmaschinen haben es in hundertjähriger Entwicklung zur Perfektion gebracht, das mit den Brennstoffzellen liegt noch für den Massenstart im St. Nimmerleins-Land.

Ich freue mich, dass die Forschung in Deutschland – wie Sie mir in Ihrem Brief ausführlich berichtet haben – so vielfältig ist, dass über den grünen Wasserstoff mittlerweile die Technologie entwickelt wurde, in der zweiten Stufe Methanol zu produzieren. Aber bisher lag der Schwerpunkt stets nur auf der Verwertung von regenerativem Strom aus Deutschland. Die soeben in Betrieb genommene Hochspannungs-Gleichstromleitung von 55 Kilovolt im Austausch mit Norwegen, ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. OK, auch das scheint notwendig zu sein, bringt aber keineswegs die rettende Stabilität des Netzes, hat also mehr wirtschaftliche Ursachen und reicht bei weitem nicht aus, die regenerative Versorgung Deutschlands zu gewährleisten

Während meines Studiums habe ich mich sehr in der Entwicklungshilfe engagiert und z. B. als Vorsitzender des Internationalen Studentenbundes Arbeits- und Studienaufenthalte in Entwicklungsländern für Studenten organisiert. Aber nicht nur deshalb schätze ich z. B. unseren Bundes-Entwicklungshilfe-Minister Gerhard Müller und habe ihn in seiner wertvollen Arbeit immer unterstützt. Sollten Sie mit ihm Kontakt haben, sprechen Sie ihm bitte mein höchstes Kompliment aus. Leider zieht er sich aus der Politik zurück.

Ich bin sicher, dass er meine folgende Idee begrüßen wird. Den Frieden auf der Welt können wir letztlich nur erreichen, wenn die Entwicklungsländer schon aus sozialen Gründen, in unserem eigenen Interesse, in die Bemühungen um den Klimawandel intensiv einbezogen werden. Am deutschen Wesen allein wird die Welt nicht genesen.

Die übermäßig mit Sonne überfluteten Länder der sogenannten 3. Welt können auf diese Weise an eine nachhaltige Industrialisierung heran geführt werden. Nirgendwo stehen so viel Flächen zur Verfügung, um mit Fotovoltaik grenzenlos Strom zur Wasserstoffproduktion an Ort und Stelle zu erzeugen und in der zweiten Stufe das regenerative Methanol. Zwar ist dazu auch CO2 als Wertstoff erforderlich, aber theoretisch kann der aus der Atmosphäre gewonnen werden oder – viel wirtschaftlicher – aus recyceltem Kohlendioxid. Dieses Kohlendioxid, welches in vielen von notwendigen Verbrennungsprozessen anfällt, lässt sich leicht abfangen.  CO2 abzuscheiden stellt kein technisches Problem dar und ist schon bei geringem Druck verflüssig- und transportierbar.

Die Entwicklungsländer, ebenso wie die Industrieländer, die seit über 100 Jahren für die Klima-Misere verantwortlich sind, könnten sich zu einer idealen Win-Win-Situation zusammenfinden, auf Augenhöhe und sozialverträglich. Methanol ist in der Lage, sämtliche Fossilenergieträger wie Kohle, Erdöl, Erdgas zu substituieren. Auch die meisten Raffinerien werden überflüssig, denn es ist im flüssigen Zustand sowohl in der Chemie als auch als intelligenter Brennstoff in Gebäuden, im Verkehr und in Kraftwerken ohne hohe staatliche Subventionen und Investitionen in revolutionäre Umbauten einsetzbar. So nebenbei erwähnt als Physiker: Methanol besitzt eine sehr hohe Klopffestigkeit, so dass in den Kolben von Motoren höhere Verbrennungstemperaturen möglich sind. als bei Benzin oder Diesel. Damit verbunden bisher unerreichte  thermische Wirkungsgrade von über 50%.

Im HyperHybrid-Lademotor eingesetzt,  fördert es somit auch die erschwingliche Elektromobilität für jedermann mit maximal 2-3 Liter auf 100 Kilometer eines Mittelklasse-Wagens. Die Prototypen existieren – alles garantiert CO2-neutral.

Liebe Frau Bundesministerin Anja Karliczek, zum ersten Mal habe ich Hoffnung, dass in dieser Konstellation mit dem Super-Energie-Träger Methanol – weltweit akzeptiert – die Klimawende gelingen kann. Hoffentlich springen die bisherigen Mainstream-Ideologen über ihren eigenen Schatten und lassen sich darauf ein. Gerne bin ich bereit, mit jedem, der mir einen Gedankenfehler nachweisen kann, zu diskutieren.

Im Moment versucht die CDU, das Wahlprogramm für die Bundestagswahl unter dem wichtigen Aspekt der sozialverträglichen Klimawende und unter Erhaltung der Arbeitsplätze zu entwickeln. Nur mit grünem Methanol ist das möglich, glauben Sie mir. Ihr CDU-Vorsitzender kennt mich sehr gut. Er war auch verantwortlich dafür, dass mir das Bundesverdienstkreuz überreicht wurde. Wie wäre es, wenn Sie ihn dazu bringen würden, in sein Konzept einzubringen. Deutschland kann Industrieland bleiben und die grünen Ideologen würden von ihrem hohen Ross bzw. von ihrem Bau von Mondschlössern heruntergeholt

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Jean Pütz

Endlich Klimarettung möglich ohne die Wirtschaft zu ruinieren

Das Zauberwort heißt: Technologieoffenheit und nicht Verbote
Viele Maßnahmen, die derzeit – teilweise schon mit vom Bundestag verabschiedeten Gesetzen – getroffen worden sind, um in Zukunft die Weltklimaerwärmung auf maximal 1,5°C zu begrenzen, laufen nicht nur ins Leere, sondern überfordern den Staatssäckel besonders jetzt nach der enormen Belastung durch Corona. Die Parteien behaupten zwar, das ginge alles, in dem man die Bevölkerung mitnehmen könnte, ohne ihnen durch die notwendige Umstellung der Wirtschaft zu viel zuzumuten. Aber sie werden ihr Wunder erleben, denn das sind Mondschlösser, jedenfalls in der Form, wie es bisher angedacht wurde. Immer noch wird auf Technologie-Verbote und – um diese zu rechtfertigen – staatliche Subventionen in Milliarden-Höhe gesetzt. Das alles in der vagen Hoffnung, dass wir aus Deutschland heraus mit gutem Beispiel der Welt zeigen, wie es funktionieren könnte.

Bitte schauen und hören Sie sich zunächst meinen wie immer frei moderierten Beitrag an. Ich gebe zu, dazu müssen Sie sich ein wenig Zeit nehmen, aber die Vorschläge sind so revolutionär, dass ich das nicht mit ein paar Worten darstellen kann. Ich hoffe einige der vernunftbetonten Parteien legen diese Vorschläge nicht ad acta, damit später keiner sagen kann, er hätte es nicht gewusst. In den nächsten Jahren werden wir, wenn jetzt nicht reagiert wird, wirtschaftliche Probleme entstehen, die nicht den Wohlstand und unseren inneren Frieden bedrohen, sondern auch unseren Rechtsstaat überfordern werden. Ich denke, jetzt, vor den für unsere Zukunft entscheidenden Bundestagswahlen, sollten Sie nicht auf Rattenfänger reinfallen, die wohlfeil auf ihr Gefühl setzen und trotz guten Willens den Klimawandel nicht aufhalten können.

Auch der nächste Text wird Sie strapazieren. Bitte nutzen Sie die Rubrik ‚schriftliche Kommentare‘, um mir entweder die Leviten zu lesen oder zuzustimmen. Ich bin keine Cassandra, sondern ein Optimist, der auf die Vernunft setzt. Herzlichen Dank
Die Lippenbekenntnisse der meisten Staaten in den Klimakonferenzen werden oft als Beleg aufgeführt, dass die beschlossenen Maßnahmen funktionieren würden. Besonders die Schwellenländer wie Indien, China und Brasilien, die derzeit den größten CO2-Ausstoß verursachen, machen überhaupt keine Anstalten, dem nachzukommen.
Dann gibt es ja noch das Elend, welches nicht nur durch Corona in den vielen Entwicklungsländern existiert. Noch nie waren so viele Menschen auf der Flucht wie heutzutage. Obwohl diese Länder oft vom Klimawandel gebeutelt sind, können sie mit dem Begriff ‚Klimarettung‘ wenig anfangen, weil es vielfach ums nackte Überleben geht.
Als ehemaliger Student, der sich sehr in der Entwicklungspolitik engagiert hat, und in Anbetracht der intensiven Beobachtung technisch-wissenschaftlicher Entwicklungen, habe ich daher mit Interesse Forschungen verfolgt, die in Deutschland, z. B. in Rostock und Strahlsund und in anderen Instituten betrieben werden, und sich mit der Zukunfts-Energie ‚grüner Wasserstoff‘ beschäftigen. Aber ehrlich gesagt, Wasserstoff als großer Hoffnungsträger für eine Versorgung mit nachhaltigen Energien, hat aus physikalischen Gründen seine Probleme. H2 erzeugt zwar keine Abgase, ist aber als Gas sehr flüchtig und ist nur unter großen Investitionen in die Infrastruktur zu händeln. Er lässt sich erst bei Minus 252°C verflüssigen, deshalb wurde bisher darauf gesetzt, ihn in Druckbehälter mit über 800 bar zu speichern. Selbst ins vorhandene Erdgas-Pipeline-Netz zu verteilen, ist wegen seiner Flüchtigkeit (Stichwort: Knallgas) und Explosivität ein großes Problem.

Aber die Kreativität der Forscher, die über den Tellerrand hinweggeschaut haben, machen ihn trotzdem jetzt überall einsetzbar, wo bisher CO2-produzierende fossile Energieträger die Umwelt verpesten. Retter ist nicht das Wasserstoffgas selbst, sondern die völlig regenerative Verwandlung in Methyl-Alkohol, kurz Methanol genannt, ist in der Lage, seine Energie gebrauchsfreundlich in eine hochenergetische Flüssigkeit umzusetzen.

Dieses grüne Methanol übernimmt für mich viel anwendungsfreundlicher alle Vorteile des solar-gewonnenen Wasserstoffs. Seine fantastischen physikalischen Eigenschaften machen es überall dort einsatzfähig, wo bisher Kohle oder Erdöl in Kraftwerken oder auch in unseren Gebäuden zur Erzeugung der notwendigen Wärme oder Kälte, ebenso im Verkehr in Form von Diesel, Benzin oder Schweröl und in der Industrie als Rohstoff verwendet wurden. Damit ermöglicht es eine Klima-neutrale Volkswirtschaft, so wie NRW-Ministerpräsident und CDU-Vorsitzender Armin Laschet das kürzlich gefordert und ins Wahlprogramm übernommen hat.

Aber ein Problem gibt es dabei: Die regenerative Versorgung unseres gesamten Energiebedarfs in Deutschland ausschließlich aus unserem Territorium, muss scheitern, und reicht bei der Fülle der zukünftigen Aufgaben der Elektrischen Energie bei weitem nicht aus, selbst wenn Deutschland voll bespickt wäre mit Windrädern und Fotovoltaik. Die Millionen von Terawatt-Stunden überfordern Sonne, Wind, Wasserkraft und vor allen Dingen unsere Bevölkerung, die sich in Bürger-Initiativen gegen zu viel Windräder oder Hochspannungstrassen wenden. Selbst Milliarden-Investitionen z. B. in ein See-Kabel (500.000 Volt Gleichstrom), welches Norwegen mit Deutschland wegen seiner überschüssigen Wasserkraft verbindet, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein und ersetzt bestenfalls ein Kernkraftwerk, von denen sich Deutschland ja jetzt völlig verabschiedet. Die Aversion gegen Hochspannungsleitungen erzeugt auch Widerstände, wenn die notwendigen Trassen von Nord nach Süd in eben solche Erdkabel verlagert werden. Das kostet jedoch über sieben Mal mehr als Hochspannungsleitungen über der Erde. Wer soll das bezahlen – wir Verbraucher? Für Subventionen ist dafür kein Geld vorhanden – selbst nicht im reichen Bayern. Aber es gibt Abhilfe.

Noch eine Todsünde des Volksglaubens: Wer hat sich eigentlich ausgedacht, dass das als hochstilisierte Elektroauto überhaupt einen Beitrag zur Klimarettung leisten kann? Allein schon vom enormen Volumen an elektrischem Energie-Verbrauch, ist die Einspeisung aus Deutschland heraus, eine unverschämte Zumutung. Dass Elektromobilität auch ganz anders definiert werden kann, beweist das HyperHybrid-Auto, welches allerdings ideologisch verworfen wird, weil ein klitzekleiner, in der derzeitigen grünen Ideologie verbotener Verbrennungsmotor, das Problem lösen hilft. Sogar die Automobil-Industrie ist darauf reingefallen und baut sich selbst ab, solange sie diese als Prototyp existierende Methode nicht aufgreift. Sie würde die Elektro-Mobilität mit geringstem Verbrauch und für jedermann erschwinglich auch ohne 9.000 Euro staatliche Verkaufshilfe eröffnen. Ein kleiner mit Methanol angetriebener Lademotor, der nur eine ein Siebtel so große Batterie dann aufläd, wenn der Antriebsmotor einen höheren Beschleunigungsbedarf hat, reduziert im sogenannten HyperHybrid-Auto den Verbrauch auf maximal 3 Liter pro 100 Kilometer mit extremer Reichweite – ohne beschwerliches Zwischenladen bei einem Tank von 30 Litern. Der eigentliche mechanische Antrieb erfolgt ausschließlich mit Elektromotoren. Bei dem existierenden Prototypen handelt es sich um zweimal 60 Kilowatt E-Motoren.

Das ist ein Beispiel dafür, dass neuere technische Entwicklungen verblüffende Lösungen ermöglicht, ohne Deutschland wirtschaftlich ins Hintertreffen zu bringen. Die Automobil-Industrie, der Exportschlager der Deutschen, verliert sonst mit dem reinen E-Auto immer mehr seine Weltgeltung.
Aber woher das grüne Methanol nehmen, wenn nicht stehlen? Wer sagt, dass die regenerative Energie nur aus Deutschland kommen soll, ein weiterer Irrtum, den die Grünen bisher gar nicht berücksichtigt haben. Als Klimaschützer der ersten Stunde und an der sozialverträglichen Entwicklung der ‚3.- oder besser gesagt 1. Welt‘ fundamental Interessierter, habe ich den Blick über die Grenzen Deutschlands hinweg gewagt. Methanol-Technologie und auch der technische Fortschritt der Fotovoltaik, machen es möglich, dass völlig neu gedacht werden kann. Die noch sehr teuren Solarzellen, aufbauend auf dem Rohstoff Silizium, können demnächst viel billiger werden und Strom in Hülle und Fülle fast kostenfrei produzieren. Auch darin ist Deutschland in der Entwicklung führend. Die sogenannte auf Perowskit (ohne Silizium) aufbauende Fotovoltaik macht es möglich, elektrischen Strom überall dort, wo die Sonne die Länder verwöhnt, also im vom Klimawandel gebeutelten Entwicklungsländern fast kostenfrei beliebig viel Strom zur Verfügung zu stellen. Voraussetzung ist, dass die politischen Verhältnisse es zulassen. Aber die sind ja auch durch die extreme Armut geprägt und der Terrorismus ist einer dieser Verursacher. Wenn die wirtschaftlichen Verhältnisse verbessert werden, kann sich das schlagartig ändern. In diesen Ländern besonders durch die Klimawandel bedingten Ausbreitung der Wüsten, stehen hunderttausende von Quadratkilometern Brachflächen zur Verfügung, ausreichend, um fast den gesamten Energiebedarf der Welt zu bedienen.

Hier mein Vorschlag: Wie wäre es, wenn wir in diesen Ländern, also an Ort und Stelle, den Aufbau von riesigen Fabriken unterstützen oder über den Kapitalmarkt finanzieren lassen, die zunächst den solaren Wasserstoff über die Elektrolyse erzeugen und in der zweiten Stufe das regenerative Methanol. Dazu ist zwar CO2 erforderlich, wird also zum Wertstoff und kann dort aus der Luft gewonnen werden, oder viel effizienter durch Kohlendioxid, welches im Kreislauf recycelt wird. Es ist sehr leicht aus Abgasen zu gewinnen, nur unter geringem Druck zu verflüssigen und als Kohlensäure zu transportieren. Das heißt, CO2 darf als Wertstoff nicht verteufelt, sondern im Rahmen der Methanol-Technologie klimaneutral im Kreislauf eingesetzt werden. Auch das gewonnene grüne Methanol lässt sich überall dorthin transportieren, wo bisher fossile Brennstoffe benötigt werden.
Kritische Beobachter werden nun sagen, eine solche Idee gab es schon einmal mit dem Projekt Dessert-Tech. Doch da ging es um die Produktion von Strom, und das ist am Transport über Hochspannungsleitungen nach Europa gescheitert, und die jeweiligen Länder hätten keinen Vorteil daraus gewonnen. Aber das ist mit flüssigem grünen Methanol kein Problem und es kann billiger werden als fossile Brennstoffe.
Übrigens, das alles hat die Forschung in Deutschen Instituten entwickelt und sehr sinnvoll gefördert mit relativ geringen staatlichen Subventionen durch das Forschungsministerium, Anja Karliczek. Damit kann auch extrem sinnvolle Entwicklungshilfe initiiert werden. Noch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller wird es freuen.

Schon in der Geschichte der Industrialisierung entstanden dort Arbeitsplätze, wo sich Energielagerstätten befanden. Wichtig ist, dass die Politiker in diesen Länder dafür sorgen, dass die vielen Arbeitsplätze, die in solchen Fabriken an Ort und Stelle entstehen, nicht mit Ausbeutung der Arbeiter verbunden sind, wie das in Europa der Fall war und Marcks und Engels zu den Büchern über das ‚Kapital‘ und dem Satz veranlassten: ‚Proletarier aller Länder vereinigt Euch‘. Wie wir heute wissen, muss das nicht im Kommunismus enden. Aber was Deutschland anbelangt, könnte zumindest das gerade im Bundestag beschlossene ‚Lieferanten-Gesetzt‘ dazu verhelfen, diese Politiker zur Raison zu bringen, damit neuen Technologien nicht in Kinderarbeit und Ausbeutung der Arbeiter ausarten.
Alles in allem würde durch die sonst so von Emotionalisten verteufelte Industrie und Technologie in einer Win-Win-Situation helfen, herkömmliche Industrieländer und Entwicklungsländer auf Augenhöhe zusammen zu bringen. Das wäre auch ein Bollwerk gegen die neue imperialistische Methode Chinas, sich die Länder der 1. Welt durch Kredite zum Aufbau einer Infrastruktur politisch gefügig zu machen.
Fazit: Nur eine solche faire Kooperation macht letztlich den notwendigen Klimawandel erfolgreich. Es gibt viel zu tun, packen wir es an.

Um meine Vorschläge zu untermauern möchte ich Ihnen auch den Schriftverkehr den ich mit dem BMFT, dem Forschungsministerium und ihre Ministerin Frau Anja Karliczek geführt habe im Link nicht vorenthalten klicken Sie einfach drauf, allerdings ist es auch eine sehr umfangreiche Korrespondenz aber ich gebe sie deswegen weiter weil sie eine Art Beleg für die Möglichkeit der Umstellung auf realistische Klimarettung darstellt.
Folge 204 Der Vernunft eine Chance

Hier geht’s zum Video

 

Klimarettung, die auch dem Frieden Europa’s dient???

Trotzdem werden die enormen kosten und Einschränkungend die, besonders in Deutschland, auf die Bürger zu kommen unterdrückt……..
Nebenaspekt: Europa im Fußballfieber
In meinem frei gesprochenem Facebook-Kommentar weise ich darauf hin, dass der Einfluss von NGOs nicht immer konstruktiv sein muss. Beispiel: Landung des motorisierten Fallschirmspringers auf dem Rasen der Allianz Arena in München.
Dieser Abenteurer von Greenpeace glaubt, die Klimakatastrophe dadurch abwenden zu können, indem der Verbrennungsmotor, den er selbst nutzt, abgeschafft wird. Nebenwirkungen und Risiken sind ihm egal. Alternativen sind nicht erlaubt. Diese Einfalt des Denkens, die weit verbreitet ist, muss durch die mögliche Vielfalt von Lösungen dringend ersetzt werden. Er handelte ganz im Sinne der Philosophie von NGOs ‚Greenpeace‘. Solche Aktivisten bestimmen mittlerweile die deutsche Politik, natürlich über bestimmter politischer Parteien, die diesen Ideen im Übermaß Einfluss einräumen, koste es, was es wolle..
In Anbetracht dieser Entwicklung wird es langsam Zeit, dass sich die Mehrheit der Bürger der Vernunft zuwendet, was aber im Moment durch alle möglichen Einfluss unterdrückt wird. Diese NGOs haben im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung nur wenig Mitglieder, glauben aber, die Mehrheit zu vertreten. Das ist die Methode aller Lobbyisten, egal woher sie rühren. Kaum jemand wagt es, ihnen zu widersprechen – und wenn, dann nutzen sie das Demonstrationsrecht in allen Schattierungen populistisch geschickt aus.
Das gilt auch für die angebliche Lebensrettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer. Staaten, die das nicht akzeptieren, aber unter der Flut von Wirtschaftsflüchtlingen aus Afrika – wie Griechenland, Italien, Spanien – werden an den Pranger gestellt.
Dass sie auf Grund dieser Ideen Widersprüche noch und nöcher bekommen – auch was die Problematik der Klimaerwärmung betrifft – geißeln sie als menschenrechtswidrig.
Es ist eine Binsenweisheit, dass die Probleme Afrikas bzw. aller Länder im Zustand wirtschaftlicher Entwicklung nur an Ort und Stelle gelöst werden können. Das ist sogar notwendig im Interesse der Industrieländer, eine ideale Win-Win-Situation, auf gleicher Augenhöhe. Im Gegensatz zu den Intentionen der VR China werden sie nicht durch unfaire Kredite in eine dubiose Abhängigkeit gezwungen.
Ich habe – zugegeben – dagegen unorthodoxe Einsprüche erhoben. Es gibt Alternativen, von denen wir auch extrem profitieren können.
Lesen Sie bitte dazu meinen Beitrag zum Thema ‚Bürgerbetrug und Abhilfe‘ um das böse Erwachen zu verhindern.
Zum Thema ‚Regeneratives Methanol kann das Klima retten‘ empfehle ich den folgenden Link:
Einen ‚offenen Brief‘ in dem ein ehemaliger Sachverständiger die fachliche Kompetenz der ausgewählten Mitglieder eines Berater-Gremiums Der Bundesregierung infrage stellt, möchte ich Ihnen auch nicht vorenthalten:
Folge 201 Der Vernunft eine Chance

 

Offener Brief ‚Kritik an Ethik-Kommission Kernkraft-Moratorium nach Fukushima‘

Zehn Jahre zu spät und trotzdem aktuell: Offener Brief an Matthias Kleiner und die Professoren der Ethikkommission Atomkraft

André D. Thess      Mai 2021

Sehr geehrter Herr Kollege Kleiner,

„Wir haben unsere Arbeit in diesen zwei Monaten in aller Unabhängigkeit getan […] das möchte ich zu Beginn deutlich hervorheben und an dieser Stelle auch meinen Dank insbesondere für diese Unabhängigkeit, die wir genossen haben, an die Bundesregierung, die Bundeskanzlerin sagen.“ Diese Worte[1] sprachen Sie am 30. Mai 2011 auf der Pressekonferenz anlässlich der Vorstellung des Abschlussberichts „Deutschlands Energiewende – Ein Gemeinschaftswerk für die Zukunft“.

In Ihrer damaligen Funktion als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) repräsentierten Sie als einer von acht Professoren die Stimme der Wissenschaft in dem siebzehnköpfigen Gremium. Auf der Grundlage Ihres Berichts beschloss der Deutsche Bundestag am 30. Juni 2011 den Atomausstieg.

Am zehnten Jahrestag der Veröffentlichung Ihres Berichts wende ich mich als Fachkollege an Sie.

Im weiteren Sinne richtet sich dieser offene Brief an das gesamte Professorenkollegium der Ethikkommission: Neben dem Umformtechniker Matthias Kleiner von der TU Dortmund  an den Soziologen Ulrich Beck von der LMU München, an den Mikrobiologen Jörg Hacker von der Universität Würzburg, an den Forst- und Bodenwissenschaftler Reinhard Hüttl von der BTU Cottbus, an die Philosophin Weyma Lübbe von der Universität Regensburg, an die Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlerin Lucia Reisch von der Copenhagen Business School, an den Soziologen und Risikoforscher Ortwin Renn von der Universität Stuttgart sowie an die Politikwissenschaftlerin Miranda Schreurs von der TU München.

In diesem Brief geht es nicht darum, ob der Atomausstieg „richtig“ oder „falsch“ war. Ich stelle vielmehr die Frage: Haben die acht Professoren – wie in Ihrer Presseerklärung gesagt – unabhängig votiert und sind damit dem Vertrauen gerecht geworden, welches die Gesellschaft beamteten Hochschullehrern auf Lebenszeit schenkt?

Obwohl Ihr Bericht schon zehn Jahre alt ist, halte ich diese Frage gerade jetzt für zeitgemäß. Viele Deutsche äußern angesichts der gegenwärtigen Pandemie- und Klimapolitik Zweifel an der Unabhängigkeit der Wissenschaft.

An einem solchen Zeitpunkt gilt es deshalb, aufmerksam in die Vergangenheit zu blicken und aus ihr zu lernen. Aus diesem Anlass habe ich die 115 Seiten Ihres Berichts mit zehnjährigem Abstand studiert. Dabei habe ich speziell die Frage beleuchtet, wie Sie bei Ihrer Arbeit in der Kommission den Leitlinien guter wissenschaftlicher Praxis Ihrer eigenen Organisation sowie den von den Kommissionsmitgliedern Hüttl und Renn mitgestalteten Leitlinien Politikberatung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften gefolgt sind. Diese Grundsätze betrachte ich bei meiner politischen Beratungstätigkeit stets als Geschäftsgrundlage.

Die Ergebnisse meiner Überlegungen möchte ich zu sechs Thesen verdichten.

  1. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium verfügte nicht über hinreichende Fachkompetenz, um die Risiken eines Verbleibs in der Kernenergie gegenüber denen eines Ausstiegs umfassend und sachgerecht abzuwägen.Im Kollegium befand sich kein Kraftwerkstechniker, kein Elektro­techniker und keine renommierte Ökonomin. Bei der DFG wäre es undenkbar, etwa einen Sonder­forschungsbereich zu Pandemien von einer Gutachtergruppe ohne Virologen zu begutachten. Wie soll ein Gremium ohne spezifisches Fachwissen über Gefahrenanalysen von Kernkraftwerken, über die Stabilität von Stromnetzen sowie über materielle und immaterielle Kosten von Wind- und Kernenergie Risikoabwägungen zur Energieversorgung einer Industrienation vornehmen? Unabhängigkeit der Wissenschaft hätte nach meiner Meinung eine Ablehnung der Mitarbeit in einem Gremium mit ungenügender Interdisziplinarität erfordert.
  2. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium hat eine Aufgabenstellung mit politisch vorgegebenem Untersuchungsergebnis anscheinend widerspruchslos entgegengenommen.Dem Kapitel 2 „Anlass und Mandat“ fehlt eine professionell formulierte Aufgabenstellung. Es enthält lediglich den dürftigen Satz: „Die Bundesregierung hat die Ethik-Kommission Sichere Energieversorgung berufen, um die verantwortungsethischen Entscheidungsgrundlagen und ihre Schlussfolgerungen ganzheitlich zu betrachten.“ Unmissverständlich wird die Aufgabe hingegen im „Pressestatement[2]von Bundeskanzlerin Merkel, Bundeswirtschaftsminister Brüderle und Bundesumweltminister Röttgen zur Nutzung der Kernenergie in Deutschland“ vom 22. März 2011 formuliert: „Wie kann ich den Ausstieg mit Augenmaß so vollziehen, dass der Übergang in das Zeitalter der erneuerbaren Energien ein praktikabler ist, ein vernünftiger ist, und wie kann ich vermeiden, dass zum Beispiel durch den Import von Kernenergie nach Deutschland Risiken eingegangen werden, die vielleicht höher zu bewerten sind als die Risiken bei der Produktion von Kernenergie-Strom im Lande?“ Diese Aufgabenstellung macht klar, dass Ihre Kommission nicht das „Ob“, sondern lediglich das „Wie“ eines Kernenergie­ausstiegs zu beantworten hatte. Die im Raum stehende Risikoabwägung war damit anscheinend gegenstandslos. Wäre in meiner achtjährigen Amtszeit als gewählter Fachkollegiat bei einem Fördergesuch an die DFG eine Forschungshypothese in solch alternativ­loser Form vorgetragen worden, so hätte ich eine Ablehnung des Projektantrages empfohlen. Die Unabhängigkeit der Professoren der Ethikkommission hätte meines Erachtens durch Widerspruch zu dieser Aufgabenstellung glaubhaft gemacht werden können.
  3. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium hat nicht von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, die politische Vorgabe durch ein Sondervotum zu einer ergebnisoffenen Aufgabe auszuweiten und die Risiken von Kernenergieausstieg versus Kernenergieverbleib aus ganzheitlicher Perspektive fachgerecht abzuwägen.Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis gelten nicht nur für den Forschungs­­betrieb. Sie werden von vielen Kollegen auch als Leitlinien für den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft angesehen. Hierzu gehört die Maxime, lege artis– nach den Regeln der Kunst – zu arbeiten. Deren Berücksichtigung hätte erfordert, für jede der beiden Alternativen die Risiken systematisch zusammenzutragen und in einer Gesamtschau zu bewerten. In Ihrem Dokument fehlt hingegen die Abwägung zwischen dem Risiko eines schnelleren Klimawandels ohne Kernenergie und dem Risiko eines langsameren Klimawandels mit Kernenergie. Aber gerade diese Abwägung wäre für eine solche Analyse konstitutiv gewesen! Gute wissenschaftliche Praxis umfasst übrigens auch eine neutrale Darstellung gegensätzlicher Positionen in Wissenschaft und Gesellschaft. Mit den Worten „Hier stehen sich eine kategorisch ablehnende und eine relativierend abwägende Position gegenüber“ stellen Sie den Diskussionsstand einseitig zugunsten der Kernenergiegegner dar. Eine neutrale Formulierung hätte gelautet: „Hier stehen sich eine ablehnende und eine befürwortende Position gegenüber.“ Unabhängige Wissenschaft hätte einen politischen Beratungsauftrag vervollständigt und das gesellschaftliche Meinungsbild unparteiisch dargestellt.
  4. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium hat den internationalen Stand der Wissenschaft unberücksichtigt gelassen und dadurch einem nationalen Alleingang Deutschlands Vorschub geleistet. Wissenschaft ist international. Zu den Grundsätzen guter wissenschaftlicher Praxis gehört die umfassende Würdigung sämtlicher weltweit vorliegenden Forschungsergebnisse, auch wenn diese zu eigenen wissenschaftlichen Ansichten im Widerspruch stehen. Dem Dokument fehlt vor diesem Hintergrund eine Einordnung in die internationale Forschung zur Ethik der Kernenergienutzung. Der Bericht erweckt konkret den Eindruck, es gäbe außerhalb Deutschlands keine ethischen Abwägungen zur Atomenergie. Sie sind der Öffentlichkeit eine Begründung schuldig geblieben, in welcher Hinsicht sich die ethischen Maßstäbe einer deutschen Professoren­gruppe etwa von denen einer französischen unterscheiden. Unabhängige Wissenschaft hätte gegenüber der Öffentlichkeit eine sachliche Begründung für eine deutsche Sonderperspektive gegeben und das Abweichen vom Grundsatz europäischer Einheit erklärt.
  5. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium hat anscheinend versäumt, bei der Formulierung des Abschlussberichts eine klare Trennung von Fakten und Meinungen durchzusetzen.Die Leser des Berichts haben das Recht zu erkennen, welche Aussagen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und wann es sich um persönliche Werturteile handelt. Die Vermengung von Fakten und Meinungen wird an folgendem Kernsatz des Berichts besonders deutlich: „Für die Kernenergie mit ihrem besonders hohen Katastrophenpotenzial ist es ethisch nicht hinnehmbar, die außerhalb dieser (gesetzten) Grenzen befindlichen und durch Fukushima belegten Ereignisabläufe der Havarie und Havarie-Folgen als ‚Restrisiko‘ abzutun.“ Würde es sich bei dieser Aussage um eine wissenschaftliche Erkenntnis handeln, so müsste daraus folgen, dass der Rest der Welt unethisch denkt und handelt. Glaubhafte Unabhängigkeit der Wissenschaft hätte erfordert, auf eine klare Kennzeichnung von Meinungen zu dringen.
  6. Das von Ihnen repräsentierte Kollegium hat einem Dokument zugestimmt, dessen Präsentationsform den Grundsätzen wissenschaftlichen Politikberatung nicht gerecht wird. Die Leitlinien Politikberatung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften aus dem Jahr 2008 besagen: „Werden Handlungsempfehlungen gegeben, so sind sie vom wissenschaftlichen Untersuchungsergebnis möglichst klar abzugrenzen.“ Dies ist im Bericht nicht geschehen. Anstatt strukturell zwischen Fragestellung, Voraussetzungen, Methoden, Ergebnissen, Schlussfolgerungen und Empfehlungen zu differenzieren, nimmt das Kapitel 3 „Gemeinschaftswerk Energiezukunft Deutschlands“ wesentliche Aussagen wie „Die Energiewende muss […] gestaltet werden“ vorweg. Dies passiert, bevor in Kapitel 4 „Ethische Positionen“ die Analyse erfolgt. Die Gliederung wird weder wissenschaftlichen Standards gerecht, noch besitzt sie einen für Außenstehende nachvollziehbaren roten Faden. Unabhängige Wissenschaft hätte auf eine klare und stringente Darstellungsform gedrungen.

Zusammenfassend komme ich zu dem Schluss, dass die drei Professorinnen und fünf Professoren der Ethikkommission dem Leitbild unabhängiger Wissenschaft nicht gerecht geworden sind. Sie haben sich allem Anschein nach vereinnahmen lassen und das politisch erwartete Ergebnis geliefert. Um das in der heutigen Zeit beschädigte Vertrauen der Bevölkerung in die Wissenschaft wiederzuerlangen, sollten sich alle Professoren auf die intellektuelle Freiheit besinnen, die der Staat ihnen durch den Beamtenstatus ermöglicht.

Mit freundlichen Grüßen,

André D. Thess

Professor für Energiespeicherung an der Universität Stuttgart

DFG-Fachkollegiat von 2008 bis 2016