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10.03.2020 Quacksalberei aus dem Mittelalter in die Neuzeit gerettet ?

Dass auch in einer Epoche, in der Wissenschaft und Technik unser Leben bestimmt und die Prosperität der Wirtschaft ausschließlich darauf aufbaut, heißt nicht, dass mit Quacksalberei noch viel Geld verdient werden kann. Dazu beispielhaft die folgende Meldung, die eine Agentur mir hat zukommen lassen, welche sich eigentlich der seriösen Wissenschaft verpflichtet hat. Es geht um einen Streit zwischen einer dubiosen Firma mit Namen ‚Neutrino Energy‘ und dem ZDF. Die Firma will unwissenden Bürgern weiß machen, man könnte mit den Milliarden von Neutrinos, die die Sonne sekündlich auf die Erde schickt, die Energieprobleme der Welt in Zukunft lösen.

Sie beschwert sich beim ZDF, dass Professor Harald Lesch in einer Sendung vor dem Kauf solcher Anteilscheine gewarnt hat. Immerhin wollte ‚Neutrino Energy‘ mit dieser Behauptung Millionen von Euro durch Verkauf dieser Anteilscheine einsammeln.

Ich stehe 100%ig zur These von Professor Lesch, inkl. der Warnung zur Kaufempfehlung der Anteile an einer dubiosen Stiftung. Hier wörtlich: „das Vorhaben, die Neutrino-Weltraumstrahlung zur Stromerzeugung zu nutzen, sei „abenteuerlich“ und „blödsinnig“, wer daran glaube, sei „nicht mehr zu retten“.

Ich persönlich habe mit Kollegen der Wissenschaftspressekonferenz (WPK.org) vor ca. 10 Jahren die bedeutendste Forschungsstätte  für Neutrinos in Europa – wenn nicht gar der ganzen Welt – in Italien besucht, im Gran Sasso-Gebirge des Apennin. Von Pescara nach Rom verläuft eine Autobahn, die den Gran Sasso mit einem langen Tunnel unterquert. Dieses Gebirge besteht vorwiegend aus Granit, mitten im Tunnel gibt es eine Abzweigung in ein Forschungsinstitut. Die Wissenschaftler nutzen dort die darüberliegenden 2.000 Meter Granitschichten  aus, um nur die Neutrinos einzufangen, die aus dem Weltraum, von der Sonne ausgehend, die Erde durchqueren. Sie schließen damit die auf irdische Radioaktivität zurückzuführenden Neutrinos aus.

Zur Erkenntnis: Ein Neutrino hat nur eine ganz minimale Masse, ähnlich wie die eines Elektrons. Weil es keine elektrische Ladung besitzt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass es beim Durchqueren unserer Erde mit irgendeinem Atomkern kollidiert. Die Konsequenz: Die Bewegungs-Energie, die es beim Eintritt in die Erdoberfläche besitzt, bleibt nach dem Durchlauf der Erdkruste, dem flüssigen Magma und wieder Austritt, völlig erhalten. Das sind immerhin fast 13.000 km der Materie unseres Globus. Nichts von seiner kinetischen Energie hat es verloren.  Das liegt daran, dass der Zwischenraum zwischen Atomkern und Elektronenhülle enorm groß ist. Wenn man die gesamte Masse der Erde so zusammenpressen könnte, dass die Zwischenräume verschwinden, würde die Erde räumlich in einer Kaffeetasse verschwinden – oder anders gesagt – wenn man sich den Atomkern in der Größe eines kleinen Kirschkerns vorstellen würde, liegt die äußere Elektronenhülle, dass ist das, was wir rundherum mit unseren Sinnen ertasten oder sehen können, etwa 2 km vom Kirschkern entfernt. Dazwischen ist das Nichts.

Nun besteht bei der Forschung das Problem, überhaupt eines der Abermilliarden von Neutrinos, die vom Weltall auf uns eindringen, zu identifizieren. Dazu gibt es großflächige Wannen, gefüllt mit flüssigem Stickstoff. Teilweise müssen die Forscher wochenlang warten, um die Spur eines zufällig mit dem Stickstoff-Atomkern kollidierenden Neutrinos zu finden bzw. fotografieren zu können. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf die Eigenschaft des Neutrinos schließen.

Nun glaubt Dr. Günther Krause, ehemaliger Staatssekretär beim letzten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, und nach deren Auflösung Minister für besondere Aufgaben und später Verkehrsminister der neuen Bundesrepublik in Bonn, mit den Neutrinos eine großartige Entdeckung gemacht zu haben. Kurzsichtig wie er ist, und wissend, dass die Neutrinos enorme kinetische Energie besitzen, will er diese für irdische Zwecke nutzen. Dabei vergisst er völlig, wie schwierig es ist, diese einzufangen.

  1. Wie will er das bewerkstelligen, denn die sind ja fast 100%ig durchdringend, wie das Experiment der italienischen Teilchen-Forscher im Gran Sasso beweist.
  2. Aber ihm geht es sicher nicht darum, dieses zu belegen, sondern er möchte damit viel Geld verdienen. Insofern stimme ich nicht nur Professor Harald Lesch, sondern allen Physikern bei, die das als Betrug identifizieren.

Dass solche Fakenews sogar in der Wissenschaft und Technik Raum greifen können, obwohl die gesamte Science-Community der Physiker dagegenspricht, ist bezeichnet für unser ‚postfaktisches‘ Zeitalter. Mag sein, dass Sie sich über die Unverfrorenheit, wie sich diese Investorengruppe mit dem ZDF umgeht, gewundert haben. Das erinnert mich sehr stark auch an die Vorschläge für ein Perpetuum mobile, das Mittelalter lässt grüßen. Dass das ZDF auf einen solchen Blödsinn sogar noch – entgegen den Behauptungen – geantwortet hat, ist verwunderlich. Es ist Aufgabe des ZDF, ihre Zuschauer zu warnen, solche später total wertlose Anteilscheine zu zeichnen. Dass überhaupt Geld eingesammelt werden konnte, zeugt davon, dass die Schwarmintelligenz der Deutschen, was naturwissenschaftliche Grundkenntnisse anbelangt, nicht besonders groß ist. Die Idee grenzt jedenfalls an die Quacksalberei des Mittelalters.

Ihr Jean Pütz

Hier die Meldung, und das Video:

(pts) – Ein Filmbeitrag über Neutrinos im ZDF-Wissenschaftsmagazin Terra X von Harald Lesch sorgt anhaltend für Ärger. Lesch hatte sich manipulativ und interessensgeleitet über Geschäftsmodelle mit kosmischer Strahlung geäußert.

Das siebenminütige Video stammt vom 16. Oktober 2019. Darin hatte Lesch behauptet, das Vorhaben, die Neutrino-Weltraumstrahlung zur Stromerzeugung zu nutzen, sei „abenteuerlich“ und „blödsinnig“. Wer daran glaube, sei „nicht mehr zu retten“. Damit gab Lesch allerdings eine Kaufempfehlung ab, indem er vom Kauf abriet, was ihm juristisch nicht zusteht.

Leschs Ansicht wird von Prof. Dr. Günther Krause, dem stellvertretenden Vorsitzenden im Wissenschaftlichen Beirat der Neutrino-Gruppe, zerpflückt. „Herr Professor Lesch gehört zu einer Mehrheit der Physiker, die noch bis vor fünf Jahren die Neutrinos als masselose Geisterteilchen umschrieben haben“, erklärte Krause. Nur wenige Physiker seien anderer Meinung gewesen, nämlich dass Neutrinos die Masseeigenschaft besäßen.

„Wie so oft in der Wissenschaft hat sich durch genauere Messverfahren seit Oktober 2015 auch in Leschs Kosmos eine Meinungsänderung durchgesetzt. Doch von ‚keiner Masse‘ zu einer ‚viel zu kleinen Masse‘ war es ein weiter Weg!“ Ein weiter Weg der Erkenntnis, der ohne die beiden Physiknobelpreisträger von 2015, die die Masseeigenschaft der Neutrinos nachweisen konnten, wohl nicht gegangen worden wäre.

Kritische Nachfragen von Journalisten an die Redaktion des ZDF wurden nicht beantwortet, Kommentare im Netz gelöscht, die Mailadresse des Fachjournalisten Nico Wolf, der in seinen Recherchen um eine Stellungnahme angefragt hatte, auf den Sperrindex gesetzt.

Auf Kritik und Beschwerden seitens der Neutrino Energy Group über den Beitrag antwortete für das ZDF Christiane Götz-Sobel, Leiterin der Redaktion Naturwissenschaft und Technik. Erwartungsgemäß schrieb sie, das Video habe die Frage „Neutrinos als unendliche Energiequelle“ korrekt behandelt.

Dazu warf Holger Thorsten Schubart, CEO der Neutrino Energy Group, der ZDF-Redaktion vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In einer Erklärung nahm Schubart Stellung: „Es ist unglaublich, wie sich das ZDF um Tatsachen windet und völlig verkennt, dass Herr Lesch eben nicht nur wissenschaftlich von Neutrinos gesprochen, sondern sich zu Geschäftsmodellen geäußert hat. Er hat sich zu Neutrino Energie, zu Patenten und Beteiligungen manipulativ und offenbar interessensgeleitet geäußert und die ergebnisoffene Zukunft gleich mal mitbewertet.“

Lesch hätte, so Schubart, zu keinem Zeitpunkt irgendeine Kaufempfehlung abgeben dürfen. „Unsere Juristen sehen den Beitrag diesbezüglich als bewusste Manipulation der Öffentlichkeit“, betonte Schubart. „Ich persönlich denke, dass das ZDF instrumentalisiert wurde.“ Eine derartige Verunglimpfung und Wertung ergebnisoffener Forschungen eines so wichtigen Themas bei einem öffentlich-rechtlichen Sender sei nicht hinzunehmen. Schubart bot an, Journalisten einen Einblick in den vertraulichen Bereich von Forschung und Nachweisen zu gewähren. Von diesem Rechercheangebot machte die ZDF-Redaktion jedoch keinen Gebrauch. „Wenn das ZDF an einer ernsthaften und wahrheitsgemäßen Darstellung eines sehr wichtigen Wissenschaftsfeldes interessiert ist, stehen wir gerne für umfassende Gespräche zur Verfügung“, bekräftigte Schubart.

„In der Polemik des Vortrages von Herrn Lesch geht es genau betrachtet nicht um ’neutrale‘ wissenschaftliche Aufklärung oder den momentanen Wissensstand von Herrn Lesch. Vielmehr wird aus einem wissenschaftlichen Beitrag plötzlich eine Diffamierung und Verleumdung, eben diese ’negative Kaufempfehlung für die Börse‘, was ganz klar eine juristisch relevante schwere Marktmanipulation darstellt“, so Schubert weiter.

In dem Zusammenhang wies Professor Günther Krause darauf hin, dass demnächst das erste Kleinstkraftwerk fertiggestellt sein werde. Unter seiner Leitung sei mit dem Bau eines Automaten zur Beschichtung von metallischen Trägern begonnen worden, „sodass in relativ kurzer Zeit davon ausgegangen werden kann, dass erste Kleinstkraftwerke bis zirka fünf Kilowattstunden als Wechselstromanlagen beziehungsweise als 24/48-Volt-Gleichstromanlagen zur Verfügung stehen“.

Im eigenen Land habe der Prophet noch nie viel getaugt, so Krause. „Aber die Anerkennung beispielsweise der Akademie der Wissenschaften Russlands für die von uns im Labor abgeschlossenen Entwicklungen oder auch der Volksrepublik China sollten eigentlich auch in Leschs Kosmos vorgedrungen sein. Verschiedene Wissenschaftler zum Beispiel im US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben das Patent inzwischen nachgebaut und bestätigen die Energieproduktion als ‚Umwandlung gemäß Energieerhaltungssatz‘.“

Die Neutrinovoltaic als Ergänzung von Wind und Sonne werde auch durch Leschs Kosmos nicht mehr aufzuhalten sein, resümierte Krause. Zukunftsfragen und deren Lösungsansätze sollten wissenschaftlich nie von vornherein ausgeschlossen werden. Insofern habe Harald Lesch noch einen weiten Weg fortzusetzen.

Quacksalberei aus dem Mittelalter in die Neuzeit gerettet ? Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Dass auch in einer Epoche, in der Wissenschaft und Technik unser Leben bestimmt und die Prosperität der Wirtschaft ausschließlich darauf aufbaut, heißt nicht, dass mit Quacksalberei noch viel Geld verdient werden kann. Dazu beispielhaft die folgende Meldung, die eine Agentur mir hat zukommen lassen, welche sich eigentlich der seriösen Wissenschaft verpflichtet hat. Es geht um einen Streit zwischen einer dubiosen Firma mit Namen ‚Neutrino Energy‘ und dem ZDF. Die Firma will unwissenden Bürgern weiß machen, man könnte mit den Milliarden von Neutrinos, die die Sonne sekündlich auf die Erde schickt, die Energieprobleme der Welt in Zukunft lösen.

Sie beschwert sich beim ZDF, dass Professor Harald Lesch in einer Sendung vor dem Kauf solcher Anteilscheine gewarnt hat. Immerhin wollte ‚Neutrino Energy‘ mit dieser Behauptung Millionen von Euro durch Verkauf dieser Anteilscheine einsammeln.

Ich stehe 100%ig zur These von Professor Lesch, inkl. der Warnung zur Kaufempfehlung der Anteile an einer dubiosen Stiftung. Hier wörtlich: „das Vorhaben, die Neutrino-Weltraumstrahlung zur Stromerzeugung zu nutzen, sei „abenteuerlich“ und „blödsinnig“, wer daran glaube, sei „nicht mehr zu retten“.

Ich persönlich habe mit Kollegen der Wissenschaftspressekonferenz (WPK.org) vor ca. 10 Jahren die bedeutendste Forschungsstätte  für Neutrinos in Europa – wenn nicht gar der ganzen Welt – in Italien besucht, im Gran Sasso-Gebirge des Apennin. Von Pescara nach Rom verläuft eine Autobahn, die den Gran Sasso mit einem langen Tunnel unterquert. Dieses Gebirge besteht vorwiegend aus Granit, mitten im Tunnel gibt es eine Abzweigung in ein Forschungsinstitut. Die Wissenschaftler nutzen dort die darüberliegenden 2.000 Meter Granitschichten  aus, um nur die Neutrinos einzufangen, die aus dem Weltraum, von der Sonne ausgehend, die Erde durchqueren. Sie schließen damit die auf irdische Radioaktivität zurückzuführenden Neutrinos aus.

Zur Erkenntnis: Ein Neutrino hat nur eine ganz minimale Masse, ähnlich wie die eines Elektrons. Weil es keine elektrische Ladung besitzt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass es beim Durchqueren unserer Erde mit irgendeinem Atomkern kollidiert. Die Konsequenz: Die Bewegungs-Energie, die es beim Eintritt in die Erdoberfläche besitzt, bleibt nach dem Durchlauf der Erdkruste, dem flüssigen Magma und wieder Austritt, völlig erhalten. Das sind immerhin fast 13.000 km der Materie unseres Globus. Nichts von seiner kinetischen Energie hat es verloren.  Das liegt daran, dass der Zwischenraum zwischen Atomkern und Elektronenhülle enorm groß ist. Wenn man die gesamte Masse der Erde so zusammenpressen könnte, dass die Zwischenräume verschwinden, würde die Erde räumlich in einer Kaffeetasse verschwinden – oder anders gesagt – wenn man sich den Atomkern in der Größe eines kleinen Kirschkerns vorstellen würde, liegt die äußere Elektronenhülle, dass ist das, was wir rundherum mit unseren Sinnen ertasten oder sehen können, etwa 2 km vom Kirschkern entfernt. Dazwischen ist das Nichts.

Nun besteht bei der Forschung das Problem, überhaupt eines der Abermilliarden von Neutrinos, die vom Weltall auf uns eindringen, zu identifizieren. Dazu gibt es großflächige Wannen, gefüllt mit flüssigem Stickstoff. Teilweise müssen die Forscher wochenlang warten, um die Spur eines zufällig mit dem Stickstoff-Atomkern kollidierenden Neutrinos zu finden bzw. fotografieren zu können. Daraus lassen sich dann Rückschlüsse auf die Eigenschaft des Neutrinos schließen.

Nun glaubt Dr. Günther Krause, ehemaliger Staatssekretär beim letzten Ministerpräsidenten der DDR, Lothar de Maizière, und nach deren Auflösung Minister für besondere Aufgaben und später Verkehrsminister der neuen Bundesrepublik in Bonn, mit den Neutrinos eine großartige Entdeckung gemacht zu haben. Kurzsichtig wie er ist, und wissend, dass die Neutrinos enorme kinetische Energie besitzen, will er diese für irdische Zwecke nutzen. Dabei vergisst er völlig, wie schwierig es ist, diese einzufangen.

  1. Wie will er das bewerkstelligen, denn die sind ja fast 100%ig durchdringend, wie das Experiment der italienischen Teilchen-Forscher im Gran Sasso beweist.
  2. Aber ihm geht es sicher nicht darum, dieses zu belegen, sondern er möchte damit viel Geld verdienen. Insofern stimme ich nicht nur Professor Harald Lesch, sondern allen Physikern bei, die das als Betrug identifizieren.

Dass solche Fakenews sogar in der Wissenschaft und Technik Raum greifen können, obwohl die gesamte Science-Community der Physiker dagegenspricht, ist bezeichnet für unser ‚postfaktisches‘ Zeitalter. Mag sein, dass Sie sich über die Unverfrorenheit, wie sich diese Investorengruppe mit dem ZDF umgeht, gewundert haben. Das erinnert mich sehr stark auch an die Vorschläge für ein Perpetuum mobile, das Mittelalter lässt grüßen. Dass das ZDF auf einen solchen Blödsinn sogar noch – entgegen den Behauptungen – geantwortet hat, ist verwunderlich. Es ist Aufgabe des ZDF, ihre Zuschauer zu warnen, solche später total wertlose Anteilscheine zu zeichnen. Dass überhaupt Geld eingesammelt werden konnte, zeugt davon, dass die Schwarmintelligenz der Deutschen, was naturwissenschaftliche Grundkenntnisse anbelangt, nicht besonders groß ist. Die Idee grenzt jedenfalls an die Quacksalberei des Mittelalters.

Ihr Jean Pütz

Hier die Meldung, und das Video:

(pts) – Ein Filmbeitrag über Neutrinos im ZDF-Wissenschaftsmagazin Terra X von Harald Lesch sorgt anhaltend für Ärger. Lesch hatte sich manipulativ und interessensgeleitet über Geschäftsmodelle mit kosmischer Strahlung geäußert.

Das siebenminütige Video stammt vom 16. Oktober 2019. Darin hatte Lesch behauptet, das Vorhaben, die Neutrino-Weltraumstrahlung zur Stromerzeugung zu nutzen, sei „abenteuerlich“ und „blödsinnig“. Wer daran glaube, sei „nicht mehr zu retten“. Damit gab Lesch allerdings eine Kaufempfehlung ab, indem er vom Kauf abriet, was ihm juristisch nicht zusteht.

Leschs Ansicht wird von Prof. Dr. Günther Krause, dem stellvertretenden Vorsitzenden im Wissenschaftlichen Beirat der Neutrino-Gruppe, zerpflückt. „Herr Professor Lesch gehört zu einer Mehrheit der Physiker, die noch bis vor fünf Jahren die Neutrinos als masselose Geisterteilchen umschrieben haben“, erklärte Krause. Nur wenige Physiker seien anderer Meinung gewesen, nämlich dass Neutrinos die Masseeigenschaft besäßen.

„Wie so oft in der Wissenschaft hat sich durch genauere Messverfahren seit Oktober 2015 auch in Leschs Kosmos eine Meinungsänderung durchgesetzt. Doch von ‚keiner Masse‘ zu einer ‚viel zu kleinen Masse‘ war es ein weiter Weg!“ Ein weiter Weg der Erkenntnis, der ohne die beiden Physiknobelpreisträger von 2015, die die Masseeigenschaft der Neutrinos nachweisen konnten, wohl nicht gegangen worden wäre.

Kritische Nachfragen von Journalisten an die Redaktion des ZDF wurden nicht beantwortet, Kommentare im Netz gelöscht, die Mailadresse des Fachjournalisten Nico Wolf, der in seinen Recherchen um eine Stellungnahme angefragt hatte, auf den Sperrindex gesetzt.

Auf Kritik und Beschwerden seitens der Neutrino Energy Group über den Beitrag antwortete für das ZDF Christiane Götz-Sobel, Leiterin der Redaktion Naturwissenschaft und Technik. Erwartungsgemäß schrieb sie, das Video habe die Frage „Neutrinos als unendliche Energiequelle“ korrekt behandelt.

Dazu warf Holger Thorsten Schubart, CEO der Neutrino Energy Group, der ZDF-Redaktion vor, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. In einer Erklärung nahm Schubart Stellung: „Es ist unglaublich, wie sich das ZDF um Tatsachen windet und völlig verkennt, dass Herr Lesch eben nicht nur wissenschaftlich von Neutrinos gesprochen, sondern sich zu Geschäftsmodellen geäußert hat. Er hat sich zu Neutrino Energie, zu Patenten und Beteiligungen manipulativ und offenbar interessensgeleitet geäußert und die ergebnisoffene Zukunft gleich mal mitbewertet.“

Lesch hätte, so Schubart, zu keinem Zeitpunkt irgendeine Kaufempfehlung abgeben dürfen. „Unsere Juristen sehen den Beitrag diesbezüglich als bewusste Manipulation der Öffentlichkeit“, betonte Schubart. „Ich persönlich denke, dass das ZDF instrumentalisiert wurde.“ Eine derartige Verunglimpfung und Wertung ergebnisoffener Forschungen eines so wichtigen Themas bei einem öffentlich-rechtlichen Sender sei nicht hinzunehmen. Schubart bot an, Journalisten einen Einblick in den vertraulichen Bereich von Forschung und Nachweisen zu gewähren. Von diesem Rechercheangebot machte die ZDF-Redaktion jedoch keinen Gebrauch. „Wenn das ZDF an einer ernsthaften und wahrheitsgemäßen Darstellung eines sehr wichtigen Wissenschaftsfeldes interessiert ist, stehen wir gerne für umfassende Gespräche zur Verfügung“, bekräftigte Schubart.

„In der Polemik des Vortrages von Herrn Lesch geht es genau betrachtet nicht um ’neutrale‘ wissenschaftliche Aufklärung oder den momentanen Wissensstand von Herrn Lesch. Vielmehr wird aus einem wissenschaftlichen Beitrag plötzlich eine Diffamierung und Verleumdung, eben diese ’negative Kaufempfehlung für die Börse‘, was ganz klar eine juristisch relevante schwere Marktmanipulation darstellt“, so Schubert weiter.

In dem Zusammenhang wies Professor Günther Krause darauf hin, dass demnächst das erste Kleinstkraftwerk fertiggestellt sein werde. Unter seiner Leitung sei mit dem Bau eines Automaten zur Beschichtung von metallischen Trägern begonnen worden, „sodass in relativ kurzer Zeit davon ausgegangen werden kann, dass erste Kleinstkraftwerke bis zirka fünf Kilowattstunden als Wechselstromanlagen beziehungsweise als 24/48-Volt-Gleichstromanlagen zur Verfügung stehen“.

Im eigenen Land habe der Prophet noch nie viel getaugt, so Krause. „Aber die Anerkennung beispielsweise der Akademie der Wissenschaften Russlands für die von uns im Labor abgeschlossenen Entwicklungen oder auch der Volksrepublik China sollten eigentlich auch in Leschs Kosmos vorgedrungen sein. Verschiedene Wissenschaftler zum Beispiel im US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben das Patent inzwischen nachgebaut und bestätigen die Energieproduktion als ‚Umwandlung gemäß Energieerhaltungssatz‘.“

Die Neutrinovoltaic als Ergänzung von Wind und Sonne werde auch durch Leschs Kosmos nicht mehr aufzuhalten sein, resümierte Krause. Zukunftsfragen und deren Lösungsansätze sollten wissenschaftlich nie von vornherein ausgeschlossen werden. Insofern habe Harald Lesch noch einen weiten Weg fortzusetzen.

04.03.2020 Europa und die moralische Pflicht, Flüchtlinge aufzunehmen

Hat nur Europa die moralische Pflicht, die Flüchtlinge an der griechisch- bulgarischen Grenze aufzunehmen?

Wegen eigenem Versagen: Erdogan destabilisiert die EU mit Flüchtlingen, die er eigentlich hätte zurück in ihr Heimatland schicken müssen. Pakistaner, Afghanen, Iraker, die den Hauptteil der an der Griechisch-Bulgarischen Grenze ausmachen, hatten auch schon in der Türkei keinen Asyl-Grund, sondern waren Wirtschaftsflüchtlinge. Ist er deshalb so großzügig, weil diese fast alle der islamischen Religion anhängen und er sein Staatswesen darauf aufgebaut hat? Jetzt schickt er sie nach Europa, genau wissend, dass sie dort das auf Toleranz beruhende religiöse Gleichgewicht beeinträchtigen. Eine missionarische Absicht ist dabei nicht auszuschließen. Eine unbeantwortete Frage steht immer noch im Raum: Warum haben Saudi-Arabien, die Golfstaaten und auch Iran nicht auch ein Kontingent von Flüchtlingen aus diesen Ländern nicht ebenfalls aufgenommen? Es sind immerhin islamische Brüder und Schwestern, bei denen der Kulturschock sich nicht ganz so schlimm auswirken würde. Wohnungskapazität gäbe es in Saudi-Arabien genügend, vorbehalten für die vielen Pilger, die jedes Jahr Mekka besuchen. Immerhin stehen die im Moment völlig leer, weil die Saudis ihre Grenzen wegen des Corona-Virus so wie so geschlossen haben.

Bleibt noch das Problem der syrischen Flüchtlinge in der Türkei, deren Schicksal hat er durch intensive Einmischung und Unterstützung islamistischer Rebellen in den syrischen Krieg mitverursacht. Wenn er es ernst nehmen würde, müsste er für diese auch die Verantwortung übernehmen. Also eine moralische Pflicht, diese nach bestem Wissen und Gewissen zu fördern und zu integrieren, ist ihm nicht abzusprechen, insbesondere Familien, denen er jetzt mit Kind und Kegel Europa schmackhaft machen will und damit schreckliches Unheil anrichtet. Trotzdem lässt er sich von der EU seine angebliche Großzügigkeit mit Milliarden Euro vergüten und bricht den mit Merkel ausgehandelten Vertrag.

Wie es weitergeht – wer weiß. Ein Hoch auf den Gründer der türkischen Nation Atatürk, der seine Landsleute mit großer aufklärerischer Vernunft und der Schaffung eines religionsunabhängigen säkularen Staaten in den Kreis der wirtschaftlich starken Nationen führte. Erdogan profitiert heute extrem von diesem alten weisen Gründer der Türkei

Ihr Jean Pütz

Folge 71. Mit Vernunft in die Zukunft, oder ?

Phagen: Vielversprechende Therapeutika – Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Liebe Kollegen Wissenschaftsjournalisten der Presseabteilung,

ich möchte Ihnen ein großes Kompliment für die Art Ihres Beitrages über das Zusammenspiel von Bakterien und Phagen. Diese Art von Darstellung durch intelligente Fragestellung an die Forscher und die verständlichen Antworten halte ich für beispielgebend, um Wissenschaft auch für Nichtfachleute erklärbar zu machen. Als Mitbegründer und langjähriger 1. Vorsitzender der Wissenschaftspressekonferenz (WPK.org) sage ich Ihnen, dass Sie genau das verwirklichen, was wir uns seinerzeit als wichtigsten Aspekt vorgenommen hatten, nämlich: Wissenschaft darf niemals nur Herrschaftswissen werden.

Herzlichen Dank für diese pionierhafte Pressemitteilung
Ihr Jean Pütz

(Helmholtz) – Darmbakterien sind für die menschliche Gesundheit von zentraler Bedeutung. Sie spielen eine entscheidende Rolle bei der Immunregulation, dem Schutz vor Krankheitserregern, dem Nahrungsstoffwechsel, dem metabolischen Abbau von Medikamenten und bei der Vitaminsynthese. Neben Bakterien sind die sogenannten Bakteriophagen, kurz Phagen, ebenfalls wichtige Akteure im Darm. Für die Wissenschaft gibt es auf diesem Gebiet noch vieles zu erforschen.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass Phagen wesentlich an der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Darm (der Homöostase) beteiligt sind. Sie nehmen an, dass Phagen die komplexen mikrobiellen Netzwerke in diesem Lebensraum regulieren – so auch Li Deng und Mohammadali Khan Mirzaei vom Institut für Virologie am Helmholtz Zentrum München, die sich beide der Forschung an Phagen verschrieben haben. Ein besseres Verständnis darüber, wie genau Phagen die mikrobiellen Netzwerke im menschlichen Körper regulieren, könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger phagenbasierter Therapien ebnen. Diese könnten bei Erkrankungen im Zusammenhang mit einer gestörten Darmflora (Darmdysbiose) oder zur Behandlung komplizierter Infektionen durch multiresistente Bakterien eingesetzt werden.

In einem kurzen Interview geben Li Deng und Mohammadali Khan Mirzaei Einblick in ihre Forschung.

Warum sind Darmphagen für die Forschung so spannend?
Li: Phagen sind Viren, die Bakterien als Wirt nutzen. Sie sind wahrscheinlich die am häufigsten vorkommenden, vielfältigsten und am wenigsten erforschten Mitglieder jedes Ökosystems. Der menschliche Darm ist keine Ausnahme. In der Umwelt spielen Phagen eine bedeutende Rolle für die mikrobielle Vielfalt. Sie können sogar den bakteriellen Stoffwechsel umprogrammieren. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Phagen im menschlichen Körper von ähnlicher Bedeutung sind. Da Phagen ihre Wirtsbakterien auch infizieren und ausrotten können, sind sie für viele therapeutische Anwendungen potenziell von Interesse.

Du hast eine neue Technologie zur Identifizierung der Beziehungen zwischen Wirt und Phagen entwickelt, das so genannte „Viral Tagging“. Was ist das genau?
Li: Viral Tagging ist eine zellkulturfreie Hochdurchsatz-Methode zur Untersuchung von Phagen-Bakterien-Interaktionen auf Zellebene. Es ist eine sehr komplexe Technologie, aber sie ermöglicht es uns, Bakterien und dazugehörige Phagen von nicht-infizierten Zellen und Phagen zu unterscheiden.

Was konntet ihr mithilfe von Viral Tagging bereits herausfinden?
Li: Wir haben 363 unterschiedliche Bakterien-Phagen-Paare im menschlichen Darm entdeckt – die meisten von ihnen waren neuartige Darmphagen, die bekannte Bakterien als Wirte infizierten. Zusammen mit der Gruppe von Phil Hugenholtz am Australischen Zentrum für Ökogenomik fanden wir heraus, dass die Mehrzahl der bakteriellen Wirte von mehr als nur einem Phagen befallen wird. Dies zeigt, wie komplex die Beziehung zwischen Bakterien und Phagen im menschlichen Darm ist! Spannend ist auch, dass wir Infektionsmuster von bisher unbekannten Phagen entdeckten, welche Bakterien infizieren, die Butyrat – eine bevorzugte Energiequelle für Epithelzellen – produzieren. Ein Mangel an diesen spezifischen Bakterien wurde bisher mit mehreren Krankheiten in Verbindung gebracht, beispielsweise Typ-2-Diabetes.

Phagen könnten zur Manipulation des menschlichen Mikrobioms eingesetzt werden, um Krankheiten zu behandeln, richtig?
Mohammadali: Das stimmt, zum Beispiel bei Stunting Disease. Stunting ist eine schwere Wachstumsstörung aufgrund von Unterernährung. Die Erkrankung betrifft weltweit 22 Prozent aller Kinder unter 5 Jahren. Sie trifft vor allem in Ländern auf, in denen Kinder keinen regelmäßigen Zugang zu nährstoffreicher oder ausgewogener Ernährung haben. Wir wussten bereits, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Veränderung der Darmmikrobiota und Stunting gibt. Die Rolle der Phagen daran wurde jedoch noch nicht untersucht. In einer Zusammenarbeit unter der Leitung von Corinne Maurice an der McGill University Canada fanden wir heraus, dass Kinder mit Stunting im Vergleich zu nicht-betroffenen Kindern tatsächlich unterschiedliche Phagen im Darm aufwiesen. In vitro sahen wir, dass diese spezifischen Phagen die Anzahl und Zusammensetzung von Bakterien, die mit Stunting in Verbindung stehen, regulieren können. Deshalb vermuten wir, dass Phagen tatsächlich eine Rolle in der Pathophysiologie von Stunting Disease spielen. Außerdem konnten wir beobachteten, dass verschiedene Bakterien-Phagen-Interaktionen abhängig vom Alter des Kindes sind. Diesen Effekt müssen wir noch weiter erforschen. Letztlich ist es unser Ziel, ein mögliches Interventionsfenster für eine Phagen-basierte Behandlung von Stunting definieren zu können.

Was sind eurer Meinung nach die nächsten Schritte in der Phagen-Forschung?
Li: Es gibt noch viele Unbekannte. Wir wissen nur wenig über das Zusammenspiel von Phagen mit ihren Wirten im klinischen Kontext. Fortschritte in der Technologie für Einzelzellanalysen und eine enge Zusammenarbeit mit Ärzten lassen jedoch darauf hoffen, dass wir bereits in naher Zukunft die komplexen Interaktionen zwischen Phagen und Wirten besser verstehen werden. Nur so können wir künftig Phagentherapien erfolgreich einsetzen. Diese könnte uns helfen, im Krankheitsfall in das komplexe bakterielle Ökosystem des Menschen einzugreifen und das Mikrobiom so zu manipulieren, damit es gesünder wird. Außerdem könnten Phagen der Schlüssel zur Behandlung antibiotikaresistenter bakterieller Infektionen sein.

04.03.2020 Appell an unsere Mitbürger türkischer Herkunft

Ich möchte unsere türkischen Mitbürger ansprechen, sie haben offenbar meinen Kommentar bei Facebook (Folge 70: Mit Vernunft in die Zukunft, oder??) nicht richtig verstanden.

Damit diese wissen, wer ich bin: Ich bin einer der Initiatoren von „Asch huh, Zäng ussenander (hebt den Hintern und macht den Mund auf), wenn einer deinen ausländischen Nachbarn in der Öffentlichkeit angreift,  z. B. in der Straßenbahn oder Straße.

Diese Demonstration gegen Fremdenfeindlichkeit haben wir damals in Köln organisiert nach dem Verbrechen von Solingen, wo neun türkische Landsleute durch Brandstiftung zu Tode gekommen sind. Damals habe ich in Köln am Chlodwigplatz an der Severins-Torburg vor ca. 150.000 empörten Bürgern, die sich ebenfalls dort eingefunden hatten,  eine gehalten und in dem dazu erschienenen Buch ein Kapitel geschrieben. Ich war einer der ersten, der mit türkischen Bürgern gemeinsam an einem langen Tisch im Restaurant Bosporus in Köln im Rahmen meiner Sendereihe Hobbythek einen Hammel verspeist habe – live vor den Kameras. Natürlich war ich auch entsetzt, als ich von den Verbrechen der rechts-terroristischen NSU-Clique erfuhr, die verantwortlich für Morde an vielen Bürgern türkischer Herkunft waren. Leider hat sich jetzt in Deutschland wieder eine rechtslastige Partei, die AFD, etabliert, auf deren Konto viele Fremdenhass-Kommentare in den neuen Medien zurückgehen, die jetzt in Hanau zu weiteren Morden führten.

Das heißt nicht, dass ich z. B. auch die undemokratischen Verhältnisse in der Türkei kritisieren muss, für die vorwiegend Präsident Recep Tayyip Erdogan und seine von ihm abhängige AKP verantwortlich gemacht werden kann. Ich weiß, dass viele Deutsch-Türken leider ganz anders sehen, und insofern verstehe ich auch die teils wütenden Kommentare, die sie mir auf meine Facebook-Eingabe gesendet haben. Aber ich möchte nicht mit gleicher Münze antworten, sondern es meistens mit dem Emotion ‚traurig‘ versehen. Denn – nur um ein Beispiel zu nennen – viele meiner Kollegen Journalisten in der Türkei sind entweder mund-tod gemacht worden oder schmachten auch heute noch langfristig in Untersuchungshaft oder werden mit fragwürdigen Urteilen zu langjährigen Haft-Strafen verurteilt. Pressefreiheit ist die Voraussetzung für jedwede Demokratie, sonst kann sich der Staat nicht mit diesem Attribut schmücken.  Auch der militärische Einfall in die Randgebiete Syriens kann ich als objektiver Beobachter nicht gutheißen. Das war völkerrechtswidrig. Und ist einer der Ursachen für viele Flüchtlingsbewegungen.

Umgekehrt verurteile ich auch die terroristischen Aktivitäten der radikalen kurdischen Aktivisten, obwohl ich auch diesem Kulturvolk eine unbedingte Daseinsberechtigung zuspreche. Wie einfach wäre es, wenn man diesem Volk im Rahmen eines türkischen Bundesstaates eine begrenzte Autonomie zukommen ließe, wie wir das ja auch mit Bayern und Sachsen machen.

Um ein wenig Humor mit einzubringen: Das deutsche Volk muss auch die rheinische Nonchalance ertragen und profitiert davon.

Das, was Erdogan jetzt mit den Flüchtlingen treibt, halte dich ebenso für unverantwortlich. Er weiß ganz genau, wenn er diese unkontrolliert in die EU schickt, dass dann der Zusammenhalt in der EU zerbricht. Er greift damit unmittelbar in unseren Angelegenheiten ein, was er sich selbst stets verbittet.

Aber ich möchte jetzt hier nicht einen Roman verfassen. Bitte hören oder lesen Sie in meinen nächsten Facebook-Kommentar, in dem ich weitere Aspekte zum Flüchtlingselend aufzähle, die nicht unter den Tisch gefegt werden können. Selbstverständlich würdige ich auch die bisherige Tatsache, dass das türkische Volk sehr vielen Flüchtlingen Asyl gewährt hat, alle Achtung. Sie sollten wissen, dass ich eine große Sympathie für das türkische Volk besitze, und mir auch bewusst ist, dass wir ohne Migration aus der Türkei große wirtschaftliche Probleme entstanden wären.  Es ist ein Geben und Nehmen. Wir Deutschen müssen nicht nur Gleichberechtigung pflegen, können aber auch von der anderen Seite erwarten, dass sie sich integrieren lassen, ohne auf ihr Individualität zu verzichten. Es lebe die Multikulturelle Gesellschaft.

Um noch einmal auf das Thema Flüchtlinge zurück zu kommen: Auch die EU und die deutsche Regierung spreche ich nicht frei von vielen Fehlern. Aber wir können nicht alle Probleme, die in Nahost oder ganz Afrika, die teilweise auf interne islamische Auseinandersetzungen und den daraus resultierendem Terror beruhen,  lösen. Ich appelliere nochmals auch an unsere türkischen Mitbürger: Wenn sie noch so sehr solidarisch mit Erdogan sind, sich in ihren Methoden und insbesondere ihrem Hass zurückzuhalten und die Gastfreundschaft zu respektieren.

Herzlichst

Ihr Jean Pütz

Erdogan greift in Europäische Politik ein

(Morning Briefing) – Die Bilder an der türkisch-griechischen Grenze bringen die Große Koalition zurück zu einem Thema, das sie eigentlich verdrängen wollte: die unbewältigte Migrationsfrage.

► Laut UN-Angaben harren Zehntausende Flüchtlinge an der türkisch-griechischen Außengrenze der Europäischen Union aus. Griechische Sicherheitskräfte gingen gestern erneut mit Blendgranaten und Tränengas gegen Migranten vor.

► Bundeskanzlerin Angela Merkel will von einer Willkommenskultur nichts mehr wissen. Ihr Sprecher Steffen Seibert warnte die Migranten gestern vor einem Aufbruch Richtung Europa: „Wir erleben Flüchtlinge und Migranten, denen von türkischer Seite gesagt wird, der Weg in die EU sei nun offen, und das ist er natürlich nicht.“ Auf die Frage, ob der Satz der Kanzlerin weiter gelte, dass sich 2015 nicht wiederholen werde, sagte er: „Der hat seine Gültigkeit.“

► Erdogan hatte den Streit gestern befeuert und den Druck auf die EU erhöht. Die Grenzen blieben offen, sagte Erdogan in einer Fernsehansprache. Jetzt sei es an der EU, ihren „Teil der Last“ zu tragen. „Hunderttausende“ Flüchtlinge hätten sich seit der Grenzöffnung auf den Weg Richtung Europa gemacht, „bald werden es Millionen sein“, sagte Erdogan.

In Berlin positionieren sich die Parteien entlang ihrer Wählermilieus. Grünen-Chefin Annalena Baerbock gibt die Wortführerin der Gestrandeten und ruft zur Aufnahme der Flüchtlinge in Form von Kontingentlösungen auf:

„Deutschland sollte vorausschauend seine eigenen Kapazitäten an Flüchtlingsunterkünften wieder aktivieren.“

Damit begibt sich die grüne Spitzenpolitikerin in offenen Widerspruch zur CDU – und zur Mehrheit der deutschen Bevölkerung.

Führende Unionspolitiker warnen vor einer Öffnung der EU-Außengrenze und wollen diese notfalls auch mit robusten Mitteln verteidigen. Friedrich Merz, Kandidat für den CDU-Vorsitz, rief den Migranten und Flüchtlingen zu:

„Wir können euch hier nicht aufnehmen.“

Gabor Steingart

 

Abbau der deutschen Wirtschaft!

(Morning Briefing) – Einer der gewaltigsten Kritiker der medialen Erregungsindustrie ist Frank Castorf. Der aus der DDR stammende Ex-Intendant der Berliner Volksbühne pflegte zu sagen:

„Die DDR ist ja nicht abgeschafft worden, sie ist eingeschlafen. Und nun sitzen wir auf einem Karussell, das sich zu Tode dreht. Kollektive Verblödung und moralische Deformation haben einen geschichtlich einmaligen Stand erreicht.“

Das ist grob gesagt, aber trifft zuweilen den Kern der medial verstärkten Angstpsychosen. Die ins Grobe und Grelle entrückte Berichterstattung über Klimawandel und Corona-Epidemie verzwergt alle anderen Tatsachen, auch die über den Abstieg der deutschen Volkswirtschaft.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zur sinkenden Produktivität im verarbeitenden Gewerbe hätte in normaler Zeit die Schlagzeile auf Seite 1 verdient. Hier sind die unbequemen Wahrheiten:

► In den ersten drei Quartalen 2019 stiegen die Lohnstückkosten um 6,7 Prozent – und damit stärker als in allen anderen 27 untersuchten Ländern, darunter Frankreich, Großbritannien, USA und Japan.

► Die deutsche Position gegenüber dem Euroraum ist damit so schlecht wie zuletzt 2002 und nur noch drei Prozent günstiger als 1999.

Dabei stand Deutschland bereits 2018 alles andere als zufriedenstellend dar:
► Die Arbeitskosten in Deutschland – also die anfallenden Kosten für Löhne, Abgaben und Steuern pro Stunde – lagen mehr als ein Viertel höher als im Durchschnitt der 27 untersuchten Länder. In Japan betrugen sie nur 54 Prozent des deutschen Niveaus, in Polen sogar nur 17 Prozent.

Der Wettbewerbsnachteil Deutschlands resultiert aus der schlichten Tatsache, dass der Sozialstaat schneller wächst als die Produktivität der Firmen. Damit fällt Deutschland, obwohl die Wirtschaft ihre Leistung steigerte, immer weiter zurück:

► Rund eine Billion Euro pro Jahr gaben Bund, Länder und Kommunen zuletzt für Sozialleistungen aus – was bald 30 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Dieses Geld wird über Steuern und Sozialabgaben vorher bei Unternehmern und Arbeitnehmern eingesammelt. Der Faktor Arbeit verteuert sich und verschlechtert international seine Wettbewerbsposition.

► Zum Vergleich: Laut OECD gaben die USA 2018 knapp 19 Prozent ihres BIPs für Sozialleistungen aus, im OECD-Schnitt sind es 20 Prozent.

Neben den für jedermann sicht- und spürbaren Geldflüssen reicht der Sozialstaat aber auch Ansprüche auf künftige Renten, Pflege- und Krankenkosten aus, die durch keinerlei Einnahmen gedeckt sind. Die Experten sprechen von der impliziten Staatsschuld, also den noch nicht sichtbaren Schulden durch staatliche Leistungsversprechen. Nach jüngster Berechnung der Stiftung Marktwirtschaft beträgt diese heimliche Staatsschuld 5,6 Billionen Euro. Das sind 163 Prozent des 2019 erwirtschafteten BIPs.

► Rechnet man die explizite Staatsschuld – also die heute schon sichtbare und offiziell ausgewiesene Staatsverschuldung – hinzu, ergibt sich für die nachfolgenden Generationen eine Nachhaltigkeitslücke von 7,6 Billionen Euro, was wiederum 221 Prozent des BIP entspricht.

► Diese Nachhaltigkeitslücke stieg damit innerhalb nur eines Jahres um 58 Prozent. 2018 betrug sie noch 4,8 Billionen Euro. Das Festival der Leistungsversprechen – von der Grund- über die Mütterrente bis hin zur Rente mit 63 – wirft einen düsteren Schatten auf die Zukunft der deutschen Leistungsfähigkeit.

Fazit: Damit endet die Ära Merkel so, wie die Ära Schröder begonnen hatte. Der SPD-Kanzler hatte das Land mit einem Höchststand bei den Lohnstückkosten übernommen und dank seiner Reformagenda 2010 die Wettbewerbsposition der Deutschen spürbar verbessert. 2007, zwei Jahre nach Übernahme durch Angela Merkel, erreichte das Land seinen bis dato günstigsten Wert. Bitter, aber wahr: Merkel hat Schröders Erfolge nicht verlängert, sondern verfrühstückt.

Gabor Steingart

02.03.2020 Erdogan erpresst Europa mit dem Schicksal von Flüchtlingen

Erdogan erpresst Europa, wie können wir ihm den Zahn ziehen.

Ad-Hoc und kurz, ein Vorschlag, der zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, aber vielleicht der einzige Ausweg aus diesem extrem gefährlichen Dilemma, dass uns Europäer noch teuer zu stehen kommen wird.
Europa muss mit Assad und Russland verhandeln, aber unter unabdingbaren Voraussetzungen:

1) Eine Amnestie für alle Gegner und Flüchtlinge und Rückkehr-Möglichkeiten aus Europa und Syrien, streng kontrolliert von den Vereinten Nationen, der NATO und der EU.
2) Rückgängigmachung von allen Vermögens- und Grundstück-Enteignungen.
3) Entwicklung eines europäischen Marshallplans zum Wiederaufbau von Syrien.
4) die Türkei mit strengen Sanktionen belegen, wenn sie sich nicht aus Syrien zurück zieht.

Folge 70. Mit Vernunft in die Zukunft, oder?

28.02.2020 Bedeutet ein Kopftuchverbot Rassendiskriminierung ?

Liebe Freunde,

Heute Morgen wurde im Deutschlandfunk eine Sendung ausgestrahlt, in der Muslime ihre Meinung über die Verhältnisse in Deutschland äußern konnten. Einige haben sich beschwert, besonders im Bezug zum Kopftuchverbot, das vom Bundesverfassungsgericht bei bestimmten Funktionen für Gerichts-Referendare verhängt worden ist. Meines Erachten wurde in diesem Zusammenhang einmal wieder das Wort Rassendiskriminierung zitiert.

Dazu möchte ich kurz Stellung nehmen: Ich warne davor, alles in einen Topf zu werfen. Selbstverständlich gilt bei uns grundgesetzlich verankert die Religionsfreiheit. Ich persönlich pflege engen Kontakt zu vielen Muslimen und habe Anfang der 80er Jahre in einer Hobbytheksendung ganz bewusst mit türkischen Landsleuten beim Fastenbrechen demonstrativ vor der Kamera ein Mahl eingenommen, bei dem nicht nur ein Hammel verspeist wurde. Damit wollte ich gegen die sich damals schon abzeichnende Fremdenfeindlichkeit ein Zeichen setzen.

Trotzdem warne ich davor, den Begriff Rassendiskriminierung und Rassenhass zu inflationieren, wie es häufig in der Presse und der Politik zu beobachten ist. Ich mache mir große Sorgen, dass das so manchen Bürger, der Ansätze von Fremdenfeindlichkeit entwickelt, in die Arme der AFD treibt. Klar, dass diese Partei, der es nicht gelingt, Anhänger des Faschismus aus ihren Reihen zu eliminieren, diese Verhältnisse gerne aufgreift, gegen den Islam im allgemeinen zu agitieren und darin eine Privilegierung dieser Religion sieht. Wir christlichen Deutschen würden ja auch nicht demonstrativ ein großes Kreuz auf der Brust tragen.

Folge 68 Mit Vernunft in die Zukunft, oder?