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Die Bedeutung des Lesens für begreifliche Bildung

(Readly) – Wer liest warum? Diese und andere Fragen rund um das Leseverhalten sind Gegenstand der von Readly beauftragten YouGov-Studie*. Im Vergleich mit 10 anderen Märkten findet sich als Antwort für Deutschland: Die Leser*innen fühlen sich in erster Linie inspiriert (21 %), während andere Länder ihren Fokus auf Wissensaneignung (Italien 53 %; Schweiz 54 %) oder Entspannung (Niederlande 37 %) legen.

Doch Inspiration ist nicht der einzige Grund für das Leseverhalten der Deutschen.

Durchschnittlich 44 % und damit fast jeder zweite Deutsche gibt an, dass ihm das Lesen ermöglicht, sich weiterzubilden und zu lernen. In den Altersgruppen der 40-49-Jährigen (45 %) über 60-Jährigen (48 %) ist dieser Aspekt überdurchschnittlich präsent. Für letztere spielt auch die Tatsache eine Rolle, dass Lesen ihnen neue interessante Inhalte für den Austausch mit anderen bietet (15 %).

Deutsche Leser*innen wollen auf dem Laufenden bleiben. Besonderes Interesse an Informationen zeigen die 50-59-Jährigen (46 %) und die über 60-Jährigen (57 %) – insbesondere dann, wenn sie in Bayern (45 %), Berlin, Sachsen oder Thüringen zuhause sind.

Lesen wird nicht nur zur Inspiration und Information genutzt, sondern es entspannt die deutschen Leser*innen auch (32 %). Besonders die 50-59-Jährigen (36 %) und die über 60-jährigen (35 %) nutzen die entschleunigende Wirkung, um Ruhe und Zeit für sich zu finden. Circa 22 % möchten beim Lesen unterhalten werden. Überdurchschnittlich viele 40-49-Jährige (25 %) lesen mit dieser Intention oder nutzen die Lektüre zur Ablenkung (18 %).

„Mit unserem Portfolio von 1.500 deutschen und 7.500 internationalen Magazinen -und Zeitungen können wir viele Lesewünsche, erfüllen. In unseren weltweit 140.000 bereitgestellten Magazinausgaben findet sicher jede*r Inspirationen, Entspannung und das Maß an Information, das in der jeweiligen Situation gewünscht ist“; sagt Jan Sebastian-Blender, Head of Content von Readly.

* Die Umfrage wurde vom Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von Readly durchgeführt. Vom 24.-26. November 2021 fanden Interviews mit 12.374 Befragten über 18 Jahren aus Schweden, Deutschland, UK, der Schweiz, Österreich, Frankreich, den Niederlanden, USA, Australien und Italien statt.

Klimaumbau der Industrie könnte bis zu 40 Milliarden Euro kosten

Meines Erachtens ist dieser Betrag viel zu niedrig, es sei denn, die für Deutschland so wichtigen Industriebereiche wie Stahl und Automobil verlassen Deutschland und lagern sich mit gleichem CO2-Ausstoß in China an.

Jean Pütz

Kriegsgefahren auch aus den Weltmeeren – NATO hin, NATO her

(Konrad Adenauer Stiftung) – An entscheidenden Orten ihres Bündnisgebiets ist die Atlantische Allianz zunehmend verwundbar geworden: Tiefsee, Cyberspace und Weltraum fordern die Sicherheit der NATO-Mitgliedsstaaten in unterschiedlichen Dimensionen heraus. In diesen Konflikträumen der Zukunft verschwimmen die Grenzen zwischen innerer und äußerer Sicherheit; dort legt die Bedrohung von Kritischen Infrastrukturen die technologische Fragilität der Allianzmitglieder verstärkt offen. An der Seite seiner Verbündeten wird Deutschland in seine Widerstands- und Regenerationsfähigkeit investieren müssen, wenn es die Sicherheit seiner Bürger wahren, zukünftig in Freiheit prosperieren und im 21. Jahrhundert nicht zum Spielball fremder Interessen werden will.

In der Tiefsee verbirgt sich ein essentieller Teil unserer Kritischen Infrastruktur: Pipelines für die Energieversorgung oder Tiefseekabel, über die heute rund 98 Prozent aller weltweiten Daten übermittelt werden. Im arktischen Raum zeichnet sich ein Ressourcenkonflikt ab, seitdem durch das Abschmelzen der Pole neue Öl-, Gas- und Metallvorkommen einfacher erschlossen werden können. Während die Deutsche Marine derzeit die größte Aufgabenvielfalt ihrer Geschichte mit der kleinsten Flotte seit ihrer Gründung erfüllen soll, schlafen unsere Rivalen nicht: Seit der Indienststellung des Atom-U-Boots „Belgorod“ und der Entwicklung des Torpedos „Poseidon“ verfügt Russland über eine verstärkte Zweitschlagskapazität, die die maritime Sicherheit der Allianz aus der Tiefe bedroht. Auch die Volksrepublik China ist seit vielen Jahren im arktischen Raum aktiv und hat mittlerweile die weltgrößte Marinestreitmacht aufgebaut.

Fusionsreaktor JET erzielt neuen Weltrekord

Schon 1970 – also vor über 50 Jahren – habe ich in meiner Sendereihe ‚Energie, die treibende Kraft‘, sie umfasste 13 Folgen, der Fusionsenergie eine ganze Folge gewidmet. Meine Recherchen führten mich vor allen Dingen nach Deutschland, nach Garching bei München zum Max-Plank-Institut. Dort – aber natürlich auch in vielen anderen Ländern, insbesondere in Frankreich und Großbritannien wurde ebenso geforscht, ja, es entstand sogar ein europäischer Forschungsverbund. Überall versicherte man mir, dass spätestens in vierzig Jahren die Welt auf diese grenzenlose Fusionsenergie zugreifen könnte. Schon damals war ich skeptisch, denn man benötigt, um  die Energiequelle der Sonne auf die Erde zu holen, mehr als 100 Mio. Grad Celsius. Das gelang aber nur auf zerstörerischer Weise in der Wasserstoffbombe, in deren Innerem eine Atombombe durch Kernspaltung diese Temperatur erzeugte. Das führte zu einer unkontrollierbaren Fusions-Explosion, wie wir aus extremen Experimenten z. B. auf bedauerlichen Atolls im Pazifik beobachten konnten.  Der Radioaktive Abfall, genannt Fallout, der dabei entstand, war so furchtbar, dass diese Inseln heute noch nicht bewohnbar sind.

Das Problem ist, dass es keine Materialien gibt, die hunderte Millionen von Grad Celsius aushalten. Deshalb hat man von Anfang an auf den Magnetismus gesetzt, bei diesen Temperaturen wird alle Materie elektrisch leitend, sie werden zum Plasma, und die lassen sich durch Magnetfelder beeinflussen, z. B. komprimieren.

Wie Sie in der Pressemeldung der europäischen Fusionsforschungs-Institute lesen können, ist es nun gelungen, dieses magnetisch eingefangene Plasma in einem weit von der Wand des Reaktors entfernten Innen-Bereichs zu erzeugen, und diese Fusion einige Sekunden aufrecht zu erhalten. Die Materialien Deuterium und Tritium – das sind Wasserstoffkerne, die zum Proton des normalen Wasserstoffs im Kern auch noch ein zusätzliches Neutron (Deuterium) oder zwei Neutronen (Tritium) besitzen. Man kann auch von schwerem Wasserstoff reden. Diese Wasserstoff-Isotope findet man ausreichend im normalen Wasser der Weltmeere, so dass der Traum von der unbegrenzten Energiequelle Realität bekommen könnte. Allerdings besteht bisher das Problem darin, dass mehr Energie in die Auslösung des Prozesses gesteckt werden muss, als dabei heraus kommt. Es besteht aber jetzt Hoffnung, dass ein Energieüberschuss entsteht, so dass die Fusion sich selbst aufrecht erhält.

Damals waren es 40 Jahre, die mir prognostiziert wurden, diese Zeitspanne hat sich offenbar bis heute nicht geändert. „Könnte es sein, dass die Zeit-Dilatation, die in Albert Einsteins Relativitätstheorie eine wichtige Rolle spielt,  hier ihren Einfluss geltend macht??“ Aber Spaß beiseite, jedenfalls in den nächsten 30 bis 40 Jahren ist mit einem Erfolg nicht zu rechnen, so dass diese CO2-neutrale Energieerzeugung nicht dazu beitragen kann, die konkreten Klimaprobleme zu lösen. Bleibt halt nur der Ausweg, auf regenerative Energien aus dem Fusions-Reaktor unserer Sonne zu setzen, so schwer es auch fällt.

Jean Pütz

(pte) – Ein europäisches Forscher-Team unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) http://ipp.mpg.de und des Forschungszentrums Jülich http://fz-juelich.de haben in Sachen Fusionsenergie einen neuen Weltrekord aufgestellt. Ort des Geschehens war der weltweit größte Experimental-Fusionsreaktor JET im britischen Culham nahe Oxford. Fünf Sekunden lang verschmolzen in dem von mächtigen Magnetkräften eingeschlossenen Plasma Deuterium und Tritium, Isotope des Wasserstoffs, zu Helium. Dabei wurde eine Wärmeleistung von 59 Megajoule freigesetzt, mehr als doppelt so viel wie bei einem Experiment aus dem Jahr 1997 in der gleichen Anlage.

Zu klein für Netto-Energiegewinn

In der Einheit Leistung (Energie pro Zeit) ausgedrückt, erreichte JET etwas mehr als elf Megawatt über fünf Sekunden. Der bisherige Energierekord aus dem Jahr 1997 lag bei knapp 22 Megajoule Gesamtenergie und 4,4 Megawatt Leistung im Durchschnitt über fünf Sekunden. Die Energie, die zugeführt wurde, um die Fusion in JET in Gang zu setzen, war jedoch weitaus größer. Dass die Fusion nicht aufrechterhalten werden konnte, hat die Forscher aber nicht geärgert. Insgesamt sind in Culham mehrere 100 Wissenschaftler aus zahlreichen Ländern beschäftigt. Die Brennkammer von JET ist einfach zu klein, um einen Netto-Energiegewinn zu erzielen.

Der jetzige Erfolg zeigt, dass die Chancen für den weitaus größeren Fusionsreaktor ITER, der im französischen Cadarache gebaut wird, groß genug sind, ein länger dauerndes Plasma – so nennt man das über 100 Mio. Grad Celsius heiße Gemisch aus Deuterium und Tritium in der Brennkammer – zu erzeugen und sogar einen Energieüberschuss zu erzielen. JET war zuvor mit einer neuen Brennkammerwand ausgestattet worden, die aus dem gleichen Material besteht wie bei ITER: Aus einer Legierung aus Beryllium und Wolfram. Diese schluckt nicht so viele Neutronen wie die frühere Wandverkleidung aus Kohlenstoff. Diese „Leckage“ kühlt das Plasma ab, sodass die Fusion erstirbt.

Wissensvorsprung für ITER erreicht

„Die jüngsten Experimente im JET sind ein wichtiger Schritt hin zu ITER. Was wir in den vergangenen Monaten gelernt haben, wird es uns erleichtern, Experimente mit Fusionsplasmen zu planen, die wesentlich mehr Energie erzeugen, als für ihre Heizung benötigt wird“, so Sibylle Günter, wissenschaftliche Direktorin des IPP. Begeistert vom Ergebnis ist auch ITER-Generaldirektor Bernard Bigot: „Für unser Projekt sind die JET-Ergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass wir auf dem richtigen Weg sind, um die volle Fusionsleistung zu demonstrieren.“

Krieg oder Frieden, das ist die Schicksalsfrage Europas

Nicht nur der russische Dichter Lew Tolstoi hat seinen berühmten Roman diesem Thema gewidmet, auch unsere Großväter, Väter und meine Generation als Jugendliche haben die konkreten Folgen von Kriegen erleben müssen, wenn sie überhaupt überlebt haben. Mein deutscher Großvater ist z. B. im Ersten Weltkrieg an der Somme gefallen, eine unangebrachte Bezeichnung für eine spezielle Art von Hinrichtung.
Nach dem Zweiten Weltkrieg, den ich persönlich mit allen Schrecken erleben musste, haben wir nie für möglich gehalten, dass der Kriegt jemals in Europa wieder als Mittel der Politik eingesetzt würde. 75 Jahre Frieden – soll das jetzt vorbei sein? Die Vereinigung Europas hat das bisher möglich gemacht.
Diesen Kommentar verfasse ich heute aus der Europa-Stadt Straßburg. Das Video ist deshalb leider technisch nicht so ganz perfekt, doch ich fühlte mich dazu veranlasst, weil diese Stadt ein Symbol für Frieden und Überwindung einer Erbfeindschaft zwischen Franzosen und Deutschen darstellt. So etwas ist auch mit Russland möglich. Ich weiß nicht, ob Politiker so vergesslich sind, aber offenbar sind ihnen Ideologien wichtiger, als dass Menschen in Frieden leben können. Es ist nicht zu leugnen, dass derzeit große Gefahr besteht, in eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Russland und der Ukraine hineingezogen zu werden.
Auch die Ukraine ist kein Musterknabe was Demokratie und Einhaltung von Verhandlungsergebnissen anbelangt. Frieden oder wenigstens eine Art Waffenstillstand kann nur entstehen, wenn man beiderlei Interessen miteinander vergleicht und zu einem Ausgleich kommt. Putin, als vom Westen und der NATO deklarierter Kriegstreiber, hat legitime Interessen, die er jetzt gerade In Moskau ganz deutlich gegenüber dem französischen Präsidenten, Emmanuel Macron, artikuliert hat. Der Westen, insbesondere die USA und die NATO, täten gut daran, wenn sie diese Interessen berücksichtigen würden. Der berühmte SPD-Politiker Klaus von Dohnanyi, hat heute, am 09. Februar im Deutschlandfunk ein Interview gegeben, in dem deutlich zum Vorschein, dass die NATO-Erweiterung bis an die Grenzen Russlands ein historisch großer Fehler war. Verantwortlich dafür wären besonders die Politik der USA und in deren Gefolge die der NATO-Staaten.
Hier der Link zu diesem Hörfunkkommentar:
Ich hoffe, dass diese klugen Aspekte in zukünftigen Verhandlungen wesentlich mit prägen. Sollte ein Krieg tatsächlich entstehen, würden die angedrohten Sanktionen nur Deutschland schaden – Stichwort: Ostsee-Pipeline. China steht bereit, Russland die dadurch entstehenden Nachteile umgehend zu kompensieren. Ist die Ukraine, in der vorwiegend Oligarchen das Sagen haben, das Wert?
Als unverschämt und anmaßend empfinde ich, was der ukrainische Botschafter, Andrij Melnyk in Berlin im Presseinterview verkündet hat. Er beschimpft die Deutschen, dass sie der Ukraine keine Waffen liefern. Hoffentlich bleibt die Regierung der Ampelkoalition bei der Ablehnung und erträgt das Drängen auch mancher NATO-Staaten, die die BRD als wenig solidarisch bezeichnen.
Frieden ist wichtiger als alles und ein Krieg ist niemals durch Lieferung von Waffen verhindert worden. Nur kluge Diplomatie hilft weiter. Die russischen Bürger sind keine Erbfeinde.
Folge 249 Der Vernunft eine Chance

 

Rücksichtslose Weltmacht: China

(Morning Briefing) – Wer die Welt – und sei es nur für ein paar Minuten – mit den Augen von Xi Jinping betrachtet, wird eine faszinierende Entdeckung machen. Der chinesische Staatschef und KP-Generalsekretär, der keine Status-quo-Macht, sondern eine Weltmacht im Werden verkörpert, sieht vor sich nicht nur das, was die Amerikaner als „window of opportunity“ bezeichnen, sondern er sieht vor sich eine ganze „world of opportunities“.

Ein ums andere Mal weicht sein großer Gegenspieler, der Westen, freiwillig zurück. Amerika spitzt die Lippen. Aber pfeift nicht. Man droht, ohne zu handeln. China muss nichts weiter tun, als bei dieser historischen Entladung von Weltmachtenergie zuzuschauen. Fast könnte man meinen, Amerika sei als John Wayne gestartet um als Monty Python zu landen.

Die Geschichte der vergangenen drei Jahrzehnte ist eine Geschichte des Rückzugs:

Die ehemals britische Kronkolonie Hongkong wurde am 1. Juli 1997 feierlich an die Volksrepublik China übergeben. Im „Hongkonger Grundgesetz“ hat man demokratische Grundrechte für die 7,5 Millionen Bewohner von Hongkong niedergeschrieben, die seither lustvoll ignoriert werden. Hongkong ist heute das kapitalistische Kronjuwel der Volksrepublik China.

Präsident Barack Obama kündigte im Syrienkonflikt dem dortigen Machthaber Baschar al-Assad Vergeltung an, wenn er die rote Linie überqueren würde:

Die rote Linie wurde überquert. Am 23. August 2013 starben in der Region Ghuta östlich von Damaskus durch eine Reihe von Giftgasangriffen rund 1700 Menschen. Obama zauderte. Heute ist er Geschichte und der syrische Machthaber sitzt fester im Sattel denn je.

Russlands Präsident Putin marschierte am 27. Februar 2014 auf der Halbinsel Krim ein und verschmolz die bis dahin ukrainische Republik mit seiner Russischen Föderation. Der UN Sicherheitsrat tagte; das Weiße Haus tobte und Putin bekam, was er sich genommen hatte.

Präsident Donald Trump war der Weltmeister im politischen Schattenboxen. Er wollte Amerika großartig machen und einigte sich schließlich mit den Taliban auf die kampflose Übergabe Afghanistans. Nachdem Joe Biden diese Verabredung durch den Rückzug aus Kabul in die Realität umgesetzt hat, darf wieder gesteinigt und geköpft werden. Oder um in den abgewandelten Worten des ehemaligen deutschen Verteidigungsministers Peter Struck zu sprechen:

An der ukrainischen Ostgrenze ist eine neuerliche Unterhöhlung staatlicher Autorität durch die Russen zu beobachten. An die 650.000 Bewohner in den nicht anerkannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk wurden bereits russische Pässe ausgegeben. In Reichweite stehen rund 100.000 russische Soldaten.

Der ehemalige außenpolitische Berater von Angela Merkel und künftige Chef der Münchner Sicherheitskonferenz Christoph Heusgen fordert Waffenlieferungen an die Ukraine, damit Kiew wenigstens seine Selbstverteidigung organisieren kann. Die neue Bundesregierung verweigert sich dem Ansinnen: „Die wichtigste geopolitische Erkenntnis dieser Tage ist die anhaltende Schwäche der europäischen Außen- und Verteidigungspolitik”, schreibt Dr. Robert Kelly in „19FortyFive”.

Der chinesische Machthaber kann aus alledem nur einen Schluss ziehen: Wenn er eines womöglich nicht mehr so fernen Tages die abtrünnige Provinz Taiwan annektieren sollte und die 24 Millionen Taiwanesen in das 1,4 Milliarden Volk einverleibt werden, werden sich viele Münder, aber keine Hände regen. Die Annexion Taiwans werden die ihre Freiheit liebenden Taiwanesen verhindern – oder niemand.

Fazit: Der Westen war früher ein Schwergewichtsboxer und ist heute ein Bodybuilder, der sich vom Kämpfen aufs Posing verlagert hat. Man will nicht mehr siegen. Man will imponieren. Und das vor allem dem heimischen TV-Publikum.

Und der Mann in Peking? Hält ohne eigenes Zutun plötzlich eine Carte blanche in der Hand. Der Tag, an dem er sie ausspielt, wird für uns kein fröhlicher sein.

Ein weiterer Grund zur Freude für Xi Jinping: Am Freitag starten die 24. Olympischen Winterspiele in Peking. Allerdings: Es regt sich Widerstand. Nicht nur aufgrund der umstrittenen Menschenrechtslage im Reich der Mitte, sondern auch aus Umweltaspekten. Die Geografie-Professorin Carmen de Jong von der Uni Straßburg vertritt die These:

Die Spiele werden die am wenigsten nachhaltigsten aller Zeiten. “

Dass Olympische Spiele eine hohe Belastung für Mensch und Umwelt bedeuten, ist nicht neu. In Peking werden aber nochmal neue Dimensionen erreicht. Hier ein paar Fakten:

  • Es existiert so gut wie kein natürlicher Schneefall in der Region. Für den ordnungsgemäßen Ablauf der Skirennen werden in etwa 185 Millionen Liter Wasser zur Produktion von Kunstschnee benötigt.
  • Wegen des geringen Niederschlags in der Region gelangt das Wasser über kilometerlange Pipelines, die unterirdisch neu verlegt wurden, in die Skigebiete

Geimpft oder Genesen: Drei Kontakte mit dem Spike-Protein führen zu gutem Immunschutz

(Helmholtz) – Laut einer neuen Studie unter Leitung von Ulrike Protzer erreicht eine Durchbruchsinfektion mit SARS-CoV-2 nach zwei Impfungen den gleichen Schutzeffekt wie eine dritte Impfung. Entscheidend für die Immunität ist, so die Studie von Helmholtz Munich, LMU und TUM, dass das Immunsystem drei Kontakte zum viralen Spike-Protein hatte. Nur so kann es ausreichend hochwertige Antikörper bilden, die den Körper auch für künftige Varianten wappnen.

Seit Beginn der COVID-19-Pandemie verändert sich das Coronavirus SARS-CoV-2 immer weiter. Neue besorgniserregende Varianten breiten sich rasant aus: eine Herausforderung für Ärztinnen und Ärzte, denn als Frage bleibt, wie es gelingt, Menschen bestmöglich gegen Infektionen mit künftigen Virusvarianten zu schützen.

Antworten hat ein Team um Ulrike Protzer (Institut für Virologie von Helmholtz Munich und der Technischen Universität München), Percy A. Knolle (Klinikum rechts der Isar der TUM) und Oliver T. Keppler (Max von Pettenkofer-Institut und Genzentrum der LMU) in einer Kollaboration im Rahmen des Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gefunden. Wie das Team in einer neuen Studie belegt, braucht das Immunsystem insgesamt drei Kontakte zum Spike-Protein als viralem Antigen, damit sich neutralisierende Antikörper nicht nur in ausreichender Menge, sondern auch in hoher Qualität bilden. Das ist laut Studie in drei Konstellationen möglich: nach Dreifach-Impfung (Grundimmunisierung und Booster), nach Infektion und zweifacher Impfung sowie nach zwei Impfungen und einer Durchbruchsinfektion.

„Unsere Studie zeigt, dass dreifach geimpfte Personen ohne vorige SARS-CoV-2-Infektion das Virus genauso gut neutralisieren können wie geimpfte Genesene oder geimpfte Personen, die eine Durchbruchsinfektion hatten“, erklärt Ulrike Protzer. „Damit wissen wir nun, dass eine durch Impfung aufgebaute beziehungsweise verstärkte Immunität zwar der wichtigste Schlüssel zu einem effektiven Schutz vor zukünftigen Varianten des Virus ist, aber auch eine Durchbruchsinfektion, auch wenn sie unschön ist, den Effekt einer zusätzlichen Impfung hat.“

Hintergrund der Studie
Für die Studie wurden seit Beginn der Pandemie 171 Freiwillige aus dem Kreis der Mitarbeitenden am Klinikum rechts der Isar der TUM rekrutiert und regelmäßig untersucht. Hierbei wurde eine Gruppe identifiziert, die sich in der ersten Pandemie-Welle im Frühjahr 2020 mit SARS-CoV-2 infiziert hatte, und eine zweite Gruppe, die sich nicht infiziert hatte. Später wurden beiden Gruppen Impfungen mit dem mRNA-basierten COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer angeboten, und sie wurden knapp zwei Jahre lang nachverfolgt. Die Kohorte umfasste 98 Genesene und 73 Personen ohne vorherige Infektion. Beide Gruppen waren hinsichtlich ihres Geschlechts, Alters, hinsichtlich der Arbeitsbedingungen und hinsichtlich weiterer Risikofaktoren vergleichbar. Die Forschenden bestimmten aus dem Blut der Proband*innen mehrere Parameter: die Menge der Antikörper (IgG), die Stärke der Bindung zwischen Virus-Protein und Antikörper sowie die Fähigkeit von Antikörpern, SARS-CoV-2 Varianten in Zellkultur zu neutralisieren. Die beiden erwiesen sich als sind besonders wichtig, um das Ausmaß der schützenden Immunität abzuschätzen.

Geothermieforschung – hilft Deutschland Klimaziele zu erfüllen

Der Anteil der Wärme am Energiebedarf Deutschlands wurde völlig unterschätzt. Wolkenkuckucksheime gaukelten den Bürgern vor, alles könnte über den elektrischen Strom, sowohl was regenerative Quellen aus Sonne, Wind, Biogas und Wasserkraft angeht, geregelt und verteilt werden. Dass die Primär-Energie nicht nur die elektrische Energie umfasst, sondern auch die Wärme, schien keine Rolle zu spielen. Auf diese Weise wäre die Einhaltung der ambitionierten CO2-Ziele niemals erreichbar gewesen.

Jetzt kommt die Geothermie ins Spiel. Theoretisch könnte diese eine Lösung aus der Kalamität bieten. Das KIT in Karlsruhe, aber auch andere technisch-wissenschaftliche Institute forschen daran. Hoffentlich werden dabei nicht nur die Ziele definiert, sondern auch die technische Realisierung wie die innere Wärme des heißen Kerns unseres Globus angezapft werden können. Manchmal reicht diese Magma, besonders in Gegenden, die in der Vergangenheit durch Vulkane geprägt wurden, relativ nahe an die Erdoberfläche heran. Aber Gebiete, die vorwiegend durch Sedimente entstanden sind, schaffen größere Probleme, denn da müssen schon Erdbohrungen weit über 10.000 Meter installiert werden. Mit welchen technische Mitteln wird dann die Wärme nach oben transportiert? Vermutlich durch Wasser, welches aber auf keinen die Grundwasserschicht beeinflussen darf. Diese Schicht muss also durch Rohre durchdrungen werden, in denen dann kaltes Wasser den Wärmetransport übernimmt. Es erhitzt sich in der geothermalen Schicht und muss dann durch eine zweite Röhre wieder nach oben transportiert werden – und das in einem riesigen Maßstab, denn der Wärmebedarf von ganz Deutschland macht mindestens 50% (frei geschätzt)  der benötigten Primärenergie aus. Der Vorteil, es kann dezentral über ganz Deutschland verteilt werden, sofern die geologischen Voraussetzungen erforscht sind. Trotzdem ist dabei mit Nebenwirkungen und Risiken zu rechnen. Dabei kann man nur hoffen, dass diese von Anfang an in die Lösung mit einbezogen und den Bürger objektiv vermittelt werden.

Der folgende Pressebericht beschreibt allerdings nur die Forschungsziele, weniger die konkrete Lösung – doch die Hoffnung stirbt zuletzt

Jean Pütz

(KIT) – Die Hälfte der kommunalen Wärme soll bis 2030 aus klimaneutralen Quellen kommen. Zu diesem Ziel der Bundesregierung kann die Tiefe Geothermie einen großen Beitrag leisten, weil sie beständig und witterungsunabhängig lokal Energie liefert und wenig Fläche in Siedlungen belegt. Eine gemeinsame Roadmap von Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft, darunter das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und der Fraunhofer-Gesellschaft zeigt, dass Tiefe Geothermie ein Marktpotenzial in Deutschland besitzt, welches Ausbauziele von mehr als einem Viertel des jährlichen deutschen Wärmebedarfes (über 300 TWh) eröffnet. Das Papier gibt Handlungsempfehlungen, um dieses Ziel zu erreichen – so brauche es klare Ausbauziele, großflächige, geologische Erkundung, Investitionen in Schlüsseltechnologien und Fachkräfteaufbau.

„Um das Ausbauziel von mehr als 300 Terawattstunden erreichen zu können, brauchen wir Technologieentwicklung“, sagt Prof. Thomas Kohl vom Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT. Er koordiniert das künftige Untertage-Forschungslabor GeoLaB, eine gemeinsame Initiative des KIT mit dem Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum (GFZ) und dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ). „Die Anwendung und Entwicklung modernster Monitoring- und Analysewerkzeuge im künftigen Untertage-Forschungslabor GeoLaB werden die Erkenntnisse liefern, die für eine sichere und ökologisch nachhaltige Nutzung der Geothermie und weiterer unterirdischer Ressourcen von großer Bedeutung sind. Ganz wesentlich ist dabei auch die transparente Interaktion mit der Öffentlichkeit und den Entscheidungsträgern“, erläutert Kohl.

„Ohne Geothermie wird eine Dekarbonisierung des Wärmesektors in Deutschland nicht möglich sein. Die natürlichen Wärmepotenziale im Untergrund sind hierfür in den meisten urbanen Räumen vorhanden. Der nachhaltige Ausbau von Geothermie ist eine Investition in die Städte unserer Zukunft“, sagt Professor Ingo Sass, Leiter der Sektion „Geoenergie“ am GFZ. „Die Forschungseinrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft tragen mit ihren strategisch ausgerichteten Arbeitsprogrammen und ihren einzigartigen Forschungsinfrastrukturen wie beispielsweise dem zukünftigen Untertage-Forschungslabor GeoLaB maßgeblich zum Gelingen der Transformation bei“, so Sass weiter.

Untertage-Forschungslabore wie das GeoLaB besitzen Sass zufolge eine zentrale Bedeutung, weil sie das grundlegende physikalisch-chemisch-biologische Verständnis für Standorte mit ähnlichen geologischen Eigenschaften beleuchten. Ingo Sass fügt hinzu: „Wir setzen unsere Forschungsergebnisse in angewandten, industriellen und demonstrativen Vorhaben um und zeigen damit der Gesellschaft die sichere und großmaßstäbliche Anwendbarkeit geothermaler Energiebereitstellung.

In weiten Gebieten Deutschlands gibt es im Untergrund lokale Wärmequellen und Speichermöglichkeiten. „Für den urbanen Raum müssen wir Bedarf und lokales Angebot abstimmen. Die benötigte Speichertechnologie entwickelt das KIT derzeit in seiner Helmholtz- Forschungsinfrastruktur DeepStor“, so Professorin Eva Schill vom Institut für Nukleare Entsorgung des KIT, die DeepStor leitet. „Wesentliches Element ist dabei auch das regionale Wärmekonzept, das wir gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern erarbeiten.“

„Die Beiträge des UFZ konzentrieren sich insbesondere auf den Digitalisierungsprozess und geothermische Systemanalysen”, sagt Professor Olaf Kolditz, der am UFZ das Department Umweltinformatik leitet. „Wir verfolgen unter anderem Konzepte der ‚Digitalen Zwillinge‘ und der Virtualisierung, um die natürlichen und technischen Systeme (Reallabore) so realistisch wie möglich digital nachzubilden. So können geothermische Systeme technisch optimiert, deren effiziente Einbindung in das gesamte Energiesystem simuliert und Umweltwirkungen langfristig abgeschätzt werden.”

Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen des KIT und des UFZ sowie aus der Fraunhofer-Gesellschaft hat das GFZ die Roadmap erarbeitet. Der GFZ-Forscher Professor Ernst Huenges, Mitherausgeber neben Professor Rolf Bracke von der Fraunhofer-Einrichtung für Energieinfrastrukturen und Geothermie (IEG), sagt: „Die Klimaneutralität des Wärmemarktes zu erreichen, ist eine riesige Herausforderung und erfordert ein ganzes Bündel an Maßnahmen. Die Marktakteure wie Energieversorger, Industrieunternehmen, Wohnungswirtschaft, Finanzwirtschaft, Politik, Verwaltung, Ausbilder und Kommunen brauchen neue Instrumente für diese komplexe Umsetzungsaufgabe.“

Das Strategiepapier soll für alle Akteure die notwendigen Informationen zum geothermischen Wärmeangebot, zur Vielseitigkeit des Wärmemarktes und zur technologischen Realisierung der Wärmewende bereitstellen. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu geben, um das Potenzial der Geothermie im Sinne der klimaneutralen Wärmeversorgung umzusetzen.

Die Roadmap identifiziert fünf Handlungsempfehlungen, um die Geothermie zeitnah für den Wärmemarkt in Deutschland auszubauen:

  1. Klare Ausbauziele: Parlamente und Gemeinderäte sollten klare Ausbauziele formulieren und diese durch entsprechende Gesetzgebung und Satzungen flankieren vom Bundesbergbaugesetz bis hin zur kommunalen Raumordnung.
  2. Risikoausgleich für Unternehmen und Kommunen: Im Wärmemarkt sind kleine und mittlere Unternehmen wie Stadtwerke aktiv, die wirtschaftliche Risiken wie die Exploration von Tiefer Geothermie nur begrenzt tragen können. Daher braucht es Finanzinstrumente zum interkommunalen Risikoausgleich wie staatliche Versicherungen oder revolvierende Fonds, die sich an Projekten finanziell beteiligen. Zudem sollten die Länder ein flächendeckendes geowissenschaftliches Erkundungsprogramm aufsetzen, um das Fündigkeitsrisiko für Kommunen und Unternehmen zu senken.
  3. Investition in Schlüsseltechnologien: Damit aus ein paar Dutzend tiefengeothermischen Anlagen in Deutschland Tausende werden, braucht es Investitionen in die Schlüsseltechnologien, um großindustrielle Maßstäbe zu erreichen. Die Schlüsseltechnologien sind Bohrverfahren, Reservoirmanagement, Bohrlochwasserpumpen, Hochtemperatur-Wärmepumpen, Großwärmespeicher, transkommunale Verbundwärmenetze und sektorübergreifende Systemintegration.
  4. Aus- und Weiterbildung von Fachkräften: Die wachsende Geothermiebranche schafft regionale Arbeitsplätze in Technologieentwicklung, Planung und Produktion sowie bei Errichtung und Betrieb der Anlagen. Man kann von circa fünf bis zehn Vollzeitäquivalentstellen je Megawatt installierter Leistung ausgehen. Um Tausende Fachkräfte fort- und weiterzubilden, braucht es akademische Ausbildung und ergänzende Curricula zu den bestehenden Angeboten der Handwerks-, Industrie und Handelskammern.
  5. Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern: Die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen benötigt gesellschaftliche Akzeptanz. Die kommunalen Akteure brauchen daher nicht nur betriebswirtschaftliche und anlagentechnische Strategien. Es ist erforderlich, mit Bürgerenergiemodellen, kommunalen Kommunikationsstrategien und transparenten Projekten alle lokalen Interessengruppen mit auf den Weg zur regionalen Wärmewende zu nehmen.

Der Wärmesektor macht 56 Prozent des nationalen Energiebedarfs aus. Lediglich 15 Prozent der Wärme sind regenerativ. Die nun vorgelegte Roadmap diskutiert den Beitrag der Geothermie zur Wärmewende. Der Schwerpunkt liegt auf den hydrothermalen Reservoiren, also thermalwasserführenden Gesteinen in Tiefenlagen zwischen 400 Metern und 5 000 Metern. Geothermale Wässer können bei Temperaturen zwischen 15 und 180 Grad Celsius aus derart tiefen Brunnenbohrungen gefördert werden. Sie sind Jahres- und Tageszeiten-unabhängig verfügbar und lassen sich insbesondere für Nah-, und Fernwärme und sogar für Niedrigtemperaturprozesse in der Industrie nutzen. Die Technologie ist ausgereift und kommt seit Jahrzehnten in vielen europäischen Städten zur Anwendung, etwa in Paris und München.

Die hydrothermale Geothermie – kombiniert mit Großwärmepumpen – als Wärmequelle für Fernwärmenetze könnte nach den Abschätzungen der Roadmap rund ein Viertel des Gesamtwärmebedarfes Deutschlands decken, theoretisch rund 300 Terawattstunden Jahresarbeit bei 70 Gigawatt installierter Leistung. Zum Vergleich: 2020 lieferten bundesweit 42 Anlagen 359 Megawatt installierte Wärmeleistung und 45 Megawatt elektrische Leistung. (kes-jz)

Extrem klimaschädliches Methan aus Deponien intelligent verhindern

(pte) – Ein Ansatz von Forschern des Massachusetts Institute of Technology (MIT) reduziert die Emissionen bei stillgelegten Deponien drastisch. Die Gase treiben die Erderwärmung um bis zu 28 Mal stärker voran als gleiche Mengen an CO2. Auf einer Deponie in den USA haben sich mithilfe des solar versorgten Messsystems „Loci“ die Emissionen um jährlich 180.000 Tonnen CO2-Äquivalent reduziert. „Das wäre, als würde man 40.000 Autos mit Verbrennungsmotor für ein Jahr stilllegen“, sagt Melinda Hale Sims, die den Hersteller des Systems, das MIT-Spin-off Loci Controls , gemeinsam mit Andrew Campanella gegründet hat.

Methan Biogas-Hauptbestandteil

Im Untergrund stillgelegter Deponien entstehen durch Vergären von organischen Abfällen große Mengen an Biogas, Das besteht zu etwa 60 Prozent aus Methan, dem Hauptbestandteil von Erdgas. Der Rest ist großenteils CO2. Die meisten Deponiebetreiber in Industriestaaten haben in den Abfall Sammelbrunnen gebohrt, die das Biogas fördern. Meist wird es zur Stromerzeugung verbrannt, teilweise wird es nach der Abtrennung der Fremdgase als reines Methan ins Erdgasnetz eingespeist.

Sims und Campanella haben eine Schwachstelle der Biogasförderung ausgemerzt. Sie installieren an den Brunnen Messgeräte, die mit lokal erzeugtem Solarstrom versorgt werden. Diese messen die Zusammensetzung des ausströmenden Biogases und berücksichtigen Wetterdaten. Darauf aufbauend wird die Gasmenge, die dem jeweiligen Bohrloch entweicht, reguliert. Das geschieht aus einer zentralen Warte, in der Daten der Bohrlöcher von mehreren Deponien eingehen. Bisher werden die Fördermengen von Hand angepasst. Dafür ist Erfahrung und vor allem Bauchgefühl nötig. Beides ist nicht sonderlich effektiv, zumal derartige Anpassungen oft nur einmal im Monat stattfinden.

Loci könnte auch in Europa helfen

In den USA sind Loci-Systeme bereits auf 15 Deponien installiert. Das Potenzial ist riesig, denn es gibt dort rund 1.000 große Anlagen, in denen Biogas entsteht und manchmal noch unkontrolliert in die Atmosphäre entweicht. Auch in Deutschland, das zu den ersten Ländern gehörte, die Biogas aus Deponien nutzten, wird längst nicht alles Methan eingefangen. Hier liegt der Erfassungsgrad laut einer Studie, die auf Satellitendaten basiert, bei 57 Prozent, in Spanien dagegen bei lediglich 18 Prozent. „Wir gehen davon aus, dass wir die Methanemissionen in den nächsten fünf Jahren stärker als jedes andere Unternehmen der Welt reduzieren werden“, sagt Peter Quigley, CEO von Loci Controls. Vielleicht auch außerhalb der USA.

Ohne Handwerker kein Fortschritt – Briefwechsel mit einem Freund

Einer meiner besten Freunde hat mit mir gemeinsam die staatliche Handwerkerschule in Luxemburg besucht. Er wurde einer der erfolgreichsten Unternehmer in Sanitär- und Umwelttechnik, ich hatte die Chance, mich vom kleinen Elektromechaniker zum erfolgreichen kritischen Wissenschaftsjournalisten zu entwickeln. Beide verdanken wir dies nicht einem Gymnasium, sondern einer Schule, die die Kunst des Handwerks vermittelte, in dem sie Praxis und Theorie in unnachahmlicher Methode lehrte. Wir können mit Fug und Recht behaupten: von da an gings bergauf. Deshalb beobachten wir heute mit großem Misstrauen die sozial-kulturelle niedrige Bewertung des Handwerks. Bezeichnend ist auch, dass die Schule sich umbenennen musste. Sie bezieht sich heute nicht mehr nur auf Handwerker, sondern musste die Kunst mit einbeziehen, ‚Ecole des Arts et Metiers‘ in Luxemburg. Bezeichnend ist, dass sie umgewandelt wurde in ‚Lycée des Arts et Metiers‘. Offenbar reichte in der sozialen Bewertung das Handwerk nicht mehr und musste zum Gymnasium für Kunst hochstilisiert werden.

Die Vernachlässigung des Handwerks, wo man sich gelegentlich die Hände dreckig machen muss, wird unserer gesamten Volkswirtschaft in Zukunft große Probleme bereiten. Schöngeister, Juristen und Philosophen in der Politik erkennen leider diese Gefahr nicht. Irgendetwas muss sich ändern. Mein Freund Pierre hat in einem Brief an mich den Nagel auf den Kopf getroffen, deshalb möchte ich diesen Ihnen nicht vorenthalten.

Dieser Brief hat mich leider fünf Jahre später erreicht.  Seinerzeit habe ich in Luxemburg vor 300 unabhängigen deutschen, französischen und Luxemburger Familien-Unternehmern einen Vortrag gehalten. Daraufhin hat mir mein Freund diesen persönlichen Brief geschrieben, der allerdings allgemeine Gültigkeit besitzt und dessen Inhalt  heute umso aktueller geworden ist. Schon damals litt ich unter der altersbedingten Makuladegeneration AMD, deshalb seine Anrede.

Jean Pütz

Hallo Jean.

Ich schreibe auf deutsch, damit Pina und Frau Bora vielleicht behilflich sein können.
Wir haben uns am Freitagabend leider nicht mehr gesehen, weil ich um 16,30 h aus der Versammlung gehen musste. Ich war aber froh, Dich dort gesehen zu haben. Ich kann Dir nur sagen, Du hast so gut geredet, das war super. Auch Pina hat ohne Scheu ihre Meinung vertreten. Ich beneide Dich, weil ich mich nicht so treffend ausdrücken kann. Das ist nun mal Deine Stärke und daran bist Du ja auch groß geworden.
Was mir bei weitem am besten gefallen hat, ist Deine Einstellung zum Stellenwert des Handwerks. An mehreren Beteiligungen an Rundgesprächen in Luxemburg und in der Schweiz und in Deutschland wurde mir bestätigt, das größte Problem fast aller Berufe ist der Fachkräftemangel. Warum liegt das Handwerk heute im Stellenwert an aller letzter Stelle. In Luxemburg wird man nur mehr Handwerker, wenn man in allen anderen Schulen versagt hat.
Warum liegt der Lohn eines Handwerkers heute in Luxemburg bei max. 20,- € und der Lohn eines Rechtsanwalts bei 500 – 700,- € pro Stunde?
Ich ersetze lieber das Wort Handwerk durch Artisan. Artisan kommt von Art (Kunst). Früher gab es das Sprichwort: < Das Handwerk hat einen goldenen Boden >. Leider ist das lange vorbei. Die bekanntesten und größten und tüchtigsten Menschen waren aber Handwerker.
Christus war Zimmermann.
Leonardo Da Vincy war Handwerker, Ingénieur, Maler und Künstler. Er ist für mich seit 550 Jahren der größte Handwerker. 1477 gründete et in Florenz seine eigene Werkstadt und 1489 in Mailand wieder eine Werkstadt und bildete Schüler aus. Er beschäftigte Gesellen, das waren Handwerker. Ich habe an der Loire seine Wohnung besucht, wo er seine letzten 3 Lebensjahre verbrachte. Weil er durch einen Schlaganfall auf der rechten Seite gelähmt war, malte er zum Schluss mit der linken Hand. Deshalb schrieb er auch vieles in Spiegelschrift.
Lange Rede kurzer Sinn: Es ist mein Anliegen etwas beizutragen dass das Handwerk wieder einen höheren Stellenwert erlangt. Ich bin bereit 1/3 unseres Vermögens einer Stiftung zu widmen. Staatsschulen zu unterstützen ist für mich sinnlos. Ich träume von einer
<ECOLES D’ARTISANS> Fachleute sollen eine Schule mit hohem Stellenwert aufbauen, wo Artisans ausgebildet werden.
Du hast gesagt das Wissen verdoppelt sich alle 10 Jahre. Das stimmt, aber der normale Mensch kommt nicht mit. Einstein hat schon gesagt: der Mensch ist dem Fortschritt der Technik nicht gewachsen. Deshalb entstehen heute die grossen Probleme. Atomkraftwerke,
Zusammenfall der Familie, Respektlosigkeit.
Durch die fortschreitende Technik gibt es heute keine Distanzen und keine Grenzen mehr, also gibt es auch keine Fronten mehr. Herr Santer (früherer Europapräsident) sagte mir letzte Woche, wir haben augenblicklich in 43 Ländern Krieg. Ich bin der Meinung wir haben nicht 43 Kriege, sondern wir haben einen Krieg und zwar in der ganzen Welt, weil wir Distanzen heute mit Lichtgeschwindigkeit überwinden können. Deshalb haben wir Frieden oder Krieg in der ganzen Welt.
Dies können wir nur meistern wenn der Unterschied zwischen Arm und Reich kleiner wird. Dies ist nur möglich wenn die Menschen einen Beruf erlernen, welcher benötigt wird. In den letzten 100 Jahren sind 99 % aller Berufe verschwunden. Dafür werden aber andere Berufe benötigt und müssen erlernt werden. Dafür müssen Menschen ab Kindesalter erzogen und ausgebildet werden.
Ich versuche in der mir noch verbleibenden Zeit interessierte Leute zu vereinen, welche derselben Meinung sind. Mein Ziel ist es eine Privatschule mit Niveau aufzubauen wo Artisans hervorgehen, welche nach ihrem Abschluss durch das Renommé der Schule mit Sicherheit ein Verdienst für sich und für die Gesellschaft schaffen. Weil das Niveau der bestehenden Berufsschulen so tief in Luxemburg gesunken ist, versucht die Fédération des Artisans (wo auch unser Michel im Comité ist) eine eigene Schule für das Handwerk zu schaffen.
Die BDL wird uns in allen technischen Fragen unterstützen. Wir können jedes Jahr bis zu 20 % vom Gewinn unserer Firmen steuerfrei an diese Stiftung abtreten. Wenn eine Privatschule einen hervorragenden Ruf erschaffen hat, übernimmt der Luxemburger Staat 80% der Baukosten und bis zu 90% der Personalkosten.

Ich hab Dir dies jetzt nur schnell geschrieben. Bei Gelegenheit möchte ich mich mit Dir weiter über dieses Thema unterhalten. Wir sind ja einer Meinung.
Wenn wir noch das Glück haben einige Jahre zu überleben und tätig sein zu dürfen, dann sollen wir dies doch ausnutzen uns nützlich zu machen. Ich merke immer mehr, es macht mir am meisten Freude wenn ich anderen helfen konnte und dadurch ihre Freude miterleben kann.

Pierre