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Lohnt sich auch heute noch eine Photovoltaikanlage ?

(Stiftung Warentest) – Eine Solarstromanlage auf dem Dach kann sich trotz gesunkener Einspeisevergütung lohnen – wenn Hauseigentümer auf den Preis achten und einen möglichst hohen Anteil des erzeugten Stroms selbst verbrauchen. Das zeigen Berechnungen der Stiftung Warentest

Eine Rendite von über 3 bis 4 Prozent ist langfristig selbst bei vorsichtiger Kalkulation drin, so Finanztest. Mit der Einspeisung ins Netz allein ist ein kostendeckender Betrieb allerdings nicht mehr möglich. Dafür wird der Eigenverbrauch immer attraktiver, insbesondere nach den drastischen Strompreiserhöhungen zu Jahresbeginn.

Die Rendite für eine Photovoltaikanlage fällt sehr unterschiedlich aus – je nachdem, wie viel sie kostet, welche Strommenge sie produziert, wie hoch der Eigenverbrauch ist und wie sich die Strompreise entwickeln. Von mehr als 8 Prozent pro Jahr bis hin zum Verlust ist alles möglich.

Ein Batteriespeicher als Ergänzung zur Photovoltaik-Anlage lohnt sich nur, wenn er günstig ist, auf den Stromverbrauch des Haushalts abgestimmt ist und deutlich länger als zehn Jahre hält, so Finanztest.

Einnahmen, Ausgaben, Steuern, Rendite und Überschüsse der PV-Anlage ermittelt der kostenlose Solarrechner unter www.test.de/solarrechner.

Die vollständigen Berechnungen inklusive Tipps zu Planung, Steuern und Mietmodellen finden sich in der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter www.test.de/solarstrom.

Antihistaminika helfen Long-Covid-Patienten

(pte) – Symptome von Allergien lindernde Antihistaminika können möglicherweise auch Long-Covid-Patienten helfen, wie eine Untersuchung der University of California am Standort Irvine zeigt. Laut Expertin Melissa Pinto leiden diese Menschen noch Wochen und Monate nach dem Abklingen der Infektion an Schmerzen, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen, Schindelgefühl, Magen-Darm-Beschwerden und allgemeiner Mattigkeit sowie Kraftlosigkeit. Die Vermutung basiert auf den Erfahrungen, die zwei Patienten mit dem Medikament gemacht haben.

Hoffnung für 54 Mio. Menschen

„Patienten sagen uns, dass sie sich mehr als alles andere wünschen, wieder leben und arbeiten zu können wie vor ihrer Infektion mit dem Coronavirus. Sie suchen verzweifelt nach etwas, das ihnen hilft, wieder auf die Beine zu kommen“, so Pinto. Derzeit gebe es keine Therapie für die Krankheit. „Wir probieren einige Medikamente aus, darunter Antihistaminika, die einige Symptome tatsächlich lindern. Das sollte den schätzungsweise 54 Mio. Menschen weltweit, die an Long Covid leiden, Hoffnung geben.“

Konkret handelt es sich um zwei Frauen, die rezeptfreie Antihistaminika einnahmen, um andere Erkrankungen zu behandeln. Die erste Patientin litt nach dem Verzehr von Käse an einer Milchallergie, die zweite griff zu einem Antihistamin, als ihr normales Allergiemedikament alle war. Beide spürten bereits am nächsten Morgen, dass sie geistig beweglicher und körperlich fitter waren. Als eine der beiden Frauen das Medikament absetzte, kamen die Symptome zurück. Daraufhin nahm sie es wieder regelmäßig ein. Nach wenigen Tagen hatte sie 90 Prozent der Fähigkeiten, die sie vor der Covid-Erkrankung hatte, zurückgewonnen. Die zweite Patientin kam nach einer Einschätzung sogar auf 95 Prozent.

Suche nach optimaler Dosierung

Pinto will die keineswegs wissenschaftlich repräsentativen Erfahrungen der beiden Frauen jetzt objektivieren. In einer breiter angelegten Untersuchung will sie gemeinsam mit ihren Kollegen verschiedener amerikanischer Institutionen vor allem die optimale Dosierung herausfinden, um die Folgen durch Long-Covid in den Griff zu bekommen.

EU-Kommission will ihr eigenes Internet aus dem Weltall aufbauen

(FAZ) – Als nach der Flutkatastrophe im Ahrtal im Juli vielerorts die Internetverbindungen ausfielen, war Elon Musk zur Stelle. In wenigen Tagen baute sein Unternehmen Starlink drei Dutzend Stationen auf, mit denen sich die Menschen per Satellit mit dem Internet verbinden konnten. Für Musk war das die perfekte Werbung. 20 bis 30 Milliarden Dollar will er in sein satellitenbasiertes Internet stecken.

Ein Netz von bis zu 50.000 Satelliten könnte irgendwann das Internet bis in die entlegensten Winkel der Welt bringen. Schon jetzt kreisen 2000 Starlink-Satelliten im erdnahen Orbit. Auch Jeff Bezos’ Amazon investiert Milliarden in das Konkurrenzprojekt „Kuiper“. Russland und China haben eigene Projekte für Breitband aus dem All angekündigt.

6 Milliarden Euro

Da darf die Europäische Union auf keinen Fall zurückstehen. Davon ist zumindest die EU-Kommission und allen voran der französische Binnenmarktkommissar Thierry Breton überzeugt. Knapp 6 Milliarden Euro, davon 2,4 Milliarden aus dem EU-Budget, will die Kommission in den Aufbau eines eigenen satellitenbasierten Internets investieren. Damit will sie den „weißen Flecken“, die es bei der auch für den Mittelstand wichtigen Internetversorgung selbst in reichen EU-Staaten wie Deutschland auf dem Land noch gibt, ein Ende bereiten.

Das ist aber nicht alles. „Wir wollen ein Back-up für unsere Infrastruktur schaffen und unsere Unabhängigkeit von Dritten und die Cyber-Sicherheit steigern“, sagt Breton. Die eigene Satelliteninfrastruktur soll die sichere Kommunikation etwa durch Quantenverschlüsselung ermöglichen und damit auch für Regierungen und das Militär zusätzlichen Nutzen bringen.

Außerdem ist die „Initiative für sicheres Internet“ genau wie das eben erst vorgelegte „Chip-Gesetz“ Industriepolitik. „Als paneuropäisches Projekt wird sie unseren vielen Start-ups und Europa als Ganzem ermöglichen, an der Spitze der technologischen Innovation zu stehen“, sagt Breton. Die EU soll nicht wieder von Amerikanern und Chinesen abgehängt werden. All das ist eng mit der französischen Regierung abgestimmt.

Die nutzt die EU-Ratspräsidentschaft, die sie seit Januar wieder für ein halbes Jahr innehat, traditionell dafür, für eine stärkere EU-Weltraumpolitik zu werben. An diesem Mittwoch hat sie zum Weltraumgipfel nach Toulouse geladen. Dabei geht es auch um die Interessen der französischen Weltraumindustrie. So warnt die Europaabgeordnete Angelika Niebler (CSU) be­reits: „Von dem Projekt darf nicht nur die französische Großindustrie profitieren, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen und Start-ups.“

Um auf die 6 Milliarden Euro zu kommen, soll das Geld aus dem EU-Budget durch Mittel der Mitgliedstaaten und privates Geld aufgestockt werden. Wie viele Satelliten die EU am Ende in den Orbit schießen will, ist noch unklar. Anders als die amerikanischen Projekte will die Kommission aber auch nur Europa abdecken. Weil das auf denselben Längengraden liegende Afrika so gleich weitgehend problemlos mitversorgt werden kann, verkauft die Kommission es zugleich als Teil ihrer globalen Infrastrukturpolitik. Vor allem soll es schnell gehen. Die Kommission will schon im kommenden Jahr mit dem „Ausrollen“ des Projekts beginnen. Die ersten Angebote und Tests der Quantenverschlüsselung im Orbit sollen 2025 starten. 2028 dann soll die europäische Antwort auf das satellitenbasierte Internet aus den Vereinigten Staaten und China stehen.

Das ist ehrgeizig. Das gesteht die Kommission durchaus zu. Ehrgeizig sei milde ausgedrückt, heißt es in der Branche. Auch der kommerzielle Nutzen sei fragwürdig. Das Projekt klinge nach dem verzweifelten Versuch, überall dabei sein zu wollen. „Wir laufen Gefahr, viel dummes Geld auszugeben, nur um unser Ego zu befriedigen“, sagt Sven Sünberg, der mit der Media Broad­cast Satellite GmbH die für das satellitenbasierte Internet nötigen Bodenstationen betreibt. Zumal das Geld nur einmal ausgegeben werden könne und anderswo fehle. „Überhaupt ist europäische Industrie viel besser als viele denken.“

Das britische Projekt Oneweb, an dem der französische Konzern Eutelsat beteiligt ist, etwa hat erst vor wenigen Tagen 34 Satelliten ins All geschickt, die für das satellitenbasierte Internet genutzt werden sollen. Insgesamt sind es damit schon mehr als 400. Auch bei den Vorprodukten gehören die Europäer zu den Vorreitern. So spielen zwei deutsche Unternehmen, Tesat und Mynaric, eine Schlüsselrolle bei der zukunftsträchtigen Übertragung riesiger Datenmengen zwischen Satelliten per Laserstrahl.

Gut findet die Initiative Daniel Voelsen von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die globale Infrastruktur des Internets erfahre durch die satellitenbasierten Lösungen eine massiven Wandel und stoße in ganz neue Dimensionen vor. „Wenn die EU sich da nicht engagiert, droht sie ein weiteres Mal in die Abhängigkeit von den USA und China zu rutschen“, warnt er – ganz im Sinne Bretons.

Es drohe eine weitere Konzentration wirtschaftlicher Macht und damit ein bisher unbekanntes Maß poli­tischer Kontrolle über die globalen Kommunikationsnetze. Eine Satellitenkonstellation unter Kontrolle der EU könne dem entgegenwirken und zudem einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit der Regierungskommunikation leisten. Wie beim Satellitenprogramm Galileo gehe es auch darum, Expertise in Europa und damit die politische Handlungsfähigkeit zu erhalten. Im Übrigen profitierten auch US-Unternehmen von Staatshilfen. Starlink etwa werde aus dem Geld, das Musk für Space-X erhalte, unterstützt.

Krieg nur noch von Verrückten ausgelöst und angenommen?

(Morning Briefing) – Das Lieblingsinstrument dieser Tage ist die Kriegstrommel. Politiker, Militärs und die Medien schlagen geradezu lustvoll Alarm. Seit Tagen lancieren amerikanische Militärs das Gerücht, dass am Mittwoch der Einmarsch der russischen Soldaten in der Ukraine bevorstünde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier setzte gestern – anlässlich seiner Amtszeitverlängerung – einen dramatischen Appell ab:

In vielen Medien werden bereits Analogien zur Situation vor dem Ersten Weltkrieg gezogen. Das soll gelehrig und bedeutsam klingen. Nur: Mit der politischen, militärischen und ökonomischen Realität im 21. Jahrhundert und den objektiven russischen Interessen haben diese Analysen nicht viel gemein.

Es ist der israelische Historiker und Bestsellerautor Yuval Noah Harari, der im aktuellen „Economist“ daran erinnert, dass der klassische Krieg seine Funktion, die Ausweitung von Macht und Wohlstand, in der Moderne weitgehend eingebüßt hat. Deshalb sei der Krieg zwischen den großen Mächten auch de facto ausgestorben:

Es sind folgende fünf Gründe, die den Krieg vom historischen Normalfall des 18., 19. und 20. Jahrhundert zum Ausnahme-Phänomen des 21. Jahrhunderts befördert haben:

1. Kriege sind immer der Ausdruck der technologischen Möglichkeiten und der ökonomischen Kosten-Nutzen-Abwägungen der Herrscher. Harari sagt:

Das bedeutet: Ändern sich die technologischen und die ökonomischen Voraussetzungen, so ändern sich auch der Charakter und die Häufigkeit des Krieges.

2. Die Fähigkeit der Atommächte, sich gegenseitig zu vernichten, hat den Krieg seiner Rationalität beraubt und ihn in einen Akt des kollektiven Selbstmords verwandelt. Deshalb fürchten die Großmächte China, Russland und Amerika zwar noch immer den Atomkrieg, aber sie bereiten ihn nicht vor. Der Krieg hat für sie seine Führbarkeit verloren.

3. Die wichtigsten Quellen für Wohlstand waren früher Rohstoffe und Nahrungsmittel, also Goldminen, Weizenfelder und Ölquellen. Die wichtigste Quelle für Wohlstand in der heutigen Welt ist Wissen. Aber Wissen kann man nicht mit einem Panzer erobern und mittels eines Folterknechts auch nicht ausbeuten.

4. Als Reflex auf diese ökonomischen und technologischen Veränderungen bevorzugen die Wähler der Nationalstaaten nicht mehr den Typus des militärischen Eroberers. Selbst George W. Bush und Donald Trump, gar nicht zu reden von Merkel und Co, sagt Harari, seien deswegen andere Politikertypen als Attila der Hunnenkönig. Der normale Politiker verdanke seinen Aufstieg nicht dem Krieg, sondern einem Reformversprechen im Innern.

Russen und Amerikaner mussten Afghanistan reumütig verlassen. Auch die Kriege in Vietnam und im Irak brachten den Kriegsherren nicht die gewünschten Ergebnisse. Seit 1945, sagt der Historiker, ist es selten geworden, dass internationale Grenzen neu gezogen wurden. Nicht ein einziger Staat verschwand seither durch Krieg von der Landkarte

Allerdings: Ein gedankliches Schlupfloch lässt der Historiker für seine Argumentation dennoch gelten: So wenig wie die Existenz des klassischen Krieges ein Naturgesetz gewesen sei, sei auch das Verschwinden des Krieges in der Moderne kein Naturgesetz

Oder anders ausgedrückt: Wir sind im Falle des russisch-westlichen Wettdrohens die Zeitzeugen eines vor großem Publikum durchgeführten Intelligenztests.

 

 

Deutschland und Frankreich: Kernenergie abschalten?

Deutschland und Frankreich gehen nicht nur verschiedene Wege, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Man könnte auch den Eindruck gewinnen, dass die Beziehungen „so schlecht wie nie zuvor“ seien, jedenfalls eröffnete Dr. Marc-Antoine Eyl-Mazzega mit dieser Einschätzung die Diskussion. Zu dieser Einschätzung gelangte er durch die Reaktionen von deutcher und französischer Seite auf den Taxonomie-Vorschlag der Kommission. Frankreich verstehe die Ablehnung der Atomenergie in Deutschland nicht. Der Analyst, der früher einmal bei der Internationalen Energie Agentur tätig war, kritisierte die Lücke zwischen den Klimazielen und deren Umsetzung, die sich durch die Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland immer weiter öffne. Der vom deutschen Klimaminister angekündigten Verdreifachung des Anteils der erneuerbaren Energien an der Stromproduktion und der Notwendigkeit, die Ausbaugeschwindigkeit deutlich zu erhöhen, zollte er seinen Respekt, hielt aber mit seiner Skepsis, diese Ziele auch zu erreichen, nicht hinter dem Berg.

Der Energieexperte aber zielte auf zwei Schwachpunkte der Klimadebatte: die unterschiedlichen Präferenzen bei der Wahl der Brückentechnologie und die soziale Belastung der Menschen, die sich auf die Akzeptanz der Klimawende auswirke. Er schloss sich grundsätzlich der Auffassung an, dass auch Frankreich den Ausbau der Erneuerbaren vorantreiben müsse und bezweifelte wie seine deutsche Gesprächspartnerin grundsätzlich die Nachhaltigkeit der Atomkraft, vertrat aber die These, dass sie als Brückentechnologie für die Decarbonisierung dringend benötigt werde. Die Substitution von Kernkraft durch Gaskraft sei klimapolitisch ein Fehler, da die Effekte der CO2-Minderung deutlich geringer seien. Deutschlands Abhängigkeit vom Gas berge außerdem geopolitische Risiken. Der Vorteil der Atomkraft liege hingegen darin, dass die Stromkosten für die Bevölkerung durch einen weniger überstürzten Ausbau der erneuerbaren Energiequellen in einem verträglichen Umfang gehalten werden könnten. In Frankeich jedenfalls sah er die Belastungsgrenze für die Bevölkerung erreicht. Die Franzosen seien nicht bereit, den Gürtel enger zu schnallen. Außerdem stünden sie den erneuerbaren Energien weitaus skeptischer gegenüber als die Deutschen. Das Klima stehe bei den Franzosen nicht so sehr im Mittelpunkt der politischen Aufmerksamkeit wie in Deutschland. Macron habe aus dem Gelbwestenprotest gelernt und werde sich auf das deutsche Abenteuer – dem Verzicht auf Energie aus Atom und Kohle – nicht einlassen. Frankreich könne sich die Subventionierung des Ausbaus der erneuerbaren Energiekraftwerke nicht leisten, da es höhere Ausgaben für seine internationalen Verpflichtungen hätte.

Der Absolvent der angesehenen Pariser Sciences Po kritisierte aber auch, dass die Verzichtsdebatte nicht ausreichend geführt werde. Er plädierte dafür, diese Debatte sehr offensiv zu führen und den Blick auf die Gewinne an Lebensqualität zu lenken. Weniger Reisen und Fleischkonsum könne auch als gesünderes Leben mit einer längeren und höheren Lebensqualität einhergehen. Einig zeigten sich beide Gäste der Zukunftswerkstatt, dass auch das Tempolimit kommen werde.

Dr. Charlotte Unger hingegen verteidigte den deutschen Weg und sah dafür auch gute Voraussetzungen in Deutschland, bemängelte aber auch, dass die Umsetzung immer noch deutlich hinter den Ankündigungen zurückliege. Die CO2-Emissionen von Landwirtschaft und Gebäudebestand sah sie als zentrale Herausforderung bei der Bekämpfung des Klimawandels an. Ihre Ablehnung der Atomkraft begründete die in Potsdam forschende Nachhaltigkeitsexpertin damit, dass angesichts eines fehlenden Endlagers die Belastung auf zukünftige Generationen verlagert werde. Der Verzicht allerdings hätte einen Preis: Der Ausbau der Erneuerbaren müsse rascher erfolgen als bislang. Aber auch sie kann sich eine stärkere Verzichtsdebatte im Kontext von Zukunftskonzepten vorstellen und stellte die Frage in den Raum, ob Deutschland darauf überhaupt vorbereitet sei. Auch so kann man die Frage stellen, wie die Politik die Bürgerinnen und Bürger in ihre Zukunftsüberlegungen besser einbinden könne: Durch mehr Transparenz und Kommunikation, dass hätten die Klima- und Bürgerräte in Deutschland und Frankreich gezeigt, müssten die Menschen in die Verzichtsdebatte einbezogen werden. Ihre Ideen zu berücksichtigten bedeute Akzeptanz für Zumutungen zu schaffen. Die Politik müsse ihre Ziele konkret formulieren und vermitteln, dass sie alle Bereiche auf allen Ebenen.

Gefahr für den Menschen durch Pestizide bereits bewiesen

(pte) – Eine von drei Personen weist Anzeichen einer Belastung mit dem Pestizid 2,4-D auf, wie eine Studie der George Washington University zeigt. Die Belastung des Menschen mit dieser Chemikalie hat zugenommen, da der Einsatz von 2,4-D in der Landwirtschaft gesteigert wurde. Damit steigen auch die Bedenken über die Auswirkungen des Herbizids auf die Gesundheit, vor allem da eine weitere Steigerung vorhergesagt wird. Betroffen könnten vor allem kleine Kinder sein, die sehr empfindlich auf eine chemische Belastung reagieren.

Urinproben analysiert

Das Team um Marlaina Freisthler hat Urinproben von Teilnehmern an der „National Health and Nutrition Examination Survey“ auf Biomarker des Pestizids untersucht. Der landwirtschaftliche Einsatz von 2,4-D wurde aufgrund des öffentlichen und privaten Pestizideinsatzes aus den Jahren 2001 bis 2014 geschätzt. Von den 14.395 Studienteilnehmern verfügten fast 33 Prozent über nachweisbare Spuren von 2,4-D in ihrem Urin. Dabei gab es Teilnehmer, deren Werte von niedrigen 17 Prozent zu Beginn der Studie auf hohe 40 Prozent zehn Jahre später anstiegen.

Doch nicht nur der Einsatz der Pestizide während der Laufzeit hat zugenommen, sondern auch die Belastungen beim Menschen sind größer geworden. Kinder zwischen sechs und elf Jahren hatten ein mehr als doppelt so hohes Risiko einer steigenden Belastung mit 2,4-D. Zusätzlich verfügten Frauen im gebärfähigen Alter über ein doppelt so hohes Risiko einer Belastung als Männer der gleichen Altersgruppe. 2,4-D wurde in den 1940er-Jahren entwickelt und bei Bauern, die ihren Ertrag steigern wollten, rasch ein beliebtes Herbizid. Hausbesitzer, die einen makellosen Rasen erzielten wollten, setzten die Chemikalie häufig kombiniert mit anderen Rasenchemikalien ein.

Soja sowie Baumwolle

Die Belastung mit hohen Werten diese Chemikalie wurde mit Krebs, Fortpflanzungsproblemen und anderen Erkrankungen in Zusammenhang gebracht. Die Auswirkungen einer geringeren Belastung sind derzeit noch nicht erforscht. Bekannt ist jedoch, dass es sich bei 2,4-D um einen endokrinen Disruptor handelt. Die aktuelle Studie zeigt zudem, dass Kinder und Frauen im gebärfähigen Alter über ein erhöhtes Belastungsrisiko verfügen. So können Kinder mit dem Pestizid in Kontakt kommen, wenn sie barfuß auf einem mit dem Herbizid behandelten Rasen spielen oder wenn sie ihre Finger in den Mund stecken, nachdem sie draußen gespielt haben.

Zu einer Belastung kann es auch durch das Essen von auf Sojabohnen basierenden Lebensmitteln sowie durch Einatmen kommen. Der heute verbreitete Einsatz von 2,4-D bei gentechnisch veränderten Sojabohnen und Baumwollen führt zu mehr 2,4-D in der Luft und damit können laut den Forschern auch mehr Menschen mit dem Herbizid in Kontakt kommen. Die aktuellen Forschungsergebnisse wurden in „Environmental Health“ veröffentlicht.

Energie in Frankreich. Macron und die Atomenergie

(Süddeutsche Zeitung) – Die Kernkraft in Frankreich soll wieder aufleben. Um bis 2050 die Klimaneutralität zu erreichen, sollten sechs neue Atomkraftwerke vom Typ EPR 2 gebaut werden, kündigte Präsident Emmanuel Macron am Donnerstag im ostfranzösischen Belfort an. Das erste könnte 2035 in Betrieb gehen; den Bau weiterer acht Meiler werde er prüfen lassen. Zugleich werde die Laufzeit aller bestehenden Kernkraftwerke verlängert, wenn die Sicherheit es erlaube. Wie schon früher angekündigt, möchte Macron die Entwicklung von „Small Modular Reactors“, die kleiner sind und angeblich sicherer, mit einer Milliarde Euro fördern.
Parallel dazu nimmt Frankreich einen wichtigen Teil der Kraftwerkproduktion wieder in die eigene Hand: Für geschätzte 240 Millionen Euro kauft der Energiekonzern EDF den in Belfort beheimateten Turbinenbau des US-Herstellers General Electric zurück, den dieser erst 2015 von Alstom erworben hatte. Macron hielt seine Rede vor einer der dort hergestellten riesigen Arabelle-Turbinen, die in französischen und einigen russischen Meilern verwendet werden.

Brückeninspektion 2.0 dank Drohne und KI

(pte) – Das aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hervorgegangene Start-up SwissInspect  hat ein neuartiges Brückeninspektionssystem entwickelt, das Drohnentechnologie, Künstliche Intelligenz (KI) und Computer Vision kombiniert. Die Basis dafür bilden das Earthquake Engineering and Structural Dynamics Laboratory sowie das Swiss Data Science Center zur bildbasierten Inspektion und Überwachung von Strukturelementen.

Unterhaltung planbarer und effizienter

„Unser Ziel ist es, Ingenieuren und Infrastrukturbesitzern ein System an die Hand zu geben, mit dem sie Wartungs- und Reparaturarbeiten effizienter planen können. Wir verwandeln Rohdaten in verwertbare Informationen“, sagt SwissInspect-CEO Amir Rezaie. Anhand der Bilder drohnengestützter Kameras, die von einer KI-basierten Software ausgewertet werden, lassen sich diverse Arten von Schäden identifizieren, darunter Risse, Abplatzungen, Ausblühungen und Rost. Sie liefert auch eine physikbasierte Schadensklassifizierung, die entscheidende Infos zur Bewertung des strukturellen Zustands einer Brücke sind.

Rezaie und sein Team erstellen bei der ersten Analyse nicht nur einen Schadensbericht, sondern auch einen digitalen Zwilling des jeweils inspizierten Bauwerks. Dieser wird bei späteren Untersuchungen genutzt, um verräterische Veränderungen zu erkennen. Künftig sollen die Bilder durch Daten von Sensoren ergänzt werden, die an den Bauwerken zur Langzeitüberwachung installiert werden. Die Brücken in der Schweiz und anderen Ländern werden derzeit alle zwei bis fünf Jahre mit herkömmlicher Sichtprüfung begutachtet. SwissInspect hofft, das mit seiner neuen Technologie zu ändern, die objektivere Bewertungen liefert und auf andere Bauwerke wie Tunnel, Dämme und Gebäude ausgeweitet werden könnte. Innerhalb von 18 Monaten will das Unternehmen jetzt 50 Brücken überprüfen.

Deutlich verkürzte Prüfintervalle als Ziel

Ein weiterer Vorteil des Systems von SwissInspect gegenüber visuellen Prüfmethoden ist laut dem Unternehmen, dass es häufigere Inspektionen ermöglicht. Das ist besonders wichtig vor dem Hintergrund des Klimawandels, da die Infrastruktur zunehmend wechselnden Überschwemmungs- und Dürreperioden sowie einer höheren relativen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sein wird, die die Korrosion, etwa in Stahlbeton, beschleunigen könnten.

Corona-Forscher: Diese Menschen haben Superimmunität

(Christiane Braunsdorf) – Genesen oder geimpft? Wer hat mehr Schutz vor einer Corona-Infektion? Dieser Frage sind Forscher aus den USA und Österreich nachgegangen – mit einem eindeutigen Ergebnis.

Durchbruchsinfektionen galten lange als Angstwort. Doch wer eine solche überstanden hat, muss sich anscheinend keine großen Sorgen mehr vor einer Infektion mit dem Coronavirus machen. Das zeigen Daten einer Studie aus den USA. Doch die Forscher stellen auch klar: Das ist keine Aufforderung zur absichtlichen Infektion.

Superschutz vor Delta-Variante

Wissenschaftler der Oregon Health und Science University untersuchten im vergangenen Jahr Durchbruchsinfektionen bei medizinischem Personal. Alle waren vollständig geimpft, hatten sich aber trotzdem mit Corona infiziert – mit verschiedenen Vorgängervarianten vor der Delta-Mutante.

Sie bildeten Antikörper, die eine Art Superimmunität gegen eine Infektion mit der Delta-Variante darstellten, waren also auch vor der neuen Mutante geschützt. Kreuzimmunität nennen die Forscher diese Form der Abwehrleistung, bei der der Kontakt zu einem Erreger auch gegen andere Formen immun macht.

Wichtig zu betonen: Eine alleinige Infektion reicht für die Superimmunität nicht aus. Nur die zusätzliche Impfung kann sie entwickeln.