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Geben und Nehmen als staatliche Leistung einmal aufgegliedert

(Wirtschaftswoche) – Es ist eine immense Summe: 1,6 Billionen Euro hat der deutsche Staat 2020 eingenommen, in Zahlen: 1.600.000.000.000. Das ist, Schätzungen des Finanzministeriums zufolge, so viel, wie die komplette Coronapandemie den Staat bislang zusätzlich gekostet hat. Das Geld stammt aus Steuern und Abgaben und damit von jedem von uns, sei es über die Einkommensteuer, die Mehrwertsteuer oder die Sozialbeiträge.

Die Abgabenlast in Deutschland ist hoch: Der Teil des Einkommens, den die Bürger in der ein oder anderen Form an den Staat abgeben müssen, gehört zu den größten der Welt. Nach Berechnungen der OECD können alleinstehende Durchschnittsverdiener gerade einmal gut die Hälfte ihrer Einkünfte behalten, die restlichen 49 Prozent fließen an den Staat. Nur Belgien langt demnach stärker zu.

Auf der anderen Seite, so das gängige Narrativ, stehen die Empfänger sozialer Leistungen, die sozial Schwächeren, denen der Staat etwa mit Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Grundsicherung unter die Arme greift.

Die einen zahlen also, die anderen bekommen Geld? Die Realität ist deutlich komplizierter, wie neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigen.

Ob jemand mehr Geld bekommt, als er einzahlt, hängt demnach besonders vom Alter ab. Jugendliche gehören zu den Netto-Empfängern und bekommen etwa Bildung und Gesundheitsleistungen bezahlt. Fangen die Menschen an zu arbeiten, kehrt sich das Verhältnis mit Mitte 20 um, bis sie mehr einzahlen, als sie bekommen. Der statistische Höhepunkt ist laut IW Köln mit Mitte 50 erreicht, wo der durchschnittliche Deutsche jedes Jahr 20.500 Euro an den Staat zahlt.

Im Alter kehrt sich das Verhältnis dann erneut um und aus den Netto-Zahlern werden Netto-Empfänger. Je älter die Senioren, desto mehr Geld beziehen sie vom Staat. Ab den 85. Lebensjahr sind es durchschnittlich 30.500 Euro pro Jahr. Bei all diesen Zahlen rechnet das IW nicht nur „harte“ Finanztransfers ein, sondern etwa auch staatliche Unterstützung für Kitas und Schulen, das Gesundheitswesen oder Altersbezüge.

All das sind natürlich nur Durchschnittswerte, die viele individuell unterschiedliche Situationen abbilden. Doch zu denen geben die IW-Forscher immerhin eine Annäherung

Die größten Unterschiede entstehen naheliegenderweise durch das Einkommen. Wer mehr verdient, zahlt mehr ein. Auch die Bildung spielt eine große Rolle: Je niedriger der Bildungsgrad, desto höher die Abhängigkeit von Sozialtransfers. Die untersten Einkommen sind fast ihr ganzes Leben lang Netto-Empfänger.

Auf der anderen Seite bekommen Besserverdiener im Alter dafür deutlich mehr Geld, nämlich etwa doppelt so viel wie Geringverdiener. Sie haben ja auch mehr eingezahlt.

Das zeigt sich besonders deutlich bei Männern. Im Laufe ihres Arbeitslebens verdienen sie deutlich mehr als Frauen, zahlen also auch mehr ein. Seinen Höhepunkt findet das mit 54 Jahren, wo der statistische Mann 26.000 Euro einzahlt, aber nur 6000 Euro bekommt. Zum Vergleich: Bei Frauen gehen im selben Alter 14.000 Euro an den Staat bei ebenfalls 6000 Euro Empfang.

Dafür bekommen Männer im Alter im Schnitt auch mehr, an die 35.000 Euro pro Jahr sind es bei Über-80-Jährigen. Bei Frauen sind es fast 10.000 Euro weniger. Der Grund liegt in den deutlich niedrigeren Renten und Pensionen, die natürlich direkt aus den niedrigeren Erwerbseinkommen resultieren.

Die immensen Altersausgaben veranlassen die Autoren zu einer Warnung. Schließlich befindet sich Deutschland mitten im demografischen Wandel, die Zahl der Alten steigt und die Alten werden immer älter.

„Für den Fiskus wird das zu einem rechnerischen Problem“, bilanziert Martin Beznoska, Steuerexperte beim IW und verantwortlich für den Steuer-Rechner: „Wegen des demografischen Wandels wird es immer dringender, die Sozialsicherungssysteme zu reformieren.“

Energie und ein kritischer Bürger

  1. Wie beim Mikado traut sich keiner, das A-Wort (oder K-Wort) auszusprechen. Der Bundeswirt-schaftsminister macht Visite in NRW, man parliert über nette Kleinigkeiten. Wie im Kinderbuch sucht man überall nach dem Phoenix der Energielösung. Kein Zauberer hilft. Was man auch dreht und wendet: es erscheint kein Geist aus der Flasche. Sogar Lichtträger Wasserstoff entpuppt sich als erstmal energieverschlingender Beelzebub. Die Nachbarn werden sich den T. tun, in ihrer Knappheit den wärmenden Mantel mit uns zu teilen. Wir müssen schon selbst vom hohen Ross herab.
    Man muss nur die FAZ von heute, Seite 3 einmal überfliegen. Oder Steingart, oder, oder oder…
  2. Warum vertut unser politische Elite ihre kostbare Zeit mit solchen Schattenspielen? Einsicht in die Fakten und tatkräftiges Umsetzen war schon seit langem geboten. Jetzt erst recht, wo kaum noch einer die Gasversorgung als politisch immun ansehen kann. Es mag schwer fallen, den Vorrang an Frankreich abzugeben und von China lernen zu müssen. Aber wir müssen runter vom selbstgewählten Podest.
  3. Das Tabuthema Atomenergie und Kernreaktor muss die Aufwärmphase hinter sich lassen. Nicht nur Vor- und Nachteile diskutieren. Geboten ist mehr als nur hämisch berichten über die Politik der Nachbarn. Die Kartoffel ist heiss, aber geniessbar. Alle, die noch Kenntnis haben, sind schon 20 Jahre in Rente, wenn sie noch leben.  Kennen Sie jemand unter 50, der sich beruflich mit Nutzung der Kernnenergie befassen darf?
  4.  Daher widmen wir uns in Vortrag und Diskussion noch diese Woche mit einer urdeutschen aber schnöde verachtetetn Universallösung – dem TRISO-Kugelbett-Hochtemperatur-Ofen, nicht nur für Strom, auch für Industriewärme, Sprit – und Wasserstoff-Erzeugung. Kein deutsches Medium hat darüber berichtet, aber seit 20. Dezember läuft der weltweit erste dieser Art in China am Netz. (WPK)

Corona-Nachweis im Abwassern

(KIT) – Mehrere Tage bevor die ersten Krankheitssymptome auftreten, sind Coronaviren bereits im Abwasser nachweisbar. Dies bietet die Möglichkeit, die Fallzahlen schneller erheben, das Infektionsgeschehen präziser abbilden sowie neue COVID-19-Varianten und deren Verbreitung früher erkennen zu können. Der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierte Projektverbund „Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser“ will diese Potenziale heben und prüfen, ob und gegebenenfalls wie in Deutschland ein abwasserbasiertes COVID-19-Frühwarnsystem umgesetzt werden kann. Die Europäische Union fördert das Vorhaben mit rund 3,7 Millionen Euro.

„Dieses ressortübergreifende Forschungsvorhaben bietet die Chance, das wissenschaftliche Know-how und bisherige Erfahrungen im Abwassermonitoring deutschlandweit zu bündeln und bei der Eindämmung der COVID-19-Pandemie systematisch zu nutzen“, sagt Dr. Verena Höckele, Projektkoordinatorin beim Projektträger Karlsruhe (PTKA) am KIT.

In das im Februar gestartete und ein Jahr laufende Pilotprojekt steigen sukzessive bundesweit 20 Standorte ein. An diesen werden zweimal pro Woche und über einen Zeitraum von jeweils 24 Stunden Mischwasserproben aus dem Zulauf der Kläranlagen entnommen, aufbereitet und mittels eines PCR-Tests analysiert. Anschließend sollen die Ergebnisse mit den Pandemiedaten der örtlichen Gesundheitsämter verknüpft werden und nach Möglichkeit in die pandemische Lagebeurteilung einfließen.

Virusvarianten mit Abwassermonitoring schneller erkennen

„Das Verfahren, die Häufigkeit und Dynamik von SARS-CoV-2 Viren über das kommunale Abwasser zu bestimmen, wurde in Deutschland bereits im Zuge einzelner Forschungsprojekte erfolgreich erprobt“, so Professor Harald Horn, Leiter des Bereichs Wasserchemie und Wassertechnologie am Engler-Bunte-Institut des KIT. Es könne nicht nur dazu beitragen, die Dunkelziffer von Infizierten besser abzuschätzen, sondern auch die Verbreitung von Varianten und Mutationen schneller zu erkennen als es durch die Testung einzelner Personen möglich sei, ist Horn überzeugt.

Im Projekt wollen die Forschenden nun auf der Basis vergleichbarer Ergebnisse analysieren, welche Methoden sich für ein flächendeckendes Monitoring eignen könnten und welche Daten hierfür erhoben werden müssen, um Coronaviren im komplex zusammengesetzten Abwasser nachweisen zu können. Dies zeigt sich aktuell bei der Erfassung der Omikron-Variante, deren Virenfragmente vorwiegend über die oberen Atemwege ausgeschieden werden und im Vergleich zur Delta-Variante nur zu einem Drittel ins Abwasser gelangen. Eine besondere Herausforderung für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es deswegen, die Qualität der Probenentnahme, der Laboranalyse und der Datenauswertung weiter zu verbessern.

Am Ende der Pilotphase steht die Entscheidung, ob für Deutschland ein flächendeckendes Abwassermonitoring oder eher ein repräsentatives Monitoring empfohlen werden soll. Ein solches flächendeckendes Frühwarnsystem gegen COVID-19, das sich perspektivisch auch für andere Krankheitserreger wie zum Beispiel Polio oder Grippeviren eignen würde, ist bereits in den Niederlanden, Kanada und Australien im Einsatz.

ESI-CorA: Förderung und Projektpartner

Das Projekt „Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser“ (ESI-CorA) fördert die Europäische Union im Rahmen des Soforthilfeinstruments ESI (Emergency Support Instrument) mit rund 3,7 Millionen Euro. Initiiert wurde es vom Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Der Projektträger Karlsruhe (PTKA) am KIT koordiniert das Projekt, Partner sind neben dem KIT die Technische Universität Darmstadt, das Umweltbundesamt und das Robert Koch-Institut. Ein Steuerungsgremium aus Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Ländern und Verbänden soll nach Ende des Pilotierungsvorhabens im Februar 2023 über die Verstetigung der Ergebnisse entscheiden. (sur)

Italien – nicht nur bescholtene Wirtschaftsnation

(FAZ) – Warum lieben wir Italien so? Sind es die großartigen Zeugnisse der Vergangenheit? Michelangelos Fresken, das Kolosseum in Rom, der berühmte schiefe Turm von Pisa? Ist es die unwiderstehliche Eleganz der italienischen Mode? Die Kreativität moderner Unternehmen? Vielleicht ist es von allem etwas, das uns an diesem Land so fasziniert. So außergewöhnlich wie die Wirtschaft Italiens ist eine Kampagne, die den italienischen Export unterstützen und das Label „Made in Italy“ fördern soll. „Be IT“ ist ihr Name, und ihre Kernaussage heißt: „Italy is simply extraordinary – Italien ist einfach außergewöhnlich.“

Das neue ehrgeizige Projekt wurde vom Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit (MAECI) in Zusammenarbeit mit ICE – einer Agentur für die Auslandsförderung und Internationalisierung italienischer Unternehmen – ins Leben gerufen. Die Kampagne ist global ausgerichtet, ihr Fokus richtet sich auf 26 Länder auf drei Kontinenten.

Das riesige Potential der italienischen Wirtschaft

„Be IT“ verfolgt zwei Ziele. Zum einen soll die  internationale Öffentlichkeit auf originelle und innovative Weise über Italien informiert werden. Dabei geht es vor allem um das außergewöhnliche Potential der italienischen Wirtschaft und ihre zugrunde liegenden Werte. Eine wichtige Rolle spielt die Internationalisierung der Lieferketten. Kleine und mittlere italienische Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, sich auf ausländische Märkte einzustellen. Dahinter steckt eine Vision, deren Strategie auf mittel- als auch auf langfristige Ergebnisse gerichtet ist.

Die am 29. November 2021 gestartete Kampagne dauert noch bis August 2022 und ist in zwei Phasen unterteilt. Ihr Hauptkonzept basiert auf einer „Karte der Werte“.

All diese Werte sollen die Komplexität und den Auftritt der Marke Italien im doppelten Sinn darstellen: hier der „Italian Way of Making“, dort der „Italian Way of Life“.

Wie wirkt Italien als Marke? Cool!

Die Karte wurde auf Grundlage einer genauen Quellenrecherche und vorbereitender Tests entwickelt. In der Analyse ging es auch um die Frage, welches Merkmal primär mit Italien als Marke identifiziert wird. Die Antwort: „Coolness“. Was sich dahinter verbirgt, wollten die Experten noch genauer wissen und fächerten die einzelnen Werte in weitere Makro-Werte und Dimensionen auf. So entstand ein flexibles Design- und Content-Creation-Tool, das es ermöglicht, die Identität der Marke Italien aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen und ihre Darstellung an das verwendete Medium, das Ziel und den jeweils passenden Referenzkanal anzupassen.

In der zweiten Phase werden gezielte Kampagnen gestartet, die darauf abzielen, die Produktionsketten des „Made in Italy“ zu fördern. Die Bewertungsphase erstreckt sich von November 2021 bis März 2022; weitere Kampagnen laufen von März bis August 2022.

An der Kommunikationskampagne waren über 20 Werbekanäle beteiligt, darunter Facebook, Instagram, Google, Snapchat, TikTok, die großen Nachrichtenmagazine verschiedener Länder, Linkedin, Spotify sowie spezielle Kanäle wie das russische soziale Netzwerk Vkontakte und WeChat in China.

Botschaften in 19 Sprachen übersetzt

Außerdem gibt es mehr als 40 Tools, mit deren Hilfe die Inhalte kommuniziert werden – darunter Fotos, Social Cards, Videos, interaktive Videos, Dokumentationen, Podcasts und Partnerschaften. Es gibt über 2000 Kampagnen-Ressourcen (Banner, Bilder, Videos), und mehr als 300 Ideengeber waren an der Influencer-Marketing- und Content-Creation-Kampagne in den 26 Zielländern beteiligt. Die Botschaften wurden in 19 Sprachen übersetzt – bei einer Zielgröße von einer Milliarde Menschen und rund 11 Milliarden Seitenaufrufen.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle – dank einer Partnerschaft mit der Plattform „Treedom“, die das Pflanzen von Bäumen in vielen Ländern der Welt ermöglicht. Für das Projekt Be IT entsteht der erste Wald des „Made in Italy“. Um das Erlebnis noch intensiver zu gestalten, gibt es auf Spotify eine Playlist der Werte des „Made in Italy“. Und auf der Website sind zahlreiche Persönlichkeiten zu erleben, die Italien international und weltweit bekannt gemacht haben.

NATO ein Friedensengel?

Ja: bisher nur für Europa , aber global: nein.!! Oder ist Russland Putin der Teufel.?
Kommt jetzt der Krieg im Zusammenhang mit dem handfesten Streit zwischen Russland und der Ukraine zu uns? Ganz eindeutig, hierbei schießt die NATO über ihr eigentliches Ziel hinaus. Frieden vor unserer Haustür ist nur möglich, wenn wir genauso die russischen Interessen berücksichtigen wie die globalen der USA.
In einem für die Deutschen glücklichen Augenblick der Geschichte hat uns Gorbatschow aus heiterem Himmel die Wiedervereinigung ermöglicht! Leider hat auf Geheiß der USA, die NATO damals die großen Chancen für nachhaltigen Frieden in Europa verworfen. Hören sich dazu den folgenden Podcast an, in dem der berühmte und glaubwürdige Politiker, Klaus von Dohnanyi, kürzlich dem WDR ein bezeichnendes Interview gegeben hat:
Darin erklärt er vieles, warum heute die Kriegsgefahr immer aktueller wird und warum Russland in der ganzen Welt, insbesondere in Afrika und Südamerika, viele Bemühungen des Westens konterkariert. Heute könnte man durchaus die Behauptung aufstellen, dass der Staatsmann Gorbatschow vom Westen betrogen worden ist, denn ursprünglich wurde versprochen, dass die NATO niemals an die Grenzen Russlands heranrücken würde. So erlaubte Gorbatschow die Wiedervereinigung Deutschlands. Aus der Sicht von heute könnte man sagen, Gorbatschow war naiv, weil er sich dieses nicht in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag versichern ließ. Den verbalen Beweis finden Sie im folgenden Link. Der damalige Außenminister Genscher versprach ihm das in Anwesenheit des amerikanischen Außenministers, der dem nicht widersprach.
Hier der Link dazu:
Ich bin ganz sicher, dass die ehemalige UdSSR ohne diese Versicherung niemals ihre Truppen aus der DDR zurückgezogen hätte.
Kein Wunder, dass sich Putin und Russland heute als vom Westen betrogen fühlen. Viele seiner Entscheidungen sind, ohne sie zu rechtfertigen, auf diese Ursache zurück zu führen. Er sieht den Westen als Feind an und die USA-Propaganda reicht ihm die Hand. Leider wird dadurch auch unsere seriöse Presse angesteckt, für viele Bürger wird Russland immer mehr zum Erbfeind. Wenn das so weitergeht, rückt ein vernunftbetonter Frieden in weite Ferne. Ohne Übereinkunft mit Russland, die auch seine Interessen nüchtern mit einbezieht, wird zumindest Europa in der Katastrophe enden. Man bedenke, Russland ist eine Atommacht, aber in die Enge gedrängt, kann jeder Staat zum Selbstmörder werden, insbesondere in autoritären Systemen. Wir Deutschen haben dieses Scenario am Ende des Krieges ja leidvoll erlebt. Wenn Hitler über Kernwaffen verfügt hätte, hätte er sie auch als ‚Wunderwaffe‘ eingesetzt. Das ist die große Gefahr.
Noch ein Wort zu den drohenden Sanktionen, die Putin in Angst und Schrecken versetzen sollen, sprich u. a. ‚Ostseepipeline‘. Abgesehen davon, dass sein Erdgas als Brückentechnologie für Deutschland zur Klimarettung unentbehrlich ist, kann sich Putin nur ins Fäustchen lachen. Wenn der Westen nicht mit ihm kooperieren will, steht China Gewehr bei Fuß, um alles zu konterkarieren. Chinas autoritärer Herrscher Xi Jinping wird liebend gerne diese Funktion übernehmen. Weil China immer mehr die weltweite Hegemonie in der Wirtschaft anstrebt, treiben wir Putin in seine Arme. Das ist die eigentliche Gefahr, die alle demokratischen Länder bedroht. Nicht nur die geschickte Seidenstraßen-Ideologie mit hohen Krediten an die anliegenden Länder, sondern auch in Afrika und Südamerika machen Russland und China schon heute immer mehr gemeinsame Sache. Stichwort: Was Russland anbelangt, Syrien, Mali, Venezuela usw.
Kurzum: Nur ein Arrangement mit Russland, welches die Ukraine zum wichtigen Pufferstaat zwischen östlichen und westlichen Interessen macht, und dass davon extrem wirtschaftlich profitieren kann, ist die Lösung. Krim hin – Krim her, und Donbass als neutralisierter Staat, in dem Bürger russischer und ukrainischer Sprache gleichberechtigt nebeneinander leben können. Als auch Luxemburger weiß ich die Rolle dieses Pufferstaates zwischen Frankreich und Deutschland sehr zu schätzen. Seinen enormen Wohlstand verdankt es heute ausschließlich den vielen EU-Institutionen und Banken. Der Total-Abbau der noch zu meiner Zeit vorherrschenden Stahlindustrie, konnte so ohne soziale Verwerfungen verkraftet werden. Ein Modell für Donbass?
ie Hoffnung stirbt zuletzt, gefordert sind kluge Politiker
Jean Pütz
Folge 250 Der Vernunft eine Chance

 

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Prämien, Steuern, Preisdeckelung: So reagiert Europa auf den Energiepreisschock

(n-tv) – Gas, Strom, Öl – alles ist teurer geworden. Im gesamten europäschen Raum ächzen die Verbraucher. Am schlimmsten trifft es Haushalte in Deutschland. Was tun die Regierungen dagegen? Und könnten sie mehr tun?

Ein durchschnittlicher europäischer Haushalt muss sich in diesem Jahr auf eine Rechnung von rund 1850 Euro für Strom und Gas einstellen. Ein ziemlicher Batzen im Vergleich zu den 1200 Euro aus dem Jahr 2020, wie die Bank of America Research (BofA) errechnet hat. Beim Strompreis ist Deutschland dabei einsame Spitze: In keinem Land müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mehr bezahlen. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zahlten deutsche Haushalte im Januar 2022 im Schnitt 36,19 Cent pro Kilowattstunde – so viel wie noch nie. Für andere Europäer sind es derzeit weniger als 25 Cent.

Im Fahrwasser des Preisanstiegs von Erdgas – laut BofA ein Plus von 330 Prozent am niederländischen Leitmarkt 2021 und von mehr als 100 Prozent auf Deutschlands und Frankreichs Umschlagplätzen -, bedingt durch eine hohe globale Nachfrage und ein sparsames Angebot auf dem Weltmarkt, ist auch Strom sehr viel teurer geworden. Das Ende der Heizperiode mag Gaskunden ein wenig Entspannung bringen. Aber die Energiepreishausse ist damit nicht vorbei, da sich der Anstieg der Großhandelspreise zeitversetzt bei den Endkunden niederschlägt. Gerade die Stromrechnung verheißt also weiterhin nichts Gutes.

Bei Strom wäre es für die Politik vergleichsweise einfach, übermäßige Mehrkosten abzufedern: Hierzulande besteht der Preis nur zu rund 20 Prozent aus den Erzeugungskosten, der Rest sind Steuern und Abgaben wie Netzentgelte sowie die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG). Letztere hat die Bundesregierung zu Jahresbeginn fast um die Hälfte gesenkt (von 6,5 Cent/KWSt auf 3,7 Cent). Eine Komplettabschaffung noch in diesem Jahr wird diskutiert. Ähnlich verhält es sich in anderen EU-Ländern, die Verbraucher seit vergangenem Jahr mit Dutzenden Milliarden Euro entlastet haben.

Zwar warnen Energie- und Umweltexperten wie Andreas Löschel von der Ruhr-Universität in Bochum, die Reaktionen anderer EU-Länder einfach auf den heimischen Markt zu übertragen. Denn grundsätzlich laufen indirekte Subventionen der fossilen Energieträger den europäischen Klimaschutzzielen zuwider. Doch kurzfristig geht es darum, den Unmut der Bürgerinnen und Bürger über die hohen Belastungen zu dämpfen. Und die meisten Nachbarn entlasten ihre Verbraucher dabei mehr als es die Ampel-Koalition tut: allen voran Spanien, das schon im Herbst die Stromsteuer auf das in der EU erlaubte Minimum von 0,5 Prozent senkte – zusätzlich zur Mehrwertsteuer wohlgemerkt.

Elf Länder drehten an der Steuerschraube

Nach einer Zusammenstellung der Denkfabrik Bruegel in Brüssel haben Spanien, Belgien, Frankreich und Rumänien am umfassendsten reagiert, damit Bürgerinnen und Bürger nicht wie die französischen Gelbwesten 2018 auf die Barrikaden gehen. Jeweils mehr als vier Gegenmaßnahmen haben die Länder ergriffen, teilweise sind weitere Schritte geplant. Ganze elf der 24 untersuchten Regierungen drehten an der Preisschraube, indem sie Energie- oder Mehrwertsteuern strichen oder drastisch senkten. Südliche Länder schreckten auch weniger davor zurück, die Mehreinnahmen von Energieunternehmen stärker zu besteuern – sechs Regierungen erheben solche „windfall profit taxes“, darunter auch Großbritannien.

13 Länder griffen zum ultimativen Preisdiktat und deckelten Großhandelspreise oder Endkundentarife, darunter Frankreich. Dort verordnete die Regierung bereits im September, dass die Gas- und Stromtarife nicht weiter steigen dürfen – im Jahr 2022 wird ein Plus von vier Prozent toleriert. Um dies zu ermöglichen, senkte Paris die Stromsteuern. So wie Frankreich haben es Zypern, Griechenland und Portugal dabei noch mit staatlichen Energieunternehmen zu tun. Der französische Energieversorger EDF befürchtet eine Lücke von etwa 8 Mrd. Euro im Ergebnis. Die Last für die Staatskasse erreicht bislang geschätzt weitere 8 Mrd. Euro – einschließlich 3,8 Mrd. Euro für Energiegutscheine an 38 Millionen Franzosen. Frankreich wählt bald einen neuen Präsidenten.

Zügig handelte auch Belgien, wo einige Energiesteuern und eine grüne Umlage durch eine fixe Abgabe ersetzt und ein Sozialtarif für Niedrigverdiener bis Juni auf 500.000 Haushalte ausgedehnt wurden. Zuletzt nahm die Regierung die Mehrwertsteuer von 21 auf 6 Prozent zurück – zunächst bis Juli. Zusammen mit Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte – ein Instrument, auf das 14 Länder in Europa zurückgreifen – wie eine Heizprämie von 100 Euro pro Haushalt, wird die belgische Staatskasse mit mehr als 1 Mrd. Euro belastet. Landesweit profitieren rund eine Million Haushalte von vergünstigten Strom-, Gas- und Erdölpreisen. Allerdings spült der Energiepreisanstieg dem Staat auch zusätzliche Steuereinnahmen in die Kasse.

Italien am teuersten

In Italien, wo der Anstieg ohne Gegenmaßnahmen laut BofA fast 80 Prozent im Vergleich zu 2020 erreichen würde, startete Ministerpräsident Mario Draghi mit Sofortmaßnahmen im Wert von 3 Mrd. Euro: Der Staat übernahm Gebühren und Abgaben am Strommarkt und senkte Steuern auf Gas. Weitere Boni folgten für Haushalte, die von Energiearmut bedroht waren. Im Januar verlängerte und ergänzte Rom Kostendämpfer noch einmal. Den Staatshaushalt wird das bis März mit geschätzt 8,5 Mrd. Euro belasten, schreibt Bruegel. Ende Januar kamen Steuernachlässe (20 Prozent) für energieintensive Betriebe mit mehr als 30-prozentigen Mehrkosen zu 2019 hinzu. Dafür werden Erzeuger von Solar-, Wind-, Wasser- und Geothermie-Energie von Februar bis Ende 2022 stärker zur Kasse gebeten.

Das alles lässt die Analysten der von Reuters verbreiteten BofA-Studie vom Januar aber skeptisch zurück. „Die bislang in Europa verkündeten Maßnahmen werden im Schnitt nur etwa ein Viertel der Preisanstiege auffangen“, wird der Energiemarktexperte Harry Wyburd zitiert. Auf der Grundlage der gegenwärtigen Großhandelspreise werde der Preisanstieg 2022 rund 54 Prozent zu 2020 erreichen. „Was sie heute bezahlen, wenn Sie Wasser kochen, spiegelt den Preis von vor etwa sechs bis neun Monaten wieder. Das ist wie Zeitlupe.”

Inflationsungleichheit nimmt zu

In Italien, Griechenland und anderen südlichen Ländern der EU überwiegt die Sorge, die Energiepreiskrise könnte die wirtschaftliche Erholung von der Covid-19-Pandemie ersticken. Ärmere Länder haben stärker an der Preiskrise zu knabbern. So müssen in Tschechien die ärmsten Familien etwa 20 Prozent ihrer Einkommen für Autofahren, Strom und Heizen aufwenden, wie der Europäische Rechnungshof anführt. Prag strich Ende 2021 die Mehrwertsteuer auf Strom und Gas und hilft kleinen Unternehmen, deren Energierechnung sich verdoppelt hat, mit Bürgschaften.

Obendrein ist die Preisspirale bei Energie ein wichtiger Inflationstreiber, wie auch die Experten des Bruegel-Thinktanks anmerken aber in einigen Ländern stärker als in anderen. Der EU-weite Inflationsanstieg 2021 berge einen Sprung der Strom-, Gas- und Treibstoffpreise von 23 Prozent. „Aber Inflation und Energiekosten von Endkunden haben sich quer durch die Eurozone sehr unterschiedlich entwickelt.“ So sei der Anstieg der Energiekosten in Belgien mit 60 Prozent ausgeprägter als mit 33 Prozent in Italien und mit „nur“ 19 Prozent in Frankreich.

Geringverdiener unter den Haushalten hätten dabei jedoch die größten Probleme, die Belastung anderweitig auszugleichen. Zugleich fräßen die Energiekosten einen größeren Teil ihrer Ausgaben auf, so Bruegel. Damit steige die Inflationsungleichheit, in der arme Haushalte die Hauptlast steigender Preise tragen.

Reformen unumgehbar

Eine wenig überraschende Erkenntnis, die die Politik jedoch berücksichtigen muss, wenn sie mittelfristig nach Strategien sucht, wie mit einer permanenten – und potenziell explosiven – Verteuerung fossiler Brennstoffe umzugehen ist. Kurzfristig werden auch von der Ampel-Koalition in Berlin weitere Schritte zur Entlastung von Endkunden erwartet, die über die bisherigen – Hilfen für Einkommensschwache und teils gestrichenen EEG-Umlagen – hinausgehen. Auch eine niedrigere Mehrwertsteuer oder der Wegfall der Stromsteuer wird diskutiert. Zunehmend lauter rufen zudem Industriekunden nach Entlastung.

„Die Länder müssen anfangen, über effizientere Maßnahmen nachzudenken, um die künftigen, möglicherweise sehr viel nachhaltigeren Auswirkungen steigender Energiepreise auf die Inflationsungleichheit abzumildern“, mahnen die Bruegel-Experten in ihrem Blog. Deutschlands Rechnungsprüfer schlagen vor, das System der staatlichen Umlagen und Entgelte „grundlegend zu reformieren“. Und auch der Europäische Rechnungshof hält das gegenwärtige EU-System der Besteuerung von Energie für veraltet – und nicht an die Klimaziele angepasst. Er erwartet allerdings eine sehr schwierige Meinungsfindung.

Die Masse vom Neutrino

(KIT) – Das internationale KArlsruhe TRItium Neutrino Experiment, kurz KATRIN, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Neutrinomasse erstmals auf unter ein Elektronenvolt (eV) eingegrenzt und damit eine „Barriere“ in der Neutrinophysik durchbrochen. Aus den aktuell in der Fachzeitschrift Nature Physics veröffentlichten Daten lässt sich eine Obergrenze von 0,8 eV für die Masse des Neutrinos ableiten. Diese mit einer modell-unabhängigen Labormethode gewonnenen Ergebnisse ermöglichen es KATRIN, die Masse dieser „Leichtgewichte des Universums“ mit bisher unerreichter Präzision einzugrenzen.

Neutrinos sind die wohl faszinierendsten Elementarteilchen in unserem Universum. In der Kosmologie spielen sie bei der Bildung von großräumigen Strukturen eine wichtige Rolle. Auch in der Welt der Teilchenphysik nehmen sie eine Sonderstellung ein, denn ihre winzige Masse weist auf neue physikalische Prozesse jenseits der bisherigen Theorien hin. Ohne eine Messung der Neutrinomasse wird unser Verständnis des Universums unvollständig bleiben.

Hier setzt das internationale KATRIN-Experiment am KIT mit Partnern aus sechs Ländern als weltweit sensitivste Waage für Neutrinos an. Es benutzt den Beta-Zerfall von Tritium, einem instabilen Wasserstoff-Isotop, um aus der Energieverteilung der bei diesem Zerfall erzeugten Elektronen die Masse des Neutrinos zu bestimmen. Dazu ist ein enormer technischer Aufwand notwendig: Das 70 Meter lange Experiment beherbergt die weltweit intensivste Quelle von Tritium sowie ein riesiges Spektrometer, mit dem sich die Energien der Zerfallselektronen mit bisher unerreichter Präzision messen lassen. Die hohe Qualität der ersten Daten nach der Inbetriebnahme im Jahr 2019 konnte in den letzten beiden Jahren kontinuierlich gesteigert werden. „KATRIN läuft als Experiment mit höchsten technologischen Anforderungen nun wie ein perfektes Uhrwerk“, freut sich Professor Guido Drexlin vom KIT, Projektleiter und einer der beiden Co-Sprecher des Experiments. Professor Christian Weinheimer, Universität Münster, der andere Co-Sprecher, ergänzt: „Die Reduktion der Störsignale und die Erhöhung der Signalrate waren entscheidend für das neue Resultat.“

Akribische Datenanalyse: Erster Vorstoß in den Bereich unter einem Elektronenvolt

Die Auswertung dieser Daten stellte das internationale Team um Dr. Magnus Schlösser vom KIT und Professorin Susanne Mertens vom Max-Planck-Institut für Physik und der Technischen Universität München, die die Analyse koordinieren, vor große Herausforderungen: Jeder Einfluss auf die Neutrinomasse, so klein er auch sein mochte, musste detailliert untersucht werden. „Nur durch diese aufwändige und akribische Arbeit konnten wir eine systematische Beeinflussung unseres Resultats durch andere Effekte wirklich ausschließen. Wir sind ganz besonders stolz auf unser Analyseteam, das sich dieser Herausforderung mit großem Engagement erfolgreich gestellt hat“, so Schlösser und Mertens. Die experimentellen Daten des ersten Messjahres und die Modellierung auf Basis einer verschwindend kleinen Neutrinomasse passten perfekt zusammen: Daraus habe sich eine neue Obergrenze für die Neutrinomasse von 0,8 eV bestimmen lassen, sagen die beiden Wissenschaftler. Erstmals stößt so ein direktes Neutrinomassenexperiment in den kosmologisch und teilchenphysikalisch wichtigen Massenbereich unter einem Elektronenvolt vor, in dem die fundamentale Massenskala von Neutrinos vermutet wird. „Die Teilchenphysik-Gemeinschaft ist begeistert, dass die 1-eV-Barriere von KATRIN durchbrochen wurde”, kommentiert Neutrinoexperte John Wilkerson, University of North Carolina, der Vorsitzende des KATRIN Executive Boards.

„Zum Erfolg trug entscheidend bei, dass alle technischen Komponenten reibungslos zusammenarbeiteten: das Hochfahren der Quelle im Tritiumlabor Karlsruhe auf die nominellen Quellintensitäten sowie der Betrieb von Spektrometer, Detektor und Kryoinfrastruktur. Dies wurde durch den professionellen Einsatz unserer Mitarbeitenden erreicht, durch die dieses Großexperiment getragen wird“, betont Schlösser.

Weitere Messungen sollen Empfindlichkeit verbessern

Die am Projekt KATRIN beteiligten Forschenden beschreiben die kommenden Ziele: „Die weiteren Messungen zur Neutrinomasse werden noch bis Ende 2024 andauern. Um das volle Potenzial dieses einzigartigen Experiments auszuschöpfen, werden wir nicht nur die Statistik der Signalereignisse kontinuierlich erhöhen; wir entwickeln und installieren fortwährend Verbesserungen zur weiteren Absenkung der Störereignisrate“. Dabei spielt die Entwicklung des neuen Detektorsystems TRISTAN, mit dem sich KATRIN ab 2025 auf die Suche nach „sterilen“ Neutrinos im keV-Massenbereich begeben soll, eine besondere Rolle. Solche sterilen Neutrinos wären Kandidaten für die mysteriöse Dunkle Materie, die sich schon in vielen astrophysikalischen und kosmologischen Beobachtungen manifestiert hat, deren teilchenphysikalische Natur aber noch immer unbekannt ist. (jh)

Lohnt sich auch heute noch eine Photovoltaikanlage ?

(Stiftung Warentest) – Eine Solarstromanlage auf dem Dach kann sich trotz gesunkener Einspeisevergütung lohnen – wenn Hauseigentümer auf den Preis achten und einen möglichst hohen Anteil des erzeugten Stroms selbst verbrauchen. Das zeigen Berechnungen der Stiftung Warentest

Eine Rendite von über 3 bis 4 Prozent ist langfristig selbst bei vorsichtiger Kalkulation drin, so Finanztest. Mit der Einspeisung ins Netz allein ist ein kostendeckender Betrieb allerdings nicht mehr möglich. Dafür wird der Eigenverbrauch immer attraktiver, insbesondere nach den drastischen Strompreiserhöhungen zu Jahresbeginn.

Die Rendite für eine Photovoltaikanlage fällt sehr unterschiedlich aus – je nachdem, wie viel sie kostet, welche Strommenge sie produziert, wie hoch der Eigenverbrauch ist und wie sich die Strompreise entwickeln. Von mehr als 8 Prozent pro Jahr bis hin zum Verlust ist alles möglich.

Ein Batteriespeicher als Ergänzung zur Photovoltaik-Anlage lohnt sich nur, wenn er günstig ist, auf den Stromverbrauch des Haushalts abgestimmt ist und deutlich länger als zehn Jahre hält, so Finanztest.

Einnahmen, Ausgaben, Steuern, Rendite und Überschüsse der PV-Anlage ermittelt der kostenlose Solarrechner unter www.test.de/solarrechner.

Die vollständigen Berechnungen inklusive Tipps zu Planung, Steuern und Mietmodellen finden sich in der März-Ausgabe der Zeitschrift Finanztest und online unter www.test.de/solarstrom.

Antihistaminika helfen Long-Covid-Patienten

(pte) – Symptome von Allergien lindernde Antihistaminika können möglicherweise auch Long-Covid-Patienten helfen, wie eine Untersuchung der University of California am Standort Irvine zeigt. Laut Expertin Melissa Pinto leiden diese Menschen noch Wochen und Monate nach dem Abklingen der Infektion an Schmerzen, Atemwegsbeschwerden, Kopfschmerzen, Schindelgefühl, Magen-Darm-Beschwerden und allgemeiner Mattigkeit sowie Kraftlosigkeit. Die Vermutung basiert auf den Erfahrungen, die zwei Patienten mit dem Medikament gemacht haben.

Hoffnung für 54 Mio. Menschen

„Patienten sagen uns, dass sie sich mehr als alles andere wünschen, wieder leben und arbeiten zu können wie vor ihrer Infektion mit dem Coronavirus. Sie suchen verzweifelt nach etwas, das ihnen hilft, wieder auf die Beine zu kommen“, so Pinto. Derzeit gebe es keine Therapie für die Krankheit. „Wir probieren einige Medikamente aus, darunter Antihistaminika, die einige Symptome tatsächlich lindern. Das sollte den schätzungsweise 54 Mio. Menschen weltweit, die an Long Covid leiden, Hoffnung geben.“

Konkret handelt es sich um zwei Frauen, die rezeptfreie Antihistaminika einnahmen, um andere Erkrankungen zu behandeln. Die erste Patientin litt nach dem Verzehr von Käse an einer Milchallergie, die zweite griff zu einem Antihistamin, als ihr normales Allergiemedikament alle war. Beide spürten bereits am nächsten Morgen, dass sie geistig beweglicher und körperlich fitter waren. Als eine der beiden Frauen das Medikament absetzte, kamen die Symptome zurück. Daraufhin nahm sie es wieder regelmäßig ein. Nach wenigen Tagen hatte sie 90 Prozent der Fähigkeiten, die sie vor der Covid-Erkrankung hatte, zurückgewonnen. Die zweite Patientin kam nach einer Einschätzung sogar auf 95 Prozent.

Suche nach optimaler Dosierung

Pinto will die keineswegs wissenschaftlich repräsentativen Erfahrungen der beiden Frauen jetzt objektivieren. In einer breiter angelegten Untersuchung will sie gemeinsam mit ihren Kollegen verschiedener amerikanischer Institutionen vor allem die optimale Dosierung herausfinden, um die Folgen durch Long-Covid in den Griff zu bekommen.