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Regenerative Stromversorgung: Professor Kobe und das grüne Wunschdenken

Brief eines fachkundigen Physik-Professors, Prof. Dr. Sigismund Kobe aus Dresden an seinen ehemaligen Lehrer.

Professor Kobe sorgt sich um die für unsere Volkswirtschaft so wichtige Stabilität der kontinuierlichen Versorgung mit elektrischer Energie. er belegt mathematisch warum eine Einspeisung ausschließlich mit regenerativen Energien in unser Stromnetz nicht möglich ist – vor allen Dingen, weil die Einrichtungen von Tausenden Terawatt-Stunden zur Zwischenspeicherung elektrischer Energie fehlen und daher die Mär dieser Energiequelle aus Sonne und Wind – ausschließlich in Deutschland gewonnen – in die Katastrophe führt. Seit Jahren bin ich mit Professor Kobe befreundet. Wir tauschen uns über Möglichkeiten und Unmöglichkeiten auf dem Weg zur Klimarettung regelmäßig aus.

Jean Pütz

Lieber Helmut,

Eigentlich hätte ich Dir auch handschriftlich antworten müssen, denn Du hast dies ja
auch getan. Ich erinnerte mich sofort an Dein exaktes und sehr vertrautes Tafelbild,
als ich die Karte las.
Mit Exaktheit von Mathematik und Physik, für die Du mich begeistert hast, beschäftige ich mich auch im Moment. Es gibt ja Leute, die meinen, es reicht aus, wenn Zwei mal Zwei so ungefähr Vier ist oder mit hoher Wahrscheinlichkeit Vier zu sein scheint. Nach den Plänen der neuen Regierung soll innerhalb weniger Jahre Klimaneutralität erreicht werden. Als Weg zu diesem Ziel wird der Ausbau von Windenergie- und PVAnlagen vorgeschrieben.

Nun habe ich mir sehr viele der Studien und Szenarien etwas genauer angesehen. Es
zeigt sich, dass darin physikalische Gesetze verletzt werden. Die Politik benutzt also
sogenannte „wissenschaftliche“ Analysen, die diese Bezeichnung nicht verdienen. Dabei geht es um Stoff des Physik-Unterrichts der 8. Klasse: Knotensatz der Elektrizitätslehre:
„Die Summe der Stromstärken der zufließenden ist gleich der Summe der
abfließenden Ströme.“

Das öffentliche Stromnetz dient der „leitenden Verbindung“ zwischen Erzeuger und
Verbraucher. Von außen betrachtet ist es ein Knoten. Die Summe der Ströme aller
Erzeuger muss in jedem Augenblick gleich sein der Summe der Ströme zu allen
Endverbrauchern. Das ist das physikalische Gesetz (Gesetz 1). So weit so gut. Über die letzten hundert Jahre war es nicht besonders schwierig, dieses „Gleichgewicht“ in jedem Augenblick aufrecht zu erhalten, denn die Kraftwerke lieferten gleichmäßig Strom und ihre Einspeisung konnte dem augenblicklichen Bedarf der Verbraucher problemlos angepasst werden.
Als Folge der Gültigkeit des Knotensatzes in jedem Augenblick ist dann die Summe der im ganzen Jahr von den Kraftwerken eingespeisten auch gleich der Summe der in dieser Zeit von allen Stromabnehmern verbrauchten Elektroenergie. Diese Aussage (Aussage 2) ist kein physikalisches Gesetz, sondern ergibt sich aus Gesetz 1.

In der „neuen Zeit“ werden konventionelle Kraftwerke durch Erzeuger wie Windenergie- und Photovoltaikanlagen ersetzt. Diese stellen Energie stochastisch nach Wetterlage bereit. Bisher konnte trotzdem die zweite Bedingung (Gleichheit der jahreskumulierten Energien von Erzeugung und Verbrauch) und meistens auch das Gesetz 1 erfüllt werden.

Für alle Prognosen, Szenarien etc., z.B. Klimaneutralität für 2045, genügt den
Autoren allerdings die Einhaltung der „Aussage 2“, also die Jahresbilanz der Energie.
Sie unlassen es, nachtraglich zu prüfen, ob ihre Ergebnisse auch mit „Gesetz 1“, dem
Knotensatz, kompatibel ist.

Dies ist ein schwerer Fehler und wird uns Milliarden Euro kosten. Warum? Ist nämlich der stochastische Anteil der Erzegung durch Wind und Sonne hinreichend groß, so gibt es extrem starke Schwankungen. Die Einspeisung kann NULL sein (nachts, Windstille). Anderseits gibt es den Fall, dass mehr Wind- und Sonnenstrom eingespeist werden muss als in diesem Moment Verbraucher am Netz sind: (Verletzung des Knotensatzes 1).

Fazit: Der Zubau von Wind- und PV-Anlagen ist begrenzt (60…80 Prozent Erneuerbare gehen physikalisch nicht, stehen aber im Koalitionsvertrag). Bei all diesen Überlegungen musste ich immer wieder an meinen Mathematikunterricht als Oberschüler der Schiller-Schule denken. Zum ersten Mal habe ich von Dir erfahren und auch verstanden, wie wichtig der Unterschied zwischen „notwendigen Bedingungen“ und „notwendigen und hinreichenden Bedingungen“ ist.

Steuern, Miete und Heizkosten: Das erwartet Hauseigentümer, Mieter und Bauherren

Die neue Bundesregierung will im Immobiliensektor einiges ändern. Auf was sich Hausbesitzer, Bauherren und Mieter einstellen müssen.

(Handelsblatt) Das ist ein Signal: Mehr als fünf Seiten nimmt das Thema Bauen und Wohnen im neuen Koalitionsvertrag ein – zudem erhält das Ressort wieder ein eigenes Ministerium. Die Ampelparteien wollen im Immobiliensektor einiges ändern.

„Wir werden das Bauen und Wohnen der Zukunft bezahlbar, klimaneutral, nachhaltig, barrierearm, innovativ und mit lebendigen öffentlichen Räumen gestalten“, heißt es vollmundig in dem Papier, auf das sich die neuen Koalitionäre geeinigt haben. Eine mögliche Kandidatin für die Leitung des neuen Bauministeriums ist die bisherige Umweltministerin Svenja Schulze.

 

China-Abhängigkeit gefährlich

Diese Pressemitteilung kann ich aus eigener Erfahrung vielfach bestätigen. Hier nur ein Beispiel:

Einer meiner Freunde hat eine Firma, die unglaublich kreative Werkzeugschleifmaschinen entwickelt hat. Bis auf den tausendstel Millimeter genau lassen sich damit komplexe Werkzeuge und Objekte mit Präzision und fünf Achsen-Bewegungen herstellen. Die Zuführung der Rohobjekte erfolgt in selbst entwickelter Roboter-Methode auf Basis von Künstlicher Intelligenz. Um zu expandieren, benötigte er Kapital. Da in Deutschland die Genialität dieser Maschine nicht gewürdigt werden konnte, sprangen die Chinesen umgehend ein. Voraussetzung: Er musste auch eine Produktionsstätte in China errichten. Jetzt hat er das Problem, dass aus China ein sanfter Druck ausgeübt wird, ihnen die Firma mit sämtlichen Know How zu verkaufen. Doch das Angebot liegt meines Erachtens weit unter Wert.

Ähnlich ist es der Firma KUKA passiert, die von chinesischen Kapitalgebern übernommen wurde. An die vielen  in Deutschland entwickelten Technologien – ich erinnere da nur an Transrapid oder an Stahl- und Eisen-Produzenten, die in Deutschland aus ökologischen Gründen nicht mehr haltbar waren, doch von Chinesen Teil für Teil, Schraube für Schraube abgebaut wurden, mit dem Effekt, dass sie heute den CO2-Gehalt der Atmosphäre verpesten.

Auch chinesische Wissenschaftsjournalisten, die hier in Deutschland bevorzugt behandelt wurden, halfen fleißig bei dem kostenlosen Technologie-Transfer. Auch die von dem kommunistischen System übernommene globale Marktwirtschaft entbehrt jeglicher sozialer und ökologischer Qualität. So hat sich China als angebliches Schwellenland Vorteile erschlichen, die ihm nach und nach die Hegemonie über die Weltwirtschaft verschaffen werden. Seidenstraße und Kreditaktivitäten in Afrika lassen schön grüßen. Nicht nur mit seltenen und dringend benötigten Rohstoffen wird die Weltwirtschaft immer mehr abhängig von China. Das liegt auch am Erwartungshorizont der Chinesen. Sie rechnen mit über 100 Jahren, während Deutschland auf kurzfristige Gewinnmöglichkeiten setzt. Der Manchester-Kapitalismus, der in China verachtet wird, ist jedoch das Vehikel, um die Weltwirtschaft zu kapern.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen philosophischen Aspekt hinweise, der auf den Ideengeber Konfuzius zurück zu führen ist: Das möchte ich einmal in einfachen Worten übersetzen ‚Es kommt nicht darauf an, dass das Rad immer wieder neu erfunden wird, sondern dass wir besser werden als unser Meister‘ Wir Deutschen waren lange Zeit die Meister der Chinesen, mit dem Erfolg, dass wir immer mehr als Industrie-Nation abgehängt werden. Dahinter steht aber auch, dass Deutschland im fiktiven Größenwahn schwimmt. die Mehrzahl der Deutschen glaubt – angetrieben durch Populismus mancher Parteien, dass wir immer noch die Lehrmeister der Welt sind und es sich deshalb lohnt, wegen der notwendigen Klimarettung Verzichtsmethoden zu entwickeln, die die ganze Welt retten sollten. Doch keiner folgt uns.

Jean Pütz

(pte) – Die Abhängigkeit großer deutscher Wirtschaftsbranchen vom Geschäft in China könnte sich mittelfristig zum Problem auswachsen. „Deutsche Firmen befinden sich auf dem Weg zu einer gefährlichen Abhängigkeit vom Wohlwollen der chinesischen Führung. Sie dienen dem geopolitischen Machtanspruch Chinas, wenn sie ihr Know-how in das Land transferieren, und können von heimischen Firmen verdrängt werden“, so Rolf J. Langhammer, Handelsforscher am IfW Kiel

Zahl der Tochterfirmen gestiegen

Seine Sicht untermauert der Wirtschaftsforscher damit, dass die Zahl an Tochterunternehmen und Produktionsstätten deutscher Unternehmen in China seit den 1990er-Jahren kontinuierlich angestiegen ist. So seien zuletzt rund sieben Prozent der gesamten Auslandsinvestitionen Deutschlands in China getätigt wurden. Laut Langhammer entspricht dies etwa 89 Mrd. Euro (Datenbasis 2019). 2000 waren es noch nur rund ein Prozent, hält der Ökonom fest.

Im Verarbeitenden Gewerbe, also etwa in den Bereichen Chemie, Maschinenbau oder Automobil, stiegen die Auslandsinvestitionen in China laut dem Experten von gut zwei Prozent im Jahr 2000 auf zuletzt sogar 14 Prozent (61 Mrd. Euro). Allein die Autoindustrie investierte demnach jüngst 24 Prozent ihrer ausländischen Geldanlagen in der Volksrepublik (26 Mrd. Euro).

Demgegenüber meiden die USA als weltgrößter Auslandsinvestor bislang diese Wachstumsregion, sie setzen stattdessen auf Investitionen in Europa. 2020 flossen nur rund zwei Prozent aller Auslandsinvestitionen nach China (110 Mrd. Euro). Bei Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes waren es gut sechs Prozent (54 Mrd. Euro). 2000 lag der Anteil der US-Auslandsinvestitionen in China gleichauf mit denen Deutschlands, also bei rund einem Prozent beziehungsweise zwei Prozent im Verarbeitenden Gewerbe.

Staaten üben sich in Zurückhaltung

„Die Zurückhaltung von US-Firmen ist umso erstaunlicher, als China seit vielen Jahren eine der am dynamischsten wachsenden Weltregionen ist und Firmen einen äußerst lukrativen Absatzmarkt bietet. Außerdem gewährt China ausländischen Firmen in den letzten Jahren auch allmählich Zugang zum Dienstleistungssektor, in dem US-Firmen weltweit führend sind. Ganz offenbar sind die Bedenken zu groß, von China für den Wissenstransfer oder das Ausspähen sensibler und sicherheitsrelevanter Informationen ausgenutzt zu werden“, meint Langhammer.

Dem Fachmann nach führen die USA Investitionskontrollen zum Schutz der nationalen Sicherheit nicht nur gegenüber ausländischen Firmen durch, die sich in den USA niederlassen wollen. Auch die Expansion von US-Firmen außerhalb der USA wird reguliert, um sicherzugehen, dass dadurch nicht sensible Infos in ausländische Hände fallen können. Deutschland dagegen reguliert über das Außenhandelsgesetz nur die Aktivitäten ausländischer Firmen im Inland, nicht die Investitionen inländischer Firmen im Ausland. China drängt ausländische Unternehmen dazu, den eigenen Markt weniger durch Handel als über Tochterunternehmen vor Ort zu beliefern.

 

Geben und Nehmen als staatliche Leistung einmal aufgegliedert

(Wirtschaftswoche) – Es ist eine immense Summe: 1,6 Billionen Euro hat der deutsche Staat 2020 eingenommen, in Zahlen: 1.600.000.000.000. Das ist, Schätzungen des Finanzministeriums zufolge, so viel, wie die komplette Coronapandemie den Staat bislang zusätzlich gekostet hat. Das Geld stammt aus Steuern und Abgaben und damit von jedem von uns, sei es über die Einkommensteuer, die Mehrwertsteuer oder die Sozialbeiträge.

Die Abgabenlast in Deutschland ist hoch: Der Teil des Einkommens, den die Bürger in der ein oder anderen Form an den Staat abgeben müssen, gehört zu den größten der Welt. Nach Berechnungen der OECD können alleinstehende Durchschnittsverdiener gerade einmal gut die Hälfte ihrer Einkünfte behalten, die restlichen 49 Prozent fließen an den Staat. Nur Belgien langt demnach stärker zu.

Auf der anderen Seite, so das gängige Narrativ, stehen die Empfänger sozialer Leistungen, die sozial Schwächeren, denen der Staat etwa mit Arbeitslosengeld, Sozialhilfe, Wohngeld oder Grundsicherung unter die Arme greift.

Die einen zahlen also, die anderen bekommen Geld? Die Realität ist deutlich komplizierter, wie neue Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln zeigen.

Ob jemand mehr Geld bekommt, als er einzahlt, hängt demnach besonders vom Alter ab. Jugendliche gehören zu den Netto-Empfängern und bekommen etwa Bildung und Gesundheitsleistungen bezahlt. Fangen die Menschen an zu arbeiten, kehrt sich das Verhältnis mit Mitte 20 um, bis sie mehr einzahlen, als sie bekommen. Der statistische Höhepunkt ist laut IW Köln mit Mitte 50 erreicht, wo der durchschnittliche Deutsche jedes Jahr 20.500 Euro an den Staat zahlt.

Im Alter kehrt sich das Verhältnis dann erneut um und aus den Netto-Zahlern werden Netto-Empfänger. Je älter die Senioren, desto mehr Geld beziehen sie vom Staat. Ab den 85. Lebensjahr sind es durchschnittlich 30.500 Euro pro Jahr. Bei all diesen Zahlen rechnet das IW nicht nur „harte“ Finanztransfers ein, sondern etwa auch staatliche Unterstützung für Kitas und Schulen, das Gesundheitswesen oder Altersbezüge.

All das sind natürlich nur Durchschnittswerte, die viele individuell unterschiedliche Situationen abbilden. Doch zu denen geben die IW-Forscher immerhin eine Annäherung

Die größten Unterschiede entstehen naheliegenderweise durch das Einkommen. Wer mehr verdient, zahlt mehr ein. Auch die Bildung spielt eine große Rolle: Je niedriger der Bildungsgrad, desto höher die Abhängigkeit von Sozialtransfers. Die untersten Einkommen sind fast ihr ganzes Leben lang Netto-Empfänger.

Auf der anderen Seite bekommen Besserverdiener im Alter dafür deutlich mehr Geld, nämlich etwa doppelt so viel wie Geringverdiener. Sie haben ja auch mehr eingezahlt.

Das zeigt sich besonders deutlich bei Männern. Im Laufe ihres Arbeitslebens verdienen sie deutlich mehr als Frauen, zahlen also auch mehr ein. Seinen Höhepunkt findet das mit 54 Jahren, wo der statistische Mann 26.000 Euro einzahlt, aber nur 6000 Euro bekommt. Zum Vergleich: Bei Frauen gehen im selben Alter 14.000 Euro an den Staat bei ebenfalls 6000 Euro Empfang.

Dafür bekommen Männer im Alter im Schnitt auch mehr, an die 35.000 Euro pro Jahr sind es bei Über-80-Jährigen. Bei Frauen sind es fast 10.000 Euro weniger. Der Grund liegt in den deutlich niedrigeren Renten und Pensionen, die natürlich direkt aus den niedrigeren Erwerbseinkommen resultieren.

Die immensen Altersausgaben veranlassen die Autoren zu einer Warnung. Schließlich befindet sich Deutschland mitten im demografischen Wandel, die Zahl der Alten steigt und die Alten werden immer älter.

„Für den Fiskus wird das zu einem rechnerischen Problem“, bilanziert Martin Beznoska, Steuerexperte beim IW und verantwortlich für den Steuer-Rechner: „Wegen des demografischen Wandels wird es immer dringender, die Sozialsicherungssysteme zu reformieren.“

Energie und ein kritischer Bürger

  1. Wie beim Mikado traut sich keiner, das A-Wort (oder K-Wort) auszusprechen. Der Bundeswirt-schaftsminister macht Visite in NRW, man parliert über nette Kleinigkeiten. Wie im Kinderbuch sucht man überall nach dem Phoenix der Energielösung. Kein Zauberer hilft. Was man auch dreht und wendet: es erscheint kein Geist aus der Flasche. Sogar Lichtträger Wasserstoff entpuppt sich als erstmal energieverschlingender Beelzebub. Die Nachbarn werden sich den T. tun, in ihrer Knappheit den wärmenden Mantel mit uns zu teilen. Wir müssen schon selbst vom hohen Ross herab.
    Man muss nur die FAZ von heute, Seite 3 einmal überfliegen. Oder Steingart, oder, oder oder…
  2. Warum vertut unser politische Elite ihre kostbare Zeit mit solchen Schattenspielen? Einsicht in die Fakten und tatkräftiges Umsetzen war schon seit langem geboten. Jetzt erst recht, wo kaum noch einer die Gasversorgung als politisch immun ansehen kann. Es mag schwer fallen, den Vorrang an Frankreich abzugeben und von China lernen zu müssen. Aber wir müssen runter vom selbstgewählten Podest.
  3. Das Tabuthema Atomenergie und Kernreaktor muss die Aufwärmphase hinter sich lassen. Nicht nur Vor- und Nachteile diskutieren. Geboten ist mehr als nur hämisch berichten über die Politik der Nachbarn. Die Kartoffel ist heiss, aber geniessbar. Alle, die noch Kenntnis haben, sind schon 20 Jahre in Rente, wenn sie noch leben.  Kennen Sie jemand unter 50, der sich beruflich mit Nutzung der Kernnenergie befassen darf?
  4.  Daher widmen wir uns in Vortrag und Diskussion noch diese Woche mit einer urdeutschen aber schnöde verachtetetn Universallösung – dem TRISO-Kugelbett-Hochtemperatur-Ofen, nicht nur für Strom, auch für Industriewärme, Sprit – und Wasserstoff-Erzeugung. Kein deutsches Medium hat darüber berichtet, aber seit 20. Dezember läuft der weltweit erste dieser Art in China am Netz. (WPK)

Corona-Nachweis im Abwassern

(KIT) – Mehrere Tage bevor die ersten Krankheitssymptome auftreten, sind Coronaviren bereits im Abwasser nachweisbar. Dies bietet die Möglichkeit, die Fallzahlen schneller erheben, das Infektionsgeschehen präziser abbilden sowie neue COVID-19-Varianten und deren Verbreitung früher erkennen zu können. Der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) koordinierte Projektverbund „Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser“ will diese Potenziale heben und prüfen, ob und gegebenenfalls wie in Deutschland ein abwasserbasiertes COVID-19-Frühwarnsystem umgesetzt werden kann. Die Europäische Union fördert das Vorhaben mit rund 3,7 Millionen Euro.

„Dieses ressortübergreifende Forschungsvorhaben bietet die Chance, das wissenschaftliche Know-how und bisherige Erfahrungen im Abwassermonitoring deutschlandweit zu bündeln und bei der Eindämmung der COVID-19-Pandemie systematisch zu nutzen“, sagt Dr. Verena Höckele, Projektkoordinatorin beim Projektträger Karlsruhe (PTKA) am KIT.

In das im Februar gestartete und ein Jahr laufende Pilotprojekt steigen sukzessive bundesweit 20 Standorte ein. An diesen werden zweimal pro Woche und über einen Zeitraum von jeweils 24 Stunden Mischwasserproben aus dem Zulauf der Kläranlagen entnommen, aufbereitet und mittels eines PCR-Tests analysiert. Anschließend sollen die Ergebnisse mit den Pandemiedaten der örtlichen Gesundheitsämter verknüpft werden und nach Möglichkeit in die pandemische Lagebeurteilung einfließen.

Virusvarianten mit Abwassermonitoring schneller erkennen

„Das Verfahren, die Häufigkeit und Dynamik von SARS-CoV-2 Viren über das kommunale Abwasser zu bestimmen, wurde in Deutschland bereits im Zuge einzelner Forschungsprojekte erfolgreich erprobt“, so Professor Harald Horn, Leiter des Bereichs Wasserchemie und Wassertechnologie am Engler-Bunte-Institut des KIT. Es könne nicht nur dazu beitragen, die Dunkelziffer von Infizierten besser abzuschätzen, sondern auch die Verbreitung von Varianten und Mutationen schneller zu erkennen als es durch die Testung einzelner Personen möglich sei, ist Horn überzeugt.

Im Projekt wollen die Forschenden nun auf der Basis vergleichbarer Ergebnisse analysieren, welche Methoden sich für ein flächendeckendes Monitoring eignen könnten und welche Daten hierfür erhoben werden müssen, um Coronaviren im komplex zusammengesetzten Abwasser nachweisen zu können. Dies zeigt sich aktuell bei der Erfassung der Omikron-Variante, deren Virenfragmente vorwiegend über die oberen Atemwege ausgeschieden werden und im Vergleich zur Delta-Variante nur zu einem Drittel ins Abwasser gelangen. Eine besondere Herausforderung für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist es deswegen, die Qualität der Probenentnahme, der Laboranalyse und der Datenauswertung weiter zu verbessern.

Am Ende der Pilotphase steht die Entscheidung, ob für Deutschland ein flächendeckendes Abwassermonitoring oder eher ein repräsentatives Monitoring empfohlen werden soll. Ein solches flächendeckendes Frühwarnsystem gegen COVID-19, das sich perspektivisch auch für andere Krankheitserreger wie zum Beispiel Polio oder Grippeviren eignen würde, ist bereits in den Niederlanden, Kanada und Australien im Einsatz.

ESI-CorA: Förderung und Projektpartner

Das Projekt „Systematische Überwachung von SARS-CoV-2 im Abwasser“ (ESI-CorA) fördert die Europäische Union im Rahmen des Soforthilfeinstruments ESI (Emergency Support Instrument) mit rund 3,7 Millionen Euro. Initiiert wurde es vom Bundesministerium für Gesundheit, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz sowie dem Bundesministerium für Bildung und Forschung. Der Projektträger Karlsruhe (PTKA) am KIT koordiniert das Projekt, Partner sind neben dem KIT die Technische Universität Darmstadt, das Umweltbundesamt und das Robert Koch-Institut. Ein Steuerungsgremium aus Vertreterinnen und Vertretern von Bund, Ländern und Verbänden soll nach Ende des Pilotierungsvorhabens im Februar 2023 über die Verstetigung der Ergebnisse entscheiden. (sur)

Italien – nicht nur bescholtene Wirtschaftsnation

(FAZ) – Warum lieben wir Italien so? Sind es die großartigen Zeugnisse der Vergangenheit? Michelangelos Fresken, das Kolosseum in Rom, der berühmte schiefe Turm von Pisa? Ist es die unwiderstehliche Eleganz der italienischen Mode? Die Kreativität moderner Unternehmen? Vielleicht ist es von allem etwas, das uns an diesem Land so fasziniert. So außergewöhnlich wie die Wirtschaft Italiens ist eine Kampagne, die den italienischen Export unterstützen und das Label „Made in Italy“ fördern soll. „Be IT“ ist ihr Name, und ihre Kernaussage heißt: „Italy is simply extraordinary – Italien ist einfach außergewöhnlich.“

Das neue ehrgeizige Projekt wurde vom Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und internationale Zusammenarbeit (MAECI) in Zusammenarbeit mit ICE – einer Agentur für die Auslandsförderung und Internationalisierung italienischer Unternehmen – ins Leben gerufen. Die Kampagne ist global ausgerichtet, ihr Fokus richtet sich auf 26 Länder auf drei Kontinenten.

Das riesige Potential der italienischen Wirtschaft

„Be IT“ verfolgt zwei Ziele. Zum einen soll die  internationale Öffentlichkeit auf originelle und innovative Weise über Italien informiert werden. Dabei geht es vor allem um das außergewöhnliche Potential der italienischen Wirtschaft und ihre zugrunde liegenden Werte. Eine wichtige Rolle spielt die Internationalisierung der Lieferketten. Kleine und mittlere italienische Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, sich auf ausländische Märkte einzustellen. Dahinter steckt eine Vision, deren Strategie auf mittel- als auch auf langfristige Ergebnisse gerichtet ist.

Die am 29. November 2021 gestartete Kampagne dauert noch bis August 2022 und ist in zwei Phasen unterteilt. Ihr Hauptkonzept basiert auf einer „Karte der Werte“.

All diese Werte sollen die Komplexität und den Auftritt der Marke Italien im doppelten Sinn darstellen: hier der „Italian Way of Making“, dort der „Italian Way of Life“.

Wie wirkt Italien als Marke? Cool!

Die Karte wurde auf Grundlage einer genauen Quellenrecherche und vorbereitender Tests entwickelt. In der Analyse ging es auch um die Frage, welches Merkmal primär mit Italien als Marke identifiziert wird. Die Antwort: „Coolness“. Was sich dahinter verbirgt, wollten die Experten noch genauer wissen und fächerten die einzelnen Werte in weitere Makro-Werte und Dimensionen auf. So entstand ein flexibles Design- und Content-Creation-Tool, das es ermöglicht, die Identität der Marke Italien aus verschiedenen Blickwinkeln darzustellen und ihre Darstellung an das verwendete Medium, das Ziel und den jeweils passenden Referenzkanal anzupassen.

In der zweiten Phase werden gezielte Kampagnen gestartet, die darauf abzielen, die Produktionsketten des „Made in Italy“ zu fördern. Die Bewertungsphase erstreckt sich von November 2021 bis März 2022; weitere Kampagnen laufen von März bis August 2022.

An der Kommunikationskampagne waren über 20 Werbekanäle beteiligt, darunter Facebook, Instagram, Google, Snapchat, TikTok, die großen Nachrichtenmagazine verschiedener Länder, Linkedin, Spotify sowie spezielle Kanäle wie das russische soziale Netzwerk Vkontakte und WeChat in China.

Botschaften in 19 Sprachen übersetzt

Außerdem gibt es mehr als 40 Tools, mit deren Hilfe die Inhalte kommuniziert werden – darunter Fotos, Social Cards, Videos, interaktive Videos, Dokumentationen, Podcasts und Partnerschaften. Es gibt über 2000 Kampagnen-Ressourcen (Banner, Bilder, Videos), und mehr als 300 Ideengeber waren an der Influencer-Marketing- und Content-Creation-Kampagne in den 26 Zielländern beteiligt. Die Botschaften wurden in 19 Sprachen übersetzt – bei einer Zielgröße von einer Milliarde Menschen und rund 11 Milliarden Seitenaufrufen.

Auch Nachhaltigkeit spielt eine wichtige Rolle – dank einer Partnerschaft mit der Plattform „Treedom“, die das Pflanzen von Bäumen in vielen Ländern der Welt ermöglicht. Für das Projekt Be IT entsteht der erste Wald des „Made in Italy“. Um das Erlebnis noch intensiver zu gestalten, gibt es auf Spotify eine Playlist der Werte des „Made in Italy“. Und auf der Website sind zahlreiche Persönlichkeiten zu erleben, die Italien international und weltweit bekannt gemacht haben.

NATO ein Friedensengel?

Ja: bisher nur für Europa , aber global: nein.!! Oder ist Russland Putin der Teufel.?
Kommt jetzt der Krieg im Zusammenhang mit dem handfesten Streit zwischen Russland und der Ukraine zu uns? Ganz eindeutig, hierbei schießt die NATO über ihr eigentliches Ziel hinaus. Frieden vor unserer Haustür ist nur möglich, wenn wir genauso die russischen Interessen berücksichtigen wie die globalen der USA.
In einem für die Deutschen glücklichen Augenblick der Geschichte hat uns Gorbatschow aus heiterem Himmel die Wiedervereinigung ermöglicht! Leider hat auf Geheiß der USA, die NATO damals die großen Chancen für nachhaltigen Frieden in Europa verworfen. Hören sich dazu den folgenden Podcast an, in dem der berühmte und glaubwürdige Politiker, Klaus von Dohnanyi, kürzlich dem WDR ein bezeichnendes Interview gegeben hat:
Darin erklärt er vieles, warum heute die Kriegsgefahr immer aktueller wird und warum Russland in der ganzen Welt, insbesondere in Afrika und Südamerika, viele Bemühungen des Westens konterkariert. Heute könnte man durchaus die Behauptung aufstellen, dass der Staatsmann Gorbatschow vom Westen betrogen worden ist, denn ursprünglich wurde versprochen, dass die NATO niemals an die Grenzen Russlands heranrücken würde. So erlaubte Gorbatschow die Wiedervereinigung Deutschlands. Aus der Sicht von heute könnte man sagen, Gorbatschow war naiv, weil er sich dieses nicht in einem völkerrechtlich bindenden Vertrag versichern ließ. Den verbalen Beweis finden Sie im folgenden Link. Der damalige Außenminister Genscher versprach ihm das in Anwesenheit des amerikanischen Außenministers, der dem nicht widersprach.
Hier der Link dazu:
Ich bin ganz sicher, dass die ehemalige UdSSR ohne diese Versicherung niemals ihre Truppen aus der DDR zurückgezogen hätte.
Kein Wunder, dass sich Putin und Russland heute als vom Westen betrogen fühlen. Viele seiner Entscheidungen sind, ohne sie zu rechtfertigen, auf diese Ursache zurück zu führen. Er sieht den Westen als Feind an und die USA-Propaganda reicht ihm die Hand. Leider wird dadurch auch unsere seriöse Presse angesteckt, für viele Bürger wird Russland immer mehr zum Erbfeind. Wenn das so weitergeht, rückt ein vernunftbetonter Frieden in weite Ferne. Ohne Übereinkunft mit Russland, die auch seine Interessen nüchtern mit einbezieht, wird zumindest Europa in der Katastrophe enden. Man bedenke, Russland ist eine Atommacht, aber in die Enge gedrängt, kann jeder Staat zum Selbstmörder werden, insbesondere in autoritären Systemen. Wir Deutschen haben dieses Scenario am Ende des Krieges ja leidvoll erlebt. Wenn Hitler über Kernwaffen verfügt hätte, hätte er sie auch als ‚Wunderwaffe‘ eingesetzt. Das ist die große Gefahr.
Noch ein Wort zu den drohenden Sanktionen, die Putin in Angst und Schrecken versetzen sollen, sprich u. a. ‚Ostseepipeline‘. Abgesehen davon, dass sein Erdgas als Brückentechnologie für Deutschland zur Klimarettung unentbehrlich ist, kann sich Putin nur ins Fäustchen lachen. Wenn der Westen nicht mit ihm kooperieren will, steht China Gewehr bei Fuß, um alles zu konterkarieren. Chinas autoritärer Herrscher Xi Jinping wird liebend gerne diese Funktion übernehmen. Weil China immer mehr die weltweite Hegemonie in der Wirtschaft anstrebt, treiben wir Putin in seine Arme. Das ist die eigentliche Gefahr, die alle demokratischen Länder bedroht. Nicht nur die geschickte Seidenstraßen-Ideologie mit hohen Krediten an die anliegenden Länder, sondern auch in Afrika und Südamerika machen Russland und China schon heute immer mehr gemeinsame Sache. Stichwort: Was Russland anbelangt, Syrien, Mali, Venezuela usw.
Kurzum: Nur ein Arrangement mit Russland, welches die Ukraine zum wichtigen Pufferstaat zwischen östlichen und westlichen Interessen macht, und dass davon extrem wirtschaftlich profitieren kann, ist die Lösung. Krim hin – Krim her, und Donbass als neutralisierter Staat, in dem Bürger russischer und ukrainischer Sprache gleichberechtigt nebeneinander leben können. Als auch Luxemburger weiß ich die Rolle dieses Pufferstaates zwischen Frankreich und Deutschland sehr zu schätzen. Seinen enormen Wohlstand verdankt es heute ausschließlich den vielen EU-Institutionen und Banken. Der Total-Abbau der noch zu meiner Zeit vorherrschenden Stahlindustrie, konnte so ohne soziale Verwerfungen verkraftet werden. Ein Modell für Donbass?
ie Hoffnung stirbt zuletzt, gefordert sind kluge Politiker
Jean Pütz
Folge 250 Der Vernunft eine Chance

 

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Prämien, Steuern, Preisdeckelung: So reagiert Europa auf den Energiepreisschock

(n-tv) – Gas, Strom, Öl – alles ist teurer geworden. Im gesamten europäschen Raum ächzen die Verbraucher. Am schlimmsten trifft es Haushalte in Deutschland. Was tun die Regierungen dagegen? Und könnten sie mehr tun?

Ein durchschnittlicher europäischer Haushalt muss sich in diesem Jahr auf eine Rechnung von rund 1850 Euro für Strom und Gas einstellen. Ein ziemlicher Batzen im Vergleich zu den 1200 Euro aus dem Jahr 2020, wie die Bank of America Research (BofA) errechnet hat. Beim Strompreis ist Deutschland dabei einsame Spitze: In keinem Land müssen Verbraucherinnen und Verbraucher mehr bezahlen. Laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft zahlten deutsche Haushalte im Januar 2022 im Schnitt 36,19 Cent pro Kilowattstunde – so viel wie noch nie. Für andere Europäer sind es derzeit weniger als 25 Cent.

Im Fahrwasser des Preisanstiegs von Erdgas – laut BofA ein Plus von 330 Prozent am niederländischen Leitmarkt 2021 und von mehr als 100 Prozent auf Deutschlands und Frankreichs Umschlagplätzen -, bedingt durch eine hohe globale Nachfrage und ein sparsames Angebot auf dem Weltmarkt, ist auch Strom sehr viel teurer geworden. Das Ende der Heizperiode mag Gaskunden ein wenig Entspannung bringen. Aber die Energiepreishausse ist damit nicht vorbei, da sich der Anstieg der Großhandelspreise zeitversetzt bei den Endkunden niederschlägt. Gerade die Stromrechnung verheißt also weiterhin nichts Gutes.

Bei Strom wäre es für die Politik vergleichsweise einfach, übermäßige Mehrkosten abzufedern: Hierzulande besteht der Preis nur zu rund 20 Prozent aus den Erzeugungskosten, der Rest sind Steuern und Abgaben wie Netzentgelte sowie die Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien (EEG). Letztere hat die Bundesregierung zu Jahresbeginn fast um die Hälfte gesenkt (von 6,5 Cent/KWSt auf 3,7 Cent). Eine Komplettabschaffung noch in diesem Jahr wird diskutiert. Ähnlich verhält es sich in anderen EU-Ländern, die Verbraucher seit vergangenem Jahr mit Dutzenden Milliarden Euro entlastet haben.

Zwar warnen Energie- und Umweltexperten wie Andreas Löschel von der Ruhr-Universität in Bochum, die Reaktionen anderer EU-Länder einfach auf den heimischen Markt zu übertragen. Denn grundsätzlich laufen indirekte Subventionen der fossilen Energieträger den europäischen Klimaschutzzielen zuwider. Doch kurzfristig geht es darum, den Unmut der Bürgerinnen und Bürger über die hohen Belastungen zu dämpfen. Und die meisten Nachbarn entlasten ihre Verbraucher dabei mehr als es die Ampel-Koalition tut: allen voran Spanien, das schon im Herbst die Stromsteuer auf das in der EU erlaubte Minimum von 0,5 Prozent senkte – zusätzlich zur Mehrwertsteuer wohlgemerkt.

Elf Länder drehten an der Steuerschraube

Nach einer Zusammenstellung der Denkfabrik Bruegel in Brüssel haben Spanien, Belgien, Frankreich und Rumänien am umfassendsten reagiert, damit Bürgerinnen und Bürger nicht wie die französischen Gelbwesten 2018 auf die Barrikaden gehen. Jeweils mehr als vier Gegenmaßnahmen haben die Länder ergriffen, teilweise sind weitere Schritte geplant. Ganze elf der 24 untersuchten Regierungen drehten an der Preisschraube, indem sie Energie- oder Mehrwertsteuern strichen oder drastisch senkten. Südliche Länder schreckten auch weniger davor zurück, die Mehreinnahmen von Energieunternehmen stärker zu besteuern – sechs Regierungen erheben solche „windfall profit taxes“, darunter auch Großbritannien.

13 Länder griffen zum ultimativen Preisdiktat und deckelten Großhandelspreise oder Endkundentarife, darunter Frankreich. Dort verordnete die Regierung bereits im September, dass die Gas- und Stromtarife nicht weiter steigen dürfen – im Jahr 2022 wird ein Plus von vier Prozent toleriert. Um dies zu ermöglichen, senkte Paris die Stromsteuern. So wie Frankreich haben es Zypern, Griechenland und Portugal dabei noch mit staatlichen Energieunternehmen zu tun. Der französische Energieversorger EDF befürchtet eine Lücke von etwa 8 Mrd. Euro im Ergebnis. Die Last für die Staatskasse erreicht bislang geschätzt weitere 8 Mrd. Euro – einschließlich 3,8 Mrd. Euro für Energiegutscheine an 38 Millionen Franzosen. Frankreich wählt bald einen neuen Präsidenten.

Zügig handelte auch Belgien, wo einige Energiesteuern und eine grüne Umlage durch eine fixe Abgabe ersetzt und ein Sozialtarif für Niedrigverdiener bis Juni auf 500.000 Haushalte ausgedehnt wurden. Zuletzt nahm die Regierung die Mehrwertsteuer von 21 auf 6 Prozent zurück – zunächst bis Juli. Zusammen mit Direktzahlungen an einkommensschwache Haushalte – ein Instrument, auf das 14 Länder in Europa zurückgreifen – wie eine Heizprämie von 100 Euro pro Haushalt, wird die belgische Staatskasse mit mehr als 1 Mrd. Euro belastet. Landesweit profitieren rund eine Million Haushalte von vergünstigten Strom-, Gas- und Erdölpreisen. Allerdings spült der Energiepreisanstieg dem Staat auch zusätzliche Steuereinnahmen in die Kasse.

Italien am teuersten

In Italien, wo der Anstieg ohne Gegenmaßnahmen laut BofA fast 80 Prozent im Vergleich zu 2020 erreichen würde, startete Ministerpräsident Mario Draghi mit Sofortmaßnahmen im Wert von 3 Mrd. Euro: Der Staat übernahm Gebühren und Abgaben am Strommarkt und senkte Steuern auf Gas. Weitere Boni folgten für Haushalte, die von Energiearmut bedroht waren. Im Januar verlängerte und ergänzte Rom Kostendämpfer noch einmal. Den Staatshaushalt wird das bis März mit geschätzt 8,5 Mrd. Euro belasten, schreibt Bruegel. Ende Januar kamen Steuernachlässe (20 Prozent) für energieintensive Betriebe mit mehr als 30-prozentigen Mehrkosen zu 2019 hinzu. Dafür werden Erzeuger von Solar-, Wind-, Wasser- und Geothermie-Energie von Februar bis Ende 2022 stärker zur Kasse gebeten.

Das alles lässt die Analysten der von Reuters verbreiteten BofA-Studie vom Januar aber skeptisch zurück. „Die bislang in Europa verkündeten Maßnahmen werden im Schnitt nur etwa ein Viertel der Preisanstiege auffangen“, wird der Energiemarktexperte Harry Wyburd zitiert. Auf der Grundlage der gegenwärtigen Großhandelspreise werde der Preisanstieg 2022 rund 54 Prozent zu 2020 erreichen. „Was sie heute bezahlen, wenn Sie Wasser kochen, spiegelt den Preis von vor etwa sechs bis neun Monaten wieder. Das ist wie Zeitlupe.”

Inflationsungleichheit nimmt zu

In Italien, Griechenland und anderen südlichen Ländern der EU überwiegt die Sorge, die Energiepreiskrise könnte die wirtschaftliche Erholung von der Covid-19-Pandemie ersticken. Ärmere Länder haben stärker an der Preiskrise zu knabbern. So müssen in Tschechien die ärmsten Familien etwa 20 Prozent ihrer Einkommen für Autofahren, Strom und Heizen aufwenden, wie der Europäische Rechnungshof anführt. Prag strich Ende 2021 die Mehrwertsteuer auf Strom und Gas und hilft kleinen Unternehmen, deren Energierechnung sich verdoppelt hat, mit Bürgschaften.

Obendrein ist die Preisspirale bei Energie ein wichtiger Inflationstreiber, wie auch die Experten des Bruegel-Thinktanks anmerken aber in einigen Ländern stärker als in anderen. Der EU-weite Inflationsanstieg 2021 berge einen Sprung der Strom-, Gas- und Treibstoffpreise von 23 Prozent. „Aber Inflation und Energiekosten von Endkunden haben sich quer durch die Eurozone sehr unterschiedlich entwickelt.“ So sei der Anstieg der Energiekosten in Belgien mit 60 Prozent ausgeprägter als mit 33 Prozent in Italien und mit „nur“ 19 Prozent in Frankreich.

Geringverdiener unter den Haushalten hätten dabei jedoch die größten Probleme, die Belastung anderweitig auszugleichen. Zugleich fräßen die Energiekosten einen größeren Teil ihrer Ausgaben auf, so Bruegel. Damit steige die Inflationsungleichheit, in der arme Haushalte die Hauptlast steigender Preise tragen.

Reformen unumgehbar

Eine wenig überraschende Erkenntnis, die die Politik jedoch berücksichtigen muss, wenn sie mittelfristig nach Strategien sucht, wie mit einer permanenten – und potenziell explosiven – Verteuerung fossiler Brennstoffe umzugehen ist. Kurzfristig werden auch von der Ampel-Koalition in Berlin weitere Schritte zur Entlastung von Endkunden erwartet, die über die bisherigen – Hilfen für Einkommensschwache und teils gestrichenen EEG-Umlagen – hinausgehen. Auch eine niedrigere Mehrwertsteuer oder der Wegfall der Stromsteuer wird diskutiert. Zunehmend lauter rufen zudem Industriekunden nach Entlastung.

„Die Länder müssen anfangen, über effizientere Maßnahmen nachzudenken, um die künftigen, möglicherweise sehr viel nachhaltigeren Auswirkungen steigender Energiepreise auf die Inflationsungleichheit abzumildern“, mahnen die Bruegel-Experten in ihrem Blog. Deutschlands Rechnungsprüfer schlagen vor, das System der staatlichen Umlagen und Entgelte „grundlegend zu reformieren“. Und auch der Europäische Rechnungshof hält das gegenwärtige EU-System der Besteuerung von Energie für veraltet – und nicht an die Klimaziele angepasst. Er erwartet allerdings eine sehr schwierige Meinungsfindung.

Die Masse vom Neutrino

(KIT) – Das internationale KArlsruhe TRItium Neutrino Experiment, kurz KATRIN, am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Neutrinomasse erstmals auf unter ein Elektronenvolt (eV) eingegrenzt und damit eine „Barriere“ in der Neutrinophysik durchbrochen. Aus den aktuell in der Fachzeitschrift Nature Physics veröffentlichten Daten lässt sich eine Obergrenze von 0,8 eV für die Masse des Neutrinos ableiten. Diese mit einer modell-unabhängigen Labormethode gewonnenen Ergebnisse ermöglichen es KATRIN, die Masse dieser „Leichtgewichte des Universums“ mit bisher unerreichter Präzision einzugrenzen.

Neutrinos sind die wohl faszinierendsten Elementarteilchen in unserem Universum. In der Kosmologie spielen sie bei der Bildung von großräumigen Strukturen eine wichtige Rolle. Auch in der Welt der Teilchenphysik nehmen sie eine Sonderstellung ein, denn ihre winzige Masse weist auf neue physikalische Prozesse jenseits der bisherigen Theorien hin. Ohne eine Messung der Neutrinomasse wird unser Verständnis des Universums unvollständig bleiben.

Hier setzt das internationale KATRIN-Experiment am KIT mit Partnern aus sechs Ländern als weltweit sensitivste Waage für Neutrinos an. Es benutzt den Beta-Zerfall von Tritium, einem instabilen Wasserstoff-Isotop, um aus der Energieverteilung der bei diesem Zerfall erzeugten Elektronen die Masse des Neutrinos zu bestimmen. Dazu ist ein enormer technischer Aufwand notwendig: Das 70 Meter lange Experiment beherbergt die weltweit intensivste Quelle von Tritium sowie ein riesiges Spektrometer, mit dem sich die Energien der Zerfallselektronen mit bisher unerreichter Präzision messen lassen. Die hohe Qualität der ersten Daten nach der Inbetriebnahme im Jahr 2019 konnte in den letzten beiden Jahren kontinuierlich gesteigert werden. „KATRIN läuft als Experiment mit höchsten technologischen Anforderungen nun wie ein perfektes Uhrwerk“, freut sich Professor Guido Drexlin vom KIT, Projektleiter und einer der beiden Co-Sprecher des Experiments. Professor Christian Weinheimer, Universität Münster, der andere Co-Sprecher, ergänzt: „Die Reduktion der Störsignale und die Erhöhung der Signalrate waren entscheidend für das neue Resultat.“

Akribische Datenanalyse: Erster Vorstoß in den Bereich unter einem Elektronenvolt

Die Auswertung dieser Daten stellte das internationale Team um Dr. Magnus Schlösser vom KIT und Professorin Susanne Mertens vom Max-Planck-Institut für Physik und der Technischen Universität München, die die Analyse koordinieren, vor große Herausforderungen: Jeder Einfluss auf die Neutrinomasse, so klein er auch sein mochte, musste detailliert untersucht werden. „Nur durch diese aufwändige und akribische Arbeit konnten wir eine systematische Beeinflussung unseres Resultats durch andere Effekte wirklich ausschließen. Wir sind ganz besonders stolz auf unser Analyseteam, das sich dieser Herausforderung mit großem Engagement erfolgreich gestellt hat“, so Schlösser und Mertens. Die experimentellen Daten des ersten Messjahres und die Modellierung auf Basis einer verschwindend kleinen Neutrinomasse passten perfekt zusammen: Daraus habe sich eine neue Obergrenze für die Neutrinomasse von 0,8 eV bestimmen lassen, sagen die beiden Wissenschaftler. Erstmals stößt so ein direktes Neutrinomassenexperiment in den kosmologisch und teilchenphysikalisch wichtigen Massenbereich unter einem Elektronenvolt vor, in dem die fundamentale Massenskala von Neutrinos vermutet wird. „Die Teilchenphysik-Gemeinschaft ist begeistert, dass die 1-eV-Barriere von KATRIN durchbrochen wurde”, kommentiert Neutrinoexperte John Wilkerson, University of North Carolina, der Vorsitzende des KATRIN Executive Boards.

„Zum Erfolg trug entscheidend bei, dass alle technischen Komponenten reibungslos zusammenarbeiteten: das Hochfahren der Quelle im Tritiumlabor Karlsruhe auf die nominellen Quellintensitäten sowie der Betrieb von Spektrometer, Detektor und Kryoinfrastruktur. Dies wurde durch den professionellen Einsatz unserer Mitarbeitenden erreicht, durch die dieses Großexperiment getragen wird“, betont Schlösser.

Weitere Messungen sollen Empfindlichkeit verbessern

Die am Projekt KATRIN beteiligten Forschenden beschreiben die kommenden Ziele: „Die weiteren Messungen zur Neutrinomasse werden noch bis Ende 2024 andauern. Um das volle Potenzial dieses einzigartigen Experiments auszuschöpfen, werden wir nicht nur die Statistik der Signalereignisse kontinuierlich erhöhen; wir entwickeln und installieren fortwährend Verbesserungen zur weiteren Absenkung der Störereignisrate“. Dabei spielt die Entwicklung des neuen Detektorsystems TRISTAN, mit dem sich KATRIN ab 2025 auf die Suche nach „sterilen“ Neutrinos im keV-Massenbereich begeben soll, eine besondere Rolle. Solche sterilen Neutrinos wären Kandidaten für die mysteriöse Dunkle Materie, die sich schon in vielen astrophysikalischen und kosmologischen Beobachtungen manifestiert hat, deren teilchenphysikalische Natur aber noch immer unbekannt ist. (jh)