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Cyanobakterien wandeln Licht in Strom um

(pte) – Forscher der University of Cambridge http://cam.ac.uk sind ein gutes Stück auf dem Weg hin zur lebenden Batterie vorangekommen. Sie haben per 3D-Druck unzählige eng beieinanderstehende Nanotürmchen gebaut, in denen sich Cyanobakterien wohlfühlen. Diese wandeln Sonnenlicht in elektrische Energie um, die sie selbst verbrauchen. Der chinesisch-australischen Chemikerin Jenny Zhang, die derzeit in Cambridge forscht, und ihrem Team ist es gelungen, einen Teil der Elektronen, die die Bakterien erzeugen, abzuzweigen und als elektrischen Strom zu nutzen.

Material gibt den Ausschlag

Das ist auch anderen Forschern schon gelungen, doch die Ausbeute bei den Mikroorganismen in den Nanotürmchen ist weitaus größer. „Es gab einen Engpass in Bezug darauf, wie viel Energie man tatsächlich aus fotosynthetischen Systemen extrahieren kann, aber niemand verstand, wo der Engpass war. Die meisten Wissenschaftler gingen davon aus, dass der Engpass auf der biologischen Seite lag, in den Bakterien, aber wir haben festgestellt, dass er auf der materiellen Seite lag“, so Zhang.

Um zu wachsen und Elektronen zu erzeugen, brauchen Cyanobakterien viel Sonnenlicht. Um die Energie, die sie durch Fotosynthese produzieren, zu extrahieren, müssen die Bakterien an Elektroden befestigt werden. Die Türmchen, zwischen denen die Cyanobakterien leben und sich pudelwohl fühlen, bestehen aus einem leitfähigen Metalloxid, fungieren also als Elektroden, die die produzierten Elektronen ableiten, sodass sie nutzbar sind. Verglichen mit anderen Techniken erhöhte sich die Ausbeute um eine ganze Größenordnung.

Alleskönner Cyanobakterien

„Ich war selbst überrascht, dass wir eine so hohe Ausbeute haben“, sagt Zhang. Doch schon vor vielen Jahren seien Prognosen abgegeben worden, dass derartige Zahlen erreicht werden können. „Dies ist jedoch das erste Mal, dass diese Zahlen experimentell bestätigt wurden.“ Das lasse auch für andere Prozesse hoffen, in die Cyanobakterien verwickelt sind. Diese Mikroorganismen seien lebende chemische Fabriken, die sich auch zur Herstellung von Kraftstoffen und Chemikalien nutzen lassen. Zhang glaubt, dass die neuen Erkenntnisse die Ausbeute auch bei diesen Prozessen verbessern.

Legt Russland Nord Stream 1 trocken, droht Deutschland der „wirtschaftliche Super-GAU“

Erstmals seit dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine droht Russland offen mit dem Stopp von Gaslieferungen über die Pipeline Nord Stream 1. Ein solcher Lieferstopp sei angesichts der „unbegründeten Anschuldigungen gegen Russland bezüglich der Energiekrise in Europa und des Verbots von Nord Stream 2“ gerechtfertigt, erklärte der russische Vize-Regierungschef Alexander Nowak im staatlichen Fernsehen. Russland habe daher „das volle Recht, eine spiegelgerechte Entscheidung zu treffen und ein Embargo zu verhängen.“ Was hieße ein möglicher Gas-Lieferstopp durch Nord Stream 1 für deutsche Verbraucher? FOCUS Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was ist Nord Stream 1 überhaupt?

Nord Stream 1 ist eine über 1200 Kilometer lange Pipeline durch die Ostsee, die Erdgas aus Russland nach Deutschland transportiert. Abgesehen vom Start- und Endpunkt verläuft die Pipeline ausschließlich durch Seegebiete. Die im September 2011 in Betrieb genommene Pipeline besteht aus zwei Strängen. Das gesamte Investitionsvolumen beläuft sich auf 7,4 Milliarden Euro.

Wie viel russisches Gas fließt durch die Pipeline?

Durch die Ostsee-Pipeline flossen 2020 um die 59 Milliarden Kubikmeter Gas. Damit lassen sich über 26 Millionen Haushalte versorgen – und somit mehr als die Hälfte aller deutschen Haushalte. Seit Inbetriebnahme wurden bereits über 440 Milliarden Kubikmeter Erdgas durch diese Pipeline transportiert. Das Erdgas ist aber nicht ausschließlich für den deutschen Markt bestimmt. Ein nennenswerter Anteil wird auch ins weitere europäische Ausland transportiert. Über den Neubau der Pipeline Nord Stream 2 sollten 90 Prozent des Erdgases nach Ost- und Südeuropa weitergeleitet werden.

Wie hängt die Pipeline mit dem Ukraine-Krieg zusammen?

Der mögliche Gas-Lieferstopp hängt unmittelbar mit dem Ukraine-Krieg und den Sanktionen der westlichen Staaten zusammen. Das für Russland strategisch wichtige Prestigeprojekt Nord Stream 2 legte die Bundesregierung als Reaktion auf den Einmarsch vorerst auf Eis. Die Betreibergesellschaft soll deshalb bereits Mitarbeiter entlassen und Insolvenz angemeldet haben. Da die westliche Reaktion in Moskau auf großen Unmut stößt, lotet Russland nun geeignete Gegensanktion aus. Da Europa ein großer Importeur russischen Erdgases ist, kann der Lieferstopp über Nord Stream 1 die europäischen Staaten erheblich treffen.

Wie abhängig sind Deutschland und Europa von Nord Stream 1?

Die Abhängigkeit von russischem Erdgas ist groß – in Deutschland sogar noch größer als in der Europäischen Union. Im Jahr 2020 lag der Erdgasverbrauch in Deutschland bei etwa 87 Milliarden Kubikmeter und in der EU bei etwa 380 Milliarden Kubikmeter Erdgas. Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums bezieht Deutschland derzeit rund 55 Prozent seines Erdgases aus Russland. Für 2019 beziffert die European Union Agency for the Cooperation of Energy Regulators (ACER) den deutschen Import von russischem Erdgas auf 49 Prozent. In Europa kommen hingegen „nur“ 40 Prozent der Erdgasimporte aus Russland.

Bislang droht Moskau nur mit dem Abdrehen von Nord Stream 1. Daneben gibt es aber noch andere Leitungen von Russland nach Europa. Die meisten werden unter dem Namen „Transgas-Trasse“ zusammengefasst. Durch dieses Pipelinesystem – mit einer jährlichen Transportkapazität von 120 Milliarden Kubikmetern – fließen etwa zwei Drittel des russischen Gases nach Westeuropa. Im Zuge einer Sanktionierung von Nord Stream 1 könnte Russland auch dieses Pipelinesystem schließen – und damit die Gasimporte auf Eis legen.

Allein der Wegfall der Ostsee-Pipeline würde Europa bereits massiv belasten. Zwar reichen die Speicherstände der Gastanks noch für die laufende Kälteperiode aus. Für den kommenden Winter 2023 ist die Gasversorgung aber noch nicht in ausreichendem Maße durch Alternativlieferanten gesichert.

Nach Einschätzung der EU-Kommission hat Europa jedoch das Potenzial, von den 155 Milliarden Kubikmetern aus Russland importierten Erdgases effektiv 112 Milliarden Kubikmeter zu ersetzen. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien soll dabei insbesondere Flüssiggas (LNG) eine erhebliche Rolle spielen. Das Problem: Es fehlt kurzfristig an ausreichenden Transportkapazitäten – also an Tankern und Häfen. Daher plant die Bundesregierung bereits den Bau von mehreren Flüssiggasterminals, beispielsweise in Brunsbüttel und Stade. Der Bau solcher Terminals dauert in Deutschland jedoch mehrere Jahre. Kurzfristig bleiben Deutschland und Europa damit abhängig von russischem Erdgas – und so anfällig für Versorgungsengpässe im kommenden Winter.

Wird meine Gasrechnung noch teurer, wenn Nord Stream 1 gestoppt wird?

Davon ist auszugehen. Zum einen wird der in den letzten Tagen stark gestiegene Erdgaspreis die Verbraucher mittelbar treffen, da die Erdgaspreise in der Regel erst zeitlich versetzt an die Verbraucher weitergegeben werden. Zum anderen könnte es „erhebliche Fehlentwicklungen am Erdgasmarkt“ geben, wie die „Zeit“ die Wissenschaftler der Leopoldina in einer kürzlich veröffentlichten Kurzstudie zitiert.

Wenn die europäischen Staaten es nämlich über den Sommer schaffen, die Gasspeicher zu füllen, „könnte Russland den Markt mit billigem Erdgas fluten und so den europäischen Gasimporteuren einen erheblichen Schaden zufügen“. Denn diese könnten ihr teuer eingekauftes Erdgas nicht mehr an die Verbraucher verkaufen. Wenn die Staaten hingegen ihre Gasspeicher in der Hoffnung auf niedrigere Gaspreise nicht füllen, könnte Russland das Angebot künstlich verknappen, wodurch der Erdgaspreis noch weiter steigen könnte. Und das trifft dann mittelbar auch den Verbraucher.

Bereits Mitte Februar warnte DIW-Chef Marcel Fratzscher bei „ntv“ vor den Folgen eines Gas-Lieferstopps. So könne es sein, dass Unternehmen eine Zeitlang schließen müssten, da das Heizen von Wohnungen wichtiger als die Industrie sei. Dies könnte dann neben einem starken Anziehen der Inflation – die ohnehin schon bei 5,1 Prozent liegt – auch in einer Rezession münden. Das wäre wirtschaftlich gesehen „dann wirklich der Super-GAU“.

Wie hoch die Kosten eines Gas-Lieferstopps wären, berechneten jüngst Ökonomen der Universitäten Bonn und Köln. Demzufolge könnte das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,5 Prozent bis 3 Prozent zurückgehen. Das entspricht zwischen 100 bis 1000 Euro Kosten pro Einwohner. Zum Vergleich: Durch die Corona-Pandemie sank das BIP um 4,5 Prozent.

Wie geht es jetzt weiter?

Kurzfristig bleibt Europa von russischem Erdgas abhängig. Ein Gas-Lieferstopp durch die Pipeline Nord Stream 1 würde Europa – insbesondere Deutschland – nochmals hart treffen. Verbraucher müssen sich daher auf weiter steigende Gas- und Ölpreise einstellen.

Langfristig spielt die Zeit aber für Europa. Die europäischen Staaten werden sich aus der russischen Abhängigkeit lösen können. Dadurch sollten sich die Preise wieder auf einem etwas höherem Niveau als zuvor normalisieren können. Doch der daraus für Russland entstehende wirtschaftliche Schaden kann die Langfristwirkung der westlichen Sanktionen sogar noch übertreffen.

Ein Euro pro Kilowattstunde wird das neue Normal sein

(Wirtschaftswoche) – Wenn jemand viel Eisen und Energie braucht, dann die mittelständische Gießerei Siempelkamp. Sie stellt riesige Strukturbauteile für Schiffsmotoren, Pressen für die Elektromobilität und Mühlen für die Erzeugung von Kupfer, Nickel und Gold in Handarbeit her. Die Geschäftsführer Dirk Howe und Georg Geier berichten, wie sie die Arbeit an ihren Öfen trotz der Verwerfungen der Märkte durch den Krieg in der Ukraine am Laufen halten.

WirtschaftsWoche: Wie erleben Sie die Verwerfungen auf den Rohstoff- und Energiemärkten in Ihrem Unternehmen?
Dirk Howe: Wir sind systemrelevant für viele Bereiche der Realindustrie. Unsere Strukturbauteile werden dringend gebraucht, da gibt es bei den Aufträgen keinen Abriss. Internationale Kunden stehen zu uns – auch in diesen schwierigen Zeiten. Wir fahren zu 150 Prozent auf Krisenmodus, arbeiten seit Monaten schon täglich 14 Stunden und mehr. Das ist ein Ausnahmezustand, bei dem man an seine physischen Grenzen kommt.

Was ist am stressigsten?
Georg Geier: Oft gibt es beim Materialeinkauf nur ein Zeitfenster von einer Stunde, in der man eine sehr weitreichende Entscheidung treffen muss, zu der es dann am nächsten Tag schon neue Informationen gibt. Unser Schmelzprozess ist vom Strompreis abhängig. Was der in Zukunft kosten wird, weiß ich nicht. Es bleibt uns nur übrig, immer wieder mit unseren Kunden zu sprechen und herauszufinden, wer bei den Preiserhöhungen noch mitkommt. Es gibt aktuell einen Hyperbedarf an unseren Produkten. Weil wir nicht nach Russland liefern, merken wir von der Krise in der Ukraine in der Nachfrage bisher noch nichts.

Das ist vielleicht die Ruhe vor dem Sturm.
Howe: Die aktuelle Lage darf man nicht unterschätzen. Was jetzt am Energie- und Rohstoffmarkt passiert, hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Gesellschaft und die deutsche Wirtschaft. Es wird einschneidende soziale Konsequenzen geben. Wenn ganze Unternehmen ihre Produktion abschalten müssten, würde es erneut Kurzarbeit geben, und das so kurz nach Corona. Das wäre eine extreme Herausforderung für die Gesellschaft.

Halten Sie die aktuelle Krise für schlimmer als die Weltfinanzkrise 2008?
Howe: Für uns ist diese Situation mit 2008 nicht vergleichbar. Das war eine Weltfinanzkrise nach bekanntem Muster. Zwar hatten die Verwerfungen in der Finanzwelt durch Liquiditätsengpässe Rückwirkungen auf die reale Wirtschaft. Aber die funktionierte damals noch.

Jetzt dagegen knirscht es in der realen Wirtschaft.
Geier: Heute machen viele Faktoren in der physischen Welt echte Probleme. Viel baut sich schon seit Monaten auf: Die Energieverteuerung, die Lieferkettenprobleme, die Frachtraten, die Chipkrise. Jetzt stößt die Kriegswirtschaft mit dem Sanktionsregime auf ein bereits fragiles, von der Pandemie geschwächtes System.

Die Energiepreise sind dramatisch gestiegen.
Howe: Aktuell machen uns die Rohstoffpreise sogar noch mehr zu schaffen. Wir brauchen die Metalle für unseren Geschäftsbetrieb. Der Markt ist seit drei bis vier Tagen schlichtweg außer Kontrolle. Vergangene Woche kostete die Tonne Nickel noch 25.000 Euro – das war bereits doppelt so viel wie üblich. Gestern erreichte der Preis 101.000 Euro, dann stoppte die LME den Handel und strich alle heutigen Orders – es gab Unregelmäßigkeiten bei einem chinesischen Großunternehmen.

Ein Hilfeschrei am ‚Runden Tisch‘ Erneuerbare Energien

Sehr geehrte Damen oder Herren oder sehr geehrte Frau Jung, sehr geehrter Herr Dr. Lenz, sehr geehrter Herr Herr Oberzig,

Als ehemals bekannter Wissenschaftsjournalist

engagiere ich mich seit 50 Jahren in vielen Sendungen schon damals für die Klimaziele, die später in Paris Weltweit postuliert wurden. Wenn die Möglichkeit besteht, würde ich gerne mitarbeiten.

Was mich allerdings extrem bedrückt, ist die Tatsache, dass man sich auf die notwendigen Klimaziele geeinigt hat, doch, wenn es darum geht, die technischen, physikalischen und soziologischen Voraussetzungen, den Weg dahin, zu bestimmen, kneift die gesamte Riga der Klimaschützer. Es wird zwar behauptet, dass wissenschaftliche Institute dies zum Zeitpunkt 2030 als möglich erachten, aber diese Institute entbehren jeglicher Glaubwürdigkeit, weil sie genau so dem Wunschdenken verhaftet sind: Was nicht sein darf, das nicht sein kann.

Als ehemaliger diplomierte Elektroingenieur, Physiker und studierter empirischer Soziologe beobachte ich mit großer Soge diese Entwicklung, denn diese Institute erhalten meist nicht geringe Summen und ermöglichen so ihre Existenz. In der Diskussion wird nie der enorme Wärmebedarf berücksichtigt, der neben dem steigenden Bedarf an elektrischer Energie für die Realisierung dieses Wunschdenkens entscheidend ist. Der Fokus liegt im Moment im Mainstreaming auf dem Verkehr, obwohl unsere privaten Autos bestenfalls 6-8% CO2 ausstoßen – gegenüber dem Energiebedarf in den Gebäuden von 35-40%.

Auf meine Frage, wie denn diese Hunderttausende von Terawatt-Stunden elektrisch gespeichert werden soll, habe ich keine konkrete Antwort bekommen. Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, dass die vorhandenen Pumpspeicherwerke in Deutschland ebenso wie Biogas, die Monokulturen in unserer Landwirtschaft produzieren, bei weitem nicht ausreichen. Auch die anderen europäischen Länder sind bereits heute nicht mehr bereit, dies im Hochspannungsverbund auszugleichen. Gerade heute hat Norwegen mit dem wir mit einem extrem teuren und fast 400 Kilometer Gleichstrom-Hochspannungskabel verbunden sind, auf Grund von Bürgerprotesten den Export von Strom nach Deutschland infrage gestellt. Nebenbei gesagt, aus topografischen, physikalischen und soziologischen Gründen wird die in Deutschland gewonnene regenerative Energie aus Wind und Sonne niemals ausreichen, um die notwendigen ökologischen Ziele zu erreichen.

Meine Idee, den Bezug regenerativer Energien nicht nur aus Deutschland zu befriedigen, sondern insbesondere die Länder mit einzubeziehen, in denen die Sonne und der Wind regelmäßiger und stärker geerntet werden können, und zwar auf dem Basisträger Wasserstoff. Das wird zwar andiskutiert, doch ich vermisse konkrete Planungen. Hinzu kommt, dass die zu schaffende Infrastruktur der immer knapper werdenden finanziellen Ressourcen praktisch nicht realisiert werden kann. Diesem Wolkenkuckucksheim setze ich mein Methanol-Konzept entgegen. Aus Wasserstoff lässt sich mit wenig Energie-Einsatz und vorhandenen Katalysatoren problemlos Methanol an Ort und Stelle dort produzieren, wo er kostengünstig hergestellt werden kann. Die dafür notwendige Infrastruktur, bzw. den notwendigen Kohlenstoff in Form von CO2 lässt sich entweder aus der Atmosphäre gewinnen oder durch ein weltweites Recycling-Konzept, welches dem bei intelligenter Verbrennung von Erdgas als flüssige Kohlensäure herausgefiltert wird. Methanol kann alle fossilen Energieträger ohne besondere Investitionen ersetzen und im Verbrennungsmotor schafft es den bestmöglichen thermischen Wirkungsgrad von nachweislich über 56%.

Gerne bin ich bereit, den Beweis dafür zu erstellen. Die weltweiten Transportmittel, das  heißt Tanklaster und Tankschiffe sind vorhanden, ebenso wie die Tankstellen und Tanksäulen. Dafür braucht es also keine Investitionen.

Stellen Sie sich einmal vor, der unter einem Druck von über 700 bis 800 bar gespeicherte reine Wasserstoff H2 würde dort gezapft. H2 ist so flüchtig, dass Explosionsgefahren nicht zu vermeiden sind.

Dieses gesamte Energiekonzept basiert auf dezentralen in der ganzen Welt verteilten Wasserstoff/Methanol-Fabriken und gibt auch den Ländern in der Welt eine große Chance, Arbeitsplätze zu schaffen, was auch historisch überall dort in den Industrieländern geschah, wo Energie gefördert werden konnte.

Bitte beantworten Sie mir die Frage, warum ich als unbedeutender Bürger mit diesen Ideen weltweit keinen Widerhall finde. Auf Anhieb würde es die extreme Armut in den sonnen- und windverwöhnten Ländern beseitigen, und zwar auf Augenhöhe und unabhängig von Monopolen der derzeitigen Erdgas, Erdöl und Kohle produzierenden Länder.

Ich bitte Sie, diesen Beitrag an Fachleute zu verteilen und mir ggfs. eine unabhängige Antwort zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Jean Pütz

Wissenschaftsjournalist

Dies ist ein Positionspapier des Runden Tisches Erneuerbare Energien (RT EE). Dieser dient als gemeinsame Plattform von Energiewende- und Klimaschutzorganisationen und hat zu der von Minister Habeck angekündigten gesetzgeberischen Initiative, dem sogenannten Osterpaket [1], die folgenden energie- und klimapolitischen Forderungen und Vorschläge erarbeitet. Sie orientieren sich am konkreten Ziel einer vollständigen Energiewende mit Erneuerbaren Energie bis 2030 [2]. Wir gehen dabei davon aus, dass der EEE-Dreiklang weiterhin als Leitbild dienen muss: Energie einsparen, effizient nutzen und jeglichen Verbrauch aus erneuerbaren Quellen decken – gerade auch dezentral mit Bürgerenergie.

Unsere Forderungen zur Neufassung eines EEG 2.0
1. Zielsetzung des neuen EEG bzw. der EEG-Überarbeitung
Die Bundesregierung strebt bis 2030 einen Grünstromanteil von 80% an und eine Steigerung des Bruttostrombedarfs von bisher 580 auf 715 TWh. Wir gehen von einem deutlich höheren Bruttostrombedarf bis 2030 aus, unter Beachtung der Strombedarfe aus den Sektoren Wärme und Verkehr. Es existieren dazu wissenschaftliche Studien, die sich am Pariser Klimaabkommen orientieren [3] Wir präferieren den in der Studie der Energy Watch Group (EWG) „100 % Erneuerbare Energien für Deutschland bis 2030“ vorgeschlagenen Weg [4]. Er ist mit dem Zieldatum 2030 der Einzige, der die Einhaltung der Pariser Beschlüsse realisieren würde. Als Leitwert für den Ausbau der Erneuerbaren Energie, an dem sich auch die Bundesregierung orientieren sollte, wird dort ein Endenergiebedarf von 2.069 TWh im Jahr 2030 prognostiziert. Die Konkretisierung entsprechend den jeweiligen Gegebenheiten vor Ort sollte den regionalen und kommunalen Gebietskörperschaften überlassen bleiben.

2. Umfassende inhaltliche „Reformation“ des EEG

Nach langem Missbrauch als „Energiewende-Behinderungsgesetz“ muss das EEG wieder für seine Aufgabe, die EE optimal voranzubringen, ertüchtigt werden. Insbesondere sind hierfür nötig:

2.1 Bürokratie-Abbau
Die EEG-Regelungen müssen rechtssicher und so gestaltet werden, um Investitionen anzuregen, statt abzuschrecken. Hemmnisse sehen wir u.a. in:

  • unklaren, zeitlich ausgedehnten Antragsverfahren zum Netzanschluss
  • pauschalen Pflichten zur Abregelung der EE-Anlage statt Speicherung vor Ort
  • restriktiven Unzumutbarkeitsregeln für einen zwingenden Netzausbau zum Anschluss von Anlagen (25%-Regel)
  • umfassenden Abrechnungs- und Messpflichten zur Abrechnung von EEG-Umlagen und minimalen Wechselrichter-Strombedarfen
  • Personenidentität für und „Sonnensteuern“ auf die Eigen- und Drittversorgung (sollte die EEG-Umlage entfallen, würde sich die „Sonnensteuer“ erübrigen)
  • Festlegung und Abrechnung von Mischvergütungen beim Ersatz und Zubau von EE-Anlagen auf einem Grundstück
  • Komplexe Meldepflichten bei der Bundesnetzagentur, bei den Gewerbeämtern, sowie für die Stromsteuer bei den Zollämtern und daran anschließende Vergütungskürzungen und sonstige Restriktionen bei nicht fristgerechter Erfüllung
2.2 Beseitigung aller Ausbaudeckel und Ersetzung durch Vorgaben zum Mindestausbau
Der monatlich jeweils neu festzusetzende „atmende Deckel“ zur Berechnung der Einspeisevergütungen muss abgeschafft und durch jährliche Vergütungsfestlegung im Konsens von Regierung und Branche (analog zur Regelung im EEG 2004) ersetzt werden. Werden die jährlich notwendigen Ausbaupfade für 100% EE bis 2030 nicht erreicht, müssen die Vergütungen angehoben werden.

2.3 Gewinnbringende Einspeisevergütung für alle EE-Arten
Die Vergütungen für sämtliche Arten der EE müssen so bemessen werden, dass sich Investitionen – auch unabhängig von den durch Eigenversorgung vor Ort gegebenen Vorteilen – lohnen und somit dazu führen, dass sämtliche Ausbaupotentiale – insbesondere alle solargeeigneten Dächer – vollständig genutzt werden. Die Orientierung sollte 5-7% jährliche Rendite sein. Überhöhte Renditen sollen genauso verhindert werden, wie ein Absinken unter die Renditeschwelle.

2.4. Finanzierung der Förderung Erneuerbarer Energien
Der Vorschlag zur „Abschaffung“ der EEG-Umlage für bestehende Anlagen ist gut, da er zur finanziellen Entlastung der Stromkunden beiträgt. Vor dem Hintergrund einer EU-beihilferechtlich konformen Finanzierung empfehlen wir allerdings die Beibehaltung einer Umlagefinanzierung für Neuanlagen aller EE-Erzeugungsarten.

2.5. Abschaffung der Restriktionen und erhöhte Vergütung für Synergie-PV-Anlagen
Die Flächenkulisse für Solarenergie muss erweitert werden. Hierzu zählen

  • Agri-PV
  • Parkplätze
  • Fassaden
  • Floating-PV
  • Biodiversitäts-PV
  • Hierzu zählen folgende Mehrnutzungsstrategien: Lärmschutzwände bei Autobahnen, Fahrradwegeüberdachungen.
Investitionen in diese neuen und mit zahlreichen Synergieeffekten verbundenen Solarmöglichkeiten müssen gefördert werden: durch lohnende Vergütung und durch Regelungen, die statt der bisherigen restriktiven gesetzlichen Vorschriften Ideenreichtum und Kreativität ermöglichen und anregen.

2.6. Entfesselung der Bürgerenergie
Die Bürgerenergie muss als tragende Säule der dezentralen Energieversorgung erkannt und gestärkt werden. Ihr Potential: Resilienz und Akzeptanz, gemeinschaftliche, verbrauchsnahe Erzeugungs- und Versorgungskonzepte (Energiegemeinschaften, Mieterstrom), einfache Verfahren zur regionalen Direktvermarktung (Energy Sharing) und Bürgerenergiefonds muss befreit werden [5]. Für Bürgerenergieprojekte muss die Befreiung von Ausschreibungen im Rahmen der EU-De-Minimis-Regel [6] bürokratiearm umgesetzt werden.

2.7. Langzeitspeicher-Förderung nach dem SMARD-Modell
Ein Umstieg auf 100% Erneuerbaren Energien kann nur mit Langzeitspeichern gelingen. Damit möglichst bald entsprechende Techniken kostengünstig zur Verfügung stehen, müssen wir jetzt mit deren Markteinführung beginnen und für ihre Verbreitung sorgen. Mit der Umsetzung der EU-Vorschriften im Energiewirtschaftsgesetz muss der Elektrizitätsmarkt flexibler gestaltet und neue Energiedienstleistungsunternehmen, einschließlich  Energiespeicherbetreiber und Lastmanager eingebunden werden [7].

2.8 Kurzzeitspeicher und bidirektionales Laden
Auch bidirektionales Laden spielt eine entscheidende Rolle bei der Kurzzeitspeicherung und sollte ermöglicht, sowie von bürokratischen und finanziellen Auflagen befreit werden.

Ein bemerkenswerter Text zum Zeitgeist 2022

(Morning Briefing) – Wir erleben in diesen Tagen einen Rückruf in die Geschichte: Eine alte Öl- und Militärmacht greift den Westen an und katapultiert ihn binnen weniger Tage zurück in seine eigene Vergangenheit – eine Welt, in der die Leopard-Panzer rollen, das fliegende Lazarett abhebt und der Krieg in Großbuchstaben auf Seite eins der Zeitungen steht.

Das Modewort der Saison heißt nicht mehr Nachhaltigkeit, sondern NATO. Aus den Lautsprechern dringt jetzt nicht mehr Hip-Hop, sondern leichte Marschmusik.

Der Kern vom Kern unseres Unbehagens an dieser Moderne, die so gar nicht modern wirkt, ist ein philosophischer. Mit Fug und Recht darf man sich die Frage stellen: Gibt es überhaupt Fortschritt?

Die kurze Antwort lautet: Im Moment nicht. Die längere Antwort lautet: Ja, aber anders als wir dachten.

Wir träumten von Frieden, Dialog und Interessenausgleich. Aber die Herrscher in weiten Teilen der Welt und die mit ihnen eng verbundene Rüstungsindustrie träumen einen anderen Traum. Wir sind gerade aus unserem Traum aufgewacht und in ihrem gelandet.

Geradezu panikartig erhöhen wir unsere Versicherungsprämie für die nationale Sicherheit, was nichts anderes bedeutet, als dass wir verstärkt mit den alten Mächten paktieren. 100 Milliarden Euro zusätzlich für die Bundeswehr, das fünffache dessen, was der Ministerin für Bildung und Forschung zur Verfügung steht. Kein Wunder: Die Rüstungsaktien (und nicht die Hersteller von Solaranlagen und Windparks) sind die Gewinner der Saison.

Die Demokratie erlebt ihren Siegeszug auf der ganzen Welt. Das ist das, was wir hofften. Aber das ist nicht das, was wir sehen. Die Autokratien wachsen und sie halten zusammen. Die Taliban haben eben erst den Westen aus Afghanistan vertrieben. Im UN-Sicherheitsrat wurde der Angriff von Russland auf die Ukraine von elf der 15 Länder verurteilt, Russland stimmte erwartungsgemäß dagegen, China, Indien und die Vereinigten Arabischen Emirate enthielten sich.

Die fossilen Brennstoffe seien ein Auslaufmodell und die Ölkonzerne die Dinosaurier der Moderne. Das ist das, was man uns erzählt hat.

Der Blick auf die Performance der Öl- und Gaskonzerne und ihre Wertpapiere malt ein anderes Bild: Die fünf Branchengrößen Exxon Mobil, Chevron, Shell, BP und Total Energies melden die höchsten Gewinne seit sieben Jahren. Das Nettoergebnis von „Big Oil“ lag im vergangenen Jahr bei fast 90 Milliarden Dollar.

Wenn wir im derzeitigen Tempo die fossilen Rohstoffe weiter ausbeuten, sagt eine Studie der TU München, können wir uns noch 100 Jahre an Mutter Erde schadlos halten. Das bedeutet: Das Ende des Öl-Zeitalters kommt. Aber nicht mal mehr zu Lebzeiten unserer Enkelkinder.

Die Hoffnung war diese: Im Internet-Zeitalter kann man sich digital austauschen und demnächst auch in 3D im Metaverse. Diese Entwicklung werde die Fortbewegung mit Auto, Bahn und Flugzeug disruptieren, sprich limitieren. Die Welt erblüht klimaneutral.

Die Wahrheit ist: Der Autoverkehr und der Flugverkehr erleben einen nicht enden wollenden Boom. 2019 wurden 8,5 Milliarden Personenkilometer in der Luft zurückgelegt. Die Prognosen von Boeing gehen davon aus, dass sich diese Kapazität bis 2040 auf fast 20 Milliarden Personenkilometer mehr als verdoppeln wird.

Und was wurde für die Welt des Geldes nicht alles geweissagt? Neue, dezentrale Währungen würden den Dollar, den Euro und den Yen ablösen, hieß es in den Wirtschaftsteilen der Zeitungen. Und richtig ist: Der Bitcoin und die Blockchain-Technologie beherrschen die großen Kongresse. Doch in Wahrheit ist die Dollardominanz ungebrochen. Amerika denkt nicht daran, seine stärkste Waffe aus der Hand zu legen. „Der Bitcoin ist wie eine Geschlechtskrankheit und muss besiegt werden,“ sagte erst kürzlich Charlie Munger, der Stellvertreter von Warren Buffett.

Die Auflistung dieser Irrtümer, die auch dann Irrtümer bleiben, wenn sie populär sind, sollte uns nicht mutlos, wohl aber realistisch stimmen. Die Welt bewegt sich. Es gibt ihn, diesen geheimnisvollen inneren Motor. Die Geschichte der Menschheit ist eine Fortschrittsgeschichte.

Aber: Die alte Welt ist wehrhafter als wir bisher gedacht hatten. Womöglich ist Putins Invasion nur das Wetterleuchten einer Übergangszeit, in der die Jahrhunderte sich nicht nur berühren, sondern ineinander verkeilen.

Die Moderne kommt. Aber die Vergangenheit will nicht vergehen. Und wenn sie vergeht, dann auf keinen Fall kampflos. Wir sind Zeitzeugen einer historischen Auseinandersetzung, die auf mehreren Plätzen gleichzeitig ausgefochten wird: Die Vergangenheit hat die Moderne zum Duell herausgefordert.

Cannabis Legalisierung – Sündenfall oder Notwendigkeit?

Der Teilnehmer an der Diskussion, Wolfgang Goede, ist ein persönlicher Freund. Er ist insofern kompetent, weil er teils in Kolumbien, teils in Deutschland lebt. Ich halte seine Argumente für sehr stichhaltig, er bereichert damit die kontroverse Diskussion um die Legalisierung von Cannabis, Hanf, Haschisch, Gras usw. Eins ist nicht weg zu diskutieren, bei starkem und regelmäßigen Gebrauch macht es sich mit Schäden im Gehirn bemerkbar, ähnlich wie Alkohol. Allerdings dämpft es die Aggression.

Jean Pütz

(TELI) – Die Ampel-Koalition plant die Liberalisierung von Cannabis mit dem legalen Verkauf kleinerer Mengen für den Eigenkonsum. Aber muss wer C sagt auch K sagen, Kokain einbeziehen? Deutschlands neuer Gesundheitsminister, Professor Karl Lauterbach (SPD), hat über Versuchsmodelle zumindest schon mal laut nachgedacht. In der Dezember 2021 Ausgabe diskutierte Radio Lora Wissenschaft Kontrovers die Frage: „Cannabis Legalisierung – Sündenfall oder Notwendigkeit?“

In dieser Debatte vertrat Wolfgang Chr. Goede, Politikwissenschaftler, die letztere Auffassung, insbesondere mit Blick aufs Kokain. Seine Argumente:

  • Die Dekriminalisierung der User mache Polizeikräfte frei für das Fahnden nach den großen Fischen im Rauschgiftgeschäft. Die Verbotspolitik ziehe die Mafia groß, die von Südamerika aus Europa unterwandere und ihre Milliardenprofite ins Immobiliengeschäft investiere, Drogenkriege entfache und Korruption fördere. Die organisierte Kriminalität fürchte nichts so sehr wie die „Legalisierung der Illegalität“ (Friedensforscher Stefan Peters, Universität Gießen/CAPAZ Direktor).
  • Mit den durch eine Legalisierung gewonnenen Steuereinnahmen erschließe der Staat neue wichtige Finanzmittel für die Prävention von Drogenabhängigkeit, Therapie und Aufklärungskampagnen inklusive Alkoholmissbrauch.
  • Prohibition als Steuerungsmittel für den Rauschmittelkonsum hat historisch nie funktioniert, denn sowohl die USA (Alkohol) als auch China (Opium) sind damit gescheitert. Was fehle, ist die gesellschaftliche Diskussion von Werten und deren Verankerung mittels Bildung in den Lebenswelten der Menschen.

    Günter Löffelmann, Biologe, bezog die Gegenposition:

  • Die kontrollierte Freigabe gefährde den Schutz junger Menschen als besonders vulnerable Bevölkerungsgruppe. Bisherigen medizinischen Studien zufolge hätte Cannabiskonsum negativen Einfluss auf die Entwicklung jugendlicher Gehirne mit u.a. abträglichen psychischen Begleiterscheinungen. Wie Erkenntnisse aus Kanada zeigten gehe mit der Freigabe der Konsum nach oben und erhöhe das Gefährdungspotenzial Jugendlicher.
  • Mit Bezug auf das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen bezweifelt Löffelmann die Validität des Steuereinnahmenarguments ebenso wie die Logik der personellen Ressourcenverschiebung.
  • Insgesamt öffne sich ein neues großes Suchtfeld mit erheblichen Gefahren, auch dergestalt, dass besonders junge Menschen ins Zielkreuz von Dealern und Mafia geraten könnten, wie Lora-Kontrovers Moderatorin Lisa Popp, Biologin, anmerkte. Und damit auch weiterhin unreine Substanzen in den Umlauf brächten.

Das Thema bleibt brisant und doppelschneidig. Popps Resümee:

  • Es sei gut, dass Deutschland sich auf dieses Experiment einlasse.
  • Voraussetzung sei allerdings, dass es ordentlich evaluiert werde.
  • Bei diesem langsamen Vorantasten im schwierigen Terrain sei Scheitern eine Option, was weiteres Nachjustieren der Stellschrauben erforderlich machen würde.

Folgt dem Russland-Ukraine-Krieg eine ebenso zerstörende Auseinandersetzung in der Sahelzone?

Unabhängig von den politischen terroristischen Auseinandersetzungen sollte nicht vergessen werden, dass dieses von der Sonne verwöhnte riesige Gebiet auf unserem Globus Chancen hat, die die ganze Welt mit regenerativer Energie versorgen könnten. Dem steht entgegen, dass der dort herrschende Terrorismus und Stellvertreter-Krieg zwischen autoritären Staaten und westlichen demokratischen Ländern nur deshalb eine solche  katastrophale Entwicklung ermöglicht, weil die dort lebenden Bürger extremer Armut ausgesetzt sind. Wer morgens nicht weiß, wie er seine Kinder ernähren soll, ist natürlich sämtlichen terroristischen und verschwörungstheoretischen Einflüssen hilflos ausgesetzt. Für sie – insbesondere jungen Menschen – ist der ‚heilversprechende‘ Terrorismus eine Alternative. Dabei könnten diese Länder über die Fotovoltaik mit anschließender Wasserstoff- und daraus entstehender regenerativer Methanol-Produktion zum dezentralen Energie-Lieferanten der Welt werden. Diese grüne Methanol kann alle fossilen Energieträger ersetzen, ohne aufwendige und kostenträchtige Eingriffe in die Infrastruktur. Dafür braucht es nur eine geschickte Friedenspolitik, wie sie im Beitrag beschrieben ist. Dieses Win-Win-Verhältnis auf Augenhöhe mit Industrie- und Entwicklungsländern ist allein deshalb so erfolgreich, weil in der Historie immer dort Arbeitsplätze geschaffen wurden, wo Energiequellen entstanden. Ich gebe zu, dass dies der Wunschtraum eines einsamen Rufers in der Wüste ist, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

Jean Pütz

(Bosch) – Die Ukraine-Krise oder – wie die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock sie nannte – die Russland-Krise, stand zu Recht im Mittelpunkt der Münchner Sicherheitskonferenz 2022 (MSC). Abseits der Hauptbühne forderten Redner:innen Europa jedoch auf, bei aller Konzentration auf die Ukraine eine andere Krise nicht aus den Augen zu verlieren: „Die Sahelzone ist auch eine europäische Herausforderung“, sagte Hanna Serwaa Tetteh, Sonderbeauftragte des UN-Generalsekretärs für die Afrikanische Union, am Rande der Diskussionsveranstaltung „Jenseits von Putschen, Interventionen und Sanktionen – Wie geht es weiter mit Stabilisierung und Peacebuilding in der Sahelzone?“, zu der die Robert Bosch Stiftung im Rahmen der MSC eingeladen hatte. Neben Tetteh diskutierten Comfort Ero, Präsidentin und CEO der International Crisis Group, sowie General Tom Middendorp, Vorsitzender des International Military Council on Climate and Security.

Die politische und humanitäre Lage in der Sahelzone hat sich über die letzten 12 bis 18 Monaten erheblich verschlechtert. Gewalt und Instabilität spitzen sich zu und verursachen ein nie dagewesenes Ausmaß an Ernährungsunsicherheit und Vertreibung in der Region. Wie ein in München vorgestellter Bericht des Sahel and West Africa Club (SWAC) bei der OECD zeigt, sind die Grenzen in der Region besonders stark von Gewalt betroffen. Die Afrikanische Union und die Wirtschaftsgemeinschaft der afrikanischen Staaten (ECOWAS) haben nach den jüngsten Militärputschen die Mitgliedschaft von Burkina Faso und Mali  ausgesetzt. ECOWAS hat Mali mit schweren Sanktionen belegt. Nach der Ankündigung von Präsident Macron am 17. Februar 2022, dass Frankreich sich aus Mali zurückzieht, werden auch andere westliche Staaten ihr Engagement überdenken. Weder Sanktionen noch militärische Interventionen haben bisher dazu geführt, die Sicherheit der Menschen in der Region zu verbessern.

Wenn weder Militäreinsätze noch Sanktionen zum Erfolg führen, was sonst könnte Frieden in der Sahelzone schaffen? Die Diskussion mündete nicht in einem umfassenden Aktionsplan für die Region, doch ein Punkt erschien Podiumsteilnehmenden und Gästen gleichermaßen wichtig: Die Verantwortung für die Entwicklung der Region muss fest in den Händen der Regierenden vor Ort liegen. Die Krise in der Sahelzone sollte in erster Linie als eine Krise der Regierungsführung behandelt werden. Sie kann nicht gelöst werden, wenn sie ausschließlich als Sicherheitsherausforderung betrachtet wird. Diejenigen, die an der Macht sind und ihrer Verantwortung für das Wohlergehen der Bürger:innen nicht gerecht werden, sollten von ihren internationalen Partnern zur Rede gestellt werden. Gleichzeitig sollten internationale Gemeinschaft und regionale Organisationen die Länder der Sahelzone weiter bei den Herausforderungen zur Seite stehen, die die diese nicht allein aus eigener Kraft bewältigen können. Dazu gehören beispielsweise die Anpassung an den Klimawandel, der die Region besonders hart trifft, oder die Entwicklung von Bildungssystemen und Berufschancen, die den Bedürfnissen einer Bevölkerung gerecht werden, die die jüngste der Welt ist. Doch auch die Bekämpfung des internationalen Terrorismus und der organisierten Kriminalität muss eine gemeinsame Aufgabe bleiben. Nicht zuletzt brauchen die Sahel-Staaten Unterstützung bei der Bekämpfung von Desinformationskampagnen, die deutliche Ähnlichkeiten mit denen aufweisen, denen die Ukraine seit Jahren ausgesetzt ist und die wahrscheinlich aus derselben Quelle stammen.

Außerdem sollten die westlichen Partner der Sahel-Länder eine ehrliche Bilanz der Erfolge und Misserfolge ihrer bisherigen Interventionen ziehen, bevor – um erneut aus der Debatte zu zitieren – „der internationale Zirkus von Mali, wo die Europäer gescheitert sind, nach Niger weiterzieht, um dort erneut in ähnlicher Weise zu scheitern.“ Sie sollten sich die Zeit nehmen, den lokalen Friedensakteur:innen zuzuhören, die jeden Tag ihr Leben aufs Spiel setzen, um die Sicherheit und die Lebensgrundlagen der vom Konflikt betroffenen Gemeinschaften zu verbessern. Ihre Erfahrung und ihr Wissen werden allzu oft nicht ernst genommen und ihre Arbeit wird dadurch erschwert, dass in die Region entsandte Fachleute aus dem Ausland ihre Beiträge als unbedeutend abtun. Es ist entscheidend für jeglichen Fortschritt auf dem Weg zum Frieden in der Sahelzone diejenigen in seine Gestaltung einzubeziehen, die am stärksten von Unsicherheit und Gewalt betroffen sind.

Ihren Stimmen Gehör zu verschaffen und sie bei ihrer Arbeit vor Ort zu unterstützen, sind Schlüsselelemente der Strategie der Robert Bosch Stiftung für eine lokal geführte Friedensförderung. Es ist sehr bedauerlich, dass die diesjährigen Reise- und Anwesenheitsbeschränkungen verhindert haben, dass Vertreter:innen der Sahelländer an den Debatten über ihre Länder auf der MSC 2022 teilnehmen. Wir sollten dafür sorgen, dass sie es beim nächsten Mal auf die Hauptbühne schaffen.

 

Was bringen Russland-Sanktionen ? Nach Morning Briefing Gabor Steingart eine Luftnummer

(Morning Briefing) – Unser Ex-Kanzler Gerhard Schröder sagt zu den Sanktionen gegen den russischen Staat:

Glaubt man wirklich, man könnte Russland mit Sanktionsdrohungen in Probleme bringen? Das Land hat in seiner Geschichte bewiesen, dass es davon nicht sehr viel beeindruckt ist.

Schröder hat recht. Nur weil er in den Aufsichtsräten diverser russischer Energiefirmen sitzt und beim heutigen SPD-Kanzler nicht hoch im Kurs steht, ist sein Satz nicht falsch. Die Wahrheit ist oft politisch unkorrekt. Sie nimmt keine Rücksichten auf die Kalküle der politischen Akteure, auch nicht auf die der NATO.

Die Regierungen in London, Paris, Washington und Berlin wollen beim westlichen Publikum den Eindruck erwecken, sie würden den russischen Machthaber jetzt so richtig in die Zange nehmen. Führungsstärke soll demonstriert werden. Vorhang auf für Ursula von der Leyen:

Russland wird einen Preis zu zahlen haben und Präsident Putin muss seinen Leuten erklären, warum dieser Preis so hoch ausfällt.

Doch die Wahrheit sieht deutlich anders aus. Russland zahlt in kleiner Münze. Das Land wird durch die westlichen Sanktionen berührt, aber nicht verletzt. Putin muss die westlichen Beschlüsse kennen, aber nicht fürchten. Seine Kreise werden nicht ernsthaft gestört. Hier die entscheidenden sieben Gründe, warum das so ist:

1. Auf dem Primärmarkt ist allen US-Amerikanern schon seit 2019 der Kauf russischer Schuldtitel in Fremdwährungen verboten, seit vergangenem Jahr auch der in Rubel. Das heißt: Russland hat längst andere Finanziers für seine Staatsschuld gefunden.

2. Hinzu kommt: Der russische Staat ist arm, aber solide finanziert. Den Auslandsschulden in Höhe von 56 Milliarden Dollar stehen Währungsreserven von rund 630 Milliarden Dollar gegenüber.

3. Die gesamte staatliche Verschuldung, ausgedrückt in Prozent des Bruttosozialprodukts, beträgt laut Internationalem Währungsfonds keine 15 Prozent, auch weil Putin die einfache Bevölkerung kurz hält. Wäre Russland Teil der Eurozone, stünde das Land auf Position 1 der am solide finanziertesten Staaten.

4. Die Bankmanager in Moskau, Wladiwostok und Sankt Petersburg haben von den bisherigen Sanktionsbeschlüssen nichts zu befürchten. Die FAZ-Wirtschaftskorrespondentin Katharina Wagner mit Sitz in Moskau schreibt heute Morgen zu Recht:

5. Der Beschluss, Nord Stream 2 nicht zu genehmigen, hat weder für den Devisenhaushalt der Russischen Föderation noch für die Gasversorgung der Bundesrepublik eine messbare Auswirkung. Die Röhre ist bekanntlich leer. Nach drei Jahren Bauzeit muss das Bauwerk nun eben ein paar weitere Jahre warten, bis es in Betrieb geht. Nord Stream 1, das die Bundesrepublik derzeit mit 110 Milliarden Kubikmeter Gas versorgt, ist von den Sanktionsbeschlüssen bislang nicht tangiert.

6. Für Amerika und die Bundesrepublik ist der Handel mit Russland – selbst wenn er zu 100 Prozent verboten würde – ökonomisch unbedeutend. Nur zwei Prozent der deutschen Exporte gingen 2021 in die Russische Föderation. Amerika exportiert in Putins Reich 0,37 Prozent seiner Ausfuhren. Und auch Russland seinerseits ist durch den Entzug der deutschen Waren und Dienstleistungen nicht wirklich zu verletzen. Die Handelsbeziehungen mit den Chinesen – dem russischen Handelspartner Nummer 1 (siehe Grafik) – sind mehr als doppelt so werthaltig.

7. Selbst das Einfrieren der Oligarchen-Gelder auf den westlichen Konten kann die Putin-Freunde nicht schocken. Denn erstens muss dieses Geld für die Zeit des Einfrierens wahrscheinlich sogar verzinst werden. Und zweitens kann Putin seine Freunde aus dem riesigen Staatsschatz von 630 Milliarden Dollar (siehe Punkt 1) fürstlich für ihre Loyalität entlohnen.

Fazit: Der Westen ist ein Maulheld vor dem Putin sich im derzeitigen Stadium des Geschehens nicht fürchten muss. Das „härteste Sanktionsregime gegen Russland“, wie die britische Außenministerin Liz Truss behauptete, ist weniger für Putin als für die Medien gemacht. Man will gar nicht die Wirklichkeit erreichen, sondern nur die Schlagzeile des nächsten Morgens.

Musk-Satelliten stürzen ab und verglühen

(Morning Briefing) – Vergangene Woche stürzten gleich 40 Internet-Satelliten der US-Firma Starlink des Elon Musk ab und verglühten in der Erdatmosphäre. Warum? Ein Sonnensturm hatte das Magnetfeld der Erde verstärkt. Da die Satelliten sich nach dem Start noch in einer ungewöhnlich niedrigen Umlaufbahn befanden, wurden sie zurück zur Erde gezogen und verglühten wie ein Meteoritenschauer in der Atmosphäre.

Die vielen Satelliten im Orbit wachsen zu einer kritischen Infrastruktur heran. Künftige Sonnenstürme könnten der Weltgemeinschaft sowohl das Licht und als auch das Telefon ausknipsen. Es ist an der Zeit, sie so aufmerksam zu beobachten wie Tsunamis im Pazifik oder Sturmfluten in der Nordsee. Das Team des Tech Briefings spricht eine akute Unwetterwarnung aus.

Corona: 330 Mrd. Euro Wirtschaftsverlust

(pte) – 330 Mrd. Euro: Diese Summe haben ifo-Forscher errechnet, wenn es um die wirtschaftlichen Ausfälle durch Corona in Deutschland für die Jahre 2020 und 2021 geht. „Dies entspricht einem volkswirtschaftlichen Verlust in Höhe von zusammen zehn Prozent der Wirtschaftsleistung des Jahres 2019“, sagt ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser.

Wertschöpfungsverluste, Bildung

Doch trotz der immensen Zahl könnte das tatsächliche Ausmaß noch deutlich höher ausfallen. Denn künftige Wertschöpfungsverluste, die etwa durch Ausfälle in der Bildung entstehen, sind in den heute, Donnerstag, präsentierten Zahlen noch gar nicht berücksichtigt. „Bei der Berechnung stützen wir uns auf die Konjunkturprognose des ifo Instituts vom Dezember 2019 für die Jahre 2020 und 2021. Ohne die Krise wäre die deutsche Wirtschaft in diesen Jahren um 1,3 Prozent pro Jahr gewachsen“, heißt es.

Die ifo-Prognose stand damals im Einklang mit jenen der anderen Forschungsinstitute und der Deutschen Bundesbank. „Dies ist die schwerste Weltwirtschaftskrise seit der Großen Depression in den 1930er-Jahren. Es war daher richtig, dass die deutsche Regierung die Wirtschaft entschlossen stabilisiert hat. Nicht durch eine klassische nachfrageorientierte Konjunkturpolitik, sondern durch Stabilisierung der Finanzmärkte und Überbrückungshilfen für Beschäftigte, Selbständige und Unternehmen“, so ifo-Präsident Clemens Fuest.

Schulden, Digitalisierung, Home-Office

Folgen der Krise sind den Experten nach nun höhere Staatsschulden, eine schlechtere Bildung und ein Digitalisierungsschub, der die Wirtschaft verändere mit Home-Office und Online-Handel. Die deutsche Wirtschaftsleistung brach 2020 um 4,6 Prozent ein und konnte auf dem niedrigeren Niveau 2021 um 2,7 Prozent zulegen. „Dennoch blieb die gesamtwirtschaftliche Leistung spürbar unter ihren Möglichkeiten“, resümiert Wollmershäuser.