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Schlechtes Sehen im Alter bedroht Hirnfunktionen

(Stiftung Auge) – Eine im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie belegt einen deutlichen Zusammenhang zwischen nachlassender Sehkraft und abnehmender Hirnfunktion im Alter. Die Stiftung Auge weist vor diesem Hintergrund darauf hin, wie wichtig gutes Sehen und regelmäßige Besuche beim Augenarzt für ältere Menschen sind.

Jedoch gelangt die augenärztliche Versorgung oft nicht zu Menschen in Senioren- und Pflegeheimen, wie eine Erhebung der Stiftung Auge zeigt (OVIS-Studie). Die Stiftung Auge hat gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen Maßnahmen erarbeitet, wie sich die augenärztliche Versorgung in Seniorenheimen verbessern lässt.

An der Studie nahmen über 2.500 Senioren teil. Zu Beginn ermittelten die Forscher die geistigen Fähigkeiten anhand eines Schnelltests sowie die Sehschärfe. Dieser sogenannte Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfasst anhand eines Fragebogens unter anderem die Fähigkeiten zur Orientierung, zum Rechnen, zum Buchstabieren und die Merkfähigkeit. Nach zwei, sechs und acht Jahren erfolgten Nachuntersuchungen. Dabei zeigte sich, dass sich über die Zeit sowohl die Sehschärfe als auch die MMST-Testergebnisse verschlechterten. Das Ergebnis der Forscher zeigte, dass das Ausmaß der Sehverschlechterung mit dem Ausmaß der Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit assoziiert war.

„Diese Ergebnisse belegen einmal mehr, wie wichtig das Sehen für die soziale Teilhabe ist“, sagt Prof. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge. Wer ohne nennenswerte Einschränkungen lesen, sich informieren und an gesellschaftlichen Ereignissen teilhaben könne, werde auch geistig angeregt und gefordert. Das Nachlassen der Sehkraft sollte daher keinesfalls als normale Alterserscheinung hingenommen werden. „Die meisten Augenerkrankungen lassen sich heute gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden“, so der Experte. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt seien daher von großer Bedeutung, um die Sehfähigkeit, die Lebensqualität und die Fähigkeit zur sozialen Teilhabe zu erhalten – und damit auch die Geisteskraft.

Die Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) hat gezeigt, dass die augenärztliche Versorgung oft nicht zu den Menschen in Pflege- und Seniorenheimen gelangt. „Unbehandelte Augenerkrankungen und Einschränkungen im Sehvermögen bringen nicht nur die Gefahr einer Erblindung: Übersehene Teppichkanten oder Stufen können Stürze verursachen und Knochenbrüche mit sich bringen, die nicht selten zu erhöhter Pflegebedürftigkeit oder sogar vorzeitigem Tod führen können“, sagt Holz. Auch für die Selbstständigkeit, Mobilität und geistige Gesundheit spielt das Sehen eine große Rolle.

In einem Maßnahmenkatalog hat die Stiftung Auge jetzt gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen notwendige Schritte zur Verbesserung der Versorgungssituation festgelegt. Hierzu gehört unter anderem, das Thema Auge in der Pflegeaus- und -weiterbildung zu stärken, einen Transport und die Begleitung der Bewohner zum Augenarzt sicherzustellen und Screening-Untersuchungen in den Heimen zu ermöglichen.
Sabrina Hartmann

Information zur Vorbeugung und Beherrschung von Diabetis

(Medizinkommunikation) Nierenkrankheiten sind bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes eine häufige Begleit- und Folgeerkrankung. Etwa 42 Prozent der in Deutschland betreuten Menschen mit Diabetes Typ 2 haben geschädigte Nieren. Die Betroffenen müssen ihre Lebensgewohnheiten umstellen und regelmäßig Medikamente einnehmen. Im Laufe der Zeit kann es zum Nierenversagen kommen. Diese Folge einer diabetischen Nephropathie zählt heute noch zu den häufigsten Ursachen für die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie. So sind etwa 40 Prozent der Dialyse-Patienten davon betroffen. Im vierten Video der zweiten Staffel der Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit“ spricht Sandra Schneller, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), über ihr Leben mit der Begleiterkrankung chronische Niereninsuffizienz. Die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe veröffentlicht die Videos alle 14 Tage jeweils donnerstags.

Patienten mit einer diabetischen Nephropathie müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Liegt ein chronisches Nierenversagen vor, so ist eine Nierenersatztherapie mit Dialysebehandlung notwendig. Bei vielen dialysepflichtigen Menschen kommt im Anschluss auch eine Nierentransplantation infrage. Die Juristin Sandra Schneller ist seit 20 Jahren an Diabetes Typ 1 erkrankt. Fast seit der Diagnose leidet sie auch unter einer chronischen Niereninsuffizienz: „Ich bin froh, dass ich schon vor 16 Jahren Mutter geworden bin, als meine Werte noch nicht ganz so schlecht waren. Heute wäre dies kaum möglich. Meine Nieren sind so schwer geschädigt, dass ich kurz vor der Dialyse stehe.“ Die Folgen sind Knochenschmerzen, Krämpfe, Kopfschmerzen und Übelkeit. Das behindert Sandra Schneller im Alltag und kostet sie Lebenszeit.

Treten Niereneinschränkungen bei Diabetes Typ 1 oder Typ 2 auf, muss ein Nephrologe frühzeitig in die Behandlung eingebunden werden, um den Verlauf der Nierenerkrankung bis zur Dialyse zu verzögern und die Sterblichkeit zu verringern. „Bei der Behandlung von Patienten im Frühstadium der diabetischen Nephropathie gelten die gleichen Regeln wie für die Vorbeugung von Nierenerkrankungen“, erklärt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt sollten die Betroffenen versuchen, ihre Blutdruck- und Blutzuckerwerte zu senken, ihre Cholesterinwerte zu normalisieren und aufhören zu rauchen. Zudem können neuere Antidiabetika wie einzelne SGLT 2 Hemmer und GLP 1 Analoga dazu beitragen, das Fortschreiten der Nierenfunktionsstörung aufzuhalten“, so der niedergelassene Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf. „Eiweißreiche Lebensmittel sollten die Patienten nur in Maßen zu sich nehmen, da sie das Fortschreiten einer Nierenschwäche fördern können.“ Auch Sandra Schneller musste ihre Ernährung auf nierenschonende und kaliumarme Kost umstellen: „Das ist eine deutliche Einschränkung meiner Lebensqualität“, sagt sie. „Diabetes Typ 1 können wir noch nicht stoppen. Darum müssen wir jetzt handeln und dafür sorgen, dass Menschen mit Diabetes die bestmögliche Versorgung erhalten!“

Die Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit“ ist in 2018 mit insgesamt 12 Videos gestartet. Darin formulieren Betroffene – Prominente und weniger Prominente, Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 – kurz und prägnant in einer Minute ihre gesundheitspolitischen Forderungen. In der zweiten Staffel kommen Menschen zu Wort, die nicht nur an Diabetes mellitus, sondern darüber hinaus an einer oder sogar mehreren Begleit- und Folgeerkrankungen leiden. Auch diese kosten Lebenszeit.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 4. Juni in Berlin zum Thema „Diabetes kostet Lebenszeit – Folgeerkrankungen auch Lebensqualität!“ erläutern Experten neueste Zahlen und Fakten rund um Folgeerkrankungen. Zwei Betroffene, darunter TV-Moderatorin und Drehbuchautorin Isolde Tarrach, berichten über ihr Leben damit.

2019/11/09: Koblenzer Nacht der Technik 2019

Pützmunter-Show zu Gast bei der 14. Koblenzer Nacht der Technik

Shows, Vorträge, Ausstellungen und Vorführungen zu Themen aus Wissenschaft und Technologie.

Die Handwerkskammer Koblenz veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und der Wissenschaft alljährlich im November die Koblenzer Nacht der Technik.

Am Samstag, 09. November 2019 werden von 14 Uhr bis 24 Uhr im Metall- und Technologiezentrum und den benachbarten Berufsbildungszentren der Handwerkskammer Koblenz in spannenden Shows, Vorträgen, Vorführungen und Mitmachaktionen aktuelle technische und wissenschaftliche Entwicklungen, Themen und Anwendungen präsentiert. Neben der Handwerkskammer mit ihrer vielfältigen technologischen Ausstattung und Kompetenz sind auch Partner aus der Forschung und bekannte Hightech-Unternehmen vertreten.

Die Vermittlung der Bedeutung und Faszination von Technologie und Forschung steht im Mittelpunkt des bereits über die Grenzen der Region bekannten Ereignisses. Für Kinder, Jugendliche, aber auch für alle anderen junggebliebenen Menschen ist die Nacht der Technik eine tolle Plattform zur Information über interessante Freizeitaktivitäten, technische Berufsfelder, spannende Weiterbildungsmöglichkeiten und aktuelle Forschungsbereiche. Experten der verschiedensten Technologiebereiche stehen als kompetente Gesprächspartner bereit und freuen sich auf neugierige Besucher.

In diesem Jahr präsentiert die Koblenzer Nacht der Technik in Vorträgen, Live-Aktionen, Vorführungen und Ausstellungsbereichen u. a. die Schwerpunktthemen Raumfahrt und Astronomie, Hochleistungswerkstoffe und 3D-Druck, autonomes Fahren und die deutschen Teilnehmer an Elon Musks Wettbewerb zum Hyperloop-Transportsystem der Zukunft sowie das Thema des Wissenschaftsjahres 2019 des Bundesministeriums für Bildung und Forschung BMBF „Künstliche Intelligenz“.

Der Eintritt zur Koblenzer Nacht der Technik ist frei.<

Weitere Infos

Dummheit kennt in USA offenbar keine Grenzen, oder?

Amerikaner gegen arabische Ziffern in Schulen
(pte002/20.05.2019/06:05) – 56 Prozent der US-Bürger sind dagegen, dass amerikanische Schulen arabische Ziffern nutzen. Das zeigt eine Online-Befragung, deren Ergebnis John Dick, CEO des Meinungsforschers CivicScience, via Twitter geteilt hat. 73 Prozent der Demokraten wiederum sind einer anderen Frage zufolge gegen die „Schöpfungstheorie des katholischen Priesters Georges Lemaitre“, also die Urknalltheorie, im Unterricht. Beides beweist vor allem eines: Menschen, die eine Frage nicht verstehen, lassen sich offensichtlich bei ihren Antworten leicht von Vorurteilen leiten.

Frage ohne Kontext
„Sollten Schulen in Amerika als Teil ihres Curriculums arabische Ziffern unterrichten?“ Diese vermeintlich einfache Frage haben 56 Prozent von 3.624 Respondenten mit „Nein“ beantwortet, was Dick als „traurigstes und lustigstes Zeugnis amerikanischer Bigotterie, das wir je in unseren Daten gesehen haben“ bezeichnet. Denn was diese 56 Prozent offenbar nicht wissen: Als „arabische Ziffern“ bezeichnet man genau jene Symbole, die fixer Bestandteil des Unterrichts sind, nämlich die Ziffern 0, 1, 2 und so weiter. Die einzige echte Alternative wären römische Ziffern, die aber selbst einfache Rechenaufgaben vergleichsweise klobig machen.

„Das ist Ignoranz, nicht Bigotterie“, verteidigte daher ein Poster auf Twitter das Ergebnis, worauf Dick ein weiteres Detail der Auswertung verraten hat. 72 Prozent der Republikaner, aber nur 34 Prozent der Demokraten unter den Respondenten, hatten sich gegen arabische Ziffern ausgesprochen. Das könnte man als Beleg werten, dass Republikaner im Schnitt weit ungebildeter sind – doch laut CivicScience-Daten haben 55 Prozent der Republikaner zumindest einen Bachelor und damit nur zwei Prozent weniger als bei den Demokraten. Das Ergebnis dürfte also doch eher daran liegen, dass Anhänger der Trump-Partei eher Rassisten sind, für die „arabisch“ erst einmal „böse“ bedeutet.

Vorurteile immer und überall
Um zu unterstreichen, dass sich nicht nur Rechte gerne von Vorurteilen leiten lassen, wenn sie eine Frage nicht recht verstehen, hat Dick ein anderes Beispiel bemüht, nämlich die Frage: „Sollten Schulen im Amerika die Schöpfungstheorie des katholischen Priesters Georges Lemaitre als Teil des Wissenschaftscurriculums lehren?“ Dagegen waren immerhin 53 Prozent der Amerikaner und gar fast drei Viertel der Demokraten. Es steht also zu vermuten, dass Letztere aufgrund antiklerikaler Vorurteile eine fundamentaltheologische Schöpfungstheorie wittern. Doch eigentlich ist die Urknalltheorie gemeint.

Tatsächlich war es Dick zufolge Sinn der Experimente, Vorurteile unter jenen Respondenten aufzuzeigen, die eine Frage nicht verstehen. Dabei wäre es für Probanden bei beiden Fragen so leicht gewesen, den eigentlichen Sinninhalt klarer zu erfassen. Egal, ob „arabische Ziffern“ oder „Georges Lemaitre“, eine schnelle Online-Suche hätte sofort zu aufschlussreichen Wikipedia-Einträgen geführt.

Künstliche Intelligenz – wo bleiben die Gefühle ?

Ein Gespräch mit dem britischen Schriftsteller Ian McEwan

Wir sehnen uns nach künstlichen Menschen. Muss man sich bei Siri bedanken? Was hat der Brexit mit KI zu tun und darf ein Algorithmus moralische Entscheidungen treffen? Eine Begegnung in London mit Ian McEwan, dessen neuer Roman nächste Woche erscheint.

Ihr Erzähler Charlie schafft sich einen künstlichen Menschen an, „als Gefährten, intellektuellen Sparringspartner, als Freund und Faktotum“. Er heißt Adam, wie der erste Mensch, und mit Charlie und dessen Freundin Miranda entsteht eine Dreierbeziehung. Im Zentrum des Romans steht die Frage, ob Androiden emotionale Intelligenz besitzen könnten, ob Maschinen zu Gefühlen fähig sind.

Was hat Sie daran interessiert?
Ich bin schon immer an Neurowissenschaft interessiert gewesen und an dem, was man das „Leib-Seele-Problem“ nennt, also der Frage, ob eine Maschine denken kann. Das hat den Mathematiker und Kryptologen Alan Turing bereits in den dreißiger Jahren beschäftigt. Turing sagte in den vierziger Jahren, man sei nur zehn Jahre entfernt von einer denkenden Maschine. Inzwischen wissen wir, wie kompliziert das Gehirn ist. Trotzdem sind in den letzten zehn Jahren große Fortschritte gemacht worden. Man braucht nur an die künstliche Intelligenz des Smartphones zu denken oder die jüngsten Flugzeugunglücke, die mit den Versagen von Künstlicher Intelligenz zu tun hatten, um zu sehen, wie die Technologie in unser Leben eindringt. Neulich habe ich meine Frau dabei ertappt, wie sie sich bei Siri bedankte.

Sie legen ausgerechnet Adam einige der nachdenklichsten Beobachtungen über die Maschinenintelligenz und das Wesen der Menschen in den Mund …
Adam hat mir rhetorisch aus einigen wichtigen Patschen geholfen, weil Charlie nicht besonders gebildet ist und sich zum Beispiel, anders als Adam, bei Shakespeare nicht gut auskennt. Mich fasziniert die menschliche Interaktion mit einer Maschine, die man in einem Moment nur als Computer wahrnimmt und im nächsten als Menschen behandelt. Und ich suchte einen anderen Ansatz als „Frankenstein“, den überragenden Text der Moderne über den künstlichen Menschen. Frankensteins Monster wird zum Mörder. Er ist zur Metapher geworden für die Gefahren der Technologie. Mich beschäftigt die Möglichkeit, dass wir eine menschenähnliche Maschine herstellen, der wir unsere besten Eigenschaften überlassen. Denn wir wissen, wie wir gut sein können, aber es gelingt uns oft nicht, gut zu sein.

Adam ist hochmoralisch ?
Intelligenten Maschinen werden wichtige moralische Fragen übertragen. Wir entwickeln Autos, die autonom auf unseren Straßen fahren. Wir diskutieren, wie sich fahrerlose Autos für bestimmte Unfallszenarien programmieren lassen. Die Zeitschrift „Nature“ berichtete unlängst über eine Studie, in der es um das sogenannte „Trolley-Problem“ ging: Wer soll den Unfall überleben, wenn die Bremsen versagen und das Auto auf einen Pfeiler zurast? Der Fahrer, indem er ausweicht, dabei aber ein Kind überfährt? Würde es einen Unterschied machen, wenn es einen alten Menschen träfe? In der Studie haben bestimmte Ländergruppen unterschiedliche moralische Präferenzen geäußert. Das wirft Fragen über universale Werte auf. Ich wollte mit meinem Roman den Konflikt dramatisieren, in den wir uns mit der Künstlichen Intelligenz unweigerlich bringen. Die Sehnsucht nach der Herstellung künstlicher Menschen sitzt offenbar tief in uns. Davon handelte schon der Prometheus-Mythos oder die Argonauten-Sage. Im Grunde ist Talos, der Steine auf Iasons Schiff schleudert, ein Roboter. Man könnte auch die Geschichte von Adam und Eva als Prototyp der Herstellung einer künstlich intelligenten Maschine betrachten, die Gott bereits mit einigen Mängeln versehen hat, bloß dass ich das, was für Gott Mängel sind, als Tugend bezeichnen würde. Evas Neugier ist eine der größten Eigenschaften der menschlichen Natur und die Grundlage für alles Wissen.

Der Roman ist am Anfang der Thatcher-Ära angesiedelt, Sie verändern aber den Verlauf der Ereignisse und streuen kontrafaktische Details ein. Margaret Thatcher verliert den Falkland-Krieg, der linke Labour-Politiker Tony Benn wird Premierminister und verspricht den Brexit. Es gibt bereits elektrische Autos und Textnachrichten …
Es ist ein Spiel mit der Zeit, das mit Turing beginnt. Ich wollte ihn unbedingt in meinem Roman haben, ohne dass er eine lebensverlängernde Zauberpille nimmt oder Selbstmord begeht. Ich denke oft darüber nach, wie leicht unser jetziger Technologie- und Wissensstand viel später oder früher hätte erreicht werden können, wie im Falle der Keimtheorie. Sie wäre bereits im siebzehnten Jahrhundert möglich gewesen. Der Stand der Dinge scheint mir auf jedem Gebiet eine kontingente Angelegenheit zu sein. In der Falkland-Krise hätte die Einsatztruppe auch scheitern können, wenn Argentinien die in Frankreich bestellten Exocet-Raketen erhalten hätte. Die Folgen wären dramatisch gewesen für uns wie für Argentinien. Präsident Galtieri wäre geblieben, noch mehr Menschen wären verschwunden, Thatcher hätte untergehen können. Das fragile Wesen der zufallsabhängigen Gegenwart fasziniert mich. Die Fiktion erlaubt es, zu entscheiden, wie alles ausgeht. Ich wollte weder weit in die Zukunft greifen, in der Adam leben würde, noch war ich auf die Gegenwart erpicht. Deswegen habe ich eine etwas schmuddelige, veränderte Vergangenheit gewählt. Mich fasziniert, wie die Maschinen in unser Leben treten und so leicht angenommen werden.

Sie scheinen auffallend interessiert zu sein an körperlichen Funktionen ?
Ich will nicht schockieren, aber mir ist es wichtig, die Totalität des Daseins zu beschreiben. Und körperliche Funktionen sind relevant im Zusammenhang mit dem künstlichen Gehirn. Philosophen pflegten früher über das „Gehirn im Tank“ zu sprechen. In den letzten dreißig Jahren haben wir aus der Neurowissenschaft gelernt, dass wir vor allem verkörpertes Bewusstsein sind. Wir sind eben kein Hirn im Tank, sondern Hirn im Körper. Wir verbringen unser Leben in einem Körper, der tyrannisch sein kann – und eine langsame Enttäuschung, um einen anderen Begriff für das Altern zu verwenden.

In „Maschinen wie ich“ befassen Sie sich mit dem Konflikt zwischen Technik und der Unberechenbarkeit des Menschen.
Was Adam betrifft, hängt für mich der Erfolg oder Misserfolg des Romans davon ab, dass es mir gelingt, aus ihm eine Figur zu machen, bei der die Leser Charlies schwankenden Zweifel teilen, ob er ein Computerspiel spielt oder es mit einer wirklichen Person zu tun hat.

Dabei stellt sich die Frage, ob man sich des Mordes an einem Roboter schuldig machen kann ?
Mein Turing ist überzeugt – und ich hoffe, der Leser ist auch halbwegs überzeugt –, dass Adam ein fühlendes Wesen ist. Ich würde im Sinne des kategorischen Imperativs argumentieren, dass man das Bewusstsein eines anderen Wesens nicht besitzen kann, selbst wenn man es gekauft hat.

Als Schriftsteller sind Sie selbst auch Schöpfer ?
Mir war beim Schreiben ständig bewusst, dass ich als Adams Erfinder auch sein Erbauer bin, aber natürlich auch der von Charlie und Miranda.

Politik spielt in Ihren Romanen eine wichtige Rolle. In „Maschinen wie ich“ spielen Sie auf den Brexit an. Ihre Beschreibung von Thatcher lässt an Theresa May denken, und Tony Benns Labour Party gleicht der von Jeremy Corbyn. Werden Sie je einen Brexit-Roman schreiben?
Ich habe die Parallelen nicht forciert, aber sie sind mir beim Schreiben aufgefallen. Wenn ich einen Brexit-Roman schreiben würde, müsste ich einen Brexiteer in den Mittelpunkt stellen, weil ich den Brexit verabscheue und mich in dieses Denken hineinversetzen müsste, um es zu verstehen. Noch bin ich weit davon entfernt, aber ich denke viel darüber nach. Und das findet meist irgendwann Niederschlag in meinen Romanen. Jetzt stehen wir noch in der Mitte des Prozesses. Jeder Tag bringt eine neue Entwicklung und jede Woche falsche Höhepunkte. Meistens kommt alles nicht so schlimm, wie es die Pessimisten voraussagen. Der Brexit wird trostlos und nicht einfach sein, aber das Leben geht weiter. Wir werden eine sehr missgelaunte und eine politisch wie kulturell zerklüftete Nation sein.

Liegt in der Einstellung der Brexit-Befürworter, dass man als Weltbürger nirgendwo zu Hause ist, nicht das Hauptproblem?
Den Brexit-Anhängern hat man Zauberstaub in die Augen gestreut. Sie sind belogen und von der politischen Klasse herablassend behandelt worden. Viele Versprechen haben sich jetzt schon als wertlos erwiesen. In gewisser Hinsicht bin ich froh über das Schlamassel. Es besteht vielleicht eine kleine Möglichkeit zu einem Rückzieher. Ich kann da nicht unparteiisch sein.

Sie beziehen sich gern auf den Satz von Henry James, wonach es die große Aufgabe des Romans sei, „interessant zu sein“. Wollen Sie mit Ihren Büchern zur Diskussion beitragen?
Ich weiß nicht, welchen Beitrag „Maschinen wie ich“ leisten wird. In gewisser Hinsicht geht es um Fragen, die seit zwei- bis dreitausend Jahren diskutiert werden, sei es in der Mythologie oder in technologischer Hinsicht. Grundsätzlich darf die Literatur das Lustprinzip nicht aus den Augen verlieren, nicht beim Lesen und auch nicht beim Schreiben. Schriftsteller müssen sich zur Freude an ihrer Arbeit bekennen. Um zeitgenössische Fragen in Angriff zu nehmen, sollte man lieber einen Zeitungsessay schreiben. Ich werde oft dazu aufgefordert, möchte aber die Arbeit an meinem jeweiligen Roman nicht unterbrechen.

Wie fühlt es sich an, Gegenstand zahlreicher Doktorarbeiten zu sein?
Bis vor zwanzig Jahren waren die Akademiker ganz in den Fängen des französischen Strukturalismus. Inzwischen hat sich das beruhigt. Ich habe unlängst in Caen einer internationalen Konferenz über mein Werk beigewohnt. Am letzten Tag habe ich mir acht Präsentationen angehört. Ich fand sie witzig und brillant, vor allem eine über Hotels im Werk von Ian McEwan. Darauf wäre ich nie gekommen. Ich saß in einer Ecke dabei und dachte, so muss es sein, wenn man tot ist.

Als läse man den eigenen Nachruf.
Ja. Als die Universität Texas mein Archiv erwarb, ging es mir ähnlich. Im Foyer waren Vitrinen aufgestellt mit einer Auswahl meiner Dokumente, darunter einem Brief, den ich meinen Söhnen aus Neuseeland schrieb, als sie noch klein waren. Ich hatte für sie ein Bild von der Erde gezeichnet – mit der Sonne, einem Bett und mir lesend, um zu veranschaulichen, dass bei mir Tag war, wenn bei ihnen Nacht war und umgekehrt. Einen derart persönlichen Gegenstand aus meinem Leben in einer Vitrine zu sehen war eine Art Nachtodeserfahrung. Ein höchst seltsames Gefühl.

Das Gespräch führte Gina Thomas.

23.05.2019 Viele Aufsichtsräte sind falsch besetzt

Liebe Leserinnen und Leser,

als die ersten Gerüchte aufkamen, dass Bayer Monsanto kaufen wollte, habe ich mich persönlich an den Aufsichtsrat von Bayer gewendet und sie ausdrücklich vor den Risiken und möglichen Folgen gewarnt. Vor allen Dingen monierte ich, weil Bayer mit diesem Deal die globale Marktführerschaft für die industrielle Landwirtschaft übernehmen wollte. Ich wies darauf hin, welch katastrophale Folgen diese so konzipierte industrielle Landwirtschaft mit ihren gentechnisch veränderten Samenprodukten, aber insbesondere auch mit Glyphosat, auf die ansässigen Bauern z. B. in Afrika und Südamerika haben würde. Dort haben bereits die Chinesen große Ländereien aufgekauft. Man stelle sich die sozialen und die Gemeinschaft zerstörerischen Wirkungen vor.

Der Aufsichtsrat hat dabei seine Pflichten völlig missachtet, insbesondere weil er jetzt sogar in der Aktionärsversammlung dem Vorstand, besonders CEO Baumann, das Vertrauen ausgesprochen hat. Dies, obwohl der Vorstand nicht entlastet wurde und der Börsenwert von Bayer schon damals absehbar unter die Summe fallen würde, die für den Kauf von Monsanto bezahlt wurde – immerhin 63.000.000 Dollar. Bedacht hat der Aufsichtsrat auch nicht, dass der Verkauf außerhalb der USA bei Prozess-Interventionen, für die in USA Schöffengerichte zuständig sind, ein Art American-First-Mentalität á la Trump durch den Einfluss der Schöffen aus dem Volk zu erwarten war.

Ich bin selbst Aufsichtsratsmitglied in einer Security-Aktiengesellschaft und verlange deshalb gesetzliche Maßnahmen, wie solche Aufsichtsratsmitglieder zur Verantwortung gezogen werden können. Verwunderlich ist diese Entwicklung auch deshalb, weil die Gewerkschaften mit dem Betriebsrat im Bayer-Aufsichtsrat vertreten sind. Doch das scheint offenbar die Kumpanei untereinander nicht zu begrenzen.

Der Gesetzgeber sollte die soziologische Kleingruppen-Forschung zu rate ziehen, da wird eindeutig beschrieben, wie solche Prozesse ablaufen.

Ihr Jean Pütz

 

Erblindung im Alter vermeiden

Stiftung Auge – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Viele altersbedingte Augenerkrankungen können gut behandelt werden. Meist machen sie sich aber erst in einem späten Stadium bemerkbar, wenn ein Großteil der Sehkraft bereits unwiederbringlich verloren ist. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen. In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung Auge fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden muss. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 29. Mai in Berlin erläutern Experten diese und weitere Forderungen zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen.

Verbreitet ist vor allem der Graue Star (Katarakt) – eine starke Trübung der Augenlinse, bei der die Betroffenen wie durch einen Nebelschleier sehen. Um das Sehvermögen wiederherzustellen, kann der Augenarzt eine Kunstlinse ins Auge einsetzen. Über 800.000 Augen werden jedes Jahr mit diesem ambulanten Eingriff behandelt. Schwerwiegendere Volkskrankheiten sind das Glaukom (Grüner Star) – eine Erkrankung des Sehnervs, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der die Zellen der Netzhaut absterben oder die diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge.

Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern, betont der Experte. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt.“ Wenn beim Glaukom Symptome auftreten, ist der Sehnerv meist schon irreparabel geschädigt; rechtzeitig erkannt lässt sich die Krankheit meist mit Tropfen behandeln. Die AMD behandeln Ärzte je nach Fall mit Spritzen in den Glaskörper oder Lasertherapie.

Seniorinnen und Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz.

Gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime ist der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde, was die Studie OVIS belegte. Der letzte Besuch beim Augenarzt lag hier durchschnittlich vier Jahre zurück, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hatten einen Grauen Star. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.