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Künstliche Intelligenz in Zukunft auch für Bauern nützlich

(pte) – IT-Gigant IBM wird seine Plattform „Watson Decision Platform for Agriculture“ global ausweiten, um durch Künstliche Intelligenz (KI) Entscheidungsprozesse von Bauern weltweit zu erleichtern. Dafür verwendet IBM Daten aus dem Internet der Dinge, um präzise Ratschläge zu Planung, Ernte oder Schädlingsbekämpfung zu geben.

Mehr Daten „ernten“
„Die Digitalisierung der Landwirtschaft fängt bei der Produktion an und geht über Verwaltung und Betriebsführung bis hin zur Vermarktung. Zum Beispiel werden Agrarroboter mit ihrer Kamera Unkrautpflanzen erkennen und entsprechende Maßnahmen zum Pflanzenschutz durchführen“, sagt Martin Hirt, Referent für Digitalisierung in der Landwirtschaft bei der Landwirtschaftskammer Österreich, gegenüber pressetext. Damit eine Maschine solche Dinge erkennen kann, müsse man zuerst Testdaten generieren – zum Beispiel, indem man möglichst viele Blätter fotografiert. So könne man Bauern auf Basis von kürzlichen Ereignissen vor Gefahren in Bezug auf die Ernte warnen.

Für Wetterdaten zieht IBM sein Tochterunternehmen The Weather Company heran. Die Modelle von IBM beziehen sich auf verschiedene Agrarproduke wie Mais, Weizen, Baumwolle oder Soja. Sie sollen in Afrika, den USA, Kanada, Südamerika, Europa und Australien Verwendung finden. Laut Kristen Lauria, General Manager von Weather Solutions bei IBM, „ernten“ moderne Landwirte durch den Einsatz von Drohnen und Sensoren nicht nur Nahrungsmittel, sondern auch Daten. Diese seien bisher zu wenig verwendet worden. Das sei durch die Watson Decision Platform for Agriculture möglich. Die Plattform sammelt die Daten und analysiert so Muster in der Landwirtschaft. So können präzise und in der Praxis bewährte Maßnahmen gesetzt werden, um eine möglichst ertragreiche Ernte einzufahren.

Ernährung für die Zukunft
Laut Hirt können Landwirte durch die Digitalisierung präziser vorgehen, beispielsweise können sie prophylaktisch Maßnahmen gegen Schädlingsauftreten anwenden oder an genau der richtigen Stelle die richtige Menge an Dünger aussetzen. Letzteres wird teilflächenspezifische Bewirtschaftung genannt. „Bauern sehen so, was die Anforderungen für eine bestimmte Fläche sind. Diese Daten können aus unterschiedlichen Quellen stammen, dem Wetter, dem Boden oder aus historischen Aufzeichnungen“, meint der Digitalisierungsexperte.

IBM zufolge muss die Landwirtschaft präziser und ertragreicher werden, um in Zukunft die Welt ernähren zu können. Im Jahr 2050 werde es zwei Mrd. Menschen mehr geben, jedoch nicht mehr fruchtbaren Boden. Die Kombination aus präzisen Wetterdaten und KI sei dafür die Lösung. Hirt warnt allerdings vor zu viel Optimismus. Es müsse bei der Digitalisierung der Landwirtschaft noch viel geforscht werden, um gerade beim Thema KI gute Ergebnisse zu bekommen. „Abgesehen davon, wird es eine Herausforderung, die vielen, neuen Technologien für kleinstrukturierte, familienbetriebene Landwirtschaften nutzbar zu machen“, resümiert Hirt.

Künstliche Intelligenz verbessert Erdbebenanalyse

(KIT) Die Herausforderung, Erdbebensignale optimal zu analysieren, wächst zusammen mit der Menge der verfügbaren seismischen Daten an. Am Karlsruher Institut für Technologie haben Forschende nun ein neuronales Netz eingesetzt, um die Ankunftszeit von seismischen Wellen zu bestimmen und dadurch Erdbebenzentren genau zu lokalisieren. Sie berichten im Fachjournal Seismological Research Letters, dass Künstliche Intelligenz die Daten ebenso genau auswerten kann wie ein erfahrener Seismologe.

Die Ankunft der vielen Erdbebenwellen an der Seismometerstation, den sogenannten Phaseneinsatz, genau zu bestimmen, ist wichtig für das präzise Lokalisieren der Erdbebenereignisse, was weitere exakte seismologische Auswertungen erst ermöglicht. Diese können unter anderem dazu dienen, Nachbeben vorherzusagen, die manchmal schwerere Schäden verursachen können als das erste Beben. Durch genaue Lokalisation von Erdbebenzentren lassen sich auch physikalische Prozesse in der Tiefe besser unterscheiden, was wiederum Rückschlüsse auf den Aufbau des Erdinnern erlaubt. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Künstliche Intelligenz die Erdbebenanalyse wesentlich verbessern kann – nicht nur bei großen Datenmengen, sondern auch bei begrenzter Datenlage“, erklärt Professor Andreas Rietbrock vom Geophysikalischen Institut (GPI) des KIT.

Durch Auswertung der Seismogramme, dem sogenannten Picken, lassen sich die Einsatzzeiten der einzelnen Phasen ermitteln. Dies geschieht traditionell von Hand. Doch beim manuellen Picken kann die Subjektivität des jeweiligen Seismologen die Genauigkeit beeinträchtigen. Vor allem aber erfordert die manuelle Auswertung mittlerweile einen nicht mehr zu vertretenden Zeit- und Personalaufwand, weil die Menge der verfügbaren seismischen Daten immer größer wird und die Seismometer-Netzwerke immer dichter werden. Um alle Informationen schnell zu nutzen, bedarf es einer automatischen Auswertung. Die bisher entwickelten Pickeralgorithmen erreichen allerdings nicht die Genauigkeit des manuellen Pickens durch einen erfahrenen Seismologen, weil Entstehung und Ausbreitung von Erdbeben äußerst komplexe Vorgänge sind und verschiedene physikalische Prozesse das seismische Wellenfeld beeinflussen.

Künstliche Intelligenz (KI) aber kann die Daten ebenso genau auswerten wie der Mensch. Dies haben Wissenschaftler am GPI, an der University of Liverpool und an der University of Granada nun gezeigt. Wie die Forscher in der Zeitschrift Seismological Research Letters berichten, setzten sie ein faltendes neuronales Netz (Convolutional Neural Network – CNN) ein, um Phaseneinsätze eines seismisches Netzwerk in Chile zu bestimmen. CNNs sind von biologischen Nervensystemen inspiriert und bestehen aus verschiedenen Schichten von miteinander verbundenen künstlichen Neuronen. Beim sogenannten Deep Learning, einer Methode des Maschinellen Lernens, werden die erkannten und gelernten Merkmale von Schicht zu Schicht weitergereicht und dabei immer weiter verfeinert.

Bei einem Erdbeben breiten sich seismische Wellen verschiedenen Typs durch die Erde aus. Haupttypen sind die Kompressions- oder Primärwellen (P-Wellen) und die Scher- oder Sekundärwellen (S-Wellen). Zunächst treffen die schnelleren P-Wellen an einer seismologischen Station ein, dann die langsameren S-Wellen. Erdbebenwellen lassen sich in Seismogrammen aufzeichnen. Die Forscher trainierten das CNN mit einem relativ kleinen Datensatz zu 411 Erdbebenereignissen im Norden von Chile. Daraufhin bestimmte das CNN die Einsatzzeiten von unbekannten P-Phasen und S-Phasen mindestens so genau wie ein erfahrener Seismologe beim manuellen Picken und genauer als ein klassischer Pickeralgorithmus.

Zarte Powerpflänzchen von der Fensterbank

(BZfE) – Wer Freude an frischem Grün in den eigenen vier Wänden hat,
wird von „Microgreens“ begeistert sein. Dabei handelt es sich um
Gemüse- und Kräuterkeimlinge, die bereits als wenige Tage alte
Pflänzchen geerntet und direkt gegessen werden. Die „Mini-Grünlinge“
punkten mit einem hohen Nährstoffanteil und einem intensiven Aroma, das
Salaten, Suppen und Sandwiches das gewisse Etwas verleiht. Auch
Quarkaufstriche, Pestos und grüne Smoothies können mit den
Powerpflänzchen verfeinert werden.

„Microgreens“ dürfen nicht mit Sprossen verwechselt werden. Auch
Sprossen sind Keimlinge, die aber ohne Tageslicht gezogen werden und
dadurch eine helle, leicht gelbliche Farbe haben. Meist erntet man sie mit
Wurzeln nach zwei bis vier Tagen. „Microgreens“ dagegen durchlaufen
eine weitere Wachstumsphase und haben neben den beiden Keimblättern noch
mindestens zwei Blättchen gebildet. Nach der Keimung nehmen sie durch das
Chlorophyll eine saftig grüne Farbe an.

Die zarten Pflänzchen können ohne viel Aufwand auf der Fensterbank
gezogen werden. Spezielle Samen braucht es dafür nicht. Geeignet sind
unter anderem Rucola, Rettich, Radieschen, Rotkohl, Spinat, Rote Bete,
Senf, Brokkoli, Blumenkohl und Kresse, aber auch Kräuter wie Basilikum,
Minze, Dill, Koriander oder Kerbel. Selbst Pseudogetreide wie Amaranth
werden gerne als „Microgreens“ verwendet. Große und harte Kerne und
Samen, etwa von Erbsen, Bohnen, Buchweizen und Sonnenblumen, sollten vor
der Aussaat über Nacht in Wasser eingeweicht werden. Das beschleunigt die
Keimung.

Zur Anzucht ist ein großer Pflanzentopfuntersetzer oder ein tiefer Teller
aus der Küche ausreichend. Die Schale zwei Zentimeter hoch mit Komposterde
füllen, das Saatgut dicht aussäen und die Erde leicht andrücken.
Anschließend mit einer Sprühflasche anfeuchten und mit einer
Klarsichtfolie bespannen, um das Wachstum zu beschleunigen.
„Microgreens“ fühlen sich auf einer warmen, hellen Fensterbank ohne
direkte Sonne am wohlsten. Zu nass darf es nicht sein, damit sich kein
Schimmel bildet. Geerntet wird nach 10 bis 14 Tagen, wenn sich nach den
Keimblättern die ersten echten Blattpaare ausgebildet haben und die
Pflänzchen etwa 15 Zentimeter hoch sind. Dann werden die Keimlinge etwa
fingerbreit über der Erde abgeschnitten und frisch gegessen.

Durchfallerreger Campylobacter kaum bekannt

(BZfE) – Noch nicht einmal jeder Dritte kennt den Küchenkeim
Campylobacter, obwohl er der häufigste bakterielle Erreger von
Durchfallerkrankungen ist. Salmonellen sind dagegen über 90 Prozent der
Deutschen ein Begriff, hat eine Bevölkerungsumfrage gezeigt. Am
Verbrauchermonitor des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nehmen
halbjährlich etwa 1.000 Menschen ab 14 Jahren teil.

Rund 77 Prozent der Befragten halten die zum Kauf angebotenen Lebensmittel
für sicher. Bei der Frage, welche Themen persönlich als die größten
gesundheitlichen Risiken betrachtet werden, liegt eine „ungesunde oder
falsche“ Ernährung (16 %) nur knapp hinter dem Rauchen (19 %) auf Platz
2. Besonders beunruhigend finden die Befragten Themen wie
Antibiotikaresistenzen (37 %), Mikroplastik in Lebensmitteln (36 %) und
Glyphosat in Lebensmittel (29 %). Lebensmittelhygiene in der Gastronomie
(19 %) findet sich in der „Beunruhigungsskala“ weit vor der
Lebensmittelhygiene zu Hause (9 %).

Menschen unterschätzen Risiken durch Krankheitserreger in der Küche.
Häufig ist Campylobacter der Übeltäter, wenn eine bakterielle
Lebensmittelinfektion festgestellt wird. Jedes Jahr werden bundesweit etwa
70.000 Fälle gemeldet. Betroffene leiden unter einer Darmentzündung mit
starkem Krankheitsgefühl, Bauchschmerzen, Fieber und mitunter blutigen
Durchfällen.

Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Infektionsrisiko deutlich senken.
So sollten Geflügelfleisch und Rohmilch nur ausreichend durchgegart
verzehrt werden. Rohes Fleisch und rohe Eier werden getrennt von
verzehrfertigen Speisen wie Salaten zubereitet. Achten Sie auf Hygiene:
Alle Küchengeräte, die mit rohem Geflügel in Kontakt kommen, gründlich
mit heißem Wasser und Spülmittel oder in der Spülmaschine bei mindestens
60 Grad reinigen. Auch die Hände müssen gründlich gewaschen werden.

Das Bundeszentrum für Ernährung hält eine Reihe von Informationen zu
Hygienemaßnahmen in der Küche bereit.

Technologien für die Materialien von morgen

(KIT) Batterien, Trinkwasser, Wärmedämmung: Neue Entwicklungen und Entdeckungen aus den Materialwissenschaften sind für fast alle Lebensbereiche bedeutend: Als Innovationsmotoren können sie zur Lösung ökologischer, technologischer und gesellschaftlicher Herausforderungen beitragen. Wissenschaftler des KIT-Zentrums Materialien stellen am Dienstag, 4. Juni 2019, um 18:30 Uhr im Karlsruher Rathaus ihre Forschung an neuen Technologien vor.

Gewinnung von sauberem Wasser, Fertigung effizienter Stromspeicherbatterien, Wärmedämmung für energieeffiziente Häuser – immer spielen die verwendeten Materialien eine große Rolle. Technische Innovationen sind nicht möglich ohne die Entwicklung neuer Materialien. Diese werden benötigt für den technologischen Fortschritt in vielen Lebens- und Technikbereichen – von Klima- und Umweltschutz über Gesundheit bis hin zur Sicherheit – und auch für die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit.

Das KIT-Zentrum Materialien kooperiert mit verschiedenen Forschungsinstitutionen, um Spitzenforschung in den Materialwissenschaften zu gewährleisten. Es entwickelt sowohl neue Materialien als auch damit verbundene Technologien zu deren Herstellung und Design. Das Zentrum setzt einen besonderen Fokus auf die Entwicklung von nanostrukturierten Materialien: hierzu gehört der 3D-Druck molekularer Strukturen – so können beispielsweise Sicherheitsmerkmale für Geldscheine hergestellt werden, um sie vor Fälschungen zu schützen. Ein weiterer Schwerpunkt des Zentrums ist die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien. Forscherinnen und Forscher aus verschiedenen Disziplinen wie Natur-, Ingenieur- und Lebenswissenschaften ziehen zur Erreichung dieser und weiterer Ziele an einem Strang.

Bei der Veranstaltungsreihe „KIT im Rathaus“ lernen Bürgerinnen und Bürger diese spannende und interdisziplinäre Forschung kennen. Alle Interessierten, insbesondere auch Schülerinnen und Schüler, sind zu der vom ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale des KIT koordinierten Veranstaltung eingeladen. Ein anschließender Empfang bietet Gelegenheit zu Gesprächen. Parallel zur Veranstaltung findet vom 3. bis 7. Juni 2019 eine Ausstellung des KIT-Zentrums im oberen Foyer des Rathauses statt. Der Eintritt ist frei.

Gegen resistente Keime – Antibiotika in Sicht?

(pte001/29.05.2019/06:00) – Wissenschaftler der University of Sheffield und des Rutherford Appleton Laboratory haben einen neuen Wirkstoff entwickelt, der gegen Antibiotika resistente Supererreger sichtbar macht und sie abtötet. Derzeit wird der von der Doktorandin Kirsty Smitten entwickelte Wirkstoff an antibiotikaresistenten gramnegativen Bakterien wie E. coli getestet.

Bis 2050 über zehn Mio.Tote
Gramnegative Bakterienstämme können Infektionen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen und Infektionen der Blutbahn verursachen. Sie sind nur schwer zu behandeln, da die Zellwände der Bakterien verhindern, dass die Medikamente in die Mikrobe gelangen. Antibiotikaresistenzen sind in der EU jährlich bereits für 25.000 Todesfälle verantwortlich. Laut Schätzungen könnten bis 2050 mehr als zehn Mio. Menschen an den Folgen antibiotikaresistenter Infektionen sterben. In den vergangenen 50 Jahren gab es keine neue Behandlungsmöglichkeit gegen gramnegative Bakterien. Seit 2010 wurde kein Medikament in klinischen Studien getestet.

Das neue Medikament verfügt laut Forschungsleiter Jim Thomas über eine ganze Reihe von interessanten Möglichkeiten. Der Wirkstoff ist lumineszierend. Er leuchtet, wenn er mit Licht in Kontakt kommt. Das bedeutet, dass sich die Aufnahme und die Auswirkungen auf Bakterien mittels mikroskopischer Verfahren beobachten lassen. „Dieser Durchbruch könnte zu entscheidenden neuen Behandlungsmöglichkeiten führen“, so Thomas.

Verschiedene Wirkungsweisen
Die Untersuchungen zeigen, dass der Wirkstoff verschiedene Wirkungsweisen zu haben scheint. Damit wird das Entstehen einer Resistenz bei den Bakterien erschwert. In einem nächsten Schritt sind Tests gegen andere multiresistente Bakterien geplant. Die in „ACS Nano“ veröffentlichten Ergebnisse beschreiben, dass der neue Wirkstoff auch gegen einen multiresistenten Erreger wirksam ist, der jedes Jahr weltweit für Millionenen von antibiotikaresisteten Infektionen verantwortlich gemacht wird.

Neue Forschungsergebnisse zum Schmerz – Genetik macht’s möglich

(bro) Afrikanische Mulle sind gegen viele Schmerzen unempfindlich. Wie ein internationales Team um den MDC-Forscher Gary Lewin in „Science“ berichtet, eröffnen sich ihnen dadurch sogar neue Lebensräume. So lebt der Highveld-Mull dank eines mutierten Gens mit Ameisen zusammen, die von anderen Mullen gemieden werden.

Vor gut zehn Jahren wurden die Nacktmulle des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) quasi über Nacht berühmt. Zu verdanken hatten sie das Gary Lewin (Berlin) und Thomas Park (Chicago), die gemeinsam die seltsame Sinneswelt der Nacktmulle untersuchen. Lewin, Park und ihre Teams konnten zeigen, dass die aus Afrika stammenden Nager gegen Schmerzen erstaunlich resistent sind: Wie sie 2008 im Fachblatt „PLOS Biology“ berichteten, konnten weder Säure noch Capsaicin – die Substanz, die Chilischoten scharf macht – den unterirdisch lebenden Tieren etwas anhaben. Die Experimente stießen weltweit auf großes Interesse.

Für seine neueste in „Science“ veröffentlichte Studie haben sie sich mit Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika und Tansania zusammengetan, um die ungewöhnliche Schmerzresistenz der afrikanischen Nager weiter zu ergründen. „Die Erkenntnisse, die wir an den Tieren gewinnen, sollen unter anderem bei der Entwicklung neuer Schmerzmedikamente helfen“, erklärt der Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“.

In enger Zusammenarbeit mit einem weltweit führenden Experten für Mulle, Nigel Bennett von der Universität Pretoria in Südafrika, haben Lewin, Park und ihre Kolleginnen und Kollegen daher untersucht, wie der Nacktmull und acht weitere, mit ihm verwandte Arten auf drei Substanzen reagieren, die bei Menschen und anderen Säugetieren auf der Haut gewöhnlich für kurze Zeit einen brennenden Schmerz auslösen: verdünnte Salzsäure, Capsaicin und Allylisothiocyanat, kurz AITC. AITC verleiht dem vom Sushi-Essen bekannten Wasabi seine extreme Schärfe. Solchen und ähnlichen Substanzen sind die Mulle auch in der Natur ausgesetzt.

Nur der Highveld-Mull ist von der Wasabi-Schärfe unbeeindruckt

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die beiden Erstautoren der Studie, Ole Eigenbrod und Karlien Debus, in „Science“ schreiben, waren insgesamt drei Mullarten unempfindlich gegen Säure. Sie sind evolutionär nicht sehr eng miteinander verwandt. Zwei Spezies zeigten keinerlei Reaktion, wenn sie eine Lösung mit Capsaicin in die Pfote injiziert bekamen. „Die anderen hoben ihre Pfote kurz an oder leckten sie ab – was uns zeigte, dass die Tiere einen kurzzeitigen Schmerzreiz empfanden“, erläutert Lewin.

Nur eine einzige Mullart erwies sich als resistent gegen AITC. Und dabei handelte es sich nicht um den Nacktmull, sondern um den ebenfalls in unterirdischen Gängen lebenden Highveld-Mull – benannt nach der gleichnamigen Region im östlichen Südafrika, in der die Tiere ausschließlich vorkommen. „Diese Beobachtung war für uns äußerst spannend“, sagt Lewin. „Denn AITC kann im Körper Aminosäuren und somit auch ganze Proteine zerstören. Deswegen vermeiden es alle anderen Tierarten, die wir kennen, mit der Substanz in Kontakt zu kommen.“ Lediglich der Highveld-Mull zeigte sich von AITC in den Experimenten völlig unbeeindruckt.

Der Grund für die Schmerzresistenz sind veränderte Ionenkanäle

Um den molekularen Gründen für die ungewöhnliche Schmerzresistenz der Mulle auf die Spur zu kommen, isolierten die Forscherinnen und Forscher von allen neun untersuchten Arten sensorisches Gewebe aus dem Rückenmark sowie Spinalganglien. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Nervenzellkörpern, die Schmerzsignale an das Rückenmark weiterleiten. „Mithilfe moderner Sequenziertechniken haben wir dann in den Geweben die Aktivität von rund 7000 Genen miteinander verglichen“, berichtet Lewin.

Zunächst konnte das Team feststellen, dass bei den schmerzunempfindlichen Tieren insbesondere die Aktivität von zwei Genen verändert war, die den Bauplan für die Ionenkanäle TRPA1 und NaV1.7 enthalten. Von beiden Kanälen ist bekannt, dass sie an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind.

„AITC und viele andere ätzende Substanzen, die in Wurzeln, einem der Hauptnahrungsmittel von Mullen, vorkommen, aktivieren TRPA1“, sagt Lewin. Deshalb sei bei vielen Arten im Laufe der Evolution das Gen für diesen Kanal offenbar herunterreguliert worden. „Gänzlich stummgeschaltet ist der Wasabi-Kanal aber nur bei den Highveld-Mullen“, sagt der Forscher. Wie er und sein Team herausfanden, liegt das an einem besonders aktiven Gen für einen weiteren Kanal, den stets offen stehenden sogenannten Leckkanal NALCN. Auf diese veränderte Genexpression stieß die Forschungsgruppe ausschließlich bei den Highveld-Mullen.

Die Schmerzresistenz der Mulle ließ sich in Experimenten ausschalten

Besonders überrascht war Lewin jedoch von den Ergebnissen eines weiteren Experiments: „Wenn wir den NALCN-Kanal mit einem Wirkstoff blockierten, wurden die Highveld-Mulle auf einmal wieder empfindlich für AITC“, berichtet der Wissenschaftler. Und nur einen Tag nach der Gabe des Kanal-Antagonisten hätten sich die Tiere von AITC erneut unbeeindruckt gezeigt. „Offenbar hatten wir unter den Tausenden von untersuchten Genen das entscheidende für die besondere Schmerzresistenz der Highveld-Mulle gefunden“, sagt Lewin – was er persönlich für einen riesengroßen Glücksfall halte.

Daniel Hart, ein Doktorand, der mit Nigel Bennett zusammenarbeitet, fand zudem heraus, dass die Highveld-Mulle in ihren Höhlen oft mit Ameisen der Art Myrmicaria natalensis, auch Natal-Droptail-Ameisen genannt, zusammenleben. „Diese Insekten sind für ihre Aggressivität und ihr sehr ätzendes Gift bekannt“, sagt Lewin. Tatsächlich reagierten alle untersuchten Mullarten auf einen Cocktail des Ameisengiftes in ihrer Pfote mit einer kurzen Schmerzreaktion – nur nicht der Highveld-Mull. Blockierten die Forscherinnen und Forscher bei ihm jedoch den NALCN-Kanal, wurde auch er empfindlich für das Gift.

Das neue Wissen dient womöglich auch der Arzneimittelforschung

„Mithilfe eines besonders aktiven Gens für einen Ionenkanal konnte sich der Highveld-Mull im Laufe der Evolution ganz offensichtlich einen Lebensraum erobern, der von anderen Mullen gemieden wird“, schlussfolgert Lewin. Für ihn sei es ein besonders schönes Beispiel dafür, wie die Umwelt die langfristige Entwicklung von Tieren beeinflusse. Nutzen lassen könne sich das jetzt erworbene Wissen womöglich aber auch zur Entwicklung sehr wirksamer Analgetika, sagt der MDC-Forscher: „Das Hochexprimieren des NALCN-Kanals ist anscheinend ein sehr effektives Mittel, um Schmerzen zu stillen.“

01.06.2019 Rettung des Klimas durch Friday for Future ?

Glauben die Medien, die grünen Politiker, etliche Wissenschaftler und die vielen Bürger, inklusive der Kinder, mit ihrem „Friday for Future“ wirklich, dass wir aus Deutschland heraus die Klimaproblematik in den Griff bekommen und die Welt retten können?
Dieser eingeschränkte Tunnelblick verhindert, dass wir genauso dringende Probleme verdrängen, z.B. die Bevölkerungsexplosion, die zu erwartende Hegemonie Asiens, Industrie Abwanderung mit der daraus entstehenden Arbeitslosigkeit und Unruhen. Auch das hat mit der Zukunft unsere Kinder zu tun.
Folge 16. Mit Vernunft in die Zukunft, oder?

Besuche beim Augenarzt können Erblindung verhindern

(Stiftung Auge) – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Viele altersbedingte Augenerkrankungen können gut behandelt werden. Meist machen sie sich aber erst in einem späten Stadium bemerkbar, wenn ein Großteil der Sehkraft bereits unwiederbringlich verloren ist. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen.

In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung Auge fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden muss. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 29. Mai in Berlin erläutern Experten diese und weitere Forderungen zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen.

Verbreitet ist vor allem der Graue Star (Katarakt) – eine starke Trübung der Augenlinse, bei der die Betroffenen wie durch einen Nebelschleier sehen. Um das Sehvermögen wiederherzustellen, kann der Augenarzt eine Kunstlinse ins Auge einsetzen. Über 800.000 Augen werden jedes Jahr mit diesem ambulanten Eingriff behandelt. Schwerwiegendere Volkskrankheiten sind das Glaukom (Grüner Star) – eine Erkrankung des Sehnervs, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der die Zellen der Netzhaut absterben oder die diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge.

Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern, betont der Experte. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt.“ Wenn beim Glaukom Symptome auftreten, ist der Sehnerv meist schon irreparabel geschädigt; rechtzeitig erkannt lässt sich die Krankheit meist mit Tropfen behandeln. Die AMD behandeln Ärzte je nach Fall mit Spritzen in den Glaskörper oder Lasertherapie.

Seniorinnen und Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz.

Gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime ist der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde, was die Studie OVIS belegte. Der letzte Besuch beim Augenarzt lag hier durchschnittlich vier Jahre zurück, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hatten einen Grauen Star. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.
Sabrina Hartmann

Erblindung vermeiden: Stiftung Auge fordert sichere Begleitung für Bewohner von Seniorenheimen

(Stiftung Auge) – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen. Solch regelmäßige Augenarztbesuche bereiten jedoch insbesondere hochbetagten Heimbewohnern große Probleme.

In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben der Stiftung Auge zufolge rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden müssen. Diese Forderung ist Teil des aktuellen Maßnahmenkataloges zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen, den die Stiftung Auge heute in Berlin der Öffentlichkeit vorstellen wird.

Verbreitete Augenerkrankungen im Alter sind vor allem die Katarakt, das Glaukom, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) oder die Diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge. Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt“, betont Heinz.

Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz. Aber gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime, so habe die OVIS-Studie gezeigt, sei der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde. Der letzte Besuch beim Augenarzt habe hier durchschnittlich vier Jahre zurückgelegen, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hätten einen Grauen Star gehabt.

Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Prof. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.
Sabrina Hartmann