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12.08.20 Ich klage an: Die langfristige Grünen-Ideologie zur Rettung des Klimas mit Video ‚Bilder aus der Wissenschaft‘  als Beweis

Ich klage an !!!
Die Grünen-Ideologie raubt Deutschland auf lange Sicht den Statuts der Industrienation. Leider mit guten Willen, aber ohne weitsichtige Sachkenntnis was die Möglichkeiten der Überwindung des Klimawandels anbelangt.

Dass es anders geht, beweist Ihnen folgender Kommentar.

Vorab eine aufmunternde Sendung, die ich 1990 ausgestrahlt habe, also immerhin vor 30 Jahren.

Aber gönnen sie sich auch meinen nachdenklichen, etwas längeren Text, denn Facebook ist für mich keine Bild-Zeitung, bei der eigentlich nur die Überschriften gelesen werden.

Deutschland schafft seine Industrie ab. Das, was die ‚Grünen‘ als unbedingt notwendig für die Zukunft seit 30 Jahren propagieren, war sicherlich für den Umweltschutz außerordentlich wichtig und hoch verdienstvoll. Sie waren die Vorreiter für die Sauberkeit der vier mittelalterlichen Elemente: Luft, Wasser, Erde, Feuer

Zunächst zum Wasser: Mittlerweile sind sogar Lachse im Rhein gesichtet worden, wir können wieder in den Flüssen und Seen baden, das Grundwasser lässt sich noch preiswert zu Trinkwasser aufbereiten, wenn das nicht die starke Landwirtschafts-Lobby mit ihrer Gülle konterkariert hätte.

Die Luft ist erheblich sauberer geworden, manchmal sogar übertrieben, so dass Abmahnvereine ihren Reibach machen können.

Aber auch beim Boden haben die ‚Grünen‘ große Verdienste erworben. Sie kämpfen mit den Umweltverbänden für Artenvielfalt gegen Monokulturen und artgerechte Tierhaltung usw.

Insofern bin ich mit der Partei ‚Bündnis 90/Die Grünen‘ sehr einverstanden und habe sie auch bei der Gründung mit vielen Sendungen unterstützt, u. a. auch mit meinem von mir entwickelten Umweltmagazin ‚Dschungel – Leben und leben lassen‘. Gerade beim letzteren haben mich aber die ‚Grünen‘ fundamental enttäuscht. Ich weiß nicht, ob ich im publizistischem Mainstream als ‚Grünenhasser‘ angesehen werde, weil ich sie so oft kritisiere. Alle, die das glauben sollten wissen, dass ich den ‚Hass‘ aus meiner Existenz als menschliches Wesen gestrichen habe. Allein schon deshalb, weil psychologisch derjenige, der hasst, schlimmer dran ist als der, der behasst wird.

Das führt mich zum vierten Element, dem Feuer. Ich glaube, hier kann ich beweisen, dass die ‚Grünen‘ die naturwissenschaftliche Unkenntnis der Deutschen brutal populistisch zu ihren Zwecken ausgenutzt haben. Die meisten naturwissenschaftliche Fächer lassen sich ja sogar heute noch in Gymnasien und Gesamtschulen ohne Skrupel abwählen. Der Begriff ‚Energie‘ ist sehr abstrakt. Als ehemaliger Oberstudienrat weiß ich, dass den Schülern der zweite Hauptsatz der Wärmelehre mit seinem Entropie-Begriff sehr schwer nahe zu bringen ist. Eigentlich ist das inhaltlich nur eine Frage von Ordnung und Unordnung. So verstehen die meisten Bürger unter Energie, was sie unter ihrem Hintern fühlen. Das heißt, wenn sie einen Weg zu Fuß von A nach B, sagen wir einmal von Düsseldorf nach Köln, zurücklegen wollen, sie sehr viel Energie einsetzen müssen. Setzen sie sich aber ins Auto, bleibt ihnen das erspart. So ist es kein Wunder, dass von den meisten Menschen die ‚Bewegungsenergie‘ als solche verstanden.

Insofern war es den ‚Grünen‘ leicht, sich den Verkehr vorzuknöpfen, besonders den Verbrennungsmotor in unseren Autos. Natürlich wird dabei das für den Klimawandel unbestritten verantwortliche CO2-Gas in größerer Menge erzeugt. Aber das als Haupt-Verursacher des Klimawandels anzusehen, ist fahrlässig, wenn nicht zerstörerisch für die die gesamte Wirtschaftsnation Deutschland. Weil man das den Bürgern so eingebläut hat, glauben sie, das Elektroauto sei die Lösung. Aber nicht nur meiner Meinung nach ist es viel schädlicher als ein modern optimierter Verbrennungsmotor in Kombination mit der Elektromobilität.

Dass diese Verbotsideologie garantiert nicht zur Rettung des Klimas führt, beweist die Tatsache, dass unser privater Automobilsektor höchstens mit 6 bis 8 % am CO2-Ausstoß Deutschlands beteiligt ist. Nachdem diese grüne Ideologie schon fast alle Industriezweige aus Deutschland vertrieben hat, geht es jetzt auch der einzigen in der Welt noch führenden Automobilindustrie ans Leder. Über eine Million Arbeitsplätze gehen verloren, weil die Investitionen in das reine Elektroauto mindestens eine Billion Euro notwendig macht. Viel besser wäre es gewesen, die vorhandenen Industrien und ihre Umwelteinflüsse zu optimieren. Aber da scheitern diese quere Ideologien, denn davon haben sie keine Ahnung.

Das begriff ich bereits Anfang der 90er Jahre. Deshalb habe ich meine Redakteursmacht nicht nur beim WDR, sondern in der ARD brutal ausgenutzt, um ein Konzept im TV zur Sprache zu bringen entwickeln, welches die derzeit existierende Verbotsideologie überflüssig gemacht hätte, wäre man darauf eingegangen. Gegen großen Widerstand der ARD-Oberen ist es mir 1991 gelungen, eine früher niemals vorhandene Serie der berühmten ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ mit zwei Sendungen durchzusetzen, die sich der Hauptursache des Klimawandels entgegenstemmen sollte. Trotz großer Einschaltquote fand sie wenig Resonanz bei den ‚Grünen‘ und leider auch den Architekten, das sei alles viel zu teuer. Inhaltlich ging es da um die Verschwendung von Energie im Gebäudesektor durch Wärmen oder Kühlen. Mir war klar, dass 50% des CO2-Aufkommens in unseren Häusern, Bürogebäuden oder Fabrikhallen als Hauptverursacher verantwortlich war. Diese Logik ist offenbar den ‚Grünen‘ nicht bewusst geworden. Wenn man etwas verbessern will, muss man sich zunächst den Hauptverursacher vorknöpfen. Das Wärme physikalisch enorm energiehungrig ist, war offenbar den ‚Grünen‘ nicht attraktiv genug, um mehr Wähler für ihre Partei zu gewinnen. Wer weiß das schon?

Schauen Sie sich bitte meine erste Folge der ‚Bilder aus der Wissenschaft – Der Sonne eine Chance‘ dazu an. In der führe ich den Beweis, dass man schon damals, 1990, den Ausstoß von Milliarden von Tonnen von Kohlendioxid hätte einsparen können. Wenn diese Ratschläge befolgt worden wären, hätte mach sich den Wunsch nach Abschaffen des Verbrennungsmotors ersparen und mit Leichtigkeit die heute m. E. notwendigen Grenzwerte des CO2-Ausstoßes erreichen können, ohne die vielen Gesetze, die den Bürger in seiner Freiheit einengen.

Die erst Folge musste ich in maximal 10-Minuten-Abschnitten aufteilen, aber der erste Abschnitt ist schon bezeichnend. Die weiteren Abschnitte werde ich nachreichen, sofern ich eine ausreichende Resonanz finde. Jedenfalls klage ich die ‚Grünen‘ an, die Nebenwirkungen ihrer Ideologie aus populistischen Gründen verdrängt zu haben und so wichtige Initiativen wie ‚Fryday for Future‘ in ihrem Traumdenken zu unterstützen, um sie als Wähler zu gewinnen und jetzt sogar noch das Wahlalter auf 16 Jahre reduzieren zu wollen.

Alles das hat nicht nur unserer Wirtschaft extrem geschadet, was kaum bemerkt wurde, weil sich solche Entwicklungen erst in 10 bis 20 Jahren auswirken. Der Wahlerfolg ist ihnen nicht abzusprechen, aber daran ist auch eine Radikalisierung und Übertreibung des Umweltbewusstseins erheblich beteiligt. Ob wir jemals die Geister, die da gerufen worden sind, wieder loswerden, ist die Frage. Aber das scheint den ‚Grünen‘ Schnuppe zu sein, denn Sachverständnis ist nicht ihre Stärke. Die Folge ist, das fast keine Partei heute ohne sie regieren kann. Aber die Parteiideologen, die das verbrochen haben, jemals zur Verantwortung gezogen werden können, ist fraglich. Denn die haben sich schon lange aus der Politik verabschiedet und zum Teil hoch dotierte Posten an anderer Stelle angenommen. Da kann leider nur noch die geschichtliche Verantwortung in 50 Jahren den Beweis führen.

Ich bin sicher, dass jetzt die Corona-Pandemie für fast alles vorgeschoben wird, um sich reinzuwaschen, wenn das einmal dem Deutschen Volk bewusst wird. Natürlich werden sie abstreiten, dass sie als Totengräber am Untergang der deutschen Industrienation beteiligt sind. Wir haben den Chinesen so viel Know How geliefert, dass sie mittlerweile die Weltökonomie mit ihrer freiheitsraubenden kommunistischen Ideologie beherrschen können. Vielleicht hat es sich noch nicht herumgesprochen, dass wir der deutschen Industrie und der Kreativität ihrer Mitarbeiter den Aufschwung und den überbordenden Wohlstand verdanken. Die Zukunft sieht düster aus – gute Nacht Deutschland, das sagt Ihnen ein früher überzeugter Optimist. Aber wir haben es uns selbst eingebrockt.

Ihr Jean Pütz

Versprochen und gebrochen: Die düstere Handelsbilanz von Donald Trump

(Handelsblatt) – Mit seinen Handelsattacken hat Trump der US-Wirtschaft großen Schaden zugefügt. Selbst wenn er abgewählt wird, ist keine schnelle Wende zu erwarten.

Washington An diesem Donnerstag kehrt Donald Trump zu den Wurzeln seines Handelskriegs zurück: Er besucht eine Waschmaschinenfabrik des US-Herstellers Whirlpool in Ohio. Der Bundesstaat ist schwer von der Corona-Pandemie betroffen, doch über das Virus dürfte der US-Präsident nur am Rande sprechen. Vielmehr will er die Botschaft setzen, dass er weiter für amerikanische Marken und Arbeiter kämpft – und deshalb im November wiedergewählt werden müsse.

Whirlpool war eine der Firmen, die sich nach Trumps Amtsantritt für höhere Einfuhrzölle starkmachten, 2018 traten Strafzölle auf ausländische Waschmaschinen in Kraft. Es sollte nur die erste Runde im Handelskrieg sein. Trump zog eine Barriere nach der nächsten hoch, gegen Stahl und Aluminium, Backöfen, Laptops, Spielzeug, Textilien. Allein auf chinesischen Importen lasten Zölle in Höhe von 360 Milliarden US-Dollar.

Die Trump-Regierung betonte stets, die nationale Sicherheit der USA sei bedroht, wenn Handelspartner den Markt mit günstigen Produkten schwemmen und die Existenz von US-Firmen gefährden. Viele Experten halten dieses Argument für vorgeschoben, damit Trump Befugnisse des Kongresses umgehen und frei im Handelsrecht agieren konnte. Doch unabhängig vom Wahlausgang am 3. November steht jetzt schon fest, dass die US-Handelspolitik wohl nie wieder zum Status vor Trumps Präsidentschaft zurückkehren wird.

Die Handelskonflikte mit China und der Europäischen Union sind von einer Lösung weit entfernt. Und auch Trumps Herausforderer, der Demokrat Joe Biden, schlägt in seinem Programm protektionistische Töne an. „Zu lange hat das globale Handelssystem seine Versprechen an amerikanische Arbeiter nicht eingehalten“, heißt es darin. „Zu viele Unternehmen haben Arbeitsplätze ausgelagert, zu viele Länder haben ihre Versprechen gebrochen, ehrliche und transparente Partner zu sein.“

Einen zentralen Aspekt von Trumps „America first“-Kurs kann man dabei als gescheitert betrachten: „Handelskriege sind leicht zu gewinnen“, behauptete der Präsident. Doch am Ende seiner ersten Amtszeit ist davon nicht viel übrig geblieben: Der groß angekündigte Pakt mit China liegt ebenso auf Eis wie das angestrebte Industriezollabkommen mit der EU.

Washington hatte sich mit Peking Anfang des Jahres auf höhere Agrarimporte geeinigt, doch inmitten der Corona-Pandemie hat China Schwierigkeiten damit, das Versprechen einzulösen. Und an eine „Phase zwei“ des Abkommens glaubt Trump laut eigener Aussage selbst nicht mehr. Der Handelspakt mit der EU ging nie über Vorgespräche hinaus. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit hatte sich Trump zudem aus der Transpazifischen Partnerschaft (TPP) zurückgezogen, die verbliebenen Partner machten allein weiter.

Einzig das nordamerikanische Abkommen Nafta wurde neu verhandelt, am 1. Juli trat USMCA in Kraft. Doch ob das als Erfolgsbotschaft im Wahljahr genügt, ist zweifelhaft. Die Strafzölle gegen China kosten US-Unternehmen und Verbrauchern jährlich rund 57 Milliarden US-Dollar, etwa durch höhere Preise und Materialkosten, errechnete der Verband American Action Forum.

Die Handelsbarrieren belasten besonders Regionen, in denen Trump auf Stimmen angewiesen ist: In sieben der wichtigsten Swing-Staaten, also Florida, Iowa, Michigan, Minnesota, Ohio, Pennsylvania und Wisconsin, kosten die Strafzölle die Bürger fast acht Milliarden US-Dollar, kritisiert der Verband Tariffs hurt the Heartland. Eigentlich sollten die Strafzölle nur kurzzeitig in Kraft bleiben, als Hebel für Zugeständnisse, hatte Trump versprochen. Doch inzwischen sind sie fester Bestandteil der US-Handelspolitik.

Die Pandemie verschärft die Lage
Laut Robert E. Scott, Ökonom am Washingtoner Economic Policy Institute, haben die Zölle nichts verbessert. „Insgesamt haben die USA seit 1997 fast fünf Millionen Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren. Darunter fast 1800 Fabriken, die zwischen 2016 und 2018 unter Trump verschwunden sind“, schrieb er in einem Gastbeitrag für das Portal „The Hill“. 2019 schloss der US-Konzern General Motors etwa seine Montagewerke in Ohio, Michigan und Maryland.

Das sei nicht allein Trumps Schuld, betont der Ökonom – doch seine Politik habe es nicht vermocht, Langfristtrends zu stoppen. Zarte Zuwächse im verarbeitenden Gewerbe seien schließlich durch die Corona-Pandemie zunichtegemacht worden, „mit allein 1,2 Millionen verlorenen Jobs in der Fertigung“.

Auch die Außenhandelsbilanz fällt durchwachsen aus. Versprochen hatte Trump mehr Exporte und weniger Importe. Und tatsächlich schrumpfte das US-Handelsbilanzdefizit im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit 2013 und sank auf knapp 617 Milliarden US-Dollar. Doch die Kluft zwischen Exporten und Importen ist immer noch größer als bei Trumps Amtsantritt, als sie rund 500 Milliarden US-Dollar betrug.

Im Juni erholte sich das Handelsdefizit der USA leicht, wie am Mittwoch veröffentlichte Zahlen zeigen. So verringerte sich die Lücke zwischen Importen und Exporten von 54,8 Milliarden US-Dollar im Mai auf 50,7 Milliarden US-Dollar im Juni. Sowohl Importe als auch Exporte liegen wegen der Pandemie jedoch weit unter dem Vorjahresniveau.

Mit Beginn der Pandemie brach zudem die weltweite Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen ein. „Die US-amerikanische Nachfrage steht vor einem langen und riskanten Weg zur Erholung. Der Handel wird voraussichtlich einer der am stärksten betroffenen Sektoren sein“, schreiben die Analysten James Watson und Gregory Daco von Oxford Economics. „Es kann weit bis ins Jahr 2022 hinein dauern, bevor sich der US-Handel wieder auf das Niveau von 2019 erholt.“

Neue Runde im Streit mit Europa?
Zumindest für Europa wird vom Ausgang der US-Wahlen abhängen, unter welchen Bedingungen Handelsgespräche wiederbelebt werden können. Trump hat seine Drohung von Autozöllen gegen Europa nie zurückgenommen. Und im Fall einer europäischen Steuer für amerikanische Tech-Konzerne wie Amazon, Facebook und Google drohen die USA mit Vergeltungszöllen auf Wein, Käse oder Handtaschen.

Mit bis zu 100 Prozent sollen französische Waren belastet werden, die Zölle sollen einen Gesamtwert von 2,4 Milliarden US-Dollar haben. Trumps Ex-Sicherheitsberater John Bolton sieht in einer Digitalsteuer das Potenzial für einen Dauerkonflikt. „Ich sehe nicht, dass die EU hier sonderlich auf die USA zugeht. Darüber muss man ernsthaft verhandeln“, sagte er im Handelsblatt-Interview.

Sowohl Republikaner als auch Demokraten arbeiten seit Langem an einem besseren Zugang zum europäischen Agrarmarkt für US-Firmen. Ein neuer Vorstoß nach den Präsidentschaftswahlen ist deshalb wahrscheinlich. Vergangene Woche schrieben 61 Senatoren aus beiden Parteien einen Brandbrief an die US-Regierung. Darin drängten sie darauf, dass amerikanische Waren in Europa unter Bezeichnungen wie Feta, Parmesan oder Chateau verkauft werden dürfen. In der EU sind diese Begriffe an die Region der Herstellung geknüpft.

„Europa schränkt den Wettbewerb für hochwertige Lebensmittel massiv ein“, warnte der Bundesverband der US-Milchproduzenten. Amerikanische Landwirte gehören zu den größten Exporteuren der USA, doch sie leiden enorm unter chinesischen Vergeltungszöllen auf Soja, Ginseng oder Schweinefleisch. Bleiben die Zölle auf Dauer in Kraft, erscheint es aus der Sicht der US-Agrarlobby nur logisch, den Druck auf Europa zu erhöhen.

Demokraten bleiben eher vage
Biden hat bereits klargemacht, dass er die Strafzölle gegen China nicht sofort nach einem möglichen Amtsantritt aufheben würde. Überhaupt will er erst 400 Milliarden US-Dollar in den Kauf von inländisch produzierten Waren investieren, bevor er neue globale Handelsabkommen abschließt. So hält Biden eine Rückkehr ins TPP-Bündnis, das er unter der Präsidentschaft von Barack Obama mit ausgehandelt hatte, offen. „Die Covid-19-Pandemie hat das Risiko aufgezeigt, sich zu stark auf globale Lieferketten zu verlassen“, steht im Wahlprogramm der Demokraten.

Der Handelsexperte William Reinsch von der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies stellt Biden ein mangelhaftes Zeugnis aus. „Kurz gesagt, hier gibt es keine politische Vision“, schreibt er. Die Demokraten blieben sowohl bei Strafzöllen als auch über Handelsabkommen und eine WTO Reform im Vagen.

Allerdings gäbe es einen großen Vorteil zu Trump: Biden wolle mit Verbündeten wie Europa zusammenarbeiten, um eine gemeinsame Front gegen China aufzubauen, während Trump seine Partner verprellte. „Einer der wichtigsten Unterschiede zwischen Trump und Biden ist, dass der Erstere ein Unilateralist und der Letztere ein Multilateralist ist.“

 

Der schwedische Umgang mit der Corona-Krise

(ntv) – Der schwedische Umgang mit der Corona-Krise kann nicht verhindern, dass die Konjunktur einbricht. Allerdings fällt der Rückschlag weniger heftig aus als etwa in Deutschland.

Trotz der vergleichsweise lockeren Corona-Maßnahmen in Schweden ist die Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes im zweiten Quartal so stark eingebrochen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des EU-Landes schrumpfte im zweiten Quartal 2020 im Vergleich zum Vorquartal um 8,6 Prozent, wie die schwedische Statistikbehörde in einer vorläufigen Schätzung mitteilte. Der Rückgang liegt unter den 10,1 Prozent, um die die deutsche Wirtschaft nach einer ersten Schätzung schrumpfte. Andere EU-Mitgliedstaaten wie Spanien und Italien hatten noch größere Einbrüche zu verkraften.

Als Hauptgründe für den starken Rückgang führten die schwedischen Statistiker den sinkenden Export und ebenso geringeren Konsum der Privathaushalte im Corona-Quartal an. Es handele sich um den größten Konjunktureinbruch in einem einzelnen Quartal seit mindestens 40 Jahren – seit 1980 lassen sich die entsprechenden Statistiken in Schweden vergleichen. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal betrug der Rückgang 8,2 Prozent. Im ersten Quartal 2020 hatte der BIP-Rückgang zum Vorquartal bei lediglich 0,3 Prozent gelegen.

Schweden war in der Corona-Krise einen Sonderweg gegangen und hatte das öffentliche Leben nicht so stark beschränkt wie etwa Deutschland oder der Rest Skandinaviens. Geschäfte blieben ebenso offen wie Restaurants, Bars und Schulen. Dennoch wurden auch in Schweden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus eingeführt, etwa ein Verbot von Versammlungen mit mehr als 50 Teilnehmern sowie ein Besuchsverbot für Pflegeheime.

Die Schweden haben trotz insgesamt sinkender Todes- und Infektionszahlen noch vergleichsweise hohe Corona-Werte zu verkraften. Nach Angaben der Johns Hopkins University starben in den USA 47,5 Menschen pro 100.000 Einwohner, in Brasilien 45. In Großbritannien liegt dieser Wert bei 70, in Italien bei 58 und in Schweden bei 56 – in Deutschland bei 11. Die Webseite der Hopkins University wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

 

Objektive Stellungnahme der renomierten Deutschen Leopoldina-Akademie zum Thema Corona

(Leopoldina) – Die Coronavirus-Pandemie und die Maßnahmen zur Eindämmung des Infektionsgeschehens haben dazu geführt, dass viele Kitas und Schulen ihrem Bildungsauftrag zeitweilig gar nicht oder nur sehr eingeschränkt nachkommen konnten. Eine verlässliche technische und organisatorische Infrastruktur, die eine vollständige Schließung von Bildungseinrichtungen auffangen könnte, ist in Deutschland noch nicht vorhanden. Kinder und Jugendliche, deren Familien und pädagogische Fachkräfte sind deswegen in besonderem Maße von der aktuellen Krise betroffen. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina zeigt in ihrer heute veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie: Für ein krisenresistentes Bildungssystem“ Maßnahmen auf, die geeignet sind, das bestehende Bildungssystem unter Krisenbedingungen widerstandsfähiger und flexibler zu machen. Die Stellungnahme richtet sich an die verantwortlichen Akteurinnen und Akteure des Bildungswesens, also Ministerien, Landesinstitute, Bildungsträger sowie Kitas und Schulen.

Vorrangiges Ziel sei es, den Zugang zu Bildungseinrichtungen so lange wie möglich aufrechtzuerhalten, so die Stellungnahme. Solange es jedoch weder einen Impfstoff noch breit zur Verfügung stehende Therapien gibt, müsse in den Bildungseinrichtungen das Infektionsrisiko reduziert werden. Abhängig vom lokalen Infektionsgeschehen seien in den kommenden Monaten erneut partielle Schließungen möglich. Deswegen empfehlen die Expertinnen und Experten auch Investitionen in ein zukunftsfähiges digitales System von Fernunterricht als Ergänzung der Präsenzlehre.

Die Autorinnen und Autoren der Ad-hoc-Stellungnahme aus den Fachgebieten Erziehungswissenschaften, Bildungsforschung, Fachdidaktik, Psychologie, Ökonomie, Soziologie, Theologie, Virologie und Medizin benennen Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern:

  1. Aufrechterhaltung des Zugangs zu Bildungseinrichtungen: Empfohlen werden Hygiene- und Infektionsschutzmaßnahmen, systematische Tests auf das Coronavirus und die Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse von Risikogruppen unter den Kindern und dem pädagogischen Personal sowie unter den Angehörigen beider Gruppen. Um die vollständige Schließung einzelner Bildungseinrichtungen zu vermeiden, sollten überall, wo dies sinnvoll ist, feste Kontaktgruppen (zum Beispiel Klassen) eingerichtet werden, die zueinander möglichst wenige Berührungspunkte haben. Ziel ist es, den persönlichen Kontakt der Kinder und Jugendlichen einer Kontaktgruppe untereinander und zu den Pädagoginnen und Pädagogen so lange wie möglich zu gewährleisten.
  2. Entwicklung von Konzepten zur Verzahnung von Präsenz- und Distanzlernen: Lernen und Bildung zu ermöglichen, ist die zentrale Kompetenz pädagogischer Fachkräfte, auch in Zeiten des Distanzlernens. Eltern können hier lediglich unterstützen. Bund und Länder sollten nach Möglichkeit eine länderübergreifende Lösung für digitale und datenschutzrechtlich geprüfte Lernplattformen erarbeiten. Zudem empfiehlt die Stellungnahme länderübergreifende Rahmenregelungen, zum Beispiel für Prüfungen in Phasen des Distanzlernens. Die pädagogischen Fachkräfte sollen über die Plattformen qualitätsgesicherte Materialien und Inhalte teilen und mit den Kindern, Jugendlichen und deren Eltern in Phasen des Distanzlernens in Interaktion treten können.
  3. Bereitstellung einer geeigneten, sicheren und datenschutzkonformen digitalen
    Infrastruktur: Erste finanzielle Voraussetzungen wurden durch den „DigitalPakt Schule“ geschaffen. Die technische Ausstattung, Unterstützung, Wartung, Instandsetzung und Entwicklung von Bildungsmedien sollten durch einen länderübergreifenden Beirat unterstützt werden, in dem Fachleute aus der Bildungsadministration, der Bildungspraxis, der Bildungsforschung und dem Informations- und Wissensmanagement vertreten sind.
  4. Unterstützung pädagogischer Fach- und Lehrkräfte beim professionellen Einsatz digitaler Medien: Notwendig sind Unterstützung im Hinblick auf die digitale Infrastruktur und technische Ausstattung, die Bereitstellung geeigneter digitaler Lehrmittel und Materialien sowie Fortbildungsangebote.
  5. Stärkung der Kooperation und Kommunikation mit Eltern und Familien: Die Expertinnen und Experten empfehlen unter anderem regelmäßige (Video-)Sprechstunden, Coachingangebote für Eltern sowie Materialien für altersgemäße Förderangebote.
  6. Förderung von Kindern und Jugendlichen mit Lern- und Leistungsrückständen: Als Schwerpunkt wird die Förderung von mathematischen und sprachlichen Vorläufer- bzw. Basiskompetenzen empfohlen, die für das weitere Lernen grundlegend sind.
  7. Stärkung der Wissens- und Informationsbasis: Forschung und Evaluation tragen dazu bei, Auswirkungen der Kita- und Schulschließungen und die Wirksamkeit der neu eingeführten Lehr- und Lernmethoden wissenschaftlich zu bewerten und aktuell dem Bedarf anzupassen.

Für die empfohlenen Schritte werden zusätzliche Ressourcen benötigt, so die Expertinnen und Experten. In den umfangreichen Maßnahmen zur Bewältigung der Folgen der Coronavirus-Pandemie waren bislang vergleichsweise geringe Investitionen in Bildung und die zukünftigen Chancen der jetzt betroffenen Generation enthalten.

Mit dieser Stellungnahme legt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina die fünfte Ad-hoc-Stellungnahme zur Coronavirus-Pandemie in Deutschland vor. Sie beruht auf dem Forschungsstand der beteiligten Wissenschaftsdisziplinen. Entscheidungen im Bereich Erziehung und Bildung zu treffen und dabei die Perspektiven der Stakeholder zu berücksichtigen, ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik und der zuständigen Institutionen.

Die ersten vier veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahmen haben sich mit akuten gesundheitspolitischen Maßnahmen im Umgang mit der Pandemie, mit den psychologischen, sozialen, rechtlichen, pädagogischen und wirtschaftlichen Maßnahmen, die zu einer schrittweisen Rückkehr in die gesellschaftliche Normalität beitragen können sowie mit Maßnahmen für ein resilientes und anpassungsfähiges Gesundheitssystem beschäftigt.

Coronakrise: Deutsche erwarten zweiten Lockdown – und schwere Schäden für Wirtschaft

(Spiegel) – Im öffentlichen Leben ist längst eingekehrt, was dem Begriff „Normalität“ relativ nahe kommt. Sicher, ohne Maske geht fast niemand aus dem Haus, und durchtanzte Klubnächte oder Rockfestivals bleiben vorerst ferne Sehnsüchte. Aber ansonsten sind die Einkaufsstraßen gut gefüllt, die Strände sowieso, Menschen sitzen in Restaurants. Besuche beim Friseur und im Fitnessstudio gehören wieder zur Routine. In den ersten Bundesländern beginnt das neue Schuljahr mit Unterricht für alle in fast vollem Umfang. Das Leben in Deutschland Anfang August 2020 fühlt sich sehr viel freier an als noch im April.

Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Deutschland glaubt allerdings nicht, dass es so bleiben wird. Sie rechnet mit einem erneuten Lockdown – und mit erheblichem Schaden für die deutsche Wirtschaft, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des SPIEGEL unter rund 5000 Menschen in Deutschland zeigt.

Mehr als vier von fünf Befragten – 82 Prozent – erwarten noch für dieses Jahr eine erneute Verschärfung der Corona-Schutzmaßnahmen. Mit 32 Prozent geht etwa ein Drittel sogar „auf jeden Fall“ davon aus, weitere 50 Prozent rechnen „eher“ damit. Nur etwas mehr als jede zehnte befragte Person geht nicht von neuerlichen Beschränkungen aus.

Es liegt nahe, dass die jüngsten Nachrichten zu diesem sehr eindeutigen Meinungsbild beigetragen haben. Seit einigen Wochen liegt die Zahl der Neuinfektionen wieder deutlich über dem Niveau des Juni, das Robert Koch-Institut sprach in diesem Zusammenhang von „großer Sorge“. Meldungen über Ausbrüche in Urlaubsgebieten dürften die Furcht davor gemehrt haben, dass Reiserückkehrer die Ausbreitung des Coronavirus wieder anfachen könnten. Hinzu kommen die bevorstehenden Schulöffnungen, die nachlassende Umsicht vieler Menschen im Alltag – und die Bilder von Tausenden dicht gedrängten Protestierenden bei den Anti-Corona-Demos.

Weniger naheliegend ist allerdings: Wer mit einem neuen Lockdown rechnet, erwartet häufig sogar noch strengere Maßnahmen als im Frühjahr. Das gab eine relative Mehrheit von 42 Prozent derer an, die allgemein mit neuen Beschränkungen rechnen. 27 Prozent aus dieser Gruppe glauben, dass der zweite Lockdown so sein wird wie der erste – also mit geschlossenen Geschäften, Restaurants und recht strikten Kontaktbeschränkungen. Weitere 30 Prozent rechnen hingegen mit lockereren Beschränkungen als im Frühjahr.

Dass so viele Deutsche einen so harten zweiten Lockdown erwarten, ist angesichts der Einschätzung von Fachleuten überraschend. So verweisen etwa der Virologe Christian Drosten und der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach auf die Erfahrungen, die bislang gesammelt wurden und die es ermöglichen, künftig gezieltere und damit weniger drastische, flächendeckende Maßnahmen zu ergreifen.

Für die erwartete Härte des zweiten Lockdowns spielt das Alter eine wichtige Rolle. Bei den Befragten unter 40 Jahren überwiegen deutlich diejenigen, die mit lockereren Maßnahmen rechnen, bei den über 40-Jährigen rechnet eine Mehrheit mit strengeren Beschränkungen. Dabei gilt durchgehend: Je älter die Befragten, desto höher ist der Anteil derer, die einen strengeren zweiten Lockdown erwarten.

Wie sich Verschwörungstheorien immer mehr verbreiten und zur Gefahr werden

(NDR) – Bei Telegram treffen verunsicherte Menschen auf Verschwörungstheoretiker, Weltuntergangspropheten und Rechtsextreme. Viele radikalisierten sich in der Corona-Krise – das zeigt eine Analyse von NDR und SZ.

Bettina Bauernfeind ist Diplom-Betriebswirtin, sie ernährt sich vegetarisch, macht viel Sport und hat bei der letzten Wahl die Grünen gewählt. Es scheint so, als stehe die Frau aus Bad Segeberg mitten im Leben. Auf die Maskenpflicht in Corona-Zeiten darf man sie allerdings nicht ansprechen. Das sei ein Instrument der Unterdrückung, sagt sie empört: „Jetzt sind wir alle kurz vor dem Untergang. Ich sage, dass der Plan ist, sieben Milliarden Menschen zu ermorden.“ Dahinter steckten „Bill Gates und seine Kumpanen“, und wenn es Gates nicht gelinge, alle umzubringen, so sollten sie doch zumindest dahinvegetieren.

Um zu verstehen, was mit Bauernfeind passiert ist, muss man in jene digitale Welt eintauchen, in der sie sich in den vergangenen Monaten oft aufgehalten hat: im Messengerdienst Telegram, einer App, die sich jeder kostenlos auf sein Smartphone laden kann. Der NDR und die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) haben wochenlang mehr als tausend Gruppen und Kanäle bei Telegram beobachtet, die sich deutschlandweit seit Anfang März gebildet hatten.

Aus Verunsicherung wurde Wut
Erst ging es oft schlicht darum, sich zu Demos zu verabreden. Aber Unverständnis und Verunsicherung wurden zu Empörung und dann zu Wut. Die Stimmung kippte, und mittlerweile haben in den Gruppen diejenigen das Sagen, die diesen Staat und die Ordnung des Grundgesetzes ablehnen, ja verachten.

Menschen wie Bauernfeind trafen bei Telegram auf Rechtsextreme, Weltuntergangspropheten und Verschwörungsmystiker, was bei ihr und den anderen offenbar Spuren hinterließ. Sie selbst sei zunächst bei Facebook gewesen: „Dann wurde Facebook immer mehr zensiert. Da hieß es, Telegram ist eine Alternative – und dann zack alle rüber zu Telegram.“

Kein Widerspruch, keine Faktenchecks
Von den insgesamt mehr als 100.000 Menschen, die in den von „SZ und NDR analysierten Corona-Gruppen schreiben, waren zwei Drittel zuvor nicht bei Telegram, und viele hatten von den dort kursierenden kruden Theorien wohl noch nie etwas gehört. Gut jeder Fünfte dieser Telegram-Neulinge wechselte im Laufe der Monate in andere Gruppen und schreibt seither dort weiter. Darunter sind solche, in denen es nur um Verschwörungsmythen geht, aber auch klar rechtsextreme Gruppen. Im schlimmsten Fall landen Nutzer dort, wo mittlerweile auch dazu aufgerufen wird, sich zu bewaffnen.

Der Politikwissenschaftler Josef Holnburger hat diese Telegram-Daten systematisch gesammelt und beiden Medien zur Verfügung gestellt. Er sieht kritisch, dass bei dem Messengerdienst niemand mit widersprechenden Meinungen konfrontiert werde und dass Behauptungen nicht überprüft würden, wie es beispielsweise Facebook und Twitter inzwischen tun. Es gebe bei Telegram lediglich „eine Berieselung mit Verschwörungserzählungen“, sagt Holnburger. „Deshalb stellen wir dort eine starke Radikalisierung fest, die wir so auf anderen Kanälen noch nicht gesehen haben.“

Ohnmachtsgefühle erhöhen Glaube an krude Theorien
„Telegram hat eine besondere Funktion“, sagt die Mainzer Sozialpsychologin Pia Lamberty, die sich seit Jahren mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Wenn solche Mythen in einem Messengerdienst zwischen Nachrichten vom Partner oder der Familie auftauchten, dann wirkten sie viel überzeugender – noch dazu in dieser Zeit der Corona-Pandemie.

„Aus der Forschung wissen wir, dass in Situationen, die einen Kontrollverlust und Ohnmachtsgefühle hervorrufen, Menschen stärker an Verschwörungen glauben“, sagt Lamberty. „Dass sie versuchen, lose Enden zu Mustern zu verbinden, um eben diesen Kontrollverlust zu kompensieren.“

Einen solchen Kontrollverlust erfährt auch die Segebergerin Bauernfeind – jeden Tag. „Wenn ich auf die Straße gehe, sehe ich nur Maskenträger. Das sind Seelenlose.“ Es fühle sich für sie an wie ein „Planet der Zombies“. Erkannt hätten das aber nur Menschen wie sie, die offen darüber sprechen – in den Gruppen des Messengerdienstes Telegram.

02.08.20 Corona Verweigerer Demonstrationen und Euthanasie in Berlin

Corona-Verweigerer betreiben eine Art Euthanasie (unwertes Leben)

Schauen und hören Sie sich meinen Beitrag zu diesem Thema an.

Wie kommt es dass so viele Bürger sich von den Rechtsparteien und extremen Faschisten verführen lassen. Hat das deutsche Bildungssystem versagt? Der Kölner Humor spricht in diesem Fall davon sie hätten nur eine Baumschule besucht.

Das Faschisten den Staat dadurch verunglimpfen indem sie ihn lächerlich machen, das ist nichts Neues. Aber warum geht dann der Staat mit solchen Verweigerern so mild um, 17.000 sogenannte Protestierer hatten keine Masken an und pfeifen auf die Abstandsvorschriften ganz bewusst.

Der “Marsch” für die Freiheit führt in extreme Unfreiheit und zerstört unsere noch existierende Demokratie.

Das bekannte Sprichwort: “Was nicht sein darf das nicht sein kann” darf nicht raumgreifend werden. Klicken Sie bitte auch auf meinen folgenden Beiträge, die sich bereits mit viel Resonanz diesem Thema gewidmet haben.

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Folge 129. Der Vernunft eine Chance

Gefahr eines zweiten Corona – Lockdowns

(Handelsblatt) – Mit der Ferienzeit geraten Corona-Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Doch damit kehrt Deutschland nicht zur Normalität zurück.

Deutschland hatte sich in der ersten Welle der Corona-Pandemie den Ruf einer vorbildlich pflichtbewussten Bürgerschaft erarbeitet. Neue Hygieneregeln wurden von den meisten Menschen ebenso akzeptiert wie die strengen Abstandsvorschriften und die Einführung der Maskenpflicht.

Mit der Ferienzeit geraten diese Sicherheitsregeln mehr und mehr in Vergessenheit. Nach den Bildern von überfüllten Stränden an Ost- und Nordsee und ausgelassen feiernden Menschen auf Mallorca war es nur eine Frage der Zeit, bis die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland wieder in kritische Regionen vordringt. Zuletzt hat die neue Sorglosigkeit für rund 800 Neuinfektionen am Tag gesorgt.

Die Zahl ist noch weit entfernt von den Höchstständen während des Lockdown, aber der Trend ist beunruhigend. Seit ein paar Wochen gehen die Werte kontinuierlich nach oben. Nach Ansicht des Robert Koch-Instituts ist diese Entwicklung „sehr beunruhigend“.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht sogar davon, dass „die zweite Welle schon da ist“. Die Einschätzung wirkt übertrieben, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass Deutschland nicht zur Normalität zurückkehrt, sondern leichtsinnig den nächsten Lockdown provoziert.

Umso erstaunlicher ist die zögerliche Haltung der Politik. Der Beschluss von Bund und Ländern, dass sich Rückkehrer aus Risikogebieten unentgeltlich testen lassen können, ist richtig, er reicht aber womöglich nicht. Man muss sicher nicht so weit gehen wie die britische Regierung, die ab sofort alle Spanien-Urlauber nach ihrer Rückkehr zwei Wochen in Zwangsquarantäne stellt.

Einführung der Testpflicht
Aber die Einführung einer Testpflicht für manche Urlaubsrückkehrer scheint ein sinnvolles und legitimes Instrument zu sein. Erstens wird die maximale Testkapazität von rund 1,2 Millionen Tests am Tag nicht einmal zur Hälfte genutzt.

Es ist folglich rein technisch kein Problem, mehr Menschen zu testen. Zweitens lassen sich Infektionsketten durch eine höhere Zahl an Tests besser nachverfolgen. Aktuell gibt es in Deutschland viele kleinere Ausbrüche, bei denen die Infektionsketten wenig bis gar nicht klar sind.

Die Einführung einer Testpflicht für Urlaubsrückkehrer ist ein schwerer Eingriff in die Freiheit des Einzelnen. Das Mittel wirkt aber verhältnismäßig, wenn dadurch eine zweite Welle mit Corona-Infektionen verhindert werden kann.

Die Wirtschaft leidet schon jetzt schwer genug an den Folgen der Corona-Pandemie, einen erneuten Lockdown werden noch mehr Unternehmen nicht überleben. Die Politik sollte deshalb alles unternehmen, um einen weiteren Anstieg der Infektionszahlen zu verhindern. Jeder Tag der Untätigkeit verschärft die Krise.

 

 

Corona-Kommunkation: Verständlichkeit lässt sehr zu wünschen übrig

(Uni Hohenheim) – Uni Hohenheim und Partner in Österreich ermitteln deutliche Defizite bei Pressemitteilungen und Homepages mit Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQs).

Lange Sätze, Schachtelsätze, Wortungetüme und nicht erklärte Fachbegriffe erschweren den Bürgerinnen und Bürgern die Aufnahme von Informationen zur Corona-Pandemie. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Studie von Kommunikationswissenschaftlern der Universität Hohenheim in Stuttgart und des österreichischen Beratungsunternehmens clavis. Sie haben insgesamt 512 Pressemitteilungen der Bundesregierungen sowie 3.541 FAQ-Antworten der deutschen Bundesregierung und der Landesregierungen für die Monate März und April 2020 analysiert.

„In Krisenzeiten suchen Menschen Informationen und Orientierung. Regierungen sollten beides liefern. Und zwar in einer auch für Laien verständlichen Form. Informationen zur Corona-Pandemie und zu den staatlichen Schutzmaßnahmen sollten besonders verständlich sein. Sie sind es aber nicht“, meint der Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Mit Hilfe einer Analyse-Software fahnden die Wissenschaftler unter anderem nach überlangen Sätzen, Fachbegriffen und zusammengesetzten Wörtern. Anhand solcher Merkmale bilden sie den „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ (HIX). Er reicht von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich).

Die deutsche Bundesregierung kommuniziert relativ unverständlich über Corona
Die Pressemitteilungen der deutschen Bundesministerien sind im Schnitt relativ unverständlich (HIX= 7,1). Etwas verständlicher sind die FAQ-Antworten der Ministerien (HIX= 8,8). In beiden Fällen werde es den Lesern schwer gemacht, die Informationen aufzunehmen. „Die Verständlichkeit sollte deutlich größer sein. Anzustreben wäre ein Wert von 14“, sagt Prof. Dr. Frank Brettschneider.

Bei den Pressemitteilungen schneidet das Finanzministerium am besten ab (HIX= 10,0). Die letzten Plätze belegen das Verkehrsministerium und das Justizministerium (HIX jeweils unter 5,0).

Bei den FAQ-Antworten schneidet das Auswärtige Amt am besten ab (HIX= 15,6), auf Platz 2 folgt das Gesundheitsministerium (HIX= 12,3). Die beiden letzten Plätze belegen das Arbeitsministerium (HIX= 5,8) und das Wirtschaftsministerium (HIX= 6,0).

Etwas verständlicher sind die FAQ-Antworten der Landesregierungen in Deutschland (HIX= 9,2). Allerdings reicht die Bandbreite von 6,9 (Sachsen-Anhalt) bis 10,8 (Berlin).


Die deutsche Bundesregierung kommuniziert etwas unverständlicher als die österreichische Bundesregierung
Die Pressemitteilungen der österreichischen Bundesministerien sind im Schnitt verständlicher (HIX= 8,4) als die Pressemitteilungen der deutschen Bundesministerien (HIX= 7,1).

Am besten schneiden in Österreich das Gesundheitsministerium (HIX= 9,8) und das Justizministerium (HIX= 9,5) ab. Den letzten Platz belegt das Ministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus (HIX= 4,9).

Für Österreich gilt das Gleiche wie für Deutschland: Die Verständlichkeit sollte deutlich größer sein. „Die Bundesregierung hat vieles richtig gemacht in diesen schwierigen Zeiten“, sagt Ulrich Müller, Geschäftsführer der clavis Kommunikationsberatung. Dennoch könne man immer besser werden und aus der Erfahrung lernen.

„Eines der wichtigsten Ziele der Krisenkommunikation ist es, im unsicheren Umfeld Orientierung für alle Beteiligten zu schaffen. Verständliche Kommunikation, Offenheit und Transparenz ersparen oft Kritik danach“, so Müller.

Wenn Menschen das Warum und Wozu verstehen, dann würden sie auch einschränkende Maßnahmen mittragen. Wenn sie hingegen Parteipolitik in der Kommunikation spüren, führe das zu einer Abwehrhaltung.

„In Österreich haben wir gesehen, wie schnell die Regierung von steigenden Zustimmungswerten profitiert hat – aber auch, wie rasch sie wieder an Zustimmung verloren hat.“, sagt Müller.

Thematisch sind in Österreich die Pressemitteilungen zum Themenbereich „Kita, Schule und Uni“ (HIX= 6,7) am unverständlichsten. In Deutschland gilt dies für die Pressemitteilungen im Bereich „Soziales und Alltag“ (HIX= 6,7).

Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln
Die häufigsten Verstöße gegen Verständlichkeits-Regeln sind bei allen untersuchten Text-Arten gleich: Fremdwörter und Fachwörter (die nicht erklärt werden), zusammengesetzte Wörter, lange „Monster- und Bandwurmsätze“.

„Schachtelsätze mit 40 bis 50 Wörtern sind keine Seltenheit“, sagt Kerstin Keller von der Universität Hohenheim. „Dabei gilt: Ein Gedanke, ein Satz“. Oft fänden sich aber vier oder fünf Gedanken in einem Satz, was die Aufnahme der Informationen erschwere. Allerdings: „Die FAQ-Antworten weisen im Vergleich zu den Pressemitteilungen in der Regel kürzere Sätze sowie weniger Schachtelsätze auf“, stellt Kerstin Keller fest.

Neben den langen Sätzen stellen zahlreiche Fremd- und Fachwörter vor allem für Leser ohne Vorwissen eine große Verständlichkeitshürde dar: „Corona Matching Fazilität“, „Retail Hack“, „E-Card-Foto-Registrierungs-Stellen“, „Helpline“, „Recovery effort“, „Distance learning“, „Repatriierungen“, „respiratorische Erreger“, „asymptomatische Infektion“.

Einen ähnlichen Effekt haben Wortzusammensetzungen. Einfache Begriffe würden so zu „Wortungetümen“: „Allgemeinverbindlicherklärungen“, „COVID-19-Krankenhausentlastungsgesetz“, „Bundesfreiwilligendienstleistende“, „Heeresunteroffiziersakademie“, „Gebärdensprachdolmetscherinnen“, „Wohnungseigentümergemeinschafts-Verwalter“, „Betriebstättenbegründungsfristen“.


Der „Fluch des Wissens“
„Unverständlichkeit hat viele Gründe“, sagt Prof. Dr. Brettschneider. „Zeitdruck, Gewöhnung an abstraktes Verwaltungsdeutsch, vor allem aber das eigene Fachwissen von Experten.“

Diesen sei meist gar nicht bewusst, dass die Mehrheit der Bürger ihren Fachjargon nicht verstehe. „Wir nennen das den ‚Fluch des Wissens’“, so der Kommunikationswissenschaftler. Es gebe aber auch Texte, in denen Fachbegriffe beim ersten Auftreten erläutert werden.

HINTERGRUND: Hohenheimer Verständlichkeits-Analysen
Das Fachgebiet für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Kommunikationstheorie, an der Universität Hohenheim untersucht seit 15 Jahren die formale Verständlichkeit zahlreicher Texte: Wahlprogramme, Medienberichterstattung, Kunden-Kommunikation von Unternehmen, Verwaltungs- und Regierungskommunikation, Vorstandsreden von DAX-Unternehmen.

Möglich werden diese Analysen durch die Verständlichkeits-Software „TextLab“. Die Software wurde von der H&H CommunicationLab GmbH in Ulm und von der Universität Hohenheim entwickelt. Sie berechnet verschiedene Lesbarkeitsformeln sowie Text­faktoren, die für die Verständlichkeit relevant sind (z. B. Satzlängen, Wortlängen, Schachtelsätze). Daraus ergibt sich der „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“. Er bildet die Verständlichkeit von Texten auf einer Skala von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich) ab. Zum Vergleich: Doktorarbeiten in Politikwissenschaft haben eine durchschnittliche Verständlichkeit von 4,3 Punkten. Hörfunk-Nachrichten kommen im Schnitt auf 16,4 Punkte, Politik-Beiträge überregionaler Zeitungen wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Welt oder der Süddeutschen Zeitung auf Werte zwischen 11 und 14.