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Eine kritische Stimme gegen den Arbeitsabbau in der Automobil-Industrie

Wolfgang Reitzles Zumutung: Eine Republik sägt an ihrem automobilen Ast

(Welt) – 200.000 der heutigen 800.000 Jobs werden in den kommenden 18 Monaten in Deutschland aus der Autoindustrie verschwinden. Die grün-politischen Enthusiasten triumphieren ob dieses Wandels, endlich soll der Verbrenner wirklich sterben. Aber Wolfgang Reitzle, der Aufsichtsratsvorsitzende von Conti, mutet uns zu, den Folgen ins Auge zu blicken, als er in Steingarts Nachrichtenportal „The Pioneer“ sagt: „Man zerstört politisch die Autoindustrie, die ja noch 99 Prozent ihrer Wertschöpfung durch Autos mit Verbrennungsmotor generiert.“ 30.000 Stellen will Conti abbauen, davon 13.000 in Deutschland.

Die Arbeitsrechtler meinen, eine Zumutung sei eine „durch die Zumutbarkeit begrenzte Belastung“. Einfach mal ein paar Takte Weiterdenken ist so eine zumutbare Belastung.

Sicherlich, ein Wandel birgt immer auch Chancen. Für die Mobilitätsrevolution benötigen wir viele neue Unternehmen, vernetzte Software, intelligente Sensoren und all die großartigen, neuen Geschäftsmodelle. Ich bin optimistisch, dass diese auch entstehen werden. Die Bedingungen für das Wachstum dieser Ideen müssen wir jedoch alle gemeinsam noch deutlich verbessern (die Zerstörung von Jobs fällt offenbar leicht, neue Jobs zu schaffen ist schwieriger). Aber das Neue betrifft eben das Übermorgen.Als verantwortliche Entscheider benötigt man zuerst einen klaren Blick auf das Jetzt, wie ihn Reitzle liefert. Wenn die politischen Akteure in ihrer medialen Echokammer den schmelzenden Eisberg unserer – bisher tragenden – industriellen Basis quasi über Nacht verlassen wollen, muss die Industrie reagieren. Genau das macht Conti vor.Natürlich antworten wir auf die vielen Jobverluste erst mal wie konditioniert: mit Protest. Wir finden emotionale Blitzableiter und sind: Anti-Kapitalismus, Anti-Trump, Anti-China, Anti-Kommunismus, Anti-Carbon, Anti-Corona. Oder alles zugleich. Wie in der Adoleszenz bröckelt das aber irgendwann. Spätestens dann, wenn wir die simplen Fragen stellen: Was sonst werden wir morgen machen? Konkreter noch: Wovon wollen wir morgen Früh die vielen Rechnungen bezahlen? Und wer wird am Ende vom Elektromotor profitieren, wenn – wie bei der Energiewende – erst im zweiten Schritt Fragen gestellt werden, die aus politischem Kalkül im ersten Schritt als nicht opportun galten?

Die Autoindustrie, einst Motor unseres Wohlstandes, scheint dem politischen Abschuss freigegeben.

Was ist also zu tun? Meiner Meinung nach müssen wir als Entscheider in der Industrie jetzt klar in die Zumutung gehen. Schluss mit dem lauen Transfer aus dem Süden, dem Osten oder den alten Kassen. Schluss mit der Hoffnung auf eine Lebensverlängerung des Verbrenners. Wenn das System uns zur Härte zwingt, müssen wir dem System die harten Antworten geben, um Reste davon am Leben zu erhalten. Gnadenlose Effizienz ist mehr denn je gefragt. Ich meine: Es muss ein Ruck durch unsere Industrie gehen, wie wir ihn noch nicht erlebt haben. Wir laufen sonst Gefahr, so wie einst die englische Fertigungsindustrie, in einem jahrzehntelangen Siechtum zu verenden.

Wir brauchen eine breit angelegte Effizienz- und Flexibilisierungsrevolution für unsere Industrie. Eine neue Welle von „lean und agil“ (mehr dazu in unserem White Paper). Wir müssen schnell und konsequent Skaleneffekte suchen, Kapazitäten anpassen, Lieferketten optimieren. Industrie 4.0 muss sofort Realität werden!

Die Zumutung für die Führung der Autoindustrie: Den Sturm annehmen und hart am Ruder stehen. Die Zumutung für die Politik: Verantwortung für die aktive Zerstörung übernehmen und eingestehen, dass wer mutwillig am Eisberg rüttelt, sich um Schwimmwesten kümmern sollte.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Diskutieren Sie gerne mit – ich freue mich über Feedback und weitere, vertiefende Gedanken.

 

21.10.2020 Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, auch wenn die Corona-Seuche den Künstlern das Leben immer schwerer macht

Persönlicher Brief an eine engagierte Malerin, die ihre Kunst auch als Kommunikation für jedermann versteht:

Liebe Bettina,

ich freue mich sehr über Deinen Erfolg. Du weißt, dass ich schon vor mehr als 20 Jahren Deine Kunst faszinierend fand. Einige Deiner Bilder hängen auch in meinem privaten Haus in exponierter Stelle, die ich teils auf Versteigerungen erworben habe. Eine geistige Verwandschaft mit meinem Denken ist nicht zu übersehen: Alle Menschen teilnehmen zu lassen an der Errungenschaft der Wissenschaft und Technik und eine Vermittlungssprache zu finden, die jedermann versteht. Das ist mein Lebensziel. Du machst es auf dem Gebiet der Kunst, Du bist nicht abgehoben und Beifall-heischend wie oft in der Kunstszene. Deine Bilder strahlen Menschlichkeit aus, die jeder versteht. Ich finde es toll, dass Du Dir gerade die so geschundenen jüdischen Mitbürger und ihr Leben nicht nur in New York, sondern auch bei uns, vorgenommen hast. Auch ich bin ein großer Freund dieser Kultur, wenngleich ich gewisse Vorbehalte habe für die Politik, die Netanjaho und Strump ausgeheckt haben.

Also noch einmal herzlichen Glückwunsch für diesen riesigen Erfolg. Wenn es einen Katalog gibt, wäre ich an einer virtuellen Version sehr interessiert.

Leider kann ich zu Deinen Vernissagen nicht leiblich erscheinen, denn ich habe meinen Führerschein abgegeben, aber ich bin geistig bei Dir.

Herzliche Grüße

Dein Jean

Zum Nordstadtblogger

20.10.2020 Offener Brief an Solarenergie Förderverein Deutschlang e. V.

Liebe Freunde,
ich besitze bereits seit 25 Jahren ein BHKW: Senertech, 600 cm3, 5,5 KW elektrisch, fast 100% Ausbeute thermische und elektrische  Energie zusammengenommen bei voller Brennwert-Technik, im sechs-Familienhaus, Mieter profitieren mit.

Nun Sehr geehrte Damen oder Herren,bei den Zielen sind wir völlig einig, aber leider bauen Sie Wolkenkuckucksheime, wenn Sie fordern, ab 2030 100% nur noch auf regenerative Energien unsere Energieversorgung aufzubauen. Emotional ist das für mich auch der größte Wunsch, doch wie soll das mit den heutigen Grün-Ideologischen Ideen geschehen, die vor allen Dingen den Verkehr dadurch reformieren wollen, in dem sie nur noch auf Elektro-Autos setzen. Im Übrigen macht der höchstens 20% des CO2-Ausstoßes in Europa aus. Aus Deutschland heraus können wir das sowieso nicht, aber wir sollten Technologien entwickeln, die auch Ländern im Zustand der wirtschaftlichen Entwicklung überzeugen und finanzierbar sind. Dazu gehört das Konzept des sogenannten HyperHybrids, welches nicht nur unsere Automobil-Industrie vor dem Absturz bewahrt, sondern Millionen von fehlgeleiteten Investitionen erspart. Das HyperHybrid-Auto kostet nicht mehr als ein herkömmliches Auto, ist aber wesentlich ökologischer als ein batteriestrotzendes Elektroauto, welches allein schon wegen des Batterie-Gewichts von 600 bis 700 kg  acht bis zehn Mitfahrer erfordert, sobald man sich hineinsetzt.

Auch HyperHybrid setzt voll auf Elektromobilität, fährt sich wie ein Elektroauto und kann CO2-neutral gestaltet werden. Dafür ist unbedingt eine Technologieoffenheit erforderlich. Schauen Sie sich dazu bitte meine beiden Facebook-Beiträge an. Mit 85.000 Followern habe ich eine ziemlich große Reichweite.

Elektroauto – Schrott der Geschichte

Die deutsche Automobilindustrie in großen Nöten

Das zum Thema Verkehr. Aber viel CO2-lastiger ist der gesamte Wärmemarkt. Wenn Sie auf 100% regenerative Energieversorgung setzen, dann vermute ich, meinen Sie damit die elektrische Energie. Als Physiker und Elektroingenieur sage ich Ihnen, kann das nicht funktionieren. Erklären Sie mir einmal, wie Sie die tausenden von Terawattstunden speichern wollen, die dann benötigt werden, wenn Sonne und Wind ihren Dienst versagen, wenn auf biologische Energie wegen der Artenvielfalt verzichten werden muss und die Wasser-Energie in Talsperren nicht ausreicht. Kommen Sie mir nicht mit dem europäischen Energieverbund über Hochspannungsnetze, dann müssen Sie – ob Sie wollen oder nicht – die französischen, belgischen und demnächst finnischen und polnischen Kernkraftwerke mit einbeziehen. Abgesehen davon, dass kaum ein Land bereit ist, auf ihre mit fossiler Energie betriebenen Kraftwerke zu verzichten.

Wie halten Sie es mit der Versorgung der Gebäude in Winter mit Heizung und im Sommer mit Kühlung? Der Strom fällt da weitgehend aus, denn das ist ein Sakrileg, diese wertvolle ordentliche Energie in unordentliche Wärme umzuwandeln, der 2. Hauptsatz der Thermodynamik lässt schön grüßen. Aber der ist leider den grünen Ideologen unbekannt.

Als alternative wird immer die regenerative Wasserstoff-Technologie angeführt. Auch davon träume ich und finde es auch realisierbar, aber nicht innerhalb von 10 Jahren. Und so einfach wird das auch nicht klappen. Um Wasserstoff mit Erdgaspipelines zu verteilen, ist er zu flüchtig. Alles muss umgebaut werden. Wer glaubt, der wäre doch einfach zu verflüssigen, dem sei gesagt, dass dafür Temperaturen von -252°C oder etwas mehr als 50° K notwendig sind. Ob sich der hohe Energieaufwand lohnt, muss noch bewiesen werden – und wenn, müssen völlig neue Thermosbehälter im großen Stil entwickelt werden.

Es geht natürlich auch unter hohem Druck, aber ob das für Autos nicht zu gefährlich ist, muss noch bewiesen werden.

Jetzt habe ich noch eine frohe Botschaft für Freunde vom Wasserstoff: Er lässt sich mit Solarenergie und regenerierten oder recycelten Kohlendioxid in Methanol oder Ethanol einbringen und so zum Treibstoff der Zukunft verwandeln. Aber das alles bedarf seine Zeit, dann auf Verbrennungsmotoren total zu verzichten, grenzt an die Quadratur des Kreises. Mit den Verbrennungsmotoren könnte Wasserstoff oder Methanol dienen, durch Wärmepumpen Gebäude außerordentlich effizient zu heizen oder zu kühlen. Ob dabei Brennstoffzellen langfristig ökonomisch nutzbar sind, ist die Frage, wenn, dann die sogenannte Hochtemperatur-Brennstoffzelle, die dann Wasserstoff mit geringen Verlusten in elektrischen Strom umwandeln könnte. An der KFA in Jülich hat man schon einen Wirkungsgrad von 62% erreicht.

Also noch einmal deutlich: Wenn überhaupt die Klimakatastrophe abgewendet werden soll, dann ist als Voraussetzung Technologieoffenheit erforderlich und nicht Träumereien, die populistisch für jedermann verständlich aber ins Leere führen.

Ich unterstütze die Ziele des Solarenergie-Fördervereins Deutschland und lebe selbst CO2-neutral mit zwei Energie-plus-Häusern mit Fotovoltaik und Thermosolar-Flächen und in meinem sechs-Familienhaus in Köln, in dem ich mein Büro habe. Es besitz für den Wärmebereich ein Kleinheizkraftwerk, welches mit Erdgas angetrieben wird,  dessen CO2 im Abgas demnächst auf einfachste Weise herausgefiltert werden kann, um im CO2-Recycling für die Herstellung von z. B. Methanol aus regenerativem Wasserstoff produziert zu werden. So nebenbei entsteht als ‚Abfall‘ 5 kW elektrische Energie, die auch den Mietern preiswert zur Verfügung steht, der Überschuss wird ins Netz eingespeist.

Ich hoffe, dass dieses Konzept von Ihnen nicht einfach nur ideologisch abgewertet wird, weil Sie sich auf dem Mainstream festgelegt haben. Es war sowieso ein großer Fehler, nicht mit dem Energiesparen im Gebäudebereich anzufangen. Schon 1990 habe ich in der Bekannten ARD-Sendereihe ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ in zwei Folgen zum Thema ‚Der Sonne eine Chance‘ darauf hingewiesen, dass mit gutem Willen und effizienter Technologie damals schon eine Energie-Einsparung im Gebäudebereich bis zu 95% erfolgt wäre. Hätte man das realisiert, könnten wir selbst die strengsten Vorgaben der EU – ohne Deutschland zum Agrarland zu machen, erfüllen.

Gerne bin ich bereit, auch einmal einen Vortrag vor Ihrem Kreis zu halten. um mein schlüssiges Konzept vorzustellen, sobald es Corona erlaubt.

Jean Pütz

PS Wenn Sie jetzt noch Lust haben, genießen Sie  meinen Facebook-Beitrag ‚Ich klage an“

Ich klage an – die langfristige ‚Grünen-Ideologie‘ zur Rettung des Klimas

Zum Schluss habe ich eine entscheidende Frage: Wenn ich der Grünen-Ideologie folge, dann soll ab 2030 der Verbrennungsmotor abgeschafft werden. Wie steht B.KWK e. V. zum Thema Technologie-Offenheit. Warum zieht er den grünen Ideologen nicht die Zähne bzw. holt sie vom Wolkenkuckucksheim herunter? Helfen Sie mir, dem Mainstream ein Schnippchen zu schlagen. Ich selbst lebe CO2-neutral und habe ein durchgängiges Konzept entwickelt, wie Klimaschutz und seine engen Ziele mit alternativen Methoden erreicht werden können, ohne der Deutschen Industrie sämtliche Konkurrenzfähigkeit zu entziehen. Dazu gehört auch ein alternatives Verkehrskonzept, die HyperHybrid-Methode. Mittlerweile gibt es zwei Prototypen, die CO2-neutralen Verkehr ermöglichen.

 

 

Freiheit der Forschung – eine Voraussetzung für liberale Demokratie

Karliczek: Europäischer Forschungsraum muss Garant für Forschungsfreiheit sein

EU-Ministerinnen und Minister für Forschung bestärken auf EFR Ministerkonferenz die Freiheit der Forschung

(bmbf) – An diesem Dienstag sind die EU-Forschungsministerinnen und -minister in einer hybriden Konferenz in Bonn zu Beratungen über den europäischen Forschungsraum und zur aktuellen Lage der Forschungsfreiheit zusammengekommen. Zur Stärkung der Forschungsfreiheit wurde die „Bonner Erklärung“ auf den Weg gebracht, die bereits am Tagungsort von zahlreichen Teilnehmer unterzeichnet wurde. Zu dem Treffen erklärt Bundesforschungsministerin Anja Karliczek:

„Die deutsche EU-Ratspräsidentschaft hat sich einem widerstandsfähigen, souveränen und nachhaltigen Europa verschrieben. Dazu brauchen wir einen dynamischen Europäischen Forschungsraum.

Mit der Unterzeichnung der Bonner Erklärung zur Forschungsfreiheit haben wir heute ein bedeutendes Signal gesetzt, mit dem das Wertefundament dieses Europäischen Forschungsraums betont wird. Die Bonner Erklärung hat einen hohen politischen Symbolgehalt.

Die Verteidigung und der Schutz der Forschungsfreiheit ist die Basis für eine gute Zukunft Europas. Mit einer starken Forschung können wir die Grundlage für Fortschritt und Wohlergeben der Menschen in den nächsten Jahrzehnten legen. Wir verurteilen alle Versuche, Forschungsfreiheit einzuschränken. Das gilt auch für Angriffe gegen Wissenschaftler aus einigen Teilen der Gesellschaft, wie dies leider auch in der Corona-Pandemie verstärkt zu beobachten ist.

Zur Freiheit der Forschung gehört aber auch Verantwortung. Es ist wichtig, dass Forschung transparent und innerhalb klarer ethischer Leitplanken stattfindet. Heute haben schon einige meiner Kolleginnen und Kollegen die Erklärung unterzeichnet. Viele andere Staaten haben erfreulicherweise entsprechende Zusagen abgegeben. Ich möchte erreichen, dass sich bis Ende unserer Präsidentschaft alle EU-Mitgliedsstatten für einen verbesserten Schutz der Forschungsfreiheit aussprechen.

Bei der heutigen Ministerkonferenz haben wir uns im Kreise der EU-Mitgliedstaaten auch zur Neuausrichtung des Europäischen Forschungsraums ausgetauscht. Es geht uns darum, wie Europa in Wissenschaft, Forschung und Innovation noch besser werden kann. Hierzu zählt vor allem die schnellere Umsetzung von Innovationen und Forschungsergebnissen in wirtschaftlich nutzbare Produkte sowie die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

Die Europäische Kommission hat uns mit ihrer Mitteilung vom 30. September zur Zukunft des Europäischen Forschungsraums eine ganze Reihe von Maßnahmen vorgelegt. Wir haben die Mitteilung heute diskutiert und unsere eigenen Ideen und Prioritäten von Seiten der Mitgliedstaaten in die Debatte eingebracht. Im Rat für Wettbewerbsfähigkeit am 27. November wollen wir als Mitgliedstaaten hierzu Ratsschlussfolgerungen verabschieden.

Ich freue mich sehr, dass wir die heutige Gelegenheit auch genutzt haben, um eine nationale Kampagne zum Europäischen Forschungsraum zu starten. Uns geht es darum, dass der Europäische Forschungsraum nicht abstrakt bleibt, keine Idee nur für Eingeweihte. Austausch und Zusammenarbeit in Europa sind wichtig für alle Menschen. Deshalb wird die Kampagne unter dem Motto stehen: „Der Europäische Forschungsraum: Gemeinsam zu mehr Wissen.“ Wir werden damit in den kommenden Monaten und Jahren für einen Europäischen Forschungsraum werben, der für Leistungsfähigkeit, Dynamik und wertegeleitete Wissenschaft und Forschung steht.

Pessimistische Prognose der Nach-Corona-Zeit – aber Nachdenkenswert

Die Hoffnung stirbt zuletzt, vielleicht bringt die Vernunft ein helles Licht am Ende des Tunnels

Jean Pütz

(Morning Briefing) – Die Corona-Erkrankung des Gesundheitsministers, eines Mannes von Tatkraft und Besonnenheit, der in dieser Pandemie seine Rolle gefunden hat, macht betroffen. Sie zeigt, dass es jeden erwischen kann. Auch den Umsichtigen, den gut Informierten, den jungen Mann ohne Vorerkrankung, der von Ärzten gut beschützt wird. Ich wünsche Jens Spahn einen milden Krankheitsverlauf und danach gute Besserung.

Wir sollten seine Erkrankung nicht als neuen Höhepunkt eines medialen Spektakels begreifen, sondern als Zäsur, als Einschnitt in unsere bisherige Denk- und Debattenroutine. Diese Pandemie löst ein ökonomisches und soziales Beben aus, von dem wir erst die Vorläufer erleben. Eine Destabilisierung der bisherigen Weltordnung deutet sich an, die durch kein Kurzarbeitergeld verhindert werden kann. Fünf Dinge werden nie mehr sein wie zuvor:

1. Die bisherige Welt beruhte unausgesprochen auf dem Trickle-Down-Effekt, also auf der Annahme, dass wenn es dem oberen Drittel gut geht, auch das untere Drittel profitiert. Dies erweist sich in der Krise als Illusion. Die ökonomischen Eliten – der Staatsdienst, die Kernbelegschaften der Traditionsunternehmen und die von der Börse finanzierten Technologie-Start-Ups – haben sich vom prekären Teil der Arbeitswelt entkoppelt, da wo Tagelöhner, Leiharbeiter und Soloselbstständige sich nun im Überlebenskampf befinden.

2. Was in Amerika die Arbeitslosigkeit, ist in der Dritten Welt der Hunger. Soziale Unruhen, härter werdende Verteilungskämpfe und ein Anwachsen der Migrationsströme dürften mit Zeitverzögerung die Welt von morgen erschüttern. Bis der Impfstoff entwickelt und global verteilt ist, wird das Virus in immer neuen Wellen angreifen.

3. Die europäischen Sozialstaaten versuchen derzeit den Nachfrageausfall durch Billionen-Schulden zu kompensieren, was die Gegenwartsgesellschaft narkotisiert, aber das künftige Leben schwer belasten wird. Die Staatsverschuldung der Industriestaaten übersteigt signifikant heute schon das Niveau nach der Weltfinanzkrise und erreicht in Kürze den Stand der Weltkriegsjahre.

Damals konnte die Schuldenlast durch ein exponentielles Wirtschaftswachstum und insbesondere durch den Aufstieg der USA zur Weltwirtschaftsmacht zurückverdient werden. Die heutige Pandemie aber trifft – zumindest im Westen – auf reife Volkswirtschaften, die Jahre brauchen werden, um überhaupt das Vor-Corona-Niveau wieder zu erreichen.

4. Corona wirkt auf weite Teile der traditionellen Industrie wie eine Sterbehilfe. Der Retterstaat stützt und beteiligt sich in der Hoffnung, das Sterben zu verlangsamen. Doch die digitale Wertschöpfung ersetzt in beschleunigtem Tempo große Teile der Traditionswirtschaft, was im kometenhaften Aufstieg der Technologiebörsen seinen Ausdruck findet. Der von Yuval Noah Harari prognostizierte Einsatz der Mensch-Maschine, die besser und präziser operieren, rechnen und fliegen kann als der Chefarzt, der Controller und der Lufthansa-Pilot, wird dadurch beschleunigt. Homo Deus steht ante Portas – mit allem, was das für Millionen von gut bezahlten Jobs im Mittelbau unserer Gesellschaft bedeutet. Corona hat diese Entwicklung nicht ausgelöst, wohl aber beschleunigt.

5. Was als medizinisches Infektionsgeschehen begann und sich nun in den weitverzweigten Leitungssystemen der Globalwirtschaft fortsetzt, dürfte auch die politische Landschaft verändern. „Seuchen sind die sozialsten aller Krankheiten“, sagt Prof. Malte Thießen. Kosten-Nutzen Relationen, der Freiheitsbegriff, die Rolle des Staates und das Verhältnis gegenüber dem Anderen werden – sagt er – bei jeder globalen Seuche neu verhandelt. Es kommt, wir erleben das bei dieser Neu-Verhandlung zur gesellschaftlichen Kontroverse und womöglich zur Spaltung.

Fazit: Mit der Fortdauer der Pandemie verlängern sich die Schmerzen und vertiefen sich die Gegensätze. Die Welt von morgen wird eine andere sein.

10.10.20 Großmannssucht in Berlin, speziell im Bundeskanzleramt

Angela Merkel will offenbar dem türkischen Autokraten Recep Tayyip Erdoğan in nichts nachstehen, offenbar ist sie neidisch auf seinen protzigen, neugebauten Präsidentschaftspalast in Ankara. Das Volk hungert, aber Erdogan regiert in einem Gebäude, welches sich nicht einmal der König Ludwig XIV. hätte leisten können.
Dazu habe ich einen interessanten Beitrag in ‚Morning Briefing‘ von Gabor Steingart gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Da fragt man sich wirklich, warum es einen Bundesrechnungshof gibt, wenn er diese Verschwendungssucht in Corona-bedingt knappen Zeiten nicht beeinflussen bzw. verhindern kann.
Es geht um das Bundeskanzleramt, die schon heute mit 25.347 Quadratmetern Nutzfläche größte Regierungszentrale der westlichen Welt – rund achtmal größer als das Weiße Haus, zehnmal größer als Downing Street No. 10 und dreimal größer als der Élysée-Palast in Paris.

Dieses Bundeskanzleramt, so haben Merkel und ihr Kabinett beschlossen, soll bis zum Jahr 2028 durch einen Neubau auf der gegenüberliegenden Spreeseite auf 50.000 Quadratmeter verdoppelt werden. Im Januar 2019 wurde das Projekt den Parlamentariern als „nüchterner, auf Funktionalität ausgerichteter Zweckbau“ verkauft.
Doch davon kann nicht die Rede sein. Als der Bundesrechnungshof sich mit den Planungen befasste, stieß er auf die Platin-Card-Variante eines Regierungssitzes, wie man ihn weltweit nirgendwo sonst findet. Das muss man sich in Zeiten knapper Kassen erstmal trauen:

Geplant ist ein Kindergarten für 12 bis 15 Kinder mit einer Nutzfläche von 266,5 m². Kostenpunkt: 2,8 Millionen Euro. Dies entspreche dem dreifachen eines normalen Kindergartenplatzes, sagt der Rechnungshof.
Neun Wintergärten sind in Planung, die sich auf jeweils fünf Etagen erstrecken. Für die Verglasungen, den Sonnenschutz der Wintergärten und Befahranlagen zur Glasreinigung werden über 14 Millionen Euro veranschlagt.

Die Verdoppelung der Bürofläche ist für 395 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter projektiert. Die Kosten pro Quadratmeter belaufen sich auf unfassbare 18.529 Euro. Vergleichbare öffentliche Bauten wie der Neubau des Innenministeriums (6.499 Euro), das Humboldtforum (15.265 Euro) und die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses (11.443 Euro) kommen mit deutlich weniger aus.

Kanzleramt first
Verhältnis der Gesamtkosten zur Nutzfläche, in Euro pro Quadratmeter

Obwohl es im alten Kanzleramt schon eine 200 m² große Kanzlerwohnung gibt, soll eine neue Kanzlerwohnung, diesmal von 250 m² Größe, entstehen. Allein die „rechnerischen Ausstattungskosten“ der Gemächer mit Sofas, Schrankwand und Lampen liege bei 225.000 Euro, schätzt der Rechnungshof.

Eine zweite 176 Meter lange Brückenverbindung über die Spree, um das Bestandsgebäude mit dem Erweiterungsbau fußläufig zu verbinden, sei notwendig, sagt das Kanzleramt. Kostenpunkt: 18,1 Millionen Euro.

Ein zusätzlicher Hubschrauberlandeplatz ist für zehn Millionen Euro in Arbeit. Die kreisrunde Plattform soll sich auf einem 23 Meter hohen Sockel befinden.
© dpa

Das Bundeskanzleramt will von einem Zweckbau jetzt nichts mehr wissen. Der Regierungssitz genieße „innerhalb der Bundesregierung eine Solitärstellung“, deshalb dürfe der „Neubau nicht unter das architektonisch-bautechnische Niveau des bestehenden Kanzleramtsgebäudes absinken“, teilte man dem Rechungshof mit.
Die Unterbringung der Kanzleramts-Kinder im nahe gelegenen Parlamentskindergarten sei nicht möglich; die Errichtung der Wintergärten schon wegen der gleichen Arbeitsbedingungen für alle unabdingbar und die zweite Kanzlerwohnung unverzichtbar, ließ das Kanzleramt den Rechnungshof wissen.
Die Kostenexplosion ist angesichts dieser staatlichen Spar-Verweigerung keine Überraschung mehr. Nachdem man dem Parlament zunächst Baukosten in Höhe von rund 400 Million Euro genannt hatte, beziffert das Innenministerium die Angelegenheit nun auf über 600 Millionen Euro, was dem Rechnungshof noch immer als eine unhaltbare Untertreibung scheint. In dem Prüfbericht heißt es:
Der Bundesrechnungshof hat Zweifel, dass alle zu erwartenden Kosten bekannt sind. Dadurch besteht ein erhebliches zusätzliches Kostenrisiko. «

Was bleibt, sind Fragen der grundsätzlichen Art: Wozu braucht Deutschland eine derartige Expansion der Regierungszentrale? Warum lässt die Regierung zu, dass in ihrem Einflussbereich Quadratmeterpreise aufgerufen werden, die kein Hollywoodstar zahlen würde und die auch alle bisherigen Dimensionen in Deutschland sprengen? Wieso schaut ausgerechnet Angela Merkel, die sich zu Recht viel auf ihre Bescheidenheit zugutehält, dabei zu, wie für ihre Nachfolger eine Wirkungs- und Spielstätte entsteht, die das von den Berlinern in Anspielung an den früheren Bauherrn Helmut Kohl „Kohlosseum“ genannte Kanzleramt ins Obszöne übersteigert.
© dpa

Fazit: Politisch will der geplante Prunkbau nicht so recht mit dem Staatsverständnis der CDU harmonieren. Wie ein surrealer Zwischenruf aus der Geschichte wirken jene Parteitagsreden und Programmbeschlüsse, die vom schlanken Staat erzählen. Offenbar rechnet man mit der Apathie der Bürger, die ihre Erregungsenergie bereits andernorts verfeuert haben. Botho Strauß hat es geahnt:

»Die Menschen in post-panischer Zeit werden nicht mehr erschreckbar sein. «
action de chercher
Folge 144: der Vernunft eine Chance

Neue Impfstoffgewinnungsmethoden strafen Impfgegnern Lügen – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Soeben lese ich von einem ‚Arzt‘, der sich sogar als Doktor bezeichnen darf, und der bei Facebook ernsthaft eine Warnung vor jeglicher Impfung verkündet, gespickt mit Halbwahrheiten, u.a., dass alle Impfstoffe mit Quecksilber verseucht seien. Das ist wohl die erfolgreichste Masse der Verschwörungstheoretiker, der sich mittlerweile auch AFD und extrem Rechte bedienen.

Damit endlich auch in der Öffentlichkeit bekannt wird, dass die heutigen Impfstoffe nur noch Bruchstücke der krankmachenden Bakterien oder Viren enthalten -präzise gesagt, nur die DNA- oder DNR-Sequenzen, auf die das Immunsystem abwehrend reagiert. die Risiken und Nebenwirkungen sind in letzter Zeit extrem verringert worden. Ich verstehe nicht, warum es sich noch nicht herumgesprochen hat, dass die Aktivierung des menschlichen Immunsystems auf die beste Apotheke zurückgreift, die wir alle in uns tragen. Kein Medikament – nach der Erkrankung verabreicht – kann dem auch nur nahe kommen. Außerdem – und das hat mir ein bekannter Immunologe, Prof. Dr. Gerd Uhlenbrock aus Köln, eingetrichtert: Jede Impfung stärkt in hohem Maße das gesamte Immunsystem. nicht nur gegen die Krankheit, für die geimpft wurde. Deshalb finde ich es auch als klugen Vorschlag, die Kinder – im Gegensatz zu früher – gegen Grippe impfen zu lassen. Die neue Methode, Impfstoffe zu gewinnen, wird durch die Förderung der Forschung der beiden genialen Wissenschaftlerinnen aus der Helmholzgesellschaft unterstützt. Aus der Sicht eines kritischen Wissenschaftsjournalisten ist das der richtige Weg und straft hoffentlich allen Verschwörungstheoretikern Lügen

Jean Pütz

(mdc) – Zwei MDC-Wissenschaftlerinnen – Kathrin de la Rosa und Ilaria Piazza – werden mit ERC Starting Grants gefördert. Ihre Arbeit könnte eines Tages die Art und Weise verändern, wie wir Impfstoffe entwickeln und wie wir über den Einfluss kleiner Moleküle auf Genexpression und Krankheiten nachdenken.

Dr. Kathrin de la Rosa und Dr. Ilaria Piazza, beide Juniorgruppenleiterinnen am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft (MDC), erhalten Starting Grants des Europäischen Forschungsrates ERC. Die begehrte Auszeichnung ist mit einer Förderung in Höhe von jeweils etwa 1,5 Millionen Euro über fünf Jahre verbunden. Damit können Nachwuchsforscher*innen eigene Teams aufbauen und „high risk, high reward“-Forschung betreiben. Sie müssen seit ihrer Promotion zwei bis sieben Jahre Erfahrung gesammelt haben und über eine vielversprechende wissenschaftliche Erfolgsbilanz verfügen. In diesem Jahr erhalten 436 europäische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen ERC Starting Grants.

„Die ERC Starting Grants unterstützen in der Regel Projekte, die in anderen Zusammenhängen vielleicht scheitern würden, weil die Ideen, um es mal einfach auszudrücken, zu verrückt sind“, sagt Piazza, die die Arbeitsgruppe „Allosterische Proteomik“ leitet. De la Rosa, die Leiterin der Arbeitsgruppe „Immunmechanismen und humane Antikörper“ stimmt zu: „So können wir uns an riskantere Hypothesen heranwagen.“

Kleine Interaktionen, große Wirkung?
Piazza untersucht das Zusammenspiel zwischen Proteinen und kleinen Molekülen (small molecules), bei denen es sich entweder um natürliche Metabolite oder um von Menschenhand hergestellte Medikamente handeln kann. „Wir wissen ziemlich viel darüber, wie Proteine miteinander oder mit Nukleinsäuren wie DNA oder RNA interagieren. Aber ihr Zusammenspiel mit Metaboliten oder Medikamenten in großem Maßstab zu ergründen, das ist neu“, sagt Piazza. 

Ihr Ansatz zur Analyse dieser Interaktionen ist innovativ: Sie kombiniert eine Protease – ein Protein, das andere Proteine zerkleinert oder „spaltet“ – mit Massenspektrometrie, also einer Maschine, die verschiedenste Segmente von Proteinen, die Peptide, erkennt und ausliest. Piazza vergleicht die Peptidketten eines Proteins, die einem kleinen Molekül ausgesetzt waren, mit denen, die keinen Kontakt hatten. Wenn sich die Ketten unterscheiden, ist das ein Hinweis: Es deutet darauf hin, dass das Protein anders geschnitten wurde, weil es an das jeweilige kleine Molekül gebunden war.

Die besondere Stärke des Ansatzes liegt darin, dass Piazza so Tausende Proteine gleichzeitig untersuchen kann, um zu sehen, welche von ihnen an ein bestimmtes kleines Molekül binden. Der „verrückte“ Teil ihrer Hypothese: Sie vermutet, dass ein Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen innerhalb des Zellkerns die Genexpression direkt beeinflussen kann. Ihrer Ansicht nach sind diese Interaktionen der Schlüssel, um die Entstehung von Krankheiten zu erklären – denn im Gegensatz zu einer vorbestimmten Genetik spiegeln sie die Einflüsse der Außenwelt wider.

„Warum können Zwillinge, die das gleiche Erbgut teilen, verschiedene Persönlichkeiten haben und andere Krankheiten entwickeln“, fragt Piazza. „Wie wir leben und unsere Umwelt – das beeinflusst, wie die DNA in Proteine übersetzt wird. Und ich glaube, dass das Zusammenspiel von Proteinen und kleinen Molekülen eine enorme Rolle spielt, die noch völlig unerforscht ist.“ 

Vielleicht sei der Effekt am Ende kleiner als sie annimmt. Doch einen ERC Starting Grant zu bekommen, bestärke sie darin, der Idee nachzugehen, sagt Piazza. Dank der Förderung in Höhe von fast 1,7 Millionen Euro für ihr Projekt proteoRAGE kann sie ihr Labor erweitern, das sie seit diesem Jahr am MDC aufbaut. „Ich brauche mutige Menschen, die sich nicht scheuen, über den Tellerrand zu schauen“, sagt sie. 

Der Natur die erfolgreichsten Tricks abschauen
Kathrin de la Rosa, die seit 2018 ihr Immunologie-Labor 2018 am MDC leitet, konnte die Nachricht über die Förderung kaum glauben. „Erst als mir all jene, die mich bei der Bewerbung unterstützt haben, gratuliert haben, habe ich es realisiert und konnte den Erfolg feiern“, sagt sie. Sie bekommt fast 1,5 Millionen Euro für ihr Projekt AutoEngineering.

In dem Projekt will Kathrin de la Rosa körpereigene B-Zellen im Labor genetisch so verändern, dass sie Antikörper produzieren, die noch schlagkräftiger sind als ihre natürlichen Vorbilder. Allerdings wird de la Rosa dafür nicht auf die Gen-Schere CRISPR-Cas9 zurückgreifen. „Wenn diese Schere an der falschen Stelle schneidet, kann das unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen. Die Zellen können sogar zu Krebszellen werden“, sagt sie. Stattdessen will de la Rosa eine natürliche Fähigkeit der B-Zellen nutzen. 

B-Zellen gehören zu den weißen Blutkörperchen. Diese sind in der Lage, hochspezialisierte Antikörper zu bilden, die Eindringlinge im Körper erkennen und binden können. Damit locken sie wieder andere Abwehrzellen an, die den Erreger wie ein Virus, ein Bakterium oder einen Parasiten zerstören. Wenn die B-Zellen dem Erreger begegnen, werden sie aktiviert. Sie teilen sich und ihre DNA-Stränge brechen besonders oft an den Stellen, die die Erbinformation für die Antikörper kodieren. So entstehen nach dem Zufallsprinzip neue Antikörpervarianten, von denen manche noch besser an den Erreger binden können. Während einer Malaria können die Antikörper in seltenen Fällen sogar Segmente eines anderen Gens „stehlen“. Ein ganz neuer Rezeptor wird eingebaut, es bilden sich breit reaktive Antikörper. „Diesen Antikörpern kann ein Erreger viel schwerer entkommen, selbst wenn der Eindringling mutiert und seine Oberfläche verändert“, sagt de la Rosa.  

De la Rosa will diesen natürlichen Prozess des „Segment-Stehlens“, den sie und ihre Kolleg*innen 2016 zum ersten Mal beobachtet haben, Schritt für Schritt aufklären. Sie will die zugrundeliegenden Mechanismen verstehen und sie in der Petrischale nachstellen. „Zuerst müssen wir effiziente Wege finden, wie wir diese zelleigenen Mechanismen nutzen können. Wir möchten testen, ob unser Ansatz sicherer ist als der Einsatz zellfremder Gen-Scheren wie CRISPR-Cas9 und ihn dann anwenden, um schließlich neuartige Antikörper zu erzeugen“, sagt sie. „Stellen Sie sich nur vor, wir könnten der Natur ihre erfolgreichsten Tricks abschauen, um in Zukunft Erreger wie HIV, die unser Immunsystem überfordern, in Schach zu halten!“ Es reizt sie und ihr Team, an etwas zu arbeiten, das eines Tages ein völlig neuer Ansatz für Impfstoffe sein könnte, sagt de la Rosa. „Das wird eine spannende Reise.“

Wie kann verhindert werden, dass Coronaviren ins Herz eindringen?

(pte) – Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben einen Weg gefunden, das Coronavirus vom Eindringen in das Herz abzuhalten. Das Angiotensin-umwandelnde Enzym 2 (ACE2) gilt als Bindungsstelle und Einfallstor für SARS-CoV 2 in das Lungengewebe. Weil sich ACE2 auch in Herzmuskelzellen befindet, können die Viren auch das Herz befallen und dort massive Entzündungen auslösen. Details wurden im „Journal of Molecular and Cellular Cardiology“ publiziert.

Weitere Labortests nötig
„Vor allem ein Kandidat namens miR-200c konnte die ACE2-Aktivität in Herzmuskelzellen von Ratten und in im Labor aus Stammzellen hergestellten menschlichen Kardiomyozyten deutlich herunterregulieren“, sagt Studienleiter Christian Bär. Im nächsten Schritt muss das vielversprechende Ergebnis aus den Zellkultur-Versuchen nun in lebenden Organsimen überprüft werden, so der Wissenschaftler.

Sollte die Studie auch im Mausmodell erfolgreich verlaufen, könnte der Einsatz von miR-200c künftig eine wichtige Strategie im Kampf gegen Coronaviren sein – selbst dann, betonen die Forscher, wenn es einen wirksamen Impfstoff gibt. „Auch die Erreger der schweren Atemwegserkrankungen SARS und MERS gehören zu den Coronaviren, die über ACE2 in die Zellen gelangen“, so Bärs Kollege Thomas Thum. Daher sei es nicht unwahrscheinlich, dass sich auch bei einer künftigen Coronavirus-Pandemie dieser Mechanismus nutzen lässt.

Bewiesen: Masken erzeugen keinen Sauerstoffmangel

(pte) – Das Tragen von Gesichtsmasken führt zu keiner CO2-Vergiftung. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Michael Campos vom Miami Veterans Administration Medical Center und der University of Miami. Die Experten widerlegen damit das von Masken-Gegnern in Corona-Zeiten in Bezug auf das Tragen oft angeführte Gesundheitsrisiko. Die in den „Annals of the American Thoracic Society“ publizierten Ergebnisse beweisen das Gegenteil.

US-Veteranen untersucht
Die Forscher beurteilten Probleme mit dem Gasaustausch, also die Veränderungen der Werte von Sauerstoff und CO2, bei gesunden Personen und Veteranen mit COPD vor und während des Tragens einer chirurgischen Maske. COPD-Patienten müssen sich beim Atmen mehr anstrengen, was oft zu Kurzatmigkeit und Müdigkeit führt. Laut Campos sind die Auswirkungen auch bei Personen mit einer schweren Beeinträchtigung der Lungenfunktion minimal.

Das Gefühl der Atemlosigkeit, das manche gesunde Menschen erleben, ist laut dem Forscher nicht auf Veränderungen des Gasaustauschs zurückzuführen. Dafür verantwortlich sei vielmehr die Einschränkung des Luftstroms mit der Maske. Das sei vor allem dann der Fall, wenn bei Anstrengungen eine höhere Atemfrequenz notwendig werde.

Tragen gegen Infektionen
Campos betont indes die Wichtigkeit des Tragens von Gesichtsmasken zur Prävention einer COVID-19 Infektion. Ist keine chirurgische Maske verfügbar, wird von den Centers für Disease Control and Prevention eine Stoffmaske mit mindestens zwei Schichten empfohlen. Vor allem Patienten mit Erkrankungen der Lunge sollten eine Infektion verhindern.

Die Studienautoren räumen ein, dass die Ergebnisse durch die Größe des Samples eingeschränkt sein könnten. Die Population zeige jedoch deutlich, dass chirurgische Masken unter normalen Bedingungen keine Auswirkungen auf den Gastaustausch haben. Wichtig sei, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass das Unbehagen beim Tragen der Masken nicht zu unbegründeten Sicherheitsbedenken führen sollte und somit die Anwendung eines Verfahrens abschwächen könnte, das erwiesenermaßen die öffentliche Gesundheit verbessert.

Weitere Folgen von Covid-19

(pte) – COVID-19 führt laut der Australian National University auch bei Menschen zu einer schweren psychischen Belastung, die von der Krankheit gar nicht direkt betroffen sind. Die erste derartige australische Umfrage hat ergeben, dass Menschen in Ländern mit geringen Infektionszahlen und Todesfällen immer noch doppelt so häufig an Depressionen und Angstzuständen leiden. Diese Folgen sind oft auf finanzielle Belastungen und Unterbrechungen des Soziallebens zurückzuführen.

Psychische Verletzbarkeit
Laut Forschungsleiterin Amy Dawel ist bereits bekannt, dass Menschen, die erkranken bzw. ins Krankenhaus eingeliefert werden sowie deren Pfleger stärker betroffen sind. „Die Auswirkungen von COVID-19 auf die breitere Bevölkerung in relativ weniger betroffenen Ländern werden jedoch wahrscheinlich erheblich sein. Unsere Daten zeigen, dass die Nebenprodukte von COVID-19 die Bevölkerungen weitgehend beeinträchtigen. Es besteht Anlass zur Sorge, dass in Ländern mit strengen Restriktionen, die die schlimmsten Auswirkungen des Virus zu umgehen scheinen, die indirekten Auswirkungen der Pandemie übersehen werden.“

Das Team hat im März dieses Jahres fast 1.3000 australische Erwachsene befragt. Damals waren die ersten Restriktionen bereits in Kraft getreten. Die Behörden hatten die internationalen Grenzen sowie Bars und Restaurants geschlossen. Die sozialen Kontakte wurden ebenfalls eingeschränkt. Die Studienteilnehmer waren für die Bevölkerung repräsentativ. Es nahmen die gleiche Anzahl von Frauen und Männern sowie Personen aus allen Altersgruppen teil.

Finanzielle Nöte als Problem
Um eine Verzerrung der Ergebnisse zu verhindern, wussten die Teilnehmer vorab nichts über die Ziele der Studie. Stattdessen wurde die Umfrage in Panels zur Marktforschung integriert. Während der Rekrutierung für die Studie wurde weder COVID-19 noch die psychische Gesundheit erwähnt. Da die Umfrage in der Frühphase der Pandemie durchgeführt wurde, gaben nur 36 Teilnehmer an, dass sie eine entsprechende Diagnose erhalten oder engen Kontakt mit einer erkrankten Person hatten. Zusätzlich waren erst bei wenigen Personen Tests durchgeführt worden. Das Gleiche galt bei der Anzahl derer, die sich selbst in Isolation begeben hatten oder jemanden kannten, der über eine dieser Erfahrungen verfügte.

Überraschend war, dass Personen mit Kontakt zu COVID-19-Patienten keinen Zusammenhang mit Auswirkungen auf die psychische Gesundheit aufwiesen. Im Gegensatz dazu standen finanzielle Notlagen und Unterbrechungen bei der Arbeit sowie sozialen Aktivitäten deutlich mit Symptomen von Depressionen und Angstzuständen sowie einem geringeren psychischen Wohlbefinden in Verbindung. Das Arbeiten von Zuhause aus stand nicht mit negativen Auswirkungen in Zusammenhang. Psychische Probleme waren bei jüngeren Menschen häufiger, die weiblich waren oder angaben, bereits an einer psychischen Erkrankung gelitten zu haben. Details wurden in „Frontiers in Psychiatry“ veröffentlicht.