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Corona: DNA-Test erkennt Lungenentzündung

(pte) – Forscher der University of Cambridge http://cam.ac.uk haben einen DNA-Test entwickelt, der bei COVID-19-Patienten sekundäre Infektionen identifiziert. Diese Patienten haben ein doppelt so hohes Risiko des Entstehens einer Lungenentzündung während der Beatmung. Für Patienten mit den schwersten Formen von COVID-19 ist die künstliche Beatmung oft die einzige Möglichkeit, sie zu retten. Diese Patienten sind jedoch anfällig für weitere Infektionen durch Bakterien und Pilze, mit denen sie oft im Spital in Kontakt kommen.

Rasche Identifizierung
Der einfache DNA-Test von Gordon Dougan, Vilas Navapurkar und Andrew Conway Morris dient der raschen Identifizierung dieser Infektionen und ermöglicht eine gezielte Behandlung mit Antibiotika. Der Test wurde am Addenbrooke Hospital in Zusammenarbeit mit Public Health England entwickelt. Damit sollen Ärzte binnen Stunden und nicht Tagen mit der Behandlung beginnen können.

Normalerweise stellt die Bestätigung der Diagnose einer Lungenentzündung eine Herausforderung dar, da die Bakterienproben im Labor in Kulturen angesetzt werden müssen. Der neue Test arbeitet mit einem anderen Ansatz, bei dem die DNA von verschiedenen Krankheitserregern festgestellt wird. Der Test nutzt die Polymerase-Kettenreaktion (PCR), die die DNA der Bakterien entdeckt. Er kann innerhalb von rund vier Stunden durchgeführt werden. Laut Morris besteht ein weiterer Vorteil des Tests darin, dass er genauer ist.

52 Erreger erkennen
Oft haben Patienten bereits mit der Einnahme von Antibiotika begonnen, wenn Tests durchgeführt werden. Der neue Test benötigt für ein Ergebnis keine lebenden Bakterien. Durch den parallelen Einsatz können 52 verschiedene Krankheitserreger identifiziert werden. Gleichzeitig ist auch ein Test auf eine Resistenz gegen Antibiotika möglich. Laut Forschungsleiterin Mailis Maes hat sich auch gezeigt, dass die Bakterien, die diese Infektionen verursachen, ähnlich sind wie bei Patienten ohne COVID-19. Daher können auch die normalerweise verabreichten Antibiotika eingesetzt werden. Die Forschungsergebnisse wurden in „Critical Care“ veröffentlicht.

Tote nach Impfungen: Dämpfer für Biontech – Mit einer Einschätzung von Jean Pütz

Vermutlich werden auf diese Meldung hin die Verschwörungstheoretiker und Impfgegner überdimensional herausstellen. Ich bitte, das Ganze nicht aus dem Auge zu verlieren. Erstens ist die Ursache des Versterbens dieser Bürger noch nicht geklärt, zweitens halte ich ein Impfen von Bürgern, deren Immunsystem nachweislich nicht mehr funktioniert, für falsch, denn der Impfstoff richtet sich ja direkt an das Immunsystem. Drittens habe ich ein Beispiel: Mein 98jähriger Freund Rolf (Nachname gebe ich an Fach-Wissenschaftler, die sich dafür interessieren, gerne weiter), ist schon vor 14 Tagen mit diesem Impfstoff geimpft worden, ebenso seine 95jährige Gefährtin. Er hat das sehr gut vertragen, ohne krank zu werden.

Hier nund der exakte Wortlaut der Meldung aus der seriösen Zeitung faz

Jean Pütz

(FAZ) – Tote nach Impfungen: Norwegens Gesundheitsbehörde stuft die Zahl der Vorfälle als „nicht alarmierend“ ein. Währenddessen verringert Pfizer kurzfristig die Lieferungen des Impfstoffs an Deutschland.

Nach dem Corona-Impfstart richtet sich das Augenmerk der Welt auf mögliche Nebenwirkungen. Tatsächlich kursieren immer wieder Nachrichten von Toten „nach“ einer Impfung, obwohl ein Zusammenhang nicht erwiesen ist. In Norwegen haben nun die Gesundheitsbehörden vor Risiken für kranke Patienten über 80 Jahren gewarnt. Den Informationen zufolge sind bislang 23 Menschen im Land kurze Zeit nach ihrer ersten Impfdosis gestorben. 13 dieser Toten wurden untersucht – die Ergebnisse legen nahe, dass sie unter den üblichen Nebeneffekten einer Impfung litten. Diese Nebeneffekte sollen bei ihnen zu sehr schwerwiegenden körperlichen Reaktionen geführt haben. Die Rede ist von gebrechlichen älteren Personen.

Schon eigentlich relativ milde Nebenwirkungen könnten bei dieser Gruppe zu ernsten Konsequenzen führen, betonte das norwegische Institute of Public Health. Für Menschen mit einer ohnehin noch kurzen Lebenszeit könne der Vorteil einer Impfung dann marginal oder irrelevant sein, hieß es. Die Empfehlung bedeutet nicht, dass junge und gesunde Menschen auf die Impfung verzichten sollten. Beobachter sehen sie aber als Indiz, worauf künftig die Verantwortlichen verstärkt zu achten haben.

Die Impfstoffanbieter Pfizer und Biontech sagten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie seien über die gemeldeten Todesfälle in Kenntnis gesetzt worden und arbeiteten mit der norwegischen Gesundheitsbehörde zusammen. Die Unternehmen wiesen darauf hin, dass in Norwegen derzeit in erster Linie Menschen geimpft würden, die sehr alt und teilweise unheilbar krank seien. Die Gesundheitsbehörde stufe die Zahl der Vorfälle bislang als „nicht alarmierend“ und „im Rahmen der Erwartungen“ ein; es werde geprüft, ob ein Zusammenhang zu den Impfungen bestehe. Die Regierung erwäge derweil, ihre Impfanweisungen anzupassen und dabei den Gesundheitszustand von Patienten stärker zu berücksichtigen.

Todesfälle auch in Deutschland
Auch in Deutschland gibt es Personen, die nach Covid-19-Impfungen gestorben sind. Eine Sprecherin des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts macht aber darauf aufmerksam, dass aus dem „zeitlichen Zusammenhang“ noch kein ursächlicher abzuleiten sei. Die Wissenschaftler des Instituts weisen auf die ohnehin erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit in einem gewissen Alter hin und stellen mit Blick auf die deutschen „Impftoten“ fest: „Das bedeutet, dass die beobachtete Fallzahl die erwartete nicht signifikant übersteigt.“

Das Paul-Ehrlich-Institut hat zwischen dem Beginn der Kampagne am 27. Dezember und dem 10. Januar rund 614.000 Impfungen gezählt. In dieser Zeit wurden in 325 Einzelfallmeldungen 913 „unerwünschte Reaktionen“ geschildert. In 51 Fällen galten sie als „schwerwiegend“, das entspricht einer Quote von 0,08 je 1000 Impfungen. Eine der geimpften Personen erlitt einen bleibenden Schaden, sieben Menschen verstarben.

Diese Personen, vier Frauen und drei Männer, waren zwischen 79 bis 93 Jahren alt und verstarben im zeitlichen Abstand von 2,5 Stunden bis zu vier Tagen nach der Impfung. Eine Patientin mit Bluthochdruck und Diabetes verstarb an einer Lungenembolie und Herzkreislaufstillstand. Bei den anderen Patienten ist die Todesursache noch unklar, aber alle hatten schwerwiegende Vorerkrankungen wie Karzinome, Niereninsuffizienz oder Alzheimer. Diese Leiden seien „vermutlich todesursächlich“ gewesen, teilt das Institut mit, weitere Informationen stünden aber noch aus.

Schon die Genehmigung für den Impfstoff hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur mit einer Reihe von Einschränkungen versehen. Aufgelistet wurde eine Reihe eigens benannter Risiken einer Impfung für bestimmte Personengruppen. Dazu gehören unter anderem Menschen mit Vorerkrankungen und weiteren gesundheitlichen Problemen. Zu den aufgeführten Gefahren gehören demnach mögliche anaphylaktische Reaktionen wie ein allergischer Schock, der nach der Einnahme von Medikamenten auftreten kann. Auch gebrechliche und immungeschwächte Patienten oder solche mit Autoimmunerkrankungen werden als Risikogruppen benannt.

Produktion hinkt noch hinterher
Unterdessen werden in Europa vorübergehend weniger Dosen des Impfstoffs ausgeliefert als zunächst geplant. Allerdings liegt der Grund dafür nach Darstellung von Pfizer darin, dass nun insgesamt in diesem Jahr mehr Impfdosen bereitgestellt werden sollen. Vor wenigen Tagen haben Pfizer und Biontech ihre Prognose von

Wie Pfizer nun mitteilte, sind dazu aber Anpassungen in der Produktionsstätte im belgischen Puurs nötig, in dem die Impfstoffe für den europäischen Markt und auch einige andere Regionen gefertigt werden. Dazu brauche das Unternehmen noch zusätzliche Genehmigungen von Regulierungsbehörden, und dies werde dazu führen, dass Ende Januar und Anfang Februar weniger Impfstoffe ausgeliefert werden könnten. Von Ende Februar an könnten dann aber die Auslieferungen erheblich aufgestockt werden.

Am Freitag haben die hessischen Behörden die angestrebte Produktion von zusätzlichem Biontech-Impfstoff in Marburg genehmigt. Wie die Staatskanzlei in Wiesbaden mitteilte, gab das zuständige Regierungspräsidium in Gießen am Freitag die dafür nötige Erlaubnis für den Betrieb der Anlage. Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte Anfang Dezember die Anträge für Umbau und Betrieb eines zuvor gekauften Werks in Marburg gestellt.

Umweltfreundliches Hybrid-Flugzeug auf der Basis des HyperHybrid -Antriebs – Mit einer Einschätzung von Jean Pütz

Das ist das Prinzip des umweltfreundlichsten Flugzeugs der Zukunft.  Eine innenliegende Turbine treibt einen Generator an, der die Elektromotoren am Propeller mit elektrischer Energie versorgt. Der große Vorteil, in herkömmlicherweise kann der Treibstoff sowohl aus Erdöl oder Erdgas gewonnen werden als auch – und dann ist es extrem umweltfreundlich – aus regenerativ gewonnenem Methanol oder Äthanol über Verwertung von solarem Wasserstoff. Mit diesem HyperHybrid-System lassen sich auch die Probleme mit Bodenfahrzeugen wie Privat-PKWs, Lastwagen usw. mit erheblich  reduzierter Batterielast gegenüber dem reinen Elektro-Auto lösen.

Jean Pütz

(pte) – Das Flugzeug der Zukunft transportiert sein Antriebssystem im Frachtraum, jedenfalls wenn es nach den Vorstellungen von Steven Barrett und seinem Team vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) geht. Damit soll das größte Umweltproblem der Luftfahrt gelöst werden. Stickoxide werden verhindert, indem die Turbine mit einem Generator gekoppelt wird, der Strom für die Motoren produziert.

Kat und Harnstofflösung
Vorbild für die Innovation sind Dieselfahrzeuge und Bahnen, die auf Level null unterwegs sind. Die modernen Versionen haben ein Abgasreinigungssystem, das unter anderem Stickoxide in harmlose Stoffe zerlegt. Das gelingt mit einem Katalysator und der Einspritzung einer wässrigen Harnstofflösung in den Abgasstrom, bekannt unter dem Markennamen AdBlue.

Ein solches System lässt sich an den normalen Triebwerken, die unter den Tragflächen montiert sind, nicht installieren, weil die Abgase aus der Verbrennung von Kerosin großflächig nach hinten entweichen. Sie müssten eingefangen und kanalisiert werden, um die Stickoxide zu knacken. Das ist nicht möglich, da die Anlagen so groß sein müssten, dass die Aerodynamik litte. Wird die Turbine dagegen in den Frachtraum verlegt, lässt sich das Abgasreinigungssystem installieren. Stickoxid-Emissionen würden um 95 Prozent reduziert.

Synthetisches Bio-Kerosin
„Ein solches Hybridflugzeug wäre eine enorme technische Herausforderung. Es gibt keine grundlegenden physikalischen Einschränkungen“, verdeutlicht Barrett. Er hält diese Lösung für einen praktikablen Weg, die Umweltauswirkungen des Luftverkehrs zu reduzieren. Würden diese Flugzeuge synthetisches Kerosin tanken, das aus Biomasse oder Kohlendioxid und Ökostrom hergestellt wird, wären sie nahezu umweltneutral, heißt es von dem Wissenschaftler.

Barrett und sein Team haben ausgerechnet, dass ein solches Konzept den Treibstoffverbrauch wegen des zusätzlichen Gewichts um nur 0,6 Prozent erhöhen würde. Die MIT-Ingenieure ermittelten diesen Wert für den Fall, dass eine Boeing 737 oder ein Airbus 320 mit dem Hybridsystem ausgerüstet würde. Platz sei in den Laderäumen genügend vorhanden. Während Hybridflugzeuge einige 100 Kilogramm mehr wiegen würden als konventionelle, ginge es bei rein elektrisch betriebenen Luftfahrzeugen um einige Tonnen zusätzlichen Batteriegewichts.

Weitere Nebenwirkungen von Corona-Infizierten – der plötzliche Herztod

(pte) – Vermehrte plötzliche Todesfälle während der Pandemie entsprechen in New York dem Ausmaß der Virusinfektionen in einem Stadtviertel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Northwell Health-Lenox Hill Hospital http://lenoxhill.northwell.edu . Die Forscher haben das Auftreten von plötzlichen Todesfällen außerhalb des Krankenhauses in den sehr unterschiedlichen Nachbarschaften von New York mit dem Prozentsatz der positiven SARS-CoV-19-Tests verglichen.

Daten von Antikörpertests
Laut Forschungsleiter Stavros E. Mountantonakis bestätigen die Ergebnisse den bereits früher beobachteten Zusammenhang zwischen plötzlichen Todesfällen außerhalb des Krankenhauses und der wahrscheinlich mit COVID-19 in Verbindung stehenden Mortalität. Die Forscher haben die Ergebnisse aller Antikörpertests gesammelt, die zwischen 3. März und 20. August 2020 dem New York City Department of Health gemeldet wurden. Diese Daten umfassen alle Postleitzahlen. Nicht enthalten waren acht Gewerbegebiete.

New York schreibt die verpflichtende Meldung aller Tests vor. Die Daten von Patienten, die während des Corona-Höhepunkts vom 20. März bis 22. April 2020 wegen eines plötzlichen Herzstillstands für tot erklärt wurden, bekamen die Forscher vom Fire Department of New York City. Für den Vergleich wurden Daten für den gleichen Zeitraum 2019 gesammelt. Volkszählungsdaten wurden herangezogen, um einen Einfluss von Faktoren wie Alter, Ethnie, Zugang zu Krankenversicherung, Bildung und Einwanderungsstatus zu untersuchen.

Viele Fragen bleiben offen
Es zeigte sich, dass ein plötzlicher Tod in den Stadtvierteln sehr unterschiedlich auftrat. Dabei gab es einen moderat positiven Zusammenhang zwischen der Anzahl der plötzlichen Todesfälle in einer Nachbarschaft und dem Prozentsatz der positiven Antikörpertests. Die Anzahl der plötzlichen Todesfälle im Jahr 2019 war zudem prädikativ für einen Anstieg plötzlicher Todesfälle während des ersten Höhepunkts der Pandemie.

Den Forschern nach ist unklar, ob dieser Zusammenhang kausal ist oder ob es Faktoren gibt, die eine geografische Verteilung des Sekundentodes und Infektionen mit SARS-CoV-2 in einem ähnlichen Ausmaß betreffen. Mountantonakis zufolge sind die epidemiologischen Daten ein direkter Stellvertreter der Virusbelastung und stehen indirekt damit in Verbindung, dass Menschen plötzlich zu Hause sterben. Es müsse erst ermittelt werden, ob dafür Herzkomplikationen in Zusammenhang mit dem Virus verantwortlich sind oder der schlechte Zugang zur Gesundheitsversorgung in den Viertel, die von der ersten Welle der Pandemie am stärksten betroffen waren. Details wurden in „Heart Rhythm“ veröffentlicht.

Fachärzte über ihre Probleme mit Corona-Leugnern

(fr) – Seit Wochen sind die Zahlen der registrierten Neuinfektionen und der im Zusammenhang mit COVID-19 Verstorbenen hoch: Auch fast ein Jahr nach ihrem Beginn hat die Corona-Pandemie Deutschland fest im Griff. Gleichzeitig gelangen Forscherinnen und Forscher täglich zu neuen Erkenntnissen zu den Auswirkungen einer COVID-19-Erkrankung auf die inneren Organe sowie ihren Langzeitfolgen und Therapiemöglichkeiten. Auf der anderen Seite bestreiten einige Menschen nach wie vor die vom Coronavirus ausgehende Gefahr. Corona-Leugner und Impfgegner vertrauen nicht auf wissenschaftlich gesicherte Fakten. Auch Internistinnen und Internisten haben in ihrem Alltag in Klinik und Praxis immer wieder mit Patienten zu tun, die solchen Ansichten teilen. Solche Diskussionen überdecken gelegentlich berechtigte Fragen, die die Pandemie auch aufwirft, beispielsweise was die Inneren Medizin hinsichtlich der zu erbringenden Leistungen und Ressourcenschutz von der Krise lernen kann. Zudem führt uns die Pandemie einmal mehr die Notwendigkeit vor Augen, dass das Fachwissen über Infektionen und Infektionskrankheiten wieder bei eigens dafür ausgebildeten Fachärzten liegen sollte.

Die Blutgruppe hat Einfluss auf Gesundheit und Darmflora

Wer hätte das geglaubt, die Blutgruppe bestimmt zum Teil das Mikrobiom und seine Zusammensetzung. Selbst für die Darmflora haben die Blutgruppen eine Bedeutung. Warum, das beschreibt der folgende Beitrag

Jean Pütz

(CAU) – CAU-Forschungsteam weist in großer Genomstudie Zusammenhänge bestimmter Genvarianten mit der Zusammensetzung der Bakterienbesiedlung im menschlichen Körper nach

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit erforschen seit einigen Jahren, inwiefern die Mikroorganismen, die in und auf dem menschlichen Körper leben, zentrale Lebensprozesse und damit Gesundheit und Krankheit beeinflussen. Sie gehen heute davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen der Gesamtheit der mikrobiellen Besiedlung, dem menschlichen Mikrobiom, und der Entstehung von Krankheiten gibt. Speziell chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind wahrscheinlich eng mit der Zusammensetzung und Balance des Darmmikrobioms verknüpft. Doch wie das Mikrobiom und die Krankheitsentstehung ursächlich zusammenhängen und was die Zusammensetzung des Mikrobioms im Individuum bestimmt, ist noch weitgehend ungeklärt.

Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) haben nun mögliche Einflüsse der Genetik, also der individuellen menschlichen Erbinformationen, auf die Ausprägung des Mikrobioms untersucht. Dazu haben sie in einer großangelegten Genomuntersuchung mit Daten von rund 9000 Probandinnen und Probanden nach konkreten Verbindungen zwischen Genetik und besiedelnden Mikroorganismen gesucht. Das Forschungsteam vom Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) unter Leitung von Professor Andre Franke konnte unter anderem einen bislang unbekannten Zusammenhang von für die Blutgruppe verantwortlichen genetischen Variationen und dem Vorkommen und der Häufigkeit bestimmter Bakterienarten belegen. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forschenden im Rahmen des CAU-Sonderforschungsbereichs (SFB) 1182 „Entstehen und Funktionieren von Metaorganismen“ heute in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics.

Individuelle genetische Ausstattung beeinflusst Mikrobiom
Die neue Publikation des Kieler Forschungsteams baut auf Erkenntnissen aus einer kleineren Studie auf, die erste Hinweise auf den Einfluss der genetischen Variationen auf das Darmmikrobiom fand. Nun gelang es den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Darmmikrobiom-Proben aus fünf umfangreichen Kohorten von drei deutschen Standorten – vor allem aus Kiel, Augsburg und Greifswald – zu analysieren und damit die bundesweit größte sogenannte genomweite Assoziationsstudie (GWAS) durchzuführen. Dabei stieß das Forschungsteam auf 38 auffällige sogenannte genetische Loci, also die physischen Positionen einzelner Gene innerhalb der gesamten Erbinformationen, die auf einen Zusammenhang von individueller Genetik und der Zusammensetzung des Mikrobioms hinweisen.

„Die interessanteste Beobachtung haben wir im Zusammenhang der genetischen Faktoren gemacht, die für die Ausprägung der Blutgruppe beim Menschen verantwortlich sind“, hebt Erstautor Dr. Malte Rühlemann, Wissenschaftler am Kieler IKMB und SFB 1182-Mitglied hervor. „Diese für das AB0-Blutgruppensystem verantwortlichen Gene entscheiden über die Zugehörigkeit zu einer der darin zusammengefassten Blutgruppen. Bei einigen Menschen, den sogenannten ‚Sekretoren‘, werden diese Blutgruppenantigene nicht nur auf der Oberfläche von roten Blutkörperchen gebildet, sondern auch in den Darm abgegeben. Dies sind vor allem Zuckerreste, die von einigen Bakterien der Bacteroides-Gruppe vermutlich als Energiequelle genutzt werden können, so dass diese vermehrt vorkommen. Insbesondere bei Menschen mit den Blutgruppen A, AB oder B scheint der Mechanismus also direkt das Vorkommen dieser Bakterien im menschlichen Darm zu begünstigen“, so Rühlemann weiter.

Dieser Zusammenhang hat potenziell eine große gesundheitliche Bedeutung, denn bei etwa 20 Prozent der weltweiten Bevölkerung, die zur Gruppe der ‚Nicht-Sekretoren‘ gehören sowie bei Personen mit der Blutgruppe 0, fällt die Abgabe der Zuckerreste weg und ihre Mikrobiom-Zusammensetzung weicht in der Folge ab. „Diese Stoffwechselprodukte scheinen wichtige Moleküle in der Interaktion von Wirt und verschiedensten Mikroorganismen zu sein“, erklärt Rühlemann, der auch im Exzellenzcluster „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) forscht. „Frühere Studien konnten zeigen, dass Menschen ohne diesen Sekretionsweg zum Beispiel besser vor Norovirus-Infektionen geschützt sind“, so Rühlemann weiter. In der Arbeitsgruppe von SFB 1182-Mitglied und Co-Autor Professor John Baines vom Institut für Experimentelle Medizin werden diese Stoffwechselwege seit einigen Jahren intensiv erforscht.

Das Beispiel verdeutlicht, welche Effekte die individuelle genetische Variation auf den menschlichen Stoffwechsel hat und so die Zusammensetzung des Mikrobioms mitbestimmen kann. Auf welchen Mechanismen dieses Zusammenspiel von Mensch und Mikroorganismen im Detail beruht, wollen die Forschenden künftig besser verstehen. Im größeren Maßstab liefern die neuen Ergebnisse des Kieler Forschungsteams weitere Erklärungsansätze für das Zustandekommen des menschlichen Mikrobioms insgesamt: Neben Umwelt- und Ernährungseinflüssen ist offenbar auch die Genetik des menschlichen Körpers ein zentraler Faktor, der die bakterielle Besiedlung des Körpers beeinflusst. Damit wäre das Mikrobiom mehr als eine zufällige Zusammenstellung von in der Umwelt verfügbaren Mikroorganismen.

Therapieziele im Darmmikrobiom?
Um künftig klare ursächliche Zusammenhänge zwischen der bakteriellen Besiedlung des Körpers und der Krankheitsentstehung ableiten zu können, wollen die Kieler Forschenden im SFB 1182, im Exzellenzcluster PMI sowie innerhalb der CAU-Forschungsgruppe miTarget Stück für Stück weitere Faktoren identifizieren, die die Zusammensetzung und Balance des Darmmikrobioms mitbestimmen. Ein Ansatz dabei wird es sein, einzelne kritische Bakterienarten zu erkennen, deren Vorkommen und Häufigkeit sowohl als Risiko- wie auch als Schutzfaktoren die mikrobielle Besiedlung des Körpers maßgeblich beeinflussen. „Unsere Analysen großer Mengen genetischer Daten im Rahmen von möglichst umfangreichen Kohorten-Studien werden Klinikerinnen und Klinikern bei dieser Suche wertvolle Hinweise liefern, an welchen Stellen sie am besten in das Mikrobiom eingreifen können, um künftig auf einer gestörten Bakterienbesiedlung beruhende Krankheiten gezielt zu behandeln“, betont Professor Andre Franke, Mitglied im SFB 1182 und Exzellenzcluster PMI sowie Sprecher der Forschungsgruppe miTarget. „Die Identifizierung solcher Therapieziele ist ein wichtiger erster Schritt auf dem Weg zu einer künftigen Behandlung beispielsweise von chronischen Darmentzündungen durch gezielte Veränderungen der Zusammensetzung des Mikrobioms“, so Franke weiter.

Angebliche lebensgefährliche Nebenwirkungen Biontech/Pfizer-Impfstoff

Mir entzieht sich die Motivation der Berichterstattung, die der ehemalige Professor an der Universität Mainz,  Prof. Dr. Sucharit Bhakdi, im Internet verbreitet. Was veranlasst einen ehemals seriösen Wissenschaftler zu den Verschwörungstheoretikern zu wechseln und tausenden von gläubigen Bürgern mit Fehlinformationen zu bedienen, die dazu führen, ihre häufig vorhandenen Angst vor dem Impfen zu verstärken? Wenn überhaupt eine Chance gegenüber dem Corona-Virus besteht,  ohne die Bürgerrechte für den Alltag komplett aufzuheben und die geschädigte Wirtschaft wieder in Gang zu bringen, dann ist es die Methode des Impfens. Vermutlich scheint dieser Herr in seinem früheren Berufsleben deswegen frustriert worden zu sein, dass er von der Wissenschaft nicht wahr genommen wurde. Jetzt versucht er das auf unverantwortliche populistische Art zu kompensieren. Hier sein Steckbrief aus der Google-Suche:

Sucharit Bhakdi  ist ein deutscher Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Er war bis zu seinem Ruhestand[2] Professor an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und von 1991 bis 2012 Leiter des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

Für seine vorwiegend in Videos und Interviews geäußerten Thesen zur COVID-19-Pandemie wurde er mehrfach kritisiert. Seine Positionen wurden von Experten und Institutionen, darunter Vertreter der Universitäten Mainz und Kiel, scharf zurückgewiesen und als irreführend bis falsch beschrieben. Er ist Mitautor des Buchs Corona Fehlalarm?.

Damit Sie, als Besucher meiner Homepage, die Chance haben, stets objektiv informiert zu werden, hier ein Faktencheck, der in der Welt der der Wissenschaft, der sogenannten Science Community, akzeptiert wurde.

Jean Pütz

(swr3) – In mehreren Sendungen hat der umstrittene Infektionsepidemiologe Sucharit Bhakdi geschildert, dass der neue Corona-Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer gefährlich sei. Seiner Ansicht nach gibt es vier große mögliche Gefahren der Impfung. Wir prüfen seine Thesen.

Seit Beginn der Pandemie äußert sich der Professor im Ruhestand, Sucharit Bhakdi, regelmäßig über das neuartige Coronavirus. Seine Thesen sind umstritten. So sehr, dass die Johannes Gutenberg-Universität Mainz sich mehrfach, zuletzt Ende Oktober, von ihrem ehemaligen Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene distanziert hat. Die Universität und das Institut betrachtet seine Positionen als „irreführend bis falsch“.

Löst die Impfung von Biontech und Pfizer schwere Nebenwirkungen aus?
Die erste Gefahr ist laut Bhakdi, dass die Impfung viele Nebenwirkungen auslöst, die „recht schwer“ sind. „Junge, gesunde Menschen“ sollen „Fieber, Schüttelfrost, Muskelschmerzen, Gliederschmerzen, Kopfschmerzen und krank“ gewesen sein.

Richtig ist: Der Impfstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und seines US-Partners Pfizer gegen das neue Corona-Virus kann Nebenwirkungen haben, darunter auch die, die Sucharit Bhakdi angegeben hat. Eine Studie im New England Journal of Medicine bringt Klarheit darüber, was uns nach der Impfung mit dem Corona-Wirkstoff des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharma-Riesen Pfizer erwarten kann. Zu den bereits bekannten Nebenwirkungen gehören Rötungen, Schwellungen oder auch leichte Schmerzen an der Einstichstelle. Außerdem kann es in den ersten drei Tagen nach der Impfung zu Müdigkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen kommen. Im Allgemeinen waren die Nebenwirkungen schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit ab.

Aber: Bhakdi schätzt diese Nebenwirkungen als „recht schwer“ ein. Der Direktor des Instituts für Klinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene an der Uniklinik Erlangen, Christian Bogdan hält den Impfstoff von Biontech und Pfizer für „reaktogener“ im Vergleich zu vielen etablierten Impfstoffen. Die Nebenwirkungen können also häufiger auftreten als etwa bei Grippe-, Tetanus- oder Diphtherieimpfungen. Viele Impfexperten vergleichen die Reaktionen auf den Corona-Impfstoff von Biontech und Pfizer mit denen nach einer Gürtelrose-Impfung. Kein Grund aber für größere Bedenken.

Die Verträglichkeit des Impfstoffes wird aber auch nach der Zulassung der EU weiter überprüft. Das für Deutschland zuständige Paul-Ehrlich-Institut ist daher auf Meldungen von Herstellern, Ärzten, aber auch von Patienten angewiesen.

Haben wirklich keine Menschen aus der Risikogruppe die Corona-Impfung von Biontech und Pfizer getestet?
Das behauptet zumindest Sucharit Bhakdi im Interview – ohne dabei seine Quellen anzugeben. Und liegt damit falsch.

Richtig ist: An der Studie mit rund 45.000 Geimpften nahmen nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur auch Menschen mit Asthma, chronischen Lungenerkrankungen, Diabetes, Bluthochdruck und Übergewicht teil. Mehr als 40 Prozent der Teilnehmer der Impfstudie in Phase 3 waren laut Hersteller Biontech zwischen 65 und 85 Jahren.

Löst die Corona-Impfung schlimme allergische Reaktionen aus?
Die dritte Gefahr ist laut Bhakdi, dass der Impfstoff „ganz schlimme allergische Reaktionen“ hervorrufen kann.

Richtig ist: In Großbritannien, wo bereits mehr als 140.000 Menschen den Biontech/Pfizer-Impfstoff erhielten, zeigten zwei Geimpfte größere allergische Reaktionen. Die Behörden riefen daraufhin Menschen mit einer „signifikanten“ Allergiegeschichte auf, sich vorerst nicht impfen zu lassen. Auch in Alaska reagierte ein Mensch nach einer Impfung mit starken Allergie-Symptomen.

Aber: Der Mikrobiologe und Impfexperte an der Uni Wien Herwig Kollaritsch sagt, eine derartige Frequenz von allergischen Nebenwirkungen bei hochallergischen Personen sei nicht ungewöhnlich.

Auch der Infektiologe an der Berliner Charité, Leif Erik Sander, sagt, bei den beiden Fällen in Großbritannien handele es sich um Personen mit einer Geschichte von schwersten, lebensbedrohlichen Allergien, die ständig ein Notfallset mit sich tragen.

Solche Menschen hätten bei jedem Arzneimittel und bei jeder Impfung ein starkes Risiko und seien auch nicht in der Zulassungsstudie berücksichtigt worden. Sehr wohl hätten da aber auch Menschen mit Allergien teilgenommen. Allergische Nebenwirkungen seien in der Studie jedoch nicht erhöht gewesen.

Reagiere ich durch die Corona-Impfung stärker auf andere Virusinfektionen?
Doch kann die neue Impfung tatsächlich dazu führen, dass wie Bhakdi sagt, eine nachfolgende Infektion, nicht nur mit dem Coronavirus, sondern auch mit anderen Viren, wie dem Grippevirus, verstärken kann? Nach Ansicht von Bhakdi könnte das zu einem „explosionsartigen Verlauf“ führen.

Richtig ist: Theoretisch ist es möglich, dass sich durch eine Impfung sogenannte unerwünschte infektionsverstärkende Antikörper bilden. Das Paul-Ehrlich-Institut gibt an, das sei ein „theoretisches Risiko“ und forscht deshalb bei den Corona-Impfstoffkandidaten dazu und verlangt auch, dass die Impfstoffentwickler selbst dazu Untersuchungen durchführen.

Falsch ist: Bislang gibt es keine Hinweise darauf, dass durch die Impfung eine Infektion verstärkt wird – weder im Tierversuch, noch bei geimpften Personen. Das sagt das Paul-Ehrlich-Institut. Bislang wurden auch bei anderen mRNA-Impfstoffkandidaten für andere Infektionskrankheiten keine solcher infektionsverstärkenden Antikörper beobachtet.

Löst die Impfung eine Autoimmunerkrankung aus?
Bhakdi spricht in dem Interview außerdem davon, dass die mRNA-Impfung gegen das Corona-Virus deshalb gefährlich ist, weil sie eine Autoimmunkrankheit auslösen könnte.

Richtig ist: Es ist theoretisch möglich, dass eine Autoimmunkrankheit entstehen kann. Das sagte der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts Klaus Cichutek auf einer Pressekonferenz am 8. Dezember mit dem Robert-Koch-Institut. Mit solchen theoretischen Gefahren beschäftigt sich das Institut nach eigener Aussage ausführlich – in klinischen Untersuchungen und in Tierversuchen.

Aber: Es gibt laut Klaus Cichutek, dem Präsidenten des Paul-Ehrlich-Insituts, bislang keine Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung von Biontech und Pfizer eine Autoimmunkrankheit auslöst.

Macht die Corona-Impfung unfruchtbar?
Laut Bhakdi besteht eine weitere Gefahr darin, dass die Impfung unfruchtbar oder sich auf Schwangere oder ihr Embryo auswirken könnte. Auch diese Gefahr benennt er, ohne seine Quellen offenzulegen.

Falsch ist: Bhakdi behauptet, das alles sei nie geprüft worden. Das stimmt allerdings nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts nicht. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass der mRNA-Impfstoff unfruchtbar machen könnte – weder in präklinischen Untersuchungen noch in den klinischen Prüfungen, sagt das Paul-Ehrlich-Institut auf unsere Anfrage. Auch die Tierversuche stellten keinerlei Auswirkungen fest. Weitere Studien mit schwangeren Probandinnen sind nächstes Jahr geplant, das gab Biontech auf der Pressekonferenz am 22. Dezember bekannt.

Wer ist Professor Sucharit Bhakdi?
Wer ist eigentlich dieser Mann, der auf Youtube mit seinen Thesen viele Menschen erreicht? Sucharit Bhakdi ist Professor im Ruhestand, Humanmediziner und Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie. Er war bis 2012 Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene der Universität Mainz. Auf seinem Youtube-Kanal beschreibt er sich selbst als Experten, aber was heißt das schon?

 

 

Wie sicher ist die Stromversorgung in Deutschland ?

(Energiewirtschaftliche Tagesfragen et) – Gegenwärtig deckt die Stromproduktion durch die Energieträger Wind und Sonne 7,2 % des gesamten Endenergieverbrauches in Deutschland ab. Bei der Diskussion über den weiteren Ausbau der Erneuerbaren wird ihre schwankende Verfügbarkeit nicht hinreichend berücksichtigt.

Diese gefährdet aber die Stabilität der Stromnetze. Das Abschalten der Kernkraftwerke und das Zurückfahren der Kohleverstromung in den nächsten zehn Jahren wird, trotz des geplanten Ausbaus von Windenergie- und Photovoltaikanlagen, zu einer Unterversorgung mit elektrischer Energie führen. Weder die Versorgungs- noch die Netzsicherheit ist gewährleistet. Die Problematik wird in diesem Artikel dargestellt und Auswege aus dieser Situation werden aufgezeigt.

Das Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien (EEG) und die Energiewende
Im Jahr 2000 wurde das „Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien“ (EEG) beschlossen [1]. Seine ersten drei Paragraphen lauten:

§ 1 Ziel dieses Gesetzes ist es, im Interesse des Klima- und Umweltschutzes eine nachhaltige Entwicklung der Energieversorgung zu ermöglichen und den Beitrag erneuerbarer Energien an der Stromversorgung deutlich zu erhöhen, […].

§ 2 Dieses Gesetz regelt die Abnahme und die Vergütung von Strom, der ausschließlich aus Wasserkraft, Windkraft, solarer Strahlungsenergie, Geothermie, Deponiegas, Klärgas, Grubengas oder aus Biomasse […] gewonnen wird.

§ 3 Netzbetreiber sind verpflichtet, Anlagen zur Erzeugung von Strom nach § 2 an ihr Netz anzuschließen, den gesamten angebotenen Strom aus diesen Anlagen vorrangig abzunehmen und den eingespeisten Strom […] zu vergüten. […]

Das EEG stellt den Einstieg in die „Energiewende“ dar. Durch das Abschalten aller Kernkraftwerke bis 2022 sowie durch das Beenden der Kohleverstromung bis 2038 soll die Emission von Treibhausgasen, insbesondere von Kohlendioxid (CO2), verringert und dadurch zum Umwelt- und Klimaschutz nachhaltig beigetragen werden. An ihre Stelle sollen erneuerbare Energien (EE) treten, wobei sowohl die Entwicklung von Energiespeichern und die Vergrößerung der Energieeffizienz vorangetrieben als auch Maßnahmen zur Energieeinsparung umgesetzt werden sollen. Die drei Sektoren Strom, Wärme und Mobilität sind gleichermaßen in alle Überlegungen einzubeziehen. In der Novellierung von 2009 wurde festgelegt, den Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung bis 2020 auf einen Anteil von mindestens 30 % zu erhöhen [2]. Wo stehen wir heute?

Fakten
Die im Folgenden zitierten Aussagen und angegebenen Zahlen stammen aus Gesetzestexten der Bundesrepublik Deutschland, aus Veröffentlichungen von Bundesbehörden und wissenschaftlichen Instituten, aus Mitteilungen der Industrie und des Handels sowie aus verschiedenen Datenbanken; all diese Quellen sind frei zugängig. So stellt die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen e. V. statistische Daten verschiedenen Ursprungs systematisch zusammen [3]. Sie weist für 2018 eine jahreskumulierte Bruttostromerzeugung von 643,5 TWh aus. Dabei stammen 233,9 TWh aus der Verstromung der fossilen Energieträger Braunkohle (145,6 TWh), Steinkohle (82,6 TWh) und Mineralölprodukte (5,2 TWh), 76,0 TWh aus Kernenergie, 83,4 TWh aus Erdgas, 226,4 TWh aus erneuerbaren Energieträgern und 27,1 TWh aus allen übrigen Energieträgern.

Zu den EE zählen einerseits Wasserkraft (16,6 TWh), Biomasse (45,7 TWh) und Hausmüll (6,2 TWh) – die stets vorhanden, aber in Deutschland im Wesentlichen nicht ausbaufähig sind – andererseits die volatilen (fluktuierenden) und ausbaufähigen Energieträger, nämlich Wind an Land (onshore): 92,2 TWh, vor der Küste (offshore): 19,3 TWh und Photovoltaik (PV): 46,2 TWh. Häufig wird als Kenngröße für Windenergieanlagen (WEA) und Photovoltaikanlagen (PVA) die Spitzen- oder installierte Leistung (WEA onshore: 52,4 GW; WEA offshore: 6,4 GW; PVA: 45,3 GW) angegeben. Aus der Bruttostromerzeugung berechnet man die ins Netz eingespeiste Leistung: WEA onshore: 10,5 GW; WEA offshore: 2,2 GW; PVA: 5,3 GW. Die Effizienz einer Anlage ergibt sich durch Bildung des Quotienten: eingespeiste Leistung/installierte Leistung und man erhält für WEA an Land: 20,1 %; für WEA vor der Küste: 34,4 %; für PVA: 11,7 %. PVA sind demnach besonders ineffizient.

Aus diesen Daten wird geschlossen, dass die erneuerbaren Energien (Wind, PV, Wasserkraft, Biomasse) mit 35 % an der Bruttostromerzeugung beteiligt sind (2009 waren es nur 16 %) und damit die Zielvorgabe des EEG erreicht sei. Die Angabe 35 % ist zwar der Rechnung nach richtig, vom Ansatz her aber falsch und verschleiert zudem wichtige Tatsachen:

  • Die angegebene genutzte Leistung ergibt sich durch Kumulierung über das gesamte Jahr. Sie beschreibt nicht die Situation zu einem gegebenen Zeitpunkt. WEA liefern bei Flauten und PVA bei Nacht keine elektrische Energie. Die Differenzen zwischen der genutzten Leistung und der installierten Leistung spiegeln genau diese Tatsache wider.
  • Verbraucher erwarten zu jeder Zeit die Verfügbarkeit von elektrischer Energie im benötigten Umfang. Es interessiert sie nicht, dass an einem windreichen, sonnigen Tag ihr gesamter Energiebedarf durch EE gedeckt wird, wohl aber, dass am nächsten Tag mit Dunkelflaute keine elektrische Energie aus WEA und PVA verfügbar ist. Zwar wird im Mittel genug erneuerbare Energie bereitgestellt, aber nicht zu jedem beliebigen Zeitpunkt. Daher wird von fluktuierender oder volatiler Energie gesprochen.

Elektrische Energie wird dagegen durch Kohle- und Kernkraftwerke kontinuierlich bereitgestellt und steht zu jedem beliebigen Zeitpunkt zur Verfügung. Sie fluktuiert nicht, sie ist nicht volatil.

Eine Gleichbehandlung von jahreskumulierten Energien aus fluktuierenden und nicht fluktuierenden Energieträgern ist unzulässig. Die o.g. Prozentangaben sind Artefakte einer unzulässigen Mittelwertbildung und können nicht als Kenngrößen für den Fortschritt der Energiewende verwendet werden: die Volatilität der EE bleibt mit ihren Folgen nämlich immer unberücksichtigt.

Der Umgang mit den Schwankungen bei der Einspeisung von elektrischer Energie in das Stromnetz ist ein zentrales Problem der Energiewende. Wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint, liefert weder eine einzelne noch zehntausende von WEA oder PVA Strom. Und es gibt europaweit, nicht nur deutschlandweit, Zeiten mit Schwachwind und dunkel wird es regelmäßig.

Ein Zeitraum mit sehr geringem Windaufkommen war der 17.06.2020 zwischen 11:00 und 12:00 Uhr mittags. Die folgenden Zahlen ergeben sich aus den Daten zur Bruttostromerzeugung aus allen eingesetzten Quellen, die das European Network of Transmission System Operators for Electricity (Entso-e) rund um die Uhr als Zeitreihe aufzeichnet und im Internet zugängig macht [4]. Die Bruttostromerzeugung in Deutschland betrug in diesem Zeitraum 47,94 GWh, WEA trugen dazu 0,65 GWh, also 1,4 % bei (installierte Leistung: 61,1 GW; Effizienz: 1,1 %). Der schwache Wind beschränkte sich nicht nur auf Deutschland, sondern erstreckte sich auch auf die Länder Irland, Großbritannien, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Polen und Tschechien. In den skandinavischen Ländern und in den südlicheren Ländern Portugal, Spanien, Frankreich und Italien war der Wind nur unwesentlich stärker. Berücksichtigt man noch die Binnenländer Österreich, Schweiz und Ungarn, so ergibt sich, dass 18 europäische Länder 11,0 GWh an elektrischer Energie aus WEA bereitstellten (installierte Leistung: 221,9 GW; Effizienz: 4,96 %). Die gesamte europäische Bruttostromerzeugung aus WEA entsprach gerade einmal 23,0 % der gesamten deutschen Bruttostromerzeugung.

Ein Negativrekord wurde am 08.08.2020 aufgestellt: zwischen 10:00 und 11:00 Uhr vormittags wurden aus WEA in Deutschland 0,136 GWh elektrische Energie ins Netz eingespeist – das sind 0,23 % der gesamten Bruttostromerzeugung und entsprechen 0,22 % der installierten Leistung [4].

Natürlich gibt es auch Zeiten mit extremen Windaufkommen: am 12.03.2020 wurden zwischen 06:00 und 07:00 Uhr morgens durch deutsche WEA 43,83 GWh an Strom bereitgestellt und damit 59,6 % der Bruttostromerzeugung abgedeckt [4]. Diese Zahlen belegen die extremen Schwankungen, mit denen volatile, erneuerbare Energien zur Stromversorgung beitragen.

Daher ein Wort zur Stabilität der Stromversorgung, d.h. der Übertragungsnetze.

Der Bedarf an elektrischer Energie schwankt im Tagesverlauf; der zeitliche Verlauf wird als Lastkurve (oder Lastgang) bezeichnet. Diese wird in der klassischen Kraftwerkstechnik in drei Bereiche unterteilt:

  • Grundlast: Sie bleibt im Tagesverlauf im Wesentlichen konstant. Sie wird von Grundlastkraftwerken (Kernkraft, Braunkohle, Laufwasser), deren Ausgangsleistung nur in gewissen Grenzen verändert werden kann, bereitgestellt.
  • Mittellast: Sie wird von Mittellastkraftwerken (Steinkohle, Gas- und Dampfkraftwerke) bereitgestellt und deckt den größten Teil des über die Grundlast hinausgehenden, auf Grund von Wettervorhersagen prognostizierbaren, zusätzlichen Tagesbedarfs ab.
  • Spitzenlast: Sie wird von Spitzenlastkraftwerken (Gasturbinen, Pumpspeicherwerke) abgedeckt. Diese können innerhalb kürzester Zeit auf ihre Spitzenleistung gefahren werden und so Lastschwankungen ausgleichen und Lastspitzen abdecken.

Kraftwerksbetreiber sind so in Lage, den Bedarf an oder die Nachfrage der Verbraucher nach elektrischer Energie zu befriedigen, indem sie über die Grundlast hinaus Mittellast- oder Spitzenlastkraftwerke zuschalten. Dadurch bleibt die Netzfrequenz von 50 Hz – und damit das Verteilernetz – stabil. Die Nachfrage wird also durch ein entsprechendes Angebot der Kraftwerke befriedigt, der Strommarkt ist nachfrageorientiert.

Dieses Prinzip wird durch das EEG auf den Kopf gestellt: Durch die gesetzliche Vorgabe, der Einspeisung von erneuerbaren Energien den Vorrang geben zu müssen, muss eine angebotsorientierte Steuerung des Stromverbrauches erfolgen. Dazu müssen Spitzen- oder gar Mittellastkraftwerke heruntergefahren werden, wenn besonders viel Wind- oder PV-Strom generiert wird. Im extremen Fall könnte, rein rechnerisch, der gesamte Energiebedarf kurzzeitig durch WEA oder PVA gedeckt werden. Um in einem solchen Fall mit einem eventuellen Überangebot fertigzuwerden, muss Strom exportiert werden oder es müssen Kraftwerksbetreiber sogar Grundlastkraftwerke herunterfahren, was u. U. alle Regelmechanismen des Kraftwerks- und Netzbetriebes, die ein stabiles Netz garantieren, aushebelt. Das Netz droht instabil zu werden.

Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, Reserven an Regelenergie (z. B. Pumpspeicher- und Spitzenlastkraftwerke, die für diese Situation vorgehalten werden müssen) erschöpft sind und auch Stromimporte nicht ausreichen, um die Nachfrage zu bedienen, droht ein Zusammenbruch der Stromversorgung. Um diese zu vermeiden, werden Großverbraucher, z. B. Aluminiumhütten, zwangsweise vom Netz getrennt. Ein solches Vorgehen, es geschah 2018 insgesamt in 78 Fällen, wird mit dem Begriff „Lastabwurf“ verharmlost; die wirtschaftlichen Schäden sind beträchtlich [5]. Solch kritische Situationen treten immer wieder auf. So wurde z. B. am 06., 12. und 25.06.2019 eine „starke Unterspeisung“ festgestellt, wie die vier Netzbetreiber Amprion, 50Hertz, Tennet und TransnetBW in einer gemeinsamen Erklärung bestätigten. Im Klartext heißt das: es war zu wenig elektrische Energie vorhanden, um die Nachfrage zu decken. In der Spitze fehlten 6 GW an Leistung. Das entspricht in etwa der Leistung von fünf Kernkraftwerken. Die Frequenz im gesamten europäischen Verbundnetz sank unter den Sollwert von 50 Hz ab [6].

Die Folgen eines langandauernden und großräumigen Stromausfalls (blackout) hat der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages bereits 2011 untersucht [7]. Die Folgen führen zu einer nationalen Katastrophe.

Bislang konnte ein Überangebot an elektrischer Energie, das durch den Ausbau erneuerbarer Energien zustande kommt, ohne dass gleichzeitig die konventionelle Stromerzeugung zurückgegangen wäre, durch Stromexport in das europäische Ausland kompensiert werden. Ist kein Abnehmer zu finden, muss der Strom entsorgt werden, d.h. er wird ins Ausland geliefert und zusätzlich eine Entsorgungsgebühr bezahlt. Man spricht dann verschleiernd von „negativen Strompreisen“. Neben diesen Entsorgungsgebühren entstehen zusätzliche Kosten durch das EEG: die Betreiber der Stromnetze müssen Strom aus WEA und PVA zu einem festen Preis abnehmen und am EEX-Spotmarkt verkaufen. Im Jahre 2018 (2019) wurde auf diese Weise die während eines Zeitraums von insgesamt 133 (232) Stunden generierte elektrische Energie im Umfang von ca. 4,8 (8,4) TWh mit negativen Strompreisen (und EEG-Umlage) in Höhe von ca. 0,69 (1,3) Mrd. € entsorgt [8].

Wegen der schwankenden Stromerzeugung durch WEA und PVA kann es aber zu Zeiten von geringen EE-Aufkommen nötig sein, Strom aus dem Ausland zu importieren, um in Deutschland die Nachfrage zu befriedigen. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) listet für den Import aus europäischen Nachbarländern im Jahr 2018 insgesamt 16,4 TWh auf (aus Frankreich 10,1 TWh, aus Tschechien 2,4 TWh; beide Länder betreiben Kernkraftwerke) [9]. Die Energieexporte in Nachbarländer belaufen sich auf 69,9 TWh (Niederlande: 19,4 TWh – sie regeln ihre Gaskraftwerke ab; Schweiz: 14,3 TWh und Österreich: 12,4 TWh – sie füllen ihre Pumpspeicherwerke) [9]. Die Bilanz ist also ein Exportüberschuss von 53,5 TWh. Wäre man in der Lage, die ins Ausland abgegebene Energie von 69,9 TWh in Deutschland zu speichern, könnte die zu einer sicheren Stromversorgung notwendige Grundlastlast durch diese Speicher bereitgestellt werden. Ein Energieimport würde obendrein entfallen.

69,9 TWh sind eine riesige Menge an Energie: sie würde es ermöglichen, das gesamte Wasser des Bodensees (48 km³) auf eine Höhe von ca. 520 m zu pumpen. Dies wäre die Grundlage für ein Pumpspeicherwerk, das alle Speicherprobleme und Probleme der Netzstabilität auf einen Schlag lösen würde – leider ist ein solches Pumpspeicherwerk nicht zu verwirklichen. Die schiere Größe dieser Zahlen zeigt aber die gigantische Aufgabe, die bei der Umstellung der Elektrizitätsversorgung auf EE-Strom, die unabdingbar große Speicherkapazitäten erfordert, zu bewältigen ist.

Die Energiewende betrifft aber nicht nur den Bereich des elektrischen Stroms sondern auch die Sektoren Wärme und Mobilität, von denen bislang nur der Stromsektor mit seiner Bruttostromerzeugung betrachtet wurde. Schlüsselt man den gesamten Endenergieverbrauch von Deutschland im Jahr 2018 nach Sektoren und Energieträgern auf [10], so ergibt sich folgendes Bild:

Insgesamt wurden 2.499 TWh an Energie genutzt. Die wichtigsten Energieträger waren dabei:

  • Mineralölprodukte: 937 TWh (Verkehr: 706 TWh; Gewerbe, Handel, Dienstleistungen: 79 TWh; Industrie: 28 TWh; Haushalte: 124 TWh);
  • Gase: 606 TWh (Verkehr: 2 TWh; Gewerbe, Handel Dienstleistungen: 103 TWh; Industrie: 262 TWh; Haushalte: 239 TWh);
  • elektrischer Strom, inkl. EE-Anteil: 513 TWh (Verkehr: 12 TWh; Gewerbe, Handel Dienstleistungen: 145 TWh; Industrie: 227 TWh; Haushalte 129 TWh) und
  • Wärme: 266 TWh (Gewerbe, Handel, Dienstleistungen: 48 TWh; Industrie: 79 TWh; Haushalte: 139 TWh).

Elektrischer Strom macht also 20,5 % des Endenergieverbrauchs aus, davon entfallen 35 % auf EE. Somit werden 7,2 % des gesamten Endenergieverbrauches von erneuerbaren Energieträgern abgedeckt. Die anderen Bereiche müssen in einem viel stärkeren Maße als bisher in die Energiewende einbezogen werden.

Wie geht es weiter?
Das „Klimaschutzprogramm 2030“ der Bundesregierung aus dem Jahr 2019 [11] sieht den weiteren marktorientierten Ausbau der erneuerbaren Energien als einen entscheidenden Baustein zur Erreichung der Klimaziele an. Die Bundesregierung hat das Ziel vorgegeben, im Jahr 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien am Stromverbrauch von 65 % zu erreichen. Folgende Schritte sind geplant:

Schrittweiser Ausstieg aus der Kohleverstromung mit dem Ziel, die Nennleistung aller stromproduzierenden Kohlekraftwerke (Braun- und Steinkohle; Nettonennleistung am 01.04.2020 20,9 bzw. 22,6 GW [12]) bis 2030 auf 17 GW (Braunkohle 9 GW, Steinkohle 8 GW) zu reduzieren. Diese Vorgabe wurde im Kohleausstiegsgesetz [13] vom Juli 2020 erneut festgeschrieben und weiter präzisiert: bereits mit Ablauf des Jahres 2022 soll die Nettonennleistung der Braun- und Steinkohlekraftwerke auf jeweils 15 GW beschränkt werden. Die Kohleverstromung soll mit Ablauf des Jahres 2038 beendet werden. In den einzelnen Zeitabschnitten soll die Nettonennleistung linear abgesenkt werden.

Kommentar: Der Ansatz des Klimaschutzprogramms [11] und des Kohleausstiegsgesetzes [13] zur Beschränkung der CO2-Emissionen ist grundsätzlich falsch: nicht die Nennleistung der Kohlekraftwerke, sondern ihre Bruttostromerzeugung hätte begrenzt werden müssen, wenn Klimaschutzziele erreicht werden sollen. Über die Anhebung der Volllaststunden kann die Bruttostromerzeugung bei gleichbleibender Nennleistung vergrößert werden und die CO2-Emissionen steigen entsprechend an.

Weder in [11] noch in [13] wird darauf Bezug genommen, dass durch das Abschalten der Kernkraftwerke, die frei von CO2-Emissionen sind, mit Ablauf des Jahres 2022 ihr Anteil an der nicht fluktuierenden Stromerzeugung und damit der stabilen Grundlast entfällt. Wie dieser Beitrag substituiert werden soll, wird nicht diskutiert. Für den Ersatz der elektrischen Energie aus der Kohleverstromung werden dagegen in [11] Vorgaben gemacht, die im Folgenden vorgestellt werden.

1. Neue Abstandsregelungen für Windenergieanlagen an Land sollen ihre Akzeptanz erhöhen

Kommentar: Hier wird ein Problem unberücksichtigt gelassen. Laut Umweltbundesamt beträgt das gesamte Leistungspotenzial der ausgewiesenen Flächenkulisse ca. 80 GW [14]. Dabei gehen die gegenwärtigen Abstände zwischen Siedlungen und WEA ein, welche nur in Bayern durch die 10H-Regel festgelegt sind. Diese besagt, dass zwischen WEA und Siedlungen ein Mindestabstand von zehnmal der Nabenhöhe (H) einer WEA bestehen muss. Bei einer Nabenhöhe von 150 m sind dies 1.500 m; Abweichungen sind auf Antrag möglich. In anderen Bundesländern sind Mindestabstände von 300 m zulässig. Würden bundesweit Mindestabstände deutlich über 300 m festgelegt werden, besteht auf Grund der gegenwärtigen Flächenkulisse für die WEA an Land keine Ausbaumöglichkeit. Die vom Bundestag im Mai 2020 beschlossenen Abstandsregeln für WEA [15] von maximal 1.000 m erlauben jedoch jedem Bundesland, eigene Regelungen zu treffen, sodass auch weiterhin von der in [14] ausgewiesenen Flächenkulisse ausgegangen werden kann.

Gehen wir von dieser ausgewiesenen Flächenkulisse aus, so ist ein Ausbau der installierten Leistung auf 80 GW möglich (echter Zuwachs 27,6 GW); das bedeutet bei einer Effizienz der WEA von 20,1 % eine zusätzliche Energie von 48,6 TWh.

Die im Jahre 2019 in Betrieb genommenen 243 WEA an Land hatten eine durchschnittliche installierte Leistung von 3,3 MW [16]. Um 27,6 GW zu installieren, bedarf es weiterer 8.360 WEA (Bestand 2019: 29.456 WEA).

2. Das Ziel für den Ausbau der Windenergie vor der Küste wird auf 20 GW im Jahr 2030 angehoben

Kommentar: Die Beschränkung der offshore WE auf 20 GW bedeutet einen Zuwachs von maximal 13,6 GW oder, bei einer Effizienz der WEA von 34,4 %, einen Energiebetrag von 41 TWh. Die Deckelung der WEA vor der Küste könnte einen technischen (und in Folge einen finanziellen) Grund haben. Wenn Anlagenbetreiber den generierten Strom nicht ins Netz einspeisen können, weil entweder die Anbindung von offshore WEA an das Stromnetz noch nicht erfolgt ist oder eine Abregelung von WEA bei großen Windstärken nötig ist, führt das auf Grund des EEG 2009 zu einer Entschädigung für die Anlagenbetreiber [16].

Die im Jahre 2019 in Betrieb genommenen 160 WEA vor der Küste hatten eine durchschnittliche installierte Leistung von 6,9 MW [16]. Um weitere 13,6 GW zu installieren bedarf es etwa 1.970 WEA (Bestand 2019: 1.469 WEA).

3. Der derzeit noch bestehende Deckel von 52 GW für die Förderung des Ausbaus von Photovoltaik-Anlagen wird aufgehoben

Kommentar: Der Ausbau der onshore und offshore WEA kann bis zum Jahre 2030 89,6 TWh substituieren. Da die nicht volatilen erneuerbaren Energieträger Wasserkraft, Biomasse, Geothermie und Hausmüll in Deutschland nicht wesentlich ausgebaut werden können, muss auf Photovoltaik zurückgegriffen werden, um weitere EE bereitzustellen. Daher wird der derzeit noch bestehende Deckel von 52 GW für die Förderung des Ausbaus von Photovoltaik-Anlagen aufgehoben. Die vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme (ISE) zusammengestellten Fakten zur Photovoltaik in Deutschland [17] zeigen, dass in den vergangenen fünf Jahren ein Zubau von 10 GW erfolgte. Ein Zubau von maximal 5 GW pro Jahr wird für möglich gehalten. Dann würden 2020-2030 maximal 55 GW installiert werden können, dadurch würden weitere 56,2 TWh verfügbar werden.

Die geplanten Maßnahmen würden bis 2030 die Verfügbarkeit von 145,8 TWh an elektrischer Energie zur Folge haben. Linear über 11 Jahre verteilt bedeutet dies einen jährlichen Zuwachs von 13,25 TWh.

Welche elektrische Energie ist zu substituieren?
Kernkraftwerke stellen eine stabile Grundlast dar und laufen rund um die Uhr. Sie erzeugten in den Jahren 2017-2019 im Mittel 75,8 TWh [3]. Diese entfallen ab dem Jahr 2023 vollständig. Der Beitrag der im Klimaschutzprogramm [11] geplanten EE-Maßnahmen beträgt nach drei Jahren 39,75 TWh und substituiert nicht den Verlust von 75,8 TWh, der aus dem Abschalten der Kernkraftwerke resultiert.

Schwieriger ist die Abschätzung der elektrischen Energie, die durch das Zurückfahren der Kohleverstromung fehlen wird. Der Energieverbrauch ist nicht konstant, da er von unvorhersehbaren Ereignissen wie Wirtschafts- oder Finanzkrisen, von extremen Großwetterlagen oder einer Pandemie beeinflusst werden kann. Um dennoch eine Vorstellung zur Situation in den Jahren 2023 und 2030 zu erlangen, werden folgende Annahmen gemacht. Für das Jahr 2020 wird von einer Nettonennleistung von 20,9 und 22,6 GW [12] für Braun- bzw. Steinkohleverstromung ausgegangen, die nach Maßgabe des Kohleausstiegsgesetzes [13] von 2020 an bis 2030 reduziert wird. Es wird ferner angenommen, dass in den Jahren 2020 bis 2030 ein gleichbleibender Energiebedarf besteht, der durch eine Bruttostromerzeugung befriedigt werden muss, die so groß ist wie die im Mittel der Jahre 2017-2019 [3], nämlich 140,0 TWh aus Braunkohle, 77,6 TWh aus Steinkohle und zusätzlich 75,8 TWh, die durch das Abschalten der Kernkraftwerke fehlen werden. Es wird also von einer notwendigen jährlichen Bruttostromerzeugung von 293,4 TWh bei gleichbleibender Volllast (Braunkohle: 6.700 h; Steinkohle: 3.430 h; 1 Jahr = 8760 h) ausgegangen. Mit diesen Annahmen folgt für 2023 ein Fehlbetrag von 96,4 TWh und für 2030 einer von 59,8 TWh. Würden Kernkraftwerke weiterhin am Netz bleiben, fehlten 2023 nur 20,6 TWh, während der Ausbau der EE im Jahr 2030 zu einer zusätzlichen Energie von 16,0 TWh führen würde.

Bei dieser Abschätzung wurde unterstellt, dass der notwendige Ausbau von WEA im Umfang von 8.360 WEA an Land und 1.970 WEA vor der Küste realisierbar ist – es wären, auf 11 Jahre gleichmäßig verteilt, 760 bzw. 179 WEA in jedem Jahr. Der tatsächliche Zubau im Jahr 2019 (1. Halbjahr 2020) betrug 243 (90) bzw. 160 (32) WEA [16]. Der im Klimaschutzgesetz [11] vorgesehenen Ausbau der WEA scheint gegenwärtig nicht im vollen Umfang möglich. Der Fehlbetrag in der Stromversorgung ist daher wahrscheinlich noch größer als er im vorigen Absatz abgeschätzt wurde.

Folgerung: Die geplante Substitution der elektrischen Energie, die durch Abschalten der Kernkraftwerke mit Ende des Jahres 2022 und dem Zurückfahren der Kohleverstromung in den Jahren 2020 bis 2030 nötig wird, ist durch EE nicht möglich – die Energieversorgung ist auf dieser Basis nicht sicher.

Sicher ist aber, dass bereits der im Rahmen des Klimaschutzprogrammes angestrebte Ausbau von WEA und PVA bis 2030 auf 96,2 GW (145,8 TWh) schon viel früher zu erheblichen Problemen für die Stabilität der Netze führen wird, da die stabile Grundlast, bereitgestellt durch Kernkraftwerke und Braunkohlekraftwerke, drastisch reduziert werden soll. Um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten gestattet die Bundesnetzagentur gegenwärtig nicht, systemrelevante Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von ca. 4,2 GW endgültig stillzulegen [18].

Sicher ist auch, dass die Sektoren Wärme und Mobilität von dem Klimaschutzprogramm nicht profitieren können, wenn noch nicht einmal die erneuerbaren Energien den Strom aus Kern- und Kohlekraftwerken substituieren können. Die elektrische Energie für 7 bis 10 Mio. E-Autos, die im Jahr 2030 auf deutschen Straßen rollen sollen, ist dann auch nicht verfügbar.

Auswege
Die aufgeführten Zahlen belegen, dass elektrische Energie durch WEA und PVA allein nicht den Wegfall von elektrischer Energie aus Kern- und Kohlekraftwerken, wie er bis 2030 geplant ist, kompensieren kann. Zwar wird es immer wieder Tage mit Starkwind und viel Sonnenschein geben, die zu einem Überfluss an EE führen, aber während Dunkelflauten liefern weder WEA noch PVA elektrische Energie – auch wenn man ihre Anzahl verdoppelt, verzehnfacht oder verhundertfacht.
Der Ausbau der EE über den bisherigen Bestand hinaus ist zudem auf Grund der in Deutschland verfügbaren Flächen für WEA und PVA nur sehr beschränkt möglich [14]. Er würde außerdem wegen des Wegfalls grundlastfähiger Energieträger die Stabilität der Stromnetze auf Höchste gefährden – das Szenario eines blackout nimmt realistische Züge an. Und wenn noch nicht einmal der Stromsektor abgedeckt werden kann, wie sollen dann die Sektoren Verkehr und Wärme befriedigt werden?

Für die Abdeckung des Stromsektors bestehen kurz- und mittelfristige Möglichkeiten. Kurzfristig könnten die Volllaststunden der Kohlekraftwerke erhöht werden, um zu einer besser gesicherten Grundlast beizutragen, ohne die durch das Kohleverstromungsgesetz [13] begrenzte Nettoleistung zu verändern – ein solches Vorgehen konterkariert allerdings die beabsichtigte Verringerung der CO2-Emissionen. Kurz- und mittelfristig müssen Gas- und Dampfkraftwerke eine größere gesicherte Leistung bereitstellen. Der Bau der Gasleitung Nord Stream 2 weist auf die Absicht hin, Deutschlands Versorgung mit mehr Erdgas als gegenwärtig verfügbar ist zu sichern. Der Plan, ein Terminal an einem Nordseehafen (Brunsbüttel, Stade oder Wilhelmshaven) für das Anlanden von Flüssiggas (Liquid Natural Gas, LNG) einzurichten, hat dasselbe Ziel [19]. Der Bau von Gaskraftwerken im großen Maßstab geht gegenwärtig wegen fehlender wirtschaftlicher Attraktivität nur langsam voran [20] – sie werden ja nur bei geringen Erträgen der WEA und PVA als Reservekraftwerke gebraucht.

In diesem Zusammenhang ist es bemerkenswert, im § 54 (1) des Kohleausstiegsgesetzes [13] zu lesen: „Die Bundesregierung überprüft […] die Auswirkungen der Reduzierung und Beendigung der Kohleverstromung auf die Versorgungssicherheit, auf die Anzahl und die installierte Leistung der von Kohle auf Gas umgerüsteten Anlagen […]“. Der Umbau von Kohle- zu Gaskraftwerken wird also explizit in Erwägung gezogen, wenn nicht sogar geplant – dem zu erwartenden Engpass in der Stromversorgung soll somit vorgebeugt werden.

Gaskraftwerke, sowohl Neuinstallationen als auch umgebaute Kohlekraftwerke, wären in der Lage, die Lücke in der Stromversorgung bis 2030 zu schließen. Sie trügen auch zur Netzstabilität bei, wenn sie zur Sicherung der Grundlast eingesetzt würden. Sie sind jedoch wenig geeignet, die CO2-Bilanz entscheidend zu verbessern, denn der Emissionsfaktor von Erdgas von 0,202 t CO2/MWh ist gerade einmal halb so groß wie der von Rohbraunkohle (0,407 t CO2/MWh). Rohsteinkohle liegt mit 0,335 t CO2/MWh etwa dazwischen (zu den Emissionsfaktoren siehe [21]). Es darf obendrein nicht vergessen werden, dass durch die langen Transportwege von Erdgas oder LNG nach Deutschland eine beträchtliche, zusätzliche globale Emissionsbelastung eintritt, die den niedrigeren Emissionsfaktor relativiert. Da der Strom aus Kernkraftwerken (keine CO2-Emission!) voraussichtlich durch Strom von Gaskraftwerken ersetzt werden wird, werden sich die CO2-Emissionen in ihrer Summe, trotz Rückgang der Kohleverstromung, nicht in dem Maße verringern, wie es mit dem Klimaschutzprogramm [11] und dem Kohleverstromungsgesetz [13] beabsichtigt wurde – das Klimaschutzziel wird verfehlt werden.

Langfristig kann eine stabile Versorgung mit elektrischer Energie im heutigen oder im noch größeren Umfang nur durch die Bereitstellung von Speichern gemeistert werden. Die gegenwärtigen Stromflüsse ins benachbarte Ausland entsprechen 69,9 TWh elektrischer Energie. Diese oder noch mehr zu speichern ist eine Herausforderung sondergleichen. Sie anzunehmen lohnt sich aber, denn mit dieser Energiemenge könnte der gesamte Endenergieverbrauch an elektrischer Energie (513 TWh im Jahr 2018 [10]) etwa 50 Tage lang gedeckt werden.

Idealerweise würde aller volatiler EE-Strom zwischengespeichert, um von seiner schwankenden Verfügbarkeit unabhängig zu werden. Diese Speicher müssten zunächst durch Konversion des EE-Stroms beladen und bei Bedarf wieder entladen werden. Zur Konversion bieten sich Power-to-X Anlagen an. Dabei steht X für Wärme, Kälte, Gas (z. B. Wasserstoff), chemische Substanzen oder mechanische Systeme. Speichersysteme können ihrerseits thermisch, chemisch, elektrochemisch (Akkumulatoren, im gängigen Sprachgebrauch: Batterien) oder mechanisch sein. Eine kritische Analyse entlang einer solchen Kette aus Aufladung, Speicherung und Entladung ergibt, dass für jeden einzelnen Schritt Technologien im MWh-Bereich kommerziell zur Verfügung stehen [22], nicht aber im TWh-Bereich. Es fehlt also ein Faktor von einer Million bei der Realisierbarkeit von Speichern für elektrische Energie im notwendigen Umfang.

Die von der Bundesregierung im Juni 2020 ins Leben gerufene Nationale Wasserstoffstrategie (NWS) [23] entwirft das Zukunftsbild einer auf Wasserstoff basierenden Energiewirtschaft. Es wird festgestellt, dass die Erzeugung und Nutzung von Wasserstoff gegenwärtig nicht wirtschaftlich erfolgt. Dies soll durch umfangreiche finanzielle Maßnahmen behoben werden, durch die der „Markthochlauf von Wasserstofftechnologien in Deutschland“ [23] beschleunigt werden soll. Dazu gehört als besonders dringende Herausforderung die Entwicklung von Elektrolysetechniken, die beim Einsatz von fluktuierenden EE im großtechnischen Maßstab erfolgversprechend angewendet werden können. Energiespeicher auf der Basis power-to-hydrogen vor 2030 in einem Umfang realisieren zu wollen, der Stromexporte hinfällig und den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft möglich macht, scheint vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Verfügbarkeit entsprechender Verfahren [22] als überaus optimistisch.

Fazit
Die Versorgung mit elektrischer Energie im gegenwärtigen Umfang kann bis zum Jahr 2030 durch massiven Einsatz von Gaskraftwerken gesichert werden – diese tragen jedoch zu CO2-Emissionen bei; die angestrebten Klimaschutzziele werden dadurch verfehlt. Der Einsatz erneuerbarer Energien in einem noch größeren Umfang für Elektromobilität und Wasserstoffwirtschaft ist für den Zeitraum bis 2030 unrealistisch – es sei denn, das Speicherproblem würde eher gelöst.

Quellen

(letztmalig aufgerufen am 02.09.2020)

[1] https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl100s0305.pdf%27%5D__1572945668092

[2] https://www.clearingstelle-eeg-kwkg.de/sites/default/files/EEG_2009_juris_Stand_091222.pdf

[3] https://www.ag-energiebilanzen.de

[4] https://www.entsoe.eu

[5] https://edition.faz.net/faz-edition/wirtschaft/2019-01-12/0ef138ca4a91f74600c9c37e8a8d9a2d/?GEPC=s2&fbclid=IwAR2Cvpr0Xb4HJYrIm6Xvhws2h5d3B-7GwOZsVsnmLFaR-Jh2I–S0gMEUGY

[6] https://www.handelsblatt.com/unternehmen/energie/energiewende-blackout-gefahr-im-deutschen-netz-wurde-der-strom-knapp/24515468.html?nlayer=Themen_11804704

[7] https://www.tab-beim-bundestag.de/de/pdf/publikationen/buecher/petermann-etal-2011-141.pdf

[8] Zahlenwerte ermittelt von R. Schuster, Vernunftkraft.Landesverband Hessen e. V., basierend auf Daten veröffentlicht unter: https://www.erneuerbare-energien.de/EE/Redaktion/DE/Downloads/eeg-in-zahlen-xls.xlsx?__blob=publicationFile&v=12

[9] https://www.energy-charts.de/exchange_de.htm?source=de_pf&year=2018

[10] https://www.umweltbundesamt.de/daten/energie/energieverbrauch-nach-energietraegern-sektoren

[11] https://www.bundesregierung.de/resource/blob/975226/1679914/e01d6bd855f09bf05cf7498e06d0a3ff/2019-10-09-klima-massnahmen-data.pdf?download=1

[12] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Erzeugungskapazitaeten/Kraftwerksliste/kraftwerksliste-node.html

[13] https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2020/0301-0400/0392-20.html

[14] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-03-20_pp_mindestabstaende-windenergieanlagen.pdf

[15] https://www.sonnenseite.com/de/politik/einigung-beim-windkraft-ausbau-lnder-knnen-bis-zu-1.000-meter-abstand-nehmen/

[16] https://www.windguard.de/veroeffentlichungen.html

[17] https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.html

[18] https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Sachgebiete/ElektrizitaetundGas/Unternehmen_Institutionen/Versorgungssicherheit/Erzeugungskapazitaeten/KWSAL/KWSAL_node.html

[19] https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/energie-brunsbuettel-brunsbuettel-deutsche-und-spanier-sollen-lng-terminal-bauen-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200625-99-560564

[20] https://www.bdew.de/media/documents/PI_20190401_BDEW-Kraftwerksliste.pdf

[21] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1968/publikationen/co2-emissionsfaktoren_fur_fossile_brennstoffe_korrektur.pdf

[22] https://www.vgb.org/vgbmultimedia/PT201908PIEPER-p-15598-pk_campaign-vgb_newsletter.pdf

[23] https://www.bmbf.de/files/die-nationale-wasserstoffstrategie.pdf

Prof. em. Dr. H. Freiesleben, Institut für Kern- und Teilchenphysik, Technische Universität Dresden

Original aus:  „Energiewirtschaftliche Tagesfragen“, Heft 10, 2020, S. 53-58

 

Forscherinnen ausgezeichnet für Methode zur Genom-Editierung

(SWR 2) – Der diesjährige Nobelpreis für Chemie geht an die Französin Emmanuelle Charpentier und die Amerikanerin Jennifer A. Doudna. Sie erhalten den Preis für die Entwicklung von CRISPR /Cas9, einer Methode zur Genom-Editierung.

Mit der CRISPR/Cas – Technologie, die landläufig auch „Genschere“ genannt wird, könnten Forscher*innen mit hoher Präzision das Erbgut, also die die DNA, von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen verändern. Diese Technologie habe die Biowissenschaften revolutioniert, trage zu neuen Krebstherapien bei und könne möglicherweise dabei helfen, Erbkrankheiten zu heilen, heißt es in der Begründung des Nobelpreis-Komitees.

Scharlachbakterien haben Superkräfte
Die Französin Emmanuelle Charpentier, seit 2018 Gründungs- und geschäftsführende Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene, hat 2011 per Zufall entdeckt, dass Scharlachbakterien (Streptococcus pyogenes) Superkräfte besitzen. Einen Virusangriff überstehen sie mit einer ganz speziellen Taktik:

Wenn ein Virus ein Bakterium angreift, injiziert es sein Erbgut in die Bakterienzelle. Das Bakterium reagiert – und baut ein Stück der Virus-DNA in sein eigenes Erbgut ein. So erstellt das Bakterium ein Feindarchiv – es „merkt“ sich den Angreifer – und kopiert einen Strang der Virus-DNA. Diese Kopie dient nun als Vergleichsmuster. Es heftet sich an ein Enzym, das wie eine Schere DNA zerschneiden kann. Ein Abgleich mit dem Muster und die Genschere macht die DNA des Eindringlings unschädlich.

Austausch und Reparatur von Genen möglich
Ihre Entdeckung hat Emmanuelle Charpentier dann zusammen mit der US-amerikanischen Biochemikerin Jennifer Doudna so weiterentwickelt, dass dieser Abwehrmechanismus nun für ganz andere Zwecke genutzt werden kann.

In ihrer natürlichen Form kann die Genschere die DNA von Viren erkennen. Charpentier und Doudna konnten aber beweisen, dass die Genschere so kontrolliert werden kann, dass sie jedes DNA-Molekül an einer vorbestimmten Stelle schneiden kann. Und damit ist es möglich, den Code des Lebens neu zu schreiben.

Die Forscherinnen können diese Genscheren in abgewandelter Form auch in Zellen anderer Lebewesen einschleusen, die dann ganz gezielt fehlerhafte Stellen im Erbgut erkennen und die DNA genau hier zerschneiden. Mutierte Gene, die z.B. Krankheiten verursachen, können so ausgeschaltet werden. Mithilfe dieser Methode könnten nicht nur Gene zerschnitten, sondern auch repariert oder ausgetauscht werden.

Seit der Entdeckung der Genschere CRISPR/Cas durch Charpentier und Doudna im Jahr 2012 kam die Methode immer häufiger zum Einsatz. Dieses Werkzeug hat zu vielen wichtigen Entdeckungen beigetragen in der Grundlagenforschung und in der Praxis:

  • Pflanzenforscher konnten Pflanzen entwickeln, die gegenüber Schimmel, Schädlingen und Trockenheit unempfindlich sind
  • In der Medizin gibt es klinische Studien zu neuen Krebstherapien.
  • Erbkrankheiten könnten erstmals geheilt werden.

Diese genetischen Scheren haben in den Biowissenschaften eine neue Epoche eingeläutet und bringen der Menschheit in vielerlei Hinsicht „den größten Nutzen“, so die Aussage des Nobelpreiskomitees.

Ethische und medizinische Bedenken gegenüber CRISPR/Cas
Aber es gibt gegenüber der Genschere auch einige ethische und medizinische Bedenken. So hatte im Herbst 2018 ein chinesischer Forscher bekanntgegeben, dass er die Gene von zwei ungeborenen Mädchen verändert hat – mithilfe der Technik CRISPR/Cas.

Der chinesische Forscher He war vermutlich der erste, der mit der CRISPR/Cas Methode in die menschliche Keimbahn eingriff und dabei direkt das Erbgut veränderte. Die manipulierten Gene sind also in allen Zellen des Körpers und werden auch an spätere Nachkommen der Zwillinge weitergegeben. Der Forscher wollte mit dem Eingriff die Babys gegen eine HIV-Infektion immunisieren.

Emanuelle Charpentier, eine der Entdeckerinnen der Genschere CRISPR/Cas, sprach damals von einer roten Linie, die überschritten wurde. Außerdem ist das gentechnische Werkzeug CRISPR/Cas laut vielen Experten noch nicht so weit entwickelt, dass es sich zur Anwendung beim Menschen eignet. Hinzu kommen ethische Bedenken, ob man die Gene von Embryonen überhaupt verändern sollte. CRISPR/Cas ist also eine Methode, die zwar viele Möglichkeiten bietet, mit der aber auch verantwortungsvoll umgegangen werden muss.

Patentstreit noch nicht vorbei
Spannend bei der Vergabe des Preises an Charpentier und Doudna ist, dass sich die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften hier in einen laufenden Patentstreit einmischt. Denn neben den beiden Forscherinnen gibt es noch weitere Kandidaten, die an der Entdeckung von CRISPR/Cas9 beteiligt waren, die jetzt leer ausgingen.

Dass CRISPR/Cas9 mit einem Nobelpreis geehrt wird, war aber vielen Experten klar – die Frage war nur wann. Toni Cathomen, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin und Gentherapie des Universitätsklinikums Freiburg sagte zu der Vergabe:

„Die Entdeckerinnen erhalten völlig zu Recht den Nobelpreis. CRISPR/Cas ist ein absoluter Glücksfall für die Lebenswissenschaften.“

Die Preisträgerinnnen
Emmanuelle Charpentier, geboren 1968 in Juvisy-sur-Orge, Frankreich. Abteilungsleiterin am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Braunschweig und Professorin an der Medizinischen Hochschule Hannover (2013-2015). Seit 2018 Gründungs- und geschäftsführende Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene.

Jennifer A. Doudna Cate, geboren 1964 in Washington D.C. Sie erwarb 1989 einen PhD an der Harvard University. Die Biochemikerin und Molekularbiologin ist seit 2003 Professorin an der University of California, Berkeley Doudna forscht außerdem seit 1997 für das Howard Hughes Medical Institut in Maryland, USA.

Mit Charpentier und Doudna teilen sich das erste Mal zwei Frauen den Chemienobelpreis. Sie sind außerdem erst die sechste und siebte Frau, die den Preis gewinnen.

13.01.21 Impfen, ja oder nein?! Wie funktioniert der neue Corona Impfstoff ?

Impfen, ja oder nein?!
Wie funktioniert der neue Corona Impfstoff, hält er was von ihm erwartet wird, welche Nebenwirkungen, Risiken und Nachwirkungen besitzt er?
Eine elegante Möglichkeit, dem heimtückischen Corona-Virus die Stirn zu bieten, besteht in der Impftherapie. Das Virus hat unsere moderne Welt in Unordnung versetzt, es hat sowohl persönliches Elend gebracht als auch die Weltwirtschaft so geschädigt, dass die Frage erlaubt ist, ob sie jemals wieder auf die Beine kommt. Es gibt viele Bürger, die Vorbehalte gegen diesen Eingriff in den menschlichen Körper haben. Das liegt vielleicht auch daran, dass es schwer ist zu beweisen, warum man nicht krank geworden ist. Möglicherweise steht deshalb dem Impfen der eigene Erfolg im Wege. Immerhin ist es gelungen, die großen Seuchen wie die Cholera, die Pest, die Pocken, die im Mittelalter mehr als die Hälfte der Bevölkerung dahingerafft haben, in die Schranken zu weisen. Das Glück, welches unser Nachwuchs hat, nicht mehr von der Kinderlähmung zu Krüppeln gemacht zu werden, die Folgen von Keuchhusten, Milzbrand, Scharlach, Typhus in Grenzen zu halten sowie die schlimmen Nachwirkungen von Masern und Mumps unseren Kindern zu ersparen, das ist alles der genialsten Erfindung der Medizin, dem Impfen geschuldet.
Ehre den Wissenschaftlern, die erkannt haben, dass jeder Mensch die beste Apotheke der Welt in sich selbst trägt, das Immunsystem. Auch die geniale Entdeckung der Antibiotika, dieser nützlichen Pilze, muss sich hinter der Impfmethode verstecken. Die häufige Anwendung dieser extrem nützlichen antibiotischen Pilze, hat zwar signalisiert, dass man mit Medikamenten fast alles heilen kann, aber sie haben versagt, wenn Viren im Spiel sind. Viren haben sich bisher fast immer gegen die Behandlung mit Medikamenten gewehrt.
Also blieb den Bekämpfern des Covid-19 zunächst nur die Impftherapie. Milliarden wurden folglich auch mit staatlicher Unterstützung – zugegeben mit Erfolg – in die Entwicklung der Corona-Impfstoffe investiert. Dass es verhältnismäßig schnell gelang, liegt auch an der intelligenten Nutzung der Gentechnologie. Dabei spielt die Genschere (auch Crisps genannt) eine entscheidende Rolle. Kaum zu glauben, dass sie gerade einmal 10 Jahre alt ist.
Hier ein Link, der Ihnen, liebe Facebook-Freunde, das erklärt.
Dabei wurde mit dem ausschließlichen Blick auf die Impfmöglichkeit eines vernachlässigt, nämlich die Entwicklung von Medikamenten, die dann helfen, wenn schon eine Infektion vorliegt. Das macht mittlerweile auch die Gentechnologie möglich, als Beispiel sei AIDs genannt. Mich wundert es, dass die Industrie nicht mehr auf diesen Zug aufgesprungen ist, denn mit Medikamenten kann die Pharma-Industrie viel mehr Geld verdienen als mit Impfstoffen. Dabei wäre der Erfolg und die Dankbarkeit des Patienten viel größer, z. B. den Tod durch Corona zu verwehren als im Gegensatz zum Impfen, weil ja niemand weiß, ob er dadurch nicht krank geworden ist. Ein entsprechendes Medikament könnten auch die Impfgegner helfen zu ertragen, wenngleich – so nebenbei bemerkt – es für die Krankenkassen viel teurer würde.
Selbstverständlich ist jede Therapie mit Risiken behaftet. Die Verschwörungstheoretiker bauschen das aber so auf und schüren Ängste, die aus Impfskeptikern Impfgegner machen. Die Erfahrung lehrt, dass diese selbst mit den vernünftigsten Argumenten nicht mehr zu überzeugen sind. Zum Beispiel. dass möglicherwiese zwei oder drei Personen, die durch Nebenwirkungen des Impfstoffs beeinträchtigt oder krank werden, dafür über Hunderttausende vor einer oft tödlichen Krankheit bewahrt werden. Trotzdem sollte der Staat dringend darauf verzichten, einen irgendwie gearteten Impfzwang auszuüben.
Welche Nebenwirkungen und Risiken der neueste Corona-Impfstoff auf der Basis der genialen Methode des MRNA birgt, finden Sie im nachfolgenden Link.
Meine wissenschaftsjournalistischen Kollegen von SR3 haben einen beeindruckenden Faktenscheck mit allem Drum und Dran erstellt, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.
Jean Pütz
Der Vernunft eine Chance Folge 151