Alle Beiträge von Minge

Gebrochene Versprechen: Das Plastikzeitalter

(Pioneer Breifing) – Im Universum der gebrochenen Politikerversprechen hätte das Thema „Kampf dem Plastikmüll“ eine eigene Hölle verdient. In ihr würden viele schmoren, die Rang und Namen haben.

„In Zukunft muss alles Plastik auf dem Markt vollständig recycelbar sein“, sagte der französische Präsident Macron in seiner Videobotschaft am Montag bei der UN-Konferenz in Paris.

„Der Verzicht wird leicht fallen und unsere Umwelt sehr entlasten“, behauptete die Altkanzlerin Merkel bereits anlässlich des Weltumwelttags 2021.

„Nicht Wegwerfplastik, sondern Mehrweg“ sei der neue Standard – frohlockt die amtierende Umweltministerin Steffi Lemke.

Die Wahrheit sieht brutal anders aus. Der neue Standard ist der alte. Der Verzicht fällt nicht leicht, weshalb ihn auch niemand probiert. Plastik wird nicht verboten, sondern in rauen Mengen produziert. Das Plastikzeitalter, sagt Jacqueline Goebel, die Autorin des vergangene Woche veröffentlichten Buches „Die Plastiksucht“, hat eben erst begonnen.

In dieser Woche haben die Vereinten Nationen zu einer großen Plastik-Konferenz nach Paris geladen. Die Faktenlage – an der es nichts zu deuteln gibt – ist erdrückend:

Im vergangenen Jahrhundert sind rund fünf Milliarden Tonnen Plastik in der Umwelt und auf Deponien gelandet. Jedes Jahr kommen inzwischen fast 400 Millionen Tonnen hinzu.

Vor allem der asiatische Raum treibt die Produktion an; Europa stagniert auf hohem Niveau. Wird diese Entwicklung beibehalten, gehen Experten von einer Verdreifachung des Plastikverbrauchs im Jahr 2060 aus.

31 Prozent des weltweit hergestellten Plastiks werden als Verpackung genutzt. Das bedeutet: Fast ein Drittel des Kunststoffs landet schon nach wenigen Tagen – oft nach Minuten – als Müll in der Tonne, im Wasser oder am Straßenrand.

Auf den Weltmeeren verschlechtert sich die Situation unter den Augen einer entsetzten Weltöffentlichkeit. Kunststoffe machen mittlerweile rund 85 Prozent des gesamten Meeresmülls aus. Mehr als 100 Millionen Tonnen Plastik befinden sich schwimmender Weise in den Ozeanen und jedes Jahr kommen rund 10 Millionen Tonnen Plastik dazu. Robben, Seevögel und Fische leiden und verenden oft jämmerlich.

Auch dem Weltklima ist dieses Plastikzeitalter nicht bekömmlich. Insgesamt verursacht der Plastik-Lebenszyklus weltweit 1,8 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente – rund 2,5-mal so viel, wie Deutschland im vergangenen Jahr ausgestoßen hat.

Doch der wirklich erschreckende Faktor liegt nicht in den Kunststoffen selbst, sondern in der Erkenntnis, dass die Politik ihr Primat an die Wirtschaft verloren hat. Es gelingt ihr – trotz aller guten Vorsätze – nicht, die Standards zu setzen und das Versprechen der lebenswerten Umwelt praktisch erfahrbar zu machen.

Der große Verlierer dieser öffentlich erlebbaren Hilflosigkeit von Politik ist die Demokratie. Nutznießer der Plastikflut sind die Unternehmen:

  • Nach Schätzungen von Marktforschungsunternehmen ist die Plastikproduktion 600 Milliarden US-Dollar wert, bis 2030 könnten es 800 Milliarden Dollar sein.
  • Nur 20 Konzerne produzieren die Hälfte des Plastikmülls der Welt, der US-Ölkonzern ExxonMobil führt die Liste an. Das fossile Imperium schlägtzu
  • Lebensmittelkonzerne wollen auf Plastik als Verpackung nicht verzichten. Es ist in der Anschaffung billig und außerdem leichter als Glas, wodurch auch die Kosten für den Transport sinken. Die Organisation „Break Free From Plastic“ fand bei ihren globalen Aufräumaktionen in über 80 Ländern in den vergangenen fünf Jahren am häufigsten Plastikverpackungen des Herstellers Coca-Cola. Dicht dahinter folgen Pepsi Cola, Unilever und Nestlé.
  • Hinzu kommt: Laut EU finden 15 bis 30 Prozent der Müll-Exporte illegal statt. Diese kriminellen Netzwerke würden geschätzt einen Jahresgewinn von 9,5 Milliarden Euro einfahren.
    • Seit Mitte 2021 ist Einwegplastik – zum Beispiel Strohhalme oder Geschirr – in der EU verboten. Seit 2022 gibt es in Deutschland auch keine kostenlosen Plastiktüten mehr. Prof. David Laner, Leiter des Fachgebiets Ressourcenmanagement und Abfalltechnik an der Universität Kassel, erklärt, nur etwa 1,6 Prozent des Plastikabfalls in privaten Haushalten würden durch das Verbot gespart. Weiter:

    Es ist nicht so, dass die Politik das Thema nicht oft schon adressiert hat. Aber keine der Verordnungen scheint zu wirken:

    Fazit: Noch bis Freitag tagt die Plastik-Konferenz der Vereinten Nationen in Paris. Die Hoffnungen auf ein weltweites Plastikgesetz mit durchschlagender Wirkung sind gering. Die Staats- und Regierungschefs glauben, der Hölle der falschen Versprechungen dadurch zu entkommen, dass sie auf der Konferenz gar nicht erst auftreten. Selbst Emmanuel Macron, obwohl der Élysée-Palast nur drei Kilometer Fahrtweg vom Tagungsort entfernt liegt, schickte lediglich eine Videobotschaft.

Master gesucht, Meister noch mehr

(FAZ) – Viele Betriebe suchen händeringend Bewerber für ihre Ausbildungsplätze – und würden sich vor allem über mehr Abiturienten freuen. Aber nur wenige Gymnasiasten bekommen in der Schule ein klares Bild vermittelt, dass ihnen auch über den Weg der beruflichen Aus- und Fortbildung, also ohne Studium, chancenreiche Karrieren offenstehen. Diese kritische Diagnose stellt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und stützt sich auf eine neue große Erhebung unter 20.000 Absolventen der Höheren Berufsbildung. Das sind Menschen, die irgendwann nach der üblichen Berufsausbildung eine Aufstiegsfortbildung gemacht haben und nun zum Beispiel als geprüfte Meister, Techniker oder Bilanzbuchhalter arbeiten.

„Schon in der Berufsorientierung müssen Schülerinnen und Schüler informiert werden, dass sie über eine duale Ausbildung und eine entsprechende Weiterbildung praxisnah eine ebenso erfolgreiche Erwerbsbiografie erfahren können wie Akademiker“, fasst Achim Dercks, stellvertretender DIHK-Hauptgeschäftsführer, die Analyse zusammen. Bisher fehle eine flächendeckende Berufsorientierung für Gymnasiasten – und erst recht eine, die nicht nur in Richtung Studium laufe. Der Erhebung zufolge haben 58 Prozent der Absolventen einer Höheren Berufsbildung damit ihr Gehalt und/oder ihre berufliche Stellung binnen fünf Jahren spürbar verbessert. Gut ein Fünftel schaffte Sprünge von mehr als 750 Euro im Monat.

Nähere Vergleichsdaten zu Einkommen von Hochschulabsolventen einerseits und Absolventen der Höheren Berufsbildung andererseits liefert diese Erhebung nicht. Auskunft gibt aber eine Studie des Tübinger Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung (IAW) von 2019. Akademiker erzielten demnach bis zu ihrem 60. Lebensjahr im Mittel ein Gesamteinkommen von 1,45 Millionen Euro – und damit auf dieser langen Strecke gut 40.000 Euro mehr als geprüfte Meister oder Techniker. Allerdings erarbeiteten sich die Akademiker den Einkommensvorsprung erst spät im Berufsleben: Bis zum 35. Lebensjahr hatten es Weiterbildungsabsolventen schon zu 355.000 Euro gebracht, Akademiker nur zu 260.000 Euro – etwa so viel, wie auch ausgelernte Azubis ohne Weiterbildung bis zu diesem Alter erreicht hatten.

„In der Phase der Familiengründung stehen Weiterbildungsabsolventen also besser da“, folgert Dercks. Tatsächlich gehen der DIHK-Erhebung zufolge die meisten Teilnehmer ihre Aufstiegsfortbildung zwischen Mitte 20 und Mitte 30 an. Doch auch für Betriebe bringe dieser Qualifizierungspfad viele Vorteile, urteilt er: „Sie können aus der eigenen Belegschaft auf Topniveau weitergebildete Fach- und Führungskräfte entwickeln, die mehr Verantwortung übernehmen können und wollen.“ Die Höhere Berufsbildung sei „eine Art Geheimtipp“ für karrierebewusste Mitarbeiter wie auch für unternehmerische Strategien gegen Fachkräftemangel.

Insgesamt verfügen etwa 2,5 Millionen Erwerbstätige in Deutschland über einen höheren Berufsabschluss. Allein von den Industrie- und Handelskammern würden jährlich 60.000 Prüfungen abgenommen, so die DIHK. Aber es könnten „gerne noch mal mehr werden“. Der Arbeitsmarkt für diese Absolventen sei leer gefegt: Ihre Arbeitslosenquote beträgt 1,2 Prozent, ist damit noch niedriger als jene von Akademikern, die um 2 Prozent pendelt.

Mehr Berufsabsolventen für den Klimaschutz

Dass mehr höher qualifizierte Berufsabsolventen gebraucht würden, begründet Dercks zudem mit dem Klimaschutzziel: Es reiche nicht aus, dafür mehr Menschen auszubilden, die Wärmepumpen, Windräder oder Solaranlagen montieren, solange es nicht auch im Vorfeld gut funktioniere: „Entlang der Wertschöpfungskette – etwa von Entwicklung, Beschaffung und Bau bis hin zur Errichtung einer Windkraftanlage – sind die Aus- und Fortbildungsabschlüsse der Beruflichen Bildung über ihre gesamte Bandbreite gefragt.“

Der Weg zum höheren Berufsabschluss ist im Alltag aber fordernd: Meist bereiten sich Kandidaten in Abendkursen neben dem Hauptberuf auf die Prüfung vor. Jenseits der Orientierung für Einsteiger sollte sich nach Ansicht der Kammern daher auch die staatliche Förderung verbessern: Kurs- und Prüfungskosten, die auch 15.000 Euro ausmachen können, werden mit dem „Aufstiegs-Bafög“ zwar zur Hälfte als Zuschuss aus öffentlichen Mitteln bezahlt, zur anderen Hälfte aber nur als Darlehen. Falls die Prüfung schiefgeht, ist für Betroffene neben der Zeit auch viel Geld weg.

„Das ist eine Unwucht zulasten der beruflichen Bildung – zumindest solange es ein gebührenfreies Hochschulstudium gibt“, moniert Dercks. In der Erhebung hatten mehr als die Hälfte der Absolventen für ihre Fortbildung das Aufstiegs-Bafög in Anspruch genommen. Im Koalitionsvertrag haben die Ampelparteien vereinbart, bestehende „Förderlücken“ im Vergleich zum Studenten-Bafög zu schließen. Nun sei es Zeit dafür, findet Dercks.

 

Klimarettungsmoratorium durch Macron

(Pioneer Briefing) – Der französische Präsident Macron ebenso wie viele deutsche Fachleute der Industrie und Volkwirtschaft plädieren für ein vorübergehendes Moratorium der Klimarettungs-Maßnahmen.
Die Ludwig-Börne-Preisträgerin Eva Menasse hat eben erst vor dem „Verschwinden der Öffentlichkeit“ gewarnt. Sie meint damit das Fragmentarische und kleinteilig Parzellierte der sozialen Medien. Ihre Frage an die Jüngeren: „Wo sind die digitalen Wasserstellen, die ihr aufsucht, wenn ihr reden, streiten, verhandeln müsst?“

Doch vor dem Verschwinden der Öffentlichkeit kommt das Nicht-Entstehen-Lassen von Öffentlichkeit. Wenn man so will, ist das Verschwinden vor dem Erscheinen die physikalisch raffinierteste Form, eine Debatte zu unterbinden, wenn man eben gar nicht reden, streiten und verhandeln möchte.

Womit wir bei der ARD und Emmanuel Macron wären. Der große, staatsnahe Deutschland-Sender, der mit jährlichen Einnahmen in Höhe von sieben Milliarden Euro keine Ressourcenknappheit für sich reklamieren kann, hat den effektivsten Kritiker der Brüsseler und Berliner Energiewende de facto trockengelegt.

Dabei fiel Macrons jüngste Absage an die klimapolitische Selbstbeschleunigung von Ursula von der Leyen und Robert Habeck nicht diplomatisch, sondern saftig aus. Sie wurde international – von Le Monde in Paris über die Financial Times in London bis zum Wall Street Journal in New York – als Breaking News behandelt.

Nur die ARD blieb – und zwar im TV und auf ihren digitalen Plattformen – stumm. Der Élyséepalast musste lernen: Jeder Klimakleber darf im staatsnahen deutschen Fernsehen mit mehr Aufmerksamkeit rechnen als der französische Präsident.

Warum das wichtig ist: Macron hatte bei der Vorstellung seiner Strategie zur Reindustrialisierung am Donnerstag gesagt: „Ich rufe zur europäischen regulatorischen Pause auf.“ Er führte aus, dass er damit de facto ein Moratorium für den Green Deal meinte:

„Wir setzen um, was wir beschlossen haben, aber wir müssen aufhören, immer mehr zu beschließen“. Sonst riskiere Europa bei der Regulatorik zu den besten, aber ökonomisch zu den schlechtesten Performern der Welt zu gehören.

Auch Ursula von der Leyen, deren Aufstieg in die Spitze der EU-Kommission ohne Macron nicht denkbar gewesen wäre, drehte sprachlich bei: Die EU müsse unverzüglich ihre Kapazitäten prüfen, ob die große Anzahl neuer Gesetze überhaupt absorbiert werden könne – auch und gerade im Bereich der Klimapolitik.

Die größte Fraktion im Europäischen Parlament, die Europäische Volkspartei unter Führung von Manfred Weber von der CSU, begrüßte von der Leyens Entscheidung, „über den Umfang und die Geschwindigkeit, mit der diese Prozesse ablaufen, nachzudenken“.

Er sieht die politischen Risiken, die bei der im Juni kommenden Jahres geplanten Europawahl zu heftigen Verlusten führen dürften:

Auch die deutsche Wirtschaft – die gerade erst um Haaresbreite einem rigorosen Verbrennerverbot entkommen ist – sehnt sich nach einem Klima-Moratorium. Denn die ökologischen Effekte der Klimawende sind aufgrund der CO2-Verlagerungseffekte zweifelhaft, die ökonomischen und politischen aber nicht:

  • Die EU stieß 2021 rund 364 Millionen Tonnen CO2 weniger aus als noch vor fünf Jahren, während der Rest der Welt im gleichen Zeitraum um 1,6 Milliarden Tonnen zulegte. Professor Hans-Werner Sinn beschreibt dies als grünes Paradoxon
  • Die europäische Industrie leidet und zieht zunehmend Fabrikation und Arbeitsplätze aus Europa ab. BASF will seine Investitionen nach China verlagern. Volkswagen baut seine größte Batteriefabrik nun in den USA. Und der internationale Stahlkonzern ArcelorMittal schließt aus Kostengründen zwei Lager in Europa und siedelt ebenfalls in die USA über. 32 Prozent der Investitionen außerhalb von Deutschland haben inzwischen den Zweck der Kostenersparnis. Damit verlassen aus Kostengründen so viele deutsche Firmen den Heimatmarkt wie seit 15 Jahren nicht mehr.
  • Das Wachstum hat sich überall in Europa weiter verlangsamt. Für 2023 wird nur noch mit einem Prozent für 2024 mit 1,7 Prozent Wirtschaftswachstum gerechnet. Deutschland ist dabei Schlusslicht in Europa und Europa wiederum ist das Schlusslicht der Welt.
  • Politisch führt die Klimapolitik in dem Moment, wo sie mit Unbequemlichkeit, Kosten und zusätzlichem bürokratischen Aufwand für den Einzelnen einhergeht, zu Abstoßungsreaktionen. In Deutschland machte Habecks Verbot von Gas- und Ölheizungen den einstigen grünen Politstar zum Verlierer dieser Saison.
  • Die Energie- und Klimapolitik der Ampel lässt die finanziellen Möglichkeiten der Bürger außer Acht. Das sagen im aktuellen Forsa-Trendbarometer 79 Prozent aller Bundesbürger. In allen Ländern Europas profitieren die rechtspopulistischen Bewegungen.
  • Fazit: Die ARD, die nach 1945 begründet wurde, um die Demokratie zu beleben, kann dem öffentlichen Diskurs so keinen Dienst erweisen. Gerade ein öffentlich-rechtlicher Sender muss – zumal wenn der Präsident der Französischen Republik sich quasi stellvertretend für die Industrie Europas zu Wort meldet – als erste Quelle von Information funktionieren – und nicht als journalistischer Klimakleber.

Wie Stiftungen aus Übersee die deutsche Klimabewegung mästen

(MARCO GALLINA) Die ClimateWorks Foundation und die European Climate Foundation sind von milliardenschweren Firmenstiftungen ins Leben gerufen worden. Sie hatten erheblichen Anteil an der Gründung der deutschen Denkfabrik Agora, die seit Jahren auf ein Heizungsverbot hinarbeitet und deren ehemaliger Direktor heute als Staatssekretär Habecks fungiert.

Neben der Stiftung Mercator fällt der zweite Geldgeber der Agora Energiewende auf: die European Climate Foundation. Sie wurde 2008 in Den Haag gegründet. Wer allerdings European Climate Foundation (ECF) sagt, kommt nicht drumherum, den eigentlichen Hintermann zu benennen: nämlich die US-amerikanische ClimateWorks Foundation (CWF). Zwar erklärt die CWF, es handele sich lediglich um einen regionalen Partner. Die personellen Verflechtungen nähren allerdings Zweifel daran.

Denn heute sitzt im Vorstand der US-Stiftung ein langjähriger Vorsteher der ECF. Auch er ist wie so häufig ein Seitenwechsler – aus Deutschland. Es handelt sich dabei um den Deutsch-Brasilianer Caio Koch-Weser. Der in Rolândia geborene Weser war von 1999 bis 2005 Staatssekretär im Bundesfinanzministerium unter Rot-Grün. Zuvor war er geschäftsführender Direktor der Weltbank gewesen. Ab Januar 2006 wechselte er in den erweiterten Vorstand der Deutschen Bank. Dort blieb er bis 2016, zuletzt als Vice Chairman.

Neben der Mitgliedschaft im Vorstand der CWF ist Weser Teil vieler verschiedener NGOs und Stiftungen gewesen. Der ECF stand er von 2013 bis 2018 vor und sitzt heute noch im Beirat. Heute gehört er auch dem Kuratorium des Mercator Institute for China Studies an; Das ist auch deswegen erwähnenswert, weil die CWF keine Zahlungen an Mercator verzeichnet, die ECF dagegen in vielfältiger Weise mit der Mercator-Stiftung zusammenarbeitet. Das Weltwirtschaftsforum führt ihn als Chairman of the Advisory Board an. Seine Ehefrau Maritta Rogalla von Bieberstein Koch-Weser war von 1980 bis 1998 ebenfalls für die Weltbank tätig und saß im Kuratorium der Deutschen Klimastiftung, in dem heute Claudia Kemfert vertreten ist.

Der prominenteste Seitenwechsler, welcher der CWF angehörte, heute aber nicht mehr im Vorstand vertreten ist, war John Podesta. Der ehemalige Wahlkampfleiter von Hillary Clinton galt vor Beginn der Präsidentschaft Donald Trumps als einer der Strippenzieher hinter den Kulissen der Demokratischen Partei. Bis zum Wahlkampf 2015/2016 war er ein bedeutender Berater Barack Obamas und davor unter Bill Clinton Stabschef im Weißen Haus (1998 bis 2001).

Podesta ist deswegen nennenswert, weil die geleakten Podesta-Emails auch ein Licht auf die bis dato unbekannte Seite der CWF warfen. Bis dato geheim gehaltene Aktivitäten wurden bekannt. Einige der Überweisungen an Vereine und Umweltorganisationen – darunter auch die der Deutschen Umwelthilfe (DUH) – wurden in den offiziellen Listen nicht genannt und als „diskret“ eingestuft.

Schon damals bestand der Verdacht, dass die Schwächung der deutschen Autoindustrie das eigentliche Ziel der Klimastiftung sein könnte. Dass die amerikanische Autowirtschaft nach der Krise um den Hersteller General Motors unter Druck der deutschen Produzenten stand, ist ein offenes Geheimnis. Hillary Clinton wurde im Wahlkampf von Daniel Akerson unterstützt, dem ehemaligen Chef von General Motors; die aktuelle Vorsitzende des amerikanischen Autobauers, Mary Barra, galt einige Zeit als mögliche Vizepräsidentin bzw. „Running mate“ von Clinton. Ein Partner der CWF ist außerdem die Ford Foundation, die der Sohn des Ford-Gründers Henry Ford ins Leben rief.

Im Zuge der Dieselaffäre gab die CWF im Jahr 2015 zusätzliches Geld, nämlich eine halbe Million US-Dollar, aus, um Organisationen wie den ICCT zu unterstützen, der in den USA eine Schlüsselposition bei der Aufklärung der „Dieselaffäre“ spielte. Ein Mitbegründer des ICCT war Axel Friedrich, ehemaliger Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, Sachverständiger der DUH und damit Vertrauter von Jürgen Resch und Rainer Baake. Auch die DUH profitierte von den damals ausgeschütteten Geldern.

Neben Weser und Podesta sind zwei weitere Vertreter des „Board of Directors“ der CWF erwähnenswert: Larry Kramer von der Hewlett Foundation und Nancy Lindborg von der Packard Foundation (Vorgängerin: Carol Larson). Laut Informationen der Daily Mail hat die CWF allein von der Hewlett-Stiftung 500 Millionen Dollar im Jahr 2008 erhalten. Weitere 100 Millionen Dollar folgten später, 60 Millionen Dollar überwies die Packard-Stiftung. Die Daily Mail führt weiter aus:

„Im Juli nannte ein Bericht eines Ausschusses des US-Senats die Hewlett-Stiftung als Schlüsselelement in einem ‚Milliardärsclub‘, der die Umweltbewegung effektiv kontrollierte und mehr als eine halbe Milliarde Dollar pro Jahr in grüne Gruppen auf der ganzen Welt pumpte.“

Das angehäufte Stiftungskapital aus Milliardärshand wird demnach global auf jene Organisationen verteilt, welche im internationalen „Kampf gegen den Klimawandel“ der CWF als nützlich erscheinen. Zu den Empfängern gehört die erwähnte DUH. Sie erhält jährlich einen kleineren sechsstelligen Betrag, der sich meistens zwischen 100.000 und 150.000 Dollar bewegt. Im Jahr der Dieselaffäre 2015 waren es 700.000 Dollar. Der europäische Dachverband European Federation for Transport & Environment, dem die DUH angehört, bekam im letzten Jahr 600.000 Dollar, der erwähnte ICCT, der internationale Verbündete des Abmahnvereins, bekam satte 2,7 Millionen.

Das Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) erhält seit drei Jahren erhebliche Geldmittel aus den USA: rund 800.000 Dollar im Jahr 2020, 412.000 Dollar im Jahr 2021, und insgesamt über 1,1 Millionen Dollar im Jahr 2022. Die verschiedenen Greenpeace-Sektionen wie Greenpeace Brazil, Greenpeace Canada oder Greenpeace Fund dürfen sich jährlich auf mittlere sechsstellige Zuschüsse freuen; allein Greenpeace East Asia erhielt 2022 1,2 Millionen US-Dollar.

Die Agora erhält von der CWF keine Direktzahlungen. Über den Umweg der ECF, die diese bezahlt, muss man aber zumindest eine indirekte Finanzspritze konstatieren. Allein 2022 förderte die CWF die ECF mit 9,4 Millionen Euro. Nur an die Energy Foundation gingen vergleichbare Beträge – doch zu diesem Themenfeld ein andermal mehr. Höchstzahlungen in den letzten Jahren der CWF an die ECF?

  • 2022: 9,4 Millionen Dollar.
  • 2018: 2,6 Millionen Dollar.
  • 2017: 3,5 Millionen Dollar.
  • 2016: 8,9 Millionen Dollar.
  • 2015: 6,9 Millionen Dollar.

Das ist trotz der hohen Ziffern nur ein kleiner Bruchteil, denn die CWF hat laut eigenen Angaben seit 2008 über 1,3 Milliarden Dollar ausgegeben, um Projekte gegen den Klimawandel damit zu unterstützen. Die CWF hat dabei den Vorteil, dass sie ihre Programme und Projekte, sowie die ausgezahlten Summen, zumindest seit 2015 offenlegt. Bei der ECF sieht dies anders aus. Sie weist lediglich Förderer und unterstützte Organisationen aus – unter letzteren die Agora Energiewende und die Agora Verkehrswende, sowie die Deutsche Umwelthilfe. Ansonsten bleibt der bloße Hinweis auf das Gesamtvolumen der „Grants“ sowie die Themenbereiche, aber nicht, wie viel Geld für wen zu welchem Zweck ausgegeben wurde.

Zu den Förderern der ECF gehören auch Hewlett und die Oak Foundation, die ebenfalls mit der CWF verwoben sind; auch Mercator fehlt nicht als Partner. Ein weiterer wichtiger Förderer ist The Children’s Investment Fund-Foundation. Hinter dem philanthropisch klingenden Namen steht Christopher Cooper-Hohn, der den Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI) verwaltet und für aggressiven Börsenaktivismus steht.

Nicht nur das weckt Zweifel an der Transparenz der ECF. Benutzt man die Suchfunktion und gibt den Namen „Polk“ an, so ergibt die Suche 0 Treffer. Das ist äußerst überraschend, denn George Polk war Gründer der ECF im Jahr 2008. Er wechselte nach zwei Jahren zu McKinsey. Anschließend war er bei Climate Investment von George Soros, dem Rocky Mountain Institute, Mercer und zuletzt Vision Ridge Partners. Bemerkenswert ist, dass das Rocky Mountain Institute vom Aluminium-Riesen Alcoa gesponsert wird, übrigens auch ein „Partner“ der Deutschen Umwelthilfe.

Noch spannender sind diese Zusammenhänge, weil bis 2012 mit „Bright Automotive“ ein Startup-Unternehmen des Rocky Mountain Institute bestand, das Hybrid-Autos (Plug-in) herstellte. Der letzte CEO von „Bright Automotive“ war Reuben Munger, der wiederum Gründer von Vision Ridge Partners ist. Zuvor war Reuben Managing Director der Baupost Group, einem der führenden Hedgefonds-Unternehmen weltweit. Die CWF hat übrigens 4,7 Millionen an das Rocky Mountain Institute im Jahr 2022 gespendet. Wie die Personalien fließt das Geld unter den verschiedenen Stiftungen hin und her.

Obwohl die ECF seit anderthalb Jahrzehnten besteht und so wichtige gesellschaftliche Einflussnehmer wie die Agora und die Deutsche Umwelthilfe bezahlt hat, besitzt sie erst seit März letzten Jahres einen Eintrag im Lobbyregister des Bundestags. Dafür ist die Beschreibung umso treffender:

„Die European Climate Foundation (ECF) fördert finanziell klimapolitische Akteure (NGOs, Forschungsinstitute, Verbände, etc.) in Projekten, die auf eine ambitionierte Klimapolitik hinarbeiten. Unter anderem gibt die ECF dafür auch Interessenvertretung, beziehungsweise Projekten die unter anderem auch Elemente der Interessenvertretung beinhalten, in Auftrag.“

Neben Polk und Weser gibt es noch eine dritte Persönlichkeit, die eng mit dem Netzwerk aus Klimastiftungen und Klima-NGOs zusammenhängt und insbesondere bei der Gründung der CWF beteiligt war. Er steht zudem im Zusammenhang mit den großzügigen Spendern aus den Reihen von Hewlett und Packard. Es handelt sich um Hal Harvey. Er ist die Scharnierstelle zwischen all diesen Gründungen und der bereits erwähnten Energy Foundation in China. Er hatte Anteil an der Gründung der Agora. Später sollte er Präsident der neugegründeten Climate Imperative Foundation werden, die heute zu den eifrigsten Geldgebern der Agora gehört. Er gehört noch einem Stiftungsbeirat an: dem der Stiftung Klimaneutralität von Rainer Baake.

Was Hauseigentümer zur Heizungsförderung wissen müssen

(Handelsblatt) – Die Bundesregierung hat sich auf einen Gesetzentwurf zur Zukunft des Heizens geeinigt. Das Kabinett verabschiedete an diesem Mittwoch den Entwurf zur Novelle des Gebäudeenergiegesetzes, mit dem die CO2-Emissionen des Gebäudesektors in den kommenden Jahren gedrosselt werden sollen.

Mehr als ein Drittel des deutschen Energiebedarfs entfällt auf Heizungen von Gebäuden und die Versorgung mit Warmwasser. Jede neu eingebaute Heizung soll deswegen ab 2024 mit 65 Prozent erneuerbaren Energien betrieben werden. Dafür soll es eine Vielzahl von Optionen geben, auch eine teilweise Nutzung fossiler Energien bleibt vorerst erlaubt.

Reparaturen von Öl- und Gasheizungen sind weiterhin möglich. Erst 2045 müssen alle Heizungen vollständig mit erneuerbaren Energien laufen.

Ein neues Förderprogramm soll sicherstellen, dass der Umbau gelingt. Im Gesetzentwurf heißt es dazu: Da der Umbau der Wärmeversorgung aufgrund der Vielfalt an Gebäuden und Eigentümern sowie wegen der Auswirkungen auf die Mieter mit großen Herausforderungen verbunden sei, sollen neue Fördermöglichkeiten und ausreichende Übergangsregelungen und Ausnahmen helfen.

Für ältere Personen soll es Ausnahmeregelungen geben. Auch Mieterinnen und Mieter sollen vor zu hohen Kostenbelastungen geschützt werden.

Ein Überblick über die geplanten Förderungen:

Heizungstausch: Für wen gelten die Regelungen der Förderung?

Das neue Förderprogramm gilt für Bewohnerinnen und Bewohner in selbst genutztem Wohneigentum und für Kleinvermieter mit bis zu sechs Wohnungen. Bedingung ist, dass die Vermieter in dem betreffenden Gebäude selbst wohnen.

Bleibt die bisherige Förderung für den Heizungstausch bestehen?

Die bestehenden Förderprogramme laufen weiter. Das neue Programm kommt hinzu.

Schon heute gibt es Zuschüsse für den Heizungstausch: Wer etwa eine Wärmepumpe einbaut, kann beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) einen Zuschuss von bis zu 40 Prozent erhalten. Auch die Sanierungsmaßnahmen, die nicht den Heizungstausch betreffen, werden weiter wie bisher gefördert, also etwa Dämmung, Fenstertausch oder Komplettsanierung.

Werden Öl- oder Gasheizungen gefördert?

Verbrennerheizungen werden nicht gefördert. Ausnahme: Bei Heizungen, die auch mit Wasserstoff nutzbar sind („H2 ready“), sind die zusätzlichen Kosten der Vorbereitung auf einen Wasserstoffbetrieb förderfähig.

Welche neuen Elemente gibt es bei der Heizungsförderung?

  • Förderelement 1 – Grundförderung: Alle in Paragraf 71 des neuen Gebäudeenergiegesetzes aufgelisteten Heizungsoptionen werden mit dem gleichen Fördersatz von 30 Prozent gefördert.
  • Förderelement  2 – Zusätzlich zur Grundförderung soll es Zuschläge in Form eines Klimabonus geben.

    Klimabonus I: Eigentümer, die nicht zum Tausch ihrer alten Heizung verpflichtet sind, dies aber dennoch tun, sollen einen zusätzlichen Bonus in Höhe von 20 Prozent bekommen. Das betrifft etwa Altbesitzer, die die Immobilie vor 2002 bewohnt haben sowie Personen über 80 Jahre. Auch Eigentümer, die einkommensabhängige Sozialleistungen erhalten, sollen diesen Klimabonus bekommen.
    Klimabonus II: Der Klimabonus II in Höhe von zusätzlichen zehn Prozent wird gewährt für den Austausch von Kohleöfen, Öl- und Gas-Konstanttemperaturkesseln, wenn der Austausch mindestens fünf Jahre vor dem Datum einer gesetzlichen Austauschpflicht erfolgt. Erfolgt der Austausch nach einer bestehenden Austauschpflicht, gibt es den Bonus nur, wenn der Erneuerbaren-Anteil der neuen Heizung bei mindestens 70 Prozent liegt.
    Die Auszahlung der Klimaboni I und II soll zeitlich so gestaffelt werden, dass zunächst die ältesten Anlagen getauscht werden. Die Regierung verspricht sich davon, dass die Nachfrage an die notwendigen Handwerker- und Produktkapazitäten angepasst wird und preistreibende Effekte vermieden werden. So sind beispielsweise ab 2024 alle Geräte förderfähig, die älter als 40 Jahre sind. Ab 2025 sind Geräte förderfähig, die älter als 35 Jahre sind, ab 2026 alle Geräte älter als 30 Jahre.
    Klimabonus III: Bei einer Heizung, die jünger als 30 Jahre ist und irreparabel kaputtgeht, gibt es einen Bonus von zehn Prozent, wenn der Austausch gegen eine neue Heizung innerhalb von einem Jahr erfolgt und damit die gesetzliche Frist von drei Jahren nicht ausgeschöpft wird.

  • Förderelement 3: Für den Heizungstausch werden zinsgünstige Kredite bis zu 60.000 Euro angeboten. Das Kreditprogramm können alle Bürgerinnen und Bürger in Anspruch nehmen.
  • Förderelement 4: Die bestehende steuerliche Förderung energetischer Sanierungsmaßnahmen (Paragraf 35c im Einkommensteuergesetz) gilt weiter. Selbstnutzende Eigentümer können so 20 Prozent ihrer Investitionskosten direkt von der Einkommensteuerlast abziehen. Derzeit berät die Koalition über Erweiterungsoptionen.

Eine Staffelung nach Einkommen soll es nicht geben. Habeck sagte, es habe in der Koalition keine Verständigung auf eine Einkommensprüfung bei Förderungen gegeben.

In der Vergangenheit hatte der Grünen-Politiker die Bedeutung einer sozialen Staffelung bei der Förderung des Heizungsaustauschs betont. Noch im März sagte er, junge Familien, die wenig Geld hätten, und Rentner, die nur über eine knappe Rente verfügten, müsse man anders unterstützen als den „Millionär, der schon drei Villen hat“.

Das Gesetzesvorhaben gilt als ambitioniert und war auch in der Regierung heftig umstritten. Jetzt erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): „Mit der Novelle starten wir eine wichtige Modernisierungsoffensive und holen auf, was über viele Jahre versäumt wurde.“ Habeck machte erneut klar, dass bestehende Heizungen weiter betrieben werden könnten. Kaputte Heizungen könnten repariert werden. „Aber mit neuen Heizungen muss die Wärmewende jetzt beginnen.“

Finanzministerium mahnt zur Kostendisziplin

Finanziert werden sollen die Förderprogramme aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF), der vor allem aus Einnahmen aus dem Europäischen Emissionshandelssystem (ETS) gespeist wird. „Die Finanzierung ist gesichert“, sagte Habeck am Mittwoch. Zuvor hatte das Finanzministerium Vorbehalte gegen den Gesetzentwurf geltend gemacht. Das geht aus einer Protokollerklärung des Ministeriums hervor, die dem Handelsblatt vorliegt. Zuerst hatte das Nachrichtenportal „The Pioneer“ darüber berichtet.

In der Erklärung heißt es, auf die Wahrung der „Haushaltsdisziplin“ müsse besonderer Wert gelegt werden. Im weiteren Gesetzgebungsverfahren sei sicherzustellen, „dass eine praxistaugliche und finanzierbare Umsetzung des Grundsatzes der Technologieoffenheit erfolgt“.

Photovoltaik mit organischen Solarzellen – Anwendungsgebiete fast unendlich erweiterbar

(KIT) – Ob auf Glasflächen von Gebäuden, Gewächshäusern oder Fahrzeugen – mit semitransparenter Photovoltaik könnten für eine klimafreundliche Energieversorgung nutzbare Flächen deutlich vergrößert werden. Im Forschungsprojekt SEMTRASOL entwickeln Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) dafür Solarzellen mit präzise einstellbaren Absorptionseigenschaften und hohem Wirkungsgrad.

Organische Solarzellen sind nicht nur leicht, ungiftig, unabhängig von seltenen Rohstoffen und können preisgünstig sowie großflächig gedruckt werden. Im Vergleich zu anderen Photovoltaik-Technologien haben sie eine weitere herausragende Eigenschaft: Sie können semitransparent hergestellt werden, was viele neue Anwendungen ermöglicht. Während Silizium-Photovoltaik heute allgegenwärtig zur Energiegewinnung eingesetzt wird, wurde der Nutzen von organischen Solarzellen bisher weit unterschätzt. „So ist auch der große Durchbruch auf dem Markt bislang ausgeblieben,“ sagt Dr. Christian Sprau vom Lichttechnischen Institut des KIT. Mit seiner gerade gestarteten Forschungsgruppe und dem Forschungsprojekt SEMTRASOL will er das ändern: „Mit neuen Materialkonzepten und neuesten organischen Halbleitern gelingt es heute immer besser, die Absorptionseigenschaften organischer Solarzellen präzise zu steuern und einen hohen anwendungsspezifischen Wirkungsgrad zu erzielen.“ Dadurch werde etwa hocheffiziente Photovoltaik auf Glasfronten denkbar, die nicht weiter ins Auge fällt.

Einsatz auf Fensterfronten oder in der Landwirtschaft

Organische Solarzellen nutzen kohlenstoffbasierte Halbleiter, die sich typischerweise durch schmalbandige Absorptionsbereiche auszeichnen. Dank der Entwicklung neuartiger Akzeptoren, also die Elektronen aufnehmenden Moleküle in der lichtabsorbierenden Schicht in einer Solarzelle, können sie im Labor heute Wirkungsgrade von bis zu 20 Prozent erreichen. Durch die Vielzahl dieser neuen Materialien und in Kombination mit gezieltem Bauelementdesign ist es möglich, mit einer semitransparenten Solarzelle einstrahlendes Licht in genau definierten spektralen Bereichen zu absorbieren. So ließen sich künftig Flächen mehrfach nutzen, erläutert Sprau: „In der Agrivoltaik beispielsweise müssen lediglich die zum Wachstum notwendigen Wellenlängen die Pflanzen erreichen, wohingegen sie vor anderen spektralen Anteilen des Lichts geschützt und so vor dem Austrocknen bewahrt werden können. Die Fensterfront eines Hochhauses wiederum muss nur das Licht passieren lassen, welches das menschliche Auge als Helligkeit wahrnimmt. In beiden Fällen lassen sich gleichzeitig mit den ungenutzten Anteilen des Sonnenlichts hohe Energieernten erzielen.“

Booster für eine beschleunigte Energiewende

Nach Einschätzung des Forschungsteams am KIT wird eine doppelte Flächennutzung durch Photovoltaik eine wichtige Rolle spielen, damit Deutschland und Europa die Klimaneutralität rechtzeitig erreichen können. Die technologischen Voraussetzungen seien erfüllt, mit SEMTRASOL wolle man sie nun miteinander kombinieren. „Konkrete Ziele sind das Maßschneidern der Transparenz, eine druck- und skalierbare Bauelementarchitektur, die Verwendung neuester Materialien und eine umweltfreundliche Herstellung“, erläutert Sprau. „Trivial ist das nicht, aber ich bin davon überzeugt, dass semitransparente Solarzellen in nicht allzu ferner Zukunft ganz selbstverständlich zu unserem Alltag gehören werden.“ (mhe)

Über SEMTRASOL

Das Forschungsprojekt SEMTRASOL (steht für: Druckbare semitransparente organische Solarzellen für Photovoltaikflächen der Zukunft) läuft am Materialwissenschaftlichen Zentrum für Energiesysteme und am Lichttechnischen Institut des KIT. Die Vector Stiftung fördert die Forschungsarbeiten im Rahmen des Nachwuchsgruppenprogramms „MINT für die Umwelt“ mit einer Million Euro für vier Jahre.

Vom Taschenrechner zum Chat GPT – Mit einer Antwort von Jean Pütz

Von Professor Dr. Ulrich Trottenberg, Mathematiker und Freund

Ein handelsüblicher Taschenrechner rechnet unvergleichlich viel schneller als jeder Mensch. Mit einem Smartphone – das heute so schnell rechnet wie ein Superrechner vor 30 Jahren – kann man anspruchsvolle mathematische Aufgaben lösen. Und ein Höchstleistungsrechner ist heute in der Lage Billiarden (eine Billiarde = eine 1 mit 15 Nullen!) Rechenoperationen in einer Sekunde durchzuführen und auf diese Weise sehr sinnvolle Rechenergebnisse zu erzielen, zum Beispiel das Wetter der nächsten Tage vorherzusagen. Trotz dieser geradezu unvorstellbaren Rechenleistung und der äußerst nützlichen Ergebnisse kommt niemand auf die Idee, den Rechnern ein „Bewusstsein“ zuzusprechen, dem Taschenrechner nicht, aber auch dem Höchstleistungsrechner nicht. Kaum jemand fühlt sich durch die Rechner bedroht, auch nicht durch die extreme Überlegenheit der Höchstleistungsrechner.

Das ist offenbar anders in dem Moment, wo der Computer nicht „sinnvolle“ Zahlen, sondern „sinnvolle“ Texte produziert. Die durch KI und Algorithmen des Maschinelles Lernens erzeugten Texte des ChatGPT4 Sprachmodells oder anderer generativer Algorithmen führen bei vielen Benutzern zur Überzeugung, dass der Computer mit der GPT-Software den „Sinn“ der erzeugten Texte „versteht“: Das GPT-System gibt in vielen Fällen auf Fragen intelligente, verständnisvolle Antworten, und es kann sich ein anspruchsvoller, überraschend anregender Dialog entwickeln.

Seit Monaten überschlagen sich die Medien in Berichten über die oft fantastischen Ergebnisse, die man mit dem Sprachmodell ChatGPT erzielen kann. Plötzlich kann jeder interessierte Mensch, ohne programmieren zu können oder andere einschlägige Erfahrungen zu haben, mit dieser Software spielen und arbeiten. Es sind insbesondere die Feuilleton-Teile der Medien, auch der großen renommierten Zeitungen und Zeitschriften, die sich des Themas annehmen. Dabei reichen die Reaktionen und Bewertungen von begeisterter Faszination über verstörte Verunsicherung bis zu massiver Ablehnung.

In Überschriften solcher Artikel ist  von der „Seele der Maschinen“, vom „Maschinengott“ und vom drohenden „Untergang der Menschheit“ die Rede, renommierte Experten und Wissenschaftsjournalisten sprechen den Systemen ein „Bewusstsein“ zu und reden von „denkenden“ Maschinen.  In solchen Formulierungen wird deutlich, wie intensiv die Erschütterung durch die generativen Algorithmen erlebt wird. Aus mathematischer Sicht fällt dagegen auf, dass die heute eingesetzten generativen Algorithmen und die zugehörigen Modelle mathematisch vergleichsweise simpel sind, jedenfalls bei weitem simpler als die meisten Algorithmen, die täglich für die Simulation und Optimierung  natürlicher und technischer Vorgänge verwendet werden. Der Unterschied zu den Algorithmen des Taschenrechners ist, dass ChatGPT mit Hunderten Milliarden Daten und Parametern arbeitet, wo eine Obstkasse im Supermarkt mit einem lernenden Algorithmus vielleicht 100 Daten und Parameter einsetzt, um selbstständig  z.B. Birnen und Bananen zu unterscheiden: Die „Intelligenz“ des Algorithmus, der Kern der zugrundeliegenden mathematischen Methodik, ist bei ChatGPT und bei der KI-basierten Obstkasse im wesentlichen die gleiche, nur die Daten- und Parameter-Quantitäten unterscheiden sich um viele Größenordnungen.

Die Aufregung  um ChatGPT ist verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass generative Algorithmen zu fragwürdigen, unsinnigen, gefährlichen und schädlichen Resultaten führen können. Die Ergebnisse hängen wesentlich vom Input (vom „prompt“)  ab, also von der Formulierung der Aufgabenstellung, und natürlich von den Daten und Texten, auf die das System – aufgrund des vorgegebenen Inputs – zurückgreift. ChatGPT kann den Nutzer durchaus in die Irre führen und gezielt missbraucht werden, z. B. durch vollkommene Sinnestäuschung, durch manipulierte und konstruierte, von der Realität ununterscheidbare Bilder und Filme. Was ein Plagiat und was ein Original ist, können wir ohne Kennzeichnung nicht mehr unterscheiden. Und die Kennzeichnung kann natürlich auch manipuliert werden. Wer ist der Autor eines Textes, wenn jeder uninspirierte, schwer verständliche Text durch eine generativ-algorithmische Überarbeitung in ein literarisches Kunstwerk verwandelt werden kann? Wie verändern diese KI-Entwicklungen die Arbeitswelt? An welchen Stellen nehmen KI-basierte Systeme den Menschen (gezielt oder unbemerkt) Entscheidungen ab, die den Menschen vorbehalten bleiben  müssen oder sollten?
Dieser kritisch-pessimistischen Bewertung lernender Algorithmen stehen auf der anderen Seite die ungeheuren Erfolge der KI gegenüber, die in einem kurzen Artikel nicht annähernd angemessen gewürdigt werden können. Wir erwähnen im medizinisch-pharmazeutischen Sektor nur die lebensrettende Früherkennung von Krebs, die individualisierte Medizin, die Optimierung der Entwicklung von neuen Arzneien usw. Bei diesen Chancen und den angedeuteten Risiken erkennen wir wieder die Wertfreiheit der Mathematik, sie ist die Grundlage für die größten Errungenschaften und kann für  inhumane und zerstörerische Zwecke missbraucht werden. Dass die Weiterentwicklung der KI-Systeme sorgfältig beobachtet, kontrolliert und verantwortungsvoll gesteuert werden sollte, und dass in vielen Anwendungsbereichen auch gesetzliche Regulierungen nötig sind, darüber muss  unbedingt (möglichst international und systemübergreifend) ein Konsens hergestellt werden.
Klug genutzt, können die heutigen und die weiter entwickelten Systeme zu großartigen Erleichterungen für die Menschheit führen. Sie sind dabei, die Welt fundamental zu verändern.

 

Lieber Ulrich,

großes Kompliment für diesen Artikel. Ich hoffe, dass Dir bei der Formulierung Chat GPT nicht geholfen hat.

Das ist die große Gefahr, die Du ja auch angesprochen hast: Wo bleibt das Original – wo bleibt die Bearbeitung. Insofern bin ich als Laien-Philosoph sehr skeptisch, ob diese Möglichkeiten nicht die Skepsis vieler Menschen gegenüber der Technologie und den Menschen, die damit umgehen könnten, weiter verstärkt. Das Prinzip der mangelnden Glaubwürdigkeit könnte die Konsens in unserer Gesellschaft aushebeln. Auch dieses Gefühl der Bürger lässt sich populistisch missbrauchen. Die Wissenschaft und Technologie verliert so wie so in der Schwarmintelligenz immer mehr Realitätsbezug. Gestern habe ich in der ARD den Presseclub verfolgt. Da sprach auch ein Journalist das mangelnde, vernunftbetonte Verständnis der Bürger an. Er nannte sie sogar ‚Idioten‘, bezog das aber auf den griechischen Ursprung des Wortes, es wird dort nämlich übersetzt mit ‚eigentümlichen Menschen‘. Ich würde heute sagen, das Eigentümliche hat sich ausgebreitet und mündet in der fehlenden Bereitschaft Wissen zu erwerben und der immer stärker werdenden Bereitschaft, dem Wunschdenken der Politiker eher zu glauben als der Wissenschaft, die korrumpiert wird durch Subventionen für alles und nichts. Es wird nicht mehr lange dauern, dann wird die Politik von Verschwörungsmythen und Emotionen gesteuert.

Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen die Fortschritte der Technologie verstehen und gleichzeitig nur noch wenige Spezialisten den Durchblick haben.

Nicht umsonst versuche ich ja, den willigen Bürger mit meinen Kommentaren zum Thema ‚Der Vernunft eine Chance‘ bei Facebook zu erreichen. Immerhin folgen mir 95.000 Abonnenten und beteiligen sich mit mindestens 100 schriftlichen Kommentaren zum Thema – bis hin zu 970 bei meiner Intervention zum Verbot des Verbrennungsmotors. Leider ist das kein Sempel, welches auf die Allgemeinheit schließen lässt, denn das sind nur die wenigen, die gelegentlich noch ihr eigenes Gehirn einschalten. Quo vadis Deutschland? Demokratie nur auf Gefühlen auszubauen geht schief und die Wissenschaft wird nur noch als notwendiges Übel angesehen und verliert ihre Glaubwürdigkeit.

Danke für Dein Engagement – wir sind alle stolz auf Dich.

Dein Jean

Wärmewende: Elektrische Wärmepumpe als Standard ?

(Business Insider)

  • Die Wärmewende kommt: Die Ampel-Koalition hat sich darauf geeinigt, dass ab kommendem Jahr keine neuen Öl- und Gasheizungen in Deutschland verbaut werden dürfen.
  • Neue Heizungen müssen ab dann zu mindestens 65 Prozent durch Erneuerbare Energien betrieben werden. Das bedeutet praktisch: Die elektrische Wärmepumpe wird zum neuen Standard.
  • Im Detail ergeben sich jedoch Fragen: Welche Ausnahmeregelungen gibt es? Was ist mit Gebäuden, in denen Wärmepumpen nicht effektiv sind? Welche Förderungen gibt es? Und wer zahlt den Umbau: Vermieter oder Mieter? Das steht im Gesetzesentwurf der Ampel-Parteien.

Die Ampel-Parteien haben sich – nach wochenlangem Streit und Bedenken aus Reihen der FDP – geeinigt: Ab Januar 2024 soll möglichst jede neu eingebaut Heizung zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Das Kabinett will ein entsprechendes Gesetz im April beschließen. Vor der Sommerpause soll der Bundestag darüber abstimmen. Der entsprechende Entwurf für die Reform des sogenannten Gebäudeenergiegesetzes wird aktuell durch die Bundesländer und Fachverbände angehört.

Was kommt also auf Immobilienbesitzer, auf Vermieter und Mieter zu? Wer muss wann neue Heizungen einbauen lassen – und wer wie das bezahlen? Business Insider gibt Antworten.

Wann müsst ihr eure Gas- oder Ölheizung austauschen?

Die von der Ampel geplante Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes schreibt nicht vor, dass Besitzer von Gas- oder Ölheizungen diese sofort austauschen müssen. Auch wird nicht vorgeschrieben, dass kaputte Gas- oder Ölheizungen ausgetauscht werden müssen, wenn sich diese noch reparieren lassen. Das Gesetz regelt lediglich, dass ab Januar 2024 neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent durch erneuerbare Energien betrieben werden müssen. Wer ab dann seine Gas- oder Ölheizung austauschen lassen möchte oder muss, der muss auf klimafreundlichere Alternativen umsatteln.

Im Gesetzesentwurf sind die entsprechenden Fristen und Übergangsfristen genauer definiert.

Gibt es Ausnahmeregelungen beim Heizungsaustausch?

Bis spätestens 2045 müssen alle Heizungsanlagen vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Fällt eine Öl- und Gasheizung irreparable aus, dann gibt es jedoch Übergangsfristen beim Einbau neuer, klimafreundlicherer Heizungen.

Kommt es zu einer solchen Heizungshaverie, dann haben Immobilienbesitzer eine Frist von drei Jahren, bis sie die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes – also den Neueinbau einer Heizung, die zu mindestens 65 Prozent klimaneutral betrieben wird – umzusetzen. Während dieser Frist kann vorübergehend auch eine neue Gas- oder Ölheizung eingebaut werden. Auch Stromdirektheizungen können als Übergangslösung genutzt werden. Nach drei Jahren müssen jedoch die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden – durch Austausch der Übergangslösung oder einer entsprechenden Ergänzung dieser.

Auch für Eigentümer im Alter von 80 Jahren aufwärts hat die Ampel-Koalition eine Sonderregelung geplant. Im Fall einer Heizungshaverie oder der Notwendigkeit des Einbaus einer neuen Heizung sind sie unbefristet von der neuen 65-Prozent-Regelung befreit. Wechselt das Eigentum dieser Menschen den Besitzer, hat der oder die dann zwei Jahre Zeit, dem Gebäudeenergiegesetz zu entsprechen.

Welche Möglichkeiten für neue Heizungen bestehen ab Januar 2024?

Die Heiz-Technologie der Zukunft ist in Konsequenz der Beschlüsse der Ampel die elektrische Wärmepumpe. Der Wirkungsgrad von Wärmepumpen übersteigt den von modernen Gasheizungen deutlich: Während eine Gasheizung aus einer Kilowattstunde Gas 0,9 Kilowattstunden Wärme macht, kann die Wärmepumpe aus einem Kilowatt Strom die drei- bis vierfache Menge Wärme herstellen.

Probleme werden da befürchtet, wo die Wärmepumpe womöglich nicht effektiv genutzt werden kann: In sehr alten, sanierungsbedürftigen Gebäuden, die Temperaturen schlecht halten. Doch zum einen haben Forscher des Freiburger Fraunhofer-Instituts in einem Feldversuch festgestellt: Auch in nicht gut sanierten und gedämmten Altbauten können Wärmepumpen effektive Heizergebnisse erzielen

Zum anderen besteht nach Angaben der Bundesregierung auch in Zukunft die Möglichkeit, eine Hybridheizung einzubauen – etwa eine Gasheizung, die mit einer Wärmepumpe gekoppelt ist. Die Wärmepumpe kann so die meiste Zeit des Jahres die Grundlast tragen, an kälteren Tagen springt der Gaskessel ein. Auch Hybridlösungen mit Brennstoffzellen oder auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung sind möglich, aber nur, „wenn diese mindestens mit 65 Prozent grünen Gasen betrieben oder zur Erfüllung der 65-Prozent-EE-Vorgabe mit erneuerbaren Lösungen kombiniert werden.“

Auch sogenannte „H2-Ready“-Gasheizungen dürfen verbaut werden. Das sind Heizungen, die zu 100 Prozent auf Wasserstoff umrüstbar sind. Verbaut werden dürfen diese jedoch nur, wenn sie ab 2030 mit mindestens 50 Prozent Biomethan oder anderen grünen Gasen und ab 2035 mit mindestens 65 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Der für Energie zuständige Staatssekretär Patrick Graichen sagte dazu vergangene Woche: „Dabei muss man auch sagen, dass Wasserstoffheizungen sicherlich nur in Einzelfällen die Lösung sein werden, nicht für die breite Masse, schlicht und einfach, weil Wasserstoff knapp und fürs Heizen sehr teuer sein wird.“

Was kostet mich der Wechsel zum klimaneutralen Heizen?

Die Anschaffungskosten für Wärmepumpen sind aktuell noch deutlich höher, als die für eine moderne Gasheizung. Kauf und Einbau einer Luftwärmepumpe können über 30.000 Euro kosten. Da ist die Gasheizung mit bis zu 11.000 Euro günstiger.

Im Betrieb ist jedoch die Wärmepumpe auf lange Sicht günstiger als die Gasheizung, da sie den genutzten Strom effizienter in Wärme umwandelt, als die Gasheizung das beim Erdgas tut. Ab 2027 wird sich zudem der EU-Emissionshandel auf die Gaspreise auswirken. Erdgas und Heizöl werden dann deutlich teurer werden. Nach Informationen von Business Insider wird im Bundeswirtschaftsministerium mit ähnlichen Gaspreisen wie bei der Gas-Krise im Zusammenhang mit Russlands Invasion der Ukraine im vergangenen Jahr gerechnet.

Die Bundesregierung will den Kauf von Wärmepumpen zudem finanziell fördern. Über die genauen Fördersummen verhandelt das Kabinett aktuell noch. Sie sollen jedoch sozial gestaffelt ausgestaltet werden: Wer weniger Geld zur Verfügung hat, soll stärker gefördert werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte am Sonntag in der ARD: „Meine Vorstellung ist, dass wir – wie es auch im Koalitionsausschuss vereinbart wurde – einen sozialen Ausgleich schaffen. Das heißt, dass die Wärmepumpen, solange sie noch teurer sind, auf den Preis einer Gasheizung runtergebracht werden.“

Auch sollen Mieter geschützt werden, wenn Vermieter die alte Gas- oder Ölheizung austauschen. Im Gesetzentwurf der Ampel sind detaillierte Regelungen festgehalten, die verhindern sollen, dass Vermieter Kosten in zu hohem Maße an Mieter weitergeben. Das gilt etwa, sollten Vermieter in der Anschaffung günstige, im Betrieb aber teure Biomethan- oder Wasserstoffheizungen einbauen. Auch, wenn Vermieter in schlecht sanierten Gebäuden eine leistungsschwache Wärmepumpe installieren, dürfen Kosten nicht einfach weitergereicht werden. Letzteres gilt jedoch nur für Gebäude, die vor 1996 gebaut wurden.

Was wird die Heizungswende der Ampel-Regierung das Land insgesamt kosten?

Im Gesetzesentwurf der Ampel-Koalition findet sich auch eine gesamtgesellschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung der von der Bundesregierung geplanten Heizungswende.

„Durch die Vorgabe für die Nutzung von Erneuerbaren Energien beim Einbau von neuen Heizungsanlagen entsteht den Bürgerinnen und Bürgern bis zum Jahr 2028 ein jährlicher Erfüllungsaufwand von rund 9,157 Milliarden Euro“, heißt es dort. Dem gegenüber stünden jedoch Einsparungen über die Betriebszeit von 18 Jahren in Höhe von 11,014 Milliarden Euro. Ab dem Jahr 2029 betrüge der jährliche Erfüllungsaufwand rund 5,039 Milliarden Euro. Dem gegenüber stünden Einsparungen von 11,125 Milliarden Euro.

Auch für die Wirtschaft findet sich im Gesetzestext eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Jährlich entstünden dieser Kosten von 1,12 Milliarden Euro. Über die jeweilige Lebensdauer der betroffenen Heizanlagen – das Wirtschaftsministerium rechnet hier mit drei bis 20 Jahren – stünden dem jedoch jeweils Einsparungen von 1,558 Milliarden Euro gegenüber.

„Zusätzlich entsteht ein einmaliger Erfüllungsaufwand von ca. 12,472 Milliarden Euro“, heißt es zudem. „Dem stehen über die jeweilige Lebensdauer der betroffenen Anlagen (3-20 Jahre) insgesamt rund 35,903 Milliarden Euro gegenüber.“

Wärmewende: Elektrische Wärmepumpe als Standard ? – Mit einer ausführlichen Stellungnahme von Jean Pütz

Ein völlig unausgegorenes Konzept der Wärmeversorgung der Gebäude steht vor der gesetzlichen Verabschiedung im Bundestag.

Ich sage voraus:  Es ist nicht zu finanzieren. 

Vor 33 Jahren habe ich in der Sendereihe ‚Bilder aus der Wissenschaft‘ in der ARD zwei Sendungen produziert, die dieses Problem in den Fokus setzte. Damals war die Fotovoltaik noch in den Kinderschuhen und viel zu teuer, um als regenerative Energie auch nur im Ansatz berücksichtigt zu werden. Trotzdem ist es mir damals gelungen zu beweisen, dass mit Hilfe seinerzeit bekannter Technologie und gezielten Maßnahmen der Energiebedarf und damit verbunden der CO2-Ausstoß,  um 95% hätte reduziert werden können.

Als Beweis finden Sie hier meine beiden Sendungen unter dem Titel ‚Der Sonne eine Chance‘.

Bilder aus der Wissenschaft Youtube Folge 1

Bilder aus der Wissenschaft Youtube Folge 2

Heute ist in Verbindung mit der Fotovoltaik das Energie-Plus-Haus realisierbar. Auch ohne Subventionen habe ich dieses Konzept für mich privat umgesetzt und kann behaupten, dass die Einspeisung von Energie ins öffentliche Netz im Durchschnitt über das gesamte Jahr  gerechnet ermöglicht, mit meiner ganzen Familie CO2-neutral zu leben.

So nebenbei gesagt: In diesem Konzept spielte auch der Verbrennungsmotor eine wichtige Rolle, und zwar einmal als Klein-Heiz-Kraftwerk, das heute mit regenerativen Energien z. B. mit grünem Erdgas oder Methanol betrieben, völlig CO2-neutral die Häuser mit Wärme versorgen kann. Vergleichbar mit den ohnehin unentbehrlichen Kraftwerken in der Nähe der Bevölkerung auf Basis der Kraft-Wärme-Kopplung. Beide Konzepte überwinden den 2. Hauptsatz der Thermodynamik, indem sie nicht nur Strom erzeugen, sondern auch Wärme die u.a. zum Heizen von Gebäuden benötigt wird. Diese würde ansonsten nutzlos in Kühltürmen verpulvert werden.
Vorausgesetzt, sie werden mit Wasserstoff oder daraus gewonnenem grünen Erdgas bzw. grünen Methanol betrieben. Das Klein-Heiz-Kraftwerk ermöglicht überall dort die Wärmeerzeugung der Gebäude, wo sich der Wärmetransport über Fernheizungen nicht lohnt.

Aber auch die gas- bzw. methanolbetriebene Wärmepumpe auf der Basis von Verbrennungsmotoren wäre sehr empfehlenswert, denn sie ist noch effizienter als die elektrische Wärmepumpe.

Sie kann, vergleichbar mit der elektrischen sogar die vier- bis fünffache Ausbeute aus der vorhandenen Energie gewinnen. Diese Energie wird natürlich aus der Umwelt oder der Geothermie gewonnen. Dadurch ist auch der 1. Hauptsatz der Thermodynamik physikalisch gewährleistet.

Kurzum, allein diese Möglichkeiten wären verlorengegangen, wenn das Verbot des Verbrennungsmotors radikal vom EU-Parlament beschlossen worden wären. Ein Glück, dass weiterdenkende Politiker dieses verhindert haben. Alles spricht dafür, dass Ideologie unsere Klimaprobleme nicht lösen kann.

Wären damals die Vorschläge in meiner Sendung vom Juli und August 1990 von der Politik ernst genommen worden, könnten spielend die CO2-Grenzwerte, die später in den Welt-Klima-Konferenzen entwickelt wurden, eingehalten werden. Ich habe übrigens die CO2-Ausstöße und deren Einsparung mit großen Ballons plastisch im Studio demonstriert. Es lebe die menschliche und nicht nur die „Künstliche Intelligenz“, die vor 33 Jahren noch nicht verfügbar war.

Der folgende Artikel des ‚businesinsider.de‘ vom 03.04.2023 ist besonders lesenswert

Ihr Jean Pütz

Milliardenkosten, Übergangsfristen, Alternativen zu Gas und Öl

(Business Insider)

  • Die Wärmewende kommt: Die Ampel-Koalition hat sich darauf geeinigt, dass ab kommendem Jahr keine neuen Öl- und Gasheizungen in Deutschland verbaut werden dürfen.
  • Neue Heizungen müssen ab dann zu mindestens 65 Prozent durch Erneuerbare Energien betrieben werden. Das bedeutet praktisch: Die elektrische Wärmepumpe wird zum neuen Standard.
  • Im Detail ergeben sich jedoch Fragen: Welche Ausnahmeregelungen gibt es? Was ist mit Gebäuden, in denen Wärmepumpen nicht effektiv sind? Welche Förderungen gibt es? Und wer zahlt den Umbau: Vermieter oder Mieter? Das steht im Gesetzesentwurf der Ampel-Parteien.

Die Ampel-Parteien haben sich – nach wochenlangem Streit und Bedenken aus Reihen der FDP – geeinigt: Ab Januar 2024 soll möglichst jede neu eingebaut Heizung zu mindestens 65 Prozent mit Erneuerbaren Energien betrieben werden. Das Kabinett will ein entsprechendes Gesetz im April beschließen. Vor der Sommerpause soll der Bundestag darüber abstimmen. Der entsprechende Entwurf für die Reform des sogenannten Gebäudeenergiegesetzes wird aktuell durch die Bundesländer und Fachverbände angehört.

Was kommt also auf Immobilienbesitzer, auf Vermieter und Mieter zu? Wer muss wann neue Heizungen einbauen lassen – und wer wie das bezahlen? Business Insider gibt Antworten.

Wann müsst ihr eure Gas- oder Ölheizung austauschen?

Die von der Ampel geplante Novellierung des Gebäudeenergiegesetzes schreibt nicht vor, dass Besitzer von Gas- oder Ölheizungen diese sofort austauschen müssen. Auch wird nicht vorgeschrieben, dass kaputte Gas- oder Ölheizungen ausgetauscht werden müssen, wenn sich diese noch reparieren lassen. Das Gesetz regelt lediglich, dass ab Januar 2024 neu eingebaute Heizungen zu 65 Prozent durch erneuerbare Energien betrieben werden müssen. Wer ab dann seine Gas- oder Ölheizung austauschen lassen möchte oder muss, der muss auf klimafreundlichere Alternativen umsatteln.

Im Gesetzesentwurf sind die entsprechenden Fristen und Übergangsfristen genauer definiert.

Gibt es Ausnahmeregelungen beim Heizungsaustausch?

Bis spätestens 2045 müssen alle Heizungsanlagen vollständig auf erneuerbare Energien umgestellt werden. Fällt eine Öl- und Gasheizung irreparable aus, dann gibt es jedoch Übergangsfristen beim Einbau neuer, klimafreundlicherer Heizungen.

Kommt es zu einer solchen Heizungshaverie, dann haben Immobilienbesitzer eine Frist von drei Jahren, bis sie die Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes – also den Neueinbau einer Heizung, die zu mindestens 65 Prozent klimaneutral betrieben wird – umzusetzen. Während dieser Frist kann vorübergehend auch eine neue Gas- oder Ölheizung eingebaut werden. Auch Stromdirektheizungen können als Übergangslösung genutzt werden. Nach drei Jahren müssen jedoch die gesetzlichen Vorgaben erfüllt werden – durch Austausch der Übergangslösung oder einer entsprechenden Ergänzung dieser.

Auch für Eigentümer im Alter von 80 Jahren aufwärts hat die Ampel-Koalition eine Sonderregelung geplant. Im Fall einer Heizungshaverie oder der Notwendigkeit des Einbaus einer neuen Heizung sind sie unbefristet von der neuen 65-Prozent-Regelung befreit. Wechselt das Eigentum dieser Menschen den Besitzer, hat der oder die dann zwei Jahre Zeit, dem Gebäudeenergiegesetz zu entsprechen.

Welche Möglichkeiten für neue Heizungen bestehen ab Januar 2024?

Die Heiz-Technologie der Zukunft ist in Konsequenz der Beschlüsse der Ampel die elektrische Wärmepumpe. Der Wirkungsgrad von Wärmepumpen übersteigt den von modernen Gasheizungen deutlich: Während eine Gasheizung aus einer Kilowattstunde Gas 0,9 Kilowattstunden Wärme macht, kann die Wärmepumpe aus einem Kilowatt Strom die drei- bis vierfache Menge Wärme herstellen.

Probleme werden da befürchtet, wo die Wärmepumpe womöglich nicht effektiv genutzt werden kann: In sehr alten, sanierungsbedürftigen Gebäuden, die Temperaturen schlecht halten. Doch zum einen haben Forscher des Freiburger Fraunhofer-Instituts in einem Feldversuch festgestellt: Auch in nicht gut sanierten und gedämmten Altbauten können Wärmepumpen effektive Heizergebnisse erzielen

Zum anderen besteht nach Angaben der Bundesregierung auch in Zukunft die Möglichkeit, eine Hybridheizung einzubauen – etwa eine Gasheizung, die mit einer Wärmepumpe gekoppelt ist. Die Wärmepumpe kann so die meiste Zeit des Jahres die Grundlast tragen, an kälteren Tagen springt der Gaskessel ein. Auch Hybridlösungen mit Brennstoffzellen oder auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung sind möglich, aber nur, „wenn diese mindestens mit 65 Prozent grünen Gasen betrieben oder zur Erfüllung der 65-Prozent-EE-Vorgabe mit erneuerbaren Lösungen kombiniert werden.“

Auch sogenannte „H2-Ready“-Gasheizungen dürfen verbaut werden. Das sind Heizungen, die zu 100 Prozent auf Wasserstoff umrüstbar sind. Verbaut werden dürfen diese jedoch nur, wenn sie ab 2030 mit mindestens 50 Prozent Biomethan oder anderen grünen Gasen und ab 2035 mit mindestens 65 Prozent Wasserstoff betrieben werden. Der für Energie zuständige Staatssekretär Patrick Graichen sagte dazu vergangene Woche: „Dabei muss man auch sagen, dass Wasserstoffheizungen sicherlich nur in Einzelfällen die Lösung sein werden, nicht für die breite Masse, schlicht und einfach, weil Wasserstoff knapp und fürs Heizen sehr teuer sein wird.“

Was kostet mich der Wechsel zum klimaneutralen Heizen?

Die Anschaffungskosten für Wärmepumpen sind aktuell noch deutlich höher, als die für eine moderne Gasheizung. Kauf und Einbau einer Luftwärmepumpe können über 30.000 Euro kosten. Da ist die Gasheizung mit bis zu 11.000 Euro günstiger.

Im Betrieb ist jedoch die Wärmepumpe auf lange Sicht günstiger als die Gasheizung, da sie den genutzten Strom effizienter in Wärme umwandelt, als die Gasheizung das beim Erdgas tut. Ab 2027 wird sich zudem der EU-Emissionshandel auf die Gaspreise auswirken. Erdgas und Heizöl werden dann deutlich teurer werden. Nach Informationen von Business Insider wird im Bundeswirtschaftsministerium mit ähnlichen Gaspreisen wie bei der Gas-Krise im Zusammenhang mit Russlands Invasion der Ukraine im vergangenen Jahr gerechnet.

Die Bundesregierung will den Kauf von Wärmepumpen zudem finanziell fördern. Über die genauen Fördersummen verhandelt das Kabinett aktuell noch. Sie sollen jedoch sozial gestaffelt ausgestaltet werden: Wer weniger Geld zur Verfügung hat, soll stärker gefördert werden. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sagte am Sonntag in der ARD: „Meine Vorstellung ist, dass wir – wie es auch im Koalitionsausschuss vereinbart wurde – einen sozialen Ausgleich schaffen. Das heißt, dass die Wärmepumpen, solange sie noch teurer sind, auf den Preis einer Gasheizung runtergebracht werden.“

Auch sollen Mieter geschützt werden, wenn Vermieter die alte Gas- oder Ölheizung austauschen. Im Gesetzentwurf der Ampel sind detaillierte Regelungen festgehalten, die verhindern sollen, dass Vermieter Kosten in zu hohem Maße an Mieter weitergeben. Das gilt etwa, sollten Vermieter in der Anschaffung günstige, im Betrieb aber teure Biomethan- oder Wasserstoffheizungen einbauen. Auch, wenn Vermieter in schlecht sanierten Gebäuden eine leistungsschwache Wärmepumpe installieren, dürfen Kosten nicht einfach weitergereicht werden. Letzteres gilt jedoch nur für Gebäude, die vor 1996 gebaut wurden.

Was wird die Heizungswende der Ampel-Regierung das Land insgesamt kosten?

Im Gesetzesentwurf der Ampel-Koalition findet sich auch eine gesamtgesellschaftliche Kosten-Nutzen-Rechnung der von der Bundesregierung geplanten Heizungswende.

„Durch die Vorgabe für die Nutzung von Erneuerbaren Energien beim Einbau von neuen Heizungsanlagen entsteht den Bürgerinnen und Bürgern bis zum Jahr 2028 ein jährlicher Erfüllungsaufwand von rund 9,157 Milliarden Euro“, heißt es dort. Dem gegenüber stünden jedoch Einsparungen über die Betriebszeit von 18 Jahren in Höhe von 11,014 Milliarden Euro. Ab dem Jahr 2029 betrüge der jährliche Erfüllungsaufwand rund 5,039 Milliarden Euro. Dem gegenüber stünden Einsparungen von 11,125 Milliarden Euro.

Auch für die Wirtschaft findet sich im Gesetzestext eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Jährlich entstünden dieser Kosten von 1,12 Milliarden Euro. Über die jeweilige Lebensdauer der betroffenen Heizanlagen – das Wirtschaftsministerium rechnet hier mit drei bis 20 Jahren – stünden dem jedoch jeweils Einsparungen von 1,558 Milliarden Euro gegenüber.

„Zusätzlich entsteht ein einmaliger Erfüllungsaufwand von ca. 12,472 Milliarden Euro“, heißt es zudem. „Dem stehen über die jeweilige Lebensdauer der betroffenen Anlagen (3-20 Jahre) insgesamt rund 35,903 Milliarden Euro gegenüber.“

FOCUS mit Jean Pütz: Ein umfassendes Konzept zur globalen regenerativen Energieversorgung

Erstaunlich, wie sich die Presse gegenseitig ergänzt. Zunächst berichtete BILD-Zeitung in ihrer nationalen Ausgabe über meine Methode, wie es mir gelungen ist, mit meiner Familie CO2-neutral – gerechnet über das ganze Jahr im Durchschnitt – zu leben. Ich bedanke mich, dass dem Journalisten Nico Noelken das gelungen ist. Hilfreich waren auch die vielen Fotos. Er hat sogar differenziert darüber geschrieben, dass ich eigentlich ein Grünen-Sympathisant war, insbesondere, was ihre Bemühungen anbelangt, die Umwelt, d. h. Luft, Erde und Gewässer zu verbessern, inkl. Bewahrung der Artenvielfalt. Ich kritisiere allerdings heute ihr Umgang mit dem notwendigen Klima-Wandel. Das zeugt von einer extremen Unwissenheit bzgl. der naturgegebenen Gesetzmäßigkeit inkl. geringe Schwarmintelligenz in Sachen Technologie.
Dieses werfe ich den ‚Grünen‘ vor, mache stets aber auch Lösungs-Vorschläge. Die herrschende Political Correctness-Manie vieler Wissenschaftler, vieler wissenschaftlichen Institute und öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten beunruhigt mich. Z. B. vermeidet  die Redaktion des WDR-Fernsehen ‚Wissenschaft und Technik‘, die ich selbst 1969 gegründet habe, mich zu konsultieren, weil sie vermuten, dass ich mit meinem Wissen nicht zu bändigen wäre und genau deshalb gegen dieses gebotene Prinzip verstoßen würde. Ich versuche, jedermann zu informieren, nicht nur mit meiner wissenschaftlichen Homepage, sondern auch über Facebook mit immerhin über 95.000 Follower. Facebook habe ich deswegen gewählt, weil es da ermöglicht wird, ein Thema umfangreich mit allen Facetten darzustellen, was z. B. über Linkedin oder Twitter usw. nicht möglich ist.
Nun hat der renommierte FOCUS-online, wahrscheinlich ausgelöst durch BILD, meine Aktivitäten aufgegriffen und sehr objektiv dargestellt. Das veranlasst mich den Wort-Text Ihnen, meine lieben Besucher meiner Homepage, nicht vorzuenthalten. Ich weiß, über mich geistern viele Vorurteile über mich in Medien und Köpfen vieler Bürger, auch wenn ich bei Facebook meistens eine Zustimmung über 95% erreiche, und ein Diskussionsforum sondergleichen initiiert habe (immerhin mit fast zu 700 schriftlichen Kommentaren meiner Abonnenten), werde ich immer noch in die extrem rechte oder linke Ecke verfrachtet. Dabei versuche ich nur, wie es in meinem Obertitel heißt, der Vernunft eine Chance zu geben. In meinen 86 Jahren Lebenszeit begann ich als schlechter Schüler, lernte das Handwerk des Elektromechanikers – heute Mechatroniker – malochte als Mann für alle elektrischen Fragen in einem Luxemburger Eisen- und Stahl-Hüttenwerk (Esch-Belval), wurde 1959 in Köln an der dortigen staatlichen Ingenieur-Schule Elektroingenieur und übte diesen Beruf 1,5 Jahre in einem Entwicklungslabor für elektrische Schaltgeräte aus. Nach externen-Abitur studierte ich 6 Jahre an der Universität zu Köln fürs Lehramt Physik und Mathematik. Nach zwei Staatsexamen wurde ich in kürzester Zeit Oberstudienrat. Weil ich parallel dazu empirische Soziologie studierte, berief mich der WDR im vier Jahre zuvor gegründeten WDR-Fernsehen zum Gründer der Redaktion Wissenschaft und Technik. Ich wurde Redaktions-Gruppenleiter und übte dieses Amt 34 Jahre mit großer Zustimmung von Zuschauern und Vorgesetzten aus.
In dieser Zeit hat sich das Wissen um Technologie und Wissenschaft mindestens verfünfzigfacht. Meine Aufgabe, die ich mir selbst gesetzt hatte war, auch den normalen Menschen daran teilnehmen zu lassen. So entstand auch die ‚Hobbythek‘ als ‚trojanisches Pferd‘, um jedermann zu zeigen, dass Wissen um Wissenschaft enorme persönliche Vorteile bringt, aber auch um die Bedeutung der Wissenschaft und Technologie in unserer Zeit jedem demokratischen Wähler bewusst zu machen, dass das viele Geld, welches der Staat dafür ausgibt, dringend notwendig ist. Wenn ich die heutige Entwicklung betrachte, scheine ich versagt zu haben. Noch nie war die Schwarmintelligenz der Deutschen in Sachen Naturwissenschaft und Technik so gering, was dem Populismus mancher Parteien sehr begünstigt, eine große Gefahr für unsere Demokratie.
Für mich ist diese zwar keine ideale Staatsform, aber unserem genialen Grundgesetz verdanken wir immerhin über 75 Jahre funktionsfähige Zuversicht, ich hoffe, dass das auch so bleibt und der Populismus sie nicht langfristig zerstört. Ein Auto ist nicht nur deswegen ökologischer Fortschritt, weil es keinen Auspuff mehr besitzt, und Wunschdenken kann keine Naturgesetze aushebeln. Technischer Fortschritt muss dies dringend berücksichtigen, Wachstum ist nur noch akzeptierbar, wenn er auf regenerativen Energien aufbaut und bezahlbar ist. Darum geht es in der Zukunft
Jean Pütz
(FOCUS) – Die Ziele der Grünen teile Jean Pütz „ausnahmslos“. Dennoch machte der Kult-Moderator seinem Ärger über die „Grünideologen“ nun in einem Interview Luft.

Jean Pütz hält den bisherigen Weg der Grünen und vieler Klima-Aktivisten für falsch. „Für die Klimarettung reicht es nicht, Verbotsideologien zu verkünden“, erklärte der Moderator und Wissenschaftsjournalist gegenüber der „Bild“.

Technologie sei im Hinblick auf alle Energieprobleme ein wichtiger Faktor, so Pütz: „Die Grünen machen die Industrie in Deutschland kaputt. Sie meinen, durch Wunschdenken die Naturgesetze aushebeln zu können.“

Nichtsdestotrotz seien nicht alle Vorschläge der Partei sinnvoll – etwa in Bezug auf Autos: „40 Prozent des CO2-Aufkommens entsteht durch Gebäude. Private Pkw sind für nur sechs Prozent verantwortlich“, behauptete er.

Ein Verbot bestimmter Wagen sei deshalb nicht zielführend: „Das trifft nur die kleinen Leute. Demnächst kann sich der Normalbürger kein Auto mehr leisten. Mag sein, dass das von Grünideologen so gewünscht ist.“

„Deutschland opfert sich auf Kosten der kleinen Leute“

Der in Luxemburg aufgewachsene Physiker und Mathematiker empfehle Aktivisten, „sich die Zeit zu nehmen und sich Fachwissen anzueignen“. Er selbst lebe CO2-neutral auf einem ehemaligen Bauernhof im Bergischen Land und wolle so mit gutem Beispiel vorangehen.

Im Hinblick auf den Klimawandel halte der frühere „Hobbythek“-Moderator es zudem für besonders wichtig, über den Tellerrand zu schauen: „Europa ist nicht der Nabel der Welt. Deutschland opfert sich auf Kosten der kleinen Leute. Schwellenländer müssten mit in das Boot der Klimarettung integriert werden.“