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500 Jahre Reinheitsgebot

**500 Jahre Reinheitsgebot**
Nur vier Zutaten für deutsches Bier

(aid) – Aus nur vier Zutaten werden in Deutschland mehr als 5.500

Biermarken hergestellt. Als die Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. am

23. April 1516 im Rahmen einer Landesverordnung das so genannte

Reinheitsgebot erließen, konnten sie sich das wohl kaum vorstellen.

Im Unterschied zu Brauereien im Ausland dürfen deutsche Brauereien

bis heute ausschließlich die vier natürlichen Zutaten Wasser, Malz,

Hopfen und Hefe zur Bierherstellung verwenden. Künstlichen Aromen,

Farbstoffe und Stabilisatoren sind genauso tabu wie Enzyme,

Emulgatoren und auch Konservierungsstoffe. Das macht die Brauerei in

Deutschland zu einer besonders aufwändigen und anspruchsvollen

Angelegenheit.

Der erste Arbeitsschritt ist die Malzherstellung. Dazu wird Getreide

in Wasser eingeweicht und zum Keimen gebracht. Das Braumalz wird in

der Schrotmühle gemahlen, das Schrot dann mit Wasser vermischt und

erhitzt. Die festen Bestandteile der Maische („Treber“), werden im

Läuterbottich durch einen Filter von der Flüssigkeit – der

„Würze“ – getrennt. Sie wird zusammen mit Aroma- oder

Bitterhopfen etwa eine Stunde lang gekocht. Die restlichen Trübstoffe

werden im Whirlpool aus der Würze entfernt. Dann kann diese im

Würzkühler herunterkühlen. Im Gärtank kommt schließlich als

letzte Zutat die Hefe hinzu. Ihre Aufgabe ist es, den in der Würze

gelösten Malzzucker in Kohlensäure und Alkohol umzuwandeln. Am Ende

des Gärprozesses steht das so genannte Jungbier. Das lagert noch bis

zu drei Monate in Tanks, bevor es abgefüllt wird.

Der Brauer kann die Richtung seines Bieres trotz der wenigen Zutaten

mannigfach verändern. Ihm stehen dutzende Malz- und noch viel mehr

Hopfensorten zur Verfügung, dazu 20 bis 25 Bierhefen. Die können in

verschiedenen Kombinationen und noch dazu in den unterschiedlichsten

Mengenverhältnissen verarbeitet werden. Weitere Stellschrauben im

Produktionsprozess sind unterschiedliche Gärverfahren, Temperaturen

und Lagerzeiten.

Eva Neumann

Arktis beeinflusst Klima Europas

Verbessertes Klimamodell sagt häufigere kalte Winter voraus

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Institutes, der GKSS und weiterer Forschungsinstitutionen entwickelten im Rahmen eines EU-Projektes ein Ozean-Atmosphären-Modell, das verbesserte Aussagen zur Klimaentwicklung erlaubt. Dies gelang durch eine genauere Berechnung des Rückstrahlvermögens für Sonnenstrahlung, dem offenbar wichtigsten Faktor für die polare Verstärkung der globalen Erwärmung. Die Simulation zeigt eine deutliche Veränderung des Wettergeschehens im nordatlantischen Raum. Trockene und kalte Winter könnten häufiger auftreten als bisher angenommen.

Sonne, Eis und Schnee

Das globale Klima wird maßgeblich durch die Polarregionen beeinflusst: Eisflächen besitzen ein großes Rückstrahlvermögen für Sonnenstrahlung, die Albedo. Vom Eis bedeckte Bereiche erwärmen sich daher deutlich weniger als unbedeckte Gebiete. Führt globale Erwärmung zu einem Rückgang der Eisbedeckung, sinkt die Albedo und verstärkt damit die Erwärmung weiter. Mögliche Änderungen der Eisdicke, der Eisausdehnung und der beschriebenen Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung stellen bisher eine der größten Unsicherheiten bei der Vorhersage der zukünftigen Klimaentwicklung dar. Eine verbesserte Berechnung der Eis- und Schnee-Albedo-Rückkopplung wurde zunächst in einem regionalen Klimamodell der Arktis getestet und dann in einem globalen Klimamodell des gekoppelten Systems Atmosphäre-Ozean-Meereis berücksichtigt. “Ein Modelllauf über 500 Jahre dauert ungefähr zwei Monate³, erklärt Andreas Benkel vom GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht. “In der Regel läuft so eine Simulation in vielen Teilstücken von zehn Jahren, dann
wird gespeichert und neu gestartet.³

Globale Auswirkungen arktischer Klimaprozesse

Die Modellierungsergebnisse zeigen eine Umverteilung der Energieflüsse in der Arktis. Dadurch wird die Nordatlantische Oszillation (NAO) beeinflusst. Unter der NAO versteht man die Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden des Nordatlantiks. Man unterscheidet eine positive und eine negative Phase. Diese Luftdruckschwankungen gehen in der positiven Phase einher mit einer verstärkten West-Ost-Strömung über dem Nordatlantik. Dadurch gelangt vermehrt warme und feuchte Meeresluft nach Nord- und Mitteleuropa. In der negativen Phase schwächt sich die West-Ost-Strömung ab und es wird verstärkt kalte Polarluft nach Europa transportiert. “Die gegenwärtig beobachtete Erwärmung im Winter steht im Zusammenhang mit den Änderungen der Fernverbindungsmuster der Nordatlantischen Oszillation oder der Arktischen Oszillation³, so Prof. Dr. Klaus Dethloff vom Alfred-Wegener-Institut. “Dieses globale Muster der Luftdruck- und Temperaturverteilung hat sich in den letzten fünf J
ahrzehnten deutlich verändert. In den Wintern trat eine deutliche Erwärmung und in den Sommern ein leichte Abkühlung auf.³ Das verbesserte Modell sagt eine Tendenz zur negativen NAO-Phase voraus. “Die verbesserte Parametrisierung des Klimamodells zeigt, dass die globalen Muster der mittleren Troposphäre denen der nordatlantischen und arktischen Oszillation ähneln³, sagt Klaus Dethloff. Diese Schwankungen üben einen starken Einfluss auf das Klima Europas aus. Die Stärke der Westwinde und der Verlauf von Stürmen werden beeinflusst. Kalte und trockene Winter könnten somit häufiger auftreten.

Quelle: Geophysical Research Letters, Februar 2006

Forschergeist im Klassenzimmer stärken

Sechs weitere Kölner Bildungsprojekte ins
Bayer-Schulförderprogramm aufgenommen

Den Forschergeist im Klassenzimmer stärken

Projektinhalte stellen
hohen Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen her –
Biodiversität, Lebensmittelanbau, gesunde Ernährung und praxisnahes
Experimentieren für bessere Berufsperspektiven / Bayer Science &
Education Foundation ermöglicht Umsetzung innovativer Unterrichtskonzepte
mit insgesamt rund 36.000 Euro / Seit Programmstart 2007 bereits 554
Bildungsinitiativen im Umfeld der deutschen Bayer-Standorte mit rund 5,9
Millionen Euro unterstützt

Köln,
8. Februar 2019

Siebtklässler übernehmen im neuen Projekt des Johann-Gottfried-Herder-Gymnasiums
die Rolle von Forschern, die auf menschliche Knochenfunde stoßen. Anhand
von authentischen wissenschaftlichen Untersuchungsmethoden begutachten sie
echte Körperteile und werten ihre Ergebnisse in englischer Fachsprache aus.
Damit werden sie gezielt auf die Universität und das Arbeitsleben im
Bereich Wissenschaft vorbereitet. Wie diese Initiative zeichnen sich auch
fünf weitere Unterrichtsprojekte der KGS Michael-Ende-Schule, des Deutzer
Gymnasium Schauertestraße, der LVR-Anna-Freud-Schule, der Kindertagesstätte
Froebel Forscher-Pänz sowie der WissenschaftsScheune des
Max-Planck-Instituts für Pflanzenzüchtungsforschung durch einen hohen
Innovationscharakter aus – weshalb die Bayer Science & Education
Foundation sie mit insgesamt rund 36.000 Euro im Rahmen ihres
Schulförderprogramms unterstützt.

„Mit ihren Projekten tragen engagierte Lehrer
den Forschergeist förmlich ins Klassenzimmer“, sagte Daniela Neuendorf,
Programm-Managerin der Bayer-Stiftungen. „Denn sie behandeln Inhalte, in
denen ein wirklicher Bezug zur Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen
hergestellt wird – Lebensmittelanbau, gesunde Ernährung, Biodiversität oder
das Experimentieren mit authentischen Forschungsmethoden. Das macht
Schülern Spaß und stärkt mittel- und langfristig ihre Perspektiven für
Ausbildung und Beruf.“

Eine Auflistung sowie Kurzportraits der sechs
geförderten Kölner Projekte finden Sie hier: Projektförderungen
Köln 2017/18
.

Der Stiftungsrat der Bayer Science &
Education Foundation wählte in der aktuellen Förderrunde 42 Initiativen aus
den Einzugsgebieten der deutschen Bayer-Unternehmensstandorte aus. Seit
Programmstart 2007 wurden bundesweit bereits

554 Initiativen mit einem Gesamt-Fördervolumen
in Höhe von rund 5,9 Millionen Euro ins Bayer-Schulförderprogramm
aufgenommen. In Köln wurden bisher 25 Projekte mit mehr als 242.000
unterstützt.

Alle Förderprojekte zielen darauf ab,
innovative Unterrichtskonzepte und begleitende Bildungsangebote für Kinder
und Jugendliche einzuführen, die den Regelunterricht attraktiver machen
oder sinnvoll ergänzen. Insbesondere sollen sie dazu beitragen, bei
Schülern den Spaß und das Interesse an Naturwissenschaften zu wecken,
Talente frühzeitig zu fördern und die Berufswahlorientierung zu
erleichtern. Vor allem werden wegweisende Projekte aus den Bereichen
Gesundheit, Bio- und Medizinwissenschaften im Schulförderprogramm des
Bayer-Konzerns unterstützt.

Nächster Bewerbungsschluss für das
Schulförderprogramm ist am 28. April 2019.

Eine Bewerbung ist online möglich unter: https://secure.bayer.com/foundations/BewerbungSchulfoerderung.aspx

Bayer Science & Education Foundation
Als Bildungsstiftung des
Innovations-Unternehmens Bayer begreift sich die Bayer Science &
Education Foundation als Impulsgeber, Förderer und Partner für Innovationen
an der Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Im Zentrum ihrer
Programme stehen Menschen mit naturwissenschaftlichem Pioniergeist –
talentierte Schüler, aufstrebende Studenten und renommierte
Spitzenforscher, die sich für den Fortschritt in Gesundheits- und
Ernährungsfragen einsetzen. Die Fördertätigkeit der Unternehmens-Stiftungen
ist ein zentraler Bestandteil des weltweiten gesellschaftlichen Engagements
von Bayer, das jährlich rund 50 Millionen Euro beträgt – mit Schwerpunkten
auf der Förderung der naturwissenschaftlichen Bildung und Spitzenforschung,
der Gesundheitsversorgung und der Befriedigung sozialer Grundbedürfnisse
der Menschen im Umfeld der Unternehmensstandorte.

Mehr
Informationen zur Bayer Science & Education Foundation finden Sie
unter: www.bayer-stiftungen.de

Nanotechnologie ist beliebt und unbekannt

Mangelndes Grundwissen verhindert Vermittlung möglicher Gefahren

Kaum jemand kann sich eine molekulare Nanoröhre vorstellen (Bild: bfr)
 
Bonn (pte/21.10.2009/06:10) – Obwohl kaum jemand eine Vorstellung hat, was Nanotechnologie ist, schätzen die meisten Menschen deren Nutzen höher ein als die Risiken. Zu diesem Schluss kommen Marktforscher der Universität Bonn http://www.uni-bonn.de gemeinsam mit Wirtschaftspsychologen im Journal of Nanoparticle Research. Die Wissenschaflter analysierten im Auftrag des Bundesinstituts für Risikobewertung (bfr) per Befragungen, wie die Nanotechnologie heute wahrgenommen wird. Sichtbar wurden dabei nur geringe Kenntnisse in der Bevölkerung rund um das Thema.

Unter dem Schlagwort Nanotechnologie versteht man die Entwicklung von Werkstoffen oder Bauteilen, denen besonders kleine Komponenten besondere Eigenschaften verleihen. Auch wenn die Technik bereits längst in den Alltag eingezogen ist und etwa in Sonnencremes, Zahnfüllungen oder auch bei bestimmten Lebensmitteln Anwendung findet, gibt es noch sehr wenig Verständnis über die Materie in der Bevölkerung. "Fast niemand weiß genau, was Nanotechnologie genau bezeichnet. Häufig assoziiert man damit den Lotuseffekt, Produkte aus dem IT-Bereich oder Verbraucherprodukte, die Nanotechnologie ausloben wie etwa Schuhpflegesprays", berichtet Forschungsleiter Johannes Simons im pressetext-Interview.

Beruhigendes Halbwissen

Grund für das fehlende Wissen ist die Schwierigkeit, sich Nanoteilchen vorzustellen. „Die Materie ist viel zu kompliziert, als dass man sie ohne große Mühe verstehen könnte. Denn wir wollen zwar wissen, scheuen jedoch in der Regel den Aufwand zu lernen“, urteilt Simons. Die Nanotechnologie sei in ihrer Komplexität mit der Gentechnik vergleichbar, wobei Simons jedoch deutliche Unterschiede in der allgemeinen Bewertung erkennt. „Das Nicht- oder Halbwissen macht in der Gentechnik Angst, da hier die Vorstellung vorherrscht, man wolle dem Herrgott ins Handwerk pfuschen. Bei der Nanotechnologie bewirkt die Unkenntnis hingegen Zuversicht."

Zum positiven Image von Nanotechnologie hätten ausbleibende Risikomeldungen wie auch die Wirtschaft selbst beigetragen. "Die Menschen erhielten bisher noch keine Meldungen mit der Botschaft, dass Nanotechnologie schlimm sein könnte. Sehr positiv besetzt ist das diffuse Wissen über die Anwendung in der Medizin oder im Umweltbereich, wo man die Lösung wichtiger Probleme durch Nanotechnologie erhofft." Förderlich für den Ruf sei auch die Produktreihe ‚Nano‘ von Apple, sowie das gleichnamige Forschungsmagazin im deutschen Fernsehen.

Böse Nanoteilchen

Dennoch fanden die Forscher auch negativ besetzte Begriffe, die die Wissenschaft ebenfalls der Nanotechnologie zuordnet. "Der Begriff Nanoteilchen löst ablehnende Assoziationen aus, wenn sie etwa mit freien Radikalen, Asbest, Feinstaub oder mit der Entstehung von Krebs verknüpft werden. Diese Themen sind stark angstbesetzt." Kaum einer der 1.000 Befragten verband allerdings Nanoteilchen auf Anhieb mit der Nanotechnologie.

Trotz des schwierigen Themas ist Simons der Ansicht, dass die stärkere Vermittlung von Wissen über Nanotechnologie sinnvoll wäre. "Chancen und Risiken dieser Technik werden derzeit in der Öffentlichkeit kaum diskutiert. Die Kommunikation von etwaigen Gefahren ist jedoch erst möglich, wenn es eine bestimmte Wissensgrundlage gibt." Vorbedingung dieser Vermittlung sei es allerdings, noch mehr über in den Köpfen vorhandene Bilder und Ängste Bescheid zu wissen und die Kommunikationsstrategie daran anzuknüpfen.

Abschlussbericht online unter http://www.bfr.bund.de/cm/238/wahrnehmung_der_nanotechnologie_in_der_bevoelkerung.pdf

Psychologe beschreibt die Gefahren des Internets

Von Hannes Grassegger und Mikael Krogerus

Das Magazin N°48 – 3. Dezember 2016

Am 9. November gegen 8.30
Uhr erwacht Michal Kosinski in Zürich im Hotel Sunnehus. Der 34-jährige
Forscher ist für einen Vortrag am Risikocenter der ETH angereist, zu
einer Tagung über die Gefahren von Big Data und des sogenannten
digitalen Umsturzes. Solche Vorträge hält Kosinski ständig, überall auf
der Welt. Er ist ein führender Experte für Psychometrik, einen
datengetriebenen Nebenzweig der Psychologie. Als er an diesem Morgen den Fernseher einschaltet, sieht er, dass die Bombe geplatzt ist: Entgegen den Hochrechnungen aller führenden Statistiker ist Donald J. Trump gewählt worden.

Lange betrachtet Kosinski Trumps Jubelfeier und die
Wahlergebnisse der einzelnen Bundesstaaten. Er ahnt, dass das Ergebnis
etwas mit seiner Forschung zu tun haben könnte. Dann atmet er tief durch
und schaltet den Fernseher aus.

Am gleichen Tag versendet eine bis dahin
kaum bekannte britische Firma mit Sitz in London eine Pressemitteilung:
«Wir sind begeistert, dass unser revolutionärer Ansatz der
datengetriebenen Kommunikation einen derart grundlegenden Beitrag zum
Sieg für Donald Trump leistet», wird ein Alexander James Ashburner Nix
zitiert. Nix ist Brite, 41 Jahre alt und CEO von Cambridge Analytica. Er
tritt stets im Massanzug und mit Designerbrille auf, die leicht
gewellten blonden Haare nach hinten gekämmt.

Der nachdenkliche Kosinski, der gestriegelte Nix, der
breit grinsende Trump – einer hat den digitalen Umsturz ermöglicht,
einer hat ihn vollführt, einer davon profitiert.

Wie gefährlich ist Big Data?

Jeder, der nicht die letzten fünf Jahre auf dem Mond
gelebt hat, kennt den Begriff «Big Data». Big Data bedeutet auch, dass
alles, was wir treiben, ob im Netz oder ausserhalb, digitale Spuren
hinterlässt. Jeder Einkauf mit der Karte, jede Google-Anfrage, jede
Bewegung mit dem Handy in der Tasche, jeder Like wird gespeichert.
Besonders jeder Like. Lange war nicht ganz klar, wozu diese Daten gut
sein sollen – ausser dass in unserem Facebook-Feed Blutdrucksenker
beworben werden, weil wir grad «Blutdruck senken» gegoogelt haben.
Unklar war auch, ob Big Data eine grosse Gefahr oder ein grosser Gewinn
für die Menschheit ist. Seit dem 9. November kennen wir die Antwort.
Denn hinter Trumps Onlinewahlkampf und auch hinter der Brexit-Kampagne
steckt ein und dieselbe Big-Data-Firma: Cambridge Analytica mit ihrem
CEO Alexander Nix. Wer den Ausgang der Wahl verstehen will – und was auf
Europa in den nächsten Monaten zukommen könnte –, muss mit einem
merkwürdigen Vorfall an der britischen Universität Cambridge im Jahr
2014 beginnen. Und zwar an Kosinskis Department für Psychometrik.

Psychometrie, manchmal auch Psychografie
genannt, ist der wissenschaftliche Versuch, die Persönlichkeit eines
Menschen zu vermessen. In der modernen Psychologie ist dafür die
sogenannte Ocean-Methode zum Standard geworden. Zwei Psychologen war in
den 1980ern der Nachweis gelungen, dass jeder Charakterzug eines
Menschen sich anhand von fünf Persönlichkeitsdimensionen messen lässt,
den Big Five: Offenheit (Wie aufgeschlossen sind Sie gegenüber
Neuem?), Gewissenhaftigkeit (Wie perfektionistisch sind Sie?),
Extraversion (Wie gesellig sind Sie?), Verträglichkeit (Wie
rücksichtsvoll und kooperativ sind Sie?) und Neurotizismus (Sind Sie
leicht verletzlich?). Anhand dieser Dimensionen kann man relativ genau
sagen, mit
was für einem Menschen wir es zu tun haben, also welche Bedürfnisse und Ängste er hat, und aber auch, wie er
sich tendenziell verhalten wird. Das Problem aber war lange Zeit die
Datenbeschaffung, denn zur Bestimmung musste man einen komplizierten,
sehr persönlichen Fragebogen ausfüllen. Dann kam das Internet. Und
Facebook. Und Kosinski.

Für den Warschauer Studenten Michal
Kosinski begann ein neues Leben, als er 2008 an der ehrwürdigen
Cambridge University in England aufgenommen wurde: am Zentrum für
Psychometrie, im Cavendish Laboratory, dem ersten Psychometrie-Labor
überhaupt. Mit einem Studienkollegen stellte Kosinski eine kleine App
ins damals noch überschaubare Facebook: Auf MyPersonality, so hiess die
Applikation, konnte man eine Handvoll psychologischer Fragen aus dem
Ocean-Fragebogen ausfüllen («Lassen Sie sich bei Stress leicht aus der
Ruhe bringen?» – «Neigen Sie dazu, andere zu kritisieren?»). Als
Auswertung erhielt man sein «Persönlichkeitsprofil» – eigene Ocean-Werte
–, und die Forscher bekamen die wertvollen persönlichen Daten. Statt,
wie erwartet, ein paar Dutzend Studienfreunde hatten schnell Hunderte,
Tausende, bald Millionen ihre innersten Überzeugungen verraten.
Plötzlich verfügten die beiden Doktoranden über den grössten jemals
erhobenen psychologischen Datensatz.

Das Verfahren, das Kosinski mit seinen Kollegen über die
nächsten Jahre entwickelt, ist eigentlich recht einfach. Zuerst legt man
Testpersonen einen Fragebogen vor. Das ist das Onlinequiz. Aus ihren
Antworten kalkulieren die Psychologen die persönlichen Ocean-Werte der
Befragten. Damit gleicht Kosinskis Team dann alle möglichen anderen
Onlinedaten der Testpersonen ab: was sie auf Facebook gelikt, geshared
oder gepostet haben, welches Geschlecht, Alter, welchen Wohnort sie
angegeben haben. So bekommen die Forscher Zusammenhänge. Aus einfachen
Onlineaktionen lassen sich verblüffend zuverlässige Schlüsse ziehen. Zum Beispiel sind Männer, die die Kosmetikmarke MAC
liken, mit hoher Wahrscheinlichkeit schwul. Einer der besten
Indikatoren für Heterosexualität ist das Liken von Wu-Tang Clan, einer
New Yorker Hip-Hop-Gruppe. Lady-Gaga-Follower wiederum sind mit sehr
hoher Wahrscheinlichkeit extrovertiert. Wer Philosophie likt, ist eher
introvertiert.

Kosinski und sein Team verfeinern die
Modelle unablässig. 2012 erbringt Kosinski den Nachweis, dass man aus
durchschnittlich 68 Facebook-Likes eines Users vorhersagen kann, welche
Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell ist
(88-prozentige Wahrscheinlichkeit), ob Demokrat oder Republikaner (85
Prozent). Aber es geht noch weiter: Intelligenz, Religionszugehörigkeit,
Alkohol-, Zigaretten- und Drogenkonsum lassen sich berechnen. Sogar, ob
die Eltern einer Person bis zu deren 21. Lebensjahr zusammengeblieben
sind oder nicht, lässt sich anhand der Daten ablesen. Wie gut ein Modell
ist, zeigt sich daran, wie gut es vorhersagen kann, wie eine Testperson
bestimmte Fragen beantworten wird. Kosinski geht wie im Rausch immer
weiter: Bald kann sein Modell anhand von zehn Facebooks-Likes eine
Person besser einschätzen als ein durchschnittlicher Arbeitskollege. 70
Likes reichen, um die Menschenkenntnis eines Freundes zu überbieten, 150
um die der Eltern, mit 300 Likes kann die Maschine das Verhalten einer
Person eindeutiger vorhersagen als deren Partner. Und mit noch mehr
Likes lässt sich sogar übertreffen, was Menschen von sich selber zu
wissen glauben. Am Tag, als Kosinski diese Erkenntnisse publiziert,
erhält er zwei Anrufe. Eine Klageandrohung und ein Stellenangebot. Beide
von Facebook.

Nur für Freunde sichtbar

Facebook hat inzwischen die
Unterscheidung zwischen öffentlichem und privatem Posten eingeführt. Im
«privaten» Modus können nur die eigenen Freunde sehen, was man likt.
Aber das bleibt kein Hindernis für Datensammler: Während Kosinski stets
das Einverständnis der Facebook-User erfragt, verlangen viele Onlinequiz
heute den Zugang zu privaten Daten als Vorbedingung für
Persönlichkeitstests. (Wer keine grosse Sorge um die eigenen Daten hat
und sich selbst anhand seiner Likes auf Facebook einschätzen lassen
will, kann das auf Kosinskis Seiteapplymagicsauce.com machen und anschliessend seine Ergebnisse mit denen eines «klassischen» Ocean-Fragebogens vergleichen: discovermyprofile.com/personality.html.)

Aber es geht nicht nur um die Likes auf
Facebook: Kosinski und sein Team können inzwischen Menschen allein
anhand des Porträtfotos den Ocean-Kriterien zuordnen. Oder anhand der
Anzahl unserer Social-Media-Kontakte (ein guter Indikator für
Extraversion). Aber wir verraten auch etwas über uns, wenn wir offline
sind. Der Bewegungssensor zeigt zum Beispiel, wie schnell wir das
Telefon bewegen oder wie weit wir reisen (korreliert mit emotionaler
Instabilität). Das Smartphone, stellt Kosinski fest, ist ein gewaltiger
psychologischer Fragebogen, den wir konstant bewusst und unbewusst
ausfüllen. Vor allem aber, und das ist wichtig zu verstehen,
funktioniert es auch umgekehrt: Man kann nicht nur aus Daten
psychologische Profile erstellen, man kann auch umgekehrt nach
bestimmten Profilen suchen – etwa: alle besorgten Familienväter, alle
wütenden Introvertierten. Oder auch: alle unentschlossenen Demokraten.
Was Kosinski genau genommen erfunden hat, ist eine Menschensuchmaschine.

Immer deutlicher erkennt Kosinski das Potenzial – aber auch die Gefahr seiner Arbeit.

Das Netz erschien ihm immer wie ein
Geschenk des Himmels. Er will ja eigentlich zurückgeben, teilen, sharen.
Daten sind kopierbar, sollen doch alle etwas davon haben. Es ist der
Geist einer ganzen Generation, der Beginn eines neuen Zeitalters ohne
die Grenzen der physischen Welt. Aber was passiert, fragt sich Kosinski,
wenn jemand seine Menschensuchmaschine missbraucht, um Menschen zu
manipulieren? Er beginnt, alle seine wissenschaftlichen Arbeiten mit
Warnungen zu versehen. Mit seinen Methoden könnten «das Wohlergehen, die
Freiheit oder sogar das Leben von Menschen bedroht» werden. Aber
niemand scheint zu verstehen, was er meint.

In dieser Zeit, Anfang 2014, tritt ein junger
Assistenzprofessor namens Aleksandr Kogan an Kosinski heran. Er habe
eine Anfrage eines Unternehmen, das sich für Kosinskis Methode
interessiere. Die Facebook-Profile von zehn Millionen US-Nutzern sollen
psychometrisch vermessen werden. Zu welchem Zweck, das könne er nicht
sagen, es gebe strenge Geheimhaltungsauflagen. Kosinski will erst
zusagen, es geht um sehr viel Geld für sein Institut, zögert dann aber.
Schliesslich rückt Kogan mit dem Namen der Firma heraus: SCL – Strategic
Communications Laboratories. Kosinski googelt die Firma: «Wir sind eine
weltweit agierende Wahl-Management-Agentur», liest er auf der
Unternehmenswebsite. SCL bieten Marketing auf Basis eines
psycho-logischen Modells. Schwerpunkt: Wahlbeeinflussung.
Wahlbeeinflussung? Verstört klickt sich Kosinski durch die Seiten. Was ist das für eine Firma? Und was haben diese Leute in den USA vor?

Was Kosinski zu diesem Zeitpunkt nicht
weiss: Hinter SCL verbirgt sich ein kompliziertes Firmenkonstrukt mit
Ablegern in Steuerparadiesen – wie die Panama Papers und
Wikileaks-Enthüllungen zeigen. Manche haben bei Umstürzen in
Entwicklungsländern mitgewirkt, andere entwickelten für die Nato
Methoden zur psychologischen Manipulation der Bevölkerung in
Afghanistan. Und mittlerweile sind SCL auch die Mutterfirma von
Cambridge Analytica, jener ominösen Big-Data-Bude, die für Trump und
Brexit den Onlinewahlkampf organisierte.

Kosinski weiss davon nichts, aber er ahnt
Ungutes. «Die Sache begann zu stinken», erinnert er sich. Bei seinen
Nachforschungen entdeckt er, dass Aleksandr Kogan heimlich eine Firma
registriert hat, die mit SCL Geschäfte macht. Aus einem Dokument, das
dem «Magazin» vorliegt, geht hervor, dass SCL Kosinskis Methode durch
Kogan kennenlernte. Plötzlich dämmert Kosinski, dass Kogan sein
Ocean-Modell kopiert oder nachgebaut haben könnte, um es der
Wahlbeeinflussungsfirma zu verkaufen. Sofort bricht er den Kontakt zu
ihm ab und informiert den Institutsleiter. Innerhalb der Universität
entfacht sich ein komplizierter Konflikt. Das Institut sorgt sich um
seinen Ruf. Aleksandr Kogan zieht erst einmal nach Singapur, heiratet
und nennt sich fortan Dr. Spectre. Michal Kosinski wechselt an die
Stanford University in den USA.

Ein Jahr lang ist es ziemlich ruhig,
dann, im November 2015, verkündet die radikalere der beiden
Brexit-Kampagnen, «leave.eu», getragen von Nigel Farage, sie habe eine
Big-Data-Firma beauftragt, ihren Wahlkampf online zu unterstützen:
Cambridge Analytica. Kernkompetenz der Firma: neuartiges Politmarketing,
sogenanntes Mikrotargeting – auf Basis des psychologischen
Ocean-Modells. 

Kosinski bekommt Mails, was er damit zu
tun habe – bei den Stichworten Cambridge, Ocean und Analytics denken
viele zuerst an ihn. Zum ersten Mal hört er von der Firma. Entsetzt
schaut er auf die Website. Sein Albtraum ist wahr geworden: Seine
Methodik wird im grossen Stil für politische Zwecke eingesetzt.

Nach dem Brexit im Juli prasseln Beschimpfungen auf ihn
ein: Schau nur, was du getan hast, schreiben Freunde und Bekannte.
Überall muss Kosinski erklären, dass er mit dieser Firma nichts zu tun
hat.

Erst Brexit, dann Trump

Zehn Monate später. Es ist der 19. September 2016, die
US-Wahl rückt näher. Gitarrenriffs erfüllen den dunkelblauen Saal des
New Yorker Grand Hyatt Hotels, Creedence Clearwater Revival: «Bad Moon
Rising». Der Concordia Summit ist eine Art Weltwirtschaftsforum in
Klein. Entscheidungsträger aus aller Welt sind eingeladen, unter den
Gästen befindet sich auch Bundesrat Schneider-Ammann. «Bitte heissen Sie
Alexander Nix, Chief Executive Officer von Cambridge Analytica,
willkommen», verkündet eine sanfte Frauenstimme aus dem Off. Ein
schlanker Mann im dunklen Anzug betritt die Bühnenmitte. Es herrscht
gebannte Stille. Viele hier wissen: Das ist Trumps neuer Digital-Mann.
«Bald werden Sie mich Mr. Brexit nennen», hatte Trump einige Wochen
zuvor etwas kryptisch getwittert. Politikbeobachter hatten zwar auf die
inhaltliche Ähnlichkeit zwischen Trumps Agenda und jener des rechten
Brexit-Lagers verwiesen. Die wenigsten aber hatten den Zusammenhang mit
Trumps kürzlichem Engagement einer weithin unbekannten Marketingfirma
bemerkt: Cambridge Analytica.

Trumps Digitalkampagne hatte davor mehr oder minder aus
einer Person bestanden: Brad Parscale, einem Marketingunternehmer und
gescheiterten Start-up-Gründer, der Trump für 1500 Dollar eine
rudimentäre Website aufgebaut hatte. Der 70-jährige Trump ist kein
Digitaltyp, auf seinem Arbeitstisch steht nicht einmal ein Computer. So
etwas wie eine E-Mail von Trump gibt es nicht, hat seine persönliche
Assistentin einmal verraten. Sie selber habe ihn zum Smartphone
überredet – von dem aus er seither unkontrolliert twittert.

Hillary Clinton hingegen verliess sich
auf das Erbe des ersten Social-Media-Präsidenten, Barack Obama. Sie
hatte die Adresslisten der Demokratischen Partei, sammelte Millionen
über das Netz, bekam Unterstützung von Google und Dreamworks. Als im
Juni 2016 bekannt wurde, dass Trump Cambridge Analytica angeheuert
hatte, rümpfte man in Washington die Nase. Ausländische Gecken in
Massanzügen, die Land und Leute nicht verstehen? Seriously?

«Es ist mein Privileg, vor Ihnen, verehrte Zuhörer, über
die Macht von Big Data und der Psychografie im Wahlkampf zu sprechen.»
Hinter Alexander Nix erscheint das Logo von Cambridge Analytica – ein
Gehirn, zusammengesetzt aus ein paar Netzwerkknoten, wie eine Landkarte.
«Vor ein paar Monaten war Cruz noch einer der weniger beliebten
Kandidaten», sagt der blonde Mann mit diesem britischen Zungenschlag,
der Amerikanern dasselbe Gefühl einjagt wie vielen Schweizern
Hochdeutsch, «nur 40 Prozent der Wähler kannten seinen Namen.» Alle im
Saal haben den Blitzaufstieg des konservativen Senators Cruz
mitbekommen. Es war einer der seltsamsten Momente des Wahlkampfes. Der
letzte grosse innerparteiliche Gegner Trumps, der aus dem Nichts
gekommen war. «Wie also hat er das geschafft?», fährt Nix fort. Ende
2014 war Cambridge Analytica in den US-Wahlkampf eingestiegen, zunächst
als Berater des Republikaners Ted Cruz, finanziert vom verschwiegenen
US-Softwaremilliardär Robert Mercer. Bisher, so Nix, seien Wahlkampagnen
nach demografischen Konzepten geführt worden, «eine lächerliche Idee,
wenn Sie drüber nachdenken: Alle Frauen erhalten die gleiche Nachricht,
bloss weil sie das gleiche Geschlecht haben – oder alle Afroamerikaner,
wegen ihrer Rasse?» So dilettantisch arbeitet das Kampagnenteam von
Hillary Clinton, das braucht Nix hier gar nicht zu erwähnen, es
unterteilt die Bevölkerung in vermeintlich homogene Gruppen – genauso
wie all die Meinungsforschungsinstitute es taten, die Clinton bis
zuletzt als Gewinnerin sahen.

Stattdessen klickt Nix weiter zur nächsten Folie: fünf
verschiedene Gesichter, jedes Gesicht entspricht einem
Persönlichkeitsprofil. Es ist das Ocean-Modell. «Wir bei Cambridge
Analytica», sagt Nix, «haben ein Modell entwickelt, das die
Persönlichkeit jedes Erwachsenen in den USA berechnen kann.» Jetzt ist
es absolut still im Saal. Der Erfolg des Marketings von Cambridge
Analytica beruhe auf der Kombination dreier Elemente: psychologische
Verhaltensanalyse nach dem Ocean-Modell, Big-Data-Auswertung und
Ad-Targeting. Ad-Targeting, das ist personalisierte Werbung, also
Werbung, die sich möglichst genau an den Charakter eines einzelnen
Konsumenten anpasst.

Nix erklärt freimütig, wie seine Firma
das macht (der Vortrag ist auf Youtube frei einsehbar). Aus allen
möglichen Quellen kauft Cambridge Analytica persönliche Daten:
Grundbucheinträge, Bonuskarten, Wählerverzeichnisse,
Clubmitgliedschaften, Zeitschriftenabonnements, medizinische Daten. Nix
zeigt die Logos global tätiger Datenhändler wie Acxiom und Experian – in
den USA sind quasi alle persönlichen Daten käuflich zu erwerben. Wenn
man wissen will, wo zum Beispiel jüdische Frauen wohnen, kann man diese
Informationen einfach kaufen. Inklusive Telefonnummern. Nun kreuzt
Cambridge Analytica diese Zahlenpakete mit Wählerlisten der
Republikanischen Partei und Onlinedaten wie Facebook-Likes –
dann
errechnet man das Ocean-Persönlichkeitsprofil: Aus digitalen
Fussabdrücken werden plötzlich reale Menschen mit Ängsten, Bedürfnissen,
Interessen – und mit einer Wohnadresse.

Das Vorgehen ist identisch mit den Modellen, die Michal
Kosinski entwickelt hatte. Auch Cambridge Analytica verwendet IQ-Quiz
und andere kleine Ocean-Test-Apps, um an die aussagekräftigen
Facebook-Likes von Usern zu gelangen. Und Cambridge Analytica macht
genau das, wovor Kosinski gewarnt hatte: «Wir haben Psychogramme von
allen erwachsenen US Bürgern – 220 Millionen Menschen», Nix öffnet den
Screenshot, «so sehen unsere Kontrollzentren aus. Lassen Sie mich
zeigen, was wir damit tun.» Ein digitales Cockpit erscheint. Links
Diagramme, rechts eine Karte von Iowa, wo Cruz überraschend viele
Stimmen im Vorwahlkampf gesammelt hatte. Darauf Hunderttausende kleiner
Punkte, rot und blau. Nix grenzt die Kriterien ein: Republikaner – die
blauen Punkte verschwinden; «noch nicht überzeugt» – wieder verschwinden
Punkte; «männlich» und so weiter. Am Schluss erscheint ein einzelner
Name, darunter Alter, Adresse, Interessen, politische Neigung. Wie
bearbeitet Cambridge Analytica nun eine solche Person mit politischen
Botschaften?

In einer anderen Präsentation zeigt Nix am Beispiel des
Waffengesetzes zwei Versionen, wie man psychografisch durchleuchtete
Wähler ansprechen kann: «Für einen ängstlichen Menschen mit hohen
Neurotizismus-Werten verkaufen wir die Waffe als Versicherung. Sehen Sie
links das Bild dazu: die Hand eines Einbrechers, die eine Scheibe
einschlägt.» Die rechte Seite zeigt einen Mann und ein Kind im
Sonnenuntergang, beide mit Flinten in einem Feld, offensichtlich bei der
Entenjagd: «Das ist für konservative Typen mit hoher Extraversion.»

Wie man Clinton-Wähler von der Urne fernhält

Trumps auffällige Widersprüche, seine oft kritisierte
Haltungslosigkeit und die daraus resultierende ungeheure Menge an
unterschiedlichen Botschaften entpuppen sich plötzlich als sein grosser
Vorteil: Jedem Wähler seine Botschaft. «Trump agiert wie ein perfekt
opportunistischer Algorithmus, der sich nur nach Publikumsreaktionen
richtet», notiert bereits im August die Mathematikerin Cathy O’Neil. Am
Tag der dritten Präsidentschaftsdebatte zwischen Trump und Clinton
versendet Trumps Team 175 000 verschiedene Variationen seiner Argumente,
vor allem via Facebook. Die Botschaften unterscheiden sich meist nur in
mikroskopischen Details, um den Empfängern psychologisch optimal zu
entsprechen: verschiedene Titel, Farben, Untertitel, mit Foto oder mit
Video. Die Feinkörnigkeit der Anpassung geht hinunter bis zu
Kleinstgruppen, erklärt Nix im Gespräch mit «Das Magazin». «Wir können
Dörfer oder Häuserblocks gezielt erreichen. Sogar Einzelpersonen.» In
Miamis Stadtteil Little Haiti versorgte Cambridge Analytica Einwohner
mit Nachrichten über das Versagen der Clinton-Stiftung nach dem Erdbeben
in Haiti – um sie davon abzuhalten, Clinton zu wählen. Das ist eines
der Ziele: potenzielle Clinton-Wähler – hierzu gehören zweifelnde Linke,
Afroamerikaner, junge Frauen – von der Urne fernzuhalten, ihre Wahl zu
«unterdrücken», wie ein Trump-Mitarbeiter erzählt. In sogenannten dark posts,
das sind gekaufte Facebook-Inserate in der Timeline, die nur User mit
passendem Profil sehen können, werden zum Beispiel Afroamerikanern
Videos zugespielt, in denen Hillary Clinton schwarze Männer als
Raubtiere bezeichnet.

«Meine Kinder», beendet Nix seinen Vortrag am Concordia
Summit, «werden sich so etwas wie ein Werbeplakat mit der gleichen
Nachricht für alle, ja das ganze Konzept eines Massenmediums, nicht mehr
erklären können. Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und kann
Ihnen sagen, dass wir mittlerweile für einen der beiden verbliebenen
Kandidaten arbeiten.» Dann verlässt er die Bühne.

Wie gezielt die amerikanische Bevölkerung bereits in
diesem Moment von Trumps digitalen Truppen massiert wird, ist nicht
erkennbar – weil sie selten breit im Mainstream-TV attackieren, sondern
meist personalisiert auf Social Media oder im Digitalfernsehen. Und
während sich das Clinton-Team auf Basis demografischer Hochrechnungen in
Sicherheit wiegt, entsteht in San Antonio im Sitz der
Trump-Digitalkampagne ein «zweites Hauptquartier», wie
Bloomberg-Journalist Sasha Issenberg nach einem Besuch überrascht
notiert. Das Cambridge-Analytica-Team, angeblich nur ein Dutzend Leute,
hatte im Juli von Trump etwa 100 000 Dollar erhalten, im August bereits
250 000 Dollar, fünf Millionen im September. Insgesamt, so sagt Nix,
habe man etwa 15 Millionen Dollar eingenommen.

Und die Massnahmen der Firma sind
radikal: Ab Juli 2016 wird für Trump-Wahlhelfer eine App bereitgestellt,
mit der sie erkennen können, welche politische Einstellung und welchen
Persönlichkeitstyp die Bewohner eines Hauses haben. Wenn Trumps Leute an
der Tür klingeln, dann nur bei jenen, die die App als empfänglich für
seine Botschaften einstuft. Die Wahlhelfer haben auf den
Persönlichkeitstyp des Bewohners angepasste Gesprächsleitfaden bereit.
Die Reaktion wiederum geben die Wahlhelfer in die App ein – und die
neuen Daten fliessen zurück in den Kontrollraum von Cambridge Analytica.

Die Firma unterteilt die US-Bevölkerung in 32
Persönlichkeitstypen, man konzentriert sich nur auf 17 Staaten. Und wie
Kosinski festgestellt hatte, dass Männer, die MAC Cosmetic liken, sehr
wahrscheinlich schwul sind, fand Cambridge Analytica heraus, dass eine
Vorliebe für US-gefertigte Autos das beste Anzeichen für mögliche
Trump-Wähler ist. Unter anderem solche Erkenntnisse zeigen nun Trump,
welche Botschaften ziehen und wo genau am besten. Die Entscheidung, dass
er sich in den letzten Wochen auf Michigan und Wisconsin konzentriert,
geschieht auf Basis einer Datenauswertung. Der Kandidat wird zum
Umsetzungsinstrument eines Modells.

Was macht Cambridge Analytica in Europa?

Aber wie gross war der Einfluss der psychometrischen
Methoden auf den Ausgang der Wahl? Cambridge Analytica will auf Anfrage
keine Belege für die Wirksamkeit der Kampagne liefern. Und es ist gut
möglich, dass die Frage nicht zu beantworten ist. Und doch gibt es
Anhaltspunkte: Da ist die Tatsache, dass Ted Cruz dank der Hilfe von
Cambridge Analytica aus dem Nichts zum schärfsten Konkurrenten Trumps in
den Primaries aufstieg. Da ist die Zunahme der ländlichen Wählerschaft.
Da ist der Rückgang der Stimmenabgabe durch Afroamerikaner. Auch der
Umstand, dass Trump so wenig Geld ausgab, könnte sich mit der
Effektivität persönlichkeitsbasierter Werbung erklären. Und auch, dass
er drei Viertel seines Marketingbudgets in den Digitalbereich steckte.
Facebook erwies sich als die ultimative Waffe und der beste Wahlhelfer,
wie ein Trump-Mitarbeiter twitterte. Das dürfte beispielsweise in
Deutschland der AfD gefallen, die mehr Facebook-Freunde hat als CDU und
SPD zusammen.

Es ist also keineswegs so, wie oft behauptet wird, dass
die Statistiker diese Wahl verloren haben, weil sie mit ihren Polls so
danebenlagen. Das Gegenteil ist richtig: Die Statistiker haben die Wahl
gewonnen. Aber nur jene mit der neuen Methode. Es ist ein Treppenwitz
der Geschichte, dass Trump oft über die Wissenschaft schimpfte, aber
wohl dank ihr die Wahl gewonnen hat.

Ein anderer grosser Gewinner heisst
Cambridge Analytica. Ihr Vorstandsmitglied Steve Bannon, Herausgeber der
ultrarechten Onlinezeitung «Breitbart News», ist gerade zu Donald
Trumps Chefstrategen ernannt worden. 
Marion Maréchal-Le Pen, aufstrebende Front-National-Aktivistin und Nichte der Präsidentschaftskandidatin*, twitterte bereits, dass sie seine Einladung zur Zusammenarbeit annehme,
und auf einem internen Firmenvideo steht über dem Mitschnitt einer
Besprechung «Italy». Alexander Nix bestätigt, dass er auf Kundenakquise
sei, weltweit. Es gebe Anfragen aus der Schweiz und Deutschland.

All das hat Kosinski von seinem Büro in Stanford aus
beobachtet. Nach der US-Wahl steht die Universität kopf. Kosinski
antwortet auf die Entwicklungen mit der schärfsten Waffe, die einem
Forscher zur Verfügung steht: mit einer wissenschaftlichen Analyse.
Zusammen mit seiner Forscherkollegin Sandra Matz hat er eine Reihe von
Tests durchgeführt, die bald veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse,
die dem «Magazin» vorliegen, sind beunruhigend: Psychologisches
Targeting, wie Cambridge Analytica es verwendete, steigert die
Clickraten von Facebook-Anzeigen um über 60Prozent. Die sogenannte
Conversion-Rate, also wie stark Leute – nachdem sie die persönlich
zugeschnittene Werbung gesehen haben – auch danach handeln, also einen
Kauf tätigen oder eben wählen gehen, steigerte sich um unfassbare 1400
Prozent**.

Die Welt hat sich gedreht. Die Briten verlassen die EU, in
Amerika regiert Donald Trump. Begonnen hat alles mit einem Mann, der
eigentlich vor der Gefahr warnen wollte. Bei dem jetzt wieder diese
Mails eintreffen, die ihn anklagen. «Nein», sagt Kosinski leise und
schüttelt den Kopf, «das hier ist nicht meine Schuld. Ich habe die Bombe
nicht gebaut. Ich habe nur gezeigt, dass es sie gibt.»

Mitarbeit: Paul-Olivier Dehaye; www.personaldata.io

Die Fotografin Lauren Bamford lebt in Melbourne und Sydney

*Am Samstag den 3. Dezember wurde
nach einem Leserhinweis diese Stelle verdeutlicht, damit es nicht zu
einer Verwechslung mit Marine Le Pen kommt.

**Die genannte Studie bezieht sich auf eine Vergleichsreihe: Ein Konsum-Produkt wurde online beworben. Verglichen wurde die
Reaktion auf zwei unterschiedliche Ansprachen: Eine genau auf den
Charakter des Konsumenten angepasste Werbung mit einer dem Charakter
widersprechenden Werbung. Die Steigerung der Conversionrate liegt bei
genau angepasster Werbung bei 1’400 Prozent gegenüber dem Charakter
widersprechender Werbung.

Vitamin B12 und Folsäure halten Demenz nicht auf

Vitamin B12 und Folsäure halten Demenz nicht auf

Unterschiede zu gering: Neue Analyse widerlegt bisherige Annahmen

Alte Hände: Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts (Foto: pixelio.de, Fotobox)
Alte Hände: Nahrungsergänzungsmittel bringen nichts (Foto: pixelio.de, Fotobox)

Wageningen (pte009/14.11.2014/10:30) –

Vitamin B12 und Folsäure verringern das Demenzrisiko doch nicht, wie Forscher der Wageningen University http://wageningenur.nl ermittelt haben. Damit widerspricht das Team um Rosalie
Dhonukshe-Rutten früheren Annahmen. Eine der bisher größten Studien in
diesem Bereich konnte keine Unterschiede bei den Ergebnissen von
Gedächtnistests feststellen. Verglichen wurden die Leistungen von
Personen, die die Präparate zwei Jahre lang eingenommen hatten, mit
jenen, die ein Blindpräparat erhielten.

Keine schützende Wirkung

B-Vitamine werden seit einigen Jahren mit Alzheimer in
Zusammenhang gebracht. Es ist bekannt, dass höhere Homocysteinwerte das
Risiko eines Schlaganfalls und das einer Demenz steigern können. Vitamin
B12 und Folsäure senken die Werte dieser Aminosäure. Das hat gemeinsam
mit Studien, die eine geringe Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure mit
einem schlechten Gedächtnis in Verbindung gebracht haben, zur Annahme
geführt, dass diese Präparate das Demenzrisiko senken könnten.

Die aktuelle Studie konnte jedoch keinen Beweis für
eine schützende Wirkung erbringen. An der Erhebung nahmen fast 3.000
Personen mit einem Durchschnittsalter von 74 Jahren teil. Sie erhielten
täglich entweder 400 Mikrogramm Folsäure und 500 Mikrogramm Vitamin B 12
oder ein Blindpräparat. Alle Teilnehmer verfügten über hohe
Homocysteinwerte. Sie sanken bei den Teilnehmern, die kein Blindpräparat
einnahmen.

Keine positiven Auswirkungen

Bei vier verschiedenen Tests zu Gedächtnis und
Denkfähigkeit am Beginn und am Ende der Studie konnten keine positiven
Auswirkungen der eingenommenen Präparate auf die Leistung festgestellt
werden. Die Wissenschaftler merken zwar an, dass die Präparate den
geistigen Verfall etwas verlangsamen könnten. Der geringe festgestellte
Unterschied könne jedoch auch auf einen Zufall zurückzuführen sein. Die
Ergebnisse zur Untersuchung wurden im Fachmagazin "Neurology" http://neurology.org veröffentlicht.

Ärzte müssen Eigendiagnosen kritisch prüfen

Medizinrechts-Beratungsnetz bietet Patienten kostenfreies Orientierungsgespräch

Wenn Patienten gegenüber Ärzten sachkundig erscheinende Eigendiagnosen äußern, müssen Ärzte trotzdem eigenverantwortlich alle notwendigen Schritte unternehmen, um die Erkrankung zu untersuchen und zu behandeln. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Koblenz mit Beschluss vom 30.01.2012 (Az. 5 U 857/11) festgehalten.

Ein Patient, selbst von Beruf Rettungssanitäter, hatte gegenüber einem Orthopäden über starke Schmerzen in der linken Körperseite geklagt und den Verdacht geäußert, Grund hierfür sei ein eingeklemmter Nerv im Bereich der Halswirbelsäule. Beim Internisten wäre er bereits gewesen. Der Arzt, der davon ausging, die Untersuchung – die in Wirklichkeit Monate zurücklag – habe am selben Tag stattgefunden, entließ den Patienten nach Hause. Hier verstarb er an einem Herzinfarkt. Das OLG befand, dass der Orthopäde, unabhängig von seinem eigenen medizinischen Fachgebiet, die Äußerung des Patienten hätte kritischer hinterfragen und ihn unmittelbar zu einem Internisten überweisen müssen. Das selbstbewusste und sachkundige Auftreten des Patienten spiele dabei keine Rolle. Der Mediziner muss Schadenersatz an die Familie des Verstorbenen zahlen.

Bei Fragen zum Medizinrecht oder medizinnahen Sozialrecht, wie etwa vermuteten Behandlungsfehlern oder Problemen mit der Krankenkasse, bietet das Medizinrechts-Beratungsnetz eine Anlaufstelle für Patienten und deren Angehörige. Sie erhalten dort ein für sie kostenfreies juristisches Orientierungsgespräch bei einem Vertrauensanwalt in Wohnortnähe. Ratsuchende können Beratungsscheine online anfordern ( www.medizinrechts-beratungsnetz.de/beratungsschein-anfordern ) oder unter der gebührenfreien Rufnummer 0800 / 0 73 24 83 (Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr).

Weitere Informationen unter:
www.medizinrechts-beratungsnetz.de

| | Detlef Oster | München

Detlef Oster München

Lieber Herr Pütz,
alles gute zum 80Geb.
Sie werden sich an mich nicht mehr erinnern, sie waren mein Werkschullehrer
1973-75 in Köln-Mülheim bei Arbed bzw. Felten und Guilleaume dieses habe ich in Ihrer Biografie vermisst.
Habe sehr oft an die gemeinsame Zeit im Unterricht an Sie gedacht, wenn ich in den Nachrichten von Ihnen etwas hörte, man fragte sie nach der Funktionsweise eines Transistors und wusste zum Schluss wie ein Fernseher Funktionierte. Ich bin auch dank Ihnen, beruflich recht erfolgreich gewesen vom Elektriker zum Handwerksmeister und nun seit 8 Jahren Niederlassungsleiter der SAG in München.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie weiterhin Gesundheit und Glück.
Detlef Oster

Für Patienten in Köln: Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten

Kostenlose Veranstaltungen für Patienten und Interessierte in Köln:

Aktuelle Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie bei

Colitis ulcerosa/Morbus Crohn sowie Hämochromatose

Samstag, 17. September 2005, Congress-Centrum Köln Messe

im Rahmen der 60. Jahrestagung der Dt. Ges. f. Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, 14. bis 17. September 2005.

Köln – Rund 300.000 Menschen in Deutschland leiden an Colitis ulcerosa
oder Morbus Crohn – Formen der chronisch entzündlichen Darmerkrankung
(CED). Jeder fünfte Neuerkrankte ist ein Kind oder ein Jugendlicher.
Obwohl die Ursachen der Erkrankungen nach wie vor nicht bekannt sind,
gibt es neue Erkenntnisse zu Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.

Die Hämochromatose ist eine der häufigsten erblichen
Stoffwechselstörungen. Etwa 250.000 Menschen haben die Erbanlagen von
beiden Elternteilen geerbt und werden unbehandelt an Hämochromatose
erkranken. Dies bedeutet eine verstärkte Eisenaufnahme aus der Nahrung
und dessen Einlagerung in Organen und Gelenken – mit Zellschäden durch
die langfristige Eisenvergiftung.

Die beiden Selbsthilfeverbande DCCV (Deutsche Morbus Crohn / Colitis
ulcerosa Vereinigung e.V.) und die Hämochromatose Vereinigung
Deutschland veranstalten im Rahmen der 60. Tagung der DGVS vom 14. bis
17. September 2005 in Köln jeweils ein Arzt-Patienten-Seminar. Dort
stellen Experten die neuesten Erkenntnisse zu Diagnose und Therapie
Patienten und Interessierten vor.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig. Der Einlass ist
kostenlos. Das Programm ist im Internet unter
www.thieme-kongressportal.de/dgvs2005/samstag.htm.

Wir würden uns freuen, wenn Sie die Veranstaltungen ankündigen würden:

Arzt-Patienten-Seminar DCCV, Samstag, 17. September, 9.00 bis 13.30
Uhr, mit Pause von 11.15 bis 11.45 Uhr, Kleiner Auensaal,
Congress-Centrum Köln Messe

Arzt-Patienten-Seminar Hämochromatose Vereinigung Deutschland, Samstag,
17. September, 10.00 bis 13.00 Uhr, Konferenzraum C, Congress-Centrum
Köln Messe

Forscher lüften Geheimnis um Wurzelsymbiose

Forscher lüften Geheimnis um Wurzelsymbiose

Pflanzen nutzen ausgeklügelten Mechanismus zur Nährstoffaufnahme

Bäumchenförmige Arbuskel in Wurzelzellen (Foto: uni-muenchen.de/Priya Pimprikar)
Bäumchenförmige Arbuskel in Wurzelzellen (Foto: uni-muenchen.de/Priya Pimprikar)

München (pte003/30.03.2016/06:10) –

Forscher der Universität München http://www.uni-muenchen.de haben einen bisher unbekannten Mechanismus entdeckt, mit dem Pflanzen
die Intensität ihrer Symbiosen steuern können. Damit die
Nährstoffübergabe funktioniert, dringen Pilzhyphen in die Wurzelzellen
der Pflanzen ein und bilden dort bäumchenartige Strukturen. Diese
Arbuskeln entlassen dann wiederum Mineralstoffe in die Pflanzenzelle.

Arbuskeln als wichtiger Schlüssel

"Die Ausbildung dieser ,Alien-Strukturen‘ innerhalb der
Pflanzenzelle erfordert eine regulatorische und metabolische
Meisterleistung von der Pflanze", sagt die Münchner Biologin Caroline
Gutjahr. Wie stark der Pilz die Wurzeln besiedelt, hänge vom
physiologischen Zustand der Pflanze ab, unter anderem von ihrem
tatsächlichen Nährstoffbedarf. Bei guter Phosphatversorgung etwa wird
die Arbuskelbildung gehemmt.

"Es war aber bisher noch kein molekularer Mechanismus
bekannt, der das Ausmaß der Arbuskelbildung mit den physiologischen
Bedürfnissen der Pflanze verknüpfen könnte", ergänzt die Expertin. Um
den Mechanismus der Arbuskelbildung besser zu verstehen, wurde eine
Mutante der Pflanze Lotus japonicus untersucht, deren Arbuskelbildung
gestört ist.

"In dieser Pflanze entdeckten wir eine Mutation des
Gens RAM1, das für die Aktivierung von Genen und somit für die Umsetzung
genetischer Informationen in Boten-RNA verantwortlich ist, die
anschließend in Proteine übersetzt wird", erklärt Gutjahr. Die
resultierenden Proteine seien wichtig für die Ausführung der
Arbuskelbildung in der Pflanzenzelle. Die Entschlüsselung ihrer Funktion
wollen sich die Wissenschaftler in künftigen Projekten vornehmen.

CYCLOPS und DELLA aktivieren RAM1

Während der Arbuskelbildung wird RAM1 stark aktiviert,
daher sind die Mechanismen dieser Aktivierung interessant. Laut den
Fachleuten sind an der Aktivierung gleich zwei regulatorische Proteine
beteiligt: Zum einen ist es der Transkriptionsfaktor CYCLOPS, von dem
sie bereits wussten, dass er eine Schlüsselrolle bei der Regulation von
Wurzelsymbiosen spielt. Das andere Protein namens DELLA war bisher nur
aus anderen Zusammenhängen bekannt, und zwar als wichtiger Faktor in der
Signalkette des Pflanzenhormons Gibberellin, in der es für die
Regulation von Physiologie und Wachstum der Pflanze essenziell ist.

"Die beiden Proteine CYCLOPS und DELLA interagieren bei
der Aktivierung von RAM1 sogar direkt", ergänzt Prijya Pimprikar,
Doktorandin in Gutjahrs Team und Erstautorin der Studie. "Wir gehen
davon aus, dass wir mit dieser Interaktion erstmals eine zentrale
Schaltstelle gefunden haben, an der Informationen zur Symbiose und zur
Physiologie der Pflanze direkt zusammenlaufen, so dass die Pflanze die
Menge der Wurzelbesiedlung durch den Pilz an ihre physiologischen
Bedürfnissen zum Beispiel den Nährstoffbedarf anpassen kann", so
Gutjahr.