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Licht-Tsunami im Supraleiter

Licht-Tsunami im Supraleiter

Supraleiter sind Materialien, die elektrischen Strom ohne Verluste leiten. Einem internationalen Forscherteam um Professor Andrea Cavalleri vom Max-Planck Institut für die Struktur und Dynamik der Materie ist es am Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) gelungen, mit einem starken Terahertz-Laser diese widerstandsfreie Leitung gezielt zu beeinflussen. Das sehr präzise Licht des Lasers wird zu einem Wirbel, der sich ähnlich einem Tsunami durch den Supraleiter bewegt. Die Ergebnisse erscheinen in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Materials“.

Bei ihrem jüngsten Experiment untersuchten Prof. Andrea Cavalleri vom Max-Planck Institut für die Struktur und Dynamik der Materie am Center for Free-Electron Laser Science (CFEL) in Hamburg und Dr. Michael Gensch vom Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf mit weiteren Kollegen vom HZDR, aus Großbritannien und Japan, ob und wie man die Supraleitung gezielt kontrollieren kann. Das Ziel ihrer Forschungen ist, supraleitende Materialien für neue Technologien besser nutzbar zu machen, beispielsweise für die Verarbeitung von Informationen. Dazu ist es besonders wichtig, die Sprungtemperatur mit einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Phänomene zu erhöhen, wobei Sprungtemperatur bedeutet, dass Materialien unterhalb dieses Wertes supraleitend sind. Die meisten Supraleiter funktionieren auch heute nur bei sehr tiefen Temperaturen.

Moderne Hochtemperatur-Supraleiter sind typischerweise Festkörper, die aus einem Stapel dünner Schichten aufgebaut sind, ähnlich wie die Seiten in einem Buch. Die Schichten sind leitfähig und transportieren Strom. Von Schicht zu Schicht kann jedoch bei Raumtemperatur kein Strom fließen, weil sich die Elektronen, die für den Stromfluss verantwortlich sind, nur in der jeweiligen Schicht frei bewegen können. Wird nun solch ein Schichtstapel tief genug gekühlt, setzt Supraleitung entlang aller Richtungen ein. Doch es gibt einen Unterschied: Während die Elektronen in der Schicht einfach ohne Verluste fließen, können die Elektronen sich nun auch von Schicht zu Schicht bewegen, indem sie durch die isolierenden Zwischenbereiche „tunneln“. Dr. Gensch erläutert: „Schon die Geometrie legt nahe, dass es sich innerhalb der Schicht und zwischen den Schichten um andere Mechanismen von Supraleitung handeln muss. Uns hat interessiert, wie die Elektronen diese Eigenschaft vertikal von Schicht zu Schicht transportieren bzw. ob wir diesen Transport kontrollieren können, ohne die Supraleitung in den horizontalen Schichten zu stören.“

Für ihre Experimente nutzten die Forscher einen der beiden Freie-Elektronen-Laser (FELBE) im HZDR, der Laserblitze einer bestimmten, frei einstellbaren Wellenlänge zwischen dem Infrarot und den Mikrowellen erzeugt. Wenn solch ein kurzer Terahertz-Blitz in der richtigen Frequenz die Materialschichten des Supraleiters durchdringt, schaltet er die Supraleitung sehr gezielt und lokal ab, indem er direkt die Tunneleigenschaften der Elektronen zwischen den supraleitenden Schichten ändert. Im Detail erzeugt das Licht ein Paar von entgegengesetzt drehenden Wirbelströmen, die normal leitend sind. Diese Wirbel bewegen sich dann mit dem Licht durch den Supraleiter. Es formt sich eine sogenannte Soliton-Welle. Das besondere dieser Wellen: Sie behalten unabhängig von Störstellen im Supraleiter immer ihre Form. Dies ist vergleichbar mit dem Verhalten bekannter Soliton-Wellen – wie beispielsweise Tsunamis –, deren Form auch nicht durch Versetzungen oder Unebenheiten am Boden beeinflusst wird.
Die sich durch den Supraleiter bewegenden Wirbel ändern auch die optischen Eigenschaften des Materials – es wird ein wenig durchsichtig. Zwar nicht für sichtbares Licht, aber für Wellenlängen ganz in der Nähe der Terahertz-Strahlung. Die Laserblitze sind jeweils nur einige Pikosekunden, also billionstel Teile einer Sekunde, lang, sodass die Wissenschaftler alle Vorgänge – wie das Aufkommen der Wirbel und deren Soliton-Bewegung – direkt auf dieser sehr schnellen Zeitskala beobachten können. Ähnliches war der Gruppe um Prof. Cavalleri im Prinzip schon einmal vorher gelungen. Allerdings ließ sich die Supraleitung zwischen den Schichten da nur sehr schnell hintereinander komplett aus- und wieder anschalten. Das Experiment in Dresden konnte nun erstmalig die Supraleitung sehr gezielt und vor allem auch lokal abschalten – und diesen Zustand fast zehnmal so lange stabilisieren.

Insbesondere erwarten die Physiker durch die lichterzeugten Wirbel im Supraleiter eine Reihe neuer Anwendungen. Da sie sich durch den Kristall ja wie beim Tsunami unabhängig von Störungen bewegen, eignen sich diese Wirbel hervorragend, um Informationen darin zu speichern und zu transportieren. Ganz ähnlich wie bei Soliton-Wellen verläuft etwa auch der Informationstransport in der DNA. Die in dem Experiment gefundene und demonstrierte Kontrolle der Wirbel mit Laserlicht lässt die Physiker um Prof. Cavalleri jedenfalls schon von neuen Möglichkeiten der Informationsverarbeitung in Supraleitern träumen.

Supraleiter im Dauerfeuer

Intensive Pulse im unsichtbaren Terahertz-Bereich (0,1 – 10 THz) wecken seit einigen Jahren ein enormes Interesse bei Wissenschaftlern, die sogenannte komplexe Materialien wie Hochtemperatur-Supraleiter untersuchen. Der Grund dafür sind die besonderen Eigenschaften dieser langwelligen Strahlung, deren Wellenlängen zwischen 0,03 und drei Millimetern liegen. Erst seit einigen Jahren stehen dafür ausreichend starke Quellen zur Verfügung. Die stärksten Terahertz-Pulse erzeugen Geräte, die durch Elektronenbeschleuniger angetrieben werden.

Auf einen besonders wichtigen Typ für die Materialwissenschaften hat sich das HZDR im ELBE genannten Zentrum für Hochleistungs-Strahlenquellen spezialisiert. Während andere Geräte nach einer kleinen Serie superkurzer Laserblitze eine Pause einlegen müssen, können die ELBE-Quellen auf Dauerfeuer bleiben. Erst diese kontinuierliche Abfolge von Pulsen aber ermöglicht die Genauigkeit, die Forscher wie Dr. Gensch und ihre Messgäste wie Prof. Cavalleri für ihre Analysen brauchen. Um zukünftig den ganzen Spektralbereich bis hin zu 0,1 Terahertz bzw. drei Millimetern Wellenlänge mit noch intensiveren Pulsen abzudecken, baut das HZDR unter der Leitung von Dr. Gensch eine neue, superradiante Terahertz-Quelle namens TELBE auf. Superradianz bedeutet vereinfacht ausgedrückt, dass äußerst intensives Licht in einem lawinenartig kurzen Prozess entsteht, ohne dass dabei – wie etwa bei einem Freie-Elektronen-Laser – Spiegel als Resonatoren benötigt werden. TELBE wird in den nächsten Jahren mit Unterstützung von Nutzern in Betrieb genommen und getestet. Die Forscher hoffen darauf, damit weitere wichtige Ergebnisse auf dem Gebiet der Materialforschung, aber auch der Lebenswissenschaften, zu erzielen.

Kiri-Baum – 5 Jahre WeGrow

Zum Film: www.youtube.com/watch?v=J-MeSt6cgOA

Kiri-Baum – 5 Jahre WeGrow

Der Kiri-Baum gilt als der starkwüchsigste Baum der Welt. Schafft man die
für ihn notwendigen Wachstumsvoraussetzungen, ist er in der Lage, in einem Jahr
über 5 Meter zu wachsen und in einem Zehntel der Zeit so viel Holzvolumen zu
produzieren wie eine Eiche.

Wir bei WeGrow lieben Kiri. Als Erfinder unserer eigenen geschützten
Kiribaum-Sorte NordMax21® für den kommerziellen Anbau in Deutschland und Europa
übernehmen wir mit unseren Plantagen die Gestaltung der nachhaltigen
Holzproduktion der Zukunft. Seit 10 Jahren bildet der Kiri-Baum die Basis
unserer täglichen Arbeit. Unser Ziel ist es, ihm in jeder Phase seines
Lebenszyklus die besten Voraussetzungen zu ermöglichen, um sein volles
Wachstumspotential zu entfalten und ihn entlang seiner gesamten
Wertschöpfungskette zu begleiten.

Unsere Kiri-Bäume produzieren wir selbst, in unserem Jungpflanzenlabor und
unseren Gewächshäusern. Hier vermehren wir die von uns entwickelten und
sorgfältig ausgewählten Sorten über Mikro-Stecklinge. Die sterilen
Laborbedingungen sowie der Einsatz innovativer IT-Lösungen und
umweltfreundlicher LED-Belichtungstechnologien gewährleisten die Produktion
vitaler, sortenreiner und gesunder Pflanzen.

Selbstverständlich arbeiten wir auch hier vollständig ohne die Anwendung von
Gentechnologie und nutzen unser Fachwissen aus der Biologie und Pflanzenkunde.
Durch die Steuerung der Spektralbereiche unseres Kulturlichtes im Labor können
wir pflanzenphysiologische Vorgänge wie Wurzelbildung und Sproßwachstum noch
viel präziser steuern und zudem den herkömmlichen Energiebedarf um bis zu 60
Prozent reduzieren. Unsere mit permeablen Folien verschlossenen, vollständig
keimfreien Vermehrungs-Trays fassen jeweils 126 Pflanzen und dienen der Anzucht
sowie dem schonenden und platzsparenden Transport. In einem Karton können wir
2.500 Pflanzen transportieren, verladen auf eine einzige Euro-Palette bewegen
wir bis zu 30.000 Jungpflanzen.

In unseren Gewächshäusern verwenden wir eigens konzipierte Rolltisch-Systeme, die
eine naturgetreue Abhärtung unserer Kiri-Bäume ermöglichen. Hier führen wir
einen weiteren mehrwöchigen Kulturschritt durch, um die Pflanzen für die
Auspflanzung auf die Plantagen vorzubereiten. Durch die Inokulation mit
symbiotischen Mikroorganismen fördern wir die Ausbildung eines homogenen
Wurzelsystems und kräftigen Leittriebes unserer Jungpflanzen und erhöhen ihre
Widerstandsfähigkeit auf der Plantage.

Weitere Infos unter : www.wegrow.de/kirinews.html

Kabellose Tastaturen anfällig für Lauschangriffe

Kabellose Tastaturen anfällig für Lauschangriffe

Hacker können eingetippten Text noch in 76 Meter Entfernung mitlesen

Getestet: Tastaturen lieber mit Kabel verwenden (Foto: flickr.com/Dylan)
Getestet: Tastaturen lieber mit Kabel verwenden (Foto: flickr.com/Dylan)

San Francisco (pte003/28.07.2016/06:10) –

Wer zuhause eine kabellose Tastatur verwendet, sollte vielleicht doch
wieder auf ein Modell mit Kabel umsteigen. Wie aus einem Praxistest der
US-Sicherheitsexperten von Bastille Networks http://bastille.net hervorgeht, sind die kabellosen Eingabegeräte nämlich besonders
anfällig für Lauschangriffe von Hackern. So können potenzielle
Cyber-Kriminelle beispielsweise ganz einfach mitlesen, welchen Text
Nutzer dieser Geräte eintippen. Besonders ernüchternd: Diese
Abhörmethode funktioniert völlig problemlos bis zu einer Reichweite von
76 Metern, auch durch Glasscheiben und Wände.

"Wir waren schockiert"

"Wir sind in eine Reihe von Läden gegangen und haben
uns verschiedene kabellose Keyboards gekauft", erklärt Ivan O’Sullivan,
Chief Research Officer bei Bastille Networks, gegenüber "BBC News". Als
er mit seinen Kollegen diese Geräte auf mögliche Sicherheitslücken hin
untersuchen wollte, seien erschreckende Ergebnisse zu Tage gefördert
worden. "Wir waren schockiert als wir sahen, dass gut zwei Drittel davon
ihre Daten vollkommen ungeschützt in Reintext übertragen und keinerlei
Verschlüsselung verwenden", so der Experte.

Trotz der anfänglichen Sicherheitsbedenken, hätte man
nicht mit derlei laxen Sicherheitseinstellungen bei diesen Produkten
gerechnet. "Hacker können auf diese Weise bis auf eine Entfernung von 76
Metern alle ihre Tastenanschläge und eingetippten Texte auslesen. Das
funktioniert auch durch Glas, Wände und Decken", kritisiert O’Sullivan.

Zwölf Produkte betroffen

Laut Bastille Networks sind zwölf unterschiedliche
Produkte verschiedener Hersteller von dem Problem dieser gravierenden
Sicherheitsmängel betroffen. "Keine von diesen Firmen hat seine Kunden
über diese Schwachstellen aufgeklärt oder versucht, diese Lecks in
neueren Produktversion zu schließen", heißt es von dem
Security-Unternehmen. Ausdrücklich gelobt wurden Logitech, Dell und
Lenovo, weil sie in ihren kabellosen Tastaturen bessere technische
Sicherheitsvorkehrungen implementiert hätten.

Doch was sollen Besitzer solcher Geräte von anderen
Herstellern unternehmen, um eine ungewollte Spionage von außen zu
verhindern? Hier empfehlen die Experten von Bastille Networks entweder
den Umstieg auf ein handelsübliches Keyboard mit Kabel. "Oder man nutzt
statt einer Funk- eine Bluetooth-Verbindung, um die Tastatur mit dem
Computer zu verbinden", so O’Sullivan.

Die Passionsfrucht

Tropische Süße in einer runzeligen Schale

Die Passionsfrucht, auch Maracuja genannt, ist mit ihrer dunklen runzeligen Schale eine eher unscheinbare Frucht. Im Innern verbirgt sie aber ein besonders aromatisches Fruchtfleisch, das vielen Speisen eine tropische Süße verleiht. Frische Passionsfrüchte schmecken pur, im Obstsalat, in Muffins und Pfannkuchen oder eingekocht als Konfitüre und Gelee. Sie verfeinern aber auch Desserts wie Sorbets, fruchtige Bowlen und Cocktails. Maracujasaft ist beliebt und wird in den meisten Multivitaminsäften verwendet. Passionsfrüchte geben auch herzhaften Speisen eine exotische Note. Probieren Sie zum Beispiel eine kalte Möhrensuppe mit Maracuja und Geflügelbällchen oder Meeresfrüchte in einer Passionsfruchtsoße. Das Obst hat einen erfrischend süß-säuerlichen Geschmack und viele wertvolle Inhaltsstoffe. So ist es reich an Vitamin A, C und den Vitaminen der B-Gruppe sowie Kalium, Phosphor, Eisen, Kalzium und Magnesium.

Die Passionsblume ist eine Kletterpflanze, die in Mittel- und Südamerika beheimatet ist. Ihre außergewöhnlichen Blüten sahen Jesuiten auf ihren Missionsreisen im 17. Jahrhundert als Sinnbild für die Leidensgeschichte Jesu und gaben ihr daher den Namen Passionsblume. So sollen die zehn Blütenblätter für die Apostel ohne Judas und Petrus stehen, während die violette Nebenkrone die Dornenkrone Jesu symbolisiert.

Die Passionsfrucht hat eine dicke glatte Schale, die mit zunehmender Reife dünner und schrumpeliger wird. Das saftige Fruchtfleisch besitzt eine geleeartige Konsistenz und kann unterschiedlich gefärbt sein. Die enthaltenen schwarzen Kerne sind essbar. Vor der Zubereitung wird die Maracuja gründlich gewaschen. Anschließend kann sie mit einem Küchenmesser in zwei Hälften geschnitten werden, um das Fruchtfleisch mit einem Teelöffel auszulöffeln. Wer Saft gewinnen möchte, drückt das Obst mit einer Zitronenpresse aus oder streicht das Fruchtfleisch durch ein Sieb.

Die meist dunkelvioletten Passionsfrüchte sind ganzjährig im Handel erhältlich. Seltener finden Hobbyköche auch gelb gefärbte Exemplare, die Grenadilla, die einen etwas süßeren Geschmack und weniger Säure haben. Die kleinen Früchte sind reif, wenn sie schon leicht schrumpelig sind, aber keine Druckstellen aufweisen und einen angenehm süßen Duft verströmen.
Heike Kreutz,  (aid)

aid: Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der gemeinnützige Verein löste sich 2016 auf.

Schadstoffspuren im Wasserkreislauf

Schadstoffspuren
im Wasserkreislauf

DWA
informiert in einer Broschüre über Ursachen, Auswirkungen und Maßnahmen zur
Vermeidung

Hennef, 26. März 2015 – Im Rahmen des
BMBF-geförderten und von der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) koordinierten
Projekts „
Charakterisierung,
Kommunikation und Minimierung von Risiken durch neue Schadstoffe und Krankheitserreger
im Wasserkreislauf – TransRisk“
hat die DWA eine neue „Im
Klartext“-Broschüre veröffentlicht, die den interessierten Bürger über
Schadstoffspuren im Wasserkreislauf informiert. Es wird gezeigt, wie
Arzneimittel und Chemikalien des täglichen Gebrauchs über das Abwasser in die
Gewässer gelangen und welchen Schaden sie dort anrichten können. Neben
technischen Maßnahmen erklärt die Broschüre, was jeder Einzelne tun kann, um
die Freisetzung von Schadstoffen in die Umwelt zu vermeiden.

Jeder hinterlässt Spuren

Unzählige Chemikalien sind aus unserem Alltag nicht
mehr wegzudenken. Indem wir zum Beispiel Arzneimittel, Kosmetikartikel, Haushaltsreiniger,
Desinfektionsmittel, Wandfarben und Plastikverpackungen nutzen, hinterlassen
wir Spuren in der Natur. Im Fokus stehen derzeit besonders diejenigen
Substanzen, die in ganz minimalen Mengen in der Umwelt und in unseren Gewässern
vorkommen. Sie können dennoch eine schädliche Wirkung entfalten. Hiervon sind
besonders Wasserlebewesen betroffen.
Man spricht von Mikroschad­stoffen oder von anthropogenen – vom Menschen
verursachten – Spurenstoffen.

Doch wie gelangen anthropogene Spurenstoffe in
Flüsse, Seen und sogar das Grundwasser? Medikamente werden zum Teil vom Körper
wieder ausgeschieden und gemeinsam mit dem Abwasser durch das Kanalnetz zur
Kläranlage transportiert. Auch medizinische Cremes und Körperpflegemittel, die
beim Duschen wieder abgewaschen werden, verschwinden zu einem gewissen Anteil
im Ausguss. Zudem entsorgen viele Patienten ungenutzte Arzneimittel unsachgemäß
über die Toilette. Auch Reinigungs- und Desinfektionsmittel sowie Farbreste und
die aus unserer Kleidung ausgewaschenen Zusatzstoffe finden ihren Weg ins
Abwasser. Die Kläranlagen mit der derzeit genutzten Technik schaffen es nicht,
die chemisch vollkommen unterschiedlichen Verbindungen vollständig aus dem
Abwasser zu entfernen und leiten das gereinigte, aber noch spurenstoffhaltige Abwasser
in die Flüsse.

Schadstoffe beeinträchtigen
Wasserlebewesen

Wie wirken sich Spurenstoffe auf die in unseren
Gewässern lebenden Fische, Muscheln, Krebse, Schnecken und andere Organismen
der ökologischen Lebensgemeinschaft aus? Einige Wasserlebewesen reagieren sehr
empfindlich auf Gewässerbelastungen. Im Gewässer vorkommende hormonartig
wirkende Substanzen können die Reproduktion von Fischen beeinträchtigten.
Außerdem ist in Laborstudien eine Verschiebung des Geschlechterverhältnisses zu
Gunsten der Weibchen nachweisbar. Auch bei Bachflohkrebsen kommt es zum
„Frauenüberschuss“. Solche Effekte können neben Empfängnisverhütungs- und
Wechseljahrpräparaten auch die Weichmacher in Plastikverpackungen auslösen, die
über unsachgemäße Entsorgung in die Gewässer gelangen.
Andere Stoffe können schädigend auf das
Erbgut von Organismen – also auf die Gene – wirken. Dazu zählen zum Beispiel
Medikamente, die zur Chemotherapie eingesetzt werden.

Was können wir tun?

Im
Sinne des Vorsorgegedankens ist es am sinnvollsten, die Stoffe erst gar nicht
in den Wasserkreislauf gelangen zu lassen. Hierzu kann jeder Einzelne seinen
Beitrag leisten. Wie soll das gehen? Halten Sie sich an folgende Tipps:

·Vermeiden
Sie die Selbstmedikation und nehmen Sie nur vom Arzt verschriebene Arzneimittel
ein.

·Nehmen Sie
insbesondere Antibiotika immer genau nach Anordnung des Arztes bis zum Schluss
ein und setzen Sie diese nicht ab, sobald die Symptome abklingen, denn sonst
fördern Sie die Bildung resistenter Keime.

·Entsorgen
Sie niemals unverbrauchte Arzneimittel in der Toilette oder im Ausguss, sondern
werfen Sie Medikamentenreste – auch dann, wenn sie flüssig sind – zusammen mit
der Glasflasche oder Blisterverpackung in ihre Restabfalltonne. Der Restmüll
wird in den meisten Kommunen verbrannt und dadurch unschädlich gemacht.
Erkundigen Sie sich im Zweifel bei Ihrer Kommune.

·Verzichten
Sie darauf, übermäßig kosmetische Produkte zu verwenden. Auch medizinische
Cremes zu Vorbeugezwecken sollten weitgehend reduziert werden. Ihre Wirkung ist
ohnehin umstritten. Sie werden beim Duschen von der Haut abgewaschen und
belasten unnötig das Abwasser.

·Gehen Sie
sparsam und bewusst mit Haushaltsreinigern um und meiden Sie
Desinfektionsmittel in Ihrem Haushalt. Sofern Sie nicht einer besonderen Risikogruppe
angehören, schaden desinfizierende Haushaltsreiniger mehr als sie nützen. Ein
gesundes Immunsystem braucht den Kontakt zu den Keimen der Umwelt, um gut zu
funktionieren.

·Werfen Sie
keine Plastikverpackungen in die Umwelt.

·Geben Sie
Farbreste bei ihren zuständigen Schadstoffsammelstellen ab, die im
Abfallkalender genannt sind.

Weitere
Informationen

Weitere Informationen über das Projekt TransRisk erhalten Sie im Internet: www.transrisk-projekt.de.

Forscher mobilisieren natürliche Feinde gegen Krankheitsüberträger

Zecken allgemein und vor allem die in Deutschland weitverbreitete
Ixodes ricinus sind als Überträger der Borreliose und der
Hirnhautentzündung (FSME) für den Menschen überaus gefährlich. Das
Forschungsprojekt der Universität Hohenheim in Kooperation mit dem
Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg entwickelt Methoden, um Zecken
unter Freilandbedingungen mit natürlichen Feinden zu bekämpfen. Das
Projekt unter der Leitung von Prof. Dr. Ute Mackenstedt vom Institut
für Zoologie wird von der Landesstiftung Baden-Württemberg gefördert.

Zecken fallen normalerweise nicht von Bäumen, sondern erreichen ihren
Wirt vom Boden aus. Und auch die Bekämpfung von Zecken auf menschlicher
Haut mit Uhukleber erfüllt ihren Zweck nicht. Die Liste der Mythen über
Zecken ist lang. Demnach scheint auch die Vorstellung, dass eine
winzige Wespe mit ihrem Stachel statt Menschen Zecken sticht, zunächst
dem Reich der Märchen zu entspringen.

"Von der ca. 1 Millimeter kleinen Lagererzwespe ist bereits bekannt,
dass diese ihre Eier in die Larven von Kornkäferlarven legt. Innerhalb
von wenigen Tagen fressen die Erzwespenlarven die Kornkäferlarven von
innen leer", erklärt Prof. Dr. Johannes Steidle, Biologe am Institut
für Zoologie an der Universität Hohenheim. Ähnlich positive Ergebnisse
erhoffen sich die beteiligten Forscher nun von einer Wespenart –
diesmal mit der Zecke als Opfer.

Beobachtungen aus den USA und Kenia zeigen, dass eine auch in
Deutschland vorkommende Wespenart sich auf Zecken spezialisiert hat. In
Kenia wurde beobachtet, dass diese Art die Zecken auf Rindern als
Brutkästen für ihre Eier verwendet. Notwendig ist es allerdings, dass
sich die Zecke bereits mit Blut vollgesogen hat.

Ähnliche Ansätze verfolgt Projektleiterin Prof. Dr. Mackenstedt mit
anderen natürlichen Zeckenfeinden: Pathogene wie Pilze, die über
Atemwege in Zecken eindringen und diese überwuchern und Würmer, deren
Larven die blutsaugenden Insekten aufbrechen. Gezüchtet werden die
Pathogene im Landesgesundheitsamt. Die ersten Tests auf
Praxistauglichkeit laufen dann gemeinsam mit dem Fachgebiet
Parasitologie der Universität Hohenheim.

"Die Herausforderung ist es, natürliche Feinde zu isolieren, die im
exakt gleichen Lebensraum der Zecke aktiv sind und die für Menschen
gefährliche Zecken angreifen", sagt Parasitologin Prof. Dr.
Mackenstedt. Danach könnten die Pathogene zum Beispiel in
Naherholungsgebieten ausgesetzt werden. "Die genaue Technik dazu muss
auch noch geklärt werden", meint Prof. Dr. Mackenstedt. "Damit betreten
wir absolutes Neuland."

Beruhigend für wespenängstliche Spaziergänger: "Für Menschen ist diese
Sorte Miniwespen nicht gefährlich", versichert Prof. Steidle. Ihre
natürliche Beute sind Zecken. Und sollten in Süddeutschland dank der
Wespen Naherholungsgebiete in Zukunft zeckenfrei sein, dann würde den
Wespen ein ähnliches Schicksal drohen. Ohne Beute sterben die Wespen
einfach weg.

Förderung für Ökoenergien

Berlin, 11. Oktober 2010. Zu teuer und nicht effizient? Solche Kritik an der Förderung erneuerbarer Energien hält einer fundierten Überprüfung nicht stand. Zu diesem Ergebnis kommt ein aktuelles Gutachten des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt und Energie. Im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien hatten die Forscher aktuelle Studien zur Wirksamkeit des Erneuerbare-Energien-Gesetzes überprüft. Das Ergebnis: gesamtwirtschaftliche Vorteile der Ökostrom-Förderung werden oft ausgeblendet.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein gut funktionierendes und kostengünstiges Förderinstrument, dass im internationalen Vergleich sehr gut abschneidet, erklärt Dr. Stefan Lechtenböhmer, Leiter der Forschungsgruppe Zukünftige Energie- und Mobilitätsstrukturen am Wuppertal Institut. Der Ausbau Erneuerbarer Energien ist nicht ohne Anfangsinvestitionen machbar, er verringert aber die mit fossilen und nuklearen Kraftwerken verbundenen Umwelt- und Klimaschäden und senkt die Technologiekosten.

Aktuell decken Wind- und Sonnenenergie, Biomasse, Wasserkraft und Geothermie mehr als 16 Prozent des deutschen Strombedarfs. Die Förderung dafür beläuft sich nach Angaben der Übertragungsnetzbetreiber in diesem Jahr auf etwa 8,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig sorgen die Erneuerbaren Energien für positive volkswirtschaftliche Effekte: Laut Bundesumweltministerium wurden im vergangenen Jahr durch erneuerbaren Strom rund 69 Millionen Tonnen Kohlendioxid vermieden. Umgerechnet beliefen sich die damit vermiedenen Klima- und Umweltschäden auf 5,7 Milliarden Euro. Außerdem ersetzen Erneuerbaren Energien in der Stromerzeugung Steinkohle, Erdgas und Uran und machten so im vergangenen Jahr Rohstoffimporte in Höhe von 2,2 Milliarden Euro überflüssig. Auch wenn für 2010 noch keine statistischen Daten vorliegen, kommen diese Vorteile auch weiterhin zum Tragen.

Im Gegensatz zu Kohle- und Atomstrom sind die Kosten für Erneuerbare Energien für jeden auf der Stromrechnung sichtbar, stellt Jörg Mayer, Geschäftsführer der Agentur für Erneuerbare Energien fest. Zu einer sachlichen Debatte gehört es deshalb auch, ihren Nutzen transparent zu machen, so Mayer weiter. Die Agentur für Erneuerbare Energien hat deshalb eine neue Broschüre veröffentlicht, die gängige Vorurteile entkräftet.

Prof. Dr. Claudia Kemfert, Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, geht auch in Zukunft von deutlichen Wirtschaftsimpulsen durch die Förderung Erneuerbarer Energien aus: Mit einem Umsatzplus von 40 Prozent in den vergangenen drei Jahren ist die Branche eine der wenigen, die trotz Wirtschaftskrise weiter gewachsen ist. Einer kürzlich veröffentlichten Studie des Bundesumweltministeriums zufolge beschäftigen die Unternehmen der Erneuerbaren Energien aktuell rund 340.000 Menschen. Im vergangenen Jahr wurden 6,8 Milliarden Euro an Wertschöpfung in den Kommunen erwirtschaftet, davon 5,5 Milliarden im Stromsektor.

In diesem Jahr liegt die EEG-Umlage der Beitrag für den Ausbau von Ökostrom bei rund 2 Cent pro Kilowattstunde. Pro Haushalt zahlen die Verbraucher damit etwa 6 Euro pro Monat. An den typischen Ausgaben eines Haushaltes, dem statistischen Warenkorb, macht das 0,2 Prozent aus. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schätzt, dass sich der Beitrag für 2011 auf 3,2 bis 3,5 Cent pro Kilowattstunde erhöht. Auch der Bundesverband Erneuerbare Energie rechnet mit dieser Bandbreite.

Die Studie des Wuppertal-Instituts finden Sie im Internet. Die neue Broschüre Der volle Durchblick in Sachen Kosten und Nutzen ist als Download verfügbar oder kostenlos zu bestellen.

 

Gericht rollt Patentklage bezüglich Genome auf

Menschliches Genom: Gericht rollt Patentklage auf
Pharmaunternehmen will Gene als geistiges Eigentum schützen lassen
 
Gene: Natur oder schützenswerte Erfindung? (Foto: pixelio.de, Gabi Schoenemann)

Washington (pte015/16.04.2013/11:10) – Der US Supreme Court http://www.supremecourt.gov hat Argumente zur Fragestellung gehört, ob das menschliche Genom als geistiges Eigentum angesehen werden kann. Dieser Fall steht in Zusammenhang mit einer Klage, die 2009 von der American Civil Liberties Union (ACLU) http://aclu.org eingebracht worden ist. Im Mittelpunkt steht die Fragestellung, ob es Unternehmen gestattet sein sollte, Gene zu patentieren. US Behörden haben seit fast 30 Jahren Patente für Gene an Universitäten und Medizinunternehmen vergeben.

Sieben Patente für zwei Gene

Derzeit arbeiten Forscher und Privatunternehmen daran, Gene zu isolieren, um sie dann bei Studien für Krankheiten einzusetzen, die genetisch bedingt sind und neue Gentherapien zu entwickeln. Laut Experten des Weill Cornell Medical College http://med.cornell.edu decken Patente derzeit rund 40 Prozent des menschlichen Genoms ab. Die von ACLU und der Public Patent Foundation http://pubpat.org eingereichte Klage bezieht sich auf sieben Patente für zwei Gene, die von der US-Firma Myriad Genetics http://myriad.com gehalten werden.

Diese Gene stehen mit Brust- und Eierstockkrebs in Zusammenhang. Das Unternehmen hat einen Test auf Mutationen dieser Gene entwickelt. Myriad Genetics argumentiert, dass die patentierten Gene von dem Unternehmen isoliert worden sind. Sie seien daher Produkte der menschlichen Erfindungskraft und auch entsprechend patentierbar. Die ACLU lehnt dieses Argument bislang jedoch strikt ab und betont, dass Gene ein Produkt der Natur seien und sie daher unter dem vorherrschenden US-Recht nicht patentierbar sind.

Urteil für Juni 2013 erwartet

Nach der Anhörung hat ACLU-Anwalt Christopher Hansen betont, dass Myriad Genetics die fraglichen Gene nicht erfunden habe und auch kein Patent vergeben werden sollte. "Das Patentsystem wurde eingerichtet, um Innovationen zu fördern und nicht, um die Forschung und den Austausch von Ideen zu behindern, das ist aber genau das, was diese Patente bewirken." Kollege Daniel Ravicher sieht die Vergabe von Patenten für moralisch fraglich. "Gene sind die Grundlage des Lebens. Sie wurden von der Natur geschaffen und nicht vom Menschen."

2010 hat ein New Yorker Bundesgerichtshof zugunsten der ACLU entschieden. Ein Beschwerdegericht hat bei zwei verschiedenen Gelegenheiten ebenfalls die Argumentation von Myriad Genetics akzeptiert. Der Supreme Court hat diese Entscheidungen zurückgewiesen und verhandelt diesen Fall jetzt neu. Ein Urteil wird im Juni diesen Jahres erwartet. Das Ergebnis dürfte entscheidende Auswirkungen auf die milliardenschwere US-Pharmaindustrie haben.

Firmen wie Myriad Genetics argumentieren, dass die Entwicklung von Gentests und Therapien ohne Patente stagnieren wird, da die Wissenschaftler nicht in der Lage sein werden, die immensen dafür notwendigen Investitionen zu finanzieren. "Zahllose Unternehmen und Investoren haben – ausgehend von dem Versprechen eines starken Patentschutzes – Milliarden für die Forschung und den wissenschaftlichen Fortschritt riskiert", betont Myriad-Genetics-CEO Peter Meldrum.

Zum Thema Vorhofflimmern und Demenz

Bei Vorhofflimmern: Marcumar und Co. senken Schlaganfall- und Demenzrisiko

Früh einsetzende Therapie erhält kognitive Leistungsfähigkeit

30. November 2017Menschen
mit Vorhofflimmern entwickeln seltener eine Demenz, wenn sie
gerinnungshemmende Medikamente einnehmen. Dies zeigt eine schwedische
Studie mit fast einer halben Million Patienten. Vorhofflimmern ist eine
der häufigsten Herzrhythmusstörungen – rund 1,8 Millionen Menschen in
Deutschland sind davon betroffen. Diese Patienten haben ein erhöhtes
Risiko für Schlaganfall oder Demenz. Eine frühzeitige Behandlung mit
oralen Antikoagulanzien, wozu beispielsweise in Deutschland das
Medikament Marcumar (Wirkstoff: Phenprocoumon) und die neueren,
sogenannten NOAKs zählen, senkt nicht nur das Schlaganfallrisiko dieser
Patienten, sondern kann auch ihre kognitive Leistungsfähigkeit bewahren
und sie vor Demenz schützen, betonen die Deutsche
Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und die Deutsche Gesellschaft für
Neurologie (DGN).

„Vorhofflimmern
erhöht das Schlaganfallrisiko immens“, sagt Professor Dr. Wolf-Rüdiger
Schäbitz, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG)
und Chefarzt der Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum Bethel
in Bielefeld. „Zudem erkranken Patienten mit Vorhofflimmern häufiger an
Demenz als Menschen ohne diese Form von Herzrhythmusstörung.“ Behandelt
wird Vorhofflimmern mit Gerinnungshemmern, den sogenannten
Antikoagulanzien, zu denen Marcumar und auch die Nicht-Vitamin-K oralen
Antikoagulanzien (NOAK) wie Dabigatran, Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban
gehören. Diese Medikamente verhindern, dass sich Blutgerinnsel im Herz
bilden und zu Schlaganfällen führen. „Wissenschaftler haben sich nun
gefragt, ob durch diese Antikoagulanzien auch winzig kleine Schäden im
Gehirn vermieden werden, die zu kognitiven Leitungseinbußen führen
könnten“, so Professor Dr. Martin Dichgans, 1. Vorsitzender der DSG und
Direktor am Institut für Schlaganfall- und Demenzforschung (ISD) am
Klinikum der Universität München.

Die
Wissenschaftler aus Stockholm werteten Patientendaten aus zwei
schwedischen Registern aus den Jahren 2006 bis 2014 aus und
veröffentlichten ihre Ergebnisse kürzlich im „European Heart Journal“.
Insgesamt 444.106 Patientendaten wurden für diese Studie analysiert. Der
überwiegende Teil der Patienten (43 Prozent) war auf die klassischen
Vitamin-K-Antagonisten eingestellt, ein kleiner Teil wurde mit einem
NOAK behandelt (2,9 Prozent). Etwas mehr als 50 Prozent waren nicht mit
Antikoagulanzien behandelt worden.

„Patienten
unter einer Antikoagulanzientherapie entwickelten deutlich weniger
kognitive Funktions-störungen“, berichtet Professor Dr. Hans-Christoph
Diener, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN)
und Seniorprofessor für Neurologie des Universitätsklinikums Essen.

Beim
Vergleich von Patienten mit ähnlichem medizinischem Hintergrund wurde
in der Studie deutlich, dass das Risiko für eine Demenz durch
Antikoagulanzien um insgesamt 29 Prozent reduziert werden kann. Eine
sorgfältige und möglichst kontinuierliche Einnahme der Medikation im
Beobachtungszeitraum senkt das Risiko noch deutlicher (um 48 Prozent).
Die Wirkstoffklasse, also die Frage danach, ob alte oder neue
Antikoagulanzien eingenommen wurden, hatte dabei keinen erwähnenswerten
Einfluss auf den antidementen Effekt.

„Um
das Risiko für eine Demenz bei Patienten mit Vorhofflimmern zu
reduzieren, ist eine frühe und konsequente Therapie mit Antikoagulanzien
hilfreich “, fasst Diener die Publikation der schwedischen
Wissenschaftler zusammen. Der Schlaganfall-Experte Schäbitz fügt hinzu:
„Diese Daten sind bemerkenswert, denn sie unterstreichen die Bedeutung
einer Antikoagulation bei Vorhofflimmern, die offenbar über die
allgemein bekannte Verhinderung von Schlaganfällen hinausgeht.“

Quelle

·Friberg
L, Rosenqvist M. Less dementia with oral anticoagulation in atrial
fibrillation. European Heart Journal (2017) Oct 24. doi:
10.1093/eurheartj/ehx579

Fachlicher Kontakt bei Rückfragen:


Professor Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz