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Versteckte Schimmelpilzgifte in Bier

Versteckte Schimmelpilzgifte in Bier, Malz- und Getreideprodukten

Schimmelpilze und ihre teils stark giftigen Stoffwechselprodukte sind in Lebensmitteln allgegenwärtig und nie ganz vermeidbar. Zu ihrem Nachweis wurde bereits eine Reihe von Analyseverfahren entwickelt. In einigen Fällen können aber genau diese Analyse­verfahren zu fehlerhaften und zu gering gemessenen Konzentrationen bei den Ergeb­nissen führen. Wie an der BAM Bundesanstalt für Materialforschung und �prüfung ge­zeigt werden konnte, kommt es während der Verarbeitung zu einer regelrechten Mas­kierung des weit verbreiteten Schimmelpilzgiftes Deoxynivalenol. Besonders von die­sem Mykotoxin betroffen sind Lebensmittel mit gemälztem Getreide sowie Bier. �In diesen Produkten liefern gängige Analyseverfahren nur Werte für das unmaskierte Gift und ´übersehen` die ebenso bedeutenden maskierten Substanzen�, sagt der Lebens­mittelchemiker Ronald Maul von der BAM.

Die giftigen Stoffwechselprodukte der Schimmelpilze können beispielsweise beim Ver­zehr von Getreideprodukten wie verschimmelten Brot schwere Gesundheitsschäden hervorrufen. In der Tier­zucht führen sie zu Futterverweigerung oder reduziertem Wachstum. Es ist anzunehmen, dass neben den Mykotoxinen  die bislang wenig beachtete maskierte Toxine ganz ähnlich wirken können. Die Maskierung bedeutet chemisch betrachtet häufig die Kopplung eines Zuckermoleküls an das Schimmelpilzgift. Dies führt dazu, dass die maskierten Mykotoxine von vielen Analyseverfahren nicht mehr richtig erkannt werden.

Nehmen wir ein Beispiel: Gerste wird fürs Bierbrauen eingesetzt. Wird der Brauprozess durchgeführt, sinkt vermeintlich der Mykotoxin-Gehalt, weil das maskierte Gift bei der Analyse nicht mehr erkannt wird. Dennoch besitzt auch das maskierte Mykotoxin noch seine toxische Wirkung, da es � wie der Kooperationspartner der BAM, das ös­terreichische Department für Agrarbiotechnologie IFA in Tulln zeigen konnte � im Darmtrakt wieder demaskiert, das heißt freigesetzt wird. Der Körper kann es also dann in der unmaskierten Form wieder aufnehmen. �Das Gift ist noch da, es sieht nur anders aus�, beschreibt der BAM-Lebensmittelchemiker Maul die Problematik mit den mas­kierten Mykotoxinen.

Weitere Informationen:

Food Chemistry, Vol. 131, Nr. 1, S.274-279

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0308814611012295

Online-Überwachung ohne gesetzliche Grundlage

Online-Überwachung ohne gesetzliche Grundlage
Österreichische Justiz arbeitet seit Jahren an Verordnung
 
Datensammler Staat: Gesetzlicher Rahmen fehlt (Foto: pixelio.de, G. Altmann)

Wien (pte022/11.10.2011/13:56) – Während in Deutschland der sogenannte Bundestrojaner für Aufsehen sorgt, ist in Österreich offiziell alles in Ordnung. "Es gibt in Österreich weder Trojaner noch Online-Durchsuchungen, da es keine gesetzliche Grundlage dafür gibt", sagt Innenministeriums-Sprecher Karl-Heinz Grundböck http://www.bmi.gv.at gegenüber pressetext. Die Computer der Österreicher werden laut Ministerium also in Ruhe gelassen. Im Zuge des Prozesses gegen Mohamed Mahmoud und Mona Salem Ahmed im Jahr 2008 wurden von der Exekutive aber sehr wohl Mittel verwendet, die zumindest einige Kriterien der Online-Überwachung erfüllen.

Lange Diskussion

"Die Ermittler sind damals in die Wohnung der Verdächtigen eingebrochen, um Spionagesoftware auf deren Computer zu installieren", sagt Hans Zeger von der Arge Daten http://argedaten.at im Gespräch mit pressetext. Das bestätigt auch der Verteidiger im Prozess, Lennart Binder. "Es wurden ein Keylogger und ein Programm, das alle paar Sekunden Screenshots aufnimmt, installiert. Die Beamten mussten offenbar einbrechen, weil es technisch nicht möglich war, die Software über das Netz zu installieren", so der Jurist auf Anfrage von pressetext.

Die so gewonnenen Beweismittel wurden damals vom Richter trotz Beschwerde des Anwalts für verwertbar erklärt, ohne die Zulässigkeit explizit zu klären. "Damals wurden die Maßnahmen hinter Namen wie ‚akustische Raumüberwachung‘ versteckt, um die Brisanz zu mindern", so Zeger. Schon damals gab es Diskussionen um eine neue gesetzliche Regelung der elektronischen Überwachung.

"Wir haben moderne Ermittlungsmethoden, auch elektronische wie die Telefonüberwachung. Aber die dürfen nur auf richterliche Anordnung verwendet werden", so Grundböck. Daran gibt es aber auch Zweifel. "In Österreich werden auch heute ähnliche Instrumente wie in Deutschland angewendet", sagt ein IT-Sicherheitsexperte mit über 20 Jahren Berufserfahrung im pressetext-Interview. Diese Aussage konnte von offizieller Stelle bislang jedoch nicht bestätigt werden.

Zweifelhafter Erfolg

Eine neue gesetzliche Grundlage für die elektronische Überwachung wäre dringend erforderlich. Ob solche Maßnahmen überhaupt den gewünschten Erfolg bringen, ist fraglich. "Profis wissen sich vor Überwachungsmaßnahmen zu schützen. So erwischt man nur einen schwach belichteten Täterkreis und Leute, die glauben, nichts zu verbergen zu haben", sagt Zeger.

Wenn die Spionage-Software auch noch von niedrigster Qualität ist, wie in Deutschland der Fall, wird dies gefährlich für die Bürger. Aber auch stümperhafte Überwachungssoftware ist oft schwer aufzuspüren. "In Deutschland hat ein Anwalt dem Chaos-Computer-Club einen kompletten PC zur Verfügung gestellt", sagt Informatiker Christian Platzer von der TU Wien http://tuwien.ac.at gegenüber pressetext.

Impfen: Die beste Apotheke der Welt,

Impfen: Die beste Apotheke der Welt, unsere körpereigene aktivieren

 

Gemeinschaftsschutz“:  Warum  wir  mit  Impfungen  nicht  nur  uns  selbst, sondern  auch  andere  schützen   

 Wer  sich  impfen  lässt,  schützt  nicht 
nur  sich  selbst  –  schließlich kann  man  eine  Infektion,  die  man 
sich  selbst  gar  nicht  erst  zuzieht,  auch  nicht  auf andere 
übertragen.  Oft  sind  es  Säuglinge,  die  auf  diesen 
Gemeinschaftsschutz angewiesen  sind,  bevor  sie  selbst  geimpft 
werden  können.  Aber  auch  Erwachsene profitieren  von  dem  Effekt, 
der  auch  als  Herdenimmunität  bezeichnet  wird.  Über  die
wechselseitigen  Schutzbeziehungen,  die  Impfungen  mit  sich 
bringen,  werden Experten  auf  der  heutigen  Pressekonferenz 
anlässlich  des  Kongresses  für Infektionskrankheiten  und 
Tropenmedizin  (KIT  2018)  in  Köln  diskutieren. Mit 
den  Impfempfehlungen,  die  die  Ständige  Impfkommission  des 
Robert-Koch-Instituts  für Deutschland  formuliert,  werden  eine 
ganze  Reihe  unterschiedlicher  Ziele  verfolgt.  „Neben dem 
Individualschutz  vor  Infektionskrankheiten  und  deren  möglichen 
Folgen  spielen  auch gesellschaftlich  relevante  Ziele  wie  die 
Unterbrechung  von  Infektionsketten  oder  die Ausrottung  von 
Erregern  eine  Rolle“,  sagt  Professor  Dr.  med.  Markus  Knuf, 
Direktor  der Klinik  für  Kinder  und  Jugendliche  der  Helios  Dr. 
Horst  Schmidt  Kliniken  Wiesbaden  und
Kongress-Präsident  von  Seiten  der  Deutschen  Gesellschaft  für 
Pädiatrische  Infektiologie (DGPI).  Auch  der  Aufbau  einer 
Herdenimmunität  falle  in  diese  zweite  Kategorie  –  denn  nur
durch  sie  können  Menschen,  die  selbst  nicht  geimpft  werden 
können,  vor  den  betreffenden Infektionen  und  möglichen 
Komplikationen  geschützt  werden. Auch  wenn  Säuglinge  und 
Kleinkinder  diesen  Schutz  besonders  benötigen,  tragen  sie
umgekehrt  wesentlich  zur  Herdenimmunität  bei,  wie  Knuf  am 
Beispiel  der  Pneumokokken und  der  von  ihnen  hervorgerufenen 
Erkrankungen  zeigt:  Weil  das  Erkrankungsrisiko  bei Kindern  unter 
fünf  Jahren  besonders  groß  ist,  sieht  der  Impfkalender  bereits 
im  Säuglings- und  Kleinkindalter  eine  Impfung  gegen  häufige 
Pneumokokken-Varianten  vor.  „Genau  diese Varianten  treten  seitdem 
auch  bei  Senioren  deutlich  seltener  auf“,  sagt  Knuf.  Auch  diese
Gruppe  sei  durch  Pneumokokken-Infektionen  und  deren 
Komplikationen  besonders gefährdet.   Ob  der  Aufbau  einer 
Herdenimmunität  als  Argument  ausreicht,  um auch die jährliche
Grippeimpfung für alle Kinder zu empfehlen, ist unter Experten
umstritten. Bisher sieht das RKI  die  Impfung  nur  für  Kinder  vor, 
die  selbst  ein  erhöhtes  Risiko  für  Komplikationen  haben. Für 
Markus  Knuf  gibt  es  dennoch  gute  Gründe,  auch  gesunde  Kinder 
gegen  die  Influenza  zu impfen.  „Zwar  verläuft  die  Grippe  bei 
ihnen  meist  unkompliziert,  doch  kommt  es  auch  hier immer  wieder 
zu  schweren  Verläufen“,  erklärt  er.  Zudem  seien  Kinder  der 
Dreh-  und Angelpunkt  der  Influenza  in  der  Gesellschaft.  Kinder 
im  Vorschulalter  scheiden  über  einen langen  Zeitraum  hinweg  eine 
große  Anzahl  von  Viren  aus,  haben  eine  hohe  Kontaktrate  und
wissen  noch  nichts  von  Hygiene.  Viele  Erwachsene  stecken  sich 
daher  gerade  bei Kleinkindern  mit  der  Grippe  an. Meist  sind  es 
jedoch  die  Jüngsten,  die  den  Herdenschutz  benötigen.  Als 
Beispiel  dafür,  wie geimpfte  Erwachsene  zum  Schutz  von 
Säuglingen  beitragen,  nennt  Knuf  die  Impfung  gegen Keuchhusten 
(Pertussis).  Diese  für  Säuglinge  gefährliche  Krankheit  wird 
meist  über Jugendliche  oder  Erwachsene  übertragen,  bei  denen  der 
Impfschutz  bereits  nachlässt.  „Es ist  daher  sinnvoll,  den 
Schutz  gegen  Pertussis  im  Jugend-  oder  Erwachsenenalter
aufzufrischen“,  sagt  der  DGPI-Experte.  Auch  die  sogenannte 
maternale  Immunisierung,  also die  Impfung  einer  werdenden  Mutter 
im  letzten  Schwangerschaftsdrittel  kann  ein  Konzept sein,  das 
Neugeborene  zu  schützen.

„Nano-Falle“: Quantensprung in Datenspeicherung

"Nano-Falle": Quantensprung in Datenspeicherung

Isolierte Moleküle lassen sich detailliert auf Eigenschaften untersuchen

Datenspeicher: Bald mehr Kapazitäten frei (Foto: pixelio.de/Tim Reckmann)
Datenspeicher: Bald mehr Kapazitäten frei (Foto: pixelio.de/Tim Reckmann)

Memphis (pte026/21.09.2015/13:30) –

Einzelne Atome oder Moleküle, die durch Laserlicht wie in einem
kreisförmigen Metallkäfig gefangen gehalten werden, könnten der
Schlüssel für die Datenspeicherung von Hightech-Computern der nächsten
Generation sein, wie Forscher der University of Tennessee http://utk.edu meinen.

Eigenschaften gezielt nutzen

Ein einziges Molekül kennt viele verschiedene
Freiheitsgrade oder auch Wege, seine Energie und seine Dynamik zu
zeigen, wie zum Beispiel durch Vibration, Rotation und Translation.
"Über Jahre haben Physiker nach Wegen gesucht, aus diesen Eigenschaften
direkten Nutzen zu ziehen. Darunter auch, wie diese Molekülzustände in
hochpräzisen Geräten verwendet werden können – wie zum Beispiel als
Informationsspeichermittel für Anwendungen bei Quantencomputern",
unterstreicht Forschungsleiter Ali Passian.

Ein Molekül einzufangen und dabei nur geringfügig zu
stören, ist keine leichte Angelegenheit. Bei dem neuen Prozess werden
durch Interaktion mit Laserlicht die langsameren Moleküle durch eine
Ringspule in der Form eines Donuts in der Mitte der Spule gehalten. Das
passiert dadurch, dass die "Nano-Falle", die aus Gold gebaut werden
kann, eine sehr starke lokale Kraft entwickelt, die die Moleküle umgibt.

Großes Anwendungspotenzial

"Wir können die Moleküle und ihre spektroskopischen und
elektromagnetischen Eigenschaften testen und sie im isolierten Zustand
studieren, ohne dass uns benachbarte Moleküle dabei stören", so Passian.
Während das Einfangen von Molekülen bisher mit großen Systemen
verbunden war, die geladene Partikel wie Ionen abgegrenzt haben, geht
dieses Konzept den genau gegenteiligen Weg. "Wenn dieser Weg erfolgreich
beschritten wird, könnten diese Experimente die Leistungsfähigkeit von
Prozessen und die Speicherung von Informationen wesentlich erhöhen",
verdeutlicht Passian abschließend.

Flüssige Metalle sind Kern einer neuen Forschungsallianz

Flüssige Metalle sind das Thema der neuen Helmholtz-Allianz LIMTECH
(Liquid Metal Technologies). Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
(HZDR), das die Allianz koordiniert, und das Karlsruher Institut für
Technologie (KIT) bündeln darin ihre Kompetenzen mit weiteren
Helmholtz-Zentren und Universitäten im In- und Ausland. LIMTECH hat das
Ziel, Flüssigmetall-Technologien für ein breites Spektrum an Anwendungen
zu erforschen, weiterzuentwickeln und anwendbar zu machen. Dafür stehen
20 Mio. Euro zur Verfügung.

Flüssige Metalle kommen in vielen Industriezweigen zum Einsatz, z.B.
beim Gießen von Stahl und Leichtmetall, und werden für
Zukunftstechnologien, wie neue Flüssigmetallbatterien zur
Energiespeicherung, die CO2-freie Wasserstoffproduktion oder die
Herstellung von Solarzellen, zunehmend wichtiger. Das liegt an ihren
Eigenschaften, Energie in großen Mengen zu speichern oder Wärme effektiv
abzuführen. Ihre Wärmeleitfähigkeit ist 50- bis 100-mal größer als bei
Wasser, auch sind sie in einem großen Temperaturbereich flüssig.
Flüssige Metalle eignen sich also gut, um hochenergetische Prozesse zu
kühlen. Sie tragen dadurch auch zu mehr Energie- und Ressourceneffizienz
bei, denn der Wirkungsgrad thermodynamischer Prozesse steigt, je höher
die Temperaturen sind. Zwei Teilprojekte der Allianz widmen sich deshalb
auch dem Einsatz von Flüssigmetallen in Solarkraftwerken.

In den letzten Jahren ist die Betriebssicherheit von Technologien mit
flüssigen Metallen deutlich gestiegen. Möglich wurde dies durch neue
Messverfahren, mit denen man die Strömungen vollständig überwachen kann.
Diese weiterzuentwickeln, ist ein Ziel der neuen Helmholtz-Allianz
LIMTECH. Ein weiteres ist es, die Energie- und Ressourceneffizienz von
Flüssigmetall-Technologien zu erhöhen, z.B. beim Gießen von Metallen,
der Separation wertvoller Metalle aus Schlackeschmelzen, oder der
Herstellung von Solar-Silizium. Die deutsche Forschung gehört dabei
schon zur Weltspitze und wir haben vor, diese Position weiter
auszubauen , so Dr. Gunter Gerbeth vom Helmholtz-Zentrum
Dresden-Rossendorf, der die Allianz LIMTECH koordiniert.

Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) und das Karlsruher
Institut für Technologie (KIT) bündeln in der Allianz ihre Kompetenzen
auf dem Gebiet der Flüssigmetall-Technologien mit weiteren
Helmholtz-Zentren und Universitäten im In- und Ausland. Die
Helmholtz-Allianz LIMTECH ist auf fünf Jahre angelegt und hat ein
Gesamtvolumen von 20 Mio. Euro. Die Mittel kommen jeweils zur Hälfte aus
dem Impuls- und Vernetzungsfonds der Helmholtz-Gemeinschaft einerseits
und den beteiligten Helmholtz-Zentren und Partnern andererseits. Im
Rahmen der Allianz soll ein Doktorandenprogramm aufgebaut werden. Ein
weiterer Schwerpunkt ist die enge Zusammenarbeit mit Partnern aus der
Industrie, um die Ergebnisse technologisch zügig umzusetzen.

Beteiligte Helmholtz-Zentren:
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR; Koordination), Karlsruher
Institut für Technologie (KIT), Forschungszentrum Jülich (FZJ),
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)

Externe Partner: Technische Universität Dresden, Technische Universität
Ilmenau, Leibniz Universität Hannover, TU Bergakademie Freiberg,
Universität Potsdam, Georg-August-Universität Göttingen, RWTH Aachen,
Institute of Physics Riga (Lettland), Coventry University (UK)
……………………………………………………………….

Weitere Informationen
Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf
Dr. Gunter Gerbeth
Direktor Institut für Fluiddynamik und Koordinator Helmholtz-Allianz LIMTECH
Tel. 0351 260-3480 | mailto:g.gerbeth@hzdr.de

Lüften schützt nicht vorm Passivrauchen

Boston/Düsseldorf (pte/04.10.2006/13:50) – Dass Passivrauch vor allem
für Kinder gefährlich ist, ist weitgehend bekannt. Wie gefährlich
Passivrauch in geschlossenen Räumen wirklich ist, haben nun
Wissenschaftler von der Harvard University untersucht: Die Ergebnisse
bestätigen die bisherigen Vermutungen und geben neuen Zündstoff für die
weitere Raucher-Diskussion, berichtete gestern, Dienstag, das
Internetmagazin Eurekalert http://www.eurekalert.org.

"Vor dieser Studie wussten wir nicht, wie hoch das Passivrauch-Niveau
in Autos ist. Wir wussten auch keinen Weg, diese Forschung mit anderen
ähnlichen Passivrauch-Studien zu Vergleichen", erklärt Voughan Rees vom
Forschungsverband von der Harvard School für Öffentliche Gesundheit
http://www.hsph.harvard.edu/ . Gemessen wurde die Passivrauch-Belastung
mit PM 2.5, einem Messgerät für Luftqualität, auf dem Rücksitz eines
Autos. Von besonderem Interesse war neben dem entstehenden
Passiv-Rauchniveau im geschlossenen Wagen, auch die Rauch-Entwicklung
bei geöffneten Fenstern.

Ausgehend von dem U.S. Environmental Agency’s Air Quality Index, ist
eine 24-Stunden Feinstaubbelastung von mehr als 40 Mikrogramm pro
Kubikmeter für sensible Personen wie Kinder oder ältere Menschen
schädlich. Ein Wert von mehr als 250 Mikrogramm ist für jedermann
gesundheitsschädigend. Wie die Studie nun zeigte, beträgt das
Passivrauch-Niveau bei leicht geöffnetem Fahrerfenster durchschnittlich
272 Mikrogramm. Wenn das Fahrerfenster weit geöffnet ist, liegt der
Wert bei 51 Mikrogramm. Grundsätzlich ist das Passivrauch-Niveau bei
Fahrtwind und ganz geöffneten Fenstern am geringsten, doch konnte auch
gezeigt werden, dass immer ein Rest-Rauch im Wagen zurückbleibt. Wie
Rees anmerkt, könne die Luftzirkulation den Rauch innerhalb des Autos
nicht gänzlich bezwingen und der Restrauch würde sich vor die Gesichter
der Kinder in den Kindersitzen hängen, welche bei einer andauernden
Belastung einem erhörtem Asthma-Risiko ausgesetzt seien.

In Deutschland ist seit längerem eine heftige Diskussion bezüglich
Passivrauchen in öffentlichen Räumen entflammt. "Es wurde eine
Arbeitsgruppe aus Fachleuten von beiden Koalitionspartnern gegründet,
die derzeit ein Konzept für ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen wie
Bars oder Restaurants ausarbeiten", erklärt Martina Pötschke-Langer vom
Deutschen Krebsforschungszentrum http://www.dkfz.de im Gespräch mit
pressetext. Ein Ende dieser Diskussion sei aber noch nicht abzusehen.

"Jeder Mensch hat das Recht sich selbst zu schädigen und das tun
Raucher schließlich auch. Doch niemand hat das Recht andere zu
schädigen. Deshalb kämpfen wir auch für eine rauchfreie Gastronomie.
Wie Umfragen gezeigt haben, sind auch zwei Drittel der Deutschen für
ein Rauchverbot in der Gastronomie", so Pötschke-Langer gegenüber
pressetext. An Rauchverbote in privaten Autos, wie in den beiden
amerikanischen Staaten Arkansas und Louisiana, ist in Deutschland
jedoch noch nicht zu denken. "Bei der Gastronomie handelt es sich um
öffentliche Räume. Autos fallen in das Privatrecht. Sicherlich wäre ein
Gesetz in diese Richtung wünschenswert, aber was jeder in seinem Auto
macht, ist Privatsache, auch wenn er dabei andere schädigt", erläutert
Pötschke-Langer.

Reisestress für Honigbienen

Kürzeres Leben durch Umsiedlungen

Mehr und mehr stehen Honigbienen im Zentrum der Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern, hängt doch eine Menge von ihrer Bestäubungsleistung ab. Jährlich werden in den USA mehr als eine Million Bienenvölker mehr oder weniger weit durch die Landschaft transportiert, um beispielsweise Apfel- oder Mandelplantagen in Kalifornien zu bestäuben. Der Ertrag der Bäume ist unmittelbar von der Leistung der Bienenvölker abhängig.

Doch Reisen ist offenbar nicht nur für Menschen anstrengend und belastend für das Immunsystem, auch Bienen sind erhöhtem Stress und damit Erkrankungsrisiko ausgesetzt, wenn sie transportiert werden. Das hat eine Studie der North Carolina State University ergeben, die die Lebensspanne von Bienenvölkern unter verschiedenen Transportbedingungen mit der von stationären Bienen verglichen hat. Demnach leben transportierte Bienen rund einen Tag kürzer als stationär gehaltene, was zunächst wenig erscheint, bei einer Gesamtlebensdauer von 20 Tagen aber durchaus ins Gewicht fällt.

Allerdings sind die Auswirkungen unzureichenden Futterangebotes ebenso stressig für die fleißigen Bestäuber – sind keine Blüten mehr da, verkürzt sich ebenfalls die Lebensdauer. Um diese negativen Effekte auszugleichen, empfehlen die Wissenschaftler entweder den Transport in reiche blühende Bestände mit sofortigem Futterangebot oder die Verabreichung von Nahrungsergänzungsfutter.

Die Studie ist ein weiterer Schritt dahin zu erforschen, welche Faktoren Bienenvölker krankheitsanfällig machen. Das ist von besonderer Relevanz, seit die berüchtigte Varroa-Milbe zu einem umfangreichen Bienensterben geführt hat.

Friederike Heidenhof (aid)