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Gummier-Kleber

Bis heute können Briefumschläge und Briefmarken mit Hilfe von etwas Speichel verklebt werden. Das ist soweit unbedenklich, denn die Leimspur besteht in der Regel aus dem natürlichen Gummierungsmittel Gummi arabicum. Dieses wird aus dem Harz einer afrikanischen Akazienart (Acacia senegal) gewonnen das schließlich zu gelblichen Kristallen austrocknet.

Und selbst die Lebensmittelindustrie schätzt Gummi arabicum als Ballaststoff und als Stabilisator z.B. im Weingummi, Kaugummi und in Limonaden. Achten Sie doch einmal auf die E-Nummer 414.

Sogenannte Gummier-Kleber auf der Basis von Gummi arabicum erfreuen sich seit langem vor allem bei Allergikern und Gesundheitsaposteln größter Beliebtheit. Die Flüssigkleber sind absolut geruchlos und zählen zu den umweltfreundlichsten ihrer Zunft. Außerdem lassen sich damit äußerst filigrane und empfindliche Papiere, wie z.B. Pergament, kleben.

Hier das einfache Rezept.

Besorgen Sie sich zunächst 25 Gramm Gummi arabicum in Kristallform. Das gibt’s im Künstlerbedarf oder da wo’s Räucherwerk gibt. Die Kristalle werden zunächst mit einem Hammer etwas zerdrückt und in einem Gefäß mit 100 ml warmem Wasser übergossen. Das Wasser dient übrigens als umweltverträgliches Lösungsmittel, das selbst empfindlichste Papiere nicht angreift.

Nach etwa einem Tag hat sich das Gummi arabicum vollständig aufgelöst. Schließlich noch 3 ml Glycerin hinzu geben – das macht den Kleber elastischer. Zum Schluss noch 1 Messerspitze Sorbinsäure hinein geben. Dieser Konservierungsstoff ist auch als Lebensmittelzusatz zugelassen und macht den Kleber für mindestens 3 Monate haltbar.

Den Klebestoff in einem verschließbaren Gefäß aufbewahren und mit dem Pinsel auftragen. Praktisch und zugleich sparsam ist übrigens ein ausgedienter Deo-Roller.

Ich denke, an diesem Klebstoff bleiben Sie bestimmt noch lange kleben.

Idee, Text & Rezeptur: Horst Minge

Datenschutz für jedermann? – Große Probleme!

Recht auf Auskunft und Löschung personenbezogener Daten schwierig durchzusetzen – Anbieter häufig unkooperativ

Bonn, 4. April 2016    Bürgerinnen und Bürger sollen jederzeit die
Kontrolle über ihre Daten haben. Seit Erlass der europäischen
Datenschutzrichtlinie von 1995 sind Dienst-Anbieter unter anderem
verpflichtet, ihren Kunden Auskunft zu geben, welche Daten sie zu
welchem Zweck speichern, und diese auf Verlangen zu löschen.
Entsprechende Regelungen finden sich u.a. in den Paragraphen 34 und 35
des Bundesdatenschutzgesetzes.

Wissenschaftler der Universitäten Hamburg und Siegen haben in einer
Studie untersucht, inwieweit Dienste-Anbieter ihrer Pflicht zu Auskunft
und/oder Löschung nachkommen. Dazu haben sie die Anbieter von 120
Internetseiten und 150 Smartphone-Apps, die bei deutschen Nutzern
beliebt sind, überprüft. Nur rund ein Viertel der Anbieter kamen ihrer
Pflicht nach und erteilten auf Anfrage befriedigende Auskünfte. Ein
weiteres knappes Viertel antworte erst nach erneutem Versuch mit Verweis
auf das entsprechende Gesetz mit einer zufriedenstellenden Auskunft.
57% allerdings haben bis zum Ende der Studie nicht oder unzureichend
geantwortet. Ausländische Anbieter schnitten dabei deutlich schlechter
ab als Anbieter, die ihren Sitz in Deutschland haben.

Darüber hinaus wurde untersucht, wie sorgfältig mit den gespeicherten
Daten umgegangen wird. Rund ein Viertel der Anbieter gaben persönliche
Daten an eine gefälschte E-Mail-Adresse weiter, ohne zu kontrollieren,
ob der Anfragende tatsächlich der Dateninhaber ist.

Hannes Federrath, Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik e.V.
(GI) und Sprecher des GI-Fachbereichs „Sicherheit“: „Die Ergebnisse der
Studie zeigen deutlich, wie verantwortungslos teilweise die
Internetanbieter mit personenbezogenen Daten umgehen. Allein deshalb
sollte grundsätzlich das Gebot der Datensparsamkeit gelten, sprich: Die
Nutzer sollten grundsätzlich so wenig Daten über sich preisgeben wie
möglich, also nur die Daten, die für einen Dienst unbedingt erforderlich
sind.“ Die Autoren der Studie ergänzen: „Aufsichtsbehörden und
Dienstanbieter sollten wirksame Mechanismen entwickeln, mit denen
Bürgerinnen und Bürger ihre Rechte durchsetzen können.“

Die Studie wird am 7. April in Bonn auf der Konferenz Sicherheit 2016 (https://www.sicherheit2016.de) vorgestellt, die vom Fachbereich „Sicherheit – Schutz und
Zuverlässigkeit“ der Gesellschaft für Informatik organisiert wird. Die
ausführlichen Ergebnisse sind unter http://arxiv.org/abs/1602.01804 abrufbar.

Zur Methodik und den Detailergebnissen:

Die Wissenschaftler Dominik Herrmann und Jens Lindemann registrierten
sich zunächst inkognito mit plausiblen Angaben bei jedem Anbieter. Nach
einer Weile wurde jeder Anbieter mit einer formlosen E-Mail darum
gebeten, Auskunft über die gespeicherten Daten zu geben. Nur 22% der
App-Anbieter bzw. 28% der Website-Betreiber reagierten auf diese Anfrage
mit einer zufriedenstellenden Auskunft. Die meisten reagierten
überhaupt nicht, viele beließen es bei einem Verweis auf ihre
Datenschutzerklärung.

Anbieter, die keine zufriedenstellende Auskunft erteilt hatten,
wurden erneut kontaktiert. Dabei wurden sie auf die Gesetzeslage (§ 34
BDSG) hingewiesen. Darüber hinaus enthielt die zweite Anfrage die
Ankündigung, dass bei ausbleibender Antwort die zuständige
Aufsichtsbehörde eingeschaltet werden würde. Daraufhin reagierten
weitere 21% bzw. 15% der Anbieter mit einer zufriedenstellenden
Auskunft. Mehr als die Hälfte der App-Anbieter und der Website-Betreiber
(jeweils 57%) haben allerdings bis zum Ende der Studie überhaupt nicht
oder nur unzureichend reagiert.

Ausbleibende oder unvollständige Auskünfte sind unbefriedigend. Noch
schlimmer aber sind nachlässige Anbieter, die die Identität des
Absenders einer Anfrage nicht überprüfen. Dann fallen sensible
personenbezogene Daten unter Umständen in die Hände von neugierigen
Trickbetrügern. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass manche
Anbieter schon mit einfachen Social-Engineering-Techniken überlistet
werden können. An die untersuchten Website-Betreiber wurde dazu eine
Auskunftsanfrage geschickt, bei der die Absender-E-Mail-Adresse nicht
mit der beim Anbieter hinterlegten E-Mail-Adresse übereinstimmte. Etwa
ein Viertel der Website-Betreiber antwortete mit einer
zufriedenstellenden oder zumindest einer unvollständigen Auskunft – an
die falsche Adresse wohlgemerkt. Bei mehr als der Hälfte dieser
Antworten hätten Dritte personenbezogene Daten erfahren.

Auch das in §35 BDSG eingeräumte Recht auf Löschung bzw. Sperrung von
Daten ist in der Praxis nicht zuverlässig durchsetzbar. Etwa die Hälfte
der Anbieter (54% der App-Anbieter, 48% der Website-Betreiber) löschte
die hinterlegten Daten nach der ersten (informellen) Aufforderung.
Weitere Versuche mit Verweis auf Gesetzeslage und Aufsichtsbehörde
blieben allerdings weitgehend wirkungslos: Der Anteil der vollständig
gelöschten Benutzerkonten stieg dadurch lediglich um 3–4 Prozentpunkte.

Weitaus problematischer sehen die beiden Wissenschaftler die
Tatsache, dass viele Anbieter die Aufforderung unmittelbar umsetzten und
in ihrer Antwort lediglich den Vollzug der Löschung mitteilten. Um ein
fremdes Benutzerkonto gegen den Willen seines Besitzers löschen zu
lassen, muss man also nur die zugehörige E-Mail-Adresse kennen und die
Absenderadresse beim Versand der Löschaufforderung fälschen. Solche
Angriffe könnten vergleichsweise einfach verhindert werden, etwa durch
eine vorherige Rückfrage. Noch besser wäre es, wenn die Löschung der
Daten an eine vorherige Authentifizierung geknüpft wäre, etwa durch
Anmeldung mit Benutzername und Passwort auf der Webseite des Anbieters.

Die Ergebnisse der Studie belegen, dass gesetzlich zugesicherte
Rechte an den eigenen Daten in der Praxis häufig überhaupt nicht oder
nur mit erheblichem Aufwand durchsetzbar sind. Überraschend ist vor
allem, mit welcher Arglosigkeit viele Dienstanbieter Auskunfts- und
Löschanfragen bearbeiten und dadurch Missbrauch ermöglichen. Den
ausführenden Mitarbeitern fehlen Sachkenntnis und Sorgfalt. Der aktuelle
Zustand ist sowohl für die Kunden als auch für die Anbieter überaus
unbefriedigend. Aus Sicht der Wissenschaftler wäre es daher
wünschenswert, den Ablauf von Auskunfts- und Löschprozessen zu
standardisieren und durch einheitliche Schnittstellen zu automatisieren,
um den Aufwand für die Beteiligten zu senken und Missbrauch zu
verhindern.

Die Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) ist eine
gemeinnützige Fachgesellschaft zur Förderung der Informatik in all ihren
Aspekten und Belangen. Gegründet im Jahr 1969 ist die GI mit ihren
heute rund 20.000 Mitgliedern die größte Vertretung von
Informatikerinnen und Informatikern im deutschsprachigen Raum. Die
Mitglieder der GI kommen aus Wissenschaft, Wirtschaft, öffentlicher
Verwaltung, Lehre und Forschung.

Eiweißmangel fördert Gebrechlichkeit im Alter

Risiko Sarkopenie: Eiweißmangel fördert Gebrechlichkeit im Alter

Düsseldorf
� Viele ältere Menschen sind mangelernährt: Nach aktuellen Studien
trifft das auf jeden zweiten Krankenhauspatienten über 75 Jahre bei
seiner Aufnahme zu. Gleiches gilt für zwei Drittel der Bewohner von
Altenpflegeeinrichtungen. Die Folge kann ein Verlust an Muskelmasse
sein, der Gebrechlichkeit begünstigt und das Risiko von Stürzen und
Verletzungen erhöht. Ein Experte rät daher im Vorfeld der MEDICA
EDUCATION CONFERENCE 2015 zu einer eiweißreichen Kost für ältere
Menschen, die zusammen mit sportlicher Aktivität den Muskelaufbau
fördern kann.

Eine
gewisse Abnahme der Muskelmasse ist im Alter unvermeidlich. Schon ab
dem 50. Lebensjahr büßt der Mensch im Durchschnitt etwa 1 bis 2 Prozent
seiner Muskelmasse pro Jahr ein. Bei vielen Senioren kommt es jedoch zu
einem übermäßigen Verlust, den Ernährungsexperten als Sarkopenie
bezeichnen. Besonders häufig betroffen sind Bewohner von Pflegeheimen.
�Unsere Untersuchungen zeigen, dass jeder vierte Pflegeheimbewohner
unter einer Sarkopenie leidet�, berichtet Professor Dr. med. Cornel
Sieber, Mitglied im Programmkomitee der MEDICA EDUCATION CONFERENCE für
den Bereich Geriatrie. Vielen Senioren sei der Mangel nicht anzusehen,
da die Fettmasse parallel zum Muskelverlust zunehme.

�Der
Rückbau der Skelettmuskulatur führt dazu, dass die Senioren immer
schwächer werden und zunehmend nicht mehr in der Lage sind, ihren Alltag
zu bewältigen�, erläutert Professor Sieber, der in diesem Zusammenhang
von einem Frailty-Syndrom spricht. Die Ursache liege nicht nur in der
fehlenden körperlichen Aktivität. �Viele ältere Menschen nehmen zu wenig
Eiweiß mit der Nahrung zu sich�, so Professor Sieber, Leiter des
Instituts für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg.
Hinzu käme, dass ältere Menschen oft einen höheren Eiweißbedarf haben.
Akute und chronische Erkrankungen, aber auch die im Alter erhöhte
Entzündungsaktivität greifen laut dem Experten die Eiweißreserven an.
Auch nach Verletzungen oder Operationen sei der Eiweißbedarf erhöht.

Ernährungsexperten
raten deshalb älteren Menschen zu einer erhöhten Eiweißzufuhr. Während
jüngere Menschen 0,8 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Ko�rpergewicht am Tag
benötigen, sollten Senioren 1,0 bis 1,2 Gramm Eiweiß pro Kilogramm
Ko�rpergewicht aufnehmen. Für einen normalgewichtigen Senioren sind dies
25 bis 30 Gramm pro Mahlzeit. Damit das Eiweiß in den Muskel eingebaut
wird, rät Professor Sieber zu körperlichem Training. Soweit der
Gesundheitszustand der Senioren es zulasse, sollten sie sich 30 Minuten
am Tag bewegen. Besonders günstig für den Muskelaufbau sei ein
Krafttraining, das die Senioren 2 bis 3 Mal die Woche fu�r 10 bis 15
Minuten durchführen. Auch der Zeitpunkt der Eiweiß-Einnahme ist von
Bedeutung. �Am besten ist es, wenn eine protein-reiche Nahrung nach dem
Training aufgenommen wird, da dann der Muskelaufbau primär stattfindet�,
sagt Professor Sieber. Die meisten Senioren könnten ihren Proteinbedarf
über die Ernährung decken. Neben Fleisch sind Quark und Hartkäse gute
Eiweißlieferanten. In selteneren Fällen � wenn eben eine ausreichende
Proteinzufuhr nicht mit der üblichen Nahrung erfolgen kann � könnten
nach Einschätzung des Experten Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sein.
Vor allem die Aminosäure Leucin wirke sich günstig auf den Muskelaufbau
aus.

Eine
Umstellung der Ernährung sollte bevorzugt unter fachlicher Beratung
erfolgen, betont Professor Sieber, da nicht alle Senioren eine
eiweißreiche Kost vertragen. Vorsicht geboten sei aber einzig bei
Menschen mit stark reduzierter Nierenfunktion, da eine hohe Eiweißzufuhr
hier das Fortschreiten der Erkrankung fördern kann.

Im
Symposium zur Ernährungsmedizin im Alter der MEDICA EDUCATION
CONFERENCE erörtern Experten am Thementag Geriatrie, Palliativ- und
Ernährungsmedizin am 18. November, wie weitere relevante
Therapieschritte aussehen und was sinnvolle Ergebnisparameter sein
können. Auch Aspekte des Screenings und Assessments einer
Mangelernährung im Alter stehen zur Diskussion. Die interdisziplinäre
Fortbildungsveranstaltung MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015 findet vom
16. bis 19. November in Düsseldorf statt, zeitgleich zur Weltmesse für
Medizintechnik MEDICA. Die Laufzeit erstreckt sich erstmals von Montag
bis Donnerstag. Weitere Informationen unter www.medica.de/mec1 und
www.medica.de.

Schmelzwassertümpel lassen Meereisdecke schmelzen

Schmelzwassertümpel lassen die arktische Meereisdecke schneller schmelzen

Bremerhaven, 15. Januar 2013. Die arktische Meereisdecke ist im zurückliegenden Jahrzehnt nicht nur geschrumpft, sondern auch deutlich jünger und dünner geworden. Wo früher meterdickes, mehrjähriges Eis trieb, finden Forscher heute vor allem dünne, einjährige Schollen, die in den Sommermonaten großflächig mit Schmelzwassertümpel bedeckt sind. Meereisphysiker des Alfred-Wegener-Institutes, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben nun erstmals die Lichtdurchlässigkeit des arktischen Meereises großflächig vermessen und dabei diese Veränderung in Zahlen fassen können. Ihr Ergebnis: Überall dort, wo sich Schmelzwas ser auf dem Eis ansammelt, dringt viel mehr Sonnenlicht und somit Energie in das Eis ein als an wasserfreien Stellen. Die Folge: Das Eis schmilzt schneller und der Lebensraum im und unter dem Eis erhält mehr Licht. Diese neuen Erkenntnisse haben die Forscher im Fachmagazin Geophysical Research Letters veröffentlicht.

Schmelzwassertümpel zählen zu den Lieblingsmotiven der Eis- und Landschaftsfotografen in der Arktis. Mal schimmern sie in einem verführerischen Karibik-Meerblau, mal liegen sie dunkel wie ein See bei Regenwetter auf der Scholle. „Ihre Farbe hängt ganz davon ab, wie dick das verbleibende Eis unter dem Tümpel ist und wie stark der darunterliegende Ozean durch dieses Eis hind urchscheinen kann. Tümpel auf dickerem Eis sind eher türkis, jene auf dünnem Eis dunkelblau bis schwarz“, sagt Dr. Marcel Nicolaus, Meereisphysiker und Schmelztümpel-Experte vom Alfred-Wegener-Institut.

Er und sein Team haben in den zurückliegenden Jahren bei Expeditionen in die zentrale Arktis auffallend viele Schmelzwassertümpel gesichtet. Nahezu die Hälfte des einjährigen Eises war mit Tümpeln überzogen. Eine Beobachtung, welche die Wissenschaftler auf den Klimawandel zurückführen. „Die Eisdecke des Arktischen Ozeans verändert sich seit einigen Jahren grundlegend. Dickes, mehrjähriges Eis sucht man mittlerweile fast vergebens. Stattde ssen besteht die Eisdecke heutzutage zu mehr als 50 Prozent aus dünnem einjährigen Eis, auf dem sich Schmelzwasser besonders großflächig ausbreitet.

Ausschlaggebend dafür ist die glattere Oberfläche dieses jungen Eises. Sie erlaubt es dem Schmelzwasser, sich weit zu verteilen und ein Netz aus vielen einzelnen Tümpeln zu bilden“, erklärt Marcel Nicolaus. Das ältere Eis dagegen besäße eine verformte Oberfläche, die im Laufe der Jahre durch die ständige Schollenbewegung und unzählige Zusammenstöße entstanden sei. Auf diesem unebenen Untergrund bildeten sich viel weniger und kleinere Tümpel, die dann jedoch deutlich tiefer seien als die flac hen Teiche auf dem jüngeren Eis.

Die steigende Zahl der „Fenster zum Ozean“, wie Schmelztümpel auch genannt werden, warf für Marcel Nicolaus eine grundlegende Forschungsfrage auf: Inwieweit verändern die Tümpel und die abnehmende Eisdicke die Menge des Lichts unter dem Meereis? Immerhin stellt das Licht im Meer – wie auch an Land – die Hauptenergiequelle für die Photosynthese dar. Ohne Sonnenlicht wachsen weder Algen noch Pflanzen. Marcel Nicolaus: „Wir wussten, dass eine Eisscholle mit einer dicken, frischen Schneeschicht zwischen 85 und 90 Prozent des Sonnenlichtes in das Weltall zurückstrahlt und nur wenig in den Ozean durchlassen wür de. Im Gegensatz dazu konnten wir davon ausgehen, dass im Sommer, wenn der Schnee auf dem Eis geschmolzen und das Meereis mit Tümpeln bedeckt ist, wesentlich mehr Licht durch das Eis hindurchdringt.“

Um herauszufinden, in welchem Maß arktisches Meereis Sonnenstrahlen passieren lässt und wie groß der Einfluss der Schmelzwassertümpel auf diese Durchlässigkeit ist, statteten die AWI-Meereisphysiker einen ferngesteuerten Tauchroboter (ROV „Alfred“) mit Lichtsensoren und einer Kamera aus. Diesen Roboter schickten sie im Sommer 2011 während einer Arktis-Expedition des Forschungseisbrechers POLARSTERN an mehreren Stationen direkt unter das Eis. Das Gerät erfasste auf seinen Tauchgängen, wie v iel Sonnenenergie durch das Eis drang. Und das an insgesamt 6000 Einzelpunkten mit jeweils unterschiedlichen Eiseigenschaften!

Auf diese Weise entstand ein bisher einmaliger Datensatz, dessen Ergebnisse aufhorchen lassen. Marcel Nicolaus: „Das junge dünne Eis mit den vielen Schmelztümpeln lässt nicht nur dreimal mehr Licht passieren als das ältere. Es absorbiert auch doppelt so viel Sonnenstrahlung. Beides bedeutet im Umkehrschluss, dass dieses dünne, von Tümpeln überzogene Eis deutlich weniger Sonnenstrahlen reflektiert als das dicke Eis. Seine Rückstrahlquote liegt bei gerade mal 34 Prozent. Zudem nimmt das junge Eis mehr Sonnenenergie und somit Wärme auf, wodurch sein Schmelzen vora ngetrieben wird. Das Eis schmilzt gewissermaßen von innen“ sagt Marcel Nicolaus.

Welches Zukunftsbild lässt sich anhand dieser neuen Erkenntnisse zeichnen? Marcel Nicolaus: „Wir gehen davon aus, dass im Zuge des Klimawandels künftig mehr Sonnenlicht in den Arktischen Ozean gelangen wird – und das insbesondere auch in jenem Teil, der nach wie vor im Sommer vom Meereis bedeckt ist. Der Grund: Je größer der Anteil des einjährigen Eises an der Meereisdecke wird, desto mehr und größere Schmelztümpel werden sich bilden. Diese wiederum führen dazu, dass die Reflexionsfähigkeit des Eises sinkt, die Transmission steigt, das Eis poröser wird, mehr Sonnenstrahlung durch die Schollen dringt und zeitgleich mehr Wärme vom Eis aufgenommen wird. Eine Entwicklung, die das Abschmelzen der gesamten Eisfläche weiter beschleunigen wird.“ Gleichzeitig aber werde den Lebewesen im und unter dem Eis künftig mehr Licht zur Verfügung stehen. Ob und wie diese allerdings mit der neuen Helligkeit zurechtkommen, wird gegenwärtig noch in Zusammenarbeit mit Biologen untersucht.

Düngerwende in den Tropen gefordert

Internationale Bodenwoche

Der Gebrauch an mineralischen Düngemitteln hat sich seit den 1950er Jahren weltweit versechsfacht. Im Jahr 2012 wurden weltweit rund 190 Millionen Tonnen NPK-Dünger verkauft. Dr. Johannes Kotschi von AGRECOL e.V., Verein zur Förderung der standortgerechten Landnutzung in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa, geht in seinem Gutachten „A Soiled Reputation“ der Frage nach, ob vor allem in den Tropen mehr Dünger gleich mehr Ertrag bedeutet. Kotschi referierte auf der Internationalen Bodenwoche in Berlin.

Ertrag ist für Kotschi nicht nur das Erntegut, sondern das gesamte Verhältnis zwischen Aufwand und Gewinn. Gerade in den ländlichen Räumen der Entwicklungsländer sind die Transport- und Transaktionskosten für mineralischen Dünger besonders hoch. Der erhoffte Mehrertrag fällt wegen der geringeren Bodenfruchtbarkeit und Trockenperioden geringer aus. Viele Länder subventionieren mittlerweile die mineralischen Dünger. Ghana wendet dafür mit 120 Millionen Ghana Cedi rund 40 Prozent seines Agrarbudgets auf.

Während der Einsatz von Kali und Phosphor nahezu gleich bleibt, ist die Stickstoffanwendung deutlich gestiegen. Der N-Anteil bei mineralischen Düngern lag in Tansania 1961 noch bei 50 Prozent, heute sind es 74 Prozent. Zwei Drittel der Stickstoffgaben gehen jedoch über das Grundwasser oder die Atmosphäre ungenutzt verloren. Auch für den Boden selbst haben die hohen Stickstoffgaben Nachteile. Oft wird sauer wirkender Harnstoff eingesetzt, der den pH-Wert der tropischen Böden auf 4,5 senkt. In dem sauren Milieu wird der wichtige Phosphor im Boden als für Pflanzen unzugängliches Eisen- oder Aluminiumphosphat fixiert. Der generelle Mineralisierungseffekt fördert noch den Humusabbau und verringert die Nährstoffspeicherkapazität.

Während der Internationalen Bodenwoche in Berlin forderte Kotschi eine „Düngerwende“ in den Tropen. Vor allem solle Wurmkompost mineralischen Stickstoff ersetzen. Nährstoffrückflüsse aus den Städten sollten verstärkt aufgefangen und auf das Land zurückgebracht werden. Der Mischanbau mit Leguminosen sollte verstärkt werden. So fixiere die Straucherbse bis zu 170, der Algenfarn Azolla im Reisanbau sogar zwischen 600 und 1.000 kg Stickstoff pro Jahr und Hektar. Wenn mineralischer Stickstoff gedüngt werden müsse, dann sollten basische Dünger wie Kalkstickstoff eingesetzt werden.

Für diese Umsetzungen müsse die Beratung vor Ort angepasst werden, die Universitäten brauchten neue Forschungsschwerpunkte und die Politik müsse Übergangsszenarien für die Bauern entwerfen. Kotschi fordert ein neues Verhältnis zu den Düngemitteln: „Nährstoffe dürfen kein kurzfristiges Verbrauchsgut sein, sondern eine Investition in die Bodenfruchtbarkeit.“ (aid)

Innovative Materialien für Krebsdiagnostik

Innovative Materialien für Krebsdiagnostik und Computerindustrie:
Dresdner Helmholtz-Zentrum erhält zwei Virtuelle Institute der
Helmholtz-Gemeinschaft

Innovative Nanomaterialien für die Krebsdiagnostik und lernfähige
Werkstoffe für nicht-flüchtige Computer-Arbeitsspeicher diese
Forschungsthemen stehen im Mittelpunkt von zwei neuen Virtuellen
Instituten der Helmholtz-Gemeinschaft, die unter Leitung des
Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit nationalen
und internationalen Universitäten und Forschungseinrichtungen aufgebaut
werden. Das HZDR beteiligte sich gleich mit zwei Anträgen erfolgreich an
der fünften Ausschreibungsrunde von Helmholtz Virtuellen Instituten.
Sie werden aus dem Impuls- und Vernetzungsfonds der
Helmholtz-Gemeinschaft finanziert.

Social Media kurbelt Charity-Kampagnen an

Social Media kurbelt Charity-Kampagnen an
Authentizität und Ehrlichkeit wichtig, um User langfristig zu binden
 
Spenden: Social Media unterstützt Charity (Foto: flickr.com/Rafa Otero)

St. Andrä-Wördern (pte013/15.10.2013/12:45) – Social Media wird für karitative Zwecke immer unverzichtbarer. Denn die virale Verbreitung von Charity-Kampagnen funktioniert sogar besser als in der Unternehmenskommunikation, wie Social-Media-Experte Günter Exel http://guenterexel.com im Gespräch mit pressetext bestätigt.

Akzeptanz für karitative Anliegen

"Social Media ist zu einem wichtigen Trägermedium für humanitäre Zwecke geworden", so Exel gegenüber pressetext. NGOs wie Greenpeace nutzen Facebook und Twitter bereits intensiv, um ihre Kampagnen im Netz zu verbreiten. Laut dem Fachmann bietet die Verbreitung via Facebook, Twitter, Google+ und Co im Gegensatz zur Aussendung per E-Mail einen weiteren Vorteil: "In sozialen Netzwerken ist die Akzeptanz für solche Anliegen höher."

"Anliegen in denen es ‚menschelt‘, lassen sich sogar besser unter Mithilfe der Social-Media-User verbreiten, als wenn es um reine Unternehmenskommunikation geht", erklärt der Kommunikationsprofi. Die erfolgreiche Verbreitung von Inhalten hängt stark von den Nutzern ab. "Sie erkennen ehrliche, authentische Kommunikation", unterstreicht Exel.

Fans finden und Spenden sammeln

Nicht zuletzt in Bezug auf Social-Media-Marketing von Unternehmen ist diese ehrliche, authentische Kommunikation wichtig. Denn Social-Media-Seiten können auch Klicks, Likes und Follower generieren, indem sie wohltätige Zwecke als Anreiz nutzen. Exel nennt als Beispiel eine Kampagne der Rewe-Tochter Billa http://billa.at , bei der pro neugewonnenem Facebook-Fan ein Euro gespendet wurde.

Spekulatius, mal‘ wissenschaftlich

Spekulatius
gehört zu Weihnachten wie das Ei zu Ostern. Bereits seit vier
Jahrhunderten kommt das Gebäck zur Adventszeit auf den Tisch. Klassisch
verleihen Kardamom, Zimt und Gewürznelken dem Mürbeteigkeks seinen
typischen Geschmack und weihnachtlichen Duft. Was viele nicht wissen:
Hinter dem Spekulatius verbirgt sich mehr als nur eine kleine Leckerei.

Neukirchen-Vluyn,
03.12.2014. Neben Christstollen und Lebkuchen darf Spekulatius auf
keinem Weihnachtsteller fehlen. Erfunden wurde der Mürbeteigkeks im 17.
Jahrhundert zu Ehren des Bischofs Nikolaus von Myra, der als besonders
barmherzig galt: Seinen Reichtum verschenkte er an Arme und Kinder. Um
seine Wohltaten zu würdigen, wurde Spekulatius jährlich am 6. Dezember –
dem heutigen Nikolaustag – gebacken. Richtig aneinandergelegt,
erzählten die Motive der Plätzchen die Nikolausgeschichte. Heute
schmücken meist Tiere, Windmühlen oder Häuser die Vorderseite des
Weihnachtsklassikers.

Neben
der klassischen Gewürzvariante erfreuen sich heute insbesondere
Butterspekulatius großer Beliebtheit. Auch dem irischen Starkoch Shane
McMahon schmecken die Plätzchen. Sein Tipp zum Selberbacken: „Für die
Zubereitung zuhause eignet sich besonders die Weidemilchbutter von
Kerrygold. Sie verfügt über viele ungesättigte Fettsäuren, wodurch sie
weicher ist als herkömmliche Produkte und sich hervorragend für die
Zubereitung des Keksteiges eignet.“ Shane McMahon mag seine
Butterspekulatius am liebsten schön knusprig. Zum vorweihnachtlichen
Backen verrät er sein Geheimrezept.

So gelingen Shane McMahons Butterspekulatius:

Zutaten:
250 g Kerrygold Butter
500 g Mehl

250 g Zucker

60 g gemahlene Mandeln

½ Päckchen Backpulver

½ Päckchen Vanillezucker

1 Ei

½ Messerspitze Zimt

Zubereitung:

Alle
Zutaten in eine Rührschüssel geben und zu einem glatten Teig verrühren.
Anschließend den Teig etwa 15 Minuten kalt stellen.

Die
Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Teig darauf etwa 4 mm dick
ausrollen. Je nach Belieben Formen ausstechen und auf ein mit Backpapier
ausgelegtes Backblech setzen. Anschließend die Kekse im vorgeheizten
Backofen bei 180 Grad etwa 10 Minuten backen.

Copyright: Kerrygold

Grüner Tee bei Alzheimer

Die Substanz EGCG (Epigallocatechin-3-gallate) in grünem Tee kann
offenbar den tödlichen Prozess der Plaquebildung bei Parkinson und
Alzheimer umkehren. Statt der giftigen Eiweißablagerungen bilden sich
durch EGCG ungiftige und damit für die Nervenzellen harmlose, kugelige
Eiweißaggregate. Das haben Forscher des Max-Delbrück-Centrums für
Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch in Versuchen im Reagenzglas und
in Nervenzellmodellen festgestellt. Die Arbeit von Dr. Dagmar
Ehrnhöfer und Dr. Jan Bieschke aus der Forschungsgruppe von Prof.
Erich Wanker hat die Fachzeitschrift Nature Structural and Molecular
Biology*(http://dx.doi.org/10.1038/nsmb.1437) jetzt veröffentlicht.

Die Substanz EGCG bindet in einer sehr frühen Phase direkt an die noch
ungefalteten Eiweiße und verhindert damit, dass sich durch Fehlfaltung
giftige, unlösliche Aggregate entwickeln können. EGCG unterbricht auf
diese Weise die gefährliche Kaskade der Proteinfehlfaltung.

Zwar bilden sich dennoch Eiweißablagerungen, jedoch über einen anderen
Mechanismus. "Sie sind aber harmlos", betonte Dr. Bieschke. Das habe
ein Test mit einem Antikörper ergeben, der toxische Aggregate erkennt.
Er bindet jedoch nicht an die unstrukturierten kugelförmigen Gebilde,
die nach der EGCG-Behandlung auftreten.

Jetzt wollen die MDC-Forscher in Zusammenarbeit mit Forschern des
nahegelegenen Leibniz-Instituts für Molekulare Pharmakologie (FMP) und
der NMR-Spektroskopie klären, wie genau EGCG mit den schädlichen
Aggregatvorstufen der Alzheimer Krankheit wechselwirkt. Auch wollen
sie herausfinden, wie die "gutartigen" Kugeln aufgebaut sind.

Proteinfehlfaltung führt in einem mehrstufigen Vorgang über die
Ansammlung verschiedener Vorstufen letztlich zu gefährlichen
Eiweißablagerungen. Sie sind für die Nervenzellen giftig und
verursachen ihren Untergang. Proteinfehlfaltung gilt als Auslöser von
Parkinson sowie der Alzheimer Krankheit und auch von Chorea
Huntington.

Da EGCG an mehrere Proteine bindet, die ursächlich für verschiedene
Proteinfehlfaltungserkrankungen sind, vermuten die MDC-Forscher, dass
EGCG und ähnliche Substanzen für die Entwicklung von Medikamenten
gegen degenerative Nervenerkrankungen sowie andere Krankheiten, bei
denen sich Eiweißablagerungen bilden (Amyloidosen) geeignet sind. Erst
2006 hatte Dagmar Ehrnhöfer zeigen können, dass EGCG in einem
Taufliegenmodell für Chorea Huntington die Toxizität der tödlichen
Ablagerungen verringern kann.

Vergiftung durch den Verzehr von Tropenfisch

Vergiftung durch den Verzehr von Tropenfisch in Deutschland

fzm, Stuttgart, Februar 2015 – Eine Vergiftung
durch tropische Fischgerichte ist auch in Deutschland möglich. Mit
Fischsorten wie Roter Schnapper oder Barracuda kann ein hitze- und
kältebeständiges Gift auf deutsche Teller gelangen. Wegen der
ungewöhnlichen Krankheitszeichen wird die Ciguatera genannte
Fischvergiftung selten erkannt und noch seltener den
Giftinformationszentren gemeldet, berichten Experten in der
Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme
Verlag, Stuttgart. 2015).

Das Toxin, das in tropischen Fischen enthalten sein kann, ist
weder durch Geschmack, Beschaffenheit oder Geruch erkennbar, noch kann
es durch Hitze oder Kälte zerstört werden, erläutert Professor Katharina
Zimmermann, Heisenbergprofessorin für Experimentelle Schmerzforschung
an der Anästhesiologischen Klinik der Universitätsklinik Erlangen. In
gefrorenem Fisch sei es quasi unbegrenzt haltbar.

Damit können vergiftete Fische auch auf deutsche Speiseteller
gelangen. Wer sich also einen Roten Schnapper, Barracuda oder einen
anderen tropischen Raubfisch servieren lässt, kann erkranken. Das Gift
wird nicht vom Fisch, sondern von Algen gebildet, die in Riffen
verbreitet sind und von den Fischen gefressen werden. In der
Nahrungskette reichert sich das Gift an, weshalb Raubfische häufiger
belastet sind. Bei Menschen reichen schon geringste Mengen von 0,1
Mikrogramm pro Kilogramm Fisch aus, um zu erkranken.

In tropischen Regionen ist Ciguatera überall dort häufig, wo
es Korallenriffe gibt. Im indischen und pazifischen Ozean, aber auch in
der Karibik kommt es immer wieder zu Epidemien, erklärt Professor
Zimmermann. In Deutschland werde die Erkrankung erstaunlich selten
diagnostiziert, so die Expertin. In der Vergangenheit waren meistens
Tropenurlauber betroffen. Doch als sich im November 2012 mehrere
Menschen bei den Gesundheitsbehörden oder regionalen
Giftinformationszentren meldeten, die nicht in den Tropen gewesen waren,
hakte Professor Zimmermann nach. Eine Umfrage unter 20 Betroffenen
ergab, dass alle Roten Schnapper verzehrt hatten. Alle Fische waren von
demselben Großhändler importiert und deutschlandweit verkauft worden.

Professor Zimmermann vermutet, dass mehr als die bekannt
gewordenen 20 Menschen erkrankt waren. Durch die Nachwirkungen
unterscheide sich Ciguatera von einer gewöhnlichen Fischvergiftung. Von
Durchfall, Übelkeit und Erbrechen erholen sich die Patienten meistens
nach wenigen Tagen. Es bleibe aber häufig ein unklares Schwächegefühl,
begleitet von einer geringen Belastbarkeit und einer leichten
Ermüdbarkeit, die ein Jahr lang anhalten kann. Typisch für Ciguatera
sind zudem Juckreiz und ein brennender Schmerz im Zusammenhang mit
Abkühlung der Haut.

Die Expertin führt die Symptome auf eine Schädigung der
sensiblen Nerven zurück, die Tast- und Temperaturreize ans Gehirn
übermitteln. Die Toxine lösen hier eine Überempfindlichkeit aus, die
über mehrere Monate anhalten kann. Um eine chronische Ciguatera zu
vermeiden, rät Professor Zimmermann den Betroffenen, zunächst auf
Alkohol und Kaffee zu verzichten. Auch starke körperliche Aktivitäten
und Tätigkeiten, die eine Dehydrierung begünstigen, sollten sie
vermeiden, ebenso erneuten Fischkonsum. Denn wer bereits einmal an
Ciguatera erkrankt ist, reagiert bei einer erneuten Vergiftung in der
Regel sehr viel empfindlicher.

Die Behandlungsmöglichkeiten sind begrenzt. Eine Infusion mit
Mannitol, einem Zuckeraustauschstoff, kann die Spätsymptome lindern,
wenn es in den ersten drei Tagen, besser aber noch am ersten Tag
durchgeführt wird. Colestyramin, ein Austauschharz, das bei Gallenleiden
den Juckreiz abmildert, wirke manchmal auch bei Ciguatera. Ein
Plasmaaustausch, der das Gift aus dem Blut entfernt, komme nur in sehr
seltenen, lebensbedrohlichen Fällen infrage.

K. Zimmermann et al.:

Vergiftung durch Tropenfisch: Ciguatera-Epidemie in Deutschland

DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2015; 140 (2); S. 125-130