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Ultraschall-Elastografie macht verhärtetes Krebsgewebe sichtbar

Hamburg/Davos – Mittels Ultraschall-Elastografie können Ärzte Krebs zukünftig sicherer diagnostizieren: Das hochmoderne Verfahren misst die Elastizität des Gewebes und unterscheidet auf diese Weise gesundes von krankem, verhärtetem. Beispielsweise bei Prostatakrebs ermöglicht die Ultraschall-Elastografie schon jetzt eine um ein Fünftel genauere Diagnostik. Die verschiedenen Anwendungsgebiete des Verfahrens diskutieren Experten auf dem 32. Dreiländertreffen der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Ultraschall in der Medizin (DEGUM, ÖGUM, SGUM) vom 24. bis zum 27. September 2008 im Kongresszentrum Davos.

Vom weichen Fettgewebe bis zum knochenharten Skelett: Im menschlichen Körper variiert die Elastizität der Gewebe von 0,5 bis 1000 Kilopascal – der Einheit für mechanische Spannung. Wie fest ein Gewebe ist, beurteilen Ärzte in erster Linie, indem sie es mit den Händen abtasten. „Wesentlich präziser und diagnostisch sicherer ist es, diese Strukturen mit einem Ultraschall-Elastografen zu untersuchen“, sagt Professor Dr. med. Christoph Dietrich, Internist am Caritas Krankenhaus in Bad Mergentheim. Die Druckwellen des rhythmisch vibrierenden Ultraschallkopfes erreichen auch Bereiche, die für die Hände unzugänglich sind – je weniger elastisch das Gewebe, desto schneller. Dazu zählen neben der Prostata beispielsweise die Lymphknoten zwischen den Lungenflügeln (Mediastinum), die Bauchspeicheldrüse sowie andere Organe des Magen-Darm- und Fortpflanzungstraktes.

Bei Verdacht auf Prostatakrebs entnehmen Ärzte heute mit einer Hohlnadel eine Gewebeprobe – eine Methode, die das Risiko einer Nachblutung und Entzündung der Vorsteherdrüse birgt. Ist die Probe negativ, kann es auch sein, dass der Arzt am Tumor vorbeigestochen hat, erläutert Dietrich, DEGUM-Vertreter (Honorary Secretary) der entsprechenden europäischen Fachgesellschaft (European Federation of Societies for Ultrasound in Medicine and Biology; EFSUMB). Denn die genaue Lage kleiner Tumoren war bisher nicht ausreichend feststellbar. „Die Prostata sollte deshalb vor einer Biopsie elastografisch untersucht werden“, empfiehlt der Ultraschallexperte im Vorfeld des Dreiländertreffens von DEGUM, ÖGUM und SGUM. Auf diese Weise könnten Ärzte Tumorherde orten, Fehldiagnosen vermeiden und Biopsien sichern: Die Ultraschall-Elastografie erlaubt es, das fragliche Gewebe mit einer um 20 Prozent höheren Genauigkeit herauszustanzen.

Das Verfahren verbessert die Trefferquote einer Biopsie aber auch bei anderen Erkrankungen. Von Krebs befallene Milchgänge der Brust oder eine Fettleber mit Mehrverfettungszonen lassen sich damit zuverlässig von gesundem Gewebe abgrenzen. „Das Spektrum ist breit gefächert – nicht zuletzt, weil bei der Entwicklung der Elastografie immer die Anwendbarkeit in der Praxis im Mittelpunkt stand“, so Dietrich. Für Ultraschall-Untersuchungen im Körper – wie etwa Darm oder Vagina – lasse sich die Technik auch mit Spezialsonden kombinieren.

Gute Blutzuckereinstellung schützt am besten vor Impotenz

Diabetes-Folgeschäden

Gute Blutzuckereinstellung schützt am besten vor Impotenz

Berlin
– Diabetes mellitus ist die häufigste Ursache für Potenzstörungen –
jeder zweite männliche Diabetespatient leidet unter Erektionsproblemen.
Die beste Therapie, die Potenz zu erhalten und eine beginnende
Erektionsstörung zu stoppen, ist eine gute Blutzuckereinstellung. Darauf
weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin. Wer erste Anzeichen
bemerkt, sollte daher seinen Lebensstil überprüfen und erwägen, eine
psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen.

Ein
überhöhter Blutzuckerspiegel schädigt mit der Zeit die Blutgefäße. Die
Folgen davon sind Durchblutungsstörungen. Sie machen sich oft zuerst an
den Füßen bemerkbar, die sich taub anfühlen und unempfindlich gegenüber
Berührungen werden. „Danach stellen sich bei Männern häufig auch
Erektionsprobleme ein“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel,
Präsident der DDG. Bleibt eine ausreichende Erektion in rund 70 Prozent
der Versuche aus und halten die Probleme mindestens sechs Monate an,
sprechen Ärzte von einer „erektilen Dysfunktion“.

Doch
so lange sollten Diabetespatienten keinesfalls warten, bis sie ihren
Arzt aufsuchen. „Denn die beste Therapie, die Potenz zu erhalten oder
eine beginnende Erektionsstörung nicht schlimmer werden zu lassen, ist
eine gute Blutzuckereinstellung“, sagt Siegel. Experten gehen heute
davon aus, dass eine schlechte Einstellung auch vorübergehend
Erektionsprobleme hervorrufen kann – Patienten können damit selbst aktiv
zur Therapie beitragen.

Wie
die Blutzuckereinstellung verbessert werden kann, besprechen die
Patienten mit dem Diabetologen. Die DDG rät, zunächst den Lebensstil zu
überprüfen: Rauchen ist sehr abträglich, übermäßiger Alkoholkonsum
ebenfalls. Positiv auf den Blutzuckerspiegel wirken sich hingegen
Bewegung, gesunde Ernährung und Gewichtsreduktion aus. „Sehr effektiv
kann auch eine Beratung sein, wie der Patient die Blutzuckerkontrolle
besser in den Griff kriegt“, fügt Siegel hinzu. Darüber hinaus kann ein
Therapiewechsel helfen, die Werte zu normalisieren.

Bessern
sich die Potenzprobleme dennoch nicht, stehen weitere Maßnahmen zur
Verfügung. Mit Abstand beliebtestes Hilfsmittel sind Tabletten, die
Phosphodiesterase-Hemmer. Sie entspannen die Penismuskulatur, so dass
sich die Blutgefäße besser weiten und die Schwellkörper mit Blut füllen
können. Die gängigen Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil
unterscheiden sich dabei vor allem hinsichtlich Wirkungseintritt und
Wirkdauer. „Ihre Einnahme ist häufig trotz Herzerkrankung möglich“,
erläutert Siegel.

Sind
Tabletten für einen Patienten nicht geeignet, kommen die
Schwellkörperinjektionstherapie (SKAT) oder eine Vakuumpumpe in Frage.
Bei der SKAT gibt sich der Mann vor dem Sex eine erektionsfördernde
Spritze ins Glied, die Vakuumpumpe saugt zusätzliches Blut in den Penis.
Diese Methoden sind heute aber weniger populär, weil sie oft als
unpraktisch empfunden werden. Die Implantation einer Penis-Prothese
sollte nur als letzte Maßnahme erwogen werden.

Über die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG):

Die
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) ist mit über 8.900 Mitgliedern
eine der großen medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften in
Deutschland. Sie unterstützt Wissenschaft und Forschung, engagiert sich
in Fort- und Weiterbildung, zertifiziert Behandlungseinrichtungen und
entwickelt Leitlinien. Ziel ist eine wirksamere Prävention und
Behandlung der Volkskrankheit Diabetes, von der mehr als sechs Millionen
Menschen in Deutschland betroffen sind. Zu diesem Zweck unternimmt sie
auch umfangreiche gesundheitspolitische Aktivitäten.

Neuheit gegen Betrug in der Medizin – ein Magazin

Neues Medizin-Magazin „MedWatch“ deckt betrügerische Therapien auf

Hamburg, 28. Juni 2018.
Das Online-Magazin MedWatch will irreführende und gefährliche
Medizin-Angebote im Internet aufdecken. Am heutigen Donnerstag startet auf www.medwatch.de ein Crowdfunding.
Die Gründer Nicola Kuhrt und Hinnerk Feldwisch-Drentrup, zwei erfahrene
Medizinjournalisten, wollen verlässliche Gesundheitsnews für alle
bieten: Fakten und Informationen statt Quacksalberei,
Verschwörungstheorien und Fakemeldungen. „Wir recherchieren in der
Grauzone des Internets nach betrügerischen und unseriösen
Heilsversprechen“, sagt Feldwisch-Drentrup. „Dabei konfrontieren wir
Behörden mit den Fällen – und verfolgen, inwiefern sie eingreifen.“

„Kokosöl heilt
Krebs“, „Chlorbleiche hilft bei Autismus“ oder „Die Wunderfrucht
Garcinia Cambogia lässt die Pfunde purzeln“: Derartig haltlose Aussagen
finden sich häufig im Netz, gleichzeitig können sie
gesundheitsschädliche oder sogar lebensbedrohliche Folgen haben. Dabei
nutzen immer mehr Menschen „Dr. Google“ bei Gesundheitsfragen.
Doch laut einer Untersuchung der Uni Mainz fühlen rund 45 Prozent der
Befragten sich teils „verwirrter“, als sie es vorher waren. Nach einer
Studie der Central Versicherung schnitten im Jahr 2015 nur knapp 10
Prozent der bewerteten Webseiten mit „sehr gut“ oder „gut“ ab – jede dritte war mangelhaft oder ungenügend.
„Wir sind immer wieder erschrocken, wie schlecht auch viele
professionell gestaltete Gesundheits-Seiten sind“, sagt Kuhrt. „Und wie
dreist viele Geschäftemacher vorgehen.“

Transparenz gegen die ungesunden Seiten des Netzes

Das als gemeinnützig
anerkannte Projekt MedWatch will Reportagen, Interviews und Nachrichten
zu aktuellen Entwicklungen im Gesundheitssystem bieten. Unterstützt
werden die Gründer durch die Journalistenvereinigung Netzwerk Recherche und einen Beirat ausgewiesener
Experten: Hierzu gehören der Pharmakologe Gerd Glaeske, der Mediziner
und Autor Eckart von Hirschhausen oder Gerd Antes, Direktor des
Deutschen Cochrane Zentrums.

In einem Blog hat das
Team erste Recherchen veröffentlicht. In gemeinsamer Kooperation mit dem
ARD-Magazin „Kontraste“ und dem „Stern“ hat es etwa recherchiert, wie der Staat beim Schutz vor gefährlichen Wundermitteln versagt.

Das
Crowdfunding soll MedWatch zukünftig erlauben, das Online-Magazin
aufzubauen und dank der Unterstützung von Lesern unabhängig zu
betreiben. Als Teil der Community von MedWatch können sie auch ihre
eigenen Erfahrungen und Ideen mit einbringen.

Hörverlust im Alter nicht harmlos – Mit einer Stellungnahme von Jean Pütz

Meine persönliche Stellungnahme:

Am Anfang meiner
journalistischen Tätigkeit bei WDR habe ich eine Sendereihe zum Thema
„Die Welt des Schalls“ als Autor, Moderator und Redakteur produziert.
Unter dem Titel „Die Generation der ‚Tauben‘ sprach ich nicht diese
intelligenten Vögel an, sondern den Hörverlust, der sich schon damals –
1973 – abzeichnete. Ursache dafür war, dass die Tonverstärker, die
vordem noch mit Röhren und viel Strom-Energie gespeist wurden, auf
Halbleiter umgestellt wurden. Die Entwicklung der Chip-Technologie, das
heißt auf einem kleinem Silizium-Plättchen konnten tausende von
Transistor-Funktionen untergebracht werden, begünstigte extrem diese
Technologie. Schon damals war absehbar, dass der Mensch keine Grenzen
kennt, wenn Technik es möglich macht. Das gilt besonders für die
Tonverstärker und Verstärker-Boxen. Sie erst machten große Live-Konzerte
der Popmusiker möglich. Schon in den 70er Jahren wurden diese zu
Favoriten der Jugend, wobei die Lautstärke extreme Ausmaße annahm. Hinzu
kam ein Phänomen, welches ich persönlich als „Disk-Jockey-Syndrom“ bezeichnen möchte, weil nicht nur Musiker, vor allen Dingen die
Disk-Jockeys in den Clubs davon betroffen waren. Die extreme Lautstärke
vermindert auch heute noch ihr Hörvermögen, denn der gesetzliche
Schallschutz wurde weitgehend verdrängt.

Das menschliche Ohr, in
seiner Kompliziertheit ein echtes Wunder der Natur, reagiert bei
Lautstärken über 100 dB in einer Art Selbstschutz auf die Dauer mit
hohem Hörverlust. Diesen gleichen die Disk-Jockeys da durchaus, dass sie
trotz ihres geschädigten Hörempfinden die Lautstärke so einstellen, wie
sie diese vor dem Hörverlust empfanden.  Das schaukelt sich mit der
Zeit auf, die Leidtragenden sind die Konzert- oder Diskotheken-Besucher.
So passiert es, dass immer mehr Jugendliche schon im frühen Alter
Probleme mit dem Hören haben. Das verstärkt sich im hohen Alter fort,
deshalb nannte ich diese Sendung „Die Generation der Tauben“. Leider hat
sich nicht viel gebessert und das wird bei den nächsten Generationen
nicht besser. Ich selbst habe aus dieser Erkenntnis schon sehr früh
meine Lehren gezogen, so dass ich heute mit über 80 Jahren noch kein
Hörgerät benötige. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb ich immer
noch meine fünf Sinne zusammen habe.

Die Moral von der Geschicht: Vernunft kann gesund sein. Bitte lesen Sie den folgenden Artikel auch unter diesen Aspekt

pte20190130001 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Hörverlust wirkt sich auf die Kognition aus

Längsschnittstudie mit 10.107 Männern über 62 Jahren liefert Nachweis für erhöhtes Risiko

Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)
Ohr: Gehörverlust beeinflusst Kognition massiv (Foto: pixelio.de, sparkie)

Boston
(pte001/30.01.2019/06:00) – Ein Hörverlust steht mit einem erhöhten
Risiko des Abbaus der kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang. Zu dem
Schluss kommt eine Studie unter der Leitung des Brigham and Women’s
Hospital http://brighamandwomens.org . Ein Hörverlust könnte aber auch helfen, jene Personen zu
identifizieren, bei denen ein höheres Risiko besteht, so die Forscher.

Fähigkeiten lassen nach

Zusätzlich erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse für ein
früheres Eingreifen und eine bessere Prävention. Von einem Hörverlust
sind mehrere zehn Mio. US-Amerikaner betroffen. Weltweit soll die Zahl
der Betroffenen weiter steigen, da auch das Alter der Bevölkerung
zunimmt. Die Forscher haben für ihre Erhebung acht Jahre lang eine
Längsschnittstudie bei 10.107 Männern über 62 Jahren durchgeführt, die
an der "Health Professionals Follow-up Study" http://sites.sph.harvard.edu/hpfs teilnahmen.

Beurteilt wurden die Ergebnisse bei der "Subjective Cognitive Function",
basierend auf Antworten auf einem Fragebogen mit sechs Bereichen, der
2008, 2012 und 2016 beantwortet wurde. Ein Rückgang der subjektiven
kognitiven Funktion wurde als neuer Bericht in zumindest einem Bereich
definiert. Es zeigte sich, dass ein Hörverlust mit einem höheren Risiko
einer subjektiven kognitiven Fähigkeiten in Zusammenhang steht.

Hörgeräte äußerst ratsam

Im Vergleich mit Männern ohne Hörverlust war das relative Risiko eines
kognitiven Abbaus bei Teilnehmern mit einem leichten Hörverlust um 30
Prozent höher. Bei stärker betroffenen Männern war das Risiko um 42
Prozent höher. Bei einem schweren Hörverlust ohne den Einsatz von
Hörgeräten erhöhte sich das Risiko auf 54 Prozent. Die Forscher haben
auch untersucht, ob Hörgeräte einen Einfluss auf das Risiko haben.

Obwohl sich zeigte, dass bei Männern mit schwerem Hörverlust, die
Hörgeräte nutzten, das Risiko bei 37 Prozent lag, konnte kein
statistisch signifikanter Unterschied zu Teilnehmern dieser Gruppe
festgestellt werden, die keine Hörgeräte verwendeten. Eine genaue
Erklärung dafür haben die Forscher derzeit nicht. Sie merken auch an,
dass die Studie auf vorwiegend weiße ältere medizinische Fachkräfte
beschränkt war. Weitere Untersuchungen mit größeren Patientengruppen
seien daher sinnvoll. Zusätzlich beruhten die in "Alzheimer’s &
Dementia" veröffentlichten Ergebnisse auf den Angaben der
Studienteilnehmer.

Himmel über Europa: Messkampagne zur Luftqualität

London, Rom, Madrid, Berlin: Was
aussieht wie eine Bucket List für Städtetrips, ist tatsächlich die
aktuelle Route des Forschungsflugzeugs HALO: Bis Ende Juli untersuchen
Atmosphärenforscher aus ganz Deutschland die Luftbelastung über
europäischen Ballungszentren. Ziel ist es, die Auswirkungen der
Verschmutzung auf die Erdatmosphäre besser verstehen und vorhersagen zu
können. Mit zwei Messinstrumenten haben die Forscher des Karlsruher
Instituts für Technologie (KIT) insbesondere die Konzentrationen von
Ozon und flüchtigen Kohlenwasserstoffen im Blick.

Fokus der aktuellen Messkampagne, welche die
Universität Bremen koordiniert, ist die chemische Charakterisierung der
Verschmutzungen und deren Einfluss auf die Luftqualität in den meist
ländlichen Regionen in den Abgasfahnen der Großstädte. Die
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nutzen dafür das
Forschungsflugzeug HALO des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
(DLR). Die Forschergruppe um Andreas Zahn und Marco Neumaier vom
Institut für Meteorologie und Klimaforschung des KIT ist mit zwei
speziell für Flugzeuge entwickelten Instrumenten vertreten. Eins misst
extrem genau und schnell – mit zehn Messungen pro Sekunde – das reaktive
Spurengas Ozon. „Bodennahes Ozon entsteht insbesondere an sonnigen
Tagen aus Stickoxiden, die beispielsweise aus Autoabgasen stammen, und
trägt maßgeblich zur Bildung des Sommersmogs bei. Interessanterweise
treten die höchsten Ozonkonzentrationen dabei nicht direkt in den
Ballungszentren auf, sondern in den angrenzenden ländlichen Gebieten“,
sagt Andreas Zahn vom IMK. Eine Schlüsselrolle dabei spielen flüchtige
organische Verbindungen, kurz VOCs (von engl. Volatile Organic
Compounds). „Diese Stoffe, dazu zählen unter anderem Aceton, Methanol
oder Benzol, werden entweder von Pflanzen in die Atmosphäre ausgestoßen
oder sind vom Menschen verursacht, etwa Abgase aus dem Verkehr“,
erläutert Marco Neumaier. Das zweite Instrument des KIT, ein
hochkomplexes Protonen-Transfer-Reaktions-Massenspektrometer, kann eine
Vielzahl dieser VOCs in kleinsten Spuren in Echtzeit messen. „Damit ist
das Gerät in der Lage, in 100 Milliarden Luftmolekülen ein einzelnes
Aceton-Molekül nachzuweisen“, so Neumaier.

Die aktuellen Messflüge – mit 52 Flugstunden
bis Ende Juli – sind die erste Phase der  internationalen Messkampagne
„EMeRGe” (steht für „Effect of Megacities on the transport and
transformation of pollutants on the Regional and Global scales”). An
Bord von HALO befinden sich dafür mehr als 15 hochempfindliche
Instrumente zum Messen von Spurengasen und Aerosolpartikeln. Sieben
deutsche Forschungszentren und Universitäten sind an der Kampagne
beteiligt, welche das Institut für Umweltphysik der Universität Bremen
leitet. Die Abkürzung HALO steht für „High Altitude and Long Range
Research Aircraft“ (deutsch: „Hochfliegendes Forschungsflugzeug mit
langer Reichweite“).

Europaweit ergänzende Messungen

Parallel laufen über ganz Europa zusätzliche
Messungen mit weiteren Flugzeugen sowie mit bodengestützten
Messsystemen. Die zweite Phase der Messkampagne wird dann im Frühjahr
2018 Asien in den Blick nehmen und in Taiwan stattfinden.

DFG fördert EMeRGe mit rund sechs Millionen Euro

Weitere Projektpartner sind das
Max-Planck-Institut für Chemie, die Universitäten Mainz und Heidelberg,
die Bergische Universität Wuppertal sowie das Forschungszentrum Jülich.
EMeRGe wird mit rund sechs Millionen Euro von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft (DFG), der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) und dem
DLR bis April 2018 finanziert.

Über HALO

Das Forschungsflugzeug HALO ist eine
Gemeinschaftsinitiative deutscher Umwelt- und
Klimaforschungseinrichtungen. HALO wurde aus Mitteln des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Helmholtz-Gemeinschaft
und der Max-Planck -Gesellschaft beschafft. Der Betrieb von HALO wird
von der DFG, der Max-Planck-Gesellschaft, dem Forschungszentrum Jülich,
dem Karlsruher Institut für Technologie, dem Deutschen
GeoForschungsZentrum GFZ in Potsdam und dem Leibniz-Institut für
Troposphärenforschung in Leipzig (TROPOS) getragen. Das DLR ist zugleich
Eigner und Betreiber des Flugzeugs.

Mücken und Zecken verbreiten hierzulande neue Krankheiten

Mücken und Zecken verbreiten infolge des Klimawandels hierzulande neue Krankheiten

fzm, Stuttgart, November 2018 – Chikungunya,
Leishmaniose, West-Nil- und Krim-Kongo-Fieber: Das sind Krankheiten, von
denen Menschen hierzulande bisher nur bei Reisen in ferne Länder
bedroht waren. Tropenmediziner rechnen damit, dass sie infolge des
Klimawandels in Zukunft auch in Deutschland vermehrt auftreten werden.
In der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg
Thieme Verlag, Stuttgart. 2018) geben Experten der Universität Rostock
einen Überblick über neue Krankheitsbilder und potenzielle Überträger.

Der Anstieg der Temperaturen in Deutschland erhöht die
Überlebenschancen zahlreicher heimischer und bisher exotischer Mücken –
zum Beispiel der Gattungen Aedes, Anopheles, Culex und Phlebotomus. Auch
die Ausbreitungsgebiete von bisher hier nicht heimischen Zecken werden
sich vergrößern, warnt Privatdozent Dr. med. habil. Christoph Hemmer,
Tropenmediziner an der Abteilung für Tropenmedizin und
Infektionskrankheiten der Universität Rostock.

Im Gepäck haben die Insekten und Spinnentiere häufig Viren,
Bakterien oder Parasiten. Steigende Temperaturen verkürzen die
extrinsische Inkubationszeit. So bezeichnen Biologen den Zeitraum
zwischen der Aufnahme der Erreger durch die Mücken bis zur Weitergabe an
ihren Wirt. Bei Außentemperaturen von 20 Grad benötigen
Chikungunya-Viren sieben Tage bis sie im Speichel von Mücken der Gattung
von Aedes nachweisbar sind. Bei 28 Grad ist dies bereits nach drei
Tagen der Fall, so Dr. Hemmer.

Das Chikungunya-Fieber ist nach Ansicht von Professor Dr.
med. univ. Emil C. Reisinger eine weitere exotische Erkrankung, die sich
in Deutschland ausbreiten könnte. Der Leiter der Abteilung für
Tropenmedizin an der Uni Rostock prüft bereits mögliche Impfstoffe*.
Plötzlich einsetzendes Fieber und Gelenkbeschwerden sind erste Symptome
einer Infektion. Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag können
hinzukommen. Auch wenn schwere Verlaufsformen selten sind, können ältere
Menschen an einem Chikungunya-Fieber sterben. Die Gelenkbeschwerden
können viele Monate anhalten.

In Zukunft könnte auch Krim-Kongo-Fieber in Deutschland
auftreten: Die mit hohem Fieber einhergehende Erkrankung, kann zu
tödlichen inneren Blutungen führen und ist bereits in der Türkei
verbreitet. In Europa hat es bisher nur einen Fall in Spanien gegeben.
Die tropische Zecke der Gattung Hyalomma, die als Überträger der
Krankheit gilt, kann mit Zugvögeln nach Deutschland kommen. Steigende
Temperaturen führen dazu, dass sie auch hier länger überlebt und nach
neuen Wirten sucht, so Professor Reisinger

Eine gravierende Ausbreitung von Dengue- und Zika-Fieber, wie
zuletzt in Lateinamerika, befürchtet Dr. Hemmer in Deutschland derzeit
hingegen nicht. Auch die Malaria werde sich in Deutschland nicht wieder
festsetzen, obwohl es hierzulande sechs Arten der Anopheles-Mücke gibt,
die die Parasiten übertragen können. Noch bis in die frühen 1950er-Jahre
kamen im Südwesten und Norden Deutschlands Malariafälle vor. Die
Trockenlegung von Sümpfen und kleineren Gewässern und die räumliche
Trennung von Vieh und Mensch verhindere heute eine Ausbreitung der
Erkrankung, so der Experte.

Das Risiko, dass sich das Westnil-Fieber auch in Deutschland
ausbreitet, steigt nach Einschätzung von Dr. Hemmer jedoch. Auch hier
verweist der Experte auf eine verkürzte extrinsische Inkubationszeit.
Bei einem Anstieg der Außentemperatur von 14 auf 18 Grad benötigen die
Viren nur 22 statt 36 Tage, bis die Mücke die Erreger übertragen kann.
Bei 30 Grad sind dies nur noch fünf Tage. Das West-Nil-Virus hat sich
bereits in Südost-Europa ausgebreitet. Infizierte Zugvögel könnten es
jederzeit nach Deutschland bringen. Eine Infektion beim Menschen geht
mit Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit und Erbrechen einher.
Manchmal tritt auch ein Hautausschlag am Rumpf sowie eine Schwellung der
Lymphknoten auf. Bei einem von 150 Patienten kommt es zu einem schweren
Krankheitsverlauf. Gefährdet sind vor allem Menschen über 50 Jahre,
ferner Patienten, die Kortisonpräparate oder andere Medikamente
einnehmen, die die Immunabwehr schwächen. In diesen Fällen kann die
Infektion eine Hirnhautentzündung auslösen.

Auch Patienten, die sich Leishmanien infizieren, könnten in
Zukunft in Klinik und Praxis eine Rolle spielen. Die Parasiten, die Haut
und innere Organe befallen können, werden durch Phlebotominae
(Sandmücken) übertragen. Die ersten Exemplare dieser Insekten wurden
bereits 1999 im Südwesten Deutschlands nachgewiesen, wahrscheinlich gibt
es sie jedoch dort schon länger. Zwischen 1991 und 2007 gab es
mindestens elf Fälle eines in Deutschland erworbenen Leishmaniose bei
Mensch und Tier. Wenn die inneren Organe befallen sind, verläuft die
Leishmaniose ohne Therapie fast immer tödlich.

Der Klimawandel begünstigt nach Einschätzung der Experten
aber auch die Ausbreitung von heimischen Zecken. In Deutschland sind sie
bereits heute Überträger der Lyme-Borreliose und der
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Die FSME, die lange nur in
Süddeutschland verbreitet war, hat inzwischen auch den Norden erreicht.

C. J. Hemmer et al.:
Mücken und Zecken als Krankheitsvektoren: der Einfluss der Klimaerwärmung.
DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift 2018; 143 (23); S. 1714–1722

Schulessen: Vielfalt und Qualität müssen besser werden

Schulessen in Deutschland

Auch wenn die Schulverpflegung auf einem guten Weg ist, lassen sowohl
Vielfalt des Angebots als auch Qualität teilweise zu wünschen übrig. Das hat eine Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg ergeben. Die Wissenschaftler hatten im Auftrag des Bundesernährungsministeriums bundesweit 1.553 Schulleitungen und 212 Schulträger sowie 12.082 Schüler unterschiedlicher Schulformen befragt.

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verbessert. Jede dritte Schule hat ein Salatbuffet eingerichtet und über 70 Prozent bieten kostenlose Getränke wie Wasser oder ungesüßte Tees zum Essen an. Häufig kommt aber zu viel Fleisch und zu wenig Gemüse sowie Fisch auf den Tisch. Viele Gemüsearten sind zudem nicht für lange Transport- und
Warmhaltezeiten geeignet, kritisieren die Wissenschaftler.

Während in Grundschulen meist nur ein Gericht zur Verfügung steht, ist das Angebot in weiterführenden Schulen größer. In nur 39 Prozent der Schulen dauert die Mittagspause länger als 45 Minuten, wie es die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt.

Die befragten Schüler bewerten das Essen in der Schule im Durchschnitt als „gut“ bis
„befriedigend“. Die Wünsche und Vorschläge reichen von persönlichen Essenswünschen über Anmerkungen zur Sauberkeit und Hygiene bis zur Raumgestaltung. Ein begrüßenswerter Trend: Die Jungen und Mädchen möchten mehr Mitsprache und Neues ausprobieren.

„Bei Kindern und Jugendlichen ist eine vollwertige Ernährung besonders wichtig, da
sie noch im Wachstum sind“, erklärt Ernährungswissenschaftler Harald Seitz vom aid infodienst, Bonn. Der Speiseplan sollte gewährleisten, dass alle Nährstoffgruppen in ausreichenden Mengen vorhanden sind. „Wenn Kinder beim Essen oder der Pausengestaltung mitentscheiden und mitmachen dürfen, erhöht das die Akzeptanz des Mittagsangebots“, so Seitz. Nach dem DGE-Qualitätsstandard für die Schulverpflegung gehören jeden Tag Gemüse, Salat oder Rohkost und Trink- sowie Mineralwasser auf
den Tisch. Dazu mindestens zweimal die Woche Obst- und Milchprodukte, Fleisch maximal zweimal, Seefisch mindestens einmal wöchentlich. Ziel ist unter anderem, dass dieser Qualitätsstandard verbindlich wird und sich Schulträger und Anbieter einer qualitativ hohen Schulverpflegung verpflichten müssen.
Heike Kreutz, (aid)

aid: Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der gemeinnützige Verein löste sich 2016 auf.

Magnetkugeln statt Elektroden

Gehirnstimulation: Magnetkugeln statt Elektroden

Nanopartikel ins Gehirn injiziert – Hilfe bei Parkinson, Alzheimer und Co

Gehirnstimulation: Nanopartikel statt Elektroden genutzt (Foto: web.mit.edu)
Gehirnstimulation: Nanopartikel statt Elektroden genutzt (Foto: web.mit.edu)

Cambridge (pte007/13.03.2015/10:30) –

Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) http://web.mit.edu haben mit winzigen vibrierenden Partikeln ein neues Verfahren zur
Stimulierung des Gehirns entwickelt. Dieses Verfahren ist ein neuer
Ansatz der Tiefenhirnstimulation, bei der Elektroden im Gehirn
angebracht werden, die rasche Impulse schwachen elektrischen Stroms
abgeben. Der Ansatz könnte bei Parkinson, Alzheimer, Zwangserkrankungen
und Depressionen helfen.

Aktivierung von Rezeptoren

Das Team um Polina Anikeeva wurde von Proteinen
inspiriert, die dem Menschen ermöglichen, würzige Speisen zu schmecken.
Anikeevas Ziel war es, ohne Elektroden auszukommen und zusätzlich besser
auf bestimmte Gehirnareale abzuzielen. Das Nervensystem des Menschen
ist mit zellulären Rezeptoren übersät. Diese TRPV1-Rezeptoren reagieren
auf Hitze und Schmerz.

Die Wissenschaftlerin fragte sich jedoch, ob diese
Rezeptoren auch anders aktiviert werden können. Laut Anikeeva führen
scharfer Pfeffer und Hitze zu den gleichen Empfindungen auf der Zunge.
Verantwortlich dafür ist das gleiche Protein. Die Experten injizierten
magnetische Nanopartikel in eine bestimmte Gehirnregion von drei Mäusen.
Danach wurden die Gehirne mit niederfrequenten Magnetfeldern
stimuliert.

Diese Felder wurden zuerst in eine Richtung angewendet
und dann in eine andere. Die Nanopartikel gaben Hitze ab, als sie
versuchten, sich wieder an das Feld anzupassen. Diese Hitze wurde von
den TRPV1-Rezeptoren naheliegender Neuronen aufgegriffen. Die Folge
waren eine Aktivierung und die Weitergabe elektrischer Signale.

Langfristiger Nutzen als Ziel

Einem "Science"-Bericht http://sciencemag.org zufolge waren die Nanopartikel auch noch einen Monat später in der
Lage, das Gehirn zu stimulieren. Das Team beobachtet die Tiere derzeit,
um herauszufinden, wie lange dieser Effekt anhält und wie sicher dieses
Verfahren langfristig ist. Die eingesetzten Nanopartikel sind bereits
für den Einsatz bei Patienten zugelassen.

Die Partikel kommen bereits zum Beispiel bei MRT-Scans
oder der Behandlung von Krebs zum Einsatz. Bisher konnten laut Anikeeva
keine Nebenwirkungen festgestellt werden. Das Verfahren soll in Zukunft
dahingehend verbessert werden, dass verschiedene Partikel in
Gehirnregionen injiziert werden können.

Jeder Partikel würde dann auf eine eigene Amplitude und
Frequenz der Schwingungen des Magnetfelds reagieren. Damit würde es
möglich, eine Gehirnregion zu stimulieren und dann eine andere. Ziel ist
es, die Auswirkungen zu erforschen. Ludvic Zrinzo vom University
College London zufolge sind diese Möglichkeiten vielversprechend.

Zrinzo ist jedoch skeptisch, ob die
Tiefenhirnstimulation ersetzt werden kann. Bei der Injektion von
Partikeln in das Gehirn handle es sich zudem immer noch um einen
Eingriff. Zusätzlich handle es sich bei der Tiefenhirnstimulation um ein
sehr einfaches Verfahren. "In der klinischen Praxis sind es gerade die
einfachen Ansätze, die häufig am besten funktionieren."

Übergewicht fördert Nierenkrebs – vor allem bei Frauen

Einfluss des Körpergewichts erneut bestätigt

Potsdam (pte/16.08.2005/09:50) – Frauen mit starkem Übergewicht haben –
unabhängig von der Köperfettverteilung – ein um 68 Prozent erhöhtes
Risiko, an Nierenkrebs (Nierenzellenkarziom) zu erkranken. Bei
übergewichtigen Männern steigt das Risiko einer Nierenkrebserkrankung
nicht, allerdings spielt bei ihnen die Köperfettverteilung, vor allem
die Größe des Taillenumfangs, eine wichtige Rolle. Zu diesem Ergebnis
kommt die europaweite EPIC (European Prospective Investigation into
Cancer an Nurtrition)-Studie, an der Epidemiologen des Deutschen
Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE)
http://www.dife.de maßgeblich beteiligt sind.

In der Studie untersuchten die Wissenschaftler 348.550 Personen aus
acht europäischen Ländern. Der Frauenanteil der Gruppe betrug 68
Prozent. Es wurden Daten zu Körpergröße, Körpergewicht, Body Mass Index
(BMI) sowie Taillen- und Hüftumfang erhoben. Die Analyse der Daten
basiert auf einer sechsjährigen Nachbeobachtungszeit in der 287
Personen neu an Nierenkrebs erkrankten. Das Ergebnis zeigt, dass bei
Frauen nur das Körpergewicht an sich, bei Männern aber die Art der
Körperfettverteilung bei der Erkrankung eine Rolle spielt. Danach haben
Männer mit geringem Hüft- und größerem Taillenumfang im Vergleich zu
gleichgewichtigen Männern ein höheres Risiko, an Nierenkrebs zu
erkranken.

"Welche Mechanismen den beobachteten Zusammenhängen zwischen
Körpergewicht, Körperfettverteilung und Nierenkrebs zu Grunde liegen
und warum das Geschlecht einen so wesentlichen Einfluss auf das
Krebsrisiko hat, ist noch nicht eindeutig geklärt", so Professor
Boeing, Leiter der Potsdamer EPIC-Studie. Ältere Studien haben bereits
einen Zusammenhang zwischen hohem Übergewicht und einem erhöhten
Nierenkrebsrisiko nachweisen können, allerdings waren die bisherigen
Ergebnisse bezüglich geschlechtsspezifischer Unterschiede nicht
eindeutig. Außerdem waren nur zwei Studien bekannt, die sich nicht nur
mit dem Einfluss des Körpergewichts sondern auch mit der Verteilung des
Körperfetts beschäftigten.

Diabetesbedingte Sterblichkeit in Deutschland dramatisch hoch

Diabetesbedingte Sterblichkeit in Deutschland dramatisch hoch

Deutsche Diabetes Gesellschaft fordert gesundheitspolitische Maßnahmen


Berlin
– Gut ein Fünftel aller Todesfälle in Deutschland geht aller
Wahrscheinlichkeit nach auf das Konto von Diabetes mellitus. Das ist das
Ergebnis einer Studie des Deutschen Diabeteszentrums (DDZ), die
kürzlich in der Fachzeitschrift „Diabetes Care“ veröffentlicht worden
ist. In der Konsequenz richtet die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
einen dringenden Appell an die politisch Verantwortlichen, zügig
wirkungsvolle Maßnahmen zur Verhältnisprävention umzusetzen. Hierzu
gehören beispielsweise die Mehrwertsteuerbefreiung für gesunde
Lebensmittel sowie der „Nationale Diabetesplan“ zur Verbesserung der
medizinischen Versorgung.

Bislang
gab es nur Schätzungen zur diabetesbedingten Sterblichkeit in
Deutschland, da umfangreiche Patientendaten fehlten. Doch seit 2014
stehen Wissenschaftlern Routinedaten der Gesetzlichen Krankenkassen zur
Verfügung, die etwa 90 Prozent der deutschen Bevölkerung abbilden. Sie
wurden jetzt erstmals ausgewertet und zeigen: Jeder fünfte Todesfall ist
mit Diabetes assoziiert. „Das sind fast zehnmal mehr Menschen als
bislang angenommen“, kommentiert DDG Präsident Professor Dr. med. Dirk
Müller-Wieland die neuen Erkenntnisse.

Aufgrund
der dramatischen Zahlen fordert die DDG wirksame gesundheitspolitische
Maßnahmen. Dazu gehört ein gestuftes Mehrwertsteuersystem für
Lebensmittel – ungesunde Produkte mit einem hohen Anteil an Zucker, Fett
und Salz sollten teurer werden, gesunde Lebensmittel wie Obst und
Gemüse hingegen von der Mehrwertsteuer befreit werden. Zudem sollte die
Politik ein Verbot für an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde
Lebensmittel erlassen, verbindliche Standards für eine gesunde
Schulverpflegung und täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kitas
und Schule einführen. „Diese Maßnahmen würden bewirken, dass künftig
immer weniger Menschen an Diabetes erkranken. Das wiederum würde auch
das Gesundheitssystem Deutschlands massiv entlasten", betont DDG
Geschäftsführerin Barbara Bitzer.

Darüber
hinaus fordert die DDG einen „Nationalen Diabetesplan“ für Deutschland.
Die darin aufgeführten Ansatzpunkte zielen auf eine bessere
medizinische Versorgung für Menschen mit Diabetes durch adäquate
Medizinerausbildung und -weiterbildung, eine flächendeckende Versorgung
durch niedergelassene Allgemein- und Fachärzte, eine angemessene
Behandlung und Pflege im Krankenhaus sowie moderne Medikamente und ein
deutschlandweites Diabetesregister. „Damit könnten wir das dramatische
Sterblichkeitsrisiko von Diabetespatienten wirksam reduzieren“, so
Bitzer. Zudem müsse der Beruf der Diabetesberater(in) staatlich
anerkannt werden.

„Die
schockierenden Studienergebnisse zeigen einmal mehr, dass die Politik
jetzt dringend gegensteuern muss, um die Erkrankungszahlen deutlich zu
reduzieren und die Lebenserwartung von Diabetespatienten zu erhöhen“,
bekräftigt auch Professor Seufert von der Abteilung für Endokrinologie
und Diabetologie des Universitätsklinikums Freiburg, zugleich Sprecher
der Kommission Versorgungsforschung und Register sowie Vorstandsmitglied
der DDG, den Maßnahmenkatalog.