Alle Beiträge von Balu

Mehr Sport, weniger Pillen

Mehr Sport, weniger Pillen: Körperliche Aktivität zur Vorbeugung und Therapie von Erkrankungen

fzm, Stuttgart, November 2013 – Sport ist manchmal die beste Medizin. Bei einigen Krankheiten ist körperliche Aktivität sogar wirksamer als Medikamente, so schreibt ein renommierter Sportmediziner in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2013). Er regt an, bewegungsunwilligen Patienten gegebenenfalls Sport per Rezept zu verordnen.
Für Professor Herbert Löllgen, niedergelassener Sportkardiologe aus Remscheid, kann Sport wie ein Medikament verordnet werden: Wie bei einer Arznei gebe es bestimmte Anwendungsgebiete, eine mit der Dosis steigende Wirkung, aber auch Risiken und Nebenwirkungen. Für einige Patienten sei Sport auch kontraindiziert, also nicht geeignet. Jeder Arzt, gleich welcher Fachrichtung, sollte bei jedem Patientenkontakt auch nach regelmäßiger körperlicher Aktivität fragen, fordert Professor Löllgen. „Bewegungsmuffel“ sollten hierbei zu mehr Bewegung im Alltag motiviert werden. Auch ein individuelles Rezept für Bewegung zur Therapie oder Prävention einer Erkrankung sei möglich, setze aber eine eingehende sportärztliche Untersuchung voraus, erklärt Professor Löllgen. Gefolgt von einer individuellen Trainingsberatung erhielten die Patienten damit eine gute Basis ihren Gesundheitszustand zu verbessern.
Nach Auskunft des Experten reichen schon zwei bis zweieinhalb Stunden Sport in der Woche, um eine nachhaltige vorbeugende Wirkung zu erzielen. Dies entspreche einer Walking- oder Jogging-Strecke von etwa 19 Kilometern. Wer mehr trainiert, verbessere zwar seine Leistungsfähigkeit, die präventive Wirkung werde jedoch nicht gleichermaßen gesteigert. Wichtig sei die Umstellung von Inaktivität auf eine mäßige Aktivität. Sie bringt bei vielen Krankheiten die relativ größte Verbesserung oder Risikominderung.
Für Sport gibt es viele Anwendungsgebiete, angefangen beim hohen Blutdruck. In Studien hat körperliche Aktivität den oberen systolischen Wert um fast vier mm Hg und den unteren diastolischen um etwa zweieinhalb mm Hg gesenkt, berichtet der Sportkardiologe. Viele Medikamente seien hier auch nicht besser wirksam. Durch die Blutdrucksenkung beugt Sport langfristig Herzkreislauferkrankungen vor. Doch auch Menschen, die bereits an Herzinfarkt oder Schlaganfall erkrankt sind, können und sollten Sport treiben. Professor Löllgen erwähnt eine Studie, in der durch sehr intensives tägliches Training über ein Jahr eine bessere Wirkung erzielt wurde als mit einer Herzkatheterbehandlung und Einlage eines Stents in eine verengte Herzkranzarterie. Langzeitergebnisse stünden allerdings noch aus.
Selbst Patienten mit Herzschwäche können durch Sport ihre Fitness stärken und die Herzfunktion häufig verbessern. Und nach einem Schlaganfall ist körperliches Training heute ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation. Für Menschen mit arterieller Verschlusskrankheit gibt es für Professor Löllgen kein besseres Mittel als regelmäßiges Gehen, um die Durchblutung in den Beinarterien zu verbessern.
Auch bei Diabetes mellitus, ist regelmäßige Bewegung neben einer Gewichtsabnahme schon lange ein unabdingbarer Bestandteil der Therapie. Schon 15 min täglich waren in einer Studie mit einer Verminderung der Gesamtsterblichkeit um 14 Prozent verbunden, berichtet der Experte. Aber auch Patienten mit Nierenerkrankungen, Menschen mit Asthma und chronischer obstruktiver Lungenkrankheit sowie Krebspatienten profitieren von einem gewissen Sporttraining. Für den Mediziner ist Sport nicht zuletzt ein „psychoaktives“ Medikament gegen Depressionen und zur Steigerung der kognitiven Funktionen.
Neben einem Ausdauertraining – etwa 30 Minuten täglich an fünf Tagen in der Woche – verordnen Sportmediziner wie Professor Löllgen ihren Patienten heute auch ein Krafttraining. Es kann vor allem im Alter den Abbau von Muskelmasse verhindern. Zweimal in der Woche sollten Senioren Übungen zum Erhalt oder zur Verbesserung ihrer Muskelkraft durchführen-, rät der Experte. Selbst wenn der Besuch im Fitnessstudio in der Regel nicht kostenlos ist, gehört körperliche Bewegung zu den preiswerten Mitteln, die anders als Tabletten auch eine Motivationskomponente haben. Professor Löllgen: „Der Patient kann hier eigenverantwortlich etwas für die eigene Gesundheit und Gesunderhaltung tun.“

Papillomviren: Impfung auch für Jungen

Papillomviren: Frauenärztin empfiehlt Impfung auch
für Jungen

fzm, Stuttgart, Dezember 2014 – Humane Papillomviren sind auch in
Deutschland die häufigste sexuell übertragbare Virusinfektion. Neben
Krebserkrankungen des Muttermundes können sie Genitalwarzen bei Frauen und
Männern auslösen. Die seit 2007 in Deutschland empfohlene Impfung ist deshalb
auch für männliche Jugendliche interessant, argumentiert eine Expertin in der
Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag,
Stuttgart. 2014).

Infektionen mit Humanen Papillomviren (HPV) sind für sexuell aktive Frauen
kaum vermeidbar. Etwa 70 bis 80 Prozent infizieren sich, schreibt Dr. Gisela
Gille von der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung. Der eingetragene
Verein von Frauenärzten bietet Informationsveranstaltungen für junge Frauen an,
um die Hemmschwelle zum ersten Frauenarztbesuch zu senken. Bei etwa zehn Prozent
der HPV-infizierten Frauen kommt es zu einer chronischen Infektion, die zu einer
Krebserkrankung fortschreiten kann. Betroffen ist nicht nur der Muttermund,
sondern auch das äußere Genitale. Hier sind die Viren Auslöser von
Genitalwarzen. Sie verursachen in der Regel keine Beschwerden, können laut Dr.
Gille jedoch Ängste und psychosoziale Probleme auslösen. Außerdem sind
Genitalwarzen hoch infektiös. Etwa 70 Prozent stecken ihre männlichen Partner
an, die dann ebenfalls Genitalwarzen an Eichel, Penisstamm oder in der
Dammregion entwickeln.

Die meisten Genitalwarzen verschwinden von selbst. Bei Menschen mit
Abwehrschwäche, aber auch bei starken Rauchern kann sich die Abheilung
verzögern. Gelegentlich bilden sich größere Gewächse, sogenannte
Riesenkondylome. Eine Behandlung ist dann oft langwierig, warnt Dr. Gille, und
merkt an, dass sich die jährlichen Behandlungskosten in Deutschland für
Genitalwarzen etwa auf 49 Millionen Euro belaufen. In seltenen Fällen können die
Viren am äußeren Genital auch Krebs auslösen. Auf 100.000 Frauen kommen pro Jahr
ein bis zwei Krebserkrankungen, die das äußere Genitale, also die Vulva, oder
die Scheide betreffen. Vulvakarzinome haben in den letzten Jahrzehnten um den
Faktor 1,5 zugenommen, berichtet Dr. Gille. Auch jüngere Frauen seien zunehmend
betroffen. Peniskarzinome treten vor allem bei älteren Männern mit einer
Häufigkeit von eins zu 100.000 und Jahr auf.

Genitalwarzen können auch am Anus auftreten. Übertragen werden sie in erster
Linie durch den Analverkehr. Betroffen sind laut Dr. Gille nicht nur
homosexuelle Männer, sondern auch Frauen im mittleren und höheren Lebensalter.
In Deutschland kommen laut Dr. Gille auf 100.000 Personen bis zu drei
Erkrankungen bei Frauen und knapp zwei Erkrankungen bei Männern.

Auch Oralsex kann HPV übertragen. Die Folge kann ein Krebs der Schleimhaut in
Mund oder Rachen sein. Genaue Zahlen gibt es nicht. In den USA sind jedoch
bereits 60 bis 70 Prozent aller Krebserkrankungen in diesem Bereich auf HPV
zurückzuführen. In Europa betrage der Anteil 20 bis 40 Prozent, mit steigender
Tendenz.

Die meisten Krebserkrankungen durch HPV können durch eine Impfung verhindert
werden, die seit 2007 jungen Mädchen und Frauen angeboten wird. Ziel ist in
erster Linie die Vorbeugung von Gebärmutterhalskrebs. Erste Studienergebnisse
aus Australien, Dänemark und Deutschland belegen laut Dr. Gille, dass auch die
Zahl der Genitalwarzen rückläufig ist. Auch Männer erkrankten seltener. Da
allerdings derzeit nur etwa 40 Prozent der Mädchen geimpft werden, können sich
Jungen nicht darauf verlassen, von ihren Sexualpartnern nicht angesteckt zu
werden. Dies gelte auch für Jungen mit homosexueller Orientierung. Dr. Gille
unterstützt deshalb die Empfehlung der Impfkommission von Sachsen, die als
bisher einzige in Deutschland 2013 eine Impfempfehlung für männliche
Jugendliche ausgesprochen hat.

G. Gille et al.:
HPV-induzierte Kondylome, Karzinome und
Vorläuferläsionen – eine interdisziplinäre Herausforderung
DMW Deutsche
Medizinische Wochenschrift 2014; 139 (47); S.2405-2410

Diabetes Typ 1 und Zellersatz für Bauchspeicheldrüse

Wissenschaftler
haben die Signale identifiziert, die die Entwicklung unreifer
Bauchspeicheldrüsenzellen bestimmen. Die im Fachmagazin ‚Nature‘ publizierten
Ergebnisse können den Weg ebnen, um aus Stammzellen Insulin produzierende
Bauchspeicheldrüsenzellen herzustellen – ein wichtiger Ansatz zur
Zellersatztherapie bei Typ-1-Diabetes. Geleitet wurde die Studie von Prof. Dr.
Henrik Semb, der sich kürzlich dem Helmholtz Zentrum München angeschlossen hat.
Im Video erklärt er die Hintergründe der Arbeit: https://vimeo.com/303012751+++ Bitte beachten Sie das Embargo am 28.
November, 19 Uhr MEZ +++

Bei
Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die die Insulin
produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) zerstört. Aktuelle
Ansätze verfolgen das Ziel, diese mit Hilfe von Stammzellen zu ersetzen. Bisher
fußt dieses Verfahren allerdings größtenteils auf empirisch gefundenen
Substanzen, deren genaue Wirkungsweise oft unbekannt ist. „Uns ist es nun
gelungen, die grundsätzlichen Signale herauszuarbeiten, die darüber
entscheiden, ob eine Vorläuferzelle sich zu einer endokrinen – also Hormon
produzierenden – oder zu einer Gerüstzelle entwickelt“, sagt Prof. Dr. Henrik
Semb. Er ist Direktor des Instituts für Translationale Stammzellforschung am Helmholtz
Zentrum München und Professor am Novo Nordisk Foundation Center for Stem Cell
Biology (DanStem) an der Universität Kopenhagen.

“Wie
in einem Flipperautomaten bewegen sich die Zellen im Pankreas hin und her,
wodurch sich ihre Umgebung, die extrazelluläre Matrix, ständig verändert. So
wie sich im Spiel die Punktzahl durch die Kontakte innerhalb des Automaten
erhöht, verändert sich die Entwicklung der Zellen durch das Ausmaß ihrer
Kontakte mit bestimmten Komponenten der extrazellulären Matrix“, erklärt Semb.

Einzelzellanalyse
gibt entscheidenden Hinweis

Durch
ihr dynamisches Verhalten innerhalb der Bauchspeicheldrüse sind die
Vorläuferzellen jedoch schwierig zu studieren. Dieses Problem konnten die
Wissenschaftler nun umgehen, indem sie die Situation experimentell nachbauten:
Sie brachten aus Stammzellen erzeugte Vorläuferzellen einzeln auf Glasplättchen
auf. Darauf aufgedruckt befanden sich verschiedene Proteine der extrazellulären
Matrix.

„Zu
unserer Überraschung stellten wir fest, dass durch den Kontakt mit
unterschiedlichen Matrixproteinen sich die mechanischen Kräfte in den
Vorläuferzellen verändern: Kontakt mit dem Protein Laminin verringerte die
mechanische Spannung in den Vorläuferzellen und steuerte sie in Richtung
endokriner Zellen.“ Umgekehrt führte Kontakt mit dem Protein Fibronektin zu
einer höheren mechanischen Spannung und zur Bildung von Gerüstzellen, die kein
Insulin produzieren.

Durch
weitere detaillierte Untersuchungen konnte das Team um die beiden Erstautoren
Dr. Anant Mamidi und Dr. Christy Prawiro die molekularen Hintergründe dieses
Signalwegs entschlüsseln* und dessen Relevanz bereits in vivo, also während der
eigentlichen Pankreasentwicklung, überprüfen. „Wir können jetzt zahlreiche
Substanzen aus bisherigen Protokollen zur Herstellung von Pankreaszellen
beiseitelassen, bei denen nicht klar war, wie genau sie auf die Zellen wirken.
Stattdessen setzen wir nun Moleküle ein, bei denen wir genau wissen, über
welche spezifischen Komponenten des neu identifizierten Signalweges sie wirken“,
erklärt Henrik Semb. „So können wir diesen Prozess im Labor nachbauen und
versuchen, Insulin produzierende Betazellen nun kosteneffektiv und zuverlässig
aus menschlichen Stammzellen herzustellen. Langfristig möchten wir so Zellen
ersetzen, die durch Krankheiten wie Typ-1-Diabetes verloren gegangen sind.“

Weitere
Informationen

*
Konkret zeigten die Wissenschaftler, dass die Komponenten der extrazellulären
Matrix über einen Integrin-Rezeptor ein Signal in die Zelle hinein senden. Dies
wiederum führt zu Änderungen mechanischer Kräfte, die über das
Actin-Zytoskelett übertragen werden. Das yes-assoziierte Protein (YAP) nimmt
diese Kräfte wahr und schaltet entsprechend spezifische Gene an oder aus. Diese
Signalkaskade bestimmt letztendlich das Entwicklungsschicksal der
Vorläuferzelle. “Besonders spannend ist für uns, dass unsere Daten eine Frage
beantworten, die unser Forschungsfeld seit Jahrzehnten umtreibt“, so Henrik
Semb. „Wie reifen manche Vorläufer zu Gerüstzellen, während andere durch
Aktivierung des sogenannten Notch-Signalwegs zu endokrinen Zellen werden.“ Die
Wissenschaftler zeigen, dass die vermeintlich zufällige Steuerung dieses
Signalwegs in Wahrheit durch den Kontakt der Vorläuferzellen mit der
extrazellulären Matrix und den mechanosensitiven Gen-Regulator YAP vermittelt
wird.

Original-Publikation +++ Embargo 28. November, 19 Uhr MEZ +++

Mamidi, A. & Prawiro, C. et al. (2018): Mechanosignalling via integrins directs fate decisions of
pancreatic progenitors.
Nature, DOI: 10.1038/s41586-018-0762-2

Das
Helmholtz Zentrum München verfolgt als Deutsches Forschungszentrum für
Gesundheit und Umwelt das Ziel, personalisierte Medizin für die Diagnose,
Therapie und Prävention weit verbreiteter Volkskrankheiten wie Diabetes
mellitus, Allergien und Lungenerkrankungen zu entwickeln. Dafür untersucht es
das Zusammenwirken von Genetik, Umweltfaktoren und Lebensstil. Der Hauptsitz
des Zentrums liegt in Neuherberg im Norden Münchens. Das Helmholtz Zentrum
München beschäftigt rund 2.300 Mitarbeiter und ist Mitglied der
Helmholtz-Gemeinschaft, der 18 naturwissenschaftlich-technische und
medizinisch-biologische Forschungszentren mit rund 37.000 Beschäftigten
angehören.

Ziel des Instituts für Translationale
Stammzellforschung (ITS) ist eine Zellersatztherapie bei Typ-1-Diabetes.
Konkret möchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler menschliche
pluripotente Stammzellen (hPSCs) einsetzen, um daraus Insulin produzierende
Betazellen herzustellen. Kurzfristiges Etappenziel dabei ist die sachgemäße
Herstellung der Zellen nach definierten Standards der guten Herstellungspraxis.
Dabei arbeitet das ITS eng mit der Universität Kopenhagen zusammen. 

Helmholtz Zentrum München
Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (GmbH)

Ältere Menschen: Hautkrebs wird oft übersehen

Cambridge (pte/01.12.2010/11:00) – Bei älteren Menschen werden Anzeichen von Hautkrebs seltener untersucht, was zu einem Ansteigen der Todesfälle führt. Zu diesem Ergebnis sind Forscher der East of England Cancer Registry http://www.ecric.org.uk gekommen. Bei den über 65-Jährigen hat sich die Sterberate durch Melanome in den letzten 30 Jahren verdreifacht. Bei älteren Menschen wird der Krebs eher erst diagnostiziert, wenn er sich bereits ausgebreitet hat. Gefährlichste Form von Hautkrebs Cancer Research UK http://www.cancerresearchuk.org empfiehlt, dass auch ältere Menschen Veränderungen der Haut genau beobachten und gegebenenfalls zum Arzt gehen sollten. Maligne Melanome sind die gefährlichste Form von Hautkrebs und stehen mit der Menge an Sonne in Zusammenhang, der ein Mensch Zeit seines Lebens ausgesetzt war. Das bedeutet, dass Menschen über 65 Jahren wahrscheinlich eher erkranken. Anders als bei jungen Menschen zeigen die Daten der Cancer Registry, dass die klassischen Anzeichen eines gefährlichen Muttermales genauso wie eine Reihe anderer Veränderungen übersehen werden. Werden die Veränderungen des Muttermals offensichtlich, ist der Krebs meist weiter fortgeschritten und bereits viel schwerer zu behandeln. Bewusstsein der Älteren verbessern Jem Rashbass, der Direktor der East of England Cancer Registry, erklärte, dass das generelle Bewusstsein der Bevölkerung in dieser Personengruppe verbessert werden sollte. Die Daten machten sichtbar, dass seit 1997 bei deutlich mehr älteren Menschen maligne Melanome festgestellt wurden als bei Personen unter 65 Jahren. Die Sterberate stieg bei älteren Menschen von 4,0 pro 100.000 im Jahr 1979 auf 11,4 im Jahr 2008. Die Sterbezahlen bei Menschen zwischen 15 und 65 blieben im gleichen Zeitraum stabil.

Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs

Präzisionsbestrahlung bei Prostatakrebs: HYPOSTAT-Studie wird ausgeweitet

Neue Ergebnisse, neue Förderung, neue Zentren und neue Einschlusskriterien mit jüngeren Patienten

Bei jedem
zehnten Mann über 50 wird in Deutschland mittlerweile ein
Prostatakarzinom diagnostiziert. Das macht Prostatakrebs zur häufigsten
Krebserkrankung des Mannes. Kein Wunder also, dass sich aktuell mehrere
deutschlandweite Studien mit einer Einschätzung und Verbesserung
bestehender und neuer Therapiemethoden für diese Krebsart beschäftigen.
Die aktuell von den Universitätskliniken Schleswig-Holstein (UKSH),
Frankfurt (KGU), Rostock (UMR) und Greifswald (UMG) sowie den Saphir
Radiochirurgie Zentren durchgeführte HYPOSTAT-Studie beschäftigt sich
mit genau diesem Thema. Die HYPOSTAT-Studie befasst sich als erste und
bisher einzige Studie in Deutschland mit einer neuen Form der
kurzzeitigen hochdosierten Strahlenchirurgie mithilfe eines seinen
robotergestützten Linearbeschleunigers zur Radiochirurgie für die
Behandlung von Prostatakarzinomen, dem sogenannten „CyberKnife“. Im
Rahmen der HYPOSTAT-Studie wird die Prostata mit dem CyberKnife mit
besonderer Präzision bestrahlt und die Gesamtzahl der
Einzelbestrahlungen auf fünf Sitzungen innerhalb ein bis zwei Wochen
reduziert.

Dabei ist
die extrem hypofraktionierte Strahlenchirurgie beim Prostatakrebs kein
neues Behandlungskonzept. Bereits seit über 15 Jahren wird in den USA
aktiv diese Behandlungstechnik geprüft, die auf der Annahme basiert,
dass eine hochdosierte kurzzeitige Strahlentherapie für die Prostata
biologisch vorteilhafter ist, als eine konventionelle fraktionierte
Strahlentherapie. Diese Annahmen beruhen auch auf den guten Ergebnissen
der Hochdosis-Brachytherapie aus dem UKSH, Campus Kiel, seit den
1990er-Jahren. Die Daten aus den USA werden regelmäßig publiziert und
sind ebenfalls Grundlage der HYPOSTAT-Studie, besonders die Daten von
Dr. Alan Katz aus New York, der als Berater der HYPOSTAT-Studie im
November vergangenen Jahres zu Gast in Kiel und Frankfurt war.

Jüngst
wurden nun zum ersten Mal auch direkte Vergleichsstudien zwischen
CyberKnife-Strahlenchirurgie und konventionell fraktionierter
Strahlentherapie publiziert. Die Daten aus Polen zeigten für die
Strahlenchirurgie eine deutlich geringere Grad-2-Nebenwirkungsrate von
3-12 Prozent gegenüber 18-42 Prozent für die konventionelle
Strahlentherapie. Die Auswertung der Tumorkontrolle steht noch an, aber
die biologische Strahlendosis in der Prostata war deutlich höher bei den
strahlenchirurgischen Behandlungen. Die dadurch resultierenden höheren
Tumorkontrollraten bestätigten sich bereits bei den ersten Auswertungen
von 400 behandelten Patienten am CyberKnife in Polen. Die mediane
Nachsorgezeit war mit 15 Monaten zwar noch kurz, aber die
Tumorkontrollrate lag bei 97,75 Prozent mit nur einem Prozent lokaler
Rezidiv-Rate in der Prostata. Zudem konnte nachgewiesen werden, dass der
PSA Verlauf nach Strahlenchirurgie mit zusätzlicher Hormontherapie sich
nicht von dem ohne Hormontherapie unterscheidet, so dass auf eine
zusätzliche Hormontherapie nach Strahlenchirurgie verzichtet werden
kann.

„Die Daten
aus Polen bestätigen unsere Annahmen und befürworten die HYPOSTAT-Studie
umso mehr“, sagt Prof. Dr. Jürgen Dunst, Direktor der Klinik für
Strahlentherapie des UKSH und HYPOSTAT-Studienleiter. „Bislang waren
alle Patienten sehr zufrieden und die Nebenwirkungen erwartungsgemäß
gering, aber wir stehen im Vergleich zu anderen Ländern leider erst am
Anfang“, so Prof. Dunst weiter. Die Studie wurde anfänglich durch das
Universitätsklinikum Schleswig-Holstein und die Saphir Radiochirurgie
Zentren alleinig finanziert, jedoch konnte nun eine Förderung der Dr.
Ruranski-Stiftung dazugewonnen werden. „Wir sind besonders froh über die
Förderung, da wir dadurch mehr Möglichkeiten haben, die Studie weiter
auszubauen. Erfreulich ist auch, dass die neue S3-Leitlinie für die
Behandlung von Prostatatumoren die Erprobung der Strahlenchirurgie in
klinischen Studien ausdrücklich empfiehlt“, erklärt Prof. Dunst.

Bislang war
die HYPOSTAT-Studie nur für Patienten über 70 Jahre zugänglich, jedoch
soll nun aufgrund der neuen Daten und dem Ende der großen PREFERE-Studie
die Altersgrenze auf 60 Jahre reduziert werden. „Die Änderung der
Einschlusskriterien wurde vor kurzem vom Bundesamt für Strahlenschutz
genehmigt“, so Dr. Oliver Blanck, Studienkoordination der
HYPOSTAT-Studie. „Zudem haben wir die Studie für weitere
Radiochirurgie-Zentren in München, Berlin und Köln geöffnet, um so die
Prostata-Strahlenchirurgie in Deutschland flächendecken zu evaluieren“,
so Dr. Blanck weiter.

Zweiter Jahrestag des Super-GAUs von Fukushima

Zweiter Jahrestag des Super-GAUs von Fukushima

Zwei Jahre nach Beginn der nuklearen Katastrophe an der Nordostküste Japans steht fest, dass diese für den Betreiberkonzern TEPCO keine ernsthaften Folgen hat. Strafrechtliche Konsequenzen gibt es nicht. Der Staat sprang vielmehr mit erheblichen finanziellen Mitteln ein, um den Atom-Konzern vor dem wirtschaftlichen Konkurs und die Profite der Großaktionäre vor dem Niedergang zu retten. Weder die für die Katastrophe Verantwortlichen noch die Aktionäre des Konzerns mussten haften. Lediglich einige Manager wurden ausgetauscht.

Für die mehreren Millionen Menschen, darunter ca. 300.000 Kinder, in den verstrahlten Gebieten rund um das explodierte Atomkraftwerk, sieht die Situation anders aus. Sie bleiben nach wie vor ohne Hilfe sich selbst überlassen. Weit über ein Drittel der von freiwilligen Ärzten untersuchten Kinder in der Region weisen Anomalitäten in den Schilddrüsen auf, eine mögliche Vorstufe von Schilddrüsenkrebs. Bei mehreren Personen gibt es schon den Verdacht auf Schilddrüsenkrebs, drei von ihnen wurden bereits operiert. Ein Zusammenhang mit dem radioaktiven Fallout wird vom regierungsnahen Gesundheitskomitee bestritten. Hohe Strahlungswerte werden in der ganzen Region Fukushima gemessen. Diese liegen um ein Vielfaches höher als die für Beschäftigte der Atomindustrie geltenden Grenzwerte. Lebensmittel aus den verstrahlten Gebieten werden im großen Stil umdeklariert und gelangen immer häufiger in den Handel. Die Dekontaminierung läuft schleppend, verstrahltes Erdreich wird unter Plastikplanen unter freiem Himmel gelagert, teilweise in den Vorgärten der Anwohner. Gefahren werden vom TEPCO-Konzern und von der Regierung heruntergespielt. Eine unabhängige Gesundheitsbetreuung und -beratung ist nur in einer von Nichtregierungsorganisationen wie "Mütter von Fukushima" selbst gegründeten Klinik möglich. Axel Köhler-Schnura, Gründungsstifter und Vorstand von ethecon: "Wenn Millionen von Menschen vorsätzlich in hoch-radioaktiv verstrahlten Gebieten zurück gelassen werden und sich selbst überlassen bleiben, dann ist das pure Barbarei. Wenn die Verantwortlichen für die Menschheitskatastrophe in Fukushima nicht zur Rechenschaft gezogen werden, dann ist das hochgradig kriminell."

Zugleich dauert der Super-GAU an. Nach wie vor ist die Kernschmelze in den Katastrophenreaktoren von Fukushima in Gang und kann jeden Moment außer Kontrolle geraten. Auch steht das Abklingbecken des explodierten AKW mit sage und schreibe 1.535 Brennstäben auf nur noch zwei Wänden, in denen sich bereits große Risse zeigen. Ein – jederzeit möglicher – Einsturz wird eine weitere atomare Katastrophe auslösen, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen wird. Selbst die Multi-Millionenmetropole Tokio, die etwa 250 km entfernt liegt, würde verstrahlt werden.

ethecon – Stiftung Ethik & Ökonomie fordert die Haftung der Großaktionäre und die Bestrafung der Entscheidungsträger des Energiekonzerns. Diese trafen Fehlentscheidungen, ohne die es gar nicht erst zu der Nuklearkatastrophe hätte kommen können. Dazu gehören bekannte bauliche Mängel und Einsparungen in den Bereichen Sicherheit und Wartung. Für die Konsequenzen der von ihnen verschuldete Katastrophe müssen die Konzernmanager zur Rechenschaft gezogen werden.

Zusammen mit Sayonara Genpatsu (Atomkraft nein danke), einer atomkritischen japanischen Organisation in Düsseldorf, ruft ethecon am 09. März 2013 zu einer Demonstration auf. Düsseldorf ist das "Europa-Zentrum" der japanischen Exportwirtschaft. Sayonara Genpatsu hat sich im Jahr 2012 innerhalb der japanischen Gemeinde in Düsseldorf anlässlich des ersten Jahrestages der Fukushima-Katastrophe gegründet. Es ist ein Zeichen tiefer Besorgnis in der japanischen Bevölkerung, wenn es auch im Ausland zu Protesten japanischer Staatsangehöriger gegen die Atompolitik der heimischen Regierung kommt. Wobei man wissen muss, dass auch in Düsseldorf Fukushima-Flüchtlinge gestrandet sind.

Die Stiftung ethecon hat im November 2011 den Vorstandsvorsitzenden Tsunehisa Katsumata, den ehemaligen Konzernpräsidenten Masataka Shimizu und seinen Nachfolger Toshio Nishizawa sowie die GroßaktionärInnen des Energieversorgungs-Konzerns TEPCO mit dem Internationalen ethecon Black Planet Award 2011 an den Pranger gestellt. Im Juni 2012 war eine Delegation der Stiftung in Japan und hat sich dort ein eigenes Bild von der Lage in Fukushima gemacht. Der ethecon Schmähpreis wurde in Kooperation mit japanischen Organisationen und AktivistInnen im Rahmen Aufmerksamkeit erregender Aktionen den Geschmähten in Tokio übergeben. ethecon steht solidarisch an der Seite der japanischen Anti-Atom-Bewegung und fordert den sofortigen Ausstieg aus der Atomtechnologie weltweit. Zugleich verurteilt ethecon das Vorgehen der japanischen Regierung, die zunehmend die Bewegung kriminalisiert und immer repressiver gegen die AktivistInnen vorgeht.

Die ausführliche Begründung für die Verleihung des Internationalen Black Planet Award 2011 findet sich im Dossier über die TEPCO-Verantwortlichen im Downloadbereich der Webseite www.ethecon.org, eine Kurzfassung im Offenen Brief. Eine Möglichkeit, sich mit den japanischen Anti-AKW-AktivistInnen zu solidarisieren, gibt es im Aktionenbereich der ethecon-Webseite.

Die Stiftung ethecon ist vor allem durch die jährliche Vergabe ihrer Internationalen ethecon Blue bzw. Black Planet Awards in Berlin bekannt. Die ethecon Positiv-Preise ehrten in den vergangenen Jahren Diane Wilson/USA (2006), Vandana Shiva/Indien (2007), José Abreu und Hugo Chávez/Venezuela (2008), Uri Avnery/Israel (2009), Elias Bierdel/Österreich (2010), Angela Davis/USA (2011) sowie Jean Ziegler/Schweiz (2012). Die ethecon Negativ-Preise hingegen schmähten jeweils namentlich benannte Manager und AktionärInnen der Konzerne Monsanto/USA (2006), Nestlé/Schweiz (2007), Blackwater (Xe)/USA (2008), Formosa Plastics Group/Taiwan (2009), BP/Großbritannien (2010), Tepco/Japan (2011) und Glencore/Schweiz (2012).

ethecon ist im Gegensatz zu den vielen Konzern-, Familien-, Kirchen-, Partei- und Staatsstiftungen eine der wenigen Stiftungen "von unten", die sich mit ihren derzeit 36 ZustifterInnen und dem Leitmotiv "Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!" in der Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen sieht. Die noch junge Stiftung finanziert sich über Zustiftungen, Spenden und Fördermitgliedschaften.

Junk-Food-Werbung nicht mehr für Kinder

Kommissar droht Konzernen im Fall der Beibehaltung des bisherigen Weges

Brüssel (pte, 20. Jan 2005 17:30) – Aus Brüssel kommen scharfe Töne in
Richtung Lebensmittelindustrie. Die EU-Kommission droht all jenen
Nahrungsmittelherstellern mit Gesetzesmaßnahmen, wenn diese ihre
Junk-Food-Werbung für Kinder nicht einstellen, berichtet der Media
Guardian http://media.guardian.co.uk.
Gesundheitskommissar Markos Kyprianou warnte die Industrie hinsichtlich
der zunehmenden Fettleibigkeit unter jungen Menschen. Selbstregulation
sei der schnellste und effektivste Weg, um auf das Problem aufmerksam
zu machen. Die Konzerne haben laut Kyprianou noch ein Jahr, bevor die
EU die notwendigen Schritte einleitet.

Teil des Problems sei nach wie vor die Wahrnehmung der Fettleibigkeit
als primär US-amerikanisches Problem. Kyprianou verlangt von der
Industrie künftig auch eine bessere Produktkennzeichnung. Die
Zusammenarbeit mit den Regierungen und Gesundheitsorganisationen bei
der Promotion eines gesunden Lebensziels soll zusätzlich erfolgen. Im
März sollen die ersten Gespräche über selbstregulative Standards
erfolgen und Ende des Jahres dann die ersten Ergebnisse vorliegen.

Eingelenkt hat erst kürzlich Kraft Foods und schlägt im Bereich der
Nahrungsmittelwerbung für Kinder unter zwölf Jahren in den USA eine
neue Richtung ein. Bis 2006 soll diese Linie weltweit umgesetzt sein.
Dadurch soll das Konzernimage bei Eltern und „Gesundheits-Fanatikern“
verbessert werden, die sich um die Ernährungsgewohnheiten ihrer
Sprösslinge Sorgen machen. Kraft will künftig keine TV-, Print- und
Radio-Werbung mehr für einige Produktlinien machen, die sich bis dato
direkt an die Zielgruppe der Sechs- bis Elfjährigen gerichtet haben.
Werbeeinschaltungen für Snacks bei anderen Zielgruppen sollen jedoch
bestehen bleiben.
pte berichtete: http://www.pte.at/pte.mc?pte=050114004.

Aussender: pressetext.austria
Redakteur: Franz Ramerstorfer

Krebs durch Übergewicht?

Mehr Erkrankungen, Frauen häufiger betroffen
Vor allem in Nordamerika und Europa sind vermutlich mehr Krebserkrankungen auf Übergewicht oder Adipositas zurückzuführen als bisher angenommen. Im Jahr 2012 standen weltweit 481.000 neu diagnostizierte Krebsfälle mit einem zu hohen Körpergewicht in Zusammenhang, informiert die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC). Der Anteil an allen Krebserkrankungen war mit 3,6 Prozent aber
relativ gering.

Die IARC ist eine Einrichtung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Wissenschaftler hatten Daten zu Krebserkrankungen und Sterblichkeit aus über 180 Ländern ausgewertet und mit einem zu hohen Körpergewicht in Bezug gesetzt, das mindestens für
einen Zeitraum von zehn Jahren bestand. Das Körpergewicht wurde anhand des Körpermassenindex (BMI) eingeschätzt, der sich aus dem Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße ergibt. Bei einem Wert über 30 spricht man definitionsgemäß von Fettleibigkeit, bei einem Wert über 25 von Übergewicht. Der BMI berücksichtigt allerdings nicht, an welchen Stellen im Körper die Fettpolster sitzen. Dabei ist gerade die Verteilung des Körperfetts wichtig, um das Gesundheitsrisiko abschätzen zu können.

Nach den Studienergebnissen entwickeln Frauen offenbar häufiger eine Krebserkrankung infolge von Übergewicht – vor allem Gebärmutterkrebs und Brustkrebs. Das ist möglicherweise auf die Wirkung des Hormons Östrogen zurückzuführen. Zehn Prozent des Brustkrebses nach den Wechseljahren könnten nach Berechnungen der Wissenschaftler durch ein normales Körpergewicht verhindert werden. Generell standen 5,4 Prozent der 2012 diagnostizierten Krebsfälle bei Frauen mit einem zu hohen Körpergewicht in Zusammenhang (345.000). Bei Männern waren es nur 1,9 Prozent (136.000), und sie litten überwiegend an Darm- und Nierenkrebs.

Rund 64 Prozent der mit Übergewicht assoziierten Krebserkrankungen kamen in
Nordamerika und Europa vor, wo ein zu hohes Körpergewicht weit verbreitet ist. In Europa waren über ein Drittel der Fälle in Osteuropa zu finden (66.000). Die wenigsten Krebserkrankungen durch Übergewicht gab es in Afrika südlich der Sahara (7.300). In Deutschland waren 8,9 Prozent der neuen Krebserkrankungen bei Frauen und 3,9 Prozent bei Männern auf ein übermäßiges Körpergewicht zurückzuführen, so die IARC. Weltweit hat sich die Zahl der Übergewichtigen bei Erwachsenen seit 1980 verdoppelt. Dieser Trend könnte Krebserkrankungen in Zukunft fördern, muss aber mit gewichtigeren Risikofaktoren wie Nikotinkonsum und Infektionen in Relation gesetzt werden. (aid)

App macht Störung durch Social Media den Garaus

App macht Störung durch Social Media den Garaus
Anwendung erinnert Smartphone-Nutzer daran, früh ins Bett zu gehen
 
Schlaf: App sorgt für Ruhe im sozialen Netz (Foto: pixelio.de/D. Braun)

Beijing/Kiel (pte003/25.10.2013/06:05) – Der chinesische Entwickler Yang Yuan hat eine neue App programmiert, die es Smartphone-Nutzern erleichtern soll, früh schlafen zu gehen. "I want to sleep early", so der Name der Anwendung, erinnert User daran, tatsächlich zu der Zeit schlafen zu gehen, die sie zuvor festgelegt haben. "Am besten wäre es, zwischen 22 Uhr und 6 Uhr zu schlafen", so Nicola Wendisch, leitende MTA für den Fachbereich Schlafmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein http://www.zip-kiel.de , gegenüber pressetext.

App als umgekehrter Wecker

Die App funktioniert wie ein umgekehrter Wecker: Wer um 22 Uhr schlafen gehen will, hört ab diesem Zeitpunkt alle fünf Minuten ein Signal, das ihn oder sie an den guten Vorsatz erinnert. Im Idealfall gehen die Nutzer auf "schlafen" – damit ist das Handy für die nächsten zwei Stunden abgeschaltet und alle Meldungen in Chats und sozialen Netzwerken gehen lautlos am Smartphone-Nutzer vorüber.

"Die Medien sind im Leben der Menschen so präsent, dass eine solche Anwendung sinnvoll ist", ist Wendisch überzeugt. Aber: Die Nutzer der App müssen selbst Verantwortung tragen, schließlich gibt es auch die Möglichkeit, den umgekehrten Wecker mit der Funktion "ich gebe es auf, früh schlafen gehen zu wollen" auszustellen. Oder das Smartphone zwar abzuschalten, aber am PC oder iPad weiterzusurfen.

Schlaf für Junge besonders wichtig

Laut einer Studie der Chinese Medical Doctor Association http://cmdae.org/en schlafen 14 Prozent der Bevölkerung erst nach Mitternacht, soziale Medien sind dabei ein großer Faktor. Wendisch sieht vor allem Teenager als gefährdet an: "Sehr viele junge Menschen schauen nachts zwei, drei, vier Mal auf ihr Handy – ab dem Alter von zehn Jahren kann man eine solche Abhängigkeit feststellen."

Dabei ist Schlaf im Jugendalter besonders wichtig, wie Wendisch erklärt: "In den Tiefschlafphasen erholt sich der Körper. Noch wichtiger ist der REM-Schlaf, denn während dieser Phase wiederholt das Gehirn, was es tagsüber gelernt hat." Yangs App, die seit August für Android-Nutzer verfügbar ist, richtet sich aber auch an ältere Generationen: Sie wurde laut dem Entwickler für junge Arbeiter und Studenten kreiert.

Social-Media: Manipulation massiv gestiegen

pte20180724002 Medien/Kommunikation, Computer/Telekommunikation

Social-Media: Manipulation massiv gestiegen

Regierung und politische Parteien verbreiten irreführende Kampagnen

Social Media: Fake-News während Wahlen (Foto: pixelio.de/Peter Derrfuss)
Social Media: Fake-News während Wahlen (Foto: pixelio.de/Peter Derrfuss)

Oxford (pte002/24.07.2018/06:05) –

Eine aktuelle Forschungsarbeit von Wissenschaftlern der Oxford University http://ox.ac.uk hat gezeigt, dass die Verwendung von Bots und irreführenden Postings
auf Social-Media-Plattformen im vergangenen Jahr auf globaler Ebene
rasant zugenommen hat. Manipulations-Kampagnen der Regierung sowie von
politischen Parteien sind insgesamt in 48 Ländern entdeckt worden. Vor
allem Fake-News während Wahlperioden verstärken sich zunehmend.

Strategien entwickeln sich weiter

Zwischen 2016 und 2017 sind es lediglich 28 Länder
gewesen, in denen die Forscher eine derartige Aktivität auf sozialen
Netzwerken nachweisen konnten. "Der wesentliche Zuwachs kommt von
politischen Parteien, die Falschinformationen während Wahlperioden
verbreiten", erklärt Samantha Bradshaw, Co-Autorin des Reports. Je mehr
politische Parteien von den Strategien lernen, die beispielsweise
während dem Brexit oder der US-Präsidentenwahl 2016 zur Anwendung kamen,
desto öfter häufen sich Kampagnen, die von Bots geleitet werden und zu
Fake-News führen.

Die Wissenschaftler bezeichnen die Manipulation von
Social Media als kritische Bedrohung des öffentlichen Lebens. Wenn es um
weitverbreitete und professionell koordinierte Manipulation von
sozialen Plattformen geht, liegt Russland im Spitzenfeld. Die Intention
liegt vor allem darin, demokratische Wahlen weltweit zu beeinflussen.
Die Kampagnen verbreiten sich auf typischen Plattformen, wie Facebook
oder Twitter. Doch auch Chat-Anwendungen, wie WhatsApp, Telegram und
WeChat, sind vor derartigen Attacken nicht gefeit.