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Antibiotika: Missbrauch im Tierstall beenden!

Die Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG) fordert in einem Schreiben an Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner, den Deutschen Bauernverband und den Bundesverband Praktizierender Tierärzte ein Ende des massenhaften Einsatzes von Antibiotika im Tierstall. Insbesondere die Verwendung sogenannter �Reserveantibiotika� müsse umgehend verboten werden. Auch die routinemäßige Behandlung ganzer Tierbestände müsse gestoppt werden.

Wörtlich heißt es in dem Schreiben: �In der Intensiv-Tierhaltung werden sieben Mal mehr Antibiotika eingesetzt als in der Humanmedizin. Der übermäßige Einsatz antimikrobieller Substanzen führt zur Entwicklung resistenter Erreger. Immer mehr Menschen sprechen daher auf eine Behandlung mit Antibiotika nicht mehr an � eine mitunter tödliche Gefahr!�.

Philipp Mimkes, Geschäftsführer der CBG: �Wir brauchen eine antibiotika-freie Tierzucht. Letztlich ist dies nur möglich, wenn das System der quälerischen Massentierhaltung, die den exzessiven Einsatz von Bakteriziden erst notwendig macht, durch eine bäuerliche und ökologische Landwirtschaft ersetzt wird�. 

Jan Pehrke vom Vorstand der Coordination gegen BAYER-Gefahren ergänzt: �Besonders kritisch ist die Verwendung von Antibiotika der 3. und 4. Generation zu sehen, da diese als Reserveantibiotika für die Humanmedizin von großer Bedeutung sind. Die Verwendung dieser Präparate in der Tiermast ist überflüssig und nicht zu verantworten. Wir fordern daher ein sofortiges Verbot!�.

Der Leverkusener BAYER-Konzern bietet mit Baytril ein Reserveantibiotikum aus der Klasse der Fluorchinolone für die Tiermast an. Baytril ist eng verwandt mit den in der Humanmedizin verwendeten Wirkstoffen Ciprofloxacin und Moxifloxacin. Erst auf mehrmalige Nachfrage Kritischer Aktionäre hatte der BAYER-Vorstandsvorsitzende in der jüngsten Hauptversammlung die Verkaufszahlen genannt: allein im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit Baytril demnach einen Umsatz von 166 Millionen Euro. 118 Millionen Euro wurden in der Massentierhaltung abgesetzt, der Rest im Haustierbereich.

Wegen der hohen Ansteckungsgefahr werden in der Massentierhaltung meist ganze Bestände behandelt. In einer Produktinformation von BAYER heißt es beispielsweise: �Unter den gegenwärtigen landwirtschaftlichen Bedingungen ist die Anzahl der Tiere pro Stall sehr hoch. Deshalb ist die Behandlung der gesamten Herde und nicht die individuelle Medikation das Mittel der Wahl, um den Infektionsdruck zu mildern und die Ansteckungsgefahr zu senken�.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatte im September erstmals die Menge der in Deutschland verbrauchten Tier-Antibiotika veröffentlicht. Demnach gaben die Pharma-Hersteller im vergangenen Jahr 1.734 Tonnen Antibiotika an Tierärzte ab. Noch vor zehn Jahren wurde weniger als die Hälfte verbraucht.

weitere Informationen zur Kampagne: www.cbgnetwork.org/4487.html

Biologische Vielfalt in der EU gefährdet

pte20150519018 Umwelt/Energie, Forschung/Technologie

EU-Kommission sieht biologische Vielfalt gefährdet

Tierwelt Europas stirbt sehr rasch aus – Verstädterung trägt Mitschuld

(pte018/19.05.2015/10:30) – Die Tierwelt in Europa stirbt sehr rasch
aus, da die artenreichen Lebensräume durch die Verstädterung, intensive
Landwirtschaft, fremde Arten und gewerbliche Forstwirtschaft immer mehr
eingeschränkt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der
Europäischen Kommission http://ec.europa.eu , die diese Woche veröffentlicht werden soll.

Artenvielfalt nimmt drastisch ab

Ziel der Studie ist eine Überprüfung der "Biodiversity Strategy" der EU http://bit.ly/1i2vgXI, die 2012 gestartet wurde. Sie hat zum Ziel, den Verlust der
Artenvielfalt bis zum Jahr 2020 zu stoppen und womöglich eine bereits
verlorene Biodiversität wiederherzustellen. Derzeit sieht es so aus, als
ob die Artenvielfalt weiter abnimmt.

"Wir verlieren und zerstückeln natürliche Lebensräume", so Frank Wugt Larsen von der Europäischen Umweltagentur http://eea.europa.eu . Laut Larsen befanden sich 77 Prozent der artenreichsten Lebensräume
Europas zwischen 2007 und 2013 in einem ungünstigen Erhaltungszustand.
Ähnlich stark betroffen ist die Artenvielfalt. 60 Prozent der
untersuchten Arten befinden sich in keinem guten Zustand.

Schmetterlinge, Bienen, Vögel

Die Zahl an Schmetterlingen, Bienen und Vögel geht zurück. So hat sich
die Population der auf Wiesen lebenden Schmetterlinge zwischen 1990 und
2011 halbiert. 24 Prozent der europäischen Hummelarten sind vom
Aussterben bedroht. Die Studie warnt auch vor einem Rückgang der
bestäubenden Insekten, was Auswirkungen auf die Landwirtschaft haben
könnte. 84 Prozent der europäischen Ernten sind davon abhhängig.

Das gleiche Schreckensbild wird für die Fischbestände und die
Lebensräume in den Meeren gezeichnet. Nur sieben Prozent der Arten und
neun Prozent der Lebensräume können laut der Analyse als in einem guten
Zustand befindlich bezeichnet werden. Laut dem Experten werden viele
Fischvorkommen immer noch über den höchstmöglichen Ertrag hinaus
befischt.

Der Vögelpopulation geht es auch nicht besser. Die Anzahl der Tiere ist
seit 1990 um zwölf Prozent zurückgegangen. Von diesem Rückgang sind die
39 Arten am stärksten betroffen, die auf Feldern leben. Ihre Population
hat insgesamt um 20 Prozent abgenommen. Große Fleischfresser wie der
Braunbär, der Luchs und der Wolf erholen sich langsam. Die
Naturschutzgebiete im Rahmen von "Natura 2000" haben an Umfang
zugenommen. Sie machen laut Larsen derzeit 18 Prozent der EU aus.

Der Natur auf die Finger geschaut

Von
Beschichtungen, die gut haften und sich leicht wieder lösen lassen, bis
hin zu hochempfindlichen biologischen Detektoren – Polymerpelze aus
feinsten Fasern eignen sich für viele verschiedene Anwendungen. Forscher
am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben nun mit
Wissenschaftlern in den USA ein kostengünstiges Verfahren entwickelt, um
maßgeschneiderte Polymer-Nanofasern auf einer festen Unterlage wachsen
zu lassen: Sie bedampfen eine Flüssigkristallschicht mit
reaktionsfähigen Molekülen. Über ihre innovative Methode berichten die
Forscher im Magazin Science. (DOI: 10.1126/science.aar8449)


Oberflächen mit
speziell ausgerichteten feinen Fasern kommen in der Natur häufig vor und
übernehmen verschiedene Funktionen, wie Abtasten, Haften und
Selbstreinigung. So sitzen an den Füßen von Geckos Millionen von
Härchen, die es ihnen ermöglichen, an Oberflächen zu haften und sich
ganz schnell wieder von ihnen zu lösen. Die Nachbildung solcher
Oberflächen aus synthetischen Materialien eröffnet neue Perspektiven für
unterschiedliche Anwendungen. Allerdings sind die bisher verfügbaren
Verfahren zur Herstellung von Polymerpelzen auf festen Unterlagen
kostenaufwendig. Außerdem lassen sich Größe, Form und Ausrichtung der
Fasern bei den konventionellen Methoden nur begrenzt kontrollieren. Zu
diesen zählen das Herauspressen aus einer Düse (Extrusion) oder das Herstellen in einem elektrischen Feld (Elektrospinnen).

Forscher am Institut
für Funktionelle Grenzflächen (IFG) des KIT sowie an der University of
Michigan, der University of Wisconsin-Madison und der Cornell University
in Ithaca/New York haben nun ein einfaches und daher kostengünstiges
Verfahren entwickelt, das Polymerpelze selbstorganisiert wachsen lässt.
In der Zeitschrift Science stellen die Wissenschaftler um Professor
Joerg Lahann, Leiter der Abteilung Neue Polymere und Biomaterialien am
IFG und Direktor des Biointerfaces Institute der University of Michigan,
das neue Verfahren vor: Sie benetzen zunächst einen Träger mit einer
dünnen Schicht von Flüssigkristallen – Substanzen, die flüssig sind und
zugleich richtungsabhängige Eigenschaften haben und die sonst vor allem
für Bildschirme und Anzeigen (Liquid Crystal Displays – LCDs)
verwendet werden. Nach dem Aufbringen wird die Flüssigkristallschicht
mit aktivierten Molekülen bedampft. Diese reaktiven Monomere
durchdringen die flüssigkristalline Schicht und wachsen in Form feiner
Fasern vom Substrat her in die Flüssigkeit hinein.

So entstehen
Polymer-Nanofasern, die sich in Länge, Durchmesser, Form und Anordnung
maßschneidern lassen. Die von ihnen gebildeten komplexen, aber präzise
strukturierten Polymerpelze sind für viele verschiedene Anwendungen
interessant, vor allem für biologische Detektoren sowie für
bioinstruktive Oberflächen, die mit ihrer Umgebung interagieren, und für
Beschichtungen mit neuartigen Eigenschaften. Dazu gehören auch
Oberflächen mit ähnlichen trocken haftenden Eigenschaften wie Geckofüße,
wobei die Haftung bei den Nanofasern auf einer besonderen räumlichen
Anordnung der Atome in den Molekülen basiert (Chiralität – Händigkeit).

Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft (DFG) förderte die Arbeit im
Sonderforschungsbereich (SFB) 1176 „Molekulare Strukturierung weicher
Materie“. Um maßgeschneiderte Materialien geht es auch in dem vom KIT
und der Universität Heidelberg gemeinsam getragenen Cluster 3D Matter
Made to Order (3DMM2O), der ab Januar 2019 in der Exzellenzstrategie des
Bundes und der Länder gefördert wird. Der Exzellenzcluster 3DMM2O, an
dem der Leiter des IFG, Professor Christof Wöll, als einer der
Hauptforscher beteiligt ist, verbindet Natur- und
Ingenieurwissenschaften und fokussiert auf dreidimensionale additive
Fertigungstechniken von der molekularen bis zur makroskopischen
Dimension.

Affen intelligenter als Menschen?

pte20190128001 Forschung/Technologie, Medizin/Wellness

Primaten zeigen ökonomisches Verhalten

Haubenkapuziner sind laut Untersuchung aus Italien zu intelligenten Tauschaktionen fähig

(pte001/28.01.2019/06:00) – Die zu den Kapuzineraffen (Sapajus
apella) gehörenden und vor 35 Mio. Jahren von der menschlichen
Evolutionslinie abweichenden Primaten können die Werte von zum Tausch
gegen Nahrungsmittel geeigneten Gegenständen genau unterscheiden. Das
haben Mitarbeiter des zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden
Istituto di Scienze e Tecnologie della Cognizione http://istc.cnr.it herausgefunden.

Tests mit Kunststoffmünzen

Im Rahmen der Untersuchung wurden zwei verschiedene Tests durchgeführt.
Bei dem einen wurden an die Tiere jeweils vier farbige als Tauschwährung
gedachte Kunststoffmünzen und Metallringe (Token) verteilt. Es handelte
sich jeweils um bereits bekannte wie auch neue Gegenstände, die in
Interaktion mit einem Betreuer eine Belohnung in Form eines Snacks
erbrachten. Zusätzlich wurden sowohl bereits in früheren Tests
verwendete wertlose sowie neue und deshalb noch unbekannte wertlose
Token eingesetzt.

"Wir konnten feststellen, dass die in Südamerika vorkommenden Äffchen
die Bedeutung der wertvollen Token unabhängig von ihrem bisherigen
Einsatz sofort erkannten", verdeutlicht Projektleiterin Elsa Addessi.
Tatsächlich wurden die Belohnung versprechenden Token als erste gewählt
und in Nahrung umgetauscht.

Verzicht auf sofortiges Essen

In einer zweiten Testreihe wurden Snacks verteilt, die mit in der
Werteskala höher angesiedelten Token getauscht werden konnten. Dabei hat
sich gezeigt, dass die Tiere zur Durchführung von für sie günstigen
Tauschaktionen fähig waren. "Die Tatsache, dass auf den sofortigen
Verzehr von Nahrung in Erwartung einer höherwertigen Belohnung
verzichtet wird, setzt eine von Intelligenz gesteuerte Selbstkontrolle
voraus", so Addessi. Sie sei der Beweis dafür, dass durchaus auch
Primaten zu einer der Geldwirtschaft vorgelagerten Tauschgesellschaft
befähigt sind.

Die fachübergreifende wissenschaftliche Forschungsarbeit ist in enger Kooperation mit dem Institute for Advanced Study http://iast.fr in Toulouse und dem Institut Jean Nicod http://www.institutnicod.org in Paris durchgeführt worden. Einzelheiten sind in der internationalen Fachzeitschrift "Animal Cognition" http://animalcognition.org veröffentlicht.

Transparenz bei Lebensmittelkontrollen

Lieferheld und Foodwatch für mehr Transparenz bei Lebensmittelkontrollen

Start der Smiley-Offensive

Berlin (pts011/21.07.2014/11:30) – Die große Mehrheit
der Verbraucher fordert transparente Lebensmittelkontrollen, die Politik
aber setzte entsprechende Regelungen bislang nicht durch. Um dies zu
ändern, startet heute die Smiley-Offensive zur Einführung eines
transparenten Kontrollsystems in der deutschen Gastronomie. Lieferheld,
der führende Anbieter von Online-Essensbestellungen mit mehr als 7000
Partner-Restaurants, ist maßgeblicher Unterstützer der von Foodwatch
organisierten Initiative.

Ziel der Initiative ist die Einführung des
erfolgreichen dänischen Smiley-Systems in Deutschland. Dabei werden alle
Kontrollergebnisse in den gastronomischen Betrieben publik gemacht,
anhand von Smiley-Logos können sich die Verbraucher über die Ergebnisse
der jüngsten Hygienekontrollen informieren. In Dänemark hat sich seit
Einführung des Systems die Zahl der Beanstandungen deutlich reduziert,
denn veröffentlichte Kontrollen setzen die Restaurants in puncto Hygiene
unter einen gewünschten Zugzwang.

Lieferheld möchte seinen Kunden das bestmögliche
Esserlebnis bieten. Transparenz in Sachen Hygiene und
Lebensmittelqualität sind deswegen ausdrücklich gewünscht. Schon heute
können sich die Kunden von Lieferheld anhand von Millionen
Restaurant-Bewertungen der User umfassend über die Essensqualität in den
Restaurants austauschen. Das Smiley-System wäre ein nächster wichtiger
Schritt für noch mehr Transparenz.

Neben Lieferheld wird die Initiative von prominenten
Köchen wie Johann Lafer, Tim Raue, Sarah Wiener, Nelson Müller und
anderen unterstützt. Als einziges Unternehmen in der Branche der
Online-Essensbestellungen unterstützt Lieferheld die Aktion von Beginn
an und startet gleichzeitig eine Kampagne unter seinen
Partner-Restaurants, um dort das Bewusstsein für die Bedeutung hoher
Hygiene-Standards weiter zu schärfen.

David Rodriguez, CEO Lieferheld: "Wir unterstützen die
Initiative zur Einführung des Smiley-Systems, weil wir allen
Lieferheld-Kunden die Suche nach vorbildlichen Lieferdiensten in Sachen
Hygiene und Lebensmittelqualität erleichtern wollen."

Über Lieferheld

Über die Bestellplattform lieferheld.de können Kunden online/mobil Essen
ordern. Besondere Kennzeichen der Plattform sind ein breites Angebot,
TÜV-zertifizierte Qualitätsstandards, Zugriff auf zahlreiche
Restaurant-Bewertungen und bargeldlose Zahlungsoptionen. Die Lieferheld
GmbH ist eine 100 prozentige Tochter der global agierenden Delivery Hero
Holding GmbH, die weltweit mehr als 800 Mitarbeiter in 20 Ländern
beschäftigt, davon ca. 400 in ihrer Berliner Zentrale. Investoren des
Unternehmenssind aktuell Insight Venture Partners, Luxor Capital Group,
Kite Ventures, Team Europe, ru-Net, Tengelmann Ventures, Holtzbrinck
Ventures, Point Nine Capital, Kreos Capital und Phenomen Venture. http://www.lieferheld.de

Über Foodwatch

2002 von Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode gegründet, entlarvt die
Organisation verbraucherfeindliche Praktiken der Lebensmittelindustrie
und kämpft für das Recht der Verbraucher auf qualitativ gute,
gesundheitlich unbedenkliche und ehrliche Lebensmittel. Mit dem
"Goldenen Windbeutel" werden die dreistesten Werbelügen der Branche
gekürt. foodwatch ist unabhängig von Staat und Lebensmittelwirtschaft
und finanziert sich aus Förderbeiträgen und Spenden. http://foodwatch.org

Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test

Vorsorgemöglichkeiten wahrnehmen – Darmkrebsrisiko senken

Darmkrebsvorsorge mit verbessertem Test: Künftig suchen Antikörper nach verstecktem Blut im Stuhl

Berlin
– Ab dem 1. April 2017 erstatten die Krankenkassen einen neuen Test zur
Früherkennung von Darmkrebs. Der bisherige Guajak-Test, der verstecktes
Blut im Stuhl anzeigt, wird durch einen immunologischen Stuhltest
ersetzt – den immunologischen fäkalen Okkultbluttest iFOBT. Dieser
beruht auf einer Antikörper-Reaktion mit dem menschlichen Blutfarbstoff
Hämoglobin und hat sich in Studien als noch zuverlässiger erwiesen als
der Guajak-Test. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie,
Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) rät Menschen ab 50 Jahren
regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen. Der iFOBT sollte ab dem
Alter von 50 Jahren einmal jährlich durchgeführt werden. Spätestens ab
55 Jahren ist alle zehn Jahre eine Darmspiegelung empfohlen.

Dickdarmkrebs
entwickelt sich in der Regel über viele Jahre hinweg aus harmlosen
Vorstufen, den Darmpolypen oder Adenomen. Diese Wucherungen sind zwar
meist zunächst gutartig, neigen aber eher zum Bluten als gesunde
Darmschleimhaut. „Diese Tatsache machen sich die Stuhltests zunutze“,
erläutert Professor Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der
Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Ulm. Die Tests
können winzige, für das Auge nicht sichtbare Blutmengen im Stuhl
nachweisen. Während der Guajak-Test auf einer biochemischen Reaktion mit
dem roten Blutfarbstoff Hämoglobin beruht, weisen die neuen Tests das
Hämoglobin mithilfe einer Antikörper-Reaktion nach. „Weil die Antikörper
nur auf menschliches Hämoglobin reagieren, ist der iFOBT deutlich
weniger störanfällig als der Guajak-Test“, sagt Seufferlein. Dieser
reagiere zuweilen auch auf Blut aus der Nahrung, wenn etwa rotes Fleisch
verzehrt worden sei. Die immunologischen Stuhltests, die jetzt in das
Screening-Programm aufgenommen werden, haben in umfangreichen Studien
bewiesen, dass sie Blutspuren im Stuhl rund zwei bis drei Mal häufiger
erkennen als der bisherige Guajak-Test. Im vergangenen Jahr hat der
Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) daher beschlossen, den neuen Test in
die Krebsfrüherkennungs-Richtlinie aufzunehmen. Ab April 2017 sind die
Tests für Versicherte ab 50 Jahren Kassenleistung.

Beim
Ablauf des Screenings ergeben sich einige Änderungen: Zwar gibt der
Arzt weiterhin den Test an den Patienten aus und erklärt die
Durchführung. Die Auswertung wird künftig jedoch nicht mehr in den
Arztpraxen, sondern in Speziallaboren stattfinden. Wie bisher wird der
Patient nur bei einem positiven Befund kontaktiert. „Eine zentrale
Evaluierung der Ergebnisse wie bei der Vorsorgekoloskopie – also eine
zentrale Auswertung im Hinblick auf Qualität und Nutzen – ist für den
iFOBT seitens des G-BA bislang noch nicht geplant“, sagt Professor Dr.
med. Wolff Schmiegel, Direktor der Medizinischen Universitätsklinik
Knappschaftskrankenhaus Bochum. „Die DGVS empfiehlt unbedingt, dies
nachzuholen: Im Sinne der Qualitätssicherung sollte eine zentrale
Evaluierung der Ergebnisse erfolgen.“

An
den Empfehlungen, wer am Screening teilnehmen sollte, wird der neue
Test nichts ändern: „Frauen und Männern ab 50 Jahren sollten den Test
einmal jährlich durchführen, die Kosten dafür übernimmt die
Krankenkasse“, so Professor Schmiegel. Fällt dieser positiv aus, so muss
zur Absicherung des Ergebnisses eine Darmspiegelung erfolgen.
Spätestens ab dem 55. Lebensjahr ist die Darmspiegelung im Rahmen der
Krebsfrüherkennungs-Richtlinie ohnehin empfohlen. Bei einer
Darmspiegelung können Veränderungen der Darmschleimhaut wesentlich
präziser erkannt werden als mit dem Stuhltest. Die Koloskopie muss –
anders als der Stuhltest – im Falle eines unauffälligen Ergebnisses nur
alle zehn Jahre wiederholt werden. Sie ist nicht nur ein diagnostisches,
sondern zugleich ein therapeutisches Verfahren: Auffällige
Veränderungen, also Darmpolypen aus denen Krebs entstehen könnte,
entfernt der Arzt in der Regel bereits im Rahmen der Untersuchung.

Die
Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und
Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche
Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute
vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der
Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich
wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und
Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs.
Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und
Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen
der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten. Mehr Informationen
finden Interessierte unter
www.dgvs.de oder im aktuellen DGVS-Video.

Energiesicherheit nur im Gesamtsystem

Energiesicherheit nur im Gesamtsystem

EU tritt für finanziellen Ausgleich für Osteuropa ein

(Berlin, 31.10.2012) Die Europäische Kommission sieht die derzeitigen Verhandlungen mit Ministerrat und Europäischem Parlament über erleichterte Investitionen im Energiebereich auf gutem Weg. Das sagte der Generaldirektor für Energie, Philip Lowe, auf dem �17. Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit� beim Bundestag in Berlin. Thema des Expertentreffens war die künftige Sicherstellung der europäischen Energieversorgung. In einer neuen EU-Richtlinie sollen staatliche Regulierung und Genehmigungsverfahren deutlich vereinfacht werden. Lowe hält außerdem �eine Art finanziellen Ausgleich� zugunsten polnischer und tschechischer Netzbetreiber für erforderlich, solange die deutschen Übertragungsnetze auch infolge der Energiewende überlastet seien.

Der Ausbau der transeuropäischen Netze habe für die Europäische Kommission im Energiebereich höchste Priorität, so EU-Kommissar Günther Oettingers höchster Beamter. In der EU dauerten Genehmigungsverfahren für große Infrastrukturvorhaben im Energiesektor durchschnittlich zehn bis zwölf Jahre, erläuterte Philip Lowe. Diese Frist solle auf drei Jahre gesenkt werden. Künftig solle es auf jeder Ebene nur noch eine Genehmigungsbehörde geben. Klagen gegen Projekte sollten auch nur noch in einer Gerichtsinstanz möglich sein. Zudem müssten die nationalen Regulierungsbehörden enger zusammenarbeiten.

Vor Bundestagsabgeordneten und über 50 Sicherheitsfachleuten aus allen Bereichen kündigte Lowe noch für 2012 einen grundsätzlichen Beschluss des Ministerrats zur Entwicklung der Energieinfrastruktur an. Dies schließe strategische Entscheidungen für europäische Stromverbindungen in Nord-Süd-Richtung ein. Auch Kriterien für förderungswürdige Projekte würden aufgestellt. Von den Nordseeanrainern mit hohem Anteil an Windenergie forderte Lowe dazu gemeinsame Vorschläge bis zum März 2013. Die EU-Kommission werde allerdings keine Empfehlungen zur konkreten Trassenführung geben.

Aus Sicht des Vertreters des Bundesumweltministeriums hat die Energiewende allerdings im vergangenen Winter ihren ersten Belastungstest bestanden. Bis 2018 gebe es keinen Bedarf an zusätzlichen Kraftwerken über geplante oder im Bau befindliche hinaus, erklärte Berthold Goeke, Unterabteilungsleiter Klimaschutz. Die Kältewelle im Februar 2012 sei zwar �insgesamt klar beherrschbar� gewesen, erwiderte Dr. Ingo Luge. Dennoch habe es auf lokaler Ebene Probleme gegeben, so der Vorsitzende der Geschäftsführung von EON Deutschland. Er warnte vor einer Überregulierung des Marktes. Auch die großen Energieerzeuger müssten sich auf Rechts- und Planungssicherheit verlassen können.

Den wissenschaftlichen Hintergrund der Debatte lieferte Prof. Dr. Jürgen Schmid. Dank des technischen Fortschritts gebe es inzwischen auch in Süddeutschland enorme Potenziale für Windenergie, so der Experte vom Fraunhofer-Institut für Windenergie und Systemtechnik. Dies müsse bei der Gestaltung einer neuen Netzstruktur berücksichtigt werden. Schmid verteidigte das Erneuerbare-Energien-Gesetz. Dessen zusätzliche Kosten würden niemals mehr als acht Prozent der gesamten Energiekosten betragen. Ab 2025 werde sich die Energiewende finanziell sogar positiv auswirken.

Prof. Dr. Hermann J. Thomann, Vorstandsvorsitzender des Zukunftsforums Öffentliche Sicherheit e.V., unterstrich, dass das Gelingen der Energiewende nicht zuletzt von der konkreten Prozessgestaltung, der europäischen Zusammenarbeit und der Akzeptanz bei der Bevölkerung abhänge. Beiratsvorsitzender des Forums ist 2012 der Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Dr. Konstantin von Notz.

Der gemeinnützige Verein �Zukunftsforum Öffentliche Sicherheit� (www.zukunftsforum-oeffentliche-sicherheit.de) geht auf eine Parlamentsinitiative vom März 2007 zurück und wird von allen fünf Bundestagsfraktionen getragen. Im September 2008 erschien das Grünbuch mit Leitfragen zu unterschiedlichen Herausforderungen an Sicherheit in einer sich wandelnden Gesellschaft. Es wurde erarbeitet von Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft. In den dreimal im Jahr stattfindenden Foren werden die Leitfragen praxisnah bearbeitet. Auf wissenschaftlicher Ebene finden zweitägige Workshops statt, für das das �Forschungsforum Öffentliche Sicherheit� verantwortlich ist (www.sicherheit-forschung.de).

Das „erbliche Cholesterin“

Patienten mit erhöhtem Lipoprotein(a)-Spiegel frühzeitig identifizieren

Regenstauf – Erhöhte LDL-Cholesterinwerte im Blut steigern bekannter Maßen das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Weniger Beachtung findet allgemein ein nicht minder risikoträchtiger Verwandter des „bösen“ Cholesterins: das so genannte Lipoprotein(a). Menschen, die – erblich bedingt – einen erhöhten Lipoprotein(a)-Spiegel haben, können schon in jungen Jahren eine arterielle Gefäßerkrankung entwickeln, warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE).

Fette, die wie das Cholesterin mit der Nahrung aufgenommen werden, binden im Blut an Eiweißstoffe und bilden so genannte „Lipoproteine“. Zu dieser Gruppe gehört neben dem LDL-Cholesterin (Low Density Lipoprotein) auch das Lipoprotein(a). Studien der letzten Jahre zeigen, dass ein erhöhter Lipoprotein(a)-Spiegel ebenso wie ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel mit einem erhöhten Herz-Kreislaufrisiko einhergeht. Als gefährlich stufen Ärzte Blutwerte von über 30 Milligramm pro Deziliter ein.

Da der Lipoprotein(a)-Spiegel genetisch festgelegt ist, kann er durch eine Ernährungsumstellung kaum beeinflusst werden. Auch Medikamente stehen bislang sehr beschränkt zur Verfügung. Durch die Einnahme von Nikotinsäure-Präparaten kann der Lipoprotein(a)-Spiegel zwar bis zu 30 Prozent gesenkt werden. Inwieweit sich dadurch Herzinfarkte und Schlaganfälle verhindern lassen, ist allerdings noch offen.

Trotzdem ist es wichtig, Menschen mit einem erhöhten Lipoprotein(a)-Spiegel frühzeitig zu diagnostizieren: „Um Risikopatienten zu identifizieren, sollte bei Menschen, in deren Familien gehäuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten, immer auch der Lipoprotein(a)-Wert bestimmt werden“, erklärt Professor Dr. med. Helmut Schatz, Bochum, Pressesprecher der DGE.

Bei einigen Patienten mit besonders hohen Lipoprotein(a)-Werten wenden Ärzte auch die regelmäßige „Lipidapherese“ für Lipoprotein(a) an. Bei dieser speziellen „Blutwäsche“ werden die Blutfette aus dem Körper entfernt. Noch diskutieren die Wissenschaftler jedoch darüber, welche Patienten von dieser aufwändigen und teuren Therapie tatsächlich profitieren. „Voraussetzung für eine Übernahme der Kosten einer Lipoprotein(a)-Apherese durch die Krankenkassen ist nicht nur ein deutlich (über 60 mg/dl) erhöhter Spiegel von Lipoprotein(a), sondern eine Normalisierung aller anderen Fettwerte und Risikofaktoren, bei fortschreitender Arterienerkrankung“, führt Professor Klaus Parhofer, München, einer der Lipidexperten in der DGE, aus. Als wichtigste therapeutische Maßnahme bei einem erhöhten Lipoprotein(a)-Spiegel gilt heute eine gute Einstellung aller anderen Risikofaktoren, wie zum Beispiel des Blutdrucks und eines bestehenden Diabetes. In erster Linie muss aber das LDL-Cholesterin (das „böse Cholesterin“) bereits tief abgesenkt sein. Das HDL-Cholesterin (High Densitiy Lipoprotein, das „gute Cholesterin“) sollte möglichst hoch liegen, was durch regelmäßige körperliche Aktivität erzielt werden kann, und die Triglyceride sollten im Normalbereich liegen. Viele Mediziner und Patienten setzen ihre Hoffnung zudem in neue Medikamente, die sich derzeit noch in der Entwicklung befinden.

Wie genau Lipoprotein(a) und Herz-Kreislaufrisiko zusammenhängen, ist unbekannt. Wissenschaftler vermuten, dass das Lipoprotein(a) ursächlich mit der Entstehung einer Arterienverkalkung (Atherosklerose) verknüpft ist.

Die DGE empfiehlt in diesem Zusammenhang auch den aktuell erschienenen „Patientenratgeber Fettstoffwechselstörungen – Lipoprotein(a)“ der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen DGFF (Lipid-Liga) e.V.“. Darin wird das derzeitige Wissen zum Lipoprotein(a) laienverständlich zusammengefasst.

Mit künsstlicher Intelligenz, Genanalysen und Therapieansätzen gegen Krebs und viele andere Krankheiten

Die Entschlüsselung des menschlichen
Erbguts gibt noch immer Rätsel auf. Künstliche Intelligenz könnte
helfen, diese zu lösen. Neue therapeutische Ansätze für schwerwiegende
Krankheiten scheinen möglich, genauso wie nichtmedizinische
„Verbesserungen“ des Erbguts. Technikfolgenabschätzer des Karlsruher
Instituts für Technologie (KIT) untersuchen gefördert vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) welche Anwendungen
realistisch sind und vor welche ethischen Fragen sie die Gesellschaft
stellen.

„Die moderne Genomforschung will verstehen und
vorhersagen, wie genetische Unterschiede zwischen Menschen komplexe
Merkmale, wie zum Beispiel Dispositionen für häufige Krankheiten,
bestimmen“, so Harald König vom Institut für Technikfolgenabschätzung
und Systemanalyse (ITAS) des KIT. Obwohl die Möglichkeiten der Analyse
des Erbguts rasch fortschreiten, bleibt das Wissen darüber, wie unser
Erbgut solche Merkmale bestimmt, bislang meist auf Korrelationen
beschränkt. Eine entscheidende Weiterentwicklung verspricht nun der
Einsatz von fortgeschrittenen Formen Maschinellen Lernens: „Insbesondere
das sogenannte Deep Learning könnte es ermöglichen, menschliche Genome
nicht nur wie bisher zu ‚lesen‘, sondern die komplexen biophysikalischen
Zusammenhänge und Mechanismen zu verstehen, die dafür sorgen, aus
genetischen Anlagen körperliche Merkmale hervorzubringen“, so König.

Effektive Therapien gegen Krebs oder Demenz

Die neuen Ansätze setzen auf die Kombination von
Künstlicher Intelligenz und rasch fortschreitenden Techniken der
Genomanalyse (einschließlich Einzelzellanalysen) sowie automatisierten
Laborplattformen. Letztere können sehr große Mengen von Daten zu
Genomveränderungen und verschiedenen zellulären Prozessen wie dem
Ablesen von Genen oder dem Auftreten verschiedener Proteinformen unter
verschiedenen Bedingungen liefern. „Das Ergebnis könnte ein enormer
Wissenssprung – von Korrelationen hin zu ursächlichen Zusammenhängen – 
sein, der ganz neue Anwendungsmöglichkeiten verspricht“, so Harald
König. Mit solchen Ansätzen verbinde sich beispielsweise die Hoffnung
auf neue, ungleich effektivere Therapieansätze für Krebs,
Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz. Diese „precision medicine“
könnte maßgeschneidert für verschiedene Gruppen von Patienten,
Krankheitsvarianten oder -stadien eingesetzt werden.

Das Forschungsteam, an dem neben der
Technikfolgenabschätzung des KIT auch das Fraunhofer-Institut für
System- und Innovationsforschung ISI beteiligt ist, will analysieren,
welche Anwendungen in der Praxis kurz- bis mittelfristig realistisch
sind. Gleichzeitig liegt ihr Fokus auf den vielfältigen
gesellschaftlichen und politischen Implikationen, mit denen das neue
Wissen verbunden ist. So könnte die Medizin der Zukunft für eine
alternde Gesellschaft enormen makroökonomischen und sozialen Nutzen
haben. Gleichzeitig könnten manche ihrer Ansätze, wie gen- und
zellbasierte Therapien, jedoch auch mit sehr hohen Kosten einhergehen,
die Fragen nach der Finanzierung der Forschung und Entwicklung sowie der
Zugänglichkeit für Patienten aufwerfen.

Präventive Eingriffe in die menschliche Keimbahn

Das Wissen darüber, welche genetischen
Informationen wie „umgeschrieben“ werden müssten, um bestimmte Effekte
zu erzielen, wirft zusammen mit jüngsten Verfahren zur Genom-Editierung
wie dem CRISPR-Cas-System auch ethische Fragen auf. So könnte zumindest
international der Trend dahingehen, über seltene Erbkrankheiten hinaus
auch häufige Leiden wie Brustkrebs oder Diabetes durch eine „präventive
Korrektur“ entsprechender Risikomutationen in der Keimbahn menschlicher
Embryonen zu verhindern. „Eine Entwicklung, die im Extremfall dazu
führen könnte, dass es künftig eine wachsende Akzeptanz dafür gibt, das
menschliche Genom mit nicht-medizinischen Eingriffen zu ‚verbessern‘“,
erklärt Harald König.

Außerdem müsse sich die Gesellschaft damit
auseinandersetzen, wie die Eigentumsrechte von genetischen Daten
geregelt und ihre Sicherheit gewährleistet werden kann. Künftig könnte
es beispielsweise möglich sein, anhand von Genomsequenzen direkt auf den
Phänotyp, also beispielsweise das Aussehen von Personen zu schließen.
„Dieses Wissen“, so König, „wäre nicht nur für Strafverfolgungsbehörden
äußerst wertvoll“.

Optionen für politische Entscheidungsträger

Aufbauend auf ihrer Technikfolgenabschätzung wollen
die Forschenden in den kommenden beiden Jahren Optionen für die
Forschungs- und Innovationspolitik erarbeiten. Politischen
Entscheidungsträgern wollen sie zudem verschiedene
Handlungsmöglichkeiten anbieten, die Wege für einen verantwortungsvollen
Umgang mit dieser durch KI und Genomik getriebenen Technologie
eröffnen.

Das Projekt „Deepen Genomics – Chancen und
Herausforderungen der Konvergenz von künstlicher Intelligenz, moderner
Humangenomik und Genom-Editierung” ist Teil der Innovations- und
Technikanalyse (ITA) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF). Die aktuellen Forschungsprojekte des Programms werden am 14. und
15. Februar beim ITA-Forum 2019 in Berlin vorgestellt.