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Molekül zur Bekämpfung von Alzheimer entdeckt

(pte) – Mitarbeiter der Fondazione Ebri Rita Levi Montalcino und des Istituto di Biologia Cellulare e Neurobiologia haben ein Molekül zur Therapierung von Alzheimer entdeckt. Mithilfe des Antikörpers A13 lässt sich die Ausbreitung der gefürchteten neurodegenerativen Nervenkrankheit laut den Experten im Frühstadium verhindern.

Ziel Amyloid-Beta-Oligomeren
Durch die Einführung von A13 wird die Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese) angeregt, womit Alzheimer im Anfangsstadium gestoppt werden kann. Die Nervenkrankheit wird durch die Ansammlung von Amyloid-Beta-Oligomeren in den Stammzellen des Gehirns verursacht. „Anhand von Experimenten mit Labormäusen haben wir festgestellt, dass diese toxischen Substanzen durch den Antikörper neutralisiert werden“, erklärt Projektleiter Antonino Cattaneo.

Das Molekül habe für eine „Verjüngung“ des Gehirns gesorgt. Mithilfe von A13 werde die Entstehung der fatalen Plaques unterbunden. „Unsere Forschungsarbeit liefert die Grundlage für innovative Diagnose- und Therapieansätze“, meint Cattaneo Kollegin Silvia Middei. Der nächste Schritt sei eine Übertragung des Tiermodells auf den Menschen. Vom Erfolg könne jedoch erst dann die Rede sein, wenn das A13 mindestens ein Jahr lang die Bildung von Amyloid-Beta-Oligomeren verhindert hat.

Multidisplinäre Untersuchung
Die multidisplinäre Untersuchung ist in Zusammenarbeit mit der Scuola Normale Superiore di Pisa  und des Dipartimento di Biologia der Università di Roma Tre durchgeführt worden. Einzelheiten können in der Fachzeitschrift „Nature Research Cell Death and Differentiation“ nachgelesen werden.

Grünkohl schmeckt nach dem ersten Frost besser

(BZfE) – Es gehört zum Erfahrungswissen, das bestimmte Kohlarten, wie etwa Rosenkohl und Grünkohl, nach dem ersten Frost besser schmecken – genügende Reife vorausgesetzt. Eine wissenschaftliche Antwort auf die Frage warum das so ist, gibt eine Arbeitsgruppe von der Jacobs University in Bremen und der Universität Oldenburg. Ihre Erkenntnisse sind im Fachjournal „Food Research International“ publiziert.

Die Wissenschaftler setzten drei verschiedene Grünkohlarten normalen und kalten Temperaturen aus. Das Blattmaterial wurde anschließend auf seine Inhaltsstoffe hin untersucht. Das Ergebnis: Bei kalten Temperaturen wandelt die Pflanze komplexe Kohlenhydrate in den Zellwänden zu kleineren Zuckermolekülen um, die allesamt süß sind und den Grünkohl somit besser schmecken lassen. Insgesamt 13 verschiedene niedermolekulare Kohlenhydrate wurden identifiziert. Vor allem die Zucker Fructose, Melibiose (ein Disaccharid aus Glucose und Galactose), Maltose und Raffinose (ein Trisaccharid aus Galactose, Glucose und Fructose) wurden in den der Kälte ausgesetzten Pflanzen in erhöhten Konzentrationen gefunden.

Warum macht die Pflanze das? Offensichtlich führt sie damit eine Kälteakklimatisierung durch, schlussfolgern die Wissenschaftler. Die Pflanze sei bestrebt, das Wasser in ihren Zellen nicht gefrieren zu lassen und erhöht deshalb die Anzahl der Teilchen in ihren Zellen. Aus komplexen Zellwand-Kohlenhydraten werden viele süße Zuckermoleküle, die den Kohl vor Frost schützen. In der physikalischen Chemie spricht man hier von kolligativen Eigenschaften einer Lösung: Die Veränderung des Gefrierpunkts (sowie auch des Siedepunkts) eines Lösungsmittels ist nur von der Zahl gelöster Teilchen abhängig. Im Fall des Grünkohls führt die Erhöhung der Zuckermoleküle zu einer Absenkung des Gefrierpunktes. Das vergleichbare Phänomen kennen wir vom Meerwasser, das ja auch erst bei niedrigeren Temperaturen als Süßwasser gefriert.

Ob vor oder nach dem ersten Frost – kaum ein Gemüse enthält so hohe Gehalte an Vitaminen (Provitamin A, B-Vitamine, Folsäure, Vitamine E, K und C), Mineralstoffen (Kalium, Calcium, Phosphor, Eisen), Spurenelementen und bioaktiven Substanzen in einer ausgewogenen Zusammensetzung wie Grünkohl. Grünkohl wird klassisch gern herzhaft-deftig mit Kasseler, Mettwurst oder Pökelfleisch zubereitet. Doch neu interpretiert/modernisiert schmeckt er auch kurz blanchiert und fein zerkleinert als herber Salat oder Salatzutat mit einem würzig-kräftigen Dressing – und sogar mit frischer Pasta harmoniert er gut.

Rüdiger Lobitz

Eiweißdiät – Nicht für jeden geeignet

(BZfE) – Eine proteinreiche Ernährung soll gut für die Gesundheit sein, den Muskelaufbau fördern und beim Abnehmen helfen. Auch im Supermarkt werden immer häufiger eiweißreiche Lebensmittel wie Brot, Müsli und Milchshakes angeboten. Allerdings gibt es Hinweise, dass die Extraportion Eiweiß zumindest bei Menschen mit Herzerkrankungen, Diabetes und Übergewicht den Nieren schaden kann, ist im Fachblatt „Nephrology Dialysis Transplantation“ zu lesen.

An einer niederländischen Studie waren über 2.000 Probanden im Alter von60 bis 80 Jahren beteiligt, darunter 80 Prozent Männer. Sie hatten zuvoreinen Herzinfarkt erlitten und waren daher im Vergleich zur allgemeinenBevölkerung anfälliger für Nierenerkrankungen. Die Teilnehmer machten inFragebögen Angaben zu ihren Ernährungsgewohnheiten. Anhand dieser Daten wurde die täglich aufgenommene Menge an Protein berechnet. Zu Beginn der Untersuchung und nach 41 Monaten nahmen die Mediziner Blutproben, um anhand bestimmter Parameter die Nierenfunktion zu beurteilen.

Das Fazit: Je höher die tägliche Proteinzufuhr, desto schlechter arbeiteten die Nieren. Bei Patienten mit einer täglichen Proteinaufnahme von mehr als 1,2 g im Vergleich zu weniger als 0,8 g pro Kilogramm Körpergewicht nahm die Nierenfunktion doppelt so schnell ab. Vermutlich schädigen Eiweiße in großer Zahl die kleinen Blutgefäße in den Nierenkörperchen.

Die Wissenschaftler möchten dafür sensibilisieren, dass eine eiweißreiche Ernährung nicht für jeden von Vorteil ist. Vor allem bei Übergewichtigen und Diabetikern ist Vorsicht geboten. Eine beginnende Nierenerkrankung sollte ausgeschlossen werden, bevor man seine Ernährungsgewohnheiten ändert und sich für eine solche Diät entscheidet. Allerdings müssen die Ergebnisse noch in weiteren Studien bestätigt werden. Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob sich Eiweiße aus tierischen und pflanzlichen Quellen unterschiedlich auswirken.

Proteine übernehmen im Körper viele wichtige Funktionen – etwa als Hormone, Enzyme und Energielieferanten. Die empfohlene Zufuhr für Erwachsene liegt bei 0,8 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag. Das entspricht täglich 57 bis 67 g Protein. Diese Menge kann über den Verzehr von proteinreichen Lebensmitteln wie Hülsenfrüchte, Brot, Fleisch, Fisch, Milchprodukte und Eier problemlos erreicht werden. Spezielle Produkte sind nicht notwendig.

Heike Kreutz

Weltbericht zur Erwachsenenbildung

(Unesco) – Weltweit haben noch immer zu wenige Erwachsene Zugang zu Bildung. Zu diesem Schluss kommt der vierte Weltbericht zur Erwachsenenbildung, den die UNESCO am 5. Dezember in Brüssel vorstellt. Demnach nehmen in fast einem Drittel aller untersuchten Staaten weniger als fünf Prozent der Erwachsenen über 15 Jahren an Bildungsprogrammen teil. Besonders für Menschen mit Behinderung, ältere Erwachsene, Geflüchtete und Migranten sind die Hürden hoch. Deutschland gehört laut dem Autorenteam hinsichtlich Qualität und Finanzierung zu den Positivbeispielen in Sachen Erwachsenenbildung.

„Die Erwachsenenbildung ist von entscheidender Bedeutung für eine nachhaltige wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung“, betont die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission Prof. Dr. Maria Böhmer. „In Deutschland haben wir bereits viel geleistet, aber in Zeiten sich schnell wandelnder Anforderungen wird lebenslanges Lernen immer wichtiger. Deshalb müssen wir für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft noch sehr viel mehr in die Bildung erwachsener Menschen investieren“, unterstreicht Böhmer.

Weniger Investitionen in Erwachsenenbildung
Der Weltbericht macht deutlich, dass die Ausgaben für Erwachsenenbildung in den vergangenen zehn Jahren im globalen Vergleich zurückgegangen sind. Dieser Trend zeigt sich in Ländern mit niedrigem Einkommen ebenso wie in Staaten mit hohem Einkommen. Fast ein Fünftel aller Länder gab an, weniger als 0,5 Prozent seines Bildungsbudgets in die Erwachsenenbildung zu investieren. Bei weiteren 14 Prozent der Staaten war es weniger als ein Prozent. Deutschland gehört zu den 19 Prozent aller Länder, die mehr als vier Prozent ihres Bildungshaushalts für Erwachsenenbildung aufwenden.

Die Autorinnen und Autoren des Berichts loben, dass Deutschland entgegen der allgemeinen Entwicklung mit der Verabschiedung des Arbeitslosenversicherungsschutz- und Weiterbildungsstärkungsgesetzes zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten für die Erwachsenenbildung geschaffen hat. Zudem stellen sie fest, dass die Bundesrepublik auch mit Blick auf die Qualität der Erwachsenenbildung zu den weltweit führenden Ländern gehört.

Qualität verbessert sich, aber nicht gleichmäßig in allen Bereichen
Der UNESCO-Bericht zeigt, dass seit 2015 drei Viertel aller Länder ihre Bildungsangebote für Erwachsene qualitativ verbessern konnten, etwa durch die Entwicklung von Lehrplänen und -methoden, aber auch durch bessere Arbeitsbedingungen im Bildungsbereich. Allerdings waren diese Fortschritte nicht gleichmäßig verteilt. Während viele Länder über positive Entwicklungen bei der Qualität von Alphabetisierungsprogrammen, der Weiterbildung und beruflichen Bildung berichteten, fielen die Fortschritte etwa bei der politischen Bildung gering aus.

Deutschland erfährt im Bericht insbesondere Anerkennung für das GRETA-Projekt (Grundlagen für die Entwicklung eines anbieterübergreifenden Anerkennungsverfahrens für die Kompetenzen von Lehrkräften in der Erwachsenen- und Weiterbildung, GRETA), in dem Qualitätskriterien für Lehrmethoden in der Erwachsenenbildung entwickelt wurden. Gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung hat das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung mit GRETA ein einheitliches, trägerübergreifendes Kompetenzmodell von Lehrkräften in der Erwachsenen- und Weiterbildung erarbeitet.

Bildungsbericht formuliert Empfehlungen
Um mehr Erwachsenen Zugang zu hochwertiger Bildung zu geben und das Bildungsziel 4 der Globalen Nachhaltigkeitsagenda zu erreichen, mahnen die Autorinnen und Autoren des UNESCO-Berichts Nachbesserungen an. Sie fordern

  1. verstärkte Investitionen von Regierungen, Arbeitgebern und weiteren Akteuren in die Erwachsenenbildung;
  2. dass Geberländer ihren Hilfsverpflichtungen gegenüber Entwicklungsländern nachkommen und ihre Bildungsfinanzierung neu ausrichten, um die Bildung von Erwachsenen und Kindern zu fördern;
  3. mehr Forschung zu guter Praxis, insbesondere in Bezug auf schutzbedürftige und marginalisierte Gruppen;
  4. die Anerkennung, dass Investitionen in die Erwachsenenbildung soziale und wirtschaftliche Vorteile haben;
  5. integrierte, ressortübergreifende politische Konzepte, um Erwachsenenbildung mit den notwendigen Budgets in den Mitgliedstaaten umzusetzen;
  6. bessere Daten, insbesondere für einkommensschwache Länder und ausgeschlossene oder schutzbedürftige Gruppen wie etwa Migranten und Geflüchtete.

Hintergrund
Der Weltbericht zur Erwachsenenbildung (Global Report on Adult Learning and Education, GRALE) wird alle drei Jahre herausgegeben und dient dem Monitoring der globalen Entwicklungen im Bereich Erwachsenenbildung. Er wird vom UNESCO-Institut für Lebenslanges Lernen erstellt und basiert auf Daten aus derzeit 159 Ländern. Jeder Bericht hat einen inhaltlichen Schwerpunkt. 2019 untersuchen die Autorinnen und Autoren insbesondere, wer an der Erwachsenenbildung teilnimmt und wer nicht. Dabei werden Lösungen aufgezeigt, wie bisher benachteiligte Gruppen erreicht werden können.

Neuer Kat löst Stickoxid-Problem in Städten

(pte) – Ein neuartiger Fotokatalysator auf der Basis von Graphen und Titan entschärft 70 Prozent mehr atmosphärische Stickoxide als bisher bekannt. Ein Team des Graphen-Flaggschiffs , der größten wissenschaftlichen Forschungsinitiative der EU, hat diesen Effekt somit verbessert.

Verschmutzung säubern
„Die Fotokatalyse ist eine der wichtigsten Verfahren, Umweltverschmutzungen zu entschärfen, weil sie sich nicht verbraucht“, sagt Marco Goisis von Italcementi, einer Tochter des Projektkoordinators HeidelbergCement. Die Forscher stellten das Graphen her, indem sie davon Filme abspalteten, die die Dicke von einem einzigen Atom haben.

Diese unvorstellbar kleinen Partikel schütteten die Wissenschaftler in Wasser und vermischten sie mit nanopulverisiertem Titan. Diese Suspension wird auf Oberflächen verteilt, etwa auf Gehwegplatten aus Zement. Sobald diese von der Sonne beschienen werden, beginnt die Reaktion, die die Luft von Stickoxiden befreit. Die Reste werden von Regen oder Wind entfernt.

Stickoxidkiller in der Stadt
Der Verbundwerkstoff lässt sich laut Goisis auf unterschiedlichen Oberflächen auftragen. Da er in einer Zementfabrik arbeitet, bevorzugt er diesen Werkstoff als Unterlage. Wenn große Flächen wie Bürgersteige, Radwege und Fassaden damit ausgestattet werden, so ließen sich die Stickoxid-Konzentrationen dauerhaft senken. Allerdings ist das neue Material noch nicht in großen Mengen einsetzbar, da zu teuer. Zunächst müssten preiswertere Herstellungsverfahren für Graphen her sowie untersucht werden, ob der neue Fotokatalysator langzeitstabil ist.

10.12.2019 Lügenpresse, wer diffamiert da wen ?

Liebe Freunde, es geht um die Glaubwürdigkeit der Presse. Presse ist aber nicht gleich Presse. Nicht umsonst musste das Rundfunkgesetz zum Mediengesetz umbenannt werden. Da gibt es beispielsweise die öffentlich-rechtlichen Medien, daneben – seit über 35 Jahren – die privaten Rundfunkanstalten auch im TV.

Ich erinnere mich noch gut, als mich 1984 der damalige Intendant von RTL, Gust Graas, anrief, um sich mit mir in einem feinen Restaurant, der Tomate in der Aachener Straße in Köln, zu treffen.

Mit dabei war auch der berühmte Generaldirektor Helmut Thoma. Die beiden boten mir an, stellvertretender Direktor zu werden. Dabei spielte die Tatsache eine Rolle, dass ich 1978 im 1. Programm eine Sendung unter dem Titel „Fernsehen aus dem Weltraum“, das bevorstehende Satelliten-Direktprogramm als Autor und Moderator ausgestrahlt habe.

Schon damals konnte ich schlüssig beweisen, dass RTL das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland erreichen könnte. Folglich besuchte ich für die Sendung RTL und interviewte diesbezüglich sowohl Gust Graas und Frank Elstner, der zu der Zeit RTL-Direktor war.

Den ARD-Chefs in München gefiel das überhaupt nicht, besonders, weil die Öffentlich-Rechtlichen dann ihr Monopol verlieren würden. Aber als Physiker, der sich intensiv mit dieser Sache beschäftigt hatte, konnte ich nicht umhin, meine Zuschauer davon in Kenntnis zu setzen. Trotzdem ließen sie mich gewähren. Aber noch viel wichtiger, mir fehlte schon damals die Schere im Kopf.

So war mir auch klar, dass ich das spätere RTL-Angebot ablehnen musste. Ich war überzeugt, dass der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk für unsere liberale Demokratie unentbehrlich war. In der Hinsicht bin und bleibe ich – auch nach meiner Pensionierung – stets ein Überzeugungstäter.

Dabei spielte auch mit, dass ich niemals in den über 35 Jahren meiner Tätigkeit als Redaktionsgruppenleiter von den WDR-Oberen gegängelt wurde. Ich konnte meine Themen völlig selbstständig wählen. So entstand auch die Hobbythek. Weisungen für ein bestimmtes Thema wurden mir nie erteilt.

Doch vielleicht noch viel wichtiger, man hat mir kein einziges – von mir als wichtig erachtetes Vorhaben – verboten und mich später gerüffelt. Einen solch tollen Arbeitgeber verlässt man nicht gerne.

Ob das heute noch so ist, kann ich nicht beurteilen, aber jedenfalls geht ja die oft geäußerte Kritik an die Öffentlich-Rechtlichen immer wieder in diese Richtung. Man unterstellt, dass sozusagen den Redakteuren nur angepasste und ideologisch geprägte Themen vorgegeben werden. Dem muss ich entschieden widersprechen, schon allein, weil das meiner Vorstellung von Pressefreiheit diametral entgegensteht.

Wenn die AFD dieses immer wieder behauptet und sie dafür den schlimmen Begriff der „Lügenpresse“ geprägt hat, soll sie sich an die eigene Nase fassen. Ich selbst musste einen Shitstorm aus dieser Richtung nur deshalb ertragen, weil ich auf Facebook bestimmte Ideologien innerhalb dieser Partei kritisierte. Dabei ist die AFD sehr wehleidig, während sie selbst teilweise völlig unfair angreift. Ja, es gehört zu ihrer Methode, mit unhaltbaren Äußerungen die Schlagzeilen zu beherrschen, um das dann anschließend wieder zu demontieren.
Um zu beweisen, dass beispielsweise der öffentlich-rechtliche Sender ZDF auch starke Kritik an der eigenen Berichterstattung zulässt, möchte ich Ihnen im Folgenden belegen.

Peter Hahne hat in seiner Sendung dieses Thema „Lügenpresse“ aufgegriffen und einem Wissenschaftler die Möglichkeit gegeben, darauf analytisch zu reagieren. Da kommt das ZDF nicht immer gut weg. Dieses Video möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

An der dort geäußerten Kritik ist einiges nicht abzustreiten. Allerdings dann von Lügenpresse zu sprechen, ist einfach falsch.

Alles in allem beobachte auch ich mit Unbehagen, dass nicht nur die öffentlich-rechtlichen Medien sehr stark dem Mainstream folgen. Aber das zu verallgemeinern ist einfach unredlich. Viel gefährlicher ist, dass manche Journalisten glauben, sie hätten eine Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit und müssten sich hüten, gewisse Fakten nicht zu verschweigen, um z. B. keine Fremdenfeindlichkeit zu schüren. Das sind oft Urinstinkte, die auch modernen Menschen zueigen sind. Wenn jemand gegen dieses Prinzip verstößt, wird er sehr schnell in die rechte Ecke gedrängt und als Populist bezeichnet. So kann es passieren, dass manche Journalisten den Weg des geringsten Widerstandes gehen und nicht merken, dass sie nach und nach der „Schere in den Kopf“ erliegen.

Jedoch viel schlimmer ist, was sich derzeit in den neuen Medien abspielt. Seinerzeit glaubten wir, Facebook, Youtube, Instagram, Twitter & Co würden der Demokratie ganz besonderen Vorschub leisten. Niemals zuvor konnte der Einzelne sich so viele Informationen besorgen.

Aber leider ist das Gegenteil der Fall. Wir haben seinerzeit nicht daran gedacht, dass es eine psychologische Gesetzmäßigkeit gibt, die ich „selektive Wahrnehmung“ nennen möchte. In der Regel holt sich der Bürger nur das aus dem Chaos des Internets, was zufälligerweise in seine vorherigen Vorstellungen mit allen seinen vermeintliche Gewissheiten und Vorurteilen passt.

So werden diese Einstellungen zementiert und entziehen sich immer mehr der Vernunft. In Verbindung mit bewussten Falschmeldungen, den sogenannten Fakenews, stellt der kritische Beobachter in letzter Zeit immer mehr einen Hang zu einer postfaktischen Berichterstattung fest. Fakten spielen dabei keine Rolle. US-Präsident Trump, aber ebenso Johnson aus Großbritannien, Erdogan aus der Türkei, Bolsonaro aus Brasilien, usw. zieren sich nicht, ihren eigenen Landsleuten einen Bären nach dem anderen aufzubinden und die Wissenschaft komplett zu negieren oder zu verhunzen.

Aus dieser Erfahrung heraus müssen wir sehr gut aufpassen, dass das nicht auch bei uns Einzug hält. Insofern kann ich sehr gut die Skepsis vieler Bürger verstehen, aber wenn wir auch in den seriösen Medien die Glaubwürdigkeit verlieren, ist unsere Demokratie in großer Gefahr.
Das ist einer der Gründe, weshalb ich mich nicht nur bei Facebook engagiere, sondern auch meine wissenschaftliche Homepage unterhalte. Ich garantiere dafür Wahrheit und Quellen Seriosität.

Gott sei Dank bin ich nicht der Einzige, es gibt auch Institutionen. An erster Stelle möchte ich den Deutschen Presserat nennen, der die schlimmsten Auswüchse einer nur dem finanziellen Erfolg verschriebenen Presse versucht auszubügeln.

Ihr Jean Pütz

Homosexualität ist keine Krankheit !!!

(DGE) – Im DGE-Blog wurde am 4. Oktober 2019 darüber berichtet, dass an etwa einer halben Million Menschen in einer genomweiten Assoziationsstudie kein einzelnes Gen für Homosexualität gefunden wurde. Es waren vielmehr mehrere Genloci  mit einer breiten Überlappung mit psychiatrischen Veränderungen. Die Genetik würde nach diesen Autoren zu weniger als 1% zu homosexuellem Verhalten beitagen. Jetzt liegt in der Bundesrepublik Deutschland ein Referentenentwurf für ein Gesetz vor, mit dem Gesundheitsminister Jens Spahn sogenannte Konversionstherapien bei Jugendlichen verbieten und unter Strafe stellen will. Er weist darauf hin, dass Homosexualität keine Krankheit sei, so dass der Begriff „Therapie“ auch nicht angewendet werden könne.

Bei dem Gesetz handelt sich um das „Sexuelle-Orientierung-und geschlechtliche-Identität-Schutz-Gesetz (SOGISchutzG). Konversionstherapien sind etwa Lichttherapien, indoktrinierende Gespräche,  Elektroschocks bis hin zu  Buß-Übungen und selbst zu Exorzismus. Konversionstherapien sollen bei Menschen unter 18 Jahren nicht nur nicht erfolgen, sondern auch gar nicht angeboten werden dürfen. Das Gesetz soll nicht für selbstbestimmte Menschen, also ab dem 18. Lebensjahr gelten, im Einzelfall nach Einschätzung des Behandlers auch nicht ab dem 16. Jahr. Das Verbot soll für alle einschließlich der Eltern Gültigkeit haben, auch Psychotherapeuten oder Seelsorger dürfen nicht versuchen, die sexuelle Orientierung ihrer Gesprächspartner zu  beeinflussen. Ihnen drohen Strafen mit Bußgeldern bis zu 30.000 Euro oder Gefängnis bis zu 1 Jahr.

Grundlage des Gesetzesentwurfes ist das Papier einer Fachkommission  der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld aus dem Frühjahr 2019 . Der Geschäftsführer der Stiftung,  Jörg Litwinschuh-Barthel  nennt für Deutschland eine Zahl von 1000 – 2000 Fällen pro Jahr, bei denen von Therapeuten, Ärzten, Psychotherapeuten, Heilpraktikern, Seelsorgern, Familienangehörigen oder auch gewerblichen Anbietern zur Unterdrückung oder Veränderung bei Homosexualität Behandlungen erfolgen, die fragwürdig oder  gesundheitsgefährlich sind. Diese „Therapien“ machten die Betroffenen nicht gesund, sondern könnten schweres körperliches und seelisches Leid zufügen. „Empirisch, sexualwissenschaftlich, soziologisch, psychologisch und medizinisch gibt es keine Hinweise darauf, dass Homosexualität eine Störung oder gar Krankheit ist“, so Prof. Peer Briken, Zentrum für Psychosoziale Medizin vom Klinikum Eppendorf der Universität Hamburg im Abschlußbericht  der Kommission.  Sexual Orientation Change Efforts (SOCE) hätten nach Briken keinen dauerhaften Erfolg, wenn es auch für SOCE keinen evidenzbasierten Beweis für negativen Folgen gebe. Es bestehen aber in Einzelfällen Hinweise auf negative Wirkungen wie Angst, Depressionen, Selbstmordneigung und Beziehungsprobleme. Nach Prof. Martin Burgi von der LMU-Universität München würden die Konversionstherapien vom Strafgesetzbuch nur teilweise erfasst, etwa durch die Tatbestände  von Körperverletzung, Betrug oder Beleidigung, nicht aber die massiven Verletzungen des Rechts auf sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung  bei Therapien.

Erhebliche Vorurteile gegenüber der Homosexualität bestünden,  so der Geschäftsführer der Magnus Hirschfeld-Stiftung,  vor allem von Seiten der Katholischen Kirche, von evangelikalen Gemeinden, in muslimischen Vereinen und in jüdisch-orthodoxen Gemeinden.  Die im Jahre 2011 gegründete Bundesstiftung, nach dem Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld benannt,  fördert Bildungs- und Forschungsprojekte, um einer Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Personen (LSBTTIQ) in Deutschland entgegenzuwirken.

Am 9. November 2019 konnte man in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung lesen, dass jetzt in Bochum – als der bundesweit zweiten Stadt nach Dortmund – eine Straße nach dem 1908 in Bochum geborenen Hermann Hußmann benannt wird. Dieser war ein schwuler Bergmann, der 1943 nach dem  in der NS-Zeit noch verschärften  § 175  aus der Kaiserzeit wegen „Unzucht“ verurteilt wurde und als „gefährlicher Gewohnheitsverbrecher in Sicherheitsverwahrung genommen werden sollte.  Vorher erhängte er sich an seinem Hosenträger in der Untersuchungshaftanstalt .

Die Straßenbenennung mit Einsetzen eines Stolpersteines in den Gehsteig zeigt, welches Umdenken in Deutschland stattgefunden hat.

Helmut Schatz

Vorbeugung mit Statinen wirkt lebensverlängernd

(DGE) – Eine historische, populationsbasierte Kohortenstudie über 10 Jahre an 19.518 (von insgesamt 37.230) den Einschlusskriterien entsprechenden versicherten Personen ab dem 65. Lebensjahr mit Statinen ohne kardiovaskuläre (CV) Ereignisse („Primärprävention“) ergab bei denen, welche die Statine regelmäßig einnahmen, im Vergleich zu der Gruppe, welche dies nicht tat, einen Überlebensvorteil: Die Gesamtsterblichkeit war um 34% niedriger. Auch die CV Ereignisse  waren seltener. Diese Vorteile betrafen auch Menschen mit regelmäßiger Statin-Einnahme nach dem 75. Lebensjahr (1). Zwischen Männern und Frauen fand sich kein Unterschied (1).

Untersucht wurden die Mitglieder der Clalit Health Services Northern District  in den USA ab einem Alter von 65 J. zehn Jahre lang. Die Hazard Ratio (HR) für Statin-Einnehmer im Vergleich zur anderen Gruppe betrug 0.66; 95% CI 0.56 – 0.79. Kardiovaskuläre Vorteile der Statine: HR 0.80; 95% CI 0.71-0.81) Dies nahm auch nach dem Alter von 75 Jahren nicht ab.

Kommentar
Die wenigen Untersuchungen zu diesem Thema bei Älteren ergaben widersprüchliche Resultate (2, 3, 4). Der Vorteil dieser Studie ist ihre große Teilnehmerzahl sowie ein weitgehendes Vorliegen von weiteren Daten der Versicherten. Man könnte einwenden, dass Personen, welche ihre Tabletten regelmäßig einnehmen, auch eher einen gesunden Lebensstil aufweisen und regelmäßiger zu Kontrollen gehen („healthy user/adherer effect“). Möglicherweise fällt dadurch der positive Effekte von Statinen auf Mortalität und CV Ereignisse überhöht aus. Gebrechlichkeit und mangelnde körperliche Aktivität sind als Einflussfaltoren (confounders) ebenfalls zu betrachten. Diese wurden in der vorliegenden Studie aber weitgehend berücksichtigt ebenso wie der sozioökonomische Status. Auch der Lebensstil (Obesitas, Rauchen etc.) wurde in die statistischen Berechungen einbezogen. Wenn es auch noch weitere Einflussfaktoren gibt, so spricht die angeführte Methodik gegen ein substanzielles „healthy user bias“. Die Autoren raten vorsorglich zu einer vorsichtigen Interpretation ihrer Daten, da wichtige Faktoren wie Lebensqualität und  andere ungünstige Ereignisse die Ergebnisse beeinflusst haben könnten.  Dennoch meinen sie, dass die Studienergebnisse Evidenzen für das Gespräch der Ärzte mit ihren Patienten liefern. Die Schlussfolgerungen der Arbeit enden –  wie fast stets nach solchen Studien – mit der Forderung: „Die Ergebnisse müssen noch in anderen Bevölkerungsgruppen  bestätigt werden,  und: Es besteht die Notwendigkeit einer prospektiven Interventionsstudie in einer älteren Population“.

Helmut Schatz

Mit starken Lasern zur unerschöpflichen Energiequelle

(HZDR) – Kernphysik ist üblicherweise die Domäne hoher Energien. Das wird zum Beispiel in den Versuchen zur Beherrschung der kontrollierten Kernfusion sichtbar. Ein Problem stellt die Überwindung der starken elektrischen Abstoßung zwischen den zu verschmelzenden Atomkernen dar, die hohe Energien erfordert. Fusionen könnten jedoch schon bei niedrigeren Energien in Gang kommen: mit Energien und elektromagnetischen Feldern, wie sie beispielsweise modernste Freie-Elektronen-Laser mit Röntgenlicht zur Verfügung stellen. Das zeigen Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) in der Fachzeitschrift Physical Review C.

Bei der Kernfusion verschmelzen zwei Atomkerne zu einem neuen Kern. Im Labor gelingt das zum Beispiel mit Teilchenbeschleunigern, wenn Forscher Fusionsreaktionen zur Bildung schneller freier Neutronen für weiterführende Experimente nutzen. In weit größerem Maßstab soll die kontrollierte Fusion leichter Kerne Anwendung in der Energieerzeugung finden. Vorbild ist die Sonne: Deren Energie speist sich aus einer Reihe von im Innern ablaufenden Fusionsreaktionen.

Seit vielen Jahren arbeiten Wissenschaftler an Konzepten, mit denen sich aus der Fusionsenergie Strom erzeugen ließe. „Zum einen ist es die Aussicht auf eine praktisch unerschöpfliche Energiequelle. Zum anderen sind es die vielen noch vorhandenen, technologischen Hürden, zu deren Meisterung wir mit unserer Arbeit einen Beitrag leisten wollen“, beschreibt Prof. Ralf Schützhold, Direktor der Abteilung für Theoretische Physik am HZDR, die Motivation seiner Forschung.

Tunneln auf hohem, aber demnächst zugänglichem Niveau
Um eine Kernfusion auszulösen, müssen die starken elektrischen Abstoßungskräfte der miteinander zu verschmelzenden, gleichartig geladenen Atomkerne überwunden werden. Dazu sind normalerweise hohe Energien notwendig. Doch es gibt noch einen weiteren Weg, erläutert Dr. Friedemann Queißer, Co-Autor der Studie: „Reicht die verfügbare Energie nicht aus, kann die Fusion auch durch Tunneln ermöglicht werden, einen quantenmechanischen Prozess. Dabei wird die von der Kernabstoßung verursachte Energiebarriere bei niedrigeren Energien durchtunnelt.“

Der Vorgang ist kein theoretisches Konstrukt, sondern Realität: So reichen die im Sonnenkern anzutreffenden Temperaturen und Druckverhältnisse nicht aus, um die Energiebarriere für eine Fusion von Wasserstoffkernen zu überwinden. Die Fusion findet trotzdem statt: Die vorherrschenden Bedingungen gestatten, über eine genügende Zahl von Tunnelprozessen die Fusionsreaktion aufrecht zu erhalten.

In ihrer aktuellen Arbeit untersuchten die HZDR-Wissenschaftler, ob die Unterstützung von Tunnelprozessen mittels Strahlung eine kontrollierte Fusion erleichtern kann. Doch auch das ist eine Frage der Energie: Je niedriger sie ist, desto unwahrscheinlicher wird das Tunneln. So war die Leistung herkömmlicher Laserstrahlung für das Auslösen solcher Prozesse bislang zu gering.

XFEL und Elektronenstrahlen zur Unterstützung von Fusionsreaktionen
Das könnte sich bald ändern: Mit Freie-Elektronen-Lasern mit Röntgenlicht (XFEL, X-Ray Free-Electron Laser) lassen sich bereits Leistungsdichten in einer Größenordnung von 1020 Watt pro Quadratzentimeter erreichen. Das entspricht in etwa dem Tausendfachen der auf die Erde einstrahlenden Leistung unserer Sonne, gebündelt auf die Fläche einer 1-Eurocent-Münze. „Damit stoßen wir in Bereiche vor, die eine Unterstützung solcher Tunnelprozesse mit starken Röntgenlasern möglich erscheinen lassen“, so Schützhold.

Die Idee: Das die Abstoßung der Kerne verursachende, starke elektrische Feld wird mit einem schwächeren, sich aber schnell ändernden elektromagnetischen Feld überlagert, wie es mit Hilfe eines XFEL erzeugt werden kann. Die Dresdner Wissenschaftler haben das anhand der Fusion der Wasserstoff-Isotope Deuterium und Tritium theoretisch untersucht. Diese Reaktion gilt heute als eine der aussichtsreichsten, wenn es um erfolgversprechende Konzepte für künftige Fusionskraftwerke geht. Die Ergebnisse zeigen, dass sich auf diesem Wege die Tunnelrate erhöhen lässt; eine ausreichende Zahl ausgelöster Tunnelprozesse könnte schließlich eine erfolgreiche und kontrollierte Fusionsreaktion ermöglichen.

Einige wenige Lasersysteme mit entsprechendem Potenzial gehören heute zu den Flaggschiffen von Großforschungsanlagen weltweit, wie etwa in Japan und den USA – oder in Deutschland, wo mit dem Röntgenlaser European XFEL der weltstärkste Laser seiner Art steht. An der dortigen Helmholtz International Beamline for Extreme Fields (HIBEF) sind Experimente mit einzigartigen ultrakurzen und extrem lichtstarken Röntgenblitzen geplant. HIBEF wird derzeit vom HZDR aufgebaut.

Als nächstes wollen die Dresdner Starkfeld-Physiker noch tiefer in die Theorie eintauchen, um auch andere Fusionsreaktionen besser verstehen und deren Potenzial für mittels Strahlung unterstützte Tunnelprozesse abschätzen zu können. Solche wurden bereits bei Laborsystemen, wie Quantenpunkten in der Festkörper-Physik oder Bose-Einstein-Kondensaten, beobachtet, doch im Falle der Kernfusion steht der experimentelle Nachweis noch aus. Perspektivisch halten die Autoren der Studie auch andere Strahlungsquellen zur Unterstützung von Tunnelprozessen für möglich. Zu Elektronenstrahlen liegen bereits erste theoretische Ergebnisse vor.

 

Höhere Kapazität für Akkus

(KIT) – Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit einer größeren Ladekapazität. „Wir sind dabei, solche Hochenergie-Systeme zu entwickeln“, sagt Professor Helmut Ehrenberg, Leiter des Instituts für Angewandte Materialien – Energiespeichersysteme (IAM-ESS). „Auf Basis eines grundlegenden Verständnisses der elektrochemischen Vorgänge in den Batterien sowie durch den innovativen Einsatz von neuen Materialien lässt sich die Speicherkapazität von Lithium-Ionen-Akkus nach unserer Einschätzung um bis zu 30 Prozent erhöhen.“ Am KIT läuft diese Forschung im Rahmen des Center for Electrochemical Energy Storage Ulm & Karlsruhe (CELEST), der größten deutschen Forschungsplattform für elektrochemische Speicher, deren stellvertretender Sprecher Ehrenberg ist.

Die Hochenergievariante der Lithium-Ionen-Technologie unterscheidet sich von der herkömmlichen durch ein spezifisches Kathodenmaterial: Während bislang überwiegend Schichtoxide mit unterschiedlichen Verhältnissen von Nickel, Mangan und Kobalt eingesetzt werden, kommen nun manganreiche Materialien mit Lithium-Überschuss zum Einsatz, was die Energiespeicherfähigkeit pro Volumen/Masse Kathodenmaterial deutlich erhöht. Allerdings gibt es beim Einsatz dieser Materialien bislang noch ein Problem: Bei der Ein- und Auslagerung von Lithium-Ionen – also der grundlegenden Funktionsweise einer Batterie – degradiert das Hochenergie-Kathodenmaterial. Das Schichtoxid wandelt sich nach einiger Zeit in eine Kristallstruktur mit sehr ungünstigen elektrochemischen Eigenschaften um. Als unerwünschte Folge sinkt die mittlere Lade- und Entladespannung von Beginn an, was die Entwicklung von brauchbaren Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus bislang verhinderte.

Neue Erkenntnisse über Degradation
Wie genau dieser Degradationsprozess abläuft, war noch nicht vollständig verstanden. Ein Forscherteam aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des KIT und kooperierender Einrichtungen hat den grundlegenden Mechanismus nun in der Zeitschrift Nature Communications beschrieben: „Auf Basis von detaillierten Untersuchungen des Hochenergie-Kathodenmaterials konnten wir zeigen, dass die Degradation nicht direkt, sondern indirekt über die Bildung einer bislang wenig beachteten lithiumhaltigen Kochsalzstruktur abläuft“, sagt Weibo Hua (IAM-ESS), einer der Hauptautoren der Studie. „Außerdem spielt auch Sauerstoff bei den Reaktionen eine entscheidende Rolle.“ Neben diesen Ergebnissen zeigt die Studie außerdem, dass neue Erkenntnisse über das Verhalten einer Batterietechnologie nicht unbedingt direkt aus dem Degradationsprozess stammen müssen: Ihre Entdeckung hatten Weibo und die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nämlich anhand von Untersuchungen gewonnen, die während der Synthese des Kathodenmaterials durchgeführt wurden.

Auf dem Weg zu Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus für Elektroautos stellen die Forschungsergebnisse des KIT einen wichtigen Schritt dar: Sie machen es möglich, nun neue Ansätze zur Minimierung der Degradation in den Schichtoxiden zu testen und in die eigentliche Entwicklungsarbeit zu diesem neuen Batterietyp einzusteigen.