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Bild schürt Verschwörungstheorien zu Corona – Beschwerden den Deutschen Presserats

Presserat prüft Sammelbeschwerde mehrerer Wissenschaftler gegen BILD

Der Deutsche Presserat prüft aktuell eine Sammelbeschwerde mehrerer Wissenschaftler gegen BILD und BILD.DE. Der Presserat bestätigt damit entsprechende Medienberichte.

Die Redaktion hatte am 4. Dezember drei namentlich genannte und im Bild gezeigte Wissenschaftler als „Lockdown-Macher“ bezeichnet. Gegen den Beitrag und besonders gegen dessen Überschrift hatte die Humboldt-Universität nach eigenen Angaben Beschwerde beim Deutschen Presserat eingereicht.

„Insgesamt liegen uns dazu 84 Beschwerden vor“, bestätigte Sonja Volkmann-Schluck, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Presserat. „Die Beschwerdeführer kritisieren, es werde der falsche Eindruck erweckt, dass Wissenschaftler Corona-Maßnahmen beschließen, für die aber die Politik verantwortlich sei. Dies schüre Verschwörungstheorien und sei zudem ein Aufruf zur Hetze gegen Wissenschaftler.“

Der Deutsche Presserat prüft jetzt, ob er ein Verfahren gegen BILD und BILD.DE einleitet. Dabei geht es um die Frage, ob die Redaktion ihrer Sorgfaltspflicht nach Ziffer 2 des Pressekodex nachgekommen ist bzw. ob die Berichterstattung dem Wahrhaftigkeitsgebot nach Ziffer 1 des Pressekodex entspricht.

Der Deutsche Presserat ist die Freiwillige Selbstkontrolle der Printmedien und deren Online-Auftritte in Deutschland. Anhand von Beschwerden überprüft er die Einhaltung ethischer Regeln im Journalismus, die im Pressekodex festgehalten sind.

Triage: Hilfe bei der Suche nach Leben und Tod – Beispiel Corona

KI erkennt Corona-Patienten für Intensivstation

(pte) – Forscher der University of Waterloo und das Start-up DarwinAI  haben eine neue Technologie auf Basis Künstlicher Intelligenz (KI) entwickelt, die Medizinern während der COVID-19-Pandemie dabei hilft, das Beste aus den eingeschränkten Ressourcen zu machen, indem sie Patienten identifiziert, die eine Behandlung auf der Intensivstation benötigen.

Mediziner nicht ersetzen

Die KI-Software nutzt für ihre Entscheidung 200 Punkte klinischer Daten. Dazu gehören Vitalparameter, die Ergebnisse von Bluttest und die medizinische Vorgeschichte. Laut dem leitenden Wissenschaftler Alexander Wong handelt es sich dabei um einen sehr wichtigen Schritt beim sogenannten klinischen „Decision Support Process“ für die Triage von Patienten und der Entwicklung von Behandlungsplänen.

Die Experten haben den Algorithmus mit Daten von fast 400 Fällen am Hospital Sirio-Libanes in São Paulo trainiert, bei denen Ärzte die Entscheidung getroffen hatten, ob Patienten auf die Intensivstation kommen sollten. Basierend auf den von diesen Daten gelernten Lektionen, kann das neuronale Netzwerk die Notwendigkeit einer Einlieferung auf die Intensivstation mehr als 95 Prozent genau ermitteln.

Es identifiziert auch die Schlüsselfaktoren, die dieser Entscheidung zu Grunde liegen, damit die Mediziner ihnen eher vertrauen können. Anstatt Ärzte zu ersetzen, soll die KI sie mit einem neuen Werkzeug ausstatten, um fundiertere Entscheidungen zu treffen und sicherzustellen, dass die Patienten, die die Intensivpflege am dringendsten benötigen, sie auch bekommen.

Open Source für Optimierung

„Ziel ist es, Medizinern dabei zu helfen, basierend auf früheren Fallgeschichten und Ergebnissen raschere und konsistentere Entscheidungen zu treffen. Es geht um die Erweiterung ihrer Expertise, um die Nutzung medizinischer Ressourcen zu optimieren und die Patientenversorgung zu individualisieren“, unterstreicht Wong. Die Technologie wurde für Forscher auf der ganzen Welt für weitere Verbesserungen frei zugänglich gemacht.

Derzeit wird die neue Technologie in ein größeres klinisches Decision-Support-System eingebaut, das von der laufenden COVID-Net-Open-Source-Initiative entwickelt wird, die Ärzte ebenfalls dabei unterstützt, COVID zu erkennen und die Schwere mit Unterstützung der KI festzustellen. Ausgangspunkt dabei ist die Analyse von medizinischen Bildern. Die Forschungsergebnisse werden am 10. Dezember online im Rahmen der Conference on Neural Information Processing Systems präsentiert.

Vom Sterben auf der Intensivstation

(Morning Briefing) – Nirgends stecken sich derzeit mehr Menschen mit dem Coronavirus an als dort, wo die Impfquote besonders niedrig ist. So beispielsweise in Thüringen: Dort sind nur 63,2 Prozent der Menschen doppelt gegen das Coronavirus geimpft. Die 7-Tage Inzidenz in Thüringen liegt derzeit bei 1.023.

Doch welche Auswirkungen hat eine hohe Inzidenz wirklich auf die Belegung von Intensivbetten? Darüber spreche ich im heutigen Morning-Briefing Podcast mit Dr. Caterina Reuchsel. Sie ist die Leiterin der Intensivstation in der Waldklinik Gera. Bei ihr liegen die COVID Patienten. Derzeit ausschließlich Ungeimpfte.

Viele verlangten dann auf der Intensivstation nach der Impfung; zu spät. Dem infizierten Körper wird grundsätzliche keine Impfung mehr verabreicht.

Nirgends stecken sich derzeit mehr Menschen mit dem Coronavirus an als dort, wo die Impfquote besonders niedrig ist. So beispielsweise in Thüringen: Dort sind nur 63,2 Prozent der Menschen doppelt gegen das Coronavirus geimpft. Die 7-Tage Inzidenz in Thüringen liegt derzeit bei 1.023.

Doch welche Auswirkungen hat eine hohe Inzidenz wirklich auf die Belegung von Intensivbetten? Darüber spreche ich im heutigen Morning-Briefing Podcast mit Dr. Caterina Reuchsel. Sie ist die Leiterin der Intensivstation in der Waldklinik Gera. Bei ihr liegen die COVID Patienten. Derzeit ausschließlich Ungeimpfte. Über diese sagt Frau Dr. Reuchsel:

Keiner der Patienten hat damit gerechnet, dass er bei uns landet. Alle sind überrascht. “

 

Begrüßenswerte Diskussion über Werte bei Wikimedia

An der Diskussion habe ich mich beteiligt und finde, dass es in der heutigen postfaktischen Zeit für einen so verbreiteten digitalen Lexikon wie Wikimedia sehr wichtig war, dieses Thema aufzugreifen.

Jean Pütz

Hier geht’s zum Wikimedia-Artikel

Liebe Teilnehmende der Workshops im Rahmen des Wertedialogs,

vielen Dank für euer Interesse an dem Thema Werte für Wikimedia Deutschland. Insgesamt haben ca. 35 aktive Mitglieder an den beiden Workshops teilgenommen und mit uns gemeinsam den Text “Vorschlag zu möglichen Werten von Wikimedia Deutschland” diskutiert.

Vielen Dank auch für eure tollen Ideen und Vorschläge. Insgesamt sehen wir die Workshops mit euch als vollen Erfolg, da die vielen Anregungen eine sehr gute Grundlage für die weitere Überarbeitung des Vorschlags legen.

Gleichzeitig konnten nicht alle von euch an den Workshops teilnehmen. Vielleicht haben Einzelne von euch auch noch im Nachgang weitere Gedanken gehabt. Falls ihr möchtet könnt ihr uns per Email bis Mi, 15. Dezember weitere Überlegungen zum Textvorschlag schicken. Orientiert euch dabei gerne an den Fragen des Workshops:

1) Wie gut passen die vorgeschlagenen Werte zu Wikimedia Deutschland?
2) Was könnte noch verbessert werden?
3) Was fehlt noch in dem Vorschlag?

Bitte bezieht diese Fragen, wie auch im Workshop, auf den Text “Vorschlag zu möglichen Werten von Wikimedia Deutschland” (im Anhang dieser E-Mail). Wenn ihr im Workshop dabei wart und eure Überlegungen mit uns geteilt habt, haben wir dies natürlich schon alles dokumentiert. Seht dies bitte als ein zusätzliches Angebot, was ihr nutzen könnt (oder auch nicht).

Über weitere Feedbackmöglichkeiten zu einem überarbeiteten Vorschlag im Februar werden wir euch zeitnah informieren.

Viele Grüße
Julia
Wikimedia

COVID-19-Impfung: Gründe für früheres Boostern

(Uni Kiel) – Wer wegen einer chronisch-entzündlichen Erkrankung mit TNF-alpha-Blockern behandelt wird, benötigt vermutlich früher als andere eine Auffrischungsimpfung gegen SARS-CoV-2. Darauf verweist eine Studie des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“.

Patientinnen und Patienten mit rheumatischen Erkrankungen oder Entzündungskrankheiten von Darm (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Haut (Schuppenflechte) werden häufig mit Wirkstoffen behandelt, die das Immunsystem unterdrücken. Diese immunsuppressiven Therapien können Krankheitsschübe verhindern, eventuell aber auch den Erfolg einer COVID-Impfung schmälern. Ob das tatsächlich der Fall ist, hat ein Kieler Forschungsteam des Exzellenzclusters „Precision Medicine in Chronic Inflammation“ (PMI) untersucht. Die im März 2021 veröffentlichte Auswertung des kurzfristigen Impferfolgs ergab, dass die neuen mRNA-Impfstoffe gegen COVID-19 bei Menschen mit chronischen Entzündungserkrankungen und immunsuppressiver Therapie wirksam und verträglich sind. Um die langfristige Impfantwort abschätzen zu können, wurden 23 Patientinnen und Patienten mit immunsuppressiver Therapie ein halbes Jahr nach der zweiten Impfung erneut untersucht und mit 24 gesunden Kontrollpersonen verglichen. Bei einigen von ihnen waren die Antikörperspiegel gegen SARS-CoV-2 stark abgefallen, wie die im rheumatologischen Fachjournal RMD Open veröffentlichte Studie zeigt.

TNF-Therapie: Schneller Rückgang der Antikörperspiegel

„Wir haben gesehen, dass die 13 Patientinnen und Patienten, die mit TNF-alpha-Blockern behandelt wurden, deutlich niedrigere Antikörperspiegel hatten als gesunde Personen, während die Patientinnen und Patienten in unserer Kohorte, die andere Basistherapien bekommen, auch nach sechs Monaten nicht signifikant anders aussehen als Gesunde“, berichtet die federführende Autorin Bimba F. Hoyer, Professorin für Rheumatologie an der Medizinischen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und Leiterin des Exzellenzzentrums für Entzündungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Campus Kiel. Daraus ergebe sich aber nicht zwangsläufig, dass die mit TNF-alpha-Blockern behandelten Personen keinen Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus mehr hätten. Denn nicht nur die spezifisch gegen das Virus gerichteten Antikörper schützen vor einer Infektion, sondern auch spezialisierte Immunzellen. „Diese zelluläre Impfantwort ist auch nach sechs Monaten bei Patientinnen und Patienten mit TNF-alpha-Blocker-Therapie nahezu unverändert vorhanden. Ein gewisser Schutz ist vermutlich noch da, aber im Vergleich zu anderen Personen wird er etwas schlechter sein“, erklärt Hoyer. „Nach sechs Monaten brauchen die ganz sicher eine Auffrischungsimpfung, aber wahrscheinlich würde man gut daran tun, sie früher zu boostern.“ Ob eventuell auch andere immunsuppressive Therapien den Impfschutz beeinträchtigen, dazu lasse sich aus der relativ kleinen Studie keine Aussage treffen.

Erhöhtes Risiko für Impfdurchbrüche

Der auffälligste Unterschied zwischen den mit TNF-alpha-Blockern behandelten Personen und den anderen Gruppen wurde bei den Konzentrationen der neutralisierenden Antikörper beobachtet. Neutralisierende Antikörper binden sich auf ganz besondere Weise an einen Viruspartikel und verhindern, dass das Virus eine Zelle infiziert. Noch gibt es keinen Grenzwert für die Konzentration von neutralisierenden Antikörpern, ab dem ein Immunschutz vorliegt. „Erste Daten aus Durchbruchsinfektionen deuten aber darauf hin, dass abnehmende Spiegel neutralisierender Antikörper mit einem abnehmenden Schutz gegen SARS-CoV2 korrelieren“, betont die Kieler Rheumatologin. Der in der Kieler Studie beobachtete rasche Rückgang der Antikörperspiegel im Zusammenhang mit einer TNF-Blocker-Therapie müsse noch in größeren Studien bestätigt werden, sollte aber schon jetzt bei der Planung von Auffrischungsimpfungen bedacht werden. Und prinzipiell könnte diese Problematik auch bei anderen Impfungen auftreten.

Ein Vorschlag zur Güte von Jean Pütz

Brief an die Leitung der Konrad-Adenauer-Stiftung, die diese Thematik zu einem Schwerpunkt ihrer Veröffentlichungen gemacht

Verehrter Dr. Lammert, lieber Dr. Blind, lieber Dr. von Diest, lieber Herr Thielen, lieber Herr Algermissen,

mein Name ist Jean Pütz, Wissenschaftsjournalist der zweiten Stunde, Überzeugungstäter in Sachen Wissenschaftskommunikation. Ich möchte Ihnen allen ein großes Kompliment aussprechen. In letzter Zeit haben Sie eine Themenauswahl in Ihren Vorträgen und Seminaren bedient, die einzigartig ist und extrem wichtig für unsere Demokratie in postfaktischen Zeiten. Da begegnen wir uns einhellig. Auch ich arbeite jeden Tag täglich mit meiner Sekretärin an der Aktualisierung meiner sehr gut besuchten wissenschaftlichen Homepage

www.jean-puetz.net

Nicht nur deshalb bin ich auch mit 85 Jahren auf der Höhe der Wissenschaftskommunikation.

Ein Thema allerdings vermisse ich, insbesondere was die Zukunft unserer Landwirtschaft anbelangt, das heißt, Alternativen zur biologischen und konservativen Landwirtschaft. Dazu bitte ich Sie, dieses ggf.  in Ihre digitale Gesprächsrunde mit aufzunehmen.

Für beide Sparten sehe ich große Probleme, was ihre Konkurrenzfähigkeit in Europa und der Welt anbelangt. Ganz klar, es wäre schön, wenn sich die biologische Methode durchsetzen würde. Die Probleme kennen Sie, deshalb hier mein Vorschlag, der beide versöhnen würde:

In der Viehzucht gibt es Tierärzte, die allerdings dringend darauf achten müssen, dass die Verabreichung von Medikamenten nur bei vorhandenen Krankheiten und nicht prophylaktisch erfolgen soll. Da hinkt auch der Gesetzgeber hinterher.

Warum schafft man nicht parallel zu den Tierärzte ähnliche Möglichkeiten für den Ackerbau? Ich schlage vor, dass der Gebrauch von Pestiziden und sonstigen chemischen Mittel nur dann den Landwirten erlaubt werden, wenn Pflanzenkrankheiten dieses erfordern. Deshalb empfehle ich – analog zu den Tierärzten – Pflanzendoktoren diese Aufgabe zu übertragen und auch hier prophylaktische Maßnahmen zu verbieten. Das könnten zertifizierte Biologen, die in der Pflanzenzucht heimisch sind, übernehmen. Alle extrem wirksamen Pestizide und Unkrautvernichter dürften nur wohl dosiert nach Ausstellung von Rezepten durch diese Fachleute vergeben werden.

Ganz klar, mir sind die Probleme bewusst, denn es müsste ein neuer Berufsstand geschaffen werden, aber ich bin sicher, dass viele fachkundige Biologen dazu bereit wären.

Lieber Herr Algermissen, besteht die Möglichkeit, dieses Thema in der Runde zur Sprache zu bringen?

Vielen Dank im Voraus.

Ich finde, zu den Aufgaben eines Wissenschaftsjournalisten gehört nicht nur die Vermittlung und Kritik, sondern auch Vorschläge zu machen, die die Situation verbessern.

Mit freundlichen Grüßen

Jean Pütz

Saure Mitgift für den neuen Verkehrsminister Volker Wissing

(Morning Briefing) – „Das katastrophale Versagen seiner Vorgänger Dobrindt und Scheuer in Sachen Mobilität mit der Bahn“

Wenn das Virus weiter grassiert und mutiert, zuckt die neue Regierung genauso die Achseln wie die alte. Der noch amtierende Gesundheitsminister hat die Generalamnestie bereits erlassen: „Wir werden einander viel verzeihen müssen.“ Was er damit meinte: für verspätete Booster-Impfungen, das fortgesetzte Sterben unter der Atemmaske und andere Nebenwirkungen unserer Politik sprechen Sie bitte mit ihrem Arzt oder Apotheker, nur bitte nerven Sie damit nicht Ihre Regierung.

Aber: Es gibt ein politisches Aufgabenfeld, da gelten keinerlei Beschönigungen. Da entscheiden sich Erfolg oder Misserfolg einzig und allein in einem Ministerbüro. Und – auch das unterscheidet diese Angelegenheit von allen anderen – jeder und jede kann den Erfolg oder eben den Misserfolg dieses Ministers sehen und fühlen. Er ist der Mann ohne Ausreden.

Die Rede ist von der Deutsche Bahn AG und ihrem neuen Chef-Chef, dem liberalen Verkehrsminister Volker Wissing. Er managt – im Auftrag aller Bürgerlein – 100 Prozent der Anteile dieser letzten großen Staatsfirma.

Die Erwartungen an einen Liberalen, der ja in Sachen Wirtschaft und Führung einer Kompetenzvermutung unterliegt, sind deutlich höher als an den Vorgänger, der vor allem fesch, aber fachlich nicht sattelfest war. Hier zur Erinnerung die Mängelliste, die der eine hinterließ und die deshalb oben auf den Schreibtisch des neuen Amtsinhabers gehört:

Punkt 1: Die Worte Bahn und Pünktlichkeit reiben sich. Bei einer vom ADAC durchgeführten Untersuchung von 30 Verbindungen waren nur 43 Prozent der Züge auf die Minute pünktlich; selbst laut der geschönten internen Bahn-Statistik – hier werden fünf Minuten Verspätung als Normalfall akzeptiert und ausgefallene Züge zählen erst gar nicht – waren im Oktober nur 67,6 Prozent der Fernverkehrszüge pünktlich. Jeder dritte Zug ist demnach ein Bummelzug.

Punkt 2: Die Bahn hasst den Mobilfunk. Die Netzabdeckung ist nicht gewährleistet und eine verlässliche WLAN-Verbindung gilt als Glücksfall. Laut der jährlichen Untersuchung der Fachmagazine „Chip“ und „Connect“ konnten etwa über das Telekom-Netz nur rund 90 Prozent der Verbindungen aufgebaut werden. Jeder zehnte WhatsApp-Anruf plumpst ins Funkloch.

Punkt 3: Die Bahn leidet unter Materialermüdung: Marode Brücken, kaputte Tunnel, veraltete Bahnhöfe, wenig Digitalisierungstechnik – die deutsche Schieneninfrastruktur ist in die Jahre gekommen.

Punkt 4: Die Bahn als Treiber der Mobilitätswende ist bisher ein Totalausfall. Sie lockt den Güterverkehr nicht auf die Schiene, sondern stößt ihn in Richtung Straße ab. Bis 2030 soll der Marktanteil im Gütertransport nach den Plänen der Bundesregierung bei 25 Prozent liegen, dabei ist er in der Realität bereits weit unter die 20-Prozent-Marke gefallen. Der Lkw konnte seinen Marktanteil auf 74,1 Prozent ausbauen.

Punkt 5: Der Aufsichtsrat verdient diesen Namen nicht. Er tagt, aber er kontrolliert nicht. Sowohl Bundestagsabgeordnete wie Bundesbedienstete sitzen im Kontrollgremium der Deutsche Bahn AG, nur der Minister bisher nicht. Die Aufsichtsräte nehmen, sagt der Bundesrechnungshof, „konkurrierende Funktionen beim Mittelempfänger DB AG und beim Geldgeber Bund wahr“, sprich sie konnten ihre Kontrollfunktion gar nicht wahrnehmen.

Dabei sei es die Aufgabe des Verkehrsministeriums, „bereits dem Anschein einer möglichen Parteilichkeit bei Entscheidungen“ entgegenzuwirken. Doch der Minister (der bisherige) habe die Interessenkonflikte „weder vorbeugend geprüft“, noch hätten die Aufsichtsratsmitglieder die „widerstreitenden Interessen“ selbst gemeldet. Ein grober Fall von Aufsichtsversagen.

Punkt 6: Das chronische Missmanagement von Bahn-Chef Richard Lutz wurde vom bisherigen Minister nicht goutiert, aber toleriert. Der Schuldenberg des Konzerns hat sich in den vergangenen zehn Jahren beinahe verdoppelt, derweil der Umsatz schrumpfte.

Die Bedeutung des genialen Elektromotors für die Verkehrswende wird unterschätzt, umso erfreulicher sind neue Forschungsbemühungen

(KIT) – Elektrische Traktionsmotoren sind unerlässlich für hybride und vollelektrische Antriebsstränge und müssen in höchster Qualität und Leistungsdichte produziert werden – bei gleichzeitig geringen Kosten. Wie das künftig erfolgreich gelingen kann, erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) gemeinsam mit dem Unternehmen Schaeffler und weiteren Industriepartnern. Dabei wird das KIT insgesamt mit 3,4 Millionen Euro gefördert.

Elektromobilität gewinnt zwar immer mehr an Bedeutung, für Automobilhersteller herrschen aber weiter unsichere Rahmenbedingungen: Welche Stückzahlen sind zu erwarten? Welche Technologien eignen sich? Um dies zu lösen, befassen sich im Forschungsvorhaben AgiloDrive2 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des KIT, das Unternehmen Schaeffler sowie 16 weitere Industriepartner mit der Frage, wie Elektromotoren künftig flexibel, aber dennoch wirtschaftlich gefertigt werden können. „Hierdurch wird die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie nachhaltig gestärkt, um die Elektromobilität nicht nur technisch, sondern auch wirtschaftlich in die Energie- und Mobilitätswende zu integrieren,“ sagt Professor Thomas Hirth, Vizepräsident des KIT für Innovation und Internationales.

Grundlage: Digitale Zwillinge und modulare Baukästen

AgiloDrive, die Pilotphase des Forschungsvorhabens, die vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg mit rund einer Million Euro für 1,5 Jahre gefördert wurde, schuf die Grundlagen: Das Projektteam, bestehend aus dem wbk Institut für Produktionstechnik, dem Elektrotechnischen Institut (ETI) und dem IPEK Institut für Produktentwicklung des KIT sowie Industriepartnern, setzte digitale Zwillinge ein, also computergestützte Simulationen, die das Produktionssystem sehr realitätsnah und detailliert widerspiegeln. Es erarbeitete modulare Baukastenstrukturen und baute zwei Demonstratoren auf, mit denen ein Funktionsnachweis für die Implementierung eines neuartigen, agilen Produktionssystems erbracht werden konnte.

Agiles Produktionssystem für elektrische Traktionsmotoren

Im Projekt AgiloDrive2, das in den kommenden drei Jahren bei einem Projektvolumen von 33,7 Millionen Euro mit insgesamt 16,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert wird, arbeiten die drei Institute des KIT gemeinsam mit 17 Industrieunternehmen daran, zukunftsrobuste Baukastenstrukturen, effiziente Auslegungsmethoden sowie datenbasierte Technologien und digitale Prozessketten zu entwickeln. Diese sollen es gestatten, ein agiles Produktionssystem für elektrische Traktionsmotoren als reale Versuchsumgebung zu implementieren. „Unsere agilen Lösungsansätze ermöglichen es, Produktionssysteme in bedarfsgerechten Betriebspunkten zu betreiben und darüber hinaus kostensenkende Skaleneffekte durch eine datenbasierte Prozessanpassung über verschiedene Produktbaureihen und Technologien hinweg zu nutzen“, erklärt Professor Jürgen Fleischer, Leiter des wbk Instituts für Produktionstechnik am KIT und wissenschaftlicher Projektleiter bei AgiloDrive2.

Ein Team des IPEK wird unter der Leitung von Professor Albert Albers einen modularen Baukasten für die Entwicklung von E-Motoren erforschen und eine Methodik zur Auswirkungs- und Risikoanalyse in frühen Phasen der Produktentstehung erarbeiten. Am ETI werden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler unter der Leitung von Professor Martin Doppelbauer digitale Prozessketten für die effiziente Auslegung elektrischer Maschinen erarbeiten. Das Team des wbk wird gemeinsam mit seinen industriellen Partnern einen Produktionsbaukasten für E-Motoren entwickeln sowie Prozesse analysieren und optimieren, die nötig sind, um elektrische Traktionsmotoren flexibel, aber dennoch wirtschaftlich herzustellen. Die betrachteten Prozesse und Technologien umfassen dabei klassische Handhabungs- und Fügetechnologien, zum Beispiel im Kontext der Magnetmontage, aber auch hochkomplexe Sonderprozesse wie die Formgebung sowie das Einbringen und Twisten von U-förmigen Hairpin-Steckspulen aus Kupferflachdraht. Zudem werden Methoden zur datenbasierten Steigerung der Effizienz in der Produktion sowie die flexible Demontage von Elektromotoren erforscht – basierend auf dem Lösungsansatz der Wertstromkinematik.

Die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Industrie soll sich sowohl kurz- als auch langfristig für alle Projektpartner auszahlen: Schaeffler plant, die Erkenntnisse nach dem Projektende in kurzer Zeit in die E-Motoren-Fertigung an den Standort Bühl zu überführen. Mit der neuen Karlsruher Forschungsfabrik am Campus Ost des KIT und dem Schaeffler Hub for Advanced Research (SHARE) existiert bereits eine Infrastruktur für Forschungsarbeiten zur nachhaltigen Mobilität. (kla)

Beteiligte Partner

An AgiloDrive2 sind neben dem KIT und Schaeffler die e-mobil BW GmbH sowie folgende Industriepartner beteiligt: 4D GmbH, Braun Sondermaschinen GmbH, Carl Zeiss Industrielle Messtechnik GmbH, FormiKa GmbH, Gehring Technologies GmbH + Co. KG, Koob Testsystems GmbH, KUKA AG, LTB Bachofer GmbH, Magnet-Physik Dr. Steingroever GmbH, pro-beam systems GmbH, SCHUNK GmbH & Co. KG, Siemens AG, STAHL GmbH & Co. KG, TRUMPF Laser GmbH und WAFIOS AG.

Erst Statistik ermöglicht tiefe Einblicke in komplexe Naturphänomene

komplexe Prozesse wie der Klimawandel oder die pandemische Ausbreitung von Viren sind heute durch Methoden der Statistischen Physik beschreibbar. Das hat das Nobelpreiskomitee erkannt und würdigt den in Japan geborenen, amerikanischen Physiker Syukuro Manabe, den deutschen Meteorologen Klaus Hasselmann sowie den italienischen Physiker Giorgio Parisi in diesem Jahr mit dem Nobelpreis für Physik. Alle drei trugen wesentlich zum Verständnis komplexer Systeme bei.

Von der Vortrefflichkeit der Arbeiten von Parisi, dem eine Hälfte des Nobelpreises zugesprochen wurde, ist die Deutsche Physikalische Gesellschaft schon lange überzeugt: Bereits im Jahr 2011 verliehen wir ihm die Max-Planck-Medaille; das ist unsere höchste Auszeichnung für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der theoretischen Physik.

Und die Arbeiten von Manabe und Hasselmann, die sich die andere Hälfte des Nobelpreises teilen, zeigen deutlich, dass die Wissenschaft schon frühzeitig mit fundamentalen Arbeiten auf den menschengemachten Klimawandel hingewiesen hat. Auch uns hat das bewogen, bereits im Jahr 1985 vor einer drohenden Klimakatastrophe zu warnen

Physik Konkret

 

2G-Impfpass verliert seine Gültigkeit

(Wirtschaftswoche) – Die EU-Kommission will die Gültigkeit der Covid-Impfzertifikate von aktuell zwölf auf nur noch neun Monate verkürzen. Diesen Plan hat EU-Justizkommissar Didier Rynders am Donnerstagmittag in Brüssel vorgestellt. Damit reagiert die Kommission auf den laut mehrerer Studien bereits nach rund einem halben Jahr stark nachlassenden Schutz durch die bisherigen Schutzimpfungen.

Als „vollständig geimpft“ sollen nach den neuen Plänen künftig nur noch Menschen gelten, die – zusätzlich zu den bisherigen Impfdosen – noch eine weitere Auffrischungsimpfung erhalten haben. Über die Pläne der Kommission wird kurzfristig der Ministerrat beraten, das Gremium der Regierungschefs der EU-Mitgliedsländer. Sofern dieser den Vorschlag akzeptiert, soll die Neuregelung spätestens zum 10. Januar 2022 wirksam werden. Bisher haben EU-Länder rund 650 Millionen Impfzertifikate ausgestellt.

„Wir berücksichtigen mit dem Vorschlag einerseits neue wissenschaftliche Erkenntnisse“, so der belgische EU-Kommissar bei der Vorstellung der Pläne. „Gleichzeitig wollen wir den EU-Staaten aber auch die Möglichkeit geben, ihren Bürgerinnen und Bürgern durch kurzfristige Booster-Kampagnen die volle Reisefreiheit zu sichern.“ Bisher garantiert eine vollständige Impfung mit ein oder zwei Impfdosen, je nach Vakzin, dass EU-Bürger innerhalb der Union reisen können – ohne Quarantäne oder Testpflicht.

Laut dem Vorschlag der Kommission würden nun auch heute als vollständig geimpft geltende EU-Bürger ohne Booster neun Monate nach ihrem letzten Impftermin wieder als ungeimpft gelten. Sie müssten sich dann bei Reisen in andere EU-Staaten erneut testen lassen oder sogar nach Grenzübertritten wieder in Quarantäne begeben. Umgekehrt sollen Zertifikate von Reisenden mit Booster zunächst unbeschränkt gültig bleiben.

„Wir wissen um die nachlassende Wirkung der Impfungen auch schon nach sechs Monaten“, so Rynders in Brüssel, „wir verstehen den Vorschlag für die Gültigkeit der Zertifikate daher als eine Art 6+3-Monats-Regelung – verbunden mit der dingenden Empfehlung an alle Menschen, sich möglichst rasch eine Boosterimpfung zu holen.“ Allerdings seien die entsprechenden Impfkampagnen noch nicht in allen Mitgliedsstaaten angelaufen, sodass die vorgeschlagene Übergangsfrist ein Kompromiss zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren sei.