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Rosmarin mit herb-würzigem Aroma

(BZfE) – Sommer, Sonne, Mittelmeer – der intensive Duft von Rosmarin
weckt Erinnerungen an den letzten Urlaub im Süden. Hier wächst die
Pflanze wild in der typischen Halbstrauchvegetation, auch Macchia genannt.
In der mediterranen Küche hat das Gewürz mit dem herben Aroma seinen
festen Platz. Die Blättchen schmecken angenehm warm nach Kampfer, aber
gleichzeitig auch etwas pfeffrig.

Rosmarin harmoniert sehr gut zu Lamm, Geflügel und Fisch, Ziegen- und
Schafskäse, Kartoffeln und mediterranem Gemüse wie Zucchini und
Auberginen. Tomatensoßen für Pasta werden häufig mit Rosmarin, Thymian,
Zwiebeln und Knoblauch verfeinert. Für die beliebten Rosmarinkartoffeln
werden die Knollen gewaschen und mit Olivenöl, Pfeffer, Salz, Knoblauch
und Rosmarinblättchen vermengt. Danach lässt man sie bei 200 Grad im
Backofen 30 Minuten goldbraun backen.

Rosmarin ist ein wichtiger Bestandteil der Gewürzmischung „Kräuter der
Provence“ und wird auch in Grillmarinaden verwendet. Essig, Raps- oder
Olivenöl können mit einem Zweig aromatisiert werden. Frische junge
Blättchen geben sogar Desserts, Konfitüre, Sorbet, Gebäck und Limonade
eine besondere Note.

Der Rosmarin (Rosmarinus officinalis) gehört zur botanischen Familie der
Lippenblütler. Der immergrüne, dicht verzweigte Strauch wird ein bis zwei
Meter hoch, und die derben Blätter sitzen direkt am Zweig. Bei der Ernte
werden die jungen Triebspitzen abgeschnitten, die Blätter abgestreift und
getrocknet. Dann sehen sie aus wie kleine grüngraue Tannennadeln. Rosmarin
ist eine Heilpflanze, die unter anderem bei Kreislaufbeschwerden,
Kopfschmerzen und zur Unterstützung bei rheumatischen Leiden eingesetzt
wird. Es sind ätherische Öle, Flavonoide und Gerbstoffe enthalten.

Im Handel finden Verbraucher Rosmarin als Blättchen getrocknet, gemahlen,
aber auch frisch im Bund und im Topf. Im eigenen Garten kann die Pflanze ab
dem Frühling in einem Kübel an einem sonnigen, geschützten Ort gehalten
werden. So lassen sich Triebspitzen und Blätter nach Bedarf pflücken.
Frische Zweige kommen erst kurz vor Ende der Garzeit in das Gericht und
werden wieder entfernt. Da getrockneter Rosmarin intensiver als Frischware
schmeckt, darf er länger mitgaren. Er muss aber vorsichtig dosiert werden,
damit er nicht den Geschmack der übrigen Speisen überdeckt.

Heike Kreutz

19.04.2019 Tätige Hilfe für die Erste Welt – fairer Handel im Aufschwung

Lieber Dieter,
was aus Transfair geworden ist, finde ich toll. Wenn ich bedenke, dass ich seinerzeit mit meinem Film über die armen Kaffeebauern in Costa Rica beim Start mithelfen konnte, diese Idee populär zu machen. Auch in zwei Hobbytheken habe ich unter Mitwirkung von Willy Millowitsch immer wieder an die Notwendigkeit der Unterstützung der Ersten Welt aufmerksam gemacht. Selbstverständlich kaufe ich persönlich – wenn möglich – diese Vielfalt der Produkte, die sich mittlerweile angesammelt haben. Auf der anderen Seite fordere ich über Facebook die Politik auf, insbesondere in Richtung Afrika und Südamerika die Entwicklungshilfe auf mindestens 3 – 5 % unseres Bruttosozialprodukts zu erhöhen. Nur so lässt sich z. b. die Flüchtlingskrise ursächlich bekämpfen. Aber es geht dabei nicht nur um Geld, sondern um Hilfe und Akzeptanz an Ort und Stelle, ohne den Regierungsbeamten die Möglichkeit der Korruption zu bieten.

Das ist die Aufgabe von Transfair von Anfang an. Seit 20 Jahren – unterstützend wiederum durch einen meiner Filme – verfolge ich mit gutwilligen und intelligenten Menschen ein Projekt mit Namen ‚Pro Namibian Children‘ – es liegt 200 Km entfernt von der Hauptstadt – ein Handwerkerinternat unterhält. Dort können Jugendliche und Heranwachsende  Fertigkeiten erwerben, die für ihre Gemeinschaft wichtig sind, angefangen mein Kochen, Brot backen, Mechaniker-Arbeiten und sogar Umgang mit Computer und Smartphone.

Vor ein paar Wochen wurde in Düsseldorf eine Initiative gegründet unter der Vorgabe: Handwerk für Afrika, in dessen Kuratorium ich bin, nun frage ich Fairtrade Deutschland ob eine Kooperation möglich sein könnte. Keine andere Organisation hat so viel Erfahrung gesammelt wie ihr. Wir wollen zunächst in Kenia anfangen.

Toll, dass Ihr jetzt sogar im Haus der Bundespressekonferenz eine hoffentlich gut besuchte Präsentation Euer Erfolge vorstellen könnt.

Mein Kompliment

Euer Jean Pütz

Brief an Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstand Fairtrade Deutschland

Gefährlichen Keimen in Krankenhäusern hilflos ausgeliefert? – Ein Lösungsvorschlag

Sauberer Siphon – weniger Krankenhauskeime

Dresden / 17.4.2019

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Entwicklung von Prozessen und Anlagen zur Reinigung, Sterilisation und Oberflächenmodifizierung. Als Partner im neu gestarteten Projekt „Siphon“ präsentiert das Fraunhofer FEP im Rahmen der Messe MedTecLIVE, vom 21.-23. Mai 2019, in Nürnberg, in Halle 10, Stand 10.0 – 621, aktuelle Forschungsschwerpunkte des Institutes im Bereich Hygiene und Reinigung.

Jährlich erkranken allein in Deutschland etwa 800.000 – 900.000[1] Menschen an nosokomialen, also in Verbindung mit einem Krankenhausaufenthalt entstanden, Infektionen. Etwa ein Drittel dieser Fälle werden durch einen retrograden Bakterieneintrag bei immun-geschwächten Patienten verursacht.

Eine der vielen Quellen für diesen Eintrag ist das klinische Wassernetz. Während das Frischwasser sterilisiert wird, können über die Abflüsse Bakterien nahezu ungehindert in die Klinik gelangen. Wie eine groß angelegte Studie[2] gezeigt hat, findet die bakteriologische Besiedlung zunächst über die Abwasserleitung in die wasserführende Geruchssperre des Siphons statt. Wird nun der Wasserhahn geöffnet, strömt frisches Wasser durch das Abwasserrohr. Dabei strömt die Luftmasse über dem Siphon nach oben aus dem Waschbecken heraus, und reißt gleichzeitig Bakterien mit nach oben. Diese sind in einem Radius von ca. 1,5 m um das Waschbecken nachweisbar. Da sich bei laufendem Wasser stets auch eine Person in der Nähe des Waschbeckens aufhält, ist davon auszugehen, dass auf diesem Wege praktisch immer eine Übertragung von Bakterien stattfinden kann. Glücklicherweise führt nicht jeder Kontakt mit Bakterien sofort zu einer Erkrankung. Ganz im Gegenteil, sind doch die meisten Bakterien in und um unseren Körper wertvolle Helfer. Dennoch können sich auf die beschriebene Weise auch pathogene Erreger ausbreiten. In Krankenhäusern befinden sich zudem oft Patienten mit geschwächtem Immunsystem, die deshalb besonders anfällig für bakterielle Infektionen sind.

Bisher wird durch Ausheizen oder die Behandlung mit antibakteriellen Reinigungsmitteln der Siphon intervallartig unter großem Aufwand gesäubert, wodurch ein Großteil der Weiterverbreitung der Bakterien verhindert werden kann. Prinzipiell funktionierende Methoden, die jedoch nicht nur zeitlich und logistisch anspruchsvoll sind, sondern das Krankenhaus auch finanziell und damit am Ende das Gesundheitssystem belasten. Wie wäre es stattdessen mit einem Siphon, der – einmal eingebaut – in der Lage ist, eine bakterielle Besiedlung fortlaufend und sicher zu verhindern?

Für dieses ambitionierte Projekt haben sich Forscher des Fraunhofer FEP und der Firma MoveoMed GmbH zu einem von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) geförderten Projekt zusammengeschlossen.

„Der neuartige Ansatz besteht in der Entwicklung eines Siphon-Einsatzes, der permanent die bakteriologische Besiedlung unterbindet und somit auch eine retrograde Infektion verhindert“, erläutert Jan-Michael Albrecht, Geschäftsführer von MoveoMed.

Technologisch soll die bereits bekannte fotokatalytische Wirkung von Titandioxid (TiO2) verwendet werden. Dieser Stoff erzeugt bei Kontakt mit UV-Licht sogenannte Radikale, welche innerhalb kürzester Zeit Bakterien oder andere biologische Verunreinigungen zerstören können. Anwendung findet dies bereits in selbstreinigenden Fassaden oder Wandfarben, wobei winzige TiO2-Partikel im Sonnenlicht ihre reinigende Wirkung erzielen können. Hierbei wird jedes Mal, wenn ein TiO2-Partikel von einem Sonnenstrahl (genauer dem UV-Anteil des Strahls) getroffen wird, ein Sauerstoffradikal gebildet. Je stärker die Einstrahlung ist, und je mehr Titan-Partikel vorhanden sind, desto stärker ausgeprägt ist die Radikalbildung und damit der Reinigungseffekt. Unglücklicherweise gelangt in ein Abwasserrohr aber kein Sonnenstrahl und dadurch auch keine natürliche UV-Strahlung. Zusätzlich erschwert wird das Vorhaben durch den vorhandenen geringen Platz: Im Unterschied zu der normalerweise recht großen Fläche einer Hauswand, die gleichzeitig die große Reaktionsfläche darstellt, finden sich in hausüblichen Abwasserrohren weder große Flächen noch sonstiger verfügbarer Platz.

Ziel ist es also, die fotokatalytische, selbstreinigende Wirkung einer Fassade in der prallen Sonne so zu komprimieren, dass das gleiche Ergebnis (Reinigung und Desinfektion) in der Dunkelheit und Enge eines Abwasserrohres erzielt wird. Der Platzmangel soll durch die Verwendung poröser Sintermaterialien überwunden werden. Das sind Metalle, die zunächst zu Fäden gezogen werden, um dann lose zusammengelegt ein Geflecht mit viel Platz zu bilden, die durch einen finalen Erwärmungsschritt verfestigt werden. Auf diese Weise entsteht ein Werkstoff mit sehr großer innerer Oberfläche, der dann mit Titandioxid beschichtet werden kann. Das mangelnde Tageslicht soll durch die Verwendung von zusätzlich im Siphon verbauten speziellen UV-LEDs ersetzt werden.

Die Schwierigkeiten dieses ehrgeizigen Projektes liegen also nicht in der Erforschung prinzipiell neuer Technologien, sondern vielmehr in der Anwendung bestehender Techniken auf völlig neue Anwendungsfelder. Um das zu erreichen, ist es gelungen, diverse Expertisen aus unterschiedlichsten Gebieten zu verknüpfen und zu bündeln. So wird das vom Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM entwickelte Sinterverfahren zur Herstellung von metallischen Materialen mit großen Oberflächen verwendet.

Dr. Ulla König, stellvertretende Bereichsleiterin „Medizinische und biotechnologische Applikationen“ freut sich: „Das Fraunhofer FEP steuert sowohl seine Expertise in der Beschichtungstechnologie als auch in der Mikrobiologie und Analytik bei.“

Last but not least hat das Konsortium mit Moveomed einen erfahrenen Player im Bereich innovative Abwassertechnik mit an Bord. Deren aktuelles Model MoveoSiphon ST24 dient als Maßstab der anvisierten mikrobiologischen Wirksamkeit.

Über „Siphon“:

Das Verbundprojekt zwischen einer Forschungseinrichtung (FEP) und einem mittelständigem Unternehmen (Moveomed) mit dem Förderkennzeichen ZF 4597702BA8 wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) im Rahmen des Programms „Zentrales Investitionsprogramm Mittelstand (ZIM)“ über den Projektträger Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigung (AiF) gefördert. Beginnend im Januar 2019 ist eine 2-jährige Laufzeit geplant, an deren Ende ein Prototyp präsentiert werden soll.

Über MoveoMed GmbH:

Die MoveoMed GmbH ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das bedarfsgerecht abgestimmte Hygienelösungen für medizinische Einrichtungen (Krankenhäuser, Arztpraxen, Pflegeheime etc.) anbietet. Gegründet im Jahr 2012 hat sich das Unternehmen mit Sitz in Radebeul bei Dresden zum Ziel gesetzt, zur Verbesserung der Hygiene, vor allem in klinischen Sanitärbereichen, beizutragen.

Quellen:

[1] Peter Walger, Walter Popp, Martin Exner; Stellungnahme der DGKH zu Prävalenz, Letalität und Präventionspotenzial nosokomialer Infektionen in Deutschland 2013; Bundespressekonferenz; 28. März 2014

Besser schlafen: Alkohol ist keine Einschlafhilfe

Schlafmythen schaden der Gesundheit stark

Kurze Ruhephasen in der Nacht, Schnarchen und Alkohol sind nicht alles andere als harmlos

(pte001/17.04.2019/06:00) – Nur fünf oder weniger Stunden Schlaf reichen aus, Schnarchen ist harmlos und alkoholische Getränke helfen beim Einschlafen: Diese Annahmen gehören laut einer Studie der NYU School of Medicine http://med.nyu.edu zu den am weitesten verbreiteten Mythen über den Schlaf. Diese führen den Experten nach nicht nur zu schlechten Angewohnheiten, sondern stellen auch eine wesentliche Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar.

8.000 Webseiten analysiert

Die Forscher haben für ihre Studie über 8.000 Webseiten analysiert, um die 20 häufigsten Annahmen über den Schlaf zu identifizieren. Mit einem Team von Schlafmedizinern wurden sie dahingehend gereiht, ob sie als Mythos ausgeräumt werden konnten oder von wissenschaftlichen Ergebnissen gestützt sind. Zusätzlich wurde der Schaden beurteilt, den die Mythen verursachen können.

Laut Forschungsleiterin Rebecca Robbins ist Schlaf ein entscheidender Bereich des Lebens, der Produktivität, Stimmung, allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden beeinflusst. „Das Beseitigen von Mythen über den Schlaf führt zu gesünderen Schlafgewohnheiten, die ihrerseits insgesamt zu einer besseren Gesundheit führen.“

Die Behauptung, mit fünf Stunden Schlaf auszukommen, gehört zu den am häufigsten genannten Mythen, den die Forscher widerlegen können. Dieser Mythos führt laut der Studie auch zum größten Gesundheitsrisiko durch langfristige Schlafdefizite. Um die Auswirkungen dieser und anderer fälschlicher Annahmen zu verhindern, empfiehlt das Team einen gleichbleibenden Zeitplan für den Schlaf und mindestens sieben Stunden Nachtruhe. Zu den falschen Annahmen gehört auch, dass das Schlafen tagsüber etwas bringe, wenn es in der Nacht zu Schlafproblemen kommt.

Schnarchen nicht ignorieren

Ein weiterer Mythos betrifft das Schnarchen. Laut Robbins kann das Schnarchen zwar harmlos sein. Es kann aber auch ein Anzeichen für eine Schlafapnoe sein, eine ernsthafte Erkrankung, bei der die Atmung im Verlauf der Nacht gestört ist. Die Autoren empfehlen lautes Schnarchen nicht zu ignorieren, sondern einen Arzt aufzusuchen, da dieses Schlafverhalten zu einem Herzstillstand und anderen Erkrankungen führen kann.

Die Analyse hat auch ergeben, dass, entgegen anderer Annahmen, das Trinken von Alkohol vor dem Zubettgehen ungesund für den Schlaf ist. Laut Experten verringert der Alkohol die Fähigkeit des Körpers, den Tiefschlaf zu erreichen, der jedoch sehr wichtig ist. Die Forscher räumen ein, dass einige Mythen bei Schlafexperten noch immer zu Uneinigkeit führen.

Das Ausschlafen am Wochenende zum Beispiel stört den natürlichen Rhythmus. Bei Personen mit bestimmten Berufen, wie Schichtarbeitern, kann es jedoch besser sein, zu schlafen, als auf weniger Stunden zu kommen. Diese Unterschiede müssten laut dem Team noch weiter erforscht werden. Die Forschungsergebnisse wurden in „Sleep Health“ veröffentlicht.

Hoffnung für Lithium-Ionen-Batterien

Neue Batterie lässt sich blitzschnell aufladen

Forscher des Rensselaer Polytechnic Institute haben Erfolg mit modifiziertem Vanadiumdisulfid

(pte028/17.04.2019/13:30) – Forscher des Rensselaer Polytechnic Institute http://news.rpi.edu haben eine neue Elektrode entwickelt, die eine Schnellladung von Batterien für beispielsweise E-Autos ermöglicht. In einer normalen Lithium-Ionen-Batterie, wie sie in Autos und elektronischen Geräten wie Smartphones und Laptops eingesetzt wird, besteht die Anode, eine der beiden Elektroden, aus Graphit, die andere, die Kathode, aus Lithium-Kobalt-Oxid.

Verzicht auf Kobaltoxid

Experte Nikhil Koratkar hat Kobaltoxid im klassischen Kathodenmaterial durch Vanadiumdisulfid ersetzt. „Das erhöht die Energiedichte und beschleunigt den Ladevorgang, weil es elektrisch sehr gut leitet“, sagt Koratkar. Dass Vanadiumdisulfid das Potenzial hat, Lithium-Ionen-Batterien zu verbessern, ist bekannt. Doch alle, die versuchten, es zu nutzen, scheiterten bislang an der Instabilität des Werkstoffs, die die Lebensdauer derartiger Batterien unzumutbar stark verkürzte.

Koratkar und sein Team, zu dem auch Physikprofessor Vincent Meunier gehört, fanden nicht nur den Grund für die Instabilität des Materials heraus, sondern auch ein Mittel dagegen. Die Instabilität hat ihre Ursache in einer Asymmetrie, die dadurch entsteht, dass sich die Abstände zwischen den Vanadium-Atomen verändern. Dies wird als Peierls-Instabilität bezeichnet. Das verhinderten die Forscher, indem sie die Vanadiumdisulfid-Teilchen mit einer nanometerdicken Schicht aus Titandioxid einhüllten. „Diese Hülle hält die Teilchen zusammen, sodass sie sich nicht mehr bewegen können“, so Koratkar.

Überraschende Entdeckungen

Als das Problem gelöst war und die US-Wissenschaftler die ersten Elektroden aus dem beschichteten Material und Lithium hergestellt hatten, machten sie eine weitere überraschende Entdeckung. Die so hergestellten Batterien zeichneten sich durch eine hohe Kapazität aus, konnten also besonders viel Strom speichern. Als sie die Batterie immer wieder entladen haben und im Schnellgang wieder aufluden, machten sie noch eine Entdeckung. Die Kapazität verringerte sich kaum, im Gegensatz zu jener von klassischen Lithium-Ionen-Batterien. Jetzt fehlt nur noch eines: eine wirtschaftliche Produktionstechnik zur Massenherstellung.

Wie beeinflusst Künstliche Intelligenz unsere Zukunft? Mit einer Anmerkung von Jean Pütz

Zehn Kollegen der WPK-die Wissenschaftsjournalisten waren von dem EU-Parlament nach Brüssel eingeladen. Ich war als Delegierter dabei.

Die Funktion des europäischen Parlaments wird leider völlig unterschätzt, aber sie ist die einzige Instanz, die die EU-Commission überwacht und kontrolliert. Das Parlament bzw. der Ausschuß Wissenschaft, Forschung und Technologie bestimmt die Richtung, welche Unterstützung  die einzelnen europäischen Staaten für diese Aufgabe erhalten. Immerhin sind es insgesamt über 100 Milliarden Euro, die gerecht über die verschiedenen Wissenschafts-Zweige und -Projekte verteilt werden sollen. In diesem Zusammenhang haben wir von der WPK ein längeres Gespräch mit dem Berichterstatter dieses Ausschusses, Dr. Christian Ehler, ein ins EU-Parlament gewählter Abgeordneter aus Brandenburg, führen können. Wir warn beeindruckt ob der Qualifikation und seiner Fähigkeit, Gesamtzusammenhänge zu bewerten. Allerdings klagte er ebenso wie wir Wissenschaaftsjournalisten über das geringe Interesse der Öffentlichkeit und der Medien für den Bereich Wissenschaft und Forschung. Wörtlich sagte er uns, wenn er eine Pressekonferenz veranstalte, kämen ganz wenige Journalisten, während die politischen Pressekonferenzen aus allen Nähten platzten. Das ist eingentlich unverständlich wenn man bedenkt, dass das entscheidend die Zukunft und Konkurrenzfähigkeit Europas betrifft. Wer interessiert sich schon für den Quantencomputer der Zukunft oder die Künstliche Intelligenz und ihren Einfluss auf unseren Alltag. Solche Entwicklungen halte ich für gefährlich, insbesondere die Gefahr besteht, dass die Wissenschaft sich auf Grund der Komplexität zu einer Paralellgesellschaft entwickelt. Dr. Christian Ehler hält dagegen, ebenso wie wir Wissenschaftsjournalisten.

Der Kollege Dieter Beste, ebenso wie ich ehemals im Vorstand der WPK, hat sich durch den folgenden Beitrag davon inspirieren lassen, sich über die Ethik, die in Verbindung mit der Künsstlichen Intelligenz entwickelt werden muss.
Jean Pütz

Wie vertrauenswürdig ist Künstliche Intelligenz?
Autor:Dieter Beste

Die EU-Kommission möchte in einer internationalen Übereinkunft erreichen, dass bei Entwicklung und Anwendung der Künstlichen Intelligenz (KI) der Mensch im Mittelpunkt steht. Eine Expertengruppe legte dazu Anfang April ethische Leitlinien vor.

Künstliche Intelligenz verändert unsere Zivilisation dramatisch. Wir verlassen uns immer mehr auf effiziente Algorithmen, weil die Komplexität unserer zivilisatorischen Infrastruktur sonst nicht zu bewältigen wäre: „Unsere Gehirne sind zu langsam und bei den anstehenden Datenmengen hoffnungslos überfordert“, konstatiert der Philosoph Klaus Mainzer in „Künstliche Intelligenz – Wann übernehmen die Maschinen?“ – und fragt dort auf Seite 245: „Aber wie sicher sind KI-Algorithmen?“ Werden wir Menschen auch künftig dem Anspruch gerecht, Herr unseres Tuns zu sein – oder werden wir kapitulieren und die Verantwortung für unser Leben an Maschinen delegieren?

Künstliche Intelligenz (KI) ist ein internationales Zukunftsthema in Forschung und Technik, Wirtschaft und Gesellschaft. Aber Forschung und technische Innovation der KI reichen nicht aus. KI‐Technologie wird unsere Lebens‑ und Arbeitswelt …

 

Als eine dem europäischen Wertekanon gemäße Antwort auf derartige Fragen verstehen sich die ethischen Leitlinien, die jetzt eine unabhängige europäische Expertengruppe für vertrauenswürdige künstliche Intelligenz (KI) in Brüssel vorgelegt hat. Demnach muss eine KI, der wir vertrauen dürfen, die folgenden sieben Anforderungen erfüllen:

  • Vorrang menschlichen Handelns und menschlicher Aufsicht: KI-Systeme sollten gerechten Gesellschaften dienen, indem sie das menschliche Handeln und die Wahrung der Grundrechte unterstützen. Keinesfalls aber sollten sie die Autonomie der Menschen verringern, beschränken oder fehlleiten.
  • Robustheit und Sicherheit: Eine vertrauenswürdige KI setzt Algorithmen voraus, die sicher, verlässlich und robust genug sind, um Fehler oder Unstimmigkeiten in allen Phasen des Lebenszyklus des KI-Systems zu bewältigen.
  • Privatsphäre und Datenqualitätsmanagement: Die Bürgerinnen und Bürger sollten die volle Kontrolle über ihre eigenen Daten behalten und die sie betreffenden Daten sollten nicht dazu verwendet werden, sie zu schädigen oder zu diskriminieren.
  • Transparenz: Die Rückverfolgbarkeit der KI-Systeme muss sichergestellt werden.
  • Vielfalt, Nichtdiskriminierung und Fairness: KI-Systeme sollten dem gesamten Spektrum menschlicher Fähigkeiten, Fertigkeiten und Anforderungen Rechnung tragen und Barrierefreiheit gewährleisten.
  • Gesellschaftliches und ökologisches Wohlergehen: KI-Systeme sollten eingesetzt werden, um einen positiven sozialen Wandel sowie die Nachhaltigkeit und ökologische Verantwortlichkeit zu fördern.
  • Rechenschaftspflicht: Es sollten Mechanismen geschaffen werden, die die Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht für KI-Systeme und deren Ergebnisse gewährleisten.

Gut gebrüllt, Löwe, möchte man kommentieren – wie weiter? Wie diesen Leitsätzen Lebenskraft und internationale Wirksamkeit einhauchen? In diesem Sommer noch will die Kommission eine Pilotphase einleiten, in die sie ein breites Spektrum von Interessengruppen einbinden möchte. Ab sofort ist es Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Organisationen möglich, der Europäischen KI-Allianz beizutreten; sie werden benachrichtigt, wenn das Pilotprojekt startet. Zudem, so der Plan, sollen die Mitglieder der KI-Expertengruppe helfen, die ethischen Leitlinien in den Mitgliedstaaten bekannt zu machen und zu erläutern.

Der Plan der EU-Kommission, mit der Diskussion ethischer Leitlinien die weitere Entwicklung der KI in Europa im Konsens anzugehen, ist Teil der KI-Strategie, die vor rund einem Jahr veröffentlicht wurde. Damit verfolgt die Kommission das Ziel, die öffentlichen und privaten Investitionen für Künstliche Intelligenz im Laufe des nächsten Jahrzehnts auf mindestens 20 Mrd. Euro jährlich zu steigern, mehr Daten bereitzustellen und Talente zu fördern. Angesichts des Machtkampfs zwischen China und den USA um die Technologieführerschaft in der Welt und den dort in KI investierten Summen hat Europa keinen leichten Stand. Die zur Zeit von der Kommission für KI von 2021 bis 2027 vorgesehenen jährlichen Mittel in Höhe rund 1 Mrd. Euro wirken im Vergleich ein wenig wie der Tropfen auf dem heißen Stein – das weiß auch Juha Heikkilä, Referatsleiter Robotik und Künstliche Intelligenz in der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien.

Andererseits, so Heikkilä gegenüber Journalisten der Wissenschafts-Pressekonferenz (wpk) in Brüssel, könnte gerade der von Europa eingeschlagene „dritte Weg“ für viele in der Welt attraktiv sein, die nicht dem „marktbasierten“ Entwicklungsweg der Amerikaner und nicht dem „auf Kontrolle ausgerichteten“ chinesischen KI-Weg folgen möchten. Man suche die Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern wie Japan, Kanada oder Singapur. In die Pilotphase würden auch Unternehmen aus anderen Ländern und internationale Organisationen einbezogen. Und ja, Unternehmen verlangten auch nach Richtlinien, um Planungssicherheit zu haben.

Die Rasanz, mit der Künstliche Intelligenz inzwischen in unser privates und berufliches Leben eindringt und alles verändert, wäre noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen. Was wird morgen sein, wenn die KI weiterhin an Tempo aufgenommen haben wird? Gut möglich, dass eine breit angelegte gesellschaftliche Diskussion anhand der ethischen Leitlinien der EU tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil Europas ist. Denn folgt man dem Philosophen Klaus Mainzer, dürfe Ethik „keinesfalls als Innovationsbremse missverstanden“ werden. („Künstliche Intelligenz – Wann übernehmen die Maschinen?“, Seite 278)

 

2019/04/19 EU-Parlament verabschiedet das neue Forschungsprogramm – Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Bei unserem Besuch einer Delegation der Wissenschaftjournalisten haben wir den EU-Abgeordneten Dr. Christian Ehler kennengelernt. Wir waren beeindruckt ob seiner Tätigkeit als Berichterstatter des Ausschusses für Wissenschaft Forschung und Technologie, der immerhin über 100 Milliarden in diesem Bereich in Europa zu verteilen hat. Er ist von Brandenburg in das Parlament gewählt worden und tritt auch wieder zur Europa-Wahl an. Ich kann seine Wiederwahl intensiv empfehlen, denn selten habe ich einen solch kompetenten und fachlich engagierten Politiker kennengelernt, der seine schwierige Aufgabe meisterlich bewältigt. Er besitzt die Fähigkeit, dieses komplexe Gebiet mit Intelligenz und Vernunft zu lenken. Leider beklagt er die oft geringe Relevanz bei den in Brüssel akreditierten Journalisten. Ich werde dagegen halten und seine Pressemitteilen an dieser Stelle regelmäßig veröffentlichen.

Hier die wichtige Mitteilung über die Unterstützung der EU für diese für unsere Zukunft so wichtigen Bereiche

Ihr Jean Pütz

Die Verhandlungstage waren lang, die Gespräche konstruktiv und die Ziele hoch gesteckt. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Mit großer Mehrheit verabschiedete das EU-Parlament heute das neue Forschungsprogramm Horizont Europa – mit einem Volumen von 100 Milliarden Euro somit das größte zivile Forschungsprogramm der Welt. „Heute ist ein guter Tag für Europa“, freute sich der Brandenburgische Europa-Abgeordnete und EVP-Berichterstatter Dr. Christian Ehler, der das Programm in den letzten drei Monaten verhandelt hat. In Rekordzeit also. „Es ist eine gemeinschaftliche Leistung der drei europäischen Institutionen, dass Europa schnell entschieden hat und mutig in die Zukunft blickt. So wird sich 35 Prozent der Forschung Europas mit dem Klimaschutz beschäftigen. Horizont Europa ist also gleichsam das größte Klimaschutzprogramm der Welt.“

Darüber hinaus gibt es nach Ehler noch weitere wichtige Säulen: „Wir wollen den Krebs, hier vor allem den Kinderkrebs bekämpfen, wir kümmern uns um Lebensmittelsicherheit und beschäftigen uns mit dem kulturellen Erbe Europas. Darüber hinaus bringen wir innovative Industrien in Europa nach vorne, wie beispielsweise die Kreativwirtschaft. Künstliche Intelligenz, die Fortentwicklung der neuen Quantum-Technologie, die Frage der Digitalisierung von Produktionen sind Zukunftsbereiche der europäischen Forschung, die sich sowohl an die Wettbewerbsfähigkeit Europas richten als auch an die europäischen Bürger – ihre Interessen, ihre Gesundheit und ihre ganz unmittelbaren Anliegen. Horizont Europa ist ambitioniert – im Weltmaßstab.“

Um die dringlichsten Herausforderungen anzugehen, wird mehr als die Hälfte (55 Prozent) des neuen Horizont Europa-Budgets der Förderung von Exzellenz-Verbundprojekten gewidmet sein, bei denen Universitäten, Forschungseinrichtungen und Industrie zusammenarbeiten.

Ehler: „Wir haben uns auf fünf Missionsbereiche und acht Bereiche für Partnerschaftsinitiativen geeinigt. Damit wollen wir sicherstellen, dass weltweit führende Technologieplattformen wie Cleansky fortgesetzt werden. Darüber hinaus haben wir das Gleichgewicht zwischen Sach- und Finanzbeiträgen der Mitgliedsstaaten verbessert, was zu mehr Flexibilität führt, die für die Beteiligung insbesondere der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) von entscheidender Bedeutung ist.“

Über die Fast-track-Option haben Forscher und Unternehmen jetzt einen deutlich schnelleren Zugang zu Fördermitteln. Sie bietet die Möglichkeit, Förderungen innerhalb von nur sechs Monaten zu erhalten. Universitäten, RTOs und die Industrie können sich mit jeder Idee bewerben, ohne auf eine entsprechende Ausschreibung (Call) warten zu müssen. Exzellenz bleibt ein Hauptkriterium des Programms. Ehler: „Darüber hinaus haben wir auch ein eigenes Programm für kleine und mittlere Unternehmen wiedereingeführt und dem Marie-S. Curie-Programm mehr Flexibilität verliehen, damit Forscherinnen Beruf und Familie besser vereinbaren können.“

Auch für die Internationalisierung von Universitäten ist Horizont Europa von großer Bedeutung. Die Schaffung eines eigenen Clusters für die Kultur- und Kreativwirtschaft eröffnet neue Chancen für den Medienstandort Brandenburg. Darüber hinaus soll es auch eine Europäische Kulturerbe-Cloud (Kooperationsplattform für Museen) geben. „Mit dem European Innovation Council (EIC) adressieren wir zum ersten Mal die europäischen Startups, die uns fast täglich neue Technologien bescheren“, ist dem brandenburgischen Abgeordneten wichtig.

Für die Industrie wird Horizont Europa zum „Game Changer“ und wegweisenden Impulsgeber, denn erstmals werde hier „der Fokus von der CO2-freien Energieerzeugung auf die industrielle Umsetzung verlagert“, erklärt Ehler: „Wir helfen dem energieintensiven Fertigungssektor der EU bei der Einführung umweltfreundlicherer Technologien und stellen hier auch Mittel für den Strukturwandel bereit. Dies ist entscheidend, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und Arbeitsplätze in Europa zu erhalten.“

Das Sicherheitscluster wurde abgekoppelt mit dem Ziel, Forschungskooperationen mit zwischenstaatlichen Organisationen und die Bekämpfung von Produktpiraterie zu intensivieren.

Das Programm hält auch weiterhin eine Tür auf für den Brexit, wie auch immer die Entscheidungen ausfallen mögen. Darauf blicke man mit großer Sorge, aber eines sei klar: „Selbstverständlich gehört Großbritannien zur europäischen Forschungsgemeinschaft. Die Solidarität mit den englischen Forschern, mit Universitäten wie Oxford und Cambridge, ist da und wir sollten alles tun, dass Vereinigte Königreich so nahe wie möglich an Europa zu halten“, betonte Ehler.

18.04.2019 EU-Parlament verabschiedet das neue Forschungsprogramm

Bei unserem Besuch einer Delegation der Wissenschaftjournalisten haben wir den EU-Abgeordneten Dr. Christian Ehler kennengelernt. Wir waren beeindruckt ob seiner Tätigkeit als Berichterstatter des Ausschusses für Wissenschaft Forschung und Technologie, der immerhin über 100 Milliarden in diesem Bereich in Europa zu verteilen hat. Er ist von Brandenburg in das Parlament gewählt worden und tritt auch wieder zur Europa-Wahl an. Ich kann seine wiederwahl intensiv empfehlen, denn selten habe ich einen solch kompetenten und fachlich engagierten Politiker kennengelernt, der seine schwierige Aufgabe meisterlich bewältigt. Er besitzt die Fähigkeit, dieses komplexe Gebiet mit Intelligenz und Vernunft zu lenken. Leider beklagt er die oft geringe Relevanz bei den in Brüssel akreditierten Journalisten. Ich werde dagegen halten und seine Pressemitteilen an dieser Stelle regelmäßig veröffentlichen.

Ihr Jean Pütz

Ersatzorgane aus dem Labor

BMBF startet Innovationswettbewerb „Organersatz aus dem Labor“ – eine Pilotinitiative für Sprunginnovationen

In Deutschland warten derzeit fast 10.000 Schwerkranke auf eine lebensrettende Transplantation – die meisten von ihnen viele Jahre lang vergeblich. Zur Lösung dieses drängenden Problems könnte die Züchtung von Ersatzorganen im Labor wirkungsvoll beitragen. Erste Vorstöße auf diesem Gebiet gibt es bereits, doch der endgültige Durchbruch ist noch nicht geglückt. Weltweit arbeiten Forschungsgruppen an der Entwicklung dreidimensionaler organähnlicher Modelle, sogenannter Organoide. Die Ergebnisse sind vielversprechend – doch die Mini-Organe reichen in Größe und Komplexität noch nicht an funktionsfähige Organe heran.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ruft bundesweit Forschungsteams auf, den Leistungsstand ihrer im Labor gezüchteten Mini-Organe zu demonstrieren. Dafür hat das BMBF heute den Innovationswettbewerb „Organersatz aus dem Labor“ gestartet. Im Fokus stehen die fünf Organe, die in Deutschland am häufigsten transplantiert werden: Niere, Leber, Herz, Lunge und Bauchspeicheldrüse. Den drei besten Teams winkt eine Förderung der nächsten Entwicklungsschritte mit drei Millionen, zwei Millionen bzw. einer Million Euro. Die Gewinner des Wettbewerbs sollen im kommenden Jahr bei einer Konferenz in Berlin gekürt werden. Bis dahin haben die teilnehmenden Teams Zeit, ihre Organmodelle im Labor zu optimieren, ein aussagekräftiges Datenpaket zusammenzustellen und die weitere Entwicklung in Richtung Organersatz zu planen.

In den vergangenen Jahren wurden bereits große Fortschritte bei der Kultivierung patienteneigener Zellen und deren Anordnung zu organähnlichen Strukturen erzielt. Damit ist es bereits heute möglich, Haut und Knorpel zu kultivieren und dem Patienten zu transplantieren. Darauf aufbauend sollen mit dem neuen Innovationswettbewerb Technologien zur Herstellung von „Organersatz aus dem Labor“ gefördert werden. Im Labor kultivierte Organe würden die Abhängigkeit von Spenderorganen verringern. Sie könnten die Organspende sogar überflüssig machen. Auch die häufig sehr belastenden Medikamente zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen könnten überflüssig werden, wenn die Ersatzorgane aus patienteneigenen Zellen gezüchtet werden. Das würde die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend erhöhen. Auch wenn der Weg zu solchen „Organen aus dem Labor“ noch weit ist, können Zwischenstufen schon erheblich zur Lebensqualität der Patienten beitragen. Beispielsweise könnten implantierbare Nierenorganoide eine geschwächte Niere entlasten und so die Häufigkeit der Dialyse verringern.

Mit insgesamt drei Innovationswettbewerben erprobt das BMBF ein neues Instrument zur Förderung von Sprunginnovationen. Die dabei gewonnenen Erfahrungen sollen in die geplante Gründung einer Agentur für Sprunginnovationen einfließen. Sprunginnovationen sollen gezielt gefördert werden, damit aus bahnbrechenden Ideen hochinnovative Produkte, Prozesse und Dienstleistungen entstehen, mit denen neue Hochtechnologiefelder, Märkte und Geschäftsmodelle erschlossen werden.

Bewerbungen für die Teilnahme am Innovationswettbewerb „Organersatz aus dem Labor“ können bis zum 28. Juni 2019 eingereicht werden.