Alle Beiträge von Balu

Infektionsexperten in der Klinik senken Sterblichkeit

Infektionsexperten in der Klinik senken Sterblichkeit

DGIM für stärkere Infektiologie für Deutschland

Wiesbaden/Mannheim
– Zwischen 10 000 und 15 000 Menschen sterben nach derzeitigen
Schätzungen jährlich in deutschen Kliniken an Krankenhausinfektionen.
Studien zeigen, dass die Überlebenschancen von Patienten mit Infektionen
steigen, wenn ein Spezialist für Infektionskrankheiten in die
Behandlung eingebunden ist. Dafür brauche es eine starke Infektiologie,
meint die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM). Die DGIM
begrüßt deshalb auch den Zehn-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister
Gröhe gegen multiresistente Erreger. Warum Infektiologen zu jeder Klinik
gehören sollten, erläutern Experten auf einer Pressekonferenz im Rahmen
des 121. Kongresses der DGIM am 21. April 2015 in Mannheim.

Wenn
Menschen an Infektionen erkranken, sei es durch Viren oder Bakterien,
kann dies lebensbedrohlich sein – insbesondere wenn die Erreger sehr
widerstandsfähig sind. „Die Sterblichkeit von Patienten ist
beispielsweise erhöht, wenn Ärzte nicht sofort das richtige Antibiotikum
einsetzen und die Patienten optimal weiterbetreuen“, warnt
Privatdozentin Dr. med. Norma Jung vom Universitätsklinikum Köln. Der
weitere Verlauf der Infektion hänge dann unmittelbar  von der Expertise
des Klinikpersonals ab: Studien zeigen, dass Erkennen und Behandlung von
Infektionen bei Krankenhauspatienten besser verlaufen, wenn sich der
behandelnde Arzt mit einem Infektiologen berät. Besonders deutlich ist
dieses Ergebnis für gefährliche Blutstrominfektionen mit dem Erreger
Staphylococcus aureus. Aber auch Patienten mit einer Entzündung des
Herzens, einer Endokarditis, profitieren von einem interdisziplinären
Ärzte-Team mit einem Kardiologen, einem Herzchirurgen und einem
Infektiologen. „Dieser Konsilservice kann lebensrettend sein“, so Jung,
die den 121. Internistenkongresses mit organisiert.

Auch
bei Krankenhausinfektionen helfen diese fachübergreifenden Teams: Bei
neuartigen oder „multiresistenten“ Erregern, gegen die nur wenige
Antibiotika wirken, sollte ein Infektiologe beratend eingreifen. „Es ist
nötiger denn je, dass wir die verbliebenen wirksamen Antibiotika
effektiv einsetzen“, betont Jung. Eine infektiologische Beratung sollte
dabei häufiger zu einem gezielten Einsatz der richtigen Präparate führen
und den unkritischen Einsatz von Breitbandantibiotika mindern. Geschehe
diese nicht, gingen uns bald die wirksamen Medikamente aus, meint Jung.

Gemäß
dem aktuellen Zehn-Punkte-Plan des BMG sollen Wissenschaft und
Industrie dafür gemeinsam Lösungen erarbeiten. Dazu gehört auch,
Forschung an Krankenhausinfektionen und Antibiotika zu fördern. Die DGIM
setzt sich dafür mit ihren Korporativen Mitglieder bereits seit vielen
Jahren ein: „Vorbehalte und Barrieren zwischen diesen beiden Bereichen
dürfen nicht dazu führen, dass am Ende die Patienten darunter leider und
nicht zuletzt der Forschungsstandort Deutschland“, betont der
Vorsitzende der DGIM, Professor Dr. med. Michael Hallek aus Köln, der
den 121. Internistenkongress leitet.

Im
internationalen Vergleich liegen deutsche Kliniken mit ihrer
infektiologischen Expertise derzeit zurück. Schätzungen zufolge fehlen
allein in Krankenhäusern mindestens 1 000 qualifizierte Fachkräfte. Auch
ist die Infektiologie als eigener Fachbereich nur selten vertreten. „Es
müssten dringend mehr Weiterbildungsstellen geschaffen werden, um
ausreichend Infektiologen für ihre Arbeit zu qualifizieren“, sagt Dr.
Norma Jung, die auf dem Kongress das Thema in einer Pressekonferenz
beleuchtet. Internistische Infektiologen engagieren sich in der
Fortbildung im Bereich der rationalen Antiinfektivaverordnung – dies
spricht auch der Zehn-Punkte-Plan von Bundesgesundheitsminister Gröhe
an. Es Bedarf Fortbildungen durch klinisch erfahrene Kollegen, die
Befunde in der Zusammenschau interpretieren und daraus Entscheidungen am
Krankenbett im Sinne des Patienten fällen können.

Verkehrsunfälle duch Ablenkung

Sydney/Jena/Köln (pte/10.08.2006/11:15) – In einer großangelegten
Studie mit über 1.300 Teilnehmern im Alter zwischen 18 und 65 Jahren
ist ein Forscherteam des George Institute for International Health
http://www.thegeorgeinstitute.org sowie der University of Western
Australia http://www.uwa.edu.au zu der Schlussfolgerung gekommen, dass
20 Prozent aller Verkehrsunfälle passieren, weil der Fahrer abgelenkt
ist. Darüber hinaus zeigte die Studie, dass junge Fahrer im Alter von
18 bis 30 Jahren während des Fahrens signifikant öfter abgelenkt sind.
Da diese Gruppe ablenkende Aktivitäten als weniger bedrohend betrachtet
als ältere Fahrer, haben sie ein größeres Risiko zu verunglücken. Die
Ergebnisse der Studie wurden jetzt in der Fachzeitschrift Injury
Prevention http://ip.bmjjournals.com veröffentlicht.

Die Wissenschaftler entdeckten auch, dass während einer Autofahrt 72
Prozent der Fahrer einen Konzentrationsmangel zeigen, 69 Prozent sich
mit der Elektronik im Wagen beschäftigen, 58 Prozent durch Ereignisse,
Objekte oder Menschen außerhalb des Wagens abgelenkt werden und 40
Prozent sich mit den Passagieren unterhalten. Im Schnitt führen Fahrer
alle sechs Minuten eine ablenkende Handlung durch, was regelmäßig zu
Fahrfehlern führt. Diese Fahrfehler umfassen plötzliches Bremsen,
Verkehrsschilder übersehen und falsche Abzweigungen nehmen. "Autofahrer
sind extrem oft abgelenkt und die Frequenz der Fahrfehler infolgedessen
bereitet uns große Sorge", erklärt Suzanne McEvoy, Erstautor der
Studie.

Rüdiger Trimpop, Verkehrspsychologe und Risikoexperte an der
Universität Jena http://www.uni-jena.de, relativiert den Einfluss des
Faktors Ablenkung. "Dass Ablenkung eine wichtige Rolle spielt, ist
unbestritten", erklärt er gegenüber pressetext. "Wir haben bei 400
Fahrern in einer Online-Befragung jedoch wesentlich geringere
Zusammenhänge gefunden." Trimpop kennt keine einzige Studie, die die
verschiedenen möglichen Einflüsse wie Ablenkung, aber auch
Selbstüberschatzung, mangelnde Gefahreneinschätzung oder Alkohol,
kontrolliere oder berücksichtige. Ob die Ablenkung die letztendliche
Ursache war, sei nirgendwo schlüssig bewiesen. Laut Trimpop gilt
gleiches auch für Alkoholunfälle: Ob der Alkohol Ursache oder
Begleitfaktor ist, wurde nur experimentell für hohe Alkoholdosen
alleine bewiesen. "Alkohol wirkt, gerade bei jungen Fahrern, eher in
sozialen Enthemmungssituationen, nicht als Faktor alleine", so Trimpop.

Egon Stephan, Verkehrspsychologe der Universität Köln
http://www.uni-koeln.de , hält einen Anteil von 20 Prozent hingegen für
eine eher konservative Schätzung. "Wenn es Autofahrer eilig haben, sind
sie im Allgemeinen sehr aufmerksam", erklärt er gegenüber pressetext.
"In 90 Prozent der Fälle fährt man jedoch automatisiert." Wenn dann
auch noch Ablenkung dazu kommt, sei ein Unfall schnell passiert. Eine
wirklich gute Lösung, um Ablenkung auf ein Minimum zu beschränken, gibt
es laut Stephan allerdings nicht. "Man kann nur versuchen, sich selber
zu zwingen den Verkehr wahrzunehmen, beispielsweise indem man sich
selber belohnt wenn man aufpasst", so Stephan abschließend.

Energiespeicher für die Energiewende

Energiespeicher für die Energiewende: Koordinierungskreis �Chemische Energieforschung� informiert mit Positionspapier

Grundlagenforschung
für neue Speichertechnologien, eine Datenbasis für die wirtschaftliche
Bewertung und ein integriertes System für Strom, Wärme und Mobilität.
Das sind die Voraussetzungen dafür, dass die Energiewende erfolgreich
umgesetzt werden kann. Zu diesem Schluss kommt das neue Positionspapier
�Energiespeicher� des Koordinierungskreises �Chemische
Energieforschung�. Experten aus Wissenschaft und Industrie stellen darin
den Entwicklungsstand und die Anwendungsfelder der verschiedenen
Möglichkeiten zur Energiespeicherung systematisch vor, bewerten Vor- und
Nachteile und weisen besonders auf die Verknüpfungsmöglichkeiten hin.

Nicht
zuletzt die Kontroverse um die geplanten großen Stromtrassen hat die
öffentliche Diskussion darüber angeheizt, wie Strom aus Wind- und
Solaranlagen am besten gespeichert und genutzt werden kann.
Speichertechnologien für �Strom�, der nicht direkt genutzt wird, reichen
von mechanischen Lösungen wie Pumpspeicherwerken, Druckluftspeichern
oder großen Schwungrädern über thermische Speicher, die ähnlich arbeiten
wie Nachtspeicheröfen, bis hin zur Speicherung in chemischen
Grundstoffen. Hierzu zählen Wasserstoff, Methan oder flüssige
Kraftstoffe, aus denen chemische Basischemikalien produziert und
außerdem weitere Industriezweige mit dem Speichersystem verknüpft werden
können. Bei jedem Umwandlungsschritt geht einerseits Energie verloren,
andererseits sind die Einsatzmöglichkeiten von Wärme, Wasserstoff oder
Methan wiederum vielfältig. Daher ist die Bewertung sinnvoller
Speichermöglichkeiten sehr komplex.

In dem Positionspapier, das
sieben Wissenschaftsorganisationen und Verbände erarbeitet haben,
stellen die Experten detailliert den technologischen Entwicklungsstand
und die potentiellen Anwendungsfelder elektrochemischer Speicher wie
Batterien, thermische Speicher wie Salze und spezieller
Speichermaterialien, z.B. künstliche Wachse, vor. Sie beschreiben auch
die Möglichkeiten industrieller Wärmenetze und stofflicher Speicher , zu
denen Umwandlungstechnologien wie Elektrolysen, Methanisierung und die
klassische Fischer-Tropsch-Synthese gehören. Darüber hinaus analysieren
die Fachleute im Einzelnen die Schnittstellen zwischen den Systemen
Elektrizität, Wärme, Mobilität und Produktion. Ihr Fazit: Nur eine
integrierte Betrachtung ist sinnvoll; neben der weiteren Forschung zu
Energiespeichern werden dafür vor allem technische Daten mit
ökonomischer Relevanz benötigt. Erst auf dieser Basis lässt sich
bewerten, wie der Überschussstrom mit möglichst hoher Wertschöpfung –
und
damit wirtschaftlich sinnvoll eingesetzt werden kann.

Das Positionspapier �Energiespeicher � Der Beitrag der Chemie� ist zum Download verfügbar unter http://www.dpg-physik.de/veroeffentlichung/broschueren/download/PP_Energiespeicher-2015_A4.pdf.

Der Koordinierungskreis Chemische Energieforschung wird getragen von
DBG � Deutsche Bunsen-Gesellschaft für physikalische Chemie e.V.
DECHEMA � Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V.
DGMK � Deutsche Wissenschaftliche Gesellschaft für Erdöl, Erdgas und Kohle e.V.
GDCh � Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.
VCI � Verband der Chemischen Industrie e.V.
VDI-GVC � Gesellschaft Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen im Verein Deutscher Ingenieure e.V.
Die Deutsche Physikalische Gesellschaft DPG gehört dem Kreis als beobachtendes Mitglied an.
Eine breit angelegte Studie, auf die sich das Papier stützt, kann unter http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cite.201400183/abstract heruntergeladen werden.

Methode weist Papilloma-Viren enach

Neue Methode weist Papilloma-Viren effizient nach

Abstrich kostengünstig und nicht-invasiv – Erfolgsquote bei 90,4 Prozent

Virus: Wissenschaftler vereinfachen HPV-Diagnose (Foto: pixelio.de, Aka)
Virus: Wissenschaftler vereinfachen HPV-Diagnose (Foto: pixelio.de, Aka)

Rom (pte001/23.07.2014/06:00) –

Italienische Forscher haben eine neue Methode zum Nachweis des
gefürchteten Papilloma-Virus (HPV) entwickelt. Laut Mitarbeitern des
Istituto Nazionale Tumori Regina Elena http://www.ifo.it und des ebenfalls zu den Istituti Fisioterapici gehörenden Ospedale San
Gallicano hat die Lösung zwei große Vorteile: Es handelt es sich dabei
um ein kostengünstiges und um ein nicht-invasives Verfahren.

Rechtzeitige Prävention

"Mithilfe eines über die hintere Mundhöhle gestrichenen
Tampons können tumorale Risiken an Kopf und Hals auf einfache Weise
aufgespürt werden", so Projektleiterin Maria Benevolo. Die Gegenwart von
HPV in dem beim Abstrich aufgenommen Material deute auf ein fünffaches
Risko von Zellanomalien hin. In 90,4 Prozent der Fälle habe sich eine
Übereinstimmung mit den durch Biopsie gewonnenen Daten gezeigt.

"Anhand des neuartigen Verfahrens können nicht nur
rechtzeitig Vorbeugemaßnahmen getroffen, sondern auch die Einzelheiten
zur Behandlung von Epithelialtumoren an Kopf und Hals besser
programmiert werden", sagt die italienische Wissenschaftlerin. Die vor
allem beim Geschlechtsverkehr übertragenen humanen Papillomviren liegen
in der weltweiten Verbreitungsskala an sechster Stelle.

Wichtiges Diagnose-Tool

Doch die Zukunftsaussichten der innovativen
Abstrichmethode reichen noch weiter: "Falls unsere Testergebnisse durch
weitere Datenreihen bestätigt werden, könnte diese Art der zytologischen
Diagnose ein wichtiges Instrument zum Screening besonders gefährdeter
Bevölkerungskreise werden", weiß Benevolo. Einzelheiten der Studie
wurden im Magazin "Cancer" http://canceronline.wiley.com veröffentlicht.

Protein ERManI stoppt HI-Virus

AIDS-Forschung: Protein ERManI stoppt HI-Virus

Neuartige antiretrovirale Therapie hemmt Ausbreitung der Erreger

Forscherteam: neuer Meilenstein in AIDS-Forschung (Foto: G. L. Kohuth)
Forscherteam: neuer Meilenstein in AIDS-Forschung (Foto: G. L. Kohuth)

East Lansing (pte004/18.09.2015/06:15) –

Ein internationales Forscherteam hat einen Eiweißstoff gefunden, der das
Fortschreiten der Krankheit AIDS auf natürliche Weise verhindert. Das
Protein, das sich hinter dem Kürzel ERManI verbirgt, stört die
Verbreitung des HI-Viruses im Körper des Trägers. Yong-Hui Zheng und
sein Team von der Michigan State University http://msu.edu waren maßgeblich an der Studie beteiligt.

"Wir sehen einen Weg, diese Krankheit zu behandeln,
indem wir dem Körper helfen, sich selbst zu schützen", so Zheng.
"Deswegen versuchen wir unsere Forschung voranzutreiben, auch wenn es
manchmal nur langsam geht, weil das Auffinden eines Heilmittels Jahre
dauern wird."

Natürliche Therapie hemmt Infektion

Bei der Behandlungsmöglichkeit, die von den Forschern
getestet wurde, handelt es sich um eine antiretrovirale Therapie, die
dafür sorgt, dass die Anzahl der Viren im Körper möglichst gering
gehalten wird. Bewerkstelligt wird dies durch eine Hemmung der
Biosynthese von Glykoproteinen der HIV-1-Viruszellen. Diese
Glykoproteine befinden sich auf der Zellhülle des Virus und führen die
Viruszellen zu den Stellen, wo sie im Körper andocken und die Infektion
verbreiten können.

Das Protein verlangsamt damit die Verbreitung von HIV-1
im Körper. Zheng hofft darauf, die Forschung mit menschlichen Zellen
und in klinischen Studien weiterführen zu können – immerhin gibt es für
AIDS noch kein Heilmittel und die verfügbaren antiretroviralen Therapien
müssen ein Leben lang fortgeführt werden. Der natürliche Therapieansatz
mit dem Protein ERManI soll hier Abhilfe schaffen. Ob eine Resistenz
gegenüber HI-Viren geschaffen werden kann, indem die ERManI-Level im
Blut erhöht werden, bleibt derzeit noch offen.

Die Versöhnung des linearen Fernsehens mit der Zukunft

Die Versöhnung des linearen Fernsehens mit der Zukunft
„Heute ist Fernsehen überall”

Am 28.10.2016 ging der Relaunch des ZDFs
online: ZDF.de und die Mediathek verschmolzen zu einer Einheit. Im
Rahmen der Münchner Medientage beschäftigten sich am 26. Oktober
hochkarätige Expertinnen und Experten auf einem Panel damit, was die
digitale Transformation für die öffentlich-rechtliche Medienlandschaft
und diese Vorlage des ZDFs für alle Medienhäuser bedeutet. Eingeladen
hatte die Agentur Exozet die das ZDF dabei unterstützt, sich digital im
Markt neu aufzustellen und sich als Brücke zwischen der traditionellen
und der neuen Welt des TVs erfolgreich im Markt zu positionieren.

Mit welcher Strategie sehen Fernsehsender in
die Zukunft? Welche Bedeutung hat dabei die Sender-Marke? Wie
organisieren sich Fernsehanstalten, um zukunftsfähig zu werden? Diese
Fragen diskutierten im Rahmen der 30. Münchner Medientage Experten von
privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern. Auf dem Podium saßen Robert
Amlung, Beauftragter für digitale Strategien des ZDF, Ina Bauer,
Director Sales, Marketing & New Media, ATV und Robert Dube, Leiter
Video on Demand, RTL interactive. Außerdem auf dem Podium waren Uwe
Hofer, Partner bei Exozet, Lauri Kivinen, Geschäftsführender Direktor
und Intendant der Allgemeinen Rundfunkanstalt Finnlands Yleisradio,
sowie Thomas Prantner, Stv. Direktor für Technik, Online und neue
Medien, ORF. Das komplette Panel ist hier abrufbar.

Kivinen (Yleisradio) eröffnet das Panel mit
einem „Espresso Briefing“. Die im Jahre 1926 gegründete Rundfunkanstalt,
kurz „Yle“, ist eine öffentlich-rechtliche Mediengesellschaft und
Vorreiter in Sachen Digitaler Transformation. Der Sender hat rund 3.000
Mitarbeiter und ist damit etwa so groß wie der MDR oder der NDR. Neben
vier TV-Kanälen gibt es sechs Radio-Kanäle und ein großes
Online-Angebot. Einige Sendungen strahlt Yle klassisch linear aus,
andere laufen nur online. Einige stellt der Sender kurzfristig zur
Verfügung. Andere verbleiben bis zu vier Jahren im Netz. Eine bestimmte
Serie konnten Zuschauer als Preview bis zu zehn Folgen im Voraus im Netz
anschauen. Dies nutzen sie „zunehmend“, wie Kivinen sagt. Anderes
wieder schauen User lieber direkt: „Sport ist Frischware“, so der Finne.

„Heute ist Fernsehen überall. Es wird
angeboten über verschiedene Netze, über verschiedene Technologien, auf
verschiedenen Schirmen“, sagt Kivinen. Genau das ist die
Herausforderung: Welche Inhalte kann ein Sender via Kanal, welche „über
Katalog“, also Mediathek anbieten? Kivinens Empfehlung: Online und
Broadcast als Einheit planen. Die Veröffentlichung von Beiträgen sollte
davon abhängig gemacht werden, auf welchem Kanal sie besser ihr
Zielpublikum erreichen. „Dies erfordert eine gute Kenntnis des
Publikums“, so Kivinen. Fernsehen werde nicht sterben, Sender müssen ein
Angebot entwickeln, das die verschiedensten Bedürfnisse des Publikums
erfüllt.

Die anschließende Diskussion bestätigte, dass
lineares Fernsehen nicht sterben werde. Die klassischen Sender sehen
Netflix, Zattoo und Co. mit ihren ausschließlichen Video-on-Demand- und
Streaming-Angeboten keineswegs als gefährliche Konkurrenz. Amlung (ZDF)
sagt, dass das ZDF die Mediathek als eigenständige Marke positionieren
will. Dies sei eine längerfristige Aufgabe, die nicht mit dem Relaunch
abgeschlossen sei. Es gebe zwar in bestimmten Milieus diese starke
Nutzung von Streaming-Angeboten, aber eben nicht in allen. Das ZDF mit
seinem öffentlich-rechtlichen Auftrag müsse aber alle Milieus erreichen.
Er sieht Online-Angebote daher als Chance, teilweise stark
fragmentierte Zielgruppen zu erreichen: „Wir haben durch unseren
Relaunch mehr Möglichkeiten, auf unterschiedliche Nutzerbedürfnisse
einzugehen.“

Auch für RTL spielt ihre Mediathek “TV NOW”
eine nachgeordnete Rolle. Noch plane RTL nicht, spezielle Formate für TV
NOW zu produzieren, auch wenn es denkbar wäre. Die sei ein iterativer
Prozess. Dube sagt: „Vorerst steht Reichweite im Fokus. Die ist bei TV
nach wie vor sehr hoch.“ Shows wie „Der Bachelor“, „Bauer sucht Frau“
oder Daily Soaps wie „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“ funktionieren
besser im linearen TV, weil sie „Talk of Town“ sind. „Netflix
funktioniert anders“, so Dube. Perspektivisch können Online-Angebote
Relevanz bekommen. Doch zuvor müssen technische Herausforderungen
gemeistert werden, sonst können die werbefinanzierten Sender der
RTL-Gruppe kein Geld verdienen. „Werbung über Online auszuspielen ist
aufwändig. Ein Drittel der Entwicklungsaufwendungen gehen in
Implementierung von Werbung. Andere Anbieter haben den Vorteil, dass sie
sich nicht über Werbung refinanzieren“, so Dube. Auch Bauer (ATV) sieht
Video on Demand (VoD) als Ergänzung. Der kürzlich gelaunchte VoD-Sender
und die Mediathek des österreichischen Privatsenders ist für sie daher
zuallererst eine Investition in die Zukunft und in neue Zielgruppen. Für
Prantner (ORF) ist die TVthek „die kleine Schwester“ des linearen
Fernsehens in Österreich. „Wir haben Tagesreichweiten mit 3,5 Millionen
Menschen mit unseren vier Kanälen, in der TVthek sind es nur 140.000.“

„Wir müssen uns dem User annähern“, so Hofer
(Exozet), „online first? Online only? Personalisierung? Das müssen wir
weiterdenken. Man muss mit dem Inhalt spielen. Da gibt es je nach Art
des Senders sicher unterschiedliche Wege.“ Auf jeden Fall müssen der
Zuschauer und seine Bedürfnisse im Zentrum stehen. „Wir sollten
multimedialer denken. Dabei entscheidend ist die User Experience“,
empfiehlt Prantner.

Doch blickt der Zuschauer noch durch, wenn er
auf einer Plattform mit eigener Marke weitere „Unter-Marken“ sieht? So
ist „TV NOW“ eine eigene Marke genauso wie die Sender „RTL“, „RTL II“,
„VOX“ etc., deren Inhalte auf dieser Mediathek vertreten sind. Beim
öffentlich-rechtlichen Mitbewerber aus Mainz gibt es die Dachmarke
„ZDF“, Kanal-Marken wie „ZDFneo“ und Programmmarken wie der erfolgreiche
Krimi „Wilsberg“. Letzteren könnte man durchs Lizenzgeschäft potenziell
auch auf Netflix sehen. Ist das nicht zu viel? „Keineswegs“, betont
Hofer (Exozet).

Marken spielen im unüberschaubaren Meer der
Online-Angebote eine wichtige Rolle. Sie helfen dem User, sich
zurechtzufinden und dienen als relevantes Filter- und
Navigationselement. So kann ein Sender ohne Weiteres auch auf anderen
Plattformen wie auf YouTube vertreten sein (noch eine Marke!). Warum er
das sollte? „Weil da die User sind“, so Hofer (Exozet) trocken und gibt
zu bedenken: „Ist nicht längst der Content die eigentliche Marke?“ Für
starke, unverwechselbare Angebote wie GZSZ, Jan Böhmermann oder Bauer
sucht Frau gilt dies zweifellos.

Doch wie organisiert man eine solche
Transformation? Wie können Zuschauer und vor allem Mitarbeiter
mitgenommen werden, um die neue Entwicklung nachzuvollziehen und die
Änderungen zu akzeptieren? Der finnische Sender Yle baute komplett neue
Strukturen auf. Nicht mehr die TV-Kanäle bekamen das Geld. Es wurde je
nach Bedarf auf lineare oder non-lineare Angebote aufgeteilt, um die
verschiedenen Zielgruppen zu erreichen. Das sei kein leichter Weg, sagt
Kivinen: „Es braucht eine enge Beziehung zum Publikum. Die Veränderungen
müssen sanft sein. Und so hat es fünf Jahre gedauert und auch
personelle Veränderungen nötig gemacht.“

Ein Prozess, vor dem nun auch das ZDF steht.
Bereits seit Jahren sind verschiedene Redaktionen kanalübergreifend
zuständig. So betreut die Nachrichten-Redaktion alle
Nachrichten-Aufgaben. Dieses Prinzip wird nun langsam für alle Inhalte
weiter ausgebaut. Amlung sagt: „Die Veränderungen beim ZDF dauern lange.
Aber der Wille ist da.“

Über Exozet
Exozet, die
Agentur für Digitale Transformation, arbeitet für Unternehmen aus den
Branchen Medien, Entertainment, Brands, Start-ups, Finance,
Telekommunikation sowie für öffentliche Auftraggeber. Mit rund 140
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Berlin, Potsdam-Babelsberg und Wien
berät und gestaltet sie seit 1996 den Digitalen Wandel in Unternehmen
wie z.B. Axel Springer, BBC, Audi, Deutsche Telekom und dem ZDF. Bereits
mehrfach wurde das Unternehmen ausgezeichnet, zuletzt 2015 mit einem
Digital Emmy.

Wechseljahre des Mannes gibt es nicht

Wechseljahre des Mannes gibt es nicht: Altersbedingter Testosteronmangel betrifft nur wenige

Lübeck
� Wenn ältere Männer über Antriebsschwäche, Müdigkeit oder
Libidoverlust klagen, wird häufig ein altersbedingter Testosteronmangel
vermutet. Doch tatsächlich sind in Deutschland nur drei bis fünf Prozent
der Männer über 60 von einem echten Testosteronmangel betroffen. Es
gebe keine �Wechseljahre� beim Mann, erklärt
die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Wann eine
Testosteronbehandlung angezeigt ist, erläutern Experten auf der
Pressekonferenz anlässlich des 58. Symposiums der Deutschen Gesellschaft
für Endokrinologie (DGE) am 18. März 2015 in Lübeck.

Ab
etwa dem 40. Lebensjahr sinkt der Testosteronspiegel des Mannes jedes
Jahr um ein bis zwei Prozent, was zumeist keine spürbaren Auswirkungen
hat. Männer über 60 Jahre leiden häufiger an depressiven Verstimmungen,
Gewichtszunahme, Müdigkeit, Nervosität und Libidoverlust, seltener auch
an einer Art Hitzewallungen. �Diese Beschwerden können vielfältige
Ursachen haben, auch das Absinken des Testosteronspiegels kann mit ein
Grund sein�, erklärt Professor Dr. med. Sven Diederich, Ärztlicher
Leiter ENDOKRINOLOGIKUM Berlin am Gendarmenmarkt, Zentrum für Hormon-
und Stoffwechselerkrankungen, und Vize-Präsident der DGE. �Jedoch haben
die meisten Männer keinen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel. Ein
solcher kann etwa dann auftreten, wenn Erkrankungen des Hodens oder ein
großer Tumor der Hirnanhangdrüse, die die Testosteronproduktion
reguliert, vorliegen. �In diesem Fall behandeln wir die Patienten sehr
erfolgreich mit Testosteronpräparaten�, so Professor Diederich.

Denn
liegt ein wirklicher Hormonmangel vor, ist eine Testosteronbehandlung
begründet. Aber in der Altersgruppe der 60- bis 79-Ja�hrigen haben nur
drei bis fünf Prozent einen Testosteronmangel, der den Libidomangel und
andere Symptome wie erektile Dysfunktion erklärt. Dieser Gruppe, zu
denen auch stark übergewichtige Männer mit erhöhtem Blutdruck, erhöhten
Blutfetten und/oder erhöhtem Blutzucker gehören, könne durch eine
Hormontherapie geholfen werden, betont Professor Dr. med. Dr. h. c.
Helmut Schatz, Mediensprecher der DGE aus Bochum.

Beim
Mann sinke der Testosteronspiegel sehr langsam und kontinuierlich ab.
Erst wenn der Testosteronspiegel einen bestimmten Grenzwert
unterschreite, träten Beschwerden auf � und dies auch nicht bei jedem
Mann. �Man kann nicht von einem männlichen Klimakterium sprechen�, sagt
Professor Schatz.

Nichtsdestoweniger
sind die vermeintlichen �Wechseljahre des Mannes� eine �Modeerkrankung�
und daher ein viel diskutiertes Thema in der Bevölkerung und in den
Medien. Unabhängig von den Kontroversen unter Fachleuten wird mit
Hormonprodukten Geld verdient.

Kontrovers
diskutiert und weiter erforscht wird, ob und welche Risiken, etwa
kardiovaskuläre Erkrankungen, die Testosterontherapie bei älteren
Männern hat. Die Arzneimittelbehörde in den Vereinigten Staaten (FDA),
nicht aber die in Europa (EMA), fordert von den Herstellern,
Warnhinweise in die Beipackzettel aufzunehmen.

Professor
Schatz bilanziert: �Wir warnen davor, Testosteron kritiklos zu
verschreiben, nur wenn manche Anzeichen für einen Testosteronmangel
sprechen, insbesondere ohne Bestimmung des Hormonspiegels. Jeder Fall
muss auch individuell entschieden und der Patient muss regelmäßig
kontrolliert werden.�

Ein Viertel macht Schicksal für Krebs verantwortlich

Menschen glauben nicht an Beeinflussbarkeit des Krebsrisikos

London (pte/04.01.2007/06:00) – Mehr als ein Viertel der Menschen
glaubt, dass das Schicksal bestimmt, ob sie an Krebs erkranken oder
nicht. Zu diesem Ergebnis ist eine Umfrage von Cancer Research UK
http://www.cancerresearchuk.org/ gekommen. Frauen glauben eher als
Männer daran, dass die Vorsehung ihre Chancen bestimmt. Raucher
glaubten um 50 Prozent häufiger daran. An der Befragung nahmen 4.000
Personen teil.

Gefragt wurde laut BBC unter anderem, ob die Teilnehmer glaubten, dass
sie einen Einfluss auf ihr Krebsrisiko hätten. Insgesamt waren 27
Prozent der Befragten der Meinung, dass das Schicksal über eine
Erkrankung entscheide. Bei den Teilnehmern aus den sozial am stärksten
benachteiligten Regionen stieg dieser Prozentsatz auf 43 Prozent. In
den reichsten Bezirken fiel der Prozentsatz auf nur 14 Prozent. Rauchen
und Fettsucht werden immer wieder mit einem erhöhten Krebsrisiko in
Verbindung gebracht. Die Studie ergab auch, dass 34 Prozent der Raucher
und 36 Prozent der Teilnehmer über 65 Jahren ebenfalls an die
Schicksalhaftigkeit einer Erkrankung glaubten.

Laut Lesley Walker von Cancer Research UK sei es alarmierend, dass ein
so hoher Prozentsatz der britischen Bevölkerung nicht realisiert, dass
die Hälfte aller Krebserkrankungen durch Veränderungen der
Lebensgewohnheiten verhindert werden kann. "Wir alle können unser
Krebsrisiko verringern, in dem wir nicht mehr rauchen, ein gesundes
Gewicht halten und uns ausgeglichen mit viel Obst und Gemüse ernähren
und reichlich für körperliche Bewegung sorgen." Zusätzlich helfe es
Sonnenbrände zu vermeiden.

Deutsche verprassen Unsummen für Sportwetten

Deutsche verprassen Unsummen für Sportwetten
3,2 Mrd. Euro wandern jährlich auf Konten der Wettanbieter
 
Fans im Stadion: schnell in der Schuldenfalle (Foto: flickr.com/quatro.sinko)

München/Wien (pte015/12.02.2013/12:20) – Die Deutschen verpulvern jährlich mindestens 3,2 Mrd. Euro für Sportwetten. Diese Summe übersteigt die internen Schätzungen der Länder von lediglich 2,7 Mrd. Euro um ein Vielfaches. Der Umsatz ist mithilfe der Steuerzahlungen aller Sportwettanbieter, welche sich auf fünf Prozent des gesamten Wetteinsatzes belaufen, errechnet worden. Besonders alarmierend dabei ist, dass die Wettanbieter in Deutschland eigentlich noch gar nicht tätig werden dürften.

Suchtpotenzial gegeben

Dem hessischen Finanzministerium zufolge hat das Finanzamt in Frankfurt im vergangenen Jahr von Anfang Juli bis Ende Dezember insgesamt 52,6 Mio. Euro an Steuergeldern von den Unternehmen erhoben. Zur gleichen Zeit sind diesen Einnahmen in Schleswig-Holstein noch weitere 28,7 Mio. Euro gefolgt. Da die Konzerne fünf Prozent jedes Wetteinsatzes versteuern müssen, konnte aus dieser Summe ein Jahresumsatz von 3,2 Mrd. Euro ermittelt werden.

"Erste Anzeichen einer beginnenden Spielsucht sind in sehr vielfältiger Weise ausgeprägt. Zum einen neigt man dazu, immer mehr Zeit in Sportwetten zu investieren und die Einsätze stetig zu erhöhen. Zum anderen wird zunehmend mehr Zeit in das Einholen von Informationen über die Sportarten- und Ereignisse, auf die gesetzt wird verwendet. In der Folge werden oft die Familie, Bekanntenkreis und berufliche Tätigkeiten vernachlässigt", so Izabela Horodecki, Leiterin der Spielsuchthilfe Wien http://spielsuchthilfe.at , gegenüber pressetext. Laut der Expertin sind einige Betroffene aufgrund ihres Sportinteresses der Ansicht, den Spielausgang vorhersehen zu können.

Realsumme noch höher

Laut Experten ist das Ergebnis jedoch nicht akkurat, da die Firmen ihr Geschäft zum Teil vom Ausland aus abwickeln, um die Wettumsätze nicht vollständig versteuern zu müssen. Es handle sich bei diesem Resultat lediglich um einen Mindestwert, weil die Konzerne ihre Transaktionen in Deutschland nicht offen darlegen. Bisher haben nur grobe Schätzungen über das Wettverhalten der Deutschen existiert. Daher sind diese konkreten Zahlen umso bedenklicher.

Böden und Klima verändern einander

Böden und Klima verändern einander
Schicksal des Kohlenstoffs im Boden ist Schicksal der Atmosphäre
 
Permafrost, Regenwald: CO2 vor Freisetzung (Fotos: Flickr/Mukhrino,Greenpeace)

Hannover (pte022/28.02.2012/12:30) – Im arktischen Permafrost schlummert mehr Kohlenstoff als man früher in allen Böden des Planeten insgesamt vermutete. Umweltfaktoren und die Beschaffenheit der organischen Substanz bestimmen, ob, wie sehr und wie rasch dieser Kohlenstoff an die Atmosphäre freikommt und so das Klima beeinflusst, berichten internationale Forscher in der Zeitschrift "Nature". "Bis vor wenigen Jahren übersah man die Böden in der Klimaforschung völlig. Ihre prominente Rolle wird nun immer deutlicher sichtbar", betont Studienautor Georg Guggenberger von der Uni Hannover http://www.soil.uni-hannover.de gegenüber pressetext.

Zustand des Bodens entscheidet

Realistische Klimamodelle sind bisher unter anderem daran gescheitert, dass man die genauen Prozesse im Boden nicht kannte. Ungeklärt war, warum einige der kohlenstoffhaltigen Moleküle im Boden schnell abgebaut werden, während andere Jahrtausende überdauern. Die Abbaugeschwindigkeit hängt vorrangig nicht von der Molekülstruktur, sondern von äußeren Faktoren ab, legen die Forscher nun dar: Minerale sowie die Beschaffenheit, Feuchtigkeit, Temperatur oder Durchwurzelung des Bodens spielen ebenso eine Rolle wie die Tiefe des Kohlenstofflagers, so das Ergebnis ihrer Messungen an vielen Standorten.

Permafrost und Regenwälder

In der Arktis, wo laut Schätzungen 1.670 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert sind, dürfte eine Klima-Zeitbombe ticken, hat das von der ESF http://esf.org getragene Forschungsprojekt schon früher berichtet (pressetext berichtete: http://pressetext.com/news/20101023003 ). "Durch die Erderwärmung tauen die Böden im Sommer tiefer auf und die über dem Frost liegende Feuchtschicht verzieht sich nach unten. Die oberste, belüftete Schicht, in der das organische Material abgebaut und Kohlendioxid (CO2) sowie Methan freigesetzt wird, nimmt zu", erklärt Guggenberger. Der Klimawandel beschleunigt sich durch diesen Prozess.

Doch es gibt noch einen zweiten Hauptschauplatz, dessen Böden das Klima beeinflussen: Die Tropen und Subtropen. Die Überführung von Regenwald in Acker- und Weideland – oft für den Futtersoja-Anbau – degradiert nicht nur die Böden, sondern setzt auch viel CO2 frei. In Mitteleuropa ist dieser Kohlenstoffkreislauf nur in kurzfristiger Betrachtung ausgeglichen, so der Hannoveraner Bodenforscher. "Mitteleuropa war einst bewaldet. Vermutlich wurde auch hier zum Zeitpunkt der Kulturnahme viel CO2 freigesetzt. Der Mensch hat somit schon lange vor der industriellen Revolution ins Klimageschehen eingegriffen."

Bodenschutz ist Klimaschutz

Die neuen Erkenntnisse zum Kohlenstoffspeicher Boden sollen Modelle zur Vorhersage der Reaktion von Böden auf Veränderungen des Klimas, der Vegetation und der Landnutzung verbessern. "Am günstigsten wäre es für das Klima, den Boden so wenig wie möglich zu stören – dann bleibt auch der gespeicherte Kohlenstoff am ehesten erhalten", betont Guggenberger.