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Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs

DGVS aktualisiert Leitlinie Pankreaskarzinom:

Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs auf Basis neuester Studien verbessern

Berlin – Rund 15 000 Menschen in Deutschland erkranken jedes Jahr neu an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Da die Erkrankung oft lange unentdeckt bleibt, sind die Überlebenschancen der Patienten so schlecht wie bei kei ner anderen Krebserkrankung. Mit der aktualisierten S3-Leitlinie „Exokrines Pankreaskarzinom“ will die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) die Behandlung von Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessern: Ziel der Empfehlungen sei es sicherzustellen, dass Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs bundesweit nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen optimal versorgt werden, so die Fachgesellschaft.

„Trotz aller wissenschaftlicher Fortschritte ist die Therapie des Pankreaskarzinoms noch heute eine sehr schwierige und komplexe Aufgabe“, sagt Leitlinienkoordinator Professor Dr. med. Thomas Seufferlein, Ärztlicher Direktor der Klini k für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Ulm. Deshalb müssten alle an der Behandlung Beteiligten – also Chirurgen, onkologisch tätige Internisten, Palliativmediziner, Pathologen, Radiologen und Strahlentherapeuten – sehr eng zusammenarbeiten und ihr Wissen für den Patienten bündeln. Neben Vertretern dieser Fächer beteiligten sich auch Patientengruppen an der Erstellung der neuen Leitlinie, die unter Federführung der DGVS entstand.

Die Empfehlungen richten sich an Ärztinnen und Ärzte, die Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und anderen chronischen Erkrankungen des Pankreas behandeln. Eine bessere Versorgung streben die Experten vor allem auch für jene Patienten an, bei denen die Erkrankung nicht mehr heilbar ist. „Das Pankreaskarzinom gehört weltweit immer noch zu den Tumoren mit der schlechtesten Prognose“, erklärt  DGVS-Experte Professor Seufferlein. „Eine vollständige Operation mit dem Ziel einer Heilung ist bei diesem Tumor häufig nicht möglich, da die Erkrankung zum Zeitpunkt der Diagnose bereits zu weit fortgeschritten ist und sich Metastasen gebildet haben.“ Ziel der palliativen Therapie sei es dann, das Leben der Patienten deutlich zu verlängern und dabei die Lebensqualität zu erhalten.

Entsprechend der Fülle neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse in diesen Bereichen legten die Experten bei der Überarbeitung der Leitlinie ihren Fokus zunächst auf die Kapitel „Palliative Therapie& #8220;, „Chirurgische Therapie“ und „Adjuvante und neoadjuvante Therapie“. „Die aktualisierte Leitlinie enthält einen deutlich größeren Anteil „evidenzbasierter“ Empfehlungen als die Version von 2006“, betont Seufferlein. Eine Überarbeitung der anderen Kapitel stünde an.

Die neue S3-Leitlinie, die von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Onkologischen Leitlinienprogramms gefördert wurde, können Interessierte im Internet kostenfrei abrufen.

Die Leitlinie im Internet:

http://www.dgvs.de/leitlinien/exokrines-pankreaskarzinom/

Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) wurde 1913 als wissenschaftliche Fachgesellschaft zur Erforschung der Verdauungsorgane gegründet. Heute vereint sie mehr als 5000 Ärzte und Wissenschaftler aus der Gastroenterologie unter einem Dach. Die DGVS fördert sehr erfolgreich wissenschaftliche Projekte und Studien, veranstaltet Kongresse und Fortbildungen und unterstützt aktiv den wissenschaftlichen Nachwuchs. Ein besonderes Anliegen ist der DGVS die Entwicklung von Standards und Behandlungsleitlinien für die Diagnostik und Therapie von Erkrankungen der Verdauungsorgane – zum Wohle des Patienten.

Malaria-Erreger lauert im Knochenmark

Malaria-Erreger lauert im Knochenmark

Abwehrmechanismen des Körpers werden umgangen

Infektion: Von Malaria befallenes rotes Blutkörperchen (Foto: flickr.com/NIAID)
Infektion: Von Malaria befallenes rotes Blutkörperchen (Foto: flickr.com/NIAID)

Boston (pte011/10.07.2014/11:00) –

Parasiten, die mit Malaria infiziert sind, können sich im Inneren des
Knochenmarks verstecken und so die Abwehrmechanismen des Körpers
umgehen. Zu diesem Ergebnis ist eine Studie der Harvard School of Public
Health http://hsph.harvard.edu gekommen. Diese Entdeckung könnte zur Entwicklung neuer Medikamente
oder Impfstoffe führen, die eine Übertragung verhindern. Die in dem
Fachmagazin Science Translational Medicine http://stm.sciencemag.org veröffentlichten Forschungsergebnisse schließen laut dem Team um
Matthias Marti eine entscheidende Wissenslücke in der Biologie dieser
Krankheit.

Von Moskitos übertragen, führt der Parasit zur
schwersten Form von Malaria. An den Folgen der Erkrankung sterben
weltweit jährlich mehr als 500.000 Menschen. Die aktuelle Studie hat
nachgewiesen, dass der Parasit sich im Knochenmark verbergen kann, wo er
den Angriffen des Immunsystems entgehen und so eine Erkrankung
verursachen kann. Die Theorie, dass sich der Parasit während der Reifung
im Knochenmark verstecken kann, ist seit Jahrzehnten bekannt.

Analyse von Gewebeproben Verstorbener

Unter der Leitung von Marti wiesen die Wissenschaftler
jetzt genau nach, wo der Parasit sich im Knochenmark einnistet. Dafür
analysierten sie Gewebeproben von Autopsien. Der Wissenschaftler
erklärte gegenüber der BBC, dass jetzt eindeutig nachgewiesen sei, dass
die Malaria verursachenden Parasiten sich im Knochenmark verbergen
können. Die neuesten Zahlen der Weltgesundheitsorganisation legen nahe,
dass 2012 mehr als 600.000 Menschen an den Folgen von Malaria gestorben
sind. 90 Prozent der Todesfälle waren in Staaten südlich der Sahara zu
beklagen.

Rauchfrei durch Dampf? E-Zigaretten bieten keinen Weg aus der Sucht

Rauchfrei durch Dampf?
Lungenärzte warnen: E-Zigaretten bieten keinen Weg aus der Sucht

Berlin
– Für Menschen, die das Rauchen aufgeben möchten, bieten E-Zigaretten
keinen „sanften Ausstieg“ aus der Sucht. Darauf weist die Deutsche
Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) hin. Das Dampfen
könne zwar helfen, zeitweise auf Tabakprodukte zu verzichten. Es führe
aber auch in eine neue Abhängigkeit, deren Folgen Experten bis heute
nicht genau abschätzen können. E-Zigaretten und Rauchentwöhnung sind
auch Themen auf dem 60. Kongress der DGP, der vom 13. bis 16. März 2019
in München stattfindet.

Eine aktuelle Studie im New England Journal of Medicine (NEJM) an 886 Rauchern untersuchte, ob E-Zigaretten bei der
Tabakentwöhnung besser helfen als Nikotinersatzprodukte wie
beispielsweise Kaugummis oder Pflaster (1). Die Autoren kamen zu dem
Ergebnis, dass die E-Zigarette der erfolgreichere Ansatz sei: Nach einem
Jahr Dampfen waren doppelt so viele Studienteilnehmer abstinent wie mit
Nikotinkaugummi und Co.

Professor
Dr. med. Stefan Andreas, Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen bei
Göttingen, kommentiert dieses Fazit: „Wer E-Zigarette raucht, ist
keineswegs abstinent – er ersetzt lediglich die eine Abhängigkeit durch
eine andere.“ So zeigen die Ergebnisse, dass 80 Prozent der
E-Zigaretten-Raucher, denen es gelungen war, auf Tabakzigaretten zu
verzichten, nach einem Jahr immer noch regelmäßig E-Zigaretten
inhalierten. Nur 9 Prozent derjenigen, die Pflaster und Co. verwendeten,
nutzten diese Produkte ein Jahr später noch.

Welche
Folgen der langfristige Konsum von E-Zigaretten hat, sei heute noch
nicht absehbar, betont Andreas: „Da die E-Zigarette erst einige Jahre
auf dem Markt ist, gibt es noch keine Langzeitstudien zu ihren
gesundheitlichen Auswirkungen. Es hat ja auch über 50 Jahre gedauert,
die Folgen des Tabakrauchens zu untersuchen.“ Tierversuche und einige
Studien am Menschen zeigen aber, dass der Dampf das Gewebe in den
Bronchien und Lungenbläschen krankhaft verändert (2).

Viele
andere Studien zeigen, dass eine Raucher-Entwöhnung mit E-Zigaretten
die Chancen, tatsächlich mit dem Rauchen aufzuhören, sogar verringern
kann. Nach einer Metaanalyse von 38 Studien war die Wahrscheinlichkeit
einer erfolgreichen Raucher-Entwöhnung mit E-Zigaretten um 28 Prozent
niedriger als ohne E-Zigaretten (3). Viele Raucher, die auf die
E-Zigarette umsteigen, kehren langfristig wieder zur Tabakzigarette
zurück.

Die
Studie im NEJM wurde von zwei Leitartikeln begleitet. In beiden wurden
strenge Regelungen zum Verkauf und zur Vermarktung von E-Zigaretten
gefordert. Deutsche Experten fordern zum Schutz von Jugendlichen schon
lange ein Werbeverbot für Tabakprodukte, das auch E-Zigaretten mit
einschließt (4). Auch die European Respiratory Society warnt in einem
aktuellen Report davor, dass der Nutzen von E-Zigaretten für die
Tabakentwöhnung nicht belegt sei und Gesundheitsschäden keineswegs
ausgeschlossen werden können (5).

„Wir
müssen realisieren, dass die Tabakkonzerne ihren Markt durch die
E-Zigarette erweitert haben, um eine größere Zielgruppe an sich zu
binden“, erklärt Andreas. „Schließlich hat die Industrie kein Interesse
daran, ihren Absatz durch eine erfolgreiche Rauchentwöhnung zu
verringern.“ Der Lungenarzt fordert professionelle Entwöhnungsprogramme
für Raucher, die kostenfrei und flächendeckend verfügbar sind. Davon
gäbe es in Deutschland nämlich viel zu wenige.

Über
die möglichen Folgen der E-Zigarette und gesunde Wege der
Tabakentwöhnung spricht Andreas auf einer Pressekonferenz, die am 14.
März 2019 im Rahmen des 60. DGP-Kongresses in München stattfindet. Auf
der Fachtagung präsentieren Experten auch erfolgreiche Strategien für
den Rauchstopp.

Selbstheilende Kunststoffe entwickelt

Ob Kratzer im Autolack oder Risse im
polymeren Material: Selbstheilende Werkstoffe können sich selbst
reparieren, indem sie nach Beschädigungen ihre ursprüngliche molekulare
Struktur wiederherstellen. Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für
Technologie und Evonik Industries entwickelten eine chemische
Vernetzungsreaktion, durch die sich bei milder Erwärmung innerhalb
kurzer Zeit gute Heilungseigenschaften des Materials erreichen lassen.
Die Ergebnisse ihrer Forschung veröffentlichen sie nun im Fachmagazin
Advanced Materials. DOI:10.1002/adma.201306258

Die
Karlsruher Forschungsgruppe um Christopher Barner-Kowollik nutzt zum
Herstellen selbstheilender Materialien die Möglichkeit,
funktionalisierte Fasern oder kleine Moleküle durch eine umkehrbare
chemische Reaktion zu einem Netzwerk zu verknüpfen. Diese sogenannten
schaltbaren Netzwerke lassen sich � nach einer Beschädigung � in ihre
Ausgangsbausteine zerlegen und wieder neu zusammenfügen. Dieser Ansatz
hat den Vorteil, dass sich der Selbstheilungsmechanismus beliebig oft
auslösen lässt, zum Beispiel durch Hitze, Licht oder durch die Zugabe
einer Chemikalie. �Unsere Methode ist vollkommen katalysatorfrei, sie
benötigt keinerlei Zusatzstoff�, sagt Professor Barner-Kowollik. Als
Inhaber des Lehrstuhls für Präparative Makromolekulare Chemie am KIT
befasst sich der Wissenschaftler mit Synthesen von makromolekularen
chemischen Verbindungen.

In
rund vierjähriger Forschung hat der von Barner-Kowollik geleitete
Arbeitskreis gemeinsam mit dem Projekthaus Composite der Creavis, der
strategischen Innovationseinheit von Evonik, ein neuartiges
Polymernetzwerk entwickelt. Bei vergleichsweise geringen Temperaturen
von 50ÚC bis 120ÚC zeigt das Netzwerk in wenigen Minuten sehr gute
Heilungseigenschaften. Die benötigte Zeit zu verringern und die äußeren
Bedingungen, unter denen der Heilungsprozess abläuft, zu optimieren,
gehört zu den wesentlichen Herausforderungen der Forschung an
selbstheilenden Materialien. Einen Erfolg sehen die KIT-Forscher in der
großen Zahl der intermolekularen Bindungen, die sich in dem von ihnen
entwickelten Heilungszyklus beim Abkühlen in sehr kurzer Zeit wieder
schließen. Zudem
bestätigten mechanische Tests wie Zugversuche und das Prüfen der
Zähigkeit, dass sich die ursprünglichen Eigenschaften des Materials
vollständig wiederherstellen lassen. �Es ließ sich nachweisen, dass die
Testkörper nach der ersten Heilung sogar stärker gebunden sind als
vorher�, so Barner-Kowollik

Die
selbstheilenden Eigenschaften lassen sich auf die große Bandbreite der
bekannten Kunststoffe übertragen. Neben der Selbstheilung erhält das
Material eine weitere vorteilhafte Eigenschaft: Da es bei höheren
Temperaturen fließfähiger wird, lässt es sich gut umformen. Ein
Anwendungsbereich ist zum Beispiel die Teileproduktion aus
faserverstärktem Kunststoff für die Automobil- oder Luftfahrtindustrie.

Zum
Konsortium, das die neuartige Vernetzungsreaktion entwickelt hat,
gehören als Industriepartner das Chemieunternehmen Evonik Industries,
sowie unter anderem das Leibniz-Institut für Polymerforschung in Dresden
und die Australian National University, Canberra, an.

Kim
K. Oehlenschlaeger, Jan O. Mueller, Josef Brandt, Stefan Hilf, Albena
Lederer, Manfred Wilhelm, Robert Graf, Michele L. Coote, Friedrich G.
Schmidt and Christopher Barner-Kowollik: Adaptable Hetero Diels-Alder
Networks for Fast Self-Healing under Mild Conditions. Advanced
Materials, 2014. DOI:10.1002/
adma.201306258.


Nanodraht vs. Muskelkater

Nanodraht-Netz sagt Muskelkater den Kampf an

Material trumpft auf mit Leichtigkeit, Flexibilität und Atmungsaktivität

Nanodraht-Netz: platziert auf dem Handgelenk (Foto: ibs.re.kr)
Nanodraht-Netz: platziert auf dem Handgelenk (Foto: ibs.re.kr)

Seoul (pte003/07.07.2015/06:10) –

Forscher des Institute for Basic Science http://ibs.re.kr/eng.do haben ein flexibles Netz aus Silber-Nanodrähten entwickelt, das
Muskelkater durch Hitzezufuhr lindern soll. Das Material ist so dünn,
das es problemlos unter jeder Kleidung getragen werden kann. Das Netz
ist batteriebetrieben und hält die Temperatur konstant. Den
Wissenschaftlern zufolge könnte diese Technologie zukünftig auch in
Winterjacken oder Autositzen zum Einsatz kommen.

Kühlt nicht ab

Die Silber-Nanodrähte haben in etwa einen Durchmesser
von 150 Nanometern und eine Länge von 30 Mikrometern. Die Drähte sind
mit einem flüssigen elastischen Material vermischt, welches im trockenen
Zustand sowohl weich als auch dehnbar ist. Um sicher zu gehen, dass das
Netz eng an der Zielregion anliegend bleibt, hat das Forschungsteam
eine zweidimensionale Verriegelungsspule entwickelt, welche die Struktur
des Netzes stabilisiert.

Bei Flexibilitätstests ist das Netz bereite am
Kniegelenk sowie auf den Handgelenken platziert worden. Während seiner
Erhitzung ist es einer Gelenkbelastung ausgesetzt worden und hat sich
dabei angepasst. Das Material ist leicht, verformbar und atmungsaktiv.
Zusätzlich verteilt sich die Hitze gleichmäßig über die gesamte
Oberfläche des Netzes. Obwohl auch eine warme Wasserflasche im Falle von
Schmerzen Abhilfe schaffen kann, kühlt diese schnell wieder ab.

Einsatz in Jacken denkbar

Im Vergleich zu elektrischen Heizkissen kann diese
Technologie ebenfalls auftrumpfen, da sie batteriebetrieben ist und
somit eine Steckdose überflüssig macht. Laut Forschern könnte dieses
Netz beispielsweise in Skijacken oder Autositzen zum Einsatz kommen.
Hierbei stellen vor allem die Leichtigkeit sowie die konstante
Beibehaltung der Temperatur entscheidende Vorteile gegenüber ähnlichen
Ansätzen dar.

Neu entwickeltes Länder-Ranking zur Energiewende

Neu entwickeltes Länder-Ranking zur Energiewende

Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE hat einen Index entwickelt, der ermittelt, inwieweit die Energiewende in verschiedenen Ländern weltweit bereits fortgeschritten ist. Dieser »Energy Transformation Index« (ETI) misst sowohl die Etablierung erneuerbarer Formen der Stromerzeugung wie Photovoltaik als auch die wirklich effiziente Nutzung der Energie.

Deutschland liegt beim Voranschreiten der Energiewende hinter den Ländern Schweden, Brasilien und Italien gleichauf mit Japan und Großbritannien auf Platz vier. Das ergibt der »Energy Transformation Index« (ETI), ein neues Ranking, welches das Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE künftig regelmäßig zusammen mit der International Solar Energy Society ISES veröffentlichen wird. »Bislang gab es keinen methodischen Ansatz, mit dem wir den Fortschritt einzelner Länder und Regionen auf dem Weg zur Energiewende quantitativ beschreiben könnten«, sagt Prof. Dr. Eicke Weber, Leiter des Fraunhofer ISE. Der nun entwickelte ETI erlaube es erstmals, die Situation eines Landes diesbezüglich durch eine griffige Zahl zu beschreiben. »Im Vergleich zu anderen Staaten zeigt sich dabei, dass die Energiewende hierzulande gar nicht so weit fortgeschritten ist, wie es allgemein angenommen wird«, so Weber.

»Grundlage für diesen neuen Index ist eine Idee, die vor zwei Jahren auf der Jahrestagung des ForschungsVerbunds Erneuerbare Energien FVEE vorgestellt wurde«, berichtet Weber. Die damalige Darstellung beschrieb auf der x-Achse den Anteil regenerativer Energien am gesamten Strommix. Auf der Ordinate fand sich die Energieeffizienz als Quotient von Bruttoinlandprodukt (BIP) beziehungsweise »gross domestic product« (GDP) und dem Energieverbrauch. »Die hier definierte Energieeffizienz ist das Inverse der bekannten Energieintensität des BIP, die beschreibt, wie viel Energie man benötigt, um eine Einheit des GDP zu produzieren«, so Weber. »Der inverse Betrag, der beschreibt, wie viel Dollar an Wirtschaftsleistung man für eine Energieeinheit erhalten kann, sollte so groß wie möglich sein und ist daher als Ordinate eines derartigen Graphen gut geeignet.«

»Nachdem der Fortschritt bei der Transformation des Energiesystems in beiden wesentlichen Aspekten, der Energieeffizienz und dem Ausbau erneuerbarer Energien, anschaulich deutlich wurde, gab es die Überlegung, ob daraus nicht eine griffige Zahl entwickelt werden könnte«, so Weber über die Entstehung des »Energy Transformation Index«. Um allerdings Konsistenz zu gewährleisten, musste auch auf der Abszisse ein Bezug zum gesamten Energieverbrauch hergestellt werden. »Als Zielpunkt der Transformation des Energiesystems sollte hier natürlich ein Anteil von 100 Prozent regenerativer Energien stehen, auf der Ordinate dagegen ist ein Zielpunkt der Energieeffizienz schwieriger zu definieren«, erklärt Weber. Das Fraunhofer ISE wählte als Ziel des Effizienzwerts zwei Dollar pro Kilowattstunde, also in etwa das Doppelte der heutigen Effizienz von Deutschland.

Um nun einen Index zu erstellen, war es der erste Ansatz, die Länge des Vektors vom Ursprung (0,0) mit dem jeweiligen Punkt für ein spezifisches Land zu berechnen, und diese Länge durch die Länge des optimalen Vektors zu teilen. »Eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass dieser Ansatz Abweichungen auf dem Weg zum idealen Punkt belohnen würde«, so Weber, »denn Länder, die zunächst nur einen der beiden Faktoren betonten, schnitten besser ab als Staaten, die bereits auf dem idealen 45-Grad-Weg voranschritten.« Daher machte es Sinn, als Index die Projektion des Vektors eines bestimmten Landes auf die Diagonale zu definieren, geteilt durch die Länge des idealen Vektors.

ETI Ranking ausgewählter Länder. ©Fraunhofer ISEIm Resultat liegt Schweden in dem auf der ISES Tagung vorgestellten ersten Ranking von 17 Staaten an erster Stelle mit einem ETI von 40 knapp vor Brasilien mit 39. Deutschland (30) folgt hinter Italien (34) zusammen mit Japan (30) und Großbritannien (30) gleichauf auf dem vierten Rang. Bei der Zuwachsrate seit dem Jahr 1990 liegt Deutschland jedoch zusammen mit Großbritannien an der Spitze. Auf abgeschlagenen Plätzen beim aktuellen Indexwert finden sich derzeit Länder wie die USA (18) und China (11) wieder. Das ETI Ranking hat auch einen direkten Bezug zur Klimaproblematik. 100% erneuerbare Energien bedeuten auch keine CO2 Emissionen mehr aus dem Energiesektor, und auch die Verbesserung der Energieeffizienz wirkt sich natürlich direkt in der Verminderung von CO2 Emissionen aus.

»Künftig möchten wir jährlich ein derartiges Ranking veröffentlichen, um zu dokumentieren, welche Länder die Energiewende ernsthaft angehen, und wer dabei zurück bleibt«, so Weber. Als Basis sollen dabei die Werte für die 82 wichtigsten Staaten berücksichtigt werden. »Wir erwarten, dass diese regelmäßige Veröffentlichung einen weiteren Ansporn liefert, die globale Aufgabe der Energiewende auch wirklich effektiv anzugehen«, sagt Weber, »denn die Menschheit kann auf Dauer nur nachhaltig auf unserem Planeten leben.«

Überstunden machen Workaholics dumm

Überstunden machen Workaholics dumm
Intelligenz, Wortschatz und Ausdrucksweise nehmen deutlich ab
 
Vielarbeiter: Überstunden schaden unweigerlich (Foto: pixelio.de, B. Pixler)

Helsinki (pte002/21.11.2013/06:05) – Wer ständig mehr arbeitet und Überstunden schiebt, wird dümmer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health http://www.ttl.fi . Die Wissenschaftler konnten in diesem Zusammenhang sogar nachweisen, dass permanente Mehrarbeit zu einem schrumpfenden Wortschatz führt. Zudem nimmt die Intelligenz im Vergleich zu Kollegen ab, die nur 40 Stunden pro Woche arbeiten.

Folgen ab 55 Wochenstunden

Die im American Journal of Epidemiology http://aje.oxfordjournals.org veröffentlichte Erhebung sieht Unterschiede zwischen Arbeitnehmern, die dauernd Überstunden machen und ihren normal arbeitenden Kollegen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren wurden die Teilnehmer auf Faktoren wie Intelligenz, Sprachschatz und Sprachvermögen getestet.

Jene, die durchschnittlich 55 Stunden pro Woche arbeiteten, verfügten über ein kleineres Vokabular und zeigten einen geringeren IQ. Neben psychischer Beeinträchtigung ließen sich bei den Probanden aber auch vermehrt körperliche Beschwerden feststellen, darunter chronischer Bluthochdruck sowie Herzerkrankungen. Beide stehen in Zusammenhang mit Stress.

Klügere Menschen stark betroffen

Die Forscher kommen außerdem zu dem Ergebnis, dass vor allem Menschen mit höherer Bildung dafür prädestiniert sind, mehr Überstunden zu leisten. Sie waren es auch, die weniger schliefen als ihre Kollegen und bei denen sich ein höherer Alkoholkonsum feststellen ließ. Überspitzt formuliert sind es also die intelligenten Menschen, die sich durch ihren Job selbst dümmer machen.

Sara Robinson von AlterNet zitiert eine weitere Studie, wonach Teams mit einem Arbeitspensum von 80 Stunden pro Woche genauso viel schaffen wie jene Gruppen mit 40 Wochenstunden. Die Erklärung: Die Ausfälle nehmen bei derartig vielen Überstunden schon nach drei Wochen zu. Hinzu kommt, dass Teams nach einer arbeitsintensiven Phase mehr Zeit benötigen, um sich von den Strapazen zu erholen.

Tauchfahrten in die bizarre Mondlandschaft der Tiefsee

Neue Entdeckungen vor der Küste Mittelamerikas

 

Die Tiefsee, ein kalter lichtloser Ort ohne Leben? Weit gefehlt, auch
in dieser lebensfeindlich anmutenden Umgebung gibt es Regionen mit
Lebensformen, hoch spezialisiert und angepasst an diese Verhältnisse.
In solchen Regionen brodelt es, Gase entweichen aus dem Boden, Erdbeben
erschüttern den Meeresgrund und können Schlammlawinen auslösen. Die
Ursache liegt tiefer unter dem Meeresboden. Dort, an den Grenzflächen
zweier Erdplatten wird Meeresboden vernichtet, aufgeschmolzen,
recycelt. Was dort genau passiert, was dort am Meeresboden lebt und
welche Stoffe und Energien umgesetzt werden, sind Fragestellungen des
Kieler Sonderforschungsbereichs 574 (Volatile und Fluide in
Subduktionszonen). Er beschäftigt sich mit der Rückführung von
Volatilen (leichtflüchtigen, zum Teil klimaaktiven Substanzen), vom
Beginn der Subduktionszone bis zum Vulkangürtel, sowie der Auswirkung
auf Erdbeben und Hangrutschungen.

 

Die Expedition M66-2 mit dem Forschungsschiff METEOR unter der Leitung
von Dr. Gregor Rehder vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
(IFM-GEOMAR) an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
(IFM-GEOMAR), ging ins bisherige Hauptarbeitsgebiet des
Sonderforschungsbereichs (SFB), vor die Küsten Costa Ricas und
Nicaraguas. Ausgerüstet mit modernster Meerestechnik, wie dem
Tiefseeroboter (ROV[1]) QUEST des MARUM Bremen, wurden zwischen 400 und
2000 m Wassertiefe Gebiete untersucht, in denen Wässer aus großen
Sedimenttiefen, befrachtet mit Gasen und Nährstoffen, an die
Sedimentoberfläche gelangen. Hier ermöglichen sie, unter Verwendung von
Methan und Entstehung des für die meisten Organismen toxischen
Schwefelwasserstoffs, den Aufbau der einzigartigen Lebensgemeinschaften
der Oasen der Tiefsee.

 

Die unterseeischen Quellen sind Endstation eines komplizierten
Flüssigkeitskreislaufes. Große Mengen wasserreicher Sedimente werden am
mittelamerikanischen Tiefseegraben unter die Festlandsplatte geschoben.
Auf dem Weg in immer größere Tiefe entstehen mit Methan und Nährstoffen
angereicherte Fluide, die unter zunehmender Hitze und unter der Last
des Kontinents aus den Sedimenten ausgedrückt werden und auf
verschiedenen Wegen an die Oberfläche des Meeresbodens zurückgelangen.

 

Besonderes Highlight der Fahrt war vor allem die Entdeckung von
hochaktiven, von Bakterienmatten besiedelten Kratern. „Damit haben wir
neben den schon vorher untersuchten Mounds (Sedimenterhebungen) und den
durch das Kollidieren von Seebergen mit der Kontinentalplatte
entstehenden Hangrutschungen eine dritte geologische Form der
Entwässerung vor Costa Rica gefunden, die wir noch gar nicht kannten.
Diese Entdeckung beim letzten Tauchgang der Expedition wird uns noch
länger beschäftigen“, kommentiert Fahrtleiter Gregor Rehder.

 

Zudem konnten an einer Hangrutschung, dem „Jaco Scarp“, erstmals
nachgewiesen werden, dass die dort entweichenden methanhaltigen Wässer
aus mehreren Kilometern Tiefe aufsteigen. Dies war bisher nur von
einigen der Sedimenterhebungen bekannt und spielt eine wichtige Rolle
für eine im SFB entdeckte Beziehung zwischen der Entwässerung von
Mineralien und dem Einsetzen von Erdbeben.

 

Die Beute der Wissenschaftler ist neben einzigartigen Videoaufnahmen,
eine Vielzahl von Proben, die bereits an Bord detaillierten Analysen
unterzogen worden und nun in den Speziallaboren weiter bearbeitet
werden.

 

Der Sonderforschungsbereich 574 wurde im Jahr 2001 eingerichtet. Kieler
Forscher von Universität und Leibniz-Institut für Meereswissenschaften
erkunden die geologischen Prozesse an Kontinentalrändern. Der
Stoffaustausch an diesen Subduktionszonen ist ein wichtiger Regelfaktor
für das globale Klima.

 

Mit den neuen Puzzleteilen aus der Tiefsee werden die Wissenschaftler
nun versuchen, die komplexen Prozesse am Kontinentalhang Mittelamerikas
und ihre Auswirkung bis zum Vulkangürtel an Land besser zu verstehen.
Auch wenn die Forscher des Sonderforschungsbereichs in Zukunft ihr
Hauptaugenmerk an die Kontinentalabhänge vor der chilenischen Küste
verlagern, werden sie, so oft es geht, nach Costa Rica zurückkehren.
Vieles liegt dort noch in der lichtlosen Weite der Tiefsee verborgen.

 

 

Fakten zur Ausfahrt:

METEOR-Expedition M66: Erste von drei Fahrtabschnitten des SFB 574 auf METEOR

 

M66-2 A und B

Leg A Curacao – Panamakanal- Corinto (Nicaragua) 22.09. – 01-10.: Transit + geophysikalische Arbeiten

Leg B Corinto – Caldera (Costa Rica) vom 02.10-23.10.: Oberflächennahe
Biogeochemie und Mikrobiologie, mit Einsatz des ROV QUEST von MARUM

 

An der Forschungsfahrt M66 nahmen ebenfalls Professor Klaus Wallmann,
Dr. Claus-Dieter Garbe-Schönberg und Dr. Peter Linke teil – jeweils mit
unterschiedlichen Fragestellungen und Forschungsansätzen aus dem
Zusammenhang des Sonderforschungsbereichs. Beteiligt war das
Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, Bremen.

 

Fahrtteilnehmer: Mitarbeiter des SFB 574 (Universität Kiel und
IFM-GEOMAR). 8 Mitarbeiter des MARUM Bremen (ROV Crew), 3 Mitarbeiter
MPI für Mikrobiologie, Bremen.