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Antibiotika-Resistenzen in Europa nehmen zu

Ärzte verschreiben in Süd- und Osteuropa zu viele Medikamente

Antwerpen (pte, 11. Feb 2005 10:43) – Offensichtlich verschreiben
Mediziner in Europa zu häufig Antibiotika. Nach einer Studie der
Universität von Antwerpen http://www.uza.be wurde die Praxis in 26
Ländern im Zeitraum von 1997 bis 2002 genau überprüft. Demnach weichen
die Antibiotika-Resistenzen und der Verschreibmodus geografisch
ziemlich voneinander ab. Am häufigsten werden in Süd- und Osteuropa
Antibiotika verschrieben, berichten die Forscher im
Wissenschaftsmagazin The Lancet http://www.thelancet.com .

Am meisten Antibiotika werden nach den Studienergebnissen von Herman
Gossens in Frankreich verschrieben. Mit 32,2 DID (tägliche Dosis pro
1.000 Einwohner) liegt das Land an der Spitze, Schlusslicht waren mit
10,0 DID die Niederlande. Generell war die Verwendung von Antibiotika
in Nordeuropa niedrig, in Osteuropa immer noch moderat. Saisonale
Fluktuationen waren in süd- und osteuropäischen Ländern hoch, während
in nordeuropäischen Ländern im Winter die Zunahme weniger als 25
Prozent betrug. Auffällig war auch, dass sich die Verwendung neuer
Antibiotika mit einem breiten Spektrum durchsetzte. Alte Medikamente
hingegen wurden deutlich weniger verwendet.

Die Studienautoren sind der Ansicht, dass die Daten für die öffentliche
Gesundheitspolitik von großer Bedeutung sind. Nicht adäquate Verwendung
von Antibiotika soll vermieden werden, um die Resistenzen gegen die
Wirkstoffe niedrig zu halten. Für die starken Schwankungen bei der
Verwendung gibt es nach Ansicht der Forscher verschiedene Gründe. Diese
liegen in der Erziehung der Bevölkerung, der öffentlichen
Gesundheitspolitik, der Bildung und auch in der Struktur der lokalen
Pharmaunternehmen. Die Studienautoren warnen auch davor, Antibiotika in
zu großem Maß zu verschreiben. „Da immer weniger neue Produkte
entwickelt werden, aber die Zahl der Resistenzen steigt, könnte eine
der medizinischen Wunderwaffen des 20. Jahrhunderts schnell verloren
gehen“, so die Experten.

Neues hightech Diagnose-Gerät revolutioniert HNO-Medizin

Neues hightech Diagnose-Gerät revolutioniert HNO-Medizin:
Erstmals Säuregase im Hals und in den oberen Atemwegen messbar
Obernburg, Februar 2011. Fast jeder Dritte von uns kennt es: Säure-Rückfluss (Reflux) vom Magen in die Speiseröhre mit unangenehmem Sodbrennen und mitunter unklaren Schmerzen hinter dem Brustbein. Dass die Refluxkrankheit darüber hinaus auch zu extremen Problemen am Kehlkopf, im gesamten Hals- und Rachenraum sowie in den oberen Atemwegen führen kann, ist bisher kaum bekannt und nicht eindeutig diagnostizierbar. Patienten leiden unter eher untypischen Beschwerden wie chronischem Husten, Schluckbeschwerden, Heiserkeit oder Kloßgefühl im Hals. Ein neues Diagnose-Gerät macht es jetzt erstmalig und einfach möglich, die oftmals dafür verantwortlichen Säuregase oberhalb der Speiseröhre zu messen (neue ph-Metrie). Die Auswertung der Messergebnisse gibt Aufschluss über die Intensität der Säuregase und wann sie im Tages- und Nachtverlauf auftreten. Exakt auf die Diagnose abgestimmt, kann der Facharzt jetzt eine individuelle, wirksame Therapie für den Patienten zusammenstellen.

 

Impfen – Pro und Contra

Kritik am Impfen ist so alt wie die Impfungen selbst. Nachdem Edward Jenner 1796 den Erfolg
der Pockenimpfung nachgewiesen und sich seine Methode rasch verbreitet hatte, dauerte
es nicht lange, bis manche Staaten eine Pockenimpfpflicht eingeführt hatten. Dies traf beim
überwiegenden Teil der jeweiligen Bevölkerung auf Verständnis und Zustimmung, doch eine
Minderheit protestierte lautstark gegen diese Zwangsmassnahme. Sie sah die »Freiheit des
Bürgers« in Gefahr und befürchtete zudem gesundheitliche Schäden als Folge der Pockenimpfung.
Dies war die Geburtsstunde einer fundamentalen »Impfkritik«, die in manchen Kreisen
bis heute anhält.
Parallel zum Widerstand gegen die Impfpflicht begann eine intensive Suche nach alternativen
Möglichkeiten, sich vor gefährlichen Krankheiten zu schützen und somit Impfungen verzichtbar
zu machen. Im Folgenden sollen tatsächliche und vermeintliche Alternativen kritisch beleuchtet
werden.
Ist Impfen unverzichtbar?
Nein! Jeder kann abwägen und selbst entscheiden, ob er sich selbst bzw. sein Kind impfen
lässt. Zum Glück leben wir in einer liberalen Gesellschaft, die dem Einzelnen grösstmögliche
Entscheidungsfreiheit und Selbstbestimmung zugesteht. Dies beinhaltet Angelegenheiten der
eigenen Gesundheit. Es gibt bei uns auch keine indirekten Repressalien bei Verzicht auf Impfungen.
Keinem Kind wird der Besuch des Kindergartens oder der Schule verweigert, wenn es
entgegen den öffentlichen Empfehlungen gegen eine oder mehrere Infektionskrankheiten
nicht geimpft ist. In den USA ist dies anders: Dort kann einem nicht oder unzureichend geimpften
Kind der Zutritt zu Gemeinschaftseinrichtungen untersagt werden.
Viele Impfungen stehen erst seit wenigen Jahren zur Verfügung, und die erste Impfung (gegen
Pocken) wurde erst vor etwas mehr als 200 Jahren eingeführt. Die Menschheit hat bis dahin
ohne Impfungen überlebt – allerdings sind viele Menschen an Krankheiten gestorben, vor
denen Impfungen schützen können. Heute wird ein Kind, das nicht geimpft ist, mit grösster
Wahrscheinlichkeit unbeschadet durch Wundstarrkrampf, Masern oder andere Infektionskrankheiten
sein Leben meistern, denn das Risiko für Komplikationen (Masern: ca. 1:1.000)
bzw. überhaupt zu erkranken (Wundstarrkrampf: geschätzt 1-mal bei mehreren 10.000 Verletzungen)
ist relativ gering. Insofern kann man Impfen als eine Art Versicherung ansehen, die
dann greift, wenn man das Pech hat, zu den wenigen zu gehören, die ungeschützt Schaden erleiden
würden. Auch von den nicht gegen Feuer versicherten Häusern brennen nur die wenigsten
ab, und nicht jeder Autofahrer, der ohne Sicherheitsgurt fährt, verunglückt.
Aus diesem Blickwinkel ist der völlige Verzicht auf Impfen eine mögliche Alternative zum
allgemein empfohlenen Impfprogramm, wenn man bereit ist, das dadurch entstehende Risiko
in Kauf zu nehmen.
Nützt Impfen wirklich?
»Impfen nützt nicht, Impfen schützt nicht!« Dieser Behauptung, die häufig gegen Impfen angeführt
wird, muss man grundsätzlich widersprechen. Sie führt die Bevölkerung in die Irre.
Den Beweis für diese kühne Behauptung bleiben die Impfgegner allerdings schuldig.
Aber nicht nur die Wirksamkeit von Impfungen wird angezweifelt, gleichzeitig wird dem
Impfen an sich und damit impfenden Ärzten unterstellt, man schädige absichtlich (!) Menschen,
indem man ihnen Impfungen verabreicht. Dazu zitiert AEGIS, ein Verein von
Impfgegnern, den Homöopathen Dr. Grätz: »Langjährige Beobachtung und Erfahrung bestätigen
immer wieder, dass die Menschen von Generation zu Generation zunehmend kränker
werden. Denken wir heutzutage nur an die vielen Kinder mit Neurodermitis, spastischer Bronchitis,
Asthma, Heuschnupfen, Tierhaarallergien, dauernden Mittelohrentzündungen, Legasthenie,
Hyperaktivität, Aggressivität und Gewalttätigkeit oder körperlichen und geistigen Behinderungen!
Später — in der Pubertät — gesellen sich dann in zunehmendem Masse Probleme
mit der Reproduktionsfähigkeit dazu (Menstruationsbeschwerden, Tubenverklebungen,
Eierstockentzündungen, genitale Pilzinfektionen, Eileiterschwangerschaften, Fehl- und Frühgeburten)
bis hin zu absoluter Sterilität. Das alles hat es in diesem Ausmass in der letzten —
geschweige denn in der vorletzten – Generation noch nicht gegeben! Die Menschheit steuert,
wenn sie so weitermacht, der allergrössten biologischen Katastrophe zielstrebig entgegen,
nämlich der Gefahr, sich selbst der Fortpflanzungsfähigkeit zu berauben! Was dies bedeutet,
brauchen wir nicht näher zu erläutern. Und wiederum muss ein Grossteil dieser Schäden den
derzeit so viel gepriesenen Impfungen angelastet werden!«
Man gewinnt den Eindruck, dass hier Impfen in Bausch und Bogen verurteilt und für viele tatsächlich
ungelöste medizinische und soziale Probleme unserer modernen Gesellschaft verantwortlich
gemacht wird. Diese Behauptungen sind jedoch weder biologisch plausibel noch
werden sie wissenschaftlich bewiesen. Im Gegenteil, diese Behauptungen sind längst durch
Studien widerlegt worden, was aber verschwiegen wird.
Das Berufsethos schreibt Ärzten vor, ihren Patienten in erster Linie keinen Schaden zuzufügen.
Wenn der Schaden den Nutzen überwiegen würde, wäre Impfen also moralisch verwerflich.
Doch das Gegenteil ist der Fall! Nach diesen Behauptungen würde auch der Staat seiner
Bevölkerung bewusst Schaden zufügen, wenn er – wie dies der Fall ist – für den Impfgedanken
eintritt und die notwendigen Voraussetzungen für das Impfen schafft.
Macht eine gesunde Lebensweise Impfungen überflüssig?
Nein! Die populäre These, dass bei einer gesunden Lebensweise Impfungen nicht notwendig
seien, beruht auf einem grundlegenden Missverständnis. Man weiss, dass gewisse Mangelzustände
Infektionskrankheiten begünstigen können: Hungernde Kinder erkranken z. B. öfter
und schwerer an Infektionskrankheiten als gut ernährte Kinder, weil ihre Abwehrkräfte durch
das Hungern stark beeinträchtigt sind. Auch ein Mangel an Vitamin C begünstigt das Auftreten
von Infektionskrankheiten, insbesondere Erkältungskrankheiten. Unter unseren heutigen
Lebensbedingungen treten bei einer normalen Ernährung derartige Mängel praktisch nicht
auf.
Das Missverständnis entsteht durch den Umkehrschluss: Man meint, durch besonders gute Ernährung
die Infektionsabwehr aus dem Normalzustand auf ein höheres Niveau versetzen zu
können. Dies ist jedoch leider nicht möglich. Selbst bei optimaler Ernährung können Infektionskrankheiten
wie die Masern oder auch die echte Grippe (Influenza) ihr Unheil anrichten.
Selbstverständlich fördert eine gesunde Lebensweise – z. B. ausgewogene, abwechslungsreiche
Ernährung, körperliche Aktivität, ausreichend Schlaf – nachweisbar das Wohlbefinden
und damit die Gesundheit. Sie bietet jedoch keinen Schutz vor schweren, lebensbedrohlichen
Infektionskrankheiten, wie z. B. eine eitrige Hirnhautentzündung oder Sepsis (Blutvergiftung)
durch Meningokokken. Gerade Letztere treten sogar überdurchschnittlich häufig bei Jugendlichen
auf, die sich in einem sehr gesunden Lebensabschnitt (d. h. durch wenige Krankheiten
belastet) befinden.
Warum nicht Infektionskrankheiten behandeln,
statt durch Impfen vorzubeugen?
Sinn und Zweck des Impfens ist es, den Ausbruch von bestimmten Infektionskrankheiten zu
verhindern. Dem steht die Alternative gegenüber, den Ausbruch einer Infektionskrankheit in
Kauf zu nehmen und die entstehende Krankheit zu behandeln. Hinter dieser Alternative steht
die Ansicht, das Durchmachen einer Infektionskrankheit sei für den Organismus günstig, und
etwaige ungünstige Begleiterscheinungen (z. B. bleibende Schäden) liessen sich durch eine
angemessene Behandlung vermeiden.
Doch leider gibt es eben keine wirksame Behandlung gegen die meisten Infektionserreger, gegen
die wir Impfungen empfehlen. So ist beispielsweise bis heute kein Medikament verfügbar,
welches Masern-, Mumps- oder Rötelnviren angreifen könnte. Deshalb sind auch die dadurch
entstehenden Schäden (wie z. B. Hirnentzündung durch Masernviren, Taubheit durch
Mumpsviren oder Schädigung des Embryos durch mütterliche Rötelninfektion in der Schwangerschaft)
bis zum heutigen Tag nicht behandelbar. Die Wirksamkeit der in manchen Büchern
propagierten homöopathischen Rezepturen gegen diese Viruskrankheiten ist nie nachgewiesen
worden.
Gelegentlich werden Infektionskrankheiten, die man durch Impfung verhindern kann, und solche,
bei denen dies nicht möglich ist, in einen Topf geworfen. Tatsächlich haben umfangreiche
Untersuchungen der letzten Jahre ergeben, dass bestimmte Infektionskrankheiten in der
frühen Kindheit (vor allem im Säuglings- und Kleinkindesalter) anscheinend vor der Entstehung
von Atopie (Überbegriff für Allergien, wie z. B. Heuschnupfen, Asthma, Nahrungsmittelallergien)
schützen. Dabei handelt es sich aber in erster Linie um banale Infektionen der
Atemwege (Erkältungskrankheiten) und Infektionen des Verdauungstrakts. In Übereinstimmung
mit dieser Erkenntnis steht die Beobachtung, dass Kinder, die häufig und regelmässig
Kontakt mit mehreren anderen Kindern haben (seien es eigene Geschwister oder in Kindertagesstätten),
seltener an Allergien leiden als solche, die behütet in einer Kleinfamilie aufwachsen.
Daraus kann man jedoch nicht ableiten, dass geimpfte Kinder nicht mehr die Chance haben,
sich mit Infektionserregern auf natürliche Weise auseinander zu setzen, und dass sie deshalb
vermehrt an Allergien erkranken. Denn die wenigen Infektionskrankheiten, die durch Impfungen
verhindert werden, stellen nur einen geringen Teil aller Infektionen dar, die ein Kind in
seinen ersten Lebensjahren durchmacht.
Sollte man Impfungen lieber später geben als empfohlen?
Gelegentlich raten Ärzte, Impfungen später durchzuführen, als von Experten empfohlen wird.
Das betrifft insbesondere Impfungen, die zur mehrfachen Gabe im ersten Lebensjahr vorgesehen
sind. Diese Ärzte kommen der Vorstellung von Eltern entgegen, der Säugling bzw. sein
Immunsystem könnte durch die vielen Impfungen »überlastet« werden. Dass dem nicht so ist,
ist wissenschaftlich belegt. Später zu impfen ist sogar gefährlich, da der Säugling bis zu dem
Zeitpunkt, an dem der Impfschutz vollständig ist, ungeschützt bleibt.
Hinzu kommt, dass sich viele Säuglinge augenscheinlich vom Schmerz des Einstichs der Injektionsnadel
nicht oder nur wenig beeinträchtigt zeigen. Hingegen können ältere Kinder (wie
übrigens auch Jugendliche und Erwachsene) unter Umständen panische Angst vor einer
Injektion entwickeln. Dies kann es sehr schwierig machen, jenseits des Säuglingsalters eine
Grundimmunisierung umzusetzen, die aus mehreren Einzelimpfdosen besteht.
Es ist bedauerlich, dass diese Informationen, die für die Entscheidung des gewünschten Impfzeitpunkts
sehr wichtig sind, den Eltern nicht immer erläutert werden. Denn welches Elternpaar
möchte sein Kind einem Risiko aussetzen, wenn dies ohne erkennbaren Vorteil ist?
Sind »homöopathische Impfstoffe« eine Alternative?
Selbst die meisten Homöopathen lehnen »homöopathische Impfstoffe« kategorisch ab, da sie
nicht den Grundprinzipien von Samuel Hahnemann, dem Begründer der klassischen Homöopathie,
entsprechen. Dieses Prinzip lautet, Gleiches mit Gleichem zu behandeln: Krankheitsverursachende
Ausgangssubstanzen werden so lange verdünnt, bis sie ihre schädigenden Eigenschaften
verlieren und die körpereigenen Heilkräfte anregen. Homöopathen sind davon
überzeugt, dass die Substanzen mit jeder Verdünnung (»Potenzierung«) an Wirkungskraft gewinnen.
Dies ist mit naturwissenschaftlichen Methoden jedoch nicht nachweisbar.
»Homöopathische Impfstoffe« sind extreme Verdünnungen herkömmlicher Impfstoffe und
werden als potenzierte Impfstoffe angepriesen. Da aber durch die starke Verdünnung eine
Antwort des Immunsystems ausbleibt, ist es nicht verwunderlich, dass diese »Impfstoffe« keine
Wirkung entfalten.
Prof. Dr. Ulrich Heininger ist seit 2001 Leitender Arzt für Infektiologie und Vakzinologie
am Universitäts-Kinderspital beider Basel, Schweiz. Zudem ist er Senatsmitglied der
Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften, Mitglied im Technical
Oversight Committee for the Global Network for Postmarketing Surveillance of Prequalified
Vaccines und der „Working Group on Vaccine pharmacovigilance“ der
Weltgesundheitsorganisation (WHO), stellvertretender Vorsitzender der Ständigen
Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) und Präsident der European Society for
Paediatric Infectious Diseases“ (ESPID).
Leopoldina-Symposium Schutzimpfungen, Berlin, 8. November 2010
Dr. Christian W. Mandl:
Impfstoffe für das 21. Jahrhundert
Schutzimpfungen gegen Infektionskrankheiten stellen die effektivste medizinische
Intervention dar, die die Wissenschaft hervorgebracht hat. Krankheiten, die über Jahrhunderte
zu den größten Geiseln der Menschheit zählten, wie die Pocken, die Kinderlähmung oder der
Wundstarrkrampf, wurden mit Hilfe von Impfungen fast oder vollständig eliminiert. Nachdem
viele der klassischen Kindererkrankungen aus dem klinischen Alltag fast verschwunden sind,
stellt sich die Frage nach der Rolle von Impfungen im 21. Jahrhundert. Wir beobachten eine
rasante und aufregende Entwicklung neuer Technologien, die neue, vielversprechende
Anwendungsgebiete erschliessen wie z.B. die Verhinderung oder auch Behandlung von
Krebs, Infektionen alter oder geschwächter Personen oder der umfassende Schutz von Mutter
und Kind während und nach der Schwangerschaft. Die Entwicklung neuer Impfstoffe gegen
bakterielle Meningitis ist ein gutes Beispiel für den Erfolg neuer Technologien. Ein rasch
wachsendes Verständnis der atomaren Strukturen, neuartiger Vektoren, und immunologischer
Mechanismen tragen dazu bei, die Vision von Impfungen als freundliche, sichere
Lebensversicherung für das ganze Leben Wirklichkeit werden zu lassen.
Christian W. Mandl is the head of US Research for Novartis Vaccines, and is global head
for all viral vaccine research projects. Christian is a world renowned expert in flaviviruses,
and is a co-inventor on several patents related to a marketed vaccine for tick borne
encephalitis. He currently oversees a team of 90 researchers with plans to expand the center
rapidly over the next 5 years.
Prior to joining Novartis, Christian was the Assistant Head of the Clinical Institute of
Virology at Medical University of Vienna, where he still holds a professorship in Virology.
His prior works involves the investigation of molecular mechanisms or the interactions of
viruses with their host organisms targeting novel medical applications, enabling new antiviral
strategies and applications in vaccine development or viral gene vectors.
Christian holds a MD and PhD from University of Vienna, and a Master of Science
(Biochemistry) from Pennsylvania State University. He earned his postdoctoral lecture
qualification in Molecular Virology and was certified as a Medical Specialist in Virology by
the Austrian Medical Association. He lives in Lexington, MA, with his wife and five children.
Leopoldina-Symposium Schutzimpfungen, Berlin, 8. November 2010
Prof. Dr. Thomas C. Mettenleiter:
Innovative Veterinärimpfstoffe
Klassisch attenuierte Lebendimpfstoffe und Inaktivatvakzinen spielen bei der Kontrolle und
Eradikation von Infektionskrankheiten bei Nutztieren weiterhin eine bedeutende Rolle. Die
rasante Entwicklung der Molekularbiologie und die Möglichkeiten der Gentechnik haben aber
auch die Impfstoffentwicklung in der Veterinärmedizin revolutioniert. So wurden im
veterinärmedizinischen Bereich die ersten gentechnisch gezielt veränderten Lebendimpfstoffe
zur Bekämpfung der Aujeszkyschen Krankheit, einer Herpesvirusinfektion des Schweins, seit
Ende der 1980er Jahre eingesetzt. Das dabei erstmals realisierte Prinzip der serologischen
Unterscheidung zwischen geimpften und infizierten Tieren, das eine gleichzeitige
Verringerung des Infektionsdrucks durch Impfung und trotzdem eine einfache Erkennung und
Eliminierung Feldvirus-infizierter Tiere erlaubt, führte innerhalb von 15 Jahren zur
Eradikation des Erregers aus der Schweinepopulation u.a. in Deutschland und den USA.
Damit sind im Veterinärbereich gentechnisch modifizierte Lebendimpfstoffe schon seit ca. 20
Jahren im Einsatz. Ein ähnlicher Ansatz wird gegenwärtig bei der Bekämpfung der bovinen
Herpesvirusinfektion vom Typ 1 realisiert.
Weitergehende Entwicklungen führten zu den ersten einsatzfähigen viralen Vektorimpfstoffen
zur Bekämpfung von Tollwut und Geflügelpest, gefolgt von einer Reihe von Impfstoffen auf
unterschiedlicher Vektorbasis gegen vor allem virusbedingte Krankheiten der Nutztiere.
Gentechnische Veränderungen erlaubten auch die Konstruktion von chimären Erregern, die
die Sicherheit lange bekannter Impfstoffe mit neuen immunogenen Eigenschaften verbinden
sollen. Letztlich wurden im Veterinärbereich auch die ersten DNA-Impfstoffe für den breiten
Einsatz zugelassen. Die Entwicklung von ‚eßbaren’ Impfstoffen durch die gezielte
Manipulation von Futterpflanzen befindet sich dagegen noch im Forschungsstadium.
Prof. Dr. rer. nat. habil. Dr. med. vet. h.c. Thomas C. Mettenleiter ist Präsident des
Friedrich Loeffler-Instituts, Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf Greifswald-Insel
Riems und außerplanmäßiger Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität, Greifswald.
Seine Hauptarbeitsgebiete sind die molekulare Virologie, molekulare Grundlagen der
Herpesvirusinfektion, die molekulare Analyse der Pathogenese von Herpesvirusinfektionen,
Neurovirulenz und Neurotropismus von Herpesviren, die Analyse neuronaler Netzwerke mit
Hilfe gentechnisch veränderter neurotroper Herpesviren, die Bekämpfung virusbedingter
Tierseuchen, Konstruktion und Einsatz markierter Impfstoffe, die Entwicklung gentechnisch
hergestellter Impfstoffe gegen virusbedingte Krankheiten landwirtschaftlicher Nutztiere sowie
die Entwicklung viraler Vektorimpfstoffe.
Leopoldina-Symposium Schutzimpfungen, Berlin, 8. November 2010
Prof. Dr. Volker Moennig:
Eradikation von Tierseuchen durch Impfung
Tierseuchenepidemien haben von alters her die Ernährungsbasis der Menschheit bedroht.
Auch heute entstehen noch erhebliche Produktionsverluste durch Infektionskrankheiten; die
Weltorganisation für Tiergesundheit geht von etwa 30 Prozent aus. Dabei handelt es sich
nicht nur um epidemische Seuchen mit hoher Ausbreitungstendenz sondern auch um
endemische Infektionen, die die Effektivität der Tierproduktion erheblich mindern können.
Ausgehend von den Erkenntnissen Pasteurs, der 1895 den ersten wirksamen Impfstoff gegen
die Tollwut entwickelt hatte, und der Identifizierung von Viren als Tierseuchenerregern durch
Loeffler und anderen, wurden Anfang des 20. Jahrhunderts erste virale Tierimpfstoffe
entwickelt. Nach ersten Versuchen mit der Simultanimpfung gegen Schweine- und Rinderpest
wurden Tierseuchenerreger durch Passagen in heterologen Wirten attenuiert und als
Impfstoffe verwendet. Alternativ dazu wurden Methoden zur Vermehrung und Inaktivierung
von Krankheitserregern entwickelt, die dann als Inaktivatvakzinen eingesetzt wurden. Die
gefürchtetsten Seuchen Rinderpest, klassische Schweinepest und Maul- und Klauenseuche
konnten mit diesen Impfstoffen effektiv bekämpft werden. Mit der Verbesserung der
Impfstoffqualität und –sicherheit wurde die flächendeckende prophylaktische Vakzinierung in
Nordamerika, Australien und in vielen europäischen Ländern zu einer Vorstufe der
Eradikation von z.B. der Maul- und Klauenseuche oder der klassischen Schweinepest. Analog
zu den Pocken des Menschen wird die Rinderpest 2011 dank systematischer Impfkampagnen
und begleitender hygienische Maßnahmen als erste Tierseuche global eradiziert werden. Ein
weiterer Meilenstein der Impfung gegen Tierseuchen war die Einführung der oralen
Immunisierung von Wildtieren mit attenuierten Lebendimpfstoffen gegen Tollwut und
klassische Schweinepest. Beide Seuchen können durch eine geeignete Impfstrategie getilgt
werden.
Prof. Dr. Volker Moennig ist Direktor des Instituts für Virologie, Zentrum für
Infektionsmedizin, derTierärztlichen Hochschule Hannover. Von 1993 bis 1995 war er Leiter
und später Präsident der ehemaligen Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere
(heute Friedrich-Loeffler-Institut), von 1997 bis 2001 Rektor der Tierärztlichen Hochschule
Hannover. Seine Arbeitsgebiete sind die Pathogenese, Epidemiologie und Bekämpfung von
Pestivirusinfektionen sowie die Entwicklung von labordiagnostischen Methoden zur
Erkennung von Pestiviren. Er ist Leiter des OIE und EU-Referenzlabors für klassische
Schweinepest.
Leopoldina-Symposium Schutzimpfungen, Berlin, 8. November 2010
Dr. Michael Pfleiderer:
Nutzen-Risiko-Analyse von Impfstoffen, die Balance zwischen Wirkungen
und Nebenwirkungen
Effiziente vorbeugende Maßnahmen zur Verhinderung von Infektionskrankheiten bieten
optimale Voraussetzungen zur Vermeidung teils massiver gesundheitlicher
Beeinträchtigungen und gelten demzufolge sowohl medizinisch als auch
gesundheitsökonomisch als konkurrenzlos.
Unspezifische, z.B. passive Vorsorgemaßnahmen mögen dabei, alleine oder in der
Kombination, lediglich dazu beitragen sich dem Ideal der Krankheitsvermeidung anzunähern.
Zudem lässt sich dieses Minimalziel nur für den Teil derer erreichen die sich für solche
Vorsorgemaßnahmen interessieren und sich auch aktiv daran beteiligen.
Einzig und alleine spezifisch wirkende Maßnahmen, die den Mechanismus der
Krankheitsentstehung zielgerichtet blockieren oder sogar ausschalten können, werden dem
zuvor genannten Ideal gerecht.
Dabei ist die Auswahl an geeigneten Interventionsoptionen zur Postexpositionsprophylaxe
oder Therapie von Infektionskrankheiten relativ begrenzt. Chemisch definierte Arzneimittel,
an erster Stelle die Antibiotika, aber auch die wenigen verfügbaren Antiviralia, können
prophylaktisch zur Verhinderung einer spezifischen Infektionserkrankung oder zu deren
Therapie eingesetzt werden. Allerdings hängt der Erfolg vom rechtzeitigen Erkennen einer
Expositionsgefahr sowie von einer präzisen Erregerdiagnose ab. Der dauerhafte
prophylaktische Einsatz dieser Arzneimittel in weiten Bevölkerungsteilen ist medizinisch und
ökonomisch aber nicht vertretbar.
Im Gegensatz dazu stellen Impfstoffe als wesentlich komplexere Arzneimittelgruppe ein
nachhaltiges und spezifisches Konzept zur Krankheitsvermeidung dar, das zudem sicher und
kostengünstig ist. Diese Vorteile werden von keiner anderen prophylaktischen Maßnahme
auch nur annähernd erreicht. Impfstoffe müssen nur wenige Male angewendet werden um
eine effektive Grundimmunisierung zu bewirken. Auffrischimpfungen stellen die
Aufrechterhaltung des Immunschutzes langfristig sicher. Mit dieser Strategie ist es in den
vergangenen Jahrzehnten gelungen viele der verheerendsten Infektionskrankheiten in den
Hintergrund zu drängen.
Erstaunlicherweise entwickelt sich ausgerechnet diese einzigartige Erfolgsgeschichte derzeit
zu einem Paradoxon der besonderen Art. Gerade weil durch den globalen Einsatz von
Impfstoffen Infektionskrankheiten für die Bevölkerung aber auch für die Fachkreise oftmals
nicht mehr wahrnehmbar sind, werden beide Gruppen zunehmend empfänglich für Zweifel
bezüglich des Nutzens von Impfungen. Zudem werden unvermeidbare und vermutete
Nebenwirkungen von Impfungen immer häufiger zu Schreckensszenarien uminterpretiert die
zu einer massiv zunehmenden Verunsicherung aller betroffenen Gruppen beitragen.
Letztendlich ergibt sich aus diesem Dilemma eine sich ständig steigernde Ablehnung von
Impfungen was wiederum bedeutende Risiken für den einzelnen, die Bevölkerung und das
Gesundheitssystem bedeutet kann. Mit anderen Worten, aus einer sinkenden Akzeptanz von
Impfstoffen wird sich zwangsläufig die Rückkehr ansonsten impfpräventabler
Infektionskrankheiten ergeben. Damit würde zwar die Notwendigkeit von Impfungen wieder
erkennbar werden, jedoch sollte ein solches Lehrstück aus medizinischen und ethischen
Gründen unbedingt vermieden werden.
Es gilt also Nutzen und Risiken von Impfstoffen und Impfprogrammen vernünftig und
transparent zu vermitteln, denn das wahre Risiko für den Einzelnen besteht in einem
mangelnden Immunschutz der letztendlich zu einer Infektion und zur Erkrankung mit allen
möglichen Folgerescheinungen führen kann. In den seltensten Fällen ergibt sich für den
Einzelnen ein Impfrisiko das den Nutzen der Impfung deutlich überwiegt.
Bedeutende Chancen für Gesundheitssysteme ergeben sich, heute wie in der Vergangenheit,
durch die Förderung des Impfgedankens und durch die wohl durchdachte Aufnahme neuer
Impfstoffe in öffentliche Impfempfehlungen. Der Nutzen neuer Impfstoffe und die Erfassung
der möglichen Risiken muss dabei langfristig ermittelt werden. Kurzfristige
Schlussfolgerungen, begründet auf Verdachtsmomenten, haben sich in der Vergangenheit fast
immer als unzutreffend herausgestellt.
Ein wissenschaftlich transparenter, gut kommunizierbarer und weniger nervöser Umgang mit
alten und neuen Impfkonzepten wäre für die Zukunft wünschenswert.
Dr. Michael Pfleiderer ist Leiter des Fachgebiets Virusimpfstoffe am Paul-Ehrlich-Institut
Langen, Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Anwendungen. Er ist Chairman
der Vaccine Working Party (VWP) des Committee for Human Medicinal Products (CHMP),
Chairman der Pandemic Task Force (ETF) bzw. der Joint EMA-Industry Task Force der
European Medicines Agency (EMA), Vertreter des Paul-Ehrliche-Instituts in der CHMP
Biologics Working Party (BWP), Chairman CHMP/BWP Influenza ad hoc Working Group,
Mitglied der Koordinierungsgruppe des CHMP, Mitglied der Bund-Länder-Expertengruppe
Influenza Pandemieplanung, Mitglied der Pandemiekommission am Robert Koch-Instituts
sowie WHO-Berater zu diversen Impfstoffthemen
Leopoldina-Symposium Schutzimpfungen, Berlin, 8. November 2010
Prof. Dr. Andreas Radbruch:
Von der Immunologie zur Vakzinologie
Vor mehr als 200 Jahren hat sich in Europa die Wissenschaft der Immunologie entwickelt, in
Folge der äusserst erfolgreichen Impfungen mit Kuhpocken (Vakzine). Umso erstaunlicher,
dass die Immunologen erst jetzt beginnen, das Immunologische Gedächtnis zu verstehen, die
Grundlage der Immunität und des Impferfolges. Es wird deutlich, wie angeborenes und
erworbenes Immunsystem für eine erfolgreiche Immunantwort zusammenarbeiten, welche
Rolle die Pathogene dabei spielen, welche Zellen kooperieren, und wie das Immunsystem
dann ein zweischichtiges Gedächtnis für den Impfstoff entwickelt. Aus B Lymphozyten
entstandene Plasmazellen sezernieren als Zellen des schützenden Gedächtnisses mehrere
tausend Antikörper pro Sekunde. Gedächtnis-B und Gedächtnis-T Lymphozyten werden
bereitgehalten, um als reaktives Gedächtnis im Fall einer Überforderung des schützenden
Gedächtnisses einzugreifen. Die Vakzinologie wird durch die Immunologie zur Wissenschaft
der Entwicklung und Optimierung von Impfverfahren aus einem grundlegenden Verständnis
der Immunität.
Prof. Dr. rer.nat. Andreas Radbruch ist wissenschaftlicher Direktor des Deutschen
Rheuma-Forschungszentrum Berlin (DRFZ) und Professor für Experimentelle Rheumatologie
an der Medizinischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin (Charité). Seine
Forschungsschwerpunkte sind Autoimmunität, Entzündung und Immunpathologie, die
Biologie von T und B Lymphozyten und Plasmazellen, die Entwicklung und molekulare
Prägung des immunologischen Gedächtnisses sowie die Entwicklung von Immuntechnologie:
Zytometrie und Zellsortierung.

Was steckt hinter Ernährungstrends?

**Essen als Ideologie oder Ersatzreligion**

Was steckt hinter Ernährungstrends?

(BZfE) – Immer mehr Menschen essen ohne medizinische Notwendigkeit

glutenfrei. Andere schwören auf „Clean Eating“, „low carb“ oder

propagieren den Nutzen des Intervall-Fastens. Noch nie gab es so viele

Ernährungstrends wie heute. Dahinter steckt nicht nur der Wunsch nach

lebenslanger Gesundheit und Fitness. Wer einen bestimmten Ernährungsstil

pflegt, wird dabei oft von einzelnen oder einem ganzen Bündel an Werten

geleitet. Oftmals ist die Ernährung ein Ausdruck des gesamten Lebensstils.

So bringen manche Veganer bewusst ihre ethische Haltung zum Ausdruck. Bei

„Clean Eating“ und „Paleo“ kann Kritik an der Lebensmittelindustrie

mitschwingen. Käufern von Bio-Lebensmitteln kann ein nachhaltiger

Lebensstil wichtig sein.

Gleichzeitig finden Menschen über das, was sie essen oder eben nicht,

schnell Kontakt zu Gleichgesinnten und grenzen sich von anderen ab. Sie

legen sich im Sinne von „du bist, was du isst“ eine Identität zu, die

ihnen Halt gibt. Dazu kommt ein ganz praktischer Nutzen: Ernährungsstile

mit klaren Regeln sorgen für Orientierung im Überangebot an Lebensmitteln

und erleichtern die tägliche Entscheidung, was auf den Teller kommt.

Das sollte im Hinterkopf haben, wer über Ernährungsthemen informiert oder

in der Beratung tätig ist: Statt fragwürdige Trends oder scheinbaren

Dogmatismus zu verurteilen, gilt es, die Beweggründe dahinter zu

verstehen. Besonders dann, wenn Klienten sich nicht ausgewogen ernähren

oder sich zwanghaft mit ihrem Essen beschäftigen.

Gabriela Freitag-Ziegler, http://www.bzfe.de

Bewegliche Bildschirme aus Papier

Bewegliche Bildschirme aus Papier
Auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin zeigen Elektronikkonzerne in den kommenden Tagen neuartige Bildschirme, die dünn, sogar gekrümmt, aber teuer sind. In Saarbrücken sind Informatiker schon weiter. Flexpad heißt ihr preiswerter Ansatz, mit dem sich selbst ein einfaches Din A4 Papier in ein bewegliches, flexibles Display verwandeln lässt. Schon jetzt könnten Patienten damit beispielsweise die Ergebnisse einer Computertomografie besser begutachten. Langfristig wollen die Informatiker damit herausfinden, welche neuen Anwendungen ultradünne, verformbare mobile Endgeräte in Zukunft eröffnen und wie sie sich am besten bedienen lassen.     

Rötlich schimmern menschliche Organe auf einem Papier. Dieses zeigt den Unterleib eines Menschen im Längsschnitt. Wirbelsäule und Beckenknochen bilden als gelbe Inseln den Kontrast dazu. Als das Papier an seinen Enden nach unten gebogen wird, scheinen die Knochen hervorzutreten, während die Weichteile zurückweichen (siehe Video). Was auf den ersten Blick an Science-Fiction erinnert, ist das Ergebnis der Forschungsarbeit „Flexpad“, die unter Leitung von Jürgen Steimle am Media Lab des US-amerikanischen Massachusetts Institute of Technology und am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken in Kooperation mit der  Christians-Albrechts-Universität zu Kiel entstand. Inzwischen leitet Steimle die Forschungsgruppe „Embodied Interaction“ am Cluster of Excellence „Multimodal Computing and Interaction“.

„Im Alltag verformen wir Objekte ganz intuitiv und auf vielfältige Weise. Wir biegen Bücherseiten, drücken Bälle zusammen, falten Papier oder modellieren Ton“, erklärt Jürgen Steimle und führt weiter aus: „Indem wir Bedienelemente auf greifbare, verformbare Objekte projizieren, können wir Computer und andere technische Geräte einfacher und besser steuern.“

Damit sein Vorhaben in der digitalen Welt funktioniert, ist inzwischen nur noch ein wenig Technik, dafür umso mehr Denk- und Programmierarbeit erforderlich. „Zum einen nutzen wir einen Projektor, der ein Bild oder einen Film auf einem Blatt abbildet“, beschreibt Steimle den Ansatz. „Zum anderen arbeiten wir mit einer Kinect aus dem Hause Microsoft. Die Tiefenkamera lässt Personen per Bewegung Computerspiele steuern, bei uns filmt sie Hände plus Papier und stellt so deren Position im Raum fest.“ Um die Bewegungen der Hände und des Papiers zu erfassen, sind Projektor und Kamera an der Zimmerdecke über dem Benutzer angebracht.

Damit arbeitet Flexpad wie folgt: Die Tiefenkamera filmt Nutzer und Papier und erfasst die Verformungen und Bewegungen des Papiers. Damit dies trotz der recht groben Bilddaten der Kinect präzise und zeitnah geschieht, haben die Forscher zwei Rechenverfahren ausgearbeitet und programmiert. Das erste rechnet zunächst störende Finger und Hände des Benutzers heraus. Bewegt er nun das Papier – egal ob, nach links, nach rechts, ob gebogen oder wellenförmig –, registriert die Kamera dies. Daraufhin beschreibt ein speziell entwickeltes Computermodell diese Bewegungen in Sekundenbruchteilen, damit der Projektor sie nahezu in Echtzeit auf dem Blatt wiedergeben kann.
Allerdings hat Flexpad gewisse Grenzen: Der Nutzer muss, damit das System funktioniert, in einem bestimmten Bereich unter der Kamera und dem Projektor stehen. Er kann sich also nicht frei im Raum bewegen.

„Das Papier übernimmt in unserem System gleich zwei Funktionen“, erläutert Steimle. „Es ist Bildschirm und Eingabeinstrument zugleich.“ Ähnlich wie eine Maus einen Computer steuert, kann der Benutzer auf diese Weise mit dem Gerät interagieren. Neben Papier eignen sich aber auch andere Materialien, beispielsweise Bögen aus Kunststoff und Plastik. Wichtig ist nur, dass sie eine gewisse Verformbarkeit und Flexibilität besitzen.

Einen Schritt weiter gehen so genannte aktive, flexible Displays. Laut der Studie „OE-A Roadmap for Organic and Printed Electronics“ des Industrieverbandes Organic and Printed Electronics Association werden diese in knapp zehn Jahren für Endanwender verfügbar sein. „Unsere Konzepte, die wir mit Flexpad erforschen, können auf diesen neuen Bildschirmtyp übertragen werden“, erklärt Steimle. Doch schon jetzt seien aufgrund der preiswerten Technik Anwendungen denkbar: „Bei der medizinischen Diagnostik kann der Arzt etwa Ergebnisse einer Computertomografie schnell und einfach mit dem Patienten besprechen. Außerdem kann das System als eine Art interaktives Kinderbuch fungieren, in dem sich bestimmte Figuren, wie zum Beispiel ein Goldfisch, bewegen“, so Steimle.

Hintergrund zu Jürgen Steimle

Jürgen Steimle ist 33 Jahre alt. Seine Arbeitsgruppe „Embodied Interaction“ befasst sich im Rahmen des Saarbrücker Exzellenzclusters „Multimodal Computing and Interaction“ mit der Interaktion zwischen Mensch und Computer. Sie untersuchen insbesondere, wie man formbare Alltagsgegenstände als Displays nutzen könnte und welche Bedürfnisse der Nutzer dabei berücksichtigen werden müssen. Steimle konzipiert dafür Anwendungsfälle und überprüft diese systematisch mit Hilfe von Anwenderstudien. So entwickelte er 2010 das erste Bedienkonzept für ein Smartphone mit ausrollbarem Display. Indem der Anwender das Ausrollen variiert, kann er nicht nur intuitiv mit großformatigen Inhalten wie Landkarten arbeiten, er kann sich damit auch durch Apps und Menüs navigieren. Steimles neuestes Projekt dreht sich um „zuschneidbare“ Elektronik, die seine Gruppe mittels modernster Verfahren druckt. Anwender können diese zurechtschneiden, aufkleben und so Alltagsgegenstände mit digitaler Funktionalität ausstatten.

Hintergrund Saarbrücker Exzellenzcluster

Seit 2007 wird der Saarbrücker Exzellenzcluster „Multimodal Computing and Interaction“ im Rahmen der Exzellenzinitiative von Bund und Ländern gefördert. Hier wird unter anderem untersucht, wie man multimodale Informationen aus Audiodateien, Bildern, Texten und Videos noch effizienter organisieren, verstehen und durchsuchen kann. Zum Cluster gehören Wissenschaftler der Universität des Saarlandes, des Deutschen Forschungzentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI), des Center for IT-Security, Privacy and Accounatbility (CISPA), des Zentrums für Bioinformatik in Saarbrücken und des Max-Planck-Instituts für Informatik sowie des Max-Planck-Instituts für Softwaresysteme. Sie alle befinden sich nur wenige Schritte voneinander entfernt auf dem Campus der Universität des
Saarlandes.

Ende von „Made in China“ ?

Fortschritt und schlechte Bedingungen im Reich der Mitte als Gründe
 
Chinesischer Drache: US-Experten sehen Sinkflug (Foto: pixelio.de, Cornerstone)

Wien (pte003/25.07.2012/06:00) – Das US-Magazin Forbes prophezeit das Platzen der Produktions-Blase in China. Steigende Löhne, Angst vor Diebstahl geistigen Eigentums und die Zeitverschiebung treiben zunehmend Produktionskapazitäten zurück in die USA. Zudem ermögliche der technische Fortschritt auf dem Gebiet der Robotertechnik in Zukunft eine Produktion in den USA, die billiger ist als jene in China. Dabei wandern allerdings keine Jobs zurück in die USA: Die Arbeitsplätze werden von effizienten Maschinen übernommen. Diese Entwicklungen bedrohen angeblich den Wirtschaftsaufschwung im Reich der Mitte.

Für Ausländer weiterhin attraktiv

Diese These stößt nicht überall auf Zustimmung. "Das Abziehen von Produktionskapazitäten westlicher Unternehmen im großen Stil wird nicht passieren. Der Markt in China ist nach wie vor sehr attraktiv für ausländische Firmen. Auch als Zulieferer für günstig hergestellte Komponenten ist China nach wie vor wichtig. Eine Gefahr für ausländische Produktionsstätten in China kann allerdings ausufernder Protektionismus durch die Regierung werden, der fairen Wettbewerb verhindert", sagt Margot Schüller vom GIGA-Institut für Asien-Studien http://giga-hamburg.de gegenüber pressetext.

Die steigenden Lohnkosten, die Forbes als abschreckend sieht, sind von der Regierung so gewollt. "Die Lohnkosten steigen in China, insbesondere in bestimmten Regionen wie Peking, Shanghai oder dem Perlflussdelta. Das ist von der Regierung als Teil eines Maßnahmenpakets zur Stärkung der Binnennachfrage und damit des Wachstums so gewollt. Dies kennzeichnet auch die derzeit angestrebte Übergangsphase von der Lowtech- zur Hightech-Wirtschaft, die andere Volkswirtschaften ebenfalls durchlebt haben", erklärt Schüller.

Dass einige US-Firmen wie Ford, Catterpillar oder Dow Chemicals ihre Produktion wieder in die USA verlegen, muss kein Zeichen für einen dementsprechenden Trend sein. Die Angst vor dem Diebstahl geistigen Eigentums ist in China ein kalkuliertes Risiko. "Dass einige Firmen ihre Produktionsstätten abziehen, ist normal. Einige machen gute Erfahrungen, andere schlechte. Die chinesische Regierung hat sich im Austausch von Marktzutritt gegen Technologietransfer gut positioniert. Die ausländischen Unternehmen wissen, dass Technologietransfer von ihnen verlangt wird", sagt die Asien-Expertin.

Roboter und 3D-Druck als Bedrohung

Technologischer Fortschritt in der Fertigungstechnik wird als mögliche Gefahr für chinesische Fließbandarbeiter gesehen. Wenn Maschinen in den USA günstiger produzieren als Arbeiter in China, müssen Unternehmen reagieren. Allerdings muss auch die Rolle aufstrebender chinesischer Unternehmen bedacht werden: "Chinesische Unternehmen sind vor allem an Kooperation mit ausländischen Hightech-Unternehmen interessiert, sowohl in China als auch bei ihren Auslandsinvestitionen. Beispiele für ein erfolgreiches technologisches ’spill over‘ sind die Automobil- und Elektronikindustrie. Diese Industrien sind international zunehmend wettbewerbsfähig und werden mittelfristig – nachdem sie Erfahrungen in anderen Märkten gesammelt haben – verstärkt auch in Europa präsent sein", so Schüller.

Noch liegt der Anteil ausländischer Unternehmen an Chinas Hightech-Exporten zwar bei über 60 Prozent, er wird in den nächsten Jahren aber weiter schwinden. Es ist auch längst nicht mehr bloß die Endfertigung, die in China passiert. Auch die Komponenten werden zunehmend im Reich der Mitte produziert. "Schon im vorigen Fünfjahresplan hat die chinesische Regierung Investitionen in eigene Innovationen als Ziel festgelegt. Durch die Krise bekam das Wirtschaftswachstum aber Priorität", sagt Schüller.

Trotzdem sieht Forbes die chinesische Wirtschaft durch längerfristige Trends in Gefahr. Neue Produktionstechniken wie 3D-Druck erlauben es Konsumenten mittelfristig, ihre eigenen Designs zu verwirklichen. Viele Produkte müssen dann nicht mehr zusammengesetzt werden, was den Bedarf an chinesischen Arbeitern senkt. Die Produktion würde dann wieder lokal passieren, nahe bei Rohstoffen und Konsumenten. Eine Fertigung in China wäre nicht rentabel. Selbst in diesem Szenario hat China aber einen Trumpf in der Hand. Durch die Masse an potenziellen Konsumenten könnte es sich bei lokaler Produktion kein Unternehmen erlauben, auf eine Produktion im Riesenreich zu verzichten.

Bewegungsintegrierendes Lernen im Unterricht

Wehrfritz: Hüpf dich schlau – Bewegungsintegrierendes Lernen im Unterricht

"Move on" verknüpft das sehr beliebte Medium Computer mit Lerninhalten, Spaß und Bewegung

Move on - das neue Computer-Lernspiel
Move on – das neue Computer-Lernspiel
[ Fotos ]

Bad Rodach (pts013/19.02.2015/13:25) – Kinder lieben
Bewegung. Aber ihr Lernalltag sieht oft anders aus. Lernen ist mit
ständigem Stillsitzen verknüpft, vor allem in der Schule. Das Problem
ist, dass Kinder nicht mehr gern lernen, wenn es um formelle Inhalte
geht – um das, was sie lernen müssen. Bei "Move on – Schloss
Cleverstein", dem intelligenten Computer-Lernspiel, das gemeinsam mit
der Wehrfritz GmbH und dem Fraunhofer-Institut für Digitale
Medientechnologie (IDMT) entwickelt wurde, beantworten die Kinder
Quizfragen springend, also nicht wie üblich im Sitzen.

Ob Mathematik oder Deutsch – Lernen bekommt mit
"Schloss Cleverstein" eine neue Dynamik. Das Besondere an diesem
Exer-Learning Game (Lernbewegungsspiel) ist, dass die Antworten zu den
Quizfragen nicht mittels Tastatur, sondern aktiv über eine spezielle
Hüpfmatte in den Computer eingegeben werden. Kinder besitzen einen
natürlichen Bewegungsdrang, der mit der in zehn Felder unterteilten
Sensormatte zum Lernen genutzt wird. Die Bedienung ist ebenso
multifunktional wie die Tastatur eines Mobiltelefons und vergleichbar
mit dem Schreiben einer SMS.

Schloss Cleverstein – jeder Schüler hat die gleiche Chance

Bei "Schloss Cleverstein" kommen das Feedback und die
positive Verstärkung von einem kleinen Känguru, das die Kinder der
Klassen 1 bis 4 mit auf eine spannende Lernreise durch das Schloss
nimmt. Die Kinder haben die Wahl zwischen insgesamt 72 verschiedenen
Spielen mit lehrplangerechten Inhalten aus den Bereichen Mathematik und
Deutsch.

Schüler, die gut in Deutsch und Mathematik, dafür aber
weniger sportlich begabt sind, müssen nicht zwingend ein besseres
Ergebnis erzielen als weniger gute Schüler mit besseren motorischen
Fähigkeiten!

Die Spiele sind nach Altersstufen und Themenbereichen
untergliedert. Es können ebenso eigene Fragen zu beliebigen
Themenbereichen erstellt werden, wie zum Beispiel Englisch, Sachkunde
und Technik.

Vielseitige Anpassungs- und Einsatzmöglichkeiten: Altersübergreifend und inklusiv

Durch die schnell veränderbaren Schwierigkeitslevels
ist "Schloss Cleverstein" ideal für altersgemischte und alternative
Klassen. Selbst körperlich eingeschränkte Kinder können mit kleiner
Hilfestellung mitspielen.

"Schloss Cleverstein" animiert die Kinder, Gelerntes
gerne wiederholen zu wollen. Dadurch wird dieses gefestigt und anwendbar
gemacht. Spaß und Bewegung stehen im Vordergrund und darüber hinaus
üben die Kinder Rechnen, Lesen und Schreiben. Schauen Sie sich hierzu
unser Video http://goo.gl/Pta0bF an. Ein ideales Lernspiel für Stationenarbeit, in offener Unterrichtszeit, den Pause oder in der Nachmittagsbetreuung.

Weitere Informationen zum neuen Bewegungslernspiel
"Schloss Cleverstein", zum Konzept "Lernen in Bewegung" sowie zu
Forschungsergebnissen mit Exer-Learning Games in Bezug auf Lernerfolg,
Lernspaß und Einstellung der Schüler zum Lernen finden Sie unter: http://goo.gl/ZBcCNO

Entdecken Sie "Move on" selbst: zum Beispiel vom 24. –
28. Februar 2015 auf der Bildungsmesse didacta in Hannover (Halle 17,
Stand B22 & C20). Weitere Details und Termine finden Sie hier: http://goo.gl/aurZwD

Über Wehrfritz

Seit über 75 Jahren ist Wehrfritz der kompetente Partner, wenn es um die
Möblierung und Ausstattung von sozialen Einrichtungen geht: von
Kinderkrippen und Kindergärten über Schulen, Horte sowie Heime aller Art
bis hin zu Mehrgenerationenhäusern und Therapieeinrichtungen. Sie
finden bei uns alles für Ihre tägliche Arbeit: Möbel, Lehr- und
Lernmaterialien, Spiel- und Arbeitsmittel, Sport- und Bewegungsangebote
für drinnen und draußen sowie ein sehr breit gefächertes Angebot an
Materialien zum Basteln, Werken und Kreativsein.

Wehrfritz ist ein Unternehmen der HABA-Firmenfamilie.
Als HABA-Firmenfamilie vereinen wir vier Unternehmensbereiche unter
einem Dach: HABA, JAKO-O, Wehrfritz und Project.

Die HABA-Firmenfamilie beschäftigt im nordbayerischen Bad Rodach (Oberfranken) etwa 1.900 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Wehrfritz im Internet:
http://www.wehrfritz.de

Auf dünnem Eis in der warmen Arktis

Auf dünnem Eis in der warmen Arktis

Nie maßen Forscher in einem Februar eine kleinere Eisdecke auf dem Nordpolarmeer als 2018

Bremerhaven, 8. März 2018. Das Meereis in der Arktis schwindet weiter:
Seit Satelliten in den 1970er Jahren die weiße Kappe über dem
Nordpolarmeer im Blick haben, war die Fläche in keinem einzigen Februar
so klein wie dieses Jahr. Grund dafür sind Warmlufteinbrüche, die nicht
nur häufiger in die Arktis kommen, sondern auch stärker werden und
weiter nach Norden dringen.

Als weite Teile Europas im Februar in eisiger Polarluft bibberten,
wärmten im Gegenzug milde Winde aus dem Süden die Arktis und bescherten
dem Norden Grönlands mitten in der Polarnacht Temperaturen von plus
sechs Grad Celsius. Solche in diesen Breiten sommerlich erscheinenden
Werte bei gleichzeitig sibirischer Kälte in Mitteleuropa sind
Wettermuster, die mit dem Klimawandel verknüpft sind. Warme Luft bremst
das Gefrieren von Wasser im Nordpolarmeer. Bildet sich weniger Eis,
bleibt die Eisdecke im Winter kleiner als in anderen Jahren und der
Ozean erwärmt sich schneller.

Im Februar 2018 registrierten Forscher am Alfred-Wegener-Institut,
Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) dann auch
tatsächlich mit knapp 14 Millionen Quadratkilometern den niedrigsten
Durchschnittswert für die Eisfläche im hohen Norden seit Beginn der
Satellitenmessungen im Jahr 1978. „Allerdings nimmt die Eisbedeckung im
Februar keineswegs von Jahr zu Jahr gleichmäßig ab, sondern schwankt
erheblich“, erklärt der Meereisphysiker Marcel Nicolaus vom
Alfred-Wegener-Institut. Über längere Zeiträume ergibt sich jedoch ein
klarer Trend – die Eisdecke auf dem Nordpolarmeer schrumpft im Monat
Februar um durchschnittlich 2,75 Prozent pro Dekade.

„Hinter dieser langfristigen Abnahme steckt eindeutig der Klimawandel“,
sagt Marcel Nicolaus. Mit Konsequenzen für das Wetter der
Nordhemisphäre: Steigen die Temperaturen und verkleinern sich die
Eisflächen auf dem Nordpolarmeer, verändern die geringen Unterschiede im
Luftdruck zwischen verschiedenen Gebieten den sogenannten Polarjet. Mit
diesem Begriff bezeichnen Meteorologen einen Gürtel starker Winde, die
mit Geschwindigkeiten von einigen Hundert Kilometern in der Stunde hoch
oben in der Atmosphäre von West nach Ost um den Globus brausen.
Allerdings bildet der Polarjet keinen perfekten Kreis, sondern kann
riesige Schleifen bilden, besonders wenn sich der Temperaturunterschied
zwischen dem Norden und dem Süden verringert. Vergrößern sich mit dem
Klimawandel also die Schwingungen des Polarjets, dringt mancherorts
Warmluft viel weiter als in normalen Zeiten nach Norden und andernorts
Kaltluft viel weiter nach Süden.

Genau diese Entwicklung können Klimaforscher bereits beobachten: Die
Warmlufteinbrüche in die Arktis kommen nicht nur häufiger, sondern
werden auch stärker und dringen weiter nach Norden. Im Februar 2018
schwenkte der Polarwirbel über Grönland besonders weit nach Norden, über
Europa reichte er dagegen weit nach Süden. Dabei klemmte er ein
Hochdruckgebiet über Skandinavien und ein Tief über Grönland praktisch
ein. An deren Flanken flutete eiskalte Polarluft auf kürzestem Weg weit
in den Süden Europas, während über Grönland warme Luft weit nach Norden
floss, die dort das Bilden einer Eisdecke auf dem Nordpolarmeer bremste.

Um diese Änderungen besser zu verstehen, reicht es nicht, nur die
Eisfläche der Arktis zu vermessen. Auch die Eisdicke spielt eine
erhebliche Rolle, denn dünnes Eis bricht schneller und wird vom Wind
leichter vertrieben oder zusammengedrückt. Deshalb messen die Forscher
seit 2010 vor allem mit Hilfe des europäischen Satelliten CryoSat-2 und
anderer Erdbeobachtungssatelliten auch die Dicke des Eises auf dem
Nordpolarmeer. „Auch dabei zeichnet sich ein erster Trend zu
durchschnittlich dünnerem Eis ab“, erklärt AWI-Forscher Marcel Nicolaus.
Der Klimawandel lässt das Eis auf dem Nordpolarmeer also nicht nur in
der Fläche, sondern auch in der Masse schrumpfen. Ein Teufelskreis: Die
Eisdecke wird empfindlicher und variabler. Das wiederum lässt die
Temperaturen weiter steigen, weil offenes Wasser viel mehr Sonnenwärme
auf der Erde hält als eine Eisdecke.

Lebende Zelle kann grünen Laser erzeugen

Lebende Zelle kann grünen Laser erzeugen
Eiweiß GFP entscheidend – Licht produzierende Qualle als Vorbild
 
Zelle: Lebendiges erzeugt Laserstrahl (Foto: massgeneral.org)

Boston (pte016/27.02.2012/12:30) – Forschern des Wellman Center for Photomedicine des Massachusetts General Hospital http://massgeneral.org ist es erstmals gelungen, lebende Zellen dazu zu bringen, Laser zu erzeugen. Zwar misst der Laser nur 20 Millionstel Meter, trotzdem ist damit ein Durchbruch gelungen, berichtet die BBC. Als Vorbild dienten Zellen, die einer Qualle entnommen wurden und ein Licht produzierendes Enzym absondern können. Die nun entwickelten Zellen geben, wenn sie schwachem blauen Licht ausgesetzt sind, einen gezielten grünen Laserstrahl ab.

Breite Anwendungspalette

Mögliche Anwendungsgebiete für die Zellen sind Hightech-Mikroskope und lichtbasierte Therapien. Den Experten gelang es zum ersten Mal, lebende Zellen dazu bringen, einen Laser zu erzeugen. Der Schlüssel zu den Forschungen ist das sogenannte Green Fluorescent Protein (GFP), ein lichterzeugendes Eiweiß, das ursprünglich bei Quallen gefunden und in der Wissenschaft bereits ausführlich untersucht wurde.

Die Forscher haben nun Zellen einer menschlichen Niere dazu gebracht, das GFP zu erzeugen. Die Zellen wurden zwischen zwei Spiegeln platziert, um sie mit Licht fluten zu können. Werden sie blauem Licht ausgesetzt, geben die genetisch modifizierten Zellen grünes Laserlicht ab. Die Zellen werden dabei nicht beschädigt und bleiben lebendig. Sobald das Protein zerstört werde, heilt sich die Zelle von alleine, so die Forscher.

Bluthochdruck vorbeugen

Vollkornprodukte halten Kreislauf fit

(aid) – Männer mittleren Alters, die regelmäßig Vollkornprodukte verzehren, haben ein geringeres Risiko für Bluthochdruck. Das hat eine US-amerikanische Langzeitstudie mit knapp 32 000 Teilnehmern ergeben. Die männlichen Probanden im Alter von 40 bis 75 Jahren machten Angaben zu ihren Lebens- und Ernährungsgewohnheiten. Diese Daten wurden alle vier Jahre aktualisiert. Anschließend berechneten die Wissenschaftler, wie viel Gramm Vollkorn jeder Teilnehmer durchschnittlich am Tag verzehrt hatte. In den folgenden achtzehn Jahren diagnostizierten die Mediziner in über 9 200 Fällen einen zu hohen Blutdruck. Die Auswertung der Daten zeigte, dass Vollkornprodukte als Teil einer ausgewogenen Ernährung die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems fördern. So hatten Männer, die durchschnittlich 46 Gramm Vollkorn am Tag verzehrten, ein bis zu zwanzig Prozent geringeres Risiko für Bluthochdruck als Teilnehmer, die höchstens 6,5 Gramm täglich aufnahmen.
Der Begriff Vollkorn sagt aus, dass ein Getreideprodukt aus dem ganzen Korn hergestellt worden ist. Alle drei Teile des Korns sind im Lebensmittel vorhanden: die äußere, ballaststoffreiche Kleie, der innere Keimling und der stärkehaltige Mehlkörper. Die ganzen Körner müssen aber nicht vollständig sein, sondern werden häufig wie weißes Mehl fein vermahlen. Vollkornprodukte sind reich an Ballaststoffen, Vitaminen, Mineralien und sekundären Pflanzenstoffen. Für die positive Wirkung auf den Blutdruck scheint die Kleie als äußere Schicht des Getreidekorns eine besondere Bedeutung zu haben. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Verzehr von Lebensmitteln mit dem ganzen Korn die Empfindlichkeit für das Blutzucker senkende Hormon Insulin steigert und die Kontrolle des Blutzuckerspiegels verbessert. Weitere Studien legen nahe, dass die Resultate auch für Frauen gelten.
aid, Heike Kreutz