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Europäisches Team entwickelt universelle „Sprache“ für Weltraumforschung

FP7 PROJEKT IMPEX:

Europäisches Team entwickelt universelle "Sprache" für Weltraumforschung

Graz,
8. April 2015 � Einem Konsortium aus europäischen Wissenschaftlern ist
es gelungen, eine gemeinsame Informationsdrehscheibe zu entwickeln, um
Daten aus verschiedenen Weltraummissionen vergleichbar zu machen. Eine
Aufgabe, die bislang durch unterschiedliche Datenverarbeitungsstandards
einzelner Missionen erheblich erschwert wurde. So ist es nun möglich,
Messdaten mit Daten, die aus theoretischen Modellen gewonnen wurden, zu
vergleichen � unabhängig von den verwendeten Datenprotokollen. Das neu
entwickelte System mit dem Namen IMPEx (Integrated Medium for Planetary
Exploration) hilft Wissenschaftlern, komplexe Messdaten besser zu
verstehen, Lücken in den Messungen mit Simulationsdaten aufzufüllen und
Simulationen besser mit tatsächlichen Beobachtungen zu vergleichen.
Erste Anwendungen erlauben detaillierte Vergleiche von Daten der
Weltraummissionen Venus Express (ESA) und Messenger (NASA) mit bereits
existierenden Modellen. Auch für die berühmte Rosetta-Mission werden in
naher Zukunft Vergleiche zwischen Simulations- und Messdaten möglich
sein.

Weltraummissionen sind ein bisschen wie smart phones;
es existiert eine Vielzahl an Standards für die Datenverarbeitung.
Aufgrund der enormen Komplexität von Weltraummissionen kommen bei deren
Instrumenten und Geräten meist Einzelanfertigungen zum Einsatz. Auch die
Datenerfassung und Auswertung folgt in der Regel den proprietären
Standards der jeweiligen Mission. Der Nachteil: Austausch und Vergleich
von Messdaten zwischen verschiedenen Missionen und den meist von
Dritt-Instituten entwickelten theoretischen Modellen sind praktisch
unmöglich. Doch es gibt bereits eine Anzahl an Initiativen, die
versuchen, diese Diversität zu überbrücken, indem sie Standards für
bestimmte Bereiche der Physik definieren. Das EU-Konsortium IMPEx
leistet hier einen signifikanten Beitrag im Hinblick auf modellierte
Daten durch die Erweiterung des Datenmodells SPASE (Space Physics
Archive Search and Extract). Das Projektteam konnte durch die Einführung
des IMPEx-Portals, dem Benutzer-front-end des IMPEx-Protokolls, einen
gebündelten Zugang zu einer beeindruckenden Sammlung an Funktionalitäten
und Werkzeugen bereitstellen, um die Arbeit mit verschiedensten Mess-
und Modellierungsdaten aus dem Bereich der Plasmaphysik zu ermöglichen.

WERKZEUGKISTE FÜR WELTRAUMFORSCHER

Projekt-Koordinator
und Senior-Wissenschaftler Dr. Maxim Khodachenko vom Institut für
Weltraumforschung (IWF, Graz) der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften kommentiert diesen Erfolg folgendermaßen: "Das
IMPEx-Portal bietet Werkzeuge für die Visualisierung und Analyse von
Datensätzen verschiedener Weltraummissionen. Zusätzlich sind mehrere
Simulations-Datenbanken in das System integriert." Und in der Tat, die
Möglichkeiten des IMPEx-Portals sind beeindruckend. So bietet es Zugriff
auf eine Vielzahl an Messdaten sowie Simulationsläufen des Magnetfeldes
und der Plasmaumgebung verschiedener Monde und Kometen des
Sonnensystems, die auch Ziele mehrerer vergangener, aktueller und
zukünftiger europäischer und internationaler Weltraummissionen waren und
sind. Internetdienste (engl. web services), die vom Modellierungssektor
von IMPEx unterstützt werden, erlauben die Reproduktion der
Magnetfelder sowie der Plasmaumgebungen verschiedener Planeten.
Jederzeit abrufbar und zum Teil sogar in Echtzeit.

Ausgangspunkt
für die Datenverarbeitung im IMPEx-Portal ist das Tool CDPP-AMDA
(Automated Multi-Dataset Analysis). AMDA ermöglicht eine effektive
Verarbeitung von Daten durch Zugriff auf einfach zu benutzende
Funktionen zur Datenauswertung. Die web-basierte Applikation ist auf die
Analyse und Visualisierung von Mess- und Simulationsdaten spezialisiert
� der Schwerpunkt liegt dabei auf Weltraumplasmaphysik. Ein weiteres
Werkzeug mit Zugriff auf IMPEx ist CDPP 3DView. Mit seinen umfangreichen
Funktionen im Bereich der 3D-Visualisierung erlaubt es die Darstellung
von Raumschiff-Trajektorien und Planetenbewegungen sowie die
wissenschaftliche Repräsentation von Mess- und Simulationsdaten.
Tatsächlich sind alle IMPEx-Datenbanken auch direkt in 3DView verfügbar,
wodurch eine interaktive Kombination aus Raumschiff-Orbits und
entsprechender Messungen vor Ort möglich wird.

VENUS & MERKUR

Unlängst
lieferte 3DView bereits beeindruckende Ergebnisse, als
Observationsdaten des Magnetfeldes, gemessen im Rahmen der Venus Express
Mission, mit einem speziellen Simulationsmodell für Magnetosphären
verglichen wurden. Und in der Tat zeigt dieser Vergleich die
weitreichenden Möglichkeiten des IMPEx-Protokolls auf. Der
Projekt-Partner FMI (Finnish Meteorological Institute) entwickelte eine
Datenbank für hybride Modelle, die Simulationen der Magnetfeldumgebung
der Venus erlaubt. Einige davon wurden mithilfe des IMPEx-Portals und
seiner Tools weiter verarbeitet. So wurde ein Simulationslauf entlang
der Trajektorie des Venus Express Orbiters interpoliert, um die
Messdaten mit der Modellierung zu vergleichen. Letztlich konnten beide
Datensätze � die Messungen und die Simulation � direkt am Orbit von
Venus Express visualisiert werden. Ein ähnlicher Vergleich wurde auch
mit von Messenger gemessenen Magnetfelddaten des Merkur durchgeführt.
Mithilfe von IMPEx web services wurde eine Simulation entlang der
Trajektorie des Orbiters interpoliert und in 3DView dargestellt.

Grafische Impressionen der Funktionalität und Visualisierungsvielfalt der IMPEx Umgebung finden sich unter:
http://tinyurl.com/impex-images

Vincent
Génot, hauptverantwortlicher Wissenschaftler des IMPEx-Projekts von
CNRS/IRAP dazu: "Die Möglichkeit, komplexe Simulationen mit Messungen
direkt vor Ort in einem einzigen Analysewerkzeug zu kombinieren, ist
eine der größten Errungenschaften von IMPEx. Bald wird das System auch
Vergleiche von Messdaten der bekannten Rosetta-Mission mit Simulationen
der Umgebung des Kometen erlauben. Das wird einen großen Beitrag dazu
leisten, die Bausteine des jungen Sonnensystems besser zu verstehen. Das
leistungsfähige IMPEx-System wird die Forschung auf dem Gebiet der
Plasma- und Magnetfeldumgebungen erleichtern und weiter verbreiten, und
zwar nicht nur von "Tschury", Venus und Merkur, sondern auch von
weiteren Objekten im Sonnensystem. Von Mars zum Beispiel, von Jupiter,
Saturn und schließlich auch der Erde selbst."

Das erfolgreiche
Konsortium, das neben dem IWF und FMI auch aus den französischen
Partnern CNRS/IRAP und CNRS/LATMOS sowie dem russischen Partner SINP-MSU
besteht, ruht sich indes aber keinesfalls auf den wissenschaftlichen
Lorbeeren aus, sondern schmiedet bereits Pläne, IMPEx in die Wolken zu
heben. Tarek Al-Ubaidi, Projektmanager und technischer Experte erklärt
dazu: "Wir würden die Idee von IMPEx sehr gerne durch cloud-Ressourcen
und big-data-Dienstleistungen weiterentwickeln bzw. komplettieren. Vor
allem die Durchführung von Modellrechnungen in der cloud wäre für die
wissenschaftliche Gemeinde von großem Vorteil. Wir würden das Konzept
gerne mit einer noch flexibleren Architektur, umfassendem Zugriff auf
Archive für Messdaten und ausgefeilten Technologien zur
Datenverarbeitung und Analyse kombinieren. Wir haben diesbezüglich
bereits mehrere Projektvorschläge unterbreitet und hoffen, dass wir die
Möglichkeit erhalten, diese umzusetzen � Daumen halten!"

Weitere Informationen finden Sie auf der IMPEx-Website: http://impex-fp7.oeaw.ac.at

The
FP7-Project IMPEx (Integrated Medium for Planetary Exploration) is
supported by the European Union Grant agreement number 262863.

IMPEx core team:
Maxim Khodachenko (Coordinator), IWF, Austria
Esa Kallio (Deputy Coordinator), FMI, Finland
Vincent Génot (Project Scientist), CNRS/IRAP, France
Igor Alexeev (Work Package Leader), SINP-MSU, Russia
Tarek Al-Ubaidi (Project Manager and IT Expert) , IWF, Austria
Michel Gangloff (Work Package Leader), CNRS/IRAP, France
Walter Schmidt (Work Package Leader), FMI, Finland
Ronan Modolo (Task Leader), CNRS/LATMOS, France
Manuel Scherf (Scientific user support and validation), IWF, Austria

Regenerierung von Hirnzellen möglich

Schlaganfall: Ansatz für spätere Behandlung

Hirnprotein UCHL1 laut neuer US-Erhebung bei Regeneration von Nervenzellen entscheidend

(pte020/12.02.2019/10:30) – Das Gehirnprotein UCHL1 spielt eine
entscheidende Rolle dafür, wie sich die Nervenzellen im Gehirn nach
einem Schlaganfall regenerieren. Zu dem Schluss kommen Forscher der
University of Pittsburgh School of Medicine http://medschool.pitt.edu und des VA Pittsburgh Healthcare System http://www.pittsburgh.va.gov . Die an Tiermodellen durchgeführte Studie könnte einen Beitrag zu
neuen Therapien leisten, die eine Genesung nach einem Schlaganfall durch
die Verbesserung der biologischen Reparaturprozesse ermöglichen.

Mausmodell entwickelt

Bei UCHL1 handelt es sich um ein Enzym, das im Gehirn sehr aktiv ist und
eine Rolle beim Abbau abnormaler Proteine spielt. Es wurde bereits
angenommen, dass Mutationen des Gens, das UCHL1 kodiert, zu Defiziten
der motorischen Funktion führen. Frühere Studien des Labors von Steven
Graham hatten bereits Hinweise auf die Funktion von UCHL1 erbracht. Es
wurde nachgewiesen, dass Cyclopentenon-Prostaglandine, also
Fettsäuremoleküle, die nach einem Schlagfall in den Nervenzellen
freigesetzt werden, sich an UCHL1 anbinden und seine Funktion
beeinträchtigen.

Gemeinsam mit Feng Zhang Graham wurde für die aktuelle Studie die genaue
Rolle von UCHL1 bei einem Schlaganfall untersucht und ermittelt, ob es
einen sinnvollen Ansatz für Medikamente darstellen könnte. Die Forscher
schufen ein Mausmodell, in das sie eine veränderte Version des
UCHL1-Gens einbauten, das gegen die Wirkung der
Cyclopentenon-Prostaglandine resistent war. Operativ wurden die Folgen
eines Schlaganfalls bei den gentechnisch veränderten und normalen Mäusen
hervorgerufen, um herauszufinden, wie sich die Nervenzellen erholten.

Inaktivität von UCHL1

Wurden die Cyclopentenon-Prostaglandine daran gehindert, UCHL1 zu
unterdrücken, verringerte sich auch das Ausmaß der Verletzung der Axone
nach einem Schlaganfall. Axone sind für die Übertragung elektrischer
Signale und die Verbindung zu anderen Neuronen erforderlich. Weitere
Experimente haben gezeigt, dass die Inaktivität von UCHL1 nach einem
Schlaganfall durch die Aktivierung der Reparatur der Zellen dabei half,
die Funktion von Nervenzellen und Gehirngewebe zu erhalten.

Die Mäuse mit der resistenten Form von UCHL1 verfügten auch über eine
bessere Wiederherstellung von Erwachen, Balance und anderen motorischen
Funktionen. Grahams Team arbeitet derzeit an der Suche nach neuen
Medikamenten, die verhindern, dass sich Cyclopentenon-Prostaglandine an
UCHL1 anbinden oder einer Möglichkeit, geschädigte UCHL1-Proteine mit
einem Derivat zu ersetzen, das intravenös verabreicht werden kann.

Laut Graham sind traditionelle Behandlungen zwar sehr wirksam, wenn sie
zur Verfügung stehen. Die Behandlung müsse jedoch in den ersten Stunden
nach einem Schlaganfall erfolgen. Die meisten Patienten erhielten sie
jedoch nicht in diesem Zeitraum. Daher gebe es einen eindeutigen Bedarf
an neuen Behandlungsansätzen, die die Genesung Tage nach einem
Schlaganfall verbessern können. Die aktuellen Forschungsergebnisse
wurden in den "Proceedings of the National Academy of Sciences"
veröffentlicht.

Finken impfen Nachwuchs

Finken impfen Nachwuchs vor Schlüpfen mit Geruch

Forscher widerlegen Paradigma: Küken erkennen ihre biologische Mutter

Zebrafinken-Mutter: Küken ordnen Gerüche klar zu (Foto: uni-bielefeld.de)
Zebrafinken-Mutter: Küken ordnen Gerüche klar zu (Foto: uni-bielefeld.de)

Bielefeld (pte004/10.10.2017/06:15) –

Zebrafinken-Küken haben schon sehr früh einen ausgeprägten Geruchssinn
und können erkennen, wer ihre biologische Mutter ist. Zu diesem Schluss
kommen Forscher der Universität Bielefeld http://uni-bielefeld.de und werfen damit gängige Annahmen über den Haufen. Sogar wenn sie in
einem fremden Nest schlüpfen, haben die Küken eine Vorliebe für den
Geruch ihrer biologischen Mutter.

"Dass sich Singvogelküken und ihre Eltern direkt nach
dem Schlüpfen erkennen, war bislang nicht bekannt", sagt
Verhaltensbiologin Barbara Caspers. "Lange Zeit wurde angenommen, dass
Zebrafinken und andere Singvögel diese Fähigkeit erhalten, kurz bevor
der Nachwuchs erstmals aus dem Nest ausfliegt. Die Erkennung läuft dann
über die Rufe der Vögel." Mit der neuen Studie zeigen Caspers und ihr
Team, dass schon zuvor das Erkennen über Riechen eine wesentliche Rolle
für die Eltern-Kind-Kommunikation spielt.

Studie mit zwei Experimenten

Im ersten Teil ihrer Studie haben die Experten zuerst
grundsätzlich geklärt, ob der Geruchssinn schon früh vorhanden ist.
Dafür haben sie Küken direkt nach dem Schlüpfen sowohl Gerüche ihrer
biologischen Eltern als auch fremder Vögel präsentiert. Für jeden Geruch
maßen sie, wie lange die Küken um Futter betteln. "Die frisch
geschlüpften Vögel bettelten länger, wenn der Geruch des eigenen
Elternteils präsentiert wird", resümiert Caspers.

In einem zweiten Experiment wurden die Bedingungen
verändert, unter denen die Vögel schlüpfen. Die Forscher legten Eier aus
den Nestern der biologischen Eltern in fremde Nester. Sie warteten
wieder ab, bis die Jungtiere geschlüpft waren. Kurz darauf präsentierten
sie ihnen den Geruch der biologischen Mutter und der Ziehmutter. "Die
Jungtiere hatten eine klare Vorliebe für den Geruch der Mutter und
betteln dort mehr", so Caspers. Auf die ebenfalls präsentierten Gerüche
von Vater und Ziehvater reagierten die Küken jeweils ähnlich lang.

Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen Erkrankung

4 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer seltenen Erkrankung

Zahl der Woche zu seltenen Erkrankungen

Zahl der Woche zu seltenen Erkrankungen
© masterzphotois/Thinkstock

Sie sind keine seltene Erscheinung: Seltene
Erkrankungen. Von ihnen spricht man, wenn davon nicht mehr als fünf von
10.000 Menschen betroffen sind. Das Bundesforschungsministerium fördert
die Forschung zu Seltenen Erkrankungen.

Es scheint paradox: Es gibt rund 8.000
bekannte Seltene Erkrankungen. Damit gilt jede vierte aller weltweit
vorkommenden Krankheiten als selten. In ihrer Gesamtheit sind sie
dadurch so häufig wie eine Volkskrankheit. Doch im Extremfall leiden an
einer Seltenen Erkrankung nur wenige Hundert Menschen weltweit.

Je weniger Menschen an einer Krankheit leiden,
desto geringer ist meistens auch das Wissen über ihre Ursachen,
Symptome und Behandlungsmöglichkeiten. Auch das wirtschaftliche
Interesse, in neue Diagnosetechniken oder Wirkstoffe zu investieren, ist
geringer. Die englische Bezeichnung "orphan diseases" verdeutlicht
dies: Seltene Erkrankungen waren lange Zeit "Waisenkinder der Medizin".

Seltene Erkrankungen können interdisziplinär
besser erkannt und erforscht werden. Deshalb fördert das
Bundesforschungsministerium (BMBF) seit 2003 Netzwerke, die die Ursachen
Seltener Erkrankungen erforschen und neue Diagnose- und
Therapieverfahren entwickeln. Über 107 Millionen Euro wurden bislang
dafür eingesetzt. Im Sinne translationaler Forschung sollen die
gewonnenen Erkenntnisse zum Wohle der Patienten schneller in die
klinische Anwendung gelangen.

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Mix aus schneller und konventioneller Ladung schont die Batterie

Mix aus schneller und konventioneller Ladung schont die Batterie
Störungsfreies Laden ist eine wesentliche Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz von Elektrofahrzeugen. Mit knapp 120.000 gefahrenen Kilometern hat das Projekt RheinMobil nachgewiesen, dass für die Batterieleistung eine Kombination aus schnellem und herkömmlichem Laden ideal ist: Der gesteuerte Mix ermöglicht eine hohe Auslastung der Fahrzeuge und schont die Batterie. RheinMobil ist ein gemeinsames Projekt von Michelin, Siemens, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT), dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie dem Mobilitätsdienstleister e-Motion Line (eML). Das Projekt ist Teil des „LivingLab BWe mobil“ und wird im Schaufenster Elektromobilität vom Bund gefördert.

Ziel von RheinMobil ist es, am Beispiel von Dienst- und Pendlerfahrten zwischen Karlsruhe und dem Elsass zu zeigen, dass bestimmte Einsatzprofile einen wirtschaftlichen Betrieb von Elektrofahrzeugen möglich machen. Dazu sind im Zuge der schrittweisen Einführung der Fahrzeuge derzeit täglich sechs siebensitzige Kleinbusse im Pendelverkehr bei Michelin sowie ein Fahrzeug der Kompaktklasse im Dienstwagenverkehr bei Siemens unterwegs. Die monatliche Fahrleistung pro Fahrzeug liegt durchschnittlich bei 3.000 Kilometern. „Seit dem Projektstart im vergangenen Frühjahr konnten wir nachweisen, dass sich konventionelle Fahrzeuge in beiden Einsatzprofilen im Alltag ersetzen lassen. Lokal haben wir so auch bereits acht Tonnen Kohlendioxid (CO2) eingespart“, sagt Dr. Olaf Wollersheim, einer der beiden RheinMobil-Projektleiter am KIT. „Außerdem haben wir in den Wintermonaten gesehen, dass Witterung und Temperaturschwankungen zwar für einen Anstieg des Energieverbrauchs sorgen, die Betriebsfähigkeit und Verfügbarkeit der Fahrzeuge aber nicht einschränken“, so Dr. Kevin Stella, der das Projekt zusammen mit Wollersheim koordiniert.

Nächster Schritt wird nun sein, die Fahrzeuge bei Michelin – an den Schichtplan angepasst – mit mehreren Pendlergruppen pro Fahrzeug noch stärker auszulasten, sodass die Fahrleistung auf mehrere hundert Kilometer pro Tag steigt. Voraussetzung dafür ist die Schnellladung, die derzeit rund 30 Minuten dauert. Für konventionelles Laden sind aktuell Stillstandzeiten von neun Stunden erforderlich. Das RheinMobil-Team will zeigen, dass E-Fahrzeuge auch bei häufiger Schnellladung technisch zuverlässig und auf Dauer wirtschaftlicher als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind. Bislang gab es zum Einfluss der Schnellladetechnologie auf die Batterieleistung kaum Erfahrungen oder wissenschaftliche Erkenntnisse aus dem realen Betrieb. „Die ersten 100.000 Kilometer haben uns nun ein wesentliches Ergebnis geliefert: Zwar ist die Schnellladung Voraussetzung für die hohe Auslastung, wir können aber nicht ausschließlich auf diese Technologie setzen. Der richtige Ansatz ist der gesteuerte Mix aus schneller und konventioneller Ladung. So können wir hohe Fahrzeugverfügbarkeit mit einer nachhaltigen Nutzung der Technologie in Einklang bringen“, so Stella.

Der Einsatz im Pendelverkehr hatte gezeigt, dass bei ausschließlicher Schnellladung kein Spannungsausgleich zwischen den einzelnen Batteriezellen erfolgte (passives Balancing): Die Zellen der Batterie wurden unterschiedlich stark ge- und entladen, damit hätte sich die nutzbare Kapazität der Batterie langfristig verringert. Die Lösung: Bei längeren Stillstandzeiten des Fahrzeugs – etwa über Nacht – setzt RheinMobil nun auf konventionelles Laden. „Das eröffnet zudem die Möglichkeit, das Fahrzeug mit batteriebetriebener Klimaanlage im Sommer wie Winter vor Fahrtantritt auf die gewünschte Temperatur zu kühlen oder zu heizen. So lässt sich der Energieverbrauch während der Fahrt reduzieren, da die notwendige Energie nicht aus der Batterie entzogen wird“, sagt Kevin Stella. Dabei werde der auch der Fahrzeugbetrieb für die Nutzerinnen und Nutzer komfortabler.

Im Winter direkt nach der Fahrt laden – Tipps für Nutzer

Aus den wissenschaftlichen Untersuchungen und Erfahrungen der Forschungspartner KIT und ISI sowie dem Mobilitätsdienstleister eML lassen sich weitere konkrete Ratschläge für Fahrerinnen und Fahrerableiten. Unter anderem sollten Fahrzeuge im Winter direkt nach einer Fahrt geladen werden. „Denn ist die Batterietemperatur zu niedrig, reduziert sich die Ladeleistung, um die Batterie zu schonen. Damit würde das Laden deutlich länger dauern“, erläutert Stella. Die Wissenschaftler werten zudem den spezifischen Energieverbrauch pro Strecke ständig aus und leiten die Faktoren ab, die diesen beeinflussen. So können Sie den Nutzerinnen und Nutzern auch konkrete Tipps zum Fahrverhalten geben, mit denen der Energieverbrauch gesenkt werden konnte.

Das Projekt RheinMobil ist eines von rund 40 Projekten im Schaufenster Elektromobilität Baden-Württemberg „LivingLabBWe mobil“ und wird mit knapp einer Million Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) im Rahmen der Schaufensterinitiative der Bundesregierung gefördert. Die Bundesregierung hat im April 2012 vier Regionen in Deutschland als „Schaufenster Elektromobilität“ ausgewählt und fördert hier auf Beschluss des Deutschen Bundestags die Forschung und Entwicklung von alternativen Antrieben. Insgesamt stellt der Bund für das Schaufensterprogramm Fördermittel in Höhe von 180 Millionen Euro bereit. In den groß angelegten regionalen Demonstrations- und Pilotvorhaben wird Elektromobilität an der Schnittstelle von Energiesystem, Fahrzeug und Verkehrssystem erprobt.

Weitere Informationen unter www.schaufenster-elektromobilitaet.org

Schaufenster Elektromobilität „LivingLabBWe mobil“

Im baden-württembergischen Schaufenster „LivingLabBWe mobil“ erforschen mehr als 100 Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand Elektromobilität in der Praxis. Die Projekte konzentrieren sich mit ihren Aktivitäten auf die Region Stuttgart und die Stadt Karlsruhe und sorgen auch international für eine große Sichtbarkeit. Das „LivingLabBWe mobil“ steht für einen systemischen Ansatz mit ineinandergreifenden Projekten, die Elektromobilität vom E-Bike über den E-PKW bis hin zum elektrischen Transporter und Plug-in-Linienbussen für jedermann erfahrbar machen. Die Projekte adressieren Fragestellungen zu Intermodalität, Flotten und gewerblichen Verkehren, Infrastruktur und Energie, Stadt- und Verkehrsplanung, Fahrzeugtechnologie, Kommunikation und Partizipation sowie Ausbildung und Qualifizierung. Koordiniert wird das „LivingLabBWe mobil“ durch die Landesagentur für Elektromobilität und Brennstoffzellentechnologie e-mobil BW GmbH und die Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS).

Weitere Informationen unter www.livinglab-bwe.de

Walnüsse – Knackige Knabberfrüchte für den Adventsteller

(aid) – Es müssen nicht immer Süßigkeiten sein, auch "Äpfel, Nuss und Mandelkern" gehören traditionell zu den Leckereien in der Weihnachtszeit. So lassen sich zum Beispiel frische Walnüsse bei einem gemütlichen Adventstee herrlich selber knacken. Unter der hellbraunen Außenschale, die sauber und fest verschlossen sein sollte, verbirgt sich bei frischen Walnüssen ein weißgelber Fruchtkern. Eine grau-gelbe Kernfarbe deutet darauf hin, dass das Fett ranzig geworden ist. Walnüsse haben ein herbsüßes Aroma und geben auch weihnachtlichen Salaten oder Obstspeisen eine knackig-nussige Note. Neben frischen Walnüssen gibt es die getrockneten, geschälten oder ungeschälten Samenkerne als Bestandteil von Nussmischungen oder Studentenfutter. Da die Walnuss ursprünglich über Gallien nach Mitteleuropa kam, bezeichnete man sie früher auch gerne als "welsche" oder "keltische Nuss". Heute stammt der überwiegende Teil der Ware aus Kalifornien, den Mittelmeerländern und Chile. Die kleinen Kraftpakete liefern rund 670 Kilokalorie
n pro 100 Gramm und sind reich an Eiweiß, essenziellen Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen. Im Rahmen der Kampagne "5 am Tag" zählen übrigens auch 25 Gramm ungeröstete und ungesalzene Nüsse, also etwa eine halbe Handvoll, als eine Portion Obst und sorgen so im Winter für Abwechslung auf dem Obstteller.
aid, Ira Schneider

Weitere Informationen: www.was-wir-essen.de, Lebensmittel von A-Z

Prostatakrebs: Test für Metastasen-Risiko

pte20181212014 Medizin/Wellness, Forschung/Technologie

Prostatakrebs: Test für Metastasen-Risiko

Analyseverfahren von Forschern des Albert Einstein College of Medicine ist rascher und billiger

Test: neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs (Foto: jmd.amjpathol.org)
Test: neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs (Foto: jmd.amjpathol.org)

New
York (pte014/12.12.2018/10:30) – Für Männer mit neu diagnostiziertem
Prostatakrebs und jene, die bereits behandelt wurden, ist die
Einschätzung des Risikos von Metastasen von Bedeutung, wenn es um die
Therapiewahl geht. Bei Prostatakrebs wird das primäre Tumorwachstum oder
die Ausbreitung durch Vermehrung oder Löschungen von Teilen des Genoms
mit der Bezeichnung Copy Number Alterations (CNAs) bestimmt.

Forscher des Albert Einstein College of Medicine http://einstein.yu.edu haben einen neuen Test entwickelt, der eine kostengünstigere,
schnellere und wiederholbare Beurteilung von CNAs ermöglicht. Zusätzlich
wird weniger Gewebe als bei anderen Diagnoseverfahren benötigt. Bei
rund 16 Prozent der Erkrankungen an Prostatakrebs kommt es zur Bildung
von Metastasen. Sie sind für acht Prozent der Sterbefälle der
betroffenen Patienten verantwortlich. Die Forschungsergebnisse wurden in
"The Journal of Molecular Diagnostics" veröffentlicht.

Schnellerer Nachweis

Eine genauere Vorhersage zum Zeitpunkt der Diagnose ermöglicht es, jene
Männer zu identifizieren, bei denen ein Risiko besteht und die daher von
einer aggressiven Behandlung profitieren würden. Der Nachweis von CNAs
in Prostatagewebe oder Blut kann Hinweise darauf liefern, ob eine
bereits diagnostizierte Erkrankung weiter fortgeschritten ist. Die
vermehrten oder gelöschten Gene stellen laut den Forschern neue Ziele
für die Behandlung von aggressivem Prostatakrebs dar.

Laut dem Forschungsleiter Harry Ostrer konnte gezeigt werden, dass CNAs
mit der neuen Untersuchung mit der Bezeichnung "Next-Generation Copy
Number Alteration" (NG-CNA) rasch und genau nachgewiesen werden können.
Die Auswirkungen dieser Informationen sind zweifach. Es kann
sichergestellt werden, dass Männer, bei denen wahrscheinlich Metastasen
auftreten werden, bereits zum Zeitpunkt der Diagnose die richtige
Behandlung erhalten und dass bei Männern ohne dieses Risiko eine
Überbehandlung vermieden wird.

Sequenzierungsverfahren

Bei der NG-CNA handelt es sich um ein gezieltes Sequenzierungsverfahren,
das 902 genomische Stellen analysiert, die zu 194 genomischen Bereichen
gehören. Im Vergleich mit dem der Untersuchung "Comparative Genomic
Hybridization" kann NG-CNA die Proben schneller verarbeiten und die
Kosten pro Probe senken. Laut Ostrer sind Kosten von 20 bis 40 Dollar
möglich. Eine vollständige Sequenzierung des Genoms würde laut dem
Forscher fast 1.000 Dollar kosten.

Blutzuckerschwankungen ohne zusätzliche Bedeutung ?

(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Blutzuckerschwankungen
sind im Vergleich zum mittleren Tagesblutzucker für Augen-, Nieren- und
Nervenschäden bei Typ-1-Diabetes ohne zusätzliche Bedeutung

Bochum, 26. April 2017:

Das Diabetes Control and
Complications Trial (DCCT) von 1983-1993 an 1441 Typ-1-Diabetespatienten
über im Mittel 6.5 Jahre ergab, dass der günstige Einfluss einer
intensivierten Insulintherapie auf die mikrovaskulären Folgeerkrankungen
so gut wie vollständig durch den erreichten mittleren Blutzucker,
beurteilt am HbA1c-Wert erklärt werden konnte. Da im Unterschied zu den
HbA1c-Werten nur bei zwei Drittel der Patienten vierteljährliche
7-Punkte-Blutzuckertagesprofile vorlagen, wurden jetzt von John N.
Lachin et al. (1) für das fehlende Drittel mit heute verfügbarer
Statistik vergleichbare Tageswerte errechnet. Insgesamt ergab sich, dass
die Tagesschwankungen für die mikrovaskulären Komplikationen ohne
Bedeutung waren.

Die 7-Punkte-Tagesprofile
erfassten den Blutzucker nüchtern, prä- und postprandial sowie vor dem
Schlafengehen. Die Auswertung der jetzt durch die neuen statistischen
Methoden vervollständigten Daten des DCCT ergab, dass die
Tagesschwankungen – somit auch der postprandiale Blutzucker per se –
keinen Einfluss auf Retinopathie, Nephropathie und autonome kardiale
Neuropathie hatten. Lediglich der longitudinale mittlere „M-Wert“ über
die Zeit war (bei Adjustierungen) signifikant mit der Mikroalbuminurie
assoziiert.

Kommentar

Seit Jahrzehnten gibt es
eine Diskussion, ob der postprandiale Blutzucker eine eigenständige
Bedeutung für das Schicksal von Diabetespatienten hat. Die
Pharmaindustrie diskutiert kräftig mit, je nachdem ob sie ein
kurzwirkendes Präparat, also mit besonderem Einfluss auf den
Blutzuckeranstieg nach dem Essen hat oder ein langwirkendes
Antidiabetikum. Die Amerikanische Diabetes-Assoziation (ADA) gab im
Jahre 2001 ein Statement heraus (2), in welchem die Frage nach einer
eigenständigen Bedeutung der postprandialen Glukose über den HbA1c-Wert
hinaus als „unklar“ eingestuft wurde. Die jetzt vorgelegte neue Analyse
der DCCT-Daten verneint dies. Einschränkend muss allerdings gesagt
werden, das die Blutzuckerschwankungen mit den heute verfügbaren
Methoden der kontinuierlichen Blutzuckermessung (etwa dem
freestyle-libre®-System u.a.) andere Resultate liefern könnten.

Keinesfalls sollten die
Ärzte die Diabeteseinstellung ihrer Patienten jetzt nur mehr nach dem
HbA1c-Wert beurteilen. In diesem Sinne äusserte sich auch der Erstautor
Dr. Lachin (3). Er meinte, man könne nicht sagen, dass Patienten nicht
mehr wegen grosser Blutzuckerschwankungen besorgt sein müssten. Ein
mittlerer, normnaher Blutzucker sei nämlich bei extremen Schwankungen
kaum zu erreichen. So sei es schwierig, einen mittleren Glukosewert
beispielsweise von 170 mg/dl bei einer mittleren Standardabweichung der
Tagesglukose von 75 mg/dl zu erzielen (3).

Helmut Schatz

Krebszellen durch gezielte Hitze zerstörbar

Krebszellen durch gezielte Hitze zerstörbar
Regionale Tiefenhyperthermie schont gesundes Gewebe
 
Stethoskop: Tiefenhyperthermie gegen Krebs (Foto: pixelio.de, G. Richter)

Stuttgart/Erlangen (pte015/02.10.2012/12:00) – Tumorzellen können neuerdings mit Hilfe von Wärme zerstört werden. Um eine Schädigung der gesunden Zellen zu vermeiden, soll laut der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie in Stuttgart http://degro.org die "regionale Tiefenhyperthermie" nun fokussiert die angegriffenen Zellen mit rund 43 Grad Celsius erwärmen, da diese hitzeempfindlicher sind. Elektromagnetische Wellen, die Wärme in die Tumorzellen transportieren, zerstören das angegriffene Gewebe. Die Geräte, die für die regionale Tiefenhyperthermie verwendet werden, sind aus diesem Grund auch in Strahlenkliniken auffindbar.

Ergänzend zu Strahlentherapie

"Insgesamt dauert eine Sitzung inklusive der Aufwärmzeit rund zwei Stunden. Das hängt jedoch davon ab, wie oft man diese Therapie anwendet. Wir machen es gewöhnlicherweise zwei Mal pro Woche", erklärt Rolf Sauer, emeritierter Radio-Onkologe und Direktor der Strahlenklinik in Erlangen http://www.strahlenklinik.uk-erlangen.de , im Gespräch mit pressetext.

Die regionale Hyperthermie alleine bekämpft jedoch keine Tumore und wird simultan und verstärkend zu einer Strahlentherapie, die im Normalfall rund sechs Wochen dauert, eingesetzt. "Diese Methode wird also additiv, nicht alternativ, angewandt", so Sauer. Die Therapie verlängert eine Strahlentherapie jedoch nicht.

Keine Spätfolgen

"Das Gute an der Tiefenhyperthermie ist, dass keine Spätfolgen auftreten", so der Spezialist. Auch Folgen einer Chemotherapie würden durch die zusätzliche Methode nicht verstärkt. "Akute Nebenwirkungen können jedoch starkes Schwitzen sein, das mit Fieber verglichen werden kann und mit der Zeit überaus anstrengend für die Patienten ist", führt der Onkologe aus.

Nach der Behandlungszeit würde diese Nebenwirkung jedoch wieder verschwinden. Auch Kreislaufprobleme oder ein brennendes Gefühl auf der Haut können bei der Behandlung auftauchen. Bei Letzterem müsse die Haut wieder abgekühlt werden. Dies könne unter anderem durch eine Änderung der Wärmestrahlrichtung erfolgen.

Mit probiotischen Bakterien gegen Erkältung

Probiotische Mittel sollen Husten und Schnupfen lindern

Rostock (pte/30.06.2005/15:45) – Mithilfe von probiotischen Bakterien
wollen Wissenschaftler in Zukunft Erkältungen heilen. Ein
Forschungsprojekt der Universität Rostock http://www.uni-rostock.de,
das bereits seit zwei Jahren läuft, kommt demnächst in die
Schlussphase. Die ersten Ergebnisse sind nach Angaben der Forscher viel
versprechend. Schon bald könnten solche Medikamente in Apotheken
angeboten werden, berichtet die Universität Rostock.

Probiotika bezeichnen Mikroorganismen wie Bakterien, die vom Menschen
aufgenommen werden und heilend wirken. "Probiotika werden bereits mit
Erfolg bei Darmerkrankungen wie Morbus Crohn eingesetzt und befinden
sich als darmregulierende Lebensmittel auf dem Markt", erklärt
Forschungsleiter Andreas Podbielski vom Institut für Medizinische
Mikrobiologie, Virologie und Hygiene. Die Forscher wollen diese
Probiotika nun für ganz einfache Atemwegserkrankungen wie Schnupfen,
Husten und Heiserkeit einsetzen. Verabreicht sollen diese Bakterien
jedoch nicht als Joghurtdrink werden, sondern in Form von
Lutschtabletten oder Sprays, die dann in jeder Apotheke erhältlich sein
soll.

"Der Einsatz der probiotischen Bakterien ist wünschenswert, weil es
sich um eine sehr natürliche Art der Therapie handelt", so Podbielski.
"Der Mensch als ein von Bakterien besiedelter Organismus ist auf das
Gleichgewicht dieser körpereigenen Mikroorganismen angewiesen".
Herkömmliche Arzneimittel bewirken aber immer eine Verschiebung der
Gleichgewichte, die dann als Nebenwirkungen wahrgenommen werden.
Beispiele sind etwa die häufig auftretenden Magen-Darm-Probleme bei der
Einnahme von Antibiotika.

"Probiotische Bakterien gelingt es nun, die verschobenen Gleichgewichte
wieder in Ordnung zu bringen", führt der Experte aus. Diese agieren wie
Polizisten, vergleicht Podbielski die Wirkweise. Wie genau das
geschieht, wird jetzt untersucht, um dann die Funktionsweise
probiotischer Bakterien gezielt für Atemwegserkrankungen einsetzen zu
können.