Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Erblindung im Alter vermeiden

Stiftung Auge – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Viele altersbedingte Augenerkrankungen können gut behandelt werden. Meist machen sie sich aber erst in einem späten Stadium bemerkbar, wenn ein Großteil der Sehkraft bereits unwiederbringlich verloren ist. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen. In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung Auge fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden muss. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 29. Mai in Berlin erläutern Experten diese und weitere Forderungen zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen.

Verbreitet ist vor allem der Graue Star (Katarakt) – eine starke Trübung der Augenlinse, bei der die Betroffenen wie durch einen Nebelschleier sehen. Um das Sehvermögen wiederherzustellen, kann der Augenarzt eine Kunstlinse ins Auge einsetzen. Über 800.000 Augen werden jedes Jahr mit diesem ambulanten Eingriff behandelt. Schwerwiegendere Volkskrankheiten sind das Glaukom (Grüner Star) – eine Erkrankung des Sehnervs, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der die Zellen der Netzhaut absterben oder die diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge.

Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern, betont der Experte. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt.“ Wenn beim Glaukom Symptome auftreten, ist der Sehnerv meist schon irreparabel geschädigt; rechtzeitig erkannt lässt sich die Krankheit meist mit Tropfen behandeln. Die AMD behandeln Ärzte je nach Fall mit Spritzen in den Glaskörper oder Lasertherapie.

Seniorinnen und Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz.

Gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime ist der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde, was die Studie OVIS belegte. Der letzte Besuch beim Augenarzt lag hier durchschnittlich vier Jahre zurück, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hatten einen Grauen Star. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.

Neue Erkenntnisse am Beginn des Lebens

Helmholtz-Zentrum: Die Architektur von DNA- und Eiweißmolekülen im Zellkern reguliert frühe Phasen der Embryonalentwicklung. Forschende des Helmholtz Zentrums München und der LMU in Kollaboration mit dem Hubrecht Institut in Utrecht  zeigen jetzt, dass solche Strukturen nicht vererbt werden, sondern neu entstehen. Bei diesem Prozess spielen epigenetische Mechanismen eine Rolle. Ihre Studie ist im Fachmagazin Nature erschienen. 

Bei Säugetieren beginnt die Embryogenese mit der Befruchtung: Ein Spermium dringt in die Eizelle ein. Diese beiden Zellen verschmelzen, und eine Zelle mit doppeltem, sprich diploidem Chromosomensatz entsteht. Diese sogenannte Zygote oder Ein-Zell-Embryo teilt sich und erreicht später das Zwei-, Vier-, und das 16-Zell-Stadium. Es kommt zu umfassenden Neuordnungen des Erbguts. Details zu diesem Schritt waren bisher nicht bekannt, konnten aber jetzt entschlüsselt werden.

Dreidimensionale Strukturen des Genoms werden nicht vererbt
„In Zusammenarbeit mit Jop Kind vom Hubrecht Institute Utrecht haben wir erstmals die Technik DamID* bei Säugetierembryos eingesetzt“, berichtet Prof. Dr. Maria Elena Torres-Padilla, die die Studie co-leitete. Sie ist Direktorin des Instituts für Epigenetik und Stammzellen (IES) am Helmholtz Zentrum München und Professorin für Stammzellbiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Mit DamID erzeugten die Forschenden Wechselwirkungen der DNA mit Kernlamellen, der Lamina, einem Geflecht an der Innenseite des Zellkerns. Dieser molekulare Fingerabdruck ermöglicht es ihnen, festzustellen, wie sich das Genom im dreidimensionalen Raum der Zelle anordnet.

Torres-Padilla war von den Ergebnissen ihrer Studie überrascht: „Wir fanden heraus, dass die räumliche Organisation des Genoms nicht vererbt wird, sondern erstmals im Embryo entsteht.“ Zu Beginn der Embryonalentwicklung, sprich nach der Verschmelzung der zwei Keimzellen, bildeten sich charakteristische, dreidimensionale Komplexe des mütterlichen bzw. väterlichen Genoms mit speziellen Eiweißen, den LADs**. Sie waren im Ei (nach dem Acht-Zell-Stadium) nicht mehr nachweisbar. Offensichtlich findet die räumliche Organisation nur in einem kurzen, frühen Zeitfenster während der Entwicklung statt.

Die räumliche Anordnung beeinflussen
Außerdem fanden die Wissenschaftler heraus, dass dieser Vorgang über epigenetische Mechanismen*** gesteuert wird. Die Anwesenheit eines speziellen Gens (Kdm5b) verhinderte beispielsweise, dass Komplexe zwischen dem väterlichen Erbgut und den Kernlamellen entstanden. Torres-Padilla: „Mit dieser neuen Methode haben wir künftig Möglichkeiten, Zellen im frühen Embryo von Säugetieren vollständiger zu erforschen.“ Sie hofft, dass Studien dieser Art zu einem tieferen Verständnis epigenetischer Vorgänge führen; diese seien auch bei Menschen von großer Bedeutung. Zahlreiche Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, die Alzheimer-Krankheit oder Krebserkrankungen lassen sich nämlich nicht allein mit genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen erklären. Hier könnte der Epigenetik eine wichtige Rolle zukommen.

Originalpublikation:
Borsos M, Perricone SM et al. (2019): Genome-lamina interactions are established de novo in the early mouse embryo. Nature. DOI: 10.1038/s41586-019-1233-0

Osteoporose – Vorbeugen für starke Knochen

(BZfE) – Osteoporose, auch „Knochenschwund“ genannt, gehört zu den am
weitesten verbreiteten Volkskrankheiten in Deutschland. Schätzungsweise
vier bis sechs Millionen Menschen sind allein hierzulande betroffen. Durch
den Verlust von Knochensubstanz und –struktur werden die Knochen im Laufe
der Jahrzehnte immer brüchiger. Der Bundesselbsthilfeverband für
Osteoporose (BfO) schätzt, dass mehr als 130.000 Menschen in Deutschland
pro Jahr einen Oberschenkelhalsbruch und Wirbelbrüche erleiden.

„Das Risiko einer Osteoporose im Alter lässt sich vermindern durch die
größtmögliche Knochenmasse in der Jugend.“ So bringt es der BfO in
seiner Broschüre „Osteoporose und Ernährung“ auf den Punkt. Tatsächlich
hängt die Gefahr brüchiger Knochen im Alter eng zusammen mit dem Aufbau
von gesunden Knochen bis zum Alter von etwa 30 Jahren. Durch gezielte
Ernährung und ausreichend Bewegung lässt sich aber der Verlust an
Knochenmasse und das Fortschreiten der Krankheit im späteren Lebensalter
noch verlangsamen.

Genügend Calcium – vor allem aus Milch und Milchprodukten – ist einer
von vielen Faktoren, die bei der Prävention und Therapie von Osteoporose
eine entscheidende Rolle spielen. Entscheidend ist es, in jungen Jahren die
maximale Knochenmasse zu optimieren und im Alter den Knochenabbau zu
minimieren. Bei diesem Prozess spielen neben der Calciumzufuhr unter
anderem auch körperliche Aktivität und die Vitamin D-Versorgung eine
wichtige Rolle.

Stillen entlastet das Gesundheitssystem

(BZfE) – Mehr gestillte Kinder könnten die Gesundheitssysteme weltweit
um riesige Beträge entlasten. Das gilt sowohl in den sogenannten
Industrienationen wie auch in Schwellen- und Entwicklungsländern. Immer
häufiger wurden zuletzt ökonomische Analysen im Kontext des Stillens
durchgeführt, um den Einfluss des Stillens auf vermeidbare Todesfälle und
Erkrankungen zu untersuchen. Auch die Kosteneffektivität für das
Gesundheitssystem und damit die Bedeutung für die Gesellschaft wurden
erforscht.

Insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern ist jeder US-Dollar,
der in Stillförderung investiert wird, gut investiertes Geld, denn er
bringt einen wirtschaftlichen Ertrag von 35 US-Dollar. Dieser besteht u.a.
aus geringeren Gesundheitskosten und weniger Arbeitsausfall durch
Krankheit. Und noch eine Zahl lässt aufhorchen: Es braucht nur
überschaubare 4,70 Dollar pro Neugeborenem für eine intensive
Stillförderung. Damit würde das Ziel der Weltgesundheitsorganisation
erreicht werden, die Steigerung des ausschließlichen Stillens in den
ersten sechs Monaten auf mindestens 50 % aller Babys bis 2025 auszuweiten.
Das könnte die vorzeitigen Sterbefälle in Ländern mit einer hohen
Kindersterblichkeit pro Jahr um circa 820.000 verringern. Damit hätte das
Stillen als Einzelmaßnahme den größten gesundheitsförderlichen Einfluss
auf die Kindersterblichkeit in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Eine Gruppe internationaler Wissenschaftler schätzt auf Basis von
Modellrechnungen, dass bereits eine 10-prozentige Steigerung der Rate
ausschließlich gestillter Kinder eine Kostenreduktion von mindestens 312
Millionen US-Dollar in den USA, 7,8 Millionen Dollar in Großbritannien, 30
Millionen Dollar in China und 1,8 Millionen Dollar in Brasilien zur Folge
hätte. Eine Erhöhung der Stillraten auf 90 % in Brasilien, China und den
USA sowie auf 45 % in Großbritannien würde die Behandlungskosten für
häufig auftretende Kinderkrankheiten wie Lungenentzündung, Durchfall und
Asthma sehr deutlich senken. Die USA würden dadurch mindestens 2,45
Milliarden, Großbritannien 29,5 Millionen, China 223,6 Millionen und
Brasilien 6,0 Millionen Dollar einsparen. Für Deutschland gibt es aktuell
keine entsprechenden Schätzungen. Es besteht aber Konsens darüber, dass
niedrige Stillraten nicht nur ein Problem von Schwellen-und
Entwicklungsländern sind. Auch bei uns würde das Gesundheitssystem also
in vielerlei Hinsicht – die Auswirkungen auf die Krankheitskosten der
Frauen sind noch nicht berücksichtigt – von mehr Stillförderung
profitieren.

Um einen Überblick über Strukturen, Akteure und Maßnahmen zur
Stillförderung in Deutschland.zu bekommen, wurde das Forschungsprojekt
„Becoming Breastfeeding Friendly“ aufgesetzt. Das Bundesministerium
für Ernährung und Landwirtschaft hat das Netzwerk Gesund ins Leben und
die Nationale Stillkommission beauftragt, dieses Vorhaben für Deutschland
durchzuführen. Die Universität Yale begleitet den gesamten Prozess
wissenschaftlich. „Becoming Breastfeeding Friendly“ wird die aktuelle
Situation der Stillförderung in Deutschland systematisch abbilden und
Daten für die Stillförderung und den Stillschutz in Deutschland liefern.
Die Empfehlungen werden hierzu auf einer Fachkonferenz in Berlin
vorgestellt.

Zelltod beeinträchtigt Abwehr von Infektionen

(pte001/22.05.2019/06:00) – Tote Zellen stören laut einer Studie der University of Sheffield die Immunreaktionen und untergraben die Abwehr gegen Infektionen. Zellen, die darauf programmiert sind, abzusterben, können die normale Funktion der Immunzellen, der Makrophagen, beeinträchtigen. Das kann Auswirkungen darauf haben, wie gut sie auf Wunden reagieren und im Körper nach Infektionen suchen.

Zellmanipulation als Ziel
Makrophagen sind bei Wunden nötig, um eine Infektion zu verhindern und den Heilungsprozess zu unterstützen. Diese weißen Blutkörperchen können allerdings auch viele Krankheiten verursachen oder verschlimmern. Dazu gehören Krebs, Herzerkrankungen und neurodegenerative Erkrankungen. Die Studienergebnisse zeigen, dass die Immunzellen der Beseitigung abgestorbener Zellen Vorrang einräumen. Dadurch wird ihre normale Migration zu Verletzungen außer Kraft gesetzt und die Immunreaktion beeinträchtigt.

Die in „PLOS Biology“ veröffentlichten Forschungsergebnisse könnten zu neuen Ansätzen der Manipulation dieser Zellen und einer Beschleunigung des Heilungsvorgangs führen. Die Studie wurde an Fruchtfliegen durchgeführt, die über Zellen mit einer sehr großen Ähnlichkeit zu den Makrophagen beim Menschen verfügen. Dabei wurde auch eine neue Rolle eines Proteins Six-Microns-Under (Simu) beim Halten der Immunzellen am Ort der Verletzung entdeckt. Ohne dieses Protein verließen die Makrophagen die Wunde frühzeitig.

Reaktion von Fruchtfliegen
Laut Mitautorin Hannah Roddie zeigt die aktuelle Studie, dass die Art und Weise, wie die Blutkörperchen der Fruchtfliegen auf Verletzungen und absterbende Zellen reagieren, den menschlichen Immunzellen sogar noch ähnlicher ist, als bisher angenommen. In einem nächsten Schritt wird untersucht, welche Signale die Makrophagen nutzen, um absterbende Zellen aufzuspüren und wie sie sich zwischen toten Zellen und Wunden entscheiden.

Erhöhtes Risiko für Schenkelhalsfrakturen

(Prof. Helmut Schatz) Mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung und etwa 30% der Deutschen nehmen Nahrungsergänzungsmittel zu sich. Eine Kohorte aus der Nurses´ Health Study, einer prospektiven Untersuchung an US-Krankenschwestern von 1984-2014, ergab, dass bei hoher Zufuhr von Vitamin B6 und B12 ein erhöhtes Schenkelhalsbruch-Risiko besteht .

Von 75.864 postmenopausalen weissen Krankenschwestern erlitten in 3 Jahrzehnten 2304 (3%) einen Schenkelhalsbruch. Ihr mittleres Alter bei der Fraktur betrug 75.8 Jahre (Bereich 47.7 – 93.0 ), der mittlere Body Mass Index (BMI) 24.3 kg/m2. Die Fraktur-Patienten nahmen täglich im Mittel 3.6 mg Vitamin B6 zu sich,  für Vitamin B12 waren es 12.1 µg/Tag. Dies ist wesentlich mehr als die empfohlene mittlere Tagesdosis (RDA, Recommended Daily Allowance) in den USA von 1.3 mg für Vitamin B6 und 2.4 µg für Vitamin B12 (RDA in der Europäischen Union: 1.4 mg bzw. 2.5 µg).

Vergleich des Frakturrisikos zwischen Patienten mit niedriger (<2 mg/Tag) und hoher  (=/> 35 mg) B6-Einnahme: RR 1.29; CI 1.04-1.59, p=0.06; Vitamin B12: niedrige (< 5µg/Tag) vs. hohe (=/>30 µg/Tag) Einnahme: RR 1.25; CI 0.98-1.58,  p= 0.02 für linearen Trend).

Das höchste Frakturrisiko fand sich bei kombinierter Einnahme von Vitamin B6 und B12 in  hohen Dosen (B6 =/> 35 mg/Tag, B12 =/> 20 mg/Tag): Es war um fast 50% gesteigert (RR 1.47, CI 1.15-1.89) gegenüber Frauen mit niedriger Aufnahme beider Vitamine  (B6 <2 mg/Tag und B12 <12 µg/Tag).

Kommentar
Ein erhöhtes Risiko für Schenkelhalsfrakturen unter hochdosierter Einnahme von Vitamin B6 in Kombination mit B12 wurde unerwarteterweise bereits in einer Sekundäranalyse von zwei doppelblinden randomisierten klinischen Studien (RCT´s) gefunden (2). Die Autoren der jetzigen Publikation (1) können keine Erklärung für ihre Befunde geben.

Die Stärke der Studie besteht in der großen Kohorte und jahrzehntelangen Dauer mit Fragebogen-Kontrollen der Diät, der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und anderer möglicher Einflußfaktoren (confounders) alle zwei Jahre. Es konnte aber nicht ausgeschlossen werden, dass die Krankenschwestern Nahrungssupplemente zu sich nahmen, weil sie in einem schlechteren Gesundheitszustand waren.

Abschließend möchte der Referent betonen, was er in seinen DGE-Blogbeiträgen schon immer empfiehlt: Nahrungsergänzungsmittel und Vitaminpräparate nicht einzunehmen, wenn kein nachgewiesener, gravierender Mangel mit klinischen Symptomen (signs and symptoms) vorliegt. Eine normale, ausgewogene Mischkost versorgt die deutsche Bevölkerung in der Regel ausreichend mit allen notwendigen Vitaminen. Nahrungsergänzungsmittel unterliegen zudem nicht dem Arzneimittelgesetz, sondern werden rechtlich als Lebensmittel behandelt. Somit sind sie nur anzeigepflichtig, d.h.,  ihre Zusammensetzung, Wirksamkeit und Sicherheit wird nicht überprüft. Nicht selten sind ihnen Wirkstoffen wie etwa Hormonsubstanzen oder andere, in den Stoffwechsel eingreifende Medikamente beigemischt, die nicht auf der Packung angegeben werden.

Krebsforschung: Mit Kollagen zum Ziel ?

(pte001/16.05.2019/06:00) – Viele handelsübliche Pharmaka können die der Entstehung von Krebszellen und ihrer Streuung in Metastasen zugrundeliegenden Mechanismen blockieren. Dabei spielt Kollagen eine wichtige Rolle. Das haben Forscher des zum Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Genetica e Biofisica in Zusammenarbeit mit Kollegen des Istituto Firc di Oncologia Molecolare anhand zahlreicher Labortests ermittelt. Finanziell unterstützt wurde die Studie von der Krebsforschungsstiftung Fondazione Airc und dem Bildungsministerium Miur .

Ungleichgewicht im Stoffwechsel

Bei der roboterunterstützten Untersuchung von mehreren Tausend Medikamenten wurden die molekularen Vorgänge aufgedeckt, die die Zellen zur Fortbewegung im menschlichen Körper befähigen. „Wir haben festgestellt, dass eine rasche Beschleunigung der Kollagenbildung ein Ungleichgewicht im Stoffwechsel hervorruft und damit das epigenetische Profil der Zelle verändert, ohne die Gensequenz zu beeinflussen“, sagt Projektleiterin Gabriella Minchiotti. Diese bislang unbekannte Kommunikation zwischen Kollagen und DNA wird durch die vom Vitamin C abhängigen Dioxinasen bestimmt.

Ein konkretes Ergebnis hat sich nach der Verwendung von Budesonid ergeben. Das ist ein Arzneistoff, der normalerweise zur Behandlung von Asthmabeschwerden eingesetzt wird. „Beim Brustkrebs reduziert dieses Medikament nachweislich die Fähigkeit der Tumorzellen, sich weiter zu verbreiten und Metastasen zu bilden“, ergänzt Minchiotti. Die Tests lieferten einen gute Grundlage zur Weiterentwicklung von Strategien des sogenannten „drug-repositioning“, insbesondere in solchen Fällen, bei denen die Stoffwechselvorgänge des Kollagen eine entscheidende Rolle spielen. Details wurden in „Cancer Research“ publiziert.

Skorpiongift macht Tumor-OPs noch besser

Forscher modifizieren „BLZ-100“ – Chirurgen erkennen Krebszellen, weil sie fluoreszieren

Angeles/Seattle (pte004/13.05.2019/06:15) – Neurochirurgen, die Tumore im Gehirn entfernen, haben künftig bessere Chancen, Krebszellen von gesundem Gewebe zu unterscheiden. Das ermöglicht eine neue Bildgebungsmethode von Forschern des Cedars-Sinai Medical Center. Partner war Blaze Bioscience, ein Spezialist für Markierungsstoffe. Dazu gehört „BLZ-100“, das die Fachleute modifiziert haben. Sie fügten eine synthetische Aminosäure hinzu, die in der Natur im Gift von Skorpionen zu finden ist.

Nahinfrarotes Licht fluoresziert

Der neue Tumormarker bindet noch zuverlässiger an Tumorzellen und sendet vor allem eindeutige optische Signale, wenn er mit nahinfrarotem Licht bestrahlt wird. Die dazu nötige Kamera haben Cedars-Sinai-Spezialisten entwickelt. Das Bild, das diese aufnimmt, wird in das OP-Mikroskop eingespielt.

Die Praxis: Der Chirurg arbeitet am offenen Gehirn. Der OP-Bereich wird mit nahinfrarotem Licht bestrahlt, das den Tumormarker fluoreszieren lässt. Jetzt kann der Operateur die Grenze zwischen Tumor und gesundem Gewebe genau erkennen, sodass er nicht mehr gezwungen ist, aus Sicherheitsgründen auch nicht erkrankte Zellen zu entfernen. Umgekehrt bleiben Tumore, die ein wenig abseits liegen, nicht mehr unentdeckt.

Tumorzellen leuchten hell auf

„Mit dieser Fluoreszenz sieht man den Tumor sehr viel deutlicher, weil er leuchtet wie ein Weihnachtsbaum“, sagt Neurochirurg Adam Mamelak. Das ist vor allem bei Gliomen wichtig, das ist eine Gruppe von Krebsarten, die vor allem Gehirn und Rückenmark befallen. Sie sind besonders gefährlich, weil sie sich zu tarnen wissen, sodass sie ohne Hilfsmittel von gesunden Zellen schwer zu unterscheiden sind. Da sie mit einer Chemotherapie nicht abzutöten sind, ist die komplette chirurgische Entfernung bisher die einzige Therapie.

Bei klinischen Tests erhielten 17 Patienten mit Gehirntumoren das modifizierte BLZ-100. Der Anteil an Skorpiongift variierte. Trotzdem trat der Fluoreszenzeffekt in allen Fällen auf. Nach der OP wurden die Patienten 30 Tage lang intensiv beobachtet. Bei keinem stellten die Ärzte Nebenwirkungen fest. Trotzdem sind weitere klinische Tests vorgesehen, ehe der Antrag auf Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA http://www.fda.gov beantragt wird.

Nahrung löst Immunantwort im Darm aus ! Mit einer Bemerkung von Jean Pütz

Unsere Redaktion war übrigens seinerzeit diejenige, die als erste mit dem Vorurteil aufräumte, AIDS befalle nur schwule Männer. Es war eine ARD-Sendung, die seinerzeit  im Rückblick mit dafür sorgte, dass diese schreckliche Krankheit in Deutschland relativ wenige Opfer forderte. Ein Beweis, dass verständliche Aufklärung insbesondere über Fernsehen und Rundfunk enorme Wirkung verursachen kann. Ich persönlich habe durch diese Recherchen endlich einmal auch Informationen zu Funktionsmechanismus des Immunsystem recherchieren können, denn die T4-Helferzelle steht im Mittelpunkt der weltweit besten Apotheke, die wir in uns tragen.
Was mich seinerzeit besonders faszinierte war die Tatsache, dass an der Immunantwort gegen alle möglichen Erreger insbesondere der Darm – genauer gesagt – der Dünndarm verantwortlich ist. Das sind die im Artikel genannten Peyerschen Plaques, die die Immunantwort triggern – nachzulesen in meinem Hobbytehkbuch ‚Darm & Po‘. Damals vermutete ich – wohlgemerkt vorwissenschaftlich –  dass die Darmflora ganz entscheidend für unsere Gesundheit mitwirkt.
Das war der Grund, weshalb ich bei einer dänischen Firma ein probiotisches Joghurt-Bakterien-Gemisch zusammenstellen lies. 30 Jahre später bestätigt mich die Forschung aber auch meine Fitness im hohen Alter. Ob das auch daran liegt, dass ich mit 82 Jahren noch keinen Zentimeter kleiner geworden bin, kann ich nicht belegen, aber auch das ist eine vorwissenschaftliche Vermutung von mir. Auch heute noch gehört jeden Tag eine gehörige Portion selbstgemachten Joghurts (mindestens 350 ml) mit Früchten, Nüssen und Getreidekörner, zum sonst spärlichen Frühstück. Es lebe die Wissenschaft.
Jean Pütz

Nahrung löst Immunantwort im Darm aus

Marburger Forscher revidieren Lehrbuchwissen – Nachweis über programmierten Zelltod erbracht

Marburg/Berlin/Mainz/Aachen (pte020/13.05.2019/10:30) – Nahrung löst im menschlichen Darm eine Immunantwort aus. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Forscher der Universität Marburg . Sie stellen damit ein in der Wissenschaft bislang festgeschriebenes Gesetz auf den Kopf. Laut dem Team um den Immunologen Ulrich Steinhoff löst die Nahrung im Dünndarm eine Immunantwort aus, die dadurch in Schach gehalten wird, dass die beteiligten Immunzellen absterben.

Peyer-Plaques als Schlüssel

„Bisher galt es als medizinisches Lehrbuchwissen, dass die Proteine in der Nahrung keine Immunreaktionen hervorrufen dürfen, sonst herrsche Chaos“, meint Steinhoff. Zusammen mit Kollegen aus Marburg, Berlin, Mainz, Aachen und Göteborg verfolgten die Experten das Schicksal von T-Zellen in den Peyer-Plaques. Das sind lymphknotenartige Strukturen im Dünndarm, die Ansammlungen von Immunzellen enthalten. „Die Peyer-Plaques sind diejenigen Orte im Verdauungstrakt, an denen Immunantworten initiiert werden“, so der Marburger Erstautor Alexander Visekruna.

T-Zellen gehören zu den wichtigsten Akteuren der Abwehr; bei ihnen handelt es sich um weiße Blutzellen, die körperfremde Proteine erkennen. Sie produzieren die T-Zellen in den Peyer-Plaques Moleküle. Nach einer gewissen Zeit unterlaufen die Zellen ein Programm, das dazu führt, dass sie absterben – die Fachleute sprechen von programmiertem Zelltod oder Apoptose. „Im Darm stellt sich ein Fließgleichgewicht wie bei einem Dorfbrunnen ein, es werden dauernd neue Immunzellen durch die Nahrung aktiviert und genauso viele durchlaufen den programmierten Zelltod und sterben ab“, sagt Steinhoff.

Gute Darmflora heißt auch Tod

Der Immunblocker PD-1 ist dafür verantwortlich, die T-Zellen zur Apoptose zu veranlassen. Hemmt man die Aktivität von PD-1, so führt dies zu Darmentzündungen, weil die Immunzellen nicht absterben. „Das erklärt auch, warum Darmentzündungen häufig bei Patienten mit Melanomen auftreten, bei denen PD-1 durch Antikörper ausgeschaltet wird“, unterstreicht Immunologe Steinhoff. Um zu testen, welche Bedeutung der Immunreaktion des Darms zukommt, wurden Tests mit der Nahrung von Mäusen durchgeführt. Erhalten die Tiere eine Protein-freie Diät, die alle wichtigen Nährstoffe enthält, so verkümmert der Dünndarm – offenbar braucht der Organismus Proteine, die das Immunsystem erkennen kann.

Im Einklang mit diesen wissenschaftlichen Befunden zeigte sich bei Patienten mit der chronischen Darmentzündung Morbus Crohn, dass sie in den Peyer-Plaques eine stark verringerte Anzahl von Immunzellen aufweisen, die Apoptose erleiden. „Unsere Ergebnisse legen nahe, dass der programmierte Zelltod von nahrungsaktivierten Immunzellen das Markenzeichen eines gesunden Darms ist“, fasst Steinhoff zusammen.

Gesündere Kinder: Was Muttermilch alles kann

(BZfE) – Stillen bietet einem Baby in den meisten Fällen genau das, was
es braucht: eine passende Ernährung, körperliche Nähe und die besten
Bedingungen für seine Entwicklung.

Eine Menge an Vorteilen für die Gesundheit von Mutter und Kind sind durch
zahlreiche Studien belegt. Besonders viele gute Effekte gibt es für die
Gesundheit des Kindes. Darauf weist das Netzwerk Gesund ins Leben hin. Vor
allem, wenn Kinder ausschließlich gestillt werden, lassen sich die
Zusammenhänge sehr gut belegen. Aber selbst, wenn Säuglinge kürzer oder
nur teilweise gestillt werden können: Jedes Stillen, auch, wenn bereits
andere Nahrung zugefüttert wird, ist wertvoll für die Kindergesundheit.
Optimal ist, bis zur Einführung der Beikost (spätestens Anfang 7. Monat)
ausschließlich und danach weiter zu stillen.

Das Risiko des plötzlichen Kindstodes, wird durch Stillen etwa halbiert.
Durchfallerkrankungen, Mittelohrentzündungen und Atemwegsinfekte treten
deutlich seltener auf. Nicht zu vergessen, dass sich viele positive Effekte
erst im späteren Kindes- oder Erwachsenenalter zeigen. Die Kinder und
Jugendlichen sind deutlich seltener übergewichtig als nicht gestillte
Säuglinge oder leiden seltener an Diabetes Typ 2.

Übrigens gilt all das nicht nur für gesunde reif geborene Säuglinge.
Auch Frühgeborene oder kranke Säuglinge profitieren bis auf wenige
Ausnahmen von der Ernährung mit Muttermilch. Also: Stillen Sie auch die
ganz besonders Kleinen oder füttern Sie sie mit abgepumpter Muttermilch.

Und dann wäre da noch ein anderer wichtiger Aspekt: wenn das Stillen
unproblematisch ist, kann das – zusammen mit anderen Bindungsfaktoren –
die Mutter-Kind-Beziehung positiv beeinflussen. Die Beziehung wird
gestärkt, viele der Kinder genießen die Nähe. Und viele Mütter machen
die schöne Erfahrung, dass sie etwas tun, was ihrem Kind so richtig gut
tut.

Damit in Deutschland mehr Kinder vom Stillen profitieren gibt es das
Forschungsvorhaben Becoming Breastfeeding Friendly. Wie stillfreundlich ist
Deutschland? Und wie können wir das Stillen gesamtgesellschaftlich
fördern? Dazu hat eine Expertenkommission systematisch Daten aus allen
wichtigen Handlungsfeldern zum Stillen in Deutschland recherchiert,
bewertet und daraus konkrete Empfehlungen abgeleitet. Diese werden am 5.
Juni in Berlin vorgestellt.

Britta Klein