Archiv der Kategorie: Klassische Medizin

Verlässliche Krebs-Informationen im Netz

So finden Sie verlässliche Krebs-Informationen im Netz

(ONKO-Internetportal) Das Internet bietet vielfältige Informationen zu verschiedensten Gesundheitsfragen. Doch wie verlässlich und medizinisch richtig sind solche Informationen überhaupt? Bei Fragen rund um Krebserkrankungen ist es zudem essenziell, zwischen Fakten und falschen Hoffnungen zu unterscheiden. In seinem aktuellen Monatsthema gibt das ONKO-Internetportal hilfreiche Tipps für die Recherche im Netz. 

Gesundheitsportale und medizinische Infoseiten boomen im Internet und erfreuen sich bei Patientinnen, Patienten und deren Angehörigen wachsender Beliebtheit. Was vielen dabei jedoch entgeht: Die wenigsten dieser Portale unterliegen einer systematischen Qualitätssicherung.
Prinzipiell kann jeder Mensch eine Gesundheitsseite ins Leben rufen.
Ob es sich bei einem Internet-Angebot allerdings um seriöse, qualitätsgeprüfte Information handelt oder ob es darum geht, eine Außenseitermeinung oder die Erfahrungen von Einzelpersonen wiederzugeben, lässt sich anhand einiger formalen Qualitätskriterien erkennen.
Es informiert das ONKO-Internetportal über die zehn goldenen Regeln, die seriöse Medizinseiten erkennen lassen. Zudem gibt es in Deutschland zwei weit verbreitete Gütesiegel, die auf der Suche nach vertrauensvollen Gesundheitsinformationen eine erste Orientierung geben: HONcode und afgis. Allerdings bezeugen weder das afgis- noch das HONcode-Siegel die Prüfung der medizinischen Inhalte auf Aktualität und Richtigkeit. Sie verpflichten lediglich zur Wahrung formal festgelegter Qualitätsmerkmale für Medizinseiten – und veranschaulichen die Bemühungen der Webseitenbetreiber, transparente Medizininformationen öffentlich zu machen.

Volkskrankheit Schilddrüsenknoten

(Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V.) – Etwa jeder Dritte in Deutschland hat Schilddrüsenknoten – oft unerkannt. Häufige Ursache ist der jahrzehntelange und noch immer bestehende Jodmangel in der Bevölkerung. Nicht alle Knoten in der Schilddrüse sind behandlungsbedürftig. Wenn sie aber Beschwerden hervorrufen oder der Verdacht auf eine Bösartigkeit besteht, muss eine Therapie erfolgen. Inzwischen können Patienten auf ein breites Behandlungsspektrum zurückgreifen. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) gibt eine Übersicht über die derzeitigen Therapiemöglichkeiten und rät Betroffenen, sich von ihrem behandelnden Arzt über alle Alternativen beraten zu lassen.

„In Deutschland haben immer mehr Menschen Schilddrüsenknoten – wir gehen von rund 20 Millionen Betroffenen aus“, berichtet Professor Dr. med. Detlef Moka, 1. Vorsitzender des BDN und niedergelassener Nuklearmediziner aus Essen. Ursache ist vor allem der Jodmangel. „Zwar gab es in den vergangenen Jahren Maßnahmen, das Spurenelement über die Ernährung, beispielsweise in Form von Jodsalz, zu supplementieren. Doch über die vergangenen Jahrzehnte entstand ein systematischer Mangel, deren Nachwehen wir heute noch in der Schilddrüse älterer Patienten erkennen können.“ Eine regelmäßige Jod-Supplementierung in der Ernährung sei unbedingt sinnvoll, so Moka.

Die gute Nachricht: Schilddrüsenknoten sind zwar eine weit verbreitete, aber meist sehr erfolgreich und schonend behandelbare Erkrankung. So haben länger bestehende Therapien zur Behandlung von Schilddrüsenknoten weitere Fortschritte gemacht. Aber auch auf neuere bewährte Methoden können Patienten inzwischen zurückgreifen.

Bei kleinen Knoten helfen Medikamente
In vielen Fällen – gerade bei nur geringer Vergrößerung der Schilddrüse – reicht eine medikamentöse Behandlung aus. „Ergebnisse aus jüngerer Zeit zeigen, dass dabei meist die Kombinationen aus Jod und Schilddrüsenhormonen die besten Erfolge erzielen können“, erklärt BDN-Experte Professor Dr. med. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Bei manchen Patienten ist die Wirksamkeit aus genetischen Gründen allerdings nicht ausreichend gegeben. „Dann ist eine Kombination verschiedener Schilddrüsenhormon-Präparate erforderlich“, so Grünwald.

Operation bei Verdacht auf Bösartigkeit
Operiert werden sollte immer dann, wenn die Ärzte eine Bösartigkeit nicht ausschließen können. „Das kann bei kalten Knoten der Fall sein, die sich im Szintigramm erkennen lassen“, erklärt Grünwald. „Eine Biopsie – also Gewebeentnahme – aus der Schilddrüse hilft, um über eine Operation zu entscheiden.“ Die Risiken der Schilddrüsenoperation sind heutzutage gering. Wichtig sei es, dass der Operateur die Stimmbandnerven während der Operation überwacht, so Grünwald. Inzwischen sind minimalinvasive Verfahren der Standard und verursachen nur kleine Narben. „Immer häufiger verwenden Ärzte auch alternative Zugangswege über Achsel, Brust oder Mund, sodass keinerlei Narbenbildung mehr entsteht“, erläutert der Frankfurter Schilddrüsenspezialist.

Radiojodtherapie: bewährt, erfolgreich, geringe Nebenwirkungen
Die Radiojodbehandlung, seit vielen Jahrzehnten sehr erfolgreich zur Behandlung der Überfunktion im Einsatz, kommt zunehmend auch bei knotiger Schilddrüsenvergrößerung zur Anwendung. „Daten aus großen deutschen Kliniken zeigen, dass selbst bei einer zehnfach vergrößerten Schilddrüse noch ein guter Behandlungserfolg erzielt werden kann“, führt Grünwald aus. Wichtiger Vorteil der Radiojodtherapie: Sie bringt im Vergleich zu allen anderen Verfahren sehr wenige Nebenwirkungen mit sich. Heiße Knoten – also gutartige Veränderungen – lassen sich so gezielt behandeln, ohne die übrige Schilddrüse zu beeinflussen.

Neue, schonende Behandlung mit Hitzeverfahren
Seit etwa sechs Jahren gibt es in Deutschland zudem thermoablative Verfahren in der Schilddrüsenmedizin. „Die jetzt vor allem von nuklearmedizinischen Arbeitsgruppen veröffentlichten Daten zeigen, dass mit diesen lokalen Hitzebehandlungen nachhaltige Wirkungen erzielt werden können“, erklärt Grünwald. Je nach Lage oder Größe der Schilddrüsenknoten setzen Ärzte unterschiedliche Methoden ein. Bei der Ultraschalltherapie/Echotherapie (HIFU) etwa können Knoten bis Kastaniengröße mit gebündelten Ultraschallwellen durch die Haut hindurch wie durch ein Brennglas „weggebrannt“ werden.

Am häufigsten angewendet wird die Radiofrequenzablation (RFA) – sie kann Knoten bis Mandarinengröße entfernen. Bei der RFA platzieren die Ärzte unter örtlicher Betäubung eine Sonde in den Knoten, deren Spitze hochfrequenten Wechselstrom freisetzt, der das erkrankte Gewebe gezielt erhitzt und schädigt; eine Kontrolle erfolgt parallel per Ultraschall.

Bei besonders großen Knoten ab einem Volumen von 100 Millilitern hilft die Mikrowellenablation: Hier führt der Arzt über einen kleinen Schnitt und unter örtlicher Betäubung eine Nadel in den Knoten ein, die dort Mikrowellen erzeugt, vergleichbar mit der Haushaltsmikrowelle. Die Wärme schmilzt die Knoten weg. „Mit den Methoden der Thermoablation können Knoten um etwa 50 bis 70 Prozent verkleinert werden“, resümiert Gründwald. Die lokal ablativen Verfahren kommen ohne Narkose aus.

Beratung in interdisziplinären Zentren einholen
Der BDN rät Schilddrüsen-Patienten, sich eingehend über alle zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten zu informieren. „Bestenfalls wenden sich Betroffene an interdisziplinäre Einrichtungen, in denen Nuklearmediziner und Chirurgen zusammenarbeiten“, rät Moka. „Dies ist entscheidend, um allen Patienten die optimale Therapie anbieten zu können“. Zudem führe eine Behandlung in spezialisierten Zentren, die eine entsprechend hohe Zahl an Eingriffen durchführen, nachweisbar zu besseren Ergebnissen.

Impfung gegen Streptokokken möglich?

(pte030/28.05.2019/13:30) – Die Chancen, schwere Erkrankungen durch eine Impfung gegen A-Streptokokken zu verhindern, sind deutlich gestiegen. Ein internationales Forscherteam hat die Erbinformationen von 2.000 A-Streptokokken aus mehr als 20 Ländern in allen Erdteilen sequenziert. Dabei fanden sie gleichartige Gene in den meisten Proben. Diese gelten jetzt als Kandidaten für ein Impfserum. Bisher gefundene Kandidaten haben einen Nachteil: Sie basieren auf Streptokokken aus hochentwickelten Ländern. Da sich diese Bakterien herkunftsbedingt stark unterscheiden, ist die Chance, einen für alle wirksamen Impfschutz zu entwickeln, auf der bisherigen Basis unmöglich.

Global wirkendes Serum als Ziel

„Wir identifizierten mehr als 290 unterschiedliche Linien von Streptokokken, die klinisch relevant sind“, sagt Studienkoordinator Mark Davies. Die Ergebnisse der Forscher seien „ein enormer Schritt auf dem Weg zu einem global wirkenden Impfserum gegen Streptokokken“. Bisher war kaum etwas bekannt über die genetischen Anlagen von Streptokokken aus Entwicklungs- und Schwellenländern. Das hat sich mit der jetzigen Studie geändert. Daran waren auch Forscher der University of Queensland beteiligt.

A-Streptokokken sind die Ursache für jeden zehnten bakteriell bedingten Todesfall weltweit. In den ärmeren Ländern sind es jährlich 500.000 Tote. Zu den harmloseren Erkrankungen, die diese Bakterien auslösen, gehören Rachen- Mittelohr- und Mandelentzündungen. Sie sind auch Auslöser von Scharlach und können den Herzmuskel angreifen. Gordon Dougan, der sowohl am Wellcome Sanger Institute als auch an der University of Cambridge http://cam.ac.uk forscht, ist sicher, dass die Daten über die Gene der unterschiedlichen Streptokokken eine ausgezeichnete Basis sind für die Entwicklung eines allgemein wirkenden Impfserums.

Durchfallerreger Campylobacter kaum bekannt

(BZfE) – Noch nicht einmal jeder Dritte kennt den Küchenkeim
Campylobacter, obwohl er der häufigste bakterielle Erreger von
Durchfallerkrankungen ist. Salmonellen sind dagegen über 90 Prozent der
Deutschen ein Begriff, hat eine Bevölkerungsumfrage gezeigt. Am
Verbrauchermonitor des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) nehmen
halbjährlich etwa 1.000 Menschen ab 14 Jahren teil.

Rund 77 Prozent der Befragten halten die zum Kauf angebotenen Lebensmittel
für sicher. Bei der Frage, welche Themen persönlich als die größten
gesundheitlichen Risiken betrachtet werden, liegt eine „ungesunde oder
falsche“ Ernährung (16 %) nur knapp hinter dem Rauchen (19 %) auf Platz
2. Besonders beunruhigend finden die Befragten Themen wie
Antibiotikaresistenzen (37 %), Mikroplastik in Lebensmitteln (36 %) und
Glyphosat in Lebensmittel (29 %). Lebensmittelhygiene in der Gastronomie
(19 %) findet sich in der „Beunruhigungsskala“ weit vor der
Lebensmittelhygiene zu Hause (9 %).

Menschen unterschätzen Risiken durch Krankheitserreger in der Küche.
Häufig ist Campylobacter der Übeltäter, wenn eine bakterielle
Lebensmittelinfektion festgestellt wird. Jedes Jahr werden bundesweit etwa
70.000 Fälle gemeldet. Betroffene leiden unter einer Darmentzündung mit
starkem Krankheitsgefühl, Bauchschmerzen, Fieber und mitunter blutigen
Durchfällen.

Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Infektionsrisiko deutlich senken.
So sollten Geflügelfleisch und Rohmilch nur ausreichend durchgegart
verzehrt werden. Rohes Fleisch und rohe Eier werden getrennt von
verzehrfertigen Speisen wie Salaten zubereitet. Achten Sie auf Hygiene:
Alle Küchengeräte, die mit rohem Geflügel in Kontakt kommen, gründlich
mit heißem Wasser und Spülmittel oder in der Spülmaschine bei mindestens
60 Grad reinigen. Auch die Hände müssen gründlich gewaschen werden.

Das Bundeszentrum für Ernährung hält eine Reihe von Informationen zu
Hygienemaßnahmen in der Küche bereit.

Gegen resistente Keime – Antibiotika in Sicht?

(pte001/29.05.2019/06:00) – Wissenschaftler der University of Sheffield und des Rutherford Appleton Laboratory haben einen neuen Wirkstoff entwickelt, der gegen Antibiotika resistente Supererreger sichtbar macht und sie abtötet. Derzeit wird der von der Doktorandin Kirsty Smitten entwickelte Wirkstoff an antibiotikaresistenten gramnegativen Bakterien wie E. coli getestet.

Bis 2050 über zehn Mio.Tote
Gramnegative Bakterienstämme können Infektionen wie Lungenentzündung, Harnwegsinfektionen und Infektionen der Blutbahn verursachen. Sie sind nur schwer zu behandeln, da die Zellwände der Bakterien verhindern, dass die Medikamente in die Mikrobe gelangen. Antibiotikaresistenzen sind in der EU jährlich bereits für 25.000 Todesfälle verantwortlich. Laut Schätzungen könnten bis 2050 mehr als zehn Mio. Menschen an den Folgen antibiotikaresistenter Infektionen sterben. In den vergangenen 50 Jahren gab es keine neue Behandlungsmöglichkeit gegen gramnegative Bakterien. Seit 2010 wurde kein Medikament in klinischen Studien getestet.

Das neue Medikament verfügt laut Forschungsleiter Jim Thomas über eine ganze Reihe von interessanten Möglichkeiten. Der Wirkstoff ist lumineszierend. Er leuchtet, wenn er mit Licht in Kontakt kommt. Das bedeutet, dass sich die Aufnahme und die Auswirkungen auf Bakterien mittels mikroskopischer Verfahren beobachten lassen. „Dieser Durchbruch könnte zu entscheidenden neuen Behandlungsmöglichkeiten führen“, so Thomas.

Verschiedene Wirkungsweisen
Die Untersuchungen zeigen, dass der Wirkstoff verschiedene Wirkungsweisen zu haben scheint. Damit wird das Entstehen einer Resistenz bei den Bakterien erschwert. In einem nächsten Schritt sind Tests gegen andere multiresistente Bakterien geplant. Die in „ACS Nano“ veröffentlichten Ergebnisse beschreiben, dass der neue Wirkstoff auch gegen einen multiresistenten Erreger wirksam ist, der jedes Jahr weltweit für Millionenen von antibiotikaresisteten Infektionen verantwortlich gemacht wird.

Neue Forschungsergebnisse zum Schmerz – Genetik macht’s möglich

(bro) Afrikanische Mulle sind gegen viele Schmerzen unempfindlich. Wie ein internationales Team um den MDC-Forscher Gary Lewin in „Science“ berichtet, eröffnen sich ihnen dadurch sogar neue Lebensräume. So lebt der Highveld-Mull dank eines mutierten Gens mit Ameisen zusammen, die von anderen Mullen gemieden werden.

Vor gut zehn Jahren wurden die Nacktmulle des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) quasi über Nacht berühmt. Zu verdanken hatten sie das Gary Lewin (Berlin) und Thomas Park (Chicago), die gemeinsam die seltsame Sinneswelt der Nacktmulle untersuchen. Lewin, Park und ihre Teams konnten zeigen, dass die aus Afrika stammenden Nager gegen Schmerzen erstaunlich resistent sind: Wie sie 2008 im Fachblatt „PLOS Biology“ berichteten, konnten weder Säure noch Capsaicin – die Substanz, die Chilischoten scharf macht – den unterirdisch lebenden Tieren etwas anhaben. Die Experimente stießen weltweit auf großes Interesse.

Für seine neueste in „Science“ veröffentlichte Studie haben sie sich mit Kolleginnen und Kollegen aus Südafrika und Tansania zusammengetan, um die ungewöhnliche Schmerzresistenz der afrikanischen Nager weiter zu ergründen. „Die Erkenntnisse, die wir an den Tieren gewinnen, sollen unter anderem bei der Entwicklung neuer Schmerzmedikamente helfen“, erklärt der Leiter der MDC-Arbeitsgruppe „Molekulare Physiologie der somatosensorischen Wahrnehmung“.

In enger Zusammenarbeit mit einem weltweit führenden Experten für Mulle, Nigel Bennett von der Universität Pretoria in Südafrika, haben Lewin, Park und ihre Kolleginnen und Kollegen daher untersucht, wie der Nacktmull und acht weitere, mit ihm verwandte Arten auf drei Substanzen reagieren, die bei Menschen und anderen Säugetieren auf der Haut gewöhnlich für kurze Zeit einen brennenden Schmerz auslösen: verdünnte Salzsäure, Capsaicin und Allylisothiocyanat, kurz AITC. AITC verleiht dem vom Sushi-Essen bekannten Wasabi seine extreme Schärfe. Solchen und ähnlichen Substanzen sind die Mulle auch in der Natur ausgesetzt.

Nur der Highveld-Mull ist von der Wasabi-Schärfe unbeeindruckt

Wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die beiden Erstautoren der Studie, Ole Eigenbrod und Karlien Debus, in „Science“ schreiben, waren insgesamt drei Mullarten unempfindlich gegen Säure. Sie sind evolutionär nicht sehr eng miteinander verwandt. Zwei Spezies zeigten keinerlei Reaktion, wenn sie eine Lösung mit Capsaicin in die Pfote injiziert bekamen. „Die anderen hoben ihre Pfote kurz an oder leckten sie ab – was uns zeigte, dass die Tiere einen kurzzeitigen Schmerzreiz empfanden“, erläutert Lewin.

Nur eine einzige Mullart erwies sich als resistent gegen AITC. Und dabei handelte es sich nicht um den Nacktmull, sondern um den ebenfalls in unterirdischen Gängen lebenden Highveld-Mull – benannt nach der gleichnamigen Region im östlichen Südafrika, in der die Tiere ausschließlich vorkommen. „Diese Beobachtung war für uns äußerst spannend“, sagt Lewin. „Denn AITC kann im Körper Aminosäuren und somit auch ganze Proteine zerstören. Deswegen vermeiden es alle anderen Tierarten, die wir kennen, mit der Substanz in Kontakt zu kommen.“ Lediglich der Highveld-Mull zeigte sich von AITC in den Experimenten völlig unbeeindruckt.

Der Grund für die Schmerzresistenz sind veränderte Ionenkanäle

Um den molekularen Gründen für die ungewöhnliche Schmerzresistenz der Mulle auf die Spur zu kommen, isolierten die Forscherinnen und Forscher von allen neun untersuchten Arten sensorisches Gewebe aus dem Rückenmark sowie Spinalganglien. Dabei handelt es sich um Ansammlungen von Nervenzellkörpern, die Schmerzsignale an das Rückenmark weiterleiten. „Mithilfe moderner Sequenziertechniken haben wir dann in den Geweben die Aktivität von rund 7000 Genen miteinander verglichen“, berichtet Lewin.

Zunächst konnte das Team feststellen, dass bei den schmerzunempfindlichen Tieren insbesondere die Aktivität von zwei Genen verändert war, die den Bauplan für die Ionenkanäle TRPA1 und NaV1.7 enthalten. Von beiden Kanälen ist bekannt, dass sie an der Schmerzwahrnehmung beteiligt sind.

„AITC und viele andere ätzende Substanzen, die in Wurzeln, einem der Hauptnahrungsmittel von Mullen, vorkommen, aktivieren TRPA1“, sagt Lewin. Deshalb sei bei vielen Arten im Laufe der Evolution das Gen für diesen Kanal offenbar herunterreguliert worden. „Gänzlich stummgeschaltet ist der Wasabi-Kanal aber nur bei den Highveld-Mullen“, sagt der Forscher. Wie er und sein Team herausfanden, liegt das an einem besonders aktiven Gen für einen weiteren Kanal, den stets offen stehenden sogenannten Leckkanal NALCN. Auf diese veränderte Genexpression stieß die Forschungsgruppe ausschließlich bei den Highveld-Mullen.

Die Schmerzresistenz der Mulle ließ sich in Experimenten ausschalten

Besonders überrascht war Lewin jedoch von den Ergebnissen eines weiteren Experiments: „Wenn wir den NALCN-Kanal mit einem Wirkstoff blockierten, wurden die Highveld-Mulle auf einmal wieder empfindlich für AITC“, berichtet der Wissenschaftler. Und nur einen Tag nach der Gabe des Kanal-Antagonisten hätten sich die Tiere von AITC erneut unbeeindruckt gezeigt. „Offenbar hatten wir unter den Tausenden von untersuchten Genen das entscheidende für die besondere Schmerzresistenz der Highveld-Mulle gefunden“, sagt Lewin – was er persönlich für einen riesengroßen Glücksfall halte.

Daniel Hart, ein Doktorand, der mit Nigel Bennett zusammenarbeitet, fand zudem heraus, dass die Highveld-Mulle in ihren Höhlen oft mit Ameisen der Art Myrmicaria natalensis, auch Natal-Droptail-Ameisen genannt, zusammenleben. „Diese Insekten sind für ihre Aggressivität und ihr sehr ätzendes Gift bekannt“, sagt Lewin. Tatsächlich reagierten alle untersuchten Mullarten auf einen Cocktail des Ameisengiftes in ihrer Pfote mit einer kurzen Schmerzreaktion – nur nicht der Highveld-Mull. Blockierten die Forscherinnen und Forscher bei ihm jedoch den NALCN-Kanal, wurde auch er empfindlich für das Gift.

Das neue Wissen dient womöglich auch der Arzneimittelforschung

„Mithilfe eines besonders aktiven Gens für einen Ionenkanal konnte sich der Highveld-Mull im Laufe der Evolution ganz offensichtlich einen Lebensraum erobern, der von anderen Mullen gemieden wird“, schlussfolgert Lewin. Für ihn sei es ein besonders schönes Beispiel dafür, wie die Umwelt die langfristige Entwicklung von Tieren beeinflusse. Nutzen lassen könne sich das jetzt erworbene Wissen womöglich aber auch zur Entwicklung sehr wirksamer Analgetika, sagt der MDC-Forscher: „Das Hochexprimieren des NALCN-Kanals ist anscheinend ein sehr effektives Mittel, um Schmerzen zu stillen.“

Besuche beim Augenarzt können Erblindung verhindern

(Stiftung Auge) – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Viele altersbedingte Augenerkrankungen können gut behandelt werden. Meist machen sie sich aber erst in einem späten Stadium bemerkbar, wenn ein Großteil der Sehkraft bereits unwiederbringlich verloren ist. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen.

In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung Auge fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden muss. Im Rahmen einer Pressekonferenz am 29. Mai in Berlin erläutern Experten diese und weitere Forderungen zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen.

Verbreitet ist vor allem der Graue Star (Katarakt) – eine starke Trübung der Augenlinse, bei der die Betroffenen wie durch einen Nebelschleier sehen. Um das Sehvermögen wiederherzustellen, kann der Augenarzt eine Kunstlinse ins Auge einsetzen. Über 800.000 Augen werden jedes Jahr mit diesem ambulanten Eingriff behandelt. Schwerwiegendere Volkskrankheiten sind das Glaukom (Grüner Star) – eine Erkrankung des Sehnervs, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), bei der die Zellen der Netzhaut absterben oder die diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge.

Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern, betont der Experte. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt.“ Wenn beim Glaukom Symptome auftreten, ist der Sehnerv meist schon irreparabel geschädigt; rechtzeitig erkannt lässt sich die Krankheit meist mit Tropfen behandeln. Die AMD behandeln Ärzte je nach Fall mit Spritzen in den Glaskörper oder Lasertherapie.

Seniorinnen und Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz.

Gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime ist der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde, was die Studie OVIS belegte. Der letzte Besuch beim Augenarzt lag hier durchschnittlich vier Jahre zurück, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hatten einen Grauen Star. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Professor Dr. med. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.
Sabrina Hartmann

Erblindung vermeiden: Stiftung Auge fordert sichere Begleitung für Bewohner von Seniorenheimen

(Stiftung Auge) – Aktuellen Hochrechnungen zufolge wird die Zahl der augenärztlichen Behandlungsfälle bei den über 60-Jährigen bis zum Jahr 2030 um mehr als ein Drittel steigen. Die Stiftung Auge empfiehlt deshalb, sich ab dem 50. Lebensjahr einmal jährlich augenärztlich untersuchen zu lassen. Solch regelmäßige Augenarztbesuche bereiten jedoch insbesondere hochbetagten Heimbewohnern große Probleme.

In der Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) gaben der Stiftung Auge zufolge rund 50 Prozent der Bewohner den Transport als größte Hürde an, einen Augenarzt aufzusuchen. Die Stiftung fordert deshalb, dass der Transport und die personelle Begleitung zum Augenarzt sichergestellt werden müssen. Diese Forderung ist Teil des aktuellen Maßnahmenkataloges zur Verbesserung der augenärztlichen Versorgung in Seniorenheimen, den die Stiftung Auge heute in Berlin der Öffentlichkeit vorstellen wird.

Verbreitete Augenerkrankungen im Alter sind vor allem die Katarakt, das Glaukom, die altersbedingte Makuladegeneration (AMD) oder die Diabetische Retinopathie als Folge der Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. „Das Fatale bei all diesen Erkrankungen ist, dass sie in der Regel unbemerkt beginnen und erst in einem sehr fortgeschrittenen Stadium spürbare Symptome verursachen“, sagt Dr. Peter Heinz, Vorstandsmitglied der Stiftung Auge. Dabei könne die moderne Augenheilkunde diese Erkrankungen fast immer aufhalten oder den Verlauf zumindest verzögern. „Voraussetzung ist aber eine frühzeitige Diagnose, bevor der Patient überhaupt eine Sehverschlechterung wahrnimmt“, betont Heinz.

Senioren können mit ihrem Lebensstil – gesunde Ernährung, wenig Alkohol, keine Zigaretten – selbst etwas zu ihrer Augengesundheit beitragen. Vor allem aber sollten sie regelmäßig zum Augenarzt gehen. „Wir empfehlen allen Menschen ab dem 50. Lebensjahr einmal im Jahr zur Kontrolle die Praxis eines Augenarztes aufzusuchen, denn dort stehen die erforderlichen Untersuchungsgeräte zur Verfügung“, so Heinz. Aber gerade für Bewohner der Senioren- und Pflegeheime, so habe die OVIS-Studie gezeigt, sei der Zugang zur augenärztlichen Versorgung eine Hürde. Der letzte Besuch beim Augenarzt habe hier durchschnittlich vier Jahre zurückgelegen, rund die Hälfte der untersuchten Heimbewohner hätten einen Grauen Star gehabt.

Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung Auge einen Maßnahmenkatalog zur Verbesserung dieser Versorgungssituation erarbeitet. Darin fordert die Stiftung unter anderem, dass der Transport der Bewohner zum Augenarzt gewährleistet sein muss. „Dazu gehört aus unserer Sicht auch die personelle Begleitung der Pflegebedürftigen, deren Finanzierung über die Krankenversicherung sichergestellt werden muss“, erläutert Prof. Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge und Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn.
Sabrina Hartmann

Schlechtes Sehen im Alter bedroht Hirnfunktionen

(Stiftung Auge) – Eine im Journal of the American Medical Association (JAMA) veröffentlichte Studie belegt einen deutlichen Zusammenhang zwischen nachlassender Sehkraft und abnehmender Hirnfunktion im Alter. Die Stiftung Auge weist vor diesem Hintergrund darauf hin, wie wichtig gutes Sehen und regelmäßige Besuche beim Augenarzt für ältere Menschen sind.

Jedoch gelangt die augenärztliche Versorgung oft nicht zu Menschen in Senioren- und Pflegeheimen, wie eine Erhebung der Stiftung Auge zeigt (OVIS-Studie). Die Stiftung Auge hat gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen Maßnahmen erarbeitet, wie sich die augenärztliche Versorgung in Seniorenheimen verbessern lässt.

An der Studie nahmen über 2.500 Senioren teil. Zu Beginn ermittelten die Forscher die geistigen Fähigkeiten anhand eines Schnelltests sowie die Sehschärfe. Dieser sogenannte Mini-Mental-Status-Test (MMST) erfasst anhand eines Fragebogens unter anderem die Fähigkeiten zur Orientierung, zum Rechnen, zum Buchstabieren und die Merkfähigkeit. Nach zwei, sechs und acht Jahren erfolgten Nachuntersuchungen. Dabei zeigte sich, dass sich über die Zeit sowohl die Sehschärfe als auch die MMST-Testergebnisse verschlechterten. Das Ergebnis der Forscher zeigte, dass das Ausmaß der Sehverschlechterung mit dem Ausmaß der Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit assoziiert war.

„Diese Ergebnisse belegen einmal mehr, wie wichtig das Sehen für die soziale Teilhabe ist“, sagt Prof. Frank G. Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung Auge. Wer ohne nennenswerte Einschränkungen lesen, sich informieren und an gesellschaftlichen Ereignissen teilhaben könne, werde auch geistig angeregt und gefordert. Das Nachlassen der Sehkraft sollte daher keinesfalls als normale Alterserscheinung hingenommen werden. „Die meisten Augenerkrankungen lassen sich heute gut behandeln, wenn sie rechtzeitig erkannt werden“, so der Experte. Regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt seien daher von großer Bedeutung, um die Sehfähigkeit, die Lebensqualität und die Fähigkeit zur sozialen Teilhabe zu erhalten – und damit auch die Geisteskraft.

Die Studie OVIS (Ophthalmologische Versorgung in Seniorenheimen) hat gezeigt, dass die augenärztliche Versorgung oft nicht zu den Menschen in Pflege- und Seniorenheimen gelangt. „Unbehandelte Augenerkrankungen und Einschränkungen im Sehvermögen bringen nicht nur die Gefahr einer Erblindung: Übersehene Teppichkanten oder Stufen können Stürze verursachen und Knochenbrüche mit sich bringen, die nicht selten zu erhöhter Pflegebedürftigkeit oder sogar vorzeitigem Tod führen können“, sagt Holz. Auch für die Selbstständigkeit, Mobilität und geistige Gesundheit spielt das Sehen eine große Rolle.

In einem Maßnahmenkatalog hat die Stiftung Auge jetzt gemeinsam mit weiteren Akteuren im Gesundheitswesen notwendige Schritte zur Verbesserung der Versorgungssituation festgelegt. Hierzu gehört unter anderem, das Thema Auge in der Pflegeaus- und -weiterbildung zu stärken, einen Transport und die Begleitung der Bewohner zum Augenarzt sicherzustellen und Screening-Untersuchungen in den Heimen zu ermöglichen.
Sabrina Hartmann

Information zur Vorbeugung und Beherrschung von Diabetis

(Medizinkommunikation) Nierenkrankheiten sind bei Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes eine häufige Begleit- und Folgeerkrankung. Etwa 42 Prozent der in Deutschland betreuten Menschen mit Diabetes Typ 2 haben geschädigte Nieren. Die Betroffenen müssen ihre Lebensgewohnheiten umstellen und regelmäßig Medikamente einnehmen. Im Laufe der Zeit kann es zum Nierenversagen kommen. Diese Folge einer diabetischen Nephropathie zählt heute noch zu den häufigsten Ursachen für die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie. So sind etwa 40 Prozent der Dialyse-Patienten davon betroffen. Im vierten Video der zweiten Staffel der Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit“ spricht Sandra Schneller, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Diabetiker Bundes (DDB), über ihr Leben mit der Begleiterkrankung chronische Niereninsuffizienz. Die gemeinnützige Gesundheitsorganisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe veröffentlicht die Videos alle 14 Tage jeweils donnerstags.

Patienten mit einer diabetischen Nephropathie müssen regelmäßig Medikamente einnehmen. Liegt ein chronisches Nierenversagen vor, so ist eine Nierenersatztherapie mit Dialysebehandlung notwendig. Bei vielen dialysepflichtigen Menschen kommt im Anschluss auch eine Nierentransplantation infrage. Die Juristin Sandra Schneller ist seit 20 Jahren an Diabetes Typ 1 erkrankt. Fast seit der Diagnose leidet sie auch unter einer chronischen Niereninsuffizienz: „Ich bin froh, dass ich schon vor 16 Jahren Mutter geworden bin, als meine Werte noch nicht ganz so schlecht waren. Heute wäre dies kaum möglich. Meine Nieren sind so schwer geschädigt, dass ich kurz vor der Dialyse stehe.“ Die Folgen sind Knochenschmerzen, Krämpfe, Kopfschmerzen und Übelkeit. Das behindert Sandra Schneller im Alltag und kostet sie Lebenszeit.

Treten Niereneinschränkungen bei Diabetes Typ 1 oder Typ 2 auf, muss ein Nephrologe frühzeitig in die Behandlung eingebunden werden, um den Verlauf der Nierenerkrankung bis zur Dialyse zu verzögern und die Sterblichkeit zu verringern. „Bei der Behandlung von Patienten im Frühstadium der diabetischen Nephropathie gelten die gleichen Regeln wie für die Vorbeugung von Nierenerkrankungen“, erklärt Dr. med. Jens Kröger, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. „Gemeinsam mit ihrem behandelnden Arzt sollten die Betroffenen versuchen, ihre Blutdruck- und Blutzuckerwerte zu senken, ihre Cholesterinwerte zu normalisieren und aufhören zu rauchen. Zudem können neuere Antidiabetika wie einzelne SGLT 2 Hemmer und GLP 1 Analoga dazu beitragen, das Fortschreiten der Nierenfunktionsstörung aufzuhalten“, so der niedergelassene Diabetologe aus Hamburg-Bergedorf. „Eiweißreiche Lebensmittel sollten die Patienten nur in Maßen zu sich nehmen, da sie das Fortschreiten einer Nierenschwäche fördern können.“ Auch Sandra Schneller musste ihre Ernährung auf nierenschonende und kaliumarme Kost umstellen: „Das ist eine deutliche Einschränkung meiner Lebensqualität“, sagt sie. „Diabetes Typ 1 können wir noch nicht stoppen. Darum müssen wir jetzt handeln und dafür sorgen, dass Menschen mit Diabetes die bestmögliche Versorgung erhalten!“

Die Video-Reihe „Diabetes kostet Lebenszeit“ ist in 2018 mit insgesamt 12 Videos gestartet. Darin formulieren Betroffene – Prominente und weniger Prominente, Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 – kurz und prägnant in einer Minute ihre gesundheitspolitischen Forderungen. In der zweiten Staffel kommen Menschen zu Wort, die nicht nur an Diabetes mellitus, sondern darüber hinaus an einer oder sogar mehreren Begleit- und Folgeerkrankungen leiden. Auch diese kosten Lebenszeit.

Im Rahmen einer Pressekonferenz am 4. Juni in Berlin zum Thema „Diabetes kostet Lebenszeit – Folgeerkrankungen auch Lebensqualität!“ erläutern Experten neueste Zahlen und Fakten rund um Folgeerkrankungen. Zwei Betroffene, darunter TV-Moderatorin und Drehbuchautorin Isolde Tarrach, berichten über ihr Leben damit.