Alle Beiträge von Minge

Mehr Wald – weniger Fleisch

(KIT) – Wald schützt das Klima. So kann Aufforstung wesentlich dazu beitragen, die Erderwärmung gemäß dem Abkommen von Paris zu begrenzen. Welche Bedingungen dazu in Europa erfüllt sein müssen, haben Forscherinnen und Forscher am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) anhand von Simulationen untersucht. Wie die nun in der Zeitschrift Environmental Research Letters publizierte Studie zeigt, erfordert die ausreichende Vergrößerung der Waldflächen eine Umstellung der Lebensmittelsystems, besonders die Verminderung des Fleischkonsums.

Den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad Celsius und möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, sieht das Abkommen von Paris vor. Landbasierte Klimaschutzmaßnahmen, vor allem Aufforstung, Wiederaufforstung und das Vermeiden von Entwaldung, können wesentlich dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Denn Bäume entziehen der Atmosphäre durch den Aufbau von Biomasse das Treibhausgas CO2 und bekämpfen dadurch die Erderwärmung. Die Vergrößerung der Wälder konkurriert allerdings mit der Landwirtschaft um Fläche, und zwar nicht nur regional, sondern auch international, zumal das globale Bevölkerungswachstum und die Veränderung der Ernährungsgewohnheiten die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln und besonders nach Fleisch steigen lassen.

Unter welchen Bedingungen die Wälder in Europa genug Kohlenstoff binden können, um das Pariser Klimaziel zu erreichen, haben Forscherinnen und Forscher am Institut für Meteorologie und Klimaforschung – Atmosphärische Umweltforschung (IMK-IFU), dem Campus Alpin des KIT in Garmisch-Partenkirchen, und an der University of Edinburgh, der Cranfield University/UK sowie von der TIAMASG Foundation in Bukarest anhand von Computersimulationen untersucht. Für ihre nun in der Zeitschrift Environmental Research Letters publizierte Studie nutzten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein integriertes Modell, das im EU-Projekt IMPRESSIONS (Impacts and risks from high-end scenarios: strategies for innovative solutions) entwickelt wurde. Dieses interaktive internetbasierte Tool ermöglicht, Auswirkungen des Klimawandels, Schadenspotenziale und Anpassungsstrategien zu untersuchen. Dazu enhält die sogenannte Integrated Assessment Platform (IAP) miteinander verbundene Metamodelle zu Stadtentwicklung, Wasserressourcen, Hochwasser, Wald und Landwirtschaft sowie Biodiversität und macht die Zusammenhänge zwischen klimatischen und sozioökonomischen Faktoren sichtbar.

„Wir verglichen verschiedene Szenarien, in denen die Nachfrage nach Fleisch, der Anbau von Energiepflanzen, die Bewässerungseffizienz sowie die Ernteertragssteigerung variieren“, berichtet Dr. Heera Lee vom IMK-IFU des KIT, die Erstautorin der Studie. Von insgesamt 972 Simulationen für die 2050er-Jahre erreichen 351 die Mindestwerte sowohl bei der Waldfläche wie bei der Lebensmittelversorgung. Das bedeutet eine Vergrößerung der Waldfläche um mindestens 23 Prozent gegenüber 2010, um das Pariser Klimaziel zu erreichen, sowie eine Energiezufuhr von mindestens 2800 Kilokalorien pro Person und Tag. Unter diesen erfolgreichen Simulationen erfordern 42 keinerlei Änderung der Ernährungsgewohnheiten, verlangen jedoch eine Ernteertragssteigerung von mindestens 30 Prozent innerhalb von Europa. Sechs Simulationen erfordern, Fleisch von Wiederkäuern durch anderes Fleisch zu ersetzen, 215 verlangen eine Reduktion des Fleischkonsums um 25 bis 75 Prozent, 88 einen völligen Verzicht auf Fleisch, bei jeweils mindestens 15 Prozent Ernteertragssteigerung. „Unsere Studie zeigt, dass die für den Klimaschutz ausreichende Vergrößerung der Waldflächen bei gleichzeitiger Sicherung der Lebensmittelversorgung eine Umstellung des Lebensmittelsystems auf der Angebots- wie auf der Nachfrageseite erfordert, wobei der teilweise oder völlige Verzicht auf Fleisch in der Praxis eine Herausforderung darstellen dürfte“, erklärt Dr. Heera Lee. „Wichtig ist dabei, Lebensmittelimporte nach Europa nicht zu steigern, um die Verlagerung von Lebensmittelerzeugung und Entwaldung in andere Regionen der Erde zu vermeiden.“

100 Jahre Anuga – eine Nachlese

(BZfE) – Die alle zwei Jahre stattfindende Allgemeine Nahrungs- und
Genussmittel-Ausstellung, kurz Anuga, schloss vor kurzem in Köln ihre
Tore. In diesem Jahr feierte sie ihr 100-jähriges Jubiläum. Von einer
kleinen Feinkost-Messe entwickelte sie sich zur weltgrößten Fachmesse der
Ernährungswirtschaft und Nahrungsmittelindustrie, die zehn Fachmessen
unter einem Dach vereint. Klassische Staatenschauen, die das Bild der Anuga
lange prägten, haben sich damit überholt. Mit über 170.000 Fachbesuchern
aus 201 Ländern und rund 7.500 Ausstellern aus 106 Ländern erzielte die
Messe neue Bestmarken.

„Jährlich kommen allein in Deutschland über 40.000 Produkte neu auf den
Markt“, so Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der
Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Keine andere
Branche sei so innovativ wie die Ernährungsindustrie. Aus seiner Sicht
gewinnt das Thema Nachhaltigkeit eine neue Dimension bei Lebensmitteln,
wobei er einen Zielkonflikt zwischen Verpackungsreduktion, Kampf gegen
Lebensmittelverluste und Lebensmittelsicherheit sieht.

Aus Sicht von Friedhelm Dornseifer, Präsident des Bundesverbandes des
Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) hat die Messe die Zukunftsthemen der
Branche mit der aktuellen politischen Debatte verknüpft, was den Einfluss
von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung von Lebensmitteln auf Umwelt
und Klimawandel betrifft. Was den Handel angeht, so sieht Dornseifer die
Zukunft digital: „Die Kunden werden mehr und mehr zu ‚Omni-Shoppern‘.
Sie erwarten ein vernetztes Einkaufserlebnis, in dem stationärer Handel,
Online-Medien und die Nutzung mobiler Geräte verschmelzen. Die Konsumenten
werden weiterhin in die Geschäfte kommen, um Lebensmittel mit allen Sinnen
einzukaufen.“

Messen dieser Größenordnung sind ein „Seismograph“ für
Produktinnovationen, aktuelle Trends und visionäre Konzepte für die
Ernährung der Zukunft. Sie sind auch eine ideale Plattform für
Startup-Unternehmen.

Was kommt, was bleibt, was ist neu?
Weiterhin weltweit im Auftrieb sind Bio-Produkte. Der Trend zu
pflanzenbasierter Ernährung wird nicht nur durch Vegetarier und Veganer
befeuert, sondern auch von vielen Verbrauchern, die ihren Fleisch- und
Milchprodukte-Konsum reduzieren möchten. Zunehmend stehen zudem die
Transparenz und Nachverfolgbarkeit über die gesamte Lieferkette im Fokus.
Auch Produkte mit dem Hinweis „Fair Trade“ bleiben ein Wachstumsmarkt.
Immer mehr Verbraucher achten auf „Frei von“-Label, hauptsächlich
gluten- und laktosefrei. Auch der Hinweis, „ohne Gentechnik“ gewinnt an
Bedeutung; in den vergangenen Jahren hat hier Nordamerika Europa als
führende Marktregion abgelöst. Eine wachsende Nachfrage verzeichnen auch
Halal-Produkte und koschere Produkte.

Am Ende des Tages mag sich der kritische Verbraucher fragen, ob wir
jährlich 40.000 neue Produkte brauchen. Oder ob es nicht wichtiger ist,
Lebens- und Genussmittel ressourcenschonend zu erzeugen/produzieren, zu
transportieren, für alle Marktbeteiligten zu fairen Konditionen und mit
Inhaltsstoffen, die unserem Wohlbefinden dienlich sind. Die diesjährige
Anuga zeigte hierfür, wie auch in den vergangenen Jahren, deutliche
Ansätze.

Rüdiger Lobitz

Welchen Einfluss haben Influencer auf Jugendliche?

(BZfE) – Ob WhatsApp, Instagram, Tiktok oder Youtube – viele Teenager
verbringen täglich oft mehrere Stunden in sozialen Netzwerken. Dort
informieren sie sich auch über Ernährung und Bewegung. Wissenschaftler
der Universität Witten haben untersucht, wie sogenannte Influencer junge
Menschen in ihrem Verhalten beeinflussen.

Influencer sind Personen, die in sozialen Plattformen stark vertreten sind
und besonders für Jugendliche und junge Erwachsene eine Vorbildfunktion
haben. Auf Instagram präsentieren sie ihr Leben in einer Art virtuellem
Tagebuch aus Bildern und Videos. Teenager abonnieren diese Profile und
kommunizieren mit ihren Idolen über Kommentare und Nachrichten, als wären
sie im wirklichen Leben befreundet. Dabei ist den wenigsten „Followern“
klar, dass solche Profile oft nicht der Realität entsprechen, sondern
inszenierte Schönheit, Spaß und Fitnesskult sind.

Für ihre Studie werteten die Wissenschaftler tausend Bilder von den 50
Fitness-Influencern im deutschsprachigen Bereich mit den meisten Followern
auf Instagram aus. Dabei wurden Kommunikationsstränge mit bis zu 2.000
Kommentaren analysiert. Das Fazit: Influencer vermitteln ihren jungen Fans,
dass man über Ernährung und Bewegung den eigenen Körper
„perfektionieren“ kann. Der Körper wird auf den Bildern in Szene
gesetzt – etwa beim täglichen Workout im Fitnessstudio. Mehr als die
Hälfte der Fotos zeigte einen muskulösen nackten Bauch, wie es offenbar
dem aktuellen Schönheitsideal entspricht. „Nur wer schön ist, kann auch
gesund und glücklich sein. Und nur wer einen gestählten Körper besitzt,
ist schön“, fasst Autorin Katharina Pilgrim die Botschaft vieler
Influencer zusammen.

Influencer verdienen auch mit dem Verkauf der Produkte, die sie in ihren
Bildern und Videos empfehlen. Auf knapp jedem zweiten Bild waren
Nahrungsergänzungsmittel zu sehen, ist im Fachblatt BMC Public Health zu
lesen. Insgesamt wurde auf zwei von drei Fotos ein Hersteller, ein Produkt,
eine Marke oder ein Unternehmen eingebunden. Nur die Hälfte war als
Werbung gekennzeichnet. Die Jugendlichen gewinnen den Eindruck, dass es mit
diesen Produkten einfacher ist, ihre Ziele zu erreichen, fassen die
Wissenschaftler zusammen.

Die Jugend ist eine sensible Zeit. Jeder fünfte Teenager ist unzufrieden
mit Figur und Körpergewicht oder leidet an Heißhungeranfällen.
Essstörungen von Magersucht bis Übergewicht können die Folge sein. Durch
den intensiven Konsum von Social-Media-Inhalten werden Jugendliche
maßgeblich in Haltung und Meinung zu gesundheitsrelevanten
Verhaltensweisen geprägt, schließen die Wissenschaftler aus ihren
Resultaten. Leicht kann das Selbstwertgefühl leiden, wenn das in der
Online-Welt vermittelte Idealbild unerreichbar scheint. Daher sei es nach
Ansicht der Autoren wichtig, junge Menschen in ihrer Entwicklung zu
schützen und zu begleiten.

Heike Kreutz

Manipulationen von gesundheitsrelevanten Nachrichten im Internet immer perfekter

(pte) – Die Twitter-Diskussion zu den gesundheitlichen Folgen von E-Zigaretten wird hauptsächlich von Bots dominiert, die Fehlinformationen verbreiten und mögliche Risiken beim „Vaping“ verschleiern. Einer Studie der Non-Profit-Organisation The Public Good Projects (PGP) zufolge stammen mehr als die Hälfte der Tweets zu diesem Thema nicht von Menschen.

„Showdown der Bots“
„In sozialen Medien sind mittlerweile immer mehr Menschen unterwegs, was auch bedeutet, dass sie viel stärker mit Marken interagieren. Einige Firmen sind daher auf Bots angewiesen. Diese können Kunden direkt ansprechen und ihre Einstellung zu einem Brand analysieren. Man kann sie aber auch auf Konkurrenten ansetzen und so negative Botschaften über sie verbreiten. Hier findet ein Showdown der Bots statt“, erläutert Markus Hübner, Social-Media-Experte und CEO von Brandflow, im Interview mit pressetext.

Für die Studie hat PGP über eine Mio. Tweets untersucht, die zwischen Februar 2019 und Juni 2019 zum Thema E-Zigaretten gesendet wurden. Es stellte sich heraus, dass fast 80 Prozent dieser Nachrichten von Bots stammten. Die Botschaften, die diese Bots verbreiten, zeigen E-Zigaretten fast ausschließlich in einem positiven Licht.

Attacken auf Wissenschaftler
Einige der entdeckten Bots verbreiten auch Fehlinformation und attackieren Wissenschaftler, die vor den Gesundheitsrisiken von E-Zigaretten warnen. Die Bots behaupten explizit, diese Forscher würden die Wahrheit verschleiern. Laut den Analysten richten sich die Pro-Vaping-Nachrichten vor allem an Kinder und Jugendliche.

Die PGP-Experten warnen davor, dass in den USA bereits über 20 Prozent der Highschool-Schüler E-Zigaretten konsumieren und diese Zahl durch die Beeinflussung durch Bots noch steigen wird. „Um die Manipulation der Konversation zu verhindern, müssten die Betreiber der Social-Media-Plattformen rigoros gegen Bots vorgehen. Dazu fehlt ihnen aber momentan einfach die Bereitschaft“, kritisiert Hübner.

17.10.2019 App erlaubt Totalüberwachung

Der Roman 1984 von George Orwell  beschrieb die Möglichkeit der perfekten Überwachung des Individuums in der Zukunft. Ich war Redaktionsleiter für Naturwissenschaft und Technik in diesem Jahr 1984 im WDR-Fernsehen.
Aus der damaligen Sicht schien uns das als Utopie ohne realen Bezug. Das sich anbahnende Internet war nur für Wissenschaftler und Geheimdienste zugänglich. Bekanntermaßen änderte sich das rasant. Anfangs gewannen wir dem sehr viel Positives ab, ermöglichte es doch – wie niemals zuvor – an jeden Bürger ganz individuell alle möglichen  Nachrichten zukommen zu lassen.   Wir glaubten, das würde der Demokratie enorm nützen.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine psychologische Tatsache hatten wir übersehen, die sogenannte ‚selektive Wahrnehmung‘. Der Bürger – sprich das Individuum – wählt aus der enormen Fülle von Informationen nur das heraus, was in sein beschränktes Gehirn hinein passt. Dadurch können sich Fakenews, also falsche und bewusst manipulierte Nachrichten, verbreiten wie niemals zuvor.  Wer hätte gedacht, dass das in eine Art postfaktisches Zeitalter mündet. Es ist nicht nur die Ära Trump, die das brutal ausnutzt, sondern mittlerweile bringt es die gesamte demokratische Welt in die Bredouille. Es ist der Nährboden für die Populisten, leider nutzen das auch schon viele Volksparteien, um ihre Anhänger hinter sich zu scharen oder neue Anhänger zu gewinnen. Datenschutzgesetze können dem leider nicht Einhalt gebieten.

Aber nicht nur das, in China wird mittlerweile die Vision von George Orwell zum Alltag, jeder überwacht jeden, bekommt Minus- oder Pluspunkte und der Einbruch in die Privatsphäre durch Apps, die scheinbar das Leben erleichtern, ist dort Realität.

Aber auch in den westlichen Demokratien nehmen die Möglichkeiten des privaten Abhörens immer mehr Raum ein, z. B. Alexa von Amazon oder Google home machen es möglich

Mit welchen Tricks z. B. die Chinesen ihre Bürger gleichschalten, darüber der folgende Artikel

Ihr Jean Pütz

(pte) – Die von der Kommunistischen Partei Chinas Anfang dieses Jahres gestartete App „Study the Great Nation“ („Lerne über die große Nation“) spioniert mehr als 100 Mio. Android-User aus. Laut einem Bericht des deutschen Cybersecurity-Unternehmens Cure53 erlaubt die Anwendung der chinesischen Regierung den kompletten Zugang zu den Smartphones der Nutzer.

Sogar Zugriff auf Handy-Lampe
Die App kann auf Fotos und Videos zugreifen und über die Front-Cam auch selbst Aktivitäten der User mitschneiden, den Standort des Nutzers ermitteln, Telefonnummern wählen und die Liste der Kontakte sowie die Internetaktivitäten sehen. „Die App hat auch Einsicht in Informationen von 960 weiteren Apps und kann sogar selbständig auf das WLAN der User und sogar die Taschenlampe des Smartphones zugreifen“, heißt es in dem Bericht. Cure53 fand all diese Überewachungsfunktionen im Code von „Study the Great Nation“ verborgen.

Die App erklärt Nutzern anhand von Artikeln und Videos die Ideologie und Aktivitäten von Staatspräsident Xi Jinping. Sie bietet auch ein Quiz über die gelernten Informationen an, bei dem die besten Spieler auf einer Liste erscheinen. Jedoch hat sich herausgestellt, dass es sich dabei nicht bloß um ein Propaganda-Tool handelt, sondern um ein Instrument der totalen Überwachung. Mit über 100 Mio. Downloads hat die App eine sehr hohe Reichweite.

Chinesische Regierung dementiert
Laut der „Washington Post“ ist Study the Great Nation auch für iOS-Systeme erhältlich. Cure53 hat von dieser Version der App allerdings noch keine Analyse gemacht. Apple zufolge kann hier aber kein „Super-User“ auf die Anwendung zugreifen. Die chinesische Regierung widerspricht dem Bericht und behauptet, es gäbe keine Überwachung über die App.

App erlaubt Totalüberwachung ! Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Der Roman 1984 von George Orwell  beschrieb die Möglichkeit der perfekten Überwachung des Individuums in der Zukunft. Ich war Redaktionsleiter für Naturwissenschaft und Technik in diesem Jahr 1984 im WDR-Fernsehen.
Aus der damaligen Sicht schien uns das als Utopie ohne realen Bezug. Das sich anbahnende Internet war nur für Wissenschaftler und Geheimdienste zugänglich. Bekanntermaßen änderte sich das rasant. Anfangs gewannen wir dem sehr viel Positives ab, ermöglichte es doch – wie niemals zuvor – an jeden Bürger ganz individuell alle möglichen  Nachrichten zukommen zu lassen.   Wir glaubten, das würde der Demokratie enorm nützen.

Aber das Gegenteil ist der Fall. Eine psychologische Tatsache hatten wir übersehen, die sogenannte ‚selektive Wahrnehmung‘. Der Bürger – sprich das Individuum – wählt aus der enormen Fülle von Informationen nur das heraus, was in sein beschränktes Gehirn hinein passt. Dadurch können sich Fakenews, also falsche und bewusst manipulierte Nachrichten, verbreiten wie niemals zuvor.  Wer hätte gedacht, dass das in eine Art postfaktisches Zeitalter mündet. Es ist nicht nur die Ära Trump, die das brutal ausnutzt, sondern mittlerweile bringt es die gesamte demokratische Welt in die Bredouille. Es ist der Nährboden für die Populisten, leider nutzen das auch schon viele Volksparteien, um ihre Anhänger hinter sich zu scharen oder neue Anhänger zu gewinnen. Datenschutzgesetze können dem leider nicht Einhalt gebieten.

Aber nicht nur das, in China wird mittlerweile die Vision von George Orwell zum Alltag, jeder überwacht jeden, bekommt Minus- oder Pluspunkte und der Einbruch in die Privatsphäre durch Apps, die scheinbar das Leben erleichtern, ist dort Realität.

Aber auch in den westlichen Demokratien nehmen die Möglichkeiten des privaten Abhörens immer mehr Raum ein, z. B. Alexa von Amazon oder Google home machen es möglich

Mit welchen Tricks z. B. die Chinesen ihre Bürger gleichschalten, darüber der folgende Artikel

Ihr Jean Pütz

(pte) – Die von der Kommunistischen Partei Chinas Anfang dieses Jahres gestartete App „Study the Great Nation“ („Lerne über die große Nation“) spioniert mehr als 100 Mio. Android-User aus. Laut einem Bericht des deutschen Cybersecurity-Unternehmens Cure53 erlaubt die Anwendung der chinesischen Regierung den kompletten Zugang zu den Smartphones der Nutzer.

Sogar Zugriff auf Handy-Lampe
Die App kann auf Fotos und Videos zugreifen und über die Front-Cam auch selbst Aktivitäten der User mitschneiden, den Standort des Nutzers ermitteln, Telefonnummern wählen und die Liste der Kontakte sowie die Internetaktivitäten sehen. „Die App hat auch Einsicht in Informationen von 960 weiteren Apps und kann sogar selbständig auf das WLAN der User und sogar die Taschenlampe des Smartphones zugreifen“, heißt es in dem Bericht. Cure53 fand all diese Überewachungsfunktionen im Code von „Study the Great Nation“ verborgen.

Die App erklärt Nutzern anhand von Artikeln und Videos die Ideologie und Aktivitäten von Staatspräsident Xi Jinping. Sie bietet auch ein Quiz über die gelernten Informationen an, bei dem die besten Spieler auf einer Liste erscheinen. Jedoch hat sich herausgestellt, dass es sich dabei nicht bloß um ein Propaganda-Tool handelt, sondern um ein Instrument der totalen Überwachung. Mit über 100 Mio. Downloads hat die App eine sehr hohe Reichweite.

Chinesische Regierung dementiert
Laut der „Washington Post“ ist Study the Great Nation auch für iOS-Systeme erhältlich. Cure53 hat von dieser Version der App allerdings noch keine Analyse gemacht. Apple zufolge kann hier aber kein „Super-User“ auf die Anwendung zugreifen. Die chinesische Regierung widerspricht dem Bericht und behauptet, es gäbe keine Überwachung über die App.

Rechtzeitige Behandlung kann vor Amputation schützen

(DGG) – Durchblutungsstörungen in Venen und Arterien sind die häufigste Ursache von chronischen Wunden an den Beinen. Eine gezielte Behandlung kann die Abheilung beschleunigen und eine Amputation verhindern. Dennoch wird in Deutschland zu häufig auf eine Gefäßdiagnostik verzichtet, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) anlässlich ihrer 35. Jahrestagung in Mannheim. Patienten mit offenen Beinwunden, die innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten deshalb einen Gefäßchirurgen aufsuchen, rieten DGG-Experten auf einer Pressekonferenz am 17. Oktober in Mannheim.

Sogenannte offene Beine sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Schätzungsweise 800.000 Menschen leiden unter einem Ulcus cruris. Auslöser sind meist Durchblutungsstörungen in Venen oder Arterien. Nach den Auswertungen von Krankenkassendaten werden zwei Drittel der Erkrankungen durch Störungen in den Beinvenen verursacht, bei fast einem Fünftel liegen Durchblutungsstörungen in den Arterien vor. Bei einigen Patienten sind auch beide Systeme betroffen.

Offene Beine durch Erkrankungen der Blutgefäße
„Insgesamt lassen sich vier von fünf offenen Beinen auf Erkrankungen der Blutgefäße zurückführen“, sagt Dr. med. Holger Diener vom Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Für den Leiter der Kommission Wundmanagement bei der DGG sollte deshalb vor Beginn der Behandlung immer eine Untersuchung der Blutgefäße erfolgen. Doch diese Gefäßdiagnostik wird in Deutschland häufig nicht durchgeführt.

So geht aus den Statistiken der Krankenkassen hervor, dass in den drei Monaten vor und nach dem Aufbrechen der Wunde nur bei einem Viertel der Patienten wenigstens eine gefäßdiagnostische Maßnahme abgerechnet wird. Häufig beschränken sich die Hausärzte auf die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index: Ist der Blutdruck in den Beinen niedriger als im Arm, weist dies auf eine Durchblutungsstörung hin.

„Auf eine erweiterte Diagnostik mit Ultraschall oder Kontrastmitteln wird jedoch häufig verzichtet“, kritisiert Diener. Dabei steigen mit Duplexsonografie und Angiografie, die eine gezielte Therapie ermöglichen, die Chancen auf Wundheilung. „Wie eine Untersuchung zeigt, kommt es um 30 Prozent häufiger und schneller zur Abheilung der offenen Beine, wenn eine Gefäßdiagnostik erfolgt“, sagt Diener.

Minimalinvasive Katheterbehandlung
Die Therapie besteht bei arteriellen Störungen in einer minimalinvasiven Katheterbehandlung oder in einer Operation, die die Verkalkungen aus den Gefäßwänden entfernt. Manchmal legen Gefäßchirurgen auch Bypässe an den Beinen. „Diese Gefäßinterventionen werden in Deutschland aber zu selten durchgeführt“, betont Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der DGG. Selbst bei einer nachgewiesenen arteriellen Verschlusskrankheit würden nur etwa 70 Prozent behandelt. Bei Menschen mit Diabetes, die an einer Wunde am Fuß und unter Durchblutungsstörungen leiden, liegt der Anteil bei unter 20 Prozent. „Dabei ist das Risiko von Amputationen bei Diabetespatienten besonders hoch“, gibt Böckler zu bedenken.

Auch Patienten mit Venenerkrankungen, die Ärzte sprechen von einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI), erhalten nur selten die notwendige Behandlung. Sie besteht zunächst in der Verordnung von Kompressionsstrümpfen, die offene Beine verhindern können. „Nach einer Datenanalyse der Barmer GEK wird nur bei 17,4 Prozent der Patienten mit CVI vor Auftreten einer Wunde eine adäquate Kompressionstherapie durchgeführt“, berichtet Diener. Liegt ein Ulcus cruris vor, steige der Anteil auf 33,6 Prozent, was ebenfalls zu wenig sei. „Die Kompressionstherapie fördert die Abheilung eines Ulcus cruris venosum und ist deshalb zentraler Bestandteil der Behandlung“, so Diener.

Behandlung chronischer Wunden
Für die Patienten ist die Behandlung eines Ulcus cruris eine frustrierende, weil langwierige Angelegenheit. „Hausärzte und Allgemeinmediziner fühlen sich in der Behandlung chronischer Wunden häufig unsicher“, sagt der Hamburger Gefäßchirurg. „Untersuchungen zeigen, dass die Heilungschancen um elf Prozent steigen, wenn wenigstens ein wundrelevanter Facharzt in die Behandlung einbezogen wird.“

Die DGG bemüht sich, die Versorgungslücken zu schließen. Im vergangenen Jahr wurde die Kampagne „Ihre Wunde in unsere Hände“ gestartet. Offene Beine, die trotz Behandlung innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten einem Gefäßchirurgen vorgestellt werden. „Er kann alles aus einer Hand anbieten“, erläutert Diener. „Von der Diagnostik und konservativen Therapie über die Wundheilung bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen, offenen Operationen und einfachen plastischen Deckungsmaßnahmen, bei denen Haut verpflanzt wird, um die Wunde zu verschließen.“

Wenn das Gehen zur Qual wird

(DGG) – Durchblutungsstörungen in den Beinen werden oft unterschätzt. Darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG) anlässlich ihrer 35. Jahrestagung hin. So haben Patienten, die an der „Schaufensterkrankheit“ leiden, ein vier- bis sechsfach erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Welche Warnzeichen zu beachten sind, wohin sich Patienten bei Verdacht wenden sollten und wie der Verlust von Zehen oder Bein abgewendet werden kann, erläutern Experten auf einer Pressekonferenz der DGG am 17. Oktober in Mannheim.

Jeder fünfte über 65-Jährige leidet an der sogenannten Schaufensterkrankheit, einer Durchblutungsstörung in den Beinen. Ursache ist eine Arteriosklerose, eine Gefäßwandverkalkung. Die Schaufensterkrankheit, auch Claudicatio intermittens oder periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) genannt, veranlasst Betroffene, das Gehen aufgrund von Wadenschmerzen immer wieder zu unterbrechen und stehen zu bleiben. „Leider wird die pAVK häufig verharmlost und unterschätzt“, warnt Professor Dr. med. Dittmar Böckler, derzeit Präsident der DGG.

Schaufensterkrankheit häufig Vorbote für Herz- oder Hirninfarkt
Tatsächlich erleiden 70 Prozent der pAVK-Patienten langfristig einen Herzinfarkt, weitere fünf Prozent erliegen einem Schlaganfall. Gefäßmediziner und Gefäßchirurgen betrachten die pAVK deshalb als eine Art Vorboten – als „Marker-Krankheit“ – für Herz- und Hirninfarkt. „Das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen ist bei pAVK-Patienten um das Vier- bis Sechsfache erhöht“, erläutert Böckler. „Früherkennung ist somit extrem wichtig – und sehr einfach“, fügt der Ärztliche Direktor der Klinik für Gefäßchirurgie und Endovaskuläre Chirurgie am Universitätsklinikum Heidelberg hinzu.

Auf Risikofaktoren und Warnzeichen achten
Patienten mit Risikofaktoren – vor allem Männer in höherem Alter, aktive oder Ex-Raucher, Personen mit Diabetes, Übergewicht und Bluthochdruck – sollten daher rechtzeitig mit Ultraschall untersucht werden. Insbesondere, wenn sich typische Warnsignale der pAVK bemerkbar machen: Schmerzen beim Gehen, nicht heilende Wunden, unterschiedliches Wachstum der Zehennägel an linkem und rechtem Fuß sowie fehlender Haarwuchs am Schienenbein als Hinweis auf eine schlechte Durchblutung. Mitunter kann sogar eine erektile Dysfunktion das erste Symptom einer pAVK sein. „Treten beim Gehen Schmerzen nach sich wiederholender Gehstrecke von beispielsweise 200 Metern immer in der gleichen Muskelgruppe an Wade und Oberschenkel auf, ist eine Schaufensterkrankheit und damit Durchblutungsstörung der Arterien wahrscheinlich“, erläutert DGG-Präsident Böckler.

Wichtigste Technik zur Früherkennung einer pAVK ist die Untersuchung der Fußpulse und eine Doppler-Druckmessung an Arterien an Arm und Knöchel, die den sogenannten Knöchel-Arm-Index oder Ankle-Brachial-Index (ABI) bestimmt. „Diese Untersuchung ähnelt einer Blutdruckmessung mit zusätzlichem Ultraschall“, erläutert Böckler. „Sie ist nicht belastend, beliebig wiederholbar und ohne Risiko beim Hausarzt durchführbar.“ Der ABI-Index aus dem Blutdruck in Unterschenkel und Arm gibt an, wie stark Gefäßablagerungen die Blutzirkulation behindern. „Bei einem ABI-Wert unter 0,9 ist die Diagnose pAVK gesichert“, so Böckler.

Zunächst Lebensstil-Maßnahmen, Geh-Training, Medikamente
In diesem Fall sollten sich die Patienten an einen Gefäßchirurgen und Gefäßmediziner oder Angiologen und Kardiologen wenden. Zunächst steht bei der Schaufensterkrankheit die konservative Therapie im Vordergrund. Sie beinhaltet die Änderung des Lebensstils mit Kontrolle der Risikofaktoren: gesunde Ernährung, körperliche Bewegung, Gewichtabnahme, Nikotinverzicht, Blutdruckkontrolle. „Zudem sollen betroffene Patienten lebenslang ihre Medikamente regelmäßig und pflichtbewusst einnehmen“, erklärt Böckler.

Dazu zählt eine Blutverdünnung mit einem sogenannten Thrombozytenaggregationshemmer wie Acetylsalicylsäure (ASS). „Dieses Medikament senkt das Risiko für einen Gefäßeingriff um 45 Prozent und das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Tod um ein Drittel“, berichtet der Heidelberger Gefäßchirurg. Zeigt ASS keinen Effekt oder treten Nebenwirkungen auf, kommt alternativ der Blutverdünner Clopidogrel zum Einsatz. Weitere wichtige begleitende Medikament sind Blutdruck- und Blutfettsenker.

Behandlung im Gefäßzentrum kann Amputation abwenden
Entscheidendes Ziel der Therapie einer schweren Durchblutungsstörung ist es, eine Amputation von Zehen, Unter- oder Oberschenkel zu verhindern. Die Chancen dafür stehen umso besser, je früher die pAVK erkannt wird. „Unter einer optimierten medikamentösen Begleittherapie, kombiniert mit einem überwachten strukturierten Geh-Training, liegt die Amputationswahrscheinlichkeit auf zehn Jahre bezogen unter drei Prozent“, so Böckler.

Schreitet die Gefäßerkrankung weiter voran, so dass der Patient nächtliche Ruheschmerzen oder offene Stellen und Wunden entwickelt, stellt die moderne Gefäßmedizin und Gefäßchirurgie eine Vielzahl an Therapieverfahren bereit, um die arterielle Durchblutung des betroffenen Beines wieder zu verbessern. Dafür sollte sich der Patient in ein interdisziplinär aufgestelltes, zertifiziertes Gefäßzentrum begeben. „Dort entscheiden Experten verschiedener gefäßmedizinischer Fachdisziplinen gemeinsam, welche Methode am besten für den Patienten geeignet ist“, meint der DGG-Präsident.

Verengte oder verschlossene Gefäße können mit klassischen offenen Operationen, meist Bypässen, mit minimalinvasiven Eingriffen oder in Kombination beider Verfahren durchgängig gemacht werden. „Neben einer Wiedererlangung der Lebensqualität ist vor allem wichtig, eine Amputation abzuwenden. Denn sie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität, sondern verkürzt auch die Lebenserwartung. Moderne Gefäßchirurgie kann diese Methoden aus einer Hand anbieten und garantiert somit eine ausgewogene, individualisierte Patientenversorgung“, betont Böckler.

Demokratische Wahlen in Gefahr, nicht nur in England

(pte) – Die nächste britische Unterhauswahl ist massiv gefährdet durch Manipulation in digitalen Medien. Laut einem Bericht der University of Oxford müssen politische Parteien und Social-Media-Plattformen jetzt handeln, um vor allem China und Russland an der Einflussnahme auf den demokratischen Prozess zu hindern.

Transparente Parteien nötig
„Manipulation und Propaganda, die wir früher nur von autoritären Systemen erwartet hätten, können heute in demokratischen Nationen wie Großbritannien passieren“, warnt Lisa-Maria Neudert, Koautorin des Berichtes. Plattformen wie Facebook und Twitter müssten viel wachsamer bei möglicher Einflussnahme auf Wahlen sein und rechtzeitig Warnungen aussprechen.

Der Bericht rät politischen Parteien, sämtliche von ihnen produzierte digitale Kommunikation zu sichten und genaue Archive darüber anzulegen, die offen zugänglich sein müssen. Nur so können die Parteien für ausreichend Transparenz sorgen. Die Electoral Commission, also die britische Wahlkommission, müsse zudem die Social-Media-Accounts von allen Parteien und Kandidaten verifizieren, um den Einfluss von falschen Accounts zu stoppen.

Junk News bei EU-Wahl 2019
Die Forscher warnen vor einer Wiederholung der Wahlmanipulation durch Mikrotargeting-Werbung, die beim Brexit-Referendum, der US-Präsidentschaftswahl 2016 sowie der EU-Wahl 2019 erkannt wurden. Als Beispiel nennen sie „extremistische, sensationalistische oder verschwörerische Junk News“, die vor der Europawahl Stimmung gegen Migration und Muslime gemacht haben.

So versuchten russische Accounts, User davon zu überzeugen, das Feuer in der Notre Dame im April 2019 sei von Islamisten gelegt worden. „Wir wollen, dass Social-Media-Unternehmen erklären, wieso ihre Algorithmen solche Geschichten so weit verbreiten. Sie sollten sich verpflichten, Informationen darüber mit uns zu teilen“, fordert Neudert.

Amputation kann verhindert werden

(DGG) Durchblutungsstörungen in Venen und Arterien sind die häufigste Ursache von chronischen Wunden an den Beinen. Eine gezielte Behandlung kann die Abheilung beschleunigen und eine Amputation verhindern. Dennoch wird in Deutschland zu häufig auf eine Gefäßdiagnostik verzichtet, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) anlässlich ihrer 35. Jahrestagung in Mannheim. Patienten mit offenen Beinwunden, die innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten deshalb einen Gefäßchirurgen aufsuchen, rieten DGG-Experten auf einer Pressekonferenz am 17. Oktober in Mannheim.

Sogenannte offene Beine sind in Deutschland eine Volkskrankheit. Schätzungsweise 800.000 Menschen leiden unter einem Ulcus cruris. Auslöser sind meist Durchblutungsstörungen in Venen oder Arterien. Nach den Auswertungen von Krankenkassendaten werden zwei Drittel der Erkrankungen durch Störungen in den Beinvenen verursacht, bei fast einem Fünftel liegen Durchblutungsstörungen in den Arterien vor. Bei einigen Patienten sind auch beide Systeme betroffen.

„Insgesamt lassen sich vier von fünf offenen Beinen auf Erkrankungen der Blutgefäße zurückführen“, sagt Dr. med. Holger Diener vom Herz- und Gefäßzentrum des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Für den Leiter der Kommission Wundmanagement bei der DGG sollte deshalb vor Beginn der Behandlung immer eine Untersuchung der Blutgefäße erfolgen. Doch diese Gefäßdiagnostik wird in Deutschland häufig nicht durchgeführt.

So geht aus den Statistiken der Krankenkassen hervor, dass in den drei Monaten vor und nach dem Aufbrechen der Wunde nur bei einem Viertel der Patienten wenigstens eine gefäßdiagnostische Maßnahme abgerechnet wird. Häufig beschränken sich die Hausärzte auf die Bestimmung des Knöchel-Arm-Index: Ist der Blutdruck in den Beinen niedriger als im Arm, weist dies auf eine Durchblutungsstörung hin.

„Auf eine erweiterte Diagnostik mit Ultraschall oder Kontrastmitteln wird jedoch häufig verzichtet“, kritisiert Diener. Dabei steigen mit Duplexsonografie und Angiografie, die eine gezielte Therapie ermöglichen, die Chancen auf Wundheilung. „Wie eine Untersuchung zeigt, kommt es um 30 Prozent häufiger und schneller zur Abheilung der offenen Beine, wenn eine Gefäßdiagnostik erfolgt“, sagt Diener.

Die Therapie besteht bei arteriellen Störungen in einer minimalinvasiven Katheterbehandlung oder in einer Operation, die die Verkalkungen aus den Gefäßwänden entfernt. Manchmal legen Gefäßchirurgen auch Bypässe an den Beinen. „Diese Gefäßinterventionen werden in Deutschland aber zu selten durchgeführt“, betont Professor Dr. med. Dittmar Böckler, Präsident der DGG. Selbst bei einer nachgewiesenen arteriellen Verschlusskrankheit würden nur etwa 70 Prozent behandelt. Bei Menschen mit Diabetes, die an einer Wunde am Fuß und unter Durchblutungsstörungen leiden, liegt der Anteil bei unter 20 Prozent. „Dabei ist das Risiko von Amputationen bei Diabetespatienten besonders hoch“, gibt Böckler zu bedenken.

Auch Patienten mit Venenerkrankungen, die Ärzte sprechen von einer chronisch-venösen Insuffizienz (CVI), erhalten nur selten die notwendige Behandlung. Sie besteht zunächst in der Verordnung von Kompressionsstrümpfen, die offene Beine verhindern können. „Nach einer Datenanalyse der Barmer GEK wird nur bei 17,4 Prozent der Patienten mit CVI vor Auftreten einer Wunde eine adäquate Kompressionstherapie durchgeführt“, berichtet Diener. Liegt ein Ulcus cruris vor, steige der Anteil auf 33,6 Prozent, was ebenfalls zu wenig sei. „Die Kompressionstherapie fördert die Abheilung eines Ulcus cruris venosum und ist deshalb zentraler Bestandteil der Behandlung“, so Diener.

Für die Patienten ist die Behandlung eines Ulcus cruris eine frustrierende, weil langwierige Angelegenheit. „Hausärzte und Allgemeinmediziner fühlen sich in der Behandlung chronischer Wunden häufig unsicher“, sagt der Hamburger Gefäßchirurg. „Untersuchungen zeigen, dass die Heilungschancen um elf Prozent steigen, wenn wenigstens ein wundrelevanter Facharzt in die Behandlung einbezogen wird.“

Die DGG bemüht sich, die Versorgungslücken zu schließen. Im vergangenen Jahr wurde die Kampagne „Ihre Wunde in unsere Hände“ gestartet. Offene Beine, die trotz Behandlung innerhalb von drei Monaten nicht abgeheilt sind, sollten einem Gefäßchirurgen vorgestellt werden. „Er kann alles aus einer Hand anbieten“, erläutert Diener. „Von der Diagnostik und konservativen Therapie über die Wundheilung bis hin zu minimalinvasiven Eingriffen, offenen Operationen und einfachen plastischen Deckungsmaßnahmen, bei denen Haut verpflanzt wird, um die Wunde zu verschließen.“