Alle Beiträge von Minge

Der Jugend ins Gästebuch – früher war nicht alles besser

Heute mal etwas zum Nachdenken …

Stell dir vor, du wärst 1900 geboren.
Wenn du 14 bist, beginnt der Erste Weltkrieg und dieser endet mit 18 Millionen Toten.

Kurz darauf tötet eine weltweite Pandemie, die spanische Grippe, 50 Millionen Menschen. Du kommst lebend raus und unversehrt, bist 20.

Mit 29 überlebst du die globale Wirtschaftskrise, die mit dem Zusammenbruch der New Yorker Börse begann und Inflation, Arbeitslosigkeit und Hungersnot hervorruft.

Mit 33 kommen die Nazis an die Macht.
Du bist 39, wenn der Zweite Weltkrieg beginnt und er endet mit 45 Jahren. Während des Holocaust sterben 6 Millionen Juden. Es werden insgesamt über 60 Millionen Tote geben.

Wenn du 52 bist beginnt der Korea-Krieg.

Mit 64 beginnt der Vietnamkrieg und endet mit 75

Ein Kind, das 1985 geboren wurde, glaubt, dass seine Großeltern keine Ahnung haben, wie schwierig das Leben ist, aber sie haben mehrere Kriege und Katastrophen überstanden.

Ein 1995 geborenes und heute 25 jähriges Kind glaubt, dass es das Ende der Welt sei, wenn sein Amazon-Paket mehr als drei Tage dauert, bis es ankommt –  oder sein Foto nicht mehr als 15 ′′ Likes ′′ bekommt, das auf Facebook oder Instagram gepostet wurde…

2020 leben viele von uns in Komfort, haben Zugang zu mehreren Unterhaltungsquellen zu Hause und können dank staatlicher Hilfen eine neue Pandemie friedlich überleben.

Aber die Leute beschweren sich, weil sie mehrere Wochen lang zu Hause bleiben müssen. Sie haben doch Strom, Telefon, Essen, heißes Wasser und ein Dach am Kopf.

Nichts davon gab es früher. Doch die Menschheit hat viel schlimmere Umstände überstanden und niemals ihre Lebensfreude verloren.

Und seit Tagen beschweren wir uns, weil wir Masken tragen müssen, um in Supermärkte zu kommen, einkaufen, öffentliche Verkehrsmittel zu nehmen…

Vielleicht ist es an der Zeit, weniger egoistisch zu sein, aufzuhören zu jammern und zu weinen.

Autor unbekannt ′

20.07.20 Europa und die wirtschaftliche Hegemonie Chinas

Holt uns China demnächst die Butter vom Brot. Wie soll Deutschland und Europa auf die immer mehr zum Vorschein kommenden Hegemonie-Pläne Chinas reagieren???

Blauäugig hat die Politik bisher darauf reagiert, wie das Kaninchen auf die Schlange. Das Thema würde zwar auch diskutiert aber verschwand stets genauso schnell wie es gekommen war.. Dahinter stand oft die Befürchtung nur ja nicht der Wirtschaft zu schaden. Das dabei insbesondere der deutsche Mittelstand unter die Räder gekommen ist ist Hallen Regierungen, ob Rot-Grün oder schwarz rot Nicht aufgefallen. hören und sehen sich dazu meinen moderierten Beitrag an.

Zu dem Thema habe ich aber auch einen besonders interessanten Artikel gefunden, den sich die Politik mal hinter die Ohren schreiben sollte. Weil er mir so wichtig erschienen habe ich ihn auch auf meiner Homepage veröffentlicht.

Folge 127 der Vernunft eine Chance

Kreislaufwirtschaft: Wieviel Wiederverwertung wollen wir? – Mit einem Vorwort von Jean Pütz

In dem Beitrag wird darüber berichtet, dass vor allen Dingen junge Leute – 29 und jünger – intensiv die Wiederverwertung von biologischem Abfall begrüßen und für die Endprodukte höhere Preise in Kauf nehmen würden. Aber ich denke, das geht nicht nur die jungen Menschen an, sondern auch die alten. Ich bin 83 Jahre alt und befürworte dies ganz intensiv und meine, dass auch Technologien entwickelt werden, die – wenn nicht schon vorhanden – eine ökonomische und ökologische Verwertung möglich machen. Vielleicht ist das noch viel zu wenig bekannt, dass es z. B. hervorragende Recyclinghöfe für biologischen Pflanzenabfällt gibt, im Internet unter dem Stichwort: Kompostierung und Recycling, ganz besonders die sogenannte Pflanzerde, bestehend aus Kompost, Sand und Muttererde. Das erspart auf jeden Fall teure Blumenerde aus den Garten-Centern, Super-  und Baumärkten. Für wenig Geld kann man dort seinen Garten auf Vordermann bringen. Natürlich lassen sich auch viele andere Abfälle zur Rohstoff-Gewinnung recyclen, insbesondere Energie.

Ihr Jean Pütz

(Wissenschaftsjahr) – 78,2 Prozent der deutschen Bevölkerung befürworten eine möglichst vollständige Wiederverwertung von Produkten, auch wenn diese dadurch teurer würden. Das ergab eine repräsentative Umfrage, die das Meinungsforschungsunternehmen Civey im Auftrag des Wissenschaftsjahres 2020/21 – Bioökonomie durchgeführt hat. Besonders hoch ist die Zustimmung in der Altersgruppe der unter 29-Jährigen (85,1 Prozent). Eine Hürde zeichnet sich allerdings bei der Nutzung biologischer Abfälle für die Produktion von Gütern ab. Deren Potential ist aus Sicht der Bioökonomie besonders vielversprechend. Gerade hier sind die Befragten aber deutlich zurückhaltender: Fast die Hälfte (43,1 Prozent) stehen der Verwertung biologischer Abfälle unentschieden (17,2 Prozent) oder negativ (25,9 Prozent) entgegen – ein Spannungsfeld?

„Die Bioökonomie ist ein wichtiger Treiber, um unsere Wirtschaft widerstandsfähiger und nachhaltiger zu gestalten. Im Bereich der Wiederverwertung kann innovative Forschung diesen Prozess entscheidend unterstützen“, so Prof. Dr. Martin Kranert, Lehrstuhlinhaber für Abfallwirtschaft und Abluft an der Universität Stuttgart. „Ziel unseres Projekts ‚RUN‘ ist es beispielsweise, Stoffkreisläufe zwischen Stadt und Land zu schließen. Um derartige Projekte in die Praxis zu überführen, erfordert es aber auch Akzeptanz gegenüber neuen, auf den ersten Blick ungewöhnlichen Verfahren. Neben der Forschung ist daher auch der Dialog mit der Gesellschaft wichtig. Hier können Chancen aufgezeigt und Vorbehalte aufgeklärt werden.“

Themen wie Abwasser und Müll werden eher selten mit Innovationen in Verbindung gebracht. In der Bioökonomieforschung eröffnet sich hier aber ein weites Fachgebiet mit vielfältigen Ansätzen, die unseren Rohstoffverbrauch senken und unsere Wirtschaft unabhängiger von globalen Rohstoffströmen machen können.

 

Nutzt China Corona, um sich die Perlen der deutschen Wirtschaft zu greifen?

(Business Insider) – In einer neuen Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) warnt der Ökonom Jürgen Matthes davor, dass chinesische Investoren deutsche Firmen kaufen, um in den Schlüsseltechnologien aufzuholen. Gerade auch in der Corona-Krise.

China-Expertin Agatha Kratz vom Forschungsinstitut Rhodium hält dagegen. Sie glaubt, dass nur ein kleiner Teil der Investitionen ein hohes Risiko berge.

Die deutsche Bundesregierung ist jedenfalls gewarnt. Und verschärft die Regeln.

Seit die Kommunistische Partei Chinas ihre Strategie „Made in 2025″ verkündet hat, ist klar: Bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts will die Volksrepublik zur globalen Industriemacht Nummer eins aufsteigen. Auf dem Weg dorthin möchte Peking in zehn Schlüsseltechnologien investieren.

Dafür kaufen chinesische Investoren auch ausländisches Know-how ein. Sie beteiligen sich etwa an deutschen Firmen oder übernehmen diese ganz. Der bisher wohl bekannteste Fall ist der des Augsburger Roboterherstellers Kuka, den 2016 die chinesische Midea-Gruppe übernahm.

Die Corona-Krise, fürchten Wirtschaftskreise, könnte es chinesischen Investoren jetzt noch leichter machen. Das könnte vor allem dann zutreffen, wenn Staatshilfen für geschwächte deutsche Firmen austrocknen und sich dann Investoren aus Fernost finanzkräftiger und großzügiger erweisen als andere.

Verfolgen Chinas Investoren andere Ziele als Gewinn?
In einer neuen Studie warnt Jürgen Matthes, Ökonom am Institut der Wirtschaft (IW). Es gebe zahlreiche Indizien, dass technologisches Wissen aus Deutschland abfließe. China versuche so, industriepolitisch aufzuholen. Gerade in der Coronakrise bestehe die Gefahr, dass die Volksrepublik gezielt finanziell in Not geratene, aber durchaus innovative Firmen in Industrieländern übernehme.

Für seine Analyse hat Matthes ökonomische Arbeiten aus den USA und der EU ausgewertet, eigene Beobachtungen ergänzt und eine Unternehmensumfrage aus dem Jahr 2018 hinzugefügt.

Eines seiner zentralen Ergebnisse: Chinesische Staatsunternehmen übernehmen deutsche Firmen vorwiegend in den zehn von China festgelegten technologischen Schlüsselbranchen. Darunter fallen etwa die Autoindustrie, Biomedizin/Medizintechnik, Maschinenbau und Robotik, vor allem aber auch Informations-, Kommunikations- und Elektrotechnik.

Matthes verweist auf eine Studie des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo. Demnach erwerben chinesische Investoren im Vergleich zu anderen Käufern Unternehmen, die tendenziell größer, patentreicher, höher verschuldet und damit weniger profitabel sind. „Die geringe Rentabilität könnte darauf hindeuten, dass andere als reine Gewinnziele verfolgt werden“, schreibt er. Sprich: politisch-strategische auf Kosten etwa Deutschlands.

Daimler nutzt China-Connection
Matthes befürchtet, dass ein staatlich gesteuertes, schnelles Aufholen Chinas in den Industrieländern zu Wohlstandsverlusten führen könnte, auch wenn dies theoretisch und empirisch derzeit nicht eindeutig zu belegen sei. Doch wie groß ist die Gefahr der chinesischen Aufkauf-Politik für Deutschland wirklich?

„Es ist nicht immer schwarz und weiß“, sagt Agatha Kratz, China-Expertin des Forschungsinstituts Rhodium. „Deutsche Firmen bekommen dank chinesischer Aktionäre oder Investoren auch den Zutritt zum chinesischen Markt.“

Kratz verweist auf den Fall des zweitgrößten deutschen Autobauers Daimler. Dort wurde der Milliardär Li Shufu, Gründer des chinesischen Autobauers Geely, 2019 größter Einzelaktionär. Seitdem arbeiten Daimler und Geely eng zusammen. Das bringt dem deutschen Autohersteller klare Vorteile in der Volksrepublik, dem größten Automarkt der Welt.

Kratz hat selbst zu Chinas Aufkauf-Politik in Europa geforscht. „Chinesische Investitionen im Ausland haben eine klare Gewinnabsicht“, sagt sie. Aber: Die Politik lenke sie über staatliche Anreize gezielt in Branchen mit Schlüsseltechnologien oder -industrien.

„Die wertvollsten Güter in Deutschland und Europa sind nun mal Technologien und Industrien“, sagt Kratz. „Wenn Unternehmen in China das Gefühl haben, dass diese Türen offen stehen, dann nutzen sie das natürlich auch aus.“

Kratz findet chinesische Investitionen prinzipiell nicht verwerflich. Zu verstärkter Achtsamkeit rät sie aber vor allem dort, wo es auch dank kräftiger Hilfen der chinesischen Politik zu einem Technologietransfer kommen könne.

Insbesondere Chinas Staatshilfen hält auch IW-Ökonom Matthes für problematisch. Er wirft dem Land „Wettbewerbsverzerrung“ vor. Wenn es um Übernahmen ausländischer Unternehmen gehe, profitierten chinesische Firmen von erleichtertem Kapital- und Devisenzugang, von Steuererleichterungen und Versicherungen, führt er aus. So könnten sich chinesische Investoren im Preiskampf mit westlichen Konkurrenten einen Vorteil verschaffen.

Deutschland versucht Chinas Aufkäufe einzubremsen
Deutschland versucht spätestens seit Kuka dagegenzuhalten. Die Bundesregierung verhinderte etwa im Herbst 2018 den Kauf des Übertragungsnetzbetreibers 50 Hertz durch chinesische Investoren. Stattdessen sprang die staatliche Förderbank KfW ein. Zudem erschwerte die Bundesregierung erst diesen Juni noch weiter Investitionen aus Drittstaaten in heimische Unternehmen, die für strategisch wichtig erachtet werden.

Trotzdem rät Matthes zu Vorsicht. Er erinnert, dass Deutschland im vergangenen Jahrzehnt auf dem europäischen Kontinent das wichtigste Übernahmeziel für chinesische Investoren gewesen sei. Allein im zweiten Halbjahr 2019 investierten Chinesen insgesamt 4,2 Milliarden Dollar in die Bundesrepublik, wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) zeigt.

Dass chinesische Investoren jetzt die Corona-Krise nutzten, um Deutschland auszukaufen, glaubt China-Expertin Kratz allerdings nicht. Vielmehr deuteten die Zahlen zu den chinesischen Auslandsinvestitionen etwas ganz Anderes an. Demnach haben chinesische Investoren im ersten Quartal 2020 so wenig im Ausland investiert wie seit fast zehn Jahren nicht mehr.

Wie wir unsere Wirtschaft retten: Deutschland droht die Corona-Sklerose

Mit Milliardenhilfen den Absturz der Wirtschaft verhindern zu wollen, reicht nicht aus.

Die Krise beschleunigt die Digitalisierung der Wirtschaft und den Strukturwandel. Wer gut ausgebildet ist, kann sich anpassen und neue Chancen nutzen. Die Corona-Pandemie hat die Bemühungen um Bildung und Ausbildung vor allem junger Menschen aber erheblich beeinträchtigt. Kitas und Schulen waren monatelang geschlossen. Wie lange der Unterricht auf Sparflamme laufen wird, ist noch unklar, aber es kann dauern, bevor Normalität einkehrt. Gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien werden dadurch zurückgeworfen.

Wettbewerb und freier Marktzutritt sind zentrale Voraussetzungen für Innovationen und Wachstum. Da viele kleine und mittlere Unternehmen in der Krise Eigenkapital verloren haben, das sie nur schwer ersetzen können, besteht die Gefahr, dass die Dominanz einzelner großer Firmen weiter wächst und der Wettbewerb verfällt. Das würde einen Trend verstärken, der in vielen Ländern bereits vor der Krise Probleme bereitete. Wachsende Marktmacht führt zu weniger Innovationen, sinkendem Wirtschaftswachstum und wachsender Ungleichheit, weil Monopolgewinne nur wenigen zugutekommen und die Mehrheit belasten.

Risiken ergeben sich auch aus politischen Veränderungen. Viele Unternehmen erhalten in der Krise Kredite und Eigenkapitalhilfen vom Staat. Das ist notwendig, weil private Kapitalmärkte kurzfristig gestört sind. Es gilt aber, zu verhindern, dass es zu einer Welle von Verstaatlichungen kommt, die nach der Krise Wettbewerb und unternehmerisches Handeln blockieren. Verstaatlichte Unternehmen unterliegen immer dem Risiko, dass ihre Geschäftspolitik von politischen Interessen beeinflusst wird. Gleichzeitig wächst für die Politik die Versuchung, staatseigene Firmen vom Wettbewerb abzuschirmen. Notwendiger Strukturwandel wird so gelähmt.

Der exportorientierten deutschen Wirtschaft wird es zu schaffen machen, dass viele Schwellenländer besonders hart von der Corona-Krise getroffen sind. Sie werden als Kunden für deutsche Exportgüter nicht mehr die Rolle einnehmen, die sie vor der Krise hatten. Hinzu kommt die wachsende Neigung zu Protektionismus, besonders der schwelende Handelskrieg zwischen den USA und China. Wenn protektionistische Politik die Unternehmen zwingt, Wertschöpfungsketten zu verkürzen und internationale Arbeitsteilung einzuschränken, werden Kosten und Preise steigen, während das Wachstum sinkt.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung liegt in einer veränderten Haltung der Bürger gegenüber dem Staat. In der Krise erscheint der Staat vielen als allmächtige Institution, die wirtschaftliche Probleme jeder Art ausgleichen kann. Der Privatsektor wirkt demgegenüber schwach und anfällig. Deshalb steigen die Erwartungen, vom Staat versorgt zu werden, während die Kritik an der marktwirtschaftlichen Ordnung wächst. Dabei wird leicht übersehen, dass der Staat nur verteilen kann, was Unternehmen und ihre Beschäftigten erwirtschaftet haben. Wohlstand entsteht durch Erfindungsgeist und die Bereitschaft, zu arbeiten, zu investieren, und unternehmerische Risiken einzugehen. Es ist deshalb wichtig, die Grenzen staatlichen Handelns in der Wirtschaft im Blick zu behalten. Um den Weg aus der Corona-Krise erfolgreich zu bestreiten, ist es erforderlich, den Blick wieder stärker auf die mittel- bis langfristigen Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung zu richten, ohne die Folgen der Krise zu vergessen.

Dieser Text ist ein Vorabdruck aus dem Buch „Wie wir unsere Wirtschaft retten“ von Ifo-Präsident Clemens Fuest. Darin gibt er unter anderem zehn Empfehlungen, wie Wirtschafts- und Finanzpolitik eine Corona-Sklerose in Deutschland verhindern könnte. „Wie wir unsere Wirtschaft retten“ erscheint am 15. Juli im Aufbau Verlag.

Corona-Subventionen der EU: Für die Katz ?

(ZEW) – Die Denkfabrik ZEW hält den milliardenschweren EU-Hilfsfonds für eine Fehlkonstruktion. Von der Pandemie stark betroffene Länder würden nicht gezielt unterstützt.

Brüssel Die Niederlande bekommen im Streit über den Corona-Wiederaufbauplan Schützenhilfe aus Deutschland: Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat den Plan untersucht und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Anders als von der EU-Kommission behauptet kämen die 750 Milliarden Euro keineswegs gezielt den von der Pandemie besonders stark betroffenen Ländern zugute.

Einen wirksamen Reformanreiz für wachstumsschwache EU-Staaten wie Italien würde er auch nicht bieten, heißt es in der ZEW-Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. In Auftrag gegeben wurde sie von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die vom Verband Gesamtmetall und anderen Arbeitgeberverbänden finanziert wird.

„Die Analyse zeigt, dass der Next-Generation-Fonds im Hinblick auf seine Stabilisierungsaufgabe fehlkonstruiert ist“, schreibt ZEW-Experte Friedrich Heinemann. „Der Mitteleinsatz von 750 Milliarden Euro würde auf diese Weise weder eine zielgenaue Unterstützung der besonders stark betroffenen Mitgliedstaaten leisten noch einen nennenswerten Anstoß zur Überwindung des Reformstaus in den Ländern mit geringem Potenzialwachstum.“

Der Befund der ZEW-Forscher deckt sich mit der Kritik des Klubs der „Sparsamen Vier“ an dem Hilfspaket: Die Niederlande, Österreich, Schweden und Dänemark befürchten, dass mit den Milliarden aus dem Corona-Wiederaufbauplan vor allem Haushaltslöcher gestopft werden, ohne die Strukturprobleme wachstumsschwacher Länder zu lösen.

Der niederländische Premierminister Mark Rutte und seine Amtskollegen wollen deshalb beim EU-Gipfel am kommenden Freitag eine Verschärfung der Reformauflagen für Empfängerländer durchsetzen. Außerdem dringen sie darauf, den Fonds insgesamt zu verkleinern.

Die Kommission hatte mit Unterstützung Frankreichs und Deutschlands vorgeschlagen, 500 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse und 250 Milliarden Euro Kredite an von der Coronakrise besonders stark betroffene Länder zu zahlen. Die „Sparsamen Vier“ sind damit nicht einverstanden. Es solle weniger Zuschüsse und mehr Darlehen geben, verlangen sie.

Kaum betroffene Länder profitieren stark
Die ZEW-Forscher stellen das Volumen des Wiederaufbaufonds zwar nicht infrage, wohl aber dessen Ausgestaltung. Laut Entwurf der EU-Kommission sollen 310 Milliarden Euro als direkte Zuwendung an die Mitgliedstaaten fließen.

Für die Verteilung dieses Betrags legt die Kommission ausschließlich ökonomische Kennziffern aus der Zeit vor der Coronakrise zugrunde: Das Pro-Kopf-Einkommen des jeweiligen Landes im Verhältnis zum EU-Durchschnitt im Jahr 2019 sowie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2015 bis 2019 relativ zum EU-Mittelwert. „Die tatsächliche Schwere der Corona-Rezession für die relative Begünstigung eines Landes“ spiele also „keinerlei Rolle“, moniert Heinemann.

Das führe dazu, dass von der Coronakrise kaum betroffene Länder wie Polen stark von dem Wiederaufbaufonds profitieren. Dagegen kämen Spanien, Italien und Frankreich vergleichsweise schlechter weg, obwohl ihre Volkswirtschaften laut EU-Prognose um jeweils über zehn Prozent einbrechen.
Die EU-Kommission begründet ihr Vorgehen damit, dass zu Programmbeginn Anfang 2021 noch kein verlässliches Zahlenmaterial über den durch die Coronakrise verursachten Wirtschaftseinbruch vorliegen würde. Das Argument überzeugte auch die Bundesregierung nicht. Sie verlangte eine Korrektur und fand damit bei EU-Ratspräsident Charles Michel Gehör.

Der Belgier legte am vergangenen Freitag einen Kompromissvorschlag vor. Ihm zufolge sollen die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Verteilungskriterien nur für 70 Prozent der Zahlungen gelten. Die restlichen 30 Prozent sollten an die Länder gehen, wo die Wirtschaft in den Jahren 2021 und 2022 am meisten schrumpft.

Das ZEW moniert darüber hinaus, dass ein Teil des Wiederaufbauprogramms in EU-Haushaltsposten fließen soll, die gar nichts mit der Coronakrise zu tun haben, wie etwa die Agrarsubventionen für die Entwicklung des ländlichen Raums oder den „Just Transition Fonds“ zur Abfederung der Klimaschutzkosten. Insgesamt sei „das Begünstigungsmuster weitgehend losgelöst von der ökonomischen Betroffenheit durch die Pandemie“.

Hinzu komme ein weiteres Manko: Schätzungsweise 75 Prozent der Gelder würden erst 2023 oder noch später fließen. Die akute Wirtschaftskrise sei dann hoffentlich längst vorbei. Auch das Problem hat Michel bereits erkannt. Der EU-Ratspräsident verlangt, dass die Mittel ganz überwiegend in den Jahren 2021 und 2022 ausgezahlt werden. Auch Deutschland ist dafür.

Die Konditionalität der Hilfen ist ein weiterer heikler Punkt des Wiederaufbauplans – sowohl für die „Sparsamen Vier“ als auch für die ZEW-Forscher. Der Wiederaufbauplan könne das Wachstumspotenzial der Empfängerländer nur dann erhöhen, wenn sie mit „wirksamen Anreizen für Strukturreformen“ verbunden seien, heißt es in der ZEW-Studie.

Reformempfehlungen zu vage
Doch daran gebe es erhebliche Zweifel. Die Kommission wolle die Hilfen zwar an die Bedingung knüpfen, dass die jeweiligen Regierungen Brüsseler Reformempfehlungen berücksichtigen und dies in nationalen Reformplänen darlegen. Doch die länderspezifischen Reformempfehlungen der EU seien viel zu vage formuliert und könnten daher keinen „wirklichen Veränderungsdruck entfalten“.

Hinzu komme die Grundeinstellung der Kommission, wonach „die Mitgliedstaaten keinerlei Eigenverantwortung für ihre ökonomische und soziale Lage“ in der Coronakrise hätten. Die ZEW-Forscher sehen das anders: Staaten, die in guten Zeiten vorgesorgt und schwierige Strukturreformen durchgesetzt hätten, seien für Krisenzeiten besser gerüstet.

Es habe daher sehr wohl etwas mit der politischen Eigenleistung zu tun, wie ein Land eine schwere Krise verkrafte. Nicht einverstanden ist das ZEW auch damit, dass die Kommission ausgerechnet Länder mit einer hohen strukturellen Arbeitslosigkeit besonders stark finanziell begünstigen will. Regierungen, die Arbeitsmarktreformen unternommen und ihre Erwerbslosigkeit gesenkt hätten, würden damit bestraft.

Sein eigentliches Ziel – eine Stabilisierung der von der Pandemie stark betroffenen Staaten – könne das Wiederaufbauprogramm nur erreichen, wenn die Regierungschefs „gravierende Designfehler in den anstehenden Verhandlungen beseitigen“, so Heinemann. Konkret fordert er, die Verteilungskriterien neu zu fassen.

„Naheliegende Kriterien“ seien der durch die Coronakrise ausgelöste Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und der Anstieg der Arbeitslosigkeit eines Mitgliedstaats relativ zum EU-Durchschnitt. Dabei könne man „anfänglich mit Prognosen und Abschlagszahlungen arbeiten, die dann kontinuierlich an die Ist-Daten angepasst werden“.

Mittel aus dem Wiederaufbaufonds für die Agrarpolitik und für den Klimafonds sollten gestrichen werden. Das hier benötigte Geld müsse durch Kürzungen bei anderen EU-Haushaltsposten aufgebracht werden. Nötig seien zudem „verbindlichere Reformauflagen“.

Das findet auch der niederländische Ministerpräsident. Mark Rutte verlangt, dass Hilfsanträge für den Wiederaufbaufonds streng von den EU-Finanzministern kontrolliert und einstimmig beschlossen werden. Das würde bedeuten, dass ein einziges Land mit seinem Veto Hilfszahlungen blockieren könnte. Dass Rutte sich mit dieser Maximalforderung durchsetzt, ist nicht zu erwarten: Die Südeuropäer wollen das auf keinen Fall hinnehmen.

Grundlagenforschung, Voraussetzung für die umweltfreundliche Entwicklung der Technik der Zukunft

Diese Mitteilung der Konrad Adenauer Stiftung bezüglich der Grundlagenforschungs-Initiative der EU möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Wie wichtig ich diese persönlich empfinde, können Sie an meiner Antwort ersehen, die ich den Verfassern dieser Meldung auf deren Wunsch zurückgesendet habe.

Vier Empfehlungen zur Zukunft des Europäischen Forschungsrats
(KAS) – Der Europäische Forschungsrat ist eine Erfolgsgeschichte. Allerdings ist seine Zukunft nicht zuletzt wegen herausfordernder EU-Budgetverhandlungen und des Brexit in Gefahr.

Der Europäische Forschungsrat (ECR) fördert seit 2007 grundlagenorientierte Forschung in der EU. Er ist eine echte Erfolgsgeschichte: Seit Bestehen wurden über 10.000 Vorhaben gefördert, von denen viele zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen führten. Allerdings ist die Zukunft des ERC nicht zuletzt wegen herausfordernder EU-Budgetverhandlungen und des Brexit in Gefahr. Unser Analysen & Argumente ist ein Plädoyer dafür, den Europäischen Forschungsrat auch gerade unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu stärken.

› Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine global sehr renommierte Forschungsfördereinrichtung der Europäischen Union.

› Obwohl es den ERC erst seit 2007 gibt, haben ERCGeförderte bereits sieben Nobelpreise, vier Fields-Medaillen und fünf Wolf-Preise erhalten – die weltweit höchsten Forschungsauszeichnungen.

› Trotz seiner großen Erfolge steht der ERC vor Herausforderungen: die schwierigen Budgetverhandlungen zu Horizon Europe, der Brexit und ein Streit um die Leitprinzipien Exzellenz und Themenoffenheit.

› Die EU muss jetzt den ERC durch ein ambitioniertes Budget stärken, das klare Profil des ERC (Exzellenzprimat, Freiräume für themenoffene Spitzenforschung) sichern und die Partnerschaften zu den forschungsstarken Ländern Großbritannien und Schweiz erhalten.

› Deutschland kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu: als EU-Mitgliedsstaat, der stark auf Forschung als Zukunftsmotor setzt und seit Juli 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat.

Hier geht’s weiter

Volksseuche Diabetes-2 – schlimmer als Corona, aber vermeidbar

Persönliche Übersetzung eines Berichts von der Wissenschaftsseite der Washington Post:

Eine Ernährung mit hohem Obst- und Gemüseanteil kann dazu beitragen, das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 50 Prozent zu reduzieren, so die Ergebnisse einer großen neuen Studie!

Die Studie über etwa 10 Jahre, an der mehr als 22.000 Personen teilnahmen, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Gefahr der Teilnehmer, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, und der Aufnahme an Vitamin C und Carotinoiden (Pigmente in buntem Gemüse wie Karotten und Tomaten) im Blut, die als zuverlässiges Indiz für den Obst- und Gemüseverzehr gelten. Die Forscher berechneten, dass jeder Anstieg des Obst- und Gemüseverzehrs um 66 Gramm das Risiko um 25 Prozent senken könnte. Eine andere Studie, die ebenfalls gerade veröffentlicht wurde, fand heraus, dass Vollkornprodukte beim Frühstück , wie z. B. alle Körner-Flocken (z. B. aus Hafer und andere) in Müsli, auch eingerührt in Joghurt, ebenso wie ungeschälter Reis, Vollkornbrot sowie Lebensmittel mit Zusatz von Kleie oder Weizenkeimen – das Risiko um 29 Prozent zu senken schienen. Diese Untersuchung basierte auf Daten über den Lebensmittelkonsum von fast 195.000 Menschen und einem Zeitraum von etwa 24 Jahren.

Typ-2-Diabetes, der sich in der Regel im Erwachsenenalter entwickelt (obwohl aufgrund der zunehmenden Fettleibigkeit immer mehr Kinder mit dieser Krankheit diagnostiziert werden), macht es dem Körper schwer, Zucker richtig zu verdauen. Zu hohe Blutzuckerwerte können Nieren-, Nerven- und Augenschäden, Herzerkrankungen und Schlaganfälle verursachen. Gesunde Ernährung gilt als eine Schlüsselkomponente zur Kontrolle oder Vorbeugung von Typ-2-Diabetes, zusammen mit körperlicher Betätigung und möglicherweise Medikamenten oder Insulin. In den Vereinigten Staaten leiden nach Angaben der ‚Centers for Disease Control and Prevention‘ 34,2 Millionen Menschen an Diabetes (etwa 10 Prozent der Bevölkerung), und mehr als 90 Prozent von ihnen haben Typ-2-Diabetes.

Wenn Sie den Bericht original in englischer Sprache nachlesen möchten:
Diabetes vermeidbar durch bessere Ernährung!

Die Zerstörung des Corona Hypes“ – was ist dran?

(swr3) – „Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffen wirst, dieses Video bis zum Ende anzuschauen, ohne am Ende der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren“, verspricht ein Student in einem Video auf Youtube. Es hat mittlerweile knapp 500.000 Aufrufe. Was ist dran an seinen Thesen?

Das knapp einstündige Youtube-Video Die Zerstörung des Corona Hypes hat nach einer Woche knapp eine halbe Millionen Aufrufe. Es erschien Ende Juni auf dem Kanal Teil der Lösung. Hier stellt sich der Autor zu Beginn selbst vor: Sebastian, Psychologiestudent aus Ulm. Er verspricht: „Ich werde in diesem Video das Thema Corona komplett in seine Einzelteile zerlegen. Und ich fordere dich hiermit heraus zu einer Wette: Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffen wirst, dieses Video bis zum Ende anzuschauen, ohne am Ende der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren.“

Hier geht’s zum Video „Die Zerstörung des Corona Hypes“

1. Basisfakten: Bekanntheit, Veränderung und Saison

Im Video werden drei Fakten vorangestellt:

  1. Viren verändern sich ständig
  2. Coronaviren sind seit Jahren bekannt
  3. Jeden Winter kommt es zu einer erhöhten Sterblichkeit durch akute Atemwegserkrankungen (Grippewelle)

Bekanntheit und Mutation – wenig ergiebig
Soweit gibt es gegen diese drei Fakten nichts einzuwenden, abgesehen davon, dass sich daraus wenig ableiten lässt. Dass Viren sich ändern können, lässt keinen Schluss auf die Einschätzung des neuen Coronavirus zu. Viren können sich so verändern, dass sie harmloser werden oder umgekehrt für den Menschen als Wirt gefährlicher. Wobei man auch hier die Frage stellen müsste, wie das eigentlich genau definiert würde. Denn Viruserkrankungen, die für Infizierte durchgängig starke Symptome bedeuten oder häufiger tödlich enden, verbreiten sich dafür oft weniger stark. Dadurch können sie für den Einzelnen gefährlicher, für eine Gesellschaft insgesamt leichter kontrollierbar sein. Auch kann die Mutation eines Virus bedeuten, dass bereits gefundene Gegenmittel nicht mehr wirken (das simpelste Beispiel ist die jährliche Anpassung der Grippeimpfung) oder das Immunsystem noch nicht auf den neuen Erreger spezialisiert ist.

Dass Coronaviren bekannt sind, stimmt ebenfalls – das neue SARS-Cov-2 hingegen ist es nicht. Und gerade weil Viren mutieren und sich verändern können, bietet das keinen Vorteil im Sinne des vorhandenen Wissens, das sich von anderen Viren des Stamms auf diesen neuen ableiten lassen würde.

Die fehlende Einordnung oder konkrete Ableitung der genannten Fakten macht es schwierig zu erkennen, was ihre Auflistung für die im Video zu Beginn aufgestellte These, „dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren“, bedeuten sollte.

Der Vergleich mit der Grippewelle – ein Klassiker
Psychologie-Student Sebastian zeigt Karten von Grippewellen und die Monate, in denen sie verstärkt auftreten. Was er genau sagen möchte, wird nicht klar. Möglicherweise geht es darum zu verdeutlichen, dass die Corona-Pandemie vergleichbar sei oder schwächer als jährlich auftretende Verläufe von Grippeerkrankungen. Da er allerdings auch hier keine konkrete These formuliert, lässt sich eben nur vermuten, was damit genau belegt werden soll. Im Laufe des Videos wird erneut auf den Grippe-Vergleich verwiesen.

Tatsache ist: Der Vergleich zwischen Grippewellen und dem neuen Coronavirus kursiert schon seit Beginn der Pandemie als Argument für übertriebene politische Maßnahmen. Dass dies nicht haltbar und statistisch irreführend ist, wurde vielfach dargelegt, unter anderem von Correctiv, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland oder dem Faktenfinder der Tagesschau – bereits im April. Mehr zu „Grippe vs. Corona“ findest du auch hier im SWR3-Faktencheck-Überblick.

Außerdem gilt, wie an vielen anderen Stellen zu diesem Video: Aktuelle Statistiken dazu, wie viele Menschen an Covid-19 versterben, können in Deutschland nur vor dem Hintergrund der getroffenen Maßnahmen verstanden werden und dienen daher nicht als Argument für oder gegen die Beschränkungen. Wir haben keine Zahlen dazu, wie es sich Deutschland ohne Shutdown entwickelt hätte , egal ob man Befürworter oder Gegner ist. Möglich sind lediglich Vergleiche zu anderen Ländern – und auch die sind mit Vorsicht anzulegen.

Dazu kommt: Grippe – selbst wenn man sie mit Corona vergleichen könnte – ist ebenfalls keine Lappalie. Die Folgen werden gerne unterschätzt, worauf auch das RKI bereits seit Jahren hinweist.

2. Kritik am Umgang mit der Schweinegrippe
Als wichtiges Wissen („was man auch unbedingt wissen sollte“) wird außerdem vorausgeschickt, dass die Schweinegrippe 2009 relativ harmlos verlief, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchste Pandemiestufe ausgerufen hatte. Ein genauer Zusammenhang, was die Entscheidung damals mit der Corona-Lage heute zutun hat, wird auch an dieser Stelle nicht konkret formuliert. Durch eingespieltes Filmmaterial einer Arte-Dokumentation, in dem auch die heute im Fokus stehenden Experten Christian Drosten und Wolfgang Wodarg gegeneinander geschnitten sind, vermittelt sich der Eindruck, dass die Schweinegrippe-Einschätzungen von damals mit denen der Pandemie heute vergleichbar seien. Der beteiligte Epidemiologe Drosten äußerte sich dazu bereits im Mai in seinem Podcast.

Wie mit neuen Erregern – von SARS bis Schweinegrippe – in der Vergangenheit umgegangen wurde und welche Erkenntnisse daraus gezogen werden konnten, die heute auch die Einschätzung und Maßnahmen gegen das neue Coronavirus beeinflussen, hat der Deutschlandfunk hier mit mehreren verschiedenen Experten aufgearbeitet.

Experten nennen es Präventionsparadoxon wenn eine Maßnahme für den Einzelnen nicht merklich etwas bringt, aber von gesamtgesellschaftlichem Nutzen sein kann. Man spürt als Einzelperson nicht, was man insgesamt verhindert hat. War es unsinnig, für Krebsvorsorge zu werben, wenn man bei mir nichts findet? War die Vorsicht im Umgang mit der Schweinegrippe falsch, wenn die große Pandemie in Deutschland nicht angekommen ist? Waren die Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona übertrieben, wenn es mich persönlich vielleicht gar nicht getroffen hätte?

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass Kritik am Umgang mit der Schweinegrippe damals genauso legitim ist wie die Kritik am Umgang heute mit der Corona-Pandemie. Aus der Darstellung von Maßnahmen oder Aussagen aus 2009 lässt sich aber kein Beweis oder Gegenbeweis dafür entwickeln, dass heute angemessen oder unangemessen mit der Pandemie umgegangen wird.

Und: Selbst wenn sich einzelne Experten in der Vergangenheit verschätzt haben, sagt das nicht notgedrungen etwas über ihre Kompetenz. Denn die Schweinegrippe war damals genauso neu wie heute SARS-CoV-2 und damit als sie auftrat ebenso wenig abschließend einschätzbar.

3. Kritik an Statistiken: allgemein und „in den Medien“
In Die Zerstörung des Corona Hypes wird als Beispiel für die Darstellung von Corona-Statistiken „in den Medien“ die Tagesschau aufgeführt. Kritik: Es handle sich nicht um die Anzahl infizierter Menschen, sondern lediglich um diejenigen, die positiv getestet wurden. Das ist absolut richtig und ein sehr wichtiger Punkt für die Interpretation und das Verständnis von Statistiken über Corona im Allgemeinen. In ihrer Statistik führt die Tagesschau genau deshalb in der Überschrift auf, dass es sich bei den Zahlen um Bestätigte Corona-Fälle handelt – also eben nicht um alle, sondern um die durch einen Test bestätigten Fällen.

Interessant ist, sich den kritisierten Tagesschau-Beitrag nicht nur im Screenshot anzusehen, wie er im Video dargestellt wird. Denn in der Sendung, aus der das Bild stammt, unterstützt ein Sprechertext die Zahlen. Moderatorin Judith Rakers sagt dazu: „Das RKI [Robert-Koch-Institut] bestätigte heute rund 99.200 Infizierte, die Zahl der Corona-Toten stieg auf 1.607“ – es wird also ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um die getesteten und positiv bestätigten Fälle handelt.

Sicher lässt sich darüber diskutieren, ob es genügt, die Zahlen an dieser Stelle unmissverständlich zu transportieren. Tatsächlich macht es die Kürze der Darstellung in einem Nachrichtenüberblick oft schwer, alle Hintergründe – insbesondere bei etwas so Kompliziertem wie dem Coronavirus – ausführlich einzubinden.

Da aber der Ulmer Psychologiestudent nur einen Beitrag anführt, um grundsätzlich die Darstellung „in den Medien“ zu zeigen, ist folgendes zu bedenken:

Die kritisierte Tagesschau-Sendung ist vom 7. April 2020 – zwei Tage später wurden die ersten Zwischenergebnisse der umstrittenen Heinsbergstudie präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine breite Debatte über die Dunkelziffer (also jene Zahl von Menschen, die infiziert sind, aber keinen Test gemacht haben, beispielsweise weil sie kaum oder gar keine Symptome haben). In vielen Medien wurde ausführlich über die Problematik der hohen Dunkelziffer berichtet. Auch in der Tagesschau: zum Beispiel hier, hier oder hier.

Längst bekannt: Das Problem mit der Dunkelziffer
Im Video des Ulmer Studenten wird bei Minuten 5:03 eine Grafik gezeigt, in der die Höhe der insgesamt Infizierten über die Kurve der gemeldeten Fälle gelegt wird. Dies soll verdeutlichen, dass die Pandemie überschätzt würde. Denn wenn mehr Menschen infiziert sind, dann wird der Anteil der Verstorbenen geringer – die Sterberate sinkt.

Woher die Kurve kommt, die in der gezeigten Darstellung anschaulich hoch über den Balken der gemeldeten Fälle liegt, ist nicht nachvollziehbar. In der Quellenangabe gibt es keinen Link zu diesem Abschnitt. Tatsächlich forschen Wissenschaftler auf der ganzen Welt an einer Annäherung an eine zutreffende Sterberate. Aktuell gibt es nur Schätzungen. Es ist also unwahrscheinlich, dass der eingezeichneten weißen Kurve valide Zahlen zugrunde liegen, bei der es sich nicht lediglich um Schätzungen handelt. Und genau darin liegt das Problem: Natürlich würde jeder Wissenschaftler gerne die absolute Zahl aller Infizierten wissen – und damit bestätigt dieses Video eigentlich nur die allgemeingängige Expertenmeinung, dass die Dunkelziffer hoch sein wird und es wichtig wäre, das genauer zu wissen.

Corona-Tests erhöhen die Zahl der bestätigten Infektionen?
Auch die nachfolgenden Erläuterungen dazu, dass ein Anstieg bei den Corona-Tests die Zahl der bestätigten Infizierten erhöhen kann, deckt keinen Skandal auf, sondern ist logisch. Aber: Die Tests lösen keine Pandemie aus. Sie zeigen lediglich, wie groß die Dunkelziffer ist. Umgekehrt würde ja auch niemand sagen: Lass uns nicht testen, dann haben wir auch keine Fälle.

Am Anfang einer Pandemie kann das durchaus sein, dass durch Tests die Zahl bestätigter Infektionen nach oben schnellt. Dass aber bei weiterer steigender Anzahl von Tests nicht automatisch die Zahl bestätigter Infektionen steigt, zeigt die Statistik, die im Video angeführt wird. Denn auch wenn in KW20 (11.-17.5.) viel mehr getestet wird als in KW11 (9.-15.3.), sind sowohl die absoluten Zahlen gemeldeter Fälle als auch die gemeldeten Infizierten pro 100.000 Tests (ein relevanter Wert, wie richtig im Video angemerkt wird) niedriger als damals.

Die Statistik ist also eher ein Gegenbeleg statt ein Beleg dafür, dass die Zahl bestätigter Infektionen im Verhältnis zu steigenden Tests zunimmt.

Hinzu kommt, wie bereits erwähnt, dass die Kriterien für einen Test geändert wurden und anfangs nur Menschen mit starken Symptomen getestet wurden, was für die statistische Interpretation wichtig ist. Zu Beginn und an der Stelle, die Student Sebastian hier als relevant erachtet, wurden keine Menschen getestet, die keine Krankheitssymptome hatten. Die erläutert auch der Volksverpetzer in einem Faktencheck.

10.07.20 Verschwörungstheorien mal lustig gesehen …

Ist Corona aus einer Verschwörung erwachsen? Oder ist diese Pandemie nur eine Fata Morgana?? Hier ein humorvoller Faktencheck:

Sind alle verrückt und blöd, die die Gefahren von Covid-Virus anerkennen? Natürlich gibt es Ausnahmen, z. B. Donald Trump und neben anderen Populisten der brasilianische Präsident Messias Bolsonaro. Alle diese meinen, sie seien im Besitz der absoluten Wahrheit. Aber objektiv gesehen, betreiben sie eine Art Euthanasie gegenüber allen Menschen, die nicht ganz gesund sind oder sich im Herbst des Lebens befinden.
Das erinnert mich an die in Deutschland entstandene Wette, ob Bielefeld existiert oder nicht. Immerhin bietet die Stadt Bielefeld dem, der die Nichtexistenz beweist 1 Million Euro.
Müssen wir wirklich alle diese Auswüchse des postfaktischen Zeitalters akzeptieren, oder ist die Schwarmintelligenz der Deutschen mittlerweile so niedrig geworden, dass wir nicht mehr ausweichen können? Diesen Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich einige der Reaktionen auf meinen letzten Facebook-Beitrag bewerte. Noch nie habe ich so viele negative Bewertungen erhalten. Über 500 Facebook-Freunde haben mir außerdem ihren schriftlichen Kommentar geliefert. Darunter sind relativ viele, die mich sogar wüst beschimpfen, ich hätte nicht mehr alle beisammen, ich wäre senil und sollte mich in meinem Alter jeglicher Meinungsäußerung enthalten. Dabei ging es in meinem Beitrag überhaupt nicht um Meinung, sondern um unverrückbare Fakten, dass Corona bei manchen, die die Krankheit überstanden haben, gefährliche Nachwirkungen erzeugt.
Diese negative Reaktion ist umso mehr verwunderlich, weil ich normaler Weise vorwiegend – mit wenigen Ausnahmen – engagierte Zustimmung erhalte. Was steckt dahinter? Offenbar monieren diese Kritiker meinen Ausspruch, dass ich mit dem Beitrag Corona-Leugner überzeugen wollte, aber so nebenbei erwähnte ich noch, dass bei Anhängern von Verschwörungstheorien Hopfen und Malz verloren sehe. Genau das muss der Stein des Anstoßes gewesen sein. Auf das eigentlich von mir gewählte Thema wurde gar nicht eingegangen. Lehrer in der Schule würden sagen: Thema verfehlt. Aber genau das beunruhigt mich. Ich möchte nicht pauschal urteilen, doch diese Individuen, die die Verschwörungstheorien verbreiten, „wissen nicht was sie tun“ oder sie wollen unsere freiheitlich-demokratische Lebensart bewusst zerstören. Sie wissen ganz genau, dass wir auf Vernunft angewiesen sind, dabei ist die Wissenschaft, auf die unsere Technologie aufbaut, unentbehrlich. Aber das spielt bei Verschwörungstheoretikern keine Rolle. Man könnte das als amüsant ablegen, aber viele Mensch leiden darunter, und es erzeugt Ängste, die deren Lebensqualität beeinflussen.
Vielleicht hilft da nur noch Humor, deshalb möchte ich Ihnen den folgenden Beitrag des vernunftbetonten Kabarettisten Christoph Sieber nicht vorenthalten. Er hält den Verschwörungstheoretikern und ihren Anhängern den Spiegel vor unter dem Motto: Lachen ist gesund, aber nicht Auslachen.

Wenn Sie noch einmal den Stein des Anstoßes begutachten wollen, dann hier mein letzter Facebook-Beitrag

Folge 126: Der Vernunft eine Chance