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Wie wir unsere Wirtschaft retten: Deutschland droht die Corona-Sklerose

Mit Milliardenhilfen den Absturz der Wirtschaft verhindern zu wollen, reicht nicht aus.

Die Krise beschleunigt die Digitalisierung der Wirtschaft und den Strukturwandel. Wer gut ausgebildet ist, kann sich anpassen und neue Chancen nutzen. Die Corona-Pandemie hat die Bemühungen um Bildung und Ausbildung vor allem junger Menschen aber erheblich beeinträchtigt. Kitas und Schulen waren monatelang geschlossen. Wie lange der Unterricht auf Sparflamme laufen wird, ist noch unklar, aber es kann dauern, bevor Normalität einkehrt. Gerade Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Familien werden dadurch zurückgeworfen.

Wettbewerb und freier Marktzutritt sind zentrale Voraussetzungen für Innovationen und Wachstum. Da viele kleine und mittlere Unternehmen in der Krise Eigenkapital verloren haben, das sie nur schwer ersetzen können, besteht die Gefahr, dass die Dominanz einzelner großer Firmen weiter wächst und der Wettbewerb verfällt. Das würde einen Trend verstärken, der in vielen Ländern bereits vor der Krise Probleme bereitete. Wachsende Marktmacht führt zu weniger Innovationen, sinkendem Wirtschaftswachstum und wachsender Ungleichheit, weil Monopolgewinne nur wenigen zugutekommen und die Mehrheit belasten.

Risiken ergeben sich auch aus politischen Veränderungen. Viele Unternehmen erhalten in der Krise Kredite und Eigenkapitalhilfen vom Staat. Das ist notwendig, weil private Kapitalmärkte kurzfristig gestört sind. Es gilt aber, zu verhindern, dass es zu einer Welle von Verstaatlichungen kommt, die nach der Krise Wettbewerb und unternehmerisches Handeln blockieren. Verstaatlichte Unternehmen unterliegen immer dem Risiko, dass ihre Geschäftspolitik von politischen Interessen beeinflusst wird. Gleichzeitig wächst für die Politik die Versuchung, staatseigene Firmen vom Wettbewerb abzuschirmen. Notwendiger Strukturwandel wird so gelähmt.

Der exportorientierten deutschen Wirtschaft wird es zu schaffen machen, dass viele Schwellenländer besonders hart von der Corona-Krise getroffen sind. Sie werden als Kunden für deutsche Exportgüter nicht mehr die Rolle einnehmen, die sie vor der Krise hatten. Hinzu kommt die wachsende Neigung zu Protektionismus, besonders der schwelende Handelskrieg zwischen den USA und China. Wenn protektionistische Politik die Unternehmen zwingt, Wertschöpfungsketten zu verkürzen und internationale Arbeitsteilung einzuschränken, werden Kosten und Preise steigen, während das Wachstum sinkt.

Ein nicht zu unterschätzendes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung liegt in einer veränderten Haltung der Bürger gegenüber dem Staat. In der Krise erscheint der Staat vielen als allmächtige Institution, die wirtschaftliche Probleme jeder Art ausgleichen kann. Der Privatsektor wirkt demgegenüber schwach und anfällig. Deshalb steigen die Erwartungen, vom Staat versorgt zu werden, während die Kritik an der marktwirtschaftlichen Ordnung wächst. Dabei wird leicht übersehen, dass der Staat nur verteilen kann, was Unternehmen und ihre Beschäftigten erwirtschaftet haben. Wohlstand entsteht durch Erfindungsgeist und die Bereitschaft, zu arbeiten, zu investieren, und unternehmerische Risiken einzugehen. Es ist deshalb wichtig, die Grenzen staatlichen Handelns in der Wirtschaft im Blick zu behalten. Um den Weg aus der Corona-Krise erfolgreich zu bestreiten, ist es erforderlich, den Blick wieder stärker auf die mittel- bis langfristigen Voraussetzungen für Wachstum und Beschäftigung zu richten, ohne die Folgen der Krise zu vergessen.

Dieser Text ist ein Vorabdruck aus dem Buch „Wie wir unsere Wirtschaft retten“ von Ifo-Präsident Clemens Fuest. Darin gibt er unter anderem zehn Empfehlungen, wie Wirtschafts- und Finanzpolitik eine Corona-Sklerose in Deutschland verhindern könnte. „Wie wir unsere Wirtschaft retten“ erscheint am 15. Juli im Aufbau Verlag.

Corona-Subventionen der EU: Für die Katz ?

(ZEW) – Die Denkfabrik ZEW hält den milliardenschweren EU-Hilfsfonds für eine Fehlkonstruktion. Von der Pandemie stark betroffene Länder würden nicht gezielt unterstützt.

Brüssel Die Niederlande bekommen im Streit über den Corona-Wiederaufbauplan Schützenhilfe aus Deutschland: Das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hat den Plan untersucht und kommt zu einem vernichtenden Urteil. Anders als von der EU-Kommission behauptet kämen die 750 Milliarden Euro keineswegs gezielt den von der Pandemie besonders stark betroffenen Ländern zugute.

Einen wirksamen Reformanreiz für wachstumsschwache EU-Staaten wie Italien würde er auch nicht bieten, heißt es in der ZEW-Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. In Auftrag gegeben wurde sie von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die vom Verband Gesamtmetall und anderen Arbeitgeberverbänden finanziert wird.

„Die Analyse zeigt, dass der Next-Generation-Fonds im Hinblick auf seine Stabilisierungsaufgabe fehlkonstruiert ist“, schreibt ZEW-Experte Friedrich Heinemann. „Der Mitteleinsatz von 750 Milliarden Euro würde auf diese Weise weder eine zielgenaue Unterstützung der besonders stark betroffenen Mitgliedstaaten leisten noch einen nennenswerten Anstoß zur Überwindung des Reformstaus in den Ländern mit geringem Potenzialwachstum.“

Der Befund der ZEW-Forscher deckt sich mit der Kritik des Klubs der „Sparsamen Vier“ an dem Hilfspaket: Die Niederlande, Österreich, Schweden und Dänemark befürchten, dass mit den Milliarden aus dem Corona-Wiederaufbauplan vor allem Haushaltslöcher gestopft werden, ohne die Strukturprobleme wachstumsschwacher Länder zu lösen.

Der niederländische Premierminister Mark Rutte und seine Amtskollegen wollen deshalb beim EU-Gipfel am kommenden Freitag eine Verschärfung der Reformauflagen für Empfängerländer durchsetzen. Außerdem dringen sie darauf, den Fonds insgesamt zu verkleinern.

Die Kommission hatte mit Unterstützung Frankreichs und Deutschlands vorgeschlagen, 500 Milliarden Euro nicht rückzahlbare Zuschüsse und 250 Milliarden Euro Kredite an von der Coronakrise besonders stark betroffene Länder zu zahlen. Die „Sparsamen Vier“ sind damit nicht einverstanden. Es solle weniger Zuschüsse und mehr Darlehen geben, verlangen sie.

Kaum betroffene Länder profitieren stark
Die ZEW-Forscher stellen das Volumen des Wiederaufbaufonds zwar nicht infrage, wohl aber dessen Ausgestaltung. Laut Entwurf der EU-Kommission sollen 310 Milliarden Euro als direkte Zuwendung an die Mitgliedstaaten fließen.

Für die Verteilung dieses Betrags legt die Kommission ausschließlich ökonomische Kennziffern aus der Zeit vor der Coronakrise zugrunde: Das Pro-Kopf-Einkommen des jeweiligen Landes im Verhältnis zum EU-Durchschnitt im Jahr 2019 sowie die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den Jahren 2015 bis 2019 relativ zum EU-Mittelwert. „Die tatsächliche Schwere der Corona-Rezession für die relative Begünstigung eines Landes“ spiele also „keinerlei Rolle“, moniert Heinemann.

Das führe dazu, dass von der Coronakrise kaum betroffene Länder wie Polen stark von dem Wiederaufbaufonds profitieren. Dagegen kämen Spanien, Italien und Frankreich vergleichsweise schlechter weg, obwohl ihre Volkswirtschaften laut EU-Prognose um jeweils über zehn Prozent einbrechen.
Die EU-Kommission begründet ihr Vorgehen damit, dass zu Programmbeginn Anfang 2021 noch kein verlässliches Zahlenmaterial über den durch die Coronakrise verursachten Wirtschaftseinbruch vorliegen würde. Das Argument überzeugte auch die Bundesregierung nicht. Sie verlangte eine Korrektur und fand damit bei EU-Ratspräsident Charles Michel Gehör.

Der Belgier legte am vergangenen Freitag einen Kompromissvorschlag vor. Ihm zufolge sollen die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Verteilungskriterien nur für 70 Prozent der Zahlungen gelten. Die restlichen 30 Prozent sollten an die Länder gehen, wo die Wirtschaft in den Jahren 2021 und 2022 am meisten schrumpft.

Das ZEW moniert darüber hinaus, dass ein Teil des Wiederaufbauprogramms in EU-Haushaltsposten fließen soll, die gar nichts mit der Coronakrise zu tun haben, wie etwa die Agrarsubventionen für die Entwicklung des ländlichen Raums oder den „Just Transition Fonds“ zur Abfederung der Klimaschutzkosten. Insgesamt sei „das Begünstigungsmuster weitgehend losgelöst von der ökonomischen Betroffenheit durch die Pandemie“.

Hinzu komme ein weiteres Manko: Schätzungsweise 75 Prozent der Gelder würden erst 2023 oder noch später fließen. Die akute Wirtschaftskrise sei dann hoffentlich längst vorbei. Auch das Problem hat Michel bereits erkannt. Der EU-Ratspräsident verlangt, dass die Mittel ganz überwiegend in den Jahren 2021 und 2022 ausgezahlt werden. Auch Deutschland ist dafür.

Die Konditionalität der Hilfen ist ein weiterer heikler Punkt des Wiederaufbauplans – sowohl für die „Sparsamen Vier“ als auch für die ZEW-Forscher. Der Wiederaufbauplan könne das Wachstumspotenzial der Empfängerländer nur dann erhöhen, wenn sie mit „wirksamen Anreizen für Strukturreformen“ verbunden seien, heißt es in der ZEW-Studie.

Reformempfehlungen zu vage
Doch daran gebe es erhebliche Zweifel. Die Kommission wolle die Hilfen zwar an die Bedingung knüpfen, dass die jeweiligen Regierungen Brüsseler Reformempfehlungen berücksichtigen und dies in nationalen Reformplänen darlegen. Doch die länderspezifischen Reformempfehlungen der EU seien viel zu vage formuliert und könnten daher keinen „wirklichen Veränderungsdruck entfalten“.

Hinzu komme die Grundeinstellung der Kommission, wonach „die Mitgliedstaaten keinerlei Eigenverantwortung für ihre ökonomische und soziale Lage“ in der Coronakrise hätten. Die ZEW-Forscher sehen das anders: Staaten, die in guten Zeiten vorgesorgt und schwierige Strukturreformen durchgesetzt hätten, seien für Krisenzeiten besser gerüstet.

Es habe daher sehr wohl etwas mit der politischen Eigenleistung zu tun, wie ein Land eine schwere Krise verkrafte. Nicht einverstanden ist das ZEW auch damit, dass die Kommission ausgerechnet Länder mit einer hohen strukturellen Arbeitslosigkeit besonders stark finanziell begünstigen will. Regierungen, die Arbeitsmarktreformen unternommen und ihre Erwerbslosigkeit gesenkt hätten, würden damit bestraft.

Sein eigentliches Ziel – eine Stabilisierung der von der Pandemie stark betroffenen Staaten – könne das Wiederaufbauprogramm nur erreichen, wenn die Regierungschefs „gravierende Designfehler in den anstehenden Verhandlungen beseitigen“, so Heinemann. Konkret fordert er, die Verteilungskriterien neu zu fassen.

„Naheliegende Kriterien“ seien der durch die Coronakrise ausgelöste Rückgang des Bruttoinlandsprodukts und der Anstieg der Arbeitslosigkeit eines Mitgliedstaats relativ zum EU-Durchschnitt. Dabei könne man „anfänglich mit Prognosen und Abschlagszahlungen arbeiten, die dann kontinuierlich an die Ist-Daten angepasst werden“.

Mittel aus dem Wiederaufbaufonds für die Agrarpolitik und für den Klimafonds sollten gestrichen werden. Das hier benötigte Geld müsse durch Kürzungen bei anderen EU-Haushaltsposten aufgebracht werden. Nötig seien zudem „verbindlichere Reformauflagen“.

Das findet auch der niederländische Ministerpräsident. Mark Rutte verlangt, dass Hilfsanträge für den Wiederaufbaufonds streng von den EU-Finanzministern kontrolliert und einstimmig beschlossen werden. Das würde bedeuten, dass ein einziges Land mit seinem Veto Hilfszahlungen blockieren könnte. Dass Rutte sich mit dieser Maximalforderung durchsetzt, ist nicht zu erwarten: Die Südeuropäer wollen das auf keinen Fall hinnehmen.

Grundlagenforschung, Voraussetzung für die umweltfreundliche Entwicklung der Technik der Zukunft

Diese Mitteilung der Konrad Adenauer Stiftung bezüglich der Grundlagenforschungs-Initiative der EU möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Wie wichtig ich diese persönlich empfinde, können Sie an meiner Antwort ersehen, die ich den Verfassern dieser Meldung auf deren Wunsch zurückgesendet habe.

Vier Empfehlungen zur Zukunft des Europäischen Forschungsrats
(KAS) – Der Europäische Forschungsrat ist eine Erfolgsgeschichte. Allerdings ist seine Zukunft nicht zuletzt wegen herausfordernder EU-Budgetverhandlungen und des Brexit in Gefahr.

Der Europäische Forschungsrat (ECR) fördert seit 2007 grundlagenorientierte Forschung in der EU. Er ist eine echte Erfolgsgeschichte: Seit Bestehen wurden über 10.000 Vorhaben gefördert, von denen viele zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen führten. Allerdings ist die Zukunft des ERC nicht zuletzt wegen herausfordernder EU-Budgetverhandlungen und des Brexit in Gefahr. Unser Analysen & Argumente ist ein Plädoyer dafür, den Europäischen Forschungsrat auch gerade unter der deutschen EU-Ratspräsidentschaft zu stärken.

› Der Europäische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist eine global sehr renommierte Forschungsfördereinrichtung der Europäischen Union.

› Obwohl es den ERC erst seit 2007 gibt, haben ERCGeförderte bereits sieben Nobelpreise, vier Fields-Medaillen und fünf Wolf-Preise erhalten – die weltweit höchsten Forschungsauszeichnungen.

› Trotz seiner großen Erfolge steht der ERC vor Herausforderungen: die schwierigen Budgetverhandlungen zu Horizon Europe, der Brexit und ein Streit um die Leitprinzipien Exzellenz und Themenoffenheit.

› Die EU muss jetzt den ERC durch ein ambitioniertes Budget stärken, das klare Profil des ERC (Exzellenzprimat, Freiräume für themenoffene Spitzenforschung) sichern und die Partnerschaften zu den forschungsstarken Ländern Großbritannien und Schweiz erhalten.

› Deutschland kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu: als EU-Mitgliedsstaat, der stark auf Forschung als Zukunftsmotor setzt und seit Juli 2020 die EU-Ratspräsidentschaft übernommen hat.

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Volksseuche Diabetes-2 – schlimmer als Corona, aber vermeidbar

Persönliche Übersetzung eines Berichts von der Wissenschaftsseite der Washington Post:

Eine Ernährung mit hohem Obst- und Gemüseanteil kann dazu beitragen, das Risiko, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um 50 Prozent zu reduzieren, so die Ergebnisse einer großen neuen Studie!

Die Studie über etwa 10 Jahre, an der mehr als 22.000 Personen teilnahmen, untersuchte den Zusammenhang zwischen der Gefahr der Teilnehmer, an Typ-2-Diabetes zu erkranken, und der Aufnahme an Vitamin C und Carotinoiden (Pigmente in buntem Gemüse wie Karotten und Tomaten) im Blut, die als zuverlässiges Indiz für den Obst- und Gemüseverzehr gelten. Die Forscher berechneten, dass jeder Anstieg des Obst- und Gemüseverzehrs um 66 Gramm das Risiko um 25 Prozent senken könnte. Eine andere Studie, die ebenfalls gerade veröffentlicht wurde, fand heraus, dass Vollkornprodukte beim Frühstück , wie z. B. alle Körner-Flocken (z. B. aus Hafer und andere) in Müsli, auch eingerührt in Joghurt, ebenso wie ungeschälter Reis, Vollkornbrot sowie Lebensmittel mit Zusatz von Kleie oder Weizenkeimen – das Risiko um 29 Prozent zu senken schienen. Diese Untersuchung basierte auf Daten über den Lebensmittelkonsum von fast 195.000 Menschen und einem Zeitraum von etwa 24 Jahren.

Typ-2-Diabetes, der sich in der Regel im Erwachsenenalter entwickelt (obwohl aufgrund der zunehmenden Fettleibigkeit immer mehr Kinder mit dieser Krankheit diagnostiziert werden), macht es dem Körper schwer, Zucker richtig zu verdauen. Zu hohe Blutzuckerwerte können Nieren-, Nerven- und Augenschäden, Herzerkrankungen und Schlaganfälle verursachen. Gesunde Ernährung gilt als eine Schlüsselkomponente zur Kontrolle oder Vorbeugung von Typ-2-Diabetes, zusammen mit körperlicher Betätigung und möglicherweise Medikamenten oder Insulin. In den Vereinigten Staaten leiden nach Angaben der ‚Centers for Disease Control and Prevention‘ 34,2 Millionen Menschen an Diabetes (etwa 10 Prozent der Bevölkerung), und mehr als 90 Prozent von ihnen haben Typ-2-Diabetes.

Wenn Sie den Bericht original in englischer Sprache nachlesen möchten:
Diabetes vermeidbar durch bessere Ernährung!

Die Zerstörung des Corona Hypes“ – was ist dran?

(swr3) – „Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffen wirst, dieses Video bis zum Ende anzuschauen, ohne am Ende der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren“, verspricht ein Student in einem Video auf Youtube. Es hat mittlerweile knapp 500.000 Aufrufe. Was ist dran an seinen Thesen?

Das knapp einstündige Youtube-Video Die Zerstörung des Corona Hypes hat nach einer Woche knapp eine halbe Millionen Aufrufe. Es erschien Ende Juni auf dem Kanal Teil der Lösung. Hier stellt sich der Autor zu Beginn selbst vor: Sebastian, Psychologiestudent aus Ulm. Er verspricht: „Ich werde in diesem Video das Thema Corona komplett in seine Einzelteile zerlegen. Und ich fordere dich hiermit heraus zu einer Wette: Ich wette mit dir, dass du es nicht schaffen wirst, dieses Video bis zum Ende anzuschauen, ohne am Ende der Meinung zu sein, dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren.“

Hier geht’s zum Video Die Zerstörung des Corona Hypes“

1. Basisfakten: Bekanntheit, Veränderung und Saison

Im Video werden drei Fakten vorangestellt:

  1. Viren verändern sich ständig
  2. Coronaviren sind seit Jahren bekannt
  3. Jeden Winter kommt es zu einer erhöhten Sterblichkeit durch akute Atemwegserkrankungen (Grippewelle)

Bekanntheit und Mutation – wenig ergiebig
Soweit gibt es gegen diese drei Fakten nichts einzuwenden, abgesehen davon, dass sich daraus wenig ableiten lässt. Dass Viren sich ändern können, lässt keinen Schluss auf die Einschätzung des neuen Coronavirus zu. Viren können sich so verändern, dass sie harmloser werden oder umgekehrt für den Menschen als Wirt gefährlicher. Wobei man auch hier die Frage stellen müsste, wie das eigentlich genau definiert würde. Denn Viruserkrankungen, die für Infizierte durchgängig starke Symptome bedeuten oder häufiger tödlich enden, verbreiten sich dafür oft weniger stark. Dadurch können sie für den Einzelnen gefährlicher, für eine Gesellschaft insgesamt leichter kontrollierbar sein. Auch kann die Mutation eines Virus bedeuten, dass bereits gefundene Gegenmittel nicht mehr wirken (das simpelste Beispiel ist die jährliche Anpassung der Grippeimpfung) oder das Immunsystem noch nicht auf den neuen Erreger spezialisiert ist.

Dass Coronaviren bekannt sind, stimmt ebenfalls – das neue SARS-Cov-2 hingegen ist es nicht. Und gerade weil Viren mutieren und sich verändern können, bietet das keinen Vorteil im Sinne des vorhandenen Wissens, das sich von anderen Viren des Stamms auf diesen neuen ableiten lassen würde.

Die fehlende Einordnung oder konkrete Ableitung der genannten Fakten macht es schwierig zu erkennen, was ihre Auflistung für die im Video zu Beginn aufgestellte These, „dass die Maßnahmen, der Lockdown und die Kontaktsperren zu keinem Zeitpunkt gerechtfertigt waren“, bedeuten sollte.

Der Vergleich mit der Grippewelle – ein Klassiker
Psychologie-Student Sebastian zeigt Karten von Grippewellen und die Monate, in denen sie verstärkt auftreten. Was er genau sagen möchte, wird nicht klar. Möglicherweise geht es darum zu verdeutlichen, dass die Corona-Pandemie vergleichbar sei oder schwächer als jährlich auftretende Verläufe von Grippeerkrankungen. Da er allerdings auch hier keine konkrete These formuliert, lässt sich eben nur vermuten, was damit genau belegt werden soll. Im Laufe des Videos wird erneut auf den Grippe-Vergleich verwiesen.

Tatsache ist: Der Vergleich zwischen Grippewellen und dem neuen Coronavirus kursiert schon seit Beginn der Pandemie als Argument für übertriebene politische Maßnahmen. Dass dies nicht haltbar und statistisch irreführend ist, wurde vielfach dargelegt, unter anderem von Correctiv, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland oder dem Faktenfinder der Tagesschau – bereits im April. Mehr zu „Grippe vs. Corona“ findest du auch hier im SWR3-Faktencheck-Überblick.

Außerdem gilt, wie an vielen anderen Stellen zu diesem Video: Aktuelle Statistiken dazu, wie viele Menschen an Covid-19 versterben, können in Deutschland nur vor dem Hintergrund der getroffenen Maßnahmen verstanden werden und dienen daher nicht als Argument für oder gegen die Beschränkungen. Wir haben keine Zahlen dazu, wie es sich Deutschland ohne Shutdown entwickelt hätte , egal ob man Befürworter oder Gegner ist. Möglich sind lediglich Vergleiche zu anderen Ländern – und auch die sind mit Vorsicht anzulegen.

Dazu kommt: Grippe – selbst wenn man sie mit Corona vergleichen könnte – ist ebenfalls keine Lappalie. Die Folgen werden gerne unterschätzt, worauf auch das RKI bereits seit Jahren hinweist.

2. Kritik am Umgang mit der Schweinegrippe
Als wichtiges Wissen („was man auch unbedingt wissen sollte“) wird außerdem vorausgeschickt, dass die Schweinegrippe 2009 relativ harmlos verlief, obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die höchste Pandemiestufe ausgerufen hatte. Ein genauer Zusammenhang, was die Entscheidung damals mit der Corona-Lage heute zutun hat, wird auch an dieser Stelle nicht konkret formuliert. Durch eingespieltes Filmmaterial einer Arte-Dokumentation, in dem auch die heute im Fokus stehenden Experten Christian Drosten und Wolfgang Wodarg gegeneinander geschnitten sind, vermittelt sich der Eindruck, dass die Schweinegrippe-Einschätzungen von damals mit denen der Pandemie heute vergleichbar seien. Der beteiligte Epidemiologe Drosten äußerte sich dazu bereits im Mai in seinem Podcast.

Wie mit neuen Erregern – von SARS bis Schweinegrippe – in der Vergangenheit umgegangen wurde und welche Erkenntnisse daraus gezogen werden konnten, die heute auch die Einschätzung und Maßnahmen gegen das neue Coronavirus beeinflussen, hat der Deutschlandfunk hier mit mehreren verschiedenen Experten aufgearbeitet.

Experten nennen es Präventionsparadoxon wenn eine Maßnahme für den Einzelnen nicht merklich etwas bringt, aber von gesamtgesellschaftlichem Nutzen sein kann. Man spürt als Einzelperson nicht, was man insgesamt verhindert hat. War es unsinnig, für Krebsvorsorge zu werben, wenn man bei mir nichts findet? War die Vorsicht im Umgang mit der Schweinegrippe falsch, wenn die große Pandemie in Deutschland nicht angekommen ist? Waren die Maßnahmen im Zusammenhang mit Corona übertrieben, wenn es mich persönlich vielleicht gar nicht getroffen hätte?

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass Kritik am Umgang mit der Schweinegrippe damals genauso legitim ist wie die Kritik am Umgang heute mit der Corona-Pandemie. Aus der Darstellung von Maßnahmen oder Aussagen aus 2009 lässt sich aber kein Beweis oder Gegenbeweis dafür entwickeln, dass heute angemessen oder unangemessen mit der Pandemie umgegangen wird.

Und: Selbst wenn sich einzelne Experten in der Vergangenheit verschätzt haben, sagt das nicht notgedrungen etwas über ihre Kompetenz. Denn die Schweinegrippe war damals genauso neu wie heute SARS-CoV-2 und damit als sie auftrat ebenso wenig abschließend einschätzbar.

3. Kritik an Statistiken: allgemein und „in den Medien“
In Die Zerstörung des Corona Hypes wird als Beispiel für die Darstellung von Corona-Statistiken „in den Medien“ die Tagesschau aufgeführt. Kritik: Es handle sich nicht um die Anzahl infizierter Menschen, sondern lediglich um diejenigen, die positiv getestet wurden. Das ist absolut richtig und ein sehr wichtiger Punkt für die Interpretation und das Verständnis von Statistiken über Corona im Allgemeinen. In ihrer Statistik führt die Tagesschau genau deshalb in der Überschrift auf, dass es sich bei den Zahlen um Bestätigte Corona-Fälle handelt – also eben nicht um alle, sondern um die durch einen Test bestätigten Fällen.

Interessant ist, sich den kritisierten Tagesschau-Beitrag nicht nur im Screenshot anzusehen, wie er im Video dargestellt wird. Denn in der Sendung, aus der das Bild stammt, unterstützt ein Sprechertext die Zahlen. Moderatorin Judith Rakers sagt dazu: „Das RKI [Robert-Koch-Institut] bestätigte heute rund 99.200 Infizierte, die Zahl der Corona-Toten stieg auf 1.607“ – es wird also ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich um die getesteten und positiv bestätigten Fälle handelt.

Sicher lässt sich darüber diskutieren, ob es genügt, die Zahlen an dieser Stelle unmissverständlich zu transportieren. Tatsächlich macht es die Kürze der Darstellung in einem Nachrichtenüberblick oft schwer, alle Hintergründe – insbesondere bei etwas so Kompliziertem wie dem Coronavirus – ausführlich einzubinden.

Da aber der Ulmer Psychologiestudent nur einen Beitrag anführt, um grundsätzlich die Darstellung „in den Medien“ zu zeigen, ist folgendes zu bedenken:

Die kritisierte Tagesschau-Sendung ist vom 7. April 2020 – zwei Tage später wurden die ersten Zwischenergebnisse der umstrittenen Heinsbergstudie präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits eine breite Debatte über die Dunkelziffer (also jene Zahl von Menschen, die infiziert sind, aber keinen Test gemacht haben, beispielsweise weil sie kaum oder gar keine Symptome haben). In vielen Medien wurde ausführlich über die Problematik der hohen Dunkelziffer berichtet. Auch in der Tagesschau: zum Beispiel hier, hier oder hier.

Längst bekannt: Das Problem mit der Dunkelziffer
Im Video des Ulmer Studenten wird bei Minuten 5:03 eine Grafik gezeigt, in der die Höhe der insgesamt Infizierten über die Kurve der gemeldeten Fälle gelegt wird. Dies soll verdeutlichen, dass die Pandemie überschätzt würde. Denn wenn mehr Menschen infiziert sind, dann wird der Anteil der Verstorbenen geringer – die Sterberate sinkt.

Woher die Kurve kommt, die in der gezeigten Darstellung anschaulich hoch über den Balken der gemeldeten Fälle liegt, ist nicht nachvollziehbar. In der Quellenangabe gibt es keinen Link zu diesem Abschnitt. Tatsächlich forschen Wissenschaftler auf der ganzen Welt an einer Annäherung an eine zutreffende Sterberate. Aktuell gibt es nur Schätzungen. Es ist also unwahrscheinlich, dass der eingezeichneten weißen Kurve valide Zahlen zugrunde liegen, bei der es sich nicht lediglich um Schätzungen handelt. Und genau darin liegt das Problem: Natürlich würde jeder Wissenschaftler gerne die absolute Zahl aller Infizierten wissen – und damit bestätigt dieses Video eigentlich nur die allgemeingängige Expertenmeinung, dass die Dunkelziffer hoch sein wird und es wichtig wäre, das genauer zu wissen.

Corona-Tests erhöhen die Zahl der bestätigten Infektionen?
Auch die nachfolgenden Erläuterungen dazu, dass ein Anstieg bei den Corona-Tests die Zahl der bestätigten Infizierten erhöhen kann, deckt keinen Skandal auf, sondern ist logisch. Aber: Die Tests lösen keine Pandemie aus. Sie zeigen lediglich, wie groß die Dunkelziffer ist. Umgekehrt würde ja auch niemand sagen: Lass uns nicht testen, dann haben wir auch keine Fälle.

Am Anfang einer Pandemie kann das durchaus sein, dass durch Tests die Zahl bestätigter Infektionen nach oben schnellt. Dass aber bei weiterer steigender Anzahl von Tests nicht automatisch die Zahl bestätigter Infektionen steigt, zeigt die Statistik, die im Video angeführt wird. Denn auch wenn in KW20 (11.-17.5.) viel mehr getestet wird als in KW11 (9.-15.3.), sind sowohl die absoluten Zahlen gemeldeter Fälle als auch die gemeldeten Infizierten pro 100.000 Tests (ein relevanter Wert, wie richtig im Video angemerkt wird) niedriger als damals.

Die Statistik ist also eher ein Gegenbeleg statt ein Beleg dafür, dass die Zahl bestätigter Infektionen im Verhältnis zu steigenden Tests zunimmt.

Hinzu kommt, wie bereits erwähnt, dass die Kriterien für einen Test geändert wurden und anfangs nur Menschen mit starken Symptomen getestet wurden, was für die statistische Interpretation wichtig ist. Zu Beginn und an der Stelle, die Student Sebastian hier als relevant erachtet, wurden keine Menschen getestet, die keine Krankheitssymptome hatten. Die erläutert auch der Volksverpetzer in einem Faktencheck.

10.07.20 Verschwörungstheorien mal lustig gesehen …

Ist Corona aus einer Verschwörung erwachsen? Oder ist diese Pandemie nur eine Fata Morgana?? Hier ein humorvoller Faktencheck:

Sind alle verrückt und blöd, die die Gefahren von Covid-Virus anerkennen? Natürlich gibt es Ausnahmen, z. B. Donald Trump und neben anderen Populisten der brasilianische Präsident Messias Bolsonaro. Alle diese meinen, sie seien im Besitz der absoluten Wahrheit. Aber objektiv gesehen, betreiben sie eine Art Euthanasie gegenüber allen Menschen, die nicht ganz gesund sind oder sich im Herbst des Lebens befinden.
Das erinnert mich an die in Deutschland entstandene Wette, ob Bielefeld existiert oder nicht. Immerhin bietet die Stadt Bielefeld dem, der die Nichtexistenz beweist 1 Million Euro.
Müssen wir wirklich alle diese Auswüchse des postfaktischen Zeitalters akzeptieren, oder ist die Schwarmintelligenz der Deutschen mittlerweile so niedrig geworden, dass wir nicht mehr ausweichen können? Diesen Eindruck habe ich jedenfalls, wenn ich einige der Reaktionen auf meinen letzten Facebook-Beitrag bewerte. Noch nie habe ich so viele negative Bewertungen erhalten. Über 500 Facebook-Freunde haben mir außerdem ihren schriftlichen Kommentar geliefert. Darunter sind relativ viele, die mich sogar wüst beschimpfen, ich hätte nicht mehr alle beisammen, ich wäre senil und sollte mich in meinem Alter jeglicher Meinungsäußerung enthalten. Dabei ging es in meinem Beitrag überhaupt nicht um Meinung, sondern um unverrückbare Fakten, dass Corona bei manchen, die die Krankheit überstanden haben, gefährliche Nachwirkungen erzeugt.
Diese negative Reaktion ist umso mehr verwunderlich, weil ich normaler Weise vorwiegend – mit wenigen Ausnahmen – engagierte Zustimmung erhalte. Was steckt dahinter? Offenbar monieren diese Kritiker meinen Ausspruch, dass ich mit dem Beitrag Corona-Leugner überzeugen wollte, aber so nebenbei erwähnte ich noch, dass bei Anhängern von Verschwörungstheorien Hopfen und Malz verloren sehe. Genau das muss der Stein des Anstoßes gewesen sein. Auf das eigentlich von mir gewählte Thema wurde gar nicht eingegangen. Lehrer in der Schule würden sagen: Thema verfehlt. Aber genau das beunruhigt mich. Ich möchte nicht pauschal urteilen, doch diese Individuen, die die Verschwörungstheorien verbreiten, „wissen nicht was sie tun“ oder sie wollen unsere freiheitlich-demokratische Lebensart bewusst zerstören. Sie wissen ganz genau, dass wir auf Vernunft angewiesen sind, dabei ist die Wissenschaft, auf die unsere Technologie aufbaut, unentbehrlich. Aber das spielt bei Verschwörungstheoretikern keine Rolle. Man könnte das als amüsant ablegen, aber viele Mensch leiden darunter, und es erzeugt Ängste, die deren Lebensqualität beeinflussen.
Vielleicht hilft da nur noch Humor, deshalb möchte ich Ihnen den folgenden Beitrag des vernunftbetonten Kabarettisten Christoph Sieber nicht vorenthalten. Er hält den Verschwörungstheoretikern und ihren Anhängern den Spiegel vor unter dem Motto: Lachen ist gesund, aber nicht Auslachen.

Wenn Sie noch einmal den Stein des Anstoßes begutachten wollen, dann hier mein letzter Facebook-Beitrag

Folge 126: Der Vernunft eine Chance

 

Welche Langzeitwirkung hat der Coronavirus auf unseren Körper? – Mit einem Vorwort von Jean Pütz

(SWR3) – Was macht Covid-19 eigentlich mit unserem Körper? Diese Frage kann noch keiner so wirklich beantworten. Denn: Es gelten zwar immer mehr Corona-Patienten in Deutschland als genesen – nicht alle sind aber auch wieder vollständig gesund geworden. Manche Patienten berichten, dass sie ihren Geschmackssinn verloren haben, andere sprechen von Kurzatmigkeit oder Erschöpfung über Wochen und zum Teil Monate.

Solche Langzeitfolgen soll jetzt das COVIDOM-Projekt erforschen. Mit dabei unter anderem die Charité Berlin und die Unis Würzburg, Leipzig und Frankfurt.

SWR3 hat mit Professor Dr. Stefan Schreiber gesprochen. Er ist von der Uni in Kiel und leitet das Projekt:

Welche Langzeitfolgen von Covid-19 sind jetzt schon bekannt?
Ich bin ja auch als Arzt in der Kieler Klinik für innere Medizin beschäftigt und sehe dort Patienten, die mit Langzeitproblemen zu mir kommen. Auch junge Menschen, die gar nicht schwer krank gewesen sind, die aber ihre Leistungsfähigkeit über Wochen und Monate verloren haben. Oder es gibt Menschen, die nach der Infektion über einen Ausfall von bestimmten Funktionen des zentralen Nervensystems klagen. Das sind Erscheinungen, die nicht verwunderlich sind. Denn wir wissen heute, dass der Virus nicht nur die Lunge entzündet, sondern das über die Entzündungen der Gefäße auch andere Organschäden entstehen.

Das Coronvirus ist eine Lungenkrankheit – ist das überholt?
Ja, das ist komplett überholt. Bereits in der Akut-Phase haben wir gesehen, dass die Gefäßentzündung – die massiv ist und die Deckzellen der kleinen Blutgefäße zerstört – auch außerhalb der Lunge zu ganz erheblichen Organschäden führt.

Patienten, die in Schleswig-Holstein positiv auf Corona getestet wurden, wollen Sie mindestens zwei Jahre immer wieder untersuchen. Wie wollen Sie das machen?
Wir setzen dazu eine ganze Batterie von Testverfahren ein. Das beinhaltet nicht nur, dass die Betroffenen von uns kontaktiert und befragt werden, sondern es erfolgt auch eine Einladung eines Universitätsklinikums in Schleswig-Holstein nach Kiel, in der dann eine genaue Vermessung des Körpers stattfindet. Mit der ersten Einladung sind das dann die Organe des Brustkorbs – also Herz, Lunge und Gefäße. Und mit der zweiten Einladung ist das dann eine Ganzkörperuntersuchung. Und so bekommt jeder Betroffene ein Gesundheitsprodukt, das man eigentlich gar nicht bezahlen kann, das also mit höchstem Einsatz der Medizin erfolgt und das sicher auch noch „Beifang“ haben wird, was auch andere Krankheiten angeht. Und wir erhalten Daten, wie denn die Infektion die Gesundheit der Menschen verstellt und was das Gesundheitssystem erwarten muss.

Bei welchen Patienten können Langzeitschäden auftreten?
Ich glaube da gibt es noch keine klaren Prädiktoren – also Vorhersagen – wer einen Langzeitschaden hat oder wer nicht. Das ist der Grund, warum es dieses Projekt geben muss, denn am Ende müssen wir das sowohl für die Betroffenen herausfinden, als auch für das Gesundheitssystem die relevanten Daten erstellen. Denn das wird uns in den nächsten Jahren belasten.

Ich glaube vor allen Dingen auch, dass uns diese Covid-19-Erkrankung die Chance gibt, die Beziehung zwischen einer schweren Virusinfektion und den scheinbar zufällig im Alter auftretenden üblichen Erkrankungen zu erkennen, wie zum Beispiel Herzinsuffizienz oder Morbus-Parkinson. Ich könnte mir vorstellen, dass die eine oder andere Krankheit durchaus auch auf Virusinfekte, vielleicht mit ganz andere Viren, zurückzuführen ist. Dafür haben wir uns bloß in der Vergangenheit nie interessiert.

Kann man schon sagen, wie häufig solche längerfristigen Schäden auftreten?
Dazu gibt es noch keine Aussage. Die werden natürlich auch überlagert, dadurch dass Menschen in der Phase der Covid-10-Infektion und -Isolation maximal psychisch betroffen sind und es sicher neben den Schäden der Organsysteme auch Schäden geben wird, die in der Psychosomatik und der Psyche des Menschen liegen.

Verlässliche Quelle gegen Fakenews und Verschwörungstheorien: Das Netzwerk Correctiv informiert – Mit einer Vorbemerkung von Jean Pütz

Eine verlässliche Quelle für wissenschaftlich-glaubhafte Nachrichten, insbesondere aber auch gegen Fakenews und Verschwörungstheorien ist das Netzwerk Correctiv.
Correctiv recherchiert langfristig zu Missständen in der Gesellschaft, fördert Medienkompetenz und führt Bildungsprogramme durch. Correctiv hat  auch einen sogenannten Correctiv-Faktenscheck geschaffen, besonders um gegen Demokratie-gefährdende Informationen in den neuen Medien in Corona-Zeiten anzugehen, die von böswilligen  Ideologen und Verschwörungstheoretikern – aus welchen Gründen auch immer – verbreitet werden.
Daneben bemüht sich aber auch das Netzwerk Recherche, in dem sich seröse Journalisten zusammengeschlossen haben, um Mißstände aufzuzeigen, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. So wurden von ihnen die ‚Panama-Papiere‘ aufgedeckt, die die Machenschaften von Steuerhinterziehern offenbarten – und vieles andere mehr, z. B. in internationaler Recherche die Cum-Ex-Verbrechen.

Übrigens: Ich bin dort ebenso wie bei der Wissenschaftskonferenz: Mitglied, die u. a. mit Wissenschaftsorganisation das Science-Media-Center gegründet hat, welches nach streng wissenschaftlichen Kriterien – nicht nur über Corona – die gesamte Presse mit objektiven Nachrichten informiert.

Ihr Jean Pütz

(Correctiv) – Falschinformationen und Viren haben einiges gemeinsam: Sie können sich exponentiell ausbreiten, und sie machen nicht vor Grenzen halt. Mitte März hat CORRECTIV.Faktencheck sich deshalb mit vier weiteren Organisationen in Europa zusammengeschlossen, um die Verbreitung von falschen Behauptungen über Covid-19 besser zu verstehen.

Die Kooperation mit Maldita.es in Spanien, Pagella Politica/Facta in Italien, Full Fact in Großbritannien und Agence France-Presse (AFP) in Frankreich zeigt, dass in der Flut der Falschinformationen Muster zu erkennen sind. Identische Gerüchte und falsche Behauptungen tauchten in allen fünf Ländern auf. Unsere Analyse haben wir als interaktives Web-Projekt in fünf Sprachen veröffentlicht: covidinfodemiceurope.com

Zudem haben wir uns diese Woche intensiv mit dem PCR-Test beschäftigt. Immer wieder wird behauptet, er sei unzuverlässig und reagiere auf andere Coronaviren. Aktuell wird sogar spekuliert, ob die Ausbrüche in Schlachthöfen darauf zurückzuführen sind, dass der Test auf Viren von Rindern oder Schweinen reagierte. Unsere Recherchen zeigen: Da ist nichts dran.

PCR-Tests für SARS-CoV-2 reagieren nicht positiv auf andere Coronaviren von Nutztieren
Stecken hinter der großen Anzahl an Corona-Infizierten in Schlachthöfen falsche Testergebnisse? Unter anderem in Sozialen Netzwerken wird aktuell behauptet, dass dafür eine Kreuzreaktionen auf andere Coronaviren verantwortlich sei, zum Beispiel von Rindern. Das ist falsch.

Unter anderem in einem Video  des Youtubers Samuel Eckert vom 21. Juni wird angedeutet, dass die PCR-Tests für SARS-CoV-2 auf andere Arten von Coronaviren, die bei Tieren wie Schweinen oder Rindern vorkommen, anspringen würden. Anlass der Debatte war der Corona-Ausbruch bei dem Schlachtbetrieb Tönnies.

Das Video wurde fast 40.000 Mal angeklickt. Eckert bezieht sich darin unter anderem auf den Arzt Wolfgang Wodarg, der bereits vor Wochen mit der Behauptung aufgefallen war, die PCR-Tests seien angeblich nicht zuverlässig. Auf seiner Webseite stellte Wodarg am 18. Juni die Suggestivfrage: „Kann es sein, dass die vielen SARS-CoV-2-PCR-Positiven auf Schlachthöfen eine Folge von Kreuzreaktionen auf die in der Veterinärmedizin üblichen Corona-Impfungen sind?“ Schließlich würden ja Schlacht- und Haustiere gegen verschiedene Coronaviren geimpft.

Spekulationen über Zuverlässigkeit des PCR-Tests
Ganz ähnlich heißt es auch in einem Facebook-Beitrag (23. Juni): „Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt?“ Und in einem Artikel der österreichischen Seite Mein Bezirk vom 23. Juni über die Schlachthof-Ausbrüche wird über „mögliche Fehldiagnosen von Rinder-Coronaviren“ spekuliert. All diese Behauptungen zielen darauf ab, dass in den Schlachthöfen angeblich kein SARS-CoV-2 ausgebrochen ist und alles auf einem Irrtum beruht.

CORRECTIV ist der Frage nachgegangen, ob der PCR-Test, der für SARS-CoV-2 verwendet wird, auf andere Coronaviren von Nutztieren positiv reagieren könnte. Sie lässt sich nach übereinstimmender Aussage von Experten mit Nein beantworten. Coronaviren von Rindern, Schweinen oder Hühnern befallen keine Menschen. Sie sind genetisch sehr verschieden von SARS-CoV-2 – deshalb kann der PCR-Test, der aktuell an Menschen verwendet wird, auf sie nicht positiv reagieren.

Nutztiere werden gegen andere Coronaviren geimpft
Es stimmt, dass es viele Coronaviren gibt, die bei verschiedenen Tierarten vorkommen. Einige bekannte Coronaviren lösen auch Erkältungen beim Menschen aus. Die Viren sind genetisch verschieden, obwohl sie zur selben Familie gehören.

Auf Nachfrage von CORRECTIV teilte die Sprecherin des Friedrich-Löffler-Instituts (FLI), Elke Reinking, per E-Mail mit, in Deutschland gebe es zugelassene Impfstoffe für Rinder und Geflügel – gegen das Bovine Coronavirus und das Virus der Infektiösen Bronchitis der Hühner. Zudem sei ein Impfstoff gegen das Feline Coronavirus zugelassen, das Katzen befällt. Das FLI ist das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit.

„Die bei Nutztieren vorkommenden Coronaviren sind genetisch weit entfernt von den beim Menschen zu schweren Erkrankungen führenden Coronaviren“, erklärt Reinking. Daher sei eine Übertragung auf Menschen sehr unwahrscheinlich. Schweine und Hühner seien zudem nicht empfänglich für SARS-CoV-2, das hätten mehreren Arbeitsgruppen weltweit, darunter auch am Friedrich-Loeffler-Institut, gezeigt. „Die Empfänglichkeit von Rindern gegenüber SARS-CoV-2 wird derzeit geprüft.“

Behörden: PCR-Tests zeigen keine Kreuzreaktionen mit Coronaviren von Nutz- und Haustieren
Beim PCR-Test auf SARS-CoV-2 werden mit Abstrichen Proben direkt aus den Atemwegen eines Menschen entnommen. Dass der PCR-Test auf andere Coronaviren von Nutztieren oder die Impfstoffe reagieren könnte, verneint FLI-Sprecherin Reinking. „Die vorhandenen PCR-Tests erkennen SARS-CoV-2 sehr zuverlässig und spezifisch. Sie zeigen keine Kreuzreaktionen mit anderen Coronaviren der Nutz- und Haustiere.“

Gleiches teilte uns Susanne Glasmacher, Sprecherin des Robert-Koch-Instituts, auf unsere Anfrage per E-Mail mit: „Bei PCR-Tests bei Menschen werden Erbgut-Regionen nachgewiesen, die nur bei SARS-CoV-2-Viren vorkommen, nicht bei anderen Coronaviren des Menschen oder bei Tieren. Daher kann es nicht zu falsch-positiven Befunden infolge der Impfung von Tieren gegen Coronaviren kommen.“

Virologe: Nachweis von Impfstoff-Viren nicht möglich
Wir wollten es genau wissen und fragten auch beim Institut für Virologie der Universität Mainz nach. Der Molekularbiologe Niels Lemmermann antwortete uns, dass die von der WHO empfohlenen sogenannten Primer (die bei einem PCR-Test genutzt werden, um SARS-CoV-2 nachzuweisen) spezifisch an das Genom dieses Virus binden. Bei einzelnen nah verwandten Fledermausviren könne es tatsächlich Kreuzreaktionen geben, da diese sich genetisch nur zu wenigen Prozent unterscheiden würden. „Dies ist aber anders bei den bekannten pathogenen tierischen Coronaviren und den entsprechenden Impfviren von Kuh, Schwein Katze, Hund und Geflügel. Diese haben deutlich größere Unterschiede in den Nukleotidsequenzen [der genauen Abfolge der Bestandteile des Virus-Erbguts, Anm. d. Red.], so dass die WHO Primer/Sonden nicht an diese binden und daher die entsprechenden Viren auch nicht nachweisen können.“

Darüber hinaus wäre es für einen positiven Nachweis von tierischen Coronaviren beim Menschen nötig, dass sie damit im Nasen- oder Rachenraum infiziert sind, erklärt Lemmermann weiter. Das sei sehr unwahrscheinlich, da diese Viren keine passenden Rezeptoren für Menschen hätten. Geimpfte Tiere seien zudem nicht infektiös – und kranke Tiere wären in der Regel nicht auf Schlachthöfen anzutreffen, da sie nicht transportfähig seien. Auch ein Nachweis von Viren aus Impfstoffen durch den PCR-Test sei nicht möglich, da die Impfungen abgeschwächte Viren oder Proteine beinhalten. In ersterem Fall sei das Genom der Viren schon wenige Tage nach der Impfung nicht mehr im Tier nachweisbar. Und Proteine könnten durch einen PCR-Test rein technisch nicht nachgewiesen werden.

Zitat von Christian Drosten falsch interpretiert
Youtuber Samuel Eckert behauptet in seinem Video (ab Minute 3:50), Christian Drosten, der Leiter des Instituts für Virologie der Berliner Charité habe „zugegeben“, dass der PCR-Test Kreuzreaktionen zeige. Er spielt dazu ein Zitat vor, in dem Drosten sagt: „Und rein theoretisch würde dieser Test auch gegen eine ganze Reihe von Fledermaus-Coronaviren reagieren, aber die gibt es auch nicht beim Menschen. […] Es gibt zum Beispiel ein Coronavirus beim Menschen, ein Erkältungs-Coronavirus, da würde der Test auf jeden Fall auch kreuzreagieren, gegen ein Coronavirus des Rindes, das beim Rind Durchfall macht, diese Viren sind sehr ähnlich. Und noch ein anderes, das würde kreuzreagieren gegen ein Coronavirus des Kamels. […]“

Dieses Zitat ist jedoch kein Beleg für die These, denn Drosten spricht in Bezug auf das Rinder-Coronavirus eindeutig von einem anderen Test für ein anderes Erkältungs-Coronavirus beim Menschen (NDR-Podcast Folge 16, Transkript Seite 3). Es ist also nicht der PCR-Test auf SARS-CoV-2 gemeint.

Eckert lässt zudem Drostens vorherige Erklärungen weg, in denen der Virologe betonte: „Dieser Test reagiert gegen kein anderes Coronavirus des Menschen und gegen kein anderes Erkältungsvirus des Menschen.“ Nur auf das alte SARS-Coronavirus und Fledermaus-Coronaviren würde der Test theoretisch reagieren, doch diese kämen nicht oder nicht mehr beim Menschen vor.

Familie der Coronaviren hat verschiedene Gruppen
Der Test kann nur auf Viren kreuzreagieren, die sehr nah mit SARS-CoV-2 verwandt sind. Elke Reinking vom Friedrich-Löffler-Institut erklärt, die Coronavirus-Familie werde aufgrund ihrer genetischen Eigenschaften in Gruppen von Alpha bis Delta eingeteilt. SARS-CoV-2 gehöre zur Betagruppe, das bei Schweinen vorkommende PEDV (Epidemische Virusdiarrhoe der Schweine) zur Alphagruppe, und Coronaviren bei Vögeln seien der Gamma- und Deltagruppe zuzuordnen.

Insgesamt gibt es sieben bekannte Coronaviren, mit denen sich Menschen infizieren können, darunter das erste SARS-Virus (SARS-CoV oder SARS1), das MERS-Virus und das aktuelle SARS-CoV-2. Sie sind alle Beta-Coronaviren. Bei SARS wird vermutet, dass die Viren sich von Fledermäusen auf Menschen übertragen haben. Die vier anderen Erkältungs-Coronaviren beim Menschen (229E, NL63, OC43 und HKU1) gehören entweder zur Alpha- oder Beta-Gruppe.

Eine genetische Einordnung von SARS-CoV-2 in die Familie der Coronaviren auf der Seite Ecohealth Alliancevon Januar 2020 zeigt, dass das neue Coronavirus sich nah bei den Fledermaus-Coronaviren befindet, und sehr nah an dem ersten SARS-Virus. Bovine Coronaviren von Rindern dagegen befinden sich in einem ganz anderen Cluster.

Laut der Cluster-Analyse sind Rinder-Coronaviren recht eng verwandt mit einem der anderen Erkältungs-Coronavirus, das Menschen infiziert: HCoV-OC43 (ebenfalls ein Beta-Coronavirus). Einem Artikel im Journal Virus Taxonomy von 2012 zufolge wird vermutet, dass dieses Virus erstmals von Rindern auf Menschen übertragen wurde. Es ist also wahrscheinlich, dass Christian Drosten im Podcast dieses Erkältungs-Virus OC43 meinte, als er von einer Kreuzreaktion mit einem Rinder-Coronavirus sprach.

Auch von den anderen menschlichen Erkältungs-Coronaviren kann der PCR-Test SARS-CoV-2 übrigens sehr zuverlässig unterscheiden. Das zeigt zum Beispiel ein Ringversuch der Gesellschaft zur Förderung der Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien (Instand) und eine Studie im Journal of Clinical Virology von Juli 2020

Weitere irreführende Aussage im Video zu Rechtsmediziner Klaus Püschel
Um seine Argumentation, die Ausbrüche von SARS-CoV-2 in Schlachthöfen seien kein Grund, sich Sorgen zu machen, insgesamt zu stützen, zitiert Youtuber Samuel Eckert auch noch den Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel: Dieser habe gesagt, dass von den Patienten, die er obduziert habe, „noch keiner an Corona gestorben“ sei.

Das hat Püschel so allerdings nicht gesagt, und die Aussage selbst ist auch falsch. Klaus Püschel ist Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und sagte vor Wochen gegenüber Medien, dass die Patienten aus Hamburg, die er obduziert habe, alle schwere Vorerkrankungen gehabt hätten. Auf der Webseite der Stadt ist aktuell nachzulesen, dass bei 231 Todesfällen Covid-19 „als todesursächlich festgestellt“ worden sei (Stand 30. Juni. Das RKI meldet im Lagebericht für den 30. Juni für Hamburg 259 Todesfälle, somit war die Infektion mit dem Coronavirus bei rund 89 Prozent bisher nachweislich die Todesursache.

Fazit
Die Spekulationen von Samuel Eckert in seinem Youtube-Video führen also in die Irre, ebenso wie die von Wolfgang Wodarg. Kreuzreaktionen der PCR-Tests mit anderen tierischen Coronaviren sind laut Experten ausgeschlossen. Oder, anders gesagt: Es ist nicht „wahrscheinlicher, dass die Tests fälschlicherweise auf die Rindercoronaviren reagieren, als dass es weltweit Hotspots in Schlachthöfen gibt“, wie es in dem Facebook-Beitrag behauptet wird. Der PCR-Test kann das Virus SARS-CoV-2 von anderen Coronaviren unterscheiden.

06.07.20 Langzeitwirkung von Corona Infektionen

Überstandene Corona Krankheit? Einen Blick auf die Nachwirkungen. Das Virus ist heimtückischer als gedacht.

Schon lange vermutet: Covid-19 greift nicht nur die Lunge an, sondern auch andere Organe und das Gefäßsystem, wo es z. B. häufig Thrombosen auslöst. Aber was bisher vernachlässigt wurde, sind die Langzeitschäden bei überstandener Krankheit, auch wenn sie nur schwache ausgelöst hat. Es zeigt, wie heimtückisch Covid-19 agiert und straft allen Verharmlosern Lügen, die sich vor allen Dingen in den neuen Medien tummeln. Deshalb kann man mit Fug und Recht behaupten, dass die angeblichen Sachverständigen, die meinen, dass Covid-19 in die Kategorie bestenfalls einer Grippe einzuordnen ist, üble Fakenews verbreiten. Dahinter stecken oft schwer durchschaubare

Verschwörungstheorien. Umso verbrecherischer handelt z. B. der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro, der sogar das Maskentragen verbietet, aber auch alle Politiker, die Corona verharmlosen und daraus sogar noch parteipolitische Vorteile erwarten. An erster Stelle möchte ich den USA-Präsidenten Donald Trump nenne, der trotz Millionen von Infizierten und einer Unzahl von Toten stur sämtliche Erkenntnisse der Wissenschaft leugnet.
Hier nun ein sehr gut recherchierter Beitrag des Südwestfunks, der die Risiken und Nebenwirkungen deutlich macht, aber auch Fragen beantwortet, die sich jedermann im Zusammenhang mit Covid-19 schon einmal gestellt hat.
Ihr Jean Pütz

Hier exzellente und glaubwürdige Beitrag von Jens Grotegut in schriftlicher Form, er ist wirklich lesenswert und hält viele Irrtümer auf.

Folge 125: Der Vernunft eine Chance

03.07.20 Hoffnung zur schnelleren Überwindung der Corona-Pandemie

Das ist eine höchst interessante wissenschaftliche Erkenntnis, sie beruht auf einer taufrischen Forschung.

Interessanterweise habe ich hier bei Facebook bereits am 10. März 2020 nicht nur auf die große Bedeutung der Antikörper, sondern auch auf die sogenannten T-Zellen hingewiesen. Ich habe mich immer gewundert, dass dies von den Wissenschaftlern, insbesondere des Robert-Koch-Instituts nur wenig Beachtung gefunden hat.

Man kann sich natürlich fragen, warum bei vielen Menschen dieser heimtückische Virus Covid-19 nur schwache Reaktionen auslöst und bei anderen sogar tödlich wirkt.

Meine Antwort: Das liegt am Immunsystem, der besten Apotheke, die jeder Mensch in sich trägt. Dieses Immunsystem ist nicht bei jedem gleich stark entwickelt, weil neben dem Alter manchmal der Lebensstil mitspielt, aber auch schlechte Ernährung, Vorerkrankungen und, das ist weniger bekannt, Übergewicht. Deswegen hat die Krankheit auch viele junge Menschen hinweggerafft.
Zum Immunsystem gehört eine ganze Armada von weißen Blutkörperchen, die von einer Superzelle, der sogenannten T4-Helferzelle, gesteuert werden. Von dieser Superzelle werden alle Immunrektionen gesteuert, die unseren Körper gesund halten oder – in seltenen Fällen bei Überreaktionen (Autoimmunität) – auch krank machen, was auch verhängnisvoller Weise bei schwerem Verlauf der Erkrankung eine Rolle spielt.

Zu diesen weißen Blutkörperchen gehören z. B. die Antikörper, die ganz spezifisch sind, je nachdem welche Infektion stattfindet. In der Regel signalisieren sie das Eindringen von Krankheitskeimen oder sogenannten Antigenen. Den Antikörpern verdanken wir übrigens die Möglichkeit, im Test exakt festzustellen, ob z. B. der Organismus von Coronaviren befallen ist oder nicht. Der Irrtum bestand bisher darin, dass man glaubte, nur mit Antikörpern eine spätere Infektion mit Corona-Viren nachweisen zu können.

Jetzt hat das renommierte schwedische Karolinska-Institut festgestellt, dass nicht nur diese Antikörper an der Immunreaktion beteiligt sind, sondern auch die angesprochenen T-Zellen. Die Forschungsergebnisse lassen hoffen, dass eine Immunisierung gegen Covid-19 überhaupt dauerhaft möglich ist. Nur so ist Impfen sinnvoll und bringt den Ansatz, den vermaledeiten Corona-Virus zu überlisten.

Außerdem scheint es so zu sein, dass auch dann über die T4-Helferzellen eine Immunisierung möglich ist, wenn eine Infektion nur leichte Symptome zeigt und keine Erkrankung ausgelöst wurde. Allerdings lässt sich dies nicht durch Antikörper nachweisen, sondern dazu muss eine neue Testmethode entwickelt werden. Die Forscher sind also gefordert.

Hier nun der Originaltext des Karolinska-Instituts:

Folge 124 Der Vernunft eine Chance