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Energieperspektiven

(DPG) – Ein so komplexes System wie den Strom- oder sogar den Energiemarkt auf eine neue Basis zu stellen, ist eine gewaltige Herausforderung, die umsichtiges Planen und Handeln erfordert. „Neue technologische und systemische Ansätze können die Umsetzung der Energiewende zielführend unterstützen“, ist sich der Präsident der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), Lutz Schröter, aber sicher. Mit fünf Faktenblättern beleuchtet die DPG nun einige Aspekte, die für das Gelingen der Energiewende wichtig sind.

Ein wesentliches Element einer langfristig erfolgreichen Energiepolitik ist die Einbeziehung des internationalen Energiemarktes. Lebt Deutschland doch seit vielen Jahrzehnten von Energieimporten: sei es die Steinkohle aus Australien, das Öl aus dem Nahen Osten oder das Gas aus Russland. Auch erneuerbare Energien werden wegen unterschiedlicher Standortbedingungen zum Teil aus dem Ausland bezogen werden müssen. Daher sind neben der Entwicklung verbesserter und neuer Technologien entsprechende Handels- und Wirtschaftsbeziehungen auch in Zukunft von größter Bedeutung. Die nun vorgelegten Physikkonkret-Ausgaben geben dazu Denkanstöße. Sie entstanden im Rahmen des Jubiläums 175 Jahre Deutsche Physikalische Gesellschaft, dessen 4. Quartal unter dem Motto „Klima und Energie“ steht, und beleuchten die Themen Wärmepumpen, LEDs, Stromspeicher, Fusion sowie grundlegende Aspekte der Energiewende.

Das Desaster mit der Maut – War Minister Scheuer nur bescheuert – oder war es Absicht?

(Abgeordneten-Watch) – Erst vor wenigen Monaten haben wir mit der Veröffentlichung interner Korrespondenzen nachgewiesen, dass das Verkehrsministerium die Aufklärung beim Maut-Desaster behindern wollte.

Nun gibt es erneut Ungeheuerliches zu berichten: Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wusste offenbar schon frühzeitig über drohende Schadensersatzforderung der Mautbetreiber Bescheid!

Doch allem Anschein nach hat der Minister den Rat seiner Fachleute einfach ignoriert. Ein als vertraulich eingestuftes Papier aus dem Ministerium belegt jetzt, dass Scheuer bereits 2019 in Kenntnis gesetzt wurde.

Wie langläufig bekannt ist, zeichnete Scheuer die Verträge mit den Mautbetreibern anschließend trotzdem.

Stück für Stück kommen immer mehr unglaubliche Details zur Maut-Affäre ans Licht: Geheimtreffen von Minister und Mautbetreibern, „routinemäßig“ gelöschte Handydaten Scheuers, abtransportierte Maut-Akten – die Liste wird zusehends länger.

Weitere Ungereimtheiten soll der Untersuchungsausschuss im Bundestag klären. Fest steht allerdings schon jetzt: Das Maut-Debakel wird uns Steuerzahler:innen hunderte Millionen Euro kosten.

Mit unseren Offenlegungen tragen wir zur Aufklärung bei und wollen zukünftig verhindern, dass Politiker:innen und Lobbyist:innen Deals aushandeln, die auf Kosten der Gesellschaft gehen.

05.11.20 Wasserstoff-Technologie – Energiequelle der Zukunft? Ja, allerdings mit überwindbaren Hürden!

Wasserstoff-Technologie – Energiequelle der Zukunft? Ja, allerdings mit überwindbaren Hürden!
Um die derzeit herrschende Euphorie rund um den Wasserstoff ein wenig ins rechte Licht zu rücken und mit der Realität zu konfrontieren, gebe ich Folgendes zu bedenken und liefere auch eine CO2-freie Alternative:
Methanol – vielleicht einmal der Treibstoff der Zukunft. Methanol lässt sich nicht nur aus dem Anbau von Energiepflanzen gewinnen – z. B. Mais, Zucker oder Getreide (das hätte den Nachteil, dass es in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion steht und den Anbau von Monokulturen begünstigt). Demgegenüber lässt sich Methanol aber auch CO2-neutral mit Hilfe der Energie der Sonne gewinnen. Zunächst wird es z. B. durch Elektrolyse mit Hilfe von Solarstrom der Wasserstoff als Gas gewonnen. Reiner Wasserstoff hat allerdings den Nachteil, dass er nur sehr umständlich gespeichert werden kann. Entweder unter hohem Druck oder indem er verflüssigt wird. Dazu bedarf es allerdings einer Temperatur weit unter 0°C, und zwar -252°C oder etwa 20°K. Schon die Elektrolyse hat keinen besonders hohen Wirkungsgrad, wenn man dann auch noch den Solarstrom zur Erzeugung der niedrigen Temperatur verwendet, ist die gesamte Energieausbeute sehr schlecht. Der flüssige Wasserstoff muss in aufwändigen Thermos-Behältern abgefüllt und transportiert werden. Auch das Verbreiten von Wasserstoff über die vorhandenen Erdgaspipeline hätte seine Tücken. Wasserstoff ist sehr flüchtig und dadurch müssen die Dichtungen des Erdgasnetzes extrem verbessert bzw. umgebaut werden, was sehr kostentreibend ist.
Aber es gibt eine interessante Alternative. Da spielt wieder die Sonnenenergie und noch zu entwickelnde spezielle Katalysatoren eine Rolle. Man kann auf diese Weise daraus Methanol gewinnen. Allerdings benötigt man dazu wiederum CO2, denn der darin enthaltene Kohlenstoff bindet die Wasserstoff-Atome an sich, so dass der Wasserstoff quasi auf elegante Weise verflüchtigt wird. Wenn dann auch noch das CO2 aus der Atmosphäre entnommen wird – was allerdings sehr aufwändig ist, oder aus recyceltem CO2 aus dem Abgas von nicht zu vermeidenden Verbrennungsmotoren oder mit Erdgas betriebenen Heizungsanlagen, dann ist es möglich, dieses Methanol völlig regenerativ und CO2-frei zu gewinnen.
Voraussetzung dafür allerdings ist, dass diese Wärmekraftmaschinen nicht ideologisch verteufelt werden. Schon allein deshalb, weil James Watt mit seinen ersten Dampfmaschinen dazu beigetragen hat, die Sklaverei abzuschaffen. Dadurch wurde die Arbeit – geleistet von Maschinen – viel billiger als Sklavenarbeit. James Watt verleihe ich allein schon deshalb postum nicht nur den Nobelpreis für Physik, sondern gleichzeitig den Friedens-Nobelpreis. Nur einmal ist dieser bisher an ein und dieselbe Person verliehen worden, nämlich an Linus Pauling, der sowohl den Nobelpreis für Chemie und gleichzeitig den für den Frieden als Mahner gegen die Atom- und Wasserstoff-Waffen erhielt.
Die logische Folgerung: Um das Klima zu retten bedarf es der absoluten Technologieoffenheit.
Jean Pütz

Aluminium-beschichtete Zeolith-Perlen lösen Problem der Wärmespeicherung – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

55% des Energieverbrauchs in Deutschland geht auf das Konto der Wärmeerzeugung und damit weitgehend des CO2-Ausstoßes. Dieser Bereich ist bisher von der Grünen-Ideologie völlig vernachlässigt worden. Bisher wurde aber hauptsächlich am Verkehrssektor herum, bei dem unsere privaten Autos nur 6-8% am deutschen CO2-Ausstoß ausmachen. Wenn Klimarettung, dann müssten logischerweise der Schwerpunkt auf den Wärmesektor gelegt werden durch entsprechende Wärmeschutzverordnungen im Gebäudesektor. Das ist bisher aber sträflich vernachlässigt worden. Ein Problem bildete vor allen Dingen die Direktspeicherung von Wärmeenergie, um diese später abzurufen. Dieses scheint mit beschichtetem Zeolith jetzt möglich zu werden im Sommer, über Thermo-Solar-Kollektoren wird die Wärmeenergie für den Winter abrufbar. Dies eröffnet ungeahnte Aussichten.
Dazu der folgende Artikel des Fraunhofer-Instituts. Die Fraunhofer-Gesellschaft ist insofern unentbehrlich, weil sie sich den Forschungsschwerpunkt der unmittelbaren Umsetzung des Ergebnisses auf die Praxis als Aufgabe gesetzt haben.

Ihr Jean Pütz

(Fraunhofer) – Die Heizperiode in Deutschland hat wieder begonnen und gerade im Sinne der Energiewende rücken Konzepte für effektive Wärmenutzung und Wärmespeicher mit flexiblen sowie hohen Speicherkapazitäten in den Fokus. Zeolith-Wärmespeicher bieten hier hohes Potenzial, krankten bisher aber noch an einem schlechten Wärmeübergang zwischen Speichermaterial und Wärmetauscher. Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP hat innerhalb des vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderten Projektes ZeoMet (FKZ 100346109) einen neuen Weg gefunden, Zeolith-Granulat so zu beschichten, dass ein effizienter Wärmeübergang ermöglicht wird.

Die Heizperiode in Deutschland hat wieder begonnen und gerade im Sinne der Energiewende rücken Konzepte für effektive Wärmenutzung und Wärmespeicher mit flexiblen sowie hohen Speicherkapazitäten in den Fokus. Zeolith-Wärmespeicher bieten hier hohes Potenzial, krankten bisher aber noch an einem schlechten Wärmeübergang zwischen Speichermaterial und Wärmetauscher. Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP hat innerhalb des vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderten Projektes ZeoMet (FKZ 100346109) einen neuen Weg gefunden, Zeolith-Granulat so zu beschichten, dass ein effizienter Wärmeübergang ermöglicht wird.

Wärme repräsentiert 55 % des Endenergieverbrauchs in Deutschland und spielt deshalb für die Energiewende eine ganz entscheidende Rolle. Neben dem Primat der Vermeidung oder zumindest Minimierung von Wärmeverlusten erfordert die effektive Wärmenutzung auch geeignete Speicher, um den zeitlichen oder räumlichen Versatz von Erzeugung und Bedarf zu überbrücken. Hohe Flexibilität und Speicherkapazität versprechen hier Zeolith-Wärmespeicher, bei denen die Energie in Form von adsorbiertem Wasserdampf im Inneren des hochporösen Materials gebunden ist. Ein temporär anfallender Wärmeüberschuss, etwa aus einer Solarthermie-Anlage im Sommer oder aus Abwärme produzierenden industriellen Prozessen, der zeitversetzt für Heizzwecke z. B. im Winter benötigt wird, kann zur Trocknung des Zeolith-Granulats genutzt werden, was einer Beladung des Speichers entspricht. Wird dem Material Wasserdampf zugeführt, kann die Adsorptionsenergie wieder als Wärme freigesetzt und so für Heizzwecke genutzt werden. Während der Speicherung liegt die Energie nicht in Form von Wärme vor, unterliegt damit auch nicht den unvermeidbaren schleichenden Verlusten durch Wärmeableitung, wodurch längere Speicherintervalle möglich werden als bei der direkten (sensiblen) Wärmespeicherung, beispielsweise in Wasserspeichern.

Ein bislang nicht gelöstes Problem des Sorptionsspeicherkonzepts ist der Wärmeübergang zwischen Speichermaterial und Wärmetauscher. Hohe Wärmeübergangswiderstände zwischen Wärme zu- und abführenden metallischen Strukturen und dem als Granulat vorliegenden Zeolith sowie in der Zeolith-Schüttung selbst behindern eine effektive Be- bzw. Entladung. Versuche, Zeolith-Material direkt als dicke Schicht auf metallische Träger aufzubringen, scheitern an der mangelnden Zyklen-Stabilität dieses Metall-Mineral-Verbundes. Bei Zeolith-gefüllten Metallrohren ist das Volumenverhältnis von Träger- zu Speicher-Material dagegen unbefriedigend.

Einen neuen Weg beschreitet das Fraunhofer FEP in dem vom Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geförderten Projekt ZeoMet: Zeolith-Granulat wird in einem Drehtrommelverfahren im Vakuum metallisiert und erhält so eine dünne Aluminium-Schicht (< 0,1 mm).

Projektleiterin Dr. Heidrun Klostermann erklärt: „Der Wärmeübergang ist somit für jedes einzelne Pellet und auch zwischen den Pellets durch die hohe thermische Leitfähigkeit von Aluminium gesichert. Wir konnten in Messungen bereits nachweisen, dass das poröse Grundmaterial durch offene Kanäle in der Schicht für Wassermoleküle dennoch zugänglich und die Sorptionskapazität des Granulats erhalten bleibt.“ Damit ist der Wärmeübergang an der Be- und Entladestelle ebenso gesichert wie der Wärmetransport in der Schüttung zwischen den metallisierten Pellets. Auch ein Versintern des metallisierten Granulats zu größeren Baueinheiten wird möglich.

Aktuell befassen sich die Wissenschaftler des Fraunhofer FEP mit Skalierungsuntersuchungen bei Verwendung unterschiedlicher Granulat-Körnungen und -Beschaffenheiten, um auf spezifische Anforderungen unterschiedlicher Speicheranwendungen reagieren zu können. Interessierte Industrieunternehmen sind eingeladen, mit den verantwortlichen Wissenschaftlern Kontakt aufzunehmen. Gern erläutern diese die Möglichkeiten und Potenziale der Technologie und suchen die Diskussion, um weitere Arbeiten praxisorientiert und industrierelevant zu gestalten.

05.11.20 Mercurio: Deutsch-italienische Wirtschaftsvereinigung – ein Lichtblick

Seit über 40 Jahren bin ich Mitglied bei Mercurio, der Deutsch-italienischen Wirtschaftsvereinigung. Es handelt sich hier um einen Verein, der die Wirtschaftsbeziehungen mit dem zweit-wichtigsten Industrieland Europas unterstützt. Was kaum jemand weiß, die italienische Industrie ist größer als die der Franzosen oder Engländer. Leider ist sie relativ schwerpunktmäßig auf den Norden konzentriert, also rund um Mailand, Turin, Bologna, Venedig usw. – evtl. noch Toscana und rund um Rom. Der Süden, der sogenannte Mezzo giorno ist von der italienischen Politik fast immer stiefmütterlich behandelt worden. Zum Teil liegt es daran, dass maffiöse Strukturen immer noch nicht ausgerottet sind, die Industrie scheut das wie die Pest. Das liegt zum Teil aber auch daran, dass – obwohl viele Berufs- und Hoch-Schulen  gegründet worden sind, viele jungen Menschen sich nach der Ausbildung zum Norden orientieren, wo die Berufsaussichten besser sind. So fehlt einfach die personelle Infrastruktur, die die Industrie benötigt.

Aus persönlicher familiärer Erfahrung weiß ich, dass auf diese Weise viele gutmeindende Initiativen gescheitert sind. Das gilt ganz besonders für die Jugendarbeitslosigkeit. Das, was dieses Problem bei uns in Deutschland verhindern hilft, ist die geniale duale Ausbildung, die Praxis und Theorie vereint: Den praktischen Teil übernehmen bei uns Industrie und Handwerk, während die Aufgabe der theoretischen Vermittlung der Staat in Form von Berufs- und Fachschulen weitgehend Verantwortlich zeichnet. Mittlerweile gibt es aber auch schon private Institutionen.

Meine Bemühungen, dieses auch in Apulien zu initiieren, ist toal gescheitert.

Nichts desto trotz ist Mercurio für mich eine wichtige Informationsquelle. Jetzt hat in Deutschland der Präsident Dr. Eckhard Petzold ein beachtliches Interview gegeben, welches ich Ihnen nicht vorenthalten möchte.

Hier der Link

Wenn Sie die neugestaltete Homepage von Mercurio interessiert, klicken Sie auf folgenden Link

Ihr Jean Pütz

Ameisen benutzen ihre selbstproduzierte Ameisensäure als Antibiotikum

(pte) – Ameisen desinfizieren sich und ihren Magen mithilfe ihrer eigenen Säure. Laut Forschern der Universität Halle-Wittenberg (MLU) und Universität Bayreuth tötet die Ameisensäure schädliche Bakterien im Futter der Tiere und verringert so das Krankheitsrisiko. Gleichzeitig hat die Säure den Experten nach Einfluss auf die Darmflora der Ameisen. Details wurden in „eLife“ publiziert.

Verhinderung schädlicher Pilze
„Lange ging man davon aus, dass die Säure nur zur Abwehr gegen Fressfeinde dient, also zum Beispiel gegen Insekten und Vögel. Immer, wenn Ameisen Futter oder Wasser schlucken, fangen sie danach vermehrt an, sich an ihrem Hinterteil zu putzen“, sagt MLU-Forscher Simon Tragust. In früheren Arbeiten konnte er bereits zeigen, dass Ameisen die Säure auch bei der Brutpflege einsetzen: Die Tiere desinfizieren damit ihre Brut und können so zum Beispiel die Ausbreitung von schädlichen Pilzen verhindern.

„Hatten die Ameisen Zugang zu ihrer Säure, stiegen ihre Überlebenschancen deutlich, wenn sie Futter zu sich nahmen, das mit krankheitserregenden Bakterien angereichert war“, so Tragust. Der vorteilhafte Effekt sei nicht nur auf einzelne Tiere beschränkt. Ameisen geben Futter an ihre Nestgenossen von Mund zu Mund weiter. „Das ist eine große potenzielle Ansteckungsquelle“, so Tragust. Wenn die Ameise, die das Futter weitergibt, zuvor Säure zu sich genommen hat, so hat die Zweite ein geringeres Risiko, zu erkranken. Auf diese Weise verringere das Verhalten auf der Ebene der Ameisenkolonie die Ausbreitung von Infektionen.

Corona-Warnung garantiert objektiver, Regierung unabhängiger Instanzen

Gemeinsame Erklärung der Präsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Präsidenten von Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft, Max-Planck-Gesellschaft und Nationaler Akademie der Wissenschaften Leopoldina

(Leibniz) – Seit einigen Wochen ist ein dramatischer Anstieg der Coronavirus-Infektionen in Europa zu verzeichnen, der inzwischen auch Deutschland erreicht hat. Dieser ist wegen der hohen Fallzahlen an vielen Orten nicht mehr kontrollierbar und kann eine beträchtliche Zahl von Behandlungsbedürftigen in den Krankenhäusern und einen deutlichen Anstieg der Sterbezahlen in Deutschland zur Folge haben. Um dies noch zu verhindern, fordern die Präsidentin und die Präsidenten von sechs Wissenschaftsorganisationen klare Entscheidungen, die schnell umgesetzt werden. Aktuell könne die Ausbreitung des Virus in vielen Regionen von den Gesundheitsämtern aus Kapazitätsgründen nicht mehr adäquat nachverfolgt werden. Um diese Nachverfolgung wieder zu ermöglichen, müssten Kontakte, die potentiell zu einer Infektion führen, systematisch reduziert werden. Je früher und konsequenter alle Kontakte, die ohne die aktuell geltenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen stattfinden, eingeschränkt würden, desto kürzer könnten diese Beschränkungen sein.

Wichtig sei, deutlich, schnell und nachhaltig zu reagieren. Es sei notwendig, Kontakte ohne Vorsichtsmaßnahmen auf ein Viertel zu reduzieren und dies in allen Bundesländern sowie in allen Landkreisen und Städten nach bundesweit einheitlichen Regeln durchzuführen. Je früher diese konsequente Reduktion von Kontakten ohne Vorsichtsmaßnahmen erfolge, desto kürzer könne diese andauern und desto weniger psychische, soziale und wirtschaftliche Kollateralschäden würden verursacht. Mit einer drastischen Reduktion der Kontakte ohne Vorsichtsmaßnahmen eines jeden Einzelnen auf ein Viertel könne die Pandemie eingedämmt werden.

Ziel sei es, die Fallzahlen so weit zu senken, dass die Gesundheitsämter die Kontaktnachverfolgung wieder vollständig durchführen können. Sobald dies möglich ist, könnten die Beschränkungen vorsichtig gelockert werden, ohne dass unmittelbar eine erneute Pandemiewelle drohe. Das müsse aber bereits jetzt vorbereitet werden. Nach etwa drei Wochen deutlicher Reduktion von Kontakten ohne Vorsichtsmaßnahmen werde es entscheidend sein, die bekannten Infektionsschutzmaßnahmen (AHA+L+A) bundesweit einheitlich und konsequent durchzusetzen, um die dann erreichte niedrige Fallzahl zu halten. Dabei sollten Risikogruppen durch gezielte Maßnahmen konsequent geschützt, die Kommunikation der Vorsichtsmaßnahmen verbessert und die Hygienekonzepte geschärft und kontrolliert werden.

Die 5 Irrtümer der Corona-Politik

(Morning Briefing) – Die Regierung verliert allmählich den Rückhalt der Bevölkerung. Das liegt im Wesentlichen an folgenden fünf Irrtümern, die auch dann Irrtümer bleiben, wenn sie zur Regierungspolitik erhoben wurden:

1. Die Kanzlerin mit ihrer permanenten Alarmstimmung verpasst die Gelegenheit, die Krise als Chance für Reformen zu begreifen. Die große Steuerreform unterbleibt. Die Digitalisierungsoffensive wird wieder vertagt. Die Start-up-Szene, die neue Jobs zehntausendfach schaffen könnte, wird sonntags gefeiert und werktags vergessen. So steigt die schlechte Stimmung – und die Staatsquote.

2. Die Regierung erschwert die Pandemiebekämpfung, weil sie mit der Mischung aus Großalarm und kleinkarierten Regeln die Eigenverantwortung der Bürger schwächt. Der Staat im Krisenmodus wird von Millionen Menschen mittlerweile nicht mehr als smart und besonnen, sondern als föderal gespalten und in seiner Detailfreude als übergriffig erlebt.

3. Die Regierung geht, ermuntert vom Sachverständigenrat, noch immer von einer schnellen Erholung der Volkswirtschaft aus. Doch die globale Verschärfung der Pandemie, das Fehlen eines Impfstoffes und die Zweitrunden-Effekte der Rezession (kranke Firmen stecken andere Firmen an) machen eine schnelle Rückkehr unmöglich. Die Rettungsmilliarden narkotisieren, aber heilen nicht.

4. Die Regierung hängt dem Irrglauben an, dass die Struktur unserer Volkswirtschaft nach Corona genauso aussehen wird wie vor Corona. Sie ignoriert den weltweiten Digitalisierungsschub. Ihre strukturerhaltenden Subventionen für TUI, Lufthansa, ThyssenKrupp und viele andere erschweren sogar den Transformationsprozess, statt ihn zu befördern. Deutschland wird strukturell geschwächt aus dieser Pandemie hervorgehen.

Medizinische, politische und philosophische Betrachtungen zum Thema Covid-19

(pts) – Was Terroristen mit all ihren Anstrengungen nicht erreichten, vermochte ein kleines Virus innert weniger Wochen.

Die „Bats“ – Fledermäuse – sind spätestens seit 2019 ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Die „Bats“ machen 20 % der Säugetier-Population aus und sind die einzigen Tiere dieser Gattung, die fliegen können. Die Fledermäuse kann man als tierisches Viren-Reservoir sehen; mehr noch, sie waren in der Evolution wahrscheinlich die Eintrittspforte für die Viren in den Stammbaum der Säugetiere. Fledermäuse beherbergen die gefährlichsten Viren, so zum Beispiel Ebola-, Marburg- und eben die Coronaviren, deren aktuelle Variante COVID-19 seit Monaten die Schlagzeilen beherrscht.

COVID-19-Coronaviren haben ein neues, komplexes und hochvariables Krankheitsbild kreiert. Vom asymptomatischen Virusträger über die Grippe bis hin zum beatmungspflichtigen Intensivpatienten mit Befall mehrere Organe finden sich alle möglichen Krankheitsbilder, deren Pathomechanismus noch immer nicht klar geworden ist. COVID-19 kann unbemerkt verlaufen und trotzdem dramatische Langzeitfolgen haben, welche sogar zur Lungen-Transplantation führen können.

Inzidenz (Anzahl neuer Fälle), Pathogenität (Fähigkeit, Krankheit hervorzurufen), Morbidität (Anzahl Erkrankungen) und Mortalität (Anzahl Todesfälle) können ja nach Alter, Region, Genetik und Begleiterkrankungen vollkommen unterschiedlich sein, die Sterberaten variieren je nach Ausgangslage und Heftigkeit des Befalls zwischen 0,1 % und 70 %.

Der Ursprung von COVID-19 liegt wahrscheinlich in Wuhan, China. COVID-19 dürfte trotz aller geopolitischen Interpretationen als auf den „Bats“ vorkommendes Virus direkt oder über einen Zwischenwirt auf den Menschen übergesprungen sein.

Mutter Natur hat immer die Oberhand und sie nützt alle Annehmlichkeiten der modernen Welt, um ihre Reichweite zu vergrößern – und das hat sie bei COVID-19 eindrücklich gezeigt. Der Westen bekämpft COVID-19 mit den Methoden unserer Ur-Grosseltern – und dies in der technologisch-vernetzten Welt des 21. Jahrhunderts! Gleichzeitig geben wir Milliarden für „Homeland Security“ und „Counterterrorism“ aus, um uns gegen menschliche Feinde zu verteidigen. Was Terroristen mit all ihren Anstrengungen nicht erreichten, vermochte ein kleines Virus in wenigen Wochen: unseren modernen Lebensstil kreischend zum Stillstand zu bringen.

Diagnostik, Virus-Nachweis, medikamentöse Therapie sowie die Entwicklung von Antikörpern und adäquaten Impfstoffen laufen derzeit auf Hochtouren. Abgesehen von den medizinischen Schäden werden unsere Gesellschaften mit wenigen Ausnahmen weltweit durch die ökonomischen Konsequenzen der Pandemie in Atem gehalten. Die Konsequenzen sind bereits heute irgendwo zwischen „noch nicht absehbar“ und „folgenschwer“ zu verorten.

Alleine Mutter Natur freut sich über den deutlich langsameren Rhythmus der überbordenden Weltwirtschaft, welche offenbar konstant wachsen muss. COVID-19 zeigt uns andere Seiten des Lebens.

Medizinisch mag man das Problem COVID-19 lösen. Ob unsere Gesellschaften allerdings genügend reif sind, grundlegende Fragen zu diskutieren und entsprechende Konsequenzen zu ziehen, welche mit COVID-19 an die Oberfläche gekommen sind, ist fraglich. Und die Frage bleibt, ob die Menschheit realisiert, dass COVID-19 nicht „The Big One“ war, sondern vielleicht nur eine aufgezwungene Übung im Hinblick auf eine ungleich grössere infektiöse oder nicht-infektiöse Katastrophe in deren Rahmen „Krisenmanagement“ zwar gut und notwendig sind, aber „Krisenmanagement ohne globale und nachhaltige Kooperation“ nutzlos bleiben.

Corona-Restriktionen: Kultur und Humanrelevanz wie Wasser und Brot – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Diesen hervorragenden Beitrag von Gabor Steingart möchte ich Ihnen nicht vorenthalten. Er beschreibt die Gefahren, die uns nicht nur die krankmachende Wirkung von Corona bedrohen, sondern langfristig viel gefährlicher werden die Nachwirkungen bzgl. der Kultur und der Kulturschaffenden sein.

Es ist ein Beitrag, den wir uns alle ins Gästebuch schreiben sollten. Parallel dazu möchte ich das Vorwort zu meinem Facebook-Beitrag gleicher Thematik mit Lösungsvorschlägen vorstellen, die leider von den Entscheidungsträgern nicht angenommen wurden (s. Anlage als PDF-Datei)

Ihr Jean Pütz

(Morning Briefing) – Die Regierung versetzt das Land erneut in eine Art Wachkoma: Lockdown 2.0. Aus Menschen werden Betroffene.

Zumindest die Kulturszene des Landes hat ihre Sprachlosigkeit überwunden. Mit einem Lastwagen-Korso, bestehend aus Hunderten Fahrzeugen und begleitet von einem Fußmarsch, wies das Aktionsbündnis #AlarmstufeRot in der Hauptstadt auf die prekäre Lage von Musikern, Tänzern, Schauspielern, Komödianten, bildenden Künstlern, Bühnenarbeitern, Visagisten, Technikern und Produzenten hin. Der Musiker Campino, Sänger und Komponist der „Toten Hosen“, trat an das Mikrofon:

Eine Lockdownstrategie in Schwarz-Weiß, das ist zu wenig. Es geht hier nicht um Weihnachten. Es geht um ein ganzes Jahr und es geht um Tausende Existenzen.

Der Jazzmusiker und Fotograf Till Brönner – bestimmt kein Brausekopf und auch kein Verschwörungstheoretiker – drückte seine Fassungslosigkeit in einem bei Facebook und Instagram veröffentlichten Video aus:

Das Land steht kulturell still und die beweglichsten und ehrlichsten tretet ihr mit den Füßen, wenn ihr nicht handelt.

Die Künstlerin Mia Florentine Weiss bringt die Gefühle ihrer Kolleginnen und Kollegen so auf den Punkt:

Kunst ist systemrelevant. Sie ist der älteste, kleinste gemeinsame Nenner, den wir haben. So lange Kreativität in der Luft liegt, atmen wir. In dem Zuge würde ich gerne das Wort systemrelevant ändern – in humanrelevant. Kunst ist humanrelevant.

Fazit: Die Beschlüsse der Regierung verstören. Sie tun es auch deshalb, weil die Stilllegung des Kulturlebens durch keine medizinische Studie gedeckt ist. Es geht um Symbole. Es geht um eine Machtdemonstration. Es geht darum, die Überforderung der Regierung durch Striktheit und Strenge zu kaschieren. Eine vieldeutige Situation wird durch eindeutige Beschlüsse banalisiert, womöglich auch fiktionalisiert. Mehr als das Wort Corona fürchtet man im Kanzleramt das Wort Kontrollverlust.

So werden die Künstler zum Hauptdarsteller einer surrealen Aufführung, deren Drehbuch  an Franz Kafkas „Die Verwandlung“ erinnert. Sie sind als Individualisten gestartet und wachen als Gregor Samsa auf. Die Beine flimmern hilflos in der Luft. Der Rücken fühlt sich panzerartig an, der Bauch versteift. Das Wahrzeichen der Gegenwartskultur ist Kafkas auf dem Rücken liegender Käfer.