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Aus dem Gästebuch – Ein Hoch auf die Hobbythek

Sehr geehrter Jean Pütz,

vor vielen Jahren haben Sie viele wunderschöne Sendungen Hobbythek moderiert und gute Projekte angeregt, z. B. in Costa Rica. Ich habe sehr viel davon übernommen, z. B. das Waschmittel Baukastensystem und das wunderbare Teebaumöl, dass ich immer noch kaufe und verwende. Leider sind viele Hobbythek-Läden aufgegeben worden, weil die Menschen sich lieber im Supermarkt der Werbung hingegen und dort kaufen. Wir sind damals nach Nürnberg gefahren und haben Kanister-weise, je 60 Liter, die einzelnen Komponenten Ihres Waschmittels geholt und unsere Bekannten und Freunde – viele junge Mütter – haben bei uns das Baukastensystem gelernt und immer nachgefüllt und keinen Müll produziert. Inzwischen ist vieles eingeschlafen und die wenigsten achten auf die Umwelt. Die Politik wirds schon machen. Man sieht es ja, die Großkonzerne haben die Macht. Gestern ist auf NDR ein Film über die Waschmittelindustrie gekommen und was alles inzwischen neu auf dem Markt ist, und dass es immer giftiger für unser Wasser wird. Wir werden verblödet, damit wir alles kaufen. In den Flüssigwaschmitteln ist Plastik drin, das müssen sie sich mal vorstellen. Wir achten (auch meine Kinder) sehr auf die Umwelt. Erziehung und Vorbild ist alles.

Ich bin jetzt 66 Jahre und heuer in Rente. Habe weder Computer noch Handy und bin glücklich damit, sonst hätte ich überhaupt keine Zeit mehr, weil man sonst ständig vor diesen Geräten sitzt. Auch möchte ich Ihnen danken für ihre wunderschöne Sendungen und ihren Super-Kaffee aus Costa Rica und der Aufforstung des Regenwaldes und das Wissen, dass Sie uns durch Ihre Sendungen vermittelt haben. Es bleibt mir im Gehirn eingepflanzt.

Hoffentlich geht es ihnen noch gut und sie können ihr Leben genießen. Aus den Medien habe ich mal erfahren, dass sie noch mal Nachwuchs bekommen haben. Genießen Sie es, die Kinder werden so schnell groß. Wir haben auch einen Enkel mit 24 Jahren, der damals unbedingt bei uns auf die Welt wollte.

Alles erdenklich Gute für Sie und Ihre Lieben

Herzliche Grüße von Elsa Sch.

Das deutsche Bildungssystem – eine unentbehrliche Rohstoffreserve

Als ehemaliger Oberstudienrat, der die Aufgabe hatte, Physik, Elektrotechnik und Technologie an heranwachsende junge Menschen zu vermitteln, kann ich dem nur zustimmen. Als mir dann das WDR-Fernsehen die Chance gab, im neu entstehenden 3. Programm die Redaktion Naturwissenschaft und Technik aufzubauen, konnte das weiterführen, aber diesmal an ein breites Fernseh-Publikum mit ersten Sendereihen wie ‚Energie, die treibende Kraft‘ (1971 – 13 Folgen), ‚Einführung in die Elektronik‘ (1972, 13 Folgen), ‚Einführung in die Digitaltechnik (1974, 13 Folgen). Ich wollte den normalen Bürger, der eher Bildungs-skeptisch war, heranführen an die Voraussetzungen, die explosionsartige Entwicklung der Technologie und Wissenschaft einigermaßen zu verstehen. Ende 1974 entwickelte ich dann die Sendeform der ‚Hobbythek‘, um auch den bildungsfernen Zuschauern die Notwendigkeit und Bedeutung von Wissenschaft zum ‚Begreifen‘ im wahrsten Sinne des Worte zu vermitteln. Für mich war das ein ‚trojanisches Steckenpferd‘, um diese Ziele zu erreichen, ohne erhobenen Zeigefinger, mit der Unterhaltung des möglichen Verstehens.

Es ist mir nicht gelungen, die Schwarmintelligenz der Deutschen auch nur einen Deut zu verbessern. Manchmal frage ich mich, ob ich mit dieser Absicht versagt habe. Doch heute weiß ich, dass es höchstens eine begleitende Absicht war, der Staat hat der Bildung zu wenig Wert beigemessen und sie in folge dessen vernachlässigt. Jetzt haben wir den Salat. Jeder Bürger hat in unserer Demokratie eine Stimme. Eigentlich müsste er auch die Politik in ihren Vorgaben kontrollieren, leider ist die Wissenschaft und Technologie so explosionsartig fortgeschritten, dass kaum jemand mehr Verständnis dafür entwickeln kann. Das gilt besonders für die digitalen Errungenschaften, die uns zwar das Leben leichter machen, aber auch den Meisten die Neugier genommen haben.

Dieses Nichtwissen wurde immer mehr durch den ‚Glauben‘ ersetzt. Aber ‚Glauben‘ kann sehr schnell in Irrationalität ausarten. Die politischen Vorgaben – heutzutage insbesondere was die Klimarettung anbelangt – die auf Wunschdenken beruhen, sprechen für sich. Der vorherrschende Populismus hat daher seine Ursache. Es reicht aus, dem Bürger klarzumachen, dass ein Auto ohne Auspuff Klima schützende Eigenschaften hat, schon wir das zur Lösung hochstilisiert. Das beruht auf mangelnde Bildung für Naturwissenschaft und Technik. Ob das in einer derzeit satten Gesellschaft ohne Neugier überhaupt zu lösen ist? Wo bleibt das Land der Dichter und Denker?!

Jean Pütz

(Pioneer Briefing) – Die Zeiten haben sich geändert, der Befund bleibt:

Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. “

So sprach einst Bundeskanzler Adenauer – leicht arrogant – über das ihm anvertraute Staatsvolk.

Spätestens heute – in der sich herausbildenden nach-industriellen Wirtschaft – schreit dieser Befund nach seiner Überwindung. Die Horizont-Erweiterung ist die vornehmste Aufgabe einer Gesellschaft, deren wichtigster Rohstoff die Bildung ist. Nicht allein der Zugang zu bezahlbarer Energie, sondern der Zugang und die Exploration dieses Rohstoffs entscheiden über die Zukunft dieses Landes.

In aufklärerischer Absicht hat daher ein Pioneer-Team – bestehend aus Bildungsexperten, Ökonomen und Grafikern – einen virtuellen Kontrollraum geschaffen, auf dessen Armaturenbrett wir die wichtigsten Aggregate unseres Bildungssystems betrachten können.

Armatur 1 nennt sich Schulbarometer und misst die Stimmung unter den Schulleitern. Die Daten dazu stammen aus einer im Auftrag der Robert Bosch Stiftung veranstalteten Umfrage. Demnach ist die Stimmung finster, denn der Lehrermangel setzt das System einem spürbaren, auch medizinisch relevanten Stress aus, der sich in hohen Burn-Out-Raten und dem Wunsch nach Teilzeitarbeit und Frühpensionierung entlädt.

Die Schule, diese Erkenntnis verstärkt das Schulbarometer, ist ein Ort, der krank, traurig und in vielen Fällen auch depressiv macht. Es gibt – anders als in vielen anderen Branchen – auch nicht die Möglichkeit, sich mit kühnen Aufstiegsvisionen, Gratifikationen oder Gehaltssteigerungen zu betäuben. Lohn und Leistung sind weitgehend entkoppelt.

Armatur 2 liefert die harten Daten zum Gefühl der Lehrer. Der Leistungsdruck wird erzeugt durch einen eklatanten Lehrermangel. Im Schuljahr 2025/2026 werden voraussichtlich 35.000 Lehrerinnen und Lehrer fehlen – fünf Jahre später sind es schon 68.000 und 2035/2036 sogar 76.000, prognostiziert eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, das Professor Michael Hüther führt.

Armatur 3 misst die Zusammensetzung der Schülerschaft, die sich seit den Zeiten einer weitgehend homogenen deutschen Gesellschaft gravierend verändert hat. In Hamburg besitzen heute 51 Prozent aller Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund. Drei von zehn Kindern wachsen in einem Haushalt auf, in dem kein Deutsch gesprochen wird.

In Nordrhein-Westfalen hatten im vergangenen Schuljahr 40 Prozent eine Zuwanderungsgeschichte. Und in Berlin wuchs in den vergangenen 10 Jahren der Anteil der Schüler mit einer nicht-deutschen Herkunftssprache von 35 auf 41 Prozent. In vielen Schulklassen der Grundschule herrscht eine babylonische Sprachverwirrung.

Armatur 4 belegt, dass das Zusammentreffen einer multikulturellen Schülerschaft mit einem geschwächten Lehrkörper das Bildungsniveau senkt. Schon im vergangenen Jahr hatte der IQB-Bildungstrend für großes Aufsehen gesorgt, da er feststellte, dass sich die Kompetenzen in Deutsch und Mathematik in der vierten Klasse dramatisch verschlechtert haben. Je nach Kompetenzbereich verfehlen im Schnitt 18 bis 30 Prozent der Schüler die Mindeststandards.

Im Bundesdurchschnitt nehmen die Schülerleistungen seit 2011 in fast allen Bereichen ab. Das Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen nennt diesen Trend „besorgniserregend“.

Armatur 5 misst die Lehrer-Pipeline. Doch die ist weitgehend leer. Der Nachschub von den Universitäten tröpfelt nur und strömt nicht mehr. Es werden nicht genügend Lehrkräfte ausgebildet. Die Länder haben dieses Problem zwar erkannt, aber stehen weitgehend machtlos vor der Tatsache, dass der Beruf an Attraktivität verliert.

Viele Abiturienten beginnen ein Lehramtsstudium, weil sie nach dem Abitur orientierungslos sind und nicht wissen, was sie sonst machen wollen. Also studieren sie ihre Leistungskurse aus dem Abitur – bis sie feststellen, dass die Welt der anderen Fächer bunter und oft chancenreicher ist. Laut Zahlen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung bricht im Bachelor-Studium fürs Lehramt mittlerweile jeder fünfte Student sein Studium ab.

Armatur 6 zeigt die föderale Zersplitterung der Bildungslandschaft. 16 Bundesländer entwickeln ihre eigenen Konzepte, Lehrpläne, Systeme. Die Schulminister beteuern zwar in der Kultusministerkonferenz, wie gut sie über Parteigrenzen hinweg zusammenarbeiten, machen sich bei der Bekämpfung des Lehrermangels aber Konkurrenz.

Armatur 7: Der Freistaat Bayern, wo das Land gern 6000 neue Stellen besetzen will, wirbt nun Lehrer aus anderen Bundesländern ab. Hierfür plant Markus Söder Lockangebote, zum Beispiel finanzielle Anreize und Umzugshilfen. Auch Mecklenburg-Vorpommern hat eine Kampagne aufgelegt, die für Leben und Unterrichten „im Urlaubsland Nummer eins“ wirbt.

Armatur 8 zeigt die unzureichende Evaluation. Die Tachonadel dreht hier wie hinter einer Milchglasscheibe, weil die Schulen den Bildungsstand ungern messen. Sie fürchten die Vergleichbarkeit. Es braucht aber eine gute Datengrundlage, um Missstände und Defizite (ob in einzelnen Klassen, Schulen, Jahrgängen oder Bundesländern) schnell zu erkennen, um dann reagieren zu können.

Hamburg macht das seit Jahren erfolgreich: Durch engmaschige Monitorings, Leistungstests und Schulinspektionen erkennt der Senat direkt, wenn es Probleme gibt und kann gezielt reagieren. Resultat: Die Hansestadt holt im Bildungstrend als einzige auf und gilt mittlerweile als Musterbeispiel.

Fazit: Auf der Reformbaustelle Bildungspolitik herrscht ein Baustopp. Ein Reformer ist hier schon lange nicht mehr gesichtet worden. Keine Anstrengung, nirgends. Thomas von Aquin wusste, dass das nicht gut gehen kann:

 

 

Industrie verabschiedet sich von Deutschland

(Pioneer Briefing) – Im Fernsehen ist viel die Rede von einer Willkommenskultur. Doch im wahren Leben der deutschen Industrie entwickelt sich eine Abschiedskultur. Es sind viele leise Abschiede, die in diesen Tagen begangen werden. Zum Requiem erscheinen keine Politiker und keine Pfarrer. Es wird nicht geweint und nicht gesprochen. Die meisten, die gehen, gehen stumm.

Nach dem Massensterben der deutschen Textilindustrie, bei dem fast eine halbe Million Jobs verloren gingen, der Verlagerung der großen Werften und den Konkursen von Bremer Vulkan und anderen, dem Zechensterben im Ruhrgebiet und dem Schrumpfungsprozess in der Stahlindustrie hat die nächste große Welle das Land erfasst, die zur Vernichtung von Wohlstand und Arbeitsplätzen führen wird.

Es sind im wesentlichen drei Gründe, die dieses neuerliche Firmensterben oder die Abwanderung von Produktion ausgelöst haben:

1. Der Energiepreisschock

Holger Loclair macht sich Sorgen um sein Familienunternehmen Orafol mit Sitz im brandenburgischen Oranienburg. Denn er verbraucht rund 32.000 Kubikmeter Gas pro Tag – rund 16-mal so viel wie ein Durchschnittshaushalt im Jahr. Aufgrund des enormen Kostenschubs will er einen Teil der Produktion für hochwertige

Der Mann ist das Rollenmodell der neuen deutschen Auswanderungswelle. 17 Prozent der Firmen wollen laut einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ihre inländische Produktion wegen der hohen Energiepreise zurückfahren, acht Prozent die Produktion verlagern. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben ist kein Apokalyptiker, aber er sagt:

Auch Siegfried Russwurm, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), warnt vor einer schleichenden Deindustrialisierung. Der Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung in Deutschland ist seit 2016 von 25,9 auf 23,4 Prozent gefallen – „eine besorgniserregende Entwicklung“.

2. Die Forschungsbürokratie

Die europäische Neigung zur politischen Regulierung – die getrieben wird von der Angst vor Risiken – treibt insbesondere forschungsintensive Firmen ins Ausland. In den Vorstandsetagen wird nicht mehr gezetert, es wird verlagert. So liegt die Zukunft des Arzneimittelgeschäfts für die Bayer AG in den USA und in China, anstatt in Europa. Stefan Oelrich, Leiter des Pharmageschäfts bei Bayer, sagt:

Auch der Impfstoffentwickler BioNTech denkt neu. Das Pharmaunternehmen aus Mainz gilt als deutsche Erfolgsgeschichte, binnen eines Jahres entwickelten die Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci einen Corona-Impfstoff – und wurden für ihre Arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.

Doch wichtige Teile der Krebsforschung des Unternehmens werden bald nach Großbritannien umziehen, berichtete gestern zuerst die BILD-Zeitung. Türeci erklärt:

3. Die amerikanische Versuchung

Die USA drängen und locken immer mehr deutsche Unternehmen zur Verlagerung von Produktion. Neben der Marktnähe und der Minimierung von Währungsrisiken sind die niedrigen Energiepreise und die ausgelobten Subventionen zum Faktor der transatlantischen Verlagerung geworden.

Vor der kalifornischen Westküste werden bald RWE Windkraftwerke am Horizont auftauchen. Ende des vergangenen Jahres sicherte sich der Essener Energiekonzern die Rechte für einen Windpark, der 640.000 US-Haushalte mit erneuerbarer Energie versorgen soll.

RWE ist der amerikanischen Versuchung erlegen. Für Offshore-Windanlagen gibt es bis zu 30 Prozent Steuergutschriften im Rahmen des Inflation Reduction Acts. Insgesamt sind rund 370 Milliarden US-Dollar Subventionen für die Energiebranche und den Klimaschutz vorgesehen. Es gibt kein energieintensives deutsches Unternehmen, das nicht intern die Chancen dieser Anlock-Prämie für sich taxiert.

Florierende Solarpaneele-Industrie aus Dummheit kaputtgespart – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Es ist die Tragik der deutschen industriellen Entwicklung. Deutschland war in vielen Technologien führend, aber Unkenntnis der Zukunftsmöglichkeiten und Vorbehalte der Regierungen gegenüber der Technologie bewirkten – auch wegen German-Angst und übertriebenen Umweltvorgaben –  dass ganze Industrien aus Deutschland abwanderten. Jetzt haben wir den Salat. Manche Kritiker befürchten eine De-Industriealisierung. Bezeichnendes Beispiel dafür ist die wichtige Entwicklung der Industrie, die sich der regenerativen Energiegewinnung widmen sollte. An erster Stelle ist da die Fotovoltaik zu nennen. Deutschland entwickelte dafür die Technologie auf der Basis von Silizium. Die anfangs florierenden Produktionsstätten wurden in Deutschland recht bald als unwirtschaftlich erkannt, und die Firma Solarworld wurde zum Pleitier. Das lag aber nicht an der Technologie, sondern an den extremen Subventionen, mit denen China eine Konkurrenz-Industrie aufbaute. Nun ist fast die ganze Welt von China abhängig. Darüber der lesenswerte Beitrag, den ich in The Pioneer Briefing gefunden habe.

Nun zeichnet sich ab, dass die deutsche Forschung eine Alternative zum Silizium gefunden hat, die sogenannte Perowskit-Technologie bietet diese Möglichkeit, doch die groß-industrielle Produktion steckt noch in den Kinderschuhen. Auch hier werden die Chancen verkannt. Die Forschungsgelder zur Entwicklung sind bescheiden, sie werden eher mit der Gießkanne für andere im Mainstream bevorzugte Projekte verteilt. Auch hier steht China wieder vor der Tür, um die Ansätze einer Industrie-Entstehung zu finanzieren. Der große Vorteil der Perowskit-Technologie, die ohne Silizium auskommt, ist ihre Preiswürdigkeit. Hinzu kommt, dass die erzeugten Wirkungsgrade etwa 50% mehr elektrischen Energiegewinn versprechen als beim Silizium. Hoffentlich werden die Zeichen der Zeit erkannt, solche Paneele könnten die Basis zur Gewinnung von Solarenergie im globalen Maßstab bilden, so wird es auch möglich, Wasserstoff in kürzester Zeit konkurrenzfähig gegenüber den bisher immer noch viel zu häufig eingesetzten Energieträger zu werden.

Jean Pütz

(Pioneer Briefing) – Der gebürtige Westfale und studierte Diplomingenieur Frank Asbeck, der 1979 mit Petra Kelly und Gert Bastian zu den Gründungsmitgliedern der Grünen in NRW gehörte, war in Corporate Germany einst eine große Nummer.

Mit dem Rückenwind des Erneuerbaren Energiegesetzes von Umweltminister Jürgen Trittin flog seine 1998 gegründete Firma Solarworld, die es ein Jahr später an die Börse schaffte, zu den Sternen. Der Börsenwert betrug in der Spitze fünf Milliarden Euro, Frank Asbeck selbst wurde Multimillionär, Schlossbesitzer und Maserati-Fahrer. Das Lastenfahrrad war nicht so sein Ding.

Mit Sätzen wie „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“, hatte Trittin den Solar-Boom befeuert. Doch von irgendwas mussten die Löhne und Gehälter bei Solarworld, die Vertriebsmannschaft und auch die Rechnungen für Silizium und Halbleiter am Ende doch beglichen werden. Gegen die Betriebswirtschaft kann man keine Firma führen – und wahrscheinlich auch kein Land.

Der Absturz von Solarworld folgte, als CDU-Mann Peter Altmaier als neuer Umweltminister die Solarförderung in Deutschland praktisch einstellte. Im Juni 2012 wurden noch rund 1800 Megawatt installiert. Zwei Monate später waren es nur noch 320 Megawatt.

Das Ergebnis ist die sogenannte Altmaier-Delle. Profitiert haben vor allem die Chinesen. Streng nach Plan und mit reichlich Staatssubvention ausgestattet, sind sie in das Zukunftsgeschäft eingestiegen. Und schrieben die Erfolgsgeschichte der Solarenergie fort. Und da stehen wir heute:

  • Europa ist nahezu vollständig abhängig von Solarpanelen aus China. Weltweit werden fast 95 Prozent der handtellergroßen Solarwafer in China hergestellt.
  • In China residieren die Top-5-Solarunternehmen der Welt. Nur die deutsche Wacker Chemie kann mit hochreinem, polykristallinem Silizium bei der Herstellung von Solarzellen noch mithalten.

China exportiert nicht nur, sondern ist selbst zum Boom-Markt für Photovoltaik geworden. Von null auf 300 Gigawatt installierter Leistung in 15 Jahren. Europa, einst unbestrittene Solar-Weltmacht, kommt nur auf gut 140 Gigawatt, wovon 40 Prozent in Deutschland stehen.

Der Ukraine-Krieg, der die Gasabhängigkeit der Bundesrepublik innerhalb weniger Tage auf brutale Weise offenlegte, hat jetzt zu einem Umdenken auch in der Solarindustrie geführt. Die Abhängigkeit von China und die technologische Unfähigkeit des heutigen Europa, hier eine führende Rolle zu spielen, scheinen der politischen Führung in Brüssel, Berlin und wichtigen Wirtschaftslenkern mittlerweile unerträglich.

Das Fraunhofer-Institut kommt zu dem Schluss:

Ein auf Erneuerbare Energien umgestelltes Energiesystem – und das ist der Plan in der EU – ist ohne einen massiven Ausbau der Solarenergie nicht denkbar. Aber: Nach heutigem Stand würden die Chinesen doppelt profitieren: Sie würden ihr Geschäft expandieren und ihr Erpressungspotential erhöhen.

Europa ist schlicht nicht lieferfähig: Jährlich können in der EU derzeit gerade mal Module mit einer Gesamtleistung von sechs bis acht Gigawatt hergestellt werden. Das entspricht weniger als einem Prozent der globalen Produktionskapazitäten.

Diese Schlafmützigkeit wurde in der Schrecksekunde des Krieges beendet – zumindest gedanklich. EU-Energiekommissarin Kadri Simson erklärt, die EU werde die europäische Solarindustrie wiederbeleben – „whatever it takes“.

Mit ihrem REPowerEU-Plan plant die EU-Kommission, dass Regierungen und Firmen in der Europäischen Union bis 2030 rund 300 Milliarden Euro investieren, um sich unabhängig von Kohl, Gas und Öl aus Russland zu machen. Das Ziel: Die installierte Leistung in der EU soll sich bis zum Jahr 2030 auf insgesamt 600 Gigawatt gegenüber heute vervierfachen.

Der von der Politik verordnete Vorrang für die Solarenergie bei der Netzeinspeisung – sobald die Sonne scheint werden Gas- und Kohlekraftwerke herunter gefahren – kommt diesen Ambitionen sehr zu passe. Eine von der EU-Kommission und der Wirtschaft initiierte „Solar PV Industry Alliance“ ist ein industriepolitischer Vorstoß, der Europas Unabhängigkeit auf diesem Feld fördern soll.

Fazit: Die ergrünte Gesellschaft will. Die EU mit ihrem nahezu unbegrenzten Zugang zum Kapitalmarkt kann. Und Amerika drängt ohnehin zur Entkopplung von China. Nun sind die Privaten gefordert, die Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen.

Nachtrag: Nur für Solarworld kommt diese Ambition zu spät. Das Unternehmen meldete im Mai 2017 Insolvenz an. Der Unternehmer Frank Asbeck verglühte.

Vielleicht sieht der neue, in Stil und Tonalität geläuterte, Frank Asbeck aus wie Herbert Diess. Der war noch bis vor kurzem Chef des größten Autoherstellers der Welt. Seinen Posten als CEO der Volkswagen AG musste er im vergangenen Sommer nach einem Machtpoker mit dem Aufsichtsrat und Teilen seines Vorstandsteams abgeben. Tempi passati.

Geblieben ist sein Wille zur Veränderung, sein Ingenieurwissen und seine Erfahrung als Manager komplexer Prozesse. Im Grunde ist der heutige Diess das, was er vorher schon war: ein industrieller Revolutionär, der mit Leidenschaft und Zielstrebigkeit – seine Kritiker sagen: mit Ungeduld und Härte – den Status quo zu überwinden sucht.

Deutschland will keinen Krieg: Selenskyis Fehler

(Morning Briefing) – Die Interessenlagen sind nicht konträr, aber in wichtigen Nuancen doch sehr unterschiedlich: Der ukrainische Präsident wird dafür bezahlt, dass er sein Land vor dem russischen Aggressor rettet. Der deutsche Kanzler wird dafür bezahlt, dass die Deutschen wieder in Frieden ihrer Wohlstandsmehrung nachgehen können.

Es gibt in Deutschland eine große Hilfsbereitschaft, aber keine Kriegsbereitschaft. Wenn die Deutschen könnten, würden sie jetzt nicht SPD, CDU oder die Grünen wählen, sondern den Frieden. Den Umweg über die Lieferung von Kampfpanzern nehmen sie in Kauf, wenn auch knurrend. Olaf Scholz mit all seiner kommunikativen Verschlossenheit und spürbaren Widerwilligkeit, die er mühsam als Besonnenheit tarnt, ist der Notar deutscher Gefühle.

Selenskyj bringt den Kanzler in eine zunehmend schwierige Position. Der Kriegspräsident versucht, den deutschen Kanzler zu einem Soldaten der ukrainischen Befreiungsarmee im Donbass und auf der Krim zu machen. Das will der nicht sein. Und das darf er nicht sein wollen. Dafür fehlt ihm das Mandat.

Selenskyj macht fünf gravierende Fehler, die auch dann Fehler bleiben, wenn er sie für Heldentaten hält.

Fehler 1: Selenskyj will zu viel zu schnell. Kaum ist der Dank für die Panzer des Westens verklungen, fordert er die Lieferung von Langstreckenraketen, Kampfjets und U-Booten. In einem Telefonat mit NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg und auch öffentlich hat er dieser Forderung Nachdruck verliehen, bevor die neuen Kampfpanzer an der Front überhaupt ihre Wirkung entfalten konnten.

Auch der ehemalige deutsche Botschafter der Ukraine, Andrij Melnyk, schlägt als neuer Vize-Außenminister bewusst harsche Töne an:

Das Team Selenskyj wirkt damit auf viele Deutsche ungeduldig, undankbar, auch unseriös. Womöglich hat der Mann in Kiew zu viele Churchill-Biografien gelesen.

Fehler 2: Selenskyj lehnt Friedensverhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt ab. Damit droht er, das Momentum zu verpassen.

Niemand – außer Kissinger – widerspricht ihm derzeit. Der Westen ist groß darin, das Momentum zu verpassen: Die unrühmlichen militärischen Niederlagen in Vietnam, im Irak und zuletzt in Kabul haben bei denen, die jetzt nach mehr Waffen und mehr Krieg rufen, keine Spuren im Selbstbewusstsein hinterlassen. Sie hoffen, die Ausgangslage für spätere Friedensgespräche durch mehr Militär zu verbessern. Aber der Heldenfriedhof ist voll mit den verstorbenen Hoffnungen von Kriegsherren, deren Ambition größer war als ihre realpolitische Möglichkeit.

Aus der Ukraine erreicht uns eine Kaskade von Durchhalteparolen, die kämpferisch klingt, aber die Interessen der Deutschen und die Gefühle der deutschen Wähler ignoriert. Etwa wenn der Berater des Präsidenten Mykhailo Podolyak an den Westen gerichtet sagt:

Fehler 3: Das inszenatorische Moment bei Selenskyj ist zu stark ausgeprägt. Dazu muss man wissen: Er war nicht nur Schauspieler, sondern gründete 2003 auch eine erfolgreiche Produktionsfirma, das Studio Kwartal 95. Freunde aus diesem Umfeld besetzen heute Schlüsselpositionen in der Regierung.

Der Leiter des Präsidialamts, Andrij Jermak, war einst selber Filmproduzent. Der Chefberater Serhij Schefir stammt ebenfalls aus Studio Kwartal 95, wie auch Geheimdienstchef Iwan Bakanow. Die NZZ-Auslandsredaktion fand heraus:

Fehler 4: Unter den Augen des Präsidenten blühen weiter Korruption und Vetternwirtschaft. Zwar hatte Selenskyj im Wahlkampf versprochen, diese Spätfolgen der Wendezeit zu bekämpfen. Aber er hat nicht geliefert. Der wichtigste Kronzeuge für das Scheitern dieser Säuberungsbemühungen ist Selenskyj selbst, der in den vergangenen Tagen neun Mitglieder des engsten Kreis der ukrainischen Führung wegen schwerer Korruption und dem Verdacht der Vetternwirtschaft entlassen hat.

Kyrylo Tymoschenko – stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung und enger Freund Selenskyjs aus der Filmbranche – nutzte ein für die Evakuierung von Zivilisten vorgesehenes Auto privat. Vize-Infrastrukturminister Wassyl Losynsky soll 400.000 US-Dollar Bestechungsgeld bei der Anschaffung von Generatoren angenommen haben. Das Verteidigungsministerium habe weit überteuerte Lebensmittel für Soldaten gekauft. Insgesamt mussten fünf Gouverneure, vier Vize-Minister und mehrere hochrangige Beamte gehen.

Selenskyj hat diese Herren nicht aus freien Stücken entlassen, er hat sie entlassen müssen. Diese Fälle wurden von den Medien aufgedeckt.

2021 belegte das Land, das nunmehr sein Land ist, den 122. Platz im Korruptionsindex und lag damit hinter Sambia, Nepal und den Philippinen. Der Europäische Rechnungshof urteilte Ende 2021:

Fehler 5: Selenskyjs Ambition reicht über die Befreiung der Ukraine hinaus. Er versucht, einen Kulturkampf gegen Russland anzuzetteln – gegen russische Sportler, russische Autoren, Musiker und Schauspieler. So verlangt sein Kulturminister, dass die Musik des vor 130 Jahren gestorbenen russischen Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowski im Westen nicht mehr gespielt werden dürfe. Derzeit versucht er, das IOC zu überreden, russische Sportler von den Olympischen Spielen 2024 in Frankreich auszuschließen.

 

In Zukunft Perowskit-Zellen

Photovoltaiktechnologien sind Eckpfeiler aller Zukunftsszenarien einer nachhaltigen Energieversorgung. Innovative, kostengünstige und hocheffiziente Materialien für die Solarmodule der nächsten Generation zu entwickeln, ist daher von höchster Dringlichkeit. Derzeit gilt insbesondere die Materialklasse der Perowskit-Halbleiter als äußerst aussichtsreich für die Solarzellen der Zukunft. Den wirtschaftlichen Durchbruch dieser Technologie verhindern derzeit jedoch die noch nicht ausreichende Stabilität und die Herausforderung, auf großer Fläche hochwertige Perowskit-Dünnschichten herzustellen. Mit dem Projekt „LAMI-PERO“ will Tenure-Track-Professor Ulrich W. Paetzold einen radikal neuen Herstellungsprozess entwickeln, der das Potenzial hat, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Ziel des Projekts ist es, ein grundlegendes Verständnis darüber zu etablieren, wie Perowskit-Dünnschichten unter hohem Druck entstehen, außerdem stabilere und neuartige Zusammensetzungen der Perowskit-Halbleiter zu entdecken und damit hocheffiziente Perowskit-Solarzellen und Tandem-Solarzellen herzustellen.

Wasserstoff-Gewinnung aus Meerwasser möglich

(pte)- Forscher der Universitäten Adelaide, Tianjin, Nankai sowie der Kent State University spalten Meerwasser auf, um es in Wasserstoff umzuwandeln. Dies galt bisher als fast unmöglich, denn das Salz zerstört binnen kürzester Zeit die Elektroden, mit denen der Solarstrom in das Wasser geleitet wird. Werden sie allerdings mit kostengünstiger Lewis-Säure überzogen, halten sie den Angriffen des Salzes über ausreichend lange Zeit stand. Zu dieser Stoffgruppe zählen unter anderem Eisen(III)-chlorid, Bortrifluorid und CO2. Die Experten entschieden sich allerdings für Chrom(III)-oxid (Cr2O3).

Lewis-Säure verhindert Korrosion

Bei Cr2O3 handelt es sich um ein weitverbreitetes Beschichtungsmaterial für Anwendungen insbesondere in der Druck- und Papierindustrie, der Pumpen- und Textilwirtschaft sowie für mechanische Dichtungssysteme. Der so hergestellte Wasserstoff könnte exportiert werden, auch in Regionen, die weder von der Sonne verwöhnt noch ausreichend mit elektrischer Energie versorgt werden, heißt es. Dort könnte in Brennstoffzellen Strom erzeugt werden. Der dabei entstehende Wasserdampf ließe sich kondensieren und die Versorgung mit Trinkwasser verbessern oder erst ermöglichen.

Ein typischer Katalysator in einem Elektrolyseur besteht laut den Wissenschaftlern aus Kobaltoxid mit einem Chromoxid-Überzug. Meerwasser würde diesen durch Erosion durch Chlorionen ruinieren oder sie mit unlöslichen Ablagerungen von Magnesium und Kalzium blockieren, sodass kein Strom mehr fließen kann. Beides wird durch die Lewis-Säure verhindert, so das Team.

Fast so effektiv wie mit Süßwasser

„Wir haben mithilfe eines solchen Katalysators in einem kommerziellen Elektrolyseur Meerwasser mit einer Effizienz von fast 100 Prozent in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten“, sagt Shizhang Qiao, Chemieingenieur an der University of Adelaide. Bei der Elektrolyse von Süßwasser unter Einsatz eines weit teureren Katalysators aus Platin und Iridium werde kaum weniger Wasserstoff erzeugt, so Assistenzprofessor Yau Zheng, Materialwissenschaftler an der gleichen Hochschule.

Aus dem EU-Parlament: Green-Deal, Industriepolitik, Wasserstoff

(EU) – Am 1. Februar hat die Europäische Kommission ihren „Green Deal Industrieplan“ vorgestellt. Die EVP-Fraktion begrüßt diesen Plan, bedauert aber, dass er nicht früher vorgelegt wurde und nur begrenzte Wirkung entfalten wird. Christian Ehler, MdEP für Brandenburg, äußert sich kritisch zum EU-Plan und zeigt die Auswirkungen für Brandenburg auf.

„Endlich entdeckt die Kommission ihr vernachlässigtes „Deal-Versprechen“ im Green Deal. Das hätte schon vor vier Jahren geschehen müssen, als der Green Deal vorgestellt wurde. Jetzt ist jedoch klar, dass die Kommission bei dem Versuch, die europäische Industrie wieder wettbewerbsfähig zu machen, an ihre intellektuellen und politischen Grenzen gestoßen ist.

Dies zeigt sich in dem übermäßig regulativen, nicht technologieneutralen Ansatz für Wasserstoff, der jegliche Wettbewerbsfähigkeit der EU im Vergleich zu den USA und China zerstören wird. Mit der Richtlinie zu Industriemissionen stranguliert die Kommission erneut unsere Industrie, indem sie Investitionsanreize in Europa für Großunternehmen, aber auch für kleine und mittelständische Betriebe eliminiert. Zudem ist die alleinige Konzentration auf Clean-Tech-Technologien vereinfachend, greift zu kurz und vernachlässigt, dass Europa fit für das digitale Zeitalter sein muss. Auch die Unterfinanzierung von Forschung und Innovation in Europa und in der europäischen Industrie selbst bleibt unerwähnt.

Gerade in Brandenburg sind die Weichen für Wasserstoff-Technologien auch deshalb gestellt, weil es hier auch darum geht, die traditionell stärkere Abhängigkeit der ostdeutschen Bundesländer von russischen Rohstofflieferungen loszuwerden.

Zudem spielt Wasserstoff eine wesentliche Rolle im Strukturwandelprozess im Süden des Landes. Dort soll die H2-Technologie herkömmliche Prozesse, die bislang auf Braunkohle basierten, ablösen. Vielversprechende H2-Projekte wie das erst vor kurzem an den Start gegangene Referenzkraftwerk Lausitz (Reflau) in Schwarze Pumpe oder das Green Areal Lausitz (GRAL) in Jänschwalde, welches als grünes Industriegebiet entwickelt wird, gilt es zu verstetigen.

Mit Blick auf die aktuelle Situation und die ambitionierten Ziele des Green Deal ist eine weitere Überbürokratisierung zu verhindern. So muss sich z.B. die Revision der Industrieemissionsrichtlinie (IED) als Teil des Gesamtpakets gesetzlicher Regelungen auf die wesentlichen Umweltaspekte der Industrieproduktion beschränken und zu schnellem Handeln beitragen. Wenn die IED-Revision kommt, dann wäre in Deutschland ein neues System der Grenzwertsetzung während der Genehmigungsphase einzuführen, welches mit erheblichen Unsicherheiten auf Seiten der Betreiber und Behörden behaftet ist. Das System würde eine Verzögerung von Genehmigungen von bis zu sechs Monaten bedeuten. Solche Regelungen zwingen unsere Brandenburger Unternehmen in die Knie.“

Weltweite Dominanz Chinas von Produktion und Anwendung der Photovoltaik – Mit einer Einführung von Jean Pütz

Das hat Deutschland verpasst, anfangs führend in der Produktion von Solar-Paneele, z. B. durch Solarworld, hat die Politik völlig versagt. Die Technologie landete fast kostenlos nach China, weil keiner gemerkt hat, dass die extremen staatlichen Subventionen in diese  Zukunftstechnologie der deutschen Industrie sämtlich Wettbewerbsfähigkeit genommen hat. Die Chinesen haben den deutschen und europäischen Markt mit ihren preiswerten Paneelen überschwemmt. Jetzt muss Deutschland 90% der Photovoltaik – basierend auf Silizium – importieren.

Ich hoffe, dass die in Deutschland entwickelte, sehr aussichtsreiche Technologie des sogenannten Perowskit mit wesentlich höheren Wirkungsgraden dieses Mal nicht verpasst wird und die Großindustrielle Produktion in der Priorität gefördert wird. Perowskit-Paneele kommen ohne mono- und polykristallines Silizium und sind daher erheblich preiswerter herzustellen. Auch hier ist Deutschland wieder führend in der Technologie.

Lesen Sie dazu einen Auszug aus ‚The Pioneer Briefing‘ von Gabor Steingart

Jean Pütz

China führt in der Solarindustrie

Diese Weltmarktposition ist hart erarbeitet. Das Land gab allein in den ersten sechs Monaten des Jahres 2022 rund 41 Milliarden Dollar für große Solarprojekte aus. 173 Prozent mehr als im Vorjahr.

Deutschland selbst war einst auf dem Weg zu einer führenden Photovoltaik-Industrie, heute bezieht es 95 Prozent der Solaranlagen aus China. Der weltweite Anteil Chinas an der Produktion von Solarmodulen beträgt inzwischen über 70 Prozent, heißt es in einem Bericht der Internationalen Energieagentur (IEA).

Dabei exportiert China nicht nur, sondern ist selbst zum Boom-Markt für Photovoltaik geworden. Von null auf 300 Gigawatt installierter Leistung in 15 Jahren. Europa kommt nur auf gut 140 Gigawatt, wovon 40 Prozent in Deutschland stehen.

Denkender Mensch – wie kam es dazu

(IDIV) – Amsterdam/Leipzig/Jena. In Jäger- und Sammlergesellschaftenbilden bereits Kinder geschlechtsspezifische Fähigkeiten zurNahrungssuche aus, um besondere Nahrung verfügbar zu machen. DieseErrungenschaft sowie das Teilen von Nahrung könnte es der menschlichenSpezies ermöglicht haben, ein wesentlich größeres Gehirn zuentwickeln als unsere nächsten lebenden Verwandten. Zu diesem Schlusskommen Forschende der Universität Amsterdam (UvA), des DeutschenZentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), desMax-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, desHelmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) und derFriedrich-Schiller-Universität Jena. Eine stabilere Energie- undNährstoffversorgung könnte eine größere Investition indas Gehirn ermöglicht haben. Die Studie wurde in der ZeitschriftFrontiers in Ecology and Evolutionveröffentlicht.

Die Gehirne von Menschen sind dreimal so groß wie die andererPrimatenarten. Es wird angenommen, dass eine vielfältige, hochwertigeErnährung und eine lange Kindheit mit ausreichend Zeit zum Erlernenkomplexer Fähigkeiten zum Nahrungserwerb wichtige evolutionäreFaktoren für unsere großen Gehirne sind. Im Gegensatz zu anderenPrimaten zeichnet sich die menschliche Ernährung durch einegroße Vielfalt an hochwertigen und schwer zu beschaffendenNahrungsmitteln aus, wie etwa Fleisch, Fisch und Raupen sowie unterirdischeKnollen oder viele Arten von Nüssen. Um diese zu sammeln zukönnen, bedarf es komplexer Fähigkeiten zur Nahrungssuche, dievermutlich schon im frühen Alter entwickelt werden.

Um besser zu verstehen, wie der Mensch diese Fähigkeiten erlernt,begleitete das internationale Forscherteam ein Jahr lang 27 Kinder einermodernen Sammlergesellschaft in der Republik Kongo. Die BaYaka beginnenbereits im Alter von fünf Jahren mit der selbstständigenNahrungssuche in Gruppen von Gleichaltrigen. Die Forschenden untersuchtendie Methoden der Kinder bei der Nahrungssuche, die Zusammensetzung ihrerNahrung und ihr Wissen über die Pflanzenwelt auf ihren täglichenAusflügen. Neben der Beobachtung des Verhaltens führten sie auchNährwertanalysen der gesammelten Nahrung durch. Zu diesem Zweckarbeiteten die Forscher interdisziplinär mit einem Botaniker undkognitiven Verhaltensökologen der Universitäten Leiden undAmsterdam, chemischen Ökologen des iDiv, der Universität Jena unddes UFZ, Anthropologen des Max-Planck-Instituts für evolutionäreAnthropologie in Leipzig und Ernährungsökologen des CharlesPerkins Centre der Universität Sydney zusammen. Die Feldarbeit ergabeinen einzigartigen Datensatz mit 798 Stunden Beobachtung.

Die BaYaka-Kinder verbrachten ein Drittel ihrer Zeit mit der Suche undBeschaffung von Nahrung. Die Hälfte davon suchten sie unabhängigvon Erwachsenen und zeigten ein hohes Maß an Selbstständigkeit.„Ich war beeindruckt, wie geschickt die Kinder schon in einem sehrjungen Alter waren“, sagt Jorin Veen, Erstautor der Studie, der dieseUntersuchung im Rahmen seiner Masterarbeit an der UvA durchgeführthat. „Der Großteil der Nahrung waren Fallfrüchte, Samenund Knollen, aber die Kinder kletterten auch auf 40 Meter hohe Bäume,um Honig oder Früchte zu sammeln, was mitunter sehr riskant seinkann.“

Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Die Ergebnisse zeigten eine früh einsetzende Spezialisierung beider Nahrungssuche. Gruppen mit mehr Jungen ernährten sich eher vonFrüchten und Samen, was oft riskante Kletterkünste erfordert,während Gruppen mit mehr Mädchen eher Knollen sammelten.„Die Knollen zu sammeln erfordert außergewöhnlicheGrabungsfähigkeiten, da die Liane, die zu den unterirdischen Knollenführt, nicht leicht zu erkennen und zu verfolgen ist“,erklärt Prof. Karline Janmaat, Betreuerin der Erstautorin undForscherin am Institut für Biodiversität undÖkosystemdynamik der UvA. „Diese frühegeschlechtsspezifische Spezialisierung der Fähigkeiten zurNahrungssuche in Verbindung mit dem hohen Grad an Nahrungsaustausch inJäger- und Sammlergesellschaften ermöglicht der menschlichenSpezies wahrscheinlich eine stabilere Energie- und Nährstoffversorgung– und die könnte es uns letztlich ermöglicht haben, uns einwesentlich größeres Gehirn zu leisten als andrePrimaten.“

„Unsere Analysen ergaben, dass vor allem die Früchte, die 40Prozent der Ernährung der Kinder ausmachten, im Vergleich zu anderenpflanzlichen Nahrungsmitteln mehr Zucker, vor allem Glukose und Fruktose,enthielten“, sagt Mitautorin Prof. Nicole van Dam. „KeinWunder, dass sie sich so sehr bemühten, sie zu beschaffen.“ Van Dam, die die chemischen Analysen betreute, war bis Oktober 2022Leiterin der Arbeitsgruppe Molekulare Interaktionsökologie am iDiv.Danach übernahm sie die Leitung des Leibniz-Instituts fürGemüse- und Zierpflanzenbau (IGZ) in Großbeeren und hältgleichzeitig ihre Professur an der Universität Jena.

Diese Forschung wurde u.a. von der Deutschen Forschungsgemeinschaft(DFG; FZT-118) finanziert.
Sebastian Tilch