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Maniok gegen Vitaminmangel

Versorgung von 150.000 afrikanischen Haushalten bis 2014 geplant

Abuja (pte001/19.12.2011/06:00) – Forscher des International Institute of Tropical Agriculture (IITA) http://www.iita.org haben in Nigeria drei neue Varianten der Maniok-Pflanze gezüchtet, die einen erhöhten Gehalt der Vitamin-A-Vorstufe Beta-Carotin enthält. Die Verantwortlichen sprechen von einem "großen Durchbruch" und wollen damit Mangelerscheinungen in verschiedenen Regionen des afrikanischen Kontinents bekämpfen. Anita Sackl, Ernährungsexpertin bei Ärzte ohne Grenzen in Österreich http://aerzte-ohne-grenzen.at , sieht die Entwicklung gegenüber pressetext vorsichtig optimistisch.
Hotspots Flüchtlingslager

Die neuen Maniok-Züchtungen – die Pflanze ist auch unter dem Namen "Kassava" bekannt – firmieren unter den Genotypen-Bezeichnungen TMS 01/1368, TMS 01/1412 und TMS 01/1371. Sie sollen sich gut für die Herstellung hochwertigen Mehls und der Zubereitung traditioneller Speisen, wie etwa das in Nigeria beliebte "Fufu" eignen.

In manchen Teilen Afrikas ist Vitamin-A-Mangel ein erhebliches Problem und unter anderem ein Auslöser für viele Erblindungen. "Besonders in Flüchtlingslagern und verschiedenen Regionen der Subsahara-Region ist die Versorgungssituation schlecht", schildert Sackl. Jedoch ortet die Fachfrau vielerorts Fortschritte. So gibt es mittlerweile in zahlreichen Staaten Verteilungsprogramme, die schon ab frühester Kindheit greifen und bereits Wirkung zeigen. Auch internationale Unterstützung, wie etwa über das World Food Programme, trägt zur Verbesserung bei."

Abhängigkeit muss vermieden werden

Sackl betont, dass Ärzte ohne Grenzen bei den Hilfseinsätzen noch keine Erfahrung mit den neuen Produkten gemacht hat. Sie selbst sieht die IITA-Entwicklung jedoch mit leichtem Optimismus. "Wenn diese Pflanze tatsächlich einen erhöhten Vitamingehalt aufweist und robust ist, könnte das etwas bewirken. Jedoch ist eine ausgewogene Ernährung trotzdem wichtig, da Maniok einen geringen Proteingehalt und wenige essenzielle Aminosäuren aufweist", sagt Sackl.

Die Expertin warnt jedoch auch vor der Erzeugung zusätzlicher Abhängigkeit. "Die Pflanzen müssen vermehrbar sein, damit die lokalen Bauern und Bäuerinnen selber Saatgut für das nächste Jahr herstellen können." Die auf traditionellem Wege gezüchteten, neu entwickelten Maniok-Pflanzen lassen sich über die Abspaltungen von Ablegern vom Stamm des Gewächses vermehren. 2013 sollen 25.000 Landwirte erstmals beliefert werden, bis Mitte 2014 soll sie Eingang in die Nahrungsmittelauswahl von 150.000 Haushalten finden.

Verwendungsmenge für bestimmte Azofarbstoffe eingeschränkt

Knallige Farben – bestimmte Azofarbstoffe eingeschränkt

2013/06/01- Ab 1. Juni 2013 werden bei drei künstlichen Lebensmittelfarbstoffen die Verwendungsmengen und die Einsatzbedingungen deutlich eingeschränkt. Es handelt sich um die Azofarbstoffe Gelborange S (E 110), Chinolingelb (E 104) und Conchenillerot A (E 124), die beispielsweise in knallig bunten Süßigkeiten und Getränken enthalten sind. Alte Bestände, die der am 1. Juni in Kraft tretenden EU-Verordnung nicht entsprechen, dürfen aber noch weiter verkauft werden.

Bei den drei Azofarbstoffen wurde die täglich tolerierbare Aufnahmemenge (ADI) nach einer Empfehlung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA aus dem Jahr 2009 deutlich herabgesetzt, informiert der VerbraucherService Bayern. Der ADI ist die Menge einer Substanz, die lebenslang pro Tag ohne gesundheitliche Auswirkungen verzehrt werden darf. Bei Chinolingelb wurde der ADI-Wert von 10 mg auf 0,5 mg, bei Gelborange S von 2,5 auf 1 mg und bei Conchenillerot von 4 auf 0,7 mg gesenkt. Die Verwendungsmengen und Einsatzbedingungen wurden dementsprechend angepasst. Diese Maßnahme dient vor allem dem Schutz der Kinder, die durch ihr geringes Körpergewicht beim Genuss entsprechender Produkte leicht größere Mengen aufnehmen können.

Bereits seit 20. Juli 2010 müssen Lebensmittel, die Azofarbstoffe enthalten, mit dem Hinweis „kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ versehen sein. Daraufhin haben viele Hersteller ihre Rezeptur geändert und verwenden stattdessen andere künstliche Farbstoffe oder Frucht- und Pflanzenextrakte wie Karotinoide, Spinatextrakt und Kurkuma. Der künstliche Azofarbstoff Conchenillerot A (E 124) wird häufig durch echtes Conchenille bzw. Karmin (E 120) ersetzt, das aus getrockneten Scharlach-Schildläusen gewonnen wird. Doch auch natürliches Conchenille kann bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen, gibt der VerbraucherService Bayern zu bedenken.

Azofarbstoffe sind in Süßigkeiten und Getränken, aber auch Milchprodukten, Soßen, Füllungen, Kaviarersatz und Krabbensalat enthalten. Wer beim Einkauf auf das Etikett achtet, kann sich bewusst für Produkte mit natürlichen Inhaltsstoffen entscheiden. (aid)

aid: Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der gemeinnützige Verein löste sich 2016 auf.

Gene für Fettleibigkeit

Wissenschaftler entdecken Gene für Fettleibigkeit

Hoffnung für neue Therapien und Prävention gegen Stoffwechselleiden

Donuts: haben nur wenig Schuld an Fettleibigkeit (Foto: pixelio.de/Lichtkust73)
Donuts: haben nur wenig Schuld an Fettleibigkeit (Foto: pixelio.de/Lichtkust73)

Sydney (pte006/26.02.2015/06:15) –

"Fettleibigkeit ist erblich und führt bei Menschen mit solch einer
Prädisposition zu vielen anderen Krankheiten." Zu diesem Fazit kommt
Dale Nyholt von der Queensland University of Technology http://qut.edu.au , nachdem im Zuge einer weltweiten Studie die genetischen Daten von
340.000 Menschen analysiert wurden. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern
den Ausgangspunkt für neue Therapien und Präventionsmaßnahmen gegen
stoffwechselabhängige Krankheiten.

97 genetische Marker

483 Forscher in 363 Forschungszentren haben die Daten
zusammengetragen und analysierten die genetischen Unterschiede in
Abhängigkeit mit dem vieldiskutierten Body Mass Index (BMI). Zwar wusste
die Wissenschaft bereits, dass rund 40 bis 70 Prozent des Unterschiedes
im BMI in der Bevölkerung von genetischen Faktoren bestimmt werden. Die
genetische Variabilität konnte bislang aber noch nicht erklärt werden.

Die aktuelle Untersuchung hat zum ersten Mal die
wahrscheinlichen Gene und ihre Wirkungspfade, die für Fettleibigkeit
verantwortlich sind, identifiziert. Nachdem die Experten mehr als 2,5
Mio. Variationen von Nukleotiden analysierten, entdeckten sie 97
genetische Marker, die mit der Beeinflussung des BMI eindeutig
assoziiert werden konnten. 56 davon waren komplett neu, heißt es in der
Untersuchung.

Beeinflussung des Gehirns

Die identifizierten Gene beinhalten Neurotransmitter,
die auf Änderungen im Essverhalten reagieren. Diese Stoffe könnten neue
Ziele in der Therapie von Fettleibigkeit darstellen, meint Nyholt. Die
genetischen Marker, die nun für die unterschiedlichen BMIs
verantwortlich gemacht werden, überlappen sich mit Genen, die auch die
Gehirnentwicklung beeinflussen.

In der Folge spielen diese Gene eine Rolle im zentralen
Nervensystem, indem sie wiederum den BMI regulieren. "Wenn wir den
Mechanismus besser verstehen, könnten wir erklären, warum nicht alle
fettleibigen Menschen Stoffwechselerkrankungen entwickeln und daher
mögliche Mechanismen für fettleibige Menschen vorschlagen, um
Stoffwechselerkrankungen vorzubeugen", so Nyholt abschließend.

Stress-Gen macht anfälliger für Herzinfarkte

Stress-Gen macht anfälliger für Herzinfarkte
DNA-Baustein erhöht Risiko um 38 Prozent – Früherkennung möglich
 
DNA: Gene spielen wichtige Rolle für das Herz (Foto: pixelio.de, G. Schoenemann)

Durham (pte010/19.12.2013/10:55) – Ein Stress-Gen haben Wissenschaftler der Duke University School of Medicine http://medschool.duke.edu mit einem höheren Risiko in Zusammenhang gebracht, an einem Herzanfall oder einer Herzerkrankung zu sterben. Herzpatienten mit dieser genetischen Veränderung verfügten über ein um 38 Prozent höheres Risiko eines Herzanfalls oder Todes.

Signifikante Anfälligkeit

Die Forscher schreiben in PLOS ONE http://plosone.org , dass eine personalisierte Medizin zu einer besseren psychologischen oder medizinischen Versorgung bei Personen mit einem hohen Risiko führen könnte. Laut Jeremy Pearson von der British Heart Foundation http://bhf.org.uk liefert diese Studie weitere Belege dafür, dass Stress das Herzrisiko direkt erhöhen kann.

Die Wissenschaftler untersuchten eine einzelne Veränderung eines DNA-Bausteins, eines sogenannten "Buchstabens", der mit einer erhöhten Anfälligkeit für die Auswirkungen von Stress in Zusammenhang gebracht worden war. Es zeigte sich, dass Patienten mit dieser genetischen Veränderung innerhalb eines Beobachtungszeitsraums von sieben Jahren über ein signifikant erhöhtes Herzanfall-Risiko verfügten.

Identifizierung von Genvarianten

Der Zusammenhang blieb laut den Experten auch dann bestehen, als Faktoren wie Alter, Fettsucht oder Rauchen berücksichtigt worden waren. Damit liegt laut den Forschern nahe, dass Methoden zur Stressbewältigung und Medikamente die Todesfälle und Arbeitsunfähigkeit nach einem Herzanfall verringern könnten.

Laut Redford Williams, Direktor des Behavioural Medicine Research Center an der Duke University School of Medicine http://bit.ly/18TcITl , ist diese Studie der erste Schritt zur Identifizierung genetischer Varianten, die zu einem erhöhten Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung führen. Damit sei ein Schritt in die Richtung gelungen, dass Menschen mit einem erhöhten Risiko bereits durch ihr Erbgut ermittelt werden können.

Das Identifizieren von Menschen mit dieser genetischen Veränderung könnte frühe Interventionen bei Herzpatienten ermöglichen, die über ein besonders hohes Risiko verfügen. Rund einer von zehn Männern und drei Prozent der Frauen der 6.000 an der Studie teilnehmenden Herzpatienten verfügten über eine genetische Veränderung, die mit einem erschwerten Umgang mit emotionalem Stress in Zusammenhang stand.

Immer mehr verheerende Waldbrände

Mittelmeer: Immer mehr verheerende Waldbrände

Forscher haben Brandflächen und Trockenheit miteinander verglichen

Brand außer Kontrolle: Events nehmen zu (Foto: pixelio.de, Hermann Schönhofer)
Brand außer Kontrolle: Events nehmen zu (Foto: pixelio.de, Hermann Schönhofer)

Padua (pte002/18.07.2017/06:05) –

Aktuelle Klimaverhältnisse im Mittelmeerraum wirken sich immer
deutlicher auf die Waldbrandgefahr aus, wie Wissenschaftler des zum
Nationalen Forschungsrat CNR gehörenden Istituto di Geoscienze e
Georisorse http://igg.cnr.it herausgefunden haben. "Bisher war unklar, ob die Brände eher von den
meteologischen Bedingungen der Vorjahre oder von denen im Jahr ihres
Auftretens abhängig sind", so Projektleiter Antonello Provenzale.

Breite Datenanalyse

Die Experten haben als Variablen das Brandgebiet
(Burned Area, BA) mit der jeweiligen Trockenheit (Standardized
Precipitation Evapotranspiration Index, SPEI) verglichen und
signifikante Abweichungen von den jeweiligen Mittelwerten erhoben. Zu
diesem Zweck konnten auch die statistischen Daten des European Forest
Fire Information System genutzt werden.

"Wir haben festgestellt, dass beim BA auftretende
Anomalien nahezu gleichförmig mit den Anomalien beim SPEI einhergehen",
sagt Provenzale. Tatsache sei aber auch, dass mehrere aufeinander
folgende Trockenjahre weniger Vegetation mit sich bringen und deshalb
den im Sommer oft auch ohne menschliches Zutun entstehenden Feuern
weniger Nahrung bieten.

Zunahme der Ereignisse

Die im Rahmen der Studie gewonnenen Erkenntnisse bieten
sich an, diese in die bestehenden Frühwarnsysteme zur Eindämmung von
Waldbränden und in die Entwickung neuer transnationaler
Monitoringssysteme einzubringen. Laut dem Forscher ist in den kommenden
Jahren und Jahrzehnten mit einer Zunahme der Waldbrände im
Mittelmeerarum zu rechnen.

Die zum europäischen Forschungsprogramm "Ecopotentail" http://ecopotential-project.eu gehörende wissenschaftliche Untersuchung ist in enger Zusammenarbeit
mit Universitäten in Spanien, Portugal und Kalifornien durchgeführt
worden. Einzelheiten wurden in der internationalen Fachzeitschrift
"Scientific Reports" veröffentlicht.

Vorsicht bei der Pilzsuche

Flüchtlinge besonders gefährdet

Wer im Wald nach Pilzen sucht, muss sich auskennen. Vor allem Flüchtlinge und Asylsuchende sollten aufpassen, denn in Deutschland gibt es einige sehr giftige Arten, die essbaren Pilzen aus anderen Ländern und Regionen sehr stark ähneln, warnt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR).

Ein Beispiel ist der hochgiftige Knollenblätterpilz, der leicht mit dem essbaren Eier-Wulstling aus dem Mittelmeerraum verwechselt werden kann. Rund 80 Prozent aller tödlichen Pilzvergiftungen gehen auf diese Verwechslung zurück. Der Knollenblätterpilz wächst von Juli bis Oktober in Laubwäldern und Parks und sieht auch dem hiesigen Champignon sehr ähnlich. Besonders gefährlich ist, dass er keinen abstoßenden Geschmack hat und die Vergiftungssymptome erst nach vielen Stunden auftreten. Für Erwachsene kann bereits ein Frischpilz von 50 g tödlich sein, für Kinder etwa die Hälfte.

Für das Jahr 2015 sind dem BfR insgesamt 27 Fälle von Pilzvergiftungen bekannt, von denen zwei tödlich endeten. Betroffene reagieren meist mit Magenkrämpfen, Übelkeit und Erbrechen. Zur eigenen Sicherheit sollten nur Pilze gesammelt werden, die sich eindeutig bestimmen lassen. Beim kleinsten Zweifel lässt man den Pilz besser stehen oder wendet sich an eine Beratungsstelle. Auch nasse, zerfressene und unansehnliche Exemplare gehören nicht in den Korb.

Wenn nach einer Pilzmahlzeit Unwohlsein auftritt, sollte immer ein Arzt oder die Giftinformationszentrale befragt werden. Im Allgemeinen gehören Wildpilze nur gelegentlich auf den Speiseplan. Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen reichern Pilze Schwermetalle wie Quecksilber aus dem Erdboden an. Zum anderen können Wildpilze je nach Region als Folge der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl noch radioaktiv belastet sein. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit rät Verbrauchern, pro Woche nicht mehr als 200 bis 250 Gramm zu essen. Bei Kindern sollte der Verzehr entsprechend ihres Körpergewichts geringer sein. Gegen den gelegentlichen Genuss, auch in größeren Mengen, bestehen aber keine Bedenken. Allerdings müssen alle Wildpilze vor dem Verzehr gut durcherhitzt werden – zwei Minuten lang bei 70 Grad Celsius. Dann sind sie auch leichter verdaulich.

Heike Kreutz, (aid)

Problematischer Eingriff in die Natur möglich!!

Gen-Schere verändert Erbgut von Lebewesen

Bei Pflanzen lassen sich nicht nur Teile, sondern Gen-Cluster ausschalten

Gentafel: Forscher verändern Erbgut gezielt (Foto: Gabi Schoenemann, pixelio.de)
Gentafel: Forscher verändern Erbgut gezielt (Foto: Gabi Schoenemann, pixelio.de)

Halle an der Saale (pte016/26.04.2017/10:32) –

Mithilfe der Gen-Schere CRISPR/Cas9 lässt sich das Erbgut von Lebewesen
gezielt verändern. Biologen der Martin-Luther-Universität
Halle-Wittenberg (MLU) http://uni-halle.de haben das System jetzt so weiterentwickelt, dass sich in Pflanzen nicht
nur einzelne Gene, sondern ganze Gen-Cluster ausschalten lassen. Ihre
Ergebnisse stellt die Forschergruppe in der Fachzeitschrift "The Plant
Journal" vor.

Protein Cas9 auf der Spur

Seit einigen Jahren arbeiten Wissenschaftler weltweit
daran, Werkzeuge zum Genome Editing, dem gezielten Eingreifen in das
Erbgut von Menschen, Tieren oder Pflanzen, zu verbessern. Besonders
vielversprechend ist dabei die Gen-Schere CRISPR/Cas9. Ein
CRISPR/Cas9-System besteht aus zwei Teilen.

"Da ist zum einen das Protein Cas9, das immer vorhanden
sein muss. Es fungiert als Schere, die die DNA an einer bestimmten
Stelle schneidet", sagt Johannes Stuttmann vom Institut für Biologie der
MLU. Der zweite Teil ist die sogenannte Guide-RNA, die das Cas9-Protein
an die gewünschte Stelle im Erbgut führt, damit genau an dieser Stelle
ein Schnitt gesetzt wird.

Mit konventionellen CRISPR-Verfahren lassen sich nur
einzelne Gene ansteuern und ausschalten. Das hat zwei Nachteile: "Im
Erbgut befinden sich häufig Gene mit ähnlichen oder gleichen Funktionen
hintereinander. Das bedeutet, dass ich mehrere Gene ausschalten muss, um
zum Beispiel eine bestimmte Eigenschaft in einer Pflanze zu
beeinflussen", so Stuttmann.

Verfahren bringt Vorteile

Das Verfahren der halleschen Forschergruppe setzt auf
mehrere Guide-RNAs, sodass mit einem Eingriff gleich mehrere Stellen im
Erbgut auf einmal verändert werden können. "Die Idee, mehrere Guide-RNAs
zu verwenden, wird von Forschern weltweit seit einiger Zeit verfolgt.
Wir haben ein Tool entwickelt, mit dem sich das schneller und einfacher
umsetzen lässt", fasst Stuttmann zusammen.

Ihr Verfahren haben die Wissenschaftler an der
Modellpflanze Ackerschmalwand (Arabidopsis thaliana) und an
Tabakpflanzen erprobt. In ihren Versuchen konnten sie 120.000 Basenpaare
aus dem Erbgut löschen – in früheren Arbeiten wurden nur etwa 1.500
Paare gelöscht. Ein weiterer Vorteil: Nachdem ein ganzes Gen-Cluster aus
dem Erbgut entfernt wurde, lassen sich die einzelnen Gen-Elemente in
Stücken wieder einfügen.

Jean Pütz fordert hypokratischen Wahrheitseid für Journalisten

Jean
Pütz fordert „hippokratischen Eid für Wissenschaftsjournalisten“

VonWolfgang Goede

Der
Erfinder der legendären „Hobbythek“ wurde im Ehrensaal des Deutschen Museums
mit dem Eduard-Rhein-Kulturpreis 2018 ausgezeichnet. Pütz ist TELI-Mitglied.
Eduard Rhein, ein begnadetes Multi-Talent des 20. Jahrhunderts, gehörte
ebenfalls der TELI an. Mit Blick auf die Innovationshöhe der
Preisträgerleistungen, Location und das Festambiente hat der
Wissenschafts-Event fast den Charakter eines Deutschen Nobelpreises.

In
seiner Begrüßung ehrte Wolfgang M. Heckl, Generaldirektor des Deutschen
Museums, den Preisträger als „Ikone der Wissenschaftsvermittlung und des
Wissenschaftsjournalismus“. „Wir alle sind mit Jean Pütz und der Hobbythek
aufgewachsen“, sagte er. Heckl lobte den unterhaltsamen Ton von Pütz und seinen
Fernsehsendungen und schlug eine Brücke zum Deutschen Museum: „Bereits Oscar
von Miller, der Erbauer unseres Museums, wollte Wissen mit Spaß aufbereiten.“

Pütz’
Markenzeichen: Rausche-Schnurrbart

TV-Moderatorin
Nina Ruge führte durch den Festakt mit 150 Ehrengästen aus Wissenschaft,
Technologie und Kultur. Im Interview mit Jean Pütz hatte sie Mühe, den vor
Energie und Redelust überschäumenden Preisträger zu bändigen, der sich selbst
als „Rampensau“ bezeichnet. Mit seinem rauschigen Schnurrbart, so wie er
jahrzehntelang der Nation auf dem Bildschirm entgegengetreten war, ist der Mann
weiterhin ein ebenso vertrauter wie markanter Blickfang.

Pütz
betonte wiederholt die herausragend wichtige Rolle des
Wissenschaftsjournalismus in der Gesellschaft: „Unentbehrlich für die
Demokratie in Zeiten von Postfaktisch und Fake News1“, ließ sich der
Fernsehjournalist und Moderator im Festprogramm zitieren. Bad News in Good News
umzuwidmen, wie es im Reaktionsalltag so häufig geschehe, sei ein Irrweg, rief
er in den Saal. Stattdessen: „Journalisten müssen über den Tellerrand
hinausblicken, den Politikern die Leviten lesen, Zivilcourage zeigen.“ Als
Beispiel für seine Kritik nannte er die Dieseldebatte und „die Verteufelung des
effizientesten aller Motoren mit schwachsinnigen Grenzwerten“.

Pütz‘
Credo #1: Bürger beteiligen an der Wissenschaft!

Insbesondere
Journalisten seien der Wahrheit verpflichtet, verlangte der
Eduard-Rhein-Preisträger. „Indem wir nur das schreiben, was wir auch begriffen
haben“, präzisierte er und setzte seiner Forderung das i-Tüpfelchen auf: „Wir brauchen
einen hippokratischen Eid für Wissenschaftsjournalisten!“

Seine
Kultsendung Hobbythek, 350mal gesendet in 30 Jahren, nannte Pütz „ein
trojanisches Steckenpferd“. Mit Alltagsbeispielen aus Wissenschaft und Technik,
demonstriert mit unterhaltsamen Experimenten, wollte er Lust auf Wissenschaft
machen und zum Selbermachen animieren. Dies mit der demokratischen Überzeugung,
dass Wissenschaft Herrschaftswissen bleibe, „wenn der Mensch nicht beteiligt
wird, damit er verstehen kann“. Dabei dürften viele erkennen, dass „sie
schlauer sind, als sie bisher dachten“.

Pütz’
Credo #2: Naturwissenschaftliche Bildung – Grundlage der Demokratie!

„Ich
stinke gegen das Postfaktische bereits seit 15 Jahren an“, erklärte Pütz, in
Anspielung auf US-Präsident Trump. Und mit Bezug auf unsere moderne
technologiegetriebene Zivilisation: „Wenn wir dem Turmbau zu Babel nicht mit
Vernunft beikommen, stürzt er zusammen.“ Naturwissenschaftliche Bildung und
Logik seien die Grundlage der Demokratie. Sonst müsse man alles glauben, was
einem vorgesetzt werde, und werde anfällig für Demagogie.

Die
Laudatio auf Jean Pütz hielt Norbert Lossau, Ressortleiter Wissenschaft bei der
Welt-Gruppe. Er umriss des Preisträgers journalistisches Lebenswerk mit
insgesamt 3000 TV-Sendungen über Wissenschaft und Technik, dazu 80
populärwissenschaftliche Bücher mit einer Auflage von mehr als sechs Millionen.
Lossau verwies auch auf Pütz‘ Verdienste um die Wissenschaftspressekonferenz
WPK als Mitgründer und dreizehn Jahre lang als Vorsitzender. Derzeit toure er
mit der Pütz-Munter-Show durchs Land und begeistere Groß und Klein mit seinen
Experimenten. Bei Facebook sei er ein Medienereignis mit 35.000 Followern2.

Rhein:
Erfinder und ein großer Blattmacher

Jean
Pütz ist gelernter Ingenieur mit wissenschaftlich-technischem Durchblick,
leidenschaftlicher Journalist und unermüdlicher Aufklärer, mit
scharf-analytischem Blick auf die Probleme im Grenzgebiet von Wissenschaft und
Gesellschaft. Mit seinen mittlerweile 82 Jahren, mit denen er gerne ein wenig
kokettiert, versprüht er die Energie einer ganzen Redaktionsmannschaft. Seit
langem ist er auch ein treues Mitglied der TELI, der weltältesten Organisation
von Technik- und Wissenschaftsjournalisten, die ihm auf diesem Wege ganz
herzlich zum mit 10.000 Euro dotierten Eduard-Rhein-Kulturpreis gratuliert.

Mitglied
der 1929 in Berlin gegründeten TELI war auch Eduard Rhein, der 1936 aufgenommen
worden war3. Erfinder und Journalist, Künstler und Schriftsteller,
ein begnadetes Multi-Talent. Als Begründer der Hörzu mit Auflagenspitzen von
4,5 Millionen gehört er zusammen mit Henri Nannen, Rudolf Augstein und Axel
Springer zu den großen Blattmachern der Bundesrepublik.

Stiftungspreisträger:
Zuse, Maddox, Fest, Berners-Lee

Mit
technischer Raffinesse verdoppelte er die Abspieldauer der Langspielplatte und
machte damit ein Vermögen, mit dem er die Eduard-Rhein-Stiftung ins Leben rief4.
Mit einem Kapital von zehn Millionen Euro gilt sie als größte europäische
Stiftung für Informationstechnologie.

Seit
1979 vergibt sie Preise an bedeutende IT-Pioniere, darunter Konrad Zuse (1995),
den WWW Schöpfer Tim Berners-Lee (1998), MP3-Erfinder Karl-Heinz Brandenburg
(2015, der auch dem 2018-Festakt beiwohnte). Zu den Kulturpeisträgern gehören
außer Pütz der Tagesthemen-Moderator Joachim Friedrichs (1987 Sonderpreis),
TV-Quizmaster Hans-Joachim Kuhlenkampff (1989), Nature-Chefredakteur Sir John
Maddox (1997), der Publizist Joachim Fest (1999), Sendung-mit-der-Maus-Erfinder
Armin Maiwald (2002), Wikipedia-Begründer Jimmy D. Wales (2010). Der
Preisstifter starb 1993 im Alter von 93 Jahren, bis zuletzt prominent im
öffentlichen Leben stehend.

Perspektive:
Junge Wilde am Start

Den
Technologiepreis 2018 erhielt der Inder Rajiv Laroia für seine Verdienste um
die Fortentwicklung des Mobilfunks in der vierten Generation. Mit dem
Stiftungs-Jugendpreis wurden im Rahmen von Jugend forscht Lukas Ruf und Mai
Saito ausgezeichnet für die „Don’t Spy – Sichere Kommunikation im Team“
Software; außerdem Jonas Wanke und Yorick Zeschke für ein akustisches
Navigationssystem. Letzterer, 15 Jahre jung und sehbehindert, überzeugte mit
beeindruckender technischer Detailkenntnis und starker öffentlicher Präsenz.

Phänomen der Monsterwelle

New York/Geesthacht (pte/12.07.2006/10:00) – Bis vor kurzem wurden
"Freak Waves", gigantische individuelle Wellen die plötzlich aus dem
Nichts entstehen, noch als Märchen abgetan. In den vergangenen Jahren
haben verschiedene wissenschaftliche Forschungen sowie Wahrnehmungen
mit Radarsatelliten der ESA http://www.esa.int jedoch nachweisen
können, dass Freak Waves viel häufiger vorkommen und viel schädlicher
sind, als bis jetzt angenommen wurde, wie die New York Times in ihrer
aktuellen Ausgabe berichtet. Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird
jetzt ihr Ursprung erforscht.

Noch vor einigen Jahren zeigten mathematische Modelle, dass
Riesenwellen statistische Unwahrscheinlichkeiten sind, die nur alle
10.000 Jahre vorkommen. Als im Jahre 1995 eine Nordsee-Bohrinsel von
einer 26 Meter hohen Freak Wave getroffen wurde, und ein
meereskundliches Forschungsschiff fünf Jahre später vor der Küste von
Schottland Wellen von über 29 Meter messen konnte, zweifelte jedoch
niemand mehr an der Existenz dieses Phänomens.

Im Rahmen des EU-Projektes "MaxWave"
http://w3g.gkss.de/projects/maxwave/ wurden zwischen 2001 und 2003
30.000 Radarbilder, die in insgesamt drei Wochen aufgenommen worden
waren, analysiert und bewertet. "In diesen drei Wochen tauchten
weltweit zehn Riesenwellen von über 25 Meter auf", erläutert Wolfgang
Rosenthal, Wissenschaftler am GKSS Forschungszentrum in Geesthacht
http://www.gkss.de und Initiator des MaxWave-Projektes, gegenüber
pressetext. "Das war mehr, als wir aufgrund der bisherigen Theorien
erwartet hatten."

Mittlerweile haben die Forscher einige Entstehungsmechanismen von
Riesenwellen entschlüsseln können. So kann ein Freak Wave entstehen,
wenn der Wind gegen eine starke Meeresströmung drückt. "Eine andere
mögliche Ursache ist, dass die Wellenenergie durch variable Strömung
auf einen Punkt fokussiert wird, so dass immer größere Wellen
entstehen", erklärt Rosenthal im pressetext-Interview. Eine dritte,
vorerst rein hypothetische Möglichkeit sei, dass Instabilitäten in den
Wellen selbst dazu führen, dass die Wellen sich überlagern und so immer
größer werden. Besonders berüchtigt sind Regionen mit sehr starken
Meeresströmungen, wie etwa der Aghulasstrom vor der Ostküste von
Südafrika, der Kuroshio-Strom bei Japan und die Strömungen vor den
Küsten Nord- und Mittelnorwegens.

Obwohl es jetzt noch Zukunftsmusik sei, hält Rosenthal es für denkbar,
künftig ein Warnungssystem entwickeln zu können, das das Risiko für das
Auftreten von Riesenwellen rechtzeitig erkennen kann. " Per Satellit
könnte festgestellt werden, wie die Wellen sich fortpflanzen. Falls die
Wellen zueinander laufen, kann eine Warnung ausgesprochen werden." Dazu
sollten allerdings genügend Satelliten eingesetzt werden, und zwar
weltweit, so Rosenthal abschließend gegenüber pressetext.