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Quallen-Fluoreszenz spürt Krebszellen auf

Forscher hoffen auf Früherkennung von bösartigen Erkrankungen

Pisa (pte/20.07.2007/13:55) – Wissenschaftler des Nationalen Forschungsrates CNR http://www.cnr.it und der National Enterprise for nanoScience and nanoTechnologies an der Scuola Normale Superiore http://www.nest.sns.it in Pisa haben ein in Tiefseequallen enthaltenes Protein entdeckt, das als Kontrastmittel zur Aufspürung von Krebszellen und deren Abtötung dienen könnte.

Gegenstand der Untersuchung war die Tiefseequalle Aequorea Victoria, die vor der nordamerikanischen Pazifikküste vorkommt. Die Fluoreszenzeigenschaften der Qualle könnte in Zukunft als biokompatibler Detektor genutzt werden. "Im Gegensatz zu den meisten Proteinen behält dieses Eiweiß seine Funktionstüchtigkeit auch in anderen Lebewesen, ohne auf aus dem Spenderorganismus stammende Molekül angewiesen zu sein", erklärt Fabio Beltram. Hinzu komme die Tatsache, dass das Eiweiß neben der Fluoreszenz auch mit neuen, zusätzlichen Eigenschaften ausgestattet werden kann. "Dazu gehört insbesondere die Fähigkeit, auf organische oder chemische Stimulanzen in Form von Farbveränderungen zu reagieren."

"Die manipulierten Proteine werden so von einfachen Fluoreszenzkörpern zu komplexen Sensoren, die Signale ausstrahlen und differenziert auf ihre Umgebung reagieren. Das Erbgut der Qualle kann mit weiterer DNA angereichert werden, deren Funktion es ist, ein spezifisches Protein aufzuspüren. Mit diesem verbindet sich das Sensor-Protein und löst eine Veränderung von dessen Form oder Farbe aus, ohne dabei schädliche Auswirkungen auf den Organismus zu haben." Versuche für die diagnostische Anwendung beim Menschen laufen bereits.

Die Erwartungen der Wissenschaftler gehen jedoch weit über die Diagnostik hinaus. Ein großes Potenzial ist auch an Therapieanwendungen geknüpft, so Beltram. Zu diesem Zweck werden Sensor-Proteine getestet, die eine so genannte "pro-pharmakologische" Rolle haben und erst bei spezifischen Impulsen wie beispielsweise dem Kontakt mit mutierten Proteinen eine Heilfunktion ausüben. Diese noch in den Kinderschuhen steckende "Nanomedizin", so die Hoffung des Forscherteams, könnte in einem augenscheinlich gesunden Körper frühzeitig Krebszellen aufspüren und zerstören, ohne auf invasive Eingriffe angewiesen zu sein.

Schneller fit nach Hüft-OP

Schneller fit nach Hüft-OP

Mit Muskelaufbau und vitaminreicher Ernährung optimal vorbereitet

Freiburg
– Ältere Patienten leiden oft an altersbedingtem Abbau von Muskelmasse
und -funktion, der sogenannten Sarkopenie. Sie beeinträchtigt den
gesamten Organismus und erhöht das Risiko für Gesundheitseinbußen und
Gebrechlichkeit. Damit kann sie auch den Erfolg eines neuen Hüft- oder
Kniegelenks beeinträchtigen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik
(AE) empfiehlt Patienten deshalb, im Vorfeld einer Hüft- oder
Knieprothesen-Operation gezielt Muskelaufbau zu betreiben und sich
protein- und vitaminreich zu ernähren. Muskelaufbau sei in jedem Alter
möglich. Anlass der aktuellen Empfehlungen ist der Internationale Tag
des älteren Menschen am Sonntag, dem 1. Oktober 2017.

Eine
neue Hüfte oder ein neues Knie ist für rüstige Senioren heute Dank
schonender Operationsverfahren und optimal angepasster Narkosen ein
Routineeingriff. Die Versorgung mit den Prothesen ermöglicht
schmerzfreie Bewegung und Mobilität. Sie schafft so wichtige
Voraussetzungen für Wohlergehen, Gesundheit und ein selbstbestimmtes
Leben – und das häufig bis ins hohe Alter.

Doch
trotz aller Fortschritte in der Medizin ist jede Operation ein
belastendes Ereignis für den Körper. „Narkose, Medikamente und
Wundheilung fordern den ganzen Patienten“, sagt Professor Dr. med.
Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE und Chefarzt der
Orthopädischen Klinik am Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig.
„Ausreichende Muskelmasse und Muskelfunktion sind deshalb gerade bei
einem Krankenhausaufenthalt ein wichtiger Faktor für eine rasche
Genesung und eine erfolgreiche Rehabilitation“, so der Chefarzt einer
großen Fachklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie. Muskelkraft werde
für die Mobilisation nach dem Eingriff benötigt, etwa für das Aufsitzen,
Aufstehen sowie für sicheres und stabiles Gehen auf Unterarmstützen.
Zudem beeinträchtige eine zu geringe Muskelmasse den gesamten
Organismus, etwa das Herz-Kreislaufsystem oder den Stoffwechsel. „Wir
tun in der Orthopädie deshalb alles dafür, dass unsere Patienten keine
Muskelmasse durch zu lange Bettlägerigkeit verlieren. So lassen wir sie
etwa mit Hilfe eines Physiotherapeuten bereits am Tag der OP zum ersten
Mal aufstehen.“ Während einer Woche Bettruhe könnten sonst 1 bis 1,5
Kilogramm Muskelmasse verloren gehen.

Bewegt
man sich nicht regelmäßig, sind ab dem 70. Lebensjahr bereits 40
Prozent der Muskelmasse durch physiologischen Abbau verschwunden. „Bei
Schmerzen durch Arthrose und Gelenkverschleiß führen Schonung und
Vermeidungsverhalten zu zusätzlichem Muskelabbau und Funktionsverlust“,
erläutert Professor Dr. med. Henning Windhagen, Präsident der AE. „Das
ist nachvollziehbar und verständlich“, sagt er. Dennoch sei es möglich,
mit Hilfe eines Physiotherapeuten oder in qualifizierten Sportstudios,
Muskulatur gezielt aufzubauen, auch noch vor einer Operation.

„Damit
es nicht so weit kommt, solle man möglichst früh, spätestens ab 50 mit
gezieltem Training beginnen“, betont der Experte. „Auch
Arthroseschmerzen sind ein wichtiges Zeichen für die Aufnahme eines
solchen Trainings“, so Windhagen. Idealerweise setzte man das
Übungsprogramm auch vor Operationen nicht aus, so der Direktor der
Orthopädischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im
DIAKOVERE Annastift. Er empfiehlt zudem eine abwechslungsreiche,
ausgewogene, kalorienarme und nährstoffreiche Ernährung.
Sportnahrungsmittel, etwa Proteinpulver, Vitamine und Spurenelemente
könnten nach Rücksprache mit dem Hausarzt gegebenenfalls zusätzlich
eingenommen werden.

„Die
Sarkopenie muss noch mehr Beachtung erfahren als bisher“, sagt
Professor Heller. „Dieser Umstand ist ebenso relevant wie der
kontinuierlich fortschreitende Knochenschwund – gerade auch im Hinblick
auf die zunehmende Alterung unserer Gesellschaft“.  

Hoffnung bei Osteoporose

Chevy Chase (pte/09.10.2006/06:00) – Wissenschaftler des Howard Hughes
Medical Institute http://www.hhmi.org haben ein neues Verfahren zur
Förderung der Knochenbildung entdeckt. Mit diesem neuen Verfahren
sollen sich die Hoffnungen auf einen Behandlungsansatz gegen
Osteoporose deutlich erhöhen. Es gelang, die Knochenmasse von Mäusen
durch die Optimierung der Struktur eines körpereigenen Proteins massiv
zu steigern. Die erforderlichen Veränderungen sind so minimal, dass
auch beim Menschen nur geringe Nebenwirkungen auftreten sollten. Die
Ergebnisse der Studie wurden in dem Fachmagazin Developmental Cell
http://www.developmentalcell.com

Bei Wirbeltieren werden permanent Knochen gebildet und während der
gesamten Lebensdauer auch wieder abgebaut. Osteoklasten sind für den
Abbau verantwortlich, Osteoblasten für den Aufbau. Im Idealfall
befinden sich diese beiden Zellarten in einer perfekten Balance und
ermöglichen damit die Aufrechterhaltung der Knochenmasse. Wird dieses
Gleichgewicht gestört und mehr Knochenmasse abgebaut als gebildet, kann
es zu einer Osteoporose-Erkrankung kommen.

Dem Team um Gerald Crabtree gelang es, die Balance durch die
Modifizierung der Struktur des Proteins NFATc1 zu beeinflussen. Ihre
Arbeit wurde durch Berichte angeregt, wonach Patienten, die das
Immunsuppressivum Cyclosporin erhielten, zu einem Verlust der
Knochenmasse neigten. Dieses Medikament ist dafür bekannt, dass es die
Form und Funktion der NFATc-Proteine verändert. Die Forscher
modifizierten NFATc1 bei Mäusen derart, dass es leichter in die
"Kommandozentrale" der Zellen gelangen konnte und so um rund zehn
Prozent aktiver wurde als normalerweise. Dadurch wurde die Produktion
von großen Mengen neuen Knochens angeregt.

Die Analyse ergab, dass das Gewebe der Tiere eine erhöhte Anzal von
beiden Arten der Knochenzellen enthielt. Die erhöhte Produktion der
Osteoblasten entsprach nie genau jener der Osteoklasten. Aus diesem
Grund wurde mehr Knochenmasse gebildet als abgebaut. Diese
Forschungsergebnisse legen nahe, dass NFATc1 die Produktion von
Osteoblasen anregte, die ihrerseits zur Freisetzung von Cheokinen
führte, die die Entstehung von Osteoklasten fördern. Von Osteoporose
sind in Großbritannien laut BBC rund drei Mio. Menschen betroffen. Die
charakteristische Brüchigkeit der Knochen ist jährlich für 230.000
Knochenbrüche in Großbritannien verantwortlich.

Krebsstammzellen existieren

Forschungsergebnisse könnten Paradigmenwechsel bedeuten
 
Vergrößerung: Krebsstammzellen (grün) erstmals sichtbar gemacht (Foto: Science)

Brüssel/Utrecht/Austin (pte008/02.08.2012/11:00) – Wissenschaftler haben jene Zellen in Tumoren entdeckt, die für ein erneutes Wachtum verantwortlich sind. Drei eigenständige Studien mit Mäusen haben bestätigt, dass das Tumorwachstum durch sogenannte Krebsstammzellen hervorgerufen wird. Damit dürfte eine der größten Kontroversen der Krebsforschung beendet sein. Zudem bedeuten die Forschungsergebnisse einen Paradigmenwechsel in diesem Bereich. Details der Studien wurden in Nature http://nature.com und Science http://sciencemag.org veröffentlicht.

Tumore für immer verbannen

Medizinern gelingt es häufig nur, die Größe von Tumoren durch verschiedene Behandlungsansätze zu verringern. Patienten erleiden jedoch auch oft einen Rückfall, bei dem der Tumor erneut zu wachsen beginnt. Laut einigen Experten ist dafür verantwortlich, dass es bei der Behandlung nicht gelingt, eine kleine Menge von Zellen auszulöschen, die das Tumorwachstum fördern, die sogenannten Krebsstammzellen. Sie gehen auch davon aus, dass genau auf diese Zellen abgezielt werden sollte, damit der Tumor ein für alle Mal besiegt werden kann.

Die Beweislage für die Existenz der Krebsstammzellen war bisher eher schwach. Jetzt haben jedoch drei separate Wissenschaftlerteams direkte Indizien dafür gefunden, dass Krebsstammzellen das Krebswachstum bei Gehirn-, Darm- und Hautkrebs fördern. Es wird daher angenommen, dass das für alle Arten von Krebs gelten könnte, bei der es zu einer Ausbildung von Tumoren kommt.

Laut Cedric Blanpain von der Vrije Universiteit Brussel http://vub.ac.be , dem leitenden Wissenschaftler einer der drei Studien, könnten diese Ergebnisse völlig neue Möglichkeiten für die Behandlung von vielen Arten von Krebserkrankungen ermöglichen. "Sind diese Zellen wirklich diejenigen, die das Tumorwachstum auslösen, dann kann man vielleicht auch direkt auf diese abzielen", so Blanpain im BBC-Interview.

Normalen Stammzellen sehr ähnlich

Die jetzt identifizierten Krebsstammzellen sind den gesunden Stammzellen sehr ähnlich, die für das Wachstum und die Erneuerung des Gewebes im Körper verantwortlich sind. Eine Therapie, die auf die Krebsstammzellen abzielt, könnte daher auch gesundes Gewebe zerstören. Daher hat es nun oberste Priorität herauszufinden, ob es deutliche Unterschiede zwischen normalen Stammzellen und Krebsstammzellen gibt.

Die Existenz von Krebsstammzellen ist für Hugo Snippert vom Universitair Medisch Centrum Utrecht http://umcutrecht.nl , dem Leiter der Studie zu Darmtumoren, ein wichtiger Schritt für die Zukunft der Krebsforschung. "Viele haben argumentiert, dass diese Zellen nicht existieren. Wir haben erstmals nachgewiesen, dass es Krebsstammzellen gibt und dass die Tumore von ihnen aufrechterhalten werden."

Luis Parada von der University of Texas http://utexas.edu , der Leiter der Studie, die Stammzellen in den Gehirntumoren von Mäusen nachgewiesen hat, geht von der Möglichkeit eines neuen Behandlungsansatzes für feste Tumore aus. "Die Krebsstammzellen verändern das Paradigma. Das Ziel, Tumore zu verkleinern, könnte sich als das weniger wichtige als das Abzielen auf die Krebstammzellen im Tumor erweisen."

Illegales Cryptomining als neuer Trend

G-DATA-Experten sehen illegales Cryptomining als neuen Trend

Deutscher IT-Sicherheits-Hersteller veröffentlicht Schadsoftware-Zahlen für das erste Halbjahr 2018

G DATA Security Labs - 2.396.830 neue Samples identifiziert (Foto: G DATA)
G DATA Security Labs – 2.396.830 neue Samples identifiziert (Foto: G DATA)

Bochum (pts043/30.08.2018/16:05) – Insgesamt
haben die G-DATA-Analysten in den ersten sechs Monaten rund 2,4
Millionen neue Malware-Typen identifiziert. Die Bedrohungslage wandelt
sich derzeit stark – neun der zehn meisterkannten Schädlinge aus dem
vergangenen Jahr waren im ersten Halbjahr 2018 nicht mehr in den Top 10
vertreten. Ein Trend der Bösewichte 2018: Das heimliche und illegale
Schürfen von Kryptowährungen – sogenanntes "Cryptomining". Im G DATA
Security Blog präsentieren die Experten diese und weitere Erkenntnisse.

Schädlinge für den Windows-PC, die Kryptowährungen schürfen, sogenannte
Miner, liegen nach aktuellen Analysen der G-DATA-Experten im Trend bei
Cyberkriminellen. Diese Schadprogramme verstecken sich häufig auf
Webseiten. Hierbei werden die Rechner von Besuchern dieser Seiten
missbraucht, um einen finanziellen Gewinn für die Kriminellen zu
erwirtschaften. Die Sicherheitsexperten des deutschen
IT-Security-Herstellers G DATA haben in ihrer Analyse zum ersten
Halbjahr 2018 festgestellt, dass dabei vor allem immer häufiger
Webassembly, ein neuer Webstandard, von den Kriminellen ausgenutzt wird.
Dieser Standard ist als Ergänzung zu Javascript gedacht, um eine
schnellere Ausführung von Code zu erreichen. Genau diese Vorgehensweise
ist ideal für Cryptominer.

Aktuelle Top 10 der Bedrohungen für Nutzer

Nicht alle Cryptominer werden von G DATA als Schadprogramm eingestuft,
da nicht immer eindeutig erkennbar ist, ob Nutzer dem Schürfen
zugestimmt haben. Daher werden diese teils als Schädling, teils als
"Potentiell unerwünschte Programme" (PUP) kategorisiert. Unter den Top
10 der abgewehrten Malware-Bedrohungen finden sich gleich drei Miner,
unter den Top 10 der abgewehrten PUP-Erkennungen sogar vier.

"Klassischerweise wurde Malware vor allem über ausführbare Dateien
verbreitet. Wir sehen aber eine deutliche Zunahme webbasierter Angriffe,
die zum Teil auch ganz ohne Dateien auskommen", sagt Ralf Benzmüller,
Executive Speaker der G DATA Security Labs. "Ebenfalls verbreitet sind
Angriffe über Makros in Dokumenten, die Nutzer zur Interaktion
auffordern."

Dateilose Schadsoftware nimmt zu

Normalerweise hinterlassen Schaddateien Spuren auf den Festplatten des
Rechners. Anders agiert sogenannte dateilose Malware. Diese
Schadprogramme verstecken sich häufig auf präparierten Webseiten und
nisten sich komplett im Arbeitsspeicher des attackierten Computers ein.
Einmal im System können dateilose Schadprogramme die Benutzerrechte des
aktuellen Anwenders ausnutzen. So können sensible Dateien gestohlen oder
andere Schädlinge nachgeladen werden. Klassische Virenscanner sind mit
dem Aufspüren dieses Malwaretyps überfordert. Mit modernen
Sicherheitslösungen und proaktiven Technologien, wie jenen von G DATA,
sind Anwender umfassend geschützt. Derzeit sehen die
G-DATA-Sicherheitsexperten einen weiteren Trend bei dieser Art von
Schadprogramm.

Jeden Tag 13.000 neue Malware-Samples

Insgesamt haben die G DATA Security Labs 2.396.830 neue Samples als
schädlich klassifiziert. Die Anzahl neuer Schadsoftware-Typen ist im
ersten Halbjahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr leicht rückläufig. Im
Durchschnitt entdeckten die Analysten pro Minute etwa 9 neue Samples.

Der Artikel "Malwarezahlen erstes Halbjahr 2018: Die Gefahr lauert im Web" ist im G DATA Security Blog erhältlich: https://www.gdata.de/blog/2018/08/31027-malwarezahlen-erste-halbjahr-2018-die-gefahr-lauert-im-web

Schlafmittelgabe im Krankenhaus

Schlafmittelgabe im Krankenhaus: Fragwürdige Hilfe aus dem Schwesternzimmer
fzm, Stuttgart, Juli 2016 – Patienten mit Schlafstörungen erhalten im Krankenhaus häufig Medikamente aus den umstrittenen Wirkstoffgruppen der Benzodiazepine und der sogenannten Z-Substanzen. Einer Umfrage zufolge wäre das Pflegepersonal häufiger bereit, die Mittel einzusetzen als Ärzte. Lediglich 30 Prozent unter ihnen sah den Einsatz der Medikamente kritisch, berichten Experten in der Fachzeitschrift „DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2016).

Benzodiazepine wie Diazepam, besser bekannt unter dem Markennamen Valium, können Stürze und Unfälle verursachen und das Denken beeinträchtigen. Bei längerer Einnahme kann es zur Abhängigkeit kommen. Für ältere Menschen mit Begleiterkrankungen wie Demenz, Atemstörungen oder einer Neigung zur Substanzabhängigkeit sind sie nicht geeignet. Benzodiazepine stehen deshalb auch auf der PRISCUS-Liste, die solche Medikamente aufführt, deren Anwendung bei älteren Menschen mit Bedacht erfolgen sollte. Die Liste erwähnt auch die sogenannten Z-Substanzen Zolpidem und Zopiclon. Sie wurden anfangs als sicherer eingestuft, werden zwischenzeitlich aber von vielen Experten ebenfalls kritisch betrachtet.

Bedenken hinsichtlich der genannten negativen Nebenwirkungen teilt das Klinikpersonal häufig nicht. So bergen Krankenhausaufenthalte das potentielle Risiko für den erstmaligen Einsatz von Benzodiazepinen und Z-Substanzen, befürchtet Vivien Weiß vom Institut für Allgemeinmedizin an der Universität Göttingen. Die Versorgung im Krankenhaus könnte zu Folgeverordnungen führen und so der der Beginn einer gefährlichen Langzeiteinnahme sein. Die Forscherin hat deshalb Ärzte und Pflegepersonal einer Fachklinik für Alterskrankheiten dazu befragt, wie sie die Schlafmittel und deren Einsatz einschätzen.

Mit 57 Prozent glaubten mehr als die Hälfte der Pflegekräfte, dass bei Schlafstörungen häufig oder immer Benzodiazepine eingesetzt werden. Bei den Z-Substanzen lag der Anteil sogar bei 66 Prozent. Dagegen schätzten nur 29 Prozent der Ärzte, dass Benzodiazepine und Z-Substanzen häufig verwendet werden. Knapp die Hälfte war der Ansicht, dass Benzodiazepine eher schaden als nützen. Diese Meinung teilten unter den Pflegenden nur knapp 30 Prozent. Insgesamt beurteilten beide Berufsgruppen die Z-Substanzen besser. Etwa 29 Prozent der Ärzte und rund 18 Prozent der Pflegekräfte erklärten, dass der Schaden auch bei ihrem Einsatz überwiege. Insbesondere auf nicht-chirurgischen Stationen sowie bei Ärzten und Pflegekräften mit einer Berufserfahrung unter fünf Jahren sei die Einstellung zu den Schlafmitteln unkritisch, stellte Vivien Weiß fest.

Die Forscherin konnte nicht prüfen, wie häufig die Schlafmittel tatsächlich verordnet wurden. Da es sich um verschreibungspflichtige Medikamente handelt, darf das Pflegepersonal sie nicht eigenmächtig verordnen. Die Abgabe der Mittel erfolgt jedoch in aller Regel durch das Pflegepersonal. Da Krankenschwestern und -pfleger deutlich mehr Zeit mit den Patienten verbringen und oft der erste Ansprechpartner sind, dürften sie einen Einfluss auf das Verordnungsverhalten der Ärzte haben, nimmt Vivien Weiß an. Sie sieht deshalb insbesondere beim Pflegepersonal, aber auch bei Ärzten mit geringer Berufserfahrung einen Fortbildungsbedarf. In einem nächsten Schritt will die Forscherin durch eine Sichtung von Patientenakten das tatsächliche Verordnungsgeschehen überprüfen. Dabei soll auch untersucht werden, ob die Klinikärzte das Mittel in den Entlassungsbriefen empfehlen. Schließlich könnte dies der Beginn einer langfristigen Einnahme und damit einer Abhängigkeit sein, befürchtet die Forscherin.

V. Weiß, S. Heinemann, W. Himmel, R. Nau, E. Hummers-Pradier:

Neues Recht entlang der Lebensmittelkette

Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch in Kraft getreten

(aid) – Bisher weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit und dennoch
von erheblicher Tragweite hat sich in der vergangenen Woche der Umbau
des deutschen Lebensmittelrechts vollzogen. Mit Wirkung zum 7.
September 2005 trat das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB)
in Kraft. Das in Fachkreisen heftig umstrittene und Mitte Juni im
Vermittlungsausschuss des Deutschen Bundestages noch einmal
nachverhandelte neue Basisgesetz für Futtermittel und Lebensmittel
fasst elf bisherige Gesetze zusammen und hat sie größtenteils
vollständig abgelöst. So gelten beispielsweise das seit 1974 bestehende
Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG), das Weingesetz oder
Fleischhygienegesetz nicht mehr.

Das am 6. September im Bundesgesetzblatt I veröffentlichte, 52 Seiten
umfassende Gesetzeswerk ergänzt die seit Anfang dieses Jahres geltende
EU-Basis-Verordnung 178/2002. Beide bilden nun den gemeinsamen
Rechtsrahmen für Lebensmittel und Futtermittel und setzen die im
EU-Weißbuch zur Lebensmittelsicherheit erstmals formulierte Strategie
des vorbeugenden Verbraucherschutzes entlang der Lebensmittelkette in
geltendes Recht um. Das neue LFGB umfasst alle Produktions- und
Verarbeitungsstufen vom Acker bis zum Teller und gilt außer für
Lebensmittel und Bedarfsgegenstände auch für Futtermittel und
Kosmetika. Oberstes Gebot ist die Lebensmittelsicherheit. Lebensmittel,
die nicht sicher sind, dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden. Der
Hersteller, Händler oder Inverkehrbringer hat die einwandfreie Qualität
der Ware sicherzustellen. Auf allen Verarbeitungsstufen vom Feld bis
auf den Teller ist die Rückverfolgbarkeit der Produkte zu
gewährleisten. Bei hinreichendem Verdacht für ein Gesundheitsrisiko
können die Behörden die Öffentlichkeit informieren. Mit diesen
Regelungen hat der Gesetzgeber auf die seit den 80er Jahren bekannt
gewordenen Skandale reagiert (Glykol in Wein 1986, unzulässiger Einsatz
des Hormons Clenbuterol in der Kälbermast 1988, Dioxinskandal in
Belgien 1999, Nitrofen in Biogetreide 2002), bei denen es mehrheitlich
schwierig war und einige Zeit dauerte, bis alle betroffenen Chargen
gefunden und aus dem Verkehr gezogen waren.

Zahlreiche Gesetze und Verordnungen sind dem LFGB untergeordnet,
beispielsweise die Nährwertkennzeichnungsverordnung, die
Zusatzstoffzulassungs-Verordnung, die Verordnung über diätetische
Lebensmittel. In vielen Bereichen besteht noch ergänzender
Regelungsbedarf. Verordnungsentwürfe, die derzeit diskutiert werden,
liegen u. a. vor zu Health-Claims (Gesundheitsversprechen), zur
Anreicherung von Lebensmitteln und zur Verpackung von Lebensmitteln.
Nicht nur an die neue Bezeichnung LFGB, vor allem an den Umgang mit dem
neuen Gesetz werden sich die meisten Anwender wohl erst noch gewöhnen
müssen. In zahlreichen Punkten der Rechtsvorschrift wird auf die
EU-Basis-Verordnung verwiesen, so dass sich viele Regelungen
vollständig erst beim Nachlesen in beiden Gesetzeswerken erschließen.
Die Zukunft wird zeigen, wie sich das LFGB in der Praxis, etwa im
Skandalfall bewährt. Bis dahin bleibt ein abschließendes
Qualitätsurteil über die neuen Rechtsvorschriften offen.

aid, Ute Gomm

Perfekte Ordnung am absoluten Nullpunkt

Perfekte Ordnung am absoluten Nullpunkt

Forscherteam beobachtet erstmals Anzeichen von Ferroelektrizität in Eis

Einem Wissenschaftsteam der Universität Stuttgart
sowie aus Russland und Tschechien ist es gelungen, Wassermoleküle so in
einen Edelstein zu packen, dass erstmals Anzeichen von ferroelektrischer
Ordnung beobachtet werden konnte. Dies liefert einen wichtigen Beitrag
zum Verständnis der Physik des Wassers und eröffnet die Perspektive,
auch das Funktionieren von Proteinen und Zellen besser zu verstehen. Das
Fachmagazin Nature Communications berichtete darüber in seiner jüngsten
Ausgabe.

Wasser ist bei weitem nicht so klar, wie es
erscheint. Obwohl Wasser im täglichen Leben als Eis, Flüssigkeit und
Dampf allgegenwärtig ist, obwohl es wissenschaftlich in jedem Detail so
intensiv untersucht wird wie kein anderer Stoff auf der Erde, ist seine
Physik bisher keineswegs verstanden. Warum Wasser zum Beispiel erst bei
100 Grad Celsius kocht, kann man nur mit Hilfe der Quantenmechanik
erklären: Der Grund dafür sind die starken elektrischen Felder durch die
beiden Wasserstoffatome am Sauerstoff in H2O.

Selbst im kristallinen Eis bilden die elektrischen
Dipole keine Ordnung. Das bedeutet, dass Eis entgegen aller einfachen
Modelle nicht ferroelektrisch ist. Und dies gilt nicht nur für normales
Eis, welches als hexagonales Eis Ih bezeichnet wird, sondern
auch für 15 weitere Formen, die meist nur unter extremen Bedingungen im
Labor oder auf den Planeten und Monden unseres Sonnensystems beobachtet
werden. Brücken, die durch Wasserstoffbindungen zwischen benachbarten
Wassermolekülen gebildet werden, verhindern dies.

Dem Team aus Russland, Tschechien und Deutschland
gelang es nun, Wassermoleküle so in einen Edelstein zu packen, dass
erstmals Anzeichen von ferroelektrischer Ordnung beobachtet wurde.
Hierzu verwenden sie Beryll-Kristalle: eine Familie von natürlich
vorkommenden Mineralen, von denen der Smaragd mit seiner faszinierenden
grünen Farbe der bekannteste ist.

Isoliert, aber zu spüren

In den Nanoröhren der Kristalle sind einzelne
Wassermoleküle eingelagert, die so weit voneinander isoliert sind, dass
sie keine Wasserstoffbrücken mehr bilden können, aber doch nah genug, um
sich elektrisch zu spüren. Mittels optischer Untersuchungen in einem
weiten Spektralbereich vom infraroten, über THz-Frequenzen bis hin zu
Radiowellen, konnten die H2O-Moleküle direkt beobachtet
werden. Man erkannte, dass die elektrischen Dipole sich alle ausrichten,
wenn die Temperatur bis nahe dem absoluten Nullpunkt von -273 Grad
Celsius abgesenkt wird. Lediglich Quantenfluktuationen verhindern die
perfekte ferroelektrische Ordnung der Wassermoleküle.

Von Biologie bis Speichermedien

Die Physiker vermuten, dass die Ferroelektrizität
dieser isolierten Wassermoleküle auch in biologischen Systemen eine
wichtige Rolle spielt. „Vielleicht gelingt es uns jetzt besser, das
Funktionieren von Proteinen und Zellen zu verstehen, die elektrische
Impulsübertragung mittels der Protonen in Nerven“, hofft Prof. Martin
Dressel vom 1. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart.
Möglicherweise könne man diese Prinzipien nun in Brennstoffzellen und
Datenspeichern anwenden, in Lichtquellen und anderen elektronischen
Bauteiler auf der Nanometer-Skala.

*Originalpublikation:
Boris Gorshunov et al., Martin Dressel: Incipient ferroelectricity of
water molecules confined to nano-channels of beryl, Nature
Communications 7, 12842 (2016)

Ford startet autonomes Fahrzeug mit Laser-System

Ford startet autonomes Fahrzeug mit Laser-System
Fusion Hybrid mit Sensortechnologie und 360-Grad-Kamera ausgestattet
 
Fords Fusion Hybrid: modifizierter Prototyp im Test (Foto: corporate.ford.com)

Dearborn/Wien (pte016/16.12.2013/12:32) – Ford http://ford.com enthüllt die neueste Version seines fahrerlosen Fusion Hybrid, die über vier LIDAR-Systeme (Light Detection and Ranging) auf dem Dach sowie eine 360-Grad-Kamera verfügt. Mithilfe dieser innovativen Sensortechnologie können die Umgebung präzise erfasst und gefährliche Hindernisse lokalisiert werden. Der Prototyp ist mit Forschern der University of Michigan http://umich.edu und der Versicherung State Farm http://statefarm.com entwickelt worden.

"Connected Cars" als Ziel

"Bei aller Liebe und Sympathie für technologische Weiterentwicklungen stehe ich der Übertechnologisierung im Fahrzeugbereich sehr skeptisch gegenüber. Die Technik kann helfen und unterstützen, aber sie soll das Denken des Menschen nicht ersetzen", stellt Christian Gratzer, Sprecher des Verkehrsclubs Österreich http://vcoe.at , gegenüber pressetext fest. Auch Ablenkung und Unachtsamkeit aufgrund von neuen Technologien, wie Smartphones und Navis, sei ein wachsendes Problem für die Verkehrssicherheitsarbeit. "Deshalb benötigen wir verstärkt Maßnahmen, durch welche die Aufmerksamkeit der Fahrer wieder auf das Autofahren fokussiert wird", resümiert der Experte.

Zusätzlich ist das Fahrzeug in der Lage, eine 3D-Karte vom Straßenverlauf und eventuellen Gefahren zu erstellen, die den Forschern zufolge in etwa so detailliert wie ein aktuelles Videospiel ist. Bill Ford, Executive Chairmen, sieht die Zukunft der Automobilbranche überdies in den sogenannten "Connected Cars". Darunter versteht man Fahrzeuge, die nicht nur in der Lage sind, mit ihrer Umwelt, sondern auch miteinander zu kommunizieren. Auf diese Weise könnten viele Umfälle vermieden und der Straßenverkehr sicherer gestaltet werden.

Straßentauglich bis 2025

Laut Herstellern soll das fahrerlose Auto, das sich derzeit noch in der Testphase befindet, zur Serienreife gebracht werden. Dennoch gehen Experten davon aus, dass die Technologie voraussichtlich bis 2025 auf sich warten lassen wird. Zurzeit untersucht Ford, wie viel Kontrolle Fahrer heutzutage wirklich bereit sind, abzugeben. Dem Unternehmen zufolge ist ein langsamer Fortschritt in Richtung autonomes Fahren für jene unter uns, die sich vorerst nicht vorstellen können, blindes Vertrauen in einen Roboter zu stecken, von Vorteil.

 

Dry Aging

Die teure Art, Rindfleisch zu reifen
Wenn heute beim Rindfleisch von Dry Aging die Rede ist, vor allem in der gehobenen Gastronomie, ist damit das trockene Reifen des betreffenden Teilstücks – vorzugsweise ein Kurzbratenstück – gemeint. Neu ist die Methode keineswegs, denn es handelt sich hierbei um das traditionelle „Abhängen“ des Fleisches, das bis in die 1970er-Jahre gang und gäbe war. Aus Kostengründen wurde es durch die Vakuumreifung – neudeutsch „Wet Aging“ – verdrängt. Hierbei wird das Rindfleisch zwei bis drei Tage nach der Schlachtung in die verkaufsfertigen Teilstücke zerlegt und luftfrei in Folie eingeschweißt. Das derart verpackte Fleisch wird bei 1 ± 1 Grad Celsius für zwei bis drei Wochen gelagert; das möglichst unter Lichtausschluss, um unerwünschte Fettveränderungen zu vermeiden. Vor dem Verkauf werden die Fleischteile ausgepackt und kurz im Kühlraum zum Abtrocknen aufgehängt. Durch den Sauerstoff bekommen sie wieder eine rote Farbe.

Bei der Trockenreifung werden entweder das gesamte Hinterviertel einer Rinderhälfte oder spezielle Teile – wie das Roastbeef am Knochen – unverpackt im Kühlraum bei etwa 1 ± 1 Grad Celsius gelagert. Zusätzlich zur Temperatur sind Luftfeuchtigkeit und Luftumwälzgeschwindigkeit zu steuern, um das Wachstum unerwünschter Mikroorganismen zu vermeiden. Die Trockenreifung bedingt wesentlich höhere Gewichtsverluste als das Vakuumreifen, weshalb auch ein höherer Preis gerechtfertigt ist.

Rindfleisch, das trocken gereift ist, hat in der Regel eine bessere geschmackliche Qualität, da sich einerseits durch den Luftsauerstoff bestimmte Aromastoffe bilden können, andererseits die in der Vakuumreifung anwachsenden Milchsäurebakterien dem Fleisch tendenziell eine säuerliche Note verleihen.

Informationen über die verschiedenen Möglichkeiten der Fleischreifung gibt es im aid-Heft „Fleisch und Fleischerzeugnisse“. (aid)

aid: Infodienst für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Der gemeinnützige Verein löste sich 2016 auf.