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Neuer Ansatz gegen rheumatoide Arthritis entdeckt

Neuer Ansatz gegen rheumatoide Arthritis entdeckt

Verschiedene Antikörper beeinflussen Krankheitsverlauf entscheidend

Arthritis in den Knien: Krankheit beeinträchtigt (Foto: pixelio.de/Jerzy Sawluk)
Arthritis in den Knien: Krankheit beeinträchtigt (Foto: pixelio.de/Jerzy Sawluk)

Uppsala (pte021/23.03.2017/10:30) –

Forscher der schwedischen Uppsala Universitet http://uu.se/en haben nachgewiesen, dass Antikörper gegen das Knorpelprotein Kollagen
II mit einer guten Prognose bei rheumatoider Arthritis in Zusammenhang
steht. Die Analyse dieser Antikörper in Kombination mit anderen
wichtigen Antikörpern könnte zur Vorhersage der Prognose und der Wahl
des Behandlungsansatzes eingesetzt werden, so Forschungsleiter Johan
Rönnelid.

Beeinträchtigungen

Bei rheumatoider Arthritis handelt es sich um eine
Entzündungskrankheit, bei der die Gelenke steif werden und anschwellen.
In der Folge kommt es zu einer weiteren Zerstörung der Gelenke.
Verursacher sind Immunzellen, die normalerweise fremde Organismen
angreifen. In diesem Fall kommt es jedoch zur Reaktion mit dem Gewebe in
den Gelenken und in der Folge zu einer Entzündung.

Die Symptome können sehr verschieden sein. Aufgrund der
Schmerzen und der teils gravierenden Auswirkungen auf die betroffenen
Gelenke, führt die Krankheit jedoch häufig zu einer Beeinträchtigung.
Entsprechende Therapien zielen auf eine Verringerung der Entzündung,
Verringerung der Schmerzen und das Verhindern einer weiteren Zerstörung
der Gelenke ab.

Kollagen-Antikörper

Bei manchen Patienten werden Antikörper gebildet, die
auf Kollagen II abzielen. Diese Antikörper verstärken die Entzündung am
Beginn der Krankheit. Die größte Menge an Kollagenantikörpern wurde zum
Zeitpunkt der Diagnose festgestellt. Im Verlauf des folgenden Jahres
nehmen diese Werte dann wieder ab. Für die aktuelle Studie wurde eine
große Patientengruppe fünf Jahre lang begleitet. Die Forscher wollten
herausfinden, ob es einen Zusammenhang zwischen den Kollagenantikörpern
und dem Verlauf der Krankheit gibt.

"Patienten mit Kollagen-Antikörpern zeigten in den
ersten sechs Monaten nach der Diagnose mehr Symptome einer Entzündung.
Danach gab es, im Vergleich mit Patienten ohne derartige Antikörper,
keine Unterschiede mehr. Wir haben auch entdeckt, dass das Vorhandensein
der Kollagen-Antikörper zum Zeitpunkt der Diagnose mit einer besseren
Prognose in Zusammenhang stand", verdeutlicht Vivek Anand Manivel,
Hauptautor der Studie.

Kombinierte Analyse

Bei rheumatoider Arthritis wird das Vorhandensein von
Antikörpern gegen bestimmte Proteine, sogenannte citrullinierte Peptide,
überprüft. Bei den Studienteilnehmern zeigte sich, dass das
Vorhandensein dieser Antikörper die genau gegenteilige Auswirkung auf
die Entzündung hatte als die Kollagen-Antikörper. Das Vorhandensein der
Antikörper gegen citrullinierte Peptide stand mit einer verstärkten
Entzündung im späteren Verlauf der Krankheit in Verbindung.

Patienten mit diesen Antikörpern erkrankten im
Beobachtungszeitraum auch schwerer. Laut Rönnelid könnte eine
kombinierte Analyse der Antikörper gegen Kollagen und gegen
citrullinierte Peptide eine neue Möglichkeit zur Vorhersage des
Krankheitsverlaufs und vielleicht auch für die Wahl des
Behandlungsansatzes bei einer Neudiagnose sein. Die detaillierten
Forschungsergebnisse wurden in den "Annals of the Rheumatic Diseases"
veröffentlicht.

Wie arktische Seen zum Klimawandel beitragen

Wie arktische Seen zum Klimawandel beitragen

Beitrag des tauenden Permafrosts zur Klimaerwärmung könnte sich bis 2050 verdoppeln

Die Freisetzung von Methan aus Seen in den arktischen Permafrostgebieten
könnte sich künftig aufgrund des Klimawandels abrupt verstärken. Die
Ursache: Durch den tauenden Permafrost wachsen die Seen und an ihrem
Grund frisst sich das Wasser immer tiefer in den bisher gefrorenen
Boden. Wie ein internationales Forscherteam unter Beteiligung von
Experten des Alfred-Wegener-Instituts festgestellt hat, dürfte sich der
bakterielle Abbau von Pflanzenresten in Seesedimenten dadurch schon in
wenigen Jahrzehnten enorm verstärken – und damit auch der Ausstoß des
Klimagases Methan.

Der dauergefrorene Boden in der kalten Arktis konserviert wie eine
gigantische Kühltruhe riesige Mengen abgestorbener Biomasse, vor allem
Pflanzenreste. Für gewöhnlich tauen während des kurzen arktischen
Sommers nur die oberen Zentimeter oder Meter für einige Monate auf, ehe
sie im Herbst wieder zufrieren. Mit dem Klimawandel aber verstärkt sich
das Tauen. Es setzt früher im Jahr ein und hält länger an, die
sommerliche Auftauschicht wird tiefer und alte Biomasse taut vermehrt
auf. Das Problem: Im auftauenden Boden werden Bakterien aktiv, die die
uralte Biomasse abbauen und durch ihren Stoffwechsel die Klimagase
Kohlendioxid und Methan freisetzen; je stärker das Tauen, desto stärker
der Gasausstoß.

Wie ein internationales Team unter Leitung der US-amerikanischen
Forscherin Katey Walter Anthony vom Water and Environmental Research
Center der University of Alaska in Fairbanks jetzt in Nature
Communications berichtet, schreitet das Auftauen aber offenbar deutlich
schneller voran als bislang angenommen. Das macht sich an den Böden um
und unter den vielen Seen bemerkbar, die in den Permafrostgebieten weit
verbreitet sind und auch weiterhin wachsen. In dem zehnjährigen NASA
Projekt „Arctic-Boreal Vulnerability Experiment (ABoVE)“ haben die
Experten den Gasausstoß an Seen in Alaska erstmals exakt vermessen und
das Ausmaß dieses Tau-Mechanismus’ mithilfe von Satellitenaufnahmen und
Computersimulationen genau abschätzen können. Mit dabei waren auch
Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für
Polar- und Meeresforschung (AWI). Die Ergebnisse sind ernüchternd: Ganz
offensichtlich verstärken die Seen das Auftauen der Permafrostböden in
einem wesentlichen Umfang: Während das allmähliche Tauen in der Umgebung
nur im Zentimeterbereich liegt, taute in den letzten Jahrzehnten der
Untergrund unter neu gebildeten Seen schon bis in 15 Meter Tiefe auf. In
diesen Seen können nun Mikroorganismen die aufgetaute Biomasse
zersetzen und zu Methan und Kohlendioxid umwandeln. Die Wissenschaftler
ermittelten, dass sich die Klimawirkung durch so zusätzlich
entweichendes Kohlendioxid und Methan bereits bis zum Jahr 2050
verdoppeln könnte.

Dafür wertete Ingmar Nitze vom AWI in Potsdam Satellitenaufnahmen aus
den Jahren 1999 bis 2014 aus und erläutert das Phänomen so: „Mit dem
Tauen des Permafrosts sackt der Boden an vielen Stellen ab. Zunächst
bilden sich kleine Schmelzwassertümpel. An ihren Rändern und an ihrem
Grund taut das Wasser den umgebenden Permafrostboden immer weiter auf,
so dass große Seen entstehen.“ Kritisch wird es, wenn diese Seen so tief
sind, dass das Wasser in der Tiefe auch in strengen Wintern nicht mehr
gefriert. Da die Wassertemperatur am Grund der Seen über dem
Gefrierpunkt liegt, setzt sich das Tauen dann auch im Winter fort. So
können die Mikroorganismen im aufgetauten Seeboden fortan rund um das
Jahr aktiv sein und aus den abgelagerten Pflanzenresten in
Fäulnisprozessen Methan produzieren. Schon länger wird vermutet, dass
sich dies erheblich auf die Treibhausgasbilanz der Atmosphäre auswirken
kann, denn Methan wirkt bei der Erwärmung des Klimas bis zu 30 Mal
stärker als Kohlendioxid.

Neu ist die Beobachtung, dass dieser Effekt um und unter den Seen so
stark ist, dass die Wissenschaftler sogar von einem „abrupten Tauen“
sprechen. Die Forscher haben erstmals für alle Permafrostregionen der
Erde insgesamt genau quantifiziert, wie viel Treibhausgas auf diese
Weise zusätzlich entsteht. Dazu wurde in Stichproben verschiedener Seen
die Menge der austretenden Gase gemessen. Ingmar Nitze errechnete
zusammen mit dem Leiter der AWI-Sektion „Permafrostforschung“, Guido
Grosse, aus den Aufnahmen von Landsat-Satelliten, wie viele Seen sich in
den riesigen Permafrostregionen Alaskas ausdehnen und auch wieder
verschwinden: „Bislang gab es entweder nur sehr grobe globale
Schätzungen der Seenfläche im Permafrost oder aber detaillierte
Berechnungen für sehr kleine Gebiete. Die Angaben waren kaum
vergleichbar. Wir liefern jetzt erstmals eine genaue Quantifizierung der
Permafrostsee-Bilanz und können damit Aussagen treffen, wie viel
Permafrost in den vergangenen Jahrzehnten durch schnelles See-Wachstum
tatsächlich aufgetaut wurde“, sagt Ingmar Nitze.

AWI-Mitautor Thomas Schneider von Deimling ermittelte schließlich im
Computermodell mithilfe der umfangreichen Daten den Gesamtausstoß an
Klimagasen im Permafrost unter Einbeziehung der Seen für die kommenden
Jahrzehnte. „Das abrupte Tauen unter den Seen ist ein Phänomen, das
bislang in globalen Klimamodellen nicht berücksichtigt wird. Wie wir
jetzt herausgefunden haben, kann es aber den Anteil der Klimaerwärmung
durch tauenden Permafrost verdoppeln, und wir sollten es deshalb künftig
unbedingt in die Berechnungen einfließen lassen“, sagt Thomas Schneider
von Deimling. Für die Wissenschaftler wirkt sich dieser
Rückkopplungseffekt in der Arktis damit fast so stark auf den
Klimawandel aus wie die globale Landnutzungsänderung.

Die Studie wurde auf deutscher Seite von laufenden Projekten des
European Research Council (ERC PETA-CARB), der ESA (GlobPermafrost) und
des BMBF (PermaRisk) unterstützt. Die amerikanischen Partner sind von
der University of Alaska Fairbanks, der University of New Hampshire,
sowie der Alaska Division of Geological and Geophysical Surveys, und
wurden von der NASA innerhalb des Arctic Boreal Vulnerability
Experiments (ABoVE) unterstützt.

Originalpublikation:

Katey Walter Anthony et al., 21st-century modeled permafrost carbon
emissions accelerated by abrupt thaw beneath lakes. Nature
Communications: https://doi.org/10.1038/s41467-018-05738-9

Abwärmenutzung: Industrie spart ein Viertel Kosten

Abwärmenutzung: Industrie spart ein Viertel Kosten
Direkte Einspeisung möglich – Potenzial kann bald genutzt werden
 

Bonn (pte005/07.10.2011/10:00) – Unternehmen sollten Industrieabwärme zur Energiegewinnung nutzen. Experten schätzen, dass durch den Verlust der Energie in der Abwärme etwa ein Viertel im Vergleich zu der gesamten Energiegewinnung in Deutschland verloren geht. Bisher wird Abwärme oft ungenutzt an die Atmosphäre abgegeben. Um diese brach liegenden Energieressourcen zu Strom zu veredeln, hat ein saarländisches Technologieunternehmen einen Dampfexpansionsmotor mit ORC-Technologie kombiniert. Das Projekt "Abwärme zu Strom veredeln" vom Bine Informationsdienst http://bine.info stellt das System und erste Ergebnisse aus einem Feldtest vor.

Marktstart bereits 2013

Der durch die Abwärme erzeugte Strom kann direkt in die Energieversorgung der Unternehmen gespeist werden. "Denn Strombedarf eines Industrieunternehmens mit dieser Methode zu decken, ist eine lukrative Sache", sagt Uwe Milles vom Bine Informationsdienst gegenüber pressetext. Selbst wenn Industriestrom billiger ist als Haushaltsstrom, sei es dennoch langfristig ein fühlbarer ökonomischer Vorteil. "Der Beteiber schätzt, dass 500 Betriebe in Deutschland für die Nutzung von Abwasser in Frage kommen", sagt Milles. Noch ist die Methode im Feldtest, aber 2013 soll sie auf den Markt kommen.

"Das Interessante ist, dass man mit dieser Technologie auch Wärmevorkommen mit Temperaturen zwischen 200 und 500 Grad Celsius in Energie umwandeln kann", sagt Milles. Bisher wurde der Prozess, aus Abwässern Strom zu erzeugen, meist in Kombination mit Turbinen eingesetzt. Diese zeigen allerdings Wirkungsgradverluste. Ein flexibleres Einsatzprofil bietet die Kombination mit einem Dampfexpansionsmotor. Hier ist eine variable Abstimmung auf unterschiedliche Temperatur- und Druckniveaus möglich.

Zukunft Dampfexpansionsmotor

Aus dem gleichen Wärmeangebot kann mit dem Dampfexpansionsmotor deutlich mehr Strom erzeugt werden als in Kombination mit herkömmlichen Turbinen. Dabei kann im Anschluss an die Stromerzeugung die dann noch vorhandene Abwärme für Heizzwecke weiter verwendet werden. Vor allem Betriebe aus der Metallverarbeitung, Glasproduktion, Chemie- und Papierindustrie, sowie etwa 1.000 größere Blockheizkraftwerke kommen als künftige Einsatzorte für die Methode in Frage.

Polarstern-Expedition: Erste Ergebnisse

Einzigartiges Ökosystem unter dem ehemaligen Larsen-Schelfeis

Erste Ergebnisse der vergangenen Polarstern-Expedition

Zustand der Fischereibestände in antarktischen Gewässern

Neue erfolgreiche Technik der Walbeobachtung

Ende Januar ging die achte Etappe der 23. Antarktis-Expedition mit dem
Forschungseisbrecher Polarstern zu Ende. Neben fischereibiologischen
Studien und Walbeobachtungen stand im Vordergrund, die antarktische
Lebensvielfalt zu erfassen. Im Rahmen des “Census of Antarctic Marine
Life (CAML)³, eines der Hauptprojekte im Internationalen Polarjahr,
haben Biologen den Meeresboden unter dem ehemaligen Larsen Schelfeis
erstmals untersucht und einzigartige Bilder von den dort lebenden
Organismen gemacht.

Vom 23. November 2006 bis zum 31. Januar 2007 war das Forschungsschiff
Polarstern im Weddellmeer, den Gewässern rund um die Antarktische
Halbinsel und der Bransfieldstrasse unterwegs. Nun liegen erste
Ergebnisse der Expedition vor, an der unter Leitung des
Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in der
Helmholtz-Gemeinschaft 52 Wissenschaftler aus 14 Nationen teilnahmen.
Darunter waren auch Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Marine
Mikrobiologie, dem Forschungs- und Naturmuseum Senckenberg, dem
Forschungs- und Technologiezentrum Westküste und der
Bundesforschungsanstalt für Fischerei.

Census of Antarctic Marine Life (CAML)

Besonderer Focus des CAML-Projektes war das Larsen-A-B-Schelfeis, wo in
den letzten zwölf Jahren insgesamt 10.000 Quadratkilometer Schelfeis
abbrachen. Die globale Erwärmung hat an der Antarktischen Halbinsel zur
Veränderung der Umweltbedingungen geführt. Der Abbruch des Schelfeises,
das bis in große Tiefen reichte, hat nun Bereiche des Meeresbodens
freigelegt, die bisher unzugänglich waren. Somit konnten dort erstmals
die Auswirkungen des Klimawandels auf die Lebewesen untersucht werden.

Das Kernziel von CAML ist es daher, die Lebensvielfalt der
antarktischen Gewässer zu erfassen und deren Entwicklung und
ökologischen Hintergrund zu untersuchen. “Solche Erkenntnisse sind die
Basis, um das Funktionieren von Ökosystemen zu verstehen. Die neuen
Ergebnisse werden uns dabei eine gutes Stück weiter bringen, um die
Zukunft unserer Biosphäre im Klimawandel vorhersagen zu können³, sagt
Dr. Julian Gutt, Biologe am Alfred-Wegener-Institut und
wissenschaftlicher Leiter der Antarktis-Expedition.

Das wissenschaftliche Expeditionsprogramm umfasste die volle
biologische Bandbreite von Mikroorganismen bis zu Walen, einschließlich
kleinster Würmer und Krebse, größerer wirbelloser Tierarten wie
beispielsweise Schwämme und Seesterne, sowie Fischen und anderer
Wirbeltiere. “Was wir von der Polarstern-Expedition gelernt haben ist
lediglich die Spitze des Eisbergs³, sagt Michael Stoddart, Sprecher von
CAML Australien. “Ergebnisse dieser und kommender Expeditionen
innerhalb des Internationalen Polarjahres werden Erkenntnisse bringen,
wie der Klimawandel die Organismen dort beeinflusst.³

Fragestellung

Die wichtigsten Fragen zu den Untersuchungen im Larsen-Ökosystem waren:

– Welche Lebensformen existieren unter dem Schelfeis, einem noch völlig
unbekannten, aber für die Antarktis typischen Lebensraum?

– Wie beeinflusst das Schelfeis und sein Abbruch das marine Ökosystem?

– Wie sieht die Zukunft der dortigen Fauna in einer sich verändernden Umwelt aus?

– Können Berichte von einer kalten Gasquelle mit einer speziell daran
angepassten Lebensgemeinschaft bestätigt werden, und kann sie zum
ersten Mal beprobt werden?

Vorläufige Ergebnisse der Untersuchungen des Meeresbodens zeigen, dass
die Sedimente sehr unterschiedlich sind. Vom felsigem Untergrund bis
hin zu weichem Schlick sind alle Bodentypen vertreten. Ebenso
vielfältig gestaltet sich die Besiedlung, da Tiere unterschiedliche
Vorlieben bezüglich ihres Lebensraumes haben. Vergleicht man die
Meeresbodenfauna von Larsen-A-B mit der im östlichen Weddellmeer, so
ist sie weitaus ärmer. Umso auffälliger ist die hohe Dichte einer
bestimmten Tiergruppe, der Seescheiden, die mit verschiedenen Arten
vertreten ist. Da diese Organismen besonders langsam wachsen, ist
anzunehmen, dass Seescheiden erst nach dem Abbruch des Schelfeises im
Larsen-B-Gebiet ansiedeln konnten. Die Anzahl größerer, langsam
wachsender Tiere, z. B. der Glasschwämme, war im Larsen-A-Gebiet höher
als bei Larsen B, da sie dort wahrscheinlich schon sehr lange leben.
Die hohe Anzahl kleinerer Exemplare dieser Arten ist vielleicht ein
erster Schritt zu einer deutlichen Veränderung der Artenzusammensetzung
nach

dem Abbruch des Schelfeises vor zwölf Jahren.

Mit Hilfe eines ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugs (Remotely Operated
Vehicle, kurz ROV), das mit Video- und Fotokameras ausgestattet war,
konnte die Zerstörung des Meeresbodens durch Eisberge in geringeren
Wassertiefen gezeigt werden. In einer Wassertiefe von circa 220 Metern
war der Artenreichtum deutlich höher, aber es waren auch deutliche
Spuren der Zerstörung durch Eisberge zu sehen. Glasschwämme kommen dort
als langsam wachsende und lang lebende Organismen nur selten vor, da
sie immer wieder von den strandenden Eisbergen vernichtet werden.
Auffällig häufig kamen auch verschiedene Tiefseearten wie Seegurken und
gestielte Haarsterne im Larsen-B-Gebiet vor.

Kalte submarine Quellen

Eine kalte Quelle, ein so genanntes “Cold Seep³, von dessen Existenz
man bisher lediglich durch Videoaufnahmen wusste, konnte mit Hilfe des
ROVs in einer Wassertiefe von ca. 830 Metern wieder gefunden werden.
Sie besteht aus Ansammlungen von Schalen toter Muscheln. Erste Analysen
geben eindeutige Hinweise, dass dort Methan und Sulfat vorhanden sind,
wovon bestimmte Bakterien so leben, dass sich hier eine einfache
Lebensgemeinschaft auch ohne Sonnenlicht entwickelt.

Walbeobachtungen

Rund um Elephant Island, in der Bransfield Strasse, im Larsen A/B
Gebiet und im nördlichen Weddellmeer wurden Walbeobachtungen
durchgeführt. Dabei deckten die Helikopterflüge 8000 Seemeilen und
Beobachtungen von Bord der Polarstern 700 Seemeilen ab. Zwergwale
wurden häufig nahe am Packeis, die sehr seltenen Schnabelwale
hauptsächlich rund um Elephant Island gesichtet. “Es war überraschend
zu sehen, dass die neuen Lebensräume so schnell besiedelt werden³, sagt
Dr. Meike Scheidat vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der
Universität Kiel.

Fischbestände der Antarktis

Die fischereibiologischen Untersuchungen erfolgten rund um die Inseln
westlich und nördlich der Antarktischen Halbinsel im Rahmen der
“Konvention zum Schutz der lebenden Meeresschätze der Antarktis"
(Convention of the Conservation of Antarctic Marine Living Resources,
CCAMLR). Erste Ergebnisse zeigen, dass der Marmorbarsch (Notothenia
rossii) und der Gelbbauchnotothenia (Notothenia coriiceps) häufiger
vorkamen als in einer Vergleichsstudie von 2003. Die Bestände vom
Bändereisfisch (Chaemopsocephalus gunnari) und vom Scotiasee-Eisfisch
(Chaenocephalus aceratus) hingegen nahmen in diesem Zeitraum ab. Die
Studie wurde mit 85 Hols innerhalb von 19 Tagen vollständig
abgearbeitet.

Neue Arten entdeckt

Im Rahmen von CAML wurden weiterhin die Aspekte Physiologie, Genetik,
Schadstoffe und die Nahrungsbeziehungen untersucht. Dabei kamen diverse
Probenahme-Geräte zum Einsatz, wie Dredschen, Greifer und Fallen. Die
Wissenschaftler entdeckten eine Reihe neuer Arten. Besonders
hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang 15 voraussichtlich neue
Amphipodenarten, die zu den Krebsen gehören, darunter einer der größten
Amphipoden der Antarktis. Er ist fast 10 Zentimeter lang und gehört zur
Gattung Eusirus. In der Gruppe der Nesseltiere wurde eine neue Art der
Gattung Malacobelemnum gefunden, sowie eine neue Seeanemone. Sie lebt
in Symbiose mit der Schnecke Harpovoluta.

Die wertvolle Fracht an wissenschaftlichen Daten und gesammeltem
Tiermaterial ist jetzt auf dem Weg in die Heimatinstitute der
Expeditionsteilnehmer. Es wird Monate bis zu einigen Jahren dauern, bis
detaillierte Analysen vorgelegt werden können. In einem vom "Census of
Marine Life" unterstützten Treffen im September diesen Jahres werden
die Wissenschaftler eine erste Synthese ihrer Ergebnisse zeitnah
zusammenstellen und präsentieren.

Neuland für Polarsten

Die aktuelle Polarstern-Expedition begann am 2. Februar in Punta Arenas
und hat einen geologischen Schwerpunkt. Zehn wissenschaftliche Projekte
stehen auf dem Programm, darunter auch ein großes Projekt des
Internationalen Polarjahres. Geophysiker beschäftigen sich mit der
geodynamischen und tektonischen Evolution des Kontinentalrandes in der
Gegend um die Prydz Bucht. Dort und am Kerguelen Plateau werden
geologische Untersuchungen stattfinden. In diesem Bereich der Antarktis
ist Polarstern das erste Mal unterwegs.

Am 11. April wird Polarstern in Kapstadt erwartet. Dann tritt sie die
Rückreise nach Bremerhaven an, wo sie Anfang Mai eintreffen soll.

Wer die Reise verfolgen möchte, findet Tagebücher unter
http://www.polarjahr.de, http://blogs.dw-world.de/polarstern/ und
www.ipy.org

Bremerhaven, den 21. Januar 2007

Bitte senden Sie uns bei Veröffentlichung einen Beleg.

Hinweise für Redaktionen: Ihr Ansprechpartner ist Dr. Julian Gutt (Tel.
0471/4831-1333; E-Mail: Julian.Gutt@awi.de). Ihre Ansprechpartnerin in
der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist Dr. Angelika Dummermuth (Tel.
0471 / 4831-1742; E-Mail: medien@awi-bremerhaven.de). Druckbare Bilder
finden Sie auf unserer Webseite unter
http://www.awi-bremerhaven.de/AWI/Presse/PM/index-d.html.

Das Alfred-Wegener-Institut forscht in der Arktis, Antarktis und den
Ozeanen der mittleren und hohen Breiten. Es koordiniert die
Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den
Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und
Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das
Alfred-Wegener-Institut ist eines der fünfzehn Forschungszentren der
Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation
Deutschlands.

Artenreichtum kann auch Ökosystem instabil machen

pte20181018015 Forschung/Technologie, Umwelt/Energie

Artenvielfalt kann Ökosystem auch schaden

Wissenschaftler haben Mini-Systeme erstellt und sechs Arten von Wimpertierchen eingesetzt

Mit verschiedenen Wimpertierchen wurden Mini-Ökosysteme erzeugt (Foto: uzh.ch)
Mit verschiedenen Wimpertierchen wurden Mini-Ökosysteme erzeugt (Foto: uzh.ch)

Zürich
(pte015/18.10.2018/10:30) – Unter gewissen Umweltbedingungen kann ein
erhöhter Artenreichtum auch dazu führen, dass ein Ökosystem instabiler
wird. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Wissenschaftler der
Universität Zürich http://uzh.ch in Zusammenarbeit mit Kollegen der Eidgenössischen Anstalt für
Wasserversorgung, Abwasserreinigung & Gewässerschutz (Eawag) http://eawag.ch .

Neue Videoauswertungstechnik

In einem Experiment haben die Experten als Modellorganismen sechs Arten
von Wimpertierchen eingesetzt. Das sind winzige, im Wasser lebende
Einzeller. Diese Tierchen steckten die Forscher in unterschiedlicher
Anzahl und Kombination in Probengläser und erzeugten so Mini-Ökosysteme,
die sie daraufhin bei Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad gedeihen
liessen. Die erhöhten Temperaturen simulierten eine klimatische
Veränderung, da die verwendeten Wimpertierchen normalerweise bei 15 Grad
Celsius leben. Die Biomasseproduktion wurde per Videoauswertungstechnik
untersucht.

Ein eigens entwickelter Algorithmus ermöglichte es, die
Wimpertierchen-Arten in den rund 20.000 Videosequenzen zu bestimmen, die
von den zahlreichen Proben unter dem Mikroskop aufgenommen wurden. Das
auf den ersten Blick widersprüchliche Ergebnis: Eine hohe Artenvielfalt
fördert und hemmt die Ökosystemstabilität gleichzeitig. "Ökologische
Stabilität ist komplex und besteht aus verschiedenen Komponenten. Das
Experiment zeigt, wie sich die Artenvielfalt unterschiedlich auf die
einzelnen Stabilitätskomponenten auswirkt", so Erstautor der Studie,
Frank Pennekamp. Je vielfältiger die Artengemeinschaft in den
Mini-Ökosystemen war, desto weniger schwankte die Biomasseproduktion –
unabhängig von der Temperatur. Bei höheren Temperaturen produzierten die
Einzeller durch das Mehr an Arten weniger Biomasse.

Web-Umgang von Teenagern ungeschickter als bislang angenommen

Zürich (pts, 03. Mär 2005 17:50) – Aktuellste Internet-Nutzerforschung zeigt, dass Teenager im Umgang mit Websites ungeschickter sind als Erwachsene. Ebenfalls unterscheiden sich die Vorlieben der Teenager für gewisse Designelemente nicht stark von denjenigen der Erwachsenen.


In einer Studie der Nielsen Norman Group wurde das landläufige Vorurteil, dass Teenies sich auf dem Internet sicher und zielstrebig bewegen und eine starke Vorliebe für verrücktes Design haben, gründlich widerlegt.


Während sich bisherige Untersuchungen über die Nutzung neuer Technologien meist auf eigene Angaben der Teenies stützten, lassen sich dank Usability-Tests, bei denen die Anwender beobachtet werden, genauere Aussagen über das Verhalten und die Wünsche der Nutzer machen.


Bei einer Reihe solcher Usability-Tests in Amerika und Australien zeigte sich nun, dass die gemessene Erfolgsrate von Teenies beim Lösen vorgegebener typischer Aufgaben deutlich unter derjenigen von Erwachsenen liegt.


Verantwortlich für das schlechtere Abschneiden der Teenager sind der Studie zufolge drei Faktoren: Teenies verfügen über geringere Lesefähigkeit, schlechtere Recherchestrategien und ein deutlich niedrigeres Geduldsniveau als Erwachsene.


Ferner bestätigte sich in der Studie, dass Teenager coole Grafiken mögen und dem Erscheinungsbild grössere Aufmerksamkeit schenken als Erwachsene. Allerdings schnitten in der Meinung der Teenies letztlich just jene Websites besser ab, die sich durch ein relativ moderates, klares Design auszeichnen. Am wenigsten mochten die jungen Nutzer langweilige und mühsam bedienbare Websites.
Näheres dazu: http://www.usability.ch/Alertbox/20050131.htm


Guidelines zur Erstellung von Websites speziell für Teenager finden Sie direkt bei der Nielsen Norman Group unter http://www.nngroup.com/reports/teens/


Weitere Erkenntnisse aus der Nutzerforschung finden Sie auf der Website des Instituts für Software-Ergonomie und Usability, das seit Jahren exklusiv die deutsche Übersetzung von Jakob Nielsens Alertboxen zur Verfügung stellt.

Lebensmittelkette Milch

Mehr als Kuhstall und Kühlregal: Lebensmittelkette Milch
aid-Unterrichtsmaterial für die 4. Klasse
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(aid) – Wie kommt die Milch in die Kuh und wie wieder heraus? Was passiert nach dem Melken mit der Milch? Wie kann man selber Butter herstellen? Alles, was Kinder schon immer über Milch erfahren wollten, wird in zehn spannenden Unterrichtseinheiten unter dem Motto "Mehr als Kuhstall und Kühlregal: Lebensmittelkette Milch" erklärt. Mit abwechslungsreichen Arbeitsaufträgen, Rezepten, Audio- und Videodateien ermöglicht das aid-Unterrichtsmaterial Schülern der Jahrgangsstufe 4, sich dem Thema Milch mit allen Sinnen zu nähern.
Als Arbeitserleichterung für den Sachkundelehrer beginnt das Heft mit einer ausführlichen Sachinformation, die den thematischen Hintergrund liefert und die Milch mit all ihren Facetten in Landwirtschaft und Ernährung beleuchtet. Zudem liegt dem Heft eine CD-ROM bei, auf der alle Materialien, Fotos, Zeichnungen und Grafiken in digitaler Form zu finden sind. Arbeitsaufträge und Lösungen sind hier als bearbeitbare Word-Datei hinterlegt, damit sie individuell an den Wissensstand und die Lernweise der Klasse angepasst werden können. Das Unterrichtsmaterial ist so konzipiert, dass es sich sowohl für eine ausführliche Einheit mit etwa zehn Unterrichtsstunden eignet, aber auch in verkürzter Form in den Sachunterricht eingebunden werden kann.
www.aid.de

Pestizid-Alarm bei Obst und Gemüse

Global 2000: Pestizid-Alarm bei Obst und Gemüse
Bio-Produkte und Selbstverpflichtung der Landwirtschaft gefordert
 
Wien (pte020/16.08.2012/13:55) – Konsumenten, die gerne Obst und Gemüse essen, sind laut der Umweltschutzgruppe Global 2000 http://global2000.at potenziell bis zu 30 verschiedenen Pestizidrückständen ausgeliefert. Die heute, Donnerstag, in Zusammenarbeit mit Pesticide Action Network Europe http://pan-europe.info präsentierte Studie http://disruptingfood.info basiert auf dem Pestizid-Monitoring-Bericht der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) mit 70.000 Datensätzen. Diese ist laut dem Biochemiker Helmut Burtscher "alarmierend".

Cocktail unbestimmter Richtung

Salat, Tomaten, Gurken, Äpfel und Lauch sind laut Global 2000 am meisten mit hormonell wirksamen Pestiziden verunreinigte Lebensmittel. "Die durchschnittlichen Belastungen liegen zwischen 600 Mikrogramm per Kilogramm Äpfel und 1.300 beim Salat", erklärt Burtscher gegenüber pressetext und zieht einen Vergleich zur Antibaby-Pille. "Dort sind es maximal 200 Mikrogramm mit eindeutiger Absicht, bei belastetem Obst und Gemüse aber ein ganzer Cocktail unbestimmter Richtung." Von diesen endokrinen Disruptoren sind laut dem Umweltmediziner Hans-Peter Hutter http://www.meduniwien.ac.at viele kritische medizinische Endpunkte betroffen.

"Es fehlt an der Problemwahrnehmung und folglich am Risikomanagement", diagnostiziert Hutter. Noch immer erlaube die EU statt einer kumulierten Gesamtbelastung dieser Giftstoffe einzelne Grenzwerte. "Dazu gesellen sich aber auch noch die Weichmacher in Kunststoffen hinzu", erinnert der Umweltmediziner. Folgen für die Konsumenten: verminderte Zeugungsfähigkeit, mehr hormonabhängige Tumore, auffällige Verhaltensänderungen und Stoffwechselstörungen. "Die Datenlage reicht, um medizinische Forderungen zu begründen", so Hutter.

Aufschrei nötig

Bio-Produkte wären laut Burtscher für Konsumenten eine Alternative, Nahrungsergänzungsmittel in Tablettenform "nur kurzfristig". Global 2000 fordert darüber hinaus eine "eindeutigere EU-Politik ohne Schlupflöcher" und hierzulande eine freiwillige Selbstverpflichtung der Landwirtschaft im Rahmen von ÖPUL http://bit.ly/N2lk4V , dem österreichischen Programm zur Förderung einer umweltgerechten, extensiven und den natürlichen Lebensraum schützenden Landwirtschaft. "Es braucht endlich einen Aufschrei", resümiert Burtscher.

Durch das Analysegerät "LC Triple Quadrupole MS", von dem weltweit erst wenige existieren, werden laut Michael Gartner, Geschäftsführer LVA GmbH http://lva.at , Untersuchungen mit der QuECheRS-Methode auch für biologisch angebaute Lebensmittel interessant, einem Weltmarkt von geschätzten 44 Mrd. Euro. Die QuECheRS-Methode ist ein schnelles Verfahren zur Bestimmung von Rückständen an Pflanzenschutzmitteln im Essen mit einem Fettgehalt bis zu fünf Prozent. Statt zwei Tagen werden nur mehr zwei Stunden benötigt.

Schnellere Analysen

Sowohl Umfang der Extraktionsmöglichkeiten als auch deren Empfindlichkeit würden ebenso zunehmen. "Mit der QuECheRS-Methode können sowohl apolare wie auch polare und mittelpolare Pestizide erfasst werden, die häufig die alten verbotenen Wirkstoffe ersetzen", erklärt Gartner. "Und mit der Triple-Quadrupole-Technologie, die sowohl bei Gas- als auch Flüssig-Chromatographie-Geräten zur Verfügung steht, finden wir künftig statt 400 rund 650 nachweisbare Wirkstoffe."

 

Krebs: Die Wurzeln des Übels reichen weit zurück

Krebs: Die Wurzeln des Übels
reichen weit
zurück

Neue Erkenntnisse der molekularen
Evolutionsforschung kommen
aus Kiel
Jedes Jahr erkranken rund 450.000 Menschen
in
Deutschland an Krebs. Und alle träumen sie von einem Sieg im Kampf gegen
die
grausame Krankheit. Aber kann man den Krebs je völlig besiegen?
Forscherinnen
und Forscher der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) treten
jetzt
einen ernüchternden Beweis an: „Krebs ist so alt wie das vielzellige
Leben auf
der Erde und lässt sich wohl nie ganz ausrotten“, ordnet Professor
Thomas Bosch
seine neuesten Forschungsergebnisse ein. Die Studie eines
internationalen Teams
um Bosch wurde heute (Dienstag, 24. Juni) im angesehenen Fachjournal
Nature
Communications veröffentlicht.
Die sogenannten Krebsgene sind
uralt
Die Ursache für Tumorerkrankungen sind die

sogenannten Krebsgene. Seit wann die Evolution Tumore hervorbringt, ist
eine
Frage, der die Wissenschaftler Tomislav Domazet-LoŠo und Diethard Tautz
vom
Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön bereits seit einigen
Jahren
mit modernen bioinformatischen Methoden und Datenbanken nachgehen. „Bei
der
Suche nach dem Ursprung der Krebsgene haben wir unerwarteter Weise
herausgefunden, dass viele dieser Gene von den ersten Tierarten
abstammen“,
erläutert Domazet-LoŠo. Er ist Ko-Erstautor der aktuellen Studie und ist
heute
am Ruder BoŠković Institut und der Katholischen Universität von
Kroatien in
Zagreb tätig. „Unsere Daten sagten voraus, dass schon die ersten
vielzelligen
Tiere die meisten der Gene hatten, die beim Menschen Krebs auslösen
können.“ Was
bislang fehlte, war zum einen der direkte Beweis, dass diese ersten
Tierarten
tatsächlich an Tumoren leiden können, und zum anderen die molekulare
Aufklärung
der Mechanismen, die zur Tumorentstehung in ursprünglichen Organismen
führten.

Tumor-Ursache: Fehlerhaft
programmierter
Zelltod
Dem Forschungsteam um den
Evolutionsbiologen
Professor Thomas Bosch vom Zoologischen Institut der Universität Kiel
ist es
jetzt gelungen, ein neues Verständnis über die Ursprünge von Krebs zu
erlangen.
Er untersucht seit Jahren die Stammzellen und die Regulation des
Gewebewachstums
im stammesgeschichtlich alten Polypen Hydra. „Jetzt haben wir in zwei
unterschiedlichen Hydra-Arten, einem korallenähnlicher Organismus,
tumortragende
Polypen entdeckt“, betont Bosch das erste Ergebnis der neuen Studie.
Damit sei
bewiesen, dass Tumore tatsächlich in primitiven und alten Tierarten
wuchern
können.
Auch der zellulären Ursache der Tumore
entlang der
gesamten Körperachse sei das Team auf die Spur gekommen: Erstmals
konnten sie
zeigen, dass Stammzellen, die zur geschlechtlichen Differenzierung
programmiert
sind, sich massenhaft anhäufen können und dann nicht auf natürlichem
Wege durch
programmierten Zelltod entfernt werden. Interessanterweise sind nur
weibliche
Hydra-Polypen von diesen Tumoren betroffen, die dem Eierstockkrebs beim
Menschen
ähneln.
„Bei der weiteren molekularen Analyse der
Tumore
stießen wir auf ein Gen, das im Tumorgewebe drastisch hochreguliert ist
und das
den programmierten Zelltod normalerweise verhindert“, beschreibt
Alexander
Klimovich, Stipendiat der Alexander-von-Humboldt Stiftung am
Zoologischen
Institut der Universität Kiel und Ko-Erstautor der aktuellen Studie die
zweite
Erkenntnis aus der Studie. „Da eine nicht funktionierende
Zelltod-Maschinerie
auch bei vielen Krebsarten des Menschen für Wachstum und Ausbreitung der
Tumore
verantwortlich gemacht wird, tauchen hier frappierende Ähnlichkeiten zum
Krebs
bei Menschen auf“, so Klimovich weiter.
Als drittes konnten die
Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler zeigen, dass Tumorzellen invasiv sind. Das heißt, werden

Tumorzellen in einen gesunden Organismus eingebracht, können sie dort
ein
Tumorwachstum auslösen. Aus seiner Forschung an Hydra-Arten schließt
Bosch
daher: „Auch die invasive Eigenschaft von Krebszellen ist
stammesgeschichtlich
uralt.“ 

Tumore haben tiefe Wurzeln in der
Evolution
Die Mittel, die für den Feldzug gegen den
Krebs
weltweit eingesetzt werden, sind gewaltig. Allein die Ausgaben der USA
für die
Krebsforschung betrugen im Jahr 2012 über 500 Milliarden Dollar. Aus der

weltweiten Forschung sind verbesserte Vorbeugungs-, Diagnose- und
Behandlungsmethoden entstanden, die durchaus Erfolge verbuchen können.
Aber
gerade bei einigen häufigen Tumorerkrankungen gibt es nur langsame
Fortschritte.
Auch heute erliegt immer noch jeder zweite Betroffene seinem
Krebsleiden. Allein
in Deutschland stirbt jeder Vierte an Krebs, Tendenz steigend (World
Cancer
Report 2014). Diese Zahlen waren für das National Institute of Health,
USA,
Anlass genug, um ein Netzwerk ins Leben zu rufen (Physical
Science-Oncology
Centers). Diese Initiative soll die Forschungszentren aus verschiedenen

Fachdisziplinen aus dem Gebiet der Krebsforschung zusammen bringen. Paul
Davies,
a bekannter Theoretischer Physiker und Autor, leitet eines dieser
Zentren in
Phoenix, Arizona. In einem Interview mit The Guardian (2012) sagte er:
„Natürlich, gänzlich verstehen werden wir Krebs erst im Kontext seines
biologischen Ursprungs.“ (frei übersetzt)    

Laut dem Forschungsteam um Bosch sind die
neuesten
Erkenntnisse aus der Hydra-Forschung ein großer Meilenstein auf dem Weg
zu
diesem Ursprung: „Unsere Forschungen bestätigen erneut, dass alte Tiere
wie die
Hydra-Polypen beim Verständnis so komplexer Probleme wie ‚Krebs‘ extrem

aufschlussreich sind. Außerdem macht es unsere Studie unwahrscheinlich,
dass der
in den siebziger Jahren ausgerufene ‚War on Cancer‘ jemals gewonnen
werden kann.
Aber unseren Feind von seiner Entstehung an zu kennen, ist der beste
Weg, ihn zu
bekämpfen, und viele Schlachten zu gewinnen“, so Bosch.

Originalpublikation:
Tomislav
Domazet-Loso, Alexander Klimovich, Boris Anokhin, Friederike
Anton-Erxleben,
Mailin J. Hamm, Christina Lange & Thomas C.G. Bosch (2014) Naturally

occurring tumours in the basal metazoan Hydra. Nature Communications