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Wie breiten sich Corona-Viren über die Luft aus ?

(IUTA) – Dass Viren sich über Aerosolpartikel ausbreiten können, zeigen inzwischen viele wissenschaftliche Studien. Aber was genau ist eigentlich ein Aerosol? Als Aerosol bezeichnet man ein Gemisch aus Luft mit festen oder flüssigen Partikeln. Und es ist wendig, verändert sich ständig, ist kaum in den Griff zu bekommen. Besonders als Transporteur von Coronaviren sind Aerosolpartikel in der Öffentlichkeit bekannt geworden. Aber wie geht man mit diesem Wissen um und wie soll man sich verhalten? Die Gesellschaft für Aerosolforschung, in der sich das JRF-Institut IUTA – Institut für Energie- und Umwelttechnik engagiert, hat nun mit Unterstützung von mehr als 185 internationalen Expertinnen und Experten den aktuellen Wissensstand und Empfehlungen zum Schutz vor dem Virus zusammengetragen:

  • Keine Maßnahme kann für sich alleine funktionieren! Das Zusammenspiel der verschiedensten Maßnahmen ist nach derzeitigem Wissensstand der beste Weg zur Minimierung des Infektionsrisikos.
  • Abstand halten ist wichtig, denn mit zunehmendem Abstand werden direkt ausgeatmete Viren verdünnt, und die Wahrscheinlichkeit sich anzustecken sinkt. Zudem gibt man großen Tropfen die Möglichkeit, zu Boden zu sinken. Der vielfach vorgeschriebene Mindestabstand kann als Anhaltspunkt dienen, sollte aber insbesondere bei längeren Zusammenkünften und auch in Innenräumen mit verringerter Luftbewegung vergrößert und durch weitere Maßnahmen ergänzt werden.
  • Masken helfen, einen Teil der exhalierten Partikel (und Viren) zu filtern. Dadurch sinkt die Konzentration der exhalierten Partikel (und Viren) in einem Raum und damit das Infektionsrisiko. Hierbei ist zu beachten, dass die ausgeatmeten Aerosolpartikel durch anhaftende Feuchtigkeit relativ groß sind und somit auch von einfachen Masken effizient zurückgehalten werden können. Da diese Partikel aber mit längerer Verweilzeit in der Raumluft schrumpfen, sind einfache Mund-Nasen-Bedeckungen für den Selbstschutz weniger effizient. Hierfür sind Atemschutzmasken erforderlich, die auch für feine Partikel eine hohe Abscheidung zeigen, z. B. der Klassen FFP2, N95 oder KN95. Diese sind sowohl für den Selbst- als auch den Fremdschutz effizient, sofern sie über kein Ausatemventil verfügen. Masken mit Ausatemventil dienen hingegen nur dem Selbstschutz und widersprechen daher dem Solidaritätskonzept, dass Mitmenschen durch kollektives Maskentragen geschützt werden.
  • Gesichtsvisiere, die ohne zusätzliche Verwendung von Masken eingesetzt werden, sind hinsichtlich Aerosolpartikeln weitgehend nutzlos, da die Luft mit Partikeln (und Viren) ungefiltert um die Visiere herumströmt. Gesichtsvisiere werden im klinischen Alltag zusätzlich zu Masken getragen, um Tröpfcheninfektion über die Schleimhäute der Augen zu verhindern. Ebenfalls weitgehend unwirksam gegen die Aerosolverbreitung in Innenräumen sind mobile oder fest installierte Plexiglasbarrieren. Diese können nur kurzfristig die kleinräumige Ausbreitung eines Aerosols, z. B. im Kassenbereich eines Supermarkts, verhindern, bieten aber längerfristig keinen Schutz. Gesichtsvisiere und Plexiglasscheiben dienen im Wesentlichen als Spuck- und Spritzschutz gegenüber großen Tröpfchen.
  • Im Freien finden so gut wie keine Infektionen über das Aerosol statt. In geschlossenen Räumen ist Lüften unerlässlich, um die ausgeatmete Luft in einem Raum durch frische Luft von draußen zu ersetzen. Stoß- und Querlüften sind dabei vergleichbar effektiv wie dauernd das Fenster vollständig geöffnet zu lassen. Aus energetischer Sicht ist Stoß- oder Quer-lüften insbesondere im Winter allerdings effizienter. CO2-Monitore können bei der Überwachung der Luftqualität in Innenräumen helfen. Sie zeigen beim Lüften an, wann gelüftet werden sollte und wann die Luft in einem Raum während des Lüftens ausreichend gewechselt ist. Sie können jedoch nur als Indikator verwendet werden und verhindern selbst bei Einhaltung der vorgeschlagenen CO2-Grenzkonzentrationen keine direkte Infektion durch unmittelbar benachbarte Personen.
  • Luftreiniger können einen sinnvollen Beitrag leisten, um die Partikel- und Virenkonzentration in einem Raum zu reduzieren. Bei der Beschaffung von Luftreinigern muss darauf geachtet werden, dass diese für den angedachten Raum aus-reichend dimensioniert sind, um die Partikel- und Virenlast auch wirklich signifikant zu verringern. Der Luftdurchsatz des Gerätes ist hier wichtiger als die Effizienz des Filters. Fest verbaute Lüftungsanlagen können ebenso sinnvoll sein, sofern sie die Luft filtern, um die Partikel- und Virenlast in einem Raum zu verringern, wenn sie mit 100 % Frischluftzufuhr betrieben werden.

Mit diesem Papier möchte die GAeF einen Beitrag dazu leisten, den momentan so häufig anzutreffenden Begriff „Aerosol“ sowie die relevanten Aerosolprozesse anschaulich darzustellen und zu erläutern. Dabei wird im Rahmen dieses Papiers nur auf die wesentlichen Grundlagen eingegangen.

Bleiben unsere Stromnetze stabil, wenn sie nur mit regenerativen Energien gespeist werden ?

(KIT) – Im Zeitalter erneuerbarer Energien wird die Netzfrequenz ein immer wichtigerer Indikator für die Stabilität der Stromversorgung. Ein interdisziplinärer Forschungsverbund analysiert unter Federführung der Helmholtz-Gemeinschaft Frequenzfluktuationen in zwölf synchronen Netzgebieten auf drei Kontinenten. Für die Datenaufzeichnung haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) einen tragbaren, GPS-synchronisierten Rekorder mit einer neuen Messtechnik entwickelt. Über erste Ergebnisse berichtet das Team nun in der Fachzeitschrift Nature Communications. (DOI: 10.1038/s41467-020-19732-7)

Die Netzfrequenz und ihre Schwankungen liefern Forschenden unterschiedlicher Disziplinen spannende Informationen für das Stromnetz. Sie zeigen vor allem, ob und in welchem Maß das Netz stabil ist, also inwieweit Erzeugung und Nachfrage sich die Waage halten. Sie lassen unter anderem aber auch Rückschlüsse darauf zu, wie sich Störungen und Ausfälle auswirken oder auch welchen Einfluss die Einspeisung aus erneuerbaren Energiequellen hat. Internationale Expertinnen und Experten aus Mathematik, Physik und den Ingenieurwissenschaften haben nun Frequenzdaten in Europa, den USA und Afrika gemessen und genauer unter die Lupe genommen.

Electrical Data Recorder: Frequenzdaten mit hoher Auflösung
Ein Forschungsteam des Instituts für Automation und angewandte Informatik (IAI) am KIT stellte für diese großangelegte Messkampagne von insgesamt rund 430 Tagen mehrere neuartige Aufnahmegeräte zur Verfügung. Der am IAI entwickelte Electrical Data Recorder (EDR) verwendet einen GPS-Empfänger zur Zeitsynchronisation und ermöglicht die Aufzeichnung von Roh- und Frequenzdaten mit sehr hoher Auflösung. Das Gerät ist tragbar und in der Lage, die Rohdaten über einen sicheren VPN-Tunnel direkt in die Datenbank „Large Scale Data Facility“ am Steinbuch Centre for Computing des KIT zu übertragen, wo sie für Forschungszwecke weiterverarbeitet werden. „Unser Rekorder ist nicht nur hochleistungsfähig, sondern auch praktisch zu handhaben“, erläutert Dr. Heiko Maaß vom IAI. Um die Messungen an einem bestimmten Ort zu starten, braucht der EDR nur eine Steckdose. Wenn kein Internet zur Verfügung steht, kann er die Daten über mehrere Wochen lokal speichern.

Je größer, desto stabiler: Frequenzschwankungen hängen von der Netzgröße ab
Für die Verbundforschungen sind die Geräte mittlerweile um die halbe Welt gereist. Die insgesamt 1,27 Gigabyte Frequenzdaten aus dem 50 Hertz- bzw. 60 Hertz-Bereich, die der aktuellen Veröffentlichung in Nature Communications zugrunde liegen, wurden an 17 Stationen in insgesamt zwölf unterschiedlichen, synchronen Netzgebieten von Kontinentaleuropa über die USA und Südafrika bis nach Island und die Färöer Inseln erfasst. Der Vergleich zwischen den heterogenen Gebieten zeigt: In kleineren Netzen sind die Frequenzfluktuationen deutlich höher als in großen. „Je größer das Stromnetz, desto stabiler“, erklärt Richard Jumar vom IAI. „Dieser Befund bestätigt unsere bisherigen Annahmen, dass die Intensität der Frequenzschwankungen von der Größe des Netzes abhängt. Insbesondere ist damit das zugrunde liegende entsprechende Skalierungsgesetz bestätigt“.

Das mittels der EDR-Messungen entstandene Datenmaterial wollen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über den Verbund hinaus der internationalen Forschungscommunity zur Verfügung stellen. „Unsere Untersuchungen bieten großes Potenzial – nicht nur für die Entwicklung statistischer Modelle zur Frequenzdynamik, sondern später auch für die bessere Regulierung der Stromversorgung, die sich immer mehr aus volatilen Energiequellen speist“, betont Professor Veit Hagenmeyer, Institutsleiter des IAI.

Die Studie wurde unter Federführung der Helmholtz-Gemeinschaft (KIT und Forschungszentrum Jülich) durchgeführt. Konsortialpartner sind darüber hinaus die Queen Mary University in London, die Technische Universität Dresden und die Universität Istanbul.

Nachhaltigkeit im Blick: Lithium aus dem Oberrheingraben

(KIT) – Weltweit steigt der Bedarf an Lithium: Vor allem für die E-Mobilität ist der Rohstoff heiß begehrt. Um den tendenziell weiter steigenden Bedarf decken zu können, wird seit einigen Jahren auch die Produktion von Lithium aus Anlagen der Tiefengeothermie diskutiert, vereinzelt sind bereits Pilotprojekte in der Umsetzung – unter anderem im Oberrheingraben. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert nun das Verbundprojekt UnLimited, bei dem die EnBW Energie Baden-Württemberg AG als Kooperationsführer gemeinsam mit dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und den Partnern BESTEC, HYDROSION und Universität Göttingen eine Pilotanlage im Geothermiekraftwerk in Bruchsal einrichten wird.

Deutschland deckt seinen Bedarf an Lithium bislang vollständig über Importe, doch die Nachfrage steigt stetig, da Lithium-Ionen-Batterien auch für mobile und tragbare Anwendungen sehr gefragt sind. Weltweit zeigen auch Geothermieanlagen zum Teil beachtliche Gehalte an Lithium im Tiefenwasser – die Frage ist, wie es extrahiert werden kann. Das Projekt UnLimited („Untersuchungen zur Lithiumproduktion aus heißen Tiefenwässern in Deutschland“) setzt sich zum Ziel, die notwendigen technischen und wirtschaftlichen Grundlagen für eine Lithiumproduktion aus heißem Tiefenwasser in Deutschland zu entwickeln.

Heimische Produktion eröffnet Alternativen für Lieferketten
„Das in Bruchsal erbohrte Wasser ist mit rund 150 mg Lithium pro Liter Wasser relativ reich an Lithium“, so Professor Jochen Kolb, Leiter der Abteilung Geochemie und Lagerstättenkunde am Institut für Angewandte Geowissenschaften des KIT. Es werde zwar nicht die bundesweit benötigte Menge liefern, doch diese heimische Produktion eröffne Alternativen für Lieferketten und reduzierte Umwelteinwirkung. „Kurze Transportwege, Flexibilität gegenüber anderen Anbietern, Versorgungssicherheit und erweiterte Lieferketten: Wir nutzen den Rohstoff Geothermalwasser effizienter“, sagt Kolb, „und das hat den Nebeneffekt, dass es auch einen ökonomischen Boost für die Geothermie geben könnte.“
In der Geothermieanlage Bruchsal, welche die EnBW gemeinsam mit den Stadtwerken Bruchsal seit 2010 betreibt, wird Tiefenwasser für Wärme und Strom gefördert und nach der thermischen Nutzung wieder in das Reservoir zurückgeführt. Mit dem Wasserdurchsatz werden dabei überschlägig rund 800 Tonnen Lithiumchlorid pro Betriebsjahr ungenutzt gefördert und zurückgeführt. Im Rahmen eines Projekts entwickelte die EnBW gemeinsam mit dem KIT ein Verfahren, mit dem sich im Labormaßstab das im Tiefenwasser gelöste Lithium nachhaltig gewinnen lässt.
„Die Laboruntersuchungen stimmen uns optimistisch. Wir haben belegen können, dass es technisch grundsätzlich machbar ist. Jetzt gilt es, in einem nächsten Schritt die technische Umsetzung unter Realverhältnissen zu prüfen und die Wirtschaftlichkeit auch im größeren Maßstab zu bestimmen“, betont Dr. Thomas Kölbel, Konzernexperte Geothermie bei der EnBW. „Unsere Bruchsaler Anlage arbeitet in einem geschlossenen Kreislauf. Das bedeutet, dass weder Gase noch Flüssigkeiten an die Umwelt abgegeben werden. Und nun wollen wir zeigen, dass wir auch im industriellen Maßstab eine nachhaltige und umweltverträgliche Produktion umsetzen können.“

Lithiumgehalt in Thermalwässern effizient nutzen
Bisherige Untersuchungen zeigen, dass es im Norddeutschen Becken und im Oberrheingraben erhöhte Lithiumgehalte in Thermalwässern gibt. Aus Schichten zwischen 3 000 und 5 000 Metern Tiefe wird das zwischen 160 und 180 Grad Celsius heiße Tiefenwasser erbohrt, das dann durch einen Wärmetauscher geht. Dort setzen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an – parallel zum Geothermiebetrieb – und bringen ein Ionensieb ein. „Ein wirtschaftlich sinnvolles Extraktionsverfahren bietet die Chance, die Profitabilität solcher Anlagen zu verbessern“, so Kolb. Im Labor laufen die Prozesse mit etwa 85- bis 95-prozentiger Effizienz, angestrebt ist eine Effizienz im Reallabor von etwa 70 Prozent.

In Bruchsal könnte Lithium für 20 000 Batterien gewonnen werden
Ziel ist, am Ende des Verbundprojekts im Pilotmaßstab Lithium aus Geothermalwasser bei gleichzeitigem Anlagenbetrieb zu gewinnen. Rund 30 bis 70 Liter Wasser werden pro Sekunde in jeder Geothermieanlage des Oberrheingrabens nach oben gebracht. „Da wäre in rund 40 Minuten die Menge Lithium zum Beispiel für eine Batterie zusammen“, erläutert Kolb. „In etwa zwei Minuten die Menge für ein E-Bike.“ So könnte bei rund 8 000 Betriebsstunden jährlich in der Geothermieanlage in Bruchsal eine Lithiummenge gewonnen werden, die ausreichend ist für die Produktion von etwa 20 000 Batterien.
„Mit einer intensiven Reservoiranalyse wollen wir zusammen mit den Projektpartnern die Nachhaltigkeit und damit auch die Wirtschaftlichkeit der Lithiumextraktion aus dem Tiefenwasser nachweisen“, erklärt Dr. Jochen Schneider, Geschäftsführer der HYDROSION GmbH. „Ein weiterer wichtiger Punkt ist aber auch die Qualität des Lithiums und dass keine schädlichen Abfälle in die Umwelt gelangen.“ Lithiumgewinnung aus einem erneuerbaren Energieträger müsse höchsten Umweltstandards genügen und die Öffentlichkeit müsse transparent über das Verfahren informiert werden.

Für die Abschätzung der Lithium-Ressource im geologischen Untergrund ist es essenziell, die Freisetzungsprozesse für Lithium im Geothermalreservoir und die Größe des Reservoirs (von der Zirkulation erfasstes Volumen) zu kennen. Zur Quantifizierung der Lithiumfracht setzen die Angewandten Geowissenschaftlerinnen und -wissenschaftler der Universität Göttingen Methoden ein, die die hydrogeochemischen Vorgänge an der Grenze zwischen Festgestein und zirkulierendem Fluid untersuchen. Dazu wird insbesondere die Verteilung der stabilen Isotope des Lithiums verwendet.

Die Projektkosten liegen bei rund 3,4 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie fördert das Projekt UnLimited mit einem Betrag von 2,7 Millionen Euro.

Wir werden immer älter – was folgt daraus?

(Leopoldina) – Die durchschnittliche Lebenserwartung in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Mit dieser Entwicklung sind neue Herausforderungen verbunden. So gilt es, die hohe Lebensqualität, Produktivität und Innovationsfähigkeit in einer Gesellschaft des längeren Lebens zu erhalten. Mit diesen Herausforderungen befasst sich die Alterns- und Lebensverlaufsforschung. Insbesondere sollte in Deutschland die Zusammenarbeit der einzelnen Disziplinen gestärkt werden. Gegenwärtig bleibt das Forschungsfeld noch hinter seinen Möglichkeiten zurück, schreiben Expertinnen und Experten der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina im heute erschienenen Zukunftsreport Wissenschaft „Forschung für die gewonnenen Jahre: Zukunft der Alterns- und Lebensverlaufsforschung“.

Bislang wurden in der Alterns- und Lebensverlaufsforschung vor allem jene Projekte gefördert, die sich mit der Entstehung und Behandlung von vorwiegend im Alter auftretenden Krankheiten beschäftigen. Diese Ausrichtung muss überdacht werden, so die Autorinnen und Autoren des Reports. Förderanreize sollten künftig neben biomedizinischen Aspekten auch sozial- und verhaltenswissenschaftliche Perspektiven einbeziehen. Eine breit aufgestellte, interdisziplinäre Alterns- und Lebensverlaufsforschung kann Antworten darauf geben, wie ein längeres Leben für einzelne und die Gesellschaft als Ganzes besser gestaltet werden kann. Der Zukunftsreport zeigt auf, wie Forschungspotenzial erschlossen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden kann:

  • Disziplinäre Alternsforschung stärken: Disziplinen, die bisher in der Alterns- und Lebensverlaufsforschung unterrepräsentiert sind, sollten gezielt gefördert werden. Dazu gehören die Sozial-, Verhaltens- und Geisteswissenschaften, aber auch bestimmte Bereiche der Lebenswissenschaften. Für alle Disziplinen gilt, dass mit der Forschungsförderung ein breiteres thematisches Spektrum als bisher abgedeckt werden sollte.
  • Förderprogramme auf Interdisziplinarität ausrichten: Um der Komplexität des Themas gerecht zu werden, sollten gesonderte Förderformate Anreize für interdisziplinäre Kooperationen schaffen. Ein besonderes Augenmerk sollte dabei auf Förderinstrumente mit längeren Zeithorizonten und einem Portfolio verschiedener Vorhaben gelegt werden.
  • Ausbildung und Training ausbauen: Nach der Promotion sollte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die in diesem Forschungsfeld arbeiten, ein Training in interdisziplinärer Forschung angeboten werden, das auf die Alterns- und Lebensverlaufsforschung zugeschnitten ist.
  • Modelle und Qualitätskriterien erarbeiten: Um die Datenerhebung zu vereinheitlichen und die Begutachtung interdisziplinärer Projekte zu erleichtern, sollten Qualitätskriterien entwickelt werden. Dafür werden neue Modelle benötigt, welche die komplexen Phänomene im Themenfeld der Alternsforschung beschreiben.
  • Datenerhebungen und -auswertungen ausweiten: Die langfristige Förderung von Kohortenstudien birgt Innovationspotenzial. So sollte beispielsweise die Erwachsenenkohorte des Nationalen Bildungspanels bis ins hohe Alter fortgesetzt werden. Für kohortenvergleichende Längsschnittstudien empfiehlt sich die Einrichtung eines nationalen Verbunds. Dieser würde neben der gemeinsamen Datenauswertung auch die Kompetenzentwicklung von Forscherinnen und Forschern fördern.
  • Nutzen anwendungsorientierter Forschung nachweisen und zugänglich machen: Um Politik evidenzbasiert zu gestalten, sollten gewonnene Erkenntnisse der Forschung systematisch aufbereitet, bewertet und öffentlich zugänglich gemacht werden.

Der Zukunftsreport Wissenschaft wird von den Autorinnen und Autoren heute in einer Online-Präsentation vorgestellt. Im Rahmen der Veranstaltung werden ebenfalls Herausforderungen thematisiert, die sich aus der Coronavirus-Pandemie für die Alterns‐ und Lebensverlaufsforschung ergeben.

Angeblich: Deutsche wollen angeblich ab 2025 auf Fernsehen verzichten

(pte) – Im Jahr 2025 werden nur noch 52 Prozent der deutschen Verbraucher klassisches Fernsehen nutzen. Schon jetzt schauen nur noch 79 Prozent herkömmliches TV, im Jahr 2018 waren es noch 83 Prozent. Dagegen ist der Anteil der Bundesbürger, die Streaming-Dienste wie Netflix verwenden, in den vergangenen zwei Jahren von 34 Prozent auf 56 Prozent gestiegen, zeigt eine Umfrage der dänischen Marktforschungsfirma AudienceProject.

„Fernsehen steht unter Druck“
„Klassisches Fernsehen steht zweifellos unter Druck, allerdings hat sich sein Niedergang in diesem Jahr etwas verlangsamt. Jedoch sind Werbungen für viele Zuschauer zu häufig und nicht relevant genug, außerdem haben sie vor, in Zukunft mehr zu streamen. Das klassische Format wird es deswegen im kommenden Jahr schwer haben“, heißt es von AudienceProject.

Die Umfrage hat nicht nur in Deutschland stattgefunden, sondern auch in den USA, Großbritannien, Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland. Außer in Finnland ist klassisches Fernsehen in allen untersuchten Staaten auf dem absteigenden Ast. In Deutschland schauen die meisten Menschen (72 Prozent) hauptsächlich TV, um Nachrichten zu sehen.

Amazon schließt zu Netflix auf
Ein großes Problem von altmodischem Fernsehen sind repetitive Werbungen. Drei Viertel der deutschen Befragten haben die gleichen Anzeigen schon zu oft gesehen. Ein Viertel sieht die Clips auch als für sie wenig relevant. Jetzt schon benutzen 64 Prozent neben dem Fernseher einen anderen Bildschirm. 37 Prozent streamen 2020 mehr als zuvor.

Insgesamt 15 Prozent der Deutschen sind reine Streaming-Seher. Jedoch benutzen mehr als die Hälfte dafür noch ihren Fernseher. Der beliebteste Streaming-Dienst ist Netflix (70 Prozent). Jedoch schließt der Konkurrent Amazon Prime Video allmählich an, 65 Prozent der Deutschen haben dort ein Abonnement.

Mehr extreme Wetterlagen im Mittelmeerraum

(pte) – Die durch den Klimawandel hervorgerufenen extremen Wetterphänomene im Mittelmeerraum werden in ihrer Intensität und Häufigkeit zunehmen. Zu diesem Schluss kommen Mitarbeiter des zum Nationalen Forschungsrats CNR gehörenden Istituto sull‘ Inquinamento Atmosferico.

Mehr gewaltige Tornados
Das Mittelmeer ist unter Wissenschaftlern wegen der dort lange verweilenden afrikanischen Antizyklone und der starken Sonneneinstrahlung als Klima-Hotspot bekannt. Zahlreiche mit Satellitentechnik gestützte Studien belegen, dass sich die Durchschnittstemperatur in den letzten 50 Jahren um zwei Grad Celsius erhöht hat. Die gestiegene Wassertemperatur hat nicht nur deutliche Auswirkungen auf den Meersspiegel und die Biodiversität, sondern auch auf das meteorologische Geschehen in der unteren Atmosphäre.

„Die Atmosphäre reagiert auf die vom Meer ausgehenden Wärmeströme, indem sie den Energieüberschuss in Form starker Winde und heftiger Regengüsse auf die Erdoberfläche entlädt“, erklärt Projektleiter Antonello Pasini. Glücklicherweise seien diese „Mediteranean Hurricanes“ weniger zerstörerisch als die Orkane atlantischen Ursprungs. Allerdings kann es auch in Italien zur Entstehung gewaltiger Tornados kommen, wie das über der süditalienischen Hafenstadt Tarent im November 2012 aufgetretene Unwetter zeigt. Pasini: „Bei nur einem Grad weniger Wassertemperatur im Ionischen Meer wäre das mit Sicherheit nicht passiert.“

Bereits geplagtes Territorium
Leider besteht laut dem Forscher eine beträchtliche Kluft zwischen den Erkenntnissen der Klimatologen und dem Verhalten der Politiker, deren Maßnahmen zum Schutz von Bevölkerung und Ökosystemen sich oft nicht als ausreichend erweisen. Dies gelte insbesondere für Italien, das über ein sehr fragiles und bereits stark erosionsgeschädigtes Territorium verfüge, weshalb sowohl die Menschen in den ländlichen Gebieten als auch die städtische Bevölkerung erhöhten Gefahren ausgesetzt seien.

Die von Greenpeace geförderte wissenschaftliche Untersuchung mit dem Titel „I Cambiamenti climatici e il mare: Gravi conseguenze anche per l’uomo“ gehört zu dem im November 2019 auf der Insel Elba gestarteten Projekt „Mare Caldo“, zu dem inzwischen weitere Monitoring-Stationen in Sizilien, Ligurien und Sardinien zählen.

13.12.20 Asche auf das Haupt der sogenannten „Querdenker“: Zur 2. Corona Welle

Die Initiatoren der „Querdenker“ Bewegung sollten sich schämen aufgrund der aktuellen Faktenlage. Dass die zweite Corona Welle so unkontrollierbar ausgefallen ist, liegt auch daran, dass sie den Bürgern vorgaukelt, Corona würde in der Gefährlichkeit von der Regierung überschätzt. Das führen sie ja auch demonstrativ vor, indem sie die Abstandsregeln und den Mund-Nase-Schutz bei ihren öffentlichen Auftritten bewusst ablehnen. So nebenbei machen sie damit, vermischt mit rechter Ideologie, unseren demokratischen freien Staat lächerlich.
Außerdem erfanden Sie den Begriff der Lügenpresse, um zusätzlich auch Fakten orientierte Instanzen zu verunglimpfen und ihre Verschwörungstheorien noch breiter in die Öffentlichkeit tragen zu können.
Ich möchte Ihnen nicht wünschen, dass sie durch diese Verhaltensweisen Corona auch in ihren eigenen Familien verbreitet haben, aber nicht nur dort, sondern auch unter Freunden und Bekannten. Damit haben sie auch dazu beigetragen, dass trotz aller Vorsichtsregeln, Corona in der zweiten Welle exponentiell gewachsen ist.
Dass auch die Behörden nicht immer das Richtige in ihren Maßnahmen getroffen haben, entlastet diese sogenannten „Querdenker“ nicht von ihrer Verantwortung fürs Ganze.
Wenn man konsequent ihre „queren Ideen“ nachvollziehen würde, dann müssten wir uns wieder zurück in die Schrecken des Mittelalters versetzten. Ohne verordnete Schutzmaßnahmen würden nach ernsthaften wissenschaftlichen Untersuchungen etwa 500.000 deutsche Bürger – vorwiegend ältere und gesundheitlich Geschädigte – daran sterben. Das wäre eine Art Euthanasie.

Sie beharren übrigens auf ihrem Recht auf Demonstrations- und Meinungsfreiheit und haben dabei meist vor Gericht  Recht bekommen. Dies wurde Gott sei Dank jetzt vom Bundesverfassungsgericht richtig gestellt. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit wiegt schwerer als die Demonstrationsfreiheit. In Abwägung beider, im Grundgesetz verankerter Gesetze, wurde endlich nach dem Prinzip des kleineren Übels gewertet.
Wenn sie noch weitere Hintergrundinformationen wünschen, dann bitte ich sie auf den folgenden Link zu klicken, in dem ich auf einen Artikel inklusive podcast des bekannten Philosophen Julian Nida-Rümelin mit einer sehr persönlichen Antwort eingegangen bin.

Nationalismus schadet der Gesundheit – Eine wissenschaftliche Untersuchung

(pte) – Nationalistische Regierungen kopieren Anti-Corona-Maßnahmen ähnlicher Regierungen, wie eine Analyse der University of Texas at Arlington zeigt. Politische Führer würden oft behaupten, dass ihre Reaktionen auf Expertisen von Forschern und Experten für öffentliche Gesundheit basierten. Ergebnisse der Politikdiffusionsforschung zeigten aber, dass Länder die Corona-Strategien ihrer Nachbarn und politisch Ebenbürtigen übernehmen, anstatt auf innenpolitische Voraussetzungen zu reagieren.

Forschung zweitrangig
Beim Nationalismus handelt es sich um eine Weltanschauung, die die nationale Identität über die Zugehörigkeit zu anderen Gruppen stellt. Ziel dabei ist die Abgrenzung und Erhaltung dieser Identität mittels „durch das Land, für das Land“. In den extremsten Ausprägungen dieser Haltung wird der Status quo abgelehnt und versucht, den Willen einer imaginierten Volksgemeinschaft über einen politischen oder kulturellen Raum zu stellen.

Trotz großer geografischer Entfernungen und extrem unterschiedlicher politischer Systeme, Entwicklungsstände und Governance-Kapazitäten kopieren viele Länder mit nationalistischen Tendenzen während der Pandemie gegenseitig die jeweiligen Änderungen der Richtlinien. Laut Forschungsleiter Evan Mistur lassen sich die Führungspersönlichkeiten in diesen nationalistischen Ländern bei ihren Entscheidungen während der Pandemie nicht unbedingt von wissenschaftlichen Daten beeinflussen.

Internationaler Trend
„Wir haben Länder wie Frankreich und Italien untersucht, die beide vollständige Lockdowns hatten. Wir haben aber auch die USA und Brasilien analysiert, die für den nationalistischen Trend standen. Nationalistische Regierungen scheinen gegenüber einer Pandemie bestimmte Ansätze vorzuziehen“, so Mistur. Laut Mitautor John Wagner Givens zeigen sich nicht nur neue Mechanismen in der Politikdiffusion, sondern auch eine wachsende internationale Zusammenarbeit nationalistischer Regierungen. Details wurden in „Journal of Chinese Political Science“ veröffentlicht.

Coronavirus: Feiertage bieten Chance zur Eindämmung

Ich finde, das ist kein Widerspruch, das könnte wirklich klappen, aber Deutschland muss auf lieb gewordene Gewohnheiten im Sinne des kleineren Übels verzichten. Hoffentlich wird dieser Rat von der Politik übernommen

Jean Pütz

(Leopoldina) – Die gegenwärtige Situation ist nach wie vor ernst und droht sich weiter zu verschärfen. Trotz des seit Anfang November in Deutschland geltenden Teil-Lockdowns sind die Infektionszahlen auf einem sehr hohen Niveau. Jeden Tag sterben mehrere Hundert Menschen. Die Krankenhäuser und insbesondere das medizinische Personal sind bereits jetzt an ihren Grenzen und die Gesundheitsämter überlastet. Um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückzuerlangen, empfiehlt die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina in der heute veröffentlichten Ad-hoc-Stellungnahme „Coronavirus-Pandemie: Die Feiertage und den Jahreswechsel für einen harten Lockdown nutzen“ ein zweistufiges Vorgehen. Die Rahmenbedingungen ‒ Weihnachtsferien in Bildungseinrichtungen und eingeschränkter Betrieb in vielen Unternehmen und Behörden – bieten die Chance, in der Eindämmung der Pandemie ein großes Stück voranzukommen.

Erfahrungen in anderen Ländern (z.B. Irland) im Umgang mit der Pandemie zeigen, dass schnell eingesetzte, strenge Maßnahmen über einen kurzen Zeitraum erheblich dazu beitragen, die Infektionszahlen deutlich zu senken und niedrig zu halten, um die Kontrolle über das Infektionsgeschehen zurückzuerlangen. Die Expertinnen und Experten machen darauf aufmerksam, dass auch aus wirtschaftlicher Perspektive verschärfte Maßnahmen sinnvoll sind: Zwar erhöhen sich durch einen harten Lockdown kurzfristig die Wertschöpfungsverluste, aber zugleich verkürzt sich der Zeitraum, bis die Neuinfektionen so weit gesunken sind, dass Lockerungen möglich sind.

Bereits ab dem 14. Dezember 2020 müssten Kontakte im beruflichen wie im privaten Bereich auf das absolute Mindestmaß reduziert werden. Das Homeoffice müsse, wo immer möglich, die Regel sein. Die Schulpflicht sollte bis zum Beginn der Weihnachtsferien in allen Bundesländern aufgehoben werden. Gruppenaktivitäten in Sport und Kultur müssten eingestellt werden und, wo immer möglich, sollten digitale Möglichkeiten anstelle von Präsenzangeboten genutzt werden.

Ab dem 24. Dezember 2020 bis mindestens zum 10. Januar 2021 sollte in ganz Deutschland das öffentliche Leben weitgehend ruhen und ein harter Lockdown gelten. Hierfür sollten zusätzlich zu den ab dem 14. Dezember vorgeschlagenen Maßnahmen alle Geschäfte bis auf die des täglichen Bedarfs geschlossen und die Weihnachtsferien in den Bildungseinrichtungen verlängert werden. In dem Papier geben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch Empfehlungen für das Verhalten während der Feiertage. Unter anderem sollten Urlaubsreisen während dieses Zeitraums unterbleiben und Zusammenkünfte nur im engsten stabilen Personenkreis stattfinden.

Für den Wiederbeginn des Unterrichts ab dem 10. Januar 2021 sollte in allen Bundesländern das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im Unterricht für alle Jahrgangsstufen verpflichtend sein. Zudem sollten ländereinheitliche Regeln für den Wechselunterricht ab der Sekundarstufe erarbeitet werden, die ab einer bestimmten Inzidenz greifen.

Erforderlich ist zudem eine langfristige politische Einigung auf ein klares, mehrstufiges und bundesweit einheitliches System von Regeln, die ab einer bestimmten Anzahl von Fällen pro 100.000 Einwohner greifen. Durch ein einheitliches und nachvollziehbares Vorgehen werden die Maßnahmen für Bürgerinnen und Bürger und Unternehmen transparent, verständlich und planbar.