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An alle Impfgegener – Pocken Dank Impfung ausgerottet

Obwohl die modernen Impfungen, bei denen nur noch Teile eines Virus ausreichen, um den Körper zu immunisieren, gibt es leider immer noch viele Gegner, die das überhaupt nicht berücksichtigen. Sie meinen, Impfen sei immer noch so gefährlich wie zu Zeiten der Pockenimpfung.
Dass aber selbst damals schon die Impfung ein großer Segen war, sieht man an den beigefügten Fotos. Seinerzeit bestand sogar Impfpflicht, obwohl das Risiko hoch war, denn es wurden aktive Viren verabreicht. Es hat immerhin dazu geführt, dass diese schrecklichen Pocken mindestens die Hälfte der Bevölkerung weltweit dahinrafften. Heute bin ich ein Gegner der Impfpflicht, allerdings hoffe ich, dass die derzeitigen Impfgegner durch die vielen positiven Argumente überzeugt werden. Der Vernunft eine Chance
Jean Pütz

(MIMIkama) – Dieses Foto, das 1901 von Dr. Allan Warner im Leicester Hospital in Leicester, Großbritannien, aufgenommen wurde, zeigt links ein ungeimpftes Kind, das an Pocken erkrankt ist, und rechts ein anderes, das den Impfstoff gegen dieselbe Krankheit erhalten hat. Wissen Sie, warum man heutzutage keine so schrecklichen Bilder wie dieses mehr sieht? Denn die Pocken gelten dank einer der größten Erfindungen der modernen Wissenschaft namens VACCIN als ausgerottet.

 

Sprache der Pandemie

(Sigismund Kobe) – Der Einfluss von Sprache auf das Verhalten der Menschen darf nicht unter-schätzt werden. Der Literaturwissenschaftler Victor Klemperer (1881–1960) hat in seinem Buch „LTI“ über die Sprache des Dritten Reiches analysiert, wie diese durch die Machthaber bewusst als Mittel zur ideologischen Beeinflussung der Gesellschaft eingesetzt wurde.

Gewarnt werden muss aber auch vor den Folgen, die von einem fahrlässigen Umgang mit Worten ausgehen. Bei der Beschreibung der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit werden Fehler gemacht, indem allzu sorglos Begriffe aus der wissenschaftlichen Kommunikation übernommen werden. Diese haben aber in der Umgangssprache oft eine ganz andere Bedeutung. Man spricht von einem exponentiellen Wachstum, das unbedingt vermieden werden müsse. Was „exponentiell“ im strengen mathematischen Sinn bedeutet, ist nicht allen bekannt. Also wird „Wachstum“ gedanklich mit einem länger andauernden Prozess verknüpft. Es braucht nun mal eine gewisse Zeit, bis jemand erwachsen wird. Tatsächlich ist aber exponentielles Wachstum eine mathematische Beschreibung für eine Explosion. Und eine solche lässt sich in ihrem zeitlichen Verlauf nicht mehr steuern, nachdem sie erst einmal ausgebrochen ist.

Die Bezeichnung Infektionsketten ist ebenfalls missverständlich. Eine Kette kann unterbrochen werden, indem man ein Glied herauslöst. Die Ausbreitung der Pandemie erfolgt dagegen nicht entlang von linearen Ketten, sondern auf Netzwerken, die durch vielfältige Kontakte gebildet werden. Das Ziel von Maßnahmen eines Lockdowns ist es, ein großes Kommunikationsnetz in lauter kleine Maschen, z.­ B. solche von Hausständen, aufzuteilen und möglichst wenige Verbindungen zwischen diesen Maschen zuzulassen. Die verbleibenden Verbindungen zwischen den Maschen müssen stark eingeschränkt und kontrolliert werden. So wird auch klar, warum ein „Lockdown light“ nicht geeignet ist, eine erneute Explosion zu verhindern.

Mit dem Begriff Welle verbinden viele von uns angenehme Erinnerungen an Urlaub und Strand, die wenigsten denken an einen Tsunami. Das durch die Politik kürzlich formulierte Ziel, die Welle der Pandemie zu brechen, ist daher eher ein Ausdruck der Hilflosigkeit im Umgang mit der Pandemie.

Gefährlich ist auch die Vereinfachung, wenn von Zahlen der „Sieben-Tage-Inzidenz“ berichtet wird. Hierbei handelt es sich immer um Mittelwerte. Gerade die statistischen Abweichungen nach oben haben zum Überschreiten von Kipppunkten geführt mit der Folge, dass die Nachverfolgung der Infizierten durch die Gesundheitsämter urplötzlich nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Und was soll man eigentlich von den offiziellen Verlautbarungen halten, die täglich gebetsmühlenartig verkünden, dass so und so viele Patienten als genesen gelten? In der deutschen Sprache wird der Begriff „gelten“ dann verwendet, wenn man selbst von einer Aussage nicht vollständig überzeugt ist und deren Richtigkeit im Grunde genommen bezweifelt wird.

Auch der Begriff der Querdenker ist positiv besetzt. Bedeutende Wissenschaftler wie Galilei, Newton und Einstein waren Querdenker, denen es mit einem Blick über den Tellerrand gelang, aus gewohnten Denkschemata ihrer Wissenschaften auszubrechen.

Will man Erkenntnisgewinn, muss querdenken erlaubt sein, selbst in der Beurteilung der gegenwärtigen schwierigen Situation der weltweiten Ausbreitung einer Pandemie. Wenn sich allerdings die Organisatoren einer Bewegung mit einem gehörigen Maß von Selbstüberschätzung „Querdenker“ nennen und gleichzeitig bewusst Teile der Realität wie die Folgen der Pandemie im Stadtteil Bronx von New York, den Favelas von Rio de Janeiro und in die Intensivstationen mit Covid-19-Patienten hierzulande ausblenden, sollte man sie Ignoranten nennen.

Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Sigismund Kobe ist emeritierter Professor am Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Dresden.

Noch nie war Körperbewegung so wichtig wie heute

(KIT) – Körperliche Aktivität macht glücklich und ist wichtig, um auch psychisch gesund zu bleiben. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim untersuchten, welche Hirnregionen dabei eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse zeigen, dass schon Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen einen deutlichen Nutzen für das Wohlbefinden haben, insbesondere auch bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind. Die aktuelle Studie ist in der Zeitschrift Science Advances erschienen (DOI: 10.1126/sciadv.aaz8934).

Bewegung verbessert das körperliche Wohlbefinden und die geistige Gesundheit erheblich. Wie sich schon alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen, Spazierengehen oder Zur-Straßenbahn-Laufen auf die eigene Befindlichkeit auswirken, war bisher wenig untersucht worden. Unklar ist bis jetzt insbesondere, welche Gehirnstrukturen daran beteiligt sind. Ein Forschungsteam am Zentralinstitut für Bewegung verbessert das körperliche Wohlbefinden und die geistige Gesundheit erheblich. Wie sich schon alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen, Spazierengehen oder Zur-Straßenbahn-Laufen auf die eigene Befindlichkeit auswirken, war bisher wenig untersucht worden. Unklar ist bis jetzt insbesondere, welche Gehirnstrukturen daran beteiligt sind. Ein Forschungsteam am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des KIT und am Geoinformatischen Institut der Universität Heidelberg fokussierte in seiner Studie Alltagsaktivitäten, die den größten Anteil unserer täglichen Bewegung ausmachen. „Schon das alltägliche Treppensteigen kann helfen, sich wach und energiegeladen zu fühlen und damit das Wohlbefinden zu steigern“, erläutern die beiden Erstautoren der Studie, Dr. Markus Reichert, der am ZI in Mannheim und am KIT forscht, und Dr. Urs Braun, Leiter der Arbeitsgruppe Komplexe Systeme in der Psychiatrie am ZI.

Besondere Relevanz haben die Forschungsergebnisse gerade in der derzeitigen Situation mit Corona-Beschränkungen und dem bevorstehenden Winter. „Aktuell leiden wir unter starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und unserer sozialen Kontakte, was sich auf unser Wohlbefinden niederschlagen kann“, so Professorin Heike Tost, Leiterin der Arbeitsgruppe Systemische Neurowissenschaften in der Psychiatrie am ZI und eine der zentralen Autorinnen der Studie, „da kann es helfen, öfter mal Treppen zu steigen, um sich besser zu fühlen.“

Alltagsaktivitäten steigern „Wachheit“ und „Energiegeladenheit“
„Die Untersuchungen wurden durch eine neuartige Kombination verschiedener Forschungsmethoden im Alltag und im Labor möglich“, so Professor Ulrich Ebner-Priemer, Leiter der Arbeitsgruppe mHealth Methoden in der Psychiatrie am ZI Mannheim sowie stellvertretender Leiter des IfSS und Leiter des Mental mHealth Lab am KIT. Eingesetzt wurden Alltagserhebungsverfahren (sogenannte Ambulante Assessments) mit Bewegungssensoren und Smartphone-Abfragen zum Wohlbefinden, die anhand von Geolokalisationsdaten ausgelöst wurden, sobald sich die Studienteilnehmer bewegten.

Mit diesen Alltagserhebungsverfahren wurde bei 67 Personen der Einfluss der Alltagsaktivität auf die Wachheit und Energiegeladenheit über sieben Tage hinweg erfasst. Dabei zeigte sich, dass sie sich direkt nach alltäglicher Aktivität wacher und energiegeladener fühlten. Wachheit und Energiegeladenheit wiederum waren nachweislich wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Gehirnareale für Alltagsbewegung und Wohlbefinden identifiziert
Kombiniert wurden diese Analysen bei einer weiteren Gruppe von 83 Personen mit Magnetresonanztomografie am ZI. Dabei wurde das Volumen der grauen Hirnsubstanz vermessen, um herauszufinden, welche Areale im Gehirn für diese Alltagsprozesse eine Rolle spielen. Wichtig für das Zusammenspiel von Alltagsbewegung und affektivem Wohlbefinden ist ein Bereich der Großhirnrinde, der subgenuale Anteil des Anterior Cingulären Cortex. Diese Hirnregion spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Emotionen und der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychiatrischen Erkrankungen. Von den Autorinnen und Autoren der Studie wurde diese Hirnregion nun als ein entscheidendes neuronales Korrelat identifiziert, das den Zusammenhang von körperlicher Aktivität und subjektiver Energiegeladenheit vermittelt. „Personen, die ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Region aufwiesen und ein erhöhtes Risiko haben, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, fühlten sich einerseits weniger energiegeladen, wenn sie körperlich inaktiv waren“, beschreibt Heike Tost die Ergebnisse, „aber andererseits nach alltäglicher Bewegung deutlich energiegeladener als Personen mit größerem Hirnvolumen.“

Spezifischer Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag
Professor Andreas Meyer-Lindenberg, Vorstandsvorsitzender des ZI und Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, schlussfolgert, dass „die Ergebnisse damit auf einen spezifischen Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag für das Wohlbefinden hinweisen, insbesondere bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind.“ Zukünftig könnten die in der Studie gewonnen Ergebnisse im Alltag dazu führen, dass eine auf dem Smartphone installierte App bei sinkender Energie die Nutzer zu Bewegung stimulieren soll, um das Wohlbefinden zu steigern. „Langfristig ist in Studien zu klären, ob sich durch Alltagsbewegung kausal das Wohlbefinden und das Hirnvolumen verändern lassen und inwieweit diese Ergebnisse helfen könnten, psychiatrische Erkrankungen zu vermeiden und zu therapieren,“ so Urs Braun.

Brandbrief an „abgeordnetenwatch.de“ wegen eines eigenartigen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts

Liebe Frau Boldebuck, lieber Herr Ebener, liebe Mitarbeiter der abgeordnetenwatch.de,

Ihren Missmut kann ich sehr gut verstehen, aber das reiht sich ein in eine Reihe von Fehlurteilen, die höchstrichterlich erlassen worden sind, z. B. die Zulassung von Demonstrationen der sogenannten ‚Querdenker‘-Initiative, wo zu erwarten war, dass sich rechtsradikale Partien anhängen würden, die alle diejenigen, die für Verschwörungstheorien empfänglich sind, einfangen möchte. Es ist nicht nur ein Angriff auf unsere demokratische Verfassung, indem sie den Staat lächerlich macht, sondern auch auf das Anrecht körperlicher Unversehrtheit der Bürger. Den Demonstranten gehen ja die bereits gesetzlich verankerten Auflagen für Corona-Schutz ab. Sie gefährden damit die Gesundheit anderer Bürger. Wer weiß wieviel Anteil diese Demonstrationen an der exponenziellen Ausbreitung verantwortlich sind.

Ich muss noch etwas Grundsätzliches erwähnen: Ich habe einen Sohn und eine Tochter, die meine Frau mit in die Ehe gebracht hat. Beide studieren Jura. Ich bin entsetzt, wie schmalspurig dieses Studium absolviert werden kann. Letztlich ist es der Repetitor mit seiner Paukmethode, der am Erfolg des 1. Staatsexamens wesentlich mitwirkt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn in Köln konnte man nur studieren, wenn man ein juristisches Vorexamen absolviert hat. Das lag daran, dass die Soziologen in die Volkswirtschaftliche Fakultät integriert waren. Dabei haben meine hervorragenden Lehrer René König und Erwin K. Scheuch gelitten, mit dem Vorteil, dass sie mehr empirische Soziologie hervorgehoben haben. Möglicherweise hat mich das vor der Kleinspurigkeit der Juristen gerettet. Meines Erachtens müsste die Richterausbildung  gezielter auf eine umfassendere psychologische und soziologische Grundbildung gerichtet werden. Vielleicht kann ‚ageordnetenwatch.de‘ das mit ihrem großen Netzwerk einmal eruieren. Gerne bin ich zur Mitarbeit bereit.

Mit freundlichen Grüßen
Jean Pütz

(abgeordnetenwatch.de) – Das Urteil aus Leipzig hat uns alle hart getroffen.
Sie erinnern sich: Im Juni hat das Bundesverwaltungsgericht unsere Parteispendenklage in letzter Instanz vollkommen überraschend abgewiesen. Dabei hatten wir zuvor vor zwei Gerichten in allen Punkten recht bekommen.

Jetzt gibt es in dieser Angelegenheit besorgniserregende Neuigkeiten.

Mit Verweis auf das Urteil hat die Bundestagsverwaltung nun gleich mehrere Auskunftsgesuche von abgeordnetenwatch.de verweigert.

Durch unsere Anfragen über das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wollten wir Unterlagen öffentlich machen und unter anderem folgende Fälle ganz genau unter die Lupe nehmen:

  • Spenden vom Waffenhersteller Heckler & Koch an CDU und FDP
  • Die Vermarktung von Politikern durch die Firma NWMD in der „Rent-a-Sozi-Affäre“
  • Parteispenden an die CDU durch das aserbaidschanische Erdölunternehmen SOCAR
  • Den sogenannten „Goldverkauf“ der AfD zur Parteienfinanzierung

Doch wir – oder andere Journalist:innen – können bei der Bundestagsverwaltung zu diesen Fällen nun keine Herausgabe von Unterlagen mehr erwirken.

Damit zeigt sich jetzt, welch fatale Strahlkraft das Urteil aus Leipzig hat. Denn die Richterinnen und Richter haben sinngemäß geurteilt, dass bei Angelegenheiten der Parteienfinanzierung das Parteiengesetz gilt – ein Spezialgesetz, das Vorrang vor dem Informationsfreiheitsgesetz hat.

Laut dem Bundesverwaltungsgericht sorge das Parteiengesetz schon jetzt für ausreichend Transparenz.

Ein schlechter Scherz, wenn man sich klarmacht: Die Öffentlichkeit kann und wird nach dem Richterspruch nicht erfahren, ob und wie die Bundestagsverwaltung dubiosen Parteispenden und verdächtigen Vorgängen nachgeht.

Weil wir nicht bereit sind hinzunehmen, dass wichtige Dokumente zur Parteienfinanzierung zukünftig unter Verschluss bleiben, haben wir nach dem Urteil den Gang zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe angetreten.

Mit unserer Verfassungsbeschwerde wollen wir das fatale Urteil des Bundesverwaltungsgerichts anfechten. Denn wenn selbst Journalist:innen keine Einsicht in Prüfunterlagen mehr bekommen, wird öffentliche Kontrolle ausgehebelt.

Doch ohne öffentliche Kontrolle geht es nicht! Immer wieder kommt es bei der Parteienfinanzierung zu groben Ungereimtheiten – deren Prüfung darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden!

Bitte geben Sie uns heute den Rückhalt, den wir bei unserer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe brauchen – werden Sie abgeordnetenwatch.de-Förder:in (schon mit nur 5 Euro im Monat und steuerlich absetzbar).

Mit einer Förderung sorgen Sie dafür, dass uns in Karlsruhe nicht die Puste ausgeht. Außerdem investieren Sie in neue investigative Recherchen von abgeordnetenwatch.de, mit denen wir Missstände aufdecken. Denn auch wenn uns die Bundestagsverwaltung nun Steine in den Weg legen will: Wir lassen uns nicht abschrecken und werden mit Ihrer Hilfe weitermachen!

Untergang der Marktwirtschaft? – Corona treibt staatliche Interventionen in ungeahnte Höhen

(Morning Briefing) – Das bösartige Virus greift nicht nur die Atemwege der Menschen an, sondern auch den Denkapparat vieler Politiker. Offenbar hält man den Bürger und auch das Unternehmertum für unfähig, in Eigenverantwortung das Schicksal gestalten zu können. Der Arbeiter soll den Verlust seines Arbeitsplatzes nicht spüren, so wie der Insolvente die Insolvenz nicht. Überall dort, wo der Wind des Wettbewerbs weht, will man schützen und retten und falls das nicht funktioniert, dann will man die Betroffenen zumindest narkotisieren.

Die Erkenntnis, dass der Staat nie mehr leisten kann als die Summe seiner Bürger, scheint in Vergessenheit geraten. Die schlichte Wahrheit, dass am Ende jeder die Hand in der Tasche seines Nachbarn hält, wird auch von bürgerlichen Politikern derzeit ignoriert.

Der moderne Populist ist ein Interventionist, weshalb er den Bürger mit reduzierter Mehrwertsteuer erst zum Einkauf stimuliert, um den Kaufwütigen im Zuge seiner Lockdown-Politik schließlich in die Arme amerikanischer Online-Kaufhäuser zu treiben. Kaum dass dem Retter dieser Irrsinn auffällt, will er eine Online-Steuer kassieren, die er nach Abzug der Bürokratiekosten an den stillgelegten Einzelhändler weiterzuleiten verspricht. Am Ende dieses geldpolitischen Kreisverkehrs, soviel darf schon verraten werden, steht eine Steuererhöhung oder die bewusste Inflationierung unserer Währung – oder beides.

Ludwig Erhard war womöglich der letzte konservative Politiker, der die Fragwürdigkeit einer derartigen Politik durchdrungen hatte. In „Wohlstand für alle” heißt es:

Ich bin in der letzten Zeit allenthalben erschrocken, wie übermächtig der Ruf nach kollektiver Sicherheit erschallte. Wo aber sollen wir hinkommen, und wie wollen wir den Fortschritt aufrechterhalten, wenn wir uns immer immer mehr in eine Form des Zusammenlebens von Menschen begeben, in der niemand mehr die Verantwortung für sich selbst zu übernehmen bereit ist und schließlich jeder die Hand in der Tasche des anderen hat. “

Ludwig Erhard hatte als Wirtschaftsminister und später als Kanzler keine Pandemie zu bekämpfen, wohl aber die ökonomischen und sozialen Folgen eines Weltkrieges. Hitler hatte stärker gewütet als COVID19. Erhards Frage von damals ist daher heute nicht minder aktuell:

Haben sich die Verfechter solcher Thesen denn wirklich einmal überlegt, woher der Staat die Kraft und die Mittel nehmen könnte, solchen im Einzelnen vielleicht sogar berechtigten Forderungen zu entsprechen? “

Der Retterstaat ignoriert sehr bewusst den Impuls des Marktes, zum Beispiel den Impuls der Beschäftigten von Tui und ThyssenKrupp, sich nach einem zukunftsfesteren Arbeitsplatz umzuschauen. Oder die Botschaft an den stationären Einzelhandel, sich selbst zu digitalisieren. Oder den Hinweis an die vielen Insolventen, ihr Geschäftsmodell zu überdenken. So wie überhaupt der Generalimpuls an die Gesellschaft unterdrückt wird, die abgegrasten Wiesen der Industriegesellschaft 1.0 zu verlassen und sich – vermittelt durch Weiterbildung und Tarifverträge, die diese fördern – auf die höheren Weiden der Industrie 4.0 zu begeben.

Doch diese Lehren, die man aus der Pandemie eben auch ziehen kann, will in Berlin keiner ziehen. Die Marktwirtschaft wird nicht erneuert, sie wird verformt.

1. Die Strafsteuer für den Onlinehandel ist derart innovationsfeindlich, dass selbst die Lobbyorganisation der Einzelhändler dagegen ist. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, ist zu schlau, als dass er auf diesen Trick der Klientelpolitik noch reinfällt:

Das wäre ein Bärendienst gegenüber dem Drittel der stationären Händler, die sich ein Online-Standbein aufgebaut haben. “

2. Selbst Firmen, die nach allen Regeln der Marktwirtschaft schachmatt gesetzt wurden, müssen keine Insolvenz mehr fürchten. Die große Koalition hat damit die Zombiefizierung der Volkswirtschaft beschlossen. DIHK-Präsident Eric Schweitzer weiß, was das mittelfristig bedeutet:

Die Antragspflicht hat eine ganz wichtige Funktion als Signal für Überschuldung oder gar Zahlungsunfähigkeit, die wir nicht aufgeben dürfen. Ansonsten droht immer häufiger Vorkasse, Lieferketten könnten reißen und das wechselseitige Vertrauen schwindet. “

3. Was als Übergangsfinanzierung für in Not geratene Betriebe gedacht war, die Kurzarbeit, ist laut Schätzungen des ifo-Instituts zu einer Langzeitfinanzierung für mittlerweile rund zwei Millionen Arbeitnehmer geworden. Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit rund 19 Milliarden Euro Kosten allein für das Jahr 2020. Die Folge: In den Reisebüros und am Hochofen drehen die Menschen Däumchen, in der EDV fehlen Systemadministratoren und Programmierer. Es kommt zu millionenfacher Fehlallokation menschlicher Arbeitskraft.

Fazit: China und die USA werden nach den Prognosen des ifo-Präsidenten Clemens Fuest digitaler, vitaler und wohlhabender aus dieser Krise hervorgehen. In Europa dagegen setzt sich der relative Abstieg fort. Oder anders ausgedrückt: Die Rettungspolitik rettet nicht. Sie verschärft die deutsche Krankheit.

Requiem auf das Corona-Jahr 2020 – Mit einem Vorwort von Jean Pütz

Dieses Requiem eines extrem erfolgreichen Wissenschaftlers und Managers, der auf der ganzen Welt zuhause ist, möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Für mich ist es ein Zeitdokument, welches zwar aus einer sehr persönlichen Sicht entstanden ist, aber den Umbruch in der Wissenschaft exemplarisch dokumentiert. Es ist ein Beispiel dafür, dass dieses durch Corona verseuchte Jahr, mit den vielen Einschränkungen, bewältigbar ist. Auch wenn persönlich gefärbt, gibt es doch Mut für die Überlebenden.
Jean Pütz

Wie soll man dieses seltsame, nun ablaufende Jahr 2020 benennen? „Das Jahr ohne Begegnungen“? „Das Jahr ohne Reisen“? „Das Jahr des Home Office“? „Das Jahr der uns aufgezeigten Grenzen“? Alle diese ominösen Begriffe treffen zu.

Im Januar und Februar ging es bei mir noch einigermaßen normal zu. Wie gewohnt konnte ich einige Präsenzvorträge halten. In der ersten Januarhälfte feilten wir mit einer chinesischen Delegation in einem Zwei-Tages-Workshop am Konzept der Hermann Simon Business School in China, die am 23. Mai 2020 eingeweiht werden sollte. Diese Einweihung musste natürlich verschoben werden und lässt sich hoffentlich in 2021 nachholen. Am 28. Februar kurz vor dem Lockdown fand ein letztes öffentliches Event statt, die Feier anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft meines Heimatdorfes Hasborn/Eifel an Cäcilia und mich.

Dann kam der Lockdown. Bonn schien uns riskanter als Hasborn, so zogen wir uns mit Familie nach dort zurück. Zwar waren die Pro-Kopf-Zahlen der Covid 19-Fälle in Bonn und dem Landkreis Bernkastel-Wittlich ähnlich, aber pro Quadratkilometer Fläche war die Zahl in Bonn 37 Mal höher. Seit meiner Jugend habe ich nicht mehr so viel Zeit in der Eifel verbracht wie in diesem Jahr. Dafür war neben Covid 19 eine Knieoperation verantwortlich, der ein mehrwöchiger Reha-Aufenthalt in der Elfenmaarklinik Bad Bertrich – nur einen guten Steinwurf von Hasborn entfernt – folgte. Statt Globalia und große Welt hieß es also kleines Dorf und Eifel – ein echtes Kontrastprogramm.

Mit dem Beginn der Zwangspause im März ging mir Folgendes durch den Kopf: Endlich mal Ruhe, um nach zu denken, kreativ zu sein, neue Ideen zu entwickeln. Ich wollte die Arbeit an einem neuen Hidden Champions-Buch beginnen. Doch erwies sich die Frage „Was kann man angesichts Corona über Globalisierung schreiben?“ als ausgesprochen verstörend, ja hinderlich. So begann ich erst einige Monate später mit dem Schreiben und kümmerte mich beim Inhalt kaum um Corona, da ich zunehmend zu der Vermutung neige, dass Corona den mittel- und langfristigen Lauf der Welt und der Globalisierung nicht verändern wird. In diesen Tagen schließe ich das Manuskript zu „Hidden Champions – Aufstieg und Transformation“ ab. Die Zukunft wird zeigen, ob ich mit meiner Vermutung Recht behalte.

Die gewonnene Zeit nutzte ich darüber hinaus zu allerlei Schreibereien. Aus dem im Frühjahr erschienenen Buch „Am Gewinn ist noch keine Firma kaputt gegangen“ entwickelte ich eine internationale Version, die Springer Nature New York in 2021 unter dem Titel „True Profit! No Company ever Went Broke from Turning a Profit“ publizieren wird. Ähnlich verfuhr ich mit meiner Autobiografie, deren englischsprachige Version “Many Worlds, One Life – A Remarkable Journey from Farmhouse to Global Stage” im Januar erscheint. Die chinesische und die japanische Ausgabe folgen kurz darauf.

Meine Hoffnung auf eine besonders kreative Phase erwies sich allerdings als trügerisch. Wenn ich ansonsten von Reisen aus fernen Ländern zurückkehre, bringe ich einen Kopf voll neuer Eindrücke und Anregungen mit. Das fehlte einfach. Und so habe ich nicht den Eindruck, in den verflossenen Monaten besonders kreativ gewesen zu sein – eher im Gegenteil.

Interessant finde ich auch die Erfahrungen mit virtuellen Vorträgen und Interviews. Am Anfang war ich eher zögerlich, doch mittlerweile gehören die virtuellen Auftritte zur Alltagsroutine.

Dass man vom heimischen Schreibtisch aus zu Leuten in aller Welt sprechen und mit ihnen diskutieren kann, finde ich jedes Mal wieder erstaunlich. Die Reichweiten sind allerdings nach Veranstalter und Land extrem unterschiedlich. Manchmal erreicht man nur 100 Leute, während in Indien bei einem Live-Interview 20.000 zugeschaltet waren. Den Rekord hält mit 20 Millionen Zuschauern ein Vortrag, den ich im Rahmen einer großen Digitalkonferenz hielt und der auf diversen Kanälen vom chinesischen Staatsfernsehen CCTV sowie von Tencent verteilt wurde. Ich habe viel dazu gelernt, zum Beispiel, dass kaum jemand einen längeren Vortrag digital anschaut. Deshalb stelle ich in den sozialen Medien heute eher kurze Statements von weniger als zwei Minuten Dauer ein. Ich benutze auch stets einen Kopfhörer mit Mikrofon, da die Tonqualität einfach besser ist. Dennoch bin ich nach wie vor ein unprofessioneller Amateur.

Eine Begleiterscheinung von Covid 19 ist, dass sich Entfernungen massiv vergrößert haben. Seit einigen Monaten haben wir einen Enkel in Berlin. Zu normalen Zeiten wären wir häufig zu ihm oder er wäre mit seinen Eltern zu uns geflogen. Die Flugzeit von Köln/Bonn nach Berlin beträgt weniger als eine Stunde. Im Sinne von LeCorbusiers Spruch „Eine Stadt ist eine Stunde“ sind die beiden Orte eine Stadt. Doch nicht mehr mit Covid 19. Und die Bahn meidet man genauso wie das Flugzeug.

Bei Simon-Kucher hat sich die Geschäftslage, nachdem es im Frühjahr nicht so gut aussah, im Laufe des Jahres deutlich gebessert. In Oslo haben wir sogar ein weiteres Büro, insgesamt unser 40., eröffnet. Beim Umsatz werden wir etwa auf dem Niveau des Vorjahres landen und sind damit sehr zufrieden. Unsere Leute arbeiten bei Themen wie künstliche Intelligenz und Machine Learning mit dem Fraunhofer-Institut in Birlinghoven zusammen.

Mit den neuen Impfstoffen zeichnet sich Licht am Ende des Tunnels ab. Ich bin stolz, dass zwei der derzeit relevanten Impfstoffe in Deutschland entwickelt wurden. Wir haben eben auch in neuen Bereichen Hidden Champions wie BioNTech oder Curevac.

Ich hoffe, dass wir uns im Neuen Jahr wiedersehen und verbleibe mit den besten Wünschen für zuvorderst Gesundheit, für gesegnete Weihnachtstage sowie für viel Glück im Neuen Jahr.

Biobasierte Kunststoffe

(BZfE) – Verpackungen aus Kunststoff schützen und erhalten die Qualität von Lebensmitteln. Allerdings schadet Plastik auch der Umwelt und der Gesundheit, wenn er vom Menschen unsachgemäß verwendet wird. Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Projekts hat sich die Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AÖL) mit Handlungsoptionen zum Einsatz von nachhaltig biobasierten Kunststoffen als Verpackungsmittel für Lebensmittel beschäftigt. Die Ergebnisse sind das „Biokunststofftool“ für Lebensmittelhersteller und ein Sonderthemenheft, das Vorteile und Kritikpunkte in Bezug auf Biokunststoffe beleuchtet.

Kann denn Kunststoff Bio sein? Dafür gibt es keine allgemeingültige Antwort, erklärt die AÖL. Schon allein der Begriff kann für Verwirrung sorgen. Während „Bio“ im Lebensmittelbereich gemäß der EU-Öko-Verordnung für eine bestimmte Produktionsmethode steht, geht es bei Kunststoffen allein um den landwirtschaftlichen Ursprung. Allerdings können biobasierte Kunststoffe nach Ansicht der AÖL eine gute Verpackungslösung für Lebensmittel sein. Dafür müssten die Materialien in der Praxis weiterentwickelt und an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden.

Ein Beispiel sind Drop-In-Biokunststoffe wie Bio-PE (Polyethylen), Bio-PP (Polypropylen) oder Bio-PET (Polyethylenterephthalat). Sie sind nicht biologisch abbaubar. Da sie technisch identisch mit den Kunststoffen aus fossilen Rohstoffen sind, können sie aber in etablierten Systemen recycelt werden. Umweltvorteile sind geringere Kohlendioxidemissionen und ein geringerer Energieverbrauch bei der Herstellung. Als Rohstoffe werden in erster Linie Zuckerrohr und Zuckerrübe genutzt, aber auch Nebenprodukte der Landwirtschaft sind geeignet. „Wenn es gelingt, den Weg des Klimaschutzes und der Ressourcenschonung in Form von Kreislaufwirtschaft ernsthaft zu gehen, dann sehe ich gute Chancen für biobasierte Kunststoffe“, betont Projektleiter Brunhard Kehl. Allerdings bleibt noch die Frage, ob Bio auch für die Verbraucher mit Kunststoff zusammenpasst und die neuen Verpackungen akzeptiert werden.

Das „Biokunststofftool“ bietet Informationen und Entscheidungshilfe für Lebensmittelhersteller, die sich für den Einsatz von biobasierten Kunststoffverpackungen interessieren. Es gibt ein Bewertungssystem für die sechs wesentlichen Stoffgruppen biobasierter Kunststoffe, aber auch Praxisbeispiele, Argumentationshilfen und eine Checkliste für den Entscheidungsprozess.

Heike Kreutz

 

Verschwörungstheorien: Vor allem AfD-Wähler halten Corona für eine Erfindung

Diesen Artikel aus der ‚Welt ‚ möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, machen Sie sich Ihren eigenen Reim darauf
Ihr Jean Pütz

(WELT) – Trotz steigender Infektions- und Todeszahlen halten einige Deutsche Corona für eine Erfindung. Besonders weit verbreitet ist diese Auffassung unter AfD-Anhängern. Für die Pandemiebekämpfung ist das ein großes Problem.

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