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08.01.21 An meine Facebook-Freunde …

Liebe Facebook-Freunde,

gestatten Sie mir einmal ein paar sehr ernste Worte: Normalerweise schätze ich jeden meiner mittlerweile über 84.000 Abonnenten. Ich hoffe Sie verstehen meine grundsätzliche Intention hier bei Facebook. Ich möchte Sie möglichst parteiunabhängig und objektiv informieren, nach bestem Wissen und Gewissen, im Rahmen der Menschenrechte und unserer freien Demokratie.
Allerdings stelle ich manchmal in Ihren Antwort-Kommentaren fest, dass wenige Facebook-Freunde es ganz anders sehen und Ideen vertreten, die mir fremd sind. Ich habe den Eindruck, dass einige wenige die Absicht haben, unseren Staat infrage zu stellen, in dem ich und meine Zeitgenossen seit 70 Jahren friedvoll leben können. So etwas hat es in der deutschen Geschichte noch nie gegeben.
Abgesehen davon, dass das meist nur in Kritik ausartet, fehlt mir die Alternative bei denen: Möchten diese Fundamental-Kritiker  wieder den Staat faschistischer Prägung hervorkramen oder – doch sehr selten gefordert – den Unrechtstaat kommunistisch-stalinistischer Ideologie? Beides ist genauso schlimm. Wer die Demokratie infrage stellt, soll doch konkrete Verbesserungsvorschläge machen, die allerdings ohne Wenn und Aber  unserem Grundgesetz entsprechen müssen.

Trotzdem, ich bin nicht päpstlicher als der Papst, Meinungsfreiheit ist mir sehr wichtig, Jeder soll das äußern können, was er glaubt. Keine Angst, dann steige ich nicht auf die Barrikaden. Allerdings muss er dann auch zivilisiert die Gegenargumente akzeptieren, die nicht nur von mir kommen, sondern von sehr vielen meiner Abonnenten, die direkt darauf antworten. Insofern ist diese Facebook-Rubrik ‚Kommentare‘ zu einem lebendigen Diskussionsforum geworden mit mindestens 200 Teilnehmern bis zu 2.000 und mehr. Dass ich dann nicht mehr individuell antworten kann, versteht sich von selbst. Das ist aber auch nicht tragisch, denn dieses offene Diskussionsforum regelt sich selbst. Herzlichen Dank an alle Teilnehmer. Für mich ist das die Sprache des Volkes, die leider von vielen Politikern nicht mehr verstanden wird. Wenn diese klug sind, sollten sie hin und wieder darauf schauen, vielleicht verbessert das schon die Politik.

Manchmal habe ich den Eindruck, meine Intentionen werden hier bei Facebook missverstanden. Sehr oft kritisiere ich den Mainstream – vielleicht noch besser ausgedrückt – die populistischen Methoden von Politikern und Interessenverbänden. Hier poste ich stets unter dem Titel ‚Der Vernunft eine Chance‘. Vernunft bedeutet für mich, dass die Gesetze der Logik eingehalten werden und Nachwirkungen, Nebenwirkungen und Risiken von Entscheidungen und erlassenen Gesetzen genauso berücksichtigt werden. Niemals betreibe ich fundamentale Kritik, die unser Staatswesen infrage stellt. Im Vordergrund stehen bei mir Alternativen nach dem Prinzip des kleineren Übels. Alles lässt sich verbessern und optimieren: ‚geht nicht, gibt’s nicht‘ darin besteht die Essenz der Demokratie. Jeder Bürger darf sich einmischen, muss allerdings die Mehrheitsentscheidungen akzeptieren, die individuelle Meinung ist nicht der Nabel der Welt. Daran hapert es bei vielen radikalen Ideologien.

In Deutschland haben wir das Glück, dass die meisten Parteien diesem Prinzip folgen. Ich bin auch bereit, mit AFD-Anhängern zu diskutieren. Nicht alles ist schlecht, was dort propagiert wird, aber ich lasse mich nicht mit dem Etikett ‚rechts‘ oder ‚links‘ oder ‚umweltfeindlich‘ belegen.

Trotzdem möchte ich eine Einschränkung machen. Das, was sich in den letzten vier Jahren politisch in Amerika entwickelt hat, dieser sogenannte ‚Trumpismus‘, ist verheerend. Donald Trump hat alles infrage gestellt, was ich an Werten für außerordentlich wichtig halte.  Seine sogenannten ‚alternativen Fakten‘, seine Lügereien und Betrügereien sind unerträglich und auch für uns in Europa sehr gefährlich. Man sprich sogar schon vom ‚Postfaktischen Zeitalter‘ als Epoche. Meine Aversion geht so weit, dass meine Toleranz am Ende ist. Die Personen, die sich  trotz allem dieser Kritik verweigern und Donald Trump hochjubeln, möchte ich bitten, sich aus meinem Abonnentenkreis zurückzuziehen, inklusive aller, die das Prinzip unseres Grundgesetzes verneinen.
Es tut mir leid, aber denen kann ich sowieso nicht helfen, sie finden bei uns keine Resonanz.

Nichts für Ungut

Ihr Jean Pütz

Endlich: Forschung sucht nach effizienten Stromspeichersystemen

(HZDR) – Damit einer Industrienation wie Deutschland der Schritt zur regenerativen Energieversorgung gelingt, sind verlässliche und kostengünstige Speichersysteme für große Energiemengen nötig. Diese bis zur Anwendungsreife zu bringen, hat sich ein internationales Team um Tom Weier und Norbert Weber vom Institut für Fluiddynamik des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) vorgenommen. Im Projekt SOLSTICE – zu Deutsch Sonnenwende – wollen sie ab Januar 2021 Stromspeicher auf der Basis von flüssigem Natrium und flüssigem Zink entwickeln. Die Europäische Union fördert das Projekt über das Programm Horizont 2020 mit acht Millionen Euro.

Flüssige Metalle und geschmolzene Salze, mehrere hundert Grad Celsius heiß und nur getrennt von einer halbdurchlässigen Membran, könnten stromintensive Industrien in das regenerative Zeitalter führen. In großem Maßstab sollen sie die aus Wind und Sonne gewonnene Energie speichern und in der Nacht oder bei ungünstigen Wetterbedingungen wieder zur Verfügung stellen. Wissenschaftler*innen aus neun Forschungsinstituten und drei Unternehmen haben sich jetzt zusammengeschlossen, um die dafür nötige Technologie einsatzreif zu machen.

„Die Entwicklung effizienter Energiespeicher für industrielle Anwendungen brennt aktuell unter den Nägeln“, erzählt Dr. Tom Weier vom HZDR-Fachbereich Magnetohydrodynamik. „Das Ende von Kohleverstromung und Kernenergie macht solche Speichersysteme einfach unumgänglich.“ Denn die Stromerzeugung aus regenerativen Quellen unterliegt nicht nur jahreszeitlichen Schwankungen, sondern auch solchen zwischen Tag und Nacht. Aktuell werden Zeiten geringer Stromproduktion noch durch konventionelle Kraftwerke abgefedert. Gehen diese in den kommenden Jahren vom Netz, müssen andere Lösungen her. Für Zeiträume von mehreren Monaten bieten sich Langzeitspeicher auf der Basis von regenerativ erzeugtem Wasserstoff oder Methan an. Für die Überbrückung der Nacht sind jedoch Kurzzeitspeicher geeigneter, die auf Batterietechnologie basieren.

„Eine wirklich überzeugende Lösung gibt es dafür aber bisher nicht“, erläutert Weier. „Systeme mit Lithium-Ionen-Akkus funktionieren zwar prinzipiell, wären im industriellen Maßstab aber eine Ressourcenverschwendung.“ Denn der Lithiumvorrat ist begrenzt und die Lagerstätten weiträumig verteilt. Außerdem sind die heutigen Lithium-Ionen-Akkus aus vielen kleinen Batteriezellen aufgebaut. „Das Aktivmaterial, das uns zur Energiespeicherung dient, ist dabei in kleinen Portionen verpackt“, erklärt Weier. „Diese müssen dann auch noch miteinander verdrahtet werden. Zusammen verbraucht das eine große Menge Konstruktionsmaterial.“

Natrium statt Lithium
Deshalb gehen er und seine Kollegen einen anderen Weg. „Bei den Aktivmaterialien setzen wir auf Natrium und Zink“, erklärt sein Kollege Dr. Norbert Weber. Das hat ganz praktische Gründe. Natrium ist das sechsthäufigste Element auf der Erde und in großen Mengen verfügbar. Als Bestandteil verschiedener Salze sind zum Beispiel in jedem Liter Meerwasser etwa elf Gramm des Alkalimetalls gelöst. Zink ist zwar seltener, die weltweit verfügbaren Zinkressourcen sind aber dennoch gewaltig. Und während Lithium heute vor allem aus China, Australien oder Chile importiert werden muss, verfügt Europa über eigene aktive Zinkminen. Das, so Weber, würde erheblich dazu beitragen, die Abhängigkeit europäischer Energieprojekte von anderen Ländern zu verringern.

In ihrem Forschungsprojekt haben die Wissenschaftler*innen zwei verschiedene Systeme im Sinn. Eines soll bei 600 Grad Celsius arbeiten, das andere bei 300 Grad Celsius. „Beim ersten System sind sowohl die Elektroden als auch der Elektrolyt flüssig“, beschreibt Weber die Zusammenstellung. „Unsere norwegischen Partner haben bereits mit diesem Aufbau experimentiert und die Funktionstüchtigkeit des Prinzips nachgewiesen. Hier sollen Energien im Megawattstunden-Bereich gespeichert werden, was solche Batterien für Industrieanwendungen prädestiniert.“

Auch beim zweiten System dienen die flüssigen Metalle als Elektroden der Batterie. Der Elektrolyt hingegen ist fest. „Unsere Partner aus der Schweiz haben hier schon funktionsfähige Systeme, die allerdings mit Nickelchlorid arbeiten. Das wollen wir im Projekt durch Zinkchlorid ersetzen“, erklärt der Experte. „Im Kilowattstundenbereich angesiedelt, ist für diese Batterien sogar ein Einsatz als Heimspeicher denkbar.“ Innerhalb der kommenden vier Jahre wollen die Wissenschaftler beide Systeme mindestens so weit entwickeln, dass sie ihre Fähigkeiten in einer realistischen Umgebung unter Beweis stellen können. Das zweite System könnte in dieser Zeit sogar nahe an die Marktreife gebracht werden.

Beitrag zur Energiewende
Das HZDR übernimmt dabei nicht nur die Projektkoordination, sondern auch den Bau der Batteriezellen. „Am Institut für Fluiddynamik haben wir bereits langjährige Erfahrung im Umgang mit großen Mengen flüssigen Natriums“, erzählt Weier und verweist auf das Infrastrukturprojekt DRESDYN, bei dem umfangreiche Experimente mit Flüssigmetallen stattfinden. „Neben der Anwendung spielt beim Projekt SOLSTICE natürlich auch die Forschung eine wichtige Rolle“, ergänzt Weber. „Denn wir wollen verstehen, welche Vorgänge in unseren Speichersystemen genau ablaufen.“

Dass ihr Ansatz einen wichtigen Beitrag für die Energiewende leisten kann, da sind sich die beiden Wissenschaftler sicher. „Unser Vorteil ist die sehr einfache Konstruktion“, schätzt Weier ein. „Dadurch sind diese Batterien gut skalierbar. Zusammen mit den günstigen Aktivmaterialien könnten wir deshalb einen deutlich niedrigeren Systempreis als bei anderen Elektroenergiespeichern erreichen.“

Theo Sommer beschreibt Donald Trump nach dem Capitol-Desaster

Der berühmte Zeit-Chefredakteur Theo Sommer definiert mit klaren Worten den amerikanischen Präsidenten Donald Trump.
Selten habe ich eine solche deutliche Beschreibung gefunden deswegen möchte ich sie Ihnen nicht vorenthalten.
Jean Pütz

(Theo Sommer) – Seit dem Herbst 2016 habe ich 39 Fünf-vor-Acht-Kolumnen mit Donald Trump und seiner Politik beschäftigt. Dies soll das letzte Mal sein. Es reicht. Soll er in den Fußnoten der Geschichte verschwinden, wo er hingehört.
Er war ein unmöglicher Präsident. Mein hartes Urteil über ihn habe ich einmal in einem Interview ungeschminkt formuliert: „Donald Trump halte ich für einen ungebildeten, unflätigen und unfähigen Lackaffen. Verlogen, selbstverliebt, ohne politische Urteilskraft, ohne menschlichen Anstand und ohne den Sprachglanz, den ein Staatsmann haben sollte. Ein dümmlicher, überheblicher Narziss.“
Ungerecht? Ungehörig? Ich finde nicht. Er hämte und hetzte, polterte, polemisierte und polarisierte. Innenpolitische Gegner verunglimpfte er auf Gossenniveau, außenpolitische Alliierte erklärte er zu Feinden. Meine seriösen amerikanischen Kollegen fällten viel härtere Urteile über ihn als ich. Sie nannten ihn einen blowhard – einen Prahlhans und Aufschneider; einen nitwit – einen Schwachkopf; einen buffoon – einen Hanswurst; einen bully, Rüpel oder Fiesling. Sie sahen in ihm einen Mann „ohne Überzeugungen und Rückgrat“, der „kein Thema gemeistert“ hat, „der alles aus dem Ärmel schüttelt“. Seicht, sprunghaft, impulsiv und erratisch, grobschlächtig wie er war konnte man ihm nicht vertrauen. Er verdrehte krankhaft die Wahrheit, verachtete Expertise und untergrub die nationalen wie die internationalen Institutionen.
Die US-Führungsrolle hat er teils verschmäht, teils verspielt. Sein Schlachtruf America First stürzte die Vereinigten Staaten in die Belanglosigkeit. Aus America First wurde America alone. Welche Umfragen-Ergebnisse man auch liest, PEW oder Gallup oder andere – sie sind sich alle darin einig, dass das US-Ansehen in der Welt dramatisch abgesackt ist. Rund zwei Drittel der in vielen Ländern Befragten haben in Donald Trumps Amtszeit ihr Vertrauen in die USA verloren. Er hat Amerika klein gemacht. Seine MAGA-Botschaft, so ironisch das klingt, muss jetzt zum Leitsatz Präsident Bidens werden: Make America Great Again.

07.01.21 Gedanken und Hintergedanken zum Corona-Karneval 2021

Lieber Christoph, liebes Kölner Dreigestirn, liebe Mitglieder des Festkomitees, liebe Präsidenten und Ehrenträger des Kölner Karnevals,

zunächst vorweg: Über die kleinen Aufmerksamkeiten, die das Festkomitee mir hat zukommen lassen, habe ich mich sehr gefreut. Übrigens unter uns, die zwei Zentner Karnevalsorden, die ich bisher in meiner Sammlung einen Ehrenplatz gefunden haben, sind mir genauso wichtig wie die Orden, die mir von der Politik überreicht wurde, inkl. des Luxemburger Ordens Pur le Merite.

Nun ja, Gott sei Dank birgt der Kölner und Düsseldorfer Karneval gelegentlich auch eine Mende Humor und artet nicht immer in kabarettistische Darbietungen aus. Das sage ich auch als stolzer Besitzer des ‚goldenen Narren‘ der rheinischen Karnevalsgesellschaften,  den ich ein Jahr später, als unser berühmter Hans Süper ihn überreicht bekam, die Ehre hatte, für ihn die Laudatio zu halten. Kölner und Düsseldorfer habe ich versöhnt, weil ich bei meiner ‚karnevalistischen Reifeprüfung‘ der Düsseldorfer Weißfräcke eine Büttenrede halten konnte, in der ich mit der Fakenews auftrumpfte, dass die Schlacht von Worringen unentschieden ausgegangen sei, und wir keinen Grund mehr hätten, uns abzugrenzen.

Meine Verbundenheit zum Kölner Karneval wurde mir in die Wiege gelegt, denn mein Vater Josef war 1937  Jungfrau im Kölner Dreigestirn. So bin ich also im wahren Sinne des Wortes der Sohn einer Jungfrau. Ich habe ein wenig in der Geschichte gekramt und stellte fest, dass ich nicht der erste, sondern der zweite Sohn einer Jungfrau war. Kardinal Woelki, der leider für den Karneval nicht so geeignet ist, kann das bezeugen, der erste wurde in Betlehem geboren. Der Kölner Dom profitiert heute noch davon. Letztlich beteiligte ich mich als Präsident des Städtepartnerschaftsvereins Esch sur Alzette (Luxemburg) und Köln an einer Wallfahrt zu den Heiligen drei  Königen, die ja angeblich in einem der schönsten Schreine nach langer historischer Irrfahrt ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

Umso mehr bedaure ich und verfluche Corona und möchte das Festkomitee zu seiner Entscheidung beglückwünschen, den Karneval in dieser Saison auf Sparflamme zu halten. Begeistert bin ich aber vor allen Dingen deshalb, weil auf das Dreigestirn nicht verzichtet wurde. Ich finde es fantastisch, dass sich in dieser Kalamität drei Kölner Bürger bereit gefunden haben, die Tradition nicht zu unterbrechen. Das war ja nur während des schrecklichen zweiten Weltkriegs der Fall.

Ein Hoch auf die Jungfrau Gerdemie, den Bauer Gereon und den Prinzen Sven I. Ihr öffentlichen Meriten können sie erst im nächsten Jahr abholen. Dank auch an die ‚Altstädter‘.

Ich weiß, eins kann diese Pandemie uns Kölnern – aber auch den Düsseldorfer und das ganze Rheinland nicht nehmen, wir tragen den Karneval im Herzen

Kölle Alaaf und Düsseldorf Helau

Jean Pütz

(seit 40 Jahren Ehrenmitglied der Kölner Ehrengarde und seit zwei Jahren Ehrenmitglied der Düsseldorfer Weißfräcke)

 

An alle Impfgegener – Pocken Dank Impfung ausgerottet

Obwohl die modernen Impfungen, bei denen nur noch Teile eines Virus ausreichen, um den Körper zu immunisieren, gibt es leider immer noch viele Gegner, die das überhaupt nicht berücksichtigen. Sie meinen, Impfen sei immer noch so gefährlich wie zu Zeiten der Pockenimpfung.
Dass aber selbst damals schon die Impfung ein großer Segen war, sieht man an den beigefügten Fotos. Seinerzeit bestand sogar Impfpflicht, obwohl das Risiko hoch war, denn es wurden aktive Viren verabreicht. Es hat immerhin dazu geführt, dass diese schrecklichen Pocken mindestens die Hälfte der Bevölkerung weltweit dahinrafften. Heute bin ich ein Gegner der Impfpflicht, allerdings hoffe ich, dass die derzeitigen Impfgegner durch die vielen positiven Argumente überzeugt werden. Der Vernunft eine Chance
Jean Pütz

(MIMIkama) – Dieses Foto, das 1901 von Dr. Allan Warner im Leicester Hospital in Leicester, Großbritannien, aufgenommen wurde, zeigt links ein ungeimpftes Kind, das an Pocken erkrankt ist, und rechts ein anderes, das den Impfstoff gegen dieselbe Krankheit erhalten hat. Wissen Sie, warum man heutzutage keine so schrecklichen Bilder wie dieses mehr sieht? Denn die Pocken gelten dank einer der größten Erfindungen der modernen Wissenschaft namens VACCIN als ausgerottet.

 

Sprache der Pandemie

(Sigismund Kobe) – Der Einfluss von Sprache auf das Verhalten der Menschen darf nicht unter-schätzt werden. Der Literaturwissenschaftler Victor Klemperer (1881–1960) hat in seinem Buch „LTI“ über die Sprache des Dritten Reiches analysiert, wie diese durch die Machthaber bewusst als Mittel zur ideologischen Beeinflussung der Gesellschaft eingesetzt wurde.

Gewarnt werden muss aber auch vor den Folgen, die von einem fahrlässigen Umgang mit Worten ausgehen. Bei der Beschreibung der Corona-Pandemie in der Öffentlichkeit werden Fehler gemacht, indem allzu sorglos Begriffe aus der wissenschaftlichen Kommunikation übernommen werden. Diese haben aber in der Umgangssprache oft eine ganz andere Bedeutung. Man spricht von einem exponentiellen Wachstum, das unbedingt vermieden werden müsse. Was „exponentiell“ im strengen mathematischen Sinn bedeutet, ist nicht allen bekannt. Also wird „Wachstum“ gedanklich mit einem länger andauernden Prozess verknüpft. Es braucht nun mal eine gewisse Zeit, bis jemand erwachsen wird. Tatsächlich ist aber exponentielles Wachstum eine mathematische Beschreibung für eine Explosion. Und eine solche lässt sich in ihrem zeitlichen Verlauf nicht mehr steuern, nachdem sie erst einmal ausgebrochen ist.

Die Bezeichnung Infektionsketten ist ebenfalls missverständlich. Eine Kette kann unterbrochen werden, indem man ein Glied herauslöst. Die Ausbreitung der Pandemie erfolgt dagegen nicht entlang von linearen Ketten, sondern auf Netzwerken, die durch vielfältige Kontakte gebildet werden. Das Ziel von Maßnahmen eines Lockdowns ist es, ein großes Kommunikationsnetz in lauter kleine Maschen, z.­ B. solche von Hausständen, aufzuteilen und möglichst wenige Verbindungen zwischen diesen Maschen zuzulassen. Die verbleibenden Verbindungen zwischen den Maschen müssen stark eingeschränkt und kontrolliert werden. So wird auch klar, warum ein „Lockdown light“ nicht geeignet ist, eine erneute Explosion zu verhindern.

Mit dem Begriff Welle verbinden viele von uns angenehme Erinnerungen an Urlaub und Strand, die wenigsten denken an einen Tsunami. Das durch die Politik kürzlich formulierte Ziel, die Welle der Pandemie zu brechen, ist daher eher ein Ausdruck der Hilflosigkeit im Umgang mit der Pandemie.

Gefährlich ist auch die Vereinfachung, wenn von Zahlen der „Sieben-Tage-Inzidenz“ berichtet wird. Hierbei handelt es sich immer um Mittelwerte. Gerade die statistischen Abweichungen nach oben haben zum Überschreiten von Kipppunkten geführt mit der Folge, dass die Nachverfolgung der Infizierten durch die Gesundheitsämter urplötzlich nicht mehr gewährleistet werden konnte.

Und was soll man eigentlich von den offiziellen Verlautbarungen halten, die täglich gebetsmühlenartig verkünden, dass so und so viele Patienten als genesen gelten? In der deutschen Sprache wird der Begriff „gelten“ dann verwendet, wenn man selbst von einer Aussage nicht vollständig überzeugt ist und deren Richtigkeit im Grunde genommen bezweifelt wird.

Auch der Begriff der Querdenker ist positiv besetzt. Bedeutende Wissenschaftler wie Galilei, Newton und Einstein waren Querdenker, denen es mit einem Blick über den Tellerrand gelang, aus gewohnten Denkschemata ihrer Wissenschaften auszubrechen.

Will man Erkenntnisgewinn, muss querdenken erlaubt sein, selbst in der Beurteilung der gegenwärtigen schwierigen Situation der weltweiten Ausbreitung einer Pandemie. Wenn sich allerdings die Organisatoren einer Bewegung mit einem gehörigen Maß von Selbstüberschätzung „Querdenker“ nennen und gleichzeitig bewusst Teile der Realität wie die Folgen der Pandemie im Stadtteil Bronx von New York, den Favelas von Rio de Janeiro und in die Intensivstationen mit Covid-19-Patienten hierzulande ausblenden, sollte man sie Ignoranten nennen.

Prof. em. Dr. rer. nat. habil. Sigismund Kobe ist emeritierter Professor am Institut für Theoretische Physik der Technischen Universität Dresden.

Noch nie war Körperbewegung so wichtig wie heute

(KIT) – Körperliche Aktivität macht glücklich und ist wichtig, um auch psychisch gesund zu bleiben. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim untersuchten, welche Hirnregionen dabei eine zentrale Rolle spielen. Die Ergebnisse zeigen, dass schon Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen einen deutlichen Nutzen für das Wohlbefinden haben, insbesondere auch bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind. Die aktuelle Studie ist in der Zeitschrift Science Advances erschienen (DOI: 10.1126/sciadv.aaz8934).

Bewegung verbessert das körperliche Wohlbefinden und die geistige Gesundheit erheblich. Wie sich schon alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen, Spazierengehen oder Zur-Straßenbahn-Laufen auf die eigene Befindlichkeit auswirken, war bisher wenig untersucht worden. Unklar ist bis jetzt insbesondere, welche Gehirnstrukturen daran beteiligt sind. Ein Forschungsteam am Zentralinstitut für Bewegung verbessert das körperliche Wohlbefinden und die geistige Gesundheit erheblich. Wie sich schon alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen, Spazierengehen oder Zur-Straßenbahn-Laufen auf die eigene Befindlichkeit auswirken, war bisher wenig untersucht worden. Unklar ist bis jetzt insbesondere, welche Gehirnstrukturen daran beteiligt sind. Ein Forschungsteam am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim, am Institut für Sport und Sportwissenschaft (IfSS) des KIT und am Geoinformatischen Institut der Universität Heidelberg fokussierte in seiner Studie Alltagsaktivitäten, die den größten Anteil unserer täglichen Bewegung ausmachen. „Schon das alltägliche Treppensteigen kann helfen, sich wach und energiegeladen zu fühlen und damit das Wohlbefinden zu steigern“, erläutern die beiden Erstautoren der Studie, Dr. Markus Reichert, der am ZI in Mannheim und am KIT forscht, und Dr. Urs Braun, Leiter der Arbeitsgruppe Komplexe Systeme in der Psychiatrie am ZI.

Besondere Relevanz haben die Forschungsergebnisse gerade in der derzeitigen Situation mit Corona-Beschränkungen und dem bevorstehenden Winter. „Aktuell leiden wir unter starken Einschränkungen des öffentlichen Lebens und unserer sozialen Kontakte, was sich auf unser Wohlbefinden niederschlagen kann“, so Professorin Heike Tost, Leiterin der Arbeitsgruppe Systemische Neurowissenschaften in der Psychiatrie am ZI und eine der zentralen Autorinnen der Studie, „da kann es helfen, öfter mal Treppen zu steigen, um sich besser zu fühlen.“

Alltagsaktivitäten steigern „Wachheit“ und „Energiegeladenheit“
„Die Untersuchungen wurden durch eine neuartige Kombination verschiedener Forschungsmethoden im Alltag und im Labor möglich“, so Professor Ulrich Ebner-Priemer, Leiter der Arbeitsgruppe mHealth Methoden in der Psychiatrie am ZI Mannheim sowie stellvertretender Leiter des IfSS und Leiter des Mental mHealth Lab am KIT. Eingesetzt wurden Alltagserhebungsverfahren (sogenannte Ambulante Assessments) mit Bewegungssensoren und Smartphone-Abfragen zum Wohlbefinden, die anhand von Geolokalisationsdaten ausgelöst wurden, sobald sich die Studienteilnehmer bewegten.

Mit diesen Alltagserhebungsverfahren wurde bei 67 Personen der Einfluss der Alltagsaktivität auf die Wachheit und Energiegeladenheit über sieben Tage hinweg erfasst. Dabei zeigte sich, dass sie sich direkt nach alltäglicher Aktivität wacher und energiegeladener fühlten. Wachheit und Energiegeladenheit wiederum waren nachweislich wichtige Komponenten des Wohlbefindens und der psychischen Gesundheit der Studienteilnehmerinnen und -teilnehmer.

Gehirnareale für Alltagsbewegung und Wohlbefinden identifiziert
Kombiniert wurden diese Analysen bei einer weiteren Gruppe von 83 Personen mit Magnetresonanztomografie am ZI. Dabei wurde das Volumen der grauen Hirnsubstanz vermessen, um herauszufinden, welche Areale im Gehirn für diese Alltagsprozesse eine Rolle spielen. Wichtig für das Zusammenspiel von Alltagsbewegung und affektivem Wohlbefinden ist ein Bereich der Großhirnrinde, der subgenuale Anteil des Anterior Cingulären Cortex. Diese Hirnregion spielt eine zentrale Rolle bei der Regulation von Emotionen und der Widerstandsfähigkeit gegenüber psychiatrischen Erkrankungen. Von den Autorinnen und Autoren der Studie wurde diese Hirnregion nun als ein entscheidendes neuronales Korrelat identifiziert, das den Zusammenhang von körperlicher Aktivität und subjektiver Energiegeladenheit vermittelt. „Personen, die ein geringeres Volumen an grauer Hirnsubstanz in dieser Region aufwiesen und ein erhöhtes Risiko haben, an psychiatrischen Erkrankungen zu leiden, fühlten sich einerseits weniger energiegeladen, wenn sie körperlich inaktiv waren“, beschreibt Heike Tost die Ergebnisse, „aber andererseits nach alltäglicher Bewegung deutlich energiegeladener als Personen mit größerem Hirnvolumen.“

Spezifischer Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag
Professor Andreas Meyer-Lindenberg, Vorstandsvorsitzender des ZI und Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, schlussfolgert, dass „die Ergebnisse damit auf einen spezifischen Nutzen von körperlicher Aktivität im Alltag für das Wohlbefinden hinweisen, insbesondere bei Menschen, die anfällig für psychiatrische Erkrankungen sind.“ Zukünftig könnten die in der Studie gewonnen Ergebnisse im Alltag dazu führen, dass eine auf dem Smartphone installierte App bei sinkender Energie die Nutzer zu Bewegung stimulieren soll, um das Wohlbefinden zu steigern. „Langfristig ist in Studien zu klären, ob sich durch Alltagsbewegung kausal das Wohlbefinden und das Hirnvolumen verändern lassen und inwieweit diese Ergebnisse helfen könnten, psychiatrische Erkrankungen zu vermeiden und zu therapieren,“ so Urs Braun.

Brandbrief an „abgeordnetenwatch.de“ wegen eines eigenartigen Urteils des Bundesverwaltungsgerichts

Liebe Frau Boldebuck, lieber Herr Ebener, liebe Mitarbeiter der abgeordnetenwatch.de,

Ihren Missmut kann ich sehr gut verstehen, aber das reiht sich ein in eine Reihe von Fehlurteilen, die höchstrichterlich erlassen worden sind, z. B. die Zulassung von Demonstrationen der sogenannten ‚Querdenker‘-Initiative, wo zu erwarten war, dass sich rechtsradikale Partien anhängen würden, die alle diejenigen, die für Verschwörungstheorien empfänglich sind, einfangen möchte. Es ist nicht nur ein Angriff auf unsere demokratische Verfassung, indem sie den Staat lächerlich macht, sondern auch auf das Anrecht körperlicher Unversehrtheit der Bürger. Den Demonstranten gehen ja die bereits gesetzlich verankerten Auflagen für Corona-Schutz ab. Sie gefährden damit die Gesundheit anderer Bürger. Wer weiß wieviel Anteil diese Demonstrationen an der exponenziellen Ausbreitung verantwortlich sind.

Ich muss noch etwas Grundsätzliches erwähnen: Ich habe einen Sohn und eine Tochter, die meine Frau mit in die Ehe gebracht hat. Beide studieren Jura. Ich bin entsetzt, wie schmalspurig dieses Studium absolviert werden kann. Letztlich ist es der Repetitor mit seiner Paukmethode, der am Erfolg des 1. Staatsexamens wesentlich mitwirkt. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn in Köln konnte man nur studieren, wenn man ein juristisches Vorexamen absolviert hat. Das lag daran, dass die Soziologen in die Volkswirtschaftliche Fakultät integriert waren. Dabei haben meine hervorragenden Lehrer René König und Erwin K. Scheuch gelitten, mit dem Vorteil, dass sie mehr empirische Soziologie hervorgehoben haben. Möglicherweise hat mich das vor der Kleinspurigkeit der Juristen gerettet. Meines Erachtens müsste die Richterausbildung  gezielter auf eine umfassendere psychologische und soziologische Grundbildung gerichtet werden. Vielleicht kann ‚ageordnetenwatch.de‘ das mit ihrem großen Netzwerk einmal eruieren. Gerne bin ich zur Mitarbeit bereit.

Mit freundlichen Grüßen
Jean Pütz

(abgeordnetenwatch.de) – Das Urteil aus Leipzig hat uns alle hart getroffen.
Sie erinnern sich: Im Juni hat das Bundesverwaltungsgericht unsere Parteispendenklage in letzter Instanz vollkommen überraschend abgewiesen. Dabei hatten wir zuvor vor zwei Gerichten in allen Punkten recht bekommen.

Jetzt gibt es in dieser Angelegenheit besorgniserregende Neuigkeiten.

Mit Verweis auf das Urteil hat die Bundestagsverwaltung nun gleich mehrere Auskunftsgesuche von abgeordnetenwatch.de verweigert.

Durch unsere Anfragen über das Informationsfreiheitsgesetz (IFG) wollten wir Unterlagen öffentlich machen und unter anderem folgende Fälle ganz genau unter die Lupe nehmen:

  • Spenden vom Waffenhersteller Heckler & Koch an CDU und FDP
  • Die Vermarktung von Politikern durch die Firma NWMD in der „Rent-a-Sozi-Affäre“
  • Parteispenden an die CDU durch das aserbaidschanische Erdölunternehmen SOCAR
  • Den sogenannten „Goldverkauf“ der AfD zur Parteienfinanzierung

Doch wir – oder andere Journalist:innen – können bei der Bundestagsverwaltung zu diesen Fällen nun keine Herausgabe von Unterlagen mehr erwirken.

Damit zeigt sich jetzt, welch fatale Strahlkraft das Urteil aus Leipzig hat. Denn die Richterinnen und Richter haben sinngemäß geurteilt, dass bei Angelegenheiten der Parteienfinanzierung das Parteiengesetz gilt – ein Spezialgesetz, das Vorrang vor dem Informationsfreiheitsgesetz hat.

Laut dem Bundesverwaltungsgericht sorge das Parteiengesetz schon jetzt für ausreichend Transparenz.

Ein schlechter Scherz, wenn man sich klarmacht: Die Öffentlichkeit kann und wird nach dem Richterspruch nicht erfahren, ob und wie die Bundestagsverwaltung dubiosen Parteispenden und verdächtigen Vorgängen nachgeht.

Weil wir nicht bereit sind hinzunehmen, dass wichtige Dokumente zur Parteienfinanzierung zukünftig unter Verschluss bleiben, haben wir nach dem Urteil den Gang zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe angetreten.

Mit unserer Verfassungsbeschwerde wollen wir das fatale Urteil des Bundesverwaltungsgerichts anfechten. Denn wenn selbst Journalist:innen keine Einsicht in Prüfunterlagen mehr bekommen, wird öffentliche Kontrolle ausgehebelt.

Doch ohne öffentliche Kontrolle geht es nicht! Immer wieder kommt es bei der Parteienfinanzierung zu groben Ungereimtheiten – deren Prüfung darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden!

Bitte geben Sie uns heute den Rückhalt, den wir bei unserer Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe brauchen – werden Sie abgeordnetenwatch.de-Förder:in (schon mit nur 5 Euro im Monat und steuerlich absetzbar).

Mit einer Förderung sorgen Sie dafür, dass uns in Karlsruhe nicht die Puste ausgeht. Außerdem investieren Sie in neue investigative Recherchen von abgeordnetenwatch.de, mit denen wir Missstände aufdecken. Denn auch wenn uns die Bundestagsverwaltung nun Steine in den Weg legen will: Wir lassen uns nicht abschrecken und werden mit Ihrer Hilfe weitermachen!