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Mit Wärmekraft-Maschinen enorme Energie sparen – Stadt Lemgo und ihr fortschrittliches Konzept

(BKWK) – Was ist eigentlich iKWK? Hinter diesen vier Buchstaben verbirgt sich ein innovatives Kraft Wärme Kopplungssystem, in das die Stadtwerke Lemgo in diesem Jahr rund 11 Mio. Euro investieren.
Damit installieren sie eine Kombination von innovativen, klimaschonenden Erzeugungsanlagen, die intelligent aufeinander abgestimmt sind: Am Bruchweg ziehen zwei neue, hocheffiziente Blockheizkraftwerke (BHKW) ein, die vor allem im Winter Strom und Fernwärme erzeugen. Im Sommer übernehmen eine Solarthermieanlage und eine Flusswasserwärmepumpe die Wärmeproduktion aus Erneuerbaren Energien!
Und mit dem weiteren Ausbau des Fernwärmenetzes für über 2 Mio. Euro soll diese klimaschonend erzeugte Wärme möglichst viele Lemgoer Haushalte erreichen.
„Das geförderte iKWK Projekt verlangt, dass ein Drittel der in diesen Anlagen produzierten Energie erneuerbar erzeugt werden muss“, erklärt Stadtwerke Geschäftsführer Arnd Oberscheven. „Diese Aufgabe übernehmen die Solarthermieanlage und die Großwärmepumpe. 6.000 MWh/a erneuerbare Wärme können beide Anlagen jährlich erzeugen, dadurch sparen wir 1.500 t CO2 pro Jahr ein.“ Die Wärmepumpe,
die neben dem Blockheizkraftwerk des EauLe an der Regenstorstraße installiert wird, nutzt in den Monaten März bis November das Wasser der Bega als Wärmequelle für die Fernwärmeproduktion. Die Solarthermieanlage funktioniert mit reiner Sonnenkraft. Und die neuen BHKW werden im Vergleich zur alten Gasturbine, die sie ersetzen die ohnehin schon geringen CO2 Emissionen bei ihrer Strom und Fernwärmeproduktion halbieren. 2022 sollen alle neuen, klimaschonenden Erzeugungsanlagen gemeinsam in Betrieb gehen.
„Rund 54 % unserer Investitionssumme von mehr als 20 Mio. Euro werden also in diese neuen Erzeugungsanlagen fließen und damit in den Klimaschutz“, so Arnd Oberscheven. „Hinzu kommen noch weitere 2 Mio. Euro, die wir in den Ausbau und die Verdichtung unseres Fernwärmenetzes investieren. In diesen Bereich fließt also ebenfalls eine Rekordsumme, damit unsere immer ökologischer produzierte Fernwärme möglichst flächendeckend zur Verfügung steht. Denn nur, wenn viele Haushalte und
Unternehmen unsere Wärme nutzen, kann sie noch wirksamer zur Erreichung der Lemgoer Klimaziele beitragen.“
Darüber hinaus halten die Stadtwerke mit Investitionen von mehr als 5 Mio. Euro in diesem Jahr auch die weiteren Verso rgungsnetze optimal instand ca. 2,3 Mio. Euro davon fließen in das Stromnetz, ca. 1 Mio. Euro ins Gasnetz und ca. 1,8 Mio. Euro ins Wassernetz. So erhöhen die Stadtwerke auch in diesen bedeutenden Sparten die Versorgungssicherheit.
„Einen Gewinn werde n wir durch die hohen Investitionen in das iKWK System und unsere Netze 2021 voraussichtlich nicht erzielen“, so Arnd Oberscheven. „Doch es ist gut und richtig, als starkes, kommunales Unternehmen auch in diesen Zeiten zu investieren, um den Klimaschutz zu forcieren und die Versorgung der Bürger*innen rundum zu sichern. Das alles leisten wir mit einem engagierten Team, das sich über sichere Arbeitsplätze freuen kann und neuen Auszubildenden, denen wir berufliche Perspektiven für die
Zukunft bieten. Auf uns und unsere Klimaschutz Ideen ist in Lemgo und darüber hinaus jederzeit Verlass.
Und wie wichtig der Beitrag der heimischen Stadtwerke zum Klimaschutz ist, das bekräftigt auch Bürgermeister Markus Baier: „Die innovativen Projekte, die unsere Stadtwerke immer wieder auflegen, sind vorbildliche Modellprojekte für ganz Deutschland. In Kombination mit unserem jahrzehntelangen Klimaschutz Engagement haben wir hier in Lemgo schon weit mehr für den Klimaschutz erreicht als unsere
Klimaschutzkonzepte vorgeben. So fallen in Lemgo pro Bürger*in nicht fast 10 Tonnen CO2 an wie im Bundesdurchschnitt, sondern nur knapp 7 Tonnen CO2. Diesen Weg gehen wir weiter, damit Lemgo beim Klimaschutz stets an der Spitze steht.“

Deutschland kommt schlecht weg beim internationalen Universitäten Ranking – Mit einer Einschätzung von Jean Pütz

Wie üblich, sind die US-amerikanischen Universitäten offenbar die besten der Welt. Trotzdem verhindert das nicht, dass z. B. die USA im Rahmen der Trump-Regentschaft ins düsterste Mittelalter abgesunken sind. Verschwörungstheorien dominieren in der Presse sozusagen Trump-like, dieser zerstörende Präsident ist sogar verantwortlich für ein postfaktisches Zeitalter, das wissenschaftlichen Fakten Hohn spricht. Bevor Sie sich dieses Ranking zu Gemüte führen, möchte ich folgendes aus der Pressemitteilung voranstellen. Das bedeutet keine Entschuldigung des Rückstandes deutscher Universitäten und es sollte ein Ansporn sein, gezielte Förderung der Wissenschaft durch die Politik intensiv voranzutreiben. Das Beispiel USA zeigt allerdings, dass die mit Wissenschaft betrauten Kreise verhindern müssen, dass eine Parallel-Gesellschaft entsteht. So muss die Notwendigkeit von Wissenschaft auch dem normalen Bürger dringend plausibel gemacht werden. Unabhängig von Veröffentlichungen innerhalb der Kreise der Wissenschaft, der sogenannten Science-Comunity ist es deshalb notwendig, den Berufsstand des Wissenschaftsjournalisten zu fördern, der sich zum Ziel setzen muss, die Aufgabe der Vermittlung an den Normal-Bürger in den Vordergrund zu stellen, denn in der Demokratie zählt jede Stimme, sonst gleitet die Politik in grenzenlosen Populismus ab. Ohne ein Minimum an Schwarmintelligenz der Bürger zerbricht der wissenschaftliche Turmbau zu Babel am Populismus ein. Es ist fünf vor zwölf.

Jean Pütz

Vorbemerkung zum Ranking:
Es gibt gute Gründe, Universitätsrankings mit Skepsis zu betrachten. Sie erscheinen wenig transparent, eine unabhängige Aufsicht über die Rankings gibt es nicht. Sie stützen sich auf nur wenige selektiv gewählte Indikatoren und berücksichtigen die gesamte Breite universitärer Leistungen zu wenig. Zudem kommen die verschiedenen konkurrierenden Rankinganbieter, deren Anzahl weiterhin zunimmt, häufig zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Für fast alle Universitätsrankings aber gilt, dass die Lehre noch immer zu kurz kommt, ganz zu schweigen von Transfer und Weiterbildung. Die Forschung dagegen wird überproportional berücksichtigt.5 Hinzu kommt, dass Forschungsleistungen, die in außeruniversitären Forschungseinrichtungen erbracht werden, in internationalen Universitätsrankings keine Berücksichtigung finden. Trotz allem bleibt der Wert von internationalen Vergleichen unstrittig. Sie sind Maßstab für die Leistungsfähigkeit von Universitäten und der zugrundeliegenden Wissenschafts- und Hochschulpolitik. Auch der Zusammenhang zwischen exzellenten Hochschulen und einer florierenden Wirtschaft ist gut belegt. Deshalb liegt es im Interesse aller, dass Forschung und Transfer, Lehre und akademische Weiterbildung in Deutschland weiter verbessert werden. Die Exzellenzstrategie ist ein wichtiger Ansatz, um Universitäten voranzubringen. Nicht ohne Grund gehören diejenigen deutschen Universitäten, die im QS World University Ranking am besten abschneiden, zu der Gruppe, die in der Exzellenzstrategie gefördert werden. Dieser Förderansatz scheint richtig zu sein, wirkt sich im internationalen Vergleich aber Nr. 91 / März 2021 Der Text dieses Werkes ist lizenziert unter den Bedingungen von „Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international”, CC BY-SA 4.0

Diese Veröffentlichung der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. dient ausschließlich der Information. Sie darf während eines Wahlkampfes nicht zum Zweck der Wahlwerbung verwendet werden noch nicht im gewünschten Umfang aus. Neben einer deutlich besseren Finanzierung benötigen Universitäten mehr (echte) Autonomie, um ihre Stärken besser ausbauen zu können.6 Es sollte über mehr Leistungsanreize für Professorinnen und Professoren nachgedacht werden. Darüber hinaus bedarf es einer Stärkung der Lehre, analog und digital.

Hier das Ranking
Im März 2021 ist das neue QS World University Ranking1 erschienen. Darin belegt das Massachusetts Institute of Technology (MIT) zum neunten Mal in Folge den ersten Platz. Von den führenden US-Universitäten belegen Stanford den zweiten Platz und Harvard den dritten Platz. Als beste europäische Universitäten kommen Oxford auf Platz fünf, die ETH Zürich auf Platz sechs und Cambridge auf Platz sieben. Die beste deutsche Universität ist die TU München auf Platz 50. Damit ist sie auch die beste Universität innerhalb der gesamten Europäischen Union (EU). Keine andere Universität in der EU schafft es unter die Top 50. Eine dramatische Entwicklung: Das Brexit-bedingte Ausscheiden der britischen Universitäten schwächt den EU-Forschungsraum deutlich. Drei deutsche Universitäten kommen unter die Top 100, das sind neben der TU noch die LMU München (Rang 63) und die Universität Heidelberg (Rang 64).2 16 deutsche Universitäten gelingt der Sprung unter die Top 300.3 An der Weltspitze können die deutschen Universitäten lediglich in den Fächern Alte Geschichte und Theologie mitspielen.4 Die Vereinigten Staaten nehmen mit 17 Universitäten unter den ersten 50 den weltweiten Spitzenplatz ein, gefolgt vom Vereinigten Königreich (acht), Australien (fünf), China (vier), Japan und Kanada (jeweils drei) sowie Hongkong, Singapur, Südkorea und der Schweiz (jeweils zwei). Deutschland als hochentwickelte Industrienation, die sich gern als „Wissensgesellschaft“ versteht, kann mit dem schwachen Abschneiden kaum zufrieden sein.

Perowskit-Solarzellen werden langlebiger

(pte) – Forscher am Zentrum für integrierte Nanotechnologien des Los Alamos National Laboratory (LANL) und der National Taiwan University (NTU) entwickeln derzeit ein einstufiges Verfahren, um Solarzellen auf Basis von Kristallen mit Perowskit-Struktur langlebiger zu machen. Die Experten wollen ein Substrat mit einer hauchdünnen Perowskit-Haut beschichten.

Reines Eintauchen genügt
Das Team um Wanyi Nie vom LANL hat das Perowskit-Ausgangsmaterial in einer Chemikalie namens Sulfolan aufgelöst. Dieses Lösungsmittel besteht aus Kohlenstoff-, Wasserstoff-, Sauerstoff- und Schwefelatomen. Darin tauchten sie das Substrat ein. Als sie es wieder herausgezogen und getrocknet hatten, stellten sie fest, dass es mit einer perfekten, dünnen Perowskit-Schicht überzogen war.

Zunächst haben die Wissenschaftler das Verfahren an Proben getestet, die 16 und 37 Quadratzentimeter groß, für den technischen Gebrauch allerdings zu klein waren. Doch Nie ist überzeugt, dass das Verfahren auch für großflächige Solarzellen einsetzbar ist. Die daraus hergestellten Zellen erreichten einen Wirkungsgrad von 17,6 und 16 Prozent. Das sind ordentliche Werte, die noch an Bedeutung gewinnen, wenn die so hergestellten Solarzellen über lange Zeit funktionsfähig bleiben, also nicht degenerieren.

90 Sekunden für Beschichtung
„Unsere Arbeit ebnet den Weg zur kostengünstigen Produktion von Solarzellen im kommerziellen Maßstab“, glaubt Nie. Anhand der relativ kleinen Module aus der Laborfertigung konnte sein Team mithilfe von künstlicher Alterung zeigen, dass die Lebensdauer tatsächlich deutlich größer ist als bei vergleichbaren Zellen. „Das ist ein neuer Syntheseweg, der die große Familie der Perowskite bereichert“, ergänzt NTU-Professor Leeyih Wang, der das taiwanesische Team koordiniert.

Bei gängigen Abscheideverfahren für Perowskit-Kristalle verbleibt den Herstellern nur ein extrem enges Zeitfenster. Innerhalb von Sekunden muss der Film aufgebracht werden, damit er gleichmäßig ist, was die Lebensdauer verlängert. Das geht bisher meist schief, vor allem, wenn es in industriellem Maßstab versucht wird. Die Sulfolan-Methode verlängert das Zeitfenster auf komfortable 90 Sekunden, was auch für die Massenproduktion reicht.

Hilfeschrei eines ehrenwerten Professors der Physik: Mit der Grünen-Ideologie scheitert die Energie-Wende

Mit Professor Dr. Sigismund Kobe kommuniziere ich seit einigen Jahren. Er ist ein Gegner der ‚Grünen‘, genauso wie ich, aber er hält die dahinter stehende Ideologie für unsere Zukunft für außerordentlich gefährlich.
Wunschdenken muss endlich realistischen Maßnahmen weichen. Er fordert Technologie-Freiheit, keine grün-ideologischen Verbote und warnt vor den schrecklichen Folgen des derzeitigen Populismus für unsere Wirtschaft.

Lesen Sie dazu seinen persönliche Brief an mich und im Anschluss meine resignierende Entgegnung:

Ihr Jean Pütz

Lieber Jean,
Dein Beitrag hat mich nachdenklich gemacht.

Wenn sich herausstellt, dass die Emission von CO2 und anderen THG durch menschliches Tun eine Gefahr darstellt, müssen wir etwas tun.
Aber keinen Aktionismus, der ja nur vortäuscht, man würde etwas tun.

Das Programm der GRÜNEN scheint mir im Wesentlichen aus Aktionismus zu bestehen. Die Öffentlichkeit wird getäuscht und die Schwarmintelligenz kann nicht zur Wirkung kommen, weil z.B. der zweite Hauptsatz einfach ausgeblendet wird.

Eine Schwarmintelligenz ohne Naturgesetze kann nicht funktionieren.

Also brauchen wir realistischen Klimaschutz.

Wenn die Probleme immer dringlicher werden, müssen alle Tabus fallen und völlige Technologieoffenheit muss zur höchsten Priorität gelangen.

Nun zu den Erneuerbaren als scheinbares Allheilmittel. Es scheint, das Fell des Bären wird schon verteilt, bevor er überhaupt erlegt ist. Alles soll mit Grünem Strom aus Wind und Sonne gehen:

Elektromobilität
Wasserstoff
Wärmepumpen
Stahlindustrie
Fliegen mit grünem Kerosin
….

Dem steht entgegen:

1) Die Energiedichte z.B. von Windenergie ist so gering, dass wir in Deutschland niemals die geforderten Mengen bereitstellen können.

2) Über Importe kann man spekulieren, aber die Erzeugerländer haben das gleiche Problem, das Problem ist also bloß nach außen verschoben

3) Der Anteil von EE am Strommix kann man nicht über 50 Prozent steigern, es sei denn man hat Speicher. Wir sind aber schon nahe bei 50 % (jahreskumuliert). Also ist auch hier „Ende Gelände“. Die Sättigung ist erreicht.

4) Es gibt keine Speicher, auch nicht in überschaubarer Zukunft. Die Kavernen zur Speicherung von H2 sind da, aber es ist nichts drin.

Es gibt m.E. keine wissenschaftlich validierte Studien oder Veröffentlichungen, die eine Vollversorgung mit Grünem Strom nachweisen. Szenarien gibt es genug, diese sind aber nicht relevant und benutzen Voraussetzungen, die nicht realisiert werden können.

Strom aus Wind und Sonne können Beiträge liefern, ich benutze den Begriff „Beiwerk“. Aus physikalischen Gründen können sie aber nie die Vollversorgung von Energie für alle Sektoren Strom, Verkehr und Wärme (mit der höchstem energetischen Anteil) garantieren.
Wenn aber die Erneuerbaren eine Sackgasse sind, bricht das ganze System zusammen, das auf ihnen beruht, von der Elektromobilität bis zum Fliegen mit grünem Kerosin.

Wann bekommt endlich die Vernunft wieder eine Chance.

Herzliche Grüße

Dein   Sigismund

Lieber Sigismund,

Du sprichst mir aus dem Herzen. Seit Jahren predige ich genau das, was Du hier als Wissenschaftler erklärst. Die vielen Subventionen, die in diesen Bereich geflossen sind, haben auch die Wissenschaft und Technik so korrumpiert, dass selbst das Fraunhofer-Institut für Energiesysteme in Kassel letztlich in einem Interview in der Sendung ‚Quarks‘ bescheinigte, dass die regenerative Energie-Versorgung unseres Stromnetzte möglich sei. Auf meinen erbosten Anruf hin erzählte man mir, dass man auf den Hochspannungsverbund in Europa setze. Wenn z. B. in der Nacht in Moldavien die Sonne aufgeht und einen halben Tag später in Portugal untergeht, wäre allein schon deswegen ein Ausgleich möglich. Die glauben das sogar, natürlich hochgesponsert mit Milliarden durch den grünen Mainstream der Machthabenden. Als Elektroingenieur, der schon einmal Netze berechnet hat, kann ich da nur sagen, das sind Zauberer, die das Kaninchen aus dem Hut ziehen und sich für die Nebenwirkungen und Risiken nicht zuständig erklären.

Ich selbst bin dran, mich elektrisch autonom wenigstens für zweistündigen Stromausfall zu wappnen. Jetzt, wenn sämtliche Kernkraftkerne wider jegliche Vernunft stillgelegt sind, steht dieser Gau in den nächsten Jahren bevor. Aber dann sind die Politiker, die das entschieden haben, nicht mehr im Dienst oder finden einen Sündenbock mit Namen Corona.

Ich bin entmutigt, grüner Populismus beherrscht unsere Szene und selbst alle Vernunftmaßnahmen sind für die Katz. Denk ich an Deutschland in der Nacht, so werd‘ ich um den Schlaf gebracht.

Herzliche Grüße

Jean

Kfz-Branche: Abschied von den Wasserstoff-Träumen ?!

(Business Insider) – Wasserstoff gilt schon seit den Sechzigerjahren als einer der vielversprechendsten Kandidaten für den Ersatz von Benzin und Diesel. Auch Mercedes, BMW, Audi und VW experimentieren seit Jahrzehnten mit dem Treibstoff und der Brennstoffzellentechnologie. Bisher haben die deutschen Hersteller jedoch nur Kleinserienmodelle mit Wasserstoffantrieb gebaut, wie den Mercedes GLC F-Cell oder BMW 7er Hydrogen 7. Nichts für die breite Masse.

Japan und Südkorea treiben die Technologie voran
Die Konkurrenz aus Japan und Südkorea ist deutlich konsequenter. Toyota brachte mit dem Mirai 2014 das erste in größeren Stückzahlen gefertigte Brennstoffzellen-Auto der Welt auf den Markt, das mittlerweile in der zweiten Generation vom Band läuft. Hyundai zog 2018 mit dem Wasserstoff-SUV Nexo nach. Aufgrund der exotischen Technik sind beide Modelle vergleichsweise teuer und daher keine Verkaufsschlager.

Die derzeit schlecht ausgebaute Infrastruktur tut ihr Übriges. Von dem mindestens 79.000 Euro teuren, dafür aber vergleichsweise gut ausgestatteten Südkoreaner Nexo wurden 2019 lediglich knapp 4.500 Stück gebaut. Trotzdem treiben die beiden Konzerne die Entwicklung auf diesem Gebiet mit voller Kraft voran, was auch an dem starken politischen Willen in den beiden asiatischen Ländern liegt.

VW setzt auf batteriebetriebene  Elektroautos
Wie die „Financial Times“ berichtet, haben die meisten europäischen Autokonzerne ihre Wasserstoff-Pläne mittlerweile weitestgehend begraben. Stattdessen möchten sie sich im PKW-Bereich konsequent auf batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge konzentrieren. Herbert Diess, der Vorstandsvorsitzende des VW-Konzerns, hält die Idee eines großen Marktes für Brennstoffzellen-Autos für zu optimistisch. „Sie werden keinen breiten Einsatz von Wasserstoff in Autos sehen. Nicht einmal in 10 Jahren, weil die Physik dahinter einfach so unvernünftig ist,“ sagte Diess der „Financial Times.“

Zumindest bei seiner Kernmarke baut die Zukunftsstrategie des VW-Konzerns komplett auf BEVs (Battery Electric Vehicles). Die Premium-Tochter Audi hat mit der Studie H-Tron bereits vor fast fünf Jahren einen ersten Ausblick auf ein potenzielles Brennstoffzellen-SUV gegeben. Angesicht der aktuellen Zweifel des Konzernchefs und der konsequenten Elektro-Strategie des weltweit größten Autokonzerns ist es jedoch fraglich, ob Audi jemals ein Volumenmodell mit Wasserstoffantrieb auf den Markt bringen wird.

Diess hält von der Technologie wenig
Diess hat in seiner Zeit als BMW-Ingenieur selbst an Fahrzeugkonzepten mit Wasserstoffantrieb gearbeitet, zweifelt aber im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten selbst im LKW-Bereich die Sinnhaftigkeit des Antriebskonzepts an. Die VW-Töchter MAN und Scania arbeiten zwar für die Langstrecke weiterhin an Wasserstoff-Trucks, aber auch bei ihnen liegt der Fokus klar auf E-Fahrzeugen, die ihren Strom aus großen Batterien beziehen und mit einer Füllung zwischen 200 und 300 Kilometern schaffen sollen. Zu dem Thema sagte Diess der Financial Times: „Bei LKWs geht es vor allem um die Kosteneffizienz. Und Wasserstoff ist so teuer, dass sich die Kosten pro Kilometer im Vergleich zum einem batterieelektrischen LKW verdreifachen würden.“

Der aus der Fusion von der Groupe PSA (Peugeot, Citroën, Opel und DS) und Fiat-Chrysler hervorgegangene Konkurrent Stellantis ist im Transportbereich etwas optimistischer. Der Konzern möchte in den kommenden Jahren kleine Wasserstoff-Transporter auf die Straße bringen. Im Automobilbereich sieht er aber auch kein großes Potenzial. „Der Großteil der Leute, die auf das Wasserstoffauto drängten, haben jetzt einen Rückstand bei den E-Autos“, sagte der Vorstandsvorsitzende Carlos Tavares der Financial Times.

Renault plant Wasserstoff-Transporter
Auch Renault sieht den idealen Einsatzzweck für den Wasserstoffantrieb im Güterverkehr. Philippe Prevel ist bei dem französischen Traditionskonzern für alternative Treibstoffe verantwortlich. Seiner Meinung nach macht der Antrieb vor allem bei Fahrzeugen Sinn, die einen zentralen Dreh- und Angelpunkt haben, an den sie nach dem Schichtende zurückkehren, wie Busse, Taxis oder Lieferwagen. Letztere haben die Franzosen mit dem Kangoo und Master Z.E. Hydrogen bereits im Angebot. Allerdings fiel der Anteil der Wasserstoff-Varianten an den Gesamtverkäufen bisher äußerst gering aus.

Auf lange Sicht strebt Prevel in Segment der H2-Transporter einen Marktanteil von 30 Prozent an. Derzeit sei aber noch nicht absehbar, wie viel Wachstumspotenzial in dem bisher kaum existenten Markt wirklich steckt. Noch für dieses Jahr, plant Renault zwei neue Wasserstoff-Lieferwagen, die aus einer Kooperation mit dem amerikanischen Brennstoffzellen-Spezialisten Plug Power stammen. Zudem ist der Franzose davon überzeugt, dass die mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzelle vor allem auf Strecken über 300 Kilometer eine Rolle spielen wird. Rein elektrisch angetriebene LKW bräuchten für solche Distanzen schwere und platzraubende Batterien. Im PKW-Bereich setzt Renault bis 2030, wie der Großteil seiner europäischen Konkurrenten, vor allem auf BEVs und Hybridantriebe.

Mercedes und BMW halten sich zurück
Mercedes hatte jahrelang ambitionierte Wasserstoff-Pläne. Doch auch die Stuttgarter konzentrieren sich mittlerweile in erster Linie auf die Entwicklung batterieelektrischer Autos und den Ausbau ihrer EQ-Modellfamilie. Nachdem die Marke mit dem Stern seit den Neunzigern Brennstoffzellen-Versionen der A- und B-Klasse produzierte, wurde Ende 2018 der Mercedes GLC F-Cell eingeführt. Das Wasserstoff-SUV wurde nur im Leasing angeboten und bereits im April 2020 nach rund 3.000 Exemplaren eingestellt. Die Schwaben haben ihr Wasserstoff-Programm aber nicht komplett aufgegeben. Im LKW-Bereich haben sie kürzlich eine Kooperation mit Volvo geschlossen.

Beim Erzrivalen aus München sieht es ähnlich aus. BMW plant für 2022 eine lokal emissionsfreie Version des X5, die sich einen Großteil der Technik mit Toyotas Technologieträger Mirai teilen wird. Doch auch bei dem Brennstoffzellen-X5 rechnet der Hersteller nur mit niedrigen Stückzahlen. Passend zum Zeitgeist liegt auch bei den Bayern das Hauptaugenmerk auf der Entwicklung ihrer batteriebetriebenen Modelle, wie beispielsweise dem i4 oder dem iX.

Wenig Tankstellen und hohe Preise
Die Gründe für die Skepsis der Autokonzerne sind vielseitig. Allen voran werden viele Kunden derzeit von der international dürftigen Infrastruktur abgeschreckt. Trotz staatlicher Förderungen seit 2007 gibt es laut dem Anbieter H2.LIVE hierzulande derzeit nur 91 Tankstellen, während sich rund fünf Stück in der finalen Bauphase befinden. Zum Vergleich: Benzin konnte im vergangenen Jahr an insgesamt 14.400 Orten gezapft werden.

In anderen Ländern sieht es nicht besser aus. Im Gegenteil: Deutschland führt die europäische Rangliste mit einem großen Vorsprung an. Insgesamt sind es in ganz Europa nur 180 Stück. Kein Wunder, denn der Bau einer neuen H2-Tankstelle schlägt mit rund einer Million Euro zu Buche. Dazu kommt, dass Wasserstoff für Autos aufgrund der geringen Nachfrage nur in kleinen Mengen produziert wird, der Treibstoff ist deshalb vergleichsweise teuer. Ein Kilo kostet derzeit üppige 9,50 Euro. Der Hyundai Nexo kommt damit beispielsweise etwas weiter als 100 Kilometer.

Aufwendigere Technik als beim BEV
Zudem sind die Wasserstoffmodelle in der Anschaffung deutlich teurer als vergleichbare Benziner oder E-Autos. Während letztere zwar über eine üppig dimensionierte und kostenintensive Lithium-Ionen-Batterie verfügen, sind sie technisch deutlich einfacher aufgebaut. Bei Wasserstoffautos kommen zu den dickwandigen Hochdrucktanks die Brennstoffzelle, in der H2 mit Sauerstoff reagiert. Neben Wasser und Wärme, wird dabei natürlich auch der für den Antrieb benötigte Strom erzeugt. Letzterer wird anschließend von einem Aufwärtswandler verstärkt und erst dann an die E-Motoren abgegeben. Dazu kommt noch eine zusätzliche Puffer-Batterie.

All diese Komponenten führen derzeit noch zu hohen Produktions- und Entwicklungskosten. Um diese deutlich senken zu können, müssten die Autohersteller jährlich hunderttausende Brennstoffzellen-Fahrzeuge verkaufen. Angesichts der aktuellen Verkaufszahlen ist das ein utopisches Ziel. Der Wirkungsgrad der Brennstoffzelle ist mit rund 65 Prozent zwar doppelt so hoch wie bei einem Verbrennungsmotor. Wenn man jedoch die Produktion, den Transport und die Umwandlung des Wasserstoffs in Strom komplett durchrechnet, landet man bei einem Wirkungsgrad von 29 bis 32 Prozent. Batterieelektrisch angetriebene Fahrzeuge sind derzeit effizienter als Wasserstoffautos.

Maximilian Fichtner, Professor der Festkörperchemie an der Universität Ulm, äußerte im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ schon im November 2019 Bedenken. Der Gesamtverkehr hatte hierzulande damals einen jährlichen Energiebedarf von rund 770 Terawattstunden, sagte Fichtner. Wenn man alle Fahrzeuge mit einem Wasserstoffantrieb ausrüsten würde, dürfte der Bedarf auf über 1000 Einheiten ansteigen. Die Umstellung auf einen reinen Elektroantrieb könnte ihn dagegen sogar auf rund 200 Terawattstunden reduzieren.

Grüner Wasserstoff ist Zukunftsmusik
Als Abgas fällt bei Brennstoffzellenautos tatsächlich nur unschädlicher Wasserdampf an. Die Produktion von H2 ist aber in den meisten Fällen noch alles andere als klimaneutral. Die Herstellung von grünen Wasserstoff ist zwar in der Theorie bereits möglich. Hierbei wird die Elektrolyse von Wasser ausschließlich mit Strom durchgeführt, der komplett aus erneuerbaren und klimaneutralen Energien stammt. Diese Methode ist derzeit jedoch noch sehr kostenintensiv und wird deshalb nur im kleinen Maßstab eingesetzt. Der große Durchbruch wird hier zwar schon seit langem prophezeit, bisher ist er jedoch noch nicht eingetroffen.

Die Norm ist heute dagegen der graue Wasserstoff. Bei ihm stammt die Energie großteils aus fossilen Brennstoffen. Meist wird Erdgas unter hohen Temperaturen in Wasserstoff und C02 umgewandelt. Letzteres wird in die Umgebungsluft abgegeben und verstärkt so den Treibhauseffekt. Eine Zwischenstufe stellt der blaue Wasserstoff dar. Hier wird die Produktion auf die gleiche Weise durchgeführt, die Treibhausgase jedoch abgefangen und anschließend gespeichert. Doch auch bei dieser Vorgehensweise gibt es Nachholbedarf. Trotzdem sollte man den Wasserstoff nicht vorschnell abschreiben. Auf lange Sicht dürfte er bei der Energiewende nämlich eine entscheidende Rolle spielen. Wenn auch zum jetzigen Stand eher im Nutzfahrzeugbereich, sowie in der Produktion von Stahl und Zement.

Nachhaltige Stromerzeugung mit niedrigen Temperaturen

Eine lobenswerte Initiative, aber der Beitrag zur Gesamt-Stromerzeugung in Deutschland ist nur minimal wegen des zweiten Hauptsatzes der Thermodynamik. Der Temperatur-Unterschied ist nur gering. Wenn durch intensive Forschung selbst um 20% erhöht werden kann, dann bedeutet das selbst bei einem Wirkungsrad von 15% nur 3% mehr.

Ich hoffe, dass bei der Förderung dieser Forschung diese Gesetzmäßigkeit mit einbezogen wurde

Jean Pütz

(KIT) – Niedertemperaturwärme, wie sie als Abwärme in der Industrie oder in Geothermiekraftwerken entsteht, bietet große Potenziale für eine nachhaltige und bedarfsgerechte Stromversorgung. Mit dem Kraftwerkstechnikum MoNiKa (steht für: Modularer Niedrigtemperaturkreislauf Karlsruhe) ist am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) eine europaweit einzigartige Forschungsinfrastruktur in Betrieb gegangen. Ziel ist es, die Umwandlung überschüssiger Wärme in Strom im Organic-Rankine-Cycle (ORC) effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.

Mit Blick auf eine möglichst CO2-arme und energieeffiziente Stromerzeugung hat Niedertemperaturwärme in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. „Statt Wärme, die ohnehin als Überschuss vorhanden ist, in die Umgebung abzuführen, ist es sinnvoller, sie weiter zu nutzen und damit Strom zu produzieren“, erklärt Dr. Dietmar Kuhn, Leiter der Arbeitsgruppe Energie- und Verfahrenstechnik am Institut für Thermische Energietechnik und Sicherheit (ITES) des KIT. Um Wärme von unter 200 Grad Celsius für die Versorgung von Privathaushalten zu verstromen, kommen sogenannte ORC-Anlagen zum Einsatz. Sie basieren auf dem Organic-Rankine-Cycle – einem Verfahren, das nach dem britischen Begründer der Thermodynamik, William John Macquorn Rankine, benannt und vor allem aus Geothermiekraftwerken bekannt ist.

Hierbei handelt es sich um einen Flüssig-Dampf-Kreislauf, bei dem ein Fluid im Kreis gepumpt und unter Druckerhöhung aufgeheizt wird, bis es verdampft. Der heiße Dampf wird über eine Turbine geführt, die ihm den Druck und die Temperatur wieder entzieht und ihn in Bewegungsenergie und Strom verwandelt. Da der Siedepunkt von Wasser unter Druck bei einigen hundert Grad liegt und damit deutlich höher als das, was eine Niedertemperaturquelle wie Erdwärme zur Verfügung stellen kann, kommen, anders als zum Beispiel in einem Kohlekraftwerk, beim ORC-Verfahren andere Fluide als Arbeitsmedien zum Einsatz. Im Technikum MoNiKa arbeiten die Expertinnen und Experten mit Propan, das bei hoher Leistungsfähigkeit einen sehr niedrigen GWP-Faktor aufweist, der das Treibhauspotenzial angibt (GWP steht für Global Warming Potential).

Strategien für die Effizienzsteigerung von ORC-Anlagen
Bislang liegt der Wirkungsgrad, das heißt die Stromausbeute aus Wärmeüberschüssen, bei ORC-Anlagen bei nur 10 bis 15 Prozent. Zentrales Ziel der Karlsruher Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen ist es deswegen, neue Strategien für die Effizienzsteigerung von ORC-Anlagen zu entwickeln und deren CO2-Fußabdruck zu senken. „MoNiKa bietet eine Forschungs- und Entwicklungsinfrastruktur, die auf dem neuesten Stand der Technik und einzigartig in Europa ist“, betont Kuhn. So wird im Technikum der Dampfkreislauf anders als in den meisten ORC-Kraftwerken überkritisch betrieben. Das heißt: Mit Blick auf Temperatur, Druck und Dichte wird der sogenannte „kritische Punkt“ überschritten, an dem ein Gas flüssig wird und umgekehrt, und die Phasenübergänge werden fließend. „Damit können wir die Stromausbeute um zwanzig bis dreißig Prozent erhöhen“, sagt Kuhn.

Das modular aufgebaute Technikum verfügt über eine Heizanlage, welche die Niedertemperaturwärmequelle simuliert. Eine umfangreiche Sensorik für die Messung von Temperaturen, Drücken und Durchflüssen ermöglicht es, Daten aus dem laufenden Betrieb mit Modellrechnungen zu vergleichen und so die Prognosequalität zu erhöhen. Auf dieser Basis wollen die Forschenden zentrale Komponenten wie den Wärmetauscher oder den innovativen Hybrid-Kondensator analysieren und so optimieren, dass sie energieeffizienter und umweltschonender arbeiten. Ziel ist unter anderem auch, Leckagen im Arbeitskreis zu reduzieren oder ganz zu vermeiden.

Technikum für anwendungsorientierte Forschung
MoNiKa erreicht eine thermische Leistung von einem Megawatt und damit eine Größenordnung, mit der die erzielten Forschungsergebnisse gut auf die Praxis übertragen und skaliert werden können. Das Technikum, an dem bereits erste Experimente laufen, soll vor allem für anwendungsorientierte Forschungsprojekte eingesetzt und langfristig an das Energy Lab 2.0 des KIT angebunden werden. Derzeit identifizieren Kuhn und sein Team gemeinsam mit interessierten Industriepartnern Forschungsthemen und -bedarfe. Das Großinvestitionsprojekt, in dessen Rahmen das Kraftwerkstechnikum am ITES aufgebaut wurde, lief von 2013 bis 2021 und wurde vom Bundesministerium für Bildung- und Forschung mit 4,4 Millionen Euro gefördert. (sur)

Chaos um Corona-Maßnahmen rund um Ostern 2021

Diesen hervorragenden Bericht aus dem Spiegel möchte ich den Lesern meiner Homepage nicht vorenthalten

Jean Pütz

(Spiegel) – Mit dem Feiertagslockdown hat die Politik die Wirtschaft überrascht: Supermärkte fürchten einen Kundenansturm, Molkereien wissen nicht, wer die Milch vom Bauernhof abholt. Der Frust wächst.

Wer sich bei Unternehmern nach den Folgen des geplanten Oster-Shutdowns erkundigt, bekommt wenig Schmeichelhaftes zu hören: »Harakiri«, »Chaos«, ein »Aprilscherz« – so beschreiben Unternehmen die Beschlüsse von Kanzlerin Angela Merkel und den Regierungschefs der Länder.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisiert die Krisenpolitik scharf: »Während andere Staaten mehr und schneller impfen und testen, um die Freiheit ihrer Bürgerinnen und Bürger zu erhalten, verhängt Deutschland nun Ruhezeiten.«

Bund und Länder hatten nach einer mehr als elfstündigen Verhandlung in der Nacht zum Dienstag einen fast völligen Stillstand des öffentlichen Lebens über Ostern beschlossen. Die Politik fürchtet, dass die Zahl der Neuinfektionen sonst so schnell steigen könnte, »dass bereits im April eine Überlastung des Gesundheitswesens wahrscheinlich ist«, heißt es in dem Beschluss.

Um die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus zu senken, sollen Gründonnerstag und Ostersamstag als Ruhetage gelten. Vom 1. bis 5. April soll eine »erweiterte Ruhezeit« gelten. Nur für den Lebensmitteleinzelhandel am Ostersamstag gibt es eine Ausnahme.

Doch was dieser Oster-Shutdown konkret für Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Deutschland bedeutet, darüber wird gerätselt: Manche Händler fürchten einen Kundenansturm, andere empfindliche Verluste. »Wie dieser Beschluss auszulegen ist, steht schlichtweg noch nicht fest«, sagt Kira Falter, Fachanwältin für Arbeitsrecht.

So wissen viele Firmen noch gar nicht, wie sie mit den Beschlüssen umgehen sollen – und hoffen auf mehr Klarheit aus der Politik. Die lässt auf sich warten: Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder erklärte, man arbeite noch an der entsprechenden Rechtsgrundlage, bei der es auch um Zuschläge für Arbeitnehmer gehen soll. Denn das Arbeitszeitgesetz sieht vor, dass Arbeitnehmer, die an Sonn- oder Feiertagen arbeiten müssen, einen Ersatzruhetag erhalten. Wer die Kosten dafür trägt, ist noch nicht klar.

Lebensmittelhändler warnen vor »Harakiri«
Schon jetzt zeichnet sich ab, dass es in Deutschlands Supermärkten rund um Ostern eng werden dürfte. Sie müssen zwar am Gründonnerstag schließen, dürfen aber am Ostersamstag öffnen, wie aus dem Beschluss von Bund und Ländern hervorgeht.

Doch die Freude der Branche hält sich in Grenzen. Die Tage vor Ostern zählen in der Branche normalerweise zu den umsatzstärksten Zeiten des ganzen Jahres. Nun fürchten Lebensmittelhändler einen wahren Kundenansturm: »Es ist Harakiri, den Lebensmitteleinzelhandel an Gründonnerstag dichtzumachen«, sagt ein Manager. »Der gesamte Einkauf ballt sich dann die Tage zuvor und Ostersamstag.«

Während Supermärkte öffnen, müssen Drogerien am Ostersamstag wohl geschlossen bleiben. Bei Rossmann und Müller fürchtet man, dass es deshalb vor Ostern noch voller werden wird als sonst: »Wir sehen mit großer Sorge auf die kommende Woche«, sagt Raoul Roßmann, Geschäftsführer Einkauf und Marketing bei der gleichnamigen Drogerie. Er erwartet einen »Kundenansturm, der sowohl für unsere Kund:innen als auch unsere Mitarbeitenden zu einer enormen Herausforderung werden dürfte.«

Anderen Einzelhändlern entgeht das wichtige Ostergeschäft dagegen völlig. Groß ist der Frust etwa bei Textil- und Einzelhändlern, die in Regionen mit niedriger Inzidenz den Neustart mit Terminvergabe oder Click and Collect versucht haben und nun über Ostern ganz schließen müssen.

Der Textileinzelhändler Ernsting’s spricht etwa von »enttäuschendem Krisenmanagement«. Ein Jahr nach dem allerersten Lockdown falle der Politik offenbar kein anderes Mittel der Pandemiebekämpfung als die »willkürliche Ausbremsung einiger Branchen« ein.

Für die Konfiseriekette Arko mit ihren rund 360 Filialen ist Ostern eine der wichtigsten Verkaufszeiten des Jahres

Auch die Modefirma Gerry Weber zeigt sich enttäuscht: Die Schließung des Einzelhandels sei das falsche Mittel, um die Infektionszahlen zu senken, sagt CEO Alexander Gedat. »Wir plädieren ganz dringend für eine Öffnungsstrategie, die nicht an Inzidenzzahlen, sondern an eine Teststrategie gekoppelt ist.«

Dass ausgerechnet das Ostergeschäft ausfällt, trifft manche Branchen besonders hart. Für die Konfiseriekette Arko mit ihren rund 360 Filialen ist Ostern eine der wichtigsten Verkaufszeiten des Jahres. Nun bleiben alle Läden zu. Die Beschlüsse von Bund und Ländern träfen »mitten ins Mark«, heißt es bei Arko.

Noch deutlicher werden Gastwirte und die Tourismusbranche, denen das wichtige Geschäft nun fast gänzlich entgeht. Der Hotel- und Gaststättenverband beklagt »politisches Missmanagement«. Und der Deutsche Tourismusverband äußert »Wut, Ärger, Verzweiflung«.

Steht die Produktion still oder nicht?
Manche Unternehmen zeigen sich vom Ruhetag unbeeindruckt: An der Deutschen Börse etwa soll am Gründonnerstag trotzdem gehandelt werden. Und die chemische Industrie baut darauf, dass ihre Werke auch über Ostern laufen dürfen: »In dem Beschluss steht nichts davon, dass produzierende Betriebe über Ostern ihren Betrieb nicht fortsetzen dürften«, sagt ein Sprecher des Verbandes der Chemischen Industrie. »Unsere Unternehmen werden weiter produzieren, unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen.« Der Beschluss habe daran nichts geändert.

Ganz anders klingen die Warnungen der Maschinenbauer, die von immensen Kosten im Zusammenhang mit einem Produktionsstopp am Gründonnerstag sprechen. Die Entscheidung von Bund und Ländern stelle die Firmen vor »große organisatorische Herausforderungen«, kritisierte der Branchenverband VDMA.

Viele Firmen sind noch überhaupt nicht sprechfähig. Selbst in Branchen, die normalerweise wenig mit Coronaregeln zu kämpfen haben, ist die Verwirrung groß – zum Beispiel in der Milchindustrie. »Wir können die Milch nicht auf den Höfen lassen oder wegstapeln«, warnt der Milchindustrie-Verband, der auf eine Ausnahme von der Ruhetagsregelung hofft. »Frische Milch ist kaum lagerfähig, und wir müssen lieferfähig bleiben.«

Auch die Logistikbranche warnt vor Problemen durch den überraschenden Ruhetag: »Wenn der Gründonnerstag als Liefertermin an die Supermärkte ausfällt, wird es schwer, die großen Mengen an frischer Ware rechtzeitig unterzubringen«, sagt Frank Huster, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV). Schon jetzt würden die Frischelogistiklager vieler Speditionen überquellen.

Die Lkw selbst werden wohl trotz des Beschlusses am Gründonnerstag und Karsamstag fahren können, vermutet Huster – denn das allgemeine Sonn- und Feiertagsfahrverbot für Lkw wurde wegen der Pandemie schon vor Monaten aufgehoben. Unklar ist aber, welche Regelung für andere Beschäftigte in der Branche gilt, etwa für Disponenten. Wird der Gründonnerstag für sie zum Feiertag erklärt, oder müssen sie von zu Hause arbeiten? Huster weiß es nicht. Sein Verband hat bei der Bundesregierung angefragt, aber bis zum frühen Dienstagnachmittag noch keine Antwort erhalten.

Wer umzieht, hat ein Problem
Besonders hart treffen könnte der Oster-Lockdown Menschen, die am Gründonnerstag umziehen. Und das dürften Tausende sein: denn dieser Tag ist der 1. April, einer der wichtigsten Umzugstage des Jahres. »Zum Quartalswechsel ziehen immer viele Menschen um, und das Osterwochenende bietet sich an, um die Wohnung einzuräumen«, sagt ein Sprecher des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik. »Aber jetzt wissen wir nicht, ob wir an diesem Tag überhaupt Umzüge durchführen dürfen.« Dies könne gravierende Folgen haben, etwa für Mieter, die ihre alte Wohnung nicht räumen oder ihre neue Wohnung nicht beziehen könnten.

Besonders fürchten die Möbelspediteure unterschiedliche Regelungen in verschiedenen Bundesländern. »Es könnte passieren, dass sie den Auszug in Wiesbaden durchführen dürfen, den Einzug in der Nachbarstadt Mainz aber nicht«, sagt der Verbandssprecher – denn Wiesbaden gehört zu Hessen, Mainz zu Rheinland-Pfalz. »Das ist wie ein Aprilscherz.«

Überblick über die Arbeit eines Forschungs-Instituts, welches die Verhaltensweisen der Bürger während der Corona-Krise untersucht – Mit einer Einleitung von Jean Pütz

Max Weber war einer der wichtigsten Soziologen Deutschlands. Die nach ihm benannte Max-Weber-Stiftung erforscht Verhaltensweisen von Menschen und Kulturen im globalen Sinne. Es ist eine Quelle von vielen Erkenntnissen, die leider in der Politik keinen Widerhall finden. Zu Ihrer Information hier interessante Einblicke in die gesellschaftlichen Prozesse während und unmittelbar vor der Corona-Krise

Jean Pütz

(Max Weber Stiftung) – Krisen sind Stresstests für Staaten und Gesellschaften. Sie offenbaren kulturelle, soziale, wirtschaftliche und politische Zusammenhänge sowie Schwachstellen. In aktuellen Forschungen beschäftigen sich die Institute der Max Weber Stiftung mit unterschiedlichen Facetten der Corona-Pandemie aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Perspektiven.

Die Corona-Pandemie stellt uns seit mehr als einem Jahr vor gewaltige Herausforderungen. Weder die unmittelbaren Konsequenzen noch die Langzeitfolgen sind absehbar. Für die Geistes- und Sozialwissenschaften wird die Krise so zu einem eigenen neuen Forschungsfeld. Ihr globales Ausmaß erfordert eine Analyse aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. So untersuchen auch die Institute der Max Weber Stiftung (MWS) die Reaktionen auf und den Umgang mit der Pandemie. Neue Krisenphänomene werden dabei ebenso in den Blick genommen wie bereits vor Ausbruch der Pandemie bestehende Herausforderungen, die sich im Zuge der Krise verschärft haben. Die Untersuchungen können dabei durchaus eine wertvolle Orientierung für die Einschätzung und den Umgang mit der Pandemie im eigenen Land bieten. Historische Perspektiven kontextualisieren heutiges Handeln im Umgang mit der Pandemie.

Die Forschungen der MWS-Institute reichen von der Untersuchung des Einflusses der Pandemie auf Alleinstehende in einer reichen Industrienation wie Japan (Deutsches Institut für Japanstudien Tokyo), über die Befragung von Familien und deren Umgang mit ihren an Diabetes erkrankten Kindern vor und während der Pandemie in der Türkei (Orient-Institut Istanbul) bis hin zu einer historischen Betrachtung des Impfens und der Impfskepsis vor dem Spiegel der aktuellen Situation in den USA (Deutsches Historisches Institut Washington).

Die Max Weber Stiftung – Deutsche Geisteswissenschaftliche Institute im Ausland fördert die Forschung mit Schwerpunkten auf den Gebieten der Geschichts-, Kultur-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften in ausgewählten Ländern und damit das gegenseitige Verständnis. Sie unterhält zurzeit weltweit zehn Institute sowie weitere Forschungsgruppen und Büros. Mit ihren Infrastrukturen bietet die MWS beste Voraussetzungen für exzellente geistes- und sozialwissenschaftliche Forschung, die durch unmittelbare Nähe zu den Forschungsgegenständen und im Austausch unterschiedlicher Perspektiven und Herangehensweisen entsteht.